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Performative Philosophie –

Denken im Modus der Kunst
Was bedeutet es, Ph i l os op h i e als Pe r f or ma n c e
zu gestalten? Was kann performative Philosophie sein? Welche Rolle
spielen dabei Momente (vermeintlich) sinnlicher E r ke n n t n i s ? Wird
gerade von der Performativen Philosophie der Prozesscharakt er
philosophischer Erkennt ni s demonstriert und aktualisiert ? Welche
Impulse werden hier bzgl. der gesellschaftlichen Ve r or t u n g von
Philosophie gesetzt?
Berlin Wedding
4. –7. April 2013
Dass akademische Philosophie nicht im Hörsaal stattñnoen muss, lst
ein Leitmotiv performativer PhilosophInnen. Traditionelle Trennun-
gen von Anscbauung uno 8egrltt, Lmotlon uno ReNe×lon, Zelcben
und Handlung werden suspendiert: die Philosophie wendet sich in
den Modus der Ku n s t . Fragen zur Verschränkung von Philosophie
und Kunst sind bereits zentrales Thema in der F r ü hg e s c hi c h t e
der Philosophie. Platons Ausspruch Alle Dichter lügen markiert einen
KonNlkt, ln oessen Folge ole Pbllosopble oas ratlonale Moment oer
Erkenntnis immer stärker betonen wird. Wie verhält sich die per-
formative Philosophie zu dieser Herausforderung? Wir suchen nach
Motiven, Beispielen und Fragen, mit denen diese Ansätze die a k a -
oe ml s c be Pr a × l s beraustoroern. Zlel oer Tagung lst es, Projekte
performativer Philosophie in den Linien dieser Fragestellungen zu
betrachten. Dabei erklären wir verschiedene Orte in Berlin Wedding
zu Bü h ne n für die Philosophie. Wir wollen ausprobieren, inwiefern
in unterschiedlichen Räumen Ideen verhandelbar sind und entstehen.
Welche Effekte und Potentiale bringen unkonventionelle Vortrags-
situationen mit sich? Als Gruppe aus Studierenden, Künstlerinnen,
Philosophen, Interessierten und Neugierigen begeben wir uns auf
L× k ur s l on: |n Projektraumen uno Galerlen penoelt ole Tagung
zwischen Philosophie und Kunst, um raumgreifend das Phänomen der
Performativen Philosophie zu erschließen.
Donnerstag, 4. April
bis 17:00 Uhr Anreise für Übernachtungsgäste im Steps Hotel

18:00 Uhr
Stattbad Wedding, Eintritt 3 Euro
WEDDING SESSION I


Kaaren Beckhof | Kolam Dilsbergiensis. Temporäre Streuzeichnungen
Pedro Bustamente | Heterotopias.
Natalia Daskiewicz | PERSONAL
Sebastian Gaub | Philosophie – Eine Kunst, die Wissen schafft.
Ein Science Slam zwischen Epigenetik und Ludwig Wittgenstein.
Isabella Gresser | Nietzsche à Nice.
Stephan Groß | ICI
Yotta Kippe | Angst vor Ernüchterung
Lisa Stertz | TIME TO
Konstantinos-Antonios Goutos/The [video]Flâneu® | ta pantha rei,
e×ample 1
Rasa Weber & Nel Verbeke
Di e WE DDI NG S E S S I ON s t e h t f ü r
ein Wechselspiel von Motiven aus Kunst und Philosophie, das sich im
Gespräch entwickelt. Sie eröffnet und begleitet die Konferenz. An zwei
Abenoen kommt lns Splel was bauñg nur als Scbnlttstelle bebauptet
wird: Kunst in der Auseinandersetzung mit Philosophie trifft auf Theo-
rie, die sich künstlerischer Mittel bedient. Am ersten Abend entsteht
dafür in der Galerie des Stattbads mit Beiträgen eine Ausstellung, die
nur im Gespräch mit den KünstlerInnen begehbar ist.
Freitag, 5. April
Konferenz in der Alten Kantine

10:00–13:00 Uhr
Eva Maria Gauß und Katrin Felgenhauer (Halle/Saale)
[ soundcheck philosophie ] – Kann die Bühne Labor für das
Denken seln? Llne FestlvalreNe×lon.
Wi e l a s s e n s i c h Ph i l os op h i e u n d Wi s s e n s c h a f t
heute angemessen vermitteln? Braucht es für einen gesellschaftlichen
Dlskurs komple×er tbeoretlscber Fragen neue Formen kommunlkatl-
ver Darstellung? Inwiefern kann die Bühne ein »Labor« für das Den-
ken sein? Genau diese Fragen versucht [ soundcheck philosophie ] auf
e×perlmentelle Welse uno ln von verscbleoenen Kunsten lnsplrlerten
neuen Formaten nachzugehen: Performances und (Gesprächs-) Instal-
lationen präsentieren und entwickeln philosophische Fragestellungen
und Erkenntnisse in der unmittelbaren Begegnung mit dem Publikum.
Eva Maria Gauß und Katrin Felgenhauer stellen [ soundcheck philoso-
phie ] auch anhand von Ausschnitten aus eigenen Lecture Performances
vor. Kurze Übungen und eine Diskussions-Konstellation vermitteln
außeroem elnen Llnoruck oavon, wle zu autgewortenen Fragen Zugange
entwickelt werden können.
13:00–14:30 Uhr
Mlttagspause ln oer L×-Rotaprlnt Kantlne
14:30–16:00 Uhr
Alte Kantine
Prof. Dr. Christoph Horn (Universität Bonn)
Zwlscben Dlalektlk uno Lebenskunst. Zur antlken vorge-
schichte der Performanz.

16:30–18:00 Uhr
Seminareinheit mit Prof. Dr. Christoph Horn

19:30 Uhr (Einlass)
WEDDING SESSION II
Eintritt für Konferenzteilnehmende frei, regulär 5 Euro
Am z we i t e n Ab e n d de r WE DDI NG S E S S I ON
geht es weiter im Großen Pool des Stattbads. Hier sind ein Seiltanz auf
der Schwelle des Performerinnenduos Kor n b l u m- Re t t e n mu n d,
oer pbllosopblscbe L×perlmentalñlm Nietzsche à Nice der Videokünstle-
rin I s a be l l a Gr e s s e r sowie Abweichende Linie | ein geschichte zum
folgen (@abw_linie) von J u t t a F r a n z e n zu Gast.
Moderiert wird der Abend von S t e f a n i e We n n e r (Theater Bienna-
le IMPULSE).
Samstag, 6. April
Konferenz in der Alten Kantine

10:00–11:30 Uhr
Prof. Dr. Mirjam Schaub (HAW Hamburg)
Kunst als eplstemlscbe Pra×ls elgenen Recbts uno verkannte
Heuristik der Philosophie


F ü r di e Hu ma n wi s s e n s c h a f t e n
lm Zelcben lbrer |nterolszlpllnarltat lst oer proouktlve Umgang mlt
»travelllng concepts« uno mlgrlerenoen Tbeorlen elne Scblusselquallñ-
kation. Irritierenderweise führt das zu einer Art Nachleben der Theo-
rien selbst in Räumen, für die sie gar nicht geschaffen sind. Aufgrund
selnes L×perlmentalcbarakters, selner lntellektuellen Grosszuglgkelt
und gleichzeitigen Anschaulichkeit ist der Kunstraum gegenwärtig her-
vorragend geeignet, einander widerstreitende Theorien gewinnbringend
in Beziehung zueinander zu setzen. Philosophische Forschung in diesem
Sinne zu betreiben, bedeutet, Kunst als zeitabhängige, epistemische Pra-
×ls elgenen Recbts zu entoecken. Gegen oen vorwurt oer 8elleblgkelt
gilt es, die zu Unrecht übersehene oder abgelehnte Entschiedenheit
der künstlerischen Ideenumsetzung stark zu machen. Ich setze auf ihr
Überraschungspotential und schlage vor, den modernen Kunstraum als
bislang unerkannte Heuristik der Philosophie zu betreten.
Kunstwerke weroen so erstens olagnostlscb lesbar als Trajekte tur
Ideen, die unzeitgemäß sein können, und für die sich nun überraschend
neue und andere Gebrauchsformen auftun.
Zweltens wlrkt ole mlt oer Alstbetlslerung augentalllg weroenoe Raol-
kalisierung von Theoriebildung zurück auf die »Herkunftsorte« dieser
Ideen (Philosophie, Kulturtheorie, Politische Ökonomie).
Drittens rühren die Phänomene der Theorie-Migration wie die Mög-
lichkeiten des dabei eintretenden Medienwechsels am – alten und nicht
ungetabrllcben ÷ Traum von oer Scblleßung oer Tbeorle/Pra×ls-Lucke.

11:30–13:00 Uhr
Dr. Petra Sabisch
Praktlscbe Pbllosopble uno Kunstpra×ls (|): Was kann pertor-
matlve Pbllosopble ln Zelten oes artlstlc turns oer Gelstes-
wissenschaften tun?










13:00–14:30 Uhr
Mittagspause in der Alten Kantine

De r Vor t r a g i s t Au f t a k t f ü r e i n e L e c t u r e -
S e r i e zur praktischen Philosophie und Kunst, welche – ausgehend von
einer pragmatischen Relektüre des Konzepts der Performativität – die
Relevanz und Wirksamkeit, sowie die Sinnkonstitution zeitgenössischer
Philosophien und Kunstpraktiken befragt und diskutiert, und zwar im
Spannungstelo lbrer jewelllgen Proouktlonsumstanoe.
14:30–18:00 Uhr
Lucia Rainer (Hamburg/Brüssel)
Ein Workshop über Lecture-Performances: Das Format »Vor-
trag« e×perlmentell erkunoen uno praktlscb evaluleren

Maximale Teilnehmerzahl: 25 – Voraussetzung für die Teilnahme ist ein
Text im Umfang von einer Seite, der im Hinblick auf einen Vortrag verfasst
worden ist.







Dl e vor t r a g s p r a × l s
zeigt (vgl. Science Slams, Performing-Science-Wettbewerbe, Lecture-
Performances, Lecture Demonstrations, u.ä.), dass wissenschaftliche
und künstlerische Rahmen vermehrt durchlässig werden und nicht im-
mer eindeutig zuordenbar sind. Gleichzeitig kann man beobachten, dass
ähnliche philosophische, gesellschaftspolitische und/oder wissenschaftli-
che Fragen sowohl im Feld der Wissenschaft als auch im Feld der Kunst
diskutiert werden. Aber wie geschieht dies und was bedeutet das für
den Vortrag als Medium der Wissensvermittlung?
Ausgangspunkt des Workshops sind Beispiele aus den szenischen
Künsten, in welchen Künstler wissenschaftliche Praktiken in ihre Arbeit
autnebmen uno zur e×perlmentellen Lrkunoung uno praktlscben Lvalu-
ierung eines Wissensbegriffs beitragen. Dies geschieht unter anderem
mit Lecture-Performances, in welchen das Format »Vortrag« nicht als
Argumentation und Repräsentation von Wissen gelesen wird, sondern
als »Aufführung«, in welcher Wissen nicht ohne weiteres in der sprach-
lichen Repräsentation aufgeht, sondern als Spur einer Übersetzung zu-
rückbleibt. Im Rahmen des Workshops wollen wir praktisch erforschen,
wie szenische und wissenschaftliche Faktoren in Lecture-Performances
miteinander verwoben sein können: Wie der Vortrag als Aufführung,
Inhalt als Form und Sprache als Akt begriffen werden kann.
Dafür werden die Teilnehmer gebeten, eine Seite eines selbst geschrie-
benen Vortrags mitzubringen, den sie bereits gehalten haben oder in
nacbster Zelt balten weroen. Aut olesen Te×t 8ezug nebmeno weroen
wir gemeinsam konkrete szenische Einheiten zu den abstrakten wissen-
schaftlichen Themen erarbeiten und diese zu eigenen Lecture-Perfor-
mances verolcbten. Wlr weroen unterscbleollcbe pertormatlve Zugange
zum |nbalt oes wlssenscbattllcben Te×tes uno ole kunstlerlscb-wlssen-
schaftliche Erkenntnisgewinnung von Lecture-Performances erforschen:
Das was ausgesagt wird, das was gezeigt wird und das was sich dabei
zeigt.
18:30 Uhr
Abenoessen ln oer L×-Rotaprlnt Kantlne
Sonntag, 7. April
Philosophische Matinée in der Galerie Kronenboden
11:00–12:30 Uhr
Prof. Dr. Dieter Mersch (Universität Potsdam)
AGON Memory Combat – eine Wiener Performance











13:30–14:30 Uhr
Abschlussrunde
Di e t e r Me r s c h s p r i c h t ü b e r s e i n e Pe r f or ma n c e
im November 2011 bei philsophy on stage #3 in Wien. 12 Stunden
lang setzte er seine eigene Gedächtnisarbeit gegen den Speicher eines
Computers. Dabei wiederholte der Computerspeicher mit künstlicher
Stlmme elnen Te×t ln genau glelcber Form, wabreno Dleter Merscb ver-
sucbte, »selnen« gescbrlebenen Te×t zu memorleren, um oabel lauteno
Differenzen zu produzieren. AGON Memory Combat ist ein Streit,
eine Kampfansage, eine wechselseitige Resistenz und Provokation, die
nicht nur den Computer im Wettkampf herausforderte, sondern auch
oen Zuborer.
Adressen

Übernachtung
Steps Hotel
Liebenwalder Str. 22, 13347 Berlin

Konferenzraum Freitag & Samstag
Alte Kantine Wedding
Uferstr. 8-11, 13357 Berlin

WEDDING SESSIONS & Ausstellung 4.–7. April
Stattbad Wedding
Gerichtsstr. 65, 13347 Berlin

Mittagessen Freitag & Abendessen Samstag
L×-Rotaprlnt Kantlne
Gottschedstr. 4, 13357 Berlin

Matinée am Sonntag
Galerie Kronenboden
Schwedenstr. 16, 13357 Berlin

…s c hon v or b e i ?
Wir bitten um Eindrücke, Kritik und Fragen:
kaleidoskopen@gmail.com
Die Tagung wird veranstaltet von der
Facbscbatt Pbllosopble oes Cusanuswerks uno ñnoet ln Koopera-
tion mit der Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften im
Ev. Studienwerk e.V. Villigst statt. Gemeinsame Veranstaltungen
in der Vergangenheit waren eine Tagung zur Philosophie der Kunst
(Graz, September 2011) und ein Workshopwochenende zum Thema
Korper ÷ Zwlscben uno Wabrnebmung (8rollln, September 2012).
Konzept und Organisation: Ka l e i d os kop e n
Friederike Fröhlich, Hannah Wiemer, Fabian Kupper,
Nikolaus Witty, Annika Haas
kaleidoskopen@gmail.com
kunstwissenkollision.tumblr.com