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Streit um Straßenmusik weitet sich aus

Parteien fordern Stadtverwaltung auf, neu eingeführte Gebühr wieder abzuschaffen
Die neuen Regelungen der Stadtverwaltung für Dresdner Straßenmusiker schlagen weiter hohe Wellen. Vor allem die Gebühren von 25 Euro pro Woche, die Musiker entrichten sollen, sorgen für Ärger. Dazu äußerte sich GrünenKreisverbandssprecher Michael Schmelich wie folgt: „Das Abkassieren der Straßenkünstler und das völlig inakzeptable bürokratische Verfahren ist einer Kulturstadt unwürdig.“ Auch die Musiker selbst sind über die hohen Verwaltungskosten empört: „Bei Regenwetter ist es utopisch, so viel Geld überhaupt einzuspielen“, ärgert sich Jonathan Fuchs. „Eine Summe von zehn Euro pro Woche halte ich noch für vertretbar, aber bei derart hohen Gebühren werden wohl viele Straßenmusiker aufgeben.“ Der Gitarrist, der neben Straßenmusik auch in der Band „The Smokkings“ spielt, verdient an einem guten Tag mit schönem Wetter 30 Euro in der Stunde – doch dies sei eher die Ausnahme. Seltsam findet Jonathan Fuchs das Argument der Stadtverwaltung, Straßenmusik würde teilweise in Lärmbelästigung ausarten. „In den vergangenen zwei Jahren ist es mir erst zweimal passiert, dass sich Anwohner oder Passanten über die Lautstärke meiner Gitarre beschwert haben“, so der Musiker. Auch Michael Pritzke, der viele Jahre für die Nutzung elektronischer Verstärkung sowie den Verkauf der eigenen Kunst auf CD gekämpft hat, ist Tiefbauamt. Diese Musiker würden irgendwann weiterreisen, die heimischen Künstler hätten nun das Nachsehen. „Wir Straßenmusiker wünschen uns eher, dass man uns unterstützt und nicht ständig alles unternimmt, um uns das Leben und die Arbeit zu erschweren. Kunst findet nicht nur in teuren Kulturhäusern statt, sondern oft auch davor“, kommentiert Pritzke die Verwaltungsentscheidung weiter und fügt hinzu: „Falls es nötig ist, werde ich für den Erhalt meiner Arbeit auch eine Petition einreichen.“. Nützt alles nichts, muss er sich zwangsweise mit dem Gedanken befassen, seine Heimatstadt zu verlassen. Auch Dresdner Politiker stehen der Verwaltungsentscheidung weiterhin kritisch gegenüber, die SPD-Fraktion fordert nun ein Einlenken der Stadtverwaltung. „Diese Regelung ist Unsinn und muss schnellstens wieder abgeschafft werden“, erklärt SPDStadträtin Sabine Friedel. Auch Grünen-Sprecher Schmelich schließt sich der Auffassung der SPD an: Seit der Antike gehöre die Straßenkunst zur europäischen Kultur. Wer sie in der Weise, wie das in Dresden geschehen soll, praktisch verhindert, „sollte den Begriff Kulturmetropole nicht mehr in den Mund nehmen“, so Schmelich. „Es ist ein Verwaltungsakt zur Förderung innerstädtischer Friedhofsruhe.“ Nadine Steinmann/ Julia Vollmer

Akkordeonspieler Eckehard Horst aus Heidenau hält die Gebühr für überzogen. sauer. Er weist darauf hin, dass vor allem durchreisende Musiker sich oft nicht an die bisher geltenden Regeln gehalten haben. „So spielte beispielsweise mal eine australische Band auf dem Neumarkt, wo selbst ich als Passant darum gebeten habe, leiser zu machen. Weiterhin gab es viele andere Künstler mit Verstärker, die keine Erlaubnis hatten und dennoch lautstark musizierten“, erklärt Pritzke in einem Offenen Brief an das Straßen- und

Foto: Dominik Brüggemann