Sonnabend, 1.

Juni 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 102

B1

Investor Relations
Die Aktie – attraktiver Bestandteil des Vermögensaufbaus
Kommunikation mit Privatanlegern sollte auch künftig ein Schwerpunkt der Investor-Relations-Arbeit sein
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 „Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, kauft Aktien“ – dieses geflügelte Bonmot der 1999 verstorbenen Börsenlegende André Kostolany hat, zumindest was den ersten Teil dieser Weisheit anbelangt, mittlerweile einen leicht bitteren Beigeschmack bekommen. In den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts lag die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen regelmäßig bei mindestens 5 %, teilweise auch deutlich darüber. Für den risikoaversen Anleger war es eine hervorragende Investition, da er bei einer risikolosen Anlage auch real profitierte, schließlich lag der Zinssatz deutlich über der Inflationsquote. Und heute? vor allem Aktien auf. Nun ist es aber so, dass gerade in Deutschland die Investition in Aktien sehr kritisch gesehen wird – gerade einmal 5 % des Geldvermögens werden hierzulande in Aktien investiert. Ein Grund liegt sicherlich in einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis – immerhin werden 70 % in Produkte der Banken und Versicherungen investiert. Fast konsequent – möchte man sagen – hat sich auch die Zahl der Aktienbesitzer zuletzt wieder rückläufig entwickelt. Nach einer Analyse des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hat sich im zweiten Halbjahr 2012 die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsanleger von 10,1 Millionen im ersten Halbjahr auf 8,8 Millionen oder 13,7 % der Bevölkerung im zweiten Halbjahr 2012 reduziert. umfeld sollte die Investition in Aktien gleich aus zwei Gründen fördern: Zum einen macht es die Anlage in Anleihen relativ unattraktiv, zum anderen stellt es einen Impuls für ein positives Konjunkturumfeld dar, was wiederum die Unternehmen begünstigt. Derzeit weisen die Dax-Werte im Durchschnitt eine attraktive Dividendenrendite von 3,2 % aus, die Gesamtausschüttung 2013 liegt nach jüngsVon ten Schätzungen von Lawrence Rosen Ernst & Young bei ca. 27,6 Mrd. Euro und damit 2% höher als im Vorjahr mit 27,1 Mrd. Euro und immerhin noch etwa 1 % höher als beim bisherigen Höchststand von 2008 (AusschütChief Financial Officer tung für 2007), als 27,3 der Deutsche Post DHL Mrd. Euro ausgeschüttet wurden. Hinzu ko zu vermeiden, einen zu großen kommt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis Anteil des Vermögens Rückschlägen von 12,0 auf Basis der für 2013 erwarteten Gewinne. auszusetzen. Zusammen mit der DividendenNun werden aber viele Aktienskeptiker einwenden, dass der Blick in rendite deutet dies nicht auf eine die Vergangenheit keine Schlüsse Überhitzung oder Überbewertung auf die Zukunft zulässt. Dies ist rich- der Märkte hin. Viele ausländische tig, aber ein zumindest für die nahe Investoren sehen zudem deutsche Zukunft erwartetes niedriges Zins- Standardaktien in der stürmischen Aktien gehören damit grundsätzlich in jedes langfristig ausgerichtete Portfolio, wobei ihr Anteil natürlich je nach individuellen Lebensumständen auch im Zeitablauf variieren kann. Junge Menschen können Kursrückgänge eher aussitzen, ältere Personen tendieren eher dazu, den Aktienanteil zu reduzieren, um das RisiEurozone als sehr solide an. Welche Aktien eignen sich hier insbesondere für eine Investition als Bestandteil der Altersvorsorge oder im Rahmen eines langfristigen Vermögensaufbaus? Es sind Konzerne mit globaler Ausrichtung, starker Marktposition in den Wachstumsmärkten, solidem Geschäftsmodell mit guten, stabilen Margen und gesunder Bilanzstruktur. sierte Privatanleger findet dort zudem aktuelle Analystenschätzungen und -empfehlungen. Zudem führen wir häufig an unterschiedlichen Orten Veranstaltungen mit Banken, Börsen und Aktionärsvereinigungen durch, in denen wir unsere Strategie und Geschäftsentwicklung mit dem interessierten Privatinvestor diskutieren. Uns freut auch, dass unser Geschäftsbericht in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet worden ist – er rundet das Komplettangebot für den Privatanleger ab.

Gleiche Informationen
Was kann und sollte IR in diesem Zusammenhang leisten? Durchgesetzt hat sich sicherlich bei den großen börsennotierten Gesellschaften die Erkenntnis, dass Privatanleger eine sehr wichtige Aktionärsschicht darstellen, die häufig als loyal und grundsätzlich längerfristig am Unternehmenserfolg interessiert gilt. Auch bei Deutsche Post DHL werden sie als stabiler Anker in unserer Aktionärsschicht geschätzt, von daher ist es bei uns eine Selbstverständlichkeit, dass Privatinvestoren Zugang zu den gleichen Informationen haben wie institutionelle Anleger. Kapitalmarktrelevante Informationen stellen wir unverzüglich auf unserer mehrfach ausgezeichneten Internet-Seite zur Verfügung. Der interes-

Es zahlt sich aus
Aus Unternehmenssicht lohnt es sich, die Bedeutung der Aktie als wichtigem Bestandteil des Vermögensaufbaus bzw. der Altersvorsorge zu verdeutlichen. Denn steigt der in Aktien gehaltene Teil des privaten Geldvermögens von 5 % auf 10 %, dann fließen dem Aktienmarkt in Deutschland bei bekanntem „home bias“ der Anleger ungefähr 250 Mrd. Euro zu – was immerhin gut 30 % der aktuellen Marktkapitalisierung der Dax-Werte entspricht. Ein Schwerpunkt der IR-Arbeit sollte daher auch weiterhin die Kommunikation mit den Privatanlegern sein.

Düsteres Bild
Die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Verschuldung vieler EU-Länder gekoppelt mit einer abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit hat dazu geführt, dass selbst die früher als sicher geltenden Staatsanleihen nicht mehr als risikolos gelten können oder aber bei sehr bonitätsstarken Schuldnern wie beispielsweise Deutschland, Schweden und der Schweiz mit einem Zins ausgestattet werden, der durch die Inflationsquote teilweise überkompensiert wird: Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe lag Ende Mai 2013 bei 1,4 % – bei einer Inflationsquote im Euroraum von derzeit 1,2 %, was eine Realverzinsung von 0,2 % bedeutet. Rechnet man Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag mit hinein, sieht das Bild noch düsterer aus. Für vermeintliche Sicherheit bezahlt der Investor mit real fast negativen Zinsen also einen sehr hohen Preis.

Risikoaverse Haltung
Überraschend ist dies nicht nach sehr volatilen Börsenjahren und zwei veritablen Börsencrashs allein in diesem noch jungen Jahrtausend. Die risikoaverse Haltung hierzulande kann damit erklärt werden, es schließt sich aber die Frage an, ob sie auch rational und zukunftsgerichtet ist oder ob nicht die Risiken einer Investition hierzulande überbetont werden. Nun sind kurz- und mittelfristige Korrekturen an den Aktienmärkten in Deutschland und weltweit immer möglich, auch getrieben von politischen Entscheidungen und makroökonomischen Entwicklungen, aber: Krisen eröffnen bekanntlich Chancen – und in volatilen Zeiten wie derzeit sollte nicht vergessen werden, dass Aktien langfristig häufig eine sehr sichere und rentable Investition darstellten. Nach Informationen des DAI liegen die jährlichen Dax-Renditen immerhin langfristig bei bis zu 8 %, wobei langfristig aber auch zehn und mehr Jahre bedeuten kann. Nehmen wir 2012 als Beispiel: Im Jahresvergleich gegenüber dem Dax-Schlusskurs Ende Dezember 2011 betrug der Zuwachs 29,3 %, im Zehn-Jahres-Vergleich, das heißt seit 2002, lag der jährliche Wertzuwachs bei 10,2 %. Auf 15-Jahres-Basis seit 1997 waren es immerhin 4,0 % pro Jahr. Bei 20 Jahren konnten seit 1992 8,3 % per annum verzeichnet werden und bei einer Betrachtung von über 30 Jahren seit 1982 betrug der jährliche Zuwachs 9,5 %. Langfristig sehr stolze Zuwachsraten für denjenigen Investor, der ruhig und gelassen die Volatilität an Märkten akzeptiert hat.

Was verheißt die Zukunft?
Und was bringt die Zukunft? An der niedrigen Verzinsung von Staatsanleihen mit Top-Rating wird sich kurzfristig wahrscheinlich nicht viel ändern, zumal der öffentliche Druck, bestärkt auch durch OECD und Internationalen Währungsfonds, auf die Europäische Zentralbank (EZB) eher zunehmen dürfte, die Geldpolitik weiter zu lockern, um den in der Rezession steckenden EU-Ländern weiter entgegenzukommen. Was also tun? Als alternative Assetklassen werden immer wieder Immobilien und Gold genannt. Als Baustein zur langfristigen Vermögensbildung sicherlich geeignet, zu bedenken ist allerdings, dass gerade in den lukrativen Ballungsgebieten die Immobilienpreise in der letzten Zeit dramatisch angezogen haben und Gold keine regelmäßigen Zahlungen in Form von Zins oder Dividende abwirft und eine sehr hohe Volatilität aufweisen kann – allein am 15. April 2013 fiel der Goldpreis um 9 % gegenüber dem Vortag.

Aktienanteil variiert
Dieser Wertzuwachs setzt sich aus Dividendenzahlungen und Kurssteigerungen zusammen. Deutsche Blue Chips erwirtschaften damit langfristig eine Rendite, die deutlich über denen der Staatsanleihen liegt. Gerade regelmäßige Dividendenzahlungen machen die Aktien für Anleger interessant, die im Rahmen eines langfristigen Vermögensaufbaus oder der Altersvorsorge auf regelmäßige Ausschüttungen Wert legen.

Liquide Sachwerte beachten
Das beste Chance-Risiko-Profil weisen nach Einschätzung vieler Experten derzeit liquide Sachwerte,

AUS DEM INHALT
Die Aktie – attraktiver Bestandteil des Vermögensaufbaus Von Lawrence Rosen B1 Lanxess und HHLA haben es unaufgeregt vorgemacht Von Klaus Rainer Kirchhoff und Alexander Wilberg

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Neue Equity Story trägt verändertem Umfeld Rechnung Von Rüdiger Andreas Günther B2 Interim Management steht für langfristigen Erfolg Von Ingo Middelmenne Ratings bleiben für den Kapitalmarkt essenziell Von Danny Rothe und Horst Bertram

Hinter dem Kodex stehender Idee zum Erfolg verhelfen Von Dr. Peter Veranneman B5 EZB sollte ihre Kommunikation mit Euro-Investoren (um)steuern Von Dr. Annette Littmann B5 Sackgasse oder Sprungbrett? – Karrieren von IR-Managern Von Prof. Dr. Alexander Bassen, Prof. Dr. Betina Hollstein und Martina Maas B6

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Der Tag der Aktie – Gemeinsam die Aktienkultur fördern Von Stephan Lowis und Kay Bommer B4

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Neue Equity Story trägt verändertem Umfeld Rechnung
Optoelektronik-Konzern entwickelt Kapitalmarktdarstellung auf Basis seiner Internationalisierungsstrategie weiter
men nur mit einer direkten Präsenz vor Ort seine Kunden bestmöglich unterstützen kann. Bis Ende 2016 will der Konzern mehr als 40 % der Umsätze mit Kunden in Amerika und Asien erwirtschaften. Mit diesem Ziel vor Augen werden schrittweise weitere regionale Niederlassungen gegründet beziehungsweise ausgebaut. Von Vor allem in Asien, Rüdiger Andreas wo der Konzern bisher Günther mit mehreren kleinen Standorten präsent ist, will Jenoptik dies aktiv vorantreiben. Dazu wurde im November 2012 die „Jenoptik Asia-Pacific“ in Singapur gegrünChief Financial Officer det. Diese Asien-Holder Jenoptik AG ding fungiert künftig als Corporate Center und nehmens. Einen wesentlichen Bei- wird die regionale Geschäftsentwicktrag zum Umsatz von 585 Mill. Euro lung koordinieren und verantworund dem Konzern-Betriebsergebnis ten. von über 54 Mill. Euro leistete die Geschäftsentwicklung im Ausland. Global agieren Der Umsatz in Amerika stieg 2012 gegenüber dem Vorjahr um mehr als Im Hinblick auf die Weiterentwick40 %, in der Region Asien/Pazifik lung der Jenoptik hin zu einem um rund 23 %. Die Zahlen belegen, global agierenden Unternehmen hawelch wichtige Bedeutung die weite- ben sich der Vorstand und der Inre Internationalisierung für das Un- vestor-Relations-Bereich das Ziel ternehmen hat. gesetzt, die Equity Story an die veränderten Bedingungen im neuen Wachstums- und InternationaliKundennähe wichtig sierungsumfeld anzupassen. ZusamAuf der strategischen Agenda men mit der Kommunikationsbe„From Good to Great“, welche die ratung Kirchhoff Consult aus HamEntwicklung der Jenoptik zu einem burg wurde das Projekt im ersten noch erfolgreicheren Unternehmen Quartal 2013 erfolgreich abgebeschreibt, genießt die weitere Inter- schlossen. Was ist im Detail passiert? Uns nationalisierung deshalb hohe Priorität. Die Kundennähe ist für Jenoptik war es in einem ersten Schritt wichbesonders wichtig, da das Unterneh- tig, ein noch genaueres Bild zu beBörsen-Zeitung, 1.6.2013 Für den im TecDax notierten Optoelektronik-Konzern Jenoptik war 2012 erneut ein sehr erfolgreiches Jahr und ein weiterer Schritt in der nachhaltigen Weiterentwicklung und Zukunftssicherung des Unterkommen, wo die Stärken und Schwächen der bisherigen Equity Story liegen und wie diese am Kapitalmarkt wahrgenommen wird. Wir haben uns deshalb entschieden, dies mittels einer anonymen Befragung von Analysten und Investoren herauszufinden. In einem gemeinsamen Workshop mit Kirchhoff Consult haben wir einen Fragebogen für eine sogenannte Perception Study entworfen. Zufriedenheit mit der Investor-Relations-Arbeit, die Verfügbarkeit des Managements sowie eine Gewichtung verschiedener Katalysatoren, die für eine höhere Bewertung der Aktie verantwortlich sein könnten. Entscheidend war auch die Auswahl der zu befragenden Analysten und Investoren. Hier wählte Jenoptik eine möglichst repräsentative Schnittmenge. Nach der Analyse der Ergebnisse begann die Neugestaltung der Equity Story. Aus den wesentlichen Erkenntnissen wurden konkrete Handlungsempfehlungen und Kernbotschaften formuliert, die umgesetzt beziehungsweise in die Equity Story aufgenommen wurden. So spiegelt die Equity Story den strategischen Internationalisierungsfokus des Jenoptik-Konzerns besser wider als zuvor. lung der Jenoptik in einem Wachstums- und Internationalisierungsumfeld sowie unser nachhaltiges Entwicklungspotenzial darstellen, wurden überarbeitet beziehungsweise neu aufgesetzt. Stärker in den Vordergrund gestellt wurden die aus Konzernsicht führenden Marktpositionen und Produktbeispiele, die weltweite Megatrends bedienen, wie Energieeffizienz, Sicherheit, Gesundheit, Mobilität und die zunehmende Digitalisierung der Welt. Investment-Highlights fassen die Kernbotschaften für den bisherigen und künftigen Investor abschließend zusamFortsetzung Seite B 3

Erkenntnisse umgesetzt
In der Kapitalmarktpräsentation behielt Jenoptik Informationen bei, die von den Teilnehmern als besonders wichtig wahrgenommen wurden, während Themen mit geringerer Wahrnehmung eliminiert oder anders dargestellt wurden. Insbesondere Inhalte, die die weitere kurz- und mittelfristige Entwick-

Kernbotschaften formuliert
Dabei wurden auch „weiche Faktoren“ berücksichtigt, zum Beispiel die

Interim Management steht für langfristigen Erfolg
Neue Ansätze für einen neuen Kapitalmarkt – Spezialisten auf Zeit sind heute gefragt
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Investor Relations (IR) und Interim Management – zwei Disziplinen, die sich in den Augen vieler lange Zeit nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen ließen. Investor Relations, das steht seit jeher vor allem für Vertrauen. Vertrauen in Bezug auf sensible Unternehmensdaten. Vertrauen in Bezug auf den langfristigen vertrauten Umgang mit Investoren eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu – Interim Management. Ist der Interim Manager doch ab dem ersten Tag seines Engagements ein Manager auf Abruf. Mit vermeintlich zeitlich limitiertem Vertrauenshorizont seinem Mandanten gegenüber. Noch vor zehn Jahren hätte man das noch junge Berufsbild des IR-Managers in ebendiesen Kontrast zu Interimsmandaten gesetzt. Doch Zeiten ändern sich. Börsennotierte Unternehmen sehen sich mit einem neuen, einem sich stetig wandelnden Kapitalmarkt konfrontiert. Einem Kapitalmarkt, der neue Ansätze im Bereich der Investor Relations fordert. Die Gewinnmargen im Equity-Capital-Markets-Geschäft der Investmentbanken sinken. Für sie wird es mehr und mehr zur Herausforderung, ihre Kosten für Equity Research allein über die Order Commission im Equity Sales zu decken. So erwarten Banken und Research-Häuser heute mit Recht ein proaktives Mitwirken von Unternehmensseite, um eine aktive Equity-Research-Coverage finanziell rechtfertigen zu können. Unternehmen, die den Anschluss an den Kapitalmarkt von heute nicht verlieren möchten, müssen daher mehr denn je in die Kommunikation mit ihren Investoren investieren. che Ressourcen beziehungsweise eine Verlängerung des Projekts, passt sich der Manager auf Zeit den Projektgegebenheiten an.

Erfolgreicher Einsatz

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz eines Interim Manager im Bereich Investor Relations bietet aktuGleichzeitig aber steigen die Kos- ell die Münchner Nemetschek AG. ten für Investor Relations seit Jahren Der weltweit führende Softwareherkontinuierlich. Dies gilt insbesonde- steller für die Architektur-, Ingenire für den Posten Personalkosten. eur- und Baubranche entschied sich Die sinkende Zahl börsennotierter 2012 für ein Engagement des InteUnternehmen in Deutschland, ge- rim-Management-Spezialisten Middelmenne & Cie. Definiertes Ziel war es, die Wahrnehmung des seit 1999 börsennotierten Von Unternehmens am KapiIngo Middelmenne talmarkt zu erhöhen. In der Zeit von Mai 2012 bis April 2013 gelang es auf diese Weise, die Zahl der Analysten, die das Unternehmen mit aktivem Research Geschäftsführer von beobachten, um sechs Middelmenne & Cie. auf insgesamt sieben Interim Management Analysten zu erhöhen. Gleichzeitig wurde die paart mit dem Mangel an Initial Teilnahme an KapitalmarktkonPublic Offerings (IPOs) und einem ferenzen sowie die Anzahl der RoadTrend zum Outsourcing oder gar der shows und Investorentermine deutSchließung von IR-Abteilungen, hat lich erhöht. Die Zahl der Investodazu geführt, dass der Markt für spe- renkontakte stieg so auf über 500 zialisierte Investor-Relations-Mana- Kontakte im Beratungszeitraum. ger mit ausgeprägter Berufserfah- Neben einer erhöhten Wahrnehrung überschaubar geworden ist. mung am Kapitalmarkt äußerte sich Die Gehälter, die für einen Seni- die Ausweitung der Investoror-IR-Manager mittlerweile aufgeru- Relations-Aktivitäten ferner in eifen werden, haben stattliche Ni- nem Anstieg der Marktkapitalisieveaus erreicht. Um mit Banken und rung um über 50 %. Das tägliche Investoren aber auf Augenhöhe kom- Handelsvolumen vervielfachte sich, munizieren zu können oder bei anstehenden Kapitalmarkttransaktionen einen adäquaten Sparringspartner zur Seite zu haben, können Unternehmen heute jedoch nicht mehr „Die Gehälter, die auf einen erfahrenen Senior-IR-Manager verzichten. für einen

Überschaubares Angebot

Vorteile liegen auf der Hand
Welche Entscheidungsmöglichkeiten haben deutsche Vorstände also in puncto Investor Relations? Umfragen zufolge ist internes Investor-Relations-Personal überaus wichtig für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens vor Investoren. Als Alternative zur internen IR-Abteilung scheiden externe Agenturen damit aus. Wenngleich sie als unterstützender Faktor durchaus einen intelligenten Joker in der Kapitalmarktkommunikation darstellen können. Mehr und mehr Unternehmen entscheiden sich daher bei der Vorbereitung und Durchführung von Kapitalmarkttransaktionen oder beim Auf- oder Umbau von IR-Abteilungen für das Engagement eines Spezialisten auf Zeit. Für einen Interim Manager.

Senior-IR-Manager mittlerweile aufgerufen werden, haben stattliche Niveaus erreicht.“

was dazu führte, dass sich das TecDax-Ranking der Aktie in diesem Punkt um rund 20 Plätze auf Rang 32 im März verbesserte. Für die kommende Indexrevision des TecDax zählt das Unternehmen damit heute zu den unmittelbaren Aufstiegskandidaten.

Ideales Zusammenspiel
Durch das ideale Zusammenspiel zwischen Vorstand und Interim Manager ließ sich somit ein nachhaltig positiver Effekt für das Unternehmen erzielen. Gleichzeitig sicherte sich das Unternehmen das erarbeitete Know-how langfristig: In der fest eingeplanten Fade-out-Phase arbeitete die neue interne Abteilungsleitung eng mit dem Interim Manager zusammen. Auf diese Weise wurde die Kontinuität in der Kapitalmarktkommunikation auch über die Zeit der Mandatierung hinaus sichergestellt. Es widerspricht sich also nicht, eine langfristige Strategie auch mit scheinbar kurzfristigen Lösungsansätzen zu verfolgen. Denn optimal eingesetzt bietet Interim Management mehr langfristigen Erfolg, als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Schulter an Schulter
Die Vorteile eines Interim Manager in der Außenwirkung eines Unternehmens liegen klar auf der Hand. Interim Manager und Unternehmen treten Schulter an Schulter auf. Investoren und Analysten ist er verlässlicher Ansprechpartner, der wie ein fest angestellter Mitarbeiter den Puls des Tagesgeschäfts im Unternehmen selbst erlebt und lebt. Damit hilft er nicht zuletzt auch dem Vorstand, interne und externe Trends über eine ganz eigene Sichtweise zu reflektieren. Gleichzeitig bietet der Interim Manager maximale Flexibilität. Verschiebt sich etwa eine Transaktion oder erfordern neue Situationen zusätzliche zeitli-

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Ratings bleiben für den Kapitalmarkt essenziell
Dialog mit den Agenturen lohnt sich – Arbeitsgruppen stärken Verhandlungsposition der Emittenten
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Mittlerweile kritisieren genauso viele Leute die Leistung der Ratingagenturen wie die Leistung des Fußballbundestrainers. Nicht zuletzt durch die im Herbst 2007 einsetzende Finanzmarktkrise, in der viele Banken, Unternehmen und Staaten deutlich herabgestuft wurden, sind Ratingagenturen immer wieder in die Diskussion geraten. Um Ratinganalysten und deren Arbeit sachgerecht beurteilen zu können, sollte man sie mit Kreditanalysten in den Banken vergleichen. Auch diese liegen nicht in allen Fällen mit dem Ergebnis ihrer Analyse richtig. Natürlich hängen an den Einschätzungen von Bankanalysten auch nicht unbedingt die Refinanzierungskonditionen von Unternehmen und Staaten. Nichtsdestoweniger beeinflussen auch ihre Einschätzungen die Bewertungen von Unternehmen. Allerdings haben sich die Ratingagenturen ihren Einfluss auch nicht selbst ausgesucht. Die regulatorische Verwendung von Ratings war von den Agenturen nicht vorgesehen und wurde durch den Gesetzgeber, erst in den USA und später auch in Europa, etabliert. Dies führte zu steigendem Einfluss der Ratingurteile auf die Refinanzierungskonditionen der einzelnen Unternehmen und Staaten, was wiederum gravierende Auswirkungen gerade in den gesehenen Krisenzeiten hatte. Hier stuften die Agenturen häufig die von der Schuldenkrise besonders betroffenen Länder prozyklisch herab und verschärften somit deren Lage weiter. züglich öffentlicher Wahrnehmung bzw. Investorenakzeptanz zu spielen. Dabei waren die drei Vorläuferinstitute von Fitch Ratings von der US-Aufsicht bereits akzeptiert. Neueinsteiger haben es auch heute noch schwer, sich als allgemein und international akzeptierte Agentur zu etablieren. Ein Grund dafür ist das wichtigste Qualifikationsmerkmal Erfahrung. Gerade die bringt ein Newcomer meist nicht mit. Trotzdem sind mit der Bewertung eines Finanzinstruments (zum Beispiel einer Unternehmensanleihe) oder mit einem Rating für den Emittenten selbst betrauen, sind künftig aufgefordert, mindestens eine kleine Agentur zu beauftragen. Entscheidet sich ein Emittent dagegen, eine kleine Agentur zu beauftragen, soll er dies dokumentieren, so die Vorschläge der EU-Kommission und der ESMA. Wie und ob sich dadurch die genannten Probleme des Markteintritts und der Etablierung lösen lassen, ist allerdings Von noch unklar und wird Danny Rothe . . . sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Nicht vergessen werden darf aber, dass ein Mehr an Wettbewerb gleichzeitig die Gefahr des RaSenior Manager ting-Shoppings erhöht. Investor Relations/ Nichts brauchen der Rating bei der Markt und die InvestoDZ Bank AG ren weniger als Emittenten, die sich einfach die Agentur aussuchen, die neue Marktteilnehmer zu begrüßen, für möglichst wenig Geld das höchswenn sie qualitativ hochwertige Ana- te Rating vergibt. lysen und Ratings liefern. Um den Wettbewerb zu erhöhen Heftige Diskussionen und neue Marktteilnehmer zu etablieren, hat die im Jahr 2010 gegrünSpeziell das Thema Aufsicht und dete und für die Überwachung der Beaufsichtigung der RatingagentuRatingagenturen zuständige europäi- ren wird in der Öffentlichkeit leidensche Aufsichtsbehörde ESMA (Euro- schaftlich diskutiert. Fakt ist, dass pean Securities and Markets Authori- die bisherigen Regulierungsinitiatity) damit begonnen, Ratingagentu- ven und -maßnahmen dazu geführt ren zu registrieren und somit für die haben, dass die Ratingagenturen forErteilung von Ratings in Europa zu- malisierte Prozesse eingeführt hazulassen. Unter den bereits registrier- ben. Bestand vor zehn Jahren die ten Unternehmen finden sich nicht Kreditakte eines Emittenten häufig nur die schon erwähnten großen noch aus einem dicken Stapel Unterdrei, sondern viele weitere kleinere lagen im Regal, bestenfalls in einem Agenturen wie zum Beispiel Euler Ordner abgelegt, wird jetzt der RaHermes Rating, Creditreform Rating tingprozess – analog der Arbeit von oder die kanadische Ratingagentur Kreditsachbearbeitern in Banken – DBRS. formell dokumentiert. Die Einhaltung des internen Ratingprozesses wird ebenfalls von der ESMA unter „Kleinere“ im Visier anderem durch On-Site-Besuche Die Beauftragung von kleineren überwacht, und die Ergebnisse werAgenturen hat die Aufsicht ESMA da- den im Jahresbericht dokumentiert. her ebenfalls im Visier. Emittenten, Der jüngste Bericht über die Ratingdie zwei oder mehr Ratingagenturen prozesse bei der Beurteilung von Banken und Staaten zeigte deutlichen Optimierungsbedarf bezüglich der Transparenz der internen Methoden auf Seiten der Agenturen. lichen Austausch über die Entwicklung des Unternehmens auch den Kontakt zu den Analysten zu generellen Branchenthemen zu halten. Ein Unternehmen kann dies idealerweise am Rande einer Roadshow im Vereinigten Königreich, wo die meisten Senior-Branchenanalysten sitzen, organisieren. Generell sollten Unternehmen klar und deutlich einfordern, dass die Treiber der Ratingentscheidungen detailliert erläutert werden. tueller Ratingbericht vorliegt. Dies ist zwar durchaus als Ausnahme zu sehen, allerdings ist auch hierbei eine konzertierte Aktion, die über einen Zusammenschluss von verschiedenen gerateten Unternehmen ausgeführt wird, bestens geeignet, um in eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Ratingagenturen zu gelangen.

Erst einmal Zeit geben
Die ESMA kümmert sich dabei allerdings nicht um die jeweils angewandte Ratingmethode der einzelnen Agentur, sondern lediglich um die Nachvollziehbarkeit des Ratingprozesses für Außenstehende. Dass dabei nicht in die Ratingprozesse der Agenturen selbst eingegriffen wird, ist durchaus nachvollziehbar, da ein Rating eine subjektive Einschätzung darstellen soll. Letztendlich haben die Aktivitäten der Aufsicht, speziell der ESMA, dafür gesorgt, dass bisher bereits mehr Trans-

Thema Ratinggebühren
Hilfreich könnte auch der Informationsaustausch bezüglich der jeweils berechneten Ratinggebühren sein. Es wird zwar nie den richtigen Preis für ein Rating geben, da dieser im Wesentlichen durch die Bedeutung des Ratings für ein Unternehmen beeinflusst wird, aber eine Arbeitsgruppe kann dabei helfen, überproportionale Gebührensteigerungen der Agenturen zu verhindern. Es gibt in der täglichen Praxis zahlreiche Beispiele, warum es sich lohnt, als bewertetes Unternehmen das Rating noch ernster zu nehmen, die verantwortlichen Mitarbeiter weiter zu qualifizieren und sich zu Arbeitsgruppen – zum Beispiel innerhalb des Deutschen Investor Relations Verbandes (DIRK) – zusammenzuschließen, um das Thema gemeinsam aktiv auf eine qualitativ höhere Ebene zu bringen. Nicht nur, dass der Einfluss gegenüber den Ratingagenturen steigt, auch der Einfluss auf den Gesetzgeber wird gestärkt. Ein Beispiel dafür ist die erwogene Rotationspflicht für Ratingagenturen. Dieser Entwurf sah vor, dass Emittenten unter bestimmten Voraussetzungen in regelmäßigen Abständen die Ratingagentur wechseln müssen. Die Idee hinter dem Vorschlag ist als solche nicht schlecht, da auch hier die Möglichkeit entstanden wäre, kleineren Agenturen den Marktzugang zu erleichtern.

Neue Ratingmethodologien

Newcomer haben es schwer
Häufig fokussiert sich die Kritik allerdings mit Blick auf die drei großen Agenturen – Fitch Ratings, Moody’s Investor Service und Standard & Poor’s – auf das Argument des fehlenden Wettbewerbs. Hier eine kluge Antwort zu finden ist schwer. Der kleinste der drei Marktführer hat mehr als ein Jahrzehnt gebraucht, um in der gleichen Liga be-

Darüber hinaus ist es von größter Bedeutung, dass bewertete Unternehmen den aktiven Dialog mit den Agenturen suchen, wenn es um die Einführung neuer Ratingmethodologien geht. Zu häufig werden Methodologien auf der grünen Wiese entwickelt, ohne den nö. . . und tigen Bezug zur real exisHorst Bertram tierenden Unternehmenswirklichkeit. Dazu ist es allerdings nötig, dass die Ratingverantwortlichen in den Unternehmen sich gut im Ratingthema auskennen Investor-Relationsund die Möglichkeit haManager bei der ben, Zeit für diesen DiaBaader Bank AG log aufzubringen. Da ein einzelnes Unternehparenz in das Ratinggeschäft ge- men allein meist zu wenig Gehör finbracht wurde. Mehr kann die Auf- det, ist die lose Zusammenarbeit mit sicht zum jetzigen Zeitpunkt noch vergleichbaren Firmen und deren genicht leisten. Nicht umsonst forderte meinsame Kommunikation hilfreich. ESMA-Chef Maijoor kürzlich in ei- Als positives Beispiel hierfür kann nem Interview, dass den Regulierern die Arbeit der Bankenverbände, wie und Aufsehern erst einmal Zeit gege- zum Beispiel des Verbands deutben werden sollte, ihre Arbeit unter scher Pfandbriefbanken oder des dem aktuellen Regelwerk zu ma- Bundesverbands Öffentlicher Banchen, um in ein paar Jahren Bilanz ken, dienen. Mit hochkarätigen Fachleuten bestückte Arbeitsgruppen ziehen zu können.

Branche ist verunsichert
Das Thema Regulierung, verbunden mit Klagen – wie in den USA – gegen die Ratingagenturen, hat die Branche auch verunsichert. Es hat den Anschein, als würden die Agenturen bei der Ratingvergabe tendenziell größtmögliche Vorsicht walten lassen. Was grundsätzlich zu begrüßen ist, allerdings finden sich in der Praxis immer mehr Beispiele, dass sich die Agenturen zunehmend auf reine Kennzahlen-Analysen und -Vergleiche fokussieren und der subjektive qualitative Teil dabei zu kurz kommt. Für geratete Unternehmen und Banken bedeutet dies zweierlei. Auf der einen Seite führt erhöhte Vorsicht zu generell niedrigen Ratings („auf Nummer sicher“). Auf der anderen Seite ist das bewertete Unternehmen immer mehr in einem Korsett von kennzahlengetriebenen Methoden gefangen, und das individuelle Geschäftsmodell spielt eine immer geringer werdende Rolle. Entsprechend ist es für geratete Unternehmen wichtiger denn je, den Dialog mit den Agenturen zu intensivieren. Das heißt, der Ratingverantwortliche in einem Unternehmen sollte nicht nur seinen Hauptanalysten und dessen Stellvertreter kennen, sondern idealerweise auch den Vorsitzenden des Rating Committee. Wichtig ist es, neben dem kontinuier-

Equity Story trägt Veränderungen Rechnung
Fortsetzung von Seite B 2 men. Ende März, pünktlich zur Veröffentlichung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2012, startete das Jenoptik-Management mit der neuen IR-Präsentation am Kapitalmarkt und machte auf den Roadshows nach der Bilanzpressekonferenz sehr gute Erfahrungen mit der neuen Darstellungsweise. Jenoptik informiert die Investoren nun noch umfassender und transparenter – so lautete das Feedback. Was die Roadshow- und Konferenz-Aktivitäten der Jenoptik angeht, so ist der TecDax-Konzern in seiner Kapitalmarktkommunikation sehr aktiv. Auf durchschnittlich 23 Veranstaltungen im Jahr präsentiert der Jenoptik-Vorstand zusammen mit Investor Relations den Technologiekonzern vor allem internationalen Investoren, zum Beispiel in London, Zürich, Paris, Brüssel, Amsterdam, aber auch in Skandinavien, Warschau und Wien. Auch die USA stehen in Zukunft noch häufiger auf dem Programm. Es ist dem Management sehr wichtig, persönlichen Kontakt zu bestehenden, neuen und potenziellen Investoren aufzubauen und zu pflegen. Nur so ist es möglich, die externe Wahrnehmung aktiv zu steuern und auch das Feedback des Kapitalmarkts in die Organisation zu tragen. Chancen und Risiken für die Kapitalmarktteilnehmer zusammengefasst. Um das Unternehmen erfolgreich, transparent und glaubwürdig Analysten und Investoren präsentieren zu können, muss diese immer wieder an die Entwicklung des Unternehmens angepasst werden. Jenoptik hat die Internationalisierungsstrategie des Konzerns detailliert in die neue Equity Story übernommen. Dass die zunehmende Internationalisierung der Jenoptik den Konzern maßgeblich verändert, steht außer Frage. Der verstärkte Kontakt mit allen Stakeholdern wird neue Eindrücke, Ideen und Perspektiven mit sich bringen. Die Internationalisierung wird Jenoptik vielfältiger, kreativer und erfolgreicher machen.

„Generell sollten Unternehmen klar und deutlich einfordern, dass die Treiber der Ratingentscheidungen detailliert erläutert werden.“

Eine praxisferne Idee
Allerdings ist eine Rotation, in der alle x Jahre die Reportings für die spezifischen Analysen der Ratingagenturen neu in einem Unternehmen etabliert werden müssen, um die geforderten Daten generieren zu können, eine praxisferne Idee. Der Aufwand für das einzelne Unternehmen, sich wieder und wieder auf neue Ratingmethoden, Kennzahlen, Analysen und Analysten einzurichten, würde die Kosten deutlich erhöhen, ohne einen wirklichen Mehrwert zu generieren. Daher ist es von Vorteil, wenn sich Praktiker zusammenschließen, um neue Ideen zu analysieren und zu kommentieren. Dies hilft nicht nur den jeweiligen Unternehmen, sondern auch den Agenturen und der Aufsicht, da diese hierdurch einen kompetenten Sparringspartner haben. Denn eines ist klar: Ratings bleiben auch weiterhin für den Kapitalmarkt von Bedeutung. Daher sollte sich jedes geratete Unternehmen, allein oder in einer Arbeitsgruppe, mit neuen regulatorischen Anforderungen an das Rating sowie neuen Methodologien der Agenturen befassen, um aktuelle Entwicklungen analysieren und kommentieren zu können.

Vielfältiger und kreativer
Mit der Equity Story werden die Strategie eines Unternehmens sowie

und Ausschüsse haben schon häufig durch gemeinsame Analysen, Einschätzungen und Stellungnahmen dazu beitragen können, dass wenig sinnvolle Änderungen von Ratingmethodologien nicht in die Praxis umgesetzt wurden. Hilfreich sind solche Arbeitsgruppen auch im Hinblick darauf, die Agenturen auf die Erfüllung ihrer vertraglich vereinbarten Pflichten, wie zum Beispiel der regelmäßigen Erstellung eines aktualisierten Ratingberichts zu den jeweiligen Unternehmen, mit Nachdruck aufzufordern. In Bankenkreisen soll es beispielsweise einige geratete Institute geben, die die Überweisung ihrer jährlichen Ratinggebühren davon abhängig machen, dass ein ak-

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Der Tag der Aktie – Gemeinsam die Aktienkultur fördern
DIRK wird sich künftig stärker in gesellschaftliche Debatten rund um den Kapitalmarkt einmischen – Förderung der Aktienkultur verdient noch größere Lobby
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Seit Ende der 1950er Jahre rufen die Vereinten Nationen internationale Themenjahre aus, um soziokulturellen Aspekten der weltweiten Gesellschaft mehr Geltung zu verschaffen. Angefangen vom Internationalen Geophysikalischen Jahr (1957/58) über das Internationale Jahr der Literatur (1990) bis hin zum Internationalen Jahr der Kleinstkredite (2005) oder sogar dem Internationalen Jahr des Frosches (2008) sind schon allerhand Ereignisse und Themen bedacht worden. 2013 ist übrigens das Internationale Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Wasser. Allein, ein Internationales Jahr der Aktie hat es bislang noch nicht gegeben. Und in Anbetracht der gegenwärtigen Diskussionen rund um Finanzkrisen, Bad Banker und „schmarotzende“ Steuersünder ist auch nicht zu erwarten, dass die UNO auf eine solch verwegene Idee käme, ein Internationales Jahr der Aktie auszurufen. Folge der Finanzkrise ab deren Ausbruch im Herbst 2008 sind die Kapitalmärkte weltweit gesellschaftlich in Misskredit geraten. Ganz so, als wäre das bloße Bestehen von Börsen, Aktien und Derivaten der Grund allen Übels, das die Finanzkrisen in ihren diversen Ausprägungen über uns gebracht hätten. In chen an Eigentum ist eine prosperierende Gesellschaft unmöglich. spiel das Aufkommen von Dark Pools, die zunehmende Verbreitung des Hochfrequenzhandels oder das verstärkte Aufkommen von aktivistischen – manchmal möchte man meinen räuberischen – Aktionären frühzeitig erkennen. Die Folgen für das Unternehmen und die Gesamtheit der Wirtschaft daraus kann sie Rolle im Unternehmen und der Wirtschaftsgesellschaft einzunehmen. Die IR-Manager müssen nicht nur nach draußen „on the road“, um aktiv für die Erfordernisse ihrer Unternehmen zu werben, anstatt mit Aktionären und Investoren zu fraternisieren und gemeinsam wehleidig die Missverständnisse, die ihnen die Gesellschaft entgegenbringt, zu beklagen. Die IR-Verantwortlichen müssen auch wieder stärker in die Un. . . und ternehmenswelten hinKay Bommer einwirken, um in dem Innenkosmos Vorurteile gegen Aktie und Börsen abzubauen. Sie müssen dort über die externen Ansprüche sowie die ErGeschäftsführer DIRK – wartungen der Eigentümer berichten und aufDeutscher Investor klären. Darüber wächst Relations Verband wieder Vertrauen in die Kapitalmärkte, ihre Wirerklären. Gute IR ist somit auch ein kungsweisen und letztlich in die AkFrühwarnsystem für Fehlentwick- tie als Wegbereiter für Wachstum, Inlungen. Gute IR liefert auf der Mi- novation und gesellschaftlichen kroebene einen Beitrag, die Strategie Wohlstand. IR muss sich dieser Verder Aktiengesellschaften unter Ein- antwortung stellen und in den Unterbeziehung der Wirkungsweise von Ka- nehmen eine stärker strategische Rolpitalmärkten zu finden und zu for- le einnehmen. Die Voraussetzungen mulieren. dafür sind aufgrund des angehäuften Wissens in der IR-Funktion in einzigartiger Weise gegeben. Strategischer werden Der DIRK als berufsständische OrDafür muss sich IR in ihrer Funkti- ganisation und Verband der IR-Beaufon wieder mehr in die Richtung bewe- tragten kann mit seinen über 300 Mitgen, die sie vor Ausbruch der Finanz- gliedsunternehmen einen wesentlikrise eingeschlagen hatte und in der chen Beitrag zur Förderung der Aksie auch recht gut unterwegs war. IR tien- und Kapitalmarktkultur leisten. muss strategischer werden und sich das Vertrauen in- und außerhalb der Kompetenz einbringen jeweiligen Unternehmen verdienen. IR muss heraus aus der Rolle der PostDer DIRK wird sich an den aktuelstelle für Aktionärsinformationen. len kapitalmarktrelevanten DiskusDas bloße Bereitstellen von Informati- sionen beteiligen und die Kompetenz onen, wiederaufbereitet aus dem seiner Mitglieder einbringen. Der Rechnungswesen und Controlling, ge- DIRK ist bereit, als Stimme für den nügt nicht, um eine bedeutendere Kapitalmarkt zu agieren, ohne Alleinvertretungsanspruch zu erheben. Wir wollen aber künftig noch deutlicher als bisher Missstände benennen. Der Aktie – auch als Synonym für die Kapitalmärkte – fehlt es trotz der vielen Institutionen, die sich für den Kapitalmarkt in der öffentlichen Wahrnehmung einsetzen, immer noch an einer in Politik und Gesellschaft verankerten Lobby. Einer Lobby, die angesichts der schlechten Beleumundung der Aktie gar nicht groß genug sein kann.

Gier nach noch mehr

Kapitalmärkte in Misskredit
Schade eigentlich. Denn die Aktie und mithin die Kapitalmärkte hätten eine bessere Lobby verdient. Als

So sind es nicht die Kapitalmärkte oder die Aktie an und für sich, die zu den aktuellen Verwerfungen führen, sondern der verantwortungslose Umgang mit Eigentum oder treuhänderisch überlassenem Eigentum: StaaVon ten verschuldeten sich Stephan Lowis . . . hemmungslos ohne Rücksicht auf die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Unter den Investoren Vorstand DIRK – fanden sich genügend Deutscher Investor schwarze Schafe, die in Relations Verband und ihrer Gier nach noch Leiter Investor Relations mehr Rendite (oder der RWE AG nach noch höheren Boni) ihnen anvertrautes Geld in hoch riskanten den öffentlichen Diskussionen ist es Anlagen regelrecht verzockten. Und seit jeher von Vorteil, wenn gesell- auch so mancher Aktionär hat es mit schaftliche Fehlentwicklungen auf dem Grundsatz „Eigentum verpflicheinige wenige, möglichst abstrakte tet“ nicht allzu ernst genommen. Nun ist es nicht so, dass gute InvesKörperschaften als „die Schuldigen“ abgewälzt werden können. Das auf- tor Relations (IR) derartige Fehlgeklärte Publikum weiß selbst- entwicklungen im Kapitalmarkt ververständlich, dass eine derart ver- hindern kann. Aber gute IR kann dakürzte Diskussion oft die Realität ver- zu beitragen, dass Missstände im Kafälscht. Trotzdem gelingt es nicht, pitalmarkt erst entlarvt und dann ein differenzierteres Bild über Ursa- erklärt werden. So wie IR die Aufgachen und Wirkungen von Finanzkri- be hat, über die Herstellung von Transparenz und den Abbau von sen zu vermitteln. Dabei sind funktionierende Kapi- Informationsasymmetrien den potentalmärkte notwendig, um Wachs- ziellen Anlegern die realistische Leistum, Innovation und letztlich Ar- tungskraft des betreffenden Unterbeitsplätze in der freien Gesellschaft nehmens zu vermitteln, so kann sie zu ermöglichen und dauerhaft zu si- auch dank ihres Wissens über die chern. Aktien sind bekanntlich die Funktionsweise von Kapitalmärkten Verbriefung an Eigentum, und die Transparenz herstellen – und zwar Möglichkeit zur Bildung von Eigen- auch in den Unternehmen selbst. IR tum ist die zentrale Voraussetzung kann Missstände oder auch Entfür das Funktionieren von Märkten. wicklungen, die nicht unbedingt dem Ohne den freien Austausch von Wa- Wohl des betreffenden Unternehren, Dienstleistungen und Ansprü- mens dienen müssen, wie zum Bei-

Symbolik reicht nicht
Wenn es schon auf absehbare Zeit nicht zum Jahr der Aktie aus der Sicht der UNO reicht, so erlaubt sich der DIRK, den Tag der Aktie auszurufen: Der 3. Juni, der erste Tag der diesjährigen DIRK-Konferenz, ist hierfür hervorragend geeignet. Aller-

„Gute IR kann dazu beitragen, dass Missstände im Kapitalmarkt erst entlarvt und dann erklärt werden.“
dings reicht ein symbolischer Tag der Aktie bei weitem nicht aus, die Aktienkultur in Deutschland zu befördern. Vielmehr bedarf es eines Initialprogramms, das dauerhaft und nachhaltig der Aktie zu der nötigen und verdienten breiten Akzeptanz verhilft. Der DIRK und seine Mitglieder mit all ihrer Kompetenz, die sie aus der Nähe zum Kapitalmarkt und als Schnittstelle zur Realwirtschaft schöpfen, sind bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Lanxess und HHLA haben es unaufgeregt vorgemacht
Schritt zum kombinierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht ist viel kürzer, als man glaubt
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Nachhaltigkeitsberichterstattung ist für börsennotierte Unternehmen zur Routineübung geworden – sollte man denken. Eine aktuelle Studie der Hamburger Kommunikationsberatung Kirchhoff Consult AG belegt allerdings, dass dieser Eindruck ganz wesentlich von der Berichterstattung der Dax 30-Konzerne geprägt wird. Zum Zeitpunkt der Erhebung (Mitte April 2013) verfügten 27 von ihnen über einen Nachhaltigkeitsbericht bzw. einen kombinierten Bericht. Im Schatten des deutschen Leitindex besteht die nachhaltige Berichtswelt hingegen zu einem unerwartet großen Teil noch aus „Entwicklungsländern“. renden Unternehmen sprunghaft auf knapp 30 % an. Dazwischen, in den Nachhaltigkeitsabschnitten der Geschäftsberichte: viel Mittelmaß und Alibi-Angaben. auf die sich die Unternehmen rechtzeitig und gewissenhaft vorbereiten sollten. Erste Hürden lauern bereits bei der Wahl des Regelwerks, an dem sich die Berichterstattung orientieren soll. Während Unternehmen diese EntKlassenprimus verloren scheidung bei Finanzberichten längst Mit Solarworld verließ ein Pionier abgenommen ist, buhlen auf dem der kombinierten Berichterstattung Feld der Nachhaltigkeitsberichterstatim März 2013 unfreiwillig den Tec- tung diverse Standards um die Anerkennung des Marktes. Der Platzhirsch, die Global Reporting Initiative (GRI), veröffentlichte im Von Mai 2013 ihre kontroKlaus Rainer vers diskutierten LeitliKirchhoff . . . nien G4. Das International Integrated Reporting Committee (IIRC) publizierte eine überarbeitete Draft-Version seines Rahmenwerks zur integrierVorstandsvorsitzender ten Berichterstattung. der Kirchhoff Hinzu gesellen sich diverConsult AG se nationale Initiativen – beispielsweise der DeutDax. Nachrücker Telefónica zählt zu sche Nachhaltigkeitskodex oder die den lediglich vier Unternehmen, die Deutsche Vereinigung für Finanzanaeinen eigenständigen Nachhaltigkeits- lyse und Asset Management (DVFA) bericht veröffentlichen. Gut die Hälf- – und Rankings mit eigenen Berichtste der TecDax-Unternehmen begnügt kriterien. Last but not least strahlen sich mit vielfach rudimentären Aus- auch Leitlinien, die eigentlich das führungen im Geschäftsbericht. Bei Nachhaltigkeitsmanagement betrefsieben Firmen, also fast einem Viertel fen – wie der UN Global Compact – des Index, bleibt Nachhaltigkeit als auf die Berichterstattung ab. Obwohl es in der Kommunikation Thema gänzlich unbeleuchtet. in aller Regel um Alleinstellungsmerkmale geht – in Sachen NachhaltigUnd bist Du nicht willig . . . keitsberichterstattung empfiehlt es Es wirkt fast etwas ironisch, dass sich, ausnahmsweise einmal mit der die deutschen Unternehmen mit die- Masse zu schwimmen. Und diese ser Bilanz im europäischen Vergleich trägt den Namen GRI. Mit weltweit noch sehr gut dastehen. So stellte die mehr als 2 000 publizierten Berichten Europäische Kommission im April pro Jahr stellen die GRI-Richtlinien 2013 fest, dass nicht einmal 10 % der das mit Abstand am weitesten etagrößten Gesellschaften in der EU re- blierte Regelwerk dar. Die GRI ist zugelmäßig nachhaltigkeitsrelevante In- dem im Council des IIRC an der Erarformationen offenlegen. Gleichzeitig beitung des Rahmenwerks zum Intelegte sie einen Vorschlag zur Ände- grierten Reporting beteiligt. Zuminrung der Rechnungslegungsrichtli- dest eine gewisse Kompatibilität sollnien vor, nach der Gesellschaften mit te dort also künftig gewährleistet mehr als 500 Mitarbeitern künftig „ih- sein. Darüber hinaus referenzieren re Grundsätze, Risiken und Ergebnis- nationale Initiativen wie der DeutNachhaltigkeitskodex auf se in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und sche Arbeitnehmerbelange, Achtung der GRI-Angaben. Das publizierende UnMenschenrechte, Bekämpfung von ternehmen schlägt also im Idealfall Korruption und Bestechung sowie mehrere Fliegen mit einer Klappe. Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen“ offenlegen sollen. Strategie prägt Reporting Auch wenn der genaue Zeitpunkt noch unbestimmt ist – aus der bisBei der Berichterstattung über herigen Kür wird bald eine gesetz- nachhaltige Themen sollten die Verliche Pflicht werden. Eine Pflicht, antwortlichen eine wichtige Regel zeptieren und sich realistische Ziele für die Entwicklung ihres eigenen Reportings zu setzen. Daran schließt sich eine ganz entscheidende Frage an: Ist der eigenständige Nachhaltigkeitsbericht überhaupt noch ein anzustrebendes Produkt? Überzeugende Argumente sprechen dagegen: Ⅲ Die Reporting-Welt ist, getrieben vom Gedanken der Integration, in Bewegung. Vieles deutet darauf hin, dass die Tage des Nachhaltigkeitsbe. . . und richts in seiner herAlexander Wilberg kömmlichen Form schon bald gezählt sind. Ⅲ Mit dem Geschäftsbericht verfügt jedes Unternehmen über eine etablierte Publikation, in deren Rahmen Director bei der – ohne den ErwarKirchhoff Consult AG tungsdruck an einen separaten Nachhaltigkeitsbericht – relevante InformatiWer die strukturierte Erhebung nichtonen sukzessive integriert werden finanzieller Daten erst angeht, wenn können. das Berichtsprojekt schon im vollen Gange ist, macht den zweiten Schritt Ⅲ Nachhaltigkeit ist ein elementares strategisches Thema, der Gevor dem ersten - und stolpert. schäftsbericht das strategische Leitmedium. Warum also trenDirekt auf die Zukunft setzen nen? Ⅲ Die GRI-Kriterien umfassen etliche Profilangaben und IndikatoAngesichts des Niveaus, das erstren, die sich in einem handelsübliklassige Nachhaltigkeitsberichte mittchen Geschäftsbericht bereits finlerweile erreichen, ist es für Nachzügden. Der Schritt zum kombinierler praktisch unmöglich, aus dem ten Bericht ist viel kürzer, als man Stand heraus ein ebenbürtiges Proglaubt. dukt zu publizieren. Viele ambitioWie man ebendiesen Schritt effizient und unaufgeregt gehen kann, haben in den vergangenen Jahren der Dax-Aufsteiger Lanxess und die „Reporting hat die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) vorgemacht. Der SpezialcheAufgabe, Strategien mie-Konzern widmete dem Thema und Ziele zu Nachhaltigkeit erstmals im Geschäftsbericht 2008 ein eigenes Kapivermitteln bzw. tel, um es fortan jedes Jahr inhaltzu erläutern.“ lich aufzuwerten. 2012 stieg das Unternehmen dann mit einem „B+“ in die Berichterstattung nach GRI ein. Die Hamburger Logistikexperten nierte Projekte haben nur unter massi- schafften es 2012 sogar, mit einem ven Verfehlungen von Zeitplan und lediglich viereinhalb Seiten umfasBudget das Licht der Welt erblickt, senden, aber äußerst substanzreiweil sich ursprüngliche Einschätzun- chen Nachhaltigkeitskapitel das gen der erforderlichen Ressourcen so- „B+“-Zertifikat zu erhalten. Ein Mowie der Datenverfügbarkeit als viel dell, das in vielen der eingangs erzu optimistisch entpuppten. Unter- wähnten Entwicklungsländer Schule nehmen sind gut beraten, dies zu ak- machen könnte. nie aus den Augen verlieren: Reporting hat die Aufgabe, Strategien und Ziele zu vermitteln bzw. zu erläutern. Seine Aufgabe ist nicht, diese erst zu formulieren. Existieren also weder Strategie noch Ziele, sollten die Alarmglocken schrillen. Hier hat der Vorstand seine Hausaufgaben noch nicht gemacht; das Risiko einer kommunikativen Bruchlandung ist hoch. Ähnliches gilt für die Zahlenwerke:

MDax: Bewusstsein wächst
Bereits im ersten Index jenseits der ganz großen öffentlichen Bühne, dem MDax, rutscht die Quote vollwertiger Nachhaltigkeitsberichte bzw. kombinierter Publikationen auf 40 % ab. Berücksichtigt man die qualitativ sehr unterschiedlichen Ausführungen in den Geschäftsberichten, erreicht die thematische Abdeckung hingegen bereits 98 % – ein klarer Aufwärtstrend gegenüber den Vorjah-

„Spätestens die Analyse des SDax belegt, dass eine starke Korrelation zwischen Unternehmensgröße und Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung besteht.“
ren. Einzig die Immobiliengesellschaft Gagfah lässt die Öffentlichkeit über ihr nachhaltiges Engagement komplett im Unklaren. Spätestens die Analyse des SDax belegt, dass eine starke Korrelation zwischen Unternehmensgröße und Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung besteht: Die Quote umfassend berichtender Unternehmen sinkt auf 20 %, parallel steigt der Anteil der überhaupt nicht kommunizie-

Sonnabend, 1. Juni 2013

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Börsen-Zeitung Nr. 102

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Hinter dem Kodex stehender Idee zum Erfolg verhelfen
Regierungskommission verfehlt ihr selbst gesetztes Ziel – Zu wenig Unternehmensvertreter
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Ende 2001 hatten ca. 12,9 Millionen Deutsche ihr Geld in Aktien und Aktienfonds angelegt. Im Februar 2002 veröffentlichte die „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ die erste Fassung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Ein erklärtes Ziel der Regierungskommission war es, den deutschen Standort für nationale Investoren attraktiver zu machen und das Vertrauen der nationalen Investoren in die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Unternehmen zu fördern. Mittlerweile existiert die zehnte Fassung des DCGK. Dennoch lag laut einer Kurzstudie des Deutschen Aktieninstituts die Zahl der Deutschen, die ihr Geld in Aktien und Aktienfonds anlegen, mithin also dem Management deutscher Unternehmen anvertrauen, Ende 2012 nur noch bei ca. 8,8 Millionen. Was ist schiefgelaufen? Kam es zum weiteren Verfall der deutschen Aktienkultur, obwohl die Regierungskommission bei ihrer Mission alles richtig gemacht hat? Oder ist es auch auf ein Versagen des DCGK zurückzuführen, dass das Vertrauen der nationalen Investoren in die Corporate Governance deutscher Unternehmen geschwunden ist? Nach meiner Überzeugung waren es Geburtsfehler und Kinderkrankheiten des DCGK sowie Fehler der Bundesregierung bei der Besetzung der Regierungskommission, die dazu geführt haben, dass der DCGK keinen Beitrag zur deutschen Aktienkultur geleistet hat. Interessen der Eigenkapitalgeber dienen. Gute Corporate Governance soll als verantwortliche, qualifizierte, transparente und auf den langfristigen Erfolg ausgerichtete Unternehmensführung und -überwachung neben dem Unternehmen und seinen Aktionären insbeVon sondere auch anderen Peter Veranneman Interessengruppen (zum Beispiel Arbeitnehmern, Fremdkapitalgebern, Lieferanten, Kunden) dienen. Die FiGeschäftsführer der DGVA (Deutsche Gesell- nanzkrise und ihre Folschaft zur Vertretung gen haben die negativon Anleihegläubigern) ven Konsequenzen einer primär auf kurzfristiGmbH ge Unternehmenswertsteigerung ausgerichteGovernance maßgeblich daran ge- ten Corporate Governance deutlich messen, ob sie der (kurzfristigen) vor Augen geführt. Ferner hat die zunehmende BeSteigerung des Unternehmenswerts dient. Bekanntlich soll aber gute deutung von Anleihen im Rahmen Corporate Governance nicht nur den der Unternehmensfinanzierung das Corporate Governance deutscher Unternehmen sei nicht auf die Interessen der Aktionäre ausgerichtet. Die erste Fassung des DCGK hat deshalb die Qualität von Corporate Bewusstsein geschärft, dass gute Corporate Governance ein Unternehmen nicht nur für Eigenkapital-, sondern auch für Fremdkapitalinvestoren attraktiver machen sollte. Zu Recht hat sich daher über die vergangenen Jahre der Fokus des DCGK auf die Aktionärsinteressen abgeschwächt. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierungskommission dieser Linie treu bleibt und nicht in alte Verhaltensmuster zurückfällt. plexität resultiert aus der Überfrachtung des DCGK mit Informationen. So finden sich im DCGK auf der einen Seite Informationen über die Besonderheiten deutscher Gesellschaften (insbesondere duale Struktur und Mitbestimmung) und auf der anderen Seite Empfehlungen für die unterschiedlichsten Regelungsbereiche einschließlich der Differenzierung zwischen Empfehlungen (comply or explain) und Anregungen. Die Regelungsbereiche werden im Übrigen – entsprechend dem Zeitgeist – immer weiter ausgedehnt. So werden immer wieder Modethemen (zum Beispiel früher aktienbasierte Phantom-Stock-Option-Vergütungsmodelle oder heute Diversität, insbesondere der Frauenanteil) aufgegriffen, die nicht zwingend im DCGK geregelt werden müssen.

Spielwiese von Juristen
Erhöhtes Vertrauen der Investoren in die Leitung und Überwachung der Unternehmensführung deutscher Unternehmen kann nur durch klare und verständliche Regelungen erreicht werden. Das Regelwerk des DCGK war und ist so komplex, dass es zur Spielwiese von Juristen geworden ist. Seit Neuestem gibt es sogar einen 600-seitigen juristischen Kommentar zum DCGK. Die Kom-

Neuer Linie treu bleiben
Ausweislich der Rede des Vorsitzenden der Regierungskommission zur Veröffentlichung des DCGK-Entwurfs sollte mit Hilfe des DCGK auch der Kritik begegnet werden, die

Weniger ist manchmal mehr
Der Verständlichkeit dienen auch die alljährlich zu veröffentlichenden Corporate-Governance-Berichte keineswegs. Weder gibt es einen einheitlichen Standard für diese Berichte, welcher die Lesbarkeit und Vergleichbarkeit von Berichten verschiedener Unternehmen erleichtert. Noch ist es dem interessierten Investor angesichts der Änderungen des DCGK im Jahresrhythmus möglich, die von einem einzelnen Unternehmen über die Jahre veröffentlichten Berichte miteinander zu vergleichen. Die Regierungskommission sollte sich deshalb darauf besinnen, dass weniger manchmal mehr ist. Ziel muss es sein, dass interessierte Investoren durch die bloße Lektüre der Entsprechenserklärung und des Corporate-Governance-Berichts beurteilen können, ob das Management eines Unternehmens dem Anspruch des DCGK an eine gute und verantwortungsvolle Corporate GoFortsetzung Seite B 6

EZB sollte ihre Kommunikation mit Euro-Investoren (um)steuern
IR-Abteilung könnte der Auftakt für mehr Transparenz sein – Verstärkte Zweifel an der Zieltreue
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Die Basis quasi jeder Assetklasse in Europa ist der Euro. Zuständig für den Wert des Euro ist in erster Linie die Europäische Zentralbank (EZB). Daher liegt der Gedanke nicht fern, dort auch eine große Investor-Relations-Abteilung zur Pflege der Fremdkapitalinvestoren zu vermuten. Doch ein Blick in das Organigramm der EZB zeigt: Dort gibt es allenfalls eine Generaldirektion „Kommunikation & Sprachendienst“. Zudem gibt es sogenannte Market Contact Groups, in denen sich institutionelle Anleger wie etwa Pensionsfonds, Versicherungen oder Hedgefonds regelmäßig mit der EZB über die Stimmungen und die Durchführbarkeit von geldpolitischen Maßnahmen austauschen. politik. Die EZB selbst betont, dass dieser Erwartungskanal für die Durchführung ihrer Geldpolitik schon in der Vergangenheit besonders wichtig war. In seiner Wirksamkeit hänge er „entscheidend von der Glaubwürdigkeit der Zentralbankkommunikation“ ab. Dieser Kanal hat in der Vergangenheit hierzulande gut funktioniert. Denn die Deutsche Bundesbank, die bis 1998 für die Geldwertstabilität der D-Mark zuständig war, hatte eine langjährige und durchaus konflikterprobte Stabilitätstradition aufgebaut. Daraus resultierte eine klare sich Investoren schwer bei der Einschätzung, ob dies eine „notwendige Maßnahme für die Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Geldmarktes“ ist (so die EZB-Position) oder eine „verbotene Staatsfinanzierung über die Notenbankpresse“ (so die Kritiker). Komplexe monetäre Zusammenhänge können zumeist nur eine kleine Schar professioneller Teilnehmer am Geldmarkt nachvollziehen. Der weniger professionelle Euro-Anleger bleibt hier allein. Zu den umstrittenen Teilen der neuen Geldpolitik gehört auch die Reduzierung von Qualitätsstandards für Sicherheiten im Offenmarktgeschäft der EZB. Zudem ist die geplante Zuständigkeit der EZB Von für die europäische BanAnnette Littmann kenaufsicht umstritten. zen kommen. Darauf sollte die EZB reagieren. Und zwar nicht nur in den exklusiven Foren, sondern gegenüber allen Investoren. Denn beim Euro geht um die zentrale Zähl-, Rechen- und Wertaufbewahrungsbasis in Europa. und Fachtermini geführten Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit geblieben. Auch eine Kommunikationskampagne, adressiert an alle hiesigen Investoren, war bislang nicht wahrnehmbar. Die Euro-Investoren werden in ihrer Erwartungsbildung über die EZB und den Wert des Euro weitgehend allein gelassen. Eine Investor-Relations-Abteilung der EZB könnte hier der erste Schritt zu mehr Transparenz der EZB auch für Retail-Investoren sein. Hoffen wir, dass die EZB in diesem IR-Sinne ihre Kommunikation gegenüber allen Euro-Investoren (um)steuert.

Weitgehend allein
Doch der Umfang der EZB-Maßnahmen hält sich hier bislang in Grenzen: Aus der „Direktion“ Kommunikation ist seit Jahresbeginn 2013 eine „Generaldirektion“ geworden. Ansonsten ist es bislang bei der ausschließlich in Fachsprache

Wurde alles getan?
Ist für das „Investment Euro“ damit alles getan, was getan werden könnte? Dazu muss man das Ziel der EZB betrachten, die keinen erwerbswirtschaftlichen Auftrag hat, und daher einen kurzen Streifzug in die Geldpolitik unternehmen. Wichtigstes Ziel der EZB ist es unstrittig, dass die Geldentwertung nicht aus dem Ruder läuft. So heißt es in den Verträgen über die EU (Vertrag über die Arbeitsweise der EU, Artikel 127, Absatz 1): „Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten.“ Dieses System der Zentralbanken besteht aus dem Herzstück, der EZB, sowie den Satelliten, den nationalen Notenbanken des Euroraums. Für die Erreichung dieses Zieles kann die EZB die Zinssätze am Geldmarkt insbesondere über die Offenmarktgeschäfte und die Ständigen Fazilitäten beeinflussen. Bei den Offenmarktgeschäften stellt die EZB Kredite zur Verfügung und erhält dafür Sicherheiten. Zur Absicherung der Notenbanken gegen Verluste müssen diese Sicherheiten Qualitätsstandards einhalten.

Zugespitzte Zitate
Daher haben Kapitalmarktbeobachter hierzuLeiterin Investor lande verstärkt Zweifel Relations bei an der Zieltreue der Masterflex SE EZB: Ⅲ Die Börsen-Zeitung urteilte schon vor gut Erwartungshaltung der in dieser einem Jahr: „Politisierte EZB – Währung investierten Anleger: Die Vom Geist der Anfangsjahre der Notenbank bekämpft die Inflation, europäischen Geldpolitik und unabhängig von politischen Wündem Konsens zur Stabilitätsverschen und gegebenenfalls (wenn pflichtung ist nicht viel übrig geZinserhöhungen notwendig werblieben“. den) auch auf Kosten höherer Zin- Ⅲ Eine bekannte Tageszeitung komsen für die öffentlichen Haushalte. mentierte im Frühjahr 2013: „Wie sehr die große Mehrheit des EZB-Rats die GrenzüberschreitunErfolgreich gestartet gen in der Troika schon verinnerlicht hat, zeigt (. . .) die Bindung Auf diesem Ruf aufbauend, konnder Geldpolitik an Reformen. Die te die EZB im Jahr 1999 starten. Mit Geldpolitik wird zum Hebel, (. . .) Erfolg, wie die Inflationsraten der damit hat sie ihre Unschuld verloersten Dekade des Euro zeigen: Die ren.“ Inflation bewegte sich von 1999 bis 2012 überwiegend zwischen Sätzen Ⅲ Noch deutlicher wird eine Reihe von Ökonomen, von denen hier von 2 bis 2,5 % jährlicher Verbrauaus Platzgründen nur zwei ercherpreissteigerung. wähnt werden sollen. Hans-WerDoch heute gewinnt man hierzuner Sinn vom Ifo-Institut Münlande den Eindruck, dass dieser Kachen: „Die EZB ist selbst Teil des nal nicht stromlinienförmiger wird. Problems (der Bankenaufsicht). Im Gegenteil: Seit dem Übergang Müsste sie die Sonderkredite abschreiben, weil die Banken pleitegehen, wäre sie selbst pleite.“ Der Volkswirt Joachim Starbatty, vor„Doch der Umfang mals Universität Bonn, interpretiert aus diesen veränderten geldder EZB-Maßnahmen politischen Vorgehensweisen eine hält sich hier bislang Neudefinition der Euro-Stabilität, wie sie nicht in den Verträgen in Grenzen: Aus der steht: „Ein Euro ist nicht stabil, ,Direktion‘ Kommuniwenn er die Kaufkraft unserer Währung wahrt; ein Euro ist stakation ist seit Jahresbil, wenn es an dessen Fortbebeginn 2013 eine stand keine Zweifel gibt.“ Dies sind nur einige, sicher zuge,Generaldirektion‘ spitzte Zitate, freilich von renomgeworden.“ mierten Medien wie auch Volkswirten. Auch in der allgemein geführten Diskussion spielt die Frage der Erwartungen der privaten Investoren – der im Jahr 2007 ausgebrochenen Stichwort neue Partei „Alternative Bankenkrise zu einer Staatsschulden- für Deutschland“ im Vorfeld der krise, offenkundig für jedermann Bundestagswahlen im Herbst 2013 – seit Mai 2010, als das erste Griechen- eine eher zu- als abnehmende Rolle. land-Rettungspaket geschnürt wur- Von daher liegt die Schlussfolgerung de, werden wichtige Parameter in zumindest hierzulande nahe, dass der Geldpolitik stärker verändert. sich die Erwartungshaltung der hieUnd diese Veränderungen werden sigen Investoren mit Blick auf die von Euro-Anlegern aufmerksam re- EZB verändert; möglicherweise ist der Erwartungskanal schon beeingistriert. Zu dieser kreativen Art der Geld- trächtigt – und mit ihm dann auch politik gehört der unbeschränkte An- das Instrumentarium der EZB, sollte kauf von Staatsanleihen. Hier tun es zu verstärkten Inflationstenden-

Wirkung über Umwege
Die Impulse aus dem Einsatz dieser Instrumente wirken jedoch in der Regel nicht direkt auf die Inflationsrate ein. Sie wirken über Umwege, den sogenannten Transmissionsmechanismus der Geldpolitik: Das sind verschiedene Kanäle, die nicht alle gleich intensiv oder gleichgerichtet wirken. Neben dem Zinskanal, bei dem die EZB über eine Veränderung ihrer Leitzinsen die Spar- und Kreditzinsen der Banken verändern kann, und dem Kreditkanal, bei dem die EZB die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte zu beeinflussen sucht, gibt es auch den sogenannten Erwartungskanal der Wirtschaftsakteure. Was private oder institutionelle Investoren kurzfristig an geldpolitischen Maßnahmen und längerfristig an Geldentwertung erwarten, wird – mehr oder minder stark – eingepreist, etwa in Form von Tarifabschlüssen, Zinskonditionen oder Gütertauschverträgen aller Art (Kauf, Miete, Leihe). Daher sind die Erwartungen der Unternehmen, Arbeitnehmer und Geldanleger ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Geld-

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Sackgasse oder Sprungbrett? – Karrieren von IR-Managern
Forschungsprojekt zielt auf belastbare Daten über die Werdegänge ab – Berufsbild ist durch ein breites Tätigkeitsfeld gekennzeichnet
Börsen-Zeitung, 1.6.2013 Das Berufsfeld „Investor Relations“ (IR) ist der deutschen Öffentlichkeit bisher noch relativ unbekannt. Viele Studenten und Universitätsabsolventen haben oft nur vage Vorstellungen über die Aufgaben und Tätigkeitsfelder eines IR-Managers. Daher fragen sich zahlreiche Berufsanfänger, welche Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten Investor Relations überhaupt bietet. marktteilnehmer zu gewinnen, sind Unternehmen zunehmend auf eine professionelle Kapitalmarktkommunikation angewiesen. Ungeachtet dieser Entwicklungen ist bisher wenig darüber bekannt, wie die beruflichen Karrieren von IR-Managern verlaufen. Welche Ausbildungswege führen in den IR-Bereich? Welche Karrieremöglichkeiten bietet IR, und wo werden die für den Werdegang entscheidenden Weichen gestellt? Um Antworten auf diese Fragen Fragen über Fragen zu finden, sind Forscher der UniversiDie Unwissenheit ist unter ande- tät Hamburg vom Deutschen Invesrem darauf zurückzuführen, dass in tor Relations Verband (DIRK) mit Deutschland das Berufsfeld Investor der Durchführung einer wissenschaftlichen Studie beauftragt worden. Ziel des groß angelegten ProVon jekts ist es, erstmals beAlexander Bassen . . . lastbare Daten über die beruflichen Werdegänge von IR-Managern zu erheben. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Frage nach den DeFakultät Wirtschaftsterminanten einer erund Sozialwissenschaf- folgreichen IR-Tätigten, Lehrstuhl für BWL, keit. Was sind Motoren Universität Hamburg oder Blockaden? Welche Qualifikationen, Kompetenzen und instiRelations noch relativ jung ist und tutionelle Rahmenbedingungen sind sich erst in den letzten Jahren erheb- Eckpfeiler einer erfolgreichen Inveslich professionalisierte. Ausschlagge- tor-Relations-Tätigkeit? bend hierfür waren unter anderem die Entwicklungen auf dem KapitalZufriedene Stimmen markt. Der Boom auf dem Aktienmarkt in den neunziger Jahren und In der Pilotphase der Studie wurder Börsencrash Anfang 2000 haben den Expertengespräche und Interdas Berufsbild des IR-Managers views mit Investor-Relations-Managrundlegend verändert. So kam es gern, Personalverantwortlichen und beispielsweise zu einem Anstieg der Unternehmensvorständen geführt. rechtlichen Anforderungen und der Aktuell läuft die Hauptstudie, eine Publikationspflichten. Um die gestie- große standardisierte Online-Befragenen Anforderungen zu bewältigen gung der IR-Manager in Deutschund um das Vertrauen der Kapital- land. Die Antworten der bisherigen Studienteilnehmer zeigen, dass viele IR-Manager mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden sind. Nur wenige Befragte gaben an, das Berufsfeld in den nächsten Jahren wieder verlassen zu wollen. Was aber ist das Besondere an dem Berufsfeld Investor Relations? Zu den Kernaufgaben eines IR-Managers gehören bekanntlich vor allem die Kommunikation sieht die Situation in größeren Unternehmen mit eigenständigen IR-Abteilungen aus, in denen sich die Mitarbeiter auf verschiedene Aufgabenbereiche spezialisiert haben. dernd und spannend beschrieben wird. Allerdings setzt dies auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Unternehmensvorstand voraus. Dies wird im Übrigen durchgängig als zentrale Voraussetzung für erfolgreiche IR-Arbeit angesehen. Insgesamt zeigt sich, dass das Berufsfeld eines IR-Managers . . . und durch ein breites TätigMartina Maas keitsfeld gekennzeichnet ist. Die bisher zu den Karrierepfaden vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass die Wissenschaftliche ausgeübten Tätigkeiten Mitarbeiterin, Fakultät Wirtschafts- und Sozial- innerhalb des Berufsfeldes IR-Manager zu sehr wissenschaften, unterschiedlichen KarriUniversität Hamburg erewegen führen. Welche weiteren Faktoren spiegelt er auch Rückmeldungen aus und Einflüsse sich auf die berufliche dem Kapitalmarkt in das Unterneh- Karriere auswirken, wird derzeit im men wider. Aus diesem Grund wird Rahmen der Online-Studie genauer IR in manchen Unternehmen auch in untersucht. Die Ergebnisse der Stustrategische Prozesse eingebunden, die werden auf der kommenden ein Aspekt der Tätigkeit, der von den DIRK-Mitgliederversammlung im OkBefragten als besonders herausfor- tober 2013 vorgestellt. Wie es ein befragter IR-Manager ausdrückt, hat ein guter IR-Manager „das Ohr am Markt“: Er informiert über aktuelle Entwicklungen am Kapitalmarkt. Zuweilen „erklärt“ er auch den Kapitalmarkt. Vor allem

Kommunikation im Fokus

Unabhängig davon, ob die IR-Manager ursprünglich aus dem Bereich Finance oder Kommunikation in den IR-Bereich gekommen sind: Die Kommunikation mit den Akteuren am Kapitalmarkt betrach. . . und ten die meisten als BeBetina Hollstein . . . sonderheit und als besonders spannenden Aspekt der IR-Tätigkeit. So erzählt ein Interviewteilnehmer in der StuFakultät Wirtschaftsund Sozialwissenschaf- die: „Ich war früher in der ten, Lehrstuhl für strategischen Abteilung. Soziologie, Universität Ich habe viele tolle ProHamburg jekte bearbeitet, aber ich durfte nicht darüber mit Investoren und Analysten sowie reden. Heute habe ich (…)die Lidie Erstellung von Berichten und an- zenz, die Firma nach außen zu vertreten. Es gibt nur eine Handvoll Leuderen Dokumenten. te im Unternehmen, die nach drauJe nach Unternehmensgröße ßen kommunizieren dürfen, und der IR-Leiter ist einer von denen, und Darüber hinaus ist die Pressear- ich finde das eine wahnsinnig privilebeit ebenso wie die Beschäftigung gierte Stellung, die man sich aber mit strategischen Prozessen und auch erarbeiten muss. Ich finde das Rechtsthemen Bestandteil der Ar- eine sehr vertrauensvolle Aufgabe.“ Auch die enge Zusammenarbeit beit. Zu den Routineaufgaben zählen die vierteljährlich anstehende mit dem Unternehmensvorstand Aufbereitung der Quartalszahlen, Be- wird als eine besondere Herausforderichtspflichten und die Organisation rung betrachtet. Ein Aspekt, der bevon Hauptversammlungen. Das Auf- sonders hervorgehoben wurde, ist gabenspektrum variiert oft nach Un- hierbei, dass IR nicht nur „Sprachternehmensgröße. In kleineren Un- rohr des Unternehmens“ nach außen ternehmen gibt es häufig keine eigen- ist, sondern dass IR-Manager – da ständige IR-Abteilung, sondern IR- sie intensiv mit allen Akteuren am und PR-Aufgaben werden beispiels- Kapitalmarkt kommunizieren – auch weise vom Leiter Unternehmenskom- eine wichtige Funktion nach innen, munikation ausgeübt. Ganz anders in das Unternehmen hinein haben.

Idee zum Erfolg verhelfen
Fortsetzung von Seite B 5 vernance genügt. Von diesem Ziel ist man heute weit entfernt. Laut einer im April 2012 veröffentlichten Studie der Handelshochschule Leipzig, Center of Corporate Governance, erfüllen Dax- und MDax-Gesellschaften durchschnittlich 96,5 % der DCGK-Empfehlungen. So weit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass die meisten Abweichungen von den Empfehlungen auf die für das Thema Corporate Governance besonders relevanten Kapitel „Vorstand“ und „Aufsichtsrat“ entfallen. Dort stoßen wiederum gerade wichtige Empfehlungen wie diejenigen zum Selbstbehalt bei der D & O Versicherung, dem Abfindungscap in Vorstandsverträgen, der individualisierten Offenlegung der Vergütung sowie der variablen Aufsichtsratsvergütung auf die größte Ablehnung (zum Teil liegt die Ablehnungsquote bei fast 40 %). Der Grad der Ablehnung verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass der DCGK auf dem Prinzip der freiwilligen Selbstregulierung basiert, jedoch zurzeit nur noch drei der zwölf Kommissionsmitglieder Repräsentanten der zu regulierenden Unternehmen sind. Der Rest der Mannschaft rekrutiert sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Investoren, Wissenschaft und Jurisprudenz. fehlungen werben können. Außerdem sollte die Bundesregierung die Kommission kontinuierlich beobachten und Kommissionsmitglieder abberufen, wenn sie den Geist des DCGK nicht (mehr) glaubhaft repräsentieren können.

Glaubwürdige Vertreter
Beispielsweise wäre es der Sache dienlich gewesen, wenn die Bundesregierung den derzeitigen Vorsitzenden der Regierungskommission, Klaus-Peter Müller, Mitte 2009 abberufen oder zumindest von seinem Amt als Vorsitzender der Regierungskommission suspendiert hätte. Seit Juni 2009 spricht sich der DCGK

„Es bleibt zu wünschen, dass Regierungskommission und Bundesregierung aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“
nämlich explizit dagegen aus, dass Vorstandsmitglieder vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Ende ihrer Bestellung Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft werden. Klaus-Peter Müller aber war vor seinem Amtsantritt im Mai 2008 auf Vorschlag des Aufsichtsrats von der Position des Vorstandsvorsitzenden direkt auf die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank AG gewechselt, sein Handeln stand damit jedenfalls ab Juni 2009 in direktem Widerspruch zu guter Corporate Governance im Sinne des DCGK. Es bleibt zu wünschen, dass Regierungskommission und Bundesregierung aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und der hinter dem DCGK stehenden guten Idee zu dem Erfolg verhelfen, den sie verdient!

Akzeptanz erhöhen
Die Akzeptanz der DCGK-Empfehlungen ließe sich voraussichtlich erhöhen, wenn zumindest die Hälfte der Regierungskommission aus Repräsentanten der zu regulierenden Unternehmen bestünde. Hier muss die Bundesregierung bei zukünftigen Nachnominierungen von Mitgliedern der Regierungskommission darauf achten, vorrangig Unternehmensvertreter zu bestellen. Die Kandidaten sollten dabei kraft ihrer Integrität über Autorität verfügen und deshalb unter ihresgleichen für die Umsetzung der Emp-

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Am 1. Juni 2013

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