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N I EDERSACHSEN
J U L I /AU G U ST 2 0 1 3 | W W W. S P D - N I E D E R S A C H S E N . D E
EDITORIAL

START IN DIE »HEISSE PHASE«
Landesliste der Bundestagskandidatinnen und -kandidaten beschlossen
Engagement, dass Wählen gehen lohnt, dann werden wir die Wahl gewinnen! Dann werden wir gemeinsam in Deutschland bei der Bundestagswahl einen neuen Weg einschlagen.« In zwei Resolutionen nahm die Delegiertenkonferenz in Walsrode Stellung zu drängenden aktuellen Themen. Einstimmig wurde eine Appell gegen den Einsatz giftiger Chemikalien beim so genannten Fracking verabschiedet, dem Verfahren zur Gewinnung von Gas und Öl, das in Steinschichten gebunden ist. Insbesondere die Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser gelte es zu verhindern. An die amtierende Bundesregierung richtet sich der Vorwurf, dass sie auch nach mehreren Jahren noch immer keine akzeptable gesetzliche Regelung geschaffen habe. So werde die FrackingTechnologie heute bereits eingesetzt, obwohl ein rechtlicher Rahmen fehle. Solange dieser Zustand fortbestehe, müsse es einen Verzicht auf die FrackingTechnologie geben, forderten die Delegierten. Schwerpunkt einer zukunftsgerichteten Energiepolitik müssen im Übrigen nicht auf den endlichen Ressourcen, sondern auf den regenerativen Energien liegen. In einer weiteren Resolution bezog die Delegiertenkonferenz Position zur aktuellen Hochwasserkatastrophe in Deutschland und den benachbarten Staaten. Gefordert wurden – neben Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels – verstärkte Anstregungen, um zukünftig Überschwemmungen entlang der Flüsse zu vermeiden. Dazu gehören Deicherhöhungen ebenso wie Erhalt und Neuschaffung von Poldern und Retentionsflächen, die zusätzliche Wassermengen aufnehmen können. Der Dank der Delegierten richtete sich an die Tausenden von Helferinnen und Helfern, die ehrenamtlich oder hauptberuflich Deiche schützten, Hab und Gut der Bevölkerung in Sicherheit brachten und vielfach das Leben von Mensch und Tier retteten. Für die Opfer der Hochwasserkatastrophe wurden über 1.200 Euro von den Delegierten gesammelt. í

LIEBE GENOSSINNEN, UND GENOSSEN,
»Das Wir entscheidet« – unser Slogan für die Bundestagswahl hat in den vergangenen Wochen eine ungeahnte Aktualität erlebt. Fast 10.000 Menschen sorgten in Niedersachsen dafür, dass längs der Elbe die Deiche gehalten haben. Die allermeisten waren Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig engagierten. Herzlichen Dank dafür! »Das Wir entscheidet« – das gilt in akuten Krisen, aber eigentlich gilt es immer. Es ist eine Haltung, die in diesen Worten zum Ausdruck kommt und die von einer großen Mehrheit in unserer Gesellschaft geteilt wird. »Das Wir entscheidet« – in den nächsten Wochen haben wir noch viel Gelegenheit zu zeigen, was die SPD damit meint. Je besser wir diesen »Roten Faden« an unterschiedlichen Beispielen zeigen, desto besser sind unsere Chancen am 22. September. Nutzen wir diese Chancen!

Sigmar Gabriel in Walsrode.

Foto: Christoph Matterne

Stephan Weil Landesvorsitzender
Im Niedersachsen-vorwärts: »TiL – Themen im Landtag« (Mittelteil Seiten 1–4)

Genau 99 Tage vor der Bundestagswahl hat die SPD Niedersachsen in Walsrode ihre Landesliste für die Bundestagwahl 2013 beschlossen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel MdB (Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel) führt die Landesliste an, ihm folgen Gabriele LösekrugMöller MdB (Wahlkreis Hameln-Pyrmont / Holzminden), der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann (Wahlkreis 51, Göttingen), Susanne Mittag (Wahlkreis 28, Delmenhorst-Wesermarsch / Oldenburg-Land) und Hubertus Heil (Wahlkreis 45, Gifhorn-Peine). Zum Auftakt der Delegiertenversammlung warb die Vorsitzende des SPD-Bezirks Nord-Niedersachsen Petra Tiemann dafür, sich auch weiterhin an den Werten der SPD zu orientieren: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität: »Wir sind seit 150 Jahren die Partei, auf die sich die Menschen verlassen können, weil unsere Politik von Werten geleitet wird, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und morgen noch die Richtschnur unserer Politik sein werden.« Landeschef Stephan Weil machte in seiner Rede im Hinblick auf die Bundestagswahl deutlich: »Der Wahlerfolg hängt stark von unserer Organisation ab – wenn wir bis zum letzten Tag kämpfen, dann können wir gewinnen. Das haben wir im Januar diesen Jahres gezeigt.« Sei-

nen Dank richtete der Niedersächsische Ministerpräsident an alle, die sich mit den Opfern der Flutkatastrophe solidarisch zeigten: »Egal, ob es sich um die Organisatoren in den Lagezentren oder um die unzähligen Menschen handelt, die uneigennützig vor Ort Hilfe leisten – ihnen gebührt ein großer Dank.« D e r Vo r s i t z e n d e d e r S P D S i g mar Gabriel kritisierte in seiner Rede u.a. die Finanzpolitik von Bundeskanzlerin Merkel: »Sie war 2009 angetreten, die Schulden zu senken. Stattdessen hat die schwarz-gelbe Bundesregierung einen Berg von sage und schreibe 100 Milliarden Euro neuen Schulden angehäuft. Merkel hatte vier Jahre Zeit. Sie hat Gipfel an Gipfel gereiht – am Ende werden es 50 gewesen sein in diesen vier Jahren – doch gefolgt ist nichts daraus. Tarnen und Täuschen, das ist ihre Masche.« Gabriel führte aus, dass Deutschland nicht länger warten könne. »Wir können Deutschland nicht vier Jahre weiter treiben lassen. Die Menschen in Deutschland haben eine Regierung verdient, die anpackt und unser Land wieder auf Zukunftskurs bringt. Er appellierte an seine Partei, kräftig anzupacken: »Wenn die SPD wieder Politik von unten macht, ihren Antrieb, ihre Kraft und ihre Ziele aus dem Alltag der Menschen holt, wenn wieder mehr Menschen Hoffnung schöpfen, dass sich demokratisches

II NIEDERSACHSEN

07|08/2013

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HANDEL UM JEDEN PREIS ?
Von Bernd Lange
Jetzt kann es losgehen mit den Verhandlungen zwischen der EU und den USA über ein Handelsabkommen. Für Europa verhandelt die EU-Kommission. Daher war es wichtig, dass wir Europaabgeordneten im Parlament unsere zentralen Standpunkte verabschiedet haben. Die sozialdemokratischen Positionen sind darin gut vertreten, denn bereits im März hatte ich als handelspolitischer Sprecher der europäischen Sozialdemokraten für die Fraktion ein entsprechendes Papier erstellt. So gilt es, in den Verhandlungen die hohen EU-Standards zu verteidigen: Der europäische Datenschutz darf nicht ausgehöhlt werden, wir wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel oder Hormonfleisch auf unseren Tellern, Daseinsvorsorge gehört in öffentliche Hand und unsere europäische kulturelle und audiovisuelle Politik muss geschützt und entwickelt werden können. Ein Abkommen bietet natürlich auch Chancen: Gerade das Handelsabkommen der EU mit den USA ist gut für Niedersachsen, denn im vergangenen Jahr lag der niedersächsische Export in die USA bei 6,1 Milliarden Euro (Importe im Wert von 2,7 Milliarden Euro). Ein Drittel der Exporte entfällt auf Autos (26,2 Prozent) und Fahrzeugteile und ein weiteres Fünftel auf Wasserfahrzeuge. Bei den Ausfuhrzielen sind die USA nach den Niederlanden das zweitwichtigste Zielland für Niedersachsen. Und etwa 170 niedersächsische Unternehmen haben eine Niederlassung in den USA, umgekehrt sind es etwa 130. Der Wegfall von Handelshemmnissen zwischen den USA und Europa ist daher im Interesse Niedersachsens. Es stärkt die Wirtschaft und sichert Arbeitsplätze, vorrangig in der Industrie – auch durch die Schaffung gleicher technischer und Sicherheitsstandards. Die amerikanischen Gewerkschaften sehen in dem Handelsabkommen zum ersten Mal die Chance, Arbeitnehmerrechte in den USA zu stärken. Außerdem sollen in dem Abkommen Vorschriften zur Regulierung der transatlantischen Finanzmärkte verankert werden. Das Europäische Parlament hat in Handelsfragen ein Vetorecht und muss dem ausgehandelten Abkommen zustimmen, sonst kann es nicht in Kraft treten. Auf Grundlage unserer Position werden wir daher genau prüfen, ob wir zustimmen können oder nicht. Schlechte Abkommen, wie im Fall ACTA, sind abzulehnen. Ein Handelsabkommen EU/USA darf es nicht um jeden Preis geben, aber es lohnt sich, um ein gutes Abkommen zu ringen. í

Bernd Lange MdEP Foto:Anette Gilke Positionspapier der europäischen Sozialdemokraten: www.bernd-lange.de/politik/ internationaler-handel/

EINBERUFUNG EU-VERTRETER/INNENVERSAMMLUNG SPD-Bezirk Hannover
Freitag, 22.11. 2013, 17.00 Uhr ver.di-Höfe Goseriede, 30159 Hannover Vorläufige Tagesordnung: — Konstituierung — Wahlen — Bekanntgabe der Wahlergebnisse Meldeschluss für Personalvorschläge: 21.10.2013
ÜBRIGENS… DIE EUROPAWAHL

BÜRGERPREIS GEHT IN DEN SÜDHARZ
Das Projekt »Jugend spielt für Europa« des SV Südharz in Walkenried erhält den Europäischen Bürgerpreis 2013 des Europäischen Parlaments. Jährlich findet das internationale Fußballturnier zu Pfingsten statt. Zum 53. Mal war Hans Zohren als Organisationsleiter dabei. Bernd Lange hatte das Projekt nominiert, denn es ist ein tolles Beispiel für Gastfreundschaft und internationale Begegnung. In diesem Jahr nahmen Mannschaften aus sieben Ländern mit insgesamt 300 Jugendlichen teil. Nach 2012 und 2013 steht die Eröffnung des Turniers auch für 2014 in Bernd Langes Kalender. í

EUROPA BERND LANGE INFO
MITGLIED DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

2014 findet am 25. Mai statt.

Alle zwei Wochen Aktuelles im Newsletter »Europa-Info«. HIER ANMELDEN: www.bernd-lange.de/aktuell/europa-info

REKORD-SCHULDEN DURCH CDU/FDP
Die Legende von der schwarz-gelben Haushaltsführung
Von Detlef Tanke In den letzten Jahren haben Konservative und Liberale sich selber als »Haushaltskonsolidierer« gefeiert. Jedes Jahr prahlten Schwarz-Gelb wiederholt, sie hätten die Neuverschuldung zurückgefahren und wollten erstmals schon 2010, später dann 2017 ganz auf neue Kredite verzichten. Das Wort »Schuldenbremse« trug man wie eine Monstranz vor sich her. Doch was ist wirklich dran an den Behauptungen von CDU und FDP, sie hätten den Haushalt konsolidiert? Schnell stellte es sich als eine reine Legende heraus, sie stünden für solide Haushaltsführung. Bei Regierungsübernahme von CDU und FDP Anfang 2003 hatte das Land Niedersachsen rund 40 Milliarden Euro Schulden. Wohl gemerkt, 40 Milliarden Euro, die in den mehr als 50 Jahren von 1948 bis Ende 2002 aufgelaufen waren. In nur zehn Jahren wuchs der Schuldenberg unter Schwarz-Gelb um rund 20 auf fast 60 Milliarden Euro an. Die Regierungen Wulff und McAllister blähten also die Gesamtschulden des Landes in kurzer Zeit um 50 Prozent auf. Je mehr jetzt der finanzpolitische Schleier der Vorgängerregierung gelüftet wird, umso deutlicher wird: Es bleibt nur ein Scherbenhaufen zurück. Keine der vollmundigen Aussagen oder Versprechungen wurde eingehalten. Sie dienten nur als Nebelkerzen zur Verschleierung des eigenen Versagens und erschreckend hoher neuer Schulden! Unsere neue Landesregierung steht dagegen für einen verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern. Sie wird den Haushalt wirklich konsolidieren und dabei die Vorgaben des Grundgesetzes einhalten. Ab 2020 wird es keine Nettokreditaufnahme mehr geben. Dazu bedarf es einer sparsamen Ausgabepolitik, aber auch verbesserter Einnahmen. Unser Steuerkonzept nimmt dafür die oberen zehn Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen in die Pflicht. Damit Investitionen in der Zukunft möglich bleiben, muss die Einnahmenseite gestärkt werden: für Bildung, Forschung sowie den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. í

SCHULDENSTAND AUS KREDITMITTELN
60.000

+ 50% !
55.000

In Mio. Euro

50.000

45.000

40.000

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 jeweils zum 31.12.

2011

2012

2013

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NIEDERSACHSEN III

ZWEI TEILE EINES LEBENS
Interview mit Dr. Teresa Nentwig
vorwärts: Sein Eintritt in die SPD war aufgrund seines Lebensumfeldes und seines Werdegangs nicht vorgezeichnet. Was bewog Kopf dennoch 1919 Sozialdemokrat zu werden? Dr. Teresa Nentwig: Kopf selbst schrieb 1947, er sei »aus der Negierung des Bestehenden« der SPD beigetreten. Entscheidender dürfte aber gewesen sein, dass er 1919 hoffte, durch eine Parteimitgliedschaft seinen sozialen Aufstieg zu fördern, d. h. eine Karriere im Staatsdienst in die Wege zu leiten. Das gelang ihm auch. vorwärts: Geht man zu weit, wenn man feststellt, dass es ohne Kopf das Bundesland Niedersachsen heute nicht geben würde? Dr. Teresa Nentwig: Eine wichtige Rolle bei der Landesgründung spielte natürlich auch die britische Besatzungsmacht. Aber insgesamt gesehen war es Kopf, der durch enormes persönliches Engagement dazu beitrug, dass im November 1946 das Land Niedersachsen aus der Taufe gehoben wurde. vorwärts: Nach der Lektüre Ihres Buches muss man feststellen, dass neben den unbestreitbar großen politischen Verdiensten Kopfs auch dunkle Schatten aus den Jahren 1933–1945 auf ihn fallen. Wie bewerten Sie diese Jahre im Leben von Kopf? Dr. Teresa Nentwig: Kopf war u. a. ein effizienter, überaus engagierter Mitarbeiter einer nationalsozialistischen Behörde, der Haupttreuhandstelle Ost. Diese und weitere Verstrickungen mit dem NS-Regime werfen unbestritten einen Schatten auf seine politischen Leistungen. Eine Bewertung der Jahre 1933–1945 finde ich aber insofern schwierig, als dass Kopf möglicherweise gleichzeitig Distanz wahrte: Er soll z. B. für mehrere von den Nationalsozialisten verfolgte Geistliche Partei ergriffen haben. Auch soll er Hitler als »Schweinehund« bezeichnet haben, der Deutschland den Ruin bringen werde. Anlass für diese Bezeugungen zugunsten Kopfs war der Antrag auf seine Auslieferung als Kriegsverbrecher, den die polnische Regierung Anfang 1948 bei den Briten gestellt hatte und der ihm sein Ministerpräsidentenamt hätte kosten können. Vor diesem Hintergrund müssen die Aussagen der Entlastungszeugen mit Vorsicht betrachtet werden. vorwärts: Wie soll man mit dem Lebenswerk Kopfs Ihres Erachtens jetzt umgehen? Dr. Teresa Nentwig: Notwendig ist zunächst eine Antwort auf die Frage, wie man die NS-Belastung Kopfs mit seinen politischen Leistungen in der Nachkriegszeit in Verbindung bringen kann. Es muss darum gehen, die beiden Teile seiner Biografie zusammenzuführen und dann auf dieser Basis ein tragfähiges Gesamtbild zu entwickeln. í

Dr. Teresa Nentwig: Jahrgang 1982, Studium der Fächer Politik und Französisch an der Universität Göttingen und an der Universität Genf, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Göttinger Institut für Demokratieforschung.
Foto: Göttinger Institut für Demokratieforschung

vorwärts: Nach über drei Jahren Forschung legen Sie mit Ihrer rund 900 Seiten starken Abhandlung das bislang umfangreichste wissenschaftliche Werk über Hinrich Wilhelm Kopf vor. Was hat Sie veranlasst, ausgerechnet über ihn so intensiv zu forschen? Dr. Teresa Nentwig: Kopfs Leben erwies sich als äußerst vielschichtig und bot deshalb zahlreiche Ansatzpunkte für tief gehende Recherchen.

DAS BUCH Teresa Nentwig: »Hinrich Wilhelm Kopf (1893–1961). Ein konservativer Sozialdemokrat.« 941 Seiten, Hahnsche Buchhandlung Hannover, ISBN 978-3-7752-6072-5, 48,00 Euro

EIN DENKMAL GERÄT INS WANKEN
Von Stephan Weil
Hinrich Wilhelm Kopf – dieser Name hat bis heute einen überragenden Klang. Viele Straßen, Schulen und öffentliche Institutionen sind nach dem Gründungsvater des Landes Niedersachsen benannt, der die Landespolitik von 1945 bis zu seinem Tod 1961 dominierte. Viele ältere Menschen verehren Hinrich Wilhelm Kopf bis heute, gerade auch Sozialdemokraten. Kopf ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte der niedersächsischen SPD. Diesem Menschen ist nun die Göttinger Politologin Teresa Nentwig in einer tiefschürfenden Doktorarbeit nachgegangen. Das Ergebnis ist schwierig, gerade für Sozialdemokraten: Einerseits wird noch deutlicher, welchen herausragenden Beitrag Kopf für die Demokratie in Niedersachsen nach 1945 geleistet hat. Er schmiedete ein Bundesland, dessen Landesteile äußerst heterogen waren. Und er hat dieses Land persönlich verkörpert als »roter Welfe«, dessen Popularität bis heute legendär ist. Nicht umsonst gilt er heute als ein demokratisches Denkmal. Und andererseits hat dieses Denkmal nun unübersehbare Risse bekommen. Der Grund liegt in dem Leben, das Hinrich Wilhelm Kopf zwischen 1933 und 1945 geführt hat. Mit dem rechten Staatsstreich gegen die sozialdemokratische Regierung des Landes Preußen im Jahr 1932 verliert Kopf seine Stellung als Landrat in Hadeln an der Elbe. Er geht nach Berlin und gründet mit einem Partner die Firma »Hinrich Wilhelm Kopf & Bohne«. Vor allem im Auftrag wohlhabender Juden, die auswandern wollen und müssen, hilft die Firma bei der Auflösung ihres Vermögens, damit aber eben auch bei der »Arisierung jüdischen Vermögens«. Nach 1939 wechselt Hinrich Wilhelm Kopf nach Schlesien, aber er wechselt auch den Auftraggeber. Kopf arbeitet nun im Auftrag der »Haupttreuhandstelle Ost«, die das Vermögen von polnischen Flüchtlingen und Juden dem Deutschen Reich zuführt. Es besteht leider kein Zweifel: In dieser Rolle arbeitet Hinrich Wilhelm Kopf mit an einem groß angelegten, systematischen Raub. Noch schlimmer: Nach dem Krieg erklärt er vor dem Landtag, niemals in dieser Rolle tätig gewesen zu sein. Das war eine Lüge. Wie gehen wir heute mit diesen neuen Erkenntnissen um? Die Wirkung von Hinrich Wilhelm Kopf nach 1945 ist grandios und verdient bis heute tiefe Bewunderung. Sein Leben vor 1945 ist es nicht, erst recht nicht dessen Verleugnung nach dem Krieg. Ist es unter diesen Umständen auch künftig möglich, Straßen und Schulen nach Hinrich Wilhelm Kopf zu benennen? Das muss einer sorgfältigen und differenzierten Abwägung vorbehalten bleiben. Das betrifft gerade uns Sozialdemokraten. Hinrich Wilhelm Kopf ist Teil unserer Geschichte – im Guten wie im Schlechten. í (Siehe auch Artikel auf Seite 2 im TiL)

Impressum
Herausgeber: SPD Niedersachsen Verantwortlich: Heike Werner Redaktion: Steffi Adler, Lea Gronenberg, Remmer Hein, Christoph Matterne Anschrift: Odeonstraße 15/16, 30159 Hannover E-Mail: vorwaerts@spdnds.de Layout & Satz: Anette Gilke mail@AnetteGilke.de

IV NIEDERSACHSEN

07|08/2013

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07|08/2013

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NIEDERSACHSEN V

UNSERE 30 NIEDERSÄCHSISCHEN KANDIDATINNEN UND KANDIDATEN FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL AM 22. SEPTEMBER 2013

HEINZ-JOACHIM BARCHMANN
62 Jahre, aus Helmstedt Wahlkreis 51 Helmstedt – Wolfsburg www.achim-barchmann.de

EDELGARD BULMAHN
62 Jahre, aus Hannover Wahlkreis 42 Stadt Hannover II www.edelgard-bulmahn.de

DANIELA DE RIDDER
50 Jahre, aus Belm Wahlkreis 31 Mittelems www.daniela-de-ridder.de

SEBASTIAN EDATHY
43 Jahre, aus Rehburg-Loccum Wahlkreis 40 Nienburg II – Schaumburg www.edathy.de

KARIN EVERS-MEYER
63 Jahre, aus Zetel Wahlkreis 26 Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund www.evers-meyer.de

SIGMAR GABRIEL
53 Jahre, aus Goslar Wahlkreis 49 Salzgitter – Wolfenbüttel www.sigmar-gabriel.de

GABRIELE GRONEBERG
57 Jahre, aus Cloppenburg Wahlkreis 32 Cloppenburg – Vechta www.gabriele-groneberg.de

HUBERTUS HEIL
40 Jahre, aus Peine Wahlkreis 45 Gifhorn – Peine www.hubertus-heil.de

CHRISTINA JANTZ
34 Jahre, aus Schwanewede Wahlkreis 34 Osterholz – Verden www.christina-jantz.de

OLIVER KELLMER
36 Jahre, aus Stade Wahlkreis 30 Stade I – Rotenburg II www.oliverkellmer.de

LARS KLINGBEIL
35 Jahre, aus Munster Wahlkreis 35 Rotenburg I – Heidekreis www.lars-klingbeil.de

CHRISTOPH LANZENDÖRFER
58 Jahre, aus Bassum Wahlkreis 33 Diepholz – Nienburg I www.christoph-lanzendoerfer.de

GABRIELE LÖSEKRUG-MÖLLER
62 Jahre, aus Hameln Wahlkreis 46 Hameln-Pyrmont – Holzminden www.loemoe.de

HILTRUD LOTZE
54 Jahre, aus Lüneburg Wahlkreis 37 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg www.hiltrud-lotze.de

KIRSTEN LÜHMANN
49 Jahre, aus Hermannsburg Wahlkreis 44 Celle – Uelzen www.kirsten-luehmann.de

CAREN MARKS
49 Jahre, aus Wedemark Wahlkreis 43 Hannover-Land I www.caren-marks.de

MATTHIAS MIERSCH
44 Jahre, aus Laatzen Wahlkreis 47 Hannover-Land II www.matthias-miersch.de

SUSANNE MITTAG
54 Jahre, aus Delmenhorst Wahlkreis 28 Delmenhorst – Wesermarsch – Oldenburg-Land www.susanne-mittag.info

THOMAS OPPERMANN
59 Jahre, aus Göttingen Wahlkreis 53 Göttingen www.thomasoppermann.de

MARKUS PASCHKE
50 Jahre, aus Ihlow Wahlkreis 25 Unterems www.markus-paschke.de

WILHELM PRIESMEIER
58 Jahre, aus Markoldendorf Wahlkreis 52 Goslar – Northeim – Osterode www.wilhelm-priesmeier.de

CAROLA REIMANN
45 Jahre, aus Braunschweig Wahlkreis 50 Braunschweig www.carola-reimann.de

DENNIS ROHDE
26 Jahre, aus Wiefelstede Wahlkreis 27 Oldenburg – Ammerland www.dennis-rohde.de

JOHANN SAATHOFF
45 Jahre, aus Krummhörn Wahlkreis 24 Aurich – Emden www.johann-saathoff.de

MARTIN SCHWANHOLZ
53 Jahre, aus Osnabrück Wahlkreis 39 Stadt Osnabrück www.martin-schwanholz.de

RAINER SPIERING
57 Jahre, aus Bad Rothenfelde Wahlkreis 38 Osnabrück-Land www.rainer-spiering.de

SVENJA STADLER
36 Jahre, aus Seevetal Wahlkreis 36 Harburg www.svenja-stadler.de

KERSTIN TACK
44 Jahre, aus Hannover Wahlkreis 41 Stadt Hannover I www.kerstin-tack.de

GUNNAR WEGENER
60 Jahre, aus Cuxhaven Wahlkreis 29 Cuxhaven – Stade II www.gunnar-wegener.de

BERND WESTPHAL
52 Jahre, aus Giesen Wahlkreis 48 Hildesheim www.bernd-westphal.de

Die komplette Landesliste findet ihr im Internet unter www.spdlink.de/ndsLL

VI NIEDERSACHSEN

07|08/2013

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DIE SCHWACHEN STARK MACHEN
Uwe Schwarz für langjähriges Engagement geehrt
ter kennengelernt und ihn als starken Redner im Landtag erlebt. 1973 trat Uwe Schwarz als 16-Jähriger in die SPD ein. Schon ein Jahr später wurde er zum Vorsitzenden der Juso-Ortsvereinsgruppe gewählt, vier Jahre später zum Juso-Vorsitzender im Unterbezirk. Mit 36 Jahren wählte man ihn zum Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks NortheimEinbeck, ein Amt, das er nun schon mehr als 20 Jahre innehat. Mit nur 24 Jahren wurde Schwarz zudem Ratsherr von Bad Gandersheim, fünf Jahre später sogar Bürgermeister der Stadt. Im selben Jahr 1986 gelang ihm gleichzeitig der Sprung in den Niedersächsischen Landtag. Wenn man den Werdegang eines Menschen wirklich verstehen wolle, müsse man in dessen Kindheit zurückgehen, erklärte Pfeiffer. Seinen Vater habe Uwe Schwarz nie kennengelernt, da er drei Monate vor der Geburt seines Sohnes starb. Der Junge wuchs in Armut bei seiner Mutter auf, eine herzliche Frau, handfest und geradeaus, zwangsläufig sparsam – aber gegenüber ihrem Sohn im Rahmen ihrer Möglichkeiten großzügig und freigiebig. »Sie war ihm ein starkes Gegenüber, ohne ihn zu unterdrücken, ohne ihn klein zu machen. Bei ihr konnte und musste er den Widerspruch üben, konnte so seine Power schrittweise entfalten«, erklärte Pfeiffer. Die materielle Armut in seiner Kleinfamilie habe er im Alltag gespürt. Trotz guter Noten sei er in die Volksschule gegangen, weil angesichts des knappen Geldes die Devise galt: schnell einen Beruf lernen. Mit 16 begann er bei der AOK Gandersheim eine Ausbildung. Er absolvierte die erste sowie die zweite Verwaltungsprüfung, wurde Lebenszeitbeamter und mit 28 Jahren Verwaltungsoberinspektor. 1983 wurde er zum Personalratsvorsitzenden der AOK gewählt. »Die zentrale Frage war und ist für ihn stets: was müssen wir tun, damit die Schwachen in unserer Gesellschaft stark werden können? Und wie verhelfen wir auch jenen zu einem menschenwürdigen Leben, die diese Kraft zur Selbsthilfe nicht aufbringen können«, beschrieb Pfeiffer die zentralen Anliegen von Uwe Schwarz Wirken. í

Uwe Schwarz MdL (rechts) und Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Foto: privat

Für 40-jährige Parteimitgliedschaft wurde kürzlich der Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz geehrt. Die Laudatio hielt der ehemalige Landes-Justizminister Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Dieser strich heraus, er habe Schwarz ab Dezember 2000 nach seiner Vereidigung als Minis-

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07|08/2013

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NIEDERSACHSEN VII

WIE WOLLEN WIR WACHSEN ? ZUKUNFTSKONGRESS HANNOVER 2030
OB-Kandidat Stefan Schostok und die SPD Hannover luden ein zum Stadtgespräch und entwickelten Zukunftsbilder ihrer Stadt
der vier Welten und ermöglichten ein einfaches und schnelles Wandern zwischen ihnen. Bunte Hocker standen bereit, damit passend zu den einzelnen Veranstaltungsformaten wie Fishbowl, Podium oder World-Café flexibel »umgebaut« werden konnte. Durch das Headset waren auch die spannenden Unterhaltungen in den drei anderen Foren immer nur einen Knopfdruck weit entfernt. Zeitgleich konnten auch diejenigen, die nicht vor Ort waren, virtuell am Kongress teilnehmen. Über die Facebook Seite

Spannende Diskussionen parallel in vier Themenwelten.

Können 300 Menschen in einem Raum über sechs Stunden in vier Themenwelten miteinander diskutieren und konstruktive Lösungsvorschläge für unterschiedlichste Fragestellungen erarbeiten? Ja, das geht! Stefan Schostok ist mit dem Zukunftskongress »Stadtgespräch Hannover 2030 – Wie wollen wir wachsen?« neue Wege gegangen. Mit dem Format »großes Stadtgespräch« setzte die SPD Hannover von Anfang an auf Partizipation. So entwickelten sich die Themen und Veranstaltungsformen in einem offenen Prozess. In Teamarbeit mit Mitgliedern der Partei und im Austausch mit der Stadtgesellschaft entstanden im Vorfeld Hauptfragen zu vier Themenwelten: »Auf welchen Feldern können wir wirtschaftlich wachsen?«, »Wohnen und Leben: Wie stelle ich mir meinen Kiez 2030 vor?«, »Wie sichern wir soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt?« sowie »Wie lernen wir für die Zukunft?«. In seiner Eröffnungsrede stellte Stefan Schostok heraus, dass Dialog und Beteiligung auch künftig seinen Stil guter Politik für die Stadt prägen werden: »Von mir gibt es ein klares Bekenntnis zu einer wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Wachstumsstrategie für Hannover. In der Gestaltung wollen wir offen sein für neue, weiterführende Ideen und Gedanken.« In insgesamt 15 zum Teil parallelen Veranstaltungen mit einem eigenen Jugend-Forum wurde intensiv über die Zukunft Hannovers gearbeitet. Dabei herrschte konzentrierte Ruhe. Möglich machte dies der Einsatz von Headsets, die

mit vier Kanälen entsprechend der Themenwelten ausgestattet waren. Neben dieser akustischen Innovation überraschte auch die räumliche Gestaltung: grün, lila, pink und blau – vier miteinander verbundene Teppichquadrate visualisierten die thematische Zusammengehörigkeit

Stefan Schostok Oberbürgermeisterkandidat für Hannover Fotos (2): SPD Hannover

www.facebook.com/stefan.schostok war eine aktive Beteiligung am Stadtgespräch möglich. Weitere Infos zum Kongress finden sich unter www.stefan-schostok.de í

JUSO-HOCHSCHULGRUPPEN ON TOUR
Halt auch in der Universitätsstadt Oldenburg
Vom 3. bis 28. Juni fuhr der Bundesverband der Juso-Hochschulgruppen mit einem eigenen Tourbus durchs Land und machte in 40 Uni-Städten Station. Jeder Stopp wurde begleitet durch ein buntes Programm mit Spielen und (Protest-) Aktionen, Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen. Der Tourbus war extra für die Hochschultour umgebaut und mit Lounge sowie mobiler Bar ausgestattet. Er war gestaltet im auffälligen Design des SPD-Jugendwahlkampfs und trug den Kampagnenclaim »Zeit. Für dich. Für Gerechtigkeit.«. Neben einem Stopp in Hannover präsentierten sich die Jusos am 24. Juni 2013 auch in der Universitätsstadt Oldenburg. Gemeinsam mit dem dortigen SPD-Bundestagskandidaten Dennis Rohde und den örtlichen Jusos wurde in der Innenstadt über Ziele und politische Angebote der SPD für junge Leute informiert. Mit der Kampagne »Zeit. Für dich. Für Gerechtigkeit.« präsentieren Jusos und Juso-Hochschulgruppen ihre Kernthemen im Jugendwahlkampf: bezahlbarer Wohn-

raum auch für junge Leute, Stärkung des BAföGs sowie weniger Zeit- und Leistungsdruck in Studium und Job. Zu den Themen des Jugendwahlprogramms gehören auch gleicher Lohn für Frauen und Männer, eine doppelte Staatsbürgerschaft ohne Kompromisse sowie eine stärkere Besteuerung von Besserverdienenden. í

Gemeinsam mit dem Bundestagskandidaten Dennis Rohde (rechts) warben die Jusos in Oldenburg für mehr soziale Gerechtigkeit. Foto: privat

VIII NIEDERSACHSEN

07|08/2013

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WENN ARBEIT KRANK MACHT
Auf Einladung des »AK Christinnen und Christen in der SPD Niedersachsen« sprach der Sozialethiker Prof. Gerhard Wegner zum Thema »Wenn Arbeit krank macht«. In seinem anregenden Vortrag zeigte der Referent Linien und Entwicklungen von Luther bis in die Gegenwart auf. Sein historischer Vergleich von den Folgen harter körperlicher Arbeit bis zur subtilen Selbstausbeutung heutiger Arbeitswelten mündete in eine angeregte Diskussion. Vor allem der von Prof. Wegner skizzierte Übergang von einer »Kommandokultur in die Selbstorganisation der Arbeitswelt« veranlasste die Anwesenden, sich mit eigenen Erfahrungen einzubringen. Eine wichtige Aufgabe im Zusammenspiel von Gewerkschaften, Arbeitgebern und jedes Einzelnen ist das Erkennen von Grenzen, das Lernen mit der Flexibilisierung der Arbeitswelt zu leben und die neugewonnenen Räume von Freiheit selbst zu organisieren. Hierbei spielen starke Gewerkschaften eine zentrale Rolle. Am Ende war man sich einig, dass ein Zurück zur alten Kommandostruktur nicht wünschenswert ist, aber die Arbeitssouveränität mit klaren Regelungen und mit dem Umgang von Entgrenzung sowie Entgrenzungsformen ausgestattet sein muss. í

Begrüßt wurde Prof. Dr. theol. Gerhard Wegner (Mitte) von Claus Peter Poppe MdL (rechts), Mitglied im Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD Niedersachsen, sowie von Rainer Spiering, Bundestagskandidat im Landkreis Osnabrück. Foto: SPD Niedersachsen

INKLUSION – WEGE ZUR UMSETZUNG
AfB-Workshop befasste sich mit Problemen und Perspektiven
»Es ist interessant, welche Probleme und Ängste es selbst in Runden gibt, die sich schon sehr lange mit diesem Thema beschäftigen.« Mit diesen Worten unterstrich Elke Tonne-Jork, die niedersächsische Landesvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB), in ihrer Begrüßung die Notwendigkeit für die Durchführung des Workshops zur Umsetzung der Inklusion an niedersächsischen Schulen. AfB-Bundesvorsitzender Peter Befeldt erläuterte die unterschiedliche Lage in den einzelnen Bundesländern. So hätten die Eltern in Bremen schon seit Jahren das Recht zu entscheiden, welche Schule ihre Kinder mit Behinderung besuchen. Und Reinhard Fricke, Schulleiter an der OswaldBerkhan-Schule in Braunschweig, erklärte: »Wir haben in Deutschland keine Tradition, die man inklusiv nennen könnte.« Es reiche deshalb nicht, die bislang »selektiv denkenden Schulen einfach umzubenennen«. Den breiten parlamentarischen Konsens, den es bei der Verabschiedung des Landesgesetzes im Jahre 2012 gegeben habe, gelte es jetzt mit Leben zu erfüllen. Auch Ulrich Markurth, Braunschweiger Stadtrat für Soziales und Bildung, betonte, dass es sich bei der Inklusion um ein gesellschaftliches Thema handle, »das in allen Köpfen beginnen muss«. Im Augenblick sei sogar zu fragen, ob die Inklusion überhaupt von einer Mehrheit der Bevölkerung gewünscht werde. »Jedem Kind nach seinen Möglichkeiten« – aus einem solchen Anspruch leite sich eigentlich sogar die Forderung nach einer Einheitsschule ab, die aber mehrheitlich derzeit nicht durchsetzbar sei.Die Erwartungen an die Landesregierung seien immens. Das gesetzlich vorgegebene Ziel, bis 2018 alle Schulen inklusiv zu gestalten, sei vermutlich nicht zu schaffen. MdL Christoph Bratmann zeigte sich dennoch guten Mutes. »Egal, welche Vorbehalte und Schwierigkeiten es gibt – die Inklusion wird kommen«, war er sich sicher. Aber auch Bratmann gestand ein, es gebe viele Ängste und man müsse die Inklusion vorsichtig vorantreiben. »Wir wollen keinen Umbruch, sondern einen Prozess, in dem wir die Menschen mitnehmen und überzeugen können.« Für inklusive Schulen stünden im kommenden Schuljahr 150 zusätzliche Lehrer/ innen sowie weitere Stunden für pädagogische Mitarbeiter/innen zur Verfügung. Mehr würde der Haushalt des Landes zurzeit nicht hergeben. Der Nachmittag der Veranstaltung stand für Arbeit in Arbeitsgruppen zur Verfügung. Alle Ergebnisse sollen demnächst über die Internetseite des AfBLandesverbandes veröffentlicht werden. í

Die AfB-Landesvorsitzende Elke Tonne-Jork eröffnete den Workshop und leitete die Diskussion im Plenum. Foto: SPD Niedersachsen

GLÜCKWÜNSCHE ZUM HUNDERTSTEN
Northeimer Genossen zu Gast in Österreich
Kommunalpolitisches

ASG-LANDESAUSSCHUSS KONSTITUIERTE SICH
Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) trafen sich kürzlich in Hannover, um einen so genannten ASG-Landesausschuss zu konstituieren. Medizinstudent Andreas Hammerschmidt aus Hannover wurde zum Sprecher des ASG-Landesausschusses benannt. Seine Stellvertreter sind Wilhelm Drabke (Hannover) und Gert Hasslöver (Weser-Ems). Vorgeschlagen wurde, sich möglichst schon im Bundestagswahlkampf mit einer Veranstaltung einzubringen. Als denkbares Thema wurde die Bürgerversicherung genannt. Vereinbart wurde ein VierteljahresRhythmus für die Treffen des ASG-Landesausschusses. Nächster Termin: Samstag, 10.08.2013, 11.00 Uhr, Kurt-SchumacherHaus, Hannover. í

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Zu einem dreitägigen Besuch machten sich 26 Mitglieder der Northeimer SPD auf in das oberösterreichische Gallneukirchen. Anlass waren die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der SPÖ in der Partnerstadt. In einem Interview im Rahmen der Festveranstaltung stellte der Ortsvereinsvorsitzende Simon Hartmann die Northeimer SPD vor, ging auf die 150-jährige Geschichte der deutschen Sozialdemokratie ein und gab einen Ausblick auf die anstehenden Bundestagswahlen am 22. September. »Unsere Delegationsteilnehmer haben sich besonders über das Gespräch mit dem österreichischen Bundesgesundheitsminister Dr. Alois Stöger, einem Gallneukirchner, gefreut«, berichtet Simon Hartmann.

Auf dem Festakt mit mehreren hundert Gästen konnte Dr. Martin Seidl, Vorsitzender der SPÖ Gallneukirchen, zahlreiche Prominente aus der österreichischen Landes- und Bundespolitik begrüßen. Ein besonderes Schmuckstück mit hohem Informationswert ist die eigens angefertigte über einhundert Seiten umfassende Festschrift zum Jubiläum. Ein weiteres tolles Geschenk haben sich die österreichischen Jubilare selbst gemacht: Aus Anlass des Jubiläums wurde eine Sonderbriefmarke gedruckt, die im Rahmen des Festakts erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. í Einen Bilderrückblick auf die Feierlichkeiten findet ihr im Internet unter: www.gallneukirchen.spoe.at

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