KONFERENZ 2013

Präsidentenkonferenz der und Südtirol Landtage von Österreich, Deutschland

„Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft“
Begleitender Überblick zum Generalthema der gemeinsamen Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der österreichischen und deutschen Landesparlamente und des Südtiroler Landtags

Dr. Peter Parycek, MSc Mag. Clara Landler Mag. Judith Schoßböck
Zentrum für E-Governance, Donau-Universität Krems

Besonderer Dank an

Landtagsdirektor (NÖ) Mag. Thomas Obernosterer, und DDr. Karl Lengheimer

Impressum

Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft. Begleitunterlage zur Kremser Erklärung der Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen und österreichischen Landesparlamente sowie des Südtiroler Landtags vom 11. Juni 2013 Österreich, Donau-Universität Krems 2013, Department für E-Governance AutorInnen: Clara Landler, Peter Parycek, Judith Schoßböck Download: http://de.scribd.com/doc/147491507/Parlament-20

Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

Inhaltsverzeichnis

1.! Entwicklungen in der modernen Informationsgesellschaft 1.1.! Positionen zum Thema Online-Beteiligung 1.2.! Neue Medien und Politik 1.3.! Nutzungsformen neuer Medien und politische Systeme 1.4.! Einbeziehung von BürgerInnen in politische Prozesse 1.5.! Interessenslage der ParlamentarierInnen zu Open Government 2.! Einsatz und Nutzung neuer Technologien im Parlamentarismus 2.1.! Parlamentarische Online-Instrumente 2.2.! Online-Informations- und Datenangebote 2.3.! Online-Initiativrechte 2.4.! Online-Instrumente zur Kooperation und Konsultation 2.5.! Mobilisierung und Kontrolle 3.! Soziale Medien und Netzwerke 3.1.! Kommunikation mit Sozialen Medien 3.2.! Betreuung Sozialer Medien 3.3.! Jugend im Netz 3.4.! Politische Bildung und Medienkompetenz 4.! Zusammenfassende Schlussfolgerung 5.! Literaturverzeichnis
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2! 2! 3! 4! 6! 8! 10! 10! 12! 13! 15! 17! 19! 20! 22! 23! 24! 26! 28!

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1. Entwicklungen in der modernen Informationsgesellschaft
Die moderne Informationsgesellschaft und ihre Instrumente bieten zahlreiche innovative Möglichkeiten der Kommunikation und Vernetzung, ausgehend vom besseren Zugang zu Informationen bis hin zu vielfältigen Möglichkeiten, sich aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen oder zu kooperieren. Durch die in Deutschland, Österreich und Südtirol nahezu flächendeckende Verbreitung des Internets sowie die Integration dieser Infrastruktur in den Alltag der NutzerInnen ändern sich die gewohnten Kommunikationsabläufe und damit auch die Erwartungshaltung der BürgerInnen gegenüber Politik und Verwaltung. Gefordert werden transparentere Prozesse, mehr Möglichkeiten zur Beteiligung und mehr Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen.

1.1. Positionen zum Thema Online-Beteiligung
Mit der zunehmend mobilen Nutzung elektronischer Medien in der Gesellschaft stellt sich einerseits die Frage, wie mediale Strukturen und Kommunikationsräume demokratische Prozesse beeinflussen und andererseits, inwieweit dies durch entsprechende Initiativen unterstützt und genutzt werden kann. Diese Frage nach den Chancen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wurde besonders von sogenannten Cyber-OptimistInnen in ein überwiegend positives Licht gerückt. Die Visionen einer zunehmenden Demokratisierung mittels neuer Medien gehen aber bereits bis in die 1960er Jahre zurück, beispielsweise mit der Idee, das TV-Gerät als technologische Plattform für Debatten und Abstimmungen zu nutzen. Die Hochblüte solcher Visionen findet sich in den 1990er Jahren, motiviert durch die technologischen Entwicklungen der IKT (Informations- und Kommunikationstechnik) als Enabling Technology. Auch hier stand die Debatte um die Ermächtigung von BürgerInnen im Mittelpunkt2. Verbunden mit einem unterschiedlich stark ausgeprägten Technodeterminismus sehen CyberOptimistInnen in den 2000er-Jahren im Internet vorrangig eine besondere Möglichkeit, die Zivilgesellschaft zu stärken und den Grad politischer Partizipation zu erhöhen3.

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S. „Nachdruck aus: Hannah Arendt, Wahrheit und Lüge in der Politik: Zwei Essays, München-Zürich: Piper (Serie Piper 36), 2. Aufl. 1987, S. 44-92. – Der Essay!»Die Lüge in der Politik«!ist wiederabgedruckt in: In der Gegenwart, S. 322-353.“, zugegriffen Mai 21, 2013, http://gellhardt.de/arendt_bluecher/12_Wahrheit_u_Politik.pdf?UserAtDomain=1. 2 Vgl. Howard Rheingold, The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier (Addison-Wesley Longman, Incorporated, 1993), http://www.rheingold.com/vc/book/. 3 Vgl. Pippa Norris, Digital Divide: Civic Engagement, Information Poverty, and the Internet Worldwide (Cambridge University Press, 2001); Howard Rheingold, Smart mobs: the next social revolution (Cambridge, Mass.: Perseus Publ., 2002).

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Die gemäßigteren Stimmen vertreten hingegen die Ansicht, dass das Internet zwar zu intensiver politischer Beteiligung führt, aber nur seitens jener BürgerInnen, die ohnehin bereits politisch aktiv sind und für die das Internet vor allem eine Ergänzung der bisherigen Möglichkeiten zur Aktivität darstellt4. Die interessanten, da differenzierten Positionen liegen zwischen den zu Generalisierungen neigenden Polen. Über die Jahre hinweg lässt sich jedenfalls ein Trend zur Forderung und Förderung von mehr BürgerInnen-Beteiligung festhalten. Vor allem der Einsatz Sozialer Medien, also von Online-Angeboten, die Möglichkeiten und Elemente zur aktiven Teilnahme und Mitgestaltung beinhalten, wird von immer mehr Menschen als selbstverständlich wahrgenommen. Da mit diesem sozialen Fokus die technologische Ebene vermehrt in den Hintergrund der Betrachtungen tritt, stehen die NutzerInnen selbst, ihr Umgang mit neuen Medien und Netzwerken sowie ihre Bedürfnisse im Vordergrund. So entwickeln sich nach und nach zunehmend dezentrale Formen von Kommunikation, die durch die steigende Verbreitung Sozialer Medien und die Möglichkeit des mobilen Zugangs verstärkt und etabliert werden.

1.2. Neue Medien und Politik
Der Einsatz neuer technischer Infrastrukturen hat direkte und indirekte Auswirkungen auf die Verwaltung, auf staatliche Institutionen und auf die Politik, indem er traditionelle Formen der Organisation, Information und Kommunikation deutlich erweitert. Während es beispielsweise früher mit sehr viel Aufwand verbunden war, als ExpertIn auch abseits des Podiums an einer Diskussion teilzunehmen, die sich an einem entfernter liegenden Veranstaltungsort befindet, ändert sich dies durch die räumliche und zeitliche Unabhängigkeit im Bereich der Internetkommunikation grundlegend. Ein prominentes Beispiel stellt hier die ausschließlich aus „peer-reviewten“ Inhalten ihrer NutzerInnen generierte Online-Enzyklopädie Wikipedia dar, welche die höchsten Zugriffzahlen bzw. die größte Nutzungshäufigkeit in der Kategorie Sozialer Medien verzeichnet 5. Die Beteiligung an der Gestaltung ihrer Inhalte steht jedem Menschen offen, allen voran und ganz wesentlich allen ExpertInnen eines bestimmten Bereichs, also auch politischen VertreterInnen in ihren jeweiligen Kompetenzfeldern. (Vgl. Kapitel 3. Soziale Medien und Netzwerke)
Der englische Begriff Peer-Review stammt aus dem Wissenschaftsbetrieb und steht für eine „Begutachtung durch unabhängige Ebenbürtige“. Nachteile des Verfahrens ist die nötige hohe TeilnehmerInnenzahl und die daraus resultierende Dauer. Die Ergebnisse gelten dafür als qualitativ äußerst hochwertig. In Unternehmen wird diese Methode zur Qualitätssicherung eingesetzt.

Mit diesen Formen der digitalen Vernetzung und Zusammenarbeit verändern sich nicht nur die Kommunikation und das Selbstverständnis der Gesellschaft, sondern auch das Verhältnis zwischen BürgerInnen und Staat beziehungsweise seinen RepräsentantInnen. Während der Einsatz elektronischer Behördendienste längst als Selbstverständlichkeit gilt, entstehen entlang dieser Veränderungen neue Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich der Frage, inwieweit Prozesse des Regierungshandelns in digita-

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vgl. Norris, Digital Divide. Vgl. „ARD/ZDF-Onlinestudie 2012“, zugegriffen April 21, 2013, www.ard-zdf-onlinestudie.de.

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len Gesellschaften transparent und somit dem Gedanken der digitalen Öffnung von Inhalten und der damit verbundenen Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen verpflichtet sein sollten.6 Politik und Verwaltung stehen aktuell vor der Aufgabe, unter anderem auf diese veränderten Bedürfnisse seitens der BürgerInnen zu reagieren7. Technologie kann als „enabler“ wirken und somit auch demokratisierende Prozesse anstoßen oder begleiten. Gleichzeitig ergeben sich aber auch neue Konfliktpotentiale, beispielsweise im Zusammenhang mit unterschiedlichen Medienkompetenzen von NutzerInnen oder der Nutzung personenbezogener Daten. Eine Trendlinie markiert die zunehmende Verschränkung von IKT-Strategien mit der allgemeinen strategischen Ausrichtung des Staates. So findet sich 2009 mit der Open Government Directive der Obama Administration erstmals ein Regierungskonzept, das demokratische Grundprinzipien und deren Umsetzung mit der Nutzung von Technologie verknüpft. Die drei zentralen Säulen dieser Strategie sind transparency, participation und collaboration 8 . Transparenz und Nachvollziehbarkeit durch InformatiOpen Government gilt als Sammelbegriff für verschiedene on stellen wesentliche Grundelemente einer Demokratie Konzepte, denen vor allem ein dar. Das zweite Element ist die klassische ÖffentlichGrundgedanke gemeinsam ist: Durch keitsbeteiligung mit dem Ziel der Legitimation von polieine ausgeglichene Informationstischen Entscheidungen. Die dritte Säule beinhaltet die grundlage begegnen sich Politik und BürgerInnen mittels Beteiligung und Zusammenarbeit auf Basis von geteilten Informationen Zusammenarbeit im Dialog. und Kollaboration. Aktuell teils als reine Aneinanderreihung von Schlagworten kritisiert 9, lässt sich dennoch bemerken, dass eine Staatsmodernisierung im Sinne von Open Government auf eine Stärkung des Staates abzielt – allerdings nicht in seiner klassischen Form als Interventionsstaat (Top-DownSteuerung), sondern mit Tendenzen in Richtung eines Partizipationsstaats mit kooperativer Beteiligung der BürgerInnen (Bottom-Up-Steuerung).10 Darauf aufbauend finden sich auch in deutschsprachigen Ländern mehr und mehr Initiativen, die versuchen, die Möglichkeiten digitaler Medien mit der Open Government-Philosophie zu verschränken. Angeregt durch die Demokratisierung des Zuganges zu Informationen über neue Medien werden diese Elemente auch im Kontext von Informations- und Kommunikationstechnologie behandelt.

1.3. Nutzungsformen neuer Medien und politische Systeme
Die Art, wie wir politische Informationen suchen und „konsumieren“, verändert sich. Gerade junge NutzerInnen sind heute an digitale Formen der Kommunikation und des Informationszuganges gewöhnt und fragen differenziertere politische Informationen meist über das Internet ab. Während das

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Vgl. Siebter Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“: Demokratie und Staat (BT-Drucksache 17/12290) (Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode), 9ff, zugegriffen Mai 10, 2013, https://enquetebeteiligung.de/_pages/about. 7 vgl. „Regierungsprogramm: Vernetzte und transparente Verwaltung“, 2010, http://tinyurl.com/transparenteverwaltung-pdf. 8 vgl. Barack Obama, „Transparency and Open Government | The White House“, 2009, zugegriffen Mai 10, 2013, http://www.whitehouse.gov/the_press_office/Transparency_and_Open_Government. 9 vgl. bspw. Johann Herzberg, „Government 2.0 Netzwerk Deutschland!» ‚Open Government‘ – Versuch einer Begriffsbestimmung“, zugegriffen Juni 4, 2013, http://www.gov20.de/open-government-versuch-einerbegriffsbestimmung/. 10 vgl. Johann Herzberg, Staatsmodernisierung durch Open Innovation: Problemlage, Theoriebildung, Handlungsempfehlungen (epubli, 2012), 43ff.

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

tagespolitische Geschehen nach wie vor mehrheitlich und über alle Altersgruppen hinweg mittels traditioneller Massenmedien wie Fernsehen und Zeitungen verfolgt wird, ist die an den eigenen Interessen orientierte, gezielte und vertiefende Informationssuche zwischen 2002 und 2011 im Internet sprunghaft angestiegen. Was diese Nutzungsart betrifft, findet sich das Internet insbesondere bei den jüngeren Generationen inzwischen an der Spitze der Nutzungspyramide. 2012 verwenden bereits 83 Prozent aller NutzerInnen mindestens einmal pro Woche eine Suchmaschine, in der jungen Generation sind es sogar 96 Prozent. Lag der Anteil der 14- bis 29-Jährigen, die Wikipedia als Informationsquelle mindestens einmal in der Woche nutzen 2007 noch bei 35 Prozent, stieg die Zahl der NutzerInnen in dieser Altersgruppe bis 2012 bereits auf 41 Prozent11. Dies bedeutet allerdings auch, dass es schwieriger geworden ist, gerade jüngere NutzerInnen gezielt zu erreichen, wenn ein Thema nicht in ihren Interessensbereich fällt und somit nicht aktiv gesucht wird.12 Darüber hinaus spielt für junge BürgerInnen die Meinung anderer Ähnlich-Altrigen („peer group“) zu politischen Themen eine größere Rolle als das in Hinblick auf die Gesamtbevölkerung der Fall ist.13 Möchte man diese Zielgruppe erreichen, ist es notwendig, solche veränderten Nutzungsgewohnheiten zu berücksichtigen. (Vgl. Kapitel 3.3. Jugend im Netz) Deutlich werden die Veränderungen, die das Internet gerade für die politische Kultur mit sich bringt auch an der großen Menge zivilgesellschaftlicher Bewegungen und Initiativen, die in den letzten Jahren entstanden sind und die das Internet für ihre Zwecke nutzen. So verwundert es auch nicht, dass gerade in politisch bereits interessierten Bevölkerungskreisen jede/r Zweite davon ausgeht, dass das Internet für eine Belebung der Demokratie sorgen wird.14 Diese Gruppe zeigt sich somit besonders techno-optimistisch, wobei die IKT-Entwicklung tatsächlich zu besser zugänglichen Daten und Informationen15, einem schnelleren Informationsfluss sowie einer erhöhten Organisations- und Kommunikationskapazität von Individuen und Gesellschaft geführt hat. Allzu positive Prognosen, die eine Zerstörung von Hierarchien und den freien Informationsfluss vorrangig über digitale Medien vorhersagen, sind dennoch mit Vorsicht zu behandeln. Nach einer Studie von Crenshaw und Robinson von der Ohio State University hängen Demokratisierung und Internetnutzung eher indirekt zusammen. So zeichnen sich beispielsweise in Entwicklungsländern, vorwiegend gesellschaftliche Gründe wie Armut, Bevölkerungswachstum und bewaffnete Konflikte für eine mangelnde Verbreitung des Internets und die daraus resultierende digitale Kluft verantwortlich.16 Während in Studien der 2000er Jahre noch beobachtet werden konnte, dass sich das Internet in demokratischen Ländern am schnellsten ausbreitete, lässt sich inzwischen nicht mehr klar festhalten, dass Demokratie oder politische Freiheit für die Verbreitung des Internets erforderlich seien. Ein vielfach an-

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vgl. Annette Mende, Ekkehardt Oehmichen, und Christian Schröter, „Gestaltwandel und Aneignungsdynamik des Internets – Befunde aus den ARD/ZDF-Onlinestudien 1997 bis 2012 (MP 1/2013, S. 33-49)“, 35, zugegriffen Mai 26, 2013, http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/012013_Mende_Oehmichen_Schroeter.pdf. 12 Vgl. Renate Köcher und Oliver Bruttel, Infosys-Studie: Social Media, IT & Society (Institut fu!r Demoskopie Allensbach, 2011), 17ff, zugegriffen Mai 18, 2013, http://www.infosys.com/german/newsroom/pressreleases/documents/social-media-it-society2011.pdf. 13 Ebd., 28. 14 Ebd., 35. 15 vgl. Thomas L. Friedman, The Lexus and the Olive Tree: Understanding Globalization, Anchor Books. (Anchor, 2000). 16 Vgl. Kristopher K. Robison und Edward M. Crenshaw, „Reevaluating the Global Digital Divide: SocioDemographic and Conflict Barriers to the Internet Revolution*“, Sociological Inquiry 80, Nr. 1 (2010): 34–62, zugegriffen Mai 24, 2013, http://dx.doi.org/10.1111/j.1475-682X.2009.00315.x.

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geführtes Beispiel hierfür ist China, ein autoritäres Land, das trotz der Versuche, den Informationszugang für BürgerInnen zu beschränken, das Internet zum Teil seiner wachsenden Wirtschaft machen konnte. Ab einer gewissen Verbreitung jedoch können sich demokratische Trends dennoch etablieren, die durch die inhärente Globalität des Internets verstärkt werden und schließlich dazu führen, dass die Versuche eines Staates, es im Sinne der bestehenden Ordnung zu kontrollieren, scheitern.17 Kommunikationskanäle und mediale Strukturen haben also eher unter Berücksichtigung weiterer Einflussgrößen wie demografische Daten und politische bzw. ökonomische Faktoren Auswirkungen auf demokratische Strukturen – und vice versa. Dennoch finden sich auch direkte Zusammenhänge, beispielsweise, dass ein offener Zugang zu Information der demokratischen Struktur eines Landes förderlich ist und zu Partizipation und Kollaboration einlädt18. Die demokratiepolitischen Trends in der digitalisierten Netzwerkgesellschaft spiegeln sich auch in den zahlreichen Bottom-up-Bewegungen wider19, die technische Infrastrukturen für ihre Anliegen nutzen20. Neue Beteiligungsformate können, angeregt durch die Möglichkeiten von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), BürgerInnen in ihrem Mitspracherecht unterstützen und damit das Verantwortungsgefühl stärken.21

1.4. Einbeziehung von BürgerInnen in politische Prozesse
Liest man den Staat als lernendes Sozialsystem, lässt sich in Anlehnung an das Konzept der Wissensspirale der japanischen Wissensmanagement-Forscher Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi besonders der Einsatz elektronischer Methoden als Möglichkeit verstehen, das in der Gesellschaft verteilte Wissen in internalisiertes Wissen der Politik und Verwaltung zurück zu führen22. Alle „Open“ Konzepte beinhalten in diesem Sinn eine Notwendigkeit, strategische Zielsetzungen für den jeweiligen Prozess zunächst in den Hintergrund zu rücken. Sie sind kurzfristig betrachtet zumeist nicht unmittelbar zur Effizienzsteigerung geeignet, auch wenn langfristig gesehen große Potentiale durch ihren Einsatz entstehen können. Daher ist laufend abzuwägen, in welchen Bereichen sich ihr Einsatz lohnt – und in welchen Bereichen ein geschlossener und gesteuerter Rahmen die sinnvollere Variante ist. Politikwissenschaftlich betrachtet fallen alle hier relevanten und zum Einsatz kommenden Begriffe und Schlagworte wie beispielsweise Open Government in das Themengebiet der Staats- und Verwaltungsmodernisierung.

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Vgl. Florian Rötzer, „Das Internet benötigt nicht Demokratie, gedeiht aber im Kapitalismus“, Telepolis, Heise Zeitschriften Verlag, April 16, 2010, zugegriffen Mai 20, 2013, http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/32/32452/1.html; Vgl. Michael Matzenberger, „Österreich unter den Musterschülern“, derstandard.at, Februar 22, 2011, zugegriffen Mai 20, 2013, http://derstandard.at/1297818601427/E-Government-Oesterreich-unter-den-Musterschuelern. 18 vgl. Andrea Römmele, „Demokratie und Information“, in Direkte Kommunikation zwischen Parteien und Wählern (VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2002), 15–23, http://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3322-95629-3_1. 19 vgl. bspw. Robert Foltin, Und wir bewegen uns noch: Zur jüngeren Geschichte sozialer Bewegungen in Österreich, 1. Aufl. (Mandelbaum, 2011). 20 vgl. bspw. Thomas Kreiml und Hans C. Voigt, Hrsg., Soziale Bewegungen und Social Media (ÖGB, 2011). 21 vgl. bspw. Dorothea Greiling, Öffentliche Rechenschaftslegung Als Instrument Zur Stärkung Des Bürgervertrauens (Public Accountabilty as an Instrument for Citizen Trust) SSRN Scholarly Paper (Rochester, NY: Social Science Research Network, Dezember 29, 2012), zugegriffen Mai 20, 2013, http://papers.ssrn.com/abstract=2194433. 22 Vgl. Herzberg, Staatsmodernisierung durch Open Innovation; Vgl. Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi, Die Organisation des Wissens: Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen, 2. Aufl. (Campus Verlag, 2012).

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

Der geläufigste Begriff, unter den die Teilnahme von BürgerInnen an Entscheidungen und Entscheidungsprozessen der Staatsgewalten gefasst wird, ist jener der Partizipation. Traditionelle partizipative Instrumente sind Bürgerinitiativen, Bürgerbegehren (Volksbegehren) und Bürgerentscheide (Volksabstimmung). In Deutschland und Österreich sind die Möglichkeiten für den Einsatz solcher unmittelbaren Instrumente auf Bundesebene verfassungsrechtlich eng begrenzt. Einige Länderverfassungen räumen jedoch sowohl den Ländern als auch den Kommunen größere Spielräume ein. Mehr direkte Volksrechte gibt es in der Schweiz, hier fallen viele Elemente demokratischer Selbstbestimmung in die Kompetenz der Kantone und Gemeinden (was vor das Volk muss, bestimmen die Kantonverfassungen), wobei direktdemokratische Elemente auf allen politischen Ebenen vorhanden sind. Eine notwendige Unterscheidung an dieser Stelle ist die Abgrenzung zwischen direktdemokratischen Handlungsformen und nicht-institutionalisierten Formen der Beteiligung. Während erstere die Entscheidungszuständigkeit an BürgerInnen übergeben und daher rechtlich institutionalisiert und stark formalisiert sind, steht nicht-institutionalisierten Formen der Bürgerpartizipation und -beteiligung ein wesentlich größerer Handlungsspielraum zu. 23 Internetbasierte Kommunikation und Interaktion könnten somit auch auf Bundesebene neue partizipative Möglichkeiten im Rahmen solcher unmittelbarer Beteiligungsformen erschließen.24 Als direkte Bürgerbeteiligung wird das unmittelbare Mitwirken der BürgerInnen an politischen Entscheidungsprozessen bezeichnet. Beteiligungsformate geben BürgerInnen ein Mitspracherecht in der Entscheidungsfindung und können dazu beitragen, dass sowohl das Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein, als auch das Verantwortungsgefühl, (mit-)gestaltender Teil der Gesellschaft zu sein, steigen25. Unterteilt man die Phasen von Beteiligungsprozessen in eine Informationsphase, eine Diskussionsphase und eine Phase der Konsequenzen26, ist somit die letzte Phase, jene der Konsequenzen, als besonders relevant einzustufen, da die Erfahrung auf Seiten der BürgerInnen, tatsächlich Einfluss auf das politische Geschehen nehmen zu können, Grundbedingung für einen erfolgreichen Beteiligungsprozess ist. Um in Beteiligungsprozessen hochwertige Ergebnisse erzielen zu können, gilt es also bei OnlineBeteiligungen ebenso wie bei Offline-Beteiligungsformaten zu berücksichtigen, dass die Bereitschaft, aktiv zu werden, mit dem Gefühl direkter Betroffenheit einerseits und andererseits mit dem Wissen, was mit den Ergebnissen eines Beteiligungsprozesses geschehen wird, steigt. Es ist daher empfehlenswert, bereits im Vorfeld zu klären, was mit Ergebnissen eines Verfahrens nach dessen Abschluss geschieht27 sowie bestehende Ressourcen zu nutzen – wie beispielsweise das bereits formierte Interesse, das Engagement und die Informiertheit bestehender Bürgerinitiativen. Eine aktive Einbindung in Planungs-, Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse wird auf aktives Interesse und gemeinschaftliches Wissen stoßen, wodurch alle beteiligten InteressentInnen sehr profitieren können.

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Vgl. Jakob Tischer, „Verwaltung & Management (VM), Zeitschrift für moderne Verwaltung – Nomos – Heft 1“, Verwaltung & Management (VM), Zeitschrift für moderne Verwaltung – Nomos Nr. Heft 1 (2013): 4f, zugegriffen Mai 20, 2013, http://www.ewerk.nomos.de/fileadmin/vum/doc/Aufsatz_VM_13_01.pdf. 24 Vgl. Siebter Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“: Demokratie und Staat (BT-Drucksache 17/12290), 10. 25 vgl. Greiling, Öffentliche Rechenschaftslegung Als Instrument Zur Stärkung Des Bürgervertrauens (Public Accountabilty as an Instrument for Citizen Trust), 68. 26 Ebd., 67. (Weitere Möglichkeiten einer Einteilung sind beispielsweise nach der International Association of Public Participation – IAP2: informieren, konsultieren, involvieren, kollaborieren und ermächtigen.) 27 Vgl. Patrizia Nanz und Miriam Fritsche, Handbuch Bürgerbeteiligung: Verfahren und Akteure, Chancen und Grenzen (Bundeszentrale für Politische Bildung, 2012), 32f, zugegriffen Mai 20, 2013, http://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Handbuch_Buergerbeteiligung.pdf.

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

Zu unterscheiden sind verschiedene Möglichkeiten von Bürgerbeteiligung auf mehreren Ebenen. Beteiligungen können einerseits von öffentlicher Hand, aber auch von zivilgesellschaftlicher Seite initiiert sein. Bekannte Bezeichnungen für solche Ansätze sind Bottom-up („teilnehmen; sich beteiligen“) versus Top-down („teilhaben lassen; jemanden beteiligen“) gesteuerte Aktivitäten – wobei die Grenzen dieser Unterscheidung zunehmend fließend sind. Es können anlassgesteuerte (und zumeist also zeitlich begrenzte) Beteiligungen oder länger andauernde bzw. fortlaufende Formen der Bürgerbeteiligung angeboten werden. Beispiele einer anlassbezogenen Form der Beteiligung sind unter anderem Bürgerreferenden, öffentliche Anhörungen, Volksabstimmungen oder auch beratende Umfragen und KundInnenumfragen bezogen auf die Dienstleistungsqualität einer Stadt oder der Stadtwerke.28 Weniger weit verbreitet sind Angebote im Bereich längerfristiger Konsultationen, wie sie beispielsweise in Form runder Tische, kommunaler Planungszellen oder partizipativer Budgetierung 29 vorkommen. Solche Formen der Bürgerbeteiligung können jedoch einen intensiven Dialog zwischen BürgerInnen und PolitikerInnen beziehungsweise der Verwaltungsspitze fördern und damit die Chancen erhöhen, gute Ergebnisse zu erzielen. Die Mittel elektronisch gestützter Beteiligungsformate können Offline-Beteiligungsmöglichkeiten in den meisten Fällen nicht ersetzen, sondern ergänzen diese. Umgekehrt ist durch die Verbreitung und Geläufigkeit der Nutzung elektronisch gestützter Kommunikationsformen ein Beteiligungsprozess ohne den Einsatz elektronischer Angebote nicht mehr als sinnvoll anzusehen. Ziel solcher Ergänzungen ist es, möglichst vielen BürgerInnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und entsprechend ihrem jeweiligen Mediennutzungsverhalten niederschwellige Möglichkeiten zu bieten, sich aktiv zu beteiligen. Es lässt sich davon ausgehen, dass mit weiter steigenden Kompetenzen und Nutzungsgeläufigkeiten auf allen Seiten elektronische Teilnahmen längerfristig betrachtet zahlenmäßig überwiegen werden. Aktuelle Studien zeigen demgemäß, dass elektronisch gestützte Beteiligungsformate gerade für junge Zielgruppen im Vergleich zu Offline-Angeboten von größerem Interesse sind.30 Einer der wesentlichsten Vorteile elektronischer Beteiligungsverfahren ist die kostengünstige, nachvollziehbare und daher transparente Form der Dokumentation und Archivierung, wodurch sowohl Evaluierungen als auch generelle Informationsangebote deutlich vereinfacht werden.

1.5. Interessenslage der ParlamentarierInnen zu Open Government
In einer Online-Befragung vom März 2011 wurde das Stimmungsbild der österreichischen ParlamentarierInnen zum Thema Open Government abgefragt (Durchführung: Verein Open3.at und DonauUniversität Krems). Alle 183 Nationalratsabgeordneten wurden eingeladen teilzunehmen. Mit einer Rücklaufquote von 22,95% wurde die Bedeutung des Themenfeldes Open Government und der drei

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Vgl. Greiling, Öffentliche Rechenschaftslegung Als Instrument Zur Stärkung Des Bürgervertrauens (Public Accountabilty as an Instrument for Citizen Trust), 69f. 29 Vgl. beispielsweise Bernhard Leubolt, Staat als Gemeinwesen: das partizipative Budget in Rio Grande do Sul und Porto Alegre (LIT Verlag Münster, 2006). 30 Vgl. bspw. Parycek, P., Maier-Rabler, U., Diendorfer, G. (Ed.) (2010). Internetkompetenz von SchülerInnen. Themeninteressen, Aktivitätsstufen und Rechercheverhalten in der 8. Schulstufe in Österreich. Study report, Wien/Salzburg/Krems 2010; Christina Neumayer und Judith Schossböck: Political lurkers? Young people in Austria and their political life worlds online. In: CeDEM11. Proceedings of the International Conference for EDemocracy and Open Government. Krems: Druckwerk Krems, S. 131-144.

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

Aspekte Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit entlang eines quantitativen OnlineFragebogens evaluiert.31 Grundsätzlich zeigen sich viele ParlamentarierInnen gegenüber den neuen Entwicklungen in Bezug auf eine stärkere Integration der Open Government-Philosophie hinsichtlich mehr Transparenz, Partizipation und Kollaboration auf politischer Ebene aufgeschlossen. Die Ergebnisse zeigen neben dieser grundsätzlich positiven Einstellung zum Thema, dass Open Government und Open Government Data wesentlich stärker mit sozialen als mit wirtschaftlichen Faktoren in Zusammenhang gebracht wird. Das ist insofern überraschend, als gerade das Argument der Stärkung des Wirtschaftsstandorts in Zeiten budgetärer Kürzungen häufig angeführt wird. Das größte Potential von Open Government lag für die befragten ParlamentarierInnen in einem größeren Verständnis für ihr Handeln (71%). Weiters wurde die Evaluierung der Ergebnisse von Politik und Verwaltung (Kontrollmöglichkeit) von 57% als wesentliche Möglichkeit wahrgenommen. Nur 12% sahen hingegen die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich als Chance. Innovation wird in dieser Befragung also klar mit sozialen Parametern verknüpft. Auch die Ergebnisse in Bezug auf eine Implementierung von Open Goverment Data in einem klar definierten rechtlichen Rahmen waren deutlich: 86% sprachen sich hier für das Gestalten einer rechtlichen Basis für Open Government Data aus und fast die Hälfte der teilnehmenden ParlamentarierInnen favorisierte sogar die Einführung eines Informationsfreiheitsgesetzes (45%). Weitere 41% sprachen sich für die Integration von Open Government Data in bestehende Gesetze aus, während nur 12% meinten, dass es dafür kein eigenes Gesetz benötigen würde. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass eine prinzipielle Offenheit gegenüber dem Thema Open Government auch bei ParlamentarierInnen vorhanden ist.

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Vgl. „Umfrage “Potentiale von Open Government für österreichische Nationalratsabgeordnete”“, open3.at, zugegriffen Mai 21, 2013, http://www.open3.at/projekte/umfrage-potentiale-von-open-government-furosterreichische-nationalratsabgeordnete.

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

2. Einsatz und Nutzung neuer Technologien im Parlamentarismus
Der technologische Wandel stellt den Parlamentarismus und seine zentralen Funktionen der Gesetzgebung, des Kontrollrechts und des Budgetrechts vor neue Herausforderungen. BürgerInnen erwarten sich eine stärkere Einbeziehung in administrative und politische Prozesse. In den folgenden Kapiteln werden Möglichkeiten der Integration digitaler Medien und Technologien im Parlamentarismus vorgestellt. Während einige Funktionen verfassungsrechtlich determiniert sind (wie z.B. das freie Mandat oder die rechtlichen Prozesse der Normenerzeugung), zeigen sich auch neue Möglichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere hinsichtlich der Herausforderung der dialogischen Kommunikation und dem Entwickeln daran orientierter neuer Kommunikationsstrategien. Diese werden in Kapitel 3 näher ausgeführt.

2.1. Parlamentarische Online-Instrumente
In der Zukunftsstudie 2013 (Innovationsfelder der digitalen Welt) finden sich als die beiden relevantesten Bedürfnismuster im Bereich Mediennutzung einerseits der Wunsch nach (von intelligenten Technologien unterstützter) selbstbestimmter Gestaltung sowie andererseits das Bedürfnis nach hoher Benutzerfreundlichkeit im Sinne einer einfachen Handhabung in Kombination mit garantiertem Datenschutz.32 Betont werden damit zweierlei Wünsche. Zum einen der hohe Stellenwert einer guten Aufbereitung, zum anderen die Berücksichtigung der Interessen der NutzerInnen. In diesem Sinne lassen sich die Begriffe Offenheit und Transparenz von Kooperationsplattformen in mehrfacher Hinsicht verstehen. So wird damit einerseits die transparente und leicht verständliche Offenlegung möglichst umfassender Informationen zum jeweiligen Thema bezeichnet, die in einer Form aufbereitet dargestellt sein sollen, dass sie einen niederschwelligen Zugang zu den Inhalten – und damit die Möglichkeit, eine eigene Meinung entwickeln zu können – gewährleisten. Dafür ist sowohl auf die Wahl der Sprache (beispielsweise durch die Vermeidung von Fachbegriffen und Fremdwörtern), als auch auf die Form der Aufbereitung (Stichwort Usability und Informationsdesign) und auf Barrierefreiheit zu achten. Andererseits bezeichnet Transparenz und Offenheit auch die Möglichkeit, inhaltliche Veränderungen auf einer Plattform über die Zeit hinweg nachverfolgbar zu halten und auf diese Weise den Prozess selbst transparent zu machen. All diese Faktoren spielen eine Rolle, um durch Niederschwelligkeit eine möglichst breite Teilnahme erreichen zu können, da andernfalls die Gefahr besteht, dass neu geschaffene Schnittstellen zu Politik und Verwaltung hauptsächlich von gut organisierten Interessensgruppen für die Durchsetzung von Partikularinteressen genutzt werden.33 Das Einbinden der Zivilgesellschaft generell wie der Organisierten Zivilgesellschaft im Speziellen ist an dieser Stelle vor allem als Korrektiv zu verstehen, um zu einer ausgewogenen Entscheidungsgrundlage kommen zu können. Im Gegensatz zu traditionellen Interessensvertretungen oder Lobbygruppen der Wirtschaft, fehlen diesen Zielgruppen vielfach die nötigen Mittel, sich aktiv in politische Prozesse einbringen zu können. Da sie aber als
Als Organisierte Zivilgesellschaft werden Interessenvertretungen mit rechtlicher Verfasstheit bezeichnet, die sich als Vereine, NGOs, private Stiftungen, etc. in dieser Sphäre öffentlich bekennen. Vgl. hierzu: http://tinyurl.com/eu-glossar (Letzter Aufruf: 31.5.2013)

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vgl. „Zukunftsstudie Münchner Kreis Band V: Innovationsfelder der digitalen Welt. Bedürfnisse von übermorgen.“, 2013, 182ff, zugegriffen Mai 17, 2013, www.zukunft-ikt.de. 33 Vgl. Herzberg, Staatsmodernisierung durch Open Innovation.

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Parlamentarismus und Bürgerbeteiligung in der modernen Informationsgesellschaft

VertreterInnen der Bevölkerung und daher als VertreterInnen der anzahlmäßig stärksten Gruppe Betroffener zu werten sind, ist eine Berücksichtigung ihrer Ansichten ein wesentliches Element im demokratischen Prozess. Folgende Aktivitäten rund um den Parlamentarismus können als grobe Übersicht zusammengefasst werden34. (1) Parlamentarische Informationen, publiziert durch Parlamente: Die offiziellen elektronische Informationsangebote haben die Bereitstellung, den Zugang und die Erschließung von Informationen öffentlicher Stellen zum Ziel. Sie sind einerseits als unbedingte Voraussetzung für gelebten Parlamentarismus, sowie andererseits als notwendige Grundlage für jegliche weiterführende Beteiligung und/oder Kooperation mit der Zivilgesellschaft zu verstehen. Neben den traditionellen elektronischen Informationen gewinnt das parlamentarische Angebot von strukturierten Daten (Open Data) an Bedeutung. (S. auch Kapitel 2.2. Online-Informationsund Datenangebot) (2) Initiativrechte, die verfassungsrechtlich unterschiedlich ausgestaltet sind, können BürgerInnen über die Webseiten und -services auch elektronisch zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise in Form von elektronischen Petitionsdiensten. (S. Kapitel 2.3. Online-Initiativrechte) (3) Konsultationen von Gesetzesvorhaben ermöglichen die Expertise sowie Stimmen von AkteurInnen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft (beispielsweise Interessengruppen) zu Gesetzesvorhaben und/oder zu bestimmten Themen einzuholen. Die Bandbreite reicht von Ideensammlungen bis hin zum gemeinsamen Erstellen von Gesetzestexten. (S. Kapitel 2.4. OnlineInstrumente zur Kooperation und Konsultation) (4) Transparenz und Interaktion durch Dritte: Informelle Angebote erweitern öffentliche Angebote beispielsweise im Bereich der Informationsaufbereitung, können aber auch über Handlungen der Legislative oder Exekutive berichten und auf diese Weise öffentliche Kontrolle ermöglichen. Auch Interaktionsmöglichkeiten mit ParlamentarierInnen finden sich im Rahmen solcher Plattformen. Die Aufbereitung zur Verfügung gestellter Informationen bzw. die Weiterentwicklung von Interaktionsservices erfolgt durch zivilgesellschaftliche Akteure oder die Organisierte Zivilgesellschaft. Ermöglicht wurde diese Form der Publikation und Interaktion erst durch die geringen technischen Infrastruktur- und Transaktionskosten und findet inzwischen weltweit Verbreitung. (5) Kooperation: Kooperative Angebote zielen auf die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Bürgerschaft sowie AkteurInnen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft ab. Sie können zu kollektiven Präferenzen und damit auch zu Ergebnissen führen, die von ursprünglichen Positionen abweichen. Insbesondere Punkt (4) Transparenz und Interaktion durch Dritte bietet zahlreiche Möglichkeiten der Kooperation zwischen Parlamenten und der Organisierten Zivilgesellschaft, beispielsweise durch eine Beteiligung an Plattformen, die über parlamentarische Aktivitäten informieren und Interaktionsmöglichkeiten anbieten. (S. Kapitel 2.4. OnlineInstrumente zur Kooperation und Konsultation) (6) Kampagnen und Lobbying, die von Seiten der Zivilgesellschaft organisiert werden, sind im Zunehmen begriffen. Einzelpersonen oder organisierte AkteurInnen ergreifen in diesem Fall Maßnahmen, die darauf abzielen, Aufmerksamkeit und Unterstützung für Themen und Posi-

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34

Vgl. Oliver Märker, „Studie: E-Partizipation in Deutschland“, JeDEM - eJournal of eDemocracy and Open Government 1, Nr. 1 (Februar 11, 2010): 45–54.

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tionen, aber auch für partikulare Interessen zu erhalten, um damit einen Beitrag zur politischen Meinungs- und Willensbildung zu leisten. Unterstützungserklärungen werden hier teils bewusst auf eigenen Webseiten gesammelt, um größere Freiheiten in der Wahl der Kampagne zu haben. Kampagnen können auch zur Unterstützung von offiziell eingebrachten Petitionen gestartet werden. Verbindliche Initiativrechte haben eine lange Tradition im demokratiepolitischen System und werden vermehrt auch online zur Verfügung gestellt (Punkt 2). Parlamentarische Kooperationsangebote (Punkt 5) sind bislang kaum in Erscheinung getreten, bieten aber viel Potential zur Erhöhung der Akzeptanz staatlicher Entscheidungsprozesse und Maßnahmen. Die Aktivitäten können nur schwer voneinander abgegrenzt werden und sind miteinander eng verknüpft. Plattformen der Zivilgesellschaft (Punkt 4) nutzen parlamentarische Informationen und Daten (Punkt 1), um die Informationen zusätzlich aufzubereiten (Punkt 4) – beispielsweise mit dem Ziel, eine Initiative (Punkt 2) oder eine Kampagne (Punkt 6) zu unterstützen. Zivilgesellschaftlich organisierte Gruppen kooperieren somit mit Parlamenten (Punkt 5). Aufgrund der gestiegenen Organisations- und Kommunikationskapazität der Gesellschaft gewinnen zivilgesellschaftliche Initiativen mehr und mehr an Bedeutung für den demokratiepolitischen Diskurs.

2.2. Online-Informations- und Datenangebote
Vollständige Informationen sind die Grundlage für demokratiepolitische Diskussionen und Entscheidungen. In Österreich, Deutschland und Südtirol sind in dieser Hinsicht bereits wesentliche Elemente einer parlamentarischen Transparenz, etwa durch die zeitnahe Publikation von relevanten parlamentarischen Informationen gegeben. Dies bestätigte sich auch im Rahmen einer aktuellen Untersuchung (2013), welche das Informationsangebot der deutschen, österreichischen und schweizerischen Parlamente untersuchte: Der technische Stand der Internetauftritte aller evaluierten Parlamente ist zufriedenstellend, wobei besonderes Augenmerk auf dem Zugang zu Informationen und ihre technische Realisierung lag. Problematisch im Sinne einer Informationsaufbereitung ist allerdings die häufige Verwendung des Datenformats pdf, da dieses nicht von Maschinen gelesen und weiterverarbeitet werden kann35. Eine wesentliche Open Data dient als Überbegriff für Schwäche wurde daher im Bereich von offenen struktunicht personenbezogene Daten, die für eine freie Verfügbar- und Nutzbarkeit rierten Daten (Open Data) verortet, die durch bereitgestellt werden. Als Begriff zumeist (Web-)Applikationen automatisiert übernommen für öffentliche Daten in Verwendung, und/oder verarbeitet werden können. 36 So geht es bei fehlen bislang genauere dieser Art der Bereitstellung von Daten also nicht nur Differenzierungen wie beispielsweise Verwaltungsdaten in Abgrenzung zu um aufbereitete Informationen, die BürgerInnen eine parlamentarischen Daten. möglichst einfache Orientierung bieten sollen, sondern auch wesentlich um ungefilterte Daten, die erst durch unterschiedliche Auswertungen und Aufbereitungen ihren Gehalt gewinnen. Gerade im zivilgesell-

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35

Vgl. „Adobe is Bad for Open Government“, Sunlight Foundation, zugegriffen Mai 16, 2013, http://sunlightfoundation.com/blog/2009/10/28/adobe-bad-open-government/. 36 Vgl. Markus Schmidt, Opening Parlament in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Zürich, 2012), zugegriffen Mai 16, 2013, http://teach.digisus.com/tiki-download_file.php?fileId=79; Vgl. Michael Hörz, Übers., „Erklärung zur Parlamentarischen Offenheit“, 2013, zugegriffen Mai 20, 2013, https://openingparliament.s3.amazonaws.com/docs/declaration/1.0/german.pdf.

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schaftlich initiierten Bereich finden sich zahlreiche Beispiele, die verdeutlichen, in welcher Form das Bereitstellen von Daten in maschinenlesbarer Form zur Informationsveranschaulichung genutzt werden können. So bietet beispielsweise in Österreich die zivilgesellschaftliche Initiative Open3 zu verschiedenen Themen Visualisierungen an, die auf offenen Daten beruhen und alternative Formen einer Übersicht bereitstellt, was auch von offizieller Stelle für Zustimmung sorgte. Das folgende Beispiel kann im Internet interaktiv genutzt werden, die Visualisierung ermöglicht eine detaillierte Darstellung der einzelnen Budgetteile.

Abbildung: Wien Budgets 2009, aus: http://www.open3.at/projekte/wien-budget-2009-visualisierung

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Um auch auf parlamentarischer Ebene eine weitere Öffnung in Richtung stärkerer Transparenz erreichen zu können, wären Schritte jene Organe betreffend zu unternehmen, welche die Parlamente bei ihrer Kontrolle unterstützen, wie beispielsweise Rechnungshöfe, Ombudsstellen oder Volksanwaltschaften. An diesen Stellen fallen zahlreiche Daten an, deren alternative Aufbereitungsformen für alle Seiten von Vorteil sein können.

2.3. Online-Initiativrechte
Aufgrund der weiten Verbreitung und Nutzung des Internets durch BürgerInnen werden Initiativrechte von Parlamenten vermehrt auch elektronisch angeboten. Neben den bestehenden Initiativ- und Kontrollrechten wird auch über neue Formen diskutiert, wie beispielsweise das Ermöglichen direkter

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Anfragen an Mitglieder der Bundesregierung durch BürgerInnen mit Erreichen eines vordefinierten Quorums, wie im aktuellen (Mai 2013) österreichischen Demokratiepaket vorgesehen.37 Auf EU-Ebene wurde mit dem Vertrag von Lissabon den UnionsbürgerInnen das Recht auf Europäische Bürgerinitiativen (EBI) zugestanden. Seit 1. April 2012 als Verfahren möglich, ist die EBI das erste länderübergreifende Instrument für Bürgerbeteiligung weltweit. Damit wurde das beim Europäischen Parlament bereits bestehende Petitionsrecht sowie das Beschwerderecht um ein weiteres Mittel ergänzt, das BürgerInnen erlaubt, selbst aktiv zu werden. Um eine Initiative zu organisieren, muss zunächst ein Bürgerausschuss von mindestens sieben EU-BürgerInnen aus mindestens sieben verschiedenen EULändern gebildet werden, der sich während des gesamten Verfahrens für die Verwaltung der Initiative verantwortlich zeichnet. Können innerhalb von zwölf Monaten eine Million gültige Unterstützungsbekundungen aus einem Viertel aller EU-Mitgliedsstaaten gesammelt werden, befasst sich die Europäische Kommission mit dem eingereichten Thema. Die Kommission entscheidet schließlich darüber, ob sie die Initiative für einen Rechtsakt aufgreift. Wie dieser Rechtsakt letztlich aussehen wird, liegt in der Kompetenz des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments.38 Erste Anwendungsbeispiele, diese Rechte auf verschiedenen Ebenen im nationalen Bereich auch online zu implementieren, finden sich beispielsweise mit der seit 1. September 2005 aktiven Petitionsplattform des Deutschen Bundestages39, die aufgrund der Untersuchung Elektronische Petitionen und Modernisierung des Petitionswesens in Europa des Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag in ihrer Entwicklung sowie ihren Vor- und Nachteilen informativ gut erschlossen ist. Anlass zur Beschäftigung mit dem Thema war die im Jahr 2005 durch den Deutschen Bundestag veranlasste Einführung von Öffentlichen Petitionen. Der Untersuchung zufolge stiegen die elektronisch eingereichten Petitionen beim Deutschen Bundestag im Zeitraum von 2006 bis 2010 von 17 auf 34 Prozent und der Anteil öffentlicher Petitionen sogar von 5 auf 24 Prozent. Insgesamt wurden von September 2005 bis Ende 2010 über 3 Millionen Mitzeichnungen für etwa 2.100 öffentliche Petitionen gezählt und mehr als 100.000 Diskussionsbeiträge geschrieben.40 Im österreichischen Nationalrat können vorgelegte Petitionen und Bürgerinitiativen seit 2011 elektronisch unterstützt werden41. Eine Einreichung selbst ist elektronisch nicht möglich. Mit der erst seit März 2013 aktiven Online-Petitionsplattform der Stadt Wien, die das elektronische Einreichen von Petitionen anbietet,42 werden ebenfalls Zeichen für eine Annahme dieses Angebots seitens der Bevölkerung sichtbar. Trotz der technischen Hürde durch den zwecks eindeutiger Identifizierung nötigen Einsatz einer Bürgerkarte bzw. Handy-Signatur43 konnten knapp über die Hälfte aller

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Vgl. „2177/A (XXIV. GP) - Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), Bundesgesetz über die Geschäftsordnung des Nationalrates, Nationalrats-Wahlordnung 1992, Bundespräsidentenwahlgesetz 1971 u.a.“, zugegriffen Juni 1, 2013, http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/A/A_02177/index.shtml. 38 Vgl. „Europäische Bürgerinitiative: Zukunft Europa“, zugegriffen Juni 1, 2013, http://www.zukunfteuropa.at/site/7885/default.aspx. 39 „Deutscher Bundestag: Petitionsausschuss“, zugegriffen Mai 17, 2013, https://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a02/index.jsp. 40 Vgl. Ulrich Riehm, Knud Böhle, Ralf Lindner, Elektronische Petitionen und Modernisierung des Petitionswesens in Europa: Endbericht zum TA-Projekt (Büro für Technikfolgenabschätzung beim Dt. Bundestag, 2011), 6f, zugegriffen Juni 1, 2013, https://www.tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab146.html. 41 s. „parlament.gv.at: Beteiligung der BürgerInnen“, zugegriffen Juni 4, 2013, http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/. 42 „Petitionsplattform der Stadt Wien - Übersicht“, zugegriffen Mai 13, 2013, https://www.wien.gv.at/petition/online/. 43 Bürgerkarte bzw. Handy-Signatur dienen der elektronische Identifizierung und elektronischen Signatur

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bislang eingebrachten Petitionen die Marke von 500 nötigen Unterschriften erreichen bzw. übertreffen, um im Petitionsausschuss behandelt zu werden. Anfang 2013 wurde als Maßnahme zur Stärkung der direktdemokratischen Elemente das „Demokratiepaket“ durch die Bundesregierung in das Parlament eingebracht44. Geplant war unter anderem eine generelle Aufwertung von Volksbegehren, den Vorzugsstimmen bei Nationalratswahlen ein höheres Gewicht zu geben, eine elektronische Unterstützung von Volksbegehren und Bürgerinitiativen (wie auch bei Europäischen Bürgerinitiativen üblich) sowie eine neue Form der Bürgeranfrage zu ermöglichen. Auch hier sollte auf das Prinzip „eine Wahlberechtigte bzw. ein Wahlberechtigter – eine Stimme“, also auf eine eindeutige Identifikation durch die Verwendung der Bürgerkarte (samt HandySignatur) zurückgegriffen werden. Der ausschließliche Zugang zu den direktdemokratischen Instrumenten in dieser Form ist allerdings nicht unumstritten. In einigen Stellungnahmen wurde kritisch bemerkt, dass sowohl Bürgerkarte wie auch Handy-Signatur noch wenig verbreitet und genutzt sind.

2.4. Online-Instrumente zur Kooperation und Konsultation
Bislang vor allem im wirtschaftlichen Bereich erfolgreich erprobt, wird gerade von Formen der Kooperation angenommen, dass sie auch die Politik durch Innovationskraft und Lösungskapazitäten stärken und bereichern können, indem auf externes Know-How der Zivilgesellschaft und von Individuen zurückgegriffen wird. Als Instrument hierfür könnten offene und transparente Kooperationsplattformen dienen, um damit die Konzeption und Formulierung von Novellierungs- oder Gesetzesvorhaben, die Stellungnahme, die Begutachtung und Anhörung von Regierungsvorlagen, Initiativanträge der Abgeordneten oder Volksbegehren zu unterstützen. Ziel des Einsatzes solcher Instrumente ist ein qualifizierter Diskurs mit zivilgesellschaftlichen Gruppen, aber auch mit Einzelpersonen. Methoden der Bürgerbeteiligung werden auf Landesund Kommunalebene auch in repräsentativen Demokratien immer häufiger eingesetzt. Erste Versuche mit digitalen Diskussions- und Abstimmungstools, beispielsweise Adhocracy, einem Instrument aus dem Umfeld der Liquid Democracy bzw. delegativer Demokratien, finden sich ebenfalls sowohl im kommunalen Bereich als auch auf deutscher Bundesebene. Als „kooperative Diskurs-, Delegations- und Abstimmungssoftware konzipiert“ 45 , beruht Adhocracy auf freier Software und wird als Open Source-Projekt seit 2009 kontinuierlich weiterentwickelt. Versuchsweise eingesetzt wurde es beispielsweise für die
Das Liquid Democracy Konzept kombiniert Elemente der repräsentativen mit Elementen der direkten Demokratie. Teilnehmer-Innen können in diesem System selbst entscheiden, inwieweit sie sich vertreten lassen wollen oder ihre Kompetenzen und Interessen aktiv einsetzen möchten. Ihr an Delegierte übertragenes Stimmrecht können sie jederzeit wieder entziehen, woraus sich ein ständig im Fluss befindliches Netzwerk von Delegationen ergibt.

Open Source Software darf, je nach Lizenz, frei kopiert, modifiziert und verändert wie unverändert weiterverbreitet werden. Damit steht sie anderen EntwicklerInnen zur unentgeltlichen Weiterverwendung zur Verfügung. Definitionskonflikte bestehen mit dem Begriff der Freien Software, welcher vor allem den Nutzen der AnwenderInnen und der Gesellschaft im Fokus hat.

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vgl. Initiativantrag in „2177/A (XXIV. GP) - Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), Bundesgesetz über die Geschäftsordnung des Nationalrates, Nationalrats-Wahlordnung 1992, Bundespräsidentenwahlgesetz 1971 u.a.“, zugegriffen Juni 2, 2013, http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/A/A_02177/index.shtml. 45 vgl. „Was ist Adhocracy? | Liquid Democracy e.V.“, zugegriffen Juni 2, 2013, https://liqd.net/adhocracy/wasist-adhocracy/.

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Bürgerbeteiligungsplattformen www.enquetebeteiligung.de und www.OffeneKommune.de sowie vom Landesjugendring Niedersachen www.ljr.de. Seine grundsätzliche Funktionsweise bietet die Möglichkeit, als NutzerIn Vorschläge einzureichen, über diese abzustimmen und sie zu kommentieren. Auf diese Weise können Stimmen für Argumente und Positionen transparent dokumentiert werden. Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages sammelte zwischen Februar 2011 und Januar 2013 auf der Plattform www.enquetebeteiligung.de Ideen, Anregungen und Meinungen zur Zukunft der digitalen Gesellschaft. Für ihre Themen wurden zwölf Projektgruppen gebildet, die ihr jeweiliges Thema detailliert diskutierten und gemeinsam jeweils einen Bericht mit einer Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen erarbeiteten. Die Ergebnisse der OnlineBeteiligungen flossen dabei regelmäßig in die Diskussionen mit ein und fanden so Zugang und Berücksichtigung in den Berichten. Die Plattform selbst zählte schließlich 3.669 Mitglieder, es wurden 494 Vorschläge, 2.356 Kommentare und 14.599 Stimmen abgegeben. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit, das international starke mediale Resonanz erzeugte, findet sich in Island. Nach dem ökonomischen Zusammenbruch des Landes (2008) entschlossen sich die Regierungsparteien aufgrund nationaler Proteste und Lobby-Bemühungen ziviler Organisationen sowie mehrerer zuvor an Uneinigkeit gescheiterter Reformanläufe dazu, Islands BürgerInnen an der Erstellung einer neuen Verfassung zu beteiligen. Realisiert wurde diese Beteiligung in vielfacher Hinsicht. Der Anfang wurde 2010 mit einem Ein-Tages-Forum gemacht, an dem 950 isländische BürgerInnen teilnahmen, um Ideen für die neue Verfassung zu sammeln. Ausgewählt wurde dafür eine repräsentative Stichprobe, gearbeitet wurde in Gruppen zu unterschiedlichen Themen, jeweils unter der Leitung einer/eines Moderierenden. Das Ergebnis dieses Forums, rund 700 Seiten mit Vorschlägen, bildete die Grundlage für den weiteren Prozess. Ein aus 25 VolksvertreterInnen bestehender Rat (Constitutional Council), der im Konsensprinzip einen Verfassungsentwurf erarbeiten sollte, wurde aus 525 KandidatInnen direkt gewählt. Auf der Internetseite des Constitutional Council46 wurden ab Beginn des Prozesses im April 2011 die Gesetzesentwürfe veröffentlicht und konnten laufend online von BürgerInnen diskutiert werden. Zusätzlich wurden die Sitzungen des Rates öffentlich durchgeführt und via Videostream live ins Internet übertragen. Eingesetzt wurden darüber hinaus Plattformen wie Facebook47 und Twitter48, Youtube und andere Kanäle, über die BürgerInnen ebenfalls Kommentare einfließen lassen konnten, welche im Rat diskutiert wurden. Im Juli 2011 wurde der Verfassungsentwurf ans Parlament übergeben. Am 20. Oktober 2012 stimmten schließlich die wahlberechtigten IsländerInnen über sechs Fragen in Bezug auf die neue Verfassung ab, eine davon betraf den Verfassungsentwurf generell. In dieser Volksbefragung stimmten 66,3% der teilnehmenden IsländerInnen für die Annahme der neuen, partizipativ entstandenen Verfassung. Für eine Einführung der vorgeschlagenen direktdemokratischen Instrumente sprachen sich 73,3% aus. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 50%. Aktuell (Mai 2013) werden weitere Details im Parlament diskutiert, der endgültige Beschluss durch das Parlament ist noch ausständig. Ein aktuelles Beispiel aus Deutschland findet sich in Nordrhein-Westfalen, wo unter Einbeziehung der BürgerInnen bis 19. April 2013 das Landesmediengesetz für seine Novellierung Absatz für Absatz auf der Plattform www.landesmediengesetz.nrw.de diskutiert wurde. Die Konsultation umfasste den Arbeitsentwurf zur Novellierung des Landesmediengesetzes Nordrhein-Westfalen, des Telemedienzuständigkeitsgesetz sowie den Arbeitsentwurf für eine Neugestaltung des Frequenzvergabeverfahrens.

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Zugegriffen Mai 21, 2013, http://stjornlagarad.is/ Zugegriffen Mai 21, 2013, https://www.facebook.com/Stjornlagarad 48 Zugegriffen Mai 21, 2013, https://twitter.com/Stjornlagarad

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Der Prozess dauerte vier Wochen und erfuhr mit 2.775 BesucherInnen, 519 auf der Plattform hinterlassenen Kommentaren und 912 Bewertungen positiven Anklang. Nachzulesen bleiben alle Ergebnisse bis Jahresende, zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die veröffentlichten Kommentare als offene strukturierte Daten (Open Data) herunterzuladen.49

2.5. Mobilisierung und Kontrolle
Die Parlamente als legislative Kraft repräsentativer Demokratien haben neben ihren gestalterischen Kompetenzen auch eine Kontrollfunktion über die Exekutive zu erfüllen. In diesem Kontext kann die aktive Einbeziehung von BürgerInnen hilfreich sein, indem sie beispielsweise zur Unterstützung der Kontrollfunktion von den Parlamenten mit eingebunden werden. 2009 veröffentlichte die Zeitung Guardian im Rahmen des Spesenskandals der Parlamentsmitglieder über 450.000 Spesenquittungen aus einem Zeitraum von 4 Jahren über eine eigens entwickelte Kollaborationsplattform50 und bat mittels einer Webapplikation „die Crowd“, also ihre LeserInnen, um Mithilfe bei der Datenanalyse. In der Applikation schien jedes Parlamentsmitglied automatisch mit Name, Partei, Wahlkreis und Foto auf, samt einer Liste aller Spesendokumente, die ihm zugeordnet waren. Per Klick konnten LeserInnen Dokumente auswählen und mit einem Ampelsystem ihre Bedeutung bewerten. Mittels Fortschrittsbalken wurde auf jeder Seite angezeigt, wie groß der Anteil der bereits untersuchten und der noch unbehandelten Dokumente war. Im Rahmen des Prozesses der Aufarbeitung beteiligten sich über 20.000 BürgerInnen. Mit ihrer Hilfe konnte der Guardian rund 1.800 Fälle als Spesenskandale ausmachen und veröffentlichen. Diese Praxis fällt unter den Begriff des Crowdsourcing und Angelehnt an den Begriff des ermöglichte in diesem Beispiel eine Form der Aufarbei„Outsourcing“, werden beim Crowdsourcing traditionell organisations-intern tung, für die andernfalls von journalistischer Seite mit Sibehandelte Teilaufgaben an freiwillige cherheit, unter Umständen aber sogar von offizieller Seite Interessierte übergeben. Zumeist wird die nötigen Mittel gefehlt hätten. dabei auf technische Infrastrukturen
zurückgegriffen. Be-währt hat sich diese Die Praxis des Crowdsourcing bietet für Parlamente bzw. Methode besonders in Bereichen wie für deren Hilfsorganen neue Potentiale, ihre KontrollFeedback und Innovation. funktion auch mittels Rückgriff auf zivilgesellschaftliche Ressourcen zu erfüllen, wenn beispielsweise Rechnungshöfen die rechtliche Möglichkeit bekommen würden, entsprechende Daten zu veröffentlichen, um sie mithilfe der BürgerInnen zu analysieren.

Die Entwicklung einer flacheren, weniger hierarchischen Steuerungs-Struktur, wie sie zunehmend von BürgerInnen eingefordert wird, hängt mit einer Stärkung der Legislative im Verhältnis zur Exekutive zusammen. Um die mit der Informationsgesellschaft verbundenen Chancen zu realisieren, ist das Recht der BürgerInnen auf freien Zugang zu Informationen eine der Grundvoraussetzungen. Gutes Regierungs- und Verwaltungshandeln basierten auf einer funktionierenden Legislative und deren Zusammenarbeit mit der Bevölkerung.51 Zivilgesellschaftliche Stimmen können hilfreich sein, gesellschaftlich nachteilige Zusammenhänge und Konsequenzen rechtlicher Beschlüsse aufzuzeigen.

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s. „Konsultation Landesmediengesetz Nordrhein-Westfalen“, zugegriffen April 16, 2013, https://www.landesmediengesetz.nrw.de/. 50 s. „MPs’ expenses | Politics | The Guardian“, März 30, 2009, http://www.guardian.co.uk/politics/mps-expenses. 51 Vgl. John K. Johnson und Robert T. Nakamura, „A Concept Paper on Legislatures and Good Governance“, Juli 1999, zugegriffen Mai 21, 2013, http://mirror.undp.org/magnet/Docs/parliaments/Concept%20Paper%20Revised%20MAGNET.htm.

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Ein Beispiel für eine zivilgesellschaftlich organisierte Protestbewegung, die hauptsächlich über das Internet mobilisierte, fand sich zum Handelsabkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), das Produktpiraterie verhindern und den Schutz geistigen Eigentums verbessern sollte. NetzaktivistInnen und BürgerInnen kritisierten jedoch die Einschränkung von Bürgerrechten und der Netzfreiheit, die Aufweichung des Datenschutzes sowie die wenig transparenten Prozesse und zeigten die mit dem Abkommen zusammenhängenden Interessen und Lobbying-Faktoren auf. Im Verlauf der Proteste war die Mobilisierung über das Internet ausschlaggebend, um eine kritische Masse zu erreichen, die auch auf der tagespolitischen Agenda wahrgenommen wurde. Vielfach verpflichteten sich Parteien dazu, den Gesetzesentwurf im Hinblick auf diese Punkte zu prüfen bzw. die parlamentarische Kontrolle sicherzustellen. Nach den international koordinierten Protesten erfolgten in vielen Ländern nach und nach Ratifizierungs-Stopps. Am 10. Februar 2012 teilte das Auswärtige Amt in Deutschland mit, man habe die bereits erteilte Weisung zur Signierung des umstrittenen Vertragswerks wieder zurückgezogen. Am 18. Februar 2012 stand in Österreich fest, dass das Abkommen im Nationalrat nicht vor einer Bestätigung durch das EU-Parlament ratifiziert wird. Auch der Schweizer Bundesrat teilte am 9. Mai 2012 mit, ACTA vorerst nicht zu unterzeichnen. Das Europäische Parlament lehnte ACTA am 4. Juli 2012 schließlich mit großer Mehrheit ab. Durch das Fehlen einer umfassenden Bereitstellung ungefilterter und politisch teils auch brisanter Informationen, etablierte sich in den vergangenen Jahren eine zunehmend organisierte Praxis des Leakens52 von Information (auch Whistleblowing genannt), welche spätestens seit dem Entstehen der Plattform WiAls Whistleblower werden 53 Menschen bezeichnet, die Informationen kileaks sowie den zahlreichen Berichten darüber interüber Missstände jeglicher Art an eine national zum Begriff wurde. Doch auch auf offizieller Seite, vor allem im Bereich der sie in der Öffentlichkeit zumeist hohes Ansehen, während sie aber in ihrem Wirtschaftskriminalität, gewann Whistelblowing in den Leben mit unangenehmen Folgen vergangenen Jahren vermehrt an Bedeutung. So finden rechnen müssen. Der rechtliche Schutz sich sowohl im wirtschaftlichen Bereich als auch von für Whistelblowing ist zumeist nicht hinreichend gesichert. staatlicher Seite initiierte Plattformen (beispielsweise das seit 20. März 2013 aktive elektronische Hinweisgebersystem BKMS der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft54), die ebenso auf das Wissen teilnehmender AkteurInnen setzen, um Information zu erhalten – mit dem Ziel, Missstände zu beseitigen.
Öffentlichkeit bringen. Damit genießen

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Der Begriff Leaken setzte sich als Anglizismus durch, da er eine Mischung aus „durchsickern“ und „veröffentlichen“ bezeichnet, für die es im Deutschen keinen Begriff gibt. 53 s. „WikiLeaks“, zugegriffen Mai 21, 2013, https://wikileaks.org/. 54 „Hinweisgebersystem der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Österreich“, zugegriffen Mai 21, 2013, https://www.bkms-system.net/bkwebanon/report/clientInfo?cin=1at21&language=ger.

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3. Soziale Medien und Netzwerke

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Bekannt geworden unter dem Schlagwort Web 2.0 stellte die von Tim O’Reilly geprägte Bezeichnung einen Wandel in der Form der Internet-Nutzung dar.55 Mit technischen Neuerungen, die häufig mit der Idee kollektiver Intelligenz verbunden werden56, änderte sich das Internet zum „Mitmach-Netz“. Bis dahin aufgrund der notwendigen hohen technischen Vorkenntnisse sowie der anfallenden Kosten vor allem Als User-generated content werden als (Re-)Präsentationsplattform (Webseiten) eingesetzt, Inhalte bezeichnet, die originär von NutzerInnen erstellt wurden. Dazu gab es zunehmend mehr Möglichkeiten für NutzerInnen, zählen Blogbeiträge ebenso, wie Bilder selbst Inhalte zu generieren und (sich) zu vernetzen. oder Videos – aber auch Beiträge, die ginnend mit themenbezogenen Foren und Blogs sowie über die Verwendung von dem Einsatz von Kommentarfunktionen und BewerKommentarfunktionen entstehen. Umgangssprachlich wird der Begriff teils tungsmöglichkeiten, die heute von keinem erfolgreichen weiter gefasst und meint das Webauftritt mehr wegzudenken sind, entstanden rasch Weiterverbreiten fremder Inhalte mit, da Plattformen wie Facebook, Wikipedia und Co, die heute auch der assoziative Einsatz fremder unter der Bezeichnung Soziale Medien bekannt sind. Da Werke gewissermaßen als Eigenleistung angesehen werden kann. diese Plattformen ausschließlich auf user-generated content basieren, setzte sich für diese technologische Infrastruktur die Bezeichnung Soziale Medien (social media) durch. Aufgrund der enormen Popularität dieser Nutzungsformen wurde zunehmend darüber diskutiert, inwieweit derartige Technologien eine Demokratisierung von Wissen sowie von Informationen generell unterstützen können. In den letzten Jahren begannen insbesondere wirtschaftliche Unternehmen, das Potential Sozialer Medien verstärkt

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Vgl. Tim O’Reilly, „Was ist Web 2.0?“, übers. von Patrick Holz (O’Reilly Verlag, 2005), zugegriffen Mai 11, 2013, http://www.oreilly.de/artikel/web20_trans.html. 56 Christina Bergmann, „‚Es geht um die Nutzung kollektiver Intelligenz‘ | Onlinefaktor | DW.DE | 02.07.2007“, DW.DE, zugegriffen Mai 11, 2013, http://www.dw.de/es-geht-um-die-nutzung-kollektiver-intelligenz/a-2618609.

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zu nutzen. In Anbetracht von Volksbewegungen wie Stuttgart 2157, #unibrennt58 oder den umgangssprachlich sogar als „Twitter-Revolution“59 bezeichneten Bewegungen im arabischen Raum (etwa in Ägypten und Tunesien) mehren sich jene Stimmen, die unter anderem aufgrund der technisch unterstützten Souveränität von BürgerInnen, vor allem aber der zunehmenden Bedeutung von Metainformationen von einem Web 3.060 (auch Semantisches Web genannt) sprechen. Dabei steht die Praxis des Verknüpfens von Informationen im Vordergrund, um mittels Suchfunktionen auch Zusammenhänge durch Technik erfassen zu können.

3.1. Kommunikation mit Sozialen Medien
Während die generelle Internetnutzung im europäischen Raum nahezu flächendeckende Verbreitung erreicht hat, nutzten im Jahr 2012 bereits knapp 50% der deutschen Gesamtbevölkerung Soziale Medien, in der Gruppe der 14 bis 19-jährigen sind es sogar knappe 90%. Angeführt wird die Nutzungspyramide Sozialer Medien von Wikipedia, gefolgt von Videoportalen sowie privaten Netzwerken und Communities. Auch wenn nur ein Bruchteil aller NutzerInnen selbst originäre Inhalte produzieren (die Prozentmarke bleibt bei YouTube, ebenso wie bei Wikipedia und vergleichbaren Diensten unter 10%), wird die Selbstverständlichkeit diese Werkzeuge zu verwenden – um sich zu unterhalten und auszutauschen, Informationen zu finden und zu teilen sowie sich eine Meinung zu bilden – auch durch die rasant zunehmende Etablierung von Endgeräten wie Smartphones weiterhin kontinuierlich zunehmen. 61 Mit der Bezeichnung Soziale Medien werden unterschiedliche Dienste zusammengefasst, wie beispielsweise Soziale Netzwerke (Facebook, Twitter62 & Co) oder Echtzeit-Informationsnetzwerke (Twitter), Medienplattformen (Youtube, Wordpress, Flickr & Co), Businessnetzwerke (Xing, Linkedin & Co), Empfehlungsplattformen (wie Yelp, Delicious oder Diigo) und verschiedene weitere Services im World Wide Web. NutzerInnen dieser Plattformen haben mithilfe ihrer Angebote die Möglichkeit, auch ohne besondere Webdesign- oder Programmierkenntnisse Inhalte im Netz zur Verfügung zu stellen, mit anderen zu teilen sowie sich ebenso wie Informationen untereinander zu vernetzen. Insbesondere Soziale Netzwerke wie Facebook fanden rasante Verbreitung. Gegenüber herkömmlichen Nutzungsarten des Internets, bei denen Inhalte maßgeblich von Unternehmen produziert und von BesucherInnen der Seiten rezipiert wurden, avancieren NutzerInnen von Social Media-Diensten selbst zu InhaltsproduzentInnen. Um diesen Entwicklungen gerecht werden zu können, wurden Konzepte wie die Creative Commons Lizensierung entwickelt. Aktuelle politische Debatten an dieser Stelle betreffen daher Themen wie das Urheberrecht, wo die aktuelle Rechtssprechung der Logik des Internets und den daraus

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vgl. Wikipedia, Protest gegen Stuttgart 21, zugegriffen Mai 30, 2013, https://de.wikipedia.org/wiki/Protest_gegen_Stuttgart_21. 58 vgl. Wikipedia, Studierendenproteste in Österreich 2009/2010, zugegriffen Mai 30, 2013, https://de.wikipedia.org/wiki/Studierendenproteste_in_%C3%96sterreich_2009/2010; vgl. zugegriffen Mai 30, 2013, http://unibrennt.at. 59 vgl. Demokratie: Die Revolution, die keine war - SPIEGEL ONLINE, zugegriffen Mai 30, 2013, http://www.spiegel.de/spiegel/a-742430.html. 60 Robert Tolksdorf, „Web 3.0 – die Dimension der Zukunft“, Der Tagesspiegel Online, August 31, 2007, zugegriffen Mai 30, 2013, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/web-3-0-die-dimension-der-zukunft/1028324.html. 61 vgl. „ARD/ZDF-Onlinestudie 2012“. 62 Die Kommunikations- und Redaktionschefin bei Twitter selbst, Karen Wickre, legt allerdings Wert darauf, dass Twitter weder Social-Media-Service noch Microblogging-Plattform sei, sondern am ehesten als EchtzeitInformationsnetzwerk zu beschreiben sei. Vgl. zugegriffen Mai 29, 2013, http://futurezone.at/digitallife/16069twitter-wir-sind-kein-social-media-service.php

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resultierenden Bedürfnissen und Praxen nicht mehr gewachsen ist. Während einzelne Dienste wie Facebook & Co also kommen und gehen bzw. sich in ihrer Popularität abwechseln, bleibt die so erlernte Kommunikations-, Produktions- und Organisationsfähigkeit der NutzerInnen bestehen. Daher ist diese neue Praxis des Umgangs nicht als kurzlebiger Trend, sondern als bleibende gesellschaftliche Veränderung zu verstehen.63 Die Bezeichnung Soziale Medien ist somit als Überbegriff für unterschiedliche Werkzeuge zu verstehen, die zwar Gemeinsamkeiten aufweisen, aber nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Um mit ihnen produktiv umgehen zu können ist es notwendig, sich ihrer (zumeist durch ihre inhaltliche Ausrichtung entstehenden) Unterschiede ebenso wie ihrer Gemeinsamkeiten (vor allem also die aktiven Gestaltungsmöglichkeiten auf Seiten der NutzerInnen) bewusst zu sein. Zu beachten sind auch die charakteristischen Kommunikationsformen und die Netiquette unterschiedlicher In Anlehnung an den Begriff Plattformen. Je weniger hierarchisch und je kollaborati„etiquette“ bezeichnet Netiquette die Summe der Umgangsformen, die in ver die Ausrichtung einer Plattform angelegt ist, desto einem bestimmten Internet-Dienst als stärker lassen sich veränderte und oftmals informellere angemessene Kommunikationsform Kommunikationsgewohnheiten beobachten. Ein Beispiel verstanden wird. Es gibt auch plattform ist das nahezu plattformübergreifende „Duzen“ der zuübergreifende Bedeutungen, wie beispielsweise der reine Einsatz von meist nicht persönlich bekannten AutorInnen auf WiGROSZBUCHSTABEN als Anschreien kipedia. Wird man auf diesen Plattformen selbst aktiv, verstanden wird. kann es gut sein, dass BetreuerInnen offizieller Stellen tendenziell ebenso informell angesprochen werden. So wird die flache Hierarchie durch die Netzwerklogik des gleichwertigen Teilens implizit betont, was vor allem unter langjährigen und sehr aktiven NutzerInnen zumeist nicht als Untergrabung von Höflichkeit gilt. Die flachen Hierarchien und das direkte Teilen bewirkten aber auch abseits der Etikette, dass die Kommunikation direkter wurde. Das Offenlegen von Hintergründen wie das Zitieren von Quellen und die Bekanntgabe, woher man seine Informationen bezieht, gilt beispielsweise als unerlässlich. Das Entdecken einer Form von Verschleierung kann von Vertrauensverlust bis hin zu digitalen Protesten seitens der InternetnutzerInnen führen. Bekanntheit diesbezüglich erlangten Beispiele, wo offen Der Begriff Astroturfing (auch gelegt werden konnte, dass von Unternehmen oder offiKunstrasenbewegung genannt) beziellen Stellen das Entstehen einer basisdemokratisch orzeichnet PR-Projekte, die eine ganisierten Sozialen Bewegung (grassroots movement, zu Graswurzelbewegung imitieren. Ziel ist, deutsch: Graswurzelbewegung) imitiert wurde (Astroturden Anschein von Glaubwürdigkeit zu erwecken, indem unabhängig und fing), um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, da die spontan wirkende Meinungswesentliche Stärke solcher basisdemokratischer Beweäußerungen (bspw. über PolitikerInnen, gungen in ihrer großen Glaubwürdigkeit liegt. Unter anUnternehmen oder Podukte) öffentlich derem aufgrund solcher Anlässe entstanden Initiativen platziert werden. wie die deutsche Bürgerrechtsorganisation LobbyControl (oder auch die englische AntiAstroturfing HomePage www.thenewpr.com), die es sich unter anderem zur Aufgabe machten, „Schlaglichter auf die Grauzonen politischer Einflussnahme“ zu werfen sowie kontinuierliche und systematische Aufklärung zu erVgl. Ines Mergel u. a., Praxishandbuch Soziale Medien in der öffentlichen Verwaltung, 2013. Aufl. (Springer VS, 2013).

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möglichen.64 Mit Zielen wie diesen wurden von zivilgesellschaftlicher Seite einige Fälle offengelegt, wie beispielsweise die 2007 im Auftrag der Deutschen Bahn platzierten Blogeinträge, die Stimmung gegen die Streiks der Lokführer und für eine Privatisierung der Bahn schaffen sollten65. Doch auch weniger deutliche Bereiche der Verschleierung führen vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen im Netz zu Schwierigkeiten. NutzerInnen Sozialer Medien erwarten sich weitestgehende Offenheit im Dialog, um die Richtigkeit von Informationen nachvollziehen zu können und damit die Praxis des Teilens aufrechterhalten zu können. Problematiken ergeben sich bei einer professionellen Nutzung Sozialer Medien vielfach schon aus dem Spannungsfeld des eigenen Selbstverständnisses, der eigenen Corporate Identity und den Eigenheiten der verschiedenen Plattformen und ihrer NutzerInnen. Um in Sozialen Medien gut agieren – und sie gut betreuen – zu können braucht es eine Klärung des eigenen Bedarfs und der eigenen Interessen, ohne aber den Abgleich mit den Interessen der Zielgruppen und der Social Media-NutzerInnen zu scheuen. Voraussetzung dafür ist eine Offenlegung von Hintergründen, bis hin zu Fragen wie: Wer betreut den Account von ParlamentarierIn „xy“ wirklich? Gerade junge Menschen, die mit dieser Form der Kommunikation aufwachsen, erwarten ein entsprechendes Vorgehen. Wenig unterstützung haben sie derzeit allerdings, wenn es darum geht, selbst Kompetenzen zu entwickeln, um mit daraus resultierenden Fragen und Schwierigkeiten umzugehen. (Vgl. Kapitel 3.3 Politische Bildung)

3.2. Betreuung Sozialer Medien
Während die Handhabung und der Umgang mit sogenannten Push-Medien wie zum Beispiel Rundfunk oder Fernsehen von Seiten der PR bereits gut etabliert ist, setzt das Internet als „PullMedium“ voraus, dass sich NutzerInnen für bestimmte Themen bereits interessieren und aktiv danach suchen. Die Gestaltung von Themen und das Einbringen in diese Form der Informationsbereitstellung erfordert also auch von Organisationen ein wesentliches Umdenken. Das Risiko der Aufdeckung von Manipulationsversuchen ist gegeben und kann zu nachhaltigem Vertrauensverlust führen, während eine aktive Beteiligung und das Offenlegen von Wissen den konstruktiven Dialog zu fördern in der Lage ist. Inhalte werden im Web 2.0 von NutzerInnen generiert. Paradebeispiel dafür ist Wikipedia, aber auch die sogenannte Blogosphäre, wie „die Welt der Weblogs“ genannt wird. Damit finden sich auch ohne eigenes Zutun Inhalte über Politik und Parlamente im Netz, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben (auch JournalistInnen traditioneller Massenmedien verwenden Suchmaschinen wie Google und Nachschlagewerke wie Wikipedia, um sich zu orientieren). Themen, die im Netz diskutiert werden und Aufsehen erregen, finden somit Eingang in traditionelle Massenmedien – und vice versa. Eine kompetente Betreuung Sozialer Medien kann daher schon deshalb nicht mit Maßnahmen klassischer PR verglichen werden. So ist es also beispielsweise nicht zwingend notwendig, auf allen Plattformen „ein eigenes Profil“ anzulegen um zu versuchen, PR in gewohnter Form auch dort zu betreiben. Wesentlich wirkungsvoller ist die Teilnahme an bestehenden Projekten, wie beispielsweise der Mitgestaltung von Wikipedia-

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„Hintergrund“, LobbyControl, zugegriffen Mai 29, 2013, https://www.lobbycontrol.de/initiative/hintergrund/. vgl. „Bahn zahlte Millionen für Täuschung“, Handelsblatt, zugegriffen Mai 29, 2013, http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/leserbriefe-blog-beitraege-umfragen-bahnzahlte-millionen-fuer-taeuschung/3187290.html.

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Beiträgen als AutorIn, ohne aber zu verschleiern, welche Institution vertreten wird, da Präsenz und Interesse an Kommunikationsangeboten seitens der „im Netz aktiven“ BürgerInnen von selbigen bereits als Entgegenkommen wahrgenommen wird. Ähnlich dem Konzept der „AktivbürgerInnen“, wo selbige als besonders relevant für eine lebendige Demokratie angesehen werden, gilt es auch in Sozialen Medien, Kontakt zu jenen Zielgruppen zu suchen, die bereits Interesse an aktiver Beteiligung zeigen und daher von sich aus an einem Austausch über eine technologische Infrastruktur interessiert sind. Über diese Zielgruppe kann ein lebendiger Dialog gestaltet werden und mithilfe ihrer Erfahrung im Umgang mit Sozialen Medien der Aufbau von Beteiligungsprojekten initiiert werden. Zu beachten gilt es, dass die Formen der Kommunikation auf den jeweiligen Plattformen verschieden sind und sich entsprechend unterschiedliche Kulturen der Nutzung etabliert haben. Ein lebendiger Dialog, wie in Sozialen Medien gesucht und üblich, wird sich erst entfalten, wenn den NutzerInnen in ihrer jeweils etablierten Nutzungsform begegnet werden kann. Daher ist es sinnvoll, eigens geschulte MitarbeiterInnen für den Umgang mit Sozialen Medien einzusetzen und entsprechende Stellen zu schaffen. Auch eine gemeinsame Entwicklung von Richtlinien im Umgang mit sozialen Medien ist notwendig, um intern Klarheit über die Möglichkeiten und Grenzen des Internets zu schaffen. Es empfiehlt sich darüberhinaus MitarbeiterInnen auch dahingehend zu sensibilisieren, welche Informationen sie mit ihren persönlichen Accounts veröffentlichen.

3.3. Jugend im Netz
2010 wurde laut ARD/ZDF-Onlinestudie die 100%-Schwelle in Bezug auf eine generelle Internetnutzung deutscher BürgerInnen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren erreicht. Diese Zahlen bestätigten sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage von 200 SchülerInnen unterschiedlicher Schultypen im Rahmen des Projekts Politik hört zu des niederösterreichischen Landtags aus dem Jahr 2012. 83,4% der SchülerInnen gaben an, Facebook zu nutzen und nur 8,6% verneinten die Nutzung Sozialer Netzwerke66. Auch das Interesse für Politik scheint vorhanden: So gaben zwei von drei der 18 bis 34-Jährigen (68%) an, dass sie sich „sehr“ oder „ziemlich“ ausführlich über Politik in Deutschland informieren. Allerdings sahen 86% der 18 bis 34-jährigen deutschen BürgerInnen ihre Interessen durch die Politik nicht vertreten und 73% gaben an, kein Vertrauen in die Arbeit der Regierung zu haben. Obwohl 60% Angst vor Missbrauch mit ihren Daten im Netz bekundeten, befürworten 67% neue Möglichkeiten der politischen Partizipation durch das Internet.67 Sieht man sich allerdings die Interessensbereiche laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 an, sind in der Altersgruppe der unter 30-jährigen Soziale Netzwerke zwar sehr beliebt, werden aber vornehmlich genutzt, um private Kontakte zu pflegen. Die Befunde insgesamt deuten eher auf eine passivkonsumierende als auf eine aktiv-gestaltende Haltung gegenüber dem Netz hin: Nur 4% bloggen (Gesamt: 3%) und 3% twittern (Gesamt: 2%).68 Ähnlich verhält es sich bei der Betrachtung der Zahlen be-

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„Politik hört zu“ Projekt des niederösterreichischen Landtags, 2012, zugegriffen April 25, 2013, http://www.landtag-noe.at/images/kurzartikel/2012-02-15jugendenquetevoting.pdf. 67 Vgl. Simon Schnetzer, „Dialog Internet – Die Mitmach-Demokratie künftiger Generationen“ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zugegriffen April 25, 2013, https://dialog-internet.de/web/initiativen_youthpart/blog//asset_publisher/5Kso/blog/die-mitmach-demokratie-kunftiger-generationen-von-simon-schnetzer/18204. 68 Vgl. Birgit van Eimeren und Beate Frees, „76 Prozent der Deutschen online – neue Nutzungssituationen durch mobile Endgeräte“, in ARD/ZDF-Onlinestudie 2012, media perspektiven 7–8/2012, 264f, zugegriffen April 21, 2013, http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=372.

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züglich einer aktiven Teilnahme an dem derzeit (Mai 2013) beliebtesten Partizipationsprojekt Deutschlands: Wikipedia. Zwar übertrifft die Gruppe der 14 bis 29-jährigen mit 9% alle anderen Altersgruppen bei weitem (in der Gruppe der 30 bis 49-jährigen sind es nur 2% und in jener der über 50jährigen 5%), dennoch zeigt sich, dass ein großer Unterschied besteht zwischen der grundsätzlichen Nutzung (41% der 14 bis 29-jährigen gaben an, Wikipedia wenigstens einmal die Woche zu nutzen) eines Angebotes und einer aktiven Beteiligung. Hier zeigen sich große Potentiale für den Bereich der politischen Bildung, insbesondere, wenn es gelingt, eine progressive und offene Haltung gegenüber Sozialen Netzwerken und gegenüber einer aktiven Mediennutzung einzunehmen. Häufig herrscht jedoch die Ansicht vor, starker Medienkonsum sei mit sozialer Benachteiligung verbunden. Mit der zunehmenden Integration technischer Geräte in unsere unmittelbare Lebenswelt (augmented reality), der Vermischung von bisher getrennten OnlineKommunikationsräumen und der zunehmenden Mobilisierung über Smartphones hat das Prinzip „weniger ist mehr“ immer weniger Gültigkeit. Der Report EU Kids Online betont beispielsweise, dass in Zukunft besonders die Tatsache im Mittelpunkt stehen sollte, dass eine steigende Anzahl von Kindern das Internet unabhängig von der Aufsicht Erwachsener nutzt, insbesondere über einen mobilen Zugang69. 87% der Kinder nutzen demnach das Netz zuhause, 49% in ihrem Zimmer und 38% in anderen Räumen zuhause. In Zukunft kann es nicht mehr ausschließlich darum gehen, die Menge der im Internet verbrachten Zeit zu begrenzen bzw. sie als Maßstab „für einen gesunden Umgang“ damit zu verwenden – und dies nicht nur in Ermangelung umfassender Kontrollmöglichkeiten. Die im Internet verbrachte Zeit ist von vielen Faktoren abhängig, wie seitens der Forschung bestätigt, birgt eine gesteigerte Internet-Nutzung sowohl Risiken als auch Chancen. Eine lange Nutzungsdauer an sich lässt sich nicht mehr automatisch als problematisch einstufen. Die Entwicklung von Online-Medienkompetenz wird damit wichtiger denn je. In dieser Hinsicht hat sich außerdem gezeigt, dass Kinder und Jugendliche, welche über gute Offline-Ressourcen und soziale Vorteile verfügen, auch die Fähigkeiten aufweisen, Technologien häufiger, breiter und kompetenter zu nutzen70. Das bedeutet, dass Kinder aus einem Haushalt mit höherem Bildungsgrad tendenziell auch über ein besseres Verständnis für neue Technologien und tendenziell höhere Medienkompetenzen verfügen. Zudem nutzen sie das Internet vergleichsweise intensiver als ihre AltersgenossInnen. Gleichzeitig könnten diese Kinder aber durch den höheren Nutzungsgrad und trotz ihrer sozio-ökonomischen Vorteilspalette mit mehr Risiken konfrontiert sein. Daher sollten Maßnahmen zur Prävention hier bereits sehr früh ansetzen. Eine kompetente Mediennutzung zu vermitteln sollte daher in der Jugendarbeit vor dem Einsatz von Schutzmaßnahmen wie beispielsweise einer beschränkten zeitlichen Internetnutzungsdauer Priorität haben.

3.4. Politische Bildung und Medienkompetenz
Von einer Berücksichtigung moderner Kommunikationstechnologien im Bereich der politischen Bildung können vor allem junge Menschen profitieren, für die die Nutzung Sozialer Medien bereits Selbstverständlichkeit ist. Elektronische Möglichkeiten zur Teilnahme am politischen Geschehen werden sich künftig weiter etablieren, ein grundsätzliches Verständnis sowie Fähigkeiten zu einem ange-

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vgl. Sonia Livingstone u. a., „Risks and safety on the internet: the perspective of European children: full findings and policy implications from the EU Kids Online survey of 9-16 year olds and their parents in 25 countries“ Monograph, 2011, zugegriffen April 25, 2013, http://www.eukidsonline.net/. 70 vgl. Ellen Helsper, „A corresponding fields model for the links between social and digital exclusion“, Communication theory 22, Nr. 4 (November 2012): 403–426.

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messenen Umgang damit müssen jedoch erlernt werden. Im Bereich politischer Bildung bedarf es somit einer gesonderten Berücksichtigung elektronischer Beteiligungsformate, um möglichst frühzeitig ein Bewusstsein für Chancen und Risiken dieser Instrumente zu wecken, um eine aktive und verantwortungsvolle Nutzung dieser Angebote zu gewährleisten. Dazu gehört, Technologien sowie deren mediale Inhalte eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend nutzen zu können, sowie selbst in der Medienwelt kreativ tätig werden zu können.71 Liest man in Fachzeitschriften und –publikationen nach, wird nicht mehr in Frage gestellt, dass das Internet und neue Medien eine wesentliche Rolle für Politik und Bildung spielen.72 Im Zuge dieser Entwicklungen ist daher auch eine kontinuierliche Adaption pädagogischer Strukturen und Prinzipien notwendig. Strategien für Online-Aktivitäten und digitale Kompetenzen, sowie Such- und SicherheitsStrategien in Themenbereichen wie dem Schutz persönlicher Daten bis hin zum Umgang mit Cybermobbing zu vermitteln, gehören zu einer zeitgerechten Schulbildung ebenso dazu, wie die Stärkung von Bewertungskompetenzen in Bezug auf Online-Inhalte. Bereits vorhandene Projekte, die sich der Vermittlung von Online-Inhalten und entsprechenden Internet-Strategien widmen (wie beispielsweise die im Auftrag der Europäischen Kommission umgesetzte Initiative zur Unterstützung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrenden für einen kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien www.saferinternet.at bzw. www.saferinternet.de), ließen sich zur Unterstützung in den Unterricht integrieren, was durch eine entsprechende Verankerung in die Curricula unterstützt werden kann. Livingstone et al. (2011) empfehlen in dieser Hinsicht, solche Strategien bereits in sehr jungem Alter (11 bis 12 Jahre) zu vermitteln. In diesen Kontext ließen sich auch Fragen rund um politische Nutzungsformen des Internets wie EPartizipations-Angebote oder auch das Erkunden von Möglichkeiten und Problemen rund um Open Government Data einbinden. Stellenweise wird sogar die These vertreten, dass politische Bildung als Schulfach bereits konzeptionell veraltet wäre bzw. durch elektronische Medien auch verdrängt worden sei73. Um ihre Aufgaben überhaupt noch erfüllen zu können, müsse politische Bildung das interaktive Potential der neuen Medien nutzen – gerade, weil diese Form der Auseinandersetzung aufgrund der steigenden Distanz zum politischen System wichtiger denn je geworden ist. Unabhängig von der Frage, in welche Bereiche des Schulwesens diese Inhalte einfließen sollten, ist eine zeitgemäße Form politischer Bildung in Kombination mit einer dementsprechenden Lernkultur anzustreben. Medienkompetenz ist dabei der politische Schlüsselbegriff, über den die Bedingungen, unter denen politische Inhalte generiert und verbreitet werden, kritisch hinterfragt werden können.

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Vgl. „Jugendbeteiligung und digitale Medien“ (Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, Abteilung Jugendpolitik (Sektion II, Abteilung 5), 2011), 6, zugegriffen April 25, 2013, http://www.sainetz.at/dokumente/Jugendbeteiligung_und_digitale_Medien_2011.pdf. 72 vgl. bspw. Thilo Harth, Das Internet als Herausforderung politischer Bildung (Wochenschau-Verlag, 2000), 82. 73 Moritz, Thomas (2002): Internet und politische Bildung. In: Medien und Politische Bildung, März 2002, S. 3436.

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4. Zusammenfassende Schlussfolgerung
Mit den neuen technischen Infrastrukturen werden traditionelle Formen der Organisation, Information und Kommunikation deutlich erweitert. Das hat direkte und indirekte Auswirkungen auf die Verwaltung, auf staatliche Institutionen und auf die Politik. Unter Berücksichtigung der veränderten Kommunikations- sowie Informationsgewohnheiten in der Gesellschaft werden die zunehmenden Forderungen seitens der BürgerInnen nach direktdemokratischen Elementen nachvollziehbar, sie lösen das grundsätzliche Spannungsverhältnis zur repräsentativen Demokratie allerdings nicht ohne weiteres auf. Politikwissenschaftlich betrachtet dem Themengebiet der Staats- und Verwaltungsmodernisierung zugehörig, ist der Einsatz neuer Technologien im Sinne von Open Government nicht auf erster Ebene effizienzsteigernd, es kann aber eine demokratiestärkende Wirkung entfaltet werden. Basierend auf den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen lässt sich das Wissen der BürgerInnen beispielsweise zur Qualitätssicherung nutzen. Damit lässt sich einerseits der Informations- und Wissensstand der Legislative im Verhältnis zur Exekutive stärken, andererseits lässt sich auf Seiten der Bevölkerung zu einem besseren Verständnis und dadurch zu einer höheren Akzeptanz von Rechtsnormen beitragen. Organisierte Bürgerbewegungen zeigen vermehrt Missstände auf, die andernfalls unbemerkt blieben. Eine genauere Prüfung nach Einspruch der Bevölkerung kann so zu einer neuen Entscheidung führen. Da es auch für ParlamentarierInnen schwierig sein kann, einen Überblick über alle Gesetze und deren Zusammenhänge zu behalten, steht gerade mit der Zivilgesellschaft eine Kontrollinstanz zur Verfügung, die gesellschaftlich nachteilige Zusammenhänge und Konsequenzen rechtlicher Beschlüsse aufzeigen kann. Medientechnologien werden zunehmend komplexer und intelligenter, während gleichzeitig das Bedürfnis der NutzerInnen nach intuitiver und einfacher Bedienbarkeit steigt. Um der Vereinnahmung neu geschaffener Schnittstellen zu Politik und Verwaltung für die Durchsetzung von Partikularinteressen vorzubeugen, gilt es durch niederschwellige Zugänge eine möglichst breite Teilnahme erreichen zu können.74 Dafür spielt sowohl die Veröffentlichung leicht verständlicher und umfassender Informationen eine Rolle, wie auch die Form der technischen Aufbereitung. Relevant sind in diesem Sinn sowohl eine technische Barrierefreiheit, das Vermeidung von Fachbegriffen und Fremdwörtern, als auch die Berücksichtigung von Fragen zu Usability und Informationsdesign. Plattformen ermöglichen darüberhinaus das einfache Archivieren von Inhalten, wodurch Prozesse an sich transparent gemacht werden können. Die stetige Entwicklung und zunehmende Souveränität im Umgang mit elektronisch gestützter Kommunikation legt nahe, dass Beteiligungsformate künftig nicht mehr ohne entsprechende OnlineBeteiligungsangebote sinnvoll zum Einsatz kommen können. Sobald Partizipation über moderne Kommunikationstechnologien erfolgt, ist Medienkompetenz und entsprechende Bildung notwendig. Dazu gehört nicht nur die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv zu nutzen, sondern auch, selbst in der Medienwelt kreativ tätig werden zu können.75 Eine gezielte Förderung dieser Fähigkeiten ist daher auf allen Ebenen notwendig.

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Vgl. Herzberg, Staatsmodernisierung durch Open Innovation. Vgl. „Jugendbeteiligung und digitale Medien“ (Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, Abteilung Jugendpolitik (Sektion II, Abteilung 5), 2011), 6, zugegriffen April 25, 2013, http://www.sainetz.at/dokumente/Jugendbeteiligung_und_digitale_Medien_2011.pdf.

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Eine professionelle Nutzung Sozialer Medien kann die klassische Öffentlichkeitsarbeit ergänzen, aber nicht ersetzen. Es lässt sich beobachten, dass Stellen, die sich auf diesen Bereich spezialisieren, vermehrt auch in staatlichen Institutionen eigens geschaffen werden, bzw. für Kommunikationsarbeit zuständige Personen gezielt diesbezügliche Expertise aufbauen. Um die Mittel Sozialer Medien in unterschiedlichen Organisationen erfolgreich nutzen zu können, gilt es, speziell dafür ausgerichtete Ressourcen zu schaffen und diese mit Kompetenzen und Know-How zu belegen. Community Management und Digitale Strategie sind zwei der wesentlichsten Rollen, die mit dem Aufbau eines digitalen Ökosystems (inklusive nötiger Soft- und Hardware-Architektur) betraut werden können. Internes Ziel sollte es daher sein, eine digitale Kultur zu etablieren, die organisationsübergreifende Schnittstellen schafft und in der Informationen regelmäßig und für die jeweilige digitale Plattform optimiert intern wie extern transparent publiziert werden.

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