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Informationsblatt für Tiroler Europäerinnen und Europäer

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In Vielfalt geeint!

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Kultur bewegt und verbindet

er Wahlspruch der Europäischen Union bezieht sich zu Recht auf die k ­ ulturelle Einzigartigkeit unseres Kontinents. Vielfalt stellt gleicher­ ­ maßen eine Herausforderung und eine Bereicherung dar. Kultur verbindet über soziale und sprachliche Barrieren hinweg. Im Zeitalter der Globalisierung verlieren Gren­ zen ihre Bedeutung. Initiativen wie die „Kulturhaupt­ städte Europas“ oder der „Europäische Tag der Spra­ chen“ bringen die Unionsbürger einander näher.  n

Ich bin der Meinung
Landeshauptmann Günther Platter

Liebe Tirolerinnen und Tiroler!
Mehr oder weniger kennt es jeder: Man sieht ein Bild, und es lässt einen nicht mehr los; man hört eine Melodie und hat sie im Kopf. Kunst kann ergreifen, anregen, faszinieren, bewegen – und das nicht nur den Einzelnen. Kunst hat die Kraft, die Entwicklung der Gesellschaft anzustoßen und weiterzubringen. Ein Beispiel gefällig? 1948 kam es wegen der als zu modern angesehenen Fresken von Max Weiler in der Theresienkirche in Innsbruck zu einem Skandal. Heute gelten die Fresken als eines der bedeutendsten und ungewöhnlichs­ ten kirch­ lichen Kunstwerke Österreichs im 20. Jahrhundert.

Europäische Kulturpolitik
Graz, Kunsthaus Marseille, Museum für europäische Zivilisationen

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Linz, Lentos

Und was hat die EU mit Kultur zu tun? Zum einen unterstützt und ergänzt sie nationale und regionale Kulturpolitiken, etwa durch die Förderung wertvoller Filmproduktionen oder ­ Veranstaltungsprojekte. Zum anderen betreibt sie Kulturpolitik als Querschnittsaufgabe, etwa durch internationale Abkommen über kultu­ relle Dienstleistungen. Solche Abkommen bedürfen der Einstimmigkeit, wenn sie die kulturelle ­ ­ Vielfalt der Union beeinträchtigen könnten. Dies gilt auch für das geplante Freihandels­ abkommen zwischen der EU und den USA. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kultur kein n ­ ormales Handelsgut ist und die Erhaltung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt eine ­ vorrangige Aufgabe der öffent­ lichen Hand ­ darstellt. Deswegen ist es zu begrüßen, dass der Kultur- und Mediensektor aus dem Verhandlungsmandat der Kommis­ sion für dieses Freihandelsabkommen ausge­ nommen wurde. Bestehende Kulturförderun­ gen müssten sonst als marktverzerrend gestrichen werden, und Hollywood-Filmen müssten dieselben Chancen auf EU-Förde­ rung eingeräumt werden wie europäischen Filmen.

Europäische Kulturhauptstädte

er EU-Kulturpolitik liegt ein Kultur­ verständnis auf drei Ebenen zugrunde: Das gemeinsame kulturelle Erbe Europas, das als identitätsstiftend verstanden wird, die nationale sowie die regionale Vielfalt an Kulturen. Aus diesem breiten Spektrum ergibt sich ein Spannungsverhältnis, in dem sich das kulturpolitische Arbeiten der Union bewegt. Die EU hat sich dazu verpflichtet, die europäische Vielfalt an Kulturen zu wahren, indem sie die nationale Identität der Mitgliedstaaten schützt und durch die Anerkennung von regionalen Kulturen auch die Rechte von Minderheiten betont, welche grundrechtlich verankert sind.

Die kulturpolitische Tätigkeit der Union umfasst demgemäß drei Bereiche
Sie fördert die Zusammenarbeit der Mit­ gliedsstaaten (Koordinierungskompe­ tenz), unterstützt die Tätigkeiten der Mit­ gliedstaaten (Unterstützungskompetenz) und ergänzt diese durch eigene Aktivi­ täten (Ergänzungskompetenz). Dies ver­ deutlicht, dass den Mitgliedstaaten die primäre Verantwortung zukommt, die EU arbeitet parallel und komplementär dazu. Weiters sind die Mitgliedstaaten ver­ pflichtet, mit Drittstaaten oder einschlä­ gigen internationalen Organisationen zu­ sammenzuarbeiten, wobei die UNESCO und der Europarat als besonders relevant angesehen werden.

Fördermaß­ nahmen ergreifen: Der Rat kann nicht rechtsverbindliche Empfehlun­ gen erlassen, in der Praxis hingegen kon­ zentriert sich die EU auf finanzielle Förderungen.

Die Kulturpolitik der Union verfolgt vier Ziele
Wissen zur nationalen sowie regionalen Kultur und zur Geschichte der europäi­ schen Völker soll verbreitet und kulturel­ les Erbe geschützt werden. Des Weiteren sollen der nichtkommerzielle Kulturaus­ tausch sowie kommer­ zielles

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ie Initiative der Europäischen Kulturhauptstädte geht in ihren Anfängen auf das Jahr 1985 zurück. Sie hat sich seitdem zu einer der hochrangigsten und prestigeträchtigsten Veranstaltungen in Europa entwickelt. Nur der Ministerrat der EU ist berechtigt, den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu verleihen, der heuer an die beiden Städte Kosice (Slowakei) und Marseille (Frank­ reich) ging.

Tirol ist ein Land mit einem vielfältigen künst­ lerischen und kulturellen Angebot, ein Land, in dem Traditionelles und Zeitgenössisches eine fruchtbare Verbindung eingehen. Unser Kulturerbe, aber auch die modernen kultu­ ­ rellen Äußerungsformen sind Ausdruck leben­ diger Tiroler Identität. Die Förderung dieser kulturellen Vielfalt ist deshalb ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Tirol. Darüber hinaus verstärkt unser Kultur­ reichtum das touristische Potenzial unseres Landes. Dass die expressionistischen Landschaftsbilder von Alfons Walde Tirol als ­ Wintersportland international berühmt machten, ist bekannt, dass er Preise des ­ Tiroler Landesverkehrsamtes, eines Vorläufers ­ der Tirol Werbung, gewann, weniger.
IMPRESSUM   MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER: Land Tirol, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen; REDAKTIONS­ TEAM DIESER NUMMER: Caroline Amann, Karin Greiderer, Wolfger Mayrhofer, Johanna ­ Ransmayr, Michaela Staudigl; REDAKTIONSLEITUNG: Fritz Staudigl; ­ INTERNET: www.tirol.gv.at/europa; DRUCK: Landeskanzlei­ direktion; ALLE: Landhaus, 6020 Inns­ bruck. LAYOUT und GRAFIK-DESIGN: John Walton, ­ 6020 Aldrans. Druckvorstufe: Werner Nieder­ kircher, nuovoline.at. ERKLÄRUNG DER GRUNDLEGENDEN RICHTUNG: Information über für ­ Tirol wichtige Aspekte der Europäischen Union.

Erste Kulturhauptstadt war 1985 Athen, Graz und Linz waren 2003 und 2010 Titelträger. Um die neu hinzugekomme­ nen EU-Staaten einzubinden, werden von 2009 bis 2019 jährlich je eine Stadt aus einem alten und einem neuen Mitglied­ staat ernannt. Seit 2005 dürfen auch europäische Drittländer teilnehmen – Istanbul und Kiew waren bereits Kultur­ ­ hauptstädte. Das Prädikat „Kulturhauptstadt“ gibt es nicht nur für das bereits bestehende kulturelle Erbe. Vielmehr geht es darum, ein attraktives Programm für ein außerge­ wöhnliches Jahr auf die Beine zu stellen. Dieser Anspruch begünstigt eine Neuund Umgestaltung der Städte, das kulturelle Leben erhält neue Vitalität, die internationale Bekanntheit wird gesteigert und Touristen angezogen. Für die Auswahl der Städte sind die Gastgeberländer verantwortlich. Spätes­ tens vier Jahre im Voraus müssen die Regierungen der Gastgeberländer dem Europäischen Parlament, dem Rat, der

Kommission und dem Ausschuss der Regionen die Bewerbung einer oder mehrerer Städte vorlegen. Die interessier­ ten Städte können dann ihre Bewerbung bei den nationalen Behörden einreichen. Die Auswahl wird von einer Expertenjury getroffen. Im kommenden Jahr werden Umea in Schweden und Riga in Lettland Kulturhauptstädte sein. Die Reihenfolge der Städte wurde bis 2016, jene der Gastgeber bereits bis 2019 von Rat und Kommission festgelegt. Die Bewerberländer müssen abgesehen von einem hochwertigen kulturellen Programm, eine kontinuierliche Beteili­ gung am künstlerischen und kulturellen Leben Europas nachweisen. Bei den Auswahlkriterien wird auch besonders darauf geachtet, die Zusammenarbeit zwischen KulturakteurInnen, Künstlern und Städten aus dem Gastgeberland und anderen EU-Ländern zu fördern. Die in der Stadt und der Umgebung lebenden BürgerInnen sollen zudem in das Programm eingebunden werden. Die Initiative Kulturhauptstädte trägt wesentlich dazu bei, dass Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern mit anderen Kulturen in Kontakt treten. Das fördert das gegenseitige Verständnis und stärkt die europäische Bürgerschaft. Links:

In jüngster Zeit wird Kultur immer häufiger als eigenständiger Schwerpunkt politi­ scher Ausrichtung betrachtet, der unzählige gesellschaftliche und wirtschaft­ liche Vorteile bietet. Einer unlängst im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführten Studie zufolge beträgt der Anteil des Kultursektors in den 30 EU/ EWR-Mitgliedstaaten schätzungsweise 2,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Die gleiche Studie hob auch den indirekteren Beitrag der Kultur zur europäischen Wirtschaft hervor, insbesondere die starke Korrelation zwischen Kultur und Kreativität einerseits sowie Innovation und Wirtschaft andererseits. Der Kultursektor spielt insbesondere im Rahmen der Europa2020-Strategie, der Strategie für intelli­ gentes, nachhaltiges und integratives Wachstum, eine wichtige Rolle. Europa hat sich dabei zum Ziel gesetzt, gestärkt aus der Wirtschafts- und Finanzkrise hervorzugehen. Die Prioritäten dieser Strategie werden von verschiedensten Kulturprogrammen aufgenommen.

http://ec.europa.eu/culture/ our-programmes-and-actions/capitals/ european-capitals-of-culture_de.htm n

Schaffen (künstlerisch, literarisch, audiovisuell) gefördert werden. Dabei wird der Begriff ‚Kultur‘ nicht strikt definiert, sondern vielmehr als variabler Kontext verstanden. Schwerpunkte der Aktivitäten sind unter anderem die europäi­ sche Kulturagenda, die Ziele wie interkulturellen Dialog oder Kultur als Teil von internationalen Beziehungen beinhaltet, der Schutz von Kulturgütern, die europäische Filmproduk­ tion, audiovisuelle Medien und die Verleihung von Kulturprei­ sen. Zur Realisierung eben dieser Ziele kann die Union unter Ausschluss jeglicher Rechtsharmonisierung

                  Die kultur                  politischen                  Aufgaben und                  Ziele werden                 auch als                    Querschnitts               aufgabe              verstanden
Alle Unionspolitiken müssen in ihrem Tun kulturelle Aspekte beachten. Zudem sind Internationale Abkommen über kulturelle Dienstleistungen Gegenstand der gemeinsamen Handelspolitik und ihre Bedingungen somit rechtlich festgelegt. Im Falle von Aktivitäten, die die kulturelle Vielfalt der Union beeinträchtigen könnten, wird Einstimmigkeit im Rat benötigt. Auf nationaler Ebene hingegen können vom europäischen Recht abweichende Tätigkeiten gerechtfertigt werden, wenn sie nationale oder regionale kulturelle Aspekte betreffen. Hier verdeutlicht sich einmal mehr das eingangs erwähnte Spannungsverhältnis. Links: http://ec.europa.eu/culture/index_de.htm http://ec.europa.eu/dgs/education_ culture/index_de.htm n

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EUinfo

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Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Die kulturelle Identität Europas ist im Wesentlichen in der griechischen Philo­ sophie, den jüdisch-christlichen Wurzeln, dem römischen Recht und dem Gedan­ kengut der Aufklärung begründet. Darin hat auch die Idee der Menschenrechte, wie sie in der EU-Grundrechtecharta ver­ ankert sind, ihren Ursprung. Diese kultu­ relle Einheit Europas ist jedoch im Zeitver­ lauf eine Einheit in großer Vielfalt. Die Vielfalt findet in verschiedenen Kunst­ formen, wie Malerei, Literatur, Architektur, Musik und Tanz, ihren Ausdruck. Die Unterschiede werden jedoch nicht als trennend, sondern als Bereicherung empfunden. Wie sonst ist es möglich, dass ­ Menschen aus allen Kontinenten bevorzugt Europas Städte als kulturelle Brennpunkte besuchen. Die EU fördert diese Vielfalt durch Programme, sei es in den Bereichen Mobilität vor allem für Jugendliche, den Städtepartnerschaften, den Regional­ förderprogrammen und natürlich dem EU-Kulturprogamm, für das von 2014 bis ­ 2020 eine neue Förderperiode beginnt. Kultur ist Teil unseres Lebens, jeden Tag, in jeder Situation. Sie ist kein Luxusartikel, den man passiv konsumiert. Sie fordert zu Gestaltung, zu Kommunikation und zu Bereitschaft zum Dialog auf. Kunst und Kultur stiften nicht nur Identität, Gemein­ schaft und soziale Kohäsion, sondern haben auch einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die EU hat deshalb in ihrer Kulturagenda die Förde­ rung der Kultur als Katalysator für Kreativi­ tät im Rahmen der Strategie für Wachs­ tum, Beschäftigung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sowie als wichtigen Bestandteil ihrer internationalen Beziehun­ gen aufgenommen. Die EU fördert den kulturellen Dialog, dennoch zeigen sich immer wieder ­ Bruchstellen: Nicht immer sind wir bereit, ­ anderen Kulturen Interesse und Toleranz entgegen zu bringen. Schnell fühlen wir uns bedroht und ziehen uns in die Festung Europa zurück. Dabei werden wir ­ angesichts der Globalisierung und der demografischen Entwicklung umdenken müssen. Angst vor dem Verlust der kulturellen Identität und vor Migranten aus ­ Ländern des Südens, in denen Europäer teilweise eine blutige Kolonialherrschaft ausübten, ist sicher der falsche Weg. Menschen aus unterschied­ ­ lichen Kulturen werden unser Leben p ­ rägen und mitge­ stalten, diese Heraus­ forderung gilt es anzunehmen. Hier hat die EU noch einiges aufzuarbeiten, gut zu machen und Perspektiven zu entwickeln. ­ Ihr Fritz Staudigl

Die Fähigkeit, in mehreren Sprachen zu kommunizieren, ist von großem Nutzen sowohl für Einzelne als auch für Organisationen und Unterneh­ men. Sie verstärkt die Kreativität, überwindet kulturelle Vorurteile, fördert das Denken abseits der ausgetretenen Pfade und kann bei der Entwick­ lung innovativer Produkte und Dienstleistungen helfen.
Leonard Orban, ehemaliger Kommissar für Mehrsprachigkeit

Die Europäische Union – Ein Mekka der Sprachen und Kulturen
In Vielfalt geeint“, so lautet das Motto der Europäischen Union. Mit ihren 28 Mitgliedstaaten ist sie reich an Sprachen und Kulturen. Durch den Beitritt Kroatiens gibt es in der EU nunmehr 24 Vertrags-, Amts- und Arbeitssprachen, welche im Primär- und Sekundärrecht der Union verankert sind. Dass sich die Anzahl der Sprachen nicht mit der Anzahl der Mitgliedstaaten deckt, liegt daran, dass in manchen Mitglied­ staaten dieselben Sprachen gesprochen werden. Neben den 24 offiziellen Sprachen werden zudem mehr als 60 verschiedene Regional- oder Minderheitensprachen gesprochen. erfolgen. Für die Regionalsprachen Baskisch, Galizisch, Katalanisch und Walisisch wurden Sonderregelungen getroffen. Mit finanzieller Unterstützung durch die betroffenen Mitgliedstaaten wird so die Sprachenvielfalt auf Unions­ ebene ausgebaut. Um der Wichtigkeit der Mehrsprachigkeit Ausdruck zu verleihen, wurde das Jahr 2001 von der EU und dem Europarat gemeinsam zum Europäischen Jahr der Sprachen ausgerufen. Mit dreihundert verschiedenen Projekten wurden die Bürgerinnen und Bürger animiert, sich intensiv dem Spracherwerb zu widmen. Die Vertiefung des Bewusstseins für die europäische/n Kultur/en und die Förde­ rung des lebenslangen Lernens standen im Mittelpunkt. Damit der sprachliche Reichtum auch weiterhin im Blickpunkt der Öffentlichkeit präsent bleibt, wurde der Aktionstag „Europäischer Tag der Sprachen“ ins Leben gerufen. Der 26. September steht seither im Zeichen der kulturellen und sprachlichen Vielfalt. Er ist europaweit Anlass für zahlreiche Veranstaltungen, welche die Förderung der Mehrsprachigkeit zum Inhalt haben. Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend. Viele Politikfelder der EU sind eng mit Sprache und Kultur verbunden. So spie­ len neben Bildung auch wissenschaftli­ che Forschung, Förderung von Informa­ tions- und Kommunikationstechnologien sowie Sozialpolitik und regio­ nale Ent­ wicklung eine tragende Rolle in diesem Bereich. Das Erkennen und Nutzen von Querschnittsbereichen ist daher uner­ lässlich. Möglichkeiten für das Erlernen von Sprachen und das Kennenlernen neuer Kulturen bieten sich viele. Die allgemei­ nen und beruflichen Bildungsmaßnah­ men, die im Rahmen der europäischen Programme in Anspruch genommen werden können, beinhalten Förderungs­ möglichkeiten für Schüler, Studierende, Auszubildende und Menschen mit abgeschlossener Ausbildung. Entschließt man sich für einen Auslands­ aufenthalt, kann man diesen nach persönlichen Wünschen gestalten: Ein Studienaufenthalt, ein Praktikum, eine berufsbegleitendende Fortbildung oder der Aufbau eines multilateralen Projekts können gefördert werden. Neu ist der Europäische Freiwilligendienst im Rahmen des Programms „Jugend in Aktion“. Dieser bietet jungen Menschen die Gelegenheit, zwei bis zwölf Monate in einem anderen Land innerhalb oder außerhalb der EU zu verbringen. Denn auch wenn man seine Sprach­ kenntnisse durch Kurse im Heimatland verbessern kann, bietet doch nur ein Auslands­ aufenthalt die Möglichkeit, ganz in Sprache und Kultur einzutauchen. Die Europäische Kommission ist stets bemüht, innovative Konzepte aufzugrei­ fen. So hat sie im Juni ein neues Pilotprojekt auf den Weg gebracht, welches die Kommunikation zwischen gehörlosen und schwerhörigen Men­ schen und den Europäischen Institutio­ nen verbessern soll.

Die Charta der Grundrechte der Europäi­ schen Union schützt explizit die Erhal­ tung und Entwicklung der gemeinsamen europäischen Werte unter Achtung der bestehenden Kulturen und Traditionen. Seit dem Inkrafttreten des Reformver­ trags von Lissabon im Jahre 2009 kommt der Charta die gleiche Rechtsverbindlich­ keit zu wie den Verträgen. So ist nun unionsrechtlich verankert, dass niemand aufgrund seiner ethnischen oder sozialen Herkunft, seiner Sprache oder seiner Religion diskriminiert werden darf, und die kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt zu respektieren ist. Der Grundsatz der Sprachenvielfalt wird auch von den EU-Institutionen berück­ sichtigt. So hat jede/r Unionsbürger/in das Recht, sich schriftlich in einer der 24 Amtssprachen an die Organe der Union, das sind das Europäische Parlament, der Europäische Rat, der Rat, die Europäische Kommission, der Gerichtshof der Europäischen Union, die Europäische Zentralbank und der Rechnungshof, sowie an den Wirt­ schafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zu wenden. Die Antwort muss in derselben Sprache

Auch das ist gelebte Vielfalt und Interkul­ turalität und zeigt, dass noch viel getan werden kann, um Schranken ab- und Brücken aufzubauen. n

Mit rund 500 Millionen Einwohnern ist die Vertiefung der Mobilität und der interkulturellen Verständigung wich­ ­ tiger Bestandteil der EU-Programme und trägt maßgeblich zum Ausbau und zur ­ Erhaltung der Wettbewerbsfähig­ keit Europas bei. Die Beherrschung von Fremdsprachen ist eine bereichernde Erfahrung, ermöglicht sie uns doch, Be­ kanntschaft mit Menschen anderer Kultu­ ren zu schließen. 2004 wurde zum ersten Mal eine ausdrückliche Verantwortlichkeit für die Mehrsprachigkeit in den Zustän­ digkeitsbereich eines EU-Kommissars aufgenommen. Heute ist Kommissarin Androulla Vassiliou zuständig für B ­ ildung,

Bulgarisch: Единство в многообразието Dänisch: Forenet i mangfoldighed Deutsch: In Vielfalt geeint Englisch: United in diversity Estnisch: Ühinenud mitmekesisuses Finnisch: Moninaisuudessaan yhtenäinen Französisch: Unie dans la diversité Griechisch: Ενωμένοι στην πολυμορφία Irisch: Aontaithe san éagsúlacht Italienisch: Uniti nella diversità Kroatisch: Ujedinjeni u različitosti Lettisch: Vienoti daudzveidībā Litauisch: Suvienijusi įvairovę Maltesisch: Magħquda fid-diversità Niederländisch: In verscheidenheid verenigd Polnisch: Zjednoczeni w różnorodności Portugiesisch: Unidade na diversidade Rumänisch: Unitate în diversitate Schwedisch: Förenade i mångfalden Slowakisch: Zjednotení v rozmanitosti Slowenisch: Združeni v različnosti Spanisch: Unida en la diversidad Tschechisch: Jednotná v rozmanitosti Ungarisch: Egység a sokféleségben

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EUinfo

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Stift Stams

Kulturreich – Die vielen Gesichter der Europaregion

Pyramiden von Gizeh

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as Wissen um die gemeinsamen kulturellen Wurzeln und das Wertschätzen der kulturellen Vielseitigkeit sind Antrieb für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft unserer Landesteile. Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino fördert den kulturellen Austausch aktiv. Über Veranstaltungen, laufende Projekte und Kulturtipps informiert www.europregion.info

Homepage der Europaregion www. europaregion.info zeigt deren Vielfältig­ keit: Angefangen vom Gesamt­ tiroler Museumstag über den grenzüberschrei­ tenden Jugendmusikwettbewerb „Prima la Musica“ bis hin zum Bandwettbewerb „Upload“. Alle Projekte sind fixer Bestandteil der kulturellen Vernetzung der Europaregion.

sowie rechtliche Grundlagen für das aktive Erleben der Europaregion in Wort, Bild und Ton vorgestellt. Tipps zu bedeutsamen Kulturstätten und Portraits von Kulturschaffenden findet man gleich auf der Startseite unter der Rubrik „Blickwinkel“: Ein virtueller Besuch in das Stift Stams wird ebenso angeboten wie ein Kulturwanderweg zum Schloss Tirol oder ein Interview mit der Südtiroler Landesschuldirektorin und Mitorganisatorin von „Prima la Musica“, Irene Vieider. n

Das muss man gesehen haben!

Initiativen im Kulturbereich sind fester Bestandteil der Arbeit des gemeinsamen Büros der Europaregion. Ein Blick auf die

Einen neuen Service bietet die Europa­ region-Homepage: Jeden Monat werden Europaregion-weit herausragende Persönlichkeiten, einladende Ausflugs­ ziele mit Bedeutung für Gesamttirol

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inen Tourismus im heutigen Sinn kannte die Antike nicht. Es gab aber viele Anlässe, um auf Reisen zu gehen – wenngleich nicht immer freiwillig. Im Rahmen der Kriegszüge kamen auch ärmere römische BürgerInnen in weit entfernte Gebiete. Den Armeen folgten gewöhnlich Händler und Prostituierte. Verwaltungsbeamte mussten sich ebenfalls oft auf den Weg in die Ferne machen, um einen Dienstposten anzutreten, Botschaften zu übermitteln oder als Gesandte bei fremden Herrschern vorzusprechen. Erst unter hellenistischem Einfluss wurde es modern, zu Studienzwecken zu verreisen: Besichtigungen von bedeutenden Kulturstätten und Naturwundern sowie Pilgerreisen zu Wallfahrtsorten wurden immer belieb­ ter. Vielleicht wünschte sich mancher, die sieben Weltwunder zu besuchen.

von Babylon. Diese wurden im 3. Jhd. n. Chr. durch den Leuchtturm von Pharos ersetzt. Wichtig war wohl die Zahl sieben als heilige und vollkomme­ ne Zahl: Sieben – die Zahl des Apoll, des Gottes der Künste.

durch Erdbeben und Kriege zerstört oder verfielen im Laufe der Zeit. Trotzdem haben die sieben Weltwunder bis heute ihren magischen Reiz nicht verloren. Könnte man sie besichtigen, wären sie sicher ein willkommenes Ziel des modernen Tourismus. Der griechische Autor Philon von Byzanz gab diesbezüglich schon im 2. Jhd. v. Chr. folgenden tröstlichen Rat, der heute noch Gültigkeit besitzt: „Der eine ist zu den Orten gekommen, hat sie einmal gesehen, ist abgereist und hat sie schon vergessen. Der andere jedoch erforscht das Staunenswerte durch mein Wort, betrachtet das ganze Kunstwerk wie in einem Spiegel und bewahrt so die Merkmale dieser Bilder unauslöschlich; mit der Seele nämlich hat er die Wunder geschaut". n

Die Sieben Weltwunder als Reiseziel
Zu den antiken sieben Weltwundern zählen heute die hängenden Gärten der ­ Semiramis zu Babylon, der Koloss von Rhodos, das Grab des Königs Mausolos II. zu Halikarnassos, der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria, die Pyramiden von Gizeh in Ägypten, der Tempel der Artemis in Ephesos und die Zeus-Statue des Phidias von Olympia. Lediglich die Pyramiden von Gizeh existieren heute noch, die anderen Weltwunder wurden

Einladung zum Gesamt­ tiroler Museumstag 2013: ­Zugehörigkeit. Vielfalt. Identität.
Am 4. Oktober 2013 findet in der Innsbrucker Hofburg die diesjährige Auflage des Gesamttiroler Museums­ tages statt. Sie steht ganz im Zeichen des Jubiläums „650 Jahre Tirol bei Österreich“.

Abt German Erd lädt zu einem virtuellen Rundgang durch das Stift Stams ein!
Das Stift Stams, ein Kloster des Zisterzienserordens, ist ein bedeuten­ des spirituelles und kulturelles Zentrum des Oberinntals.

Lerne die Persönlichkeit des Monats, Irene Vieider, und ihren persönlichen Zugang zur Europaregion kennen!
Irene Vieider gibt Einblick in die Hintergründe des Jugendmusikwett­ bewerbes „Prima la Musica“ und in die tief verankerten musikalischen Verbindungen innerhalb der Europa­ region.

Bereits um 450 v. Chr. berichtet Herodot von einer Liste von Weltwundern
Die erste Liste der sieben Weltwunder, also von besonders sehenswerten Gebäuden oder Standbildern, stellte der phönizische Schriftsteller Anti­ patros von Sidon zusammen. Er schrieb im 2. Jhd. v. Chr. einen Reiseführer des großgriechischen Raumes. Darin schien die Akropolis allerdings nicht auf, da diese jedem/r GriechIn bekannt war. Die Zeus-Statue aus Olympia fand jedoch Eingang in die Liste. Der Turm zu Babel fehlt, weil er zu jener Zeit bereits verfallen war. Dafür enthielt diese Liste noch die Mauern

Ephesos Olympia Halikamassos Rhodos Babylon Alexandria Gizeh

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EUinfo

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Schon gewusst?
Auch das Europäische Parlament befasst sich intensiv mit Kulturpolitik. Der Ausschuss für Kultur und Bildung ist zuständig für die kulturellen und bildungspolitischen Aspekte der Europäischen Union, insbesondere für die Verbesserung der Kenntnis und Verbreitung der Kultur, den Schutz und die Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt, die Erhaltung und den Schutz des kulturellen Erbes, den Kulturaustausch und das künstlerische Schaffen. Außerdem beschäftigt sich der Ausschuss mit der Zusammenarbeit mit Drittländern in den Bereichen Kultur und Bildung sowie mit den Beziehungen zu einschlägigen internationalen Organisationen.

Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe/ Europa-Nostra-Preis 2013
Der Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe, Europa-Nostra-Preis, wird seit 2002 gemeinsam von Europa Nostra, einer europäischen nicht-staatlichen Denkmalschutzorganisation, die sich für Belange des kulturellen Erbes einsetzt, und der Europäischen Kommission organisiert. Gefördert werden die Kulturerbepreise durch das EU-Programm „Kultur” sowie durch andere von der EU finanzierte Programme. Die diesjährige Preisverleihung fand am 16. Juni in Athen statt. Anwesend waren der griechische Präsident Karolos Papoulia, Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend und Plácido Domingo, Präsident von Europa Nostra. Im Rahmen der Veranstaltung wurden 30 Gewinner aus rund 200 Projekten aus 30 Ländern in den vier Kategorien Erhaltung, Forschung, besonderes Engagement und Bildung, Fortbildung und Sensibilisierung gewürdigt. Die Bewertung erfolgt durch Fachjurys aus unabhängigen Sachverständigen aus ganz Europa. Alle Gewinner erhalten eine Gedenktafel, die Gewinner der sieben Hauptpreise zusätzlich je 10.000 Euro. Die Gewinner der Hauptpreise sind: Römisches Theater Medellín, Spanien Strawberry Hill, Twickenham, Vereinigtes Königreich Restaurierung der Spezialmaschinen der Brauerei Wielemans-Ceuppens, Brüssel, Belgien Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern e.V., Berlin, Deutschland Projekt SOS Azulejo, Loures, Portugal Komitee für die Restaurierung der Akropolis-Denkmäler Der Publikumspreis erging an das Propylaea Hauptgebäude in Athen. Die nächstjährige Preisverleihung des Europäischen Kulturerbepreises wird am 5. Mai 2014 in Wien stattfinden. Bewerbungen können bis zum 9. September 2013 eingereicht werden. http://www.europanostra.org/
P.b.b. Aufgabepostamt 6020 Innsbruck - Zlnr. 03Z035157 M

Europäisches Parlament Straßburg, innen

Das Europäische Parlament verwendet alle 24 offiziellen EU-Sprachen und gewährleistet somit ein Höchstmaß an Mehrsprachigkeit. Jede/r BürgerIn der EU hat das Recht, sich zum/zur europäischen Abgeordneten wählen zu lassen. Es ist daher wichtig, dass jede/r gewählte VertreterIn die Möglichkeit hat, die parlamentarischen Unterlagen in der eigenen Sprache zu lesen, die Debatten in der eigenen Sprache zu verfolgen und sich in der eigenen Sprache zu äußern. Bei 24 Amtssprachen gibt es 552 Sprachkombinationen, da jede Sprache in die 23 übrigen Sprachen übersetzt werden muss. Um diese Herausforderung bewältigen zu können, verfügt das Europäische Parlament über äußerst leistungsfähige Dienste in den Bereichen Dolmetschen, Übersetzen und Überprüfen von Rechtstexten. Pro Tag erfordert das System im Schnitt über 2000 Übersetzer und 800 Dolmetscher. Ungefähr ein Prozent des EU-Budgets muss dafür aufgewendet werden. http://www.europarl.europa.eu/ committees/de/cult/home.html http://ec.europa.eu/dgs/translation/ index_de.htm http://ec.europa.eu/dgs/scic/index_de.htm

Seeflughafen Tallinn, Estland

Wo gibt es EUinfo?
Ein Gratis-Abo von Euinfo sowie die vorgestellten Broschüren und Dokumente erhalten Sie unter der Adresse: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen, Europe Direct A-6020 Innsbruck, Tel. 0512/508-2342, Fax 0512/508-2345, E-Mail: eu.info@tirol.gv.at, Internet: www.tirol.gv.at/europa Frühere Ausgaben der EUinfo finden Sie unter folgendem Link: http://www.tirol.gv.at/themen/tirol-und-europa/europa/neuigkeiten/

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