www.bildungsstreik2009.

de
Bil dungsst r eik
15. bis 19. Juni 2009
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campus delicti
Nr. 294 30. April 2009
Im Juni schon was vor? – Bildungsstreik 2009 . . . 7
Konjunkturpaket mit Ecken und Kanten. . . . . . . 4
Wer hat Angst davor, eine Frau zu gewinnen . . .12

ı
Inhaltsverzeichnis
Editorial   3
Universitäres
Konjunkturpaket mit Ecken und Kanten 4
Kommentar  6
HoPo
Vollversammlung  7
Berliner Polizei schnitt Vollversammlung der FU mit 8
Podiumsdiskussion zur Kurdischen Frage 8
„Power-Point-Kurse für Kinder ab 4“ 10
Politik
Vor „Etikettenschwindel warnen“  1
Das Linke Zentrum „Hinterhof“ – der „Linke Angelpunkt in Düsseldorf“  13
Kultur
Wer hat Angst davor, eine Frau zu gewinnen?  15
„So you want to be a rock’n roll star“ 16
Leserbrief 14
Comic 17
Termine/Veranstaltungen 0
IMPRESSUM
AStA der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstrasse 1
40225 Düsseldorf
Tel: +49 (0)211/81-13172
E-Mail:
pressereferat@asta.uni-duesseldorf.de
pressereferat@gmx.de
Redaktion
Marc Cechura
Gudrun Hüther
Linda Kuhlen
Dagny Rößler
Freie Mitarbeit
Philipp Henn
Layout
Regina Mennicken
Titelbild
x
Druck
Tupper, Asten-Druckerei
Aufage
1500
V.i.S.d.P.
Christoph Sterz
ı
  3 Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Die Welt ist ungerecht Keine Frage – wenn man jeden Tag daran denkt, sorgt das nur 
für Kopfschmerzen und Depressionen Und dauerhaft mit herunterhängenden Mundwin-
keln durch die Gegend zu laufen, empfehlt sich ebenso wenig Doch trotzdem gibt es 
Menschen, die sich bewusst mit der Ungerechtigkeit beschäftigen – und das sogar be-
rufich Michael Hartmann und Julia Friedrichs machen so etwas – sie befassen sich mit 
Eliten Was die Beiden während ihrer Vorträge an unserer Uni erzählt haben, berichtet 
Dagny Rößler ab Seite 10
Eine gerechtere Welt im Sinn haben auch viele Menschen, die sich im Linken Zentrum 
Hinterhof rumtreiben Die Einrichtung bietet mehr als nur Kino und Kicker: In der Cornel-
iusstraße treffen sich verschiedene Gruppen, die sich für unterschiedlichste Dinge enga-
gieren Gudrun Hüther berichtet auf Seite 13, was im Linken Zentrum vor sich geht
Manche Musiker werden wissen, wie gemein und unfair das Leben ist: Da rackern sie 
sich Jahre lang ab, touren von Club zu Club – und schaffen es trotzdem nicht, wenigs-
tens ein bisschen berühmt zu werden Manchmal kommt es aber auch ganz anders So 
anders, dass die eigene Band sogar gleich zwei Ausstellungen bekommt Geschehen 
ist das mit Sonic Youth Was genau  im KIT (Kunst im Tunnel) zu sehen ist, verrät Linda 
Kuhlen auf Seite 16 
Nicht unbedingt fair behandelt fühlten sich manche Studierende, die bis vor Kurzem 
im Wohnheim auf dem Campus gewohnt haben Denn weil das Studentenwerk einen 
unverhofften Geldsegen für umfangreiche Renovierungsarbeiten erhalten hat, muss das 
Wohnheim komplett geräumt werden Marc Cechura hat mit betroffenen Studierenden 
gesprochen und beleuchtet die Hintergründe ab Seite 4 
Viel Spaß beim Lesen
Christoph Sterz
ViSdP
4 
ı
Universitäres
Dank  der  Finanzspritze  des  Landes 
NRW kann das Studentenwohnheim Uni-
versitätsstraße  1  modernisiert  werden 
– fraglich ist nur, wann
Dieser Tage kommt man in Deutschland
eigentlich gar nicht darum herum: Das
so genannte „Konjunkturprogramm II“
wird quer durch die Medien gereicht, an
den Stammtischen diskutiert man sich die
Köpfe darüber heiß. Heinz-Walter Pfeif-
fer war anfangs von dem Wirbel um das
staatliche Programm zur Ankurbelung
der Wirtschaft angetan. Er ist beim Stu-
dentenwerk Düsseldorf zuständig für die
Bereiche „Bau und Technik“ und „Studen-
tisches Wohnen“ und hat somit mehr und
direkter mit dem Konjunkturpaket zu tun
als die meisten, die darüber reden. Und
vielleicht sogar mehr als ihm selber lieb
ist. „Erst war ich ganz begeistert und dach-
te mir: Toll, jetzt gibt es ganz viel Geld, um
dringende Verbesserungen der Wohnan-
lagen schnell durchführen zu können!
Aber diese Euphorie hat inzwischen nicht
zuletzt wegen des Zeitdrucks und der Un-
gewissheit über die genauen Förderbe-
stimmungen nachgelassen.“
Mehr Attraktivität für Studienstand-
orte in NRW
Am 5. Februar veröffentlichte das Mi-
nisterium für Innovation, Wissenschaft,
Konjunkturpaket mit Ecken und Kanten
Forschung und Technologie in Nord-
rhein-Westfalen eine Pressemeldung,
die den Hochschulen, Unikliniken, Stu-
dentenwerken und Forschungseinrich-
tungen in NRW 464 Mio. Euro aus dem
besagten Konjunkturpaket II versprach.
Mit diesem Geld sollen die Bedingungen
für Studium und Forschung im Land
verbessert werden. Die zwölf Studenten-
werke bekommen von dieser stattlichen
Summe 120 Mio. Euro, ca. 15.2 Mio.
davon fießen an das Studentenwerk
Düsseldorf für die Sanierung von Stu-
dentenwohnheimen unter besonderer
Berücksichtigung der energetischen Sa-
nierung.
In der Meldung wird Günther Remmel,
Sprecher der Studentenwerke, wie folgt
zitiert: „Wir begrüßen diese Investitionen
auch mit Blick auf die zu erwartenden
steigenden Studierendenzahlen der kom-
menden Jahre sehr. Das sind Maßnah-
men, die ohne die Förderung nicht rea-
lisierbar wären und die längerfristig die
Attraktivität der nordrhein-westfälischen
Studienstandorte erhöhen.“
Die beliebteste Wohnanlage in
Düsseldorf
So sah das auch Pfeiffer, der schon ein
ganzes Bündel von baulichen Maßnah-
men parat hat, die mit der Finanzspritze
bezahlt werden sollen. Diese betreffen
die Wohnheimanlage Universitätsstra-
ße 1, die bei den Studierenden besonders
beliebt ist. Denn zum Einen gibt es dort
ausschließlich Einzelappartements, in
Düsseldorf die am meisten nachgefragte
Wohnform bei den Studierenden. Zudem
sind die direkte Campus-Lage und die
Nähe zur Mensa natürlich bequem und
praktisch. Dafür wird der optisch wenig
ansprechende Zustand des Gebäudes ger-
ne in Kauf genommen.
„Die Anlage ist geradezu prädesti-
niert dazu, sowohl hinsichtlich der
Wohnqualität und der Energieeffzienz
als auch hinsichtlich des Gesamtein-
druckes deutlich verbessert zu werden“,
fndet Pfeiffer, der mehr vor hat, als
nur die Fenster zu erneuern und den
Brandschutz auf den neuesten Stand zu
bringen. Ganz im Sinne des Konjunk-
turpaketes soll vor allem die energiewirt-
schaftliche Situation durch die Nutzung
von Solarenergie und Geothermie ver-
bessert werden. Zudem ist der Einbau
einer Anlage zur Grauwassernutzung
geplant, die das verbrauchte Wasser aus
Waschbecken und Duschen aufbereitet
und in die Toilettenspülung zurückführt.
Insgesamt soll eine moderne und freund-
liche Wohnanlage entstehen, in der man
gerne wohnt.
Fortschritt mit Hindernissen
Der zuständige Minister Andreas Pink-
wart (FDP) hatte in derselben Pressemel-
dung versprochen, „mit allen Partnern
die notwendigen weiteren Schritte ein-
zuleiten, um mit den ausgewählten Maß-
nahmen so schnell wie möglich begin-
nen zu können.“ Doch davon bekommt
man im Studentenwerk Düsseldorf
noch nicht viel mit. Die um Ostern her-
um erwarteten Bewilligungsbescheide
für die geplanten Maßnahmen liegen
noch immer nicht vor, verbindliche In-
formationen, wie genau das Geld ver-
wendet werden darf, wurden erst mit
Veröffentlichung der Förderrichtlinien
am 8. April vorgelegt. Darin wurde auch
die Frist für die Verwendung der Mittel
vom 31.12.2010 auf den 31.12.2011 ver-
längert. Sollten die über Fördermittel f-
nanzierten Maßnahmen bis dahin nicht
abgeschlossen sein, verfällt der Förderan-
spruch. Andererseits darf ohne Bewilli-
gungsbescheid nicht mit dem Umbau
begonnen werden.
Noch ist vom Umbau nichts zu sehen (Bild: Marc Cechura)
ı
  5 Universitäres
Schonfrist bis Ende April
Dennoch fanden die Mieter des
Komplexes am 19. Februar eine Kündi-
gung zum Semesterende am 31. März
in ihren Briefkästen. „Die Mieter waren
über die Kündigung natürlich nicht ge-
rade hoch erfreut, zeigten aber doch
überwiegend Verständnis für die Not-
wendigkeit“, erklärt Pfeiffer und weist
darauf hin, dass schon im Kündigungs-
schreiben Ausweichquartiere angeboten
worden seien.
Für die kurzfristige Kündigung, die viele
der Betroffenen zu einem ungünstigen
Zeitpunkt überraschte, führt Pfeiffer den
knappen Zeitrahmen für die Baumaßnah-
men an. Unter diesem Gesichtspunkt sei
eine Kündigung mietrechtlich zu diesem
Zeitpunkt erforderlich gewesen.
„Dass dieser Umzug eine Belastung für
die Studierenden ist, ist mir klar, aber wir
können diese umfangreiche Sanierung
nun einmal nicht in bewohntem Zustand
durchführen“, betont Pfeiffer und ergänzt:
„Es war auch damals schon klar, dass wir
nicht am 1. April würden anfangen kön-
nen, und wir haben kommuniziert, dass
die Mieter wohl noch bis Ende April blei-
ben können.“
Der AStA bietet Umzugshilfe an
Der AStA war einen Tag vor der Kündigung
über die Aktion informiert worden: „Man
hat uns erklärt, wieso diese Kündigung
notwendig geworden ist, aber ohne wei-
tere Hintergründe zu benennen“, erklärt
AStA-Vorsitzender Dennis Heckendorf.
„Alles in allem kann man dem Studen-
tenwerk in dieser Sache keinen Vorwurf
machen“, formuliert seine Stellvertreterin
Hannah Schade den Standpunkt des AStA.
„Immerhin kommen die Maßnahmen zur
Modernisierung der Wohnanlagen auch
den Studierenden zugute. Es wäre also
niemandem damit gedient, wenn das Stu-
dentenwerk dieses Geld nicht annehmen
würde.“
Für die Betroffenen bot der AStA Hilfe
beim Umzug an. Dass dieses Angebot nur
von vier Studierenden in Anspruch ge-
nommen wurde, könnte man als Zeichen
dafür sehen, dass es wenig Probleme mit
der Situation gab. „Wir hatten bei den
Umzugsaktionen eigentlich nicht den Ein-
druck, dass die Stimmung allzu schlecht
ist, auch wenn die Leute natürlich nicht
gerade begeistert waren“, erinnert sich
Dennis.
Wohnen wie im Asylantenheim?
Überhaupt nicht begeistert ist Abdelilah El
Hamdani. Er ist im AStA-Vorstand und im
Ausländerreferat tätig und fühlte sich von
der Kündigung seines Wohnheimplatzes
überrumpelt: „Durch die kurzfristige Kün-
digung hatte man sehr wenig Zeit, sich eine
neue Wohnung zu suchen. Vor allem wenn
man noch Prüfungen hatte oder Hausar-
beiten schreiben musste. Ich denke, viele
haben sich geradezu gezwungen gefühlt, in
die Ausweichquartiere zu ziehen, weil sie auf
dem privaten Wohnungsmarkt so schnell
nichts gefunden hätten. Ich habe selber fest-
gestellt, dass es schwierig für Studierende ist,
in Düsseldorf eine bezahlbare Wohnung zu
fnden, besonders als Ausländer.“
Heinz-Walter Pfeiffer nimmt diese Kritik
zur Kenntnis, rechtfertigt das Vorgehen
aber: „Mehr konnte ich in der Situation
einfach nicht tun, der nächstmögliche
Kündigungstermin wäre erst im Septem-
ber gewesen. Mit den Ausweichquartieren
haben wir sicher gestellt, dass niemand
auf der Straße landet und ansonsten wa-
ren ja nun sechs Wochen Zeit, eine neue
Wohnung zu suchen.“
Ausweichwohnraum steht zur
Verfügung
Dieser Ausweichwohnraum steht nun in
Form von Haus 14 an der Strümpellstraße 6
zur Verfügung, das bisher für die Studieren-
den des ERASMUS-Austauschprogramms
reserviert war. Diese waren zuletzt auf die
übrigen Wohnanlagen verteilt worden, um
eine bessere Integration der Austauschstudi-
erenden zu erreichen, so dass die Anlage ge-
rade leer stand. Es handelt sich dabei um ein
klassisches Wohnheim der alten Schule mit
Gemeinschaftsküchen und gemeinschaft-
lich genutzten Sanitären Anlagen. Um den
Studierenden den Umzug zu versüßen, ließ
man die Studentenzimmer nachträglich
mit einer Pantryküche ausstatten, um we-
nigstens einen Teil des gewohnten Komforts
bieten zu können. Diese Küchenzeilen wur-
den zum Teil aus den geräumten Wohnein-
heiten ausgebaut und dann neu montiert.
Daher verzögerte sich der Einzug in die neu-
en Zimmer zum Teil. „Das ist ein ziemlicher
logistischer Aufwand“, so Pfeiffer. Dennoch
ist er sich sicher, dass der Umzug ohne grö-
ßere Probleme über die Bühne gehen kann
und niemand auf der Straße steht.
Abdelilah El Hamdani hat sich das Haus
angesehen: „Das Gebäude sieht aus wie
ein Asylantenheim, man hat keine priva-
ten Sanitären Anlagen – Ich kann mir je-
denfalls nicht vorstellen, dort zu leben.“
Er hat inzwischen eine Wohnung auf dem
Privatmarkt gefunden.
Es ärgert ihn besonders, dass die Be-
wohner zu wenig in die Entscheidungen
einbezogen werden, dass es zu wenig Kom-
munikation zwischen Studentenwerk und
Studierenden gibt. Er will sich im AStA da-
für einsetzen, dass die Mieter mehr Einfuss
haben: „Man muss da natürlich auch Fehler
auf der eigenen Seite sehen, die Mieter müs-
sen sich selber mehr engagieren und für
ihre Rechte eintreten.“ Die Wohnheimtu-
toren, die genau dies langfristig in die Wege
leiten sollen, sind mit ihren Bemühungen
in den letzten Monaten noch nicht sehr
weit gekommen. Zwar sind die ehrenamt-
lichen Mitarbeiter motiviert und engagiert
bei der Sache, es sind aber noch zu wenige,
die in dem Programm mithelfen.
Höhere oder niedrigere Mieten?
Mittlerweile ist gut die Hälfte der betrof-
fenen Mieter aus der Universitätsstraße
In diesem Haus an der Strümpellstraße 
befndet sich das Übergangswohnheim (Bild: 
Studentenwerk)
Abdelilah El Hamdani vom AStA übt 
Kritik am Stdentenwerk (Bild: Dagny Rößler)
6 
ı
Universitäres
ausgezogen, die letzten Umzüge ins Haus
14 sollen bis zum 30. April erfolgen. Über
die Möglichkeit, dass jemand sich weigern
könnte seine Wohnung zu verlassen, will
er auch noch gar nicht nachdenken. „Ir-
gendwann muss für die Arbeiten Strom
und Wasser abgestellt werden. Wenn
dann noch jemand bleiben will, müssten
wir den natürlich rausklagen. Aber davon
gehe ich nicht aus.“ Die Mieter erhalten
noch einmal ein Schreiben des Studen-
tenwerks, in dem über den Fortgang der
Geschehnisse informiert wird. Für die
Ausweichquartiere zahlen die Mieter laut
Pfeiffer weniger als zuvor, da das Ersatz-
wohnheim nicht den gewohnten Stan-
dards entspricht. Dass einige Studierende,
die in einer anderen Wohnanlage unter-
gekommen sind, nun eine höhere Miete
bezahlen müssen, erklärt Pfeiffer damit,
dass die gekündigten Verträge sich unter
Umständen noch auf die alte Miete bezo-
gen haben. Die ist mittlerweile aber we-
gen steigender Betriebskosten angehoben
worden, so dass bei einem neuen Vertrags-
abschluss der aktuelle Mietpreis erhoben
wurde. „Ich werde prüfen, ob das so sein
muss“, verspricht Pfeiffer.
Alle Mieter, denen im Rahmen der
Maßnahme gekündigt wurde, haben nun
Vorzugsrecht auf die renovierten Woh-
nungen, sobald die Arbeiten abgeschlos-
sen sind. Ob und wie sich die Mietpreise
dann ändern werden, kann Pfeiffer noch
nicht sagen. Alle Leistungen, die durch
das Konjunkturpaket fnanziert werden,
würden bei der Neuberechnung keine
Rolle spielen, sollte die Renovierung aber
teilweise aus Mitteln der KfW-Bank mitf-
nanziert werden, müssten die anfallenden
Zinsen angerechnet werden. Andererseits
war eine Anpassung der Mietkosten we-
gen gestiegener Betriebskosten um ca. 20
Euro ohnehin erforderlich und geplant.
Wie sich die möglichen Einsparungen
durch die geplante Verbesserung der En-
ergieeffzienz auf die Mieten auswirken
werden, war anfangs noch unklar. Denn
mit Energie und Wasser wird das Studen-
tenwerk von der Universität versorgt. Die
berechnet die Kosten verbrauchsabhängig
über entsprechende Messeinrichtungen.
Inzwischen konnte Heinz-Walter Pfeiffer
das Thema mit dem zuständigen Dezernat
für Gebäudemanagement klären, die ent-
sprechenden Messeinrichtungen werden
– soweit noch nicht vorhanden – einge-
richtet, so dass die tatsächlichen Einspa-
rungen zukünftig von der Miete abgezo-
gen werden können.
Warten auf die Bewilligungsbe-
scheide
Wann die Bauarbeiten auf dem Campus
nun tatsächlich beginnen können, hängt
davon ab, wie schnell Ministerium und
Bezirksregierung die Anträge des Studen-
tenwerks bearbeiten. Diese werden zurzeit
fertig gestellt und diese Woche an die zu-
ständigen Stellen gehen. Ab dem 8. Mai
sollen die Möbel aus den Wohneinheiten
entfernt werden, der Baubeginn ist für den
1. Juni anvisiert.
Durch die Modernisierung der Wohn-
anlage Universitätsstraße 1 verändert
sich nicht nur der Standard der dortigen
Wohnanlage. Da im Erdgeschoss von Haus
17 auch mehrere Einzelappartements zu
rollstuhlgerechten Behinderten-Apparte-
ments zusammengelegt werden sollen, fal-
len dort auch einige Wohneinheiten weg.
Insgesamt sieht Pfeiffer die Wohnsituation
in Düsseldorf entspannt, von dringendem
Bedarf an zusätzlichem Wohnraum für
Studierende will er nichts bemerkt haben.
„Die Wartezeit für ein Wohnheimzimmer
in Düsseldorf liegt derzeit bei ca. einem
Semester“, versichert er; die Notfallschlaf-
räume, die das Studentenwerk zusammen
mit dem AStA der FH zum Semesterbeginn
anbietet, seien in den letzten Jahren kaum
in Anspruch genommen worden. Soweit
zukünftig Bedarf besteht, soll dieser vor-
nehmlich durch neue Wohnheime für
Studierende im Rahmen des Neubaus und
Umzugs der FH auf den neuen Campus in
Derendorf gedeckt werden. Marc Cechura
Kommentar
Wenn es vom Land Geld gibt, dass direkt oder indirekt den Studierenden zugute
kommt, dann ist das natürlich eine feine Sache. In diesem Fall würden in Düsseldorf
viele proftieren: Erst einmal die zukünftigen Mieterinnen und Mieter der betroffenen
Wohnanlage, die in eine moderne und wohnliche Unterkunft ziehen können, die
endlich zeitgemäße Ansprüche in Sachen Sicherheit, Energieeffzienz und Barriere-
freiheit erfüllt. Und dafür vielleicht sogar weniger Miete zahlen müssen, je nachdem,
wie die Energiesparmaßnahmen ins Gewicht fallen. Und wir alle gewinnen auch
durch den verringerten Verbrauch an Energie und Trinkwasser. Ob nun Düsseldorf als
Hochschulstandort allein durch diese Einzelmaßnahme wesentlich attraktiver wird,
sei dahin gestellt, schlimmer wird es jedenfalls nicht.
Also alles super? Keineswegs, denn das Konjunkturpaket hat hier eine Welle in Be-
wegung gesetzt, die bestehende Probleme aufzeigt, an denen man in Zukunft arbeiten
muss.
Dass die Kommunikation zwischen dem Studentenwerk als Vermieter einerseits,
und den Studierenden und dem AStA als deren Vertreter andererseits, besser sein
könnte, wird niemand bestreiten. Hier sind alle Parteien in der Pficht, die Situation
zum Nutzen aller zu Verbessern und aus den Fehlern zu lernen.
Kaum zu fassen ist aber, dass es ganze zwei Monate dauert, bis zum versprochenen
Finanzsegen die verbindlichen Förderrichtlinien vorliegen. Die Verantwortlichen
vor Ort wurden lange Zeit mit ihren Ideen und Plänen schlichtweg im Regen stehen
gelassen. Dass die Studierenden ebenfalls zwei Monate vor absehbarem Baubeginn
ihre Zimmer räumen mussten, ist die ärgerliche Folge dieser Fehlplanung.
Immerhin wurde nach der Verzögerung ein wenig nachgebessert: der Zeitrahmen
für die Investitionen wurde um ein Jahr verlängert. Das klingt viel, in dem verblei-
benden Zeitraum wäre eine umfassende Maßnahme wie die Sanierung des Düsseldor-
fer Wohnheims sonst aber gar nicht erst möglich gewesen.
Da kann man nur hoffen, dass die Anträge des Studentenwerks nun zügig und vor
allem mit positivem Ergebnis bearbeitet werden und wenigstens am geplanten Bau-
beginn festgehalten werden kann. Denn noch mehr Rummel um die Sanierung kann
auf dem Heine-Campus wohl niemand brauchen.
Was haben wir also daraus gelernt? An sich tolle Ideen können ganz schön stressen,
wenn die Ausführung im Sumpf der Bürokratie stecken bleibt. Hätte man sich vor
dem großen Presserummel um das ach so tolle Finanzpaket schon Gedanken darüber
gemacht, wie das Ganze denn eigentlich vonstatten gehen soll, hätte man den Betrof-
fenen eine Menge Ärger erspart. Marc Cechura
ı
  7 HoPo
Etwa  100  Studierende,  also  immerhin 
fast 1 % der Studierenden der Heinrich-
Heine-Universität,  kamen  am  Dienstag 
zur Vollversammlung in den Hörsaal 3A 
Der  wohl  wichtigste  Punkt  auf  der  Ta-
gesordnung war der für die Woche vom 
15 bis 19 Juni 009 geplante bundes-
weite Bildungsstreit 
Bildungsstreik: Aktionswoche im
Juni
Carlos Cota Castro (Piraten) vom Referat
für politische Bildung stellte das Konzept
des bundesweiten Bildungsstreiks im Juni
vor. Etwa 157 Organisationen in 40 Städ-
ten seien für diesen Streik bereits vernetzt.
Darunter ist auch die Gewerkschaft Erzie-
hung und Wissenschaft, neben vielen AS-
ten und Schülervertretungen. Laut Carlos
Cota Castro geht es vor allem darum, das
Thema Bildung und die konkreten Forde-
rungen langfristig, aber auch kurzfristig
in Hinblick auf die Bundestagswahl, in die
gesellschaftliche Diskussion einzubrin-
gen.
Am Mittwoch, den 17.Juni, sollen in
Nordrhein-Westfalen dezentrale Demons-
trationen stattfnden. Unter dem Motto
„Düsseldorf lahmlegen“ ist am Samstag,
den 20. Juni, eine zentrale Aktion in Düs-
seldorf geplant. Die Veranstalter hoffen,
dass sich zahlreiche Schüler und Studie-
rende an den Aktionen beteiligen, um
gemeinsam ein deutliches Zeichen zu
setzen. Im Vorfeld der Aktionswoche sind
Informationsveranstaltungen an der Uni
geplant, und auch bunte Protest-T-Shirts
wird es geben. Wer Informationen sucht
oder mitplanen will, der wird unter http://
www.bildungsstreik2009.de/ fündig.
An diese Präsentation knüpfte sich eine
Diskussion unter den anwesenden Studie-
renden an, besonders darüber, dass der
AStA den Bildungsstreik mit einer Summe
von etwa 5000 Euro mitfnanzieren will.
Aber auch die Frage nach der Möglichkeit
der Finanzierung der Forderungen wurde
kontrovers und lebhaft diskutiert.
Noch am selben Tag bewillgte das Stu-
dierendenparlament den Finanzantrag
des AStA-Vorstands von bis zu 5000 Euro
für den Bildungsstreik. Zusätzlich darf
der AStA bei der Bestellung von T-Shirts
AStA-Vollversammlung
für den Bildungsstreik bis zu 5000 Euro in
Vorleistung treten. Nur die Liberale Hoch-
schulgruppe stimmte dagegen.
Bericht über die Arbeit der studen-
tischen Senatoren
Der studentische Senator Malte Kohn
(Fachschaftenliste) berichtete von den
letzten beiden Senatssitzungen und er-
klärte, was die studentischen Senatoren
für die nächste Senatssitzung am 12. Mai
geplant haben. In der Sitzung im ver-
gangenen November brachten die stu-
dentischen Senatoren Anträge zur voll-
ständigen oder teilweisen Abschaffung
der Studiengebühren ein, die jedoch ab-
gelehnt wurden. Angenommen wurde
aber ein Antrag, nach dem studierende
Eltern von den Studiengebühren be-
freit werden. Für die kommende Sitzung
planen die Senatoren einen Antrag zur
Gebührenbefreiung von Studierenden
in Abschluss- oder Prüfungssemestern.
Außerdem wollen sie die Situation von
nicht-darlehensberechtigten Studieren-
den prüfen lassen und Überlegungen
vorantreiben, dass Stipendienangebot an
der HHU auszuweiten. Er könne sich zum
Beispiel Stipendien für Leute vorstellen,
die sich für ein Studium entscheiden,
obwohl sie bereits einen Beruf ausüben
könnten und damit auf ihr sicheres Ge-
halt verzichten, so Malte Kohns. Im An-
schluss an seinen Vortrag kam es zu einer
teilweise sehr hitzigen Diskussion über
die Frage, ob Bildung oder Ausbildung
eine Ware oder Dienstleistung sei, die be-
zahlt werden müsse, oder Bildung doch
ein Grundrecht sei, welches frei und kos-
tenlos zugängig sein sollte. Malte Kohns
machte darauf aufmerksam, dass es die
Möglichkeit gibt, sich an ein Prüfungs-
gremium für die Lehr- und Studienorga-
nisation zu wenden, falls man aus orga-
nisatorischen Gründen - wie den Ausfall
von Lehrveranstaltungen - sein Studium
verlängern muss. In solchen Fällen kann
man die Studiengebühren für die zusätz-
lichen Semester erstattet kriegen, was in
knapp 40 Fällen auch schon geschehen
sei. Hier der Link zu weiteren Informati-
onen über das Prüfungsgremium. http://
www.uni-duesseldorf.de/home/Studi-
um/stud_beitraege/Pruefungsgremium
Studentische Mitwirkung bei
Akkreditierungsverfahren möglich
Johanna Thünker sprach über die studen-
tischen Mitgestaltungsmöglichkeiten bei
den Akkreditierungsverfahren der Ba-
chelor- und Masterstudiengänge durch.
Sie erklärte zunächst den Ablauf der Ak-
kreditierungsverfahren. Der sogenannte
Akkreditierungsrat der Bundeskultusmi-
nisterkonferenz und der Bundesrekto-
renkonferenz beauftragt private Akkredi-
Carlos Cota Castro stellt das Konzept 
des Bildungsstreiks vor (Bild: Philipp Henn)
8 
ı
HoPo
tierungsagenturen mit der Begutachtung
einzelner Studiengänge. Diese entsenden
dann sogenannte peer groups, welche
die Begutachtung vornehmen. In die-
sen Agenturen und peer groups können
auch Studierende mitwirken. Dafür gibt
es einen studentischen Akkreditierungs-
pool, welcher Mitglieder entsenden darf.
Informationen dazu gibt es unter http://
www.studentischer-pool.de/.
Die Arbeit des AStA-Vorstandes
Der zweite stellvertretende AStA-Vorsitzen-
de André Moser (FSL) beleuchtete die Arbeit
des AStA-Vorstands der letzten Wochen
und Monate. Der AStA habe einigen Studie-
renden des Wohnheimes Universitätsstr. 1
beim Umzug geholfen, nachdem diesen we-
gen Umbaumaßnahmen kurzfristig gekün-
digt worden sei. Mit dem Rektorat habe man
eine Verlängerung der Rückmeldefristen für
das neue Semester ausgehandelt. Aufgrund
der Fülle der Anträge wurde die Babybeihilfe
um die Hälfte auf 200 Euro gesenkt. Dies lie-
ge daran, dass der gemeinsame Finanztopf
von Studentenwerk und AStA ausgeschöpft
ist. Der AStA-Vorstand wird für Fragen und
Gespräche immer dienstags in der Mittag-
pause mit einem Stand auf dem Campus zur
Verfügung stehen. Philipp Henn
Der studentische Verband aus Kurdis-
tan XYK Düsseldorf veranstaltete in der
vergangenen Woche einen kurdischen
Länderabend. Am Vortag fand eine Po-
diumsdiskussion zur Kurdischen Frage
statt. Die Referenten Reimar Heider von
der Internationalen Initiative – Freiheit
für Abdullah Öcalan – Frieden in Kur-
distan, Gülbahar Aslan, die für die kur-
dische Frauenbewegung sprach und der
Publizist Mehmet Sahin beleuchteten
Aspekte, Positionen und Perspektive der
kurdischen Freiheitsbewegung. In der
Türkei würden etwa 15 bis 20 Millionen
Kurden und deren Kultur weitgehend
ignoriert. Im kemalistischen National-
konzept setzte sich das Modell der Staats-
nation durch. Sahin unterstrich, dass der
türkische Staat auf der Grundlage „ eine
Sprache, eine Nation, ein Land und eine
Religion“ gegründet worden ist. Kurdisch
darf bis heute nicht an türkischen Schu-
len unterrichtet werden.
Politische Entwicklungen
Am 29. März 2009 fanden in der Türkei
Kommunalwahlen statt. Sahin betonte,
dass beide Völker nicht gleich behandelt
werden, da die kurdischen Parteien kein
Geld für den Wahlkampf erhielten. In
den Provinzen der Region Kurdistan stellt
die Partei der Demokratischen Gesell-
schaft (DTP) laut Zeitungsberichten nun
88 Bürgermeister-, Stadt- und Gemeinde-
ratsposten (gegenüber 58 bei den letzten
Kommunalwahlen). In der Metropole
Diyarbakir gewann die kurdische DTP
zwei Drittel der Stimmen. Die sozialde-
mokratische DTP macht sich für die nati-
onale Anerkennung der Kurden und eine
friedliche Lösung der Kurdenfrage stark.
Im Vorfeld der Wahlen bemühte sich
der türkische Ministerpräsident Erdogan
von der AKP nach Medienberichten mit
Podiumsdiskussion zur Kurdischen Frage
Laut einer Presseerklärung des AStA der
FU Berlin beschlossen über 400 Stu-
dierende bei einer studentischen Voll-
versammlung die Teilnahme am bun-
desweiten „Bildungsstreik 2009“. Aus
Polizeikreisen wurde bekannt, dass die
Berliner Polizei schnitt Vollversammlung der FU mit
Vollversammlung zu Überwachungs-
zwecken aufgenommen wurde. In der
geplanten Aktionswoche im Juni wollen
die Studierenden gegen den Bologna-
Prozess und den damit verlorenen Frei-
heiten ein Zeichen setzen. Noch im
Hörsaal bildeten sich Arbeitsgruppen zu
Themen wie Inhalt und Ausgestaltung,
zivilem Ungehorsam, Antirepressionsar-
beit, Mobilisierung und Kommunikati-
onsguerilla.
Dagny Rößler
von links: Mehmet Sahin, ein Student von XYK, Gülbahar 
Aslan, Reimar Heider  (Bild: Dagny Rößler)
ı
  9 HoPo
Abdullah Öcalan und die kurdische Frage
Ab August 1984 begann eine marxistische Gruppe, die „Kurdische Arbeiterpartei” (Partiya Karkeren Kurdistan,
PKK), unter ihrem Führer Abdullah Öcalan mit einem bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat, der terro-
ristische Aktivitäten einschloss. Ziele der 1978 gegründeten Organisation waren die Abschaffung der feudalen Ver-
hältnisse in Kurdistan und die Gründung einer unabhängigen sozialistischen Kurdenrepublik mit der Hauptstadt
Diyarbakır. (…)
Seit 1993 hatte Abdullah Öcalan den Kurs der PKK geändert. Sie vertrat nicht mehr die Errichtung eines unabhän-
gigen kurdischen Staates als Lösung der Kurdenfrage in der Türkei. Vielmehr forderte Öcalan mit wachsendem
Nachdruck demokratische Bedingungen, die es gestatteten, eine kurdische Identität im privaten und öffentlichen
Leben der Türkei zum Ausdruck zu bringen. Dieses Bestreben einer Lösung der kurdischen Frage im Rahmen des
türkischen Staates teilt die weit überwiegende Mehrheit der Kurden. (…)
Öcalan machte nach seiner Verhaftung seinen zunächst noch ungebrochenen Einfuss auf die PKK geltend, um
die Kämpfer zur Niederlegung der Waffen und zur Annahme einer Friedensstrategie zu bewegen. Mit erstaunlicher
Disziplin ist die Organisation Öcalan darin gefolgt, wiederholt hat seither die Führung den Kurs einer friedlichen
Verständigung bestätigt. Allerdings bleibt bislang unklar, ob sich die türkische Staatselite auf die historische Aufga-
be einlässt, die Kurdenfrage politisch zu lösen. Die Signale sind widersprüchlich. (…)
Die kurdische Frage hat die türkische Gesellschaft zutiefst vergiftet und gespalten. Die Einsicht, dass der Konfikt
eine Gefahr für die Stabilität des Landes darstellt, die wirtschaftliche Entwicklung behindert und die Türkei zu iso-
lieren droht, ist weit verbreitet. Nicht nur Menschenrechtsgruppen mahnen eine politische Lösung an. Auch aus
Teilen der türkischen Wirtschaft und der türkischen Presse kommt Kritik. Sie fordern eine politische Lösung durch
eine radikale Demokratisierung von Staat und Gesellschaft.
(Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung: Informationen zur politischen Bildung, Heft 277)
Wahlgeschenken um die Wählergunst
der kurdischen Bevölkerung. Erdogan
sorgte für Diskussionsstoff, als er in einer
Wahlkampfveranstaltung wenige Sät-
ze auf Kurdisch sprach. Der Vorsitzende
der kurdischen DTP Ahmet Türk fragte:
„Wenn ein staatliches Fernsehprogramm
in Kurdisch sendet und Ministerpräsi-
dent Erdogan bei seinen Wahlauftritten
im Südosten des Landes kurdische Sätze
sagt, warum dürfen wir nicht Kurdisch
reden?“. Zuvor war es im Parlament zu
einem Eklat gekommen, nachdem Türk
begonnen hatte, eine Rede in seiner Mut-
tersprache zu halten.
Rolle der Frauen in der kurdischen
Bewegung
Gülbahar Aslan sprach für die kurdische
Frauenbewegung. 1987 waren die ersten
Frauen in der PKK aktiv. Kurdistan wur-
de weitgehend von feudalen Strukturen
geprägt, Frauen an den Rand der Gesell-
schaft gedrängt. Weiblichkeit gelte als
Schwäche. Die Befreiung der Frau nähme
daher eine zentrale strategische Rolle im
demokratischen Freiheitskampf Kurdis-
tans ein. 1995 wurde eine Frauenarmee
gegründet. Die Frauen wollten bei der Ge-
sellschaftsgestaltung in Kurdistan aktiv
mit arbeiten. Sie setzten sich für die Alter-
native einer horizontalen Organisations-
form der PKK ein. Die DTP besitzt eine Ge-
schlechterquote von 40 Prozent. Bei der
letzten Kommunalwahl im Mai, wurden
14 Frauen von der DTP in die Stadträte ge-
wählt.
Kultur
In den 1980er Jahren verzeichnete
Deutschland große Migrationswellen der
kurdischen Bevölkerung, nachdem Dör-
fer in Bergen von türkischen Sicherheits-
kräften zerstört wurden. Im Moment
leben in Deutschland etwa 500.000 bis
800.000 Kurden. So entstanden hier
zahlreiche kurdische Kulturvereine.
Vom Osten der Türkei zog ein Großteil
der kurdischen Bevölkerung in türkische
Großstädte wie Istanbul und Ankara. In
der Türkei gibt es kurdische Fernsehsen-
der und kurdische Tageszeitungen. Den-
noch darf in den Schulen kein Kurdisch
gelehrt werden.
Hintergrund der Veranstaltung
Der studentische Verband aus Kurdistan,
Yekitiya Xwendevanen Kurdistan (kurz
XYK), der im Verfassungsschutzbericht
2008 aufgelistet wird, sorgte in einer Sit-
zung des Studierendenparlaments kurz
vor Weihnachten für eine Diskussion. Der
Verband fühlte sich vom AStA-Vorstand
diskriminiert. Es fel auf, dass die Parla-
mentarier wenig über die Kurdenproble-
matik wussten. Im Anschluss wurde ein
Finanzantrag über 600 Euro für einen kur-
dischen Länderabend verabschiedet. Im
Antrag wurde festgehalten, dass auch eine
Podiumsdiskussion stattfnden müsse,
um sich kritisch mit der kurdischen Frage
auseinander zu setzen. Dagny Rößler
10 
ı
HoPo
Der  Fachschaftsrat  Sozialwissen-
schaften  begrüßte  am  vergangenen 
Montag  Julia  Friedrichs,  Autorin  des 
Bestsellers „Gestatten: Elite“ im Rahmen 
der  selbst  organisierten  Ringvorlesung 
zur Elitenforschung Julia Friedrichs be-
leuchtete  genauer  die  Privatschulen  in 
Deutschland  In  der  Woche  zuvor,  war 
Deutschlands  bekanntester  Elitenfor-
scher Prof Michael Hartmann zu Gast
Julia Friedrich hat die Chance ihres Le-
bens. Sie verbringt einige Tage in einem
Fünfsternehotel in Griechenland. Zusam-
men mit 120 Studierenden aus ganz Euro-
pa durchläuft sie ein Assessment-Center,
hört täglich den Satz „Du kannst zur Elite
gehören!“ Sie setzt sich im Bewerbungs-
verfahren der Unternehmensberatung Mc
Kinsey gegen zahlreiche Konkurrenten
durch. Es winken 70.000 Euro Einstiegs-
gehalt. Mc Kinsey gilt als Katalysator, um
früh wichtige Entscheidungen zu treffen
können.
Ringvorlesung Eliteforschung
„Power-Point-Kurse für Kinder ab 4“
„Faszinierend und abstoßend
zugleich.“
Doch sie lehnt das Angebot ab. Zwei Wo-
chen noch begleitet sie das seltsame Ge-
fühl dazu zu gehören. Es sei faszinierend
und abstoßend zugleich. Sie beschreibt
Elite als ein Werbelabel, mit dem man
sich gerne schmückt. In einer Feldstudie
versucht sie mehr über die Gesellschaftse-
lite zu erfahren. Sie besucht Privatschulen
in ganz Deutschland, kommt mit Schul-
leitern, Lehrern, Eltern, Studierenden,
Schülern und Kleinkindern ins Gespräch.
Die Erfahrungen ihrer Begegnungen gibt
sie in „Gestatten Elite“ wieder.
Das Netzwerk hält und hilft
Wer private Hochschulen wie die Eu-
ropean Business School bei Wiesbaden
besucht, müsse zwischen 60 und 70
Stunden in der Woche arbeiten. Die Stu-
dierenden selbst beschreiben ihr Leben
dadurch als „intensiver“. Wer deutlich
weniger arbeite, gelte in ihren Kreisen
als „Minderleister“. In Eliteinternaten
wie Schloss Neubeuern, vielen aus dem
Film Crazy bekannt, kann man sogar
vom Probewohnen Gebrauch machen.
Für ungefähr 30.000 Euro im Jahr soll-
te man sich schon wohlfühlen. Hier sei
man nicht mehr so „zeugnisgläubig“,
denn das Netzwerk der Ehemaligen hält
und hilft später bei der Vermittlung von
Kontakten zu attraktiven Praktika und
Jobangeboten.
„Lebensstrategien“ für Dreijährige
Wir seien spät dran, was den Ausbau
von privaten Bildungseinrichtungen
für Kleinkinder in Deutschland betrifft.
Diese Entwicklung geht gerade erst los
und fängt bei den Zwei- bis Dreijährigen
an. Für fast 1000 Euro im Monat erlernen
„Fast Track Kids“ Englisch gleichzeitig
mit dem Zähneputzen. Dreijährigen
wird beispielsweise das Unterrichtsfach
„Lebensstrategien“ angeboten. Mit fünf
Jahren erst Englisch zu lernen, wäre zu
spät, da lernen andere schon Mandarin.
Elitenbildung als gesellschaftliches
Problem
Sie sieht in der Elitenbildung drei Pro-
bleme. Das Prinzip der Gerechtigkeit wür-
de verletzt, da nicht alle Zugang zu diesen
Ausbildungsbedingungen haben. Talent
ginge außen vor. Es zähle, das Schulgeld
bezahlen zu können, Kontakte zu haben.
Die Haftung ginge verloren, da man sich
in einer künstlichen Welt bewegt. Ein
Schüler meinte zu ihr, seine Eltern gehö-
ren zur Mittelschicht. Sie fragte: „Deine
Eltern kriegen doch nicht Hartz vier?“ Er
entgegnete ihr: “Noch nicht. Mein Vater
ist Arzt.“
Von der gemeinnützigen Träger-
schaft zur Aktiengesellschaft
Privatschulen sind gemeinnützige Trä-
gerschaften, das heißt, sie erzielen keinen
Gewinn. Das Schulgeld von 10.000 Euro
im Jahr fießt nur in den Unterricht. In
Berlin entstanden aber schon die ersten
zwei privaten Grundschulen als Aktienge-
meinschaft.
Julia Friedrichs selbst hat in Dortmund 
Journalistik studiert, danach volontierte 
sie beim WDR Es wäre ihr Chef gewesen, 
der sich dafür interessiert habe, wie das 
Bewerbungsverfahren bei Mc Kinsey funkti-
oniert Zu Recherchezwecken durchlief sie 
das Assessment-Center der Strategie- und 
Unternehmensberatung
ı
  11 HoPo
Elite als Renner
In  der  Woche  zuvor  gelang  es  dem 
Fachschaftsrat  Sozialwissenschaften 
Deutschlands  bekanntesten  Elitenfor-
scher Professor Michael Hartmann von 
der TU Darmstadt zu engagieren Elite 
sei derzeit ein Renner, das sehe man an 
der Vielzahl seiner Einladungen
Deutschland im internationalen
Vergleich
Deutschland nahm im internationalen
Vergleich bislang eine Sonderrolle ein, da
es über keine Elitebildungsinstitutionen
verfügte. Ein Kennzeichen Deutschlands
war es, dass die politischen Eliten sozial
sehr offen waren. In der derzeitigen Re-
gierung, zeichne sich aber ein Traditions-
bruch ab, Nachnamen wie de Maizière,
zu Guttenberg und von der Leyen deuten
auf einen neuen Trend hin. Zuvor galt
für den politischen Aufstieg in Deutsch-
land die Metapher der „Ochsentour“. In
letzter Zeit gelangen mehr Quereinstei-
ger wie zu Guttenberg auf die politische
Bühne. Deutschland sei das Land, in
dem die Einkommenskluft in den letzten
Jahren am schnellsten auseinanderklafft.
Frankreich, Großbritannien, die Vereini-
gten Staaten und Japan hingegen verfü-
gen über explizite Elitebildungsinstitu-
tionen. So kann es in Frankreich schon
sein, dass die Absolventen einer Grande
école sich später im Kabinett wieder tref-
fen. „ Die Eliten kennen sich dort seit der
Schulzeit“
Prof Michael Hartmann im Gespräch mit dem 
Hochschulradio (Bilder: Dagny Rößler)
„Hey, ich bin einer von euch!“
Um Elite zu werden, reiche es nicht, gut zu
sein. Entscheidend sei der gleiche Habi-
tus, die Ausstrahlung: „Hey, ich bin einer
von euch!“ Auch die Studienstiftungen
begünstigten die soziale Durchlässigkeit
nicht. 55 Prozent der Stipendiaten erhiel-
ten nur Büchergeld, da das Einkommen
der Eltern angerechnet wird.
Wohin führt die Exzellenzinitiative?
In 20 Jahren dürfte es in Deutschland
so ähnlich aussehen wie bei den großen
Vier. Grund sei die Einführung der Exzel-
lenzinitiative. Denn dabei ginge es nur
ums Aussieben. Der Titel der Graduier-
tenschule sei nur ein kleiner Trostpreis.
Hartmann kritisierte auch die Dritt-
mittelförderung. Diese vermindere die
Leistungsfähigkeit. Im Vergleich habe
Nordrhein-Westfalen immer mehr Studi-
enplätze als Baden-Württemberg gehabt,
das das Land mit den meisten Exzellen-
zunis ist und sich dadurch einen Vorteil
verschafft. Baden-Württemberg würde
Absolventen lieber aus anderen Bundes-
ländern anwerben.
Dagny Rößler
Weitere Termine der Ringvorlesung des Fachschaftsrats Sozialwissenschaften
„Machtgeier, Heuschrecken, Raubtierkapitalisten“ – Ein Blick auf Deutschlands ungeliebte Elite:
6 Mai, 18 Uhr   Prof Doris Krumpholz, FH Düsseldorf
      Frauen in Führungspositionen
1 Mai, 16 Uhr   Prof Klaus Urban, Universität Hannover 
Bildungselite
0 Mai, 18 Uhr   Prof Ursula Hoffman-Lange, Universität Bamberg 
Vergleichende Einstellungsforschung
8 Juni, 18 Uhr   Prof Paul Windolf, Universität Trier 
Internationale Finanzelite
Weitere Informationen auf der Internetseite des Fachschaftsrats Sozialwissenschaften
wwwphil-fakuni-duesseldorfde/fachschaften/fssoz
1 
ı
Politik
Mit der neuen Vortragsreihe „Braunschat-
tierungen“ wollen das Antifa-Referat und 
das  Referat  für  Politische  Bildung  der 
Heinrich-Heine-Universität  Düsseldorf 
Studierende auf die Problematik des ver-
steckten Rechtsextremismus in Deutsch-
land aufmerksam machen 
„Es geht darum, die Studierenden zu
sensibilisieren“, sagt Max vom Referat
für politische Bildung. So soll verhin-
dert werden, dass Studierende „in den
Sumpf“ von Organisationen wie der
„Bürgerrechtsbewegung Solidarität“
(auch „BüSo“ genannt) überhaupt erst
hineingezogen werden, erklärt Max. Die
Partei kandidiert in Nordrhein-Westfalen
bei Wahlen. Seit zwei Jahren betreibe sie
in der Universitätsbibliothek in regelmä-
ßigen Abständen einen Werbestand. Bei
den Verantwortlichen des Antifa-Referats
und des Referats für politische Bildung
entstand die Idee, Studierenden in einer
Vortragsreihe über „BüSo“ und weitere
verdeckte Formen des Rechtsextremis-
mus in Deutschland zu informieren. Am
22. April fand die Auftaktveranstaltung
der Veranstaltungsreihe statt. Es referierte
Jörg Kronauer. Er ist freier Journalist und
Sozialwissenschaftler und beschäftigt
sich in seiner Arbeit mit unterschied-
lichen Formen des Faschismus in der Ge-
sellschaft.
Ein internationales Netzwerk
Die Partei „Bürgerrechtsbewegung Solida-
rität“, berichtet Kronauer, gehört zu dem
internationalen Netzwerk der so genann-
ten „LaRouche-Organisationen, die An-
fang der 1970er Jahre von dem US-Ame-
rikaner Lyndon LaRouche (85) ins Leben
gerufen wurden. Begonnen habe alles mit
der Gründung des „International Caucus
of Labor Committees“ in den USA. Doch
LaRouche wollte seine politischen Vor-
stellungen nicht nur in den Vereinigten
Staaten verbreiten. So gründete er bereits
1974 die Europäische Arbeiterpartei. Diese
bestand bis 1986. Im selben Jahr entstand
in Deutschland die Partei „Patrioten für
Deutschland“, die sich 1992 in „Bürger-
rechtsbewegung Solidarität“ umbenann-
te. Vorsitzende ist seit der Gründung der
Partei 1992 Helga Zepp-LaRouche (60). Sie
ist die Ehefrau des US-Amerikaners.
Vor „Etikettenschwindel warnen“
Die Ideologie
„Das zentrale Element“ in der Programma-
tik der Partei ist die Krise, sagt Kronauer.
Zur Erläuterung präsentiert er Beispiele aus
dem Parteiprogramm. Dort heißt es unter
anderem: „Die Welt befndet sich heute (…)
in der tiefsten wirtschaftlichen und mo-
ralischen Krise seit Mitte des 14. Jahrhun-
derts.“ Angesichts des Holocausts sei diese
Aussage „bedenklich“, so der Experte. Auch
die „völkische Analyse“ der Krise, demnach
das Judentum maßgeblich an der Krise
schuld sei, sieht Kronauer als problema-
tisch an. Hier gäbe es eine „offene Flanke“
im Parteiprogramm, da sich LaRouche mit
dieser Aussage nicht eindeutig vom Antise-
mitismus abgrenzt. Als Gegenmodell und
Weg aus der Krise, empfehlt LaRouche,
sich auf Blütephasen in der Geschichte zu
besinnen. Im Parteiprogramm ist diese Idee
unter dem Begriff „Renaissance“ zu fnden.
Ein „Neues Bretton Woods“
LaRouche macht den Vorschlag, ein „Neu-
es Bretton Woods“-System, das heißt, ein
auf festen Wechselkursen basierendes Welt-
fnanzsystem zu gründen. Das Konzept der
„Reindustrialisierung“ vervollständigt La-
Rouches Krisenbewältigungs-plan. Im Zuge
dessen soll Berlin „als Drehkreuz für die
Entwicklung Eurasiens über die nächsten
50 Jahre eine Schlüsselrolle“ zukommen.
Von dort aus soll die so genannte „Eura-
sische Landbrücke“ entstehen: Dahinter
steckt die Idee, Europa mittels Transrapid-
Technik direkt mit Asien zu verbinden. An
dieser Stelle wies Kronauer darauf hin, dass
in der Programmatik der Partei ein Gegen-
satz zwischen „schaffendem“ und „raffen-
dem Kapital“ aufgebaut wird. Die Industrie
wird dabei grundsätzlich positiv, die Fi-
nanzwirtschaft negativ bewertet.
„Es gibt Anknüpfungspunkte zu
sozialliberalen Ansichten“
Diese Sichtweise sieht der Journalist als
durchaus kompatibel mit herrschenden
sozialliberalen Positionen an. Auch an an-
derer Stelle macht sich die „Bürgerrechts-
bewegung Solidarität“ Kronauer zufolge
anschlussfähig für andere politische Stand-
punkte. Er nennt als Beispiel die Militärpo-
litik der Partei. Militärische Einsätze sähe
die Vereinigung nämlich äußerst kritisch.
Dies mache sie vor allem für Anhänger der
Friedenspolitik interessant. Demgegenüber
steht der „Freund-Feind-Dualismus“ der
Partei, die die Welt eindeutig in Gut und
Böse unterteilt.
„Judaism is not a true religion“
Wer nach Ansicht der Partei böse ist, zeigt
unter anderem folgende Aussage von Hel-
ga Zepp-LaRouche: „Judaism is not a true
religion, but only a half-religion, a curious
appendage and sub-species of Christiani-
ty.“ An anderer Stelle spricht sie, Kronauer
zufolge, vom „scheinheiligen Holocaust-
Schwindel.“ Lyndon LaRouche selbst
bezeichnet der Experte als „fanatischen
Britenhasser“, der sich vom britischen Ge-
heimdienst verfolgt und London als Zen-
trum des „raffenden Kapitals“ ansieht.
„Gefährlich ist zumindest der
Berührungspunkt zum Antisemitis-
mus“
Am Ende seines Vortrags fasst Jörg Kronauer
noch einmal die seiner Meinung kritischen
Punkte bezüglich der „Bürgerrechtsbewe-
gung Solidarität“ zusammen. Für den Jour-
nalisten ist der „Faschismusvorwurf nicht
gerechtfertigt“, der des Antisemitismus
sieht Kronauer aber durchaus bestätigt. Die
Strukturen innerhalb der Organisation be-
wertete der Journalist sehr kritisch. Ausstei-
gerberichte hätten gezeigt, dass innerhalb
der Partei ein „immenser sozialer Druck“
auf die Mitglieder ausgeübt werde. Kro-
nauer zitiert hierzu einen Aussteiger, der
davon berichtet, ihm sei gesagt worden, die
„BüSo“ sei kein „Beiboot“. Die Partei müsse
im Zentrum jeglichen Handels stehen. Die-
se Struktur verleihe der Partei laut Kronauer
„sektenhafte Züge“.
Die Vortragsreihe im Überblick:
06. Mai: Verbindungen und Burschen-
schaften (Referent: Jörg Kronauer)
13. Mai: Totalitarismus & Extremismus-
forschung (Referent: Jörg Kronauer)
03. Juni: Türkischer Rechtsextremismus
in der BRD (Referent: Kemal Bozay)
09. Juni: Junge Freiheit: Abkehr von der
Neuen Rechten
Beginn ist immer um 18:30 Uhr im Hör-
saal 3B.
Gudrun Hüther
ı
  13 Politik
Es herrscht eine gemütliche, wohlige
Atmosphäre in den Räumen des „Hin-
terhofs“ in der Corneliusstraße 108: Ge-
dämmtes, warmes Licht. Bunte, plakatier-
te Wände. In der Luft liegt der Duft frisch
zubereiteten Essens. Im Hintergrund,
ganz leise, kann man schon den Vorspann
des anlaufenden „Roadmovies“ hören,
das am Abend gezeigt wird. Aber noch ist
es nicht so weit. Viele unterhalten sich.
Ab und an holt sich jemand etwas zum
Essen. Wie meistens gibt es etwas Vega-
nisches. „Es soll für alle sein“, erklärt mir
mein Ansprechpartner. Er möchte lieber
unbekannt bleiben. Niemand soll ausge-
schlossen werden. Das scheint allgemein
das Credo des Zentrums zu sein. Es geht
um Offenheit, „Freiraum“, darum aufge-
schlossen miteinander umzugehen, wird
Das Linke Zentrum „Hinterhof“ – der „Linke Angel-
punkt in Düsseldorf“
mir erklärt. Ein Ort, an dem jeder etwas
tun kann, sich einbringen kann, mit Din-
gen, die ihn interessieren. Entsprechend
heterogen ist das Klientel, das an diesem
Abend hier ist: Studenten, Schüler, Arbei-
ter, Arbeitslose, Dozenten, Menschen al-
ler Altersklassen. Als „Querschnitt durch
die Gesellschaft“ bezeichnet mein Inter-
viewpartner die Besucher des Zentrums.
Ursprünglich ist das Linke Zentrum aus ei-
ner Initiative des „Koordinierungskreises
antifaschistischer Gruppen aus Düssel-
dorf und dem Umland“ (www.antifakok.
de) und der Film-Gruppe “Café Bunte
Bilder” (www.cafe-bunte-bilder.de) ent-
standen. So steht es auf der Homepage des
„Hinterhof“. Alle hätten zusammen nach
einem Ort gesucht, an dem sie sich treffen
und gemeinsam Veranstaltungen planen
könnten. So wurde aus den Räumen einer
ehemaligen Druckerei in der Cornelius-
straße 108 das Linke Zentrum. Fortan fn-
den hier politische und kulturelle Veran-
staltungen statt: Vom Programmkino des
„Cafés Bunte Bilder“ über Informations-
und Diskussionsveranstaltungen zu An-
tifa-Themen und Musikabenden mit Ska/
Rocksteady/Reggae- und Soul-Musik bis
hin zu sonntäglichen Brunchs. Das alles
„funktioniert vor allem über Solidarität“,
erklärt mir mein Ansprechpartner. „Es
gibt keine Hierarchie“, sagt er. Jeder würde
dort anpacken, wo er gebraucht wird. Ich
frage nach, ob es dabei auch um Identif-
kation geht. Mein Ansprechpartner be-
jaht. „Es ist mein Zentrum.“ Auf meine
Frage, wie er das Linke Zentrum in einem
Satz beschreiben würde, antwortet mein
Ansprechpartner spontan: „Als unkom-
merziellen, selbst organisierten Laden, für
Politik und Kultur aus dem linken Spek-
trum“. Kurz darauf geht das Licht aus. Die
Gespräche verebben. Mein Interview ist
beendet. Der Filmabend beginnt.
Gudrun Hüther
Blick in den Hinterhof (Bilder: Gudrun Hüther)
Veganes Essen
politur: Die Themen vom 30. April
Was an den Düsseldorfer Hochschulen passiert, erfahrt ihr bei politur, dem Politikmagazin auf hochschulradio düssel-
dorf Auch Hochschulpolitik und allgemeinpolitische Themen sind selbstverständlich dabei -- aus studentischer Perspekti-
ve, spannend und verständlich aufbereitet An diesem Donnerstag geht es ab 18 Uhr auf 97,1 MHz um diese Themen:
* Demonstriert: Heine-AStA ruft auf zum Bildungsstreik
* Entschieden: Bundesverwaltungsgericht urteilt über Studiengebühren
* Kämpferisch: Kurdische Studierende informieren in Düsseldorf über Freiheitsbewegung
politur -- donnerstags, 18 bis 18:30 Uhr -- 
einschalten und Bescheid wissen!
14 
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Es ist nicht mal ein Jahr her, dass die damaligen studentischen Senatoren sich mit dem angehenden Rektor Piper getroffen haben, 
um über einige grundlegende Fragen zu sprechen Studiengebühren gehörten natürlich dazu Damals felen im Gespräch Aussagen, 
die zumindest Anlass zu der Hoffnung gaben, dass man die Gebührendiskussion in Zukunft in der Öffentlichkeit gemeinsam im Zusam-
menhang mit der generellen Unterfnanzierung der Hochschulen führen kann – in einem Zusammenhang, in den sie auch gehört Die 
Aussagen des Rektors im Interview letzte Woche klingen da leider ganz anders
Wenn Herr Piper sagt, eine Hochschule mache ihre Arbeit ordentlich, wenn sie als öffentliche Einrichtung schwarze Zahlen schreibt, 
dann klingt das ja ganz plausibel Einen Absatz später spricht er dann vom Bausanierungsbedarf von über einer Milliarde Euro Es mag 
sein,  dass  ich  meine  profunde  Unkenntnis  der  Zusammenhänge  zwischen  Bau-  und  Liegenschaftsbetrieb  und  Universität  offenbare, 
wenn ich dabei denke, dass das in der freien Wirtschaft ja wohl nicht möglich wäre: Einfach mal dreißig Jahre lang keinen Heller in die 
Bausubstanz stecken und danach den Schaden einfach aus der Bilanz ausblenden Soll auch nur sagen, dass eine Universität tatsäch-
lich nicht wie ein Wirtschaftsbetrieb funktioniert, auch wenn wir mal nur vom Geld reden
Sechs Millionen gehen jetzt also in ein neues Gebäude 10 Millionen kommen pro Jahr aus Studiengebühren in die Kassen der Uni 
Der Rektor spricht davon, als hätte das nichts miteinander zu tun Seit Einführung der Studiengebühren gibt es diese Finanzmittel, die 
zweckgebunden nur für die Lehre zur Verfügung stehen Das verleitet offenbar dazu, alles was irgendwie mit Lehre zu tun hat, dorthin 
zu schieben Ich bin eine Zeit lang Mitglied in der Finanzkommission der Medizinischen Fakultät gewesen Dort wurde auch einmal dar-
über gesprochen, wie die Studiengebühren sich denn auf das Investitionsverhalten der Fakultät auswirken werden Es drohte dazu zu 
kommen, dass in Zukunft alles was „neu“ oder eine „Verbesserung“ ist, dorthin verschoben werden sollte Letztlich kam es glücklicher-
weise anders, aber dennoch muss man sagen, was eine solche Ansicht bedeuten würde: Als Normalzustand der staatlich fnanzierten 
Lehre würde man die Stagnation ansehen, wer die Lehre an die Erfordernisse der Gegenwart anpassen will, der muss woanders Geld 
herholen, und wenn es aus den Taschen der eigenen Studierenden ist Wenn das so wäre, müssten die Hochschulen sich fragen lassen, 
warum sie denn das jahrzehntelang klaglos akzeptiert haben
In  Wirklichkeit  ist  es  eher  so,  dass  für  Neuerungen,  die  sonst  aus  staatlichem  Geld  bezahlt  werden  müssten,  nun  Studiengebühren 
fießen Viele der Anschaffungen und Veranstaltungen, die mit Studiengebühren fnanziert wurden, waren schon lange überfällig und sind 
zur Aufrechterhaltung der Basislehre auf einem akzeptablen Niveau dringend notwendig Die sechs Millionen für das Gebäude haben wir 
also schon bezahlt Ganz verkürzt gesagt: Was nur durch die Studiengebühren entschärft wird ist der Verteilungskampf darum, ob man 
lieber bei Regen im Hörsaal einer Vorlesung beiwohnen oder mit geficktem Dach aber ohne Unterrichtsveranstaltung dastehen möchte 
Leiden tut so oder so das Studium Es ist der Hochschule aber nach wie vor nicht verboten, aus anderen Quellen als den Studienge-
bühren in notwendige Verbesserungen in der Lehre zu investieren, sonst kann man sich Projektskizzen zur Teilnahme an Wettbewerben 
zum Thema „Exzellenz in der Lehre“, wie Herr von Alemann grade eine verfasst hat, besser sparen
Ich bin zweimal im Senat dabei gewesen, als es im Grundsatz um Studiengebühren ging Das erste Mal, bei ihrer Einführung, als Gast 
Damals hieß es, die Studiengebühren seien tatsächlich „zusätzlich“, andere Mittel würden dafür nicht gekürzt Beim zweiten Mal, vor 
einem halben Jahr, bin ich mit den anderen studentischen Senatoren selbst Antragsteller gewesen, als wir die Abschaffung der Studi-
engebühren gefordert haben Diesmal habe ich selbst die sprichwörtlichen Hinterzimmergespräche mit anderen Senatoren angezettelt, 
von denen man sich erhofft, seine Mehrheit schon vor der Sitzung zusammengeschnürt zu haben Wenig überraschend, dass uns das 
nicht gelungen ist In diesen Gesprächen noch viel offener als nachher auf der Sitzung wurde mir immer wieder gesagt: Ich verstehe 
Sie ja, vielleicht haben Sie sogar ein wenig recht, aber sehen Sie – wir brauchen das Geld! Wie soll das denn zusammenpassen Wenn 
es tatsächlich so „zusätzlich“ ist, wie kann es dann so unentbehrlich sein?
10 Millionen sind viel Geld Im Vergleich zum Unihaushalt und vor allem zum Sanierungsbedarf der HHU hört man aber nicht mehr als 
ein lautes Zischen – in Form von roten Punkten im Vorlesungsverzeichnis beispielsweise – wenn das Geld auf dem Konto eintrifft Wo 
das Geld mehr ausmacht, ist in den Taschen der Studierenden Und die Illusion von zukunftssicheren Darlehen ist spätestens seit der 
Erhöhung  des  Zinssatzes  der  KfW-Kredite  im  letzten  Jahr  ebenfalls  zerstört  Was  die  abschreckende  Wirkung  der  Studiengebühren 
angeht, bagatellisiert der Rektor das Problem Natürlich kann man die Hoffnung haben, dass sich das in die Bildung gesteckte Geld 
nachher rechnet – allein, welcher Germanist hat schon allein mit seinem Bachelorabschluss den Weg zu klingender Münze geebnet 
Auch in Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise rät Herr Piper uns hier noch zu spekulativen Anlagegeschäften Zum Glück wird die Ent-
scheidung, ob und was studiert wird, von der Mehrheit noch nicht nach rein wirtschaftlichen Kriterien getroffen Es wird also auch in 
Zukunft noch Studierende geben, weil immer einige Leute auch gegen den wirtschaftlichen Gegenwind ihrem Interesse an den Fächern 
oder an einer Berufsperspektive folgen werden Dazu passt irgendwie auch, was der Rektor über die nicht eingetretene Abwanderung 
der Studierenden in die gebührenfreien Länder sagt Mich würde interessieren – leider liegen mir da keine Daten vor – ob es auch für 
Berlin und Bremen gilt, dass die Zahl der Studienplatzbewerber und Studienanfänger nicht angestiegen ist Woran es auch immer liegt, 
viele Düsseldorfer Schüler werden sich wohl eher dafür entscheiden, in Köln eine ordentliche Ausbildung zu machen als sich in einen 
gebührenfreien Studiengang der Sozialwissenschaften, vom dem ihnen ihre Eltern ohnehin abraten, in Halle an der Saale einzuschrei-
ben Schon allein wegen Halle Noch dazu hat die Deutsche Bahn die Studierendenermäßigung ja nach wie vor nicht für sich entdeckt 
Ich denke, dass die örtliche Flexibilität von Studienanfängern noch um einiges geringer ist, als man sich das generell vorstellt Und das 
nicht nur, wenn es um scheinbar unattraktive Studienorte geht
Häufg wird noch entgegnet, nun, wo es Studiengebühren gibt, hätten wir Studierenden endlich mehr Mitspracherecht und würden erns-
ter genommen Endlich, das klingt, als wüssten alle, dass es daran schon lange gefehlt hat Aber wenn es zu so großer Zufriedenheit in 
Professorenreihen führt, wenn Studierende jetzt endlich „mehr Mitspracherecht“ haben, warum soll man das dann von Studiengebühren 
abhängig machen? Ich halte das für einen ziemlich unverfrorenen Versuch, uns mit einem vorgeschobenen Argument abzuspeisen
Dennoch sollte man festhalten, dass es schon erfreulich ist, dass Herr Prof Piper den studentischen Medien ein solches Interview gibt 
Schön wäre nur, wenn er uns jetzt noch in der Sache mehr entgegenkäme  Malte Kohns
Leserbrief (Reaktion auf das Interview, CD 93)
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  15 Kultur
Die  Performance-Installation  „Hades 
Fraktur“ saugt seine Besucher in eine Un-
terwelt aus Geisterschloss und Puff und 
stellt sie vor rätselhafte Aufgaben Eine 
Erlebnis, für das sich die Fahrt mit dem 
NRW-Ticket nach Köln wirklich lohnt 
Schaurig-wabernde Musik und dicke
Rauchschwaden durchziehen den rot
verhangenen Lokalraum des Kölner Ho-
tels „Timp“. An den Stangen hinter den
Tischnischen rekeln sich leicht bekleide-
te Frauen mit ausdrucksleerem Blick, auf
einer Sitzbank liegt ein schwarz gelock-
ter Schönling in Slip und Seidenmantel
und fächert sich Luft um die angeklebten
Wimpern. Die skeptisch dreinschauenden
Gäste werden von hinkenden und buckli-
gen Gestalten mit Schnaps versorgt. Eini-
gen wird etwas ins Ohr geraunt, anderen
wird ein paar Sekunden zu lange die Hand
geküsst. Dann ergreift Persophone, Frau
von Hades und Königin der Unterwelt, das
Wort und erklärt die Spielregeln.
Beklemmende Räume und dämo-
nische Szenarien
Denn die Performance-Installation „Hades
Fraktur“ des dänisch-österreichischen Per-
formanceduos „Signa“ ist ein Spiel. Ein Spiel
mit Gefühlen, ein Spiel mit Atmosphären
und ein Spiel mit einem klaren Ziel: Es geht
darum, eine der sieben festgehaltenen Frau-
en zu gewinnen und sie für eine Nacht aus
der Unterwelt zu befreien. Die Teilnehmer
werden dafür in sieben Gruppen unterteilt
und müssen durch das Lösen verschiedener
Aufgaben Punkte sammeln.
Dafür schubst „Signa“ ihre Zuschauer in
eine wirre, albtraumähnliche Welt aus be-
klemmenden Räumen, dämonischen Szena-
rien und Spielen, die Überwindung kosten.
So durchwandern die Gruppen zusammen
mit ihren antiken Führern ein Haus, das wie
eine Mischung aus Puff und Geisterschloss
anmutet und besuchen die unter falschem
Namen begrabenen Mädchen. Halbnackt,
in zerrissenen Kleidern, liegen die auf ihren
schäbigen Betten und müssen durch das
Einfössen von Milch aufgeweckt werden.
Danach erzählen sie die Geschichte ihres
einsamen Todes und betteln die Teilnehmer
an, für sie Punkte zu sammeln. Denn eins
wollen sie alle: Weg von diesem schreckli-
chen Ort, an dem sie überwacht, geknech-
tet und geschlagen werden.
Wer hat Angst davor, eine Frau zu gewinnen?
Der Zustand der Frauen erschüttert
Der wohl gespenstischste Ort ist das Zim-
mer von Cindy. An den Wänden klebt eine
schon vergilbte Tapete mit Bärenmotiven,
auf dem Boden sitzen Teddybären, die
Maulkörbe tragen. Sonst stehen keine Mö-
bel in dem engen Raum. Auf abgewetzten
Wolldecken liegt Cindy schmächtig und
verdreht auf dem Boden, ihre Brüste ra-
gen aus dem beim Schlafen verrutschten
Hemd heraus: Ein Anblick, der erschüttert.
Als Cindy wach ist, wird das zitternde Ner-
venbündel sofort vom hereinkommenden
Richter Minos gedrillt: Sie soll die Wäsche
aufhängen, aber ein bisschen plötzlich.
Seine Handgreifichkeiten werden vom
den Gruppenteilnehmern instinktiv ab-
gewehrt und es entsteht ein Streit um die
angemessene Behandlung von Frauen.
Letztendlich hängen die Besucher für Cin-
dy die Wäsche auf und können dadurch
20 Punkte einheimsen.
Baden gehört zu den Gruppenauf-
gaben
Neben dieser einfachen Aufgabe, gibt es
aber durchaus auch welche, die einige
Überwindung kosten. So müssen Grup-
penmitglieder innerhalb einer anonymen
Runde von tragischen Erlebnissen oder
ihren schlimmsten Albträumen erzählen,
nackte Frauen müssen angezogen wer-
den und das Besteigen einer Badewanne
bringt ebenfalls Punkte ein. Da ist es nur
gut, dass zwischendurch immer mal wie-
der alkoholische Getränke gereicht wer-
den.
Diabolische Szenarien gibt es im Schlaf-
gemach von Hades zu sehen, denn hier
wälzen sich zwei lockenköpfge, ölig glän-
zende Götter für einen Kampf auf dem Bo-
den herum, während Hades mit Peitsche
auf seinem in Seide gehüllten Bett sitzt
und Macht ausstrahlt. Dazu erklingt das
Bellen von Hunden aus den Boxen. Und
in Dionysos Zimmer liegt der Geschmack
von Erotik und Verführung in der Lauft
– so lasziv wie er sich in seinem Slip zwi-
schen Tigerstofftieren und aufgewühlten
Decken herumwälzt.
Im Bann der Fiktion
Das faszinierende an dieser Performance-
Installation ist, dass sie einen Sog erzeugt.
Denn obwohl man als Zuschauer weiß, dass
diese abstruse Unterwelt künstlich ist, lässt
man sich hineinziehen in den Bann der
Fiktion. Man fühlt Wut, wenn die Mädchen
schlecht behandelt werden, man spürt
Angst, wenn maskierte Menschen einen
erschrecken und man fühlt sich zugleich
unwohl und angezogen von der fremden
Götterwelt, die aus Sex und Macht besteht.
Ein Erlebnis, das anstrengend, aber auf-
regend ist und zu den Erfahrungen gehört,
die man unbedingt gemacht haben sollte.
„Die Hades-Fraktur“ ist am Samstag, 2. Mai,
zum letzten Mal im Hotel Timp, Heumarkt
25, in Köln zu sehen. Am 14. Mai um 20
Uhr veranstaltet das Schauspiel Köln aller-
dings noch einmal ein abschließendes Pu-
blikumsgespräch mit den Künstlern und
einigen Ensemble-Mitgliedern. Der Ein-
tritt hierfür ist frei. Mehr Infos unter www.
schauspielkoeln.de. Linda Kuhlen
Dies Mädchen will aus 
der Unterwelt befreit 
werden (Bild: SIGNA)
16 
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Kultur
Die Ausstellung „Sonic Youth etc: sen-
sational fx“, die derzeit im KIT – Kunst 
im Tunnel gezeigt wird, beschäftigt sich 
mit  der  Szenekultur  der  frühen  80er 
Jahre  
Krachende Schlagzeug-Geräusche er-
füllen den schlauchartigen Raum. Auf
einem der vielen Bildschirme singt sich
Kurt Cobain gerade die Schlagadern aus
dem Hals. An den Wänden hängen Zei-
tungscollagen, auf denen sich Rock-Iko-
nen wie Iggy Pop und Roxy Music neben
Glamourgirls und Hippiemädchen tum-
meln. Aus Fotos schauen Straßenpunks
der 80er Jahre heraus, eine grimmige
Comicfratze stellt rotzig die Frage „So
you want to be a rock’n roll star“ und
in einem Video trommelt ein Mann auf
einer auf dem Boden liegenden Gitarre
herum.
Eine Geschichte vom Aufstand der
Jugend
Im KIT – Kunst im Tunnel dreht sich
derzeit noch alles um Kunst und Musik.
Denn bis zum 10. Mai ist hier der Teil der
Ausstellung „Sonic Youth etc.: sensational
fx“ zu sehen, der sich mit der Kunstszene
beschäftigt, in der sich die Kultband „So-
nic Youth“ seit ihrer Gründung 1981 be-
wegte und immer noch bewegt. Während
die Kunsthalle Düsseldorf einen Einblick
in die Bandgeschichte gibt, widmet sich
das KIT Künstlern, die mit „Sonic Youth“
entweder zusammengearbeitet haben
oder befreundet waren. Unter anderem
sind das Dan Graham, Patti Smith, Mike
Kelley und Jeff Wall. Konzipiert wurde die
gesamte Schau mit mehr als 300 Expo-
naten vom niederländischen Kurator Ro-
land Groenenboom in Zusammenarbeit
mit der Band selbst.
Was das KIT mit seiner Werkzusam-
menstellung erzählt, ist vorwiegend eine
Geschichte der alternativen New Yorker
Kunstszene der späten 70er und frühen
„So you want to be a rock’n roll star“
80er Jahre. Gezeigt werden Exponate, die
vom Aufstand der Jugend, der Sprengung
von starren Grenzen, der Selbstfndung
und Selbstinszenierung und dem inter-
disziplinären Arbeiten handeln. Alles um-
spannendes Thema ist jedoch die Musik,
die auf vielfältige Weise künstlerisch ver-
arbeitet wird.
Der Besucher darf selbst ran an
die Instrumente
So gilt der von Don Graham entworfene
Musik-Pavillon als Highlight der Aus-
stellung. Inmitten von Zebrateppichen,
Lametta-Dekorationen und roter Samt-
verkleidung stehen Schlagzeug, Bass und
Gitarre für die Besucher zum Spielen be-
reit. Dazu erklingt die Stimme von Kim
Gordon – der Sängerin von Sonic Youth.
Zu bestimmten Zeiten besteht für die Gäs-
te sogar die Möglichkeit aufgenommen zu
werden. Das Ergebnis wird auf zwei CDs
gebrannt, wovon eine die Band geschenkt
bekommt und die andere ins Sonic-Youth-
Archiv eingeht. Eine spaßige Idee für alle
Musiker und Sonic Youth Fans, die sich
einmal als Teil der Band fühlen wollen.
Ein weiterer Blickfang der Ausstellung
ist die an Gitarrenseiten aufgehängte Gar-
tenbank. Wer sich hier drauf setzt und
schaukelt, erzeugt wummernde Gitarren-
geräusche, deren Sound über vier Boxen
übertragen werden. Und wer an den Sei-
ten zupft, kann der Melodie zusätzlich
eine Richtung geben. Der Künstler Tony
Conrad gilt als Avantgarde-Videokünst-
ler und lud mit seiner Soundinstallation
(2008) viele Ausstellungsbesucher zum
Ausprobieren und Wundern ein.
Neben diesen Highlights ist der Ausstel-
lungsraum relativ schnell durchlaufen.
Unter dem Aspekt der Avantgarde-Kunst
sowie der Jugendkultur der frühen 80er
Jahre betrachtet, ist die Zusammenstellung
zwar interessant, schafft aber keine tief-
eren Eindrücke, die darüber hinaus wirken.
Wer sich die Ausstellung noch anschauen
möchte, muss sich beeilen. Denn „Sonic
Youth etc.: sensational fx“ ist nur noch bis
zum 10. Mai im KIT sowie in der Kunsthalle
Düsseldorf zu sehen. Linda Kuhlen
Tony Conrad, Quartet, 008 
(Bild: Linda Kuhlen)
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  17
Comic
Die Campus Delicti veröffentlicht Eure literarischen Texte
Ihr schreibt kreative Texte und würdet sie gerne mal irgendwo abgedruckt sehen?
Eure Schublade quillt über und Ihr seid der Meinung, dass das nicht so bleiben sollte?
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pressereferat@astauni-duesseldorfde
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FREIE MITARBEITER GESUCHT !!!
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den der Heinrich-Heine-Uni unbedingt mehr wissen sollten?
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Dann meldet Euch bei uns!
Schreibt uns eine Email, besucht uns Dienstags zur
Redaktionskonferenz (13 Uhr) oder kommt in eine
unserer Sprechstunden.
Ringvorlesung des Fachschaftsrats Sozialwissenschaften
,Machrgeier, Heuschrecken, RauLrierkapiralisren¨ -
Ein Blick auf Deurschlands ungelieLre Elire
Frauen müssen
draußen bleiben?

Prof. Doris Krumpholz,
FH Düsseldorf

Mirrvoch, 6. Mai 2009, 18 Uhr c.r.
23.31.04.30

über eine gruppendynamische Sichtweise
der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungsetagen
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AUGSBURG BERLIN BIELEFELD BOCHUM
BONN BRAUNSCHWEIG DRESDEN DÜS-
SELDORF DUISBURG FREIBURG GIESSEN
HAMBURG HEIDELBERG KARL-
SRUHE KÖLN KREFELD
LÜNEBURG MANNHE-
IM MAINZ MARBURG
MÖNCHENGLADBACH
MÜNCHEN MÜN-
STER OLDENBURG
POTSDAM STUTT-
GART TRIER TÜ-
BINGEN
BUNDESWEITER
BILDUNGSStREIK
2009
VOM 15. BIS 19. JUNI
AKTIONEN IM RAHMEN DES BILDUNGSSTREIKS 2009 UNTER ANDEREM
IN FOLGENDEN STÄDTEN:
AUGSBURG // BERLIN // BIELEFELD // BOCHUM // BONN // BRAUNSCHWEIG //
DORTMUND // DRESDEN // DÜSSELDORF // DUISBURG // ESSEN // FRANKFURT
A.M. // FREIBURG // GIESSEN // HAMBURG // HEIDELBERG // KARLSRUHE // KÖLN
// KREFELD // LÜNEBURG // MANNHEIM // MAINZ // MARBURG // MÖNCHENGLA-
DBACH // MÜNCHEN // MÜNSTER // OLDENBURG // POTSDAM // REGENSBURG //
SIEGEN // STUTTGART // TRIER // TÜBINGEN // UVM.
AM 17. JUNI
FINDEN BUNDESWEIT DEZENTRALE DEMONSTRATIONEN
VON SCHÜLER/INNEN, STUDIERENDEN, ARBEITNEHMER/
INNEN UND BESCHÄFTIGUNGSLOSEN MENSCHEN STATT.
MIT DIESEM KONZEPT GINGEN IM NOVEMBER 100.000 SCHÜLER/
INNEN AUF DIE STRASSE. DIESMAL WOLLEN WIR DIESE ZAHL
NOCH STEIGERN UND DAS THEMA BILDUNGSPOLITIK ERNEUT IN
DEN FOKUS DER GESELLSCHAFT RÜCKEN.
MEHR INFORMATIONEN ZU DEN ZIELEN, DEN STÄDTEN UND DEN AKTIONEN
VOR ORT GIBT ES IM INTERNET UNTER:
WWW.BILDUNGSSTREIK2009.DE
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Sonntag 03.05.2009 METRO GROUP MARATHON, 09 Uhr, weitere | 
Sport, Rheinuferpromenade
  THE RAKES, 0 Uhr, Konzert | Punk/Indie, Zakk
MAMI DREHT DURCH, 0 Uhr, Kultur | Bühne, Theater 
am Schlachthof, Neuss
DIE SPUR DER SCHEINE, 0 Uhr, Kultur | Bühne, 
Kom(m)ödchen
Montag 04.05.2009 DON KARLOS, 19:30 Uhr, Kultur | Bühne, Düssel -
dorfer Schauspielhaus 
   FATIH CEVIKKOLLU, 0 Uhr, Kultur | Literatur, 
Zentralbibliothek, Duisburg
Dienstag 05.05.2009   LOCAL HEROES - FILMABEND, 0 Uhr, weitere | 
Special Events, SP-Saal, Eintritt frei 
   19:30 Uhr, Kultur | Literatur VULVA EINE ENTHÜL-
LUNG DES UNSICHTBAREN GESCHLECHTS, Heine 
Haus
 OFFBEAT, 0 Uhr, Party | Punk/Indie, Pretty Vacant
SELIM ÖZDOGAN ZWISCHEN ZWEI TRÄUMEN, 0 Uhr, 
Kultur | Literatur, Zakk
Mittwoch 06.05.2009 MITTWOCHS-TREFF DER GESCHICHTS-WERK-
STATT, 10 Uhr, weitere | Special Events, Uerige
   KABALE UND LIEBE, 19:30 Uhr, Kultur | Bühne, 
Düsseldorfer Schauspielhaus
GESELLSCHAFT FÜR REALE MÄRCHEN - ABTEILUNG 
D, 0 Uhr, Kultur | Bühne, FFT Kammerspiele
NOCHE DE LA SALSA, 1:15 Uhr, Party | Latin/Salsa, 
Tanzhaus NRW
„FRAUEN MÜSSEN DRAUßEN BLEIBEN?“ DORIS  
KRUMPHOLZ, Ringvorlesung, 18 Uhr ct, 3310430
Freitag 08.05.2009   POESIE UND WORTGESTÖBER: STADTLEBEN, 17 
Uhr, Kultur | Literatur, Zakk
   AMERIKA, 19:30 Uhr, Kultur | Bühne, Düsseldorfer 
Schauspielhaus
JONA:S,  Uhr, Konzert | Pop, FFT Kammerspiele
Samstag 09.05.2009   TRÖDELMARKT, Aachener Platz, 8 Uhr, weitere | 
Flohmarkt
   9 DÜSSELDORFER EUROPATAG, 1 Uhr, weitere | 
Special Events, Rathaus
NACHT DER MUSEEN 009, 18 Uhr, Kultur | Kunst, 
Innenstadt
DIE ANGST DER HASEN, 0 Uhr, Kultur | Bühne, 
Kom(m)ödchen
Donnerstag 07.05.2009 CAVEMAN, 19:30 Uhr, Kultur | Bühne, Capitol
   EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT, 19:30 
Uhr, Kultur | Bühne, Düsseldorfer Schauspielhaus
LESEN IN DER BRAUSE, 0 Uhr, Kultur | Literatur, 
Brause
KOMBINATKOMPUTERSTAAT, 1 Uhr, Party | Punk/In-
die, Pretty Vacant
Freitag 01.05.2009  CAVEMAN, 19:30 Uhr, Kultur | Bühne, Capitol
   RAMPENSAU - AUS DEM TAGEBUCH EINES 
BÜTTENREDENERS, 0 Uhr, Kultur | Bühne, Savoy 
Theater
MEET & LISTEN - HOME OF DÜSSELDORF UNDER-
GROUND,  Uhr, Party | Punk/Indie, People Clubbar
Samstag 02.05.2009   TRÖDELMARKT, Aachener Platz, 8 Uhr, weitere | 
Flohmarkt
   FRÜHLINGSKIRMES, 1 Uhr, weitere | Special 
Events, Tonhallenufer
HÄNDE WEG VON MEINER FRAU, 0 Uhr, Kultur | 
Bühne, Theater an der Kö
Donnerstag 30.04.2009 MAN(N) SIEHT SICH, 0 Uhr, Kultur | Bühne 
Kom(m)ödchen 
   18 Uhr, Kultur | Bühne TAKE-OFF: SHOW-OFF, 
Tanzhaus NRW
LA CASA DE LOS SIETE BALCONES, 0 Uhr, Kultur | 
Bühne, FFTJuta