You are on page 1of 99

Festschrift

zum

Ehrenkolloquium REICHARDT – KRAAK – WÖHLE
4. Juli 2003, Technische Universität Dresden

100. Geburtstag von Prof. Walter Reichardt
(7. Januar 1903 − 2. Juli 1985)

80. Geburtstag von Prof. Wolfgang Kraak
(geb. 22. Juni 1923)

75. Geburtstag von Prof. Walter Wöhle
(geb. 7. März 1928)

Zur Entwicklung des Fachgebietes Technische Akustik und des akustischen Instituts an der Technischen Hochschule / Technischen Universität Dresden in den Zeitläuften des 20. Jahrhunderts

Technische Universität Dresden 2003 Herausgeber: Redaktion: Satz und Layout: Druck: Redaktionsschluss: Umschlag: Institut für Akustik und Sprachkommunikation Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Költzsch Jürgen Landgraf Druckerei Lißner Dresden Mai 2003
Vorderseite: Barkhausen-Bau (Südansicht mit Teich) Prof. W. Reichardt mit Prof. A. Lenk (Foto: R. Dietzel) Prof. W. Wöhle (Foto: R. Dietzel) Prof. W. Kraak (Foto: R. Dietzel) Rückseite: Ausschnitt aus Wandrelief (Foyer im Sockelgeschoss / Barkhausen-Bau)

ISBN 3-86005-370-1

Festschrift zum Ehrenkolloquium REICHARDT – KRAAK – WÖHLE

Es ist sonderbar, dass nur außerordentliche Menschen die Entdeckungen machen, die hernach so leicht und simpel scheinen. Dieses setzt voraus, dass, die simpelsten, aber wahren Verhältnisse der Dinge zu bemerken, sehr tiefe Kenntnisse nötig sind. (Georg Christoph Lichtenberg) Alles Wissen und alle Vermehrung unseres Wissens endet nicht mit einem Schlusspunkt, sondern mit Fragezeichen. Ein Plus an Wissen bedeutet ein Plus an Fragestellungen, und jede von ihnen wird immer wieder von neuen Fragestellungen abgelöst. (Hermann Hesse) Von dem, was man heute an den Universitäten denkt, hängt ab, was morgen auf den Plätzen und Straßen gelebt wird. (Ortega y Gasset)

Vorwort
In diesem Jahr feiert die Technische Akustik an der TU Dresden die „runden“ Geburtstage dreier Wissenschaftler, die dieses Fachgebiet in den letzten fünfzig Jahren in einzigartiger Weise aufgebaut und zu einer modernen Wissenschaftsdisziplin an der TH/TU Dresden entwickelt haben. Prof. Walter Reichardt, geboren am 7. Januar 1903, gestorben am 2. Juli 1985, wirkte von 1948 bis in die 1980er Jahre an der TH/TU Dresden. Sein 100. Geburtstag in diesem Jahr ist willkommener Anlass, ihn als den Begründer des Instituts für Elektro- und Bauakustik bzw. des Instituts für Technische Akustik zu ehren und einen Rückblick auf die etwa fünfzigjährige Geschichte des Instituts zu geben. Den Staffelstab in Forschung und Lehre übernahmen von Walter Reichardt Ende der 1960er/ Anfang der 1970er Jahre die Professoren Wolfgang Kraak, Walter Wöhle und Arno Lenk, die das Institut bis Anfang der 1990er Jahre leiteten. Von diesen Professoren feierte in diesem Jahr Wolfgang Kraak (geboren am 22. Juni 1923) seinen 80. Geburtstag und Walter Wöhle (geboren am 7. März 1928) seinen 75. Geburtstag. Die Konzentration dieser Jubiläumsgeburtstage hat uns auf die Idee gebracht, ein Ehrenkolloquium zu organisieren, das das Wirken der genannten Wissenschaftler der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden würdigt. Beim Sichten der entsprechenden Materialien wurde schnell offenbar, dass auch bereits vor dem zweiten Weltkrieg das Fachgebiet Technische Akustik an der TH Dresden gepflegt und mit herausragenden wissenschaftlichen Leistungen gekrönt worden ist, und zwar insbesondere durch das Wirken von Prof. Heinrich Barkhausen. Die Technische Akustik an der TH Dresden begann also etwa mit der Berufung von Heinrich Barkhausen im Jahre 1911, führte über die Ära von Walter Reichardt und den Wirkungszeitraum der Professoren Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle bis in die 1990er Jahre und ist seit 1994 bis in die Jetztzeit durch den gegenwärtigen Lehrstuhlinhaber für Technische Akustik, Prof. Peter Költzsch, gestaltet worden. Deshalb soll die vorliegende Festschrift zu diesem Ehrenkolloquium im Hauptteil diese reichlich neunzig Jahre des Fachgebietes Technische Akustik an der TH/TU Dresden aus3

Festschrift zum Ehrenkolloquium REICHARDT – KRAAK – WÖHLE

führlich darstellen. Daran schließen sich Informationen zur Entwicklung im Zeitraum nach der Wende und eine Bestandsaufnahme zur gegenwärtigen Situation des Instituts für Akustik und Sprachkommunikation an. Der Anhang der Festschrift umfasst einige historische Zusammenstellungen, die bei dieser Gesamtschau auf das Fachgebiet nicht fehlen sollten. Die Festschrift enthält eine Fülle von fachlichen Details zur Forschung auf dem Gebiet der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden aus einem Zeitraum von über 90 Jahren. Dabei wird auch eine große Anzahl der Bearbeiter dieser Forschungsprojekte genannt. Aus Gründen gewisser Beschränkungen im Umfang dieser Festschrift und auch wegen des Charakters einer übersichtsartigen Darstellung der Hauptforschungslinien über die Jahrzehnte hinweg ist es allerdings unvermeidbar, dass nicht alle Diplomanden, Doktoranden, Habilitanden, d. h. alle Absolventen der „Dresdner Schule der Technischen Akustik“, aufgeführt werden konnten; kurz gesagt: die vorliegende Festschrift ist zwangsläufig in den Details unvollständig. Andererseits beinhalten historische Darstellungen immer auch – bewusst oder unbewusst – subjektive Wertungen. Mögen mir deshalb diejenigen Leser bzw. Leserinnen, die sich in dieser Festschrift nicht oder nicht in ausreichendem Maße gewürdigt wiederfinden, diese Unvollkommenheit nachsehen. Ich bin für jeden Hinweis zu dieser Festschrift dankbar, der in den Details oder in der Vollständigkeit zu einer Verbesserung des Inhalts führen würde. An dieser Stelle möchte ich den Institutsmitgliedern danken, die mit ihren Beiträgen ganz wesentlich zur Gestaltung dieser Festschrift beigetragen haben, im Besonderen aber Herrn Dr. Rolf Dietzel für die Bereitstellung einiger historischer Materialien und Fotos und Herrn Dipl.-Ing. Jürgen Landgraf für die redaktionelle Gestaltung und die Anfertigung der Endfassung der Festschrift. Unser besonderer Dank gilt auch den Firmen und Ingenieurbüros, die uns finanziell bei dieser Festschrift und bei der Durchführung des Ehrenkolloquiums unterstützt haben: Brüel & Kjaer GmbH Bremen HEAD acoustics GmbH Herzogenrath MED-EL Deutschland GmbH Starnberg Müller-BBM Schalltechnisches Beratungsbüro Planegg / Dresden Sennheiser electronic KG Wedemark SINUS Messtechnik GmbH Leipzig SPEKTRA Schwingungstechnik und Akustik GmbH Dresden Ohne dieses Sponsoring im Bereich der Wissenschaften könnten wir die große Zahl der Aktivitäten im Rahmen des Ehrenkolloquiums am 4. Juli 2003 nicht durchführen. Im Namen des Instituts für Akustik und Sprachkommunikation wünsche ich den Teilnehmern des Ehrenkolloquiums am 4. Juli 2003 an der Technischen Universität Dresden eine interessante Veranstaltung mit vielen schönen Erinnerungen, anregenden Gesprächen und erbaulichen Rückblicken beim Lesen dieser Festschrift. Dresden, im Mai 2003 Prof. Dr. Peter Költzsch Institutsdirektor 4

Festschrift zum Ehrenkolloquium REICHARDT – KRAAK – WÖHLE

Inhalt
1 Zeitetappen der Entwicklung des Fachgebietes Technische Akustik und des akustischen Instituts an der Technischen Hochschule Dresden bzw. an der Technischen Universität Dresden
Einleitung Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

1.1 1.2 1.3 1.4 1.5

2 3
3.1 3.2 3.3 3.4 3.5

Die „Dresdner Schule der Technischen Akustik“ Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation
Aspekte der Entwicklung seit 1991 – Bestandsaufnahme im Jahre 2003 Die Arbeitsgruppe „Technische Akustik“ (dargestellt von Prof. Dr. P. Költzsch) Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“ (dargestellt von Prof. Dr. R. Hoffmann) Die Arbeitsgruppe „Elektromechanische Systeme“ (dargestellt von Prof. Dr. G. Pfeifer) Die Arbeitsgruppe „Elektronische Messtechnik“ (dargestellt von Prof. Dr. U. Frühauf)

4

Schlusswort

Anhang: A. 1 Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik und des akustischen Instituts an der TH/TU Dresden A. 2 Ehrendoktoren der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden A. 3 Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden A. 4 Bücher zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden A. 5 Ausgewählte Publikationen zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden 5

Anmerkung der Redaktion: Für sehr kritische Leser und Leserinnen dieser Festschrift sei angemerkt, dass für den Text konsequent die neuen Rechtschreibregeln verwendet worden sind, also auch z. B. in unserem Fachgebiet die (etwas ungewöhnlichen) Trennungen: A-kus-tik, E-lekt-ro-tech-nik, ge-o-met-risch u. a.

1

Zeitetappen der Entwicklung des Fachgebietes Technische Akustik und des akustischen Instituts an der Technischen Hochschule Dresden bzw. an der Technischen Universität Dresden
Einleitung der Technischen Akustik verknüpft sind, wie z. B. die elektronische Messtechnik, die Beschreibung von Fehlermodellen u.a.m. Es wird deshalb einleitend betont, dass diese Festschrift vorrangig das Gebiet der Technischen Akustik beinhaltet. Die folgenden Gliederungsaspekte sind einerseits nach den Wirkungszeiträumen der großen Wissenschaftler des Fachgebietes der TH/TU Dresden gewählt, andererseits nach den Schwerpunkten akustischer Forschung an der TH/TU Dresden. Dadurch sind naturgemäß gewisse Überschneidungen nicht auszuschließen. Eine letzte Vorbemerkung: Die Darstellung der Entwicklung des Fachgebietes Technische Akustik an der TH/TU Dresden bezieht sich im Wesentlichen auf die institutionalisierte Form dieses Fachgebietes, die mit den Wissenschaftlern H. Barkhausen, W. Wolman, W. Reichardt, W. Kraak, A. Lenk und W. Wöhle verbunden sind. Darüber hinaus gab und gibt es, besonders in jüngster Zeit, Forschungen zur Akustik auch in anderen Fakultäten und Instituten. Zwei Eckpunkte dazu sollen hier genannt werden. Von 1910 bis 1917 arbeitete Prof. R. Heger auf dem Gebiet Raumakustik (einschließlich Vorlesungen zu diesem Gebiet), siehe dazu die „Zeitleiste“ im Anhang dieser Festschrift; seit Mitte der 1990er Jahre (aber z. T. auch schon viele Jahre früher) werden akustische Forschungen vor allem auch im Maschinenbau und in der Verkehrstechnik, in der Medizinischen Fakultät (HNO-Klinik, Arbeitsmedizin) und im Bereich der Arbeitswissenschaften betrieben.

1.1

Mit zwei Vorbemerkungen soll diese Darstellung der historischen Entwicklung eingeleitet werden.
• •

Was versteht man unter dem Gebiet der Technischen Akustik bzw. der Akustik? Welche Vorstellung soll mit der Bezeichnung eines akustischen Instituts verbunden sein?

Die Technische Akustik behandelt physikalische und technische Aspekte des Schalls, einschließlich der Wahrnehmung von Schall durch den Menschen. Teilgebiete der Technischen Akustik sind demgemäß die allgemeine Schallmesstechnik, die Elektroakustik, die Raum- und Bauakustik, die Psychoakustik, die Vibroakustik sowie alle Fragen, die mit der Entstehung, der Ausbreitung, der Wirkung und der Bekämpfung von Lärm zusammenhängen (nach Prof. H. Kuttruff und Prof. M. Vorländer, RWTH Aachen). Acoustics: the science and technology of sound in all its aspects. Covers its production, propagation and control; its interaction with materials; its reception by the ear, and its effects on the hearer. Acoustics is a discipline or field of study. (nach C. L. Morfey, Institute of Sound and Vibration Research, University of Southampton, UK)

Die Bezeichnung „akustisches Institut“ soll hier für jede Art universitärer Institutionalisierung an der TH/TU Dresden verwendet werden, in der das Fachgebiet Technische Akustik in Forschung und Lehre in zentraler Form für die Hochschule / Universität betrieben worden ist, also insbesondere Institute und Wissenschaftsbereiche mit den unterschiedlichsten fachlichen Benennungen. Andererseits sind meist in diese Institutionalisierungen der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden auch andere, der Technischen Akustik sehr eng verbundene Fachdisziplinen mit eingebunden worden, wie z. B. die Messtechnik, die Sprachkommunikation, bzw. sind Aufgaben speziellen oder allgemeinen Inhalts bearbeitet worden, die nur mittelbar mit 7

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

1.2

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

Heinrich Barkhausen wurde 1911 als außerordentlicher Professor für elektrische Messkunde, Telegraphie und Telephonie sowie für Theorie der elektrischen Leitungen an die Technische Hochschule Dresden berufen und als Direktor des neugegründeten Instituts für Schwachstromtechnik eingesetzt. An diesem Institut entwickelte sich unter der Leitung und mit der Intuition von Heinrich Barkhausen das Fachgebiet der Technischen Akustik. Dass Barkhausen neben (oder besser: mit) der Schwachstromtechnik starke Verbindungen zur Akustik entwickelte, zeigte sich bereits in seiner Dissertation „Das Problem der Schwingungserzeugung mit besonderer Berücksichtigung schneller elektrischer Schwingungen“ (siehe Abbildung), mit der er 1906 an der Georg-August-Universität in Göttingen promoviert hatte.

verwirrenden Fülle von einzelnen Schwingungserscheinungen der Elektrotechnik und der Mechanik auszeichnet, beginnt mit den Worten:
„In der Mechanik sind schon seit langem jene eigentümlichen Erscheinungen bekannt, bei denen durch eine konstante, ganz unperiodische Energiequelle eine dauernde, ungedämpfte Schwingung eines schwingungsfähigen Gebildes hervorgerufen wird. So entsteht bei der Orgelpfeife oder Violinsaite durch ganz gleichmäßiges Anblasen oder Anstreichen ein dauernder reiner Ton. Während hier unter dem Einfluß einer unperiodischen Kraft der Ton gewissermaßen von selbst entsteht, ja bei manchen Reibungserscheinungen ein solches störendes Tönen kaum vermeidlich ist, hat man andererseits absichtlich Anordnungen erdacht, solche periodischen Vorgänge aus unperiodischen Kräften zu erzeugen, so bei der elektrischen Klingel und bei dem Uhrpendel. Zu den mechanischen Schwingungsvorgängen findet sich nun bekanntlich eine weitgehende Analogie im Gebiete der Elektrodynamik an Systemen, die aus Selbstinduktion und Kapazität bestehen.... Es ist klar, dass man bei einer so weit gehenden Analogie in den Grundbegriffen auch mancherlei Ähnlichkeiten in den tatsächlich eintretenden Erscheinungen erwarten kann.“

Diese elektroanaloge Betrachtungsweise auf der Grundlage schaltungstechnischer Methoden (siehe Abbildung) bzw. der (später entwickelten) allgemeinen Netzwerktheorien hat sich bis heute als ein außerordentlich erfolgreiches „Werkzeug“ in der Technischen Akustik erwiesen, ist von Barkhausen und seinen Schülern vielfältig ausgebaut und später vorrangig am Dresdner Institut bis in die Gegenwart weiter entwickelt worden (W. Reichardt, A. Lenk). Mit seiner Berufung an die TH Dresden hielt H. Barkhausen ab 1911 Lehrveranstaltungen u. a. über elektrische und mechanische Schwingungen sowie über elektroakustische Wandler (z. B. Telefonhörer, Mikrofone). Während seiner kriegsbedingten Arbeitsverpflichtungen nach Kiel (1915 – 1918) entstanden Arbeiten zur UnterwasserSchallausbreitung sowie zur Entwicklung 8

Diese Arbeit, die sich durch Einfachheit und Klarheit in den Erklärungen einer

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden
• • • • •

Körperschwingungen Eichung von Kondensatormikrofonen Sirene Körperschall-Messgerät Propeller-Untersuchung

aus: Inaugural-Dissertation von Heinrich Barkhausen

und Untersuchung von elektromagnetischen Unterwasser-Schallsendern. Davon zeugen Veröffentlichungen aus der Zeit nach dem Kriege (1920/1921). Sie befassten sich mit der Reichweite von Unterwasserschallsignalen, mit der Ermittlung der abgestrahlten Schallleistung und des Wirkungsgrades (50 %), mit der Absoluteichung der Empfänger, der Ermittlung der exponentiellen Abnahme der Schallenergie mit einem Dämpfungsexponenten, der näherungsweise unabhängig von der Frequenz und der Wassertiefe war (nach: M. Kluge). Die am Institut für Schwachstromtechnik von H. Barkhausen initiierten Forschungen zum Gebiet der Akustik lassen sich insbesondere durch die an seinem Institut erarbeiteten Diplomarbeiten und Dissertationen nachweisen. Martin Kluge stellt 1941 fest, dass „unter den über 300 bisher durchgeführten Diplomarbeiten, meist Experimentaluntersuchungen, über 40 akustische Themen“ gegeben sind. Und aus einem Bericht des Instituts für Schwachstromtechnik aus dem Jahre 1936 sind folgende Themen für laufende Arbeiten (Diplomarbeiten, größere, selbständige Arbeiten) zu entnehmen:
• • •

Im Folgenden werden die wichtigsten Forschungsfelder von Heinrich Barkhausen auf dem Gebiet der Technischen Akustik, gegebenenfalls mit Aktivitäten in der Lehre, dargestellt. Diese Forschungsgebiete prägten in einzigartiger Weise das Profil der Technischen Akustik an der TH Dresden, fortgeführt von Barkhausens Nachfolgern auf den Lehrstühlen zur Technischen Akustik. Elektroakustik, Elektromechanische Analogie: Forschungen zur Elektroakustik beziehen sich auf Mikrofone und Lautsprecher, des weiteren u. a. auf Tonabnehmer und die magnetische Tonaufzeichnung. Bemerkenswert dabei ist die intensive Verwendung der elektromechanischen Analogie zur Behandlung und Lösung der entsprechenden Probleme. So wurden z. B. in der Dissertation von G. Schubert (1925) „Grundlegendes zu Untersuchungen an Mikrophonen“ „die Eigenschaften der allgemein gebräuchlichen Mikrophone bei verschiedenen Betriebszuständen ganz systematisch in Abhängigkeit von Speisestromstärke, Besprechungsintensität, Einschaltdauer, Belastung, Füllung usw. untersucht, die Frage der Möglichkeit eines Kohle-Standard-Mikrophons geklärt und Vorschläge zur objektiven Prüfung und Vergleichung von Mikrophonen gemacht.“ Aus dem Jahre 1929 wird in der Zeitschrift für Technische Physik (Leipzig) über eine Diplomarbeit am Institut für Schwachstromtechnik der TH Dresden von H. Graf mit dem Titel: „Über die experimentelle

Schallausbreitung Schallabsorption in Röhren Junkers-Schalldämpfer 9

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

Bestimmung des Wirkungsgrades eines Bandlautsprechers“ berichtet. Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre erweiterte Heinrich Barkhausen seine Vorlesungen um einige Grundlagen der Akustik und nimmt die elektroakustischen Wandler (Mikrofon, Telefon, Lautsprecher) mit auf. Die 1932 eingereichte und verteidigte Dissertation von Dipl.-Ing. Martin Kluge aus Gembitz, Prov. Posen, mit dem Titel „Frequenzgang und Plattenbeanspruchung von Tonabnehmern“ (Referent: Prof. Heinrich Barkhausen, Korreferent: Prof. Constantin Weber) befasste sich mit dem Frequenzgang von Empfindlichkeit und Ablenkkraft bei elektrischen Tonabnehmern und mechanischen Grammophonen. Daraus folgten praktische Bemessungsregeln für Tonabnehmer. Ab 1933 hielt H. Barkhausen die Vorlesung „Fernsprechtechnik und Elektroakustik“. Im Schwachstrompraktikum des Instituts werden u. a. die Versuche zur Silbenverständlichkeit, zur Mikrofonempfindlichkeit und zur akustischen Frequenzmessung genannt. Martin Kluge habilitiert sich 1933 und wird Privatdozent an der TH Dresden. Er übernimmt 1934 eine zweisemestrige Vorlesung über Technische Akustik. Ab 1938 hält Prof. Walter Wolman die Vorlesung „Fernsprechtechnik und Elektroakustik“. Hörakustik: Untersuchungen auf dem Gebiet der Hörakustik, insbesondere zur Lautstärke und deren messtechnischer Bestimmung, sind Glanzpunkte der akustischen Forschungen von Heinrich Barkhausen. Im Jahre 1924 veröffentlicht H. Barkhausen (mit G. Lewicki) zur Thematik „Die Empfindlichkeit des Ohres für nichtsinusförmige Töne“ (Physikalische Zeitschrift 10

Leipzig). Das Ohr wurde sowohl mit sinusförmigen als auch mit rechteck- bzw. dreieckförmigen Schalldruck-Zeitfunktionen über Telefonhörer beschallt. Der Speisestrom des Telefonhörers, bei dem die Hörempfindung gerade beginnt (Hörschwelle), wurde bei verschiedenen Frequenzen gemessen. Dabei konnten frühere Messungen von Max Wien (1902) zur Hörbarkeit von Sinustönen bestätigt werden. Die weiteren Ergebnisse zeigten, dass beim Hören von Klängen, die aus mehreren Spektralkomponenten zusammengesetzt sind, Effekte auftreten, die später als Verdeckungseffekte erkannt worden sind. (nach R. Dietzel) 1926 erscheint von Heinrich Barkhausen die hinsichtlich der Lautstärkemessung bahnbrechende Arbeit mit dem Titel „Ein neuer Schallmesser für die Praxis“ (Zeitschrift für Technische Physik; Zeitschrift VDI). Barkhausen schreibt: „Ich weiß nicht, ob Ihnen schon aufgefallen ist, dass wir für die Lautstärke irgendwelcher Schallquellen noch gar kein zahlenmäßiges Maß haben. Wir müssen uns mit allgemeinen Redensarten wie ‚laut’ oder ‚leise’ begnügen ....... Ich möchte Ihnen heute einen Apparat vorstellen, der beim Schall das gleiche leistet, wie das Photometer beim Licht.“ Der Lautstärkemesser (siehe Abbildung) wurde von H. Barkhausen am 19.12.1925 zum Patent angemeldet: „Akustische Vergleichsvorrichtung“ (Deutsches Reichspatent 445415 vom 10.6.1927):
Mit einem Summer und einer Trockenbatterie wird in dem Gerät ein Vergleichsgeräusch erzeugt, dessen Stärke an einem Potentiometer so eingestellt werden soll, dass der Schall, der mit einem Ohr vom Telefon kommend gehört wird, ebenso laut erscheint, wie der mit dem anderen Ohr aufgenommene zu messende Schall. Am Potentiometer liest man dann den Lautstärkepegel in phon ab. (nach W. Reichardt). Beim Verändern des Vergleichstones findet man ohne weiteres einen Bereich, wo der Vergleichston bestimmt lauter und einen zweiten, wo er bestimmt leiser ist als der zu messende Schall. Nach einigem

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden Probieren ergibt sich, dass diese Bereiche ziemlich eng aneinander stoßen, so dass die Lautstärkengleichheit ziemlich scharf festgestellt werden kann.
• gemessene Richtcharakteristik für die Schallab-

Barkhausen unterteilt den Lautstärkebereich und damit das Potentiometer in 15 Stufen, die zwischen Hörschwelle und Schmerzempfindung einstellbar sind. Das entspricht der von ihm beobachteten Anzahl von unterscheidbaren Lautstärkestufen. Barkhausen schlug für die physikalische Größe „Schalldruck“ die Einheit „Wien“ vor: Der Schalldruck an der Hörschwelle beträgt 1 Wien, derjenige an der Schmerzgrenze 32.000 Wien. Barkhausen fand aus seinen experimentellen Untersuchungen eine Bestätigung des Weber-Fechnerschen Gesetzes auch für die akustische Wahrnehmung: Die Änderung der Empfindung (Lautstärke) ist der relativen Änderung des Reizes (physikalische Größe: normierter Schalldruck) proportional. Für diese Lautstärkeskala schlug Barkhausen die Einheit „Phon“ vor, wobei er für die Vergleichsskala den Logarithmus zur Basis 2 verwendete. Erst 1932 wählte man den Logarithmus zur Basis 10 für die Vergleichsskala der Lautstärke mit der Einheit phon und als Frequenz des Vergleichstones f = 1 kHz. (nach R. Dietzel) Der Lautstärkemesser nach H. Barkhausen (siehe Abbildung) wurde 1926 durch die Firma Siemens & Halske produziert (Gerätebeschreibung „Geräuschmesser für die Praxis (Phonometer) nach Barkhausen“). In der Veröffentlichung von H. Barkhausen „Ein neuer Schallmesser für die Praxis“ aus dem Jahr 1927 sind folgende experimentellen Ergebnisse dargestellt:
• Abnahme des Schalldruckes proportional zu 1/r

strahlung eines Lautsprechers bei unterschiedlichen Frequenzen, • gemessene Richtcharakteristik des vom Ohr empfangenen Schalldruckes für zwei Frequenzen, • Schalldämmung einer Wand, einer Tür und verschieden schwerer Vorhänge in der Türöffnung, bei breitbandigem Anregungsgeräusch, • Lautstärken unterschiedlicher Maschinen, Motoren und Alltagsschallquellen.

Lautstärkemesser nach Heinrich Barkhausen, Foto: R. Dietzel

Mit Hilfe des neuen Lautstärkemessers konnten vielfältige Untersuchungen im Bereich der Hörakustik aufgenommen werden. Dazu gehören z. B. die Arbeiten:

„Die Lautstärke von zusammengesetzten Tönen und Geräuschen“ (1927), gemeinsam mit H. Tischner in der Zeitschrift für Technische Physik „Über die Hörbarkeit von Verzerrungen“ (1929) von W. Janovsky [von der Sächsischen Technischen Hochschule zu Dresden genehmigte Dissertation (Referent: H. Barkhausen, Korreferent: G. Berndt)].
Janovsky untersuchte die Hörbarkeit von nichtlinearen Verzerrungen an reinen Tönen, Doppeltönen und Musik. Er schuf damit die Grundlagen für die Beurteilung der Zulässigkeit von Nichtlinearitäten. (nach M. Kluge)

von einer Schallquelle im Freien,
• gleichartige Abnahme in der Nähe der Schallquel-

le in einem schwach gedämpften Raum, ab einer Entfernung von etwa 2 m ist der Schalldruck konstant,

„Über den Zusammenhang zwischen Schallempfindung und Schallreiz und sein Einfluss auf die Hörbarkeit von Verzerrungen“ (1931) von W. Janovsky,

11

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

Zeitschrift für Technische Physik, Leipzig (1932), Mitteilung aus dem Zentrallaboratorium des Wernerwerkes der Siemens & Halske AG Berlin).

„Über einen neuen Schalldruckgleichrichter“ (Zeitschrift für Technische Physik 13 (1932) 9, S. 396 – 402). Darin heißt es:
„Während die bisher bekannt gewordenen Methoden der direkten Schalldruckmessung wegen des sehr geringen Wirkungsgrades der verwendeten Gleichrichter meist nur von theoretischem Interesse waren, ist es durch die Konstruktion eines neuen Gleichrichtventils von hohem Wirkungsgrad gelungen, eine einfache Messanordnung zur Bestimmung von Schalldrucken zu entwickeln. Das Prinzip der schon von KUNDT angegebenen ... Anordnung ist folgendes: Dem zu bestimmenden Schalldruck wird ein wie bei einer Pumpe rein mechanisch wirkendes Klappventil ausgesetzt, dessen Klappe so trägheitslos ist, dass sie in der Schallfrequenz mitschwingt. Das Ventilloch ist daher immer für die eine Druckphase geöffnet, für die andere geschlossen; es bildet sich hinter dem Ventil je nach der Durchlassrichtung ein Überbzw. Unterdruck aus, der mit einem genügend empfindlichen Manometer gemessen wird. ... Die Gleichrichtdüse kann so klein ausgeführt werden, dass sie durch ihre Anwesenheit das Schallfeld nicht deformiert..... ....befand sich in der Scheibe eine Bohrung, welche auf der dem zu messenden Schalldruck abgewendeten Seite durch einen als Ventilklappe wirkenden Fliegenflügel abgeschlossen wurde. .... Als geeignetstes Flügelmaterial erwiesen sich die Flügel von im Winterschlaf gestorbenen gewöhnlichen Stubenfliegen. Wie die angestellten Messungen ergaben, zeigen sich bei solchen Flügeln keine Änderungen der Flügelkonstanten während des Gebrauches. Flügel von getöteten Tieren benötigen längere Zeit, um zu altern. Versuche mit Flügeln anderer Insekten zeigten, dass gerade bei Fliegenflügeln für den beabsichtigten Verwendungszweck das optimale Verhältnis von Masse und Elastizität vorhanden ist.....“(siehe Abbildung)

„Die Schallaufnahme durch das äußere Ohr“ (1930), Dissertation von J. Tröger, TH Dresden (Referent: Heinrich Barkhausen, Korreferent: Georg Berndt)
Er bestimmte als erster die mechanische Impedanz des Trommelfells. Er entwickelte eine zuverlässige rohrakustische Methode zur Messung von akustischen Impedanzen und wies durch sorgfältige Messungen nach, dass im Bereich bester Ohrempfindlichkeit eine Widerstandsanpassung zwischen Trommelfell und Ausbreitungswiderstand im Medium besteht. (nach M. Kluge)

„Über Empfindung und Messung der Lautstärke“ (1932), Dissertation von Ulrich Steudel (aus Berlin-Dahlem), TH Dresden, eingereicht am 3. November 1932, Tag der mündlichen Prüfung am 20. Dezember 1932 (Referent: Heinrich Barkhausen, Korreferent: Georg Berndt).
Die Messungen von U. Steudel zur Lautstärke einzelner und periodischer Knacke verschiedener Kurvenform führten zu einer Lautstärkeformel. Sie gibt die Lautstärke von Geräuschen im Bereich von 50 bis 100 Phon wieder. Steudel schuf einen anzeigenden Lautstärkemesser, der eine Verbesserung bei spitzenhaltigen Geräuschen darstellte und auch kommerziell angewendet wurde. (nach M. Kluge)

„Die Lautstärke von Geräuschen“ (1933), gemeinsame Veröffentlichung von H. Barkhausen mit U. Steudel (Hochfrequenztechnik und Elektroakustik).
Barkhausen und Steudel untersuchen anhand von Knacken und Knackfolgen den Einfluss der Geräusch-Zeitfunktion auf die Lautstärke. Die Lautstärke kurzer Impulse wird durch ihren Energieinhalt beschrieben. Das Ausklingen der Schallerregung kann durch eine Energie-Abklingzeit von 25 ms beschrieben werden. (nach W. Reichardt)

M. Kluge und G. Reisig publizieren 1935 über „Physikalische Grundlagen der funktionellen Gehörprüfung mit Stimmgabel und Audiometer“ (Zeitschrift für HalsNasen- und Ohrenheilkunde 38 (1935) 2-5, S. 226 - 248)
Sie vergleichen die Verfahren der funktionellen Gehörprüfung mit Stimmgabel und Audiometer. Die Arbeit enthält Messungen über die Empfindlichkeit gesunder und kranker Ohren für Luft- und Körperschall. Insbesondere wird die Zunahme der Körperschallempfindlichkeit bei Verschluss des Gehörgan-

Abschließend sollen noch zwei weitere bemerkenswerte Arbeiten erwähnt werden. 1932 veröffentlichte Fritz Ribbentrop, Dresden, eine Mitteilung aus dem Institut für Schwachstromtechnik der TH Dresden 12

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

Ein drittes Forschungsfeld der akustischen Ära Barkhausens ist der Komplex: Lärmbekämpfung, akustische Materialien, mit starker Anwendung der elektromechanischen Analogie: In diesem Abschnitt werden die Arbeiten am Institut für Schwachstromtechnik der TH Dresden zusammengefasst, die sich mit Schallabsorbern und schalldämpfenden Kanälen sowie mit der Schallerzeugung beschäftigen. H. Tischner untersuchte in seiner Dissertation (1930) „Über die Fortpflanzung des Schalles in Röhren und die Untersuchung von schalldämpfenden Körpern“ (Referent: Heinrich Barkhausen, Korreferent: Georg Berndt, Zeitschrift Elektrische Nachrichten-Technik (1930), Heft 5 und 6) mit einem hierzu entwickelten Kompensationsschallmesser die Dämpfung von Röhren und die Zusatzdämpfung, die durch in das Rohr gebrachte tangential oder frontal beaufschlagte Dämpfungsstoffe verursacht wird. Von besonderer Bedeutung waren die Forschungen von Dr. Martin Kluge, nach der Meinung Barkhausens einer seiner besten und fähigsten Schüler, auf dem Gebiet der Lärmbekämpfung an Kraftfahrzeugen. M. Kluge habilitierte sich 1933 mit der Arbeit „Problem der Dämpfung des Auspuffschalls der Kraftfahrzeugmotoren“ an der TH Dresden (Automobiltechnische Zeitschrift (1933), Heft 7 und 9; auch: Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen an der Sächsischen Technischen Hochschule Dresden 13 (1933), Nr. 3 und Nr. 4).
In der Arbeit werden grundsätzliche Fragen über das Störspektrum der Auspuffströmung und Mittel zu seiner wirksamen Dämpfung ohne Einbuße an Maschinenleistung untersucht. Die Berechnungen führten zum Vorschlag des gestaffelten Tiefpassfilters als Dämpfer, erarbeitet mit Anwendung der elektromechanischen Analogie, und zu Regeln für eine mit

aus: „Über einen neuen Schalldruckgleichrichter“ von: Fritz Ribbentrop, Dresden 1932
ges untersucht. (nach M. Kluge). In der Einleitung heißt es: „Die Meß- und Untersuchungsmethoden, über die ein naturwissenschaftliches Arbeitsgebiet verfügt, können als Gradmesser für seinen Entwicklungsstand betrachtet werden. Vertiefte Erkenntnisse werden fast stets als Ergebnis von Beobachtungen mit verfeinerten messtechnischen Hilfsmitteln gewonnen. Quantitative Messverfahren sind wertvoller als qualitative; ihre Aussagen sind eindeutiger, unbestechlicher und jederzeit kontrollierbar. Nur ein Messergebnis, das quantitativ und in absoluten, physikalisch definierten Einheiten angegeben wird, ist von allgemeinem Wert, weil es mit Ergebnissen anderer Forscher vergleichbar und damit als Grundlage für weitere Forschung brauchbar ist. Die Anwendung dieser Sätze auf die Verfahren zur funktionellen Gehörprüfung mag zunächst als übertriebene physikalische Strenge erscheinen. Es soll versucht werden, ihre Berechtigung auch auf diesem Gebiet darzutun. Bei der eingehenden Untersuchung der bekannten Gehörprüfmethoden, Stimmgabelverfahren und Audiometer und bei ihrem Vergleich wird die Anwendung dieser Verfahren zur quantitativen Gehörprüfung in den Vordergrund gestellt.“

Die aktuellen Entwicklungen Ende der 1930er Jahre wurden von W. Janovski 1941 dargestellt: „Vom BARKHAUSENPhon zur DIN-Lautstärke“ (Hochfrequenztechnik und Elektroakustik). 13

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden kleinem Leistungsverlust behaftete Bauweise der Dämpfer. (nach M. Kluge) In der Habilitationsschrift von Dr. Kluge heißt es: „Der Auspufflärm von Kraftfahrzeugen bildet einen wesentlichen Anteil des Verkehrslärms, zu dessen Verminderung in jüngster Zeit lebhafte Bestrebungen eingesetzt haben. Experimentelle Untersuchungen über die Dämpfung von Auspuffschall werden im Dresdner Institut für Kraftfahrwesen bereits seit 1925 durchgeführt. Bemühungen zur Vermeidung des Auspufflärms haben bisher besonders bei Motorrädern keinen restlos befriedigenden Erfolg gehabt. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass der Maschinenbauer die Frage der Auspuffleitung weniger unter dem Gesichtspunkt größter Geräuschdämpfung als unter dem geringsten Leistungsverlustes behandelt hat. Die vorliegende Arbeit versucht, den Schalldämpfer als akustisches Problem zu untersuchen, wobei der Leistungsverlust mit berücksichtigt wird. Aufgabe des Schalldämpfers am Kraftfahrzeug ist es, den stoßartig aus dem Auslassorgan austretenden Abgasstrom so weit zu glätten, dass der in das freie Medium austretende Gasstrom keine das Ohr unzulässig belästigenden Impulse mehr enthält. Die entsprechende elektrische Aufgabe besteht darin, einen z. B: von einem Einphasengleichrichter gelieferten pulsierenden Strom durch Filterleitungen so zu glätten, dass ein Gleichstrom mit nur mäßiger Welligkeit aus dem Filter herauskommt.... Die Wirkung aller für unsere Zwecke geeigneten Filter beruht darauf, die Wechselstromkomponenten möglichst vollständig zu unterdrücken, den Gleichstrom aber möglichst ungeschwächt durchzulassen. (siehe Abbildung) Aus (1) und (2) lässt sich quantitativ angeben, wie groß die Dämpfung für verschiedene Frequenzkomponenten der Strömung sein muß. Für die Verwirklichung des so gefundenen Dämpfungsverlaufes kennt die Elektrotechnik einfache und übersichtliche Mittel, die Wellenfilter....... Die Dämpfung einer Leitung mit Filter kann noch dadurch erhöht werden, dass an den einzelnen Verbindungspunkten ungleiche Widerstände zusammentreffen, wodurch sog. „Stoßdämpfungen“ entstehen. Der Schalldämpfer ist als akustischer Wellenfilter aufzufassen, der in das vom Auslaßorgan bis zum freien Medium reichende Leitungssystem eingeschaltet wird. Für die akustische Aufgabe kann sowohl die Filterdämpfung als auch die Stoßdämpfung ausgenutzt werden. Der Leistungsverlust wird in unserer Betrachtungsweise durch den komplexen Eingangswiderstand der Abgasleitung, vom Auslaßorgan aus gesehen, gekennzeichnet..... Obwohl die Verhältnisse im akustischen Fall nicht so eindeutig sind wie im elektrischen, weil die Abmessungen akustischer Gebilde in die Größenordnung der Schallwellenlänge fallen, lassen sich auf diesem Wege doch brauchbare, zum Teil quantitative Richtlinien aufstellen..... Um die erforderliche Dämpfung möglichst zahlenmäßig bestimmen zu können, sind einige Annahmen über die zulässige Lärmentwicklung erforderlich. Dazu seien die Verhältnisse in einer normalen Großstadtstraße zugrunde gelegt; es soll angestrebt werden, dass das Auspuffgeräusch in einer Entfernung von 5m vom Fahrzeug den durchschnittlichen Verkehrslärm der Straße von etwa 60 Phon Lautstärke nicht wesentlich überschreitet. Als Grenze seien 70 Phon in einer Entfernung von 5m angesetzt.......“

Als herausragend ist auch die Dissertation (1934) von H. Wüst „Untersuchungen über akustische Vierpole“ einzuschätzen (Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, Leipzig 1934).
aus: „Problem der Dämpfung des Auspuffschalles der Kraftfahrzeugmotoren“ von Martin Kluge in: „Automobiltechnische Zeitschrift“ 1933
Um die Aufgabe des Schalldämpfers quantitativ zu fassen, muß also festgestellt werden: erstens (1): wie groß die in das Freie austretenden Strömungsschwankungen sein dürfen, wenn keine belästigende Geräuschbildung auftreten soll; zweitens (2): wie groß etwa die Strömungsschwankungen hinter dem Auslassorgan sind. Wüst misst nach einem rohrakustischen komplexen Kompensationsverfahren die Wellenparameter (Wellenwiderstand und Übertragungsmaß) von Pfropfen luftdurchlässiger Stoffe, die er als akustische Vierpole auffasst. Aus Wellenwiderstand und Übertragungsmaß können Massen- und Reibungswiderstand sowie Federung und Federungsverlust der im Stoff enthaltenen Luftkanäle errechnet werden. Die genauen Messungen erlauben interessante physikalische Rückschlüsse auf die Strömung und Kompressibilität der Luft in den feinen Kanälen poriger Stoffe (nach M. Kluge). Aus dieser Arbeit:

14

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden „Das akustische Verhalten poröser Körper war in den letzten Jahren Gegenstand verschiedener theoretischer und experimenteller Untersuchungen. In der Behandlung des eindimensionalen Problems zeigt sich dabei das Bestreben, die weitgehende Analogie zu den Vorgängen auf einer elektrischen Fernleitung hervorzuheben. ... Wie sich zeigen wird, kann man die Analogie auch auf dickere Schichten porösen Material ausdehnen und diese als akustische Leitungsstücke oder allgemeiner als akustische Vierpole auffassen.... Die vorliegende Arbeit bringt ein Verfahren zur Untersuchungen akustischer Widerstände und Vierpole.“

Prof. Lothar Cremer (TU Berlin) hat in seinem weit verbreiteten Buch „Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik, Band III: Wellentheoretische Raumakustik“ (S. Hirzel Verlag Leipzig 1950) die akustische Vierpol-Messung im Rohr nach H. Wüst ausführlich dargestellt. Er schreibt dazu u. a.: „Besonders die Dresdener Schule von Prof. Barkhausen hat von dieser Analogie erfolgreichen Gebrauch gemacht 1). Für die Raumakustik ist hier besonders die Widerstandsmessung im Rohr durch Wüst zu nennen....... Auch die von Wüst benutzte elektroakustische Apparatur verdient besondere Beachtung.“ (siehe Abbildung) [In der Fußnote 1) werden von L. Cremer die folgenden Doktoranden des Barkhausen-Instituts genannt: H. Tischner, J. Tröger, H. Wüst, M. Kluge, H. Böhme, J. Harmans.] Analog zu H. Wüst hat H. Böhme in seiner Dissertation (1937) „Dynamisches Verhalten von Schalldämmstoffen“ die Schwingungskonstanten von Gummi, Holz, Kork und ähnlichen Stoffen ermittelt. Mit einem Messgerät für mechanische Scheinwiderstände bestimmt er die „Vierpolkonstanten“ von Stäben verschiedenen Materials und daraus deren Schwingungseigenschaften (nach M. Kluge).

aus: „Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik“ von L. Cremer

Zu diesem Forschungskomplex der Schallabsorber gehört auch die Dissertation (1939) von J. Harmans „Messung von Schallschluckstoffen und deren Verwendung zur Dämpfung von Rohren“ (Dissertation, eingereicht am 7. September 1939, Tag der mündlichen Prüfung am 27. Oktober 1939; Referent: Walter Wolman, Korreferent: Heinrich Barkhausen).
J. Harmans berechnet und misst die Schalldämpfung von Rohren, deren Innenwand durch dicke Schichten von Schallschluckstoff gebildet werden. Die Einflüsse des Materials (Strömungswiderstand, Schichtdicke), des Rohrradius und der Frequenz werden durch einfache Ansätze in qualitativer Übereinstimmung mit dem Experiment rechnerisch geklärt. Die quantitative Übereinstimmung ist so gut, dass Richtlinien für die Anwendung von Schluckrohren abgeleitet werden können (nach M. Kluge).

Aus der Zusammenfassung der Arbeit von J. Harmans (siehe auch Abbildung):
„Das Verhalten poröser Schallschluckstoffe bei senkrechtem Schalleinfall wird in einer Rohranordnung experimentell untersucht, die Gültigkeit der bestehenden Theorie bestätigt. Es werden Gleichungen abgeleitet, die die Schallverhältnisse in Rohren mit schallschluckender Wandung unter den vereinfachenden Voraussetzungen beschreiben, dass eine Welle senkrecht zur Oberfläche in das Wandmaterial eindringt und ebene Wellen im Rohr vorhanden sind. Übertragungsmaß und Wellenwiderstand der Rohre sind von Strömungswiderstand, Porosität und

15

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden Dicke der Wandbekleidung und vom Rohrradius abhängig.

Fernmeldeanlagen und Technische Akustik der TH Dresden. Von historischem Interesse ist die Tatsache, dass 1938 unter der Betreuung von H. Barkhausen und M. Kluge eine strömungsakustische Dissertation am Institut für Schwachstromtechnik der TH Dresden erarbeitet worden ist, und zwar von H. Schießer „Beitrag zur Untersuchung der Wirkungsweise von Sirenen“. Schießer untersuchte experimentell die Schallerzeugung an einem Unterbrecher, der aus einem Druckluftkessel gespeist wurde, sowie die strömungsmechanische Schallentstehung an einer Druckluft-Sirene (siehe Abbildung).

aus: Dissertation von Jan Harmans: „Messung von Schallschluckstoffen und deren Verwendung zur Dämpfung von Rohren“, Dresden 1940
Der experimentelle Vergleich zeigt Abweichungen besonders des Dämpfungsmaßes von den theoretisch zu erwartenden Werten, die teils durch die Inhomogenität des Materials und den dadurch bedingten Messfehler, teils durch die Erkenntnis erklärt werden, daß die Schallwellen unter einem von den Daten des Wandmaterials und der Frequenz abhängigen Winkel in die Rohrwand eindringen. Die festgestellten Abweichungen sind auf die Winkelabhängigkeit des Schluckgrades zurückzuführen.“

Interessant ist hierbei auch, dass nunmehr Prof. Walter Wolman Forschungsarbeiten zur Technischen Akustik betreute. W. Wolman war 1938 zum außerordentlichen Professor für Fernmeldetechnik und Elektroakustik an die TH Dresden berufen worden, übernahm u. a. die Lehrveranstaltungen zur Vierpoltheorie sowie zur Fernwirktechnik und Elektroakustik und war ab 1938 (bis 1945) Direktor des Instituts für 16

aus: „Beitrag zur Untersuchung der Wirkungsweise von Sirenen“ von Hans Schiesser, in: Akustische Zeitschrift, 1938

Die akustische Ära von Heinrich Barkhausen an der TH Dresden

Raumakustik: Aus der akustischen Ära Barkhausens gibt es auch über einige wenige Aktivitäten zur Raumakustik zu berichten. Inwieweit es allerdings Verbindungen zwischen H. Barkhausen und R. Heger gab, der 1910 an der TH Dresden zum Honorarprofessor berufen wurde, Vorlesungen über Raumakustik hielt und 1912 zum Vorstand der „Sammlung und Arbeitsstelle für Raumakustik“ an der TH Dresden ernannt worden ist, ist nicht bekannt (siehe dazu im Anhang A.1 die Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik). Aus der Barkhausenzeit wird von Untersuchungen zur Nachhallzeit von Räumen (auf der Basis der Abhandlungen von SABINE) und der Absorptionseigenschaften von Luft und verschiedener Materialien berichtet, von der Messung der Schalldruckabnahme in einem schwach gedämpften Raum mit Hilfe seines Lautstärkemessers, von der Feststellung des 1/r-Abfalls in der Nähe der Quelle und der ab 2m Abstand von der Quelle festgestellten gleichmäßigen Raumerfüllung in Übereinstimmung mit der Theorie (siehe dazu auch die o. g. Publikation von Barkhausen aus dem Jahre 1927 „Ein neuer Schallmesser für die Praxis“). Aus den 1920er Jahren gibt es den Hinweis, dass M. Kluge die Raumakustik des großen Saales der Ausstellungshalle in Dresden verbessert hat (die wirkungsvollen Maßnahmen von R. Heger waren entfernt worden, weil sie den Architekten nicht gefallen hatten). Und schließlich sei noch die 1938 von H. G. Freygang erarbeitete Diplomarbeit

am Institut für Schwachstromtechnik an der TH Dresden genannt: „Über ein neues Verfahren zur Ausmessung von Schallfeldern und Innenräumen vermittels eines kontinuierlichen Spektrums“ (Akustische Zeitschrift 3 (1938) 2, S. 80 – 84). Auch in dieser Abhandlung ist eine der für die Barkhausen-Zeit typischen Arbeitshypothesen ausgestaltet, dass objektive Größen zur Feststellung der subjektiven akustischen Wahrnehmung gefunden werden müssen. In der Arbeit heißt es:
„Im Rahmen einer Diplomarbeit sollte untersucht werden, wie weit es möglich ist, ein Maß für den subjektiven Klangeindruck von Lautsprechern in Abhängigkeit von deren Frequenzgang zu erhalten. Die Untersuchungen verfolgten den Zweck, wenn möglich ein einfaches und leicht reproduzierbares Verfahren zu finden, das die Lautsprecher in ihren normalen Arbeitsbedingungen zu charakterisieren imstande ist. Da die Mehrzahl aller Lautsprecher in Wohnräumen zur Aufstellung kommen, ist es zunächst nötig, den subjektiven Klangeindruck in Innenräumen auf objektive Größen zurückzuführen und damit die Prinzipien aufzustellen, nach denen eine Messung erfolgen kann. In jedem Raume setzt sich der Schalleindruck zusammen aus dem direkten Schallstrahl und der Summe der reflektierten Energie. Die direkte Schallenergie nimmt umgekehrt mit dem Quadrat der Entfernung von der Quelle ab. Bei einer Quellenleistung von N Watt erhält man im Abstand d einen direkten Energiefluß Ed...... Die mittlere Energiedichte in einem allseits geschlossenen Raum beträgt Em.... Über die Zusammensetzung des Schallfeldes an einer beliebigen Stelle im Raume gibt der Quotient Ed / Em Aufschluß........“.

Zum Abschluss sei erwähnt, dass sich Heinrich Barkhausen nach 1946 stark dafür eingesetzt hat, dass die Raumakustik wieder im Lehrplan erscheint.

17

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

1.3

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

Der zweite große Zeitraum der Technischen Akustik an der TH Dresden begann einige Jahre nach dem 2. Weltkrieg mit dem Wirken von Walter Reichardt an dieser Hochschule. Er hatte nach seinem Studium der Elektrotechnik an der TH Dresden am 22. Juli 1930 mit der „von der Sächsischen Technischen Hochschule zu Dresden zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs genehmigten Dissertation „Entartungen sinusförmiger Schwingungen“ (Referent: H. Barkhausen, Korreferent: L. Binder)“ promoviert.

Nach Tätigkeiten in der ReichsrundfunkGmbH in Berlin und anderen Rundfunkanstalten sowie einer Studienreise (siehe Abbildung) begann W. Reichardt nach seiner Übersiedlung von Berlin nach Schmiedeberg unmittelbar nach dem Kriege seine Aktivitäten (siehe dazu die Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik im Anhang A.1 dieser Festschrift) auf dem Gebiet der Akustik, die ihn 1948 zu einem Lehrauftrag für Elektroakustik mit zwei Semesterwochenstunden und zum Aufbau eines Instituts (Labor für Elektroakustik) führten. 1950 (am 1. Oktober) wird Walter Reichardt zum Professor mit vollem Lehrauftrag berufen und als Direktor des Instituts für Elektro- und Bauakustik eingesetzt. 1958 erfolgte seine Berufung zum ordentlichen Professor mit Lehrstuhl. Im Zeitraum von 1950 bis 1968, der Ära von Walter Reichardt als Hochschullehrer an der TH/TU Dresden, baut er Vorlesungen und Praktika zu den Fachgebieten Elektroakustik sowie Bau- und Raumakustik auf; des weiteren hält er Vorlesungen zur Tonfrequenztechnik, Fernwirktechnik und Einführung in die Schwachstromtechnik. Das Fachgebiet Technische Akustik wird von ihm schrittweise entwickelt und um folgende Vorlesungen im Laufe der Zeit ergänzt (siehe Vorlesungsverzeichnis): Raumakustik für Architekten, Bauakustik für Hochbau, Theoretische Akustik, Technische Akustik, Lärmabwehr, Lärmabwehr im Hochbau, Lärmabwehr bei Gebäudeinstallationen, Lärmabwehr in Industriebetrieben. 1952 erscheint das Standardwerk „Grund-

aus:

Elektrotechnische Zeitschrift, Band 53, 1932

18

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

lagen der Elektroakustik“ von Walter Reichardt, das er 1968 mit verändertem Inhalt als „Grundlagen der Technischen Akustik“ (siehe Abbildung) erscheinen lässt.

Auskleidung zur Verfügung standen, wurde „auf die bewährte Methode der Stopfung von Gazekeilen mit porösem Material zurückgegriffen. Für die Keilhüllen eignete sich ein flammenhemmend imprägniertes Baumwoll-Gazegewebe recht gut. Als Stopfmaterial wurde Glaswolle verwendet“, und zwar 30 – 50 µm starke bzw. „geschmelzte“ von etwa 10 µm Faserstärke. Mit der Anfertigung und Montage der Keile wurde ein Dresdner Industriebetrieb beauftragt. Für die allseitige Auskleidung des Raumes (also einschließlich des Bodens!) wurden insgesamt 18.000 Glaswollekeile benötigt, für deren Anfertigung über 43.000 kg Glaswolle und 9.300 m2 Stoffgaze verarbeitet wurden. Weitere 5.000 kg Glaswolle bzw. Glaswollematten dienten zum Füllen von Hohlräumen. Um das Begehen des Raumes zu ermöglichen, ist in etwa 1,7 m Höhe über der Sohle des reflexionsfreien Raumes ein Stahlnetz mit 5 cm Maschenweite aus 3 mm starken Seilen gespannt. Für dieses Netz wurden etwa 9.000 m Stahlseil und über 600 Spannschlösser benötigt. (siehe Abbildung)

W. Reichardt schreibt dazu im Vorwort:
„Das Buch stellt eine Weiterentwicklung der vorangegangenen drei Auflagen „Grundlagen der Elektroakustik“ dar. Das entspricht der historischen Entwicklung des Gebietes.....“

Prof. Walter Reichardt bezieht 1953 mit dem Institut für Elektro- und Bauakustik Teilabschnitte des neuen BarkhausenBaus. In jenen Jahren sind im BarkhausenBau der große und kleine reflexionsarme Raum, der Hallraum sowie das bauakustische Decken- und Wandlabor entstanden.
Die Ausstattung des großen reflexionsfreien Raumes für Schallwellen geschah in eigener Regie und unter Leitung von Prof. W. Reichardt. Die lichten Abmessungen des Raumes betrugen 23 m in der Länge, 11 m in der Breite und 8 m in der Höhe. Als untere Grenzfrequenz des Raumes wurde 65 Hz festgelegt. Da in der DDR keine fasergebundenen Platten zur Anfertigung von Keilen für die schallabsorbierende

Zur Ermittlung der akustischen Eigenschaften des Raumes wurden zwei Messverfahren herangezogen: Die Bestimmung des Schalldruckabfalls im Kugelwellenschallfeld und die Messung des Reflexionsfaktors der schallabsorbierenden Wände bei senkrechtem Schalleinfall mittels Kurztonmethode. Es konnte damit nachgewiesen werden, dass der neue reflexionsfreie Raum die an ihn zu stellenden Anforderungen voll erfüllt. Die erzielten Ergebnisse sind denen sehr ähnlich, die bei anderen reflexionsfreien Räumen vergleichbarer Größe erreicht werden konnten (mit Hinweis auf Veröffentlichungen von Erwin Meyer, G. Kurtze, K. Tamm u. a.). (nach W. Kraak, G. Jahn und W. Fasold in „Hochfrequenztechnik und Elektroakustik“ 1960).

1967 wird das „Institut für Elektro- und Bauakustik“ unter der Leitung von Prof. Walter Reichardt in „Institut für Technische Akustik“ umbenannt. Als Begründung dafür wurde angegeben, dass nunmehr die Aufgaben der Bauakustik durch 19

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

Reichardt-Schüler an der Bauakademie in Berlin behandelt werden und dass das Institut in stärkerem Maße Aufgaben der Lärmbekämpfung übernommen hat. Walter Reichardt wird 1968 emeritiert. Er stirbt am 2. Juli 1985. Die am Institut für Elektro- und Bauakustik von W. Reichardt initiierten Forschungen zum Gebiet der Akustik lassen sich – in ähnlicher Weise wie im Abschnitt 1.2 für die Barkhausen-Ära dargestellt – durch die am Institut erarbeiteten wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeiten nachweisen. Im Folgenden werden deshalb die wichtigsten Forschungsfelder von Walter Reichardt und seinen Schülern auf dem Gebiet der Technischen Akustik genannt. Diese Forschungsgebiete bedeuten in starkem Maße eine Fortführung des von H. Barkhausen geprägten Profils der Technischen Akustik an der TH Dresden. (Die folgenden Ausführungen beziehen sich jeweils im allgemeinen Teil z. T. auf Darstellungen von W. Kraak anlässlich der Umbenennung des Instituts 1967 und auf den

Plenarvortrag von W. Kraak zur DAGA 1991 in Bochum.) Elektroakustik, Elektromechanische Systeme, Wandler: Walter Reichardt schuf eine Systematik der Analogiebeziehungen zwischen elektrischen, mechanischen und akustischen Größen, Strukturen, Prozessen, die in ihrer Verallgemeinerung (Arbeiten von A. Lenk) die Abbildung in allgemeinen Netzwerken bedeutet. (siehe Abbildung) Diese Analogien sind für die methodische Behandlung der Wandler, für die Kopplungen der verschiedenartigen physikalischen Felder, zu einer nahezu unumgänglichen Grundlage der wissenschaftlichen und praktischen Behandlungsweise in der Technischen Akustik geworden. Die Analogien gestatten die Einbindung dieser Vorgänge in moderne Systemtheorien. „So hat die Klassifizierung der elektromechanischen Wandler und die Angabe der vollständigen Ersatzschaltbilder für alle wichtigen Wandlertypen von W. Reichardt und A. Lenk der umfassenden Systematik ihre

aus:

„Grundlagen der Technischen Akustik“ von Walter Reichardt

20

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

größte wissenschaftliche Bedeutung gegeben“ (nach W. Kraak). Anfangs wurde das Verhalten von Strukturen mit konzentrierten Elementen bei einem Freiheitsgrad der Schwingung untersucht. Später erfolgte dann – durch Arno Lenk – der Übergang zu Systemen mit kontinuierlichen Parametern und mehreren Freiheitsgraden. Ein damit eng zusammenhängendes, zweites wichtiges Forschungsfeld wurde am Institut seit 1956 mit dem Gebiet der piezoelektrischen Wandler betrieben. Es beinhaltete Probleme der Herstellung der piezoelektrischen Keramik, das physikalische Verhalten keramischer Wandlerelemente und die messtechnische Bestimmung der elektrischen und mechanischen Koeffizienten dieser Keramiken. Einige Dissertationen, die von Walter Reichardt zu den genannten Gebieten betreut worden sind und aus denen einige Details der damaligen Forschungsarbeiten erkennbar sind, seien als Beispiele im Folgenden genannt: 1957 promovierte Arno Lenk mit der Dissertation „Theorie des piezoelektrischen Biegestreifens und ihre experimentelle Nachprüfung“, 1962 Ludwig Walther mit der Arbeit „Eine Methode zur Bestimmung der für praktische Wandler wesentlichen Materialkoeffizienten an piezoelektrischen Keramiken und ihre Anwendung bei der Entwicklung derartiger Materialien“ sowie 1964 J. D. Jain mit der Dissertation „Theorie des piezoelektrischen keramischen Torsionsschwingers“. Gottfried Schroth behandelte in seiner Dissertation (1968) das Thema „Ein Beitrag zur Darstellung von Biegestabsystemen durch passive analoge elektrische Schaltungen“, E. Richter promovierte 1968 mit der Arbeit „Piezoelektrische Biegeelemente und ihre Anwendung in Schallplatten-Abtastsystemen“ sowie J.P. Hirschfeld 1969 mit der Dissertation „Charakteristische Kenngrößen zur ein21

wandfreien Messung und Bewertung der Richtungsselektivität von elektromechanischen Schwingungsaufnehmern“. Weitere Arbeiten, die die Vielfältigkeit der Forschungen auf dem Gebiet der Elektroakustik und der elektromechanischen Analogien belegen, sind z. B. die folgenden Dissertationen: 1956 Kaszynski, G. Untersuchungen über die Ausgleichsvorgänge an Lautsprechern 1967 Ristow, J. Die elektrische Nachbildung von Reibungsvorgängen und Reibungsschwingungen Die Arbeiten von Walter Reichardt zur elektromechanischen Analogie wurden von Arno Lenk mit seinen systemtheoretischen Untersuchungen zur Abbildung von akustischen, mechanischen und elektromechanischen Systemen in Netzwerken im Zeitraum von etwa 1970 bis 1995 fortgeführt (siehe dazu die Ausführungen im Abschnitt 1.4). Raumakustik: Das Forschungsgebiet der Raumakustik gehört sicherlich zum zweiten herausragenden Feld der wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Walter Reichardt. Es wird berichtet, dass W. Reichardt bereits 1947/48 Ansätze zur raumakustischen Modellmesstechnik erarbeitete und erste Modelluntersuchungen mit W. Krautwurst durchgeführt hat. Das Prinzip der Anwendung der raumakustischen Modellmesstechnik kann auf Helmholtz zurückgeführt werden. Hermann von Helmholtz hat sich bereits 1873 mit physikalischer Ähnlichkeit befasst, und zwar in der Arbeit „Über ein Theorem, geometrisch ähnliche Bewegungen flüssiger Körper betreffend, nebst Anwendung auf das Problem, Luftballons zu lenken“ (Mo-

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

natsberichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 26. Juni 1873, S. 501 – 514). Es ist wenig bekannt, dass Helmholtz in dieser Arbeit die Ähnlichkeit für Schallvorgänge formulierte. Er schreibt:
„Bei dieser Lage der Sache wollte ich auf eine Verwendung der hydrodynamischen Gleichungen aufmerksam machen, welche erlaubt, Beobachtungsresultate, die an einer Flüssigkeit und an Apparaten von gewisser Grösse und Geschwindigkeit gewonnen worden sind, zu übertragen auf eine geometrisch ähnliche Masse einer anderen Flüssigkeit und Apparate von anderer Grösse und anderer Bewegungsgeschwindigkeit.“ „Schallschwingungen einer compressiblen Flüssigkeit werden in weiteren Räumen mechanisch ähnlich verlaufen können, wie schnellere Oscillationen einer weniger compressiblen Flüssigkeit in engeren Räumen.“ Veröffentlichungen zu praktischen Arbeiten auf dem Gebiet der raumakustischen Ähnlichkeit beziehen sich meist auf den praktischen Vorschlag von F. Spandöck aus dem Jahre 1934 („Raumakustische Modellversuche“. Ann. d. Physik 1934). Nach Spandöck sollten alle Musik- und Sprachfrequenzen mit dem reziproken Modellmaßstab vervielfacht, im Modell abgespielt und wieder aufgenommen werden, dann in den normalen Frequenzbereich zurücktransformiert und zur Beurteilung abgehört werden. Für einen kleinen Modellmaßstab (Spandöck verwendete den Maßstab 1:3, später 1:10) gibt es zunächst gegen dieses Verfahren kaum Einwände. Es scheint aber letzten Endes am außerordentlich großen technischen Aufwand und am Problem der Dämpfung bei hohen Frequenzen (trotz Verwendung stark getrockneter Luft und Plasteeinhüllung des Modells bei Spandöck) doch gescheitert zu sein.

am fertigen Bau. W. Kraak schreibt dazu: „Wenn in der DDR nach dem Kriege eine große Zahl, von der „Akustik“ her beurteilt, erstklassiger Kulturbauten entstanden sind, so liegt das Verdienst hierfür bei fast jedem dieser Objekte bei W. Reichardt.“ Dazu gehören:
• das „Große Haus“ und der Kulturpalast in Dres-

den
• die Linden-Oper, der Palast der Republik, der

Kongresssaal am Alexanderplatz sowie die Lichtspieltheater International und Kosmos in Berlin • das Opernhaus und die Stadthalle in Karl-MarxStadt (Chemnitz) • die Oper in Leipzig • die Stadthalle in Magdeburg und im Ausland:
• Prüfung und Verbesserung des neuerbauten Kon-

zertsaales des Bruckner-Hauses in Linz (Österreich) • Kulturzentrum Ljubljana (Jugoslawien) • Oper Sofia (Bulgarien) Außerdem wurden Lichtspieltheater in Bad Köstritz, Torgelow, Malchow, Kühlungsborn, Neubrandenburg, Ahlbeck, Demmin u. a. raumakustisch behandelt, des weiteren Hörsäle bzw. Auditorien der Bergakademie Freiberg, der Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt, der Hochschule für Verkehrswesen Dresden, der Universität Leipzig, der Medizinischen Akademie Dresden, der Universität Rostock u. a. m. Schließlich wurden akustische Gutachten und Beratungen bei folgenden Objekten durchgeführt:
• • • • • • • • • •

Nachdem Walter Reichardt 1950 an die TH Dresden berufen worden ist, beginnt er mit der Bearbeitung von raumakustischen Projekten. Er und seine Mitarbeiter entwickeln die experimentelle Modelltechnik für physikalisch ähnliche raumakustische Modelle, gekennzeichnet durch den sogenannten „Impuls-Schall-Test“, durch Geometrie- und dazu reziproke Frequenztransformation, durch die Messung von Reflektogrammen bzw. Impulsantworten im Modell und im Original und durch den Vergleich der Messergebnisse im Modell und 22

Plenarsaal des ZK der SED Berlin Sankt Hedwigs Kathedrale Berlin Regierungssanatorium Interhotel Taschenbergpalais Dresden Probsteikirche Leipzig Sorbisches Volkstheater Bautzen Dom Meißen Kinderklinik Görlitz Dom und Severikirche Erfurt Mehrzweckgebäude SDAG Wismut Karl-MarxStadt • Kathedrale Dresden

Die Dresdner raumakustische Schule unter W. Reichardt ist des weiteren durch die Erarbeitung, Definition, Untersuchung und Erprobung von objektiven raumakustischen Kriterien zur Charakterisierung der

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

subjektiven akustischen Wahrnehmung gekennzeichnet (siehe Abbildung: Buch von W. Reichardt), oder, wie das W. Reichardt nannte, die Schaffung raumakustischer „Wertmaßstäbe“. Hierzu gehören die Forschungen zum Echograd, zur Klangfülle (Nachhallzeit), zum Raumeindruck (Raumeindrucksmaß), zur Durchsichtigkeit (Klarheitsmaß), zur Klangfärbung (Frequenzgang der Nachhallzeit), zum Direktschallmaß, zum Hallabstand /Hallmaß, zum Räumlichkeitsmaß u. a. m.

sog. „Synthetischen Schallfeld“ durchgeführt. Von den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zur raumakustischen Modellmesstechnik und zu den raumakustischen Kriterien sollen im Folgenden wiederum nur einige als Beispiel genannt werden. 1957 promovierte Wolfgang Kraak mit der Dissertation „Elektroakustische Messungen an Raummodellen“ (siehe Abbildung).

VEB Verlag Technik, Berlin, 1979

Diese Untersuchungen zu den objektiven raumakustischen Kriterien wurden von Prof. W. Kraak im Zeitraum nach 1968, d. h. nach der Emeritierung von Prof. W. Reichardt, fortgeführt. Viele dieser Untersuchungen Untersuchungen wurden durch die elektroakustische Nachbildung des Raumschallfeldes, insbesondere der Raumreflexionen, im reflexionsarmen Raum im 23

Er erbrachte in dieser Arbeit u. a. den Nachweis, dass sowohl eine nicht ganz getreue Nachbildung der frequenzabhängigen Nachhallzeit als auch der verbleibende, verfälschende Einfluss der Luftabsorption rechnerisch ausgeglichen werden können. Er verwendete zur Erfassung der akustischen Güte eines Zuhörerplatzes das sogenannte Impulsbild, d. h. die oszillographische Aufzeichnung des am Empfangsort auftretenden Schalldruckverlaufes. Er schreibt: „Man erhält so eine einfache Möglichkeit, Plätze durch das optische Bild miteinander zu vergleichen und auf

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

ihre akustische Güte zu schließen.“ In den Impulsbildern sind störende Echos leicht zu erkennen; bei den Impulsuntersuchungen am Modell können Maßnahmen zu ihrer Beseitigung durchgeführt werden. „Weiterhin lassen sich schnell die Zonen, die ungenügend mit Direktschall und dem Direktschall dicht folgenden Reflexionen versorgt werden und auf denen demzufolge unzureichende Verständlichkeit zu erwarten ist, herausfinden.“ Von Bedeutung sind des weiteren die Arbeit von H. Winkler „Ermittlung der Anforderungen an raumakustische Modellmessungen“ (Dissertation TU Dresden 1964) und der Vortrag von W. Reichardt auf dem 6. ICA-Kongress in Tokio 1968 „Der Impuls-Schall-Test und seine raumakustische Beurteilung“. In der Dissertation von H. Winkler heißt es:
In der Arbeit wurde gezeigt, welche Anforderungen an einen Schallsender und den Schallempfänger bei raumakustischen Modellmessungen mit Echogrammen bei einem Maßstab von 1:20 zu stellen sind. Durch die Erhöhung der Prüffrequenzen ist die Schallabsorption in der Luft größer als sie nach den Modellgesetzen sein dürfte, so dass eine Verfälschung der Echogramme eintritt. Der Fehler wurde bestimmt und ein Verfahren zur Kompensation entwickelt. Ferner wurde die Nachbildungsgenauigkeit des Schallabsorptionsgrades der Raumbegrenzungsflächen berechnet, entsprechende Ersatzmaterialien wurden gefunden.

Semper-Oper in Dresden war, viele dieser Arbeiten von seinen Mitarbeitern und seinem Nachfolger, W. Kraak, durchgeführt worden sind, soll hier (in dem Abschnitt der Ära von W. Reichardt) eine kurze Chronik dieser Arbeiten angeführt werden: 1969 Beginn der akustischen Messungen am Modell des historischen Zuschauerraumes (siehe Abbildung)

Raumakustisches Modell der historischen Semperoper 1969 – 1975 akustische Modellmessungen an verschiedenen Entwürfen des Zuschauerraumes, Modellmaßstab 1:20 1975 Festlegung der Innenraumgestaltung, Projektierungsbeginn 1976 – 1977 akustische Messungen am endgültigen Modell 1984 akustische Messungen und erste Erprobungen im fertiggestellten neuen Zuschauerraum 1985 festliche Wiedereröffnung am 13. Februar Das Modell der historischen Semper-Oper im Maßstab 1:20 existiert noch heute am Institut für Akustik und Sprachkommunikation und wird in vielfältiger Weise in der Lehre sowie bei Demonstrationsvorlesungen, Gymnasiastenführungen sowie in 24

Die Methode des Impuls-Schall-Tests wurde nach 1968 durch die Bauakademie Berlin übernommen; damit wurde z. B. die raumakustische Gestaltung des Gewandhauses in Leipzig und des Konzertsaales in Berlin am Gendarmenmarkt (Schauspielhaus) erarbeitet. Erwähnt sei noch, dass dieser Impuls-Schall-Test auch zur Untersuchung von Lärmabwehrmaßnahmen im Städtebau mit Hilfe kleiner Stadt-GebäudeModelle eingesetzt worden ist. Da Prof. W. Reichardt verantwortlich für die raumakustische Gestaltung der neuen

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

1973 Abdel Alim, O.: Abhängigkeit der Zeit- und Registerdurchsichtigkeit von raumakustischen Parametern bei Musikdarbietungen 1974 Lehmann, U.: Untersuchungen zur Bestimmung des Raumeindrucks bei Musikdarbietungen und Grundlagen der Optimierung 1975 Ahnert, W.: Einsatz elektroakustischer Hilfsmittel zur Räumlichkeitssteigerung, Schallverstärkung und Vermeidung der akustischen Rückkopplung 1978 Schmidt, W.: Raumakustische Gütekriterien und ihre objektive Bestimmung. Dissertation B (Habilitationsschrift) 1982 Dietsch, L.: Objektive raumakustische Kriterien zur Erfassung von Echostörungen und Lautstärke bei Musik- und Sprachdarbietungen. Zum Gebiet der Raumschallfelder gehören auch die folgenden Arbeiten des Dresdner Instituts, die unter der Betreuung von W. Reichardt durchgeführt worden sind und die im weiteren Sinne auch der raumakustischen Projektierung zuzurechnen sind. Das sind einerseits die Untersuchungen von Walter Wöhle „Die Schallabsorption von Helmholtz-Resonatoren bei allseitigem Schalleinfall und bei verschiedenen räumlichen Anordnungen“, mit der er 1956 an der TH Dresden promovierte.
In der Dissertation von W. Wöhle ist auch der später von Heinrich Kuttruff so benannte „WaterhouseWöhle-Effekt“ abgehandelt worden. Der sogenannte Waterhouse-Effekt, der im Jahre 1955 von dem amerikanischen Akustiker Richard Waterhouse im „Journal of the Acoustical Society of America“ veröffentlicht wurde, erklärt die Erscheinung, dass der Schalldruckpegel in einem aus inkohärenten Schallwellen zusammengesetzten Schallfeld bei Annäherung an eine reflektierende Raumwand, an eine

Prof. Walter Reichardt in der wieder aufgebauten Semper-Oper Dresden nach dem erfolgreichen Abschluss der akustischen Messungen und Erprobungen (Foto: R: Dietzel, 29.03.1984)

Veranstaltungen des Studium generale und der Seniorenakademie Dresden verwendet. Weitere Dissertationen zu den genannten Gebieten der Raumakustik, einschließlich zur stereophonen Übertragung, werden im Folgenden genannt: 1958 Niese, H.: Die Messung und Bewertung von Rückwurffolgen in Räumen 1966 Schirmer, W.: Stereophone Übertragung mit Kopfhörern zur Ermittlung der Hörsamkeit von Räumen 1967 Schmidt, W.: Untersuchungen über die für den Raumeindruck wichtigen Schallfeldparameter bei Musikdarbietungen 1968 Haustein, B.-G.: Mögliche Ursachen des Effektes der „ImKopf-Lokalisation“ bei der kopfbezüglichen Stereophonie 1969 Schubert, P.: Die Wahrnehmbarkeit von Einzelrückwürfen bei Musik

25

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden rechtwinklige Kante bzw. in den Ecken des Raumes ansteigt. Walter Wöhle hatte seine Ergebnisse, die er unabhängig von Waterhouse gefunden hatte, 1956 in der Zeitschrift „Hochfrequenztechnik und Elektroakustik“ in einer Publikation von knapp zwei Seiten veröffentlicht (siehe Abbildung). W. Wöhle stellt das Schalldruckfeld im Raum aus einer Überlagerung der Eigenschwingungen des Raumes dar. Die von ihm getroffenen Voraussetzungen sind: „Innerhalb eines Frequenzbereiches wird eine große Anzahl von Eigenfrequenzen gleichmäßig angeregt. Alle angeregten Eigenfrequenzen besitzen gleiche Anregung und gleiche Dämpfung (d. h. gleiche Amplituden). Die angeregten Eigenfrequenzen liegen sehr dicht beieinander.“ Durch Summation über alle Druckquadrate der Eigenmoden erhält man den mittleren Effektivwert des Schalldruckes im Rauminneren, mit entsprechenden Randbedingungen auch in Wandmitte, in der Kante und in der Raumecke. „Wählt man den Schallpegel in Raummitte als Bezugspunkt, so ergibt die Rechnung eine Erhöhung von 3 dB in Wandmitte, von 6 dB in den Kanten und von 9 dB in den Ecken. Das gilt natürlich nur für Rechteckräume.“ Diese rechnerischen Ergebnisse wurden mit Messungen in einem Hallraum erfolgreich validiert. Fläche des betrachteten Raumes absorbiert den Schall vollständig bzw. größere Flächen sind stark absorbierend) bei Grenzfallaussagen zu Widersprüchen führen. Die Ableitung von W. Kraak weist die Richtigkeit der EYRINGschen Nachhallformel und der von ihm definierten Mittelwertbildung bei ungleichmäßiger Verteilung des Absorptionsmaterials auf die Raumoberflächen nach.

Und dann entstanden andererseits auch in Dresden in jener Zeit, analog zu den Untersuchungen von H. Kuttruff, raumakustische Arbeiten unter den Betreuungen von W. Reichardt und W. Kraak, die sich auf das Schallfeld in Werkhallen, insbesondere mit Schirmwänden, schallabsorbierenden Auskleidungen und Streukörpern bezogen: 1969 Jeske, W.: Schallausbreitung in Werkhallen 1976 Gruhl, S.: Schallausbreitung in Räumen Schließlich sollen hier auch die Untersuchungen zum Schalldurchgang durch Gitter und Schlitze erwähnt werden, und zwar die Dissertation von Peter Budach (1967): „Der Transmissionsgrad von schlitzförmigen Einzelöffnungen und Schlitzgittern“. Bauakustik: Der Forschungsschwerpunkt Bauakustik umfasste anfangs Untersuchungen von Wand- und Deckenkonstruktionen, später insbesondere theoretische und experimentelle Arbeiten zu grundsätzlichen messtechnischen Problemen, wie z. B. die Bestimmung der Nebenwegdämmung, die Ermittlung des dynamischen Elastizitätsmoduls poröser Materialien, die Trittschalldämmung von Gehbelägen. Außerdem wurde das „Sollkurvenproblem“ für die Luft- und Trittschalldämmung von der prinzipiellen Seite wohnüblicher Geräusche her untersucht. Zu den behandelten bauakustischen Problemen gehörten auch die Schalldämmung von Schlitzen und Öffnungen in Wandkonstruktionen, die Anregung freier Biegewellen auf Platten 26

aus:

„Zum Schallpegel in Ecken, Kanten und an den Wänden geschlossener Räume bei Rauschen“ in: Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, Band 64, 1956

Wolfgang Kraak behandelte in der bereits o. g. Dissertation (1957) in neuer Form die statistische Theorie des Nachhallvorganges.
Im Anhang 2) der Dissertation von Kraak wird festgestellt, dass frühere statistische Ableitungen der Nachhalltheorie sich entweder nur auf die gleichmäßige Verteilung des Absorptionsmaterials auf alle Raumbegrenzungsflächen bezogen bzw. dass sie für den Fall der Ableitung bei ungleichmäßiger Verteilung der Schallabsorptionsflächen im Raum (eine

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

und die Schalldämmung von Kapseln, wobei letztgenannte Arbeiten die Verbindung „zum umfangreichen Aufgabengebiet der Lärmbekämpfung“ des Instituts herstellte. Im Barkhausen-Bau der Fakultät Elektrotechnik befand sich auch ein bauakustisches Labor für Wand- und Deckenmessungen, das neben den o. g. Grundsatzuntersuchungen zur Bauakustik auch der Entwicklung und Prüfung schalldämmender Wand- und Deckenkonstruktionen diente. In den 1960er Jahren wurden im Dresdner Institut die Forschungsarbeiten zur Bauakustik schrittweise eingestellt. Assistenten und Absolventen des Instituts bearbeiteten nunmehr an der Deutschen Bauakademie in Berlin Forschungs- und Prüfaufgaben auf dem Gebiet der Raum- und Bauakustik. Wiederum seien einige Dissertationen des Instituts, hier zum Gebiet der Bauakustik, genannt. Wolfgang Erler promovierte 1957 (Betreuung von W. Reichardt) mit der Dissertation „Verfahren zur Bestimmung der Schalldämmung getrennt nach Haupt- und Nebenwegen“, Wolfgang Fasold 1963 mit der Arbeit „Über Forderungen an den Luftund Trittschallschutz im Wohnungsbau“. Die von G. Merkel 1964 verteidigte Dissertation befasste sich mit dem Problem „Theoretische und experimentelle Untersuchungen zur Verzweigungsdämmung“. In dieser Arbeit wird die Verzweigungsdämmung bei tiefen Frequenzen in Abhängigkeit vom Einfallswinkel der Biegewellen auf die Verzweigung berechnet und experimentell durch Modellversuche nachgeprüft. Aus den unter definierten Schalleinfallsrichtungen gefundenen Ergebnissen wurden Schlussfolgerungen auf die bei diffusem Einfall vorhandenen Verzweigungsdämmungen gezogen. Die

Messergebnisse stimmten gut mit der Theorie überein. 1970 promovierte U. Richter mit der Arbeit „Die Messung des Körperschalldämmmaßes von Stoßstellen bei Anregung diffuser Biegewellenfelder“. Hörakustik, Wirkung des Lärms auf den Menschen: Der Problemkreis der Lärmwirkung auf den Menschen zählt ohne Zweifel zu den herausragenden Forschungsfeldern des Instituts in der Ära von Walter Reichardt. Insbesondere waren aus der Zusammenarbeit von W. Reichardt und H. Niese Arbeiten zum Impulslärm und dessen Zeitbewertung entstanden, die später auch die internationale Normung beeinflussten. Wie W. Kraak schreibt, „war die später genormte Impulsbewertung bei der Messung von Schalldruckpegeln nach einem mühevollen und streitbaren Kompromiss von Walter Reichardt und Eberhard Zwicker das Ergebnis dieser Untersuchungen.“ Die von H. Niese im Zeitraum von 1958 – 1965 durchgeführten Forschungen befassten sich im Detail mit Mess- und Berechnungsverfahren für die Lautstärke, mit Untersuchungen zur Lautstärkeempfindung von impulsbehafteten Geräuschen, mit der Entwicklung eines Lautstärkemessers für spitzenhaltige Geräusche bei beliebiger Schallfeldform und mit der „Zeitkonstante des Ohres“ mit 35 ms (An- und Abklingzeit der Energiespeicher des Ohres). 1971 wurde der Niese-Vorschlag für einen Impuls-Schallpegelmesser in London als internationale Empfehlung angenommen (IEC 1973). H. Niese habilitierte sich 1962 an der TU Dresden mit der Arbeit „Die Empfindung und Messung der Lautstärke“. Die Untersuchungsergebnisse des Instituts zu Impulsgeräuschen führten zur Entwicklung und Herstellung des PräzisionsImpulschallpegelmessers PSI 101, 201 und 27

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden

202 (siehe Abbildung), die vom VEB Schwingungstechnik und Akustik Dresden bzw. vom VEB RFT Meßelektronik Dresden produziert und vertrieben worden sind.

In der Arbeit wird der enge Zusammenhang zwischen der reversiblen Vertäubung und dem dauerhaften Hörverlust zur Herleitung eines Gehörschädlichkeitskriteriums ausgenutzt. Ausgangspunkt für die Bewertung bildet eine Oktavpegel-Grenzkurve ähnlich der von SLAVIN, die bei täglich achtstündiger Beschallung vom Oktavspektrum des Lärms einzuhalten ist. Ein Bewertungsverfahren für kurzzeitige oder intermittierende Lärmeinwirkungen ermöglicht die Bestimmung der in diesen Fällen zulässigen Grenzwertüberschreitungen.

Präzisions-Impulsschallpegelmesser PSI 202 zusammen mit einem Oktavfilter des Typs OF 101 vom VEB RFT Messelektronik Dresden

Zu diesen Problemkreisen der Lärmwirkungen gehören des weiteren die Dissertationen von S. Müller (1969) mit dem Thema „Die Wirkung des akustischen Reflexes bei Impulsbelastung“, von K. Notbohm (1970) zum Problem „Weiterentwicklung des Lautstärkebestimmungsverfahrens von NIESE“ und von H. Ertel (1973) „Gehörschädlichkeit von Impulslärm“. Lärmbekämpfung, akustische Materialien: In verschiedenen Darstellungen aus der Wirkungszeit von Walter Reichardt am Dresdner akustischen Institut wird von einem Wandel der fachlichen Schwerpunktsetzungen hinsichtlich der Teilgebiete der Akustik berichtet. Insbesondere werden diese Veränderungen auch aus der Tatsache abgeleitet, dass die Raum- und Bauakustik seit Mitte der 1960er Jahre an die Bauakademie in Berlin verlagert wurde und dort diese Problemstellungen von promovierten Absolventen aus Dresden bearbeitet worden sind (W. Fasold, H. Winkler, E. Sonntag u. a.). Walter Reichardt hat Motive für diesen Wandel in seinem Buch „Grundlagen der Technischen Akustik“ (Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig, Leipzig 1968) beschrieben: aus dem 1. Kapitel:
„........... rücken heute die Belästigungen durch Lärm immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Wenn der Lärm auch im Zusammenhang mit dem Fortschritt der Technik immer stärker geworden ist, so steht die Menschheit doch keinesfalls dieser Ent-

Ein zweiter umfangreicher Forschungskomplex befasste sich mit Vertäubungsuntersuchungen mit dem Ziel, die gehörschädigende Wirkung des Lärms auf den Menschen objektiv zu erfassen.
„Die Vertäubung wurde als vorübergehende Schädigung und erste Stufe einer verbleibenden, also nicht mehr heilbaren Lärmschädigung aufgefasst. Die objektiven Parameter des Lärms, die für die Vertäubung maßgeblich sind, wurden denen gleichgesetzt, die die bleibenden Ohrschäden bestimmen. Das Ergebnis war in Übereinstimmung mit den umfangreichen statistischen Untersuchungen gehörgeschädigter Personen durch den sowjetischen Wissenschaftler SLAVIN und den amerikanischen Wissenschaftler KRYTER: Kriterien für die schädliche Wirkung des Lärmes ergeben sich aus der Frequenzanalyse und Grenzkurvenvergleich.“ (nach W. Kraak).

Mit diesem Problem beschäftigte sich insbesondere Heinz Weißing Mitte der 1960er Jahre am Dresdner Institut. Er promovierte 1966 bei Walter Reichardt mit der Arbeit „Die Herleitung eines Lärmschädlichkeitskriteriums aus Vertäubungsmessungen“. Der Jahresbericht des Instituts von 1966 enthält dazu die folgende Zusammenfassung:

28

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden wicklung wehrlos gegenüber und ist nicht gezwungen, sie in fatalistischem Fortschrittsglauben bedingungslos hinzunehmen. Die elektroakustischen Mittel und Verfahren liefern die Voraussetzung für die Erkennung der Ursachen, die Verfolgung der Lärmausbreitung von der Quelle bis zum Menschen, ihre meßtechnische Erfassung und daher die notwendigen Hinweise für die Lärmabwehr mit konstruktiven und schalldämmenden Mitteln.“

tenbeugung auf den Schallabsorptionsgrad von Absorbern“ und von D. Stöbe (1970) „Die Schallisolation poröser Absorber“ belegt wird. Im Folgenden werden noch einige Arbeiten zu Problemen der Lärmbekämpfung und der Messtechnik aufgeführt. Ernst Sonntag promovierte an der TU Dresden 1966 mit der Dissertation „Der Einfluss freier Biegewellen auf das Schalldämmmaß von Blechkapseln“, Rolf Dietzel 1966 mit der Arbeit „Untersuchungen an eingezwängten Dämpfungsbelägen“ und P. Költzsch (1969) mit „Windgeräusche und Windschirme – Ein Beitrag zum Problem der Schallpegelmessung in Luftströmungen“. Von besonderem Interesse war die häufig zitierte Arbeit von H. Börner „Untersuchungen des in durchströmten Wasserrohren durch Querschnittsveränderungen und Krümmungen entstehenden Wasserschallpegels“ (Diplomarbeit 1966 an der TU Dresden, erarbeitet am Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung in Berlin, Veröffentlichung in der Acustica).
Neben den experimentellen Untersuchungen und der Messung von Wanddruckschwankungen wurden die für den Mechanismus der Schallentstehung wichtigen Gesichtspunkte über die Struktur der Turbulenz und die Umwandlung von kinetischer Energie der Strömung in akustische Energie dargestellt. Die Bestimmungsgleichungen der Schallentstehung durch Turbulenz wurden aus den hydrodynamischen Grundgleichungen abgeleitet. Die Multipolanalyse vermittelte eine anschauliche Darstellung des Entstehungsmechanismus. Für die Effektivwerte der Wanddruckschwankungen in geraden Rohren, hinter Querschnittssprüngen und Krümmern wurden durch Dimensionsbetrachtungen Ähnlichkeitsgesetze abgeleitet, durch welche die Druckschwankungen auf die Geschwindigkeit der Grundströmung und die geometrischen Parameter der Anordnung zurückgeführt werden. In geraden Rohren bewegen sich die turbulenten Druckschwankungen als langsam veränderliches Muster mit etwa 0,8-mal der Geschwindigkeit der Grundströmung vorwärts. Der Korrelationsradius der Druckschwankungen beträgt etwa 1/8 des Rohrradius. Hinter Querschnittserweiterungen erreichen die

Und an anderer Stelle schreibt W. Reichardt:
„....ergibt Lärmbelästigungen, deren Zunahme eine der unangenehmsten Begleiterscheinungen der modernen Technik darstellt. Es ist keineswegs so, daß diese Lärmeinwirkungen nicht beherrschbar wären. Meist sind ausreichend Lärmabwehrmaßnahmen durchaus bekannt. Aber ihre Anwendung kostet Geld. Es ist leider viel zuwenig bekannt, daß die Vielzahl der Lärmgestörten mit Hilfe der Behörden sehr wirksam auf die Störer einwirken kann, indem zumutbare Lärmnormen aufgestellt werden und ihre Einhaltung überwacht wird. Fortschritte auf diesem Gebiet werden dazu führen, daß lärmarme Maschinen, Fahrzeuge und Betriebsmittel vom Hersteller gefordert, lärmstarke nicht mehr abgenommen werden. Dann wird man in zunehmendem Maße erkennen, daß die Technische Akustik die notwendigen Hilfsmittel und Erkenntnisse zu Verfügung stellt, um die Entwicklung lärmarmer Konstruktionen und Verfahren zu unterstützen.“

Wissenschaftliche Arbeiten des Instituts zum Problemkreis der Lärmbekämpfung sind mit den Habilitationsschriften von Wolfgang Kraak und Arno Lenk nachweisbar, die beide nach ihrer Promotion einige Jahre in der damaligen Luftfahrtindustrie der DDR in entsprechenden akustischen Abteilungen gearbeitet hatten: 1965 habilitierte sich W. Kraak mit der Arbeit „Schallisolation und Schallabsorption poröser Absorber mit offenen Poren“ und 1966 A. Lenk mit „Schallausbreitung in schallabsorbierenden Kanälen“. Diese beiden Habilitationsschriften setzten die Tradition der bereits in der Barkhausen-Ära erfolgten Forschungen zu Schallabsorbern und schalldämpfenden Kanälen fort (siehe Kapitel 1.2), ein Fakt, der in gleicher Weise auch durch die Dissertationen von V. Esche (1968) „Der Einfluss der Kan29

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden Wanddruckschwankungen ein Maximum an der Stelle, wo der Strahl die Rohrwand erreicht und nehmen dahinter bis auf die im geraden Rohr herrschenden Werte ab.

Walter Reichardt als „Normer“ und als Buchrezensent: In der Schaffensperiode von Prof. W. Reichardt war es auch ein charakteristisches Merkmal des Dresdner akustischen Instituts, dass der Lehrstuhlinhaber in herausragender Weise in der deutschen Normung auf dem Gebiet der Akustik mitwirkte und sich dabei durch persönliche Aktivitäten stark einbrachte. Das betraf bei Prof. W. Reichardt insbesondere den Bereich der Terminologie und Begriffsbildung, den Bereich der Messtechnik und der Lärmwirkungen (Pegeldarstellung, Schallleistung, Impulsschallbewertung, u. a. m.). Konkret wirkte W. Reichardt „im gesamtdeutschen Rahmen als Beiratsmitglied des Ausschusses für Einheiten und Formelzeichen, er war stellvertretender Vorsitzender des Fachnormenausschusses Akustik (FANAK) und aktiver Mitarbeiter in mehreren Einzelausschüssen. Auf internationaler Ebene ist Reichardt Delegierter Gesamtdeutschlands in der ISO Akustik, ISO Elektroakustik, IEC Elektrische und magnetische Größen und Einheiten, IEC Buchstaben und Formelzeichen, sowie Vertreter Deutschlands in zwei Expertengruppen der ISO.“ (nach Kraak). Infolge der politischen Situation konnten diese Standardisierungsverpflichtungen als Aufgabe der Universität vom akustischen Institut dann später in Deutschland nicht mehr wahrgenommen werden. Sie wurde aber durch die Mitwirkung in Standardisierungsgremien der DDR und des RGW weiterhin mit zahlreichen Aktivitäten erfüllt. W. Reichardt hat der klaren und exakten Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse größte Bedeutung beigemessen. Dazu hat er eine Anleitung für Lernende für den 30

Hochschulalltag publiziert, so z. B. 1965 das exzellent geschriebene Heft „Rechnen mit physikalischen Größen“ (siehe Abbildung).

Walter Reichardt hat in der Zeitschrift „Hochfrequenztechnik und Elektroakustik“ zahlreiche Buchbesprechungen veröffentlicht, die heute noch immer lesenswert sind. So schreibt er z. B. in der Rezension über das Buch „Physikalische und Technische Akustik“ von Erwin Meyer und E.-G. Neumann im Jahre 1969:
„Aus der Schule von ERWIN MEYER in Berlin und Göttingen ist der Grundstock der heute lebenden Akustiker des deutschsprachigen Gebietes hervorgegangen. Nun hat sich einer seiner hervorragenden Schüler, Dr. NEUMANN, der Aufgabe unterzogen, seine Vorlesung (nicht zum ersten Male) mitzuschreiben. Beide Autoren haben das Manuskript dann ausgeschliffen, und so entstand ein Wunderwerk an Konzentration dieses Lehrstoffes..... Die Anschauung wird noch wesentlich dadurch erhöht, dass die Vorlesungsversuche so plastisch und perfektioniert (zur Nachahmung empfohlen!) beschrieben sind, dass man sich oft und gern bei der Lektüre in die Vorlesungsatmosphäre versetzt fühlt.....Die vielfältigen Schlussfolgerungen und Anwendungsgebiete werden mit elegant skizzierten Hinweisen auf den mathematischen Lösungsweg geboten, die der Kenner mit schmunzelndem Genuss liest, den Lernenden aber vermutlich manches Rätsel aufgeben (wird). Er kann sich der Freude über die anschauli-

Die Ära von Walter Reichardt an der TH/TU Dresden che Schilderung überraschender Effekte hingeben und darauf verlassen, dass schon alles richtig ist...... Der Titel kann so gedeutet werden: die Technische Akustik wird physikalisch dargestellt. Wie könnte es auch anders sein in einem Physikalischen Institut?“

Mit den o. g. Schwerpunkten der akustischen Forschung in der Reichardt-Ära
• • • •

In der gleichen Zeitschrift von 1970 wird von Walter Reichardt das Buch „Körperschall“ von Lothar Cremer und Manfred Heckl rezensiert. Darin heißt es:
„Dass Buch ist eine Pioniertat. Eine Reihe von Problemen, die man bisher in der akustischen Literatur immer sorgfältig ausgeklammert fand, sind hier mutig in Angriff genommen und auf eine breite systematische Grundlage gestellt worden.....Der Versuch, auf diesem Gebiet einen weiten Bogen zwischen sehr umfassender Theorie und Einzelproblemen der Praxis zu spannen, ist erstmalig und sehr verdienstvoll.... Die CREMERsche Schule fußt auf der Darstellung dynamischer Vorgänge der Mechanik in Zeit und Raum und setzt ihre Behandlung mit der komplexen Rechnung als bekannt voraus. Bis zu diesen Höhen sind nicht viele vorgedrungen..... Das Buch „Körperschall“ wird als Bibel auf dem Schreibtisch jedes Fachmannes liegen... Es erschließt zusammenhängend Neuland.....“

Elektroakustik, Elektromechanische Systeme, Wandler Raumakustik und Bauakustik Hörakustik, Wirkung des Lärms auf den Menschen und Lärmbekämpfung, akustische Materialien

wird das Wirken von Walter Reichardt und damit die Technische Akustik an der TH/TU Dresden im Zeitraum von den Neuanfängen unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg bis Anfang der 1970er Jahre charakterisiert. Obwohl W. Reichardt 1968 emeritiert worden ist, arbeitete er in seinem Fachgebiet auch in den 1970er Jahren intensiv weiter, im Zusammenhang mit den raumakustischen Arbeiten an der SemperOper sogar bis in die 1980er Jahre.

31

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

1.4

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

Im Zeitraum der Emeritierung von Walter Reichardt (1968) wurde Ende der 1960er bzw. zu Beginn der 1970er Jahre der Staffelstab der Forschung und Lehre im Fachgebiet der Akustik an seine Nachfolger weitergegeben: Wolfgang Kraak wird am 1. September 1966 zum Professor mit Lehrauftrag für das Fachgebiet Technische Akustik an die TU Dresden berufen. Er wird 1968 als Direktor des Instituts für Technische Akustik eingesetzt. Er trat damit faktisch die Nachfolge von Prof. W. Reichardt an. W. Kraak wurde dann am 1. September 1969 zum ordentlichen Professor für Technische Akustik berufen. Arno Lenk, der bereits seit 1964 als Dozent an der TU Dresden tätig war, erhielt 1967 seine Berufung als Professor für Elektromechanische Messtechnik. Und schließlich wird Walter Wöhle 1970 als Professor für Technische Akustik an die TU Dresden berufen. Diese drei Professoren haben in den folgenden 20 Jahren das Gebiet der Technischen Akustik und der Elektromechanischen Systeme – nach der akustischen Ära Barkhausens und dem großen Wirkungszeitraum von Walter Reichardt – zu einer dritten großen Blüte an der Dresdner Universität geführt. Alle drei Wissenschaftler haben bei Walter Reichardt promoviert. Sie arbeiteten nach ihrer Promotion einige Jahre in der Industrie (Lärmbekämpfung im Bereich der Luftfahrt, Entwicklung und Produktion von Messgeräten, Musikinstrumentenbau) auf den Gebieten der Technischen Akustik und der Messtechnik. Nach ihrer Rückkehr an die TU Dresden ergab sich bei ihnen ein bewundernswertes Zusammenspiel von 32

universitärer Forschungstätigkeit (aus der Reichardt-Ära) und industrieller Forschungs-, Entwicklungs- und Leitungserfahrung, eine Erkenntnis, die bei ihnen aus dem Erleben ihrer Vorbilder H. Barkhausen und W. Reichardt nicht verwunderlich war. Die fachliche Aufgabenverteilung zwischen den Professoren Kraak, Lenk und Wöhle wurde in folgender Weise praktiziert: W. Kraak arbeitete auf den Gebieten Raumakustik, Lärmwirkungen (einschließlich Hörgeräteakustik), Lärmbekämpfung; der Bereich von W. Wöhle waren die Gebiete Technische Akustik, Körperschall, Lärmminderung; A. Lenk forschte und lehrte auf den Gebieten der Elektromechanischen Systeme, der Wandler und der Messtechnik. Alle diese Gebiete waren eine klare Fortführung und Weiterentwicklung der akustischen Hauptarbeitsgebiete von Walter Reichardt (und auch H. Barkhausen). Wesentlich Ergebnisse dieser Forschungstätigkeit sollen im Folgenden dargestellt werden. Hörakustik, Lärmwirkungen auf den Menschen Wolfgang Kraak und zahlreiche seiner Mitarbeiter (u. a. Günther Fuder, Lutz Kracht, H. J. Berger, J. Herhold, G. Hofmann, H. Ertel, G. Richartz) haben sich im Zeitraum von Anfang der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre mit der Ausbildung von Gehörschäden als Folge der Akkumulation von Lärmeinwirkungen befasst; die Ergebnisse wurden unter der Bezeichnung „Dresdner Gehörschadensmodell“ publiziert. Die dabei angewandten empirischen Forschungsmethoden waren retrospektive (statistische) Untersuchungen, Tierexperimente und schadensäquivalente Beanspruchungstests an Versuchspersonen. Die wesentlichen Aspekte des erarbeiteten Gehörschadensmodells sind (nach Kraak und Fuder/Kracht):

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden
• der vom Lärm verursachte Gehörschaden ist, au-

ßer bei extremen Schalleinwirkungen, unabhängig vom Zeitverlauf der Einwirkung,
• die integrierte zeitweilige Hörschwellenverschie-

bung ist die kennzeichnende Größe für die schadensäquivalente Gehörbeanspruchung,
• das Diagramm (siehe Abbildung) des Zusammen-

hanges zwischen der ITTS (Integrated Temporary Threshold Shift) und der Lärmdosis, gebildet mit dem Zeitintegral über den mit einer Potenzfunktion bewerteten Betrag des A-bewerteten Schalldrucks, gültig für stationären, intermittierenden und variablen, einschließlich impulsartigen Schall,

PTS bei 4 kHz als Funktion der Lärmdosis für stationären Lärm (nach Kraak)

Seit Anfang der 1980er Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt der Hörakustik auf Untersuchungen zum Hören bei Innenohrschäden. In diesen Schadensfällen ist die Hörfläche des hörgeschädigten Probanden gegenüber der des Normalhörenden verzerrt (frequenz- und amplitudenabhängig).
Mittlere ITTS bei 4 kHz als Funktion der Lärmdosis (nach Kraak)
• das Diagramm (siehe Abbildung) zwischen der

dauernden Hörschwellenverschiebung, der PTS (Permanent Threshold Shift), und der KRAAKschen Lärmdosis für stationären Lärm (Summe von Lärmdosis und altersäquivalenter Dosis, entstanden durch biologische Alterungsprozesse),
• das Gehörschadensmodell mit Korrektur des vom

Lebensalter abhängigen Dosisanteils, der sogenannten Alterskorrektur,
• die Erkenntnis, dass die interindividuellen Emp-

findlichkeitsunterschiede bei impulsivem Lärm (Schussknalle) erheblich größer sind als bei stationärem Lärm (Unterscheiden sich die Empfindlichkeitswerte bei Belastungen mit stationärem Lärm interindividuell wie 1 : 10, so liegt dieser Streubereich bei Schussknallen bei mehr als 1 : 1000),
• die Aussage, dass alle Vorhersagen statistische

Angaben sind, d. h. sie gestatten nicht, den individuellen Gehörschaden vorauszusagen.

„Zielstellung der Untersuchungen war es z. B., inwieweit bei Vorhandensein eines Recruitments durch eine dem Recruitment gegenläufige Amplitudenbewertung in einem Hörgerät näherungsweise das Verhalten des normalen Gehörs erreicht werden kann. Der Recruitmenteffekt ist dadurch charakterisiert, dass oberhalb der nach oben verschobenen Hörschwelle die Intensitätsunterschiedsschwellen gegenüber dem Normalfall vermindert sind, was zur Folge hat, dass ein Pegelzuwachs im Bereich zwischen Hörschwelle und Lautstärkeausgleich zu einem rascheren Lautstärkezuwachs führt, als es für das normale Gehör typisch ist. Es liegt somit der Gedanke nahe, durch ein Hörgerät mit einem geeigneten Verstärker eine Entzerrung in der Weise zu versuchen, dass die Hörschwelle verringert wird und der mit einem Pegelzuwachs verbundene Lautstärkeanstieg dem Normalfall angeglichen wird ..... Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass beim Recruitmenteffekt neben der Verminderung der Intensitätsunterschiedsschwellen auch eine Verminderung des Tonhöhenunterscheidungsvermögens auftritt, die gleichfalls Auswirkungen auf die notwendige Signalverarbeitung, insbesondere von Sprache, in einem Hörgerät haben muss.“ (nach G. Fuder und

33

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden W. Kraak). Untersuchungsergebnisse sind z. B., dass mit einem zweikanaligen System mit eingangssignalabhängiger Dynamikkompression eine optimale Vergrößerung des Schallpegelbereiches erreicht werden kann, innerhalb dessen dem Schwerhörigen durch Verbesserung des Sprachverständnisses eine Kommunikation ermöglicht wird. (nach J. Haubold und A. Wolf).

nach Lärmeinwirkung mittels Elektrocochleografie“ publiziert; 1985 habilitierte sich G. Hofmann an der TU Dresden mit der Schrift „Zur klinischen Bedeutung der akustisch evozierten Potentiale (AEP) des Menschen“ (damals Dissertation B)]. Weitere Dissertationen zur Lärmschädlichkeit aus dem damaligen Forschungszeitraum waren: 1976 Richartz, G.: Untersuchungen zur individuellen Lärmempfindlichkeit des Menschen 1977 Berger, H.-J.: Zur Bewertung von Lärm hinsichtlich seiner Gehörschädlichkeit 1980 Plundrich, J.: Ein Verfahren zur Vorausberechnung des Gehörschadensrisikos infolge Lärmexposition 1980 Herhold, J.: Über tierexperimentelle Untersuchungen zur Beurteilung der gehörschädigenden Wirkung des Lärms 1986 Wolf, A.: Einfluss der Dynamikkompression verstärkter Schallsignale auf das Sprachverständnis Innenohrschwerhöriger mit Recruitment 1988 Haubold, J.: Grundlagen für die Dimensionierung von Hörgeräten zur optimalen Verbesserung des Sprachverständnisses. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Lärmwirkungen auf den Menschen bildeten unter der Betreuung von W. Kraak die Untersuchungen zum Einfluss von Lärm auf die Arbeitsleistung, z. T. in enger Verbindung zwischen dem Fachgebiet der Arbeitswissenschaften und der Technischen Akustik bearbeitet. Zu diesem Arbeitsfeld gehören die Dissertationen von Manfred Rentzsch (1972) 34

Derartige Untersuchungen führten einerseits zur Entwicklung optimaler Verstärkungsstrategien für elektronische Hörgeräte (siehe z. B. die Dissertationen von J. Haubold und A. Wolf) sowie andererseits zur Entwicklung von Anpassungsverfahren mit natürlichen Klangbildern, d. h. Testsignalen, die der natürlichen Hörumwelt (Alltag, Natur, Arbeitsplatz, Wohnumwelt u. a.) entsprechen. Letztgenannte Untersuchungen wurden dann in Form eines größeren Industrieprojektes auch im Zeitraum nach 1992 bis zum Jahre 2001 weitergeführt, siehe dazu z. B. die Dissertation von H. Seidler (2000) „Messtechnische Untersuchungen zur Analyse nichtstationärer Signale für die Anpassung mehrkanaliger Hörgeräte“. Auch zu diesen Forschungen seien einige wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen genannt. Günther Fuder und Lutz Kracht promovierten 1973 an der TU Dresden mit der Dissertation „Zur Schadenswirkung quasistationären Lärms auf den Menschen“, im gleichen Jahr legte H. Ertel die Arbeit „Gehörschädlichkeit von Impulslärm“ vor. Die Dissertation von G. Jäger (1974) befasste sich mit der „Untersuchung zu Mess- und Auswerteverfahren bei der objektiven Audiometrie“, die von Gert Hofmann (1975) beinhaltete die Thematik „Über objektive Verfahren zur Beurteilung des Hörvermögens im Zusammenhang mit dem Nachweis von Schallschädigungen am Tier“. [G. Hofmann hat u. a. gemeinsam mit W. Kraak 1977 zum „Nachweis der physiologischen Beanspruchung und der Schädigung des Meerschweinchengehörs

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

„Einfluss des Lärms auf die Leistungsparameter des Systems „Mensch-Maschine“ am Beispiel eines Universalbaggers UB 20“, von A. Schönfeld (1978) „Individuelle Unterschiede der Leistungsbeeinflussung durch Schall bei Feinmontagetätigkeiten“ und von B. Sorg (1978) „Einfluss von Schall auf die Tätigkeitsstruktur bei Mikrotätigkeiten unter Einbeziehung ausgewählter Indikatoren der Beanspruchung des Menschen“ sowie die Habilitationsschriften (damals Dissertationen B) von H.-E. Plath (1975) „Zur Indikation von Belastungswirkungen vorwiegend geistiger Tätigkeiten mittels Leistungsmerkmalen, psycho-physiologischer Kriterien und Daten des Befindens“ und von M. Rentzsch (1978) „Extraaurale Wirkungen des Schalls und Schlussfolgerungen zur Begrenzung der Schallimmission“. Raumakustik, kämpfung Bauakustik, Lärmbe-

Technischen Akustik im Zusammenhang mit der Lärmbekämpfung angewendet. Dazu gehören u. a. die Arbeiten von W. Schmidt „Raumakustische Projektierung mit Hilfe von Modellen“ (1973), H.-P. Tennhardt „Akustische Modelltechnik“ und „Raumakustische Modellmesstechnik – Modellempfänger und elektronische Luftabsorptionskompensation“ (1974), von E. Lotze „Die Schallabstrahlung von Außenwänden des Industriebaus“ (1974), von S. Gruhl „Die Anwendung der akustischen Modellmesstechnik bei der Untersuchung von Industrielärmproblemen“ (1974), von J. Scholze „Lärmschutzgerechte Gestaltung von Lüftungsöffnungen in Industriehallen“ (1982) sowie die Dissertation von G. Rau (1986), der die Modelltechnik auch auf physikalisch ähnliche Modelle in der Form von Maschinenstrukturen anwendet: „Maschinenakustische Untersuchungen mit Hilfe der Modellmesstechnik“. Durch zahlreiche praktische Untersuchungen an passiven Modellstrukturen und Maschinenmodellen konnten wichtige Erkenntnisse für die Lärmminderung in der Praxis gewonnen werden. Auch in den 1980er Jahren wurden im Bereich der Raumakustik die Arbeiten aus der Ära Reichardt zum Zusammenhang zwischen objektiven Kriterien und Hörempfindungen in Räumen fortgesetzt. Als Beispiel dafür sei auf die Dissertation (1986) von U. Trautmann „Die messtechnische Erfassung der Räumlichkeit in Sälen für musikalische Darbietungen“ mit Untersuchungen der physikalischen Einflussgrößen für die Räumlichkeitsempfindung hingewiesen.
Von entscheidender Bedeutung für die Räumlichkeit erwiesen sich die Einfallsrichtung und die Energie der frühen Reflexionen sowie die Energie des räumlich diffusen Nachhallschalls. Außerdem hat die zeitliche Verzögerung der Reflexionen im Bereich sehr früher Rückwürfe einen Einfluss auf die Räumlichkeitsempfindung. Das von Trautmann definierte Räumlichkeitsmaß ist als Pegeldifferenz einer räum-

Diese drei Forschungskomplexe sollen hier zusammengefasst dargestellt werden, da sich die behandelten Probleme meist mehreren Gebieten zuordnen lassen. Ein wichtiges Forschungsfeld jener Jahre war die von W. Kraak initiierte Ausdehnung raumakustischer Arbeiten auf Schallfelder in Werkhallen, insbesondere mit Schirmwänden, schallabsorbierenden Auskleidungen und Streukörpern (siehe die bereits o. g. Dissertationen von W. Jeske 1969 und S. Gruhl 1976 sowie weitere Arbeiten von W. Kraak, W. Jeske und S. Gruhl zur „Schallausbreitung in großen flachen Räumen mit Streukörpern“). Die am Dresdner Institut stark vorangetriebene Modelltechnik wurde in späteren Jahren am Dresdner Institut und an der Deutschen Bauakademie in Berlin (Bauakademie der DDR) ständig weiterentwickelt und später auch auf Probleme der

35

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden lichkeitserhöhenden und einer räumlichkeitserniedrigenden Energiesumme definiert. Diese Energiesummen entstehen durch Addition bewerteter Teilenergien, und zwar sind das einerseits für die räumlichkeitserhöhenden Komponenten die Energien im Zeitbereich von 5...80 ms, entsprechend ihrer Einfallsrichtung und ihrer Verzögerung gegenüber dem Direktschall bewertet, sowie die Energie des diffusen Nachhallschalls, und andererseits für die räumlichkeitserniedrigenden Komponenten die Energie des Direktschalls von 0...5 ms und die Energie im Zeitbereich 5...80 ms, komplementär zur räumlichkeitserhöhenden Energie bewertet. Mit diesem Kriterium lässt sich die Räumlichkeit nach Aufnahme von Kunstkopf-Raumimpulsantworten messtechnisch erfassen. (sinngemäß nach U. Trautmann) wahl der akustisch geeigneten Flächenmaterialien behilflich ist (nach Ederer/Roy).

1994 promovierte A. Kludszuweit mit der Dissertation „Time Iterative Boundary Element Method – (TIBEM) – Ein neues Verfahren zur Berechnung komplexer Schallfelder und Kombinationsverfahren“. Wolfgang Kraak hat 1998 auf der DAGA in Zürich (Gemeinschaftsveranstaltung der Deutschen und der Schweizerischen Gesellschaft für Akustik) zum Thema: „Der geklonte Raum: Zukunft? Illusion?“ vorgetragen: „Der elektroakustische produzierte Klangkörper kann Klon des Raumes oder eigenständiges Artefakt sein. Es bedarf physio-psychologischer und Einführungsexperimente, um Minder-, Gleich- oder Höherwertigkeit von aktivem und passivem Raumklangkörper nachzuweisen.“ Etwa 1970 begann Walter Wöhle Forschungsarbeiten zur Statistischen Energieanalyse (SEA). Mit diesem Verfahren kann die Körper- und Luftschallausbreitung in zusammengesetzten Strukturen berechnet werden, sofern in den Substrukturen, z. B. in Platten und dazwischenliegenden Hohlräumen, die Dichte der Eigenfrequenzen ausreichend hoch ist. Die Dresdner Arbeiten zur Statistischen Energieanalyse bezogen sich auf (nach W. Kraak):

W. Ahnert befasste sich in seiner Habilitationsschrift (1991) mit „Methoden der Manipulation akustischer Schallfelder in Räumen und Freilichtspielstätten“, H.-J. Ederer in seiner Dissertation (1992) mit der „Computermodellierung von Raumbeschallungsanlagen“.
In dieser Arbeit erfolgte die rechnerische Modellierung von Raumschallfeldern unter Einbeziehung von Beschallungsanlagen. Aus den bekannten Schallfeldberechnungsverfahren (z. B. Spiegelquellenmodell, Strahlverfolgungsmethode) wurde ein leistungsfähiger Algorithmus entwickelt, mit dem Raumimpulsantworten berechnet werden können. Das Computerprogramm gestattet damit die Ermittlung der gebräuchlichsten Zeit-, Energie-, Raumeindrucksmaße und Echokriterien; die Ergebnisse konnten mit entsprechenden Kunstkopfmessungen validiert werden. Aus diesen Untersuchung wurde das „Programm für Akustik und Lautsprecheranlagen (PAULA)“ entwickelt, ein Computer-Simulationsprogramm zur Nachbildung und Optimierung der Akustik in Räumen und ihr Zusammenwirken mit Beschallungsanlagen. Derartige Simulationsprogramme sind wichtige Hilfsmittel bei der raumakustischen Planungsarbeit. Mit dem Programm PAULA wird auf der Basis eines geometrischen Raummodells, das auch die akustisch relevanten Eigenschaften der Begrenzungsflächen nachbildet, mit einem modifizierten Spiegelquellen-Algorithmus zunächst die EnergieImpulsantwort berechnet und daraus werden folgende wichtige raumakustische Qualitätsparameter abgeleitet: Deutlichkeitsmaß, Speech Transmission Index, Klarheitsmaß, Raumeindrucksmaß, Echokriterium. Im Hinblick auf die genannten Parameter können Räume akustisch optimiert werden, wobei eine umfangreiche Materialdatenbank bei der Aus-

• • • • •

Körperschalltransmission an Koppelstellen und Mehrfachkoppelstellen von Platten unter Berücksichtigung von Biege-, Longitudinal- und Transversalwellen Berücksichtigung bauüblicher Nachgiebigkeiten an Plattenkoppelstellen Abstrahlung von Platten bei geringer Modendichte Energieabwanderung bei ausgedehnten Strukturen Katalog von Kopplungskoeffizienten Programmtechnische Aufbereitung für die praktische Anwendung

36

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

Wissenschaftliche Arbeiten zu dieser Problematik wurden u. a. mit den folgenden Dissertationen vorgelegt. A. Elmallawany promovierte 1974 an der TU Dresden mit der Dissertation „Statistisches Verfahren zur Berechnung der Schalltransmission“, R. Briese 1976 mit „Berechnung von Kopplungs-Verlustfaktoren der Statistischen Energieanalyse für die Körperschallübertragung“ und Th. Beckmann 1978 mit der Arbeit „Beiträge zur Anwendung der Statistischen Energieanalyse für die Berechnung der Körperschalltransmission an Plattenstoßstellen“. Auch die Habilitationsschrift (damals Dissertation B) von Walter Wöhle aus dem Jahre 1979 mit dem Titel „Beiträge zur Schallabstrahlung und Schallausbreitung“ (siehe Abbildung) enthält einen umfangreichen Abschnitt zur Statistischen Energieanalyse (ca. 140 Seiten).

(1980) zur Thematik „Schalltransmission über rechtwinklige Plattenstoßstellen“, von U. Müller (1982) „Die Klangerzeugung bei Becken und ihre Beeinflussung durch Materialeigenschaften und Dimensionen“, von A. Gottschalk (1983) „Einfluss der korrigierten Biegewelle sowie bauüblicher Verbindungen auf die Transmissionsgrade rechtwinkliger Plattenstoßstellen“ und von Iskra Peewa (1987) mit dem Titel „Schalltransmission an einer Stab-Platte-StabKonstruktion, berechnet mit der Statistischen Energieanalyse“. W. Wöhle und B. Marx haben in der Arbeit „Körperschallübertragung in Gebäuden – Vergleich von Messwerten mit Rechenergebnissen der statistischen Energieanalyse“ (Acustica 1990), eine Validierung zum SEA-Verfahren vorgelegt (siehe Abbildung).

aus: ACUSTICA, Vol.72, 1990

In den 1980er Jahren folgten dann u. a. die Dissertationen von H. Schreckenbach 37

Aus dem Vergleich von berechneten und gemessenen Kenngrößen der Körperschallübertragung in Gebäuden konnten zwei entscheidende Ausgangsgrößen für die Berechnung der Körperschallübertragung mittels der SEA, die Eigenverlustfaktoren von Betonplatten und die Drehnach-

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

giebigkeiten an Plattenstoßstellen, präzisiert werden. Daraus folgte, dass die Methode der SEA mit guter Genauigkeit für die Berechnung der Körperschallübertragung der Betonplattenbauweise angewendet werden kann. Elektromechanische Systeme, Wandler, Elektroakustik: Die systemtheoretischen Arbeiten zur Abbildung von akustischen, mechanischen und elektrischen Systemen in Netzwerken waren in den 1950er Jahren unter der Betreuung von Walter Reichardt begonnen und später von Arno Lenk als ein Schwerpunkt der Forschungstätigkeit des Instituts fortgesetzt worden. In den Anfangsjahren wurde das Zeitverhalten von schwingungsfähigen Strukturen mit konzentrierten elektrischen und mechanischen Elementen bei einem Freiheitsgrad der Schwingungen untersucht. Im Zeitraum bis Mitte der 1970er Jahre wurden von A. Lenk die systemtheoretischen Arbeiten auf Systeme mit kontinuierlichen Parametern und mehreren Freiheitsgraden erweitert. Eine zusammenfassende Darstellung dieser geschlossenen Theorie elektromechanischer Systeme ist in dem dreibändigen Werk von A. Lenk gegeben: Elektromechanische Systeme, Band 1 – 3, Berlin: VEB Verlag Technik 1971 – 1975 Band 1: Systeme mit konzentrierten Parametern Band 2: Systeme mit verteilten Parametern Band 3: Systeme mit Hilfsenergie Eine ausgezeichnete moderne Darstellung dieses Fachgebietes ist in dem 2001 im Springer-Verlag erschienenen Lehrbuch „Elektromechanische Systeme“ von A. Lenk (mit: G. Pfeifer und R. Werthschützky) zu finden.

Im Vorwort zu diesem Buch heißt es:
„Die anschauliche Entwurfsmethode für komplexe elektromechanische Systeme beruht auf der für Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik bekannten Netzwerktheorie. Mit Hilfe der Netzwerktheorie wird das elektromechanische Gesamtsystem in Form einer gemeinsamen schaltungstechnischen Darstellung der unterschiedlichen Teilsysteme einschließlich deren Wechselwirkungen beschrieben. Die Vorteile dieser Entwurfsmethode liegen in der Anwendung der übersichtlichen und anschaulichen Analyseverfahren elektrischer Netzwerke, der Möglichkeit des geschlossenen Entwurfs physikalisch unterschiedlicher Teilsysteme und der Anwendung vorhandener Schaltungssimulationssoftware. Voraussetzung für die Anwendung der Netzwerktheorie ist die Strukturierung elektromechanischer Systeme in elektrische, mechanische und akustische Elementarnetzwerke und die Einführung passiver Wandler als Vierpole, die die verlustfreien linearen Wechselwirkungen zwischen den Teilsystemen beschreiben.....(siehe Abbildung) Die elektromechanische Systemtheorie ermöglicht einerseits dem Ingenieur der Elektrotechnik den „Einstieg in die für ihn zunächst fremden mechanischen, akustischen, hydraulischen und thermischen Problemstellungen durch die Anwendung des netz-

38

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden sis der Wöhler-Linie und der Minerschen Schadenshypothese gelang es, die Lebensdauer eines Bauteiles in Abhängigkeit von Kennwerten vorgegebner Klassen von Anregungszeitfunktionen zu berechnen. Mit umfangreichen Experimenten wurden Feldbedingungen analysiert, in zweckangepasster Form beschrieben und daraus ein Feldbeanspruchungskatalog abgeleitet, aus dem für den jeweiligen Fall geeignete Prüfbedingungen ausgewählt werden konnten. Die erarbeiteten Prüfverfahren haben Eingang in internationale Standards gefunden. Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen und in Folge davon wurden Messgeräte (z. B. Kraftmessgeräte) und Messverfahren weiterentwickelt und insbesondere Fehlermodelle für Messgeräte erarbeitet.

Netzwerkstrukturierung linearer dynamischer Systeme aus: Lenk, Pfeifer, Werthschützky: „Elektromechanische Systeme“
werktheoretischen Grundwissens“ (zumindest der Schaltungstechnik). Andererseits kann der Maschinenbau-Ingenieur mit den Methoden einer allgemeinen Netzwerktheorie erfolgreich Schwingungsprobleme seines Fachbereiches behandeln.

Zu diesem Gebiet promovierten an der TU Dresden u. a. N. Schenke (1968) mit der Dissertation „Ermüdungserscheinungen schwingender Bauteile bei stationärer und stoßförmiger Erregung“, J. Rehnitz (1972) mit der Arbeit „Theorie der Schwingprüftechnik unter Berücksichtigung der Materialermüdung bei elektronischen und feinmechanischen Geräten“, E. Reißmann (1972) mit „Ein Beitrag zur Messung mechanischer Umwelteinflüsse und zur wirkungsäquivalenten Prüfung von Geräten“. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in das Buch „Schwingungsprüftechnik“ eingegangen: Lenk, A. und J. Rehnitz: Schwingungsprüftechnik. VEB Verlag Technik Berlin, 1974 Ein Forschungsschwerpunkt war bei Prof. A. Lenk immer die Wandlertechnik und die damit im Zusammenhang stehenden allgemeinen und prinzipiellen Probleme der Messtechnik und der Messverfahren. Davon zeugen zahlreiche, von A. Lenk initiierte und betreute wissenschaftliche Arbeiten jener Zeit, so z. B. die Dissertation (1972) von H. Mennenga und G. Pfeifer „Theorie und Anwendung frequenzanaloger Messwertaufnehmer und ihre elektronische Peripherie“, die Dissertation von H. Fischer (1976) „Präzisionsmessverfahren für kleine Wege mit frequenzanaloger Ka39

Ein zweites großes Forschungsfeld von Arno Lenk und seinen Mitarbeitern war im Zeitraum von 1965 bis 1980 die Schwingungsmess- und -prüftechnik. Dabei wurden insbesondere Methoden zur Abschätzung der Lebensdauer eines Gerätes bei definierter mechanischer Erregung und die dazugehörigen Prüfverfahren erarbeitet, die von Industriepartnern genutzt worden sind.
Die Ergebnisse zeigten, dass im Wesentlichen zwei Schadensmechanismen wirken: Ermüdungsbrüche und Lösen von Klemm-, Steck- und Schraubverbindungen. Ermüdungsschäden wurden durch eine Resonatoranordnung mit unterschiedlicher Resonanzfrequenz, aber gleicher Güte modelliert. Auf der Ba-

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

pazitätsauswertung in der Kraftmesstechnik“ und die Habilitationsschrift (Dissertation B) von G. Pfeifer (1979) „Kritischer Vergleich der für die Präzisionskraftmesstechnik möglichen Wandlerverfahren unter besonderer Berücksichtigung der Aufnehmer mit elektrischen Wegwandlern“. Seit Anfang der 1970er Jahre wurde von A. Lenk und seinen Mitarbeitern, in einem weiteren großen Forschungskomplex, die piezoresistive Messtechnik untersucht. Die Schwerpunkte waren:
• •

1979 Schubert, D.: „Auslegung integrierter Druckaufnehmer“

piezoresistiver

1981 Körner, M.: „Optimierung und Technologie piezoresistiver Beschleunigungsaufnehmer“ 1984 Thiele, C.: „Piezoresistive Beschleunigungsaufnehmer mit integrierten Biegeelementen“ 1990 Karst, M.: „Piezoresistiver epiduraler Hirndruckaufnehmer“ 1993 Zwiebler, R.: „Entwurf und Realisierung integrierter piezoresistiver Druckwandler kleiner Nenndrücke mit biegesteifem Zentrum“ Die Habilitationen zum Problemkreis der piezoresistiven Messtechnik waren die folgenden: B. Irrgang habilitierte sich 1975 an der TU Dresden mit der Arbeit „Diskrete und integrierte mechanoelektrische Halbleiterwandler“ (Dissertation B), 1982 R. Werthschützky mit „Entwurf und Realisierung integrierter piezoresistiver Druckwandler“ (Dissertation B), 1989 W. Jenschke mit „Entwurf und Herstellungstechnologie integrierter piezoresistiver Miniaturdrucksensorchips für die biomedizinische Anwendung“ (Dissertation B) und 1990 G. Gerlach mit der Arbeit „Mechanische Störeinflüsse auf integrierte piezoresistive Drucksensoren kleiner Nenndrücke.“ Außerdem sind die Ergebnisse in folgende Bücher eingegangen: Gutnikov, S.; A. Lenk und U. Mende: Sensorelektronik. VEB Verlag Technik Berlin 1984 Pfeifer, G. und R. Werthschützky: Drucksensoren. VEB Verlag Technik Berlin 1989 Die Arbeiten zu piezoresistiven Sensoren an der TU Dresden wurden seit etwa 1993 40

Entwurfsmethoden für Druck- und Beschleunigungssensoren, Herstellung von Druckmessgeräten, insbesondere für die industrielle Prozessmesstechnik, Miniaturdrucksensoren für den Einsatz in der Medizin, vor allem mit Anwendungen in der Kardiologie.

Auch diese Untersuchungen in den Phasen Forschung, Entwicklung bis hin zur Anwendung erfolgten in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Diese Forschungen ergaben wissenschaftliche Beiträge zur allgemeinen Beschreibung des Mess- und Fehlerverhaltens von Messwertaufnehmern, eingeschlossen die Entwicklung eines Fehlermodells, das neben dynamisch linearen und statisch nichtlinearen Systembausteinen auch die Beschreibung zufälliger und störgrößeninduzierter Fehleranteile berücksichtigt. Auch zu diesem Forschungskomplex sollen einige Dissertationen und Habilitationsschriften genannt werden (siehe dazu die Schrift von G. Gerlach und G. Pfeifer: „Von den elektromechanischen Wandlern und Infrarotdetektoren zur Mikrosystemtechnik“. TU Dresden 2003). Von den Dissertationen seien als Beispiele aufgeführt:

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

insbesondere durch Prof. G. Gerlach weitergeführt, vorrangig mit Untersuchungen zu den Genauigkeitsgrenzen der Sensoren und der Nutzung des piezoresistiven Effektes für Feuchte- und Gassensoren, siehe dazu z. B. die Dissertation (1994) von K. Sager „Der Einfluss der relativen Umgebungsfeuchte auf die Kennwerte piezoresistiver Sensoren“. In diesem Abschnitt sollen auch die Arbeiten zur Elektroakustik mit aufgeführt werden. Die Lautsprecherforschung wurde im Institut seit Anfang der 1980er Jahre in enger Zusammenarbeit mit der Industrie aufgenommen. Das Ziel war die Verbesserung der Qualität von Lautsprechern. Dazu wurde in einem ersten Forschungsschwerpunkt das Schwingungsverhalten von Lautsprechermembranen und ihre Schallabstrahlung bei Montage der Lautsprecher in Schallwänden und Boxen untersucht. Die Schwingungsberechnung für den rotationssymmetrischen Fall erfolgte mit einem Übertragungsmatrizenverfahren, zur Berechnung der Schallabstrahlung wurde die Boundary-Element-Methode angewendet. Die rechnerischen Ergebnisse für das Schwingungsverhalten der Membran und für die Fernfeld-Schallabstrahlung (Schalldruck, Frequenzgang, Richtcharakteristik) konnten mit den entsprechenden Messergebnissen in ausreichender Weise validiert werden. In einem zweiten Schwerpunkt wurden Untersuchungen zur Aufklärung des Zusammenhanges zwischen dem subjektiven Höreindruck und objektiv messbaren Lautsprecherdaten durchgeführt. Als Ergebnis entstand „ein Modell der objektiven Klangbewertung, mit dem die wesentlichen subjektiven Testergebnisse aus physikalischen Messwerten erklärt und vorausberechnet werden können. Dieses Modell ermöglicht die rechentechnische Simulation von Lautsprecherabhörtests unter verschiedenen Abhörbedingungen (z. B. Räu41

me, Musikprogramme) und erlaubt verallgemeinerungsfähige Aussagen über die empfundene Klangqualität von Lautsprecherboxen“ (nach W. Klippel). Der dritte Schwerpunkt befasste sich mit den Nichtlinearitäten von Lautsprechern und der Entwicklung geeigneter Entzerrungsmethoden, siehe dazu die Habilitationsschrift (1994) von W. Klippel „Das nichtlineare Übertragungsverhalten elektroakustischer Wandler“. In Fortführung dieser Forschungen wurden dann in den 1990er Jahren Untersuchungen bei Tiefton- und Druckkammerlautsprechern zur Modellierung und Hörbarkeit nichtlinearer Verzerrungen, zur Ermittlung von Wahrnehmbarkeitsschwellen in diesem Zusammenhang und zur Verminderung der nichtlinearen Verzerrungen durchgeführt. Schließlich wurde von Arno Lenk der Forschungskomplex zu den hybriden Schalldämpfern (siehe Abbildung), zu den aktiven Schallabsorberkassetten, initiiert, der im Zeitraum von 1991 bis 1998 am Institut bearbeitet worden ist (teilweise gemeinsam mit Prof. F. Mechel, dem Institut für Nachrichtentechnik der TU Dresden und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart). Dabei wurden hybride Impedanzen an der Vorderseite von Absorberkassetten realisiert, die aus einem elektrodynamischen Lautsprecher, einem Mikrofon, einer passiven Absorberschicht und einer massebelegten Folie gebildet wurden. Diese Absorberkassette wurde durch ein Netzwerk modelliert, das durch experimentelle und parametrische Untersuchungen hinsichtlich Dämpfungseigenschaften und Bauvolumen zu einer optimalen hybriden Absorberkassette führte. Auf der Grundlage des Modells dieser Absorberkassette wurde eine Entwurfsmethode für diese Kassetten zu ihrem Einsatz in Schalldämpferauskleidungen entwickelt. Für De-

Die Ära von Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle an der TU Dresden

monstrations- und Lehrzwecke wurde ein aktiver Schalldämpfer aufgebaut, mit dem bei den zwei Auslegungsfrequenzbereichen (125 und 250 Hz) Einfügungsdämpfungswerte bis zu 30 dB/Terz erreichbar sind. Anwendungsbereiche derartiger Anordnungen sind akustische Absorber mit kleinen Auskleidungstiefen in schalldämpfenden Kanälen zur Lärmabwehr.

forschungslinien der Ära Reichardt weitergeführt, jeweils hochaktuelle, eigenständige, originäre Forschungsgebiete aufgegriffen und um moderne Aspekte der Technischen Akustik ergänzt. In der Lehre wurde im Zeitraum zwischen 1970 und 1990 das Standardprogramm der Technischen Akustik angeboten und gelehrt, also im Wesentlichen die Vorlesungen zur Elektroakustik, zur Raumakustik, zur Lärmabwehr, zu den Elektromechanischen Systemen (Netzwerke, Kontinua, Geräte, Messtechnik), zur Technischen Akustik, zur Theoretischen Akustik, zur Psychoakustik, zur Signalverarbeitung, zur akustischen Messtechnik (einschließlich Praktika). Wolfgang Kraak wurde im Jahre 1988 emeritiert, Walter Wöhle 1993 und Arno Lenk 1996. Während der Nachfolger von Prof. Kraak, Prof. D. Hamann, 1991 mit Gründung eines Unternehmens aus der TU Dresden ausgeschieden ist, wurde als Nachfolger von Walter Wöhle 1993 Peter Költzsch berufen. Der Lehrstuhl von Prof. A. Lenk wurde 1996, obwohl nach einem Ausschreibungsverfahren und der Arbeit einer Berufungskommission ein Listenvorschlag vorlag, aus Einsparungsgründen nicht wieder besetzt. Damit wird das Fachgebiet Technische Akustik seit Mitte der 1990er Jahre an der TU Dresden, nachdem es in einem Zeitraum von etwa 25 Jahren mit drei Lehrstühlen betrieben worden ist, lediglich noch mit einer Professur vertreten.

Zu diesem Forschungsprojekt gehören die von A. Lenk betreuten Dissertationen von R. Lippold (1996) „Untersuchung hybrider Absorberkassetten zum Einsatz in Schalldämpferkanälen“ und von St. Irrgang (1998) „Optimierung, Stabilität und Modellbildung aktiver Absorber in Schalldämpferkanälen“. Wolfgang Kraak, Arno Lenk und Walter Wöhle haben im Zeitraum von etwa 20 Jahren nach der Emeritierung von Walter Reichardt das Fachgebiet der Technischen Akustik an der TU Dresden in den Haupt-

42

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

1.5

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

Forschung auf dem Gebiet der Technischen Akustik des IAS (ITA) Für den Zeitraum von 1991 bis 2002 können aus den Jahresberichten des Instituts die Schwerpunkt-Forschungsgebiete zur Technischen Akustik abgeleitet werden. Die Auswertung umfasst die Projekte der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung sowie größere Projekte der industriefinanzierten und lehrbegleitenden Forschung: Anteil des Fachgebietes an der Gesamtforschung der AG Technische Akustik: Elektroakustik, Wandler, Messtechnik ⇒ 30 % Schallerzeugung, Körperschall, Strömungsakustik ⇒ 30 % Hörakustik ⇒ 10 % Technischer Schall- und Schwingungsschutz, akustische Materialien ⇒ 20 % Raumakustik ⇒ 10 % Aufgelistet nach der Art der Auftraggeberinstitution (Finanzierung) ergibt sich die folgende Übersicht, die auch einen Einblick in die Aufteilung in Grundlagenforschung, anwendungsorientierte Forschung, Industriebindungen, Internationale Kooperation u. a. gibt: Forschungsprojekte nach Art der Auftraggeberinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ⇒ 40 %

Bundesministerien, Bundesanstalten, Sächsische Ministerien, Stiftungen ⇒ 20 % EU, Internationale Kooperation ⇒ 10 % Größere Industrieunternehmen ⇒ 30 % Unter dem Gesichtspunkt dieser Ergebnisse soll eine fachlich inhaltliche Bestandsaufnahme der Forschung an der TU Dresden im Zeitraum nach der Wende bis in die unmittelbare Gegenwart angeschlossen werden. Neben Forschungen zur technisch orientierten Akustik in den Fakultäten Maschinenwesen, Verkehrswissenschaften und in der Medizinischen Fakultät wird das Fachgebiet Technische Akustik seit den 1920er Jahren an der TH/TU Dresden vorrangig im Bereich der Elektrotechnik vertreten. Im Zeitraum seit 1991 zeigt die Forschung der Technischen Akustik am akustischen Institut der TU Dresden eine klare Profilierung aus klassischen Entwicklungslinien und der Realisierung moderner Entwicklungstendenzen des Fachgebietes. Während zu den traditionellen Gebieten der Dresdner Technischen Akustik die Elektroakustik, die Raum- und Bauakustik sowie die Hörakustik gehören, wird mit den Forschungen zur Schallentstehung (mechanisch, strömungsmechanisch, thermisch), zum technischen Schall- und Schwingungsschutz sowie zu den akustischen Materialien auf aktuellen internationalen Forschungsfeldern der Technischen Akustik, die sich in einer hochdynamischen Entwicklung befinden, in interessanten deutschen und internationalen Kooperationen mitgewirkt. Aber auch diese letztgenannten Forschungsgebiete haben in der Geschichte des akustischen Instituts der TH/TU Dresden weit zurückreichende Vorgängerprojekte (siehe dazu die Abschnitte 1.2 bis 1.4 dieser Festschrift). 43

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

Im Folgenden sollen die genannten Forschungskomplexe anhand konkreter Projekte im Zeitraum seit 1991 detailliert dargestellt werden: Elektroakustik, Wandler, Messtechnik

- Dimensionierungsverfahren

für piezoelektrische Monomorphplatten - Aufbau von Mustern verschiedener Wandlertechnologien von Ultraschallwandlern zur gerichteten Audioschallwiedergabe (siehe Abbildung)

Nichtlineare Verzerrungen bei Tieftonund Druckkammerlautsprechern 1991 – 1997
- Modellierung und Hörbarkeit nichtlinearer Ver-

zerrungen
- Wahrnehmbarkeitsschwellen nichtlinearer

Lautsprecherverzerrungen
- Verminderung nichtlinearer Verzerrungen •

Mikrofontechnik 1993 – dato
- Verbesserung der Kalibriermethoden für Mess-

mikrofone
- Entwicklung neuer Baugruppen für Mikrofone •

und deren Messtechnik Einsatz von DSP zur Veränderung der Mikrofoneigenschaften Mikrofone mit integriertem Analog-DigitalUmsetzer Reduzierung des Rauschens bei Kondensatormikrofonen Realisierung eines digitalen Messmikrofonverstärkers (mit Microtech Gefell) Mikrofonarray zur aeroakustischen Schallquellenlokalisierung Aktive Störschallunterdrückung bei einem Asthma-Bronchitissensor

Ultraschallstrahler zur gerichteten Audioschallwiedergabe (Labormuster)
- Modulationstechnik zur Realisierung geringer

nichtlinearer Verzerrungen des Audiosignals
- Aufbau eines Leistungsverstärkers: 150 kHz,

1200 Watt
- Optimierung von Hochleistungswandlern auf

piezoelektrischer und kapazitiver Basis

Sensorik bis 2002
- Entwurf, Entwicklung, Erprobung und Herstel-

lung biomedizinischer Miniaturdrucksensoren
- Entwurf piezoresistiver Feuchtesensoren - Entwicklung von Risssensoren für die Trans-

Lautsprecher 1991 – dato
- Entwicklung und Optimierung eines Langhub-

pondertechnik
- Entwurf und Modellierung eines piezoelektri-

Gleitlagerlautsprechers
- Modellierung und Optimierung einer PKW-

schen Miniatur-Körperschallmikrofons

Hupe
- Untersuchung

prinzipe für Fernsehgeräte - Analyse und Bewertung von Lautsprechermembranen aus neuen Faserwerkstoffen - Entwurf, Modellierung und Erprobung einer Leistungsschallflussquelle (2m3/s) zur Unterdrückung von Raumresonanzen im Windkanal eines PKW-Herstellers

optimaler Lautsprecher-Wirkumweltfreundlich entsorgbare

Messtechnik 1991 – dato
- Fehlerbeschreibung von Dehnungssensoren in

textiler Einbettung
- Entwicklung von extrem robusten Dehnungs-

Gerichtete Audioschallabstrahlung mittels Ultraschall 1999 – dato
- Entwurf

sensoren, die in Kohlenstofffaser-ThermoplastVerbundwerkstoffen integriert sind - angepasste Oberflächendehnungsmesstechnik für Hochleistungsrotoren - Risserkennungsmesstechnik auf Transponderbasis - Bestimmung des frequenzabhängigen Verlustfaktors von Dämpfungswerkstoffen

von speziellen Zweischicht-Ultraschallwandlern

44

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

Raumakustik

Raumschallfelder 1991 – 1995
- Computermodellierung von Schallfeldern in

Räumen
- Anwendung raumakustischer Berechnungsver-

fahren für PKW-Innenräume
- Anwendung der Streuelement-Methode zur

raumakustischen Simulation bei tiefen Frequenzen (2002 – 2003)

Synthetisches Schallfeld, raumakustische Kriterien 1992 – 2002
- Wahrnehmbarkeit von Raumschallfeld-Unter-

schieden und von Raumklangfärbungen bei Sprache und Musik - Modernisierung des synthetischen Schallfeldes im großen reflexionsarmen Messraum - Raumakustische Kriterien zur Beurteilung der scheinbaren Quellbreite - Aufbau einer raumakustischen 3 D-Sonde, erste Tests im synthetischen Schallfeld

Merkmalspinne zur Beurteilung natürlicher Klangbilder nach A-Life® Pinkfarbene Fläche: Beurteilungsbeispiel (Universitätsjournal 4/99)

Hörakustik

Störgeräuschunterdrückung in Hörgeräten 1991 Hörgeräteanpassung Klangbildern 1992 – 2002 mit natürlichen

Beurteilung der gehörschädigenden Wirkung von Lärm mit Hilfe von Gesamtdosismodellen (Berücksichtigung kombinierter Schallexpositionen) 1993 – 1994 Einfluss von Gehörschäden auf die ergonomische und akustische Qualität von Arbeitsplätzen – eine Bestandsaufnahme 2002 Bauakustik, Körperschall, Statistische Energieanalyse (SEA) 1991 – dato
- Schallausbreitung -

- Aufbau einer Klangbildbibliothek aus den Er-

-

-

lebnisbereichen: Wohnbereich, Freizeit- und Kulturbereich, Kommunalbereich, Arbeitsbereich, Natur u. a. subjektive Tests an hörgeschädigten Probanden Tests an Normalhörenden und an Hörgeschädigten zur binauralen Anpassung von Hörgeräten mit Hilfe natürlicher Klangbilder, Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten des A-LifeAnpassverfahrens in der Praxis Verfahren zur Beurteilung der Qualität beidohriger Hörgeräteversorgungen Weiterentwicklung des Hörgeräteanpassverfahrens A-Life 9000 (siehe Abbildung) Modelle und Verfahren zur Skalierung von Hördimensionen durch den Patienten Auswertung von Skalierungsvektoren Hörgeschädigter aus einem Feldtest Verringerung des Zeitaufwandes bei Anpassverfahren

Schallerzeugung, Körperschall

-

in komplexen Strukturen (SEA) Weiterentwicklung des Verfahrens der SEA mit dem Ziel der verbesserten Anwendung in der Bauakustik, in der Maschinen- und Fahrzeugkonstruktion Berechnung von Kopplungsverlustfaktoren Computerprogramm für eine SEA-Sensitivitätsanalyse Untersuchungen am SEA-Modell einer PkwKarosserie Computermodell einer Struktur mit mehreren miteinander gekoppelten schwingungsfähigen Systemen, Ziel: statistische Aussagen über die Beeinflussbarkeit des Strukturübertragungsverhaltens durch die Verschiebung einer oder meh-

45

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991 rerer Eigenfrequenzen, Anwendung auf beliebige mechanische und akustische Strukturen - Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen der SEA (Zuverlässigkeit, Zusammenhang zwischen Kopplungsverlustfaktor und Transmissionsgrad) - Untersuchungen zur Verwendung der SEA als Verfahren zur Vorausberechnung von hochfrequentem Körperschall, Überlegungen zur Entwicklung alternativer Berechnungsverfahren für die hochfrequente Körperschallausbreitung - EU-Netzwerk SEANET (TU Dresden als einzige deutsche Universität beteiligt)

-

Inverse Messung breitbandiger Erregerkraftspektren 1997 – 1999
- Entwicklung von Fehlermodellen, die den Ein-

stitut: akustische Modellierung der strömungsmechanischen Quellen mit Hilfe des SNGRModells (Stochastic Noise Generation and Radiation) Modell: zweidimensionale Strömung über eine ebene Platte SNGR-Modell mit dem CAA-Code (entwickelt beim DLR in Braunschweig) erste Ergebnisse zur Richtcharakteristik und zum Schallenergiespektrum experimentelle Untersuchungen der Schallerzeugung an einer ebenen, überströmten Platte im aeroakustischen Windkanal des Instituts, akustische Messungen gemeinsam mit der Universität Stuttgart

fluss statistischer Fehler bei der Messung der Ausgangsdaten auf die berechneten Kraftspektren beschreiben - Einbeziehung von Fehlerschätzern - Validierung des Verfahrens durch Labormessungen an einer aufgehängten Platte - Aussagen zur Optimierung inverser Verfahren

Projekt SWING+ (Simulation of WingFlow Noise Generation) Fortführung der SWING-Problematik: 2001 - dato
- Validierung der Simulationsergebnisse mit der

Trittschalldämpfung von Laminatfußböden 1999 – 2001
- Entstehung und Verminderung von Gehgeräu-

neu aufgebauten und erprobten Hitzdrahtmesstechnik am aeroakustischen Windkanal des Instituts - Berechnung der Schallabstrahlung der überströmten ebenen Platte (siehe Abbildung) bei einer Mach-Zahl von Ma = 0,11, Anwendung von RANS, SNGR, CAA (in Zusammenarbeit mit dem DLR in Braunschweig)

schen auf Laminatfußböden
- Messverfahren zur zuverlässigen, objektiven

Beurteilung der Gehgeräusche
- Erprobung des Messverfahrens für Gehgeräu-

sche

Schallerzeugung, Strömungsakustik

Grundlagen der Strömungsakustik 1993 − 1998
- Berechnung der Schallabstrahlung einer transi-

tionalen Strömungsgrenzschicht (Übergangsbereich von laminarer zu turbulenter Strömung) - Numerische Untersuchungen der Wanddruckschwankungen und der Schallabstrahlung in instationären Grenzschichten - Vergleich und Bewertung der Berechnungsmöglichkeiten für den aerodynamischen Schall: Vergleich der aeroakustischen Analogien (Lighthill und Powell/Howe)

Momentaufnahme einer numerischen Berechnung des Hinterkantenlärms an der überströmten ebenen Platte. (In der Abbildung sind turbulente Wechseldrücke und Schallwellen erkennbar.)
- Mikrofonarray: Konzeption und Aufbau - Detaillierte Untersuchungen zur Anwendung

Projekt SWING (Simulation of WingFlow Noise Generation) 1998 – 2000
- Numerische Simulation der Schallerzeugung an

des SNGR-Verfahrens
- Vergleich der berechneten Richtcharakteristi-

einem Tragflügel für den Landeanflug, am In-

ken der Schallabstrahlung mit den Berechnungen auf der Basis der Grobstruktursimulation LES (RWTH Aachen)

46

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991
- Validierung von aerodynamischen und akusti- Schallquellenlokalisierung mit dem Mirofon-

schen Ergebnissen mit Hilfe der Messungen am aeroakustischen Windkanal des Instituts - Entwicklung eines Berechnungsverfahrens für den Fernfeldschalldruck aus den Wanddruckschwankungen auf der überströmten Platte als akustische Quellgröße

array an umströmten Platten
- Aerodynamische und akustische Validierung

der numerischen Berechnungsergebnisse
- Praktikum zur Strouhal-Zahl / Reynolds-Zahl-

Aeroakustischer Windkanal 1996 – dato
- Auslegung, Montage des Windkanals im ehe-

maligen Wandlabor des Instituts (siehe Abbildung)

Abhängigkeit tonaler Schallkomponenten beim umströmten Zylinder Zur Durchführung aeroakustischer Untersuchungen, das heißt, der Schallerzeugung durch Strömungen, wurde 1996 im ehemaligen Wandlabor des Instituts ein aeroakustischer Windkanal aufgebaut und in Betrieb genommen. Ein Radialventilator (1,4 kW, nach dem Umbau von 2002: 2,5 kW), der saug- und druckseitig über jeweils 4 m lange Schalldämpfer verfügt, erzeugt einen Düsenstrahl, der im Messraum aerodynamische und aeroakustische Untersuchungen bis zu einer Strömungsgeschwindigkeit von 40 m/s (nach Umbau ca. 50 m/s) zulässt. Dieser Windkanal besitzt einen extrem leisen Freistrahl; er gehört zu den leisesten Windkanälen in Europa.

Schnittdarstellung des aeroakustischen Windkanals am IAS
- Aerodynamische, akustische und aeroakusti-

sche Charakteristiken des Kanals (siehe Abbildung)
60 v0=0m/s v =5m/s 0 v =10m/s 0 v =15m/s 0 v =20m/s 0 v =25m/s 0 v0=30m/s v0=35m/s v0=37m/s v0=40m/s v0=45m/s v =48m/s
0

50 Schalldruckpegel Lp in dB

40

Untersuchungen zu turbulenten und akustischen Druckschwankungen, die durch Stenosen in den menschlichen Gefäßsystemen erzeugt werden; Entwicklung eines Berechnungsverfahrens, Experimente am Modell eines menschlichen Körpers 1997 – 2002 Berechnung der Schallerzeugung von Flammen 2001 – 2005
- Physikalische Ursachen des Verbrennungsge-

30

Verbrennungslärm, Thermoakustik

20

10

0 2 10

10 f terz in Hz

3

10

4

räusches
- Beschreibung der physikalischen Mechanis-

Terzpegelspektren des Hintergrundgeräusches der Messstrecke im IAS-Windkanal
- Untersuchung des Schalldämpfungsverhaltens

von durchströmten Gestricken
- Untersuchungen zum Pseudoschall bei der Um-

strömung des menschlichen Kopfes, Einsatz der Kunstkopftechnik im aeroakustischen Windkanal, Ermittlung der Verdeckungseigenschaften durch das Strömungsrauschen am menschlichen Ohr, Messung der Pseudoschallfrequenzspektren in Abhängigkeit von der Strömungsgeschwindigkeit und der Anblasrichtung am Kopf - Windgeräusche an Mikrofonen und an zugehörigen Windschutzeinrichtungen

men, Berechnungsmöglichkeiten, insbesondere mit Verwendung der aeroakustischen Analogie nach Lighthill - Überregionale DFG-Forschergruppe „Verbrennungslärm“ mit 6 Hochschulen und 2 DLRInstituten, Teilprojekt des IAS: Modellierung der Schallabstrahlung von Flammen mit akustischen Ersatzstrahlern (gemeinsam mit Prof. M. Ochmann, Berlin)

Technischer Schall- und Schwingungsschutz, Akustische Materialien

Hybride Schalldämpfer, aktive Schallabsorber 1991 – 1998

47

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991
- Modellierung und Testung von aktiven Einzel-

-

-

absorberkassetten Entwurfsmethode für aktive Absorberkassetten Untersuchungen zum Einfluss der Lastimpedanz des Kanals auf die Stabilität der hybriden Absorberkassette Parametrische Experimente zur Verbesserung der theoretischen Dämpfungseigenschaften der hybriden Absorberkassette, Optimierungen hinsichtlich eines minimalen Absorbervolumens im Verhältnis zur Kanalbreite Experimentelle Überprüfung der Optimierungsergebnisse Aufbau eines Demonstrationsobjektes eines aktiven Schalldämpfers, gemessene Einfügungsdämpfungswerte bis zu 30 dB/Terz

genschaften von ein- oder mehrschichtigen Fahrbahnaufbauten

Lärm von Windkraftanlagen 1995 – 1996
- Schallmessungen an Windkraftanlagen - Prüfung der vorhandenen Vorhersagemodelle

für die Schallabstrahlung
- Untersuchungen zur Korrelation zwischen ge-

messenem Schalldruckpegel und der Windgeschwindigkeit (Messung über die momentane elektrische Leistung der Windkraftanlage)

Erschütterungen 1994 – 1998
- Messtechnische Untersuchungen zu industrie-

Strategie der akustischen Auslegung von Maschinen, Konzeption für die akustische Auslegung von Strömungsmaschinen 1999 – 2001 Einfluss der Fahrbahneigenschaften auf das Rollgeräusch von Kraftfahrzeugen 2000 – 2002
- DFG-Projekt, gemeinsame Bearbeitung der Fa-

-

-

-

-

-

-

-

kultät Elektrotechnik und Informationstechnik und der Fakultät Bauingenieurwesen (Straßenbau) Entwicklung einer Theorie des porösen Fahrbahnbelages zur Vorhersage der akustischen Eigenschaften aus den Material- und Technologieparametern des Straßenaufbaus, basierend auf der Theorie des akustischen Absorbers Entwicklung, Bau und Erprobung der Messgeräte und Messverfahren Validierung der Vorhersagen an über 200 eigens dafür hergestellten Asphaltproben Berechnung der Schallpegelminderung im Nahfeld am Reifen und bei der Ausbreitung über der Fahrbahn, dazu Entwicklung eines speziellen Randelementeverfahrens und eines Transmission-Line-Matrix-Verfahrens Entwicklung eines analytischen Ansatzes, der zur akustischen Optimierung von Fahrbahnaufbauten verwendet werden kann Messverfahren zur Bestimmung der akustischen Impedanz und des Absorptionsgrades von Fahrbahnen in situ auf der Grundlage der Impuls-Echo-Methode Aufbau einer Datenbank von offenporigen Proben und Fahrbahnen Schaffung der Grundlage einer systematischen und gezielten Optimierung der akustischen Ei-

-

bedingten Schwingungsquellen und zur Schwingungsausbreitung im Erdboden Entwicklung einer Ankoppelvorrichtung für Schwingungsaufnehmer Schwingungsmessungen an verschiedenen Böden, Simulation der Wellenausbreitung mit FEProgrammen Untersuchung von neuen Verfahren der Aufnehmerankopplung an den Boden, Ziel: besser reproduzierbare Schwingungsmessungen, Ableitung einer zweckmäßigen Tiefe für die Durchführung der Schwingungsmessungen im Erdboden Einsatz von FE-Programmen zur Erschütterungsprognose

Theoretische Akustik, inkl. Ultraschall

Anwendung von Ähnlichkeitskennzahlen in der Akustik 1998 – 2000
- zur sinnvollen Trennung physikalischer Wir-

kungsbereiche, z. B. die HELMHOLTZ-Zahl zur Charakterisierung der Schallabstrahlung von Quellen - zur verallgemeinerten Darstellung von experimentell oder numerisch gewonnenen Datenmengen - Physikalische Interpretation der HELMHOLTZ-Zahl, Anregung und Kopplung von Wellenleitern unter Verwendung der HELMHOLTZ-Zahl

Ultraschall 1993 – dato
- Simulationsrechnungen

für monofrequente Schallfelder in geschichteten Medien - Erweiterung auf komplexere Körpergeometrien (Schallfeld im Auge, Wandleroptimierung) - Computersimulation akustischer Felder in Festkörpern und fluiden Medien

48

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991
- Entwicklung einer Separationsmethode zur Be-

-

-

rechnung des Schallfeldes für dreidimensionale elastodynamische Probleme Entwicklung eines Algorithmus zur Schallfeldsimulation von Wandlern Berechnung des transienten Schallfeldes einer ausgedehnten Quelle in geschichteten Körpern mit nichtparallelen oder gekrümmten Grenzflächen mit einer Separationsmethode Optimierung von Ultraschallwandlern Integraltransformationsmethoden zur Ableitung von Greenschen Funktionen

Lehre auf dem Gebiet der Technischen Akustik des IAS (ITA) Die Lehrveranstaltungen des Instituts zum Fachgebiet der Technischen Akustik beinhalten einerseits die klassischen Gebiete der Technischen Akustik, die, in den Zeiten von H. Barkhausen, R. Heger, M. Kluge und W. Wolman an der TH Dresden mit der Elektroakustik, der Raumakustik und der Technischen Akustik beginnend, von W. Reichardt auf diesen Gebieten fortgeführt worden sind, ergänzt um die Bauakustik, die Theoretische Akustik, die Lärmabwehr, und mit einem bedeutenden Ausbau der Technischen Akustik. In den zwei Jahrzehnten danach (ca. 1970 bis 1990) sind von W. Kraak, A. Lenk und W. Wöhle die Lehrveranstaltungen insbesondere in den Bereichen Technische Akustik, Theoretische Akustik, Elektromechanische Netzwerke, Elektromechanische Kontinua, Messtechnik und Signalverarbeitung unter Einbeziehen aktueller Forschungen des Fachgebietes und des Instituts erheblich weiterentwickelt worden. Andererseits sind in den Jahren nach 1990 zu den genannten klassischen Lehrveranstaltungen, entsprechend den modernen Entwicklungen des Fachgebietes der Technischen Akustik, den dafür berufenen Hochschullehrern und den Schwerpunktforschungsgebieten des Instituts, aktuelle Gebiete hinzugekommen, deren langfristige Beständigkeit aus den internationalen Entwicklungen im Fachgebiet erkennbar 49

ist, so dass der entsprechende Aufbau von Lehrveranstaltungen und das Vermitteln zugehöriger Ausbildungsinhalte für Absolventen des Fachgebietes gerechtfertigt erscheint. Dazu gehören die Lehrveranstaltungen Ultraschall, Strömungsakustik und Nichtlineare Akustik, Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik, Numerische Akustik, Maschinenakustik sowie Musikalische und Physiologische Akustik. Mit dieser Palette von Lehrveranstaltungen, eingeschlossen zahlreiche Übungen, Projektarbeiten und Praktika (darunter das große Institutspraktikum mit 12 Versuchen, das gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“ durchgeführt wird), wird den Studierenden sowohl das Grundlagenwissen der Technischen Akustik vermittelt als auch in einer großen fakultativen Breite die exemplarische Ausbildung in Spezialdisziplinen ermöglicht. Die Studierenden des Studienschwerpunktes „Akustik und Sprachkommunikation“ haben zur Technischen Akustik die grundlagenorientierte Pflichtlehrveranstaltung „Akustik“ (gilt für alle Studierende der Studienrichtung „Informationstechnik“) zu absolvieren, im Wahlpflichtprogramm dann aus dem Lehrveranstaltungskatalog des Studienschwerpunktes etwa 25 bis 30 Semesterwochenstunden zur Technischen Akustik auszuwählen. Die Pflichtlehrveranstaltung „Akustik“ wurde 1996/1997 aufgebaut und bietet die Grundlagen der Akustik; deshalb eignet sie sich - mit einigen Aktivitäten des Selbststudiums zu bestimmten „Werkzeugen“ und Methoden der Elektrotechnik - auch als eine Einführung in die Akustik für Studenten des Maschinenbaus und der Verkehrstechnik. Sie wird in jüngster Zeit auch im Nebenfach „Akustik und Sprachkommunikation“, z. B. für den Studiengang Medieninformatik, angeboten.

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991

Für diese Vorlesung gibt es ein Vorlesungsskript (341 Seiten) sowie ein Skript mit der ausführlichen Beschreibung der 44 Vorlesungsexperimente. Für die Erarbeitung dieser Vorlesung wurden bewährte Vorbilder für eine solche Grundlagen-, Übersichts- und Einführungsvorlesung aus dem In- und Ausland genutzt, u. a. Vorlesungen von E. MEYER (zur Schwingungsphysik und zur physikalischen und technischen Akustik), L. CREMER (zur technischen Akustik), von W. REICHARDT / W. KRAAK (zur Elektroakustik und zur technischen Akustik), von O. V. RUDENKO (Einführung in die Akustik), von V. A. KRASILNIKOV (Einführung in die Akustik), von I. MALECKI (zu den physikalischen Grundlagen der technischen Akustik), von L. F. LEPENDIN (Akustik), von A. CHAJASAKA (zur Elektroakustik) und von A. D. PIERCE (Acoustics). Die Schwerpunkte der Grundlagenvorlesung „Akustik“ beziehen sich auf die folgenden Gesichtspunkte:

Raumakustik; die Analogietechnik anhand der Flachwasseranalogie für Schallausbreitungsvorgänge (Beugung/Abschirmung, bewegter Monopol, Schallabstrahlung vom Freistrahl und von Hubschrauberrotoren) und anhand der elektromechanischen / elektroakustischen Analogie (HELMHOLTZ-Resonator, mechanischer Reihen- und Parallel-Schwingkreis); schließlich die Reziprozitätstechnik mit den Beispielen der Schallabstrahlung von Strukturen (Maschinenakustik) und der schallerregten Bewegung von Feststoffpartikeln (akustische Agglomeration).

Verwendung von Ähnlichkeitsinvarianten:

In der Vorlesung „Akustik“ werden in starkem Maße dimensionslose Ähnlichkeitskennzahlen verwendet, u. a. die HELMHOLTZ-Zahl (He) bei Vorgängen der Schallerzeugung, der Schallabstrahlung und der Schallausbreitung, die MACH-Zahl (Ma) bei der strömungsmechanischen Schallerzeugung und - in ihrer akustischen Definition - im Bereich der nichtlinearen Akustik, die STROUHAL-Zahl (Sr) bei der Schallerzeugung, die REYNOLDS-Zahl (Re) bei Schallausbreitungsvorgängen mit Zähigkeitsverlusten. Außerdem werden spezielle Ähnlichkeitsinvarianten in den Abschnitten zur homologen und analogen Modelltechnik eingeführt und zur Lösung praktischer Probleme verwendet.

Von der Ursache zur Wirkung:

Besondere Teilgebiete der Akustik:

Neben den Problemen der Schallabstrahlung und der Schallausbreitung (freies und diffuses Feld) wird das erste Glied dieser Kette, die Schallerzeugung, in einem umfangreichen Abschnitt behandelt. Inhaltlich betrifft das die Unterscheidung zwischen der direkten und der indirekten Geräuschentstehung, hinsichtlich der physikalischen Erzeugungsmechanismen die mechanische, die strömungsmechanische, die thermodynamische und die elektrische / magnetische Schallentstehung. Beispiele für Schallquellen beziehen sich auf die Aspekte des Wohlklangs (Musik, Sprache), des Lärms (Verkehrsmittel), des Nutzschalls (Sirene, Ultraschall) und der Information (Sprache, Lautsprecher).

„Werkzeuge“ der Akustik:

Als wichtige Methoden der Akustik werden die Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik, die Analogien und das Reziprozitätsgesetz behandelt. Dabei werden die grundsätzlichen Verfahrensweisen an jeweils sehr praktischen Beispielen erläutert, und zwar die experimentelle Modelltechnik bei Schalldämpfern, bei schwingenden Strukturen und in der

Einige der behandelten Teilgebiete der Akustik werden - abgesehen von der Fortführung der Grundlagen der Akustik (Lehrveranstaltungen: Technische Akustik I und II, Theoretische Akustik) - in den folgenden Semestern durch eigenständige Lehrveranstaltungen ausführlich dargestellt. Dazu gehören unmittelbar die Abschnitte „Einige Grundlagen der physiologischen und psychologischen Akustik“, „Elektroakustik“, „Nichtlineare Akustik“, „Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik“ sowie mittelbar die späteren Lehrveranstaltungen „Raumakustik und Beschallungstechnik“, „Lärmmesstechnik“, „Lärmabwehr“, „Strömungsakustik/Nichtlineare Akustik“, „Numerische Akustik“, „Elektromechanische Messtechnik“. Trotzdem wurde auf diese wichtigen Teilgebiete in der Grundlagenvorlesung „Akustik“ nicht verzichtet, insbesondere deshalb, weil diese Teilgebiete dem Verständnis einer modernen Prägung des Fachgebietes Akustik dienen und weil sie das Interesse für dieses Fachgebiet, zumindest mit der Belegung von einzelnen Lehrveranstaltungen (und damit Teilgebieten der Akustik), auch bei den Studenten wecken sollen, die ganz oder teilweise ihre Fachstudien in einem anderen Studienschwerpunkt als der

50

Das Fachgebiet der Technischen Akustik im Zeitraum seit 1991 Akustik und Sprachkommunikation fortsetzen werden. Der Abschnitt zu (einigen) Grundlagen der physiologischen und psychologischen Akustik beinhaltet Ausführungen zum Gehör und zum Sprechapparat sowie zum Hören und zum Sprechen/zur Sprache. Im Abschnitt zur nichtlinearen Akustik werden die (klassischen) nichtlinearen Phänomene behandelt, wie z. B. Schallstrahlungsdruck, akustische Strömungen, akustische Kavitation. Aus den modifizierten akustischen Grundgleichungen wird das Phänomen der Wellenaufsteilung abgeleitet und das Gesamtszenario der Ausbreitung nichtlinearer Schallwellen erläutert (Anwendung: Überschallknall von Flugzeugen, Ventilöffnungsvorgang).

mente zur strömungsmechanischen, thermodynamischen und (festkörper-)mechanischen Schallerzeugung, Aufsteilung von Druckwellen (Überschallknall), Phantomschallquelle, „Taucher-Sprache“, Reziprozität in Schallfeldern mit elektroakustischen Wandlern, elektromechanische und elektroakustische Analogie). In die Vorführungen während der Vorlesung werden auch Computersimulationen zur Schallabstrahlung von Platten sowie zur Computersimulation in der raumakustischen Projektierung einbezogen. Alle diese Experimente sind in dem Heft „Vorlesungsexperimente Akustik“ ausführlich beschrieben.

Vorlesungsexperimente:

Aus der Grundtendenz dieser Vorlesung „Akustik“, das Fachgebiet stark physikalisch orientiert und sehr anschaulich darzustellen, wurde eine große Zahl von Vorlesungsexperimenten vorbereitet, die direkt während der Vorlesung im Hörsaal vorgeführt werden. Die Ideen für diese Vorlesungsversuche stammen z. T. aus der Experimentalphysik (z. B. MEYER, POHL, BERGMANN/SCHÄFER), z. T. werden historisch bedeutungsvolle akustische Versuche nachvollzogen (z. B. TYNDALL, KUNDT, CHLADNI, HELMHOLTZ) und schließlich werden Experimente zu modernen Gebieten der Akustik aufgebaut (z. B. Frequenzabhängigkeit der Schallreflexion und der Schallabschattung, Schallabstrahlung von Multipolen, Schallfeld im Freien und in Räumen, Experi-

Zusammenfassend sei festgestellt, dass das wahlobligatorische Lehrprogramm zum Bereich der Technischen Akustik gegenwärtig die für die TU Dresden bereits „klassischen“ Lehrveranstaltungen Technische Akustik, Elektroakustik, Theoretische Akustik, Raumakustik und Beschallungstechnik, Elektromechanische Messtechnik und Lärmmesstechnik umfasst, sowie Vorlesungen zu modernen Gebieten, wie Ultraschall, Numerische Akustik, Psychoakustik, Physiologische Akustik, Musikalische Akustik, Strömungsakustik, Nichtlineare Akustik, Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik und Maschinenakustik.

51

Die „Dresdner Schule der Technischen Akustik“

2

Die „Dresdner Schule der Technischen Akustik“
Denk- und Arbeitsmethoden geprägt – nunmehr diesen Staffelstab wissenschaftlicher Erkenntnis an die nächste Generation weiterreichen. Folgende Hochschullehrer des (weit gefassten) Gebietes der Technischen Akustik sind aus dem Dresdner akustischen Institut hervorgegangen: Walter Wöhle Professor für Technische Akustik, TU Dresden Arno Lenk Professor für Elektromechanische Messtechnik, TU Dresden

Im Folgenden sollen die aus der „Schule“ von Prof. W. Reichardt bzw. aus der „Schule“ der Professoren W. Kraak, A. Lenk und W. Wöhle hervorgegangenen Hochschullehrer aufgeführt werden. Sie gehören in dem Sinne zur „Dresdner Schule der Technischen Akustik“, dass sie – durch ihre akademischen Lehrer in einer gewissen Art in ihren wissenschaftlichen Walter Reichardt Professor für Elektro- und Bauakustik, TU Dresden Wolfgang Kraak Professor für Technische Akustik, TU Dresden

Onsy Abdel Alim Professor am Building Research Centre, Universität Alexandria, Ägypten Wolfgang Ahnert Honorar-Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam-Babelsberg Hanno Ertel Professor für Bauphysik an der Universität Stuttgart Wolfgang Fasold Professor an der Bauakademie Berlin und am Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart Gerald Gerlach Professor für Festkörperelektronik, TU Dresden Hans-Jochen Hage Professor für Elektrotechnik und Elektronik, Fachhochschule Furtwangen Gert Hofmann apl. Professor, Physiologische Akustik, TU Dresden 52

Peter Költzsch Professor für Strömungsmechanik, TU Bergakademie Freiberg, und Professor für Technische Akustik, TU Dresden Heyo Mennenga Professor für Messtechnik an der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow (Universität Rostock) Günther Pfeifer apl. Professor, Elektromechanische Messtechnik, TU Dresden Jürgen Rehnitz Professor für Messtechnik an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Ludwig Walther Professor für Technologische Verfahren der Elektronik, TU Dresden Roland Werthschützky Professor für Mess- und Sensortechnik, TU Darmstadt

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

3

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation
sur „Technische Akustik“ eingegliedert; damit bestand das Institut bis zum Herbst 2002 aus den beiden verbliebenen Arbeitsgruppen „Technische Akustik“ und „Sprachkommunikation“. Da auch der Lehrstuhl „Systemtheorie“ (Prof. Schreiber) der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik im Jahre 2002 aus Einsparungsgründen nicht nachbesetzt worden ist, hat sich Prof. R. Hoffmann bereit erklärt, das Fachgebiet Systemtheorie zu übernehmen. Die Mitarbeiter der ehemaligen Professur „Systemtheorie“ sind damit in das Institut für Akustik und Sprachkommunikation umgesetzt worden; damit wurde auch die Bezeichnung der Arbeitsgruppe in „Systemtheorie und Sprachkommunikation“ erweitert. Mit dem Erreichen der Altersgrenze ist Herr Prof. Dr. Walter Wöhle 1993 aus der TU Dresden ausgeschieden. Auf die Professur „Technische Akustik“ wurde Prof. Dr. Peter Költzsch berufen, der an der TU Bergakademie Freiberg einen Lehrstuhl für Strömungsmechanik innehatte. Im Jahre 2001 wurde Frau Dr. rer. nat. Dr.Ing. habil. Elfgard Kühnicke auf die neueingerichtete Dozentur für das Fachgebiet „Ultraschall“ berufen. Diese Dozentur berücksichtigt antragsgemäß in starkem Maße die Grundlagen des Ultraschalls; deshalb erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den ultraschallanwendenden Fachdisziplinen, insbesondere mit der Biomedizintechnik und der Zerstörungsfreien Materialprüfung. Charakteristisch für die Forschungsentwicklung im Zeitraum nach der Wende ist die sukzessive Integration der beiden Fachgebiete Technische Akustik und Sprachkommunikation in nationale und internationale Forschungsaktivitäten bzw. 53

3.1 Aspekte der Entwicklung seit 1991 – Bestandsaufnahme im Jahre 2003 Hier sollen zunächst einige Aspekte und ausgewählte Ereignisse dargestellt werden, die die Entwicklung im Zeitraum der letzten 10 bis 12 Jahre charakterisieren. Das Institut für Technische Akustik wurde – nach der Wende von 1989/1990 und der Wiedervereinigung Deutschlands – am 1. November 1990 wiedergegründet. Als erster Direktor nach der Wende fungierte Prof. Dr. Arno Lenk. Das Institut hatte damals die folgende Arbeitsgruppenstruktur:

Technische Akustik (W. Wöhle, D. Hamann) Elektromechanische Systeme (A. Lenk) Sprachkommunikation (W. Tscheschner, R. Hoffmann) Elektronische Messtechnik (U. Frühauf)

• •

Außerdem arbeitete im Zeitraum 1992/1993 am Institut die AG „Akustische Sensorsysteme“ innerhalb des Wissenschaftler-Integrations-Programms mit dem Projektleiter Dr.-Ing. habil. L. Zipser, 4 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 3 Mechanikern. Diese Arbeitsgruppe wurde mit der Berufung von Dr. Zipser zum Professor an die Hochschule für Technik und Wirtschaft (FH) Dresden umgesetzt. Die AG „Elektronische Messtechnik“ (Prof. U. Frühauf) wurde 1993 in das Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik integriert. Mit der Nichtwiederbesetzung der Professur „Elektromechanische Systeme“ im Jahre 1996 wurden die Mitarbeiter dieser Arbeitsgruppe im Wesentlichen in die Profes-

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

das Ergreifen derartiger Initiativen durch die Wissenschaftler des Instituts. Beispiele für solche Verbund- und Gemeinschaftsprojekte der Grundlagenforschung und angewandten Forschung sind die folgenden Forschungskomplexe:

BMBF-Verbundprojekt „Beiträge zur signalnahen Verarbeitung in VERBMOBIL II“ Zeitraum: 1997 – 2000 DFG-Verbundprojekte SWING und SWING+ (Simulation of Wing Noise Generation and Radiation) mit vier Hochschulen und einem DLRInstitut: Teilprojekte der TU Dresden: „Entwicklung eines Verfahrens zur numerischen Modellierung des aeroakustischen Quellmechanismus an den Klappenseitenkanten von Flugzeugtragflügeln“ „Schallquellenmodellierung mittels stochastischer Geschwindigkeitsschwankungen und Oberflächendruckfelder“ Zeitraum: 1997 – 2004 DFG-Forschergruppe „Textile Verstärkungen für Hochleistungsrotoren“, mit zwei weiteren Instituten der TU Dresden: Teilprojekte des Instituts: „Spannungs- und Dehnungsmesstechnik an Hybridstrukturen für Leichtbaurotoren“, „Bauteilintegrierte Sensorik und Risserkennung in CF-PEEK-Verbundwerkstoffen“ Zeitraum: 1997 – 2003 DFG-Gemeinschaftsprojekt TU Dresden: Technische Akustik / Straßenbau „Einfluss der Fahrbahneigenschaften auf das Rollgeräusch von Kraftfahrzeugen“, gemeinsames Projekt des Instituts für Akustik und Sprachkommunikation und des Instituts für Stadtbauwesen und Straßenbau der TU Dresden, Zeitraum: 1999 – 2002 SEANET: EU Netzwerk zum Problemkreis der Statistischen Energieanalyse Zeitraum: 1999 – 2002

BMFT-Verbundprojekt „Verbmobil“, Teilprojekt der TU Dresden: „Beiträge zur signalnahen Verarbeitung in VERBMOBIL I“ Zeitraum: 1991 – 1996 BMFT-Projekt, Volkswagen-Stiftung „Untersuchung eines neuartigen Schallabsorberprinzips“, „Hybrider Schalldämpfer“, mit einem Fraunhofer-Institut (Stuttgart) Zeitraum 1991 – 1997 DFG-Gemeinschaftsprojekt TU Dresden / Goethe Universität Frankfurt a. M. „Erkennung phonetisch ähnlicher Wörter“ Zeitraum: 1992 – 1996 Industriegemeinschaftsprojekt: GEERS Hörgeräte und Hochschulen „Anpassung von Mehrkanalhörgeräten mit Hilfe natürlicher Klangbilder“, mit zwei Hochschulen Zeitraum: 1992 – 2002 BMBF-Gemeinschaftsprojekt: TU Dresden / Belorussische Akademie der Wissenschaften, Minsk „Konzeption, Aufnahme und Bearbeitung einer Datenbasis zur Synthese der russischen Sprache aus Zeitfunktionssegmenten“ Zeitraum: 1995 – 1998 BMBF-Gemeinschaftsprojekt: TU Dresden / Tschechische Akademie der Wissenschaften, Prag „Digitale Erzeugung von Sprachsignalen zum Einsatz in Sprachsynthetisatoren“ Zeitraum: 1995 – 1997 54

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

BMBF-Verbundprojekt „Entwicklung von E-Learning-Modulen für Studiengänge der Informations-, Kommunikations- und Medientechnik“, mit drei Hochschulen, Zeitraum: 2001 – 2003 BMBF-Verbundprojekt AKUSIM: „Akustische Simulationsverfahren: Vorausberechnung von Strömungs- und Körperschall bei typischen Fahrzeugstrukturen mit dem Ziel der Lärmminderungsprognose“, mit einem DLR-Institut, einem Fraunhofer-Institut und EADS München, Zeitraum: 2001 - 2004 DFG-Forschergruppe (überregional) zum „Verbrennungslärm“, mit 6 Hochschulen und zwei DLR-Instituten: Teilprojekt der TU Dresden (gemeinsam mit Prof. Dr. Ochmann, Berlin): „Modellierung der Schallabstrahlung von Flammen mit akustischen Ersatzstrahlern“ Zeitraum: 2002 – 2005

Im Zeitraum nach der Wende wurden am Institut folgende Lehrveranstaltungen neu aufgebaut und in den Studienplan aufgenommen. Dieses Vorgehen charakterisiert die Modernisierung der Ausbildung auf Grund der Wissenschaftsentwicklung bei gleichzeitiger Kontinuität in der Vermittlung der Grundlagen:
• • • • • • •

Theoretische Akustik (W. Wöhle, P. Költzsch) Elektromechanische Netzwerke (A. Lenk) Sensorelektronik (G. Pfeifer) Psychoakustik (W. Tscheschner, R. Hoffmann) Objekterkennung (R. Hoffmann) Signalverarbeitung (R. Hoffmann) Maschinenakustik (P. Költzsch)

Akustik (Grundlagen) (P. Költzsch, Mitwirkung: G. Pfeifer) • Signalanalyse und -erkennung (R. Hoffmann) • Elektroakustik (G. Pfeifer) • Praktikum „Akustik“ (R. Hoffmann, P. Költzsch, G. Pfeifer) • Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik (P. Költzsch) • Sprachsynthese (U. Kordon) • Strömungsakustik / Nichtlineare Akustik (P. Költzsch) • Ausgewählte Kapitel der Akustik (inkl. Lärmabwehr) (P. Költzsch, E. Sarradj) • Raumakustik und Beschallungstechnik (G. Schroth, M. Blau) • Numerische Akustik (E. Sarradj) • Physikalische Grundlagen der Akustik (E. Kühnicke) • Ultraschall (E. Kühnicke) • Physiologische Akustik / Musikalische Akustik (G. Hofmann, A. Wilde) In Ergänzung der Entwicklung der Lehre interessiert die Zahl der Qualifizierungsarbeiten, die von den Hochschullehrern des Instituts im Nachwendezeitraum betreut worden sind. In der folgenden Abbildung ist die Anzahl der Studienarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen des Zeitraumes 1991 bis 2002 dargestellt.

55

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

Anzahl der jährlichen Studienarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen im Zeitraum 1991 bis 2002

Versuchsräume, Versuchsanlagen Eine wichtige Basis für das erfolgreiche wissenschaftliche Arbeiten sind die am Institut heute vorhandenen Messeinrichtungen und Versuchsräume. Zuerst zu nennen wäre der große schallreflexionsarme Raum (siehe Abbildung), der nach der Aufgabe des zweiten, kleineren schallreflexionsarmen Raumes (aus kostenbedingten Einsparungsgründen) sowohl für Untersuchungen des Schallfeldes von Schallwandlern, für akustische Messungen unter Freifeldbedingungen als auch für die Wiedergabe von Musik und Sprache in einem synthetischen Schallfeld (siehe Abbildung) genutzt wird.

Detailaufnahme des synthetischen Schallfeldes mit Hörplatz und individuell einstellbaren Aktiv-Lautsprechern

Großer reflexionsarmer Raum, Synthetisches Schallfeld im Hintergrund

Der Raum ist an Boden, Wänden und Decke mit schallabsorbierenden GlaswolleKeilen ausgekleidet. Mit seinem verbleibenden Volumen von ca. 1000 m³ ist er einer der größten reflexionsarmen Räume in Europa. Vor fünf Jahren erfolgte die aufwändige Neugestaltung des synthetischen Schallfeldes, in dem nunmehr die Beschallung von Versuchspersonen über bis zu 16 Lautsprecher vorgenommen werden kann. Eine rechnergestützte Steuerung ermöglicht individuelle Einstellungen für jeden der 16 Wiedergabekanäle und damit die Darbietung unterschiedlichster Raumschallfelder. 56

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

Ein weiterer akustischer Messraum ist der große Hallraum (siehe Abbildung) mit einem Volumen von 195 m³. Er ermöglicht die normgerechte Messung des Absorptionsgrades und der Schallleistung kleinerer Schallquellen.

Düse des aeroakustischen Windkanals im Messraum, im Vordergrund: Messaufbau mit Traversiereinrichtung und Hitzdrahtanemometer Großer Hallraum mit Diffusoren-Platten und Messobjekt (Schallkapsel)

Seit ca. 8 Jahren verfügt das Institut über einen aeroakustischen Windkanal (siehe Abbildung). In einem Maschinenraum befinden sich ein Antriebslüfter sowie große Kulissen- und Diffusorschalldämpfer, die im Messraum einen leisen Luftstrom aus einer Düse mit 20 cm bzw. 35 cm austreten lassen. Dabei wird nach einer 2002 erfolgten Modernisierung nunmehr eine Geschwindigkeit von 48 m/s erreicht. Der im Messraum erzeugte Schallpegel beträgt lediglich 28 dB(A) bei 10 m/s bzw. 53 dB(A) bei 40 m/s. Eine hochempfindliche, automatisch positionierbare HitzdrahtMesseinrichtung ermöglicht die Vermessung des Strömungsfeldes. Zur Ortung von Schallquellen in der Strömung wurde ein Mikrofonarray mit 64 Mikrofonen konzipiert und aufgebaut. In den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde das Hermann-WillkommStudio (siehe Abbildung), in dem Audiound Video-Wiedergabe mit der zu Forschungszwecken notwendigen hohen Qualität möglich ist.

Für Messungen zur Charakterisierung der Eigenschaften poröser Absorber stehen verschiedene Messgeräte bereit. Neben einem Impedanzmessrohr zur Messung von Absorptionsgrad und Wandimpedanz befinden sich darunter auch in den letzten Jahren entwickelte, spezielle Geräte zur Messung der Tortuosität und der automatisierten Messung des Strömungswiderstandes.

Hermann-Willkomm-Studio mit Audio- und Videotechnik

Eine breite Palette von Messmikrofonen und Beschleunigungsaufnehmern erlaubt die Messung von Schalldrücken und Schwingungen in unterschiedlichsten Anwendungen. Durch ein Laser-Doppler57

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

vibrometer sind empfindliche, berührungslose Schwingungs-Messungen an leichten Objekten (z. B. Lautsprechermembranen) möglich. Zur Auswertung der Messungen sind verschiedene Analysatoren, Schallpegelmesser sowie rechnergestützte Messwerterfassungssysteme vorhanden. In Fortführung der Aktivitäten von W. Reichardt konnte seit der Wiedervereinigung Deutschlands nunmehr auch die verantwortungsvolle Mitarbeit der TU Dresden bei der Normung auf dem Gebiet der Akustik in Deutschland wieder aufgenommen werden. Der Lehrstuhlinhaber für Technische Akustik (P. Költzsch) hat als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Akustik diese Gesellschaft im NALS-Beirat des DIN und VDI (NALS: Normausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik) vertreten und in diesem Gremium an der Koordinierung und zum Teil auch an der direkten Bearbeitung von Normen auf dem Gebiet der Akustik und der Schwingungen mitgewirkt. Er ist seit 1997 Obmann des Normausschusses „Grundlagen und Terminologie der Akustik“, in dem sich vorwiegend Vertreter von Hochschulen und Universitäten um die saubere Begriffsbildung der Fachtermini und deren klare Definition bemühen, also um eine wesentliche Grundlage der Ausbildung auf dem Fachgebiet. Da sich diese akustische Normungsarbeit keiner großen Beliebtheit erfreut und gegenwärtig stark von den persönlichen Aktivitäten einiger weniger Hochschullehrer gespeist wird, ist es von besonderer Wichtigkeit, dass die Dresdner Akustik diese Pflicht eines Universitätsinstituts fortführt. Dieses Wirkungsfeld in der Grundlagennormung des Bereiches Akustik und Schwingungstechnik ausüben zu können,

setzt aber zwangsläufig die Vertretung eines breiten akustischen Fachspektrums am Institut voraus, und zwar insbesondere in den Gebieten, in denen durch die technischen Anwendungen (Messtechnik, technische Lärmbekämpfung, physikalische Grundlagen u. a.) einerseits enge Berührungspunkte zur Industrie bestehen und andererseits das Einsatzfeld der Absolventen des Instituts liegt, und zwar im Bereich der Wirtschaft, der Industrie, der Behörden u. ä. Das Institut für Technische Akustik wird seit 1995 in großzügiger Weise durch die unterHermann-Willkomm-Stiftung stützt. Der Zweck dieser Stiftung ist die Förderung besonders begabter junger Menschen, die sich auf naturwissenschaftlichem/technischem Gebiet ausbilden, also Studierende, Doktoranden und Habilitanden, und zwar in der Form der aktiven Teilnahme an Tagungen und für Forschungsaufenthalte an auswärtigen Forschungsinstituten, die Unterstützung von Forschungsvorhaben, z. B. Zuschüsse bei der Beschaffung von Geräten, sowie die Anschaffung wissenschaftlicher Fachliteratur. In diesem Sinne wurde für die Technische Universität Dresden, für die Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, vorrangig für das Institut für Technische Akustik bzw. Institut für Akustik und Sprachkommunikation sowie das Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik, im Zeitraum von 1996 bis 2001 eine Gesamtförderung von ca. 150.000 Euro realisiert. Diese Förderung zeigte sich konkret in der technischen Einrichtung eines hochmodernen Audio-Video-Studios 1996/97 im Institut für Akustik und Sprachkommunikation und in dem in der Zwischenzeit erfolgten weiteren Ausbau dieses HermannWillkomm-Studios, so z. B. durch einen Webserver für Multimedia-Lehre, einen Beamer für die Vorlesungen und für die 58

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

moderne Vortragsgestaltung sowie die Einrichtung von Bearbeitungsplätzen für die digitale Audio- und Videobearbeitung. Die technische Ausstattung des WillkommStudios bietet die Möglichkeit, die erzeugten Audio- und Videosequenzen einem Hörerkreis bis zu 15 Teilnehmern darzubieten. Es wird in vielfältigster Weise für die universitäre Ausbildung sowie für die Werbung von Gymnasiasten für ein Studium technischer Disziplinen an der TU Dresden genutzt. Davon zeugen auch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten von Schülern, Studenten und Doktoranden, z. B. die Analyse von Instrumentenklängen, die mehrkanalige Aufnahme von Schallereignissen, die Untersuchung akustischer Verdeckungseffekte durch Audiosignale im Pkw-Innenraum, Hörtests zur Anpassung von Hörgeräten mit natürlichen Klangbildern, die Qualitätsbeurteilung natürlicher Klangbilder, Sprachaufnahmen für korpusbasierte Sprachsynthese u.v.a.m. In diesem Hermann-Willkomm-Studio werden direkt die im Studienplan vorgesehene Vorlesungen „Psychoakustik“ und die Lehrveranstaltung „Akustische Phonetik“ im Studium generale durchgeführt. Die finanzielle Förderung von Nachwuchswissenschaftlern betraf im Zeitraum der letzten sechs Jahre insgesamt 78 Tagungsreisen, darunter die weltweit bedeutungsvollsten wissenschaftlichen Konferenzen auf dem Gebiet der Akustik und der Sprachkommunikation (u. a. Hongkong, Budapest, Helsinki, San Diego, München, Osaka, Liberec, Kopenhagen, Istanbul, Paris, Hawaii, Zürich, Amsterdam, Peking, New York, Rom, Stockholm, Orlando). Mit Investitionen für Geräte und Teile von Versuchseinrichtungen in Forschungsprojekten der Nachwuchswissenschaftler wurden Qualifizierungsarbeiten zum Diplomabschluss und zur Promotion gefördert, z. B. die Anschaffung von: Druckaufnehmer, Schwingungserreger, Speicheroszil59

loskop, DAT-Rekorder, Lautsprecherboxen, Verstärker, Signalkonditionierungssystem, Audiomischpult, Laserabstandsmesser, Verstärker-Baugruppen für die Ultraschallerzeugung u. a. m. Als besonders wertvolle Investition ermöglichte uns die Willkomm-Stiftung umfangreiche Literaturanschaffungen, die zur Erweiterung der Handbibliotheken der beteiligten Institute beitrugen, die aber auch der Bereitstellung von Tagungsbänden und von Vorlesungsanschauungsmaterial dienten. Für diese großzügige Unterstützung der Nachwuchswissenschaftler an unserer Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik sowie für diese Förderung des wissenschaftlichen Lebens in Forschung und Lehre ist die Technische Universität Dresden der Stifterin, Frau Wilhelmine Willkomm, Bad Tölz, zu großem Dank verpflichtet. Das Institut für Akustik und Sprachkommunikation führt seit 1996 in jedem Jahr, mit einem außerordentlich großen Aufwand und intensiven Vorbereitungen, Veranstaltungen zur Werbung von Gymnasiasten/innen für ein Studium technischer Disziplinen, speziell der Elektrotechnik und der Akustik und Sprachkommunikation, durch. Diese Veranstaltungen sind insbesondere integriert in die Ereignisse des Schnupperstudiums, des Uni-Tages, der Sommeruniversität und der Zusammenarbeit mit Gymnasien. Demonstrationen in den akustischen Spezialräumen und Labors sowie an den Versucheinrichtungen zur Technischen Akustik erfassen jährlich etwa 500 bis 800 Schüler, Gymnasiasten, Studenten (anderer Fachrichtungen und Universitäten) und Interessenten aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten. Zur Mitarbeitersituation im Institut für Technische Akustik bzw. Institut für Akustik und Sprachkommunikation im Nach-

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

wendezeitraum ist festzustellen, dass sich die Struktur der Mitarbeitergruppen im Institut im Zeitraum seit 1991 grundlegend gewandelt hat. (Die folgenden Betrachtungen lässt die Lehr- und Forschungsgruppe „Elektronische Messtechnik“ und die Arbeitsgruppe „Akustische Sensorsysteme“ unberücksichtigt, da diese beiden Gruppen 1993 aus dem Institut ausgeschieden sind.) Die Entwicklung der Mitarbeitergruppen wird durch folgende Aspekte charakterisiert: Die Zahl der Hochschullehrer verringerte sich von 7 im Jahre 1991 (W. Wöhle, A. Lenk, D. Hamann, W. Tscheschner, R. Hoffmann, M. Siakkou, R. Werthschützky) auf 4 im Jahre 2003 (R. Hoffmann , P. Költzsch, E. Kühnicke, G. Pfeifer), die Zahl der Inhaber von Lehrstühlen bzw. Dozenturen im gleichen Zeitraum von 5 auf 3. Die Professur „Elektromechanische Systeme“ wurde in der Nachfolge von Prof. Dr. A. Lenk auf Grund der drastischen Verringerung der Zahl der Lehrstühle an der Fakultät infolge der Sparmaßnahmen im Freistaat Sachsen nicht wieder besetzt. Zum Institut gehört zur Zeit die C4Professur „Technische Akustik“ (Prof. P. Költzsch), die C3-Professur „Sprachkommunikation“ (Prof. R. Hoffmann) und die Dozentur „Ultraschall“ (Frau Doz. E. Kühnicke). Die Zahl der aus dem Haushalt finanzierten Wissenschaftler-Stellen verringerte sich von 26 Stellen im Jahre 1991 auf 10 im Jahre 2002, während die Zahl der technischen Kräfte und der Verwaltungsangestellten im gleichen Zeitraum von 8 auf 6 abnahm. Die gravierendste Veränderung ergab sich im Bereich der drittmittelfinanzierten wissenschaftlichen Mitarbeiter. Während es 60

diese Kategorie der wissenschaftlichen Mitarbeiter im Jahre 1991 kaum gab (4 Mitarbeiter im Institut), war im Jahre 2002 die Zahl der Drittmittelfinanzierten auf ca. 22 Mitarbeiter/innen angestiegen. Da das Verhältnis der drittmittelfinanzierten wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen zu den aus dem Haushalt finanzierten Wissenschaftlern (einschließlich Hochschullehrer/innen) üblicherweise als ein Indiz für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit eines Universitätsinstituts gewertet wird, ist in der Abbildung (siehe S. 61) das Verhältnis der drittmittelfinanzierten zu den haushaltfinanzierten Wissenschaftlern in seiner zeitlichen Entwicklung von 1991 bis 2002 dargestellt. Bei der zweiten Kurve der Abbildung ist zu den Drittmittelbeschäftigten noch die Anzahl der Forschungsstudenten, Promotionsstudenten, Stipendiaten (aus Stiftungen) u. ä. finanzierte Doktoranden hinzugenommen worden, da auch diese Formen von Wissenschaftlerfinanzierungen eingeworben werden müssen und damit Ausdruck wissenschaftlichen Leistungsvermögens sind. Im Zeitraum seit der Wende sind folgende Mitarbeiter/innen, die z. T. jahrzehntelang am Institut tätig gewesen sind, altersbedingt ausgeschieden: die Professoren Walter Wöhle, Walter Tscheschner und Arno Lenk • die Sekretärin des Instituts, Frau Elke Straßburg, und die Verwaltungsangestellte, Frau Siegried Möhler, • die Oberassistenten Dr. Gottfried Schroth, Dr. Peter Budach und Dr. Rolf Dietzel. Das Institut ist allen diesen Mitarbeitern zu großem Dank verpflichtet.

Ehrenkolloquia in der Form wissenschaftlicher Veranstaltungen (mit zahlreichen Fachvorträgen) wurden zum 65. Geburtstag von Prof. W. Wöhle (10. März

Das Institut für Technische Akustik – das Institut für Akustik und Sprachkommunikation

Verhältnis der drittmittelfinanzierten zu den haushaltfinanzierten Wissenschaftlern

1993), zum 65. Geburtstag von Prof. A. Lenk (28. Juli 1995), zum 65. Geburtstag von Prof. D. Mehnert (17. Mai 2000), zum 75. Geburtstag von Prof. W. Kraak (22. Juni 1998) und zum 75. Geburtstag von Prof. W. Tscheschner (27. September 2002) organisiert und durchgeführt. 1994 fand vom 14. bis 17. März an der TU Dresden, ausgerichtet vom Institut für Technische Akustik, die 20. Deutsche Jahrestagung für Akustik „DAGA 94 Dresden“ statt. Der Veranstalter war die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) unter Mitwirkung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). 815 Teilnehmer aus dem In- und Ausland, darunter auch zahlreiche Fachkollegen aus osteuropäischen Ländern, folgten der Einladung nach Dresden. 25 Aussteller zeigten akustische Geräte und spezielle Literatur zum Fachgebiet. Insgesamt wurden 280 Vorträge gehalten und 60 Posterbeiträge präsentiert. Es war damit die größte akustische Tagung, die jemals an der TH/TU Dresden stattgefunden hat.

Mitglieder bzw. Doktoranden und Studenten des Instituts sind mit folgenden bedeutungsvollen Auszeichnungen geehrt worden:

Prof. Wolfgang Kraak (1988): mit der Bekésy-Medaille des Ungarischen Optischen, Akustischen und Filmtechnischen Vereins Budapest Prof. Wolfgang Kraak (1994) und Prof. Arno Lenk (2000): mit der HELMHOLTZ-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) Prof. Peter Költzsch (1996): Wahl zum ordentlichen Mitglied der BerlinBrandenburgischen Akademie der Wissenschaften Dr.-Ing. Martin Holzapfel (2001): mit dem ITG-Förderpreis für seine Dissertation „Konkatenative Sprachsynthese mit großen Datenbanken“ Dipl.-Ing. Matthias Stege (1998): mit dem Johannes-Görges-Preis der Fakultät Elektrotechnik für seine Diplomarbeit „Winderzeugter Pseudoschall am menschlichen Kopf“

61

Die Arbeitsgruppe „Technische Akustik“

3.2

Die Arbeitsgruppe „Technische Akustik“ (dargestellt von Prof. Dr. P. Költzsch)

Schallerzeugung, Körperschall Bauakustik, Körperschall, Statistische Energieanalyse (SEA • Inverse Messung breitbandiger Erregerkraftspektren • Trittschalldämpfung von Laminatfußböden Schallerzeugung, Strömungsschall, Strömungsakustik

Das Institut für Technische Akustik verfügte nach seiner Wiedergründung am 1. November 1990 – wie oben bereits dargestellt - über vier Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppe Technische Akustik wurde von Prof. Walter Wöhle geleitet. Nach dessen Emeritierung im Herbst 1993 wurde Prof. Peter Költzsch auf die Professur „Technische Akustik“ berufen. Mit der Nichtwiederbesetzung der Professur „Elektromechanische Systeme“ (Prof. Arno Lenk) im Jahre 1996 wurden die Mitarbeiter dieser Arbeitsgruppe und das betreffende Fachgebiet im Wesentlichen in die Professur „Technische Akustik“ eingegliedert. Im Jahre 2001 wurde auf Antrag der Professur Technische Akustik die Dozentur „Ultraschall“ eingerichtet, auf die Frau Dr. rer. nat. Dr.-Ing. habil. Elfgard Kühnicke berufen worden ist. In den letzten Jahren und gegenwärtig sind die Schwerpunkte des Fachgebietes „Technische Akustik“ folgende Forschungskomplexe (ausführliche Darstellung: siehe Abschnitt 2.5.): Elektroakustik, Wandler, Messtechnik Nichtlineare Verzerrungen bei Tieftonund Druckkammerlautsprechern • Mikrofontechnik, Wandler, Lautsprecher, Messtechnik Raumakustik

Numerische Untersuchungen der Wanddruckschwankungen und der Schallabstrahlung in instationären Grenzschichten • Vergleich und Bewertung der Berechnungsmöglichkeiten für den aerodynamischen Schall (aeroakustische Analogien) • Numerische Simulation der Schallerzeugung an einem Tragflügel für den LandeAnflug, akustische Modellierung der strömungsmechanischen Quellen mit Hilfe des SNGR-Modells (Stochastic Noise Generation and Radiation) • Aeroakustischer Windkanal: Auslegung, Konstruktion, Aufbau, Erprobung; seither: zahlreiche aeroakustische Untersuchungen Verbrennungslärm, Thermoakustik

Wahrnehmbarkeit von RaumschallfeldUnterschieden und von Raumklangfärbungen bei Sprache und Musik • Raumakustische Kriterien zur Beurteilung der scheinbaren Quellbreite Hörakustik
• •

Berechnung der Schallerzeugung von Flammen: Modellierung der Schallabstrahlung von Flammen mit akustischen Ersatzstrahlern Technischer Schall- und Schwingungsschutz, Akustische Materialien
• • •

Hörgeräteanpassung Klangbildern

mit

natürlichen

Hybride Schalldämpfer, aktive Absorber (A. Lenk, G. Pfeifer) Erprobung neuer Lärmschutzprinzipien an Ventilatoren in Form von integrierten Schallabsorptionselementen Strategie der akustischen Auslegung von Maschinen, Konzeption für die akusti-

62

Die Arbeitsgruppe „Technische Akustik“

sche Auslegung von Strömungsmaschinen • Einfluss der Fahrbahneigenschaften auf das Rollgeräusch von Kraftfahrzeugen: Entwicklung einer Theorie des porösen Fahrbahnbelages zur Vorhersage der akustischen Eigenschaften aus den Material- und Technologieparametern des Straßenaufbaus, basierend auf der Theorie des akustischen Absorbers, Berechnung der Schallpegelminderung im Nahfeld am Reifen und bei der Ausbreitung über der Fahrbahn Theoretische Akustik, Ultraschall Anwendung von Ähnlichkeitskennzahlen in der Akustik Physikalische Interpretation der HELMHOLTZ-Zahl, Anregung und Kopplung von Wellenleitern unter Verwendung der HELMHOLTZ-Zahl • Ultraschall: Simulationsrechnungen für Schallfelder in geschichteten Medien, Computersimulation akustischer Felder, Entwicklung einer Separationsmethode zur Berechnung des Schallfeldes für dreidimensionale elastodynamische Probleme, Optimierung von Ultraschallwandlern, Integraltransformationsmethoden zur Ableitung von Greenschen Funktionen Das wahlobligatorische Lehrprogramm zum Bereich der Technischen Akustik umfasst gegenwärtig die folgenden Lehrveranstaltungen (für die im Wesentlichen die drei Hochschullehrer P. Költzsch, G. Pfeifer und E. Kühnicke zuständig sind): • Technische Akustik I, II • Elektroakustik I, II • Praktikum Akustik I, II • Ultraschall I, II, III • Theoretische Akustik • Raumakustik und Beschallungstechnik • Elektromechanische Messtechnik • Numerische Akustik

Lärmmesstechnik • Lärmabwehr • Ausgewählte Kapitel der Akustik • Psychoakustik (Prof. R. Hoffmann) • Physiologische Akustik (Prof. G. Hofmann) • Musikalische Akustik (A. Wilde) • Strömungsakustik • Nichtlineare Akustik • Ähnlichkeitstheorie und Modelltechnik • Maschinenakustik (für Fakultät Maschinenwesen) Die technische Ausstattung des Instituts, eingeschlossen die Messräume und Versuchsanlagen der Professur Technische Akustik, ist im Abschnitt 3.1 dargestellt.

Gegenwärtige Mitarbeiterstruktur: 1 Professor, 1 apl. Professor, 1 Dozentin 1 unbefristeter wissenschaftlicher Mitarbeiter 2 befristete wissenschaftliche Mitarbeiter (je ½ Stelle) 2 Labor-Ingenieure 1 Sekretärin ca. 15 Drittmittelbeschäftigte, inkl. 2 Stipendiaten Bezüglich der Publikationen zum Fachgebiet Technische Akustik wird auf die Abschnitte 1.4 und 1.5 sowie auf die Anhänge A.4 und A.5 verwiesen.

63

Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

3.3 Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“ (dargestellt von Prof. Dr. R. Hoffmann) Als Ursprung der Arbeiten zur Sprachkommunikation an der Fakultät Elektrotechnik kann der 1957 in Dresden entstandene Vocoder [10] betrachtet werden, der sich auf Arbeiten von Halsey und Swaffield stützte. Dank dieser Entwicklung bestand am damaligen Institut für Fernmeldetechnik unter Leitung von Prof. Kurt Freitag ein System, das detaillierte Untersuchungen des Sprachsignals und seiner Perzeption gestattete, die eingehend von Walter Tscheschner vorgenommen wurden [11 – 14]. Diese junge Entwicklungslinie der elektronischen Sprachverarbeitung wurde 1968 aus dem Institut für Fernmeldetechnik ausgegliedert und mit dem früheren Institut für Technische Akustik und Teilen des Instituts für Hochfrequenztechnik und Elektronenröhren zu dem Wissenschaftsbereich Kommunikation und Messwerterfassung vereinigt. Dies war erkennbar ein (bemerkenswert frühzeitiger) Versuch, diejenigen Teile der Informationstechnik zusammenzubringen, die man in der damaligen Terminologie zur peripheren Datenverarbeitung zählte und die man heute üblicherweise zu den ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen der Mensch-Technik-Interaktion zusammenfasst. Leiter der Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“ wurde W. Tscheschner, 1969 als Dozent, 1972 als Professor. Er etablierte die technische Kommunikation als Lehrfach [1, 2] und initiierte in der Forschung zahlreiche Arbeiten zur Spracherkennung und –synthese. Eine Übersicht über die Aktivitäten seit der Gründung der Professur bis zur Wende hat er in [29] gegeben und die wesentlichen Wege der Entwicklung des Fachgebietes benannt als

die Entwicklung von Modellvorstellungen bzw. die Qualifizierung von Prinziplösungen, • die Entwicklung der technischen Basis für die Forschung und für Systemvarianten, • die Entwicklung der Applikation, die sich auf Anwendungsbereiche, effiziente Systemkonfigurationen, die Ergonomie und Bedarfsfragen bezieht. Die Forschungsarbeiten schlugen sich bis zur Wende in 37 Dissertationen, 4 Habilitationen und ca. 270 Diplomarbeiten nieder. Deren Anwendungen waren und sind stets eng mit dem verfügbaren Fortschritt der rechentechnischen Basis verkoppelt. Dies zeigt sich besonders bei den stark beachteten Entwicklungen zur Sprachsynthese, bei denen man eine kontinuierliche Linie vom Vokalsynthetisator mit Elektronenröhren über Syntheseterminals mit Lochbandsteuerung, Prozessrechner und Mikroprozessor verfolgen kann. Diese Kontinuität über mehrere Jahrzehnte ist die Voraussetzung auch für die heutigen Arbeiten. Die organisatorische Verbindung der Akustik und der Sprachkommunikation, in gewissem Sinne eine Dresdner Spezialität, blieb auch nach der Wende in dem 1990 gegründeten Institut für Technische Akustik bestehen. Die Professur für Sprachkommunikation wurde bis zu dessen Emeritierung von W. Tscheschner weitergeführt, danach seit 1992 durch den bisherigen Dozenten für Mensch-MaschineKommunikation, R. Hoffmann. Die Schwerpunkte der 1990er Jahre können wie folgt zusammengefasst werden: • Weiterentwicklung der Modelle der humanen Sprachproduktion und –perzeption mit dem aktuellen Schwerpunkt der Prosodie-Modellierung [44, 52, 63], • Algorithmen-Entwicklung zu Sprachsynthese und –erkennung mit dem Ziel, leistungsfähige Experimentiersysteme für

64

Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

die Grundlagenforschung und für die Abspaltung von Applikationen verfügbar zu halten [34, 39, 46], • Grundlagenforschung über automatisches Lernen von Aussprachewörterbüchern [42], • Mitwirkung im BMBF-Verbundvorhaben VERBMOBIL (automatische Übersetzung spontan gesprochener Sprache) [48], • Schaffung prototypischer Anwendungsfälle für Sprachtechnologie [32, 45], • Entwicklung von eingebetteten Systemen für Spracherkennung und –synthese im Rahmen von Industriekooperation. So wurde im Jahre 2001 mit microDRESS das erste TTS-System mit einem footprint von weniger als 1 Mbyte vorgelegt [60]. • Ausbau der Lehre insbesondere in den Gebieten Signalverarbeitung [7, 8] und Psychoakustik unter Einbeziehung neuer Medien [47]; dazu Mitwirkung am BMBF-Programm „Neue Medien in der Bildung“ in den beiden genannten Fächern. Seit 2002 hat sich das Aufgabengebiet der Professur erweitert, da ihr in Übereinstimmung mit der Entwicklungskonzeption der Fakultät die Aufgaben der Professur für Systemtheorie, die nach der Emeritierung des Inhabers H. Schreiber nicht wieder besetzt wurde, mit übertragen wurden. Dies bedeutet insbesondere: • Übernahme des traditionsreichen, auf G. Wunsch zurückgehenden Lehrgebietes „Systemtheorie“ in einer zweisemestrigen Pflichtveranstaltung (digitale und analoge Systeme) für die Studiengänge Elektrotechnik, Informationssystemtechnik und Mechatronik und in einem weiteren Semester (stochastische Systeme) für die Studienrichtung Informationstechnik.

Erweiterung des Fokus in der Forschung auf signal- und systemtheoretische Themen, die ja gerade für das Anwendungsgebiet Sprachtechnologie auf der Hand liegen; als Beispiel soll ein derzeit laufendes DFG-Thema über Sprachanalyse und –synthese mit einheitlichen Datenbasen, inverse Systeme und Strukturlernen erwähnt werden [50]. Technische Ausstattung der Professur „Sprachkommunikation“ • Computer-Labor für Sprachverarbeitung (Workstation-Cluster) • Hermann-Willkomm-Studio für Audiound Videotechnik (gemeinsam mit Professur Technische Akustik) • Multimedia-Labor für BMBF-Projekt „Neue Medien in der Bildung“; eingesetzt im Hörsaal BAR 205 der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik

Mitarbeiterstruktur: 1 Professor 2 unbefristete wissenschaftliche Mitarbeiter 2 befristete wissenschaftliche Mitarbeiter 1 Labor-Ingenieur 1 Sekretärin ca. 10 Drittmittel-Mitarbeiter und Promotionsstudenten Ausgewählte Publikationen zur Sprachkommunikation: (Hinweis: Eine komplette Bibliographie bis 1988 ist in den Bänden 2 und 6 der „Studientexte zur Sprachkommunikation“ erschienen.) Bücher, Tagungsbände:
[1] [2] TSCHESCHNER, W.: Grundlagen der Kommunikationstechnik. 4 Lehrbriefe. Berlin: VEB Verlag Technik 1972 ff. TSCHESCHNER, W.: Kommunikation und Kommunikationsgeräte. 6 Lehrbriefe.

65

Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

[3]

[4]

[5]

[6]

[7]

[8] [9]

Dresden: Zentralstelle für das Hochschulfernstudium 1982 ff. (spätere Auflagen u. d. T.: Grundlagen der technischen Sprachkommunikation). STEINHAGEN, H.-E.; FUCHS, S.: Objekterkennung. Einführung in die mathematischen Methoden der Zeichenerkennung. Berlin: VEB Verlag Technik 1976. FUCHS, S.; HOFFMANN, R. (HRSG.): Mustererkennung 1992. Berlin etc.: Springer-Verlag 1992, ISBN 3-54055936. LANGMANN, D.: EXA 1630 – EINSATZ EINER EXPERTTECHNOLOGIE zur Sprachsignalauswertung mit unscharfem Zugang. Düsseldorf: VDI-Verlag 1992, ISBN 3-18-141610-X. HOFFMANN, R. (Hrsg.): Sprachkommunikation. ITG-Fachbericht 152, Berlin / Offenbach: VDE Verlag 1998, ISBN 38007-2350-6. HOFFMANN, R.: Signalanalyse und – erkennung. Eine Einführung für Informationstechniker. Berlin etc.: SpringerVerlag 1998, ISBN 3-540-63443-6. HOFFMANN, R.: Grundlagen der Frequenzanalyse. Renningen: expert-verlag 2001, ISBN 3-8169-1914-6. HOFFMANN, R. (Serien-Herausgeber): Studientexte zur Sprachkommunikation. 1 (1985) ff. – Seit Bd. 15 (1999) im w.e.b. Universitätsverlag Dresden; ISSN 0940 – 6832.

[14]

[15]

[16]

[17]

[18]

[19]

[20]

[21]

Zeitschriften- und Tagungsbeiträge:
[10] KROCKER, E.: Aufbau und Untersuchung eines Übertragungssystems für synthetische Sprache. WZ TH Dresden 6 (1956/57) 4, 757 – 776. [11] TSCHESCHNER, W.: Analyse von Sprachlauten. WZ TH Dresden 10 (1961), 833 – 839. [12] TSCHESCHNER, W.: Verfahren und Ergebnisse der Analyse deutscher Vokale und Konsonanten. Int. Congr. Phonetic Sciences, Helsinki 1961. Mouton 1962, 280 - 298. [13] TSCHESCHNER, W.: Ergebnisse bei der Analyse von deutschen Sprachlauten. ZPSK 17 (1964) 1, 1 – 19. [22]

[23] [24]

[25]

TSCHESCHNER, W.: Die Analyse der deutschen Sprache unter besonderer Berücksichtigung der nichtstationären Vorgänge. Teil 1: ZPSK 18 (1965) 3, 205 – 242; Teil 2: ZPSK 18 (1965) 4/5, 326 – 346; Teil 3: ZPSK 19 (1966) 1/2, 1 – 43; Teil 4: ZPSK 19 (1966) 3, 141 – 201. FUCHS, S.: Das Merkmalproblem bei der automatischen Spracherkennung. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik 79 (1970), 105 – 111. SCHÖNFELD, M.: Einheitliche Darstellung der Theorien über das System Steigbügel – Basilarmembran im Innenohr. IET 3 (1973) 1, 9 – 21. NAUMBURGER, V.; ZIMMER, H.: Beschreibung und Anwendung eines zeichengesteuerten Sprachsynthetisators. 8. Fachkoll. Informationstechnik, Dresden 1975, Bd. C, 52 – 57. WESTENDORF, C.-M.; SEVEKE, L.: Spracherkennung unter Anwendung der Methoden der dynamischen Optimierung. 8. Fachkoll. Informationstechnik, Dresden 1975, Bd. C, 23 – 27. TSCHESCHNER, W.; ADAM, N.; BLUTNER, F.: Ein Perzeptionsmodell für die Sprachverarbeitung. WZ TU Dresden 25 (1976) 1/2, 209 – 212. MEHNERT, D. : Intonation als Untersuchungsgegenstand in der Sprachakustik. Linguistische Studien, Reihe A, Heft 53 (1979), 213 – 228. NAUMBURGER, V.; PÜSCHEL, K.: SEA 1600 – ein Gerät zur phonetischen Einund Ausgabe. NTB 26 (1982) 6, 161 – 163. TSCHESCHNER, W.; OSE, R.: Discrimination function and the perception of German vowels. Proc. 23rd Acoustic Conf., Ceske Budejovice 1984, 39 – 46. KORDON, U.: Signalanalysetechnik für die Sprachverarbeitung. Nachrichtentechnik 35 (1985) 6, 210 – 213. FLACH, G.: Sprachmodelle für die gesteuerte Erkennung fließender Sprache. Nachrichtentechnik Elektronik 37 (1987) 3, 112 – 114. MEHNERT, D.: Modellierung von Intonationskonturen des Deutschen. Int. Congr.

66

Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

[26]

[27]

[28]

[29]

[30]

[31]

[32]

[33]

[34]

[35]

[36]

Phonetic Sciences, Tallinn 1987, vol. 3, 101 – 104. KORDON, U. ; SEVEKE, L. : Spracherkenner-Zusatzmodul für U-880Mikrorechner. rfe 36 (1987) 11, 728 – 731. HOFFMANN, R.; KORDON, U.: Generierung von Daten für die Sprachsynthese mit integriertem Erkennungsvorgang. BIGTECH 88, Berlin (West) 1988, 68 – 75. TSCHESCHNER, W.: Über ein Experimentiersystem zur automatischen Sprachsignalverarbeitung. BIGTECH 88, Berlin (West) 1988, 54 – 59. TSCHESCHNER, W.: Programm und Ergebnisse der automatischen Sprachverarbeitung an der TU Dresden. Elektron. Sprachsignalverarbeitung, Berlin 1990, 1 – 10. HELBIG, J.: Besonderheiten der Merkmale von Explosivlauten mit konsonantischem Kontext bei der Sprachanalyse. 24. Fachkoll. Informationstechnik, Dresden 1991, 218 – 220. TSCHESCHNER, W.; WIRTH, A.: Zur Untersuchung von Perzeptionskriterien mit synthetischen Sprachsignale. DAGA, Bochum 1991, 909 – 912. KORDON, U.; HIRSCHFELD, D.; FISCHER, W.-J.; OWE, W.: A pocket reading device for the blind. Proc. ESCA Workshop Speech and Language Technology for Disabled Persons, Stockholm 1993, 191 – 194. FLACH, G.: Referenzmodelloptimierung durch Aussprachevarianten und Lautgruppenbildung. KONVENS, Wien 1994, 324 – 426. WESTENDORF, C.-M.; HOFFMANN, R.: The speech recognition research system at the ITA of the TU Dresden. In: Speech Recognition and Coding – New Advances and Trends. Berlin etc.: Springer 1995, 108 – 111. FLACH, G.: Modelling pronunciation variability for special domains. EUROSPEECH, Madrid 1995, 1743 – 1746. RUDOLPH, T.: Entwurf diskriminativer Merkmalstransformationen für die

[37]

[38]

[39]

[40]

[41]

[42]

[43]

[44]

[45]

[46]

Spracherkennung mit naturanalogen Verfahren. DAGM-Symp., Bielefeld 1995, 52 – 59. RUDOLPH, T.: Minimum classification error optimization of word recognizers using evolution strategies. IEEE Int. Conf. On Evolutionary Computation, Perth 1995. WESTENDORF, C.-M.: Nonlinear feature transformation based on statistical phoneme modelling. EUROSPEECH, Madrid 1995, 1419 – 1422. HOFFMANN, R.; KORDON, U.; HELBIG, J.: Recent results in developing a multilingual speech synthesis system. Acta Universitatis Carolinae, Philologica 1/1996, Prague: Charles University 1996, 91 – 104. HOFFMANN, R. ; WESTENDORF, C.-M.: The development of analysis methods for speech recognition. Behavioural Processes 39 (1997) 2, 113 – 125. HOFFMANN, R.; WESTENDORF, C.-M.: Performance evaluation of a low cost filter bank basing on investigations on vowel perception. ESCA Workshop Auditory Basis of Speech Perception, Keele 1996, 305 – 308. WESTENDORF, C.-M.; JELITTO, J.: Learning pronunciation dictionary from speech data. ICSLP, Philadelphia 1996, 1045 - 1048. HELBIG, J.; DING, H.: A syllable based Mandarin Chinese speech synthesis regarding cross syllable coarticulation effects. ICSP, Seoul 1997, 173 – 176. JOKISCH, O.; HIRSCHFELD, D.; EICHNER, M.; HOFFMANN, R.: Multi-level rhythm control for speech using hybrid data driven and rule-based approaches. ICSLP, Sydney 1998, vol. 3, 607 – 610. HOFFMANN, R.; KORDON, U.; HOLLAND, H.-J.; NETZ, S.: Multilingual speech synthesis for car applications. ISATA, Wien 1999, Automotive Electronics and New Products, 159 – 166. HOFFMANN, R.; HIRSCHFELD, D.; JOKISCH, O.; KORDON, U.; MIXDORFF, H.; MEHNERT, D.: Evaluation of a multilingual TTS system with respect to the pro-

67

Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

[47]

[48]

[49]

[50]

[51] [52]

[53]

[54]

[55]

sodic quality. Int. Congr. Phonetic Sciences, San Francisco 1999, 2307 – 2310. HOFFMANN, R.; KETZMERICK, B.; KORDON, U.; KÜRBIS, S.: An interactive tutorial on text-to-speech synthesis from diphones in time domain. EUROSPEECH, Budapest 1999, 639 – 642. EICHNER, M.; WOLFF, M.: Data-driven generation of pronunciation dictionaries in the German Verbmobil project - Discussion of experimental results. ICASSP, Istanbul 2000, 1687 - 1690. FLACH, G.; HOLZAPFEL, M.; JUST, M.; WACHTLER, A.; WOLFF, M.: Automatic learning of numeral grammars for multilingual speech synthesizers. ICASSP, Istanbul 2000, 1291-1294. EICHNER, M.; WOLFF, M.; HOFFMANN, R.: A unified APPROACH for speech synthesis and speech recognition using stochastic Markov graphs. ICSLP, Beijing 2000, 701 - 704. HIRSCHFELD, D.; WOLFF, M.: Universal and multilingual unit selection for DreSS. ICSLP, Beijing 2000, 717 – 720. JOKISCH, O.; MIXDORFF, H.; KRUSCHKE, H.; KORDON, U.: Learning the parameters of quantitative prosody models. ICSLP, Beijing 2000, 645 – 648. EICHNER, M.; WOLFF, M.; OHNEWALD, S.; HOFFMANN, R.: Speech synthesis using stochastic Markov graphs. ICASSP, Salt Lake City 2001, 829 - 832. KRUSCHKE, H.: Advances in the parameter extraction of a command-response intonation model. ISPACS, Nashville 2001. MIXDORFF, H.; JOKISCH, O.: Building an integrated prosodic model of German.

[56]

[57]

[58]

[59]

[60]

[61]

[62]

[63]

EUROSPEECH, Aalborg 2001, 947 – 950. WOLFF, M.; EICHNER, M.; HOFFMANN, R.: Improved data-driven generation of pronunciation dictionaries using an adapted word list. EUROSPEECH, Aalborg 2001, 1433 – 1436. EICHNER, M.; WOLFF, M.; HOFFMANN, R.: Improved duration control for speech synthesis using a multigram language model. ICASSP, Orlando 2002, 417 420. JOKISCH, O.; DING, H.; KRUSCHKE, H.: Towards a multilingual prosody model for text-to-speech. ICASSP, Orlando 2002, 421 – 424. JOKISCH, O.; DING, H.; KRUSCHKE, H.; STRECHA, G.: Learning syllable duration and intonation of Mandarin Chinese. ICSLP, Denver 2002, 1777 – 1780. SCHNELL, M.; JOKISCH, O.; KÜSTNER, M.; HOFFMANN, R.: Text-to-speech for low-resource systems. MMSP, Virgin Islands 2002. WOLFF, M.; EICHNER, M.; HOFFMANN, R.: Measuring the quality of pronunciation dictionaries. Proc. ISCA Workshop on Pronunciation Modeling and Lexicon Adaptation for Spoken Language, Estes Park 2002, 117 - 122. EICHNER, M.; WERNER, S.; WOLFF, M.; HOFFMANN, R.: Towards spontaneous speech synthesis - LM based selection of pronunciation variants. ICASSP, Hong Kong 2003. MIXDORFF, H.; JOKISCH, O.: Evaluating the quality of an integrated model of German prosody. Internat. Journal of Speech Technology 6 (2003) 1, 45 – 55.

68

Die Arbeitsgruppe „Elektromechanische Systeme“

3.4

Die Arbeitsgruppe „Elektromechanische Systeme“ (dargestellt von Prof. Dr. G. Pfeifer)

Schallabsorber in Kanälen vorgelegt werden, die eine anwendbare Dimensionierung derartiger Absorber ermöglicht. Entsprechend den mit der Wende an der TU-Dresden umgesetzten Änderungen an den Studienplänen wurde eine Grundlagenvorlesung „Akustische und mechanische Systeme“ für die Studienrichtung Informationstechnik der Fakultät Elektrotechnik von Prof. Lenk neu aufgebaut und ab Sommersemester 1992 für das 4. Semester (später 5. Semester) gehalten. Die anderen bewährten Vorlesungen wurden in die neuen Studiendokumente aufgenommen. 1994 wurde ein neuer Schwerpunkt der Forschung eröffnet. Das über 4 Jahre vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie geförderte Thema zur „Fundamentbezogenen Erschütterungsprognose“ unter Leitung von Prof. Dr. G. Pfeifer lieferte bis in die aktuelle Normung hineinreichende Erkenntnisse zur Schwingungsmesstechnik am und im Erdboden. Darüber hinaus bestimmten mehrere Themen mit Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren die Forschungstätigkeit in der Arbeitsgruppe um Prof. Lenk. Es wurden sowohl elektroakustische Themen (z.B. die Untersuchung elektroakustischer Wandlerprinzipien für Fernsehlautsprecher) als auch messtechnisch orientierte Themen (z. B. die biosignalgeregelte Orthese für eine isokinetische Therapie, messtechnische Optimierung eines Rauigkeitsmessgerätes, Analyse von Impedanzverhältnissen an extrakorporalen Druckmessketten) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Themen konnten später auch in der Lehre, besonders in den Fächern „Elektromechanische Messtechnik“ und „Elektroakustik“ als Beispiele Anwendung finden. Nach der Emeritierung von Prof. A. Lenk im Jahre 1996 wurde die Professur Elektromechanische Systeme nicht neu besetzt. 69

Die Wiedergründung des Institutes für Technische Akustik am 1.11.1991 leitete auch für die Professur Elektromechanische Systeme unter Prof. Dr.-Ing. habil. Arno Lenk, der zu diesem Zeitpunkt geschäftsführender Leiter des Institutes war, eine deutliche Änderung der Forschungsstruktur ein. Hauptgrund war die mit der Umstrukturierung der Fakultät verbundene Ausgliederung des langjährigen Hauptforschungsgebietes „Piezoresistive Sensoren“ an das Institut für Feinwerktechnik, an dem die weitere Bearbeitung durch ehemalige Mitarbeiter der Professur Elektromechanische Systeme erfolgte. Das von A. Lenk 1991 eingeworbene DFG-Thema „Auflösungsgrenzen piezoresisitiver Sensoren, insbesondere unter dem Einsatz von Umweltstöreinflüssen wie Temperatur und Feuchte“ wurde dort ab 1.3.1993 unter Leitung von Prof. Dr. G. Gerlach weitergeführt. Die Arbeiten zur Auswerteelektronik kapazitiver Drucksensoren, zum Entwurf von Präzisionskraftaufnehmern für kleine Kräfte und zur Fehlerbeschreibung von Messwertaufnehmern wurden abgeschlossen. Das am 1.9.1991 eröffnete Forschungsthema „ Untersuchung eines neuartigen Schallabsorberprinzipes“ (Leitung Prof. A. Lenk, Förderung durch das BMFT) wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart begonnen. Ab 1994 förderte die Volkswagenstiftung die Weiterführung dieses breiter angelegten Projektes unter dem Thema „Hybride Absorber“ unter erneuter Mitarbeit des Fraunhofer-Institutes für Bauphysik und des Institutes für Nachrichtentechnik der Fakultät Elektrotechnik der TU-Dresden bis 1997. Im Ergebnis dieser Arbeiten konnten durch 3 Dissertationen und zahlreiche Diplomarbeiten belegte Lösungen zur Auslegung aktiver

Die Arbeitsgruppe „Elektromechanische Systeme“

Ein Teil des Arbeitsgebietes konnte aber unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. G. Pfeifer innerhalb der Professur Technische Akustik (Prof. Költzsch) in Lehre und Forschung weitergeführt werden. In diesem Zusammenhang wurde nun eine Vorlesung Elektroakustik angeboten, die u. a. auch Teile der bisherigen Vorlesungen Elektromechanische Netzwerke und Kontinua enthielt. Auf dem Gebiet der Elektromechanischen Messtechnik gelang es, innerhalb der DFG-Forschergruppe „Textile Verstärkungen für Hochleistungsrotoren in komplexen Anwendungen“ messtechnische Aufgaben der Dehnungsmesstechnik unter extremen Bedingungen zu lösen. Hierzu wurde moderne Dehnungsmess- und Werkstoffprüftechnik angeschafft. Diese Thematik wird innerhalb der Forschergruppe bis Ende des Jahres 2003 fortgeführt werden.

Auf dem Gebiet der Elektroakustik wurden sowohl Arbeiten zur Optimierung von Schallquellen für den Einsatz bei tiefen Frequenzen durchgeführt (Dissertation Obier 1998), als auch in einem 4-JahresProjekt die Möglichkeiten der stark gerichteten Übertragung von Sprache und Infosignalen durch Ultraschallstrahler untersucht. Dieses Projekt wird im Auftrag der Sennheiser-GmbH bearbeitet. Weiterhin läuft eine mehrjährige Untersuchung im Rahmen eines Promotionsthemas zu den gegenwärtigen physikalischen und werkstoffbedingten Leistungsgrenzen von Ultraschallwandlern für Anwendungen in Luft. Das Cusanus-Werk unterstützt diese Arbeiten durch ein Stipendium an Herrn S. Leschka. Für die Ultraschalltechnik wurden spezielle Laborausrüstungen wie HF-Leistungsverstärker im kW-Bereich und Modulationstechnik neu geschaffen.

70

Die Arbeitsgruppe „Elektronische Messtechnik“

3.5

Die Arbeitsgruppe „Elektronische Messtechnik“ (dargestellt von Prof. Dr. U. Frühauf)

Das Lehr- und Forschungsgebiet Elektronische Messtechnik wurde im Jahre 1968 im Bereich Akustik und Messwerterfassung (Leiter Prof. Kraak), zunächst als Dozentur, ab 1973 als Professur für Elektronische Messtechnik (U. Frühauf) zur Wahrnehmung der Aufgaben von Lehre und Forschung auf dem Gebiet der elektronischen Messtechnik und messelektronischen Einrichtungen eingerichtet. Bei der Profilierung der Lehre wurden die Pflichtvorlesungen "Elektronische Messtechnik" und "Prozessmesstechnik" neu eingeführt bzw. neu gestaltet. Sie bildeten u.a. auch die Grundlage für eine postgraduale Weiterbildung von Ingenieuren der Industrie. In Folge des entwickelten Forschungsprofils wurden neben einem Praktikum neue Vorlesungen wie "Automatische Mess- und Prüftechnik, Technische Diagnose", "Signal- und Systemmesstechnik" und entsprechende "Messtechnische Seminare" angeboten. Die Entwicklung einer eigenständigen und modernen Aufgaben Rechnung tragenden Forschung erfolgte in der ersten Etappe, indem grundsätzliche, für die Perspektive der Messtechnik wichtige Fragen der rechnergesteuerten Mess- und Prüftechnik untersucht wurden. Hierzu gehörten Arbeiten zu Abtastmesssystemen und deren Fehlerverhalten (Hübner, Konrad), zur systemtheoretischen Beschreibung und Synthese von Tests (Frühauf, Rösel), zur Generierung optimaler Prüfstrategien und gemeinsam mit der Industrie Untersuchungen zu Fragen der perspektivischen Entwicklung der Messtechnik und Bauelementeprüfung im Rahmen der Mikroelektronik. Hieraus konnten spezielle Konsequenzen für die Hard- bzw. Software zur Mess- und Prüftechnik abgeleitet werden. Darauf aufbau71

end wurden spezielle Beiträge zur Bewertung dynamischer Prüfobjekteigenschaften (Kranz), zur Testsignalgenerierung (Uhlig), zu speziellen Messsystemen und zu Testerkomponenten (Koppelfeld, dynamische Messkreise: Thiele, J. Schulz, Brovkov, Leuterer, Bachouche, A. Schulz u.a.), zu Prüfadaptern für Multichip-Systeme (Heinig), zur Messwerterfassung sowie zur Analyse und Optimierung von Teststrategien und der Testbarkeit analoger und digitaler Systeme (Slowig, Franz, Adam, Becker, Trost u.a.) erarbeitet. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Graduierungsarbeiten der Mitarbeiter, Aspiranten und Studenten sowie der angewandten Grundlagenforschung bildeten die Voraussetzungen für spezielle Konzepte und Realisierungen für Industriepartner. Beispiele sind anerkannte Untersuchungsergebnisse und Lösungsvorschläge für die Patterngenerierung zu einem Logikanalysesystem und Konzepte zur programmierbaren Testsignalgenerierung für analoge Testaufgaben. Wertvolle Unterstützung erfuhren diese Arbeiten durch das fördernde Interesse der Bereichsleiter (Kraak, Wöhle) u. a. durch Begutachtung von Graduierungsarbeiten und bei der Beschaffung von Geräten. Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit entstanden u. a. besondere Beiträge zur optimierten Prüfhard- und -software für komplexe mikroelektronische Baugruppen, u.a. für deren prüftechnische Adaptierung und zum prüffreundlichen Entwurf der Mehrlagen-Multichip-Systeme, sowie mit der Fakultät Maschinenbau auf dem Gebiet der Webmaschinenmesstechnik, Maschinendiagnose und -optimierung und der Augenklinik zur Hochfrequenzkoagulation. Wissenschaftliche Ergebnisse wurden in Fachzeitschriften und auf nationalen sowie internationalen Fachtagungen publiziert (Literaturauswahl [2] - [9]). So entstanden

Die Arbeitsgruppe „Elektronische Messtechnik“

u. a. zwei Monographien (u. a. [1]), Beiträge in Fachbüchern, Tagungsbände und Sonderdrucke zu speziellen Problemen. Eine Mitarbeit in nationalen und internationalen Fachgremien (Leitung Fachausschuss Elektronische Messtechnik, Mitgliedschaft im Nationalkomitee der URS, im Fachausschuss Grundlagen der Messtechnik des VDE/VDI-GMA, sowie in den Internationalen Technischen Komitees TC4 und TC1 der IMEKO) und Kooperationsbeziehungen zu ausländischen Universitäten und Hochschulen (Budapest, Gdansk) waren Grundlage für einen guten fachlichen Erfahrungsaustausch und eine internationale Zusammenarbeit. Seit den 1990er Jahren erfolgen, ausgehend von den bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten weitere Untersuchungen zum Gebiet der Fehlerlokalisation, Eigendiagnose und der Eigenkalibrierung elektronischer und messelektronischer Systeme (Frühauf, Liu, Leuterer, Kranz). Fachliche Kontakte zur Hörgeräteakustik bestanden bei der Betreuung einer Arbeit zur Charakterisierung und zum Test von Hörgeräten mittels spezieller Testsignale in Form komplexer Klangbilder (Seidler). Mit Gründung des Instituts für Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik IEE ist die Professur Elektronische Messtechnik in diesem Institut integriert. Literaturauswahl:
[1] FRÜHAUF, U.: Grundlagen der Elektronischen Messtechnik, Geest & Portig Verlag Leipzig 1977 [2] FRÜHAUF, U.; KRANZ, E.-G.: Analysis of algorithms for digital test signal generation, IMEKO TC-1/TC-7th Colloquium "State and Advances of Measurement and Instrumentation Science", Sept. 8-10,1993, London (GB), proceedings 376-382 [3] FRÜHAUF, U.: Self-Diagnosis and selfcalibration features in electronic measurement systems, 8th IMEKO-TC4 Symposium on New Measurement and Calibra-

[4]

[5]

[6]

[7]

[8]

[9]

tion Methods of Electrical Quantities and Instruments, Budapest, Hungary, Sept. 1617,1996, Proceedings pp. 81-88 FRANKENSTEIN, B., FRÜHAUF, U., LEUTERER, H., PRIDÖHL, E.: Meßsystem zur statistischen Prozesscharakterisierung durch Schallemissionssignale, 43rd Intern. Scientific Colloquium, Techn. Univ. Ilmenau (D), Sept. 21- 24,1998, Proceedings , 6 Seiten LIU, J.G., SCHÖNECKER, A., FRÜHAUF, U., KEITEL, U., GESEMANN, H.-J.: Application of Discrete Fourier Transform to Electronic Measurement, ICICS97 1st International Conference on Information, Communications and Signal Processing, Sept. 9-12,1997 Singapore, Proc.Vol.3, pp.125761 FRÜHAUF, U., LIU, J.G.: Fault-tolerant measurements of electrical quantities based on self-calibration, XV IMEKOWorld Congress, Osaka (Japan) June 1318,1999, Proc. Vol. IV, pp.135-141 LIU, J.G., FRÜHAUF, U.: Self-Calibration in Measurements of electrical quantities by using Lagrange-Interpolation, 10-th IMEKO TC4-Symposium on Development in Digital Measuring Instrumentation, Sept., 17-19.,1998, Naples(I), Proceedings pp. 493-498 LIU, J.G., FRÜHAUF, U.: Design for selfcalibration of instrumentation, XV IMEKO-World Congress, Vienna (A), Sept.25-28,2000, Proc. pp. 61-68 LEUTERER, H., FRÜHAUF, U.: Multimediagestützte Lehre zur Messtechnik, 10. Symposium Maritime Elektronik der Universität Rostock, 6.-8. Juni 2001, Rostock (D), Proc. pp. 47-50

72

Schlusswort

4

Schlusswort

In den vier betrachteten Zeiträumen akustischer Forschung und Lehre an der TH/TU Dresden hat sich das Fachgebiet der Technischen Akustik, von weitsichtigen und exzellenten Wissenschaftlern aufgebaut, ständig weiterentwickelt und immer aktuellen Herausforderungen angepasst. Dieses Fachgebiet ist damit zu einer stabilen, sich dynamisch verändernden Wissenschaftsdisziplin der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik geworden. Welche Kontinuität und welchen Erkenntnisfortschritt gibt es in diesem Fachgebiet an der TH/TU Dresden in den ca. 90 Jahren seiner Existenz − wenn man beispielsweise die Teilgebiete Hörakustik, Raumakustik sowie die Lärmbekämpfung betrachtet? Die Hörakustik führte vom „Schallmesser“ Barkhausens über die Impulslärmbewertung von Reichardt/Niese, das „Dresdner Gehörschadensmodell“ von Kraak bis zur Hörgeräteforschung (Recruitment, Anpassverfahren) in die Gegenwart. Die Raumakustik begann mit den Untersuchungen zu Raumschallfeldern mit dem neuen Schallmesser von Barkhausen, führte über die raumakustische Modellmesstechnik und die Schaffung raumakustischer „Wertmaßstäbe“ in der ReichardtÄra (neben der akustischen Behandlung aller erstklassiger Kulturbauten der DDR) zum raumakustischen Großereignis der „Akustik der Semper-Oper“ Dresden, wurde dann fortgesetzt mit der Raumakustik von Werkhallen und Industrieräumen bis hin zur weiteren Ausgestaltung objektiver Kriterien für die subjektive Hörempfindung bei Musik- und Sprachdarbietungen in Räumen im gegenwärtigen Zeitraum. Schließlich ist die Lärmbekämpfung, eingeschlossen der Technische Schall73

schutz, ein Musterbeispiel für Kontinuität und dynamische Entwicklung über den Zeitraum eines dreiviertel Jahrhunderts. In den 1930er Jahren wurden die Forschungsschwerpunkte des Kraftfahrzeuglärms und der Schallabsorber begonnen, behandelt mit Methoden der Elektroanalogien in der Barkhausen-/Kluge-Ära, dann folgte der Strukturwandel von der Elektroakustik zu dem allgemeineren Gebiet der Technischen Akustik in der Reichardt-Ära, die Begriffseinführung der „lärmarmen Konstruktion und Verfahren“ (nach W. Reichardt), einbegriffen die Habilitationsschriften von W. Kraak und A. Lenk über Schallabsorber und schallabsorbierende Kanäle, und schließlich die Weiterführung der Lärmbekämpfung mit der Statistischen Energieanalyse, den hybriden Schalldämpfern und den Forschungen zum porösen Fahrbahnbelag (poröser Asphalt, poröser Beton) zur Minderung der dominanten Rollgeräusche beim Straßenverkehr in der Gegenwart. Dabei gab es immer auch Gebiete, deren Bedeutung im Bearbeitungsspektrum des Dresdner akustischen Instituts aus unterschiedlichsten Gründen abnahm, häufig auch nur für mittelfristige Zeiträume, wie z. B. die Bauakustik. Diese hatte einen Höhepunkt in den 1950er/1960er Jahren mit Forschungsprojekten zur Schalldämmung, zur Schalldämpfung und der Sollkurvenproblematik für die Luft- und Trittschalldämmung, bedingt durch die Entwicklung des Bauwesens im Nachkriegsdeutschland und die Wünsche nach höherem Wohnkomfort. Die Bauakustik hatte einen weiteren Höhepunkt im Zeitraum seit den 1980er Jahren mit einem ihrer erfolgsträchtigsten Verfahren, mit der Statistischen Energieanalyse; als ein methodischer, also echter universitärer Forschungsschwerpunkt kann dieses Verfahren auch über die Bauakustik hinaus gegenwärtig im Bereich der Maschinenakus-

Schlusswort

tik und in der Fahrzeugtechnik nutzbringend erweitert und praktisch angewandt werden. Und es gab und gibt des weiteren Gebiete, die sich entsprechend dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess im Lauf der Zeit, übereinstimmend mit internationalen Entwicklungen, schrittweise zu Forschungsschwerpunkten entwickelten. Das betrifft z. B. die akustischen Forschungen zur Schallentstehung bzw. (bewussten) Schallerzeugung. In der Barkhausen-Ära beschäftigte man sich mit der Schwingungserzeugung (Dissertation Barkhausen), den Unterwasserschallsendern und den Luftsirenen, in der Reichardt-Ära mit der Schallerzeugung bei elektroakustischen Wandlern. In den späteren Zeiträumen wurde die Schallabstrahlung von schwingenden Strukturen mit Verfahren der SEA und der BEM behandelt. Schließlich begannen in den 1990er Jahren stark grundlagenorientierte Forschungen zur Schallentstehung bei Strömungen und bei Verbrennungsvorgängen, eingebettet jeweils in nationale Verbundprojekte (DFG, BMBF). In den Zeitläuften seiner Entwicklung hat das akustische Institut der TH/TU Dresden, bei der prinzipiellen und einer technischen Hochschule/Universität angemessenen Orientierung auf die Technische Akustik, immer das Wechselspiel zwischen Kontinuität der akustischen Hauptgebiete, Flexibilität in der Behandlung der Schwerpunkte und jeweils mutigem Aufgreifen aktueller (nicht modernistischer), für das universitäre Wissenschaftsfeld zukunftsträchtiger Forschungsfelder ausgezeichnet beherrscht. Das Dresdner akustische Institut hat sich über die Jahrzehnte seiner Entwicklung, im Dreiklang mit den beiden anderen Instituten für Technische Akustik in Deutschland, und zwar an der TU Berlin (Cremer/Heckl/Möser/Petersson) und an der RWTH Aachen (Kuttruff/ Vorländer), 74

als ein leistungsfähiges Zentrum für Technische Akustik in Deutschland erwiesen. In einer Zeit, in der die Menschen in Deutschland, wie auch die Bevölkerung jedes anderen europäischen Landes, in zunehmendem Maße durch Lärm belästigt, wenn nicht sogar geschädigt werden, dürfen das Bemühen und die konkreten Arbeiten zur Lärmminderung nicht eingeschränkt, sondern müssen Grundlagenforschung und angewandete Forschung auf diesem Gebiet der Technischen Akustik eher verstärkt werden. Da der jetzige Lehrstuhlinhaber für Technische Akustik, Prof. Peter Költzsch, im März 2004 in den Ruhestand gehen wird, ist es der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik und insgesamt der Technischen Universität Dresden zu wünschen, dass sie trotz unterschiedlichster Interessenlagen und Einsparzwängen die Kraft und die Weisheit finden werden, die erfolgreiche Geschichte der Technischen Akustik an dieser Institution fortzuschreiben. Ehren wir deshalb mit dieser Festschrift und dem Kolloquium am 4. Juli 2003, mit nachdenklicher Freude und dankbarer Erinnerung, das Lebenswerk unserer großen Professoren der Technischen Akustik, Walter Reichardt, Wolfgang Kraak und Walter Wöhle! Dresden, im Mai 2003

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

Anhang

A. 1 Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik und des akustischen Instituts an der TH/TU Dresden
(unter Mitarbeit von Rolf Dietzel) 1911 Heinrich Barkhausen wird als außerordentlicher Professor für elektrische Messkunde, Telegraphie und Telephonie sowie für Theorie der elektrischen Leitungen an die Technische Hochschule Dresden berufen. Barkhausen schreibt:
„... auf eine Professur für „Schwachstromtechnik einschließlich elektrischer Messtechnik und Theorie der Leitung mit besonderer Betonung der wissenschaftlichen Grundlagen“. Dies war etwas ganz Neuartiges, weil man im allgemeinen glaubte, daß man mit Wissenschaft auf dem Gebiete der Schwachstromtechnik nicht viel anfangen könnte.........“

Das Institut für Schwachstromtechnik an der TH Dresden wird gegründet. Als Direktor wird Prof. Dr. Heinrich Barkhausen eingesetzt.
Heinrich Barkhausen hat 1906 an der Georg-August-Universität in Göttingen mit einer Arbeit über „Das Problem der Schwingungserzeugung“ promoviert.

1910

R. Heger wird an der TH Dresden zum Honorarprofessor berufen. Das Gebiet Raumakustik wird in das Forschungs- und Lehrprogramm aufgenommen. Es gibt damit Vorlesungen über Raumakustik an der TH Dresden. Prof. R. Heger wird zum Vorstand der „Sammlung und Arbeitsstelle für Raumakustik“ an der TH Dresden ernannt. In diesem Zeitraum wird von raumakustischen Arbeiten von R. Heger berichtet (nach W. Reichardt):
-

1912 1910 – 1917

Einrichtung eines Hallraumes in einem ehemaligen Reitstall des Königlichen Marstallgebäudes in Dresden, Durchführung von Absorptionsmessungen mit Knallbüchse, Stoppuhr und Gehör, Entwicklung eines wirkungsvollen Absorptionsmaterials, erfolgreiche raumakustische Verbesserungen folgender Auditorien in Dresden: Halle auf dem Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz, die Lukaskirche, die Garnisonkirche, der große Saal der städtischen Ausstellungshalle, der Neubau des Festsaales im Gebäude der Dresdner Kaufmannschaft, raumakustische Beratung für den Neubau des Lübecker Stadttheaters. [1917 stellt Prof. R. Heger aus Altersgründen seine Tätigkeit an der TH Dresden ein. 1919 Tod von R. Heger]

1918 1932/1933

Am 1. April 1918 wird Heinrich Barkhausen zum ordentlichen Professor für Schwachstromtechnik an der TH Dresden berufen. Das Vorlesungsverzeichnis von Heinrich Barkhausen enthält die Lehrveranstaltung „Fernsprechtechnik und Elektroakustik“.

75

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

1933 – 1935

Dr. Martin Kluge, seit 1929 als Assistent bei Barkhausen tätig, habilitierte sich mit der Arbeit „Problem der Dämpfung des Auspuffschalles der Kraftfahrzeugmotoren“. Als Privatdozent hielt er von 1933 bis 1935 Vorlesungen, u. a. über Technische Akustik (seit 1934). Barkhausen sah in Dr. Kluge einen seiner besten und fähigsten Schüler und orientierte ihn auf eine Hochschullehrerlaufbahn. 1935 beantragte Barkhausen für ihn die Berufung zum außerordentlichen Professor für „Fernsprechanlagen und technische Akustik“. Dieser Antrag wurde aus politischen Gründen abgelehnt.
[M. Kluge geht deshalb 1936 in die Industrie zurück, zuerst nach Berlin und 1948 nach Stuttgart. Die Fakultät Elektrotechnik-Elektronik der TU Dresden verlieh 1981 Dr. M. Kluge die Würde eines Dr.-Ing. E.h.. 1990 Tod von M. Kluge]

1936

aus einem Bericht des Instituts für Schwachstromtechnik, laufende Arbeiten (Diplomarbeiten, größere, selbständige Arbeiten):
-

Schallausbreitung Schallabsorption in Röhren Junkers-Schalldämpfer Körperschwingungen Eichung von Kondensatormikrofonen Sirene Körperschall-Messgerät Propeller-Untersuchung

1937/1938

Barkhausen (nach der Ablehnung der Berufung von Dr. M. Kluge):
„Jetzt blieb nichts anderes übrig, als eine weitere Schwachstromprofessur einzurichten, was aber wegen der beschränkten Räumlichkeiten große Schwierigkeiten machen musste. Nach zwei vergeblichen Versuchen gelang es schließlich, Dr.Ing. W. Wolman zu berufen. Dieser war lange Jahre an leitender Stelle im Zentrallaboratorium der Firma Siemens & Halske tätig gewesen und war daher besonders gut imstande, die neuen Probleme der Praxis den Studierenden nahezubringen.“

1938

Am 1. April 1938 wird Dr. Walter Wolman zum außerordentlichen Professor für Fernmeldetechnik und Elektroakustik an die TH Dresden berufen. Er übernimmt ab dem Wintersemester u. a. die Lehrveranstaltungen Fernmeldetechnische Anlagen, Vierpoltheorie, Fernwirktechnik und Elektroakustik. Prof. Walter Wolman war von 1938 bis 1945 Direktor des Instituts für Fernmeldeanlagen und Technische Akustik der TH Dresden.
[W. Wolman war mit seinem Institut von 1939 bis 1945 am Projekt „Vorhaben Peenemünde“ beschäftigt, bei der Entwicklung der Flüssigkeitsrakete A4, der späteren „V2“, und zwar mit Aufgaben der Telemetrie und der Fernsteuerung der Rakete, z. B. mit der Entwicklung eines Verfahrens zur Messung der Geschwindigkeit von Flugkörpern nach dem Dopplerprinzip. Nach dem Krieg verließ Wolman 1945 Dresden. Er hielt ab dem Wintersemester 1946/47 Vorlesungen an der TH Stuttgart. Dort wurde er 1948 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Fernmeldeanlagen berufen. Die Universität Stuttgart feierte am 20. Januar 2001 den 100. Geburtstag von und mit Prof. W. Wolman.]

76

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

1940

An der TH Dresden erfolgte eine Neugliederung der bisher bestehenden sieben Abteilungen in vier Fakultäten. Die Fakultät Maschinenwesen bestand seitdem aus den Abteilungen für Maschinenbau und für Elektrotechnik, zu der auch die Institute für Schwachstromtechnik (H. Barkhausen) und für Fernmeldeanlagen und Technische Akustik (W. Wolman) gehörten. Am 13. Februar 1945 werden große Teile der Technischen Hochschule Dresden zerstört. Mit der Wiedereröffnung der Technischen Hochschule Dresden werden Lehrveranstaltungen für Elektrotechniker u. a. auch von Prof. H. Barkhausen und Prof. L. Binder (beide 65 Jahre alt) durchgeführt. W. Reichardt, W. Krautwurst und H. Reinhardt betreiben in den Vereinigten Werkstätten Schmiedeberg eine Werkstatt für Rundfunkempfängerreparatur, Gleichrichterbau und Elektroinstallation. W. Reichardt lässt sich als beratender Ingenieur und Sachverständiger für Bau- und Raumakustik registrieren. Die Abteilung für Architektur der TH Dresden stellte den Antrag, Walter Reichardt einen Lehrauftrag für Bau- und Raumakustik für ein Semester zu erteilen; des weiteren wurde ein Antrag auf Errichtung eines kleineren Instituts für Bau- und Raumakustik gestellt. Beide Anträge wurden abgelehnt. Die Abteilung für Elektrotechnik der TH Dresden stellte für Dr. Walter Reichardt den Antrag zur Erteilung eines Lehrauftrages für Elektroakustik mit zwei Semesterwochenstunden und zum Aufbau eines Instituts (Labor für Elektroakustik). Der Antrag war erfolgreich. Barkhausen schreibt:
„1948 erhielt Dr.-Ing. W. Reichardt, ein früherer Schüler von mir, einen Lehrauftrag für Bau- und Raumakustik.“ [Walter Reichardt hatte 1930 mit der „von der Sächsischen Technischen Hochschule zu Dresden zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs genehmigten Dissertation „Entartungen sinusförmiger Schwingungen“ (Referent: H. Barkhausen, Korreferent: L. Binder) promoviert.]

1945 1946

Ab 1945

1947 1947

1948

1949

Der Senat der TH Dresden erteilt die Genehmigung für die Einrichtung einer Professur für Elektroakustik. Die Abteilung für Elektrotechnik fasst den Beschluss, einen Antrag auf eine Professur mit vollem Lehrauftrag für W. Reichardt zu stellen. Walter Reichardt wird am 1. Oktober 1950 zum Professor mit vollem Lehrauftrag berufen und als Direktor des Instituts für Elektro- und Bauakustik eingesetzt. W. Reichardt baut Vorlesungen und Praktika zu den Fachgebieten Elektroakustik sowie Bau- und Raumakustik auf; des weiteren hält er Vorlesungen zur Tonfrequenztechnik, Fernwirktechnik, Einführung in die Schwachstromtechnik. 77

1950

1950 – 1968

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

Das Fachgebiet Technische Akustik wird um folgende Vorlesungen im Laufe der Zeit ergänzt (siehe Vorlesungsverzeichnis): Raumakustik für Architekten, Bauakustik für Hochbau, Theoretische Akustik, Technische Akustik, Lärmabwehr, Lärmabwehr im Hochbau, Lärmabwehr bei Gebäudeinstallationen, Lärmabwehr in Industriebetrieben 1952 1952 1952 1953 Aus der Fakultät Maschinenwesen und Elektrotechnik wird durch Teilung die eigenständige Fakultät Elektrotechnik gegründet. Prof. W. Reichardt wird zum Prodekan der Fakultät für Elektrotechnik der TH Dresden berufen. Es erscheint das Standardwerk „Grundlagen der Elektroakustik“ von W. Reichardt. Prof. H. Barkhausen wird emeritiert. Das Institut für Schwachstromtechnik wird aufgelöst.
[Tod von Heinrich Barkhausen am 20. Februar 1956. Aus der Festschrift „125 Jahre TH Dresden“: Heinrich Barkhausen, Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. E.h., Inhaber des Lehrstuhls für Schwachstromtechnik, Nationalpreisträger, Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften, Berlin, Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig]

1953

Prof. Walter Reichardt bezieht mit dem Institut für Elektro- und Bauakustik Teilabschnitte des neuen Barkhausen-Baus. Er plante weitsichtig akustische Labors und Messräume und beteiligte sich an deren Auslegung und Projektierung. In jenen Jahren sind im Barkhausen-Bau der große und kleine reflexionsarme Raum, der Hallraum sowie das bauakustische Decken- und Wandlabor entstanden. Das Institut für Elektro- und Bauakustik organisiert die internationale Fachtagung „Bau- und Raumakustik“ mit 200 Teilnehmern, darunter 20 Ausländer und 26 Wissenschaftler aus Westdeutschland (Simultanübersetzung aller Vorträge in russischer, englischer und deutscher Sprache!) Walter Reichardt wird zum ordentlichen Professor mit Lehrstuhl berufen. Dr. Arno Lenk, ein Schüler von W. Reichardt, wird zum Dozent berufen. Wolfgang Kraak wird am 1. September 1966 zum Professor mit Lehrauftrag für das Fachgebiet Technische Akustik an die TU Dresden berufen. Am 1. September 1969 erfolgte die Berufung zum ordentlichen Professor für Technische Akustik. Er trat damit die Nachfolge von Prof. W. Reichardt an.
[Dipl.-Ing. Wolfgang Kraak wird am 1. März 1952 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Elektro- und Bauakustik der TH Dresden eingestellt. Er promovierte im September 1957 mit der Dissertation „Elektroakustische Messungen an Raummodellen“. Dr. W. Kraak war ab 1. März 1957 Leiter der Abteilung Akustik im Forschungszentrum der Luftfahrtindustrie in Dresden. Seine Hauptaufgaben waren die Entwicklung von Schalldämpfern für Prüfstände und der Lärmminderungsmaßnahmen in den Prüfstandsbauten (für Propeller- und Strahl-

1957

1958 1964 1966

78

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

triebwerke), die Entwicklung fahrbarer Schalldämpfer für Strahltriebwerke sowie Entwicklung und Bau elektrischer Mess- und Prüfvorrichtungen für die Lärmund Schwingungsmessung. W. Kraak schuf hier auch grundlegende Arbeiten zur Schallabsorption in ausgekleideten, gasdurchströmten Kanälen sowie zur Schallabsorption und Schallisolation von porösen Absorbern mit elastischem Skelett (Habilitationsschrift 1965). W. Kraak übernahm 1961 den Aufbau und im Herbst 1961 (seit 1. Oktober) die Leitung des Wissenschaftlichen Industriebetriebes VEB Schwingungstechnik und Akustik Dresden WIB SAD (bis 31. August 1966). Unter der Leitung von W. Kraak entstand in diesem wissenschaftlichen Industriebetrieb ein umfangreiches Sortiment von Geräten zur Messung, Analyse und Registrierung statischer und dynamischer Größen (Schwingungen, Dehnungen, Drücke, Kräfte), Geräte zur Messung akustischer Größen, aber auch vollautomatische Kontrollwaagen, Auswuchtgeräte, Turbinenschutzanlagen u. a. m. W. Kraak war von 1965 bis 1967 Leiter des Wissenschaftlich-Technischen Zentrums „Elektronische Messtechnik“ der VVB Nachrichten- und Messtechnik.]

1967

Dozent Dr. Arno Lenk wird als Professor für Elektromechanische Messtechnik berufen.
[Arno Lenk promovierte bei W. Reichardt 1957 mit einer Arbeit über die „Theorie des piezoelektrischen Biegestreifens und ihre experimentelle Nachprüfung“. Er war von 1959 bis 1963 Leiter einer Abteilung für akustische Probleme von Strahltriebwerken bzw. Gasturbinen in Pirna; später begründete er die Abteilung für Lärm- und Schwingungsabwehr im VEB Schwingungstechnik und Akustik Dresden. A. Lenk habilitierte sich 1966 an der TU Dresden mit der Arbeit „Schallausbreitung in schallabsorbierenden Kanälen“. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete waren die allgemeine Netzwerktheorie dynamischer Systeme, die Schwingungsmesstechnik und -prüftechnik sowie die piezoresistiven Siliziumwandler und ihre Anwendung in der Druck- und Beschleunigungsmesstechnik. A. Lenk schrieb die Standardwerke zur elektromechanischen Systemtheorie („Elektromechanische Systeme“ 1971 – 1975) mit den drei Bänden: Systeme mit konzentrierten Parametern, Systeme mit verteilten Parametern, Systeme mit Hilfsenergie. 2001 erschien das moderne Lehrbuch zu diesem Gebiet „Elektromechanische Systeme“) (A. Lenk gemeinsam mit G. Pfeifer und R. Werthschützky).]

1967

Das Institut für Elektro- und Bauakustik unter der Leitung von Prof. Walter Reichardt wird in „Institut für Technische Akustik“ umbenannt.
(Als Begründung dafür wurde angegeben, dass nunmehr die Aufgaben der Bauakustik durch Reichardt-Schüler an der Bauakademie in Berlin behandelt wurden und dass das Institut in stärkerem Maße Aufgaben der Lärmbekämpfung übernommen hat.)

1968 1968

Es erscheint das Standardwerk „Grundlagen der Technischen Akustik“ von Prof. W. Reichardt. Walter Reichardt wird emeritiert [Tod von W. Reichardt am 2. Juli 1985] Die Bilanz von 18 Jahren Hochschullehrertätigkeit (1950 – 1968) von Prof. Walter Reichardt weist aus: 419 Diplomanden, 22 Doktoranden, 3 Habilitanden (Niese, Kraak, Lenk) 79

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

1968 1968

Prof. Wolfgang Kraak wird als Direktor des Instituts für Technische Akustik eingesetzt. Im Rahmen einer Hochschulreform in der DDR wird die Institutsstruktur beseitigt und eine neue Struktur in der Form von Sektionen mit Wissenschaftsbereichen geschaffen, darunter die Sektion Informationstechnik der TU Dresden mit vier Wissenschaftsbereichen. Ab 1968 existierte damit der Wissenschaftsbereich „Kommunikation und Messwerterfassung“ innerhalb der Sektion Informationstechnik mit den folgenden Hochschullehrern und Fachdisziplinen:
-

1968

Prof. Wolfgang Kraak Prof. Arno Lenk

Technische Akustik Elektromechanische Messtechnik

Prof. Walter Tscheschner Kommunikation (ab 1969 Dozent, ab 1972 Professor) Prof. Walter Wöhle (ab 1970 Professor) Informationstechnik / Technische Akustik

-

-

Prof. Uwe Frühauf

Informationstechnik/Elektronische Messtechnik und messtechnische Einrichtungen (ab 1971 Dozent, ab 1975 Professor)

Prof. W. Kraak war von 1968 bis 1985 der Leiter dieses Wissenschaftsbereiches.
[Walter Wöhle promovierte 1956 bei Walter Reichardt mit einer Arbeit über „Die Schallabsorption von Helmholtzresonatoren bei allseitigem Schalleinfall und bei verschiedenen räumlichen Anordnungen“. Er war von 1958 – 1965 im DEFA Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg als Laborleiter und Hauptingenieur, anschließend von 1965 – 1970 als Direktor im Institut für Musikinstrumentenbau in Zwota tätig. 1970 wurde er als Professor für Technische Akustik an die TU Dresden berufen. Er habilitierte sich im Jahre 1979 (Dissertation B) mit der Arbeit „Beiträge zur Schallabstrahlung und Schallausbreitung“. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete waren die Raumakustik (Raumschallfelder, Schallabsorption), die Bauakustik (Statistische Energieanalyse), die Elektroakustik (Lautsprecher) sowie Musikinstrumente (elektronische Orgeln).]

1975

Mitte der 1970er Jahre wird in der Verantwortung des Wissenschaftsbereiches (Prof. W. Wöhle, Dr. P. Budach) das postgraduale Fernstudium „Schallschutz“ gestartet. In diesem werden Diplomingenieure und Diplomphysiker in einem zweijährigen externen Studium (Lehrmaterial: mehr als 20 Lehrbriefe) zum staatlich anerkannten „Fachingenieur für Schallschutz“ ausgebildet, insgesamt etwa 120 Absolventen in 7 Durchgängen im Zeitraum bis 1990. Der Wissenschaftsbereich „Kommunikation und Messwerterfassung“ wird in „Akustik und Messtechnik“ umbenannt. 80

1977

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

Nach Prof. W. Kraak war von 1985 bis 1990 Prof. Walter Wöhle Leiter dieses Wissenschaftsbereiches. 1985 Am 13. Februar 1985 wird die Semper-Oper Dresden wiedereröffnet. Walter Reichardt hatte die verantwortliche raumakustische Beratung und Projektierung dieses Opernhauses.
[W. Reichardt verstarb am 2. Juli 1985.]

1988 1988

Prof. Wolfgang Kraak wird zum 1. September 1988 emeritiert. Als Nachfolger von Prof. W. Kraak wird Dr. Detlef Hamann als Professor für das Fachgebiet Technische Akustik berufen.
[Prof. Hamann ist 1991 aus der TU Dresden ausgeschieden und gründete ein Ingenieurbüro in Dresden.]

1990

Am 1. November 1990 wird (nach der Wende in Ostdeutschland und der Wiedervereinigung Deutschlands) das Institut für Technische Akustik an der Technischen Universität Dresden wiedergegründet. Als erster Direktor nach der Wende fungiert Prof. Dr. Arno Lenk von 1990 – 1994. Das Institut hatte damals die folgende Arbeitsgruppenstruktur:
-

Technische Akustik (W. Wöhle, D. Hamann) Elektromechanische Systeme (A. Lenk) Sprachkommunikation (W. Tscheschner, R. Hoffmann) Elektronische Messtechnik (U. Frühauf)

1992

Prof. Walter Tscheschner wird emeritiert. Doz. Dr. Rüdiger Hoffmann (seit 1986 Dozent für Mensch-MaschineKommunikation) wird auf die Professur „Sprachkommunikation“ berufen. Dr. Günther Pfeifer wird zum außerplanmäßigen Professor mit dem Fachgebiet Elektromechanische Messtechnik ernannt. Prof. Walter Wöhle wird am 31. Oktober 1993 emeritiert. Am 1. November 1993 wird Prof. Peter Költzsch als Nachfolger von Prof. Wöhle auf die Professur „Technische Akustik“ berufen.
[P. Költzsch war seit 1979 Dozent für Strömungsmechanik, seit 1986 ordentlicher Professor für Strömungsmechanik, seit 1992 Professor (neuen Rechts) für Strömungsmechanik an der TU Bergakademie Freiberg.)

1992 1993 1993

1994 1996

Prof. R. Hoffmann wird zum Institutsdirektor gewählt und leitet das Institut für Technische Akustik von 1994 bis 1997. Prof. Arno Lenk wird emeritiert. Die Professur für Elektromechanische Systeme wird von der Fakultät und der TU Dresden nicht wieder besetzt. Das Fachgebiet der elektromechanischen Systeme (Prof. G. Pfeifer) wird faktisch in die Professur „Technische Akustik“ eingegliedert. Prof. P. Költzsch wird zum Institutsdirektor gewählt. Er leitet das Institut von 1997 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

1997

81

Anhang – Zeitleiste zur Geschichte der Technischen Akustik an der TH/TU Dresden

1999

Das Institut für Technische Akustik mit den beiden Arbeitsgruppen „Technische Akustik“ und „Sprachkommunikation“ wird in „Institut für Akustik und Sprachkommunikation“ umbenannt. Frau Doz. Dr. habil. Elfgard Kühnicke wird auf die Dozentur für „Ultraschall“ berufen, die zur Arbeitsgruppe „Technische Akustik“ gehört.

2001

Quellen:
Lenk, A.: Vierzig Jahre Akustik und Messtechnik mit Wolfgang Kraak – Erinnerungen eines Weggefährten. Ehrenkolloquium zum 75. Geburtstag von W. Kraak, TU Dresden 1998 Wöhle, W.: Laudatio zum 65. Geburtstag von Prof. W. Kraak. Ehrenkolloquium am 22. Juni 1988, TU Dresden Dietzel, R.: Ergänzungen zum wissenschaftlichen Lebenslauf von Prof. W. Kraak. Skript TU Dresden 31.1.1994 Kraak, W. : Die Dresdner Schule der Akustik. Plenarvortrag DAGA 1991 Bochum Dietzel, R.: Technische Akustik an der Technischen Hochschule Dresden von 1911 bis 1950. Herrn Prof. W. Tscheschner zum 70. Geburtstag gewidmet. Barkhausen, H.: Die Entwicklung der Schwachstromtechnik. In: 125 Jahre Technische Hochschule Dresden 1828 – 1953. Festschrift TH Dresden 1953 Krocker, E.: Laudatio zur Verleihung der Würde des Doktor-Ingenieur Ehrenhalber an Herrn Dr.Ing. habil. Martin Kluge am 2. Dezember 1981. Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden, 31 (1982) 6, S. 17 Kluge, M.: Dankesworte zur Verleihung der Ehrendoktorwürde. Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden, 31 (1982) 6, S. 18 Festschrift zur Barkhausen-Ehrung. TU Dresden 1981

82

Anhang − Ehrendoktoren

A. 2 Ehrendoktoren der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Martin Kluge
4.11.1904 1923 - 1928 1929 - 1933 1932 1933 1933 - 1935 geboren Studium an der TH Dresden Assistent an der TH Dresden bei H. Barkhausen Promotion Habilitation Privatdozent am Institut für Schwachstromtechnik der TH Dresden 1936 - 1969 Industrietätigkeit, u. a. Generaldirektor bei C. Lorenz AG/ SEL AG 1981 Ehrendoktorwürde der Fakultät Elektrotechnik der TU Dresden 28.7.1990 in Sindelfingen gestorben Arbeitsgebiete Nachrichtentechnik, Akustik, elektrische Messtechnik, Telegrafie und Bildübertragung Dr. Kluge ist u. a. mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

Per Brüel
1915 In Kopenhagen geboren 1933 - 1938 Physik- und Elektronikstudium an der TU Kopenhagen 1939 - 1947 Assistent bei P.O. Pedersen, Militärdienst, Lehr- und Forschungstätigkeit an der Chalmers Tekniska Högskola 1942 - 1991 Mit V. Kjaer Gründung und Leitung der Brüel & Kjaer A/S 1945 Promotion 1991 Ehrendoktorwürde der Fakultät Elektrotechnik der TU Dresden 1992 - dato Gründung und Leitung der Brüel Acoustics Aps Arbeitsgebiete Entwicklung und Produktion von Instrumenten zur Messung von Schall und Schwingungen (Frequenzbandanalysatoren, Pegelschreiber, Impedanzmessrohre, Trittschall-Hammerwerke), internationale Normung. 83

Anhang − Ehrendoktoren

Dr. Brüel ist mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, u. a. der Lord Rayleigh Gold Medal, der Silbermedaille der Audio Engineering Society, der Silbermedaille der Acoustical Society of America. Er erhielt Ehrendoktorwürden von 8 Universitäten (u. a. Chalmers Tekniska Högskola und Universität Bologna). Seit 1987 wird von der American Society of Mechanical Engineers die ''Per Brüel Gold Medal for Noise Control and Acoustics'' an herausragende Persönlichkeiten verliehen.

Dietrich Wolf
13.9.1929 In Oels (Schlesien) geboren 1949 - 1957 Physik-, Mathematik- und Chemiestudium an der Universität Frankfurt (Main) 1957 - 1970 Assistent bei H. Dänzer 1965 Promotion 1970 Habilitation 1971 Berufung zum Professor für Angewandte Physik 1971 - 1997 Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Frankfurt (Main) 1975 Berufung zum Professor mit Lehrstuhl für Angewandte Physik 1997 Emeritierung 1999 Ehrendoktorwürde der Fakultät Elektrotechnik der TU Dresden Arbeitsgebiete Akustik, stochastische Prozesse, Quantentheorie des 1/f-Rauschens, Signal- und Systemtheorie, Informationstheorie, digitale Sprachverarbeitung, physikalische Fluktuationserscheinungen Prof. Wolf ist für seine Leistungen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, u.a. mit dem japanischen NEDO-Grant und der Universitätsmedaille der TU Danzig.

Robert Vích
4.3.1930 1950 - 1954 1954 1955 - dato In České Budějovice geboren Elektrotechnikstudium an der TU Prag Ingenieur in der Elektronikindustrie Tätigkeit am Institut für Radiotechnik und Elektronik der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften Promotion

1961

84

Anhang − Ehrendoktoren

1986 Habilitation 1987 - 1988 Gastprofessur am Institut für Angewandte Physik der Universität Frankfurt/M. 2000 Ehrendoktorwürde der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden Arbeitsgebiete Filterentwurf, Digitalfilter (Einführung der z-Transformation in die Informationstechnik), digitale Signalverarbeitung, Sprachsynthese (insbesondere bilinguale Sprachsynthese Deutsch/Tschechisch) Dr. Vích ist Mitbegründer der in den 60er bis 80er Jahren bedeutenden ''Sommerschule der Netzwerktheorie'' der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften gewesen. Für seine Verdienste ist er u. a. mit der Krizik Goldmedaille ausgezeichnet worden.

Heinrich Kuttruff
17.8.1930 In Engen/Hegau geboren 1950 - 1954 Physikstudium an den Universitäten Freiburg und Göttingen 1958 Promotion 1962 Habilitation an der Universität Göttingen 1969 Berufung zum Professor für Elektroakustik 1969 - 1972 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TH Darmstadt 1972 Berufung zum Professor für Technische Akustik 1972 - 1996 Lehr- und Forschungstätigkeit an der RWTH Aachen 1996 Emeritierung 2001 Ehrendoktorwürde der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden Arbeitsgebiete Raumakustische Projektierung, Computersimulation der Schallausbreitung in Räumen, Physik des diffusen Schallfelds (u.a. Entwicklung der Methode der integrierten Impulsantwort zur Nachhallzeitmessung, mit M. Schroeder), Sonoluminiszenz und Kavitationsphysik, Ultraschall, Ultraschallwandler Prof. Kuttruff ist für seine Leistungen u.a. mit der Silbermedaille der Société Française d'Acoustique ausgezeichnet worden. Er ist Fellow der Acoustical Society of America. Prof. Kuttruff ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

85

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

A. 3

Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden Heinrich Barkhausen Richard Heger Walter Wolman Walter Reichardt Martin Nier Wolfgang Kraak Arno Lenk Walter Wöhle Walter Tscheschner Uwe Frühauf Detlef Hamann Rüdiger Hoffmann Günther Pfeifer Peter Költzsch Dieter Mehnert

1911 - 1953 1910 - 1917 1938 - 1945 1950 - 1968 1957 - 1966 1966 - 1988 1967 - 1996 1970 - 1993 1972 - 1992 1975 - dato 1988 - 1991 1992 - dato 1992 - dato 1993 - dato 1997 - 2000

Georg Heinrich Barkhausen
2.12.1881 in Bremen geboren 1902 - 1906 Physikstudium an den Universitäten München, Berlin und Göttingen 1906 Promotion an der Universität Göttingen 1907 - 1911 Wissenschaftlicher Beirat im Wernerwerk der Siemens & Halske AG 1910 Habilitation an der TH Charlottenburg 1911 - 1953 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TH Dresden 1911 Berufung zum außerordentlichen Professor, Gründung des Instituts für Schwachstromtechnik 1915 - 1918 Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der MarineInspektion des Torpedowesens in Kiel 1918 Ernennung zum ordentlichen Professor für Schwachstromtechnik, Beginn der zweiten Aufbauphase des Schwachstrom-Instituts 1946 1953 20.2.1956 Neuaufbau des Schwachstrominstituts Emeritierung in Dresden verstorben

86

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Arbeitsgebiete Telegrafie und Telephonie, elektrische Messtechnik, elektrische Leitungstheorie, elektrische, mechanische und akustische Schwingungen und Wellen, Theorie und Anwendungen der Elektronenröhren, elektroakustische Wandler, Hörempfindung und Lautstärkemessung Prof. Barkhausen baute das erste deutsche Schwachstromtechnik-Institut auf und legte neben vielen Pionierleistungen auf dem Gebiet der Elektronik mit der Entwicklung des ersten subjektiven Geräuschmessers und der Einführung der Lautstärkeeinheit Phon den Grundstein für die Dresdner Schule der Akustik. Für seine Leistungen ist er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, u.a. der Goldenen Heinrich-Hertz-Medaille, dem Liebmann-Memorial Prize des Institute of Radio Engineers, der Ehrenmedaille des Denki-Tusin-Gakkwai, dem Ernst-Abbe-Gedächtnispreis, dem Nationalpreis der DDR. 1932 erhielt er die Ehrendoktorwürde der TH Darmstadt. Prof. Barkhausen war Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin und Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften Leipzig.

Walter Wolmann
in Elberfeld bei Wuppertal geboren Studium der Elektrotechnik an der TH Darmstadt Assistent an der TH Aachen Promotion Entwicklungsingenieur bei der Siemens & Halske AG in Berlin 1938 Berufung zum außerordentlichen Professor für Fernmeldeanlagen und Technische Akustik 1938 - 1945 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TH Dresden 1946 - 1967 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TH Stuttgart 1948 Berufung zum Professor mit Lehrstuhl für Fernmeldeanlagen 1967 Emeritierung, weitere Vorlesungen bis 1977 Arbeitsgebiete Telegrafie und Telephonie, Elektroakustik, Technische Akustik, Ortung und Navigation, Theorie elektrischer Netzwerke, Nachrichtentechnik, Sprach- und Impulsübertragung, Prof. Wolman gründete mit dem Institut für Fernmeldeanlagen und Technische Akustik das erste Akustik-Institut an der TH Dresden. 20.1.1901 1921 - 1925 1925-1927 1927 1927 - 1937

87

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Walter Reichardt
7.1.1903 in Dresden geboren 1922 - 1928 Werkstudium der Technischen Wissenschaften an der TH Dresden 1929 - 1945 leitender Ingenieur in verschiedenen Rundfunkanstalten 1930 Promotion an der TH Dresden 1945 - 1948 Arbeit als Entwickler, Sachverständiger und beratender Ingenieur 1948 - 1968 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TH Dresden 1950 Berufung zum Professor für Bau- und Elektroakustik, Gründung und Leitung des Instituts für Elektro- und Bauakustik 1958 1968 Berufung auf den neueingerichteten Lehrstuhl für Elektro- und Bauakustik Emeritierung, danach weiterhin intensive wissenschaftliche Arbeiten sowie Betreuung von Diplomanden und Doktoranden in Dresden verstorben

2.7.1985 Arbeitsgebiete

Schwachstromtechnik, Feinwerktechnik, Systematik der elektromechanischen und elektroakustischen Wandler, Lautstärkeempfindung und -messung, raumakustische Projektierung, Bauakustik, Technische Akustik, Lärmbekämpfung, Internationale Normung Prof. Reichardt baute das Dresdner Akustikinstitut auf und führte es zu einer international anerkannten Stätte der Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Akustik. Er war Fellow of the Acoustical Society of America.

Arno Lenk
28.7.1930 1946 - 1949 1949 - 1954 1954 - 1958 1958 1958 - 1964 in Magdeburg geboren Lehre als Betriebselektriker Elektrotechnikstudium an der TH Dresden Assistent an der TH Dresden bei W. Reichardt Promotion Arbeiten an schalltechnischen Problemen in verschiedenen Betrieben (u. a. Triebwerks- und Gasturbinenbau) 1966 Habilitation an der TU Dresden 1964 - 1995 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden 1967 Berufung zum Professor für Elektromechanische Messtechnik 1996 Emeritierung

88

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Arbeitsgebiete Netzwerkmodelle dynamischer Systeme, Piezoelektrische Materialien und ihre Anwendung, Schwingungsmess- und Prüftechnik, piezoresistive Wandler und ihre Anwendung, Fehlerbeschreibung von Messgeräten, Schallabsorber und Schalldämpfer Prof. Lenk leitete in der schwierigen Nachwendezeit das Institut für Technische Akustik. Für seine Leistungen ist er im Jahre 2000 mit der Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik geehrt worden.

Wolfgang Kraak
22.6.1923 in Sorau geboren 1939 - 1947 Maschinenschlosserlehre in Sorau und Maschinenbaustudium in Ilmenau, Soldat, Neulehrer, Vorstudium 1947 - 1952 Elektrotechnikstudium an der TH Dresden 1952 - 1956 Assistent und Oberassistent bei W. Reichardt 1957 Promotion 1957 - 1961 Leiter der Akustikabteilung des Forschungszentrums der Luftfahrtindustrie 1961 - 1966 Aufbau und Leitung des VEB Schwingungstechnik und Akustik Dresden 1965 Habilitation an der TU Dresden 1966 - 1988 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden 1969 Berufung zum ordentlichen Professor für Technische Akustik 1988 Emeritierung Arbeitsgebiete Raumakustische Modellmesstechnik, Schallausbreitung in großen flachen Räumen mit Streukörpern, Computersimulation von Schallfeldern in Räumen, Schallabsorber, Gehörschädlichkeit von Lärm (Entwicklung des ''Dresdner Gehörschadensmodells''), Signalanalyse und akustische Messtechnik Prof. Kraak ist für seine Leistungen u.a. mit der Békésy-Medaille des Ungarischen Optischen, Akustischen und Filmtechnischen Vereins sowie der Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik im Jahre 1994 ausgezeichnet worden. Er ist Ehrenmitglied der Audio Engineering Society.

89

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Walter Wöhle
7.3.1928 in Pethau bei Zittau geboren 1942 - 1945 Klempnerlehre, kurzzeitig Soldat, Klempner, Vorstudium 1948 - 1953 Elektrotechnikstudium an der TH Dresden 1953 - 1957 Assistent bei W. Reichardt 1957 Promotion 1978 Habilitation 1957 - 1970 leitender Ingenieur im Forschungsinstitut für Musikinstrumentenbau Zwota und im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg, Direktor im Institut für Musikinstrumentenbau Zwota 1970 Berufung zum Professor für Informationstechnik / Technische Akustik 1970 - 1993 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden 1993 Emeritierung Arbeitsgebiete Statistische Energieanalyse, Lautsprecher, Technische Akustik, Schallabsorber, Technischer Schallschutz

Walter Tscheschner
25.9.1927 In Brieg bei Breslau geboren 1944 - 1947 Soldat, Gefangenschaft, verschiedene Arbeitsstellen 1947 - 1954 Fachschulstudium in Chemnitz, Elektrotechnikstudium an der TH Dresden 1954 - 1966 Assistent bei K. Freitag 1961 Promotion 1967 - 1969 Entwicklungsingenieur im VEB Elektronische Rechenmaschinen Karl-Marx-Stadt 1969 Habilitation 1969 - 1992 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden 1972 Berufung zum Professor für Informationstechnik/ Kommunikation 1992 Emeritierung

90

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Arbeitsgebiete Kommunikationstechnik, Biologische Grundlagen der Nachrichtenverarbeitung, Objekterkennung, Spracherkennungs- und -synthesesysteme, Sprachwissenschaftliche Modelle

Peter Költzsch
19.10.1938 in Wilkau-Haßlau bei Zwickau geboren 1956 - 1962 Maschinenbaustudium an der TH Dresden, Fakultät Luftfahrtwesen 1962 - 1979 Versuchs- und Forschungsingenieur in verschiedenen Betrieben sowie am Zentralinstitut für Arbeitsschutz Dresden 1969 Promotion an der TU Dresden 1972 - 1978 Lehr- und Forschungstätigkeit an der Ingenieurhochschule Zittau 1974 Habilitation an der TU Dresden 1979 - 1993 Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Bergakademie Freiberg, Dozentur Strömungsmechanik 1986 Berufung zum Professor für Strömungsmechanik 1993 Berufung zum Professor für Technische Akustik 1993 - dato Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden Arbeitsgebiete Technische Akustik, Strömungsakustik, Strömungsmechanik, Schallerzeugung, Lärmminderung, Normung Prof. P. Költzsch ist seit 1996 ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Berlin.

Rüdiger Hoffmann
30.8.1948 in Weltwitz (Thüringen) geboren 1966 - 1971 Hochfrequenztechnikstudium an der TU Dresden 1971 - 1982 Forschungs-/Entwicklungsingenieur im VEB Elektromat Dresden 1978 Promotion an der TU Dresden 1982 - 1985 Assistent bei W. Tscheschner 1985 Habilitation 1985 - dato Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden 1992 Berufung zum Professor für Sprachkommunikation

91

Anhang − Professoren zum Fachgebiet Akustik an der TH/TU Dresden

Arbeitsgebiete Signal- und Systemtheorie, Mikroprozessortechnik, Mustererkennung, Sprachverarbeitung, Psychoakustik

Günther Pfeifer
24.1.1945 1964 - 1970 1970 - 1978 1972 1979 1979 - 1983 1984 - dato 1992 Arbeitsgebiete Messtechnik, Elektroakustik, Elektromechanische Systeme, Sensorelektronik in Dresden geboren Elektrotechnikstudium an der TU Dresden Assistent und Oberassistent an der TU Dresden Promotion Habilitation Entwicklungsingenieur bei Meßelektronik Dresden Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Dresden Ernennung zum außerplanmäßigen Professor

92

Anhang − Bücher zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden

A. 4 Bücher zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden BARKHAUSEN, H.: Einführung in die Schwingungslehre nebst Anwendungen auf mechanische und elektrische Schwingungen. Hirzel, Leipzig, 1932, 1940, 1950, 1951, 1956 REICHARDT, Walter: Grundlagen der Elektroakustik. Akadem. Verl.-Ges. Geest & Portig, Leipzig, 1952, 1954, 1960 REICHARDT, Walter: Physikalische Grundlagen der Elektroakustik. Teubner, 1961 REICHARDT, W.: Grundlagen der technischen Akustik. Akadem. Verl.-Ges., Leipzig, 1968 KRAAK, W. ; WEIßING, H.: Schallpegelmeßtechnik. Verlag Technik, 1970 REICHARDT, W.: Elektroakustik. Teubner, 1971 LENK, A.: Elektromechanische Systeme. Bd. 1–3. Verlag Technik, 1971–1977 LENK, A. ; REHNITZ, J.: Schwingungsprüftechnik. Verlag Technik, Berlin, 1974, 1976 STEINHAGEN, H.-E.; FUCHS, S.: Objekterkennung. Einführung in die mathematischen Methoden der Zeichenerkennung. Berlin: Technik, 1976 DIEROFF, H.-G.: Lärmschwerhörigkeit – Leitfaden der Lärmhörschadenverhütung in der Industrie. Mit Beiträgen über Physikalische Schallmessung / von Walter Reichardt. Barth, Leipzig und Urban & Schwarzenberg, München, 1975, 1978, 1979 BERENDS, E.-G.; REICHARDT, W. (Hrsg.): Technische Akustik engl., dt., franz., russ., span., poln., ungar., slowak.; mit etwa 4000 Fachbegriffen. Verlag Technik, Berlin, 1978, 1979 (Technik-Wörterbuch) REICHARDT, W.: Gute Akustik, aber wie? Gespräche eines Experten für Raumakustik mit Konzert- und Theaterbesuchern, Dirigenten, Schallplattenfreunden, Architekten und Tontechnikern. Verlag Technik, Berlin, 1979 KRAAK, W.: Investigations on Criteria for the Risk of Hearing Loss Due to Noise. In: TOBIAS, J.V.; SCHUBERT, E.D. (Hrsg.): Hearing Research and Theory Bd. 1. Academic Press, 1981, S. 187–303 AHNERT, W.; REICHARDT, W.: Grundlagen der Beschallungstechnik. Verlag Technik, Berlin , 1981 REICHARDT, W.: Gleichungen in Naturwissenschaft und Technik – Grössen und Einheiten richtig angewandt. Fachbuchverlag, Leipzig, 1983 FASOLD, W. (Hrsg.); KRAAK, W. (Hrsg.); SCHIRMER, W. (Hrsg.): Taschenbuch Akustik. Bd. 1 und 2. Verlag Technik, 1984 GUTNIKOV, V.; LENK, A.; MENDE, U.: Sensorelektronik – Primärelektronik von Messwertaufnehmern. Verlag Technik, Berlin, 1984 KRAAK, W.; WÖHLE, W.: Elektroakustik. In: PHILIPPOW, E. (Hrsg.): Taschenbuch Elektrotechnik Bd. 2. Verlag Technik, 1987 KRAAK, G. und G. SCHOMMARTZ (Hrsg.): Angewandte Akustik. Bd. 1–5. Verlag Technik, 1988-1990 93

Anhang − Bücher zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden

PFEIFER, G.; WERTHSCHÜTZKY, R.: Drucksensoren. Verlag Technik, Berlin, 1989 FUDER, G.: Schallmessungen. In: DIEROFF, H.-G.: Lärmschwerhörigkeit. Gustav Fischer, Jena und Stuttgart, 1994 KÖLTZSCH, P.: Beitrag zur Berechnung des Wirbellärms von Axialventilatoren. In: BOMMES, L.; FRICKE, J.; KLAES, K. (Hrsg.): Ventilatoren. Vulkan-Verlag, Essen, 1994 KÖLTZSCH, P.; SCHROTH, G.: Studienführer Akustik. Dokumentation des Lehrangebotes zur Akustik in Deutschland, Österreich und der Schweiz. DEGA, Oldenburg, 1996, 1998 FUDER, G.: Messung akustischer Größen. In: Hoffmann, J. (Hrsg.): Taschenbuch der Meßtechnik. Fachbuchverlag Leipzig, 1998 HOFFMANN, R.: Signalanalyse und -erkennung. Eine Einführung für Informationstechniker. Springer, 1998 HOFFMANN, R.: Grundlagen der Frequenzanalyse. Eine Einführung für Ingenieure und Informatiker. expert-Verlag, Renningen, 2000 LENK, A.; PFEIFER, G.; WERTHSCHÜTZKY, R.: Elektromechanische Systeme: mechanische und akustische Netzwerke, deren Wechselwirkungen und Anwendungen. Springer, 2001 KÖLTZSCH, P.: Flow acoustics. In: Mechel, F.: Formulas of acoustics. Springer, 2002 Lehrbriefe und Vorlesungsskripte (eine Auswahl) (siehe auch Abbildungen) REICHARDT, W.: Elektroakustik, Begriffe, Grössen, Formelzeichen, Einheiten, Lehrbriefe für das Fernstudium. VEB Verlag Technik, 1964 KRAAK, W.: Theoretische Akustik, 2 Lehrbriefe für das Fernstudium. TU Dresden, 1968 KRAAK, W.: Akustische Messtechnik. 2 Lehrbriefe für das Fernstudium. VEB Verlag Technik, 1968 KRAAK, W.: Signalanalyse. 3 Lehrbriefe für das Fernstudium. TU Dresden, 1973–1988 KRAAK, W.; WÖHLE, W.: Akustische Wellen und Felder. Heft 1–4. Studienmaterial für die Weiterbildung. TU Dresden, 1973 WÖHLE, W.: Technische Akustik. Heft 1–2, Studienmaterial für die Weiterbildung. TU Dresden, 1987 KÖLTZSCH, P. (Hrsg.): Vorlesungsexperimente Akustik. TU Dresden, 1996–2001 KÖLTZSCH, P.: Akustik. Technische Universität Dresden, 1996–2001 KÖLTZSCH, P.: Maschinenakustik. Technische Universität Dresden, 1996–2001 FUDER, G.: Lärmmesstechnik. Technische Universität Dresden, 2000

94

Anhang − Lehrbriefe und Vorlesungsskipte

95

Anhang − Ausgewählte Publikationen zum Fachgebiet von Autoren der TH/TU Dresden

A. 5 Ausgewählte Publikationen zum Fachgebiet Akustik von Autoren der TH/TU Dresden Schallabsorber und Schalldämpfer KLUGE, M.: Problem der Dämpfung des Auspuffschalls der Kraftfahrzeugmotoren. In: Automobiltechn. Zeitschr., Berlin 36 (1933) H. 7, S. 192–196; H. 9, S. 244–249 KRAAK,W.: Der dynamische Strömungsstandwert kreisförmiger, kurzer Kanäle. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 65 (1956), 46–49 WÖHLE, W.: Schallabsorption von Einzelresonatoren bei allseitigem Schalleinfall und bei Anordnung in einer Linie, in Raummitte, an der Wand, in der Kante oder Ecke eines Raumes. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 68 (1959), 56–61 WÖHLE, W.; WEBER, K.: Eine Meßmethode für niedrige Strömungsstandwerte (Strömungswiderstände). Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 68 (1959), 158–162 KRAAK,W.: Schallabsorption und Schallisolation poröser Absorber mit sehr leichtem elastischem Skelett. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 71 (1962), 86–98. KRAAK,W.: Die Bestimmung der Schallabsorption geschichteter poröser Absorber bei schrägem und statistischem Schalleinfall mit einem Analogierechner. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 71 (1962), 155–160 LENK, A.: Auslegung von Absorptionsschalldämpfern mit resonatorartigen Wandverkleidungen. Acustica 19 (1967/68), 119–125 KÖLTZSCH, P.: Der Schalldurchgang durch dünne, poröse, bewegliche Schichten. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 77 (1968) 3, S. 96−104 STÖBE, D.: Der Einfluß von Gefügesteifigkeit und Dämpfung poröser Absorber auf die Schalldämmung dieser Materialien. Zeitschrift für elektr. Informations- und Energietechnik 2 (1972), 27–31 LIPPOLD, R.; LENK, A.: Schalldämpfung in Kanälen mit aktiv erzeugten Wandimpedanzen. Acustica 91 (1995), 356–363 SARRADJ, E.: Multi-Domain Boundary Element Method for Sound Fields in and around Porous Absorbers. Acta Acustica/Acustica 89 (2003), 21–27 Raum- und Bauakustik REICHARDT, W.: Leitsätze für den Schallschutz von Wohnungstrenndecken. Bauplanung und Bautechnik 9 (1952) KRAAK,W.: Beitrag zur statistischen Behandlung des Nachhallvorganges. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 64 (1955), 90–93 KRAAK,W.: Elektroakustische Messungen an Raummodellen. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 65 (1956), 91–98 REICHARDT, W., SCHMIDT, W.: Die Wahrnehmbarkeit der Veränderung von Schallfeldparametern bei der Darbietung von Musik. Acustica 18 (1967)

96

Anhang − Ausgewählte Publikationen zum Fachgebiet von Autoren der TH/TU Dresden

JESKE, W.; KRAAK,W.: Schallausbreitung in Werkhallen mit Streukörpern. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 80 (1971), 32–37 REICHARDT, W.: Die akustische Projektierung der Semper-Oper in Dresden. Acustica 58 (1985), 253–267 DIETSCH, L., KRAAK, W.: Ein objektives Kriterium zur Erfassung von Echostörungen bei Musik- und Sprachdarbietungen. Acustica, Stuttgart 60 (1986), 205-216 HÖHNE, R.; SCHROTH, G.: Zur Wahrnehmbarkeit von Deutlichkeits- und Durchsichtigkeitsunterschieden in Zuhörersälen. Acustica 81 (1995), 309–319 BLAU, M.: Notes on spatial impression in concert halls. Acta Acustica/Acustica 88 (2002), 598–600 Körperschall WÖHLE, W.: ELMALLAWANY, A.: Generalized Model of the Application of Statistical Energy Analysis for the Sound Propagation in a Complicated Structure. J. Sound and Vibr. 40 (1975), 233–241 WÖHLE, W.: Beckmann, Th.; Schreckenbach, H.: Coupling loss factors for Statistical Energy Analysis of sound transmission at rectangular structural slab joints. J. Sound and Vibr. 77 (1981), 223–344 WÖHLE, W.; SCHRECKENBACH, H.; BIEBER, E.: Möglichkeiten der normierten Darstellung von Körperschall-Transmissionsgraden an starren rechtwinkligen Plattenstoßstellen. Acustica 57 (1985), 149–157 WÖHLE, W.: Streuung von Kopplungsverlustfaktoren bei Anwendung der statistischen Energieanalyse. In: Angewandte Akustik Bd. 2.Verlag Technik, Berlin 1988, 115–129 BLAU, M.: Indirect measurement of multiple excitation force spectra by FRF matrix inversion: Influence of errors in statistical estimates of FRFs and response spectra. Acta Acustica/Acustica 85 (1999), 464–479 SARRADJ, E.: Calculation of point mobilities at generic multi-plate/beam junctions. J. Sound and Vibr. 229 (2000), 411–430 KÜHNICKE, E.: Semianalytical method to calculate acoustic waves in layered elastic media. Acta Acustica 3 (1995), 225 ff. KÜHNICKE, E.: The effects of source configuration on refracted sound fields. Materials evaluation 58 (2000), 470–475 Schall und Hören BARKHAUSEN, H.: Ein neuer Schallmesser für die Praxis. In: Zeitschrift für technische Physik, Leipzig 7 (1926) H. 12, 599–601 NIESE, H.: Eine Methode zur Bestimmung der Lautstärke beliebiger Geräusche. Acustica 15 (1965), 117 ff. KÖLTZSCH, P.; BAUER, H.-J.: Das Windgeräusch von Kondensatormikrophonen. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik, 79 (1970) 6, S. 225−234 97

Anhang − Ausgewählte Publikationen zum Fachgebiet von Autoren der TH/TU Dresden

KÖLTZSCH, P.: Schall und Pseudoschall. Wiss. Zeitschrift der TH Magdeburg 17 (1973) 5, S. 567−573 KRAAK, W.; ERTEL, H.; FUDER, G.; KRACHT, L.: Risk of hearing damage caused by steady-state and impulsive noise. J. Sound and Vibr. 36 (1974), 347–359 KRAAK,W.; HOFMANN, G.: Nachweis der physiologischen Beanspruchung und der Schädigung des Meerschweinchengehörs nach Lärmeinwirkung mittels Elektrocochleografie. Arch. Oto-Rhino-Laryng. 215 (1977), 301–310 KRAAK,W.; KRACHT, L.; FUDER, G.: Die Ausbildung von Gehörschäden als Folge der Akkumulation von Lärmeinwirkungen. Acustica 38 (1977), 102–117 KRAAK,W.: Die Bewertung des Schalldruckes bei der Messung industriellen impulsiven und intermittierenden Lärms. Acustica, Stuttgart 54 (1983), 84–96 FUDER, G.; KRAAK,W.: Erfassung der Informationskapazität des Gehörs bei Innenohrschäden mit Recruitment. In: Angewandte Akustik, Bd.1, VEB Verlag Technik Berlin 1988, 246–269 KRAAK,W.: Test zum individuellen Gehörschadensrisiko. Acustica, Stuttgart 80 (1994), 156–165 JOIKO, K.; BORMANN, V.; KRAAK,W.: Durchhören von Sprache bei Leichtbauwänden. Zeitschrift Lärmbekämpfung 49 (2002), S.79–85. Elektromechanische Systeme REICHARDT, W., LENK, A.: Die Vierpolersatzschaltungen der elektromechanischen Wandler Teil I. Acustica 5 (1955), 1–6 LENK, A.: Die Vierpolersatzschaltungen der elektromechanischen Wandler Teil II. Acustica 6 (1956), 103–116 LENK, A.: Zur Orthogonalität von Eigenfunktionen der akustischen und elektromechanischen Differentialgleichungen. Hochfrequenzt. und Elektroakustik 79 (1970), 37–41 LENK, A.: Reziprozitätsbeziehungen in elastomechanischen Systemen. Hochfrequenztechnik und Elektroakustik 79 (1970), 90–95 LENK, A., WITING, A.: Leistungsübertragungsfaktor und Fehlereigenschaften der normalen und inversen Wheastone-Brücke, msr 22 (1979), 34–36 LENK, A.: Fehlerbewertung von Meßgeräten. msr 22 (1979), 503–507 LENK, A., MENZEL, U.: Nichtlinearität dünner Kreisplatten als Wandler von Drücken in mechanische Spannungen oder Ausschläge. Feingerätetechnik 30 (1987), 56–60 LENK, A.: Kalibrieren und Messen als Entscheidungsaufgabe. msr 32 (1989), 146–149 Sprachkommunikation Siehe Abschnitt 4.3: Die Arbeitsgruppe „Sprachkommunikation“

98

Mit freundlicher Unterstützung durch:

Brüel & Kjaer GmbH Bremen HEAD acoustics GmbH Herzogenrath MED-EL Deutschland GmbH Starnberg Müller-BBM Schalltechnisches Beratungsbüro Planegg / Dresden Sennheiser electronic KG Wedemark SINUS Messtechnik GmbH Leipzig SPEKTRA Schwingungstechnik und Akustik GmbH Dresden