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pflichtlektüre
032009

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

Pimp my Netzwerk
Wie wichtig sind Beziehungen für den Start ins Berufsleben?

Wie es Euch gefällt

Die Ergebnisse der großen pflichtlektüre-Umfrage

Klaus geht, Nina kommt
Der AStA hat eine neue Vorsitzende

S02 Tri-Topp

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Nachgehakt: Die UDe kassiert Doppelt

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n meinem ersten Tag in Deutschland wollte ich früh ins Bett. Der Hausmeister des Studentendorfs hatte mir Bettwäsche gegeben. Zuerst fiel mir das Laken auf. Mein Laken in den USA ist farbenfroh. Deshalb dachte ich, dass ich den farbenfrohen Stoff über die Matratze ziehen müsste. Zuerst versuchte ich, das Laken auf die Matratze zu ziehen, wie eine Socke auf einem Fuß. Diese Methode schien mir etwas ungewöhnlich, aber ich dachte: „Anderes Land, andere Bettlaken“. Doch es funktionierte nicht. Ich probierte noch verschiedene Techniken. Ohne Erfolg. Langsam war ich frustriert! Schließlich nahm ich die Matratze aus dem Bettgestell heraus. Sie war nur einen halben Meter größer als ich, aber ich fühlte mich, als würde ich

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inen Schreck beim Blick auf den Kontoauszug – den bekamen 1.169 Studenten der Uni Duisburg-Essen. Die Uni hatte bei ihnen nämlich gleich zweimal die Studienbeiträge eingezogen. Als „höchst bedauerlich“ bezeichnete der Rektor Professor Ulrich Radtke den Vorfall und entschuldigte sich bei den Betroffenen. Die Panne betrifft ausschließlich Studenten, die sich per Internet zum neuen Semester zurückgemeldet hatten. Ein Mitarbeiter der Verwaltung schickte eine Datei mit Daten der Studenten irrtümlich doppelt an die Sparkasse. Diese Datei fiel durch das Sicherheitssystem, da sie nicht vollkommen identisch mit der ersten war, größtenteils aber die gleichen Namen enthielt – bei denen

dann das Geld dann zweimal eingezogen wurde. Die betroffenen Studenten haben mittlerweile ihr Geld zurückerhalten. Für zusätzliche Kosten, zum Beispiel durch Stornogebühren, kommt die Universität auf. Betroffene können sich mit den entsprechenden Belegen an das Studierendensekretariat wenden: sekretariat@ zv.uni-due.de „Wir werden alles tun, damit sich so etwas nicht wiederholt“, sagt Ulrike Bohnsack von der Pressestelle der Universität. Man müsse das Sicherheitssystem erweitern. „Der Großteil der Schuld liegt auf der Seite der Universität“, sagt Bohnsack. lea & juwi/foto: stock.xchng

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NeUlich iN DeUtschlaND
mit einem Riesen ringen. Zum Glück hat mich niemand geseen, ich sah lächerlich aus. Nach zehn Minuten voller Ziehen und Fluchen: endlich fertig. Aber das Laken war irgendwie zu kurz! Am nächsten Tag erzählte ich einer deutschen Freundin von dem Problem. Wir kauften neue Bettwäsche. Meine Freundin bot mir an, mir beim Bettbeziehen zu helfen. Wir haben sofort erkannt: Ich hatte den Bettbezug auf die Matratze gesteckt! Ich wollte den Bettbezug nicht abnehmen, weil es so schwierig gewesen war, ihn über die Matratze zu stülpen und spannte das neue weiße Laken über den bunten Bezug. Das Muster des Bettbezugs scheint jetzt immer etwas hindurch. Es ist eine schöne Erinnerung an meine erste Begegnung mit deutscher Bettwäsche. tk/foto: tk

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schließfächer vermeiden. Wenn die Bibliothek schließt, werden alle verriegelten Fächer geleert. „Eine Leerung findet immer nach dem Vieraugenprinzip statt. Die Fundsachen werden eine Woche in der Bibliothek verwahrt, bevor wir sie der Zentralen Fundstelle übergeben“, erklärt Sebastian Wüllner. Die geleerten Fächer versehen die Sicherheitskräfte mit einem Hinweiszettel und verschließen sie danach wieder. Pro Schicht öffnen seine Kollegen und er selten mehr als zehn Fächer. Die kuriosesten Funde: Kaffeepads, die an drei Tagen hintereinander im selben Schließfach vom selben Studenten vergessen wurden, eine Axt und ein Liebesbrief zusammen mit einer Flasche Apfelkorn. fh/foto: fh

campUs-kopf: Der herr Der schliessfächer

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ebastian Wüllner spielt „Geh auf’s Ganze!“ – und das fast täglich. Wichtiger Unterschied zur Sendung mit den drei Toren und dem Zonk: Es gibt beinahe 600 potentielle Tore und das, was der 32-Jährige dahinter findet, darf er noch nicht einmal behalten. Zusammen mit einem Kollegen leert er seit November 2007 die Schließfächer in der Zentralbibliothek der Uni Dortmund. In der Zeit, in der die Bibliothek 24 Stunden geöffnet war, wurden die vielen Schließfächer plötzlich zum Problem: „Viele Studenten glaubten, sie könnten sich ein persönliches Dauerschließfach einrichten“, sagt Wüllner. „Manche trugen den Spindschlüssel sogar schon an ihrem Schlüsselbund.“ Die Schließfachordnung will dies aber für die Kurzzeit-

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START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK
XING, Dol2day, eUni & Co. – Online-Netzwerke erfreuen sich hoher Beliebtheit. Aber bringen sie die Karriere auch wirklich auf Trab?

diesmal

Zur Ausgabe
ielleicht ist es, weil ich Oberflächlichkeiten nicht mag. Aber Online-Netzwerke sind nicht mein Ding. Okay, bei Xing bin ich dabei. Kontakte habe ich auch. Aber bringen sie mir auch was? Gehen wir die Sache mal durch. Da sind die alten Schulkameraden. Coole Sache, deren Adresse zu haben, wenn man sie mal wiedersehen will. Wollte ich aber bislang nicht. Dann die aktuellen Arbeitskollegen und Kooperationspartner. Mit denen telefoniere ich ohnehin regelmäßig. Wenn aber mal alle ihre Mails weg sein sollten, mein digitales Adressbuch abgestürzt ist und ich auch nicht mehr zu Fuß über den Gang gehen kann, um sie zu fragen, habe ich ihre Telefonnummer im Xing. Die dritte Kategorie: die ehemaligen Arbeitskollegen. Da ist es – mit Ausnahmen – wie mit den alten Schulkameraden. Zugegeben: Das social web hilft, Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Interessant ist es manchmal zu sehen, welche Wege die Leute so gehen, zu welchen Firmen zu wechseln und wie sich ihre Aufgaben verändern. Es steckt also auch ein Stück Voyeurimus in der ganzen Sache. Ob sich Nackigmachen im Web lohnt und wie ihr noch Beziehungen pflegt, lest Ihr in unserem Herz-Stück in der Mitte des Hefts. Wie schon im vergangenen Semester erscheinen wir auch im Sommer an jedem zweiten Dienstag. Die nächste pflichtlektüre bekommt Ihr also am 12. Mai – entweder persönlich von einem unserer Verteiler oder aus einem der Kästen, die in den Uni-Gebäuden und Mensen stehen.

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S10

Drin ist außerdem …
DORTMUND S04 S05 S06 ... Carl Djerassi, Erfinder der Pille, über seine Beziehung zum Papst. … AStA-Vorsitzender Bastian Klaus hat sein Amt niedergelegt. … Fernweh adé: Unsere Sonderseiten in Kooperation mit dem AAA.

HERZ-STÜCK S10 ... digitales Vitamin B, Headhunter und andere Wege zum Erfolg.

Impressum
Dortmund Tel: 0231/755-7471, Fax: 0231/755-7481 Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU Dortmund, 44221 Dortmund E-Mail: post@pflichtlektuere.com Produktion: Sebastian James Brunt (sjb) Bild: Daniel Gehrmann (dg), Elvira Neuendank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl Titelbild: Stefanie Brüning An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Samuel Acker (sam), Simon Balzert (spb), Nils Bickenbach (nils), Daniel Dreper (ddr), Susann Eberlein (se), Maike Freund (mai), Tobias Fülbeck (tf), Lea Grote (lea), Paulina Henkel (ph), Florian Hückelheim (fh), Stephanie Jungwirth (juwi), Jens Jüttner (jj), Julian Lang (jula), Victoria Klein (tk), Katharina Lindner (kl), Christin Otto (co), Siola Panke (sp), Linus Petrusch (lipe), Marylen Reschop (mr), Ulrike Sommerfeld (uso), Martina Vogt (mv), Markus Wiludda (mw), Johanees Zuber (joz) Verantwortlich für Anzeigen: Oliver Nothelfer, Anschrift wie Verlag, Kontakt: 0201/804-8944 Verlag: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft , E.Brost & J. Funke GmbH u. Co.KG, Friedrichstr. 34-38, 45128 Essen Druck: Druckhaus WAZ GmbH & Co. Betriebs-KG, Anschrift wie Verlag. Kontakt: druckhaus@waz.de Erscheinungstermine: Sommersemester 2009: 28. April, 12. Mai, 26. Mai, 9. Juni, 23. Juni, 7. Juli
Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung: Prof. Dr. Günther Rager Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg) ViSdP Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227

RUHR-BLICK S14 S16 … Leserumfrage: Das soll anders werden. … „Sonne, Wiese, Liege & Bier“: „Fräulein Wunder“-Chanty im Interview

DIENST-BAR S17 … Pasta und Pizza fast für lau und danach „Kopf oder Zahl“ im Kino.

… Pinkwart öffnet Unitore für Lernfreudige ohne Abi.

… Chanty von der Girl-Band „Fräulein Wunder“ im Gespräch mit der pflichtlektüre.

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S04 DORTMUND: IM HÖRSAAL

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Der Frauenversteher
Carl Djerassi bleibt seiner Erfindung treu. Bevor er das Ehrendoktorat der TU Dortmund erhielt, wetterte der Erfinder der Pille gegen den Papst.

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r hat die Pille erfunden. Jetzt schreibt er Theaterstücke. Carl Djerassi, 1923 als Sohn zweier Ärzte in Wien geboren, erhielt am 23. April das Ehrendoktorat der Technischen Universität Dortmund. Vor 20 Jahren startete der heute 84-Jährige mit dem Roman „Cantor`s Dilemma“ seine zweite Karriere als Schriftsteller. Für Djerassi ist die Auszeichnung die erste einer deutschen Universität und weltweit die erste für sein literarisches Werk. pflichtlektüre sprach mit Djerassi über den Papst, die Pille und Paul Klee. pflichtlektüre: Herr Djerassi, wie verstehen Sie sich mit dem Papst? Carl Djerassi: Ich habe ihn leider noch nicht getroffen. Aber es ist eine Diskussion, die ich sehr gerne haben würde. Die Reise des Papstes nach Afrika und seine Aussagen über die Benutzung von Kondomen waren obszön. Dass der Papst wahrscheinlich keine Kondome braucht, ist okay. Aber in Afrika schickt man so einige Millionen Leute in den sicheren Tod. Oder ein anderes Beispiel: In den altkatholischen Ländern von Lateinamerika ist die illegale Abtreibung am stärksten vertreten. Dort ist man noch so sehr gegen Verhütung, dass eine Abtreibung oft die letzte Lösung einer verzweifelten Frau ist. Das ist eine Tragödie. Man muss eine Lösung finden, damit Abtreibung keine Lösung mehr sein muss. Besser ist eine intelligente Verhütung, damit man nur Kinder hat, die man haben will. pflichtlektüre: Sie nennen Sich die „Mutter der Pille“. Warum sind Sie nicht ihr Vater? Djerassi: Der Chemiker, nicht nur der Chemiker Carl Djerassi, ist immer die Mutter einer Medikamenterfindung. Der Biologe ist immer der Vater. Und der Kliniker ist immer der Geburtshelfer. Man produziert ein Baby nicht nur mit dem Vater. Man fängt mit dem Ei der Mutter an, und erst dann kommen die Spermien. Man kann masturbieren, so lange man will. So lange man das Ei nicht hat, wird es nie befruchtet werden. pflichtlektüre: Die Pille begleitet Sie seit Ihrem 28. Lebensjahr. Wie glücklich sind Sie über Ihren ersten Ehrendoktor für Ihr literarisches Werk? Djerassi: Für mich ist es unglaublich. Literatur ist mein jetziges Leben. Zuvor habe ich 20 Auszeichnungen immer für dasselbe bekommen. Neben der Pille habe ich viele andere wissenschaftliche Sachen gemacht. In der Chemie sogar wichtigere als die Pille. Der soziale Gebrauch ist wiederum eine andere Sache. Es gibt nur wenige Sachen, die einen solchen gesellschaftlichen Effekt hatten.

Der Chemiker Carl Djerassi ging der Wissenschaft fremd und liebt jetzt die Literatur.

pflichtlektüre: Wenn Sie die Möglichkeiten hätten, eine der drei verstorbenen Personen zu treffen, welche würden Sie wählen: Einstein, Goethe oder den Maler Paul Klee? Djerassi: Ohne Frage: Paul Klee. Ich bin in seine Arbeiten verliebt. Er ist ein ausgezeichneter Musiker, ein wunderbarer Maler, witziger Pädagoge und hat interessante Gedichte geschrieben. Das erste Gedicht, das ich 1983 geschrieben habe, war über Paul Klee. pflichtlektüre: Die drei Personen stehen für Wissenschaft, Literatur und die Kunst. Ist Ihnen die Kunst jetzt am Wichtigsten? Djerassi: Das ist eine andere Frage. Ich bin kein Maler, aber ich war ein Wissenschaflter und bin aktiv in der Literatur. Die Kunst ist etwas Neues für mich. Aber das Wichtigste ist für mich die Literatur. Das ist ganz klar.

eine Frau. Es geht nicht von einen Tag auf den anderen. Aber 20 Jahre sind in der Geschichte der Gesellschaft eine sehr kurze Zeit. pflichtlektüre: Sie haben die Pille erfunden und fordern: Frauen an die Macht. Sind Sie ein Frauenversteher? Djerassi: In einem Roman schreibe ich über die innere Stimme einer Frau. Ich als männlicher Autor habe mich in die Frau hineinversetzt und das ist nicht einfach. Ich bin schon ein Frauenversteher.
text Susann Eberlein & Marylen Reschop foto Marylen Rechop

pflichtlektüre: In einem Interview vor einem Jahr sagten Sie uns, dass es schwierig sei, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden. Frauen wären darin besser, seien deshalb für Führungspositionen geeigneter. Hat die Gesellschaft das mittlerweile begriffen? Anzeige Wir suchen für unser Team weibliche Verstärkung Djerassi: Habe ich das wirklich gesagt? Das freut mich (lacht). Innerhalb eines WAS SOLLTEST DU MITBRINGEN: Begeisterung für unsere Produkte und Erfahrung im Umgang damit • Lernfreudigkeit, Engagement, ZuverlässigJahres kann sich das nicht ändern. Aber keit, Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und ein Gefühl für Ordnung • Ein ofwir haben in Deutschland eine Kanzfenes Wesen für den Umgang mit unseren Kunden • Studentenausweis lerin. Die Rektorin von Cambridge ist
Arbeitszeit: Sa. und nach Bedarf, einen halben bis ganzen Tag in der Woche WAS BIETEN WIR DIR: Einen seriösen Nebenjob, ein langfristiges Arbeitsverhältnis, eine Menge Arbeit, ein faires Miteinander und ein wirklich nettes Team! Bewerbung bitte nur schriftlich und mit Bild an: tourpur GmbH • Brüderweg 10-12 • 44135 Dortmund

TV-HINWEIS
Wer noch mehr über „die Mutter der Pille“ erfahren möchte, hat dazu unter www.do1-tv.de die Gelegenheit. Der Dortmunder Ausbildungssender stellt am Freitag, den 1. Mai 2009, zwei Beiträge über Carl Djerassi online: Zum einen über den Festakt und zum anderen über die Aufführung eines seiner Theaterstücke.

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DORTMUND: IM HÖRSAAL S05

Klaus ist raus
Der AStA-Vorsitzende Bastian Klaus ist überraschend zurückgetreten. Der Grund: Zeitmangel. Seine Nachfolgerin Nina Wolf sagt eindeutig: Mein Studium ist wichtiger als die AStA-Arbeit.

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m August vergangenen Jahres wurde er gewählt, erste Zweifel überkamen ihn bereits Ende 2008. Jetzt hat er die Konsequenzen gezogen: Bastian Klaus ist als AStA-Vorsitzender zurückgetreten. Seine Begründung: Sein Amt lasse sich nicht mit seinem Lehramts-Studium vereinbaren. Er wolle sich, so der 23-Jährige, nun voll und ganz auf die Uni konzentrieren. Seine Nachfolgerin steht aber schon bereit: Nina Wolf übernimmt das Amt der AStA-Vorsitzenden. „Es war eine persönliche Entscheidung, keine politische“, erklärt Bastian Klaus, „im AStA lief alles sehr harmonisch und wir haben konstruktiv zusammengearbeitet.“ Nach acht Monaten als AStA-Vorsitzender verkündete er im Februar erst seiner Juso-Liste und dann dem AStA und dem Studierendenparlament seine RücktrittsEntscheidung. „Mein Ziel ist es, 2012 mit meinem kompletten Studium fertig zu sein“, sagt Klaus, der Sozialwissenschaften, Mathe und Deutsch auf Bachelor und Master für das Lehramt studiert. „Und da passt eben eine 20- bis 25-Stunden-Woche im AStA nicht mehr rein.“ Er hoffe aber darauf, dass es weiterhin Studierende gibt, die sich für die Hochschulpolitik engagieren. AStA-Karrieren von mehreren Jahren hält er allerdings nicht mehr für möglich: „Das wird es aufgrund dieser doch sehr harten Studienbedingungen von Bachelor und Master vielleicht weniger geben. Aber ein oder zwei Jahre AStA-Zeit reichen auch vollkommen aus, um die Interessen der Studierenden zu vertreten.“

Bastian Klaus’ Rücktritt kam für viele seiner politischen Mitstreiter überraschend. Bei seiner eigenen Liste sei der Lehramts-Student auf großes Verständnis gestoßen. Auch die Mitglieder der anderen Listen akzeptieren seine Entscheidung, fragen sich jedoch auch, ob ihm das Zeitproblem nicht schon vorher hätte bewusst sein müssen. „Ich persönlich finde Bastians Gründe für seinen Rücktritt nachvollziehbar. Sicher hätte sich jeder gewünscht, dass man vor Amtsantritt diese Gründe schon stärker beachtet hätte. Dennoch ist es seine persönliche Entscheidung gewesen, die ich akzeptiere“, sagt die alte und neue stellvertretende Vorsitzende Katharina Woroniuk von der Anwesenheitsliste. „Bastian hat den Vorsitz mit dem Plan übernommen, die Arbeit der AStAMitglieder so zu organisieren, dass sich die Arbeit besser mit dem Studium vereinbaren lässt“, erklärt Frank Hommes, Referent für Hochschulpolitik, „das hat aber nur teilweise funktioniert.“ Bei einem AStA-Vorsitzenden käme es trotz guter Arbeitsorganisation zwangsweise irgendwann dazu, dass wichtige Termine mit Vorlesungen kollidierten, „und dann sollte man die Notbremse ziehen.“ Bastian Klaus hat rückblickend nicht das Gefühl, als AStA-Vorsitzender gescheitert zu sein. Der 23-Jährige ist stolz auf das, was er geleistet hat: „Ich habe viele sehr gute Erfahrungen gemacht und möchte diese Zeit nicht missen.“ Am meisten Zeit und Arbeit habe er in das NRW-Ticket gesteckt und es so geschafft, das Ticket schneller als an anderen Hochschulen einzuführen. Er bedauert allerdings, dass er in Bezug auf die Senkung der Studiengebühren nicht mehr erreichen konnte. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Studiengebühren um 100 Euro gesenkt werden, weil ich weiß, dass das locker zu finanzieren ist.“ Der 23-Jährige verspricht aber auch, sich in Zukunft nicht völlig zurück zu ziehen: „Wenn meine Hilfe gebraucht wird, kann ich jederzeit angesprochen werden.“

Drei Fragen an Nina Wolf
Was hat Dich dazu bewegt, das Amt der AStA-Vorsitzenden zu übernehmen?

Da ich schon das dritte Jahr im AStA tätig bin, habe ich bereits einiges an hochschulpolitischer Erfahrung sammeln können. Deshalb wurde ich gebeten, dass Amt der Vorsitzenden bis zur nächsten Wahl im Sommer zu übernehmen.
Wie vereinbarst Du Studium und AStA-Tätigkeit?

Für mich hat das Studium höhere Priorität. Zwischen, vor und nach den Vorlesungen gehe ich meiner AStA-Tätigkeit nach.
Was für Ziele hast Du Dir gesteckt?

Da wir nur noch wenige Monate im Amt sind, geht es vor allem darum, laufende Projekte gemeinsam erfolgreich zu Ende zu führen. Wir werden uns auch weiterhin so gut wie möglich für die Belange der Studierenden einsetzen.

text und fotos Lea Grote

WER IST NINA WOLF?
Die Interessen der Studierenden vertritt ab jetzt Nina Wolf. Sie übernimmt, bestätigt vom Studierendenparlament, das Amt der AStA-Vorsitzenden. Die 23-Jährige studiert im achten Semester Lehramt für die Förderschule, ist seit drei Jahren im AStA, gehört zur Liste der Grünen und sammelte Erfahrungen als stellvertretende Vorsitzende und Referentin im Team „Soziales“. Im Juni wird ein neues Studierendenparlament gewählt. Ob Wolf dann noch einmal zur Vorsitzenden gewählt wird, hängt davon ab, wie sich das neue Studierendenparlament zusammensetzt.

01 Konzentriert sich nun voll auf sein Studium: Bastian Klaus gab den AStA-Vorsitz aus Zeitgründen auf.

02 Die neue Frau an der Spitze des Dortmunder AStA: Nina Wolf verfügt über drei Jahre Erfahrungen in der Hochschulpolitik.

S06 DORTMUND

IN KOOPERATION MIT DEM

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Luft plus X
Drei Leute, drei Länder, drei Blogs: Eindrücke aus dem Ausland ENGLAND: PHLIPP GERLOFF
„Vor dem Eingang zum Shopping Centre hat sich ein relativ junger Engländer mit Campingstuhl und Megafon niedergelassen. Ich habe ihn schon ein paar Mal dort gesehen, aber nie so richtig auf ihn geachtet. Heute habe ich ihm mal kurz zugehört. Sein Motto ist: „Christ is the answer“, was ja soweit auch erstmal okay ist. Allerdings erzählt er die ganze Zeit völlig fanatisches Zeug. Übersetzt in etwa so: „Jesus hat Euch das Leben geschenkt, darum müsst ihr ihm für immer dienen!“ „Wenn ihr ihm euer Leben nicht völlig hingebt, wird der Teufel euch holen!“ „Der grausame Blitz des Teufels wird euch treffen!“ Fakten: - Hochschule: Queens Mary University of London - Studiengang: Informatik - Dauer: WS 2007/2008 und SoSe 2008 - Alter: 22 - Website: www.philipp-gerloff.de/blog

USA: SEBASTIAN HILGERT
„Heute gab es eine Einführung in die Bibliothek, und meine Erwartungen wurden um Längen übertroffen. Dass es wesentlich mehr Arbeitsplätze als in Dortmund geben wird, hatte ich ja schon geahnt. Trotzdem hat mich die Anzahl und die Ausstattung überrascht. Verschiedenste Plätze mit und ohne Rechner; Einzel- und Gruppentische; Seminarräume; einen Raum, um Präsentationen zu üben, der mit Kamera zur Analyse ausgestattet ist; ein Café mit ähnlichen Öffnungszeiten wie die Bibliothek selbst; ein angeschlossener Raum mit Sessel und Couch; Computer mit Office und anderer Software, wobei jeder an einen Drucker angeschlossen ist; jede Menge Plätze im Lesesaal, auch auf den Fluren mit Blick ins Grüne (auch hier Sessel); und WLAN im gesamten Gebäude.“ Fakten: - Hochschule: Iowa State University of Science and Technology, Ames, Iowa - Dauer: August bis Dezember 2008 - Alter: 25 - Website: http://glasstitan.blogspot. com/2008_10_01_archive.html

CHINA: JUTTA VERFÜRTH
„Oh Mann, normalerweise kann man ja vom Flugzeug aus den Boden sehen, auf dem man bald landen wird. Aber wenn man in Peking landet, dann taucht das Antlitz der Erde in der Tat erst wenige Sekunden vor dem Aufsetzen aus dem Nebel auf. Nebel? Nee, der gelbe Popel von damals lebt. Immer noch ist die Stadt in einen schweren Smog gehüllt, der einem die Sicht trübt und die Atemwege verstopft. Da hilft auch nicht, dass montags und mittwochs nur Autos mit auf gerade Zahlen endenden Nummernschildern fahren dürfen. (Oder umgekehrt?!) Schön ist das wirklich nicht, aber irgendwie ... Ich bin nun seit etwa acht Stunden hier und habe mich im Ansatz daran gewöhnt. Luft ist hier halt nicht „Luft“, sondern „Luft + X“. Eigentlich möchte ich gar nicht wissen, was genau „X“ ist, denn „X“ ist gelblich-braun; an, auf und in mir.“ Fakten: - Hochschule: NRW Summer School, Peking - Studiengang: Philosophie und Kunst (Bachelor bis Dezember 08) jetzt: Contemporary East Asian Studies - Dauer: August bis September 2008 - Alter: 24 - Website: www.liviaswelt.de/China/ChinaBlog/China-Blog.html

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IN KOOPERATION MIT DEM

DORTMUND S07

Momentaufnahmen

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Sommer 2008 hatte das AAA alle Studierenden, die im Ausland waren, dazu aufgerufen, ihre besten Fotos ihres persönlichen Abenteuers im Ausland einzureichen. Aus den über 150 eingereichten Bildern wurden über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewählt.

in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Auslandsamt der TU Dortmund nun schon seit dem 11. Februar 2009 in einer Ausstellung im Kinofoyer. Bereits im

tudieren unter Palmen oder bei minus 15 Grad – ein Auslandsaufenthalt während des Studiums macht das möglich. Jedes Jahr wagen knapp 300 Studierende den Schritt, der TU Dortmund für ein Semester oder länger Dortmund den Rücken zuzukehren. Immer mit im Gepäck ist ihr Fotoapparat, um ihre Eindrücke auf Fotos festzuhalten. Die schönsten Bilder zeigt das CineStar Dortmund

Patrick Huhn im Millennium Park in Chicago. Der Student der Raumplanung belegte im November 2008 einen Workshop in Chicago und an der Michigan State University.

„Wann kommt der Bus?“ - leichte Sprachprobleme an der Bushaltestelle in Kurashiki (Japan) hat Martin Stoffers, Student des Chemieingenieurwesens.

Lichtgestalt: Mit dem Selbstauslöser hat sich Katharina Nimz im St.-Catalina-Kloster in Arequipa (Peru) fotografiert. Die Studentin der Angewandten Sprachwissenschaften machte ein Praktikum beim Goethe-Institut in Lima.

Ostdeutsches Ampelmännchen im Wanderurlaub: So der Titel dieses Siegerfotos von Holger Kanschik, welches er während seines Auslandsaufenthaltes an der Université Pierre Mendès France Grenoble Deux aufnahm.

Religious Art: Kunst eines afro-amerikanischen Folk-Art Künstlers in Brirmingham, Alabama (USA) zeigt dieses Bild von Corinna Reinecke.

S08 DORTMUND

IN KOOPERATION MIT DEM

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Grobschlächtige Biertrinker
Künftige Austauschstudierende über Deutschland, Dortmund & preußische Tugenden

Laura Aguiar
Universität: Cuyo Catholic University, San Juan, Argentinien Heimatstadt: Asunción, Paraguay

Marta Twardowsk
Universität: Universität Warschau – American Studies Center Heimatstadt: Warschau, Polen

Ian Franklin
Universität: Oglethorpe University, Atlanta, USA Heimatland: USA

Mehmet Bilen
Universität: Middle East Technical University Heimatstadt: Ankara, Türkei

Warum hast Du Dich dafür entschieden, nach Dortmund zu kommen?
Die TU bietet ein interessantes Sommer-Programm an, das meinem Master in Argentinien ähnelt, Außerdem ist das Programm auf Englisch. In Dortmund kann ich auch die deutsche Sprache und Kultur ein bisschen kennen lernen. Zunächst interessiere ich mich sehr für die Kulturwissenschaften. Bisher war ich noch nicht in Dortmund, deshalb ist es eine großartige Erfahrung, diese Stadt einmal zu besuchen. Und zuletzt hoffe ich, mein Deutsch zu verbessern. Ich liebe es, Deutsch zu lernen und Deutschland kennenzulernen. Ich habe meine Heimatuni in den USA extra ausgewählt, weil sie ein Austauschprogramm mit einem Teil Deutschlands hatte, den ich wenigstens schon ein bisschen kannte. Weil mir der Fachbereich und der Campus gefallen haben. Außerdem habe ich gehört, dass Dortmund gut zum Leben ist.

Welche drei Dringe möchtest Du hier unbedingt machen?
Ich möchte neue Freunde finden, meine Deutschkenntnisse verbessern und mehr über andere Kulturen lernen. Sightseeing, Freunde finden und natürlich studieren. Ich habe einer dänischen Freundin versprochen, dass ich mit ihr zum Roskilde Festival gehen werde. Außerdem möchte ich einige Freunde in Linz am Rhein besuchen, wo ich letzten Sommer studiert habe. Und ich würde gerne nach Bayern reisen, obwohl mir alle Deutschen sagen, dass es dort nichts zu sehen gibt. Während ich in Dortmund bin, hoffe ich, etwas mit neuen Freunden machen zu können. Außerdem möchte ich mein Deutsch verbessern und am Ende meines Praktikums durch Europa reisen.

Gibt es einen bestimmten deutschen Stereotyp in Deiner Heimat?
Ja, natürlich, aber nicht nur diejenigen, die in den alten Filmen gezeigt werden. Wir denken, dass die Deutschen auf eine gute Art und Weise ernste, organisierte, verantwortungsbewusste und hart arbeitende Menschen sind. „Ordnung muss sein“ Außerdem: Pünktlichkeit. Dann gibt es in Polen noch eine beliebte Fernsehserie, die sich übersetzt „L wie Liebe” nennt. In dieser Serie spielt ein Deutscher mit (Stefan Möller), der an den Typ Nachbarn erinnert. Die Amerikaner denken, dass alle Deutschen Bayern sind, dass sie Lederhosen tragen, dass sie Bier trinken und grob sind. Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir keinen besonderen Stereotypen haben. Das Einzige, was ich über die Deutschen weiß, ist, dass sie hart arbeitende Leute sind und Bier mögen.

Hast du schon etwas von Dortmund oder der Uni gehört?
Ja, Dank der Beziehungen meines Mannes zum DAAD habe ich schon Leute getroffen, die in Dortmund studiert haben und die mir über ihre Erfahrungen erzählt haben. Um ehrlich zu sein, nichts Besonderes (außer über den BVB). Aber ich werde das wieder gutmachen, wenn ich hier bin. Ich habe von der TU Dortmund von meinem Deutschlehrer gehört. Er hat mir von den Studentenkneipen erzählt. Ich habe mir schon die Website und die Karten angeschaut. Als mir ein Freund erzählt hat, dass Dortmund eine H-Bahn auf dem Campus hat, habe ich mir gedacht, dass ich dort bestimmt viel Spaß haben werde.

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IN KOOPERATION MIT DEM

DORTMUND S09

Fernweh bekommen?
Das Akadamische Auslandsamt versorgt Euch mit den notwendigen Informationen

Ihr Ticket in die Welt!
Mit ca. 500 Partnerhochschulen in Europa, Nordund Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Afrika: Die TU Dortmund macht es möglich.
Ob Sie sich nur über andere Länder und Kulturen informieren oder sich konkret auf einen Studien- oder Praxisaufenthalt im Ausland vorbereiten möchten, die folgenden Veranstaltungen und Workshops helfen und geben Ihnen Einblicke in die Kulturen der Welt:
17-19:00 Hautnah Europa und die Welt erleben! (MB-Gebäude, HS1)
Allgemeine Informationen zu Stipendienprogrammen und sonstigen Möglichkeiten, einen Aufenthalt im Ausland zu realisieren

29.04. Infoveranstaltung zum Studium im Ausland Infomobil 11-16 Uhr, Mensa Campus Nord 06.05. Infoveranstaltung zum Praktikum im Ausland 17-22:00 Workshops: Ihr Ticket in die Welt! (Ort: wird noch bekannt gegeben)
Lernen Sie von den Erfahrungen anderer Studierender! Ein Abend mit Erfahrungs- & Reiseberichten, Kulturelles & mehr!

Weitere Informationen: Laura Hope, laura.hope@tu-dortmund.de Akademisches Auslandsamt (AAA) der TU Dortmund

14.05. Ihr Ticket nach Europa! 04.06. Ihr Ticket nach Asien! 01.07. Ihr Ticket nach Nordamerika! siehe Webseite Bewerbungsworkshops (AAA, R. 211)
Praktikum im Ausland? Lernen Sie, wie Sie sich präsentieren müssen! Anmeldung erforderlich unter: www.aaa.tu-dortmund.de → „Aktuelles“

18.05. 19.05. 22.05. 07.07. 10.07.

Englische Bewerbungen Französische Bewerbungen Spanische Bewerbungen Englische Bewerbungen Spanische Bewerbungen

ERFAHRUNGEN VON WENDY LANGESEN
Je länger ich in Deutschland bin, desto mehr fühle ich mich hier zu Hause. Ich freue mich jeden Tag am Morgen in meinem deutschen Zimmer aufzustehen. Ich finde die einzelne Bettdecke hier toll. In den USA kämpfe ich jeden Morgen mit den verschiedenen Bettlaken und Decken, die nie mehr ordentlich zusammen liegen. Es ist schrecklich. Nach dem Aufstehen mache ich das Fenster auf. Ich habe nie in meinem Leben ein besseres Fenster gesehen. Es ist groß und hat keine Abschirmung, wie so viele Fenster in den USA. Außerdem kann ich wählen, ob ich das ganze Fenster öffnen will oder nur den oberen Teil. Es ist toll! Ich muss mich dann am morgen natürlich auch duschen und umziehen, aber danach frühstücke ich. Ich wohne wirklich nicht so weit weg von einer Bäckerei, und wenn ich genug Zeit habe, gehe ich dorthin, wo der dicke, freundliche, deutsche Bäcker auf mich wartet, und kaufe zwei Brötchen. Dann gehe ich zurück nach Hause und genieße die frischen Brötchen mit deutscher Marmelade und esse Kaffeejoghurt dazu. Es ist so lecker! Ich finde jeden Tag kleine neue Sachen hier in Deutschland, die mir gut gefallen. Es ist so schön, hier in Deutschland zu sein. Wendy Langesen studiert an der University of Iowa (USA) und ist dieses Sommersemester in Dortmund.

ERFAHRUNGEN VON AISLING MOCKLER
Irland und Deutschland sind ziemlich unterschiedlich. In Deutschland ist alles billiger, die Leute sind konservativer und die öffentlichen Verkehrsmittel sind pünktlich. Aber ich finde, den größten Unterschied ein bisschen schockierend: Es gibt keine Iren in Dortmund. Ich finde es lustig, es gibt zwei beliebte irische Kneipen in Dortmund, aber nur zwei Iren, Eric und mich. Am St. Patrick’s Day sind wir ins Limericks gegangen, um die Iren zu finden, aber leider gab es dort nur ein paar Betrunkene mit deutschem Akzent. In Irland gibt es einen Scherz, dass, es immer ein paar Iren gibt, wenn man durch die Welt reist. Ich glaube, das ist wahr. Aber leider haben die Iren Dortmund vergessen. Aisling Mockler studiert am Dublin Institute of Technolgy (Irland) und ist ebenfalls dieses Sommersemester an der TU Dortmund.

Verantwortlich für den Inhalt: Laura Hope und Uta Baier vom Akademischen Auslandsamt Kontakt: www.aaa.tu-dortmund.de

Sonderimpressum:

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Studis - voll vernetzt
Soziale Netzwerke im Internet werden auch bei Studierenden immer beliebter. Die pflichtlektüre Wie hilfreich sind die verschiedenen Online-Plattformen bei der Jobsuche wirklich?

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irk? Wer ist Dirk? Da liegt eine Einladung im Posteingang. „Dirk möchte Sie zu seinen Kontakten hinzufügen.“ Ein Klick, das Passwort, der Benutzername: Schon lächelt er von seinem Profilbild. Gekämmte Haare, teurer Anzug, verbindliches Lächeln – das Bewerbungsfoto eines Kommilitonen. Er ist auf der Suche nach Kontakten, will alte Bekanntschaften aufleben lassen, will die richtigen beruflichen Verbindungen knüpfen. Er nutzt ein Internet-Netzwerk - willkommen bei Xing! Soziale Netzwerke, die den Nutzern mehr als nur Chat-Funktionen und Foren bieten, gibt es seit Mitte der 90-er Jahre. Eine der ersten Plattformen dieser Art ist die 1995 gegründete Website www. classmates.com. Immer mehr Menschen, vorwiegend junge Leute, nutzen solche Netzwerke, um die Chancen auf einen guten Job zu erhöhen. Doch verschafft einem die digitale Kontaktwelt wirklich das nötige Vitamin B für eine erfolgreiche Stellensuche? Viktoria Reckert, Biologie-Studentin an der Ruhr-Universität Bochum, hat noch keine Erfahrungen mit Karrierenetzwerken gemacht. Persönliche Kontakte findet sie nützlicher. „Die Zukunftschancen stehen schlecht. Das wird einem dauernd unter die Nase gerieben. Klar hat man da Angst vor der Zeit nach dem Studium.“ Trotzdem: Die Jagd nach guten Jobs via digitaler Visitenkarte sieht die 21-Jährige mit Skepsis. Tatsächlich hat etwa ein Drittel der neu eingestellten Bewerber in Deutschland über persönliche Netzwerkkontakte eine Arbeitsstelle gefunden. Das ergab im Jahr 2007 eine Betriebsbefragung durch das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Sprecherin Eva Peters betont, dass heute viele Stellen gar nicht erst den Status einer Anzeige erreichen. Sie werden direkt ohne Ausschreibung besetzt und in manchen Fällen helfen Netzwerke nach. Thomas Bauer, Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen, sieht das etwas anders: „Die beste Voraussetzung für eine Anstellung sind gute Noten und ein überzeugendes Auftreten beim Bewerbungsgespräch.“ Ein Netzwerkprofil sei nur nützliches Beiwerk. Der Professor an der Ruhr-Universität Bochum ist überzeugt, dass sich an der traditionellen Bewerbung in naher Zukunft nichts ändern wird. Denn: Kein großes Unternehmen könne sich nur auf schwammige Netzwerkkontakte verlassen. Auch im Büro von Thomas Sobkowiak türmen sich die Bewerbungsmappen. Der studierte Betriebswirtschaftler arbeitet seit 21 Jahren als Ab-

Bekannte Gesichter machen ein besseres Bild

teilungsleiter für Personalwirtschaft bei Signal Iduna. Am Standort Dortmund beschäftigt der Versicherungskonzern etwa 2000 Mitarbeiter. „Bei einer Bewerbung ist es nicht von Nachteil, wenn man ein Gesicht bereits über ein Netzwerk kennt“, sagt Sobkowiak. „Der Vorteil ist, dass eben nicht nur die schriftlichen Unterlagen vorliegen.“ Das vermittle ein viel besseres Gesamtbild der Bewerber. Auch er selbst ist Mitglied bei „XING“ und schätzt die Vorzüge der Kontaktbörse. „Das Ziel solcher Netzwerke ist der Austausch über Unternehmensebenen hinaus. Das ist eine Art gegenseitigen Nutznießens - eine tolle Methode, neue Kontakte zu knüpfen.“ Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Laut einer

Forsa-Studie, beauftragt von der XING AG, nutzt in Deutschland etwa jede fünfte Führungskraft berufliche Online-Netzwerke. Seit Mitte des vergangenen Jahres ist auch der Status „Student“ in den Profilen verfügbar. Das hat dazu geführt, dass XING heute 110.000 Studierende und Absolventen zu seinen Nutzern zählt. Etwa 5300 von ihnen kommen aus Duisburg, Bochum, Essen oder Dortmund. Den Erfolg erklärt Pressesprecher Thorsten Vespermann so: „Unsere Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch geändert. Die Arbeit läuft projektbezogener ab.“ Daher sei ein gewachsenes Netz aus beruflichen Kontakten wichtiger denn je. Doch das Web 2.0 ist nicht der einzige Ort, an dem Studierende Kontakte für die berufliche Zu-

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meiner parallel laufenden Bewerbung vorteilhaft“, berichtet er. So habe WILO einen persönlichen Eindruck von ihm gewonnen. Für Unternehmen sind Netzwerke eine Gelegenheit, Begabte für das eigene Unternehmen zu entdecken. Ein Konzept, das aus der Ideenschmiede von Ernst Pabst stammen könnte. Der Krefelder Diplom-Kaufmann ist mit seiner Firma „Executive Search Consulting“ Ansprechpartner für viele Unternehmen, wenn es um die Suche nach Führungskräften und Spezialisten geht. Seit 15 Jahren vermittelt er den Kontakt zu „Headhuntern“, die gezielt nach den Bedürfnissen des Unternehmens die besten Kandidaten für eine Stelle finden. An Universitäten sind „Headhunter“ selten unterwegs, denn ihre Arbeit ist teuer: „Das rechnet sich erst ab etwa 60 000 Euro Gehalt im Jahr“, erklärt Pabst. Bei einem Auftrag kundschaften die „Researcher“ Konkurrenzunternehmen aus – treffen aber eine Vorauswahl über Fachzeitschriften und berufliche Netzwerke wie „XING“. Pabst ist dort ebenfalls mit einem Profil vertreten. Auch Arbeitssuchende könnten sich an Headhunter wenden, sagt der Marktkenner. Er rate Studien-Absolventen allerdings dringend davon ab, wahllos alle Headhunter anzuschreiben. „Ungeschützt zirkulierende Lebensläufe mindern den Marktwert und man muss sich schließlich selbst wertvoll machen“, sagt der Vermittler. Interessierte sollten sich persönlich an die Headhunter wenden und konkrete Vorstellungen von einer künftigen Stelle haben. „Bekommt der Headhunter den Eindruck, dass jemand verzweifelt nach einem Job sucht, ist das alles andere als gut.“ Die Kompetenz der Headhunter bestehe nicht nur im Auffinden der Kandidaten, sondern vor allem in deren Bewertung, sagt Pabst. Das könne man nur über persönlichen Kontakt und die Überprüfung der Referenzen gewährleisten. Im Internet sei es hingegen nicht immer einfach, Referenzen zu bewerten, sagt Personalleiter Thomas Sobkowiak von Signal Iduna. „Bei digitalen Jobbörsen verschwimmt die Grenze zwischen freundlicher Unterstützung und dubioser Vetternwirtschaft manchmal.“ Die Netzwerke stellten schließlich eine einfache Möglichkeit dar, jemanden zu empfehlen, der gar nicht kompetent sei. Deswegen legt die Geschäftsführung des mittelständischen Bochumer Software-Unternehmens Triestram & Partner GmbH mit 60 Mitarbeitern auch Wert auf Empfehlungen der eigenen Mitarbeiter und Werksstudenten. Zwar nutze man auch Personalvermittlungsagenturen mit geschlossen Datenbanken im Internet, sagt Sprecher Oliver Zandner. Gerade die Stellen für Werksstudenten von der Ruhr-Uni und der FH Bochum würden aber meist über Empfehlungen besetzt. „Die Stellen sind für uns ja auch eine Art Nachwuchspro-

gramm“, erläutert Zandner. Wer durch eine Initiativbewerbung zeige, dass er sich mit der Arbeit und dem Unternehmen beschäftigt habe, könne ebenfalls Erfolg haben. Was Zandner beschreibt, bestätigt die Bundesagentur für Arbeit: „Auch wenn man den Vorteil des Internets nicht unterschätzen darf - persönliche Kontakte führen in der Regel schneller zum Erfolg.“ Das glaubt auch BioStudentin Viktoria Reckert: Sie hat vor kurzem ein Praktikum in einem großen Pharmakonzern beendet – die richtigen persönlichen Kontakte waren ihr Fuß in der Tür. Die 21-Jährige wird trotzdem zukünftig nicht aufhören, Bewerbungen zu verschicken. Allzu große Hoffnungen setzt sie aber nicht darauf: „In meinem Freundeskreis schaffen es die wenigsten, ohne Beziehungen begehrte Jobs zu bekommen.“
text: Julian Lang und Jonas Mueller-Töwe foto: Katalin Valeš

hat für Euch nachgefragt:

„Man muss sich selbst wertvoll machen“

NETZWERKE
www.XING.com Mitglieder: 6,53 Millionen Was: Plattform zur Pflege beruflicher und privater Kontakte. Benutzer können abfragen, über wie viele Ecken - also über andere Mitglieder - sie einen anderen kennen. Hat 161 Mitarbeiter aus 19 Nationen (Stand: 2008) www.Dol2day.de Mitglieder: ca. 10.000 Was: Deutschsprachige Politik-Community für Diskussionen mit anderen Usern und realen, prominenten Politikern. www.euni.de Mitglieder: mehr als 1200 Besucher pro Tag (nach eigenen Angaben) Was: „Internationales Akademisches Karriere Netzwerk“ für Studierende, Absolventen, Professoren und Dozenten - für Studentenjobs, Praktika und Stellenausschreibungen.

kunft knüpfen. So stellt beispielsweise der „Club of Excellence“ (CoE) an der TU Dortmund eine Schnittstelle zwischen Universität und regionaler Wirtschaft dar. Bei mehrtägigen Camps und monatlichen Treffen haben ausgewählte Studierende die Möglichkeit, mit Vertretern großer Unternehmen wie ThyssenKrupp, DSW21 oder MAN Turbo ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich werden Praktika und Studienabschlussarbeiten vermittelt. Léon Vallée, BWL-Student im neunten Semester, hat durch den „CoE“ eine Stelle als Werksstudent beim Dortmunder Pumpenhersteller WILO bekommen. „Bei einem der Treffen habe ich einen Personaler des Unternehmens in ungezwungener Atmosphäre kennengelernt – das war bei

Kontakt- und Karrieremessen:
- Job- und Bildungsmesse Erneuerbare Energien: 15./16. Mai in Gelsenkirchen - akademica: 19./20. Mai in Nürnberg - CampusChances: 26. Mai in Köln - Treffpunkt 2009: 27. Mai in Kaiserslautern

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Vitamin B vs. Klassik
Für Jenny und Tobias ist der Job verlockender als das Studium. Dabei sind die beiden ganz unterschiedlich an ihre Arbeitsstelle gekommen. Zwei Porträts.
Jenny: Gleich nimmt Schauspieler Peter Lohmeyer in der Kiste Platz, die die Kulisse bildet. Jetzt aber ist erst mal Drehpause am Set des Video-Projektes „Fliegende Bilder“. Also hat RegieAssistentin Jenny Winkelmann einige Minuten für ein pflichtlektüre-Interview. Bis vor Kurzem hat sie noch an der TU Dortmund studiert. Dann kam das Jobangebot. „Die Arbeit hier macht mir mehr Spaß als zu büffeln“, sagt die 25-Jährige. Die halblangen blonden Haare hat sie mit einer dünnen Spange seitlich zurückgesteckt. Nur eine einzelne Strähne fällt ihr gelegentlich ins Gesicht. Wenn sie über ihre Arbeit spricht, ist Jenny mit beruflichem Ernst bei der Sache. Ihr Redefluss verliert aber auch dann nicht an Fahrt. Kein Wunder, dass ihr der Stress am Film-Set nichts ausmacht. Multi-Tasking und schnelle Gedankensprünge sind ihr Ding. „Und Geld verdiene ich jetzt eben auch noch“, sagt sie. Ihr Studium in Mediengestaltung hat Jenny 2008 mit einem Bachelor of Arts abgeschlossen. Danach stand ihr der Sinn eigentlich nach Journalismus. Das Angebot ihres Vaters konnte sie dann aber doch nicht ausschlagen. Das Projekt fliegende-bilder.de steht unter seiner Regie. Der „Contergan“-Regisseur Adolf Winkelmann ist mehrfach ausgezeichnet mit dem deutschen Fernsehpreis. Im kommenden Jahr sollen die produzierten Bilder in und auf der Unionsbrauerei zu sehen sein. „Ich bin nun zuständig für viele organisatorische Sachen: die Bühnenaufbauten, die Requisiten, die Schauspieler - außerdem sorge ich für Ruhe am Set und setze die Vorgaben meines Vaters um“, sagt Jenny und ist begeistert von ihrem neuen Tätigkeitsfeld. „Fliegende Bilder“ ist nun eine Art Familienprojekt: Produzentin ist ihre Mutter Christiane Schaefer-Winkelmann. Ganz abgeschrieben hat Jenny den Journalismus noch nicht. „Vielleicht wird in zwei Jahren ja der MA in Dortmund angeboten.“ Fürs Erste hat sie aber genug zu tun: Ab Sommer 2010 soll die Video-Collage einen intimen, etwas voyeuristischen, aber liebevollen Einblick hinter die Fenster und Fassaden des Ruhrgebiets gewähren.
text: Jonas Mueller-Töwe foto: privat 01 Jenny Winkelmann hat dank ihres Vaters einen Job als Regie-Assistentin bekommen.
01

02

Tobias:

Tobias Matschek, ehemaliger Student an der Ruhr-Universität Bochum, räuspert sich, bevor er erzählt. Er ist klein und wirkt flippig durch seine wirren, dunklen Haare. Im rechten Ohrläppchen trägt er einen schwarzen Ohrstecker. Nach dem Abitur beginnt der heute 21-Jährige, das Biologie-Studium. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Defizite viel zu groß waren.“ Warum Tobias zunächst Biologie studieren will, ist eine einfache Geschichte. Ein paar sehr gute Noten in den Naturwissenschaften und schon stehen die Lehrer auf der Matte. Sie empfehlen ihm, Biologie zum Berufsziel zu machen. Wenig später findet sich Tobias in den gefüllten Hörsälen der Ruhr-Universität Bochum wieder. Finanziell wird er von seiner Familie unterstützt, doch das reicht nicht ganz aus. Neben dem immer größer werdenen Lernstress und dem Versuch, selbst noch etwas zur Finanzierung beizutragen, gibt es da auch noch die Freunde und den Wunsch nach Freizeit. „Klar, ich war irgendwie auch faul.“ Seine Stimme wird durch den lachenden Unterton heller. Er scheint verlegen. Für einen Wunsch ist zumindest ein wenig Zeit übrig. Mit Freunden gründet Tobias ein eigenes Plattenlabel mit dem Namen „West Weddinghofen Records“, produziert CDs und organisiert Konzerte. Um Geld geht es ihm dabei nicht. Fast seine gesamten Einnahmen investiert er in neue

Projekte. Das Engagement lohnt sich. Zwei Alben vertreibt er. Das liegt ihm, und darauf ist er stolz. Er weiß jedoch: „Ich will das nicht zu meinem Beruf machen. Als 40- oder 50-Jähriger Bühnen aufzubauen und ein paar CDs zu verkaufen, ist nicht so cool.“ Nach zwei Semestern bricht Tobias das Studium ab. Um eine Lücke im Lebenslauf zu vermeiden, macht er einen Lehrgang der Bundesagentur für Arbeit. Dann greift er auf die klassische Methode zurück und schreibt mit Hilfe der Agentur für Arbeit eine schriftliche Bewerbung an verschiedene Unternehmen. Kurz darauf kommt eine Zusage und er beginnt eine Ausbildung als Industriekaufmann: „Ich bin jetzt sehr zufrieden mit meiner Arbeit.“ Er ist glücklich, dass er jetzt selbstständiger ist. „Ich verdiene so viel, dass ich mir mein Auto leisten kann und genug übrig bleibt, um zu sparen.“ Nur bei seinen Eltern wohnt er noch. Nun ist das große Ziel, die Ausbildung erfolgreich zu beenden und vielleicht vom Betrieb übernommen zu werden: „Das wäre natürlich mein Wunsch, aber wer weiß schon, wie es läuft.“ Über die ferne Zukunft will sich Tobias noch keine Gedanken machen. Vielleicht wird er ja doch noch mal studieren: BWL oder Eventmanagement.
text: Julian Lang foto: privat

02 Tobias Matschek gründete ein Plattenlabel und fand einen Ausbildungsplatz dank der Arge.

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KOMMENTARE VON JONAS MUELLER-TÖWE UND JULIAN LANG
Pro:
Wer meint, er brauche generell kein „Vitamin B“, macht es sich zu einfach: Jeder vernetzt sich! Jeder! Deswegen geht es auch bei „Xing“ nicht darum, sich Unverdientes zu erschleichen. Es geht um Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Digitale Netzwerke helfen, bestehende Kontakte zu festigen und zu halten. Nebenprodukt können Jobs und Projekte sein. Jeder, der sich für sein Fachgebiet begeistern kann, wird sich im Internet und auch im „real life“ Kontakte eher zweitrangig aus Karrieregründen, zuerst jedoch aus ehrlichem Interesse suchen. Allein solche Verbindungen sind es, die tatsächlich zu einer Zusammenarbeit führen. Beim Berufseinstieg hilft in der schriftlichen Bewerbung auch der lückenlose Lebenslauf und der BA mit 1,0 nur wenig. Und warum die eigenen Fähigkeiten unter Wert verkaufen? Mit Kompetenz und Selbstbewusstsein muss sich niemand auf anonyme Bewerbungsschreiben verlassen. Am liebsten arbeitet eben jeder mit Menschen zusammen, die er kennt und einschätzen kann.
01 Vernetzen im Internet: Hilfe für den Berufseinstieg oder doch mehr Schein als sein?

Kontra:
01

Netzwerke á la Xing sind Auffangbecken für Frustrierte. Wer keine fehlerfreie Bewerbung hat, findet Wege, sich zu belügen. Im Netz ist es einfach, eine Fassade aus Anzug und gefaktem Lebenslauf aufzubauen. Natürlich kann es sein, dass per Zufall jemand auf ein Profil stößt und das Talent des Besitzers entdeckt. Doch im Ernst: Wer verlässt sich auf Angaben, präsentiert in einem Netzwerk, in dem jeder hervorstechen will? Das stinkt doch nur so nach Beweihräucherung und Wunschdenken. Netzwerke á la Xing sind auch Spielwiesen für Gewinner. Manager nutzen das Web 2.0, um den Businesssmalltalk anzukurbeln. Ein bisschen Kontakte aufwärmen und digitale Hände schütteln , dazu taugt das Netz wirklich. Nirgendwo sonst geht das schneller, billiger und unverbindlicher. Doch Händeschütteln ist eben Händeschütteln und noch keine Garantie für einen Job. Das bemerkenswerte Drittel, das über „persönliche Netzwerkkontakte“ einen Job findet, schließt sicher auch die tatsächlich persönlichen Kontakte ein. Mit Xing und Co. hat das wenig zu tun. Türen öffnen sich für dem, der die richtigen Leute kennt. Das aber ist nicht neu, sondern altbewährte Vetternwirtschaft.
fotos Stefanie Brüning & Daniel Gehrmann

Jenseits der Festanstellung
Die Autoren Friebe und Lobo über das Phänomen der digitalen Bohème. Eine Buchkritik.
Sie sitzen nächtelang über ihren Projekten, in ihrem Kopf sind sie längst fertig. In Notizbüchern halten sie ihre Ideen fest, die sie im Laptop weiterverarbeiten. Sie geben eine Menge für ihr Produkt. Auch die Sicherheit einer Festanstellung, die viele andere mit oder ohne Vitamin B erreichen möchten. Als Ersatz dient ihnen ein Netzwerk aus Bekannten, Freunden und Kollegen. Sie sind die „Digitale Bohème“ - ihr Arbeitsplatz ist überall dort, wo Wirelass-Lan verfügbar ist. Die Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo porträtieren in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ ein Phänomen, das sich analog zur Verbreitung des Internets entwickelt hat. Die klassischen Bohèmiens, also die Kreativen, sind nicht länger unter sich. Zu ihnen gesellt haben sich Branchen, die nicht länger auf das hierarchische System der Festanstellung angewiesen sind. Die Devise lautet: Schaffe, was dir am meisten Freude bereitet – ein Markt dafür wird sich finden. Das Internet ermögliche es, dass auch Konzepte und Ideen in den kleinsten Sparten die Interessierten erreichen. Die Geburt der digitalen Bohème sei den neuen Perspektiven der Vermarktung und Vernetzung zuzuschreiben. Diese Feststellung ist den Autoren hoch anzurechnen. Sie haben das Phänomen nicht erfunden, nur beschrieben, im vergangenen Jahr aber mit ihrem Buch eine Diskussion losgetreten, die noch heute in der Mensa ihre Fortsetzung finden kann. Macht das Streben nach der Festanstellung auf einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt Sinn? Lobo und Friebe räumen ein, dass das Konzept nicht für alle Branchen passt und nennen als ein Beispiel den Straßenbau. Trotzdem ist das Gedankenkonstrukt selbstbestimmter Arbeit genial. Gemein haben die analoge und die digitale Bohème laut Friebe und Lobo nämlich vor allem eines: Die Selbstbestimmtheit ihrer Arbeit und somit ihrer Zeit ist für sie wichtiger als ein sicheres Auskommen. So könne zum Leben in der digitalen Bohème durchaus ein „Brotjob“ gehören, der das Existenzminimum sichert. „Die Verweigerungshaltung der digitalen Bohème setzt nicht bei Konsum oder Politik an, sondern bei Arbeit und Produktion, indem sie sich selbstbestimmte Arbeitsbedingungen schlichtweg selbst schafft.“ Das kann wiederum aus der Not geboren sein oder selbst gewählt. Im Ergebnis macht es keinen Unterschied. Wer darauf aus ist, mit seiner Leidenschaft auch Geld zu verdienen, findet sich vielleicht schneller als gedacht unter dem Dach der „digitalen Bohème“ wieder. Der sollte dieses Buch unbedingt mal lesen. Und amüsant geschrieben ist es auch.
text: Jonas Mueller-Töwe

S14 RuhR-Blick: AuS dem lABoR

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da geht noch was
In eigener Sache: Was wir besser machen können.

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ir haben gefragt, Ihr habt geantwortet. Wir wollten wissen, was Euch interessiert, Ihr habt‘s uns gesagt: Auf Sport und Lifestyle habt Ihr keinen Bock. Stattdessen wollt Ihr etwas über Eure Uni und die Unis in der Nachbarschaft lesen. Wissenschaft? Auch okay. Im Wintersemester verteilten Studierende der Dortmunder Journalistik Fragebögen an den Ruhrgebietsunis. Ihr Ziel: erfahren, wie die pflichtlektüre ankommt, wo ihre Leser sie finden und was sie von ihr erwarten. Denn Journalisten schreiben nicht nur in ihrem Studium, sie forschen auch. Der Hintergrund der Aktion: Weil viele Menschen keine Zeitung mehr lesen, möchten Verlage gerne wissen, was junge Leute dazu bringt, es doch

Um welche Themen sollte sich die p ichtlektüre kümmern?
Berufsaussichten

Studienbedingungen

Berufsanforderungen

Studentisches Leben

Studien nanzierung

0

20

40

60

zu tun. Die pflichtlektüre ist deshalb ein Experimentierfeld in zweierlei Hinsicht: Studenten schreiben für die pflichtlektüre und lernen ihr Handwerk. Sie forschen aber auch gleichzeitig, ob das, was sie tun, gut ankommt. 1585 Kommilitonen haben sie deshalb im Wintersemester insgesamt befragt, gleichmäßig verteilt auf die Unis Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen, den Erscheinungsorten der pflichtlektüre. Umfragen machen ist prima, nützen aber nichts, wenn man die Ergebnisse nicht umsetzt. Das tun wir nun. Ihr habt gesagt, dass Eure Uni Euch am wichtigsten ist. Deshalb beginnt das Heft jetzt mit lokalen Themen. Ihr interessiert Euch am meisten für Berufsaussichten und die Anforderungen im Job: Wir starten mit dem Thema ins Semester. Aber natürlich ist nicht alles super. Wenn wir das gedacht hätten, hätten wir nicht forschen brauchen. Die Negativ-Ergebnisse: Ihr findet die pflichtlektüre zwar übersichtlich, aber die Hälfte von Euch sagt, dass unsere Themen nicht spannend sind. Das mussten wir erstmal verdauen, Aber wir haben uns berappelt und geloben jetzt Besserung. Die meisten Befragten gaben außerdem an, von den ersten vier pflichtlektüre-Ausgaben nur eine gelesen zu haben. Der Grund (neben dem Inhaltlichen): Je nach Uni ist die pflichtlektüre kaum zu finden. Wir folgern also: Wir müssen an unserem Vertrieb arbeiten. Immerhin wissen wir, was der effektivste Weg ist: Mehr als der Häfte unserer Leser haben wir das Heft persönlich in die Hand gedrückt. Doch wer heute aber nur auf Gedrucktes setzt, ist von gestern. Deshalb star(Angaben in Prozent) ten wir Mitte Mai unter www.pflicht80 100 lektuere.com unseren Online-Auftritt:

schneller und aktueller als das Heft, mit Infos zum Hören, viel zum Gucken und der Möglichkeit, unter jedem Artikel Euren Senf dazuzugeben. Wenn Ihr mithelfen wollt, die pflichtlektüre zu verbessern oder uns auch einfach nur so die Meinung sagen wollt, schreibt uns an post@pflichtlektuere.com. Wenn Ihr mitarbeiten möchtet und spannendere Themen wisst als wir, schreibt uns auch und kommt vorbei. Besonders in Bochum brauchen wir noch Unterstützung.
text Nils Bickenbach, Vanessa Giese foto archiv

Wie lange lest Ihr die p ichtlektüre?

5 bis 10 Minuten

11 bis 20 Minuten

Keine Angabe Weniger als 5 Minuten

21 bis 30 Minuten Mehr als 30 Minuten

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Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt engagierte(n) und zuverlässige(n) Fachrichtung Architektur ab 5. Semester, zur Unterstützung unseres Teams in allen Leistungsphasen der HOAI. Spätere Übernahme nach Abschluss des Studiums nicht ausgeschlossen. Architekturbüro J. Borschukewitz Wiescherstr. 86 a - 44625 Herne info@architekturbuero-borschukewitz.de

Student(in)

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Vom Frisörmeister zum chemiestudenten
Innovationsminister Pinkwart möchte eine neue Eintrittskarte für die Universität

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er einen Meisterbrief hat, kann in NRW bald auch ohne Hochschulreife an Universitäten studieren. Das plant der nordrhein-westfälische Forschungsminister Andreas Pinkwart. Er setzt damit den Vorschlag der Zukunftskommission „NRW 2025“ in die Tat um. An Fachhochschulen können Meister bereits studieren. Vor allem Meistern der Ingenieursberufe soll ein Studium weitere Perspektiven ermöglichen. Allerdings beschränke sich das Konzept, das schon 2010 Wirklichkeit werden soll, nicht auf technische Berufszweige, erklärt Moritz Ballensiefen, Pressereferent des Ministeriums für Innovation,

Wissenschaft, Forschung und Technologie. Ein Chemiestudium steht also auch einem Frisörmeister offen. Man erhofft sich dadurch „positive Effekte auf den Mangel an Fachkräften“ und eine „Erhöhung der sozialen Mobilität“. Diese wünscht sich auch Karsten Finke, Vorsitzender des Bochumer AStAs: „Die soziale Auslese wird verringert, das ist natürlich positiv.“ Er fürchtet jedoch, dass sich an den „schlechten Verhältnissen“ an den Unis nicht viel ändert. Die Hochschulen sollten das Konzept dennoch als Chance nutzen. „Mehr Praxisbezug im Studium wäre ohnehin wünschenswert. Das erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Heinz-Jürgen Guß, stellvertretender Leiter für den Bereich Aus- und Weiterbildung der IHK Essen, findet: „Meister haben nicht die gleiche Qualifikation wie Abiturienten, aber eine ähnliche. Denn Meister bringen den Vorteil einer beruflichen Praxis und entsprechender Lebenserfahrung in das Studium mit ein.“ sam, mv Gute idee, macht die Bildungspolitik aber trotzdem nicht besser? Die pflichtlektüre ist anfang mai zum interview bei minister Pinkwart. sagt ihm Eure meinung. Wir stellen Eure Fragen. Einfach per mail an post@pflichtlektuere.com. Wir nehmen Euer statement mit zu ihm.

KommEntAr von vAnEssA GIEsE
Demnächst also gemeinsam mit dem Klempner im Hörsaal. Klingt sonderbar? Unser Bildungssystem ist in höchstem Maße selektiv. Das belegt unter anderem der Bildungsbericht der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Wer bis zur vierten Klasse nicht vorne mit dabei ist, ist raus. Das Abi gibt’s dann oft nur noch auf dem zweiten Bildungsweg. Nicht jeder möchte ihn
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gehen, und manch einem steht der Kopf erstmal nicht nach Theorie, sondern nach Praxis. Soll er später dafür bestraft werden? In manch einem fleißigen Handwerker keimt – ich sag’s mal pathetisch – der Wunsch nach Erkenntnis. Vielleicht stößt er in der Praxis auf Probleme, die er hinterfragen oder für die er selbst nach Lösungen forschen möchte. Wer einen Meisterbrief besitzt, hat bewiesen, dass er lernen

kann. Das heißt zwar nicht automatisch, dass er das Zeug zum Akademiker hat. Doch mal ehrlich: Auch das Abi macht nicht per se hochschulreif. Außerdem tut ein bisschen frischer Wind den Universitäten gut. Jeder kluge Handwerker, der im Leben steht, ist eine Bereicherung für den Elfenbeinturm der Wissenschaften.

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S16 RUHR-BLICK: ZUM FEIERABEND

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Wundersame Fräuleins
Gerade rockten sie noch die Bühne beim Rock am Ring. Jetzt wollte die Girl-Band „Fräulein Wunder“ mit ihrer Musik auch Studierende begeistern. Mit Erfolg? Die pflichtlektüre führte ein Interview mit der flippigen Sängerin Chanty.

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nbarmherzig werden die 50er Jahre aufgegriffen und in einen Topf jugendlicher Popmusik getunkt. Zum Vorschein kommt die vierköpfige Girlgroup aus dem hessischen Friedberg, „Fräulein Wunder“. Erste Konzerte, erstes Album und die erste Fernsehshow, in der sie selbst die Hauptdarstellerinnen sind. Die vier Oberstufenschülerinnen steigen mit ihrer im Jahr 2006 gegründeten Band in den erträumten Pophimmel auf. Sie sind freakig genug, um bei Viva mehrere Wochen mit „Mein Bandtagebuch“ auf Sendung zu sein und aussichtsreich genug, um von Universal unter Vertrag genommen zu werden. pflichtlektüre sprach mit Frontfrau Chanty über Zukunftspläne und Sonntagsbeschäftigungen. pflichtlektüre: Bei Campus-Total seid Ihr in Dortmund, der größten Stadt des Ruhrgebiets, aufgetreten. Was verbindest Du spontan mit dem Ruhrpott? Chanty: Die Erfahrungen, die ich mit dem Ruhrgebiet gemacht habe, waren sehr gut. Ich kenne dort nur nette Menschen, die immer fröhlich sind. Das finde ich super. pflichtlektüre: Wann warst Du zuletzt im Ruhrgebiet? Chanty: Ein Onkel von mir wohnt im Ruhrgebiet. Ihn habe ich zuletzt besucht. Jedes Mal, wenn ich dort bin, wird mein positives Bild von dieser Region bestätigt. pflichtlektüre: Ihr seid im vergangenen Jahr bei Rock am Ring aufgetreten. Auf Viva wurdet ihr deutschlandweit mit dem Bandtagebuch in Szene gesetzt. Wie ist das, wenn man nach so großen Erfolgen auf einem im Vergleich sehr überschaubaren Campusfest spielt? Chanty: wRock am Ring war auf jeden Fall eine ziemlich geile Erfahrung. Aber ich freue mich schon sehr auf ein kleineres Festival, weil eben auch das eine coole Erfahrung ist. Rock am Ring war natürlich riesig, aber du kannst überall Leute erreichen. Und das ist ja das Wichtige. pflichtlektüre: Glaubst Du, dass viele Studierende unter Euren Fans sind? Chanty: Ein paar sind auf jeden Fall dabei. Doch, ich glaube, unsere Musik zieht schon einige Studenten an - hoffe ich doch mal. pflichtlektüre: Ihr geht alle noch zur Schule und besucht die 13. Klasse. Habt Ihr vor, danach zu studieren? Chanty: Ich glaube, außer mir wollen alle von uns studieren. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht genau, ob ich will oder nicht. Ich bin mir noch überhaupt nicht sicher, was ich nachher machen möchte. Aber die Popakademie wäre schon eine

Haben die 50er-Jahre in jugendliche Popmusik getunkt: Chanty (oben), Steffi, Kerstin und Pia (von links).

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RuhR-Blick: Zum FeieRaBend S17

Unsere Stadt lebt.
Kultur für Heimatverbundene.

tolle Sache. Kerstin will, glaube ich, Musikjournalismus machen, Steffi möchte Musikmanagement studieren und Pia hat sich eigentlich schon für Psychologie entschieden. pflichtlektüre: „Fräulein Wunder“ ist ein ungewöhnlicher Name. Wie seid Ihr darauf gekommen? Chanty: Anfangs hatten wir den Namen „sHero“. Wir wollten die weibliche Form des Helden damit hervorheben. Viele haben den Namen gesprochen, allerdings nicht verstanden. Da dachten wir irgendwann: Warum suchen wir uns als deutsche Band nicht einfach auch einen deutschen Namen? Wir haben nach Ideen gegoogelt, die irgendwas mit uns zu tun haben und dann fiel uns „Fräulein Wunder“ auf. Das war schon ziemlich cool. Da kommt irgendwie das Besondere an der Weiblichkeit zum Ausdruck. pflichtlektüre: Wie beschreibst Du Euren Musikstil? Chanty: Es ist immer ganz schwer, die eigene Musik zu beschreiben. Ich würde sagen, es geht in Richtung Pop und Rock. Spontan würde ich vielleicht Powerpop sagen. pflichtlektüre: Schreibt Ihr Eure Texte selber? Chanty: Zum größten Teil sind die Lieder von uns geschrieben, aber manchmal fällt uns einfach nichts mehr ein. Bei Sternradio war das so. Da war ich einfach komplett leer, hatte nur diese Sternradio-Textzeile vor mir liegen und kam nicht weiter. Da haben wir dann mit Songwritern zusammengearbeitet, um das Ganze etwas runder zu machen. Wir haben bei unserer Plattenfirma angefragt und die hat uns die passenden Leute ausgesucht. Die, die wir gut fanden, haben wir dann zum Songwriting genommen. pflichtlektüre: Ist Musikmachen für Dich das, womit Du Dein Geld verdienen möchtest? Chanty: Ich weiß nicht, ob Musik machen der Beruf ist, den ich bis zum Ende meiner Tage machen möchte, aber Musik werde ich immer machen. Das ist schon mein Traum. Wenn es um Songwriting geht, dann auf jeden Fall. pflichtlektüre: Wie soll es in den kommenden Jahren weitergehen mit der musikalischen Karriere von „Fräulein Wunder“? Gibt es schon konkrete Pläne? Chanty: Nein. Wir spielen einfach mal. Wir werden alles spielen, was Spaß macht. Das ist das Wichtigste. Spielen und Songs schreiben. pflichtlektüre: Glaubst Du, dass es für Euch als junge Musiker positiv ist, so früh bekannt zu werden oder überwiegt da doch der Druck der Leistungsanforderungen? Chanty: Ich weiß es nicht genau. Es hat Vor- und

Nachteile. Aber ich denke, es ist schon ein Vorteil, wenn man früh ins Musikbusiness kommt und früh lernt damit umzugehen. Das kann einem keiner mehr nehmen. pflichtlektüre: Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Euch aus? Chanty: Meistens sehen unsere Arbeitstage so aus, dass wir uns erst einmal im Studio treffen und proben. Es werden Ideen ausgetauscht und die Aufnahmen auf Band zusammen angehört. Dann wird diskutiert. Zwischendurch werden Interviews geführt und schon ist der Tag vorbei. Oft ist da auch noch die Schule. pflichtlektüre: Wie sieht im Gegenzug zu Deinen anstrengenden Tagen Dein perfekter Sonntag aus? Chanty: Sonne, Wiese, Liege ...und ein Bier. Perfekt.
text: Julian Lange foto: Universal Music

Ausstellungen | Musik Lesungen | Theater Comedy | Kabarett NightWash Club
Mehr Infos finden Sie im Internet unter: www.dew21kultur.de

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S18 DienSt-Bar

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Für alle Sinne
Das praktikantenleben, rapper als Kleinkriminelle, DJ Vadim & eine sympathische pizzeria Die CD: DJ VaDim
DJ Vadim „u Can‘t lurn imaginaschun“ VÖ: 08. mai 2009 label: BBe

Der ort: nuDelhaus Da Capo
Es duftet nach Pizza und Pasta. Das Nudelhaus Da Capo auf der Saarlandstraße bietet seit sechs Jahren leckeres Essen für kleines Geld. Zur Mittagspause wird’s eng. Studierende drängeln sich an die vier Tische. Gefühlte drei Minuten nach der Bestellung landet das Essen auf dem Teller. Spaghetti Bolognese für 1,50 Euro, Pizza Margherita für zwei Euro. „Wir kaufen direkt von den Fabriken und geben so den Preisvorteil an die Kunden weiter“, erklärt Geschäftsführer Sascha Alvandi. Da lachen Studentenherzen. Doch nicht nur die schätzen das Essen. Selbst die Profis vom BVB gönnen sich hier eine ordentliche Portion Nudeln. „Für das Geld will doch zu Hause keiner spülen“, sagt Alvandi. 300 Kilo Nudeln werden im Restaurant täglich verputzt. Dem sympathischen Familienunternehmen Alvandi gehört das ganze Haus. Ein Besuch in der Eisdiele nebenan dürfte sich also ebenfalls lohnen. lipe

Man muss nicht alles neu machen. Manchmal reicht es, wenn man es besser macht. Entsprechend ehrgeizig ging DJ Vadim heran und spielt auf seinem neuen Solowerk den Routine-Trumpf aus. All seine Souveränität, angesammelten Kontakte und Vorlieben für alle Spielarten urbaner Musik stecken in dem Werk, das im Bewusstsein eingespielt wurde, es könnte das letzte sein: Eine Krebserkrankung verdunkelte 2008 das Leben des russischen Beatbastlers, der überraschenderweise gewohnt locker und

sprunghaft agiert. Dabei wurden die Experimente durch eher klassische Ansätze ersetzt, die dieses Album eine gewisse Zeitlosigkeit atmen lassen. Oft entspannt, manchmal rasant, aber immer markant werden die Schnittstellen von Reggae, HipHop, Soul und Funk verknüpft und spielerisch in die Sonne gelockt. Die Vielseitigkeit der Gaststimmen und Stile wirkt zwar nicht immer stimmig, aber nie überhastet, sodass letztlich ein befreiendes und jederzeit unterhaltsames Werk herausspringt. mw

Das BuCh: seBastian Christ
Lücken im Lebenslauf? Niemals. Das Wettrüsten um die beste Bewerbung hat längst begonnen. Was zählt sind Praktika, Bestnoten und Auslandsaufenthalte. Das weiß auch Jan Hesse, Protagonist des Buches „…und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute!“. Er pendelt quer durch Deutschland, hangelt sich von Praktikum zu Praktikum. Die Kontinuität seines Lebens besteht aus drei Taschen, die er mitschleppt. Doch nun reicht es ihm. Er hat genug vom Nomadendasein, vom nervigen Chef, von der praktizierten Selbstausbeutung. Er will seinem Leben einen neuen Sinn geben. Der Autor Sebastian Christ fängt in seinem Erstling das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein: der Generation Praktikum. Er schreibt amüsant ohne zu beschönigen, melancholisch ohne in hohle Phrasen abzudriften. Ein absolut lebensnahes Buch, in dem jeder Student eigene Gedanken und Ängste wiederfindet. tf

Der Film: KopF oDer Zahl
Kopf oder Zahl regie: Benjamin eicher und timo Joh. maier mit: ralf richter, afrob, harris Kinostart: 23. april 2009
In ihrem Regiedebüt „Kopf oder Zahl“ bringen Benjamin Eicher und Timo Joh. Maier „Bang Boom Bang“-Held Ralf Richter wieder auf die Kinoleinwand und versagen dabei auf ganzer Linie. In dem sozialkritischen EpisodenFilm à la „L.A. Crash“ schlüpft Richter in die Rolle des korrupten Polizisten Ron, der auf der Suche nach der Heroinlieferung eines Drogendealers ist. Einer der vielen Handlungsstränge handelt von den beiden Kleinkriminellen Aron und Samy – gespielt von den Rappern Afrob und Harris. Der Traum vom schnellen Geld zerplatzt jedoch schnell: Das Rauschgift fällt in die Hände eines aus Tschetschenien emigrierten Arztes (Heinz Hoenig). Dieser versucht einen Teil vom Kuchen abzubekommen, um seiner daheim gebliebenen Tochter das Studium zu finanzieren. Doch die wird bereits in derselben Stadt zur Prostitution gezwungen. In weiteren Nebengeschichten kämpfen sich die Filmbösewichte Claude Oliver Rudolph und Martin Semmelrogge durch eine hanebüchene Geschichte. Aufgrund der vielen Handlungsstränge bleiben die Figuren blass. Häufige Zeitsprünge und Retrospektiven erschweren das Verständnis. Fazit: Selbst hartgesottenen Ralf-Richter-Fans dürfte diese Aneinanderreihung von Gangster-Klischees sauer aufstoßen. jj

sebastian Christ „...und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute! ein leben als praktikant.“ VÖ: 01. mai 2009 Verlag: Goldmann preis: 7,95 euro umfang: 176 seiten

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