Sonnabend, 29.

Juni 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 122

B1

25 Jahre Dax
Aus einer Zeit „umstürzlerischer“ Veränderungen
Der Dax entstand 1988 im Zuge einer generellen Neugestaltung des Börsenwesens – Umgang der Menschen mit neuen Produkten und Techniken ist entscheidend
einer erwarteten, aber keinesfalls sicheren Entwicklung mussten viele Konflikte „analog gegen digital“ gelöst werden, die der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieben, es aber an Heftigkeit nicht fehlen ließen. Für die heutige Zeit bemerkenswert dürfte auch sein, dass diese Aufgaben von einer Handvoll Verantwortlicher aus dem Ehrenamt, also ohne Erfolgsprämie Von oder Honorar, außerManfred Zaß halb der jeweiligen Hauptverantwortlichkeit und gelegentlich zu selbst für BankvorstänLangjähriges Vorstands- de ungewöhnlichen Tamitglied der Deutschen geszeiten angegangen wurden. Wie dem auch Girozentrale, bis 2002 sei, bald gab es die ersVorstandsvorsitzender ten Touchscreens, auf der DekaBank denen die amtlichen Kurse der Maklerkamals seriöse Option überhaupt ins Au- mer und wenig später auch die „verge zu fassen, eine Option, die da- teufelten“ außerbörslichen Freivermals eher den Charakter einer illusi- kehrs-/Freimaklerkurse aller Beteionären Vision als einer realistischen ligten angezeigt wurden. Das KursinPlanungsbasis hatte. Vorher muss- formationssystem KISS, das im weiten enorme Hindernisse im födera- teren Verlauf vom Interbanken-Inforlen, maklerbasierten Präsenzbörsen- mationssystem IBIS abgelöst wurde, system mit Handelskammerdomi- war geboren, es ging später in Xetra nanz überwunden werden. Börsen- auf. Andere für damalige Verhältnisse recht ist Länderrecht, und selbst Bundesländer ohne eigenen Börsenplatz „umstürzlerische“ Veränderungen wurden angegangen: wollten eingebunden werden. die Zusammenlegung von acht Kassenvereinen, Schlag auf Schlag die Vereinigung der beiden konNachdem diese Voraussetzungen kurrierenden Rechenzentren, für eine generelle Neugestaltung der die Trennung der Börsen von der Börsenlandschaft geschaffen waren, Trägerschaft der Handelskamging es zum Ende der achtziger Jahmern, re Schlag auf Schlag, und die Börse die Gründung der Deutschen Terdes 20. Jahrhunderts mit viel Geminbörse GmbH durch sechs Banschrei, mit per Kreide handgeschrieken, benen Kursen auf Schultafeln, ebendie Gründung der Deutschen Börfalls handgeschriebenen Schlussse AG, scheinen und amtlicher Kursfeststeldie Gründung der Deutsches Börsenfernsehen GmbH, die Installation des Geregelten Marktes und später des Neuen Marktes, „Da gleichzeitig die die Einführung von Wertpapierleialten und neuen he und Repo-Geschäften, die Abschaffung des Devisen-FiMedien die Börsen xing und der amtlichen Börsenkurverstärkt entdeckten, se etc. pp. Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Die Geschichte des Dax beginnt mit dem Börsenumbau 1985/1987 im Gefolge der Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen der Frankfurter Börse 1985. Erst mit diesen Baumaßnahmen wurde die Möglichkeit geschaffen, den Übergang von der analogen zur digitalen Börsenwelt preismodelle hoffähig, damit wurde das Messen, Wiegen, Zählen und Vergleichen zum Tagesgeschäft und in Kombination mit dem Börsenterminmarkt zum Treibsatz für alle möglichen Index-Dispositionen. Erstmals konnte man in Deutschland einen Markt über den Index per Termin kaufen und leerverkaufen. Eine Arbeitsgruppe von Fachleuten hatte im Jahr 1987 hervorragende Vorarbeit im Auftrag des Börsenvorstands (öffentlich-rechtlich) geleistet, so dass der Dax am 1. Juli 1988 starten konnte und die Börsen-Zeitung- (früher Hardy-) und FAZ-Indizes ablöste bzw. verdrängte. Da gleichzeitig die alten und neuen Medien – auch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks – die Börsen verstärkt entdeckten, wurde der Dax schnell zum Synonym für Finanzmarkttendenzen und zur indirekten Messlatte des wirtschaftlichen Befindens der Republik. Abkürzungen produzierte. Dabei war vor allem das „D“ zunächst umstritten, gab es doch börsenrechtlich keine deutschen Kurse, sondern lediglich die unter Aufsicht der regionalen Maklerkammern errechneten gedankliche Brücke zu einem neben Bulle, Bär und Ibis sympathischen Tier, aber auch zu einem vernachlässigten Buchstaben geschaffen, der in „Exchange“ die neue Börsenwelt prägte. Bourse, Portefeuille, Parkett und Prämie beispielsweise wurden von Exchange, Portfolio, Floor und Option Price abgelöst, Englisch wurde definitiv zur grenzüberschreitenden Börsensprache. Dass das „X“ seither in vielen Börsen-Fachausdrücken eingesetzt wurde, bestätigt aber zweitens auch die These von der Symbolhaftigkeit dieses Buchstabens im Börsenumfeld. tig, ruhig, nachdenklich – bei künftigem Handlungsbedarf durchaus erkennbar Bezug genommen werden. Dass die neue Finanzmarktarchitektur, aus deren Mitte der Dax als Mosaikstein hervorgegangen ist, nicht nur eine Sonnenseite hat, ist in den letzten Jahren schmerzhaft bewusst geworden. Es sollte jedoch immer bedacht werden, dass nicht die neuen Produkte und Techniken in erster Linie auf den Prüfstand gehören, sondern der Umgang der Menschen mit ihnen, egal ob es sich dabei um den handelnden, den beaufsichtigenden, den gesetzgebenden, den kommentierenden oder den ausbildenden Faktor Mensch handelt. Die Finanzmärkte neuer Prägung können neben allen Stärken natürlich auch Kollateralschäden (ebenfalls erstmals in den neunziger Jahren in den Sprachgebrauch eingeführt) nach sich ziehen. Der Dax dürfte jedoch von diesen Gedanken weit entfernt weiterhin seine Bahn ziehen und im Jahr 2038 „im besten Mannesalter“ immer noch als Indikator gefragt sein. Der Autor gehörte von 1981 bis 1990 dem Präsidium des Frankfurter Börsenvorstandes an und war von 1990 bis 2005 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurter Börse/Deutsche Börse AG.

„Der Dax steht heute wohl auch ein wenig für die Fähigkeit eines Finanzmarktes, sich bei Bedarf notfalls gegen massive Widerstände zu reformieren.“

Kollateralschäden möglich
Wenn also heute in den Medien davon gesprochen wird, der Dax (Dachs) sei ausgesetzt, sollte man sich erkundigen, ob es sich um das Börsentier oder um Meister Grimbart aus der Fabel handelt. Zum 25. Geburtstag kann man dem Dax aufgrund der Erfolge der Vergangenheit nur gratulieren, und da er bereits eine Dax-Familie um sich weiß, gilt das auch für seine Ableger. Er steht heute wohl auch ein wenig für die Fähigkeit eines Finanzmarktes, sich bei Bedarf notfalls gegen massive Widerstände zu reformieren. Dabei dürfte auf die dem Fabeltier zugeschriebenen Eigenschaften – bedäch-

Ein Name mit X
Bevor es dazu kommen konnte, brauchte das Kind einen einprägsamen und medienwirksamen Namen. Etwa eine Woche lang nach der Erstberechnung wurde der neu geschaffene Laufindex unter dem Namen DAI veröffentlicht, so wie man eben

und veröffentlichten amtlichen Kurse der acht Börsen. Daneben gefielen sensiblen Zeitgenossen der „japanische“ Klang und die optische/akustische Nähe zum Börsenkürzel für Daimler nicht. Hier liegt der Grund, warum der Autor gebeten wurde, an dieser Stelle etwas zur Geschichte des Dax zu schreiben: Er hat damals angeregt, den letzten Buchstaben von „Index“ zu wählen. Damit war erstens eine

wurde der Dax schnell zum Synonym für Finanzmarkttendenzen und zur indirekten Messlatte des wirtschaftlichen Befindens der Republik.“

Kein Stein auf dem anderen
Kurz gesagt, es blieb bei der Neugestaltung des Börsenwesens kaum ein Stein der alten Strukturen auf dem anderen. In diesem Kontext der generellen Neuausrichtung wurde die publizitätswirksame Schaffung des Dax eigentlich als ein bedeutsames Nebenprodukt, eher als eine Art „Beifang“ angesehen. Mit der Einführung der Computerund Internetwelt wurde das Börsenwesen weitgehend angloamerikanisiert, und in den beiden Finanzzentren dieser Länder gab es bereits bekannte und fortlaufend berechnete Indizes, die der Information und dem Geschäft gleichermaßen dienten: den Dow Jones und den Financial Times Index „Footsie“. Mit den Nobelpreisen von 1990 und 1997 wurden die Portfoliotheorie und Options-

lung für das zweistündige Börsengeschehen wurde zum Auslaufmodell. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es vor 25 Jahren so gut wie kein Mobiltelefon gab. PC, Laptop, iPad waren Fremdworte. Als modernste Kommunikationsmittel galten Faxgeräte in der Größe eines Kleiderschranks. Von dieser Ausgangsbasis aus und im Windschatten

AUS DEM INHALT
Aus einer Zeit „umstürzlerischer“ Veränderungen Von Manfred Zaß B1 Indizes sind die Basis moderner Finanzanlagen Von Dr. Hartmut Graf Bayer und der Dax – eine gelungene Symbiose Von Werner Baumann Chancen der Globalisierung genutzt Von Klaus Becker Der Dax ist eine Erfolgsgeschichte Von Wolfgang Matis Von der Behörde zum Blue Chip Von Lawrence A. Rosen Finanzkreislauf ist Lebenselixier für die Weltwirtschaft Von Joe Kaeser B5 Katalysator für den Erfolg von Unternehmen Von Dr. Werner Brandt Der Dax ist die Wiege der Zertifikate Von Dr. Hartmut Knüppel Außerbörslicher Handel ist neue Macht im Indexroulette Von Silke Schlünsen Aktien sind unabdingbar für die Altersvorsorge Von Jens Wilhelm

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Indizes sind die Basis moderner Finanzanlagen
Transparenter und kosteneffizienter Zugang zu globalen Investitionen – Klare Regeln, eine hohe Liquidität und innovative Konzepte machen die Indizes attraktiv
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Wer eine neue Sprache lernt, trifft immer wieder auf folgendes Phänomen: Es gibt Begriffe, die einen Tatbestand in der einen Sprache treffender ausdrücken, als dies in der anderen möglich ist. Deutsche Wörter wie „Hinterland“ haben so ihren Weg ins amerikanische Englisch gefunden. Guten Indizes kommt an den Finanzmärkten eine ähnliche Funktion zu: Sie beschreiben Märkte so treffend, dass sie sich kaum ersetzen lassen. Vielfach werden die einzelnen Märkte auch erst über die Indizes definiert und damit investierbar. Ein Beispiel hierfür ist der Euro Stoxx 50-Index. Er startete schon vor dem Euro und ermöglichte damit frühzeitig Investments in den Aktienmarkt des Euroraums. Die Folge: Heute werden Futures und Optionen im Volumen von mehr als 3,5 Bill. Euro auf den Index gehandelt. Auf diese Weise helfen die bekannten Indizes, internationales Kapital anzuziehen und zu binden. Für den deutschen Markt macht dies der Dax seit 25 Jahren. Klare Regeln, eine hohe Liquidität und innovative Konzepte sind Voraussetzung für den Erfolg der Indizes. greifen die Anbieter daher auf eine ben es daher nur wenige Unterneh- ren Indexprodukte für taktische In- den Investitionsschwerpunkt ihrer Optimierung zurück und bilden klei- men geschafft, nach einem Aus- vestments nutzen. Die Indexfamilie Portfolien bei und sprechen damit nere Aktien erst gar nicht mit ab. Ma- schluss aus dem Index wieder in die- Daxplus reflektiert diese Anforderun- vorrangig langfristige Investoren nagementaufwand und Handelskos- sen zurückzukehren. Eine hohe gen. So unterstützen der LevDax an. Ein typisches anderes Beispiel ist ten lassen sich so reduzieren. Aus- Marktabdeckung bei gleichzeitig ge- und ShortDax mit unterschiedlich ge- der Daxplus Maximum Dividend Inwahlindizes wie der Dax oder Eu- ringen Anpassungen und Transakti- hebelten sowie verschiedenen dex, welcher Zugang zu einem PortroStoxx 50-Index wählen dagegen le- onskosten zeichnet somit den Dax Short-Positionen effektiv kurzfristi- folio mit maximalen Dividendenerdiglich eine vergleichsweise geringe und andere Auswahlindizes aus. ge taktische Investments mit einem trägen bietet. Der Index wählt die Ganz ohne Indexkomitee kommt geringen Kapitaleinsatz. Durch die 20 Unternehmen aus dem HDax Anzahl der größten und liquidesten Unterneh- jedoch auch der Dax nicht aus. Dort Indexprodukte lassen sich solche tak- aus, die in den kommenden sechs men aus. Die Auswahl wird wertvolle Arbeit geleistet, in- tischen Optionen einfacher realisie- Monaten die höchsten erwarteten bildet einen Großteil dem es die Indexregeln weiterentwi- ren, was vor allem von professionel- Dividendenrenditen bieten. Die ErVon der gesamten Marktkapi- ckelt und an das sich beständig ver- len Investoren wahrgenommen träge aus Ausschüttungen lassen Hartmut Graf sich somit maximieren. Die Beteilitalisierung ab und stellt ändernde Marktumfeld anpasst. Zu- wird. einen günstigen und effi- letzt wurden beispielsweise die InDarüber hinaus suchen Investo- gung an der langfristigen Wertentzienten Handel der ein- dexregeln des Dax zum Umgang mit ren beständig innovative Anlage- wicklung der Unternehmen spielt dazelnen Indexkomponen- werthaltigen Bezugsrechten und zur möglichkeiten mit neuen Chancen. gegen eine nachgeordnete Rolle, da Bestimmung des Umsatzschwer- Indexkonzepte unterstützen die In- das Indexportfolio beständig angeten sicher. Zudem sehen die In- punktes im Börsenhandel der Aktien vestoren hierbei mit regelbasierten passt wird. Solche innovativen Indexkonzepdexregeln etwa beim weiter ausgearbeitet. und klar strukturierten Konzepten. Dax einen „Puffer“ vor. Ein Beispiel sind Indizes, die nach Er- te sind notwendig, um den FinanzVoraussetzung für einen kenntnissen der Portfolio-Theorie platz weiterhin attraktiv für internaCEO von Stoxx Konzepte weiterentwickeln Fast Entry ist beispielszusammengestellt sind. Auf diese tionales Kapital zu machen. Denn weise, dass eine Aktie soEbenso wichtig wie die beständige Weise können sie ein passives, regel- das weiterhin dynamische Wachsklare Regelbasiertheit aus. Auswahl wohl bei Marktkapitalisierung als Weiterentwicklung der Regeln des basiertes Investment mit einem mo- tum passiver Investments zeigt: Inund Gewichtung der Indextitel erfol- auch Börsenumsatz zu den 25 größ- deutschen Leitindex ist es, die Index- dernen Portfoliomanagement ver- vestoren suchen weltweit indexbagen hier nach klaren, objektiv nach- ten Titeln gehört und damit mindes- familie um innovative Konzepte zu binden. Auch hierfür finden sie Lö- sierte Anlagemöglichkeiten. Eine Abvollziehbaren Regeln. Anders sieht tens fünf Unternehmen aus dem In- erweitern. Denn mit dem gestiege- sungen bei Strategieindizes. So set- bildung durch etablierte Auswahlines beispielsweise bei den bekannten dex hinter sich lässt. Die Folge: Al- nen Einsatz passiver Investments in zen Indizes wie der Daxplus Mini- dizes und innovative Indexkonzepte amerikanischen Benchmarks, Dow lein bei substanziellen Verschiebun- allen Anlegergruppen wachsen auch mum Variance Erkenntnisse der sind damit wichtige Erfolgsfaktoren Jones Industrial Average und gen zwischen den Indextiteln die Anforderungen an die Indizes. In- Portfolio-Theorie um. Die Indizes für einen Finanzplatz – und werden S & P 500 Index, aus. Bei ihnen ent- kommt es zu Anpassungen. In der vestoren wollen die liquiden sowie minimieren die Volatilität, d. h. das in Zukunft weiter an Bedeutung gescheidet ein Indexkomitee über Auf- 25-jährigen Geschichte des Dax ha- einfach und kostengünstig handelba- Investitionsrisiko, behalten jedoch winnen. nahme und Ausschluss einzelner Titel. Die Entscheidungen sind für den Markt daher häufig schwerer vorherzusehen. Dies zeigt das Beispiel des ehemals weltgrößten Automobilherstellers General Motors in der Finanz- und Wirtschaftskrise. WähGute Wechselbeziehung zwischen dem Index und seinen Mitgliedern – Unternehmen profitieren rend das Traditionsunternehmen bereits im Juli 2008 aus dem S & P 100, einer Benchmark für die 100 größBörsen-Zeitung, 29.6.2013 anderen Seite gilt aber auch, dass Werkself hat sich bekanntlich gera- auf Rekordniveau. Als der Familienten US-Unternehmen, genommen Als der Dax gestartet wurde, waren der beste Börsenindex nur so gut de mit dem dritten Platz für die betrieb „Friedrich Bayer et Comp.“ wurde, zählte es fast ein Jahr länger große Erwartungen damit verknüpft sein kann wie die Unternehmen, die Champions League qualifiziert. im Jahr 1881 in eine börsennotierte zu den 30 Titeln im Dow Jones In- – er sollte so etwas wie der „Dow in ihm enthalten sind. Man kann daAktiengesellschaft umgewandelt dustrial Average. Jones des deutschen Aktienmarkts“ her sagen: Es besteht so etwas wie eiPluspunkte auch für Aktionäre wurde, trauten wohl nicht viele dem Papier eine solche Karriere zu. werden. Ein Vierteljahrhundert spä- ne symbiotische Beziehung zwiter ist klar, dass er diesen Erwartun- schen dem Index und seinen MitGrundlage der Bayer-Aktienkultur In einer Analyse der Berliner „AllgeÜberraschungen bleiben aus gen gerecht wurde: Der Dax ist heu- gliedsunternehmen. sind die langfristigen Erfolgsfakto- meinen Börsen-Zeitung“ im Jahr Bayer ist ein hervorragendes Bei- ren des Unternehmens – seine Inno- 1885 hieß es, die Zahlung einer DiviIm Unterschied zu solchen diskre- te weit über die einschlägigen Fitionären Entscheidungen greifen nanzkreise hinaus bekannt und zu ei- spiel für diese Wechselbeziehung, vationskraft, seine globale Präsenz dende sei auf Jahre hinaus zweifelbeim Dax die bekannten Entry- und nem Symbol geworden – nicht nur als eines der gut ein Dutzend Unter- und seine Anpassungsfähigkeit – so- haft – falls das Unternehmen überExit-Regeln. Sie legen anhand quan- für das Auf und Ab der deutschen nehmen, die von Beginn an im Dax wie ein ganz besonderes Verhältnis haupt noch so lang existiere. „Wer titativer Kriterien fest, wann ein Ti- Börse, sondern auch für die Lage der vertreten waren. Und auch Bayer fei- zu den Aktionären. Sehen wir uns sich vor größeren Verlusten schütert in diesem Jahr ein Jubiläum: Ge- diese vier Aspekte etwas genauer an. zen will, verkaufe seine Actien“, so tel in den Index aufgenommen oder gesamten deutschen Wirtschaft. gründet im Jahr 1863, also vor geErstens, Innovation: Neue Produk- die Empfehlung der Zeitung. Dass ausgeschlossen wird. Der Markt nau 150 Jahren, brachte das Unter- te standen schon immer im Mittel- es anders kommen sollte, zeigte sich kann sich so, wie zuletzt bei den Aktie immer noch unpopulär punkt der Geschäftstä- schon sehr bald. Ein Jahr später Dax-Aufstiegen von Continental und tigkeit von Bayer. Erst zahlte Bayer 4 % des Nennwerts als Lanxess geschehen, frühzeitig auf Angesichts dieser Erfolgsgeschichging es um neue synthe- Dividende, sechs Jahre später sogar die Indexanpassungen vorbereiten. te ist es verwunderlich, dass es um tische Farben, doch 18 %. Dies gibt insbesondere den Emitten- die Popularität der Aktie im Land Von Zweitens, globale Präsenz: Bayer dann wurde schnell ten von Indexprodukten, seien es De- nicht zum besten bestellt ist. Im inWerner Baumann klar, dass Chemie viel entwickelte sich bereits Ende des rivate oder ETF, die Möglichkeit, ternationalen Vergleich hinkt mehr konnte – systema- 19. Jahrhunderts zu einen internatiosich hierauf einzustellen. Risiken Deutschland in dieser Hinsicht weit tisch wurden For- nalen Unternehmen, und im Jahr und Kosten infolge der Anpassung hinterher. Und die Zahl der Aktionäschungsaktivitäten auf- 1913 stammten schon gut 80 % des des Indexportfolios werden so mini- re lag zuletzt mit rund vier Millionen gebaut, die ersten Medi- Bayer-Umsatzes aus dem Export. miert – und das kommt dem Investor wieder deutlich niedriger als auf kamente und Pflanzen- Heute erzielen wir 88 % der Umsätzugute, der diese (direkt oder indi- dem Höhepunkt des New-EconoFinanzvorstand der rekt) tragen muss. my-Booms im Jahr 2000, als 6,2 MilBayer AG und Präsident schutzmittel entdeckt. ze im Ausland, und fast 70 % der BeUnd so ging es weiter: schäftigten sind außerhalb DeutschDie Anforderungen an die Indexre- lionen Deutsche der Aktie vertraudes Deutschen Bayer ist heute ein Inno- lands im Einsatz. Die zunehmende geln sind hoch. Zudem sind Zielkon- ten. Dass das Potenzial der Aktie in Aktieninstituts (DAI) vationsunternehmen, Internationalität spiegelt sich in der flikte zu beachten. Zum einen sollen Deutschland nicht zur Entfaltung dessen Geschäftsmodell Aktionärsstruktur: Lag der Auslandsdie Indizes möglichst exakt das je- kommt, liegt vor allem an ungünstinehmen von Anfang an eine lange darauf beruht, aus Spitzenfor- anteil im Jahr 1972 noch bei 23 %, weilige Marktgeschehen widerspie- gen Rahmenbedingungen. geln. Gleichzeitig ist jedoch KonPositiv wirkt dagegen das Zusam- Historie industrieller Aktienkultur schung erstklassige Produkte zu ma- befinden sich mittlerweile mehr als stanz in der Indexzusammensetzung menspiel zwischen der Börse und mit in den Dax. Heute spielt das Un- chen, die das Leben der Menschen 75 % der Bayer-Aktien in den Hängefragt. Denn ein beständiger Wech- den Unternehmen. So profitieren ternehmen in der „Bundesliga“ der verbessern. Daraus resultiert nach- den ausländischer Investoren. Die stärkere internationale Streusel der Indextitel zieht Anpassungen die Unternehmen von der Mitglied- deutschen Aktiengesellschaften vorn haltige Wertschöpfung, und das ist in den Portfolios der Emittenten und schaft im Dax, weil der Index selbst mit: Bei der Börsenkapitalisierung die Basis unserer Aktienperfor- ung der Aktionäre wurde dadurch Investoren nach sich, wodurch die eine starke Marke geworden ist. Zu- sind wir nach der aktuellen mance. Nachdem Industriewerte unterstützt, dass die Bayer-Aktie an Transaktionskosten steigen. Diese dem orientieren sich viele Banken Free-Float-Berechnung der Deut- während des New-Economy-Booms einer wachsenden Zahl internationafallen umso höher aus, je weniger li- und Investmentgesellschaften mit ih- schen Börse die Nummer 1 im Dax – plötzlich nicht mehr als interessant ler Börsen gelistet wurde. So wurde quide die einzelnen Aktien im Index ren Anlagestrategien an wichtigen und damit, um die Parallele zum galten, scheinen die Anleger dies sie just im Geburtsjahr des Dax als sind. Insbesondere bei der Abbil- Indizes und fragen die darin enthal- Sport weiterzuführen, sogar noch nun auch wieder anzuerkennen – erster deutscher Industriewert in ToFortsetzung Seite B 3 dung sehr breit aufgestellter Indizes tenen Aktien verstärkt nach. Auf der besser als unsere Fußballer. Die schließlich notiert die Bayer-Aktie eine Reihe Voraussetzungen erfüllen, um eine erfolgreiche Basis für die verschiedenen Finanzprodukte und damit die Grundlage internationaler Investments zu sein. Die verschiedenen Indizes verfolgen teilweise sehr unterschiedliche Konzepte. Den Dax zeichnet seine

Indizes haben sich etabliert
Folgt man der Berichterstattung, verkürzt sich die Wahrnehmung der wichtigsten Finanzplätze und Märkte häufig auf die Ausschläge der bekanntesten Indizes. Dies greift sicher zu kurz. Fest steht jedoch, die bekanntesten Benchmarks wie Dax, Euro Stoxx 50, S & P 500 oder der Nikkei-Index haben sich als Barometer für die Entwicklung der weltweit wichtigsten Aktienmärkte etabliert. Wichtig ist jedoch ihre Bedeutung als Grundlage für Finanzprodukte und Investments. Allein der größte Exchange Traded Fund (ETF) auf den Dax verwaltet so ein Vermögen von rund 13 Mrd. Euro. Insbesondere globale Investoren profitieren von

Bayer und der Dax – eine gelungene Symbiose

„Eine hohe Marktabdeckung bei gleichzeitig geringen Anpassungen und Transaktionskosten zeichnet den Dax und andere Auswahlindizes aus.“
den Indexprodukten, da sie mit ihnen einfach und effizient diversifizieren und breit in den jeweiligen Markt investieren können. Sie erhalten so die gewünschte Marktposition und können die aufwendige Analyse und die Risiken einer Auswahl einzelner Titel vermeiden. Ein Investment in die jeweiligen Märkte wird damit einfacher, wovon nicht zuletzt die jeweiligen börsennotierten Unternehmen profitieren. Und die Investoren gewinnen durch die breitere Diversifizierung, welche die höheren Risiken der Einzelmärkte abschwächt. Indizes müssen allerdings

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Chancen der Globalisierung genutzt
Festlegung auf IFRS-Rechnungslegung hat geholfen – Regulatorischen Druck in Wettbewerbsvorteil ummünzen – Wertschöpfungskette professioneller managen
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Im Geburtsjahr des Dax beginnt auch für die Deutsche Treuhand-Gesellschaft ein neuer Zeitabschnitt: Vor genau 25 Jahren wurde unserem Firmennamen das Kürzel „KPMG“ vorangestellt. Kurz zuvor hatten sich die Gründerväter Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler aus den Niederlanden, Großbritannien, USA und Deutschland zu einem weltweiten Netzwerk unabhängiger Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammengeschlossen. Eine logische Antwort auf die zunehmende Globalisierung: Viele unserer Mandanten hatten Tochtergesellschaften jenseits der heimischen Grenzen und erwarteten zu Recht, weltweit auf dem gleichen hohen Niveau geprüft und beraten zu werden. lung wurde noch dadurch verstärkt, dass die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC seit 2007 die ausschließliche Anwendung der IFRS für ausländische Emittenten akzeptiert. Mit zunehmender Internationalisierung haben sich zugleich die regulatorischen Rahmenbedingungen verschärft. Zahlreiche gesetzliche durch die Optimierung ihres internen Kontrollsystems nicht nur ihre Effizienz und ihre Performance verbessern, sondern nicht selten auch erhebliche Kosten einsparen. Diese Unternehmen haben es geschafft, die Umsetzung von regulatorischen Vorgaben in einen echten Wettbewerbsvorteil umzumünzen. Inzwischen sind vor allem die Dax-Unternehmen auf einem guten Weg, aus den zahlreichen „Inseln“ der Compliance – Von vom Anti-KorruptiKlaus Becker ons-Management über einen Code of Conduct bis hin zum Vertragsmanagement – ein integriertes und robustes Compliance-ManageSprecher des Vorstands ment-System zu schafder KPMG Wirtschaftsfen. Mehr und mehr verprüfungsgesellschaft langen sie auch von ihren Geschäftspartnern, dass sie sich an CompliNeuerungen sowie eine Konkretisie- ance-Regeln halten, und bauen entrung der Pflichten durch die Recht- sprechende Klauseln in Verträge ein, sprechung zu Haftungsfragen haben wie die aktuelle „Compliance-Benchnicht zuletzt auch zu einer Professio- mark-Studie“ von KPMG zeigt. nalisierung der Aufsichtsratstätigkeit geführt. Komplexe Anforderungen Nehmen wir das wichtige Feld Compliance. Konzerne mit TochterDie zunehmende Globalisierung gesellschaften im Ausland müssen lässt die Anforderungen an die Unnicht nur die nationalen Vorgaben, ternehmen auch in anderen Bereisondern auch internationale Rege- chen immer komplexer werden. So lungen beachten. Teilweise bean- sind die Währungs- und Rohstoffrisispruchen diese, wie etwa der briti- ken großer Konzerne in den vergansche Bribery Act, weltweit Geltung. genen Jahren stark gestiegen, die Eine einzige Leistungserbringung in Energieversorgung und nicht zuletzt Großbritannien reicht aus und schon die Überwachung der globalen Wertist der Anwendungsbereich eröffnet. schöpfungsketten stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. In Zeiten stark schwankender Compliance wird wichtiger Rohstoffpreise müssen Konzerne etEs ist erstaunlich, wie viele Unternehmen es geschafft haben, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie haben den regulatorischen Druck nicht einfach hingenommen. Sie haben ihn vielfach genutzt als Freiraum für notwendige Anpassungen. So wurden etwa die Ausgaben für Risikomanagement- und Compliance-Projekte durch sorgfältige Planung in strategisch sinnvolle Investitionen umgewandelt. Die Unternehmen konnten wa darüber nachdenken, in verschiedenen Ländern eigene Einkaufsorganisationen aufzubauen, statt sich auf einen einzigen Lieferanten zu verlassen. Supply Chain Management und Procurement werden so zu einer immer wichtigeren strategischen Unternehmensfunktion, die weit über die klassischen Aufgaben wie Kostenkontrolle oder den Aufbau nahtloser Lieferketten hinausgeht. sind für innovative Unternehmen genauso unverzichtbar wie Investitionen in hervorragend ausgebildete Mitarbeiter. Übrigens: Auch kulturelle Vielfalt kann ein wichtiger Katalysator sein für Innovationen. Viele Konzerne haben ein Diversity MaOb das alles aber auch für mehr Transparenz sorgt? Zweifel sind angebracht. Viele Kapitalmarktteilnehmer wünschen sich deshalb eine integrierte und aussagekräftigere Unternehmensberichterstattung. Wie diese aussehen könnte, wird zurzeit innerhalb des International Integrated Reporting Council (IIRC) diskutiert. Bei diesem Pilotprogramm sind weit über 100 Investoren und Unternehmen, darunter KPMG, engagiert. Im Mittelpunkt der Berichterstattung soll nach den Vorstellungen des IIRC die unternehmensspezifische Wertschöpfungsgeschichte („Value Creation Story“) stehen, die umfassend darzustellen ist. Strategie, Geschäftsmodell sowie die daraus resultierenden Chancen und Risiken spielen dabei genauso eine wichtige Rolle wie finanzielle und nicht finanzielle Leistungsindikatoren. Das kann nicht unabhängig von einer entsprechend integrierten Unternehmensführung und -steuerung erfolgen. „Integrated Reporting“ ist damit weit mehr als nur eine Form der Berichterstattung. Bis zum 15. Juli hat die interessierte Öffentlichkeit Zeit, zu den Vorschlägen des IIRC Stellung zu nehmen. Eine gute Möglichkeit, die Zukunft der Unternehmensberichterstattung aktiv mitzugestalten und einen Beitrag zu leisten für mehr Transparenz. Wenn Geschäftsmodelle und die damit verbundenen Chancen und Risiken besser dargestellt werden, steigt auch die Qualität der Aussagen über die künftige Entwicklung eines Unternehmens und damit das Vertrauen und die Investitionsbereitschaft. All das ist wichtig für einen funktionierenden Kapitalmarkt.

Vorsprung durch Innovation
Bei allem Kosten- und Effizienzdruck, der nach wie vor groß ist: Die deutschen Konzerne haben die Bedeutung von Innovationen als Wachstumstreiber verinnerlicht. Bei den europäischen Patentanmeldungen lag Deutschland im letzten Jahr unangefochten an der Spitze. Und in einem von der EU-Kommission im März veröffentlichten Ranking zur Innovationskraft der 27 EU-Mitglieder schaffte Deutschland erstmals den Sprung auf Platz 2 hinter Schweden. Neben den Investitionen in Forschung und Entwicklung hat Brüssel auch bewertet, inwieweit neue Ideen in marktfähige Produkte umgesetzt wurden. Es ist genau dieser Vorsprung durch Innovation, der unsere Unternehmen stark macht und der ihnen hilft, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten zu sichern und auszubauen. Laut einer KPMG-Umfrage geht jedes zweite deutsche Industrieunternehmen von einem Wiederanstieg der Innovationsaktivitäten in den nächsten zwei Jahren aus, deutlich mehr als im internationalen Vergleich. Ein gutes Signal. Investitionen in Zukunftsbranchen, in Forschung und Entwicklung

Firmen werden internationaler
Seitdem ist die Internationalisierung der im Dax vertretenen Konzerne konsequent vorangeschritten. Rund 75 % ihrer Umsätze erwirtschaften sie inzwischen im Ausland, dort beschäftigen sie den überwiegenden Teil ihrer Mitarbeiter. Auch in den Leitungsgremien schlägt sich die Globalisierung nieder: Dax-Unternehmen haben den Anteil ihrer Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte mit ausländischen Wurzeln in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Zugleich sind Dax-Unternehmen durch ihre Öffnung immer attraktiver für internationale Investoren geworden: Sie besitzen schon heute mehr als die Hälfte der Anteile der im deutschen Leitindex notierten Konzerne. Zu dieser Entwicklung dürfte auch der Paradigmenwechsel in der Rechnungslegung beigetragen haben. Für kapitalmarktorientierte Unternehmen in Europa wurden 2005 die International Financial Reporting Standards (IFRS) verpflichtend eingeführt. Seitdem sind die Abschlüsse von Unternehmen international besser vergleichbar. Den Dax-Konzernen hat das den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten erleichtert, von dem sie heute enorm profitieren. Diese Entwick-

„Bei allem Kostenund Effizienzdruck, der nach wie vor groß ist: Die deutschen Konzerne haben die Bedeutung von Innovationen als Wachstumstreiber verinnerlicht.“

nagement entwickelt, das elementarer Bestandteil der Unternehmensführung ist. Diese Unternehmen verstehen es, Wertschätzung in Wertschöpfung zu verwandeln.

Umfassender berichten
Beim Blick in die Zukunft wird klar: Aktuelle Trends für eine effiziente, arbeitsteilige Leistungserstellung werden zu tiefgreifenden Veränderungen der Abläufe auch in den Finanzfunktionen führen. Die technologische Entwicklung in Form von Cloud Computing, E-Bilanz oder XBRL sorgt dafür, dass künftig immer mehr Daten immer leichter erhoben und verarbeitet werden können.

Bayer und der Dax . . .
Fortsetzung von Seite B 2 kio eingeführt – damals die größte Börse der Welt. Damit wurde die Aktie 1988 schon an zehn ausländischen Börsen notiert, und weitere sollten folgen, darunter auch New York. Der Trend zur globalen Börsenpräsenz hat sich in den vergangenen Jahren allerdings umgekehrt. Auch Bayer hat sich von den meisten internationalen Börsenplätzen mittlerweile wieder zurückgezogen. Durch die Vernetzung der Datensysteme ist es nicht mehr erforderlich, überall gelistet zu sein. Drittens, Anpassungsfähigkeit: Ein Unternehmen, das über lange Zeiträume erfolgreich sein will, muss sich ständig an veränderte Bedingungen anpassen. Bei Bayer gab es neben langen Phasen des evolutionären Wandels auch immer wieder tiefe Einschnitte, beispielsweise in den Jahren 2001/2002, als eine neue Holdingstruktur geschaffen und in den Folgejahren bei Zu- und Verkäufen ein Transaktionsvolumen von 43 Mrd. Euro bewegt wurde. Dieser Konzernumbau illustriert auch die Bedeutung des Aktienmarkts als Finanzierungsinstrument: So war eine Kapitalerhöhung bei der Akquisition von Schering im Jahr 2006 ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung, und auch bei der zusätzlich erforderlichen Aufnahme von Fremdkapital war es überaus hilfreich, auf eine langjährige Historie als börsennotiertes Unternehmen und Dax-Mitglied verweisen zu können. Und auch der Dax spiegelt selbstverständlich die strukturellen Veränderungen in der Unternehmenslandschaft: Bei aller internen Dynamik der einzelnen Mitglieder ist bemerkenswert, dass weniger als die Hälfte der 1988 aufgenommenen Firmen heute noch dem Dax angehören. Nach festgelegten Kriterien steigen regelmäßig neue Unternehmen in den Dax auf, während andere aus dem Index herausgenommen werden. Dieser Anpassungsmechanismus gewährleistet, dass der Dax immer die führenden Unternehmen enthält und damit die eingangs erwähnte Rolle als Indikator für die Lage der deutschen Wirtschaft behält. Viertens, das Verhältnis zu den Aktionären: Bei Bayer ging die Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen Aktionären schon seit jeher über die reine Kapitalbeschaffung hinaus. In den fünfziger und sechziger Jahren vertrauten breite Bevölkerungskreise dem Unternehmen ihr Erspartes an, die Bayer-Aktie entwickelte sich zu einer „Volksaktie“. Günstige Wachstumsperspektiven und eine anlegerorientierte Dividendenpolitik trugen dazu bei. Auch wurden Belegschaftsaktien früh Bestandteil der Bayer-Aktienkultur.

Rahmenbedingungen ändern
Bayer hat also einiges dazu beigetragen, die Aktie als Anlageinstrument in Deutschland zu etablieren. Und doch gibt es, wie eingangs schon erwähnt, an dieser Stelle noch ein erhebliches Steigerungspotenzial. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollten vor allem die Rahmenbedingungen für die Aktie als Anlageklasse verbessert werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein wesentlicher Grund für die geringe Popularität der Aktienanlage liegt in der steuerlichen Behandlung von Eigenkapital, das in Deutschland gegenüber Fremdkapital systematisch benachteiligt wird. Während beispielsweise Fremdkapitalzinsen weitgehend steuerlich abzugsfähig sind, wird Eigenkapital doppelt besteuert: einmal durch die Gewinnbesteuerung beim Unternehmen und dann – im Falle einer Ausschüttung – noch einmal beim Anteilseigner. Ein Blick über die Grenze zeigt, wie es anders geht. So kann etwa in Belgien ein kalkulatorischer Zins auf das Eigenkapital von der Bemessungsgrundlage abgezogen werden. Dies fordert übrigens auch der Sachverständigenrat für Deutschland, um die steuerliche Diskriminierung des Eigenkapitals zumindest teilweise zu beheben. Es wäre ein Beitrag zur Steigerung der Eigenkapitalquote in den Unternehmen – und letztlich auch zur Stärkung der Aktienkul-

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Sonnabend, 29. Juni 2013

Der Dax ist eine Erfolgsgeschichte
Gestiegene Nachfrage ausländischer Investoren ist klares Bekenntnis zur Stärke des Index und seiner Mitglieder – Weltweit drittgrößtes Underlying für Derivate
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Als der Dax zum 1. Juli 1988 eingeführt wurde, konnte niemand ahnen, welch einen Siegeszug dieser Aktienindex der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen hinlegen würde. Zu Beginn wurde der Dax eher unterschätzt; es schien, als sei nur ein weiterer Index zu den bereits bestehenden Indizes hinzugekommen. Andere Indizes zogen zu diesem Zeitpunkt mehr Aufmerksamkeit auf sich. einen für lange Zeit nicht mehr gesehenen Höchststand. In den darauffolgenden drei Jahren fiel der Dax um 72,7 %, bis er am 12. März 2003 bei einem Schlussstand von 2 202,96 Punkten die Talfahrt beendete. Allein in dieser Zeit, von 1998 bis 2003, bewirkten die hohe Volatilität se an den Kapitalmärkten, wurde die Entflechtung der einstigen Deutschland AG unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder politisch auf den Weg gebracht und unterstützt. Die gewährten Steuervorteile für den Abbau der alten Überkreuzbeteiligungen deutscher Unternehmen kamen dem Index und den Investoren später zugute. Parallel hierzu hatten Von sich die Aktivitäten Wolfgang Matis rund um eine Anpassung an internationale Standards in Fragen der Unternehmensführung weiter entwickelt. Die offizielle Erstveröffentlichung des Deutschen Sprecher der Corporate Governance Geschäftsführung der Kodex am 20. August DWS Investment 2002 fällt in die Zeit, als sich der Dax von seinem und die extremen Kursschwankun- Tiefstand im März allmählich zu ergen, dass sich die Investoreneinstel- holen begann. Das unterteilt die lung zu Aktien grundlegend änder- 25-jährige Geschichte des Dax, die ja te. Privatanleger, die zunächst vom auch eine Geschichte der jeweils in Anlageinstrument Aktie begeistert ihm gebündelten Unternehmen ist, waren, zogen sich mit den heftigen in zwei Phasen: Bis zum Platzen der Kursrückgängen immer weiter aus Internet-Blase war der Dax weitgeAktien und Aktienprodukten zurück. hend ein Spiegel der Deutschland Nicht zuletzt die schlechten Erfah- AG mit ihren Überkreuzbeteiligunrungen rund um den Telekom-Bör- gen und alten Seilschaften. Danach sengang mit seinen drei Tranchen begann der internationale Siegeszug haben zu der nach wie vor von Zu- des Dax und der ebenfalls immer inrückhaltung geprägten Haltung der ternationaler agierenden deutschen Privatanleger zu Aktien beigetragen. Unternehmen. Im Zuge der Subprime-Krise in den USA im Sommer 2007 gerieten Spiegel der Wirtschaft auch die Kurse deutscher UnternehMit dem Platzen der Internetblase men noch einmal kräftig unter in den Jahren 2000 bis 2003 hat sich Druck. Einem bis dato neuem Allzeitauch die Unternehmenslandschaft in hoch mit einem Schlusskurs von Deutschland grundlegend gewan- 8 105,69 Punkten am 16. Juli 2007 delt. Angestoßen durch die Ereignis- folgte ein Absturz um 54,8 % auf 3 666,41 Punkte am 6. März 2009. Bei all diesen Turbulenzen hatte sich etwas ganz grundlegend verändert: Im Dezember 2007 waren die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen zum ersten Mal mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren. Lag der Anteil 2005 noch bei rund 44 %, waren es 2012 bereits 58 %. Diese gestiegene Nachfrage ausländischer Investoren ist ein klares Bekenntnis zu der Stärke der Dax-Unternehmen – und damit auch ein Bekenntnis zum Dax. Inzwischen ist der Dax ein Index von Global Playern. Der Anteil von Finanzwerten ist, verglichen mit dem Anteil entsprechender Werte in anderen europäischen Aktienindizes, relativ gering. Umgekehrt ist der Anteil an Industriewerten entsprechend hoch. Dax-Unternehmen können heute international in ihren jeweiligen Vergleichsgruppen mithalten. Und während das Wachstum in Deutschland nur bei rund 1 % liegt, wachsen die Dax-Unternehmen kontinuierlich. Die Internationalisierung der Konzerne ist gelungen. Auch die Bemühungen, in Sachen Transparenz und Corporate Governance mit den internationalen Konkurrenten Schritt halten zu wollen, zahlt sich heute aus. sich Unternehmen unterschiedlich. Neue, starke Unternehmen rücken in den Index auf und ersetzen solche mit nachlassender wirtschaftlicher Dynamik, die das Interesse der Investoren zunehmend verlieren. Darüber hinaus kommt es natürlich auch im Rahmen von Übernahmen zu Veränderungen. Der Dax hat diese zeitnah und anhand der vorgegebenen Auswahlkriterien transparent vollzogen. Es spricht wieder für den Index, dass von der Start-Truppe des Dax sich immerhin noch 20 Unternehmen im Dax wiederfinden, entweder unter ihrer ursprünglichen Firmierung oder inzwischen nach Fusionen unter neuer Flagge. Verschwunden sind lediglich die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, die Bayerische Vereinsbank, Degussa, Deutsche Babcock, Feldmühle Nobel, Hoechst, Karstadt, Kaufhof, Mannesmann und Nixdorf. Heute ist der Dax einer der bedeutendsten Aktienindizes der Welt und Underlying für mehr als 50 000 Finanzprodukte. Er stellt damit das drittgrößte Underlying für Derivate weltweit dar. Die Aussichten, dass die Bedeutung des Dax weiter wächst, sind gut. Es hat sich in 25 Jahren ausgezahlt, dass er von Anfang an gut aufgesetzt war, dass an seinen Konstruktionsmerkmalen wenig verändert wurde, und wenn – man denke an den Übernahmeversuch von Porsche an VW –, dann zum Wohle der Investoren. Dass der Dax zum dritten Mal den Stand von 8 000 Punkten überschritten hat, ist ein gutes Zeichen. Und insbesondere stimmt optimistisch, dass dies ohne jede Euphorie geschah, mit niedrigen Bewertungsrelationen, in einem Niedrigzinsumfeld und mit einer historisch hohen Dividendenrendite von 3,5 %. Der Dax ist in seiner 25-jährigen Geschichte aus Sicht eines Langfristinvestors eine Erfolgsgeschichte. Bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft regulatorische Eingriffe wie die angedachte Finanztransaktionssteuer keinen Schaden an dieser Erfolgsgeschichte anrichten. Wenn darüber hinaus im internationalen Kontext noch mehr die Qualität dieses Börsenplatzes und seines führenden Index wahrgenommen werden, werden auch noch mehr Ausländer diesen Börsenplatz für sich entdecken. Dem Dax dürfte dann für weitere erfolgreiche 25 Jahre nichts im Wege stehen.

Bewegte Zeiten
Aus der Taufe gehoben hatten den Dax die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, die Frankfurter Wertpapierbörse und die Börsen-Zeitung. Die Indexbasis des Dax wurde per 31. Dezember 1987 auf 1 000 Punkte festgesetzt. Zum offiziellen Start am 1. Juli 1988 stand der Dax bei 1 163,52 Punkten und hatte damit bereits eine bewegte Zeit hinter sich. Am 19. Oktober 1987 hatte der Index anlässlich des Schwarzen Montags in den USA einen Tagesverlust von 9,39 % verzeichnen müssen. Knapp zwei Jahre später, am 16. Oktober 1989, brach der Dax sogar um 12,81 % ein, sein bis heute größter Tagesverlust. Rückblickend erscheint der Auslöser hierfür eher marginal – Verhandlungen zur Rettung der US-Fluggesellschaft UAL waren zuvor gescheitert. Bis Anfang 2000 kannte der Index dann bekanntermaßen in der Summe nur eine Richtung: nach oben. Am 20. März 1998 schloss der Dax zum ersten Mal über 5 000 Punkten. Nur knapp zwei Jahre später, am 7. März 2000, erreichte der Dax mit 8 136,16 Punkten im Handelsverlauf

Hohe Beständigkeit
Bei all den Veränderungen weist der Dax eine hohe Beständigkeit auf. Dass es im Zeitablauf zu Veränderungen in der Indexzusammensetzung kommt, ist den Auswahlkriterien geschuldet. Schließlich sollen im Dax die wirklich starken Unternehmen Deutschlands gebündelt werden. In einer Marktwirtschaft entwickeln

Von der Behörde zum Blue Chip
Klares Leistungsversprechen schafft Vertrauen
des Umsatzes und sage und schreibe 74,3 % des operativen Gewinns aus dem Briefbereich – einem Geschäft also, das durch die sukzessive Abschaffung des einstigen Monopols sowie durch das unaufhaltsame Vordringen der digitalen Kommunikation zulasten des physischen Briefs vor gewaltigen strukturellen Herausforderungen stand. Auf das gesamte Logistik- und Expressgeschäft entfielen damals nur 42 % des Umsatzes und gerade einmal 7 % des operativen Gewinns. Den Rest steuerte die Postbank bei. Zwölf Jahre später hat sich das Bild komVon plett gewandelt. Die Lawrence A. Rosen Bank wurde im Zuge der notwendigen Fokussierung auf die Kernaktivitäten erfolgreich veräußert. Das Briefgeschäft hat die Auswirkungen sinkender Briefvolumina durch eine Mitglied des Vorstands der Deutschen Post DHL geschickte Diversifizierung – einerseits in die elektronische Kommunider Privatisierung eingeschlagenen kation, andererseits mit dem massiModernisierungskurs durch eine ent- ven Ausbau des vom boomenden schlossene Hinwendung zum Kapi- E-Commerce getriebenen Paketgetalmarkt und seinen Erfordernissen schäfts – im Wesentlichen kompensiert und sich auf einem respektablen zu beschleunigen. Heute können wir feststellen: Der Niveau stabilisiert. Seine relative BeKonzern Deutsche Post DHL hat die- deutung im Konzern ist hingegen se Chance genutzt. Das Unterneh- deutlich gesunken: Der Briefbereich men, dessen historische Wurzeln bis kommt heute nur noch auf einen Umzur Begründung des neuzeitlichen satzanteil von gut einem Viertel und Postwesens im Jahr 1490 durch trägt knapp 40 % zum Ergebnis bei. Franz von Taxis zurückreichen, kam Die Logistik wiederum mit den drei schneller in der Kapitalmarkt-Moder- DHL-Bereichen Express, Global Forne an, als viele es ihm zugetraut hat- warding & Freight sowie Supply ten, und ist längst als einer der wich- Chain ist mittlerweile längst der tigsten Blue Chips fest im deutschen Hauptumsatz- und Ergebnisbringer Aktienmarkt etabliert und repräsen- des Konzerns geworden – und mit ihtiert dort die für die exportorientier- rem einzigartigen globalen Netzwerk te deutsche Wirtschaft so bedeutsa- auch der wichtigste Wachstumstreime Logistikbranche. Die Zugehörig- ber für Deutsche Post DHL. Die Wandlung vom Staatsunterkeit zum Dax, der als Leitindex Ansehen und Stärke der deutschen Wirt- nehmen zum weltweit führenden schaft national wie global reflektiert, Post- und Logistikkonzern drückt und die damit verbundenen Anforde- sich aber selbst in diesen gravierenrungen an Transparenz und Perfor- den Verschiebungen nur unzureimance machten allerdings einen chend aus. Die internen Veränderungrundlegenden Wandel im Unterneh- gen waren nicht minder tiefgreimen notwendig. Dieser war zwar be- fend. Dabei spielte der Börsengang reits in den neunziger Jahren einge- als Katalysator eine entscheidende leitet worden, nach dem Börsengang Rolle. Er bedingte eine bis dahin konnte – und musste – er aber deut- nicht gekannte Öffnung nach außen. Potenziale und Defizite waren fortlich beschleunigt werden. an gleichermaßen transparent zu machen. Das Unternehmen musste Wandel auf allen Ebenen sich – für börsennotierte Konzerne eiEs ging zum einen darum, die letz- ne Selbstverständlichkeit, für ein ten Schritte auf dem Weg von der Be- ehemaliges öffentliches Unternehhörde mit all ihren strukturellen und men ein Kulturbruch – dem Urteil kulturellen Eigenheiten zu einem der Märkte und deren ganz eigenen modernen, privatwirtschaftlich ge- Kriterien für Erfolg oder Misserfolg führten Post- und Logistikdienstleis- stellen. Die Exponiertheit, die mit der Zuter zu gehen. Denn nur so konnte der Konzern eine Chance auf dauer- gehörigkeit zu einem der weltweit haften Erfolg im harten Wettbewerb führenden Indizes einhergeht, wirkte deshalb zunächst vor allem als haben. Zugleich galt es, die Schwerpunk- Herausforderung, die Deutsche Post te des Geschäfts durch kluge Expansi- DHL jedoch konsequent angenomon und den Ausbau vorhandener Po- men hat: Die weiter forcierte Internatenziale zu verlagern. Im Jahr des tionalisierung des Geschäfts, die Fortsetzung Seite B 5 Börsengangs stammten noch 34,5 % Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Der 20. November 2000 markierte für die damalige Deutsche Post AG den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Mit der erfolgreichen Börseneinführung durch die Platzierung von zunächst 29 % des Aktienkapitals wurde der mehr als zehn Jahre zuvor eingeleitete Privatisierungsprozess des ehemals staatlichen Unternehmens vorläufig gekrönt. Zugleich eröffnete der Börsengang dem Konzern die Chance, den mit

Sonnabend, 29. Juni 2013

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Börsen-Zeitung Nr. 122

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Finanzkreislauf ist Lebenselixier für die Weltwirtschaft
Von funktionierenden Finanzmärkten profitieren alle – Planungssicherheit und unternehmerischen Handlungsspielraum gewährleisten
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Seit 25 Jahren fasst der Dax die wichtigsten deutschen Unternehmenswerte zusammen. In dieser Zeit hat er sich auf den globalen Finanzmärkten viel Vertrauen erworben. Unsere Partner in der Welt sehen ihn als transparentes Schaufenster der deutschen Wirtschaft. Und was noch wichtiger ist: Er ist ein ganz bedeutender Faktor für das Funktionieren des internationalen Finanzkreislaufes geworden. Siemens gehört zu den Unternehmenswerten, die die gesamten 25 Jahre im Dax vertreten waren. Deswegen möchten wir dem Dax an seinem Jubiläum ganz besonders herzlich zu seinem Erfolg gratulieren – ebenso wie der Börsen-Zeitung, die bei seiner Geburt Pate stand. Vom internationalen Finanzkreislauf und von funktionierenden Finanzmärkten profitieren alle – insbesondere auch die Unternehmen der sogenannten Realwirtschaft. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 bestreiten das manche und fordern, Real- und Finanzwirtschaft stärker zu entkoppeln. Doch damit ziehen sie den falschen Schluss. Denn der Finanzkreislauf ist das Lebenselixier der Weltwirtschaft – und damit für die Weltwirtschaft genauso wichtig wie Innovation für unsere Unternehmen. Denn auch für Finanzprodukte gilt: Marktprozesse sind das effizienteste Mittel, um Angebot und Nachfrage zu koordinieren. Geld und Ersparnisse etwa entstehen in aller Regel nicht dort, wo sie für Investitionen gebraucht werden. Finanzmärkte wirken also wie Umspannstationen, auf denen Fristen, Losgrößen und Risiken transformiert werden. auch das Wohlstandsgefälle zwischen den alten Industrieländern in Westeuropa und Nordamerika und aufstrebenden Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika würde sich ohne funktionierende Finanzmärkte nur deutlich langsamer verringern. Und auch Deutschlands international tätige Unternehmen könnten ohne global intakte Finanzmärkte nicht optimal von der wirtschaftlichen Dynamik in anderen Von und aufstrebenden WeltJoe Kaeser regionen profitieren und damit zur Wohlstandsentwicklung hier in Deutschland beitragen. Siemens hat allein im vergangenen Jahr insgesamt 5 Mrd. Euro Mitglied des Vorstands an Steuern und Abgavon Siemens ben in Deutschland gezahlt – so viel zu der manchmal vorgetrageStändig einigen sich dort die Akteu- nen These, international tätige Konre auf Preise, die die jeweiligen Inte- zerne würden die Finanzmärkte zur ressen zum Ausgleich bringen. Da- Gewinnverlagerung ins Ausland mit halten funktionierende Finanz- nutzen. märkte die Investitionsquote hoch Für uns stimmt das genaue Gegenund sorgen für langfristiges Wirt- teil – intakte Finanzmärkte helfen schaftswachstum. Dazu kommt, dass zur Wohlstandssicherung im Inland Renditen für Wohlstandseffekte sor- – und das beginnt bereits bei der Kagen, die Konjunkturschwankungen pitalbeschaffung. Reibungslose Refidämpfen und damit die Wirtschaft nanzierung erhält die Basis für Innoinsgesamt stabilisieren. vationskraft und Technologieführerschaft. Sie sichert die Fähigkeit zur Wie im Kleinen, so im Großen Umsetzung von Großprojekten, ermöglicht weitere internationale ExMehr noch: Die permanente Preis- pansion und hilft uns, neue Gebildung auf den Finanzmärkten schäftsfelder zu erschließen. Auch lenkt knappe Ressourcen in die je- unser Tagesgeschäft – in 190 Länweils ertragreichste Verwendung. dern und mit 40 Währungen – könnSie sorgt für Effizienz – dafür, dass ten wir ohne einen verlässlichen Menichts verschwendet wird, und da- chanismus globaler finanzwirtschaftfür, dass wir nachhaltig wirtschaften können. Das gilt für jede lokale Einzelentscheidung und es gilt umso mehr in globalem Maßstab. Denn
Foto: Siemens

licher Beziehungen nicht bewältigen. Ganz zu schweigen von den Aktivitäten unserer hauseigenen Finanzeinheit „Financial Services“, die unseren Kunden attraktive Finanzierungen anbietet und damit die Möglichkeiten eines funktionierenden Finanzkreislaufes in ganz besonderem Maße nutzt. Aber Profiteure des Finanzkreislaufes sind nicht nur große Unternehmen wie Siemens, sondern ganz besonders auch die vielen mittelständischen Unternehmen, auf denen Deutschlands Exportstärke in so einzigartiger Weise beruht. Funktionieren die Finanzmärkte, können sie ihre Liquidität möglichst präzise steuern, Risiken möglichst genau kontrollieren und Kosten senken. Funktionieren sie aber nicht, verlieren sie Planungssicherheit und unternehmerischen Handlungsspielraum – und Deutschland den Wohlstand, den sie in unserem Land kreieren. Wenn wir also heute das Jubiläum des Dax feiern, sollten wir nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern uns auch überlegen, wie wir den für uns so wichtigen internationalen Finanzkreislauf stärken können. Oder zumindest sollten wir uns überlegen, was wir tun können, um ihn nicht zu schwächen.

Mit Bedacht regulieren
Das gilt gerade für die Diskussion um die Lehren, die aus der bereits angesprochenen Finanz- und Wirtschaftskrise zu ziehen sind. Keine Frage: Es gibt dort Regulierungsbedarf. Der Verlust an Wohlstandsund Unternehmenswerten, den wir im Verlauf dieser Krise gesehen haben, war enorm. Es liegt in unserer

Markt ist am effizientesten
Die irrige Annahme, dass Geldströme nur ein Spiegelbild der zugehörigen Güter- und Dienstleistungsbewegungen sind und sich von der Realwirtschaft ablösen lassen wie ein Schleier von einem Gesicht, ist ja auch schon lange widerlegt. Bereits im Jahre 1960 sagte der amerikanische Ökonom John G. Gurley: „Money is a veil – but when the veil flutters, real output sputters.“

Hand, dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Verlust nicht wiederholt. Die Basel-Verträge sind ein Beispiel für Maßnahmen, die das verhindern können. Aber es gilt eben auch: Schnellschüsse helfen genauso wenig wie der Versuch, jegliche Volatilität aus den Märkten zu nehmen. Es hat auch in der Vergangenheit schon in den Finanzmärkten immer wieder irrationale Exuberanzen gegeben – und die Märkte haben sie immer wieder ausgeglichen. Und im Übrigen gilt: Wettbewerbsfähige und innovationsstarke Volkswirtschaften sind meist gut dafür gerüstet, mit den Konsequenzen solcher Exuberanzen umzugehen. Was wir also brauchen, ist eine Politik, die aktiv Wettbewerbsfähigkeit sichert und Innovationskraft stärkt. Dazu gehören auch leistungsfähige Banken im Lande, die die Unternehmen umfassend unterstützen können. Dazu gehört eines nicht: politische Schnellschüsse zur Regulierung der Finanzmärkte, die mehr schaden als nutzen – etwa die derzeit von der EU geplante Finanztransaktionssteuer. Die hat zwar ein an sich gut gemeintes Ziel, nämlich den Hochfrequenzhandel zurückzudrängen. Gleichzeitig aber würde sie eine ganze Menge unerwünschter Nebeneffekte verursachen, die die tägliche Arbeit unserer Industrieunternehmen behindern, ihre Kassen belasten und damit die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Wirtschaft verringern – indem sie etwa das normale Hedging von Zins-, Währungsund Rohstoffrisiken verteuern. Darunter würde nicht nur die Realwirtschaft leiden (der man ja eigentlich helfen wollte), sondern auch unsere

Arbeitnehmer und damit unser Land als Ganzes – denn weniger Geld in den Kassen der Unternehmen bedeutet weniger Geld, das sie in Innovation, in Arbeitsplätze und in den Wohlstand unseres Landes investieren können. Und noch problematischer wird es dann beim Thema Mitarbeiteraktien unserer Unternehmen: Aktien, die ja in der Regel langfristig und zur Altersvorsorge gehalten werden, die die nachhaltige Unternehmensführung unterstützen – und die dennoch steuerlich genauso behandelt werden sollen wie Aktien, die von Spekulanten mehrmals täglich hin und her geschoben werden.

Innovationskraft erhalten
Der politische Schluss, der aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu ziehen ist, ist vielmehr ein anderer. Es ist nicht die Diskreditierung einer ganzen Branche zu in Teilen sogar populistischen Zwecken, sondern es geht um die Sicherung und den auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Banken- und Finanzsektor in Europa, aber ganz besonders in Deutschland. Dabei geht es schließlich um weitsichtiges und überlegtes Handeln, das unsere Wirtschaftsunternehmen stärkt und damit die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft erhält. Dafür brauchen wir funktionierende Finanzmärkte und dazu müssen wir die Innovationskraft unserer Unternehmen erhalten, indem wir so viele unserer Ressourcen wie möglich sinnvoll für Bildung und Weiterbildung aufwenden. Dann werden wir in 25 Jahren guten Grund haben, ein weiteres Dax-Jubiläum zu feiern.

Von der Behörde zum . . .
Fortsetzung von Seite B 4 Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder, der entschlossene globale Ausbau der Logistiksparte, die Restrukturierung zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit der Aufgabe unrentabler Geschäfte, die vielfältigen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in den vergangenen Jahren, das gewachsene Selbstverständnis als Marktführer und Innovationstreiber der Branche, der Anspruch, sich mit den Besten zu messen und diesen Wettbewerb unbedingt gewinnen zu wollen – all dies wäre ohne den Börsengang in dieser Form vermutlich nicht oder aber nur wesentlich langsamer eingetreten. transparent, so wie wir unsere Finanzergebnisse und -ziele transparent machen. An der Börse ebenso wie in unseren Märkten sind dies die wichtigsten Zutaten für nachhaltigen Erfolg: volle Transparenz über Strategie, Ziele und Resultate sowie höchste Qualität. Letztere schließt auch finanzielle Solidität mit ein. In unserer Finanzstrategie haben wir im Jahr 2010 die Leitplanken dafür definiert, inklusive einer Ziel-Bandbreite für die von uns angestrebte berechenbare Dividendenpolitik. Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass der Konzern Deutsche Post DHL Kapital und Liquidität effizient managt und auf einem ebenso stabilen wie flexiblen finanziellen Fundament fußt. Mit der konsequenten Umsetzung unserer Finanzstrategie gewährleisten wir nicht nur die Aufrechterhaltung unseres guten Ratings, sondern wir bewahren uns auch die notwendigen finanziellen Spielräume für die weitere Umsetzung unserer Wachstumsstrategie. Der Konzern Deutsche Post DHL, so viel steht fest, ist heute nicht mehr derselbe wie beim Börsengang vor mehr als zwölf Jahren. Aus dem ehemaligen Staatskonzern ist ein ganz normales Unternehmen geworden. Der Staat hat sich auf eine indirekte Beteiligung von nur noch gut einem Fünftel zurückgezogen. Wir selbst haben uns im Laufe der vergangenen Jahre ein Stück weit neu erfunden – und sind doch wesentlichen Elementen unseres Markenkerns treu geblieben: Deutsche Post DHL wirtschaftet auch als kapitalmarktorientiertes Unternehmen so solide und verantwortungsvoll, wie es sich für ein Unternehmen mit einer so langen Tradition gehört. Und vor allem: Wir liefern zuverlässig. Das ist unser Leistungsversprechen, nicht nur im täglichen Geschäft, sondern auch gegenüber unseren Aktionären. Indem wir alles daransetzen, diesem Anspruch umfassend gerecht zu werden, wollen wir das Vertrauen der Investoren in unser Unternehmen weiter festigen. Die erfreuliche Kursentwicklung der vergangenen beiden Jahre legt – wie auch die wachsende Zahl von Privataktionären, die wir gewinnen konnten, – den Schluss nahe, dass wir damit auf gutem Wege sind. Klar ist aber auch: Deutsche Post DHL wird auch in Zukunft nicht nachlassen, jeden Tag aufs Neue um dieses Vertrauen zu kämpfen – auf einem der besten

„Respekt und Resultate“
Doch so wichtig die Orientierung an den Erfordernissen des Kapitalmarkts für Deutsche Post DHL war und ist, so erfolgreich das Unternehmen sich in einem herausfordernden Markt-, Konjunktur- und Wettbewerbsumfeld auch behauptet: Ergebnisse und Aktienkurse waren und sind für uns keineswegs Maß aller Dinge. „Respekt und Resultate“ – beides treibt uns gleichermaßen an, als börsennotiertes Unternehmen und als Corporate Citizen. Was das konkret bedeutet, hat Deutsche Post DHL in der 2009 beschlossenen „Strategie 2015“ niedergelegt. Der Konzern hat darin ein Ziel-Dreieck definiert: Wir wollen der Anbieter erster Wahl für unsere Kunden sein und in unserer Branche der Arbeitgeber erster Wahl und das präferierte Investment. Alle drei Ziele sind uns gleich wichtig, und die Interdependenzen sind eindeutig: Wenn die Kunden mit der Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen zufrieden sind, wenn die Mitarbeiter sich bei uns wohlfühlen, wenn sie unsere Strategie mittragen und im täglichen Geschäft motiviert sind, immer wieder Höchstleistungen zu bringen – nur dann können wir dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich sein, gute Zahlen liefern und so die Voraussetzungen für eine positive Resonanz am Kapitalmarkt schaffen. Wir messen die Qualitätsfortschritte, die wir auf dem Weg zum Anbieter und Arbeitgeber erster Wahl machen, genauso akribisch wie die Entwicklung der finanziellen Leistungsindikatoren, und wir machen sie

B 6 Börsen-Zeitung Nr. 122
25 Jahre Dax – eine Chronik

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Sonnabend, 29. Juni 2013

7. März 2000 Dax erreicht auf dem Höhepunkt der Tech-Blase Rekord von 8 136,16

22. Mai 2013 Dax steigt auf Rekordhoch von 8 557,86 13. Juli 2007 Dax erreicht Rekord von 8 151,57 26. Juli 2012 EZB-Präsident Mario Draghi stellt unlimitierte Anleihekäufe in Aussicht 15. Sept. 2008 Lehman Brothers kollabiert

1. Juli 1988 Dax startet bei 1 163,52 Punkten 9. November 1989 Öffnung der Berliner Mauer

1. Januar 1999 Einführung des Euro 20. März 1998 Dax schließt erstmals über 5 000 18. November 1996 Erstnotiz der Telekom-Aktie

11. September 2001 Terroranschläge in den USA

28. September 2005 Dax schließt wieder über 5 000

2. August 1990 Irak marschiert in Kuwait ein

August 2011 Euro-Schuldenkrise löst Kursrutsch aus 8. Oktober 1993 Dax schließt erstmals über 2 000 9. März 2009 Dax erreicht Krisentief von 3 588,89 19. März 2003 Beginn des 2. Irak-Kriegs

17. Januar 1991 Beginn des 1. Irak-Kriegs

© Börsen-Zeitung

Quelle: Eigene Recherche; Kursdaten: Thomson Reuters

Katalysator für den Erfolg von Unternehmen
Dax stärkt das Image der deutschen Unternehmen weltweit – Erwartungen von SAP an den Kapitalmarkt haben sich erfüllt
neunziger Jahren mit dem neuen Konzept des Client-Servers, das die Arbeit mit Großrechnern ablöste. In der Unternehmenswelt war diese Umstellung eine Revolution. R/3 war auf die Client-Server-Architektur ausgerichtet und kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Eigentlich für den Mittelstand gedacht, zeigten viele Großunternehmen weltweit Interesse. Auch die weltweite Expansion hing stark mit R/3 zusammen. Mit Von dem neuen System geWerner Brandt lang der Erfolg in den USA. 1995, sieben Jahre nach dem Börsengang und auf dem Sprung in den Dax, erwirtschaftete das Software-Unternehmen einen Umsatz Mitglied des Vorstands von mehr als 1 Mrd. DM. Großkonzerne wie von SAP General Motors gehörten jetzt wie selbstverfang an standen in der Software-Ent- ständlich zu unseren Kunden. Die wicklung die Kunden im Mittel- Produktpalette wuchs kontinuierlich. Marktkapitalisierung und Hanpunkt. delsvolumen stiegen, in den drei Monaten vor dem Dax-Debüt legte die Eng am Kunden dran SAP-Aktie um knapp 50 % zu. Ursprünglich hatte dies praktische Gründe: SAP konnte sich in den ersElitezirkel der Wirtschaft ten Jahren keine eigenen Großrechner leisten – entwickelt wurde daher Mit dem Aufstieg in den Dax erauf den Rechnern der Kunden, was reichte die SAP eine neue Dimensiin der Regel nur nachts möglich war. on. Die Mitgliedschaft eröffnete dem Die daraus entstandene Haltung, Unternehmen mehr Aufmerksamstets eng am Kunden zu arbeiten, keit, die Bekanntheit der SAP im Insteckt seither in den Genen des Un- und Ausland stieg. Denn der Index ternehmens. Mit hohem Innovations- stellte den Elitezirkel der deutschen tempo brachte SAP die Großrechner- Wirtschaft dar. Daran hat sich seitsoftware R/1 und R/2 auf den Weg – her nichts geändert. Der Dax repräR stand für „real time“. SAP wuchs sentiert die wichtigsten Wirtschaftsrasch und bot seine Lösungen in zweige der Bundesrepublik DeutschDeutschland, Österreich und der land. Allein im vergangenen Jahr erSchweiz an. Unsere Produkte waren wirtschafteten die 30 größten und einzigartig, die Potenziale für schnel- umsatzstärksten Unternehmen an les und internationales Wachstum so- der Frankfurter Wertpapierbörse eiwie für weitere Innovationen waren nen Gesamtumsatz von 1,3 Bill. Euenorm. Um diese Potenziale heben ro, etwa 60 % des Grundkapitals alzu können, benötigte SAP Zugang zu ler notierten deutschen GesellschafKapital. ten entfallen auf den Dax. Sie beUnser Börsengang im Jahr 1988 schäftigen mehr als 3,5 Millionen trug das Motto: „Eine Aktie ist so Mitarbeiter, gut 40 % davon im Inwachstumsorientiert wie das Unter- land. Banken und Versicherungen nehmen, das dahintersteht.“ Das In- nehmen seit Beginn das größte Geteresse an den rund 240 000 Inhaber- wicht ein, es folgen der Automobilaktien war so groß, dass die Zeich- und Chemiesektor. nungsfrist vorzeitig endete. Am Der Dax trat im Juni 1988 die 4. November 1988 erfolgte die Erst- Nachfolge eines von der Börsen-Zeinotiz der Aktien zu einem Preis von tung entwickelten Index an. Frank 750 DM pro Stück. Dabei war die Mella, Redakteur der Börsen-ZeiSkepsis auf Seiten der großen Fi- tung und Autor des Dax, verfolgte nanzinstitute, die angefragt worden dabei zwei Ziele: Er wollte die Diviwaren, das IPO zu begleiten, an- denden und Kapitalmaßnahmen der fangs groß: zu jung die Industrie, zu Aktiengesellschaften in die Berechwenig anfassbar die Produkte. Die nung einfließen lassen, um die geDZ Bank hatte schließlich die Rolle samte Wertentwicklung von Aktien des Koordinators übernommen und darstellen zu können. Und er wollte die Transaktion strukturiert. Seitens einen Index als anerkannte Basis für SAP waren die wichtigsten Erwartun- Termingeschäfte bilden. gen an den Kapitalmarkt, die UnabDie Mitglieder der Dax-„Familie“ – hängigkeit des Unternehmens zu si- später kamen unter anderem die kleichern, in Innovationen investieren neren Geschwister MDax und Teczu können und die globale Präsenz Dax dazu – erfüllen mehrere Aufgaausbauen zu können. ben: Neben ihrer Funktion als AbDer internationale Durchbruch für bild der Wirtschaft bilden sie die Badie unternehmensweiten Anwen- sis für fast 30 000 Finanzprodukte, dungsprogramme gelang in den von Futures- oder Options-KontrakBörsen-Zeitung, 29.6.2013 Anders als viele Neugründungen im Silicon Valley war die 1972 gegründete SAP keine Garagenfirma. Das Unternehmen entwickelte von Beginn an integrierte Standardsoftware für alle Unternehmensbereiche. Die Gründer setzten dabei auf eine Technik, bei der Eingaben in Echtzeit verarbeitet werden. Von Anten bis zu Exchange Traded Funds. Anleger können mit Hilfe der indexbasierten Produkte in jeder Marktsituation individuell investieren. Der Dax gilt als der mit Abstand wichtigste von der Deutschen Börse berechnete globale Index. der Betrag auf 3 Mrd. Euro. Die Attraktivität der Dax-Konzerne ist auch ein Grund dafür, warum deren Entwicklung regelmäßig in allen internationalen Wirtschaftszeitungen thematisiert wird. Dies bringt den Dax-Unternehmen eine Aufmerksamkeit, die sie ohne eine Mitgliedschaft im Leitindex nicht hätten. Mächtige Aktionärsvereinigungen wie die US-amerikanischen Institutional Shareholder Services prüfen auch die Corporate-Governance-Kriterien der Industriekonzerne des Dax. Wert der SAP-Aktie seit dem ersten Handelstag im November 1988 ohne Dividenden unter Berücksichtigung von Kapitalerhöhung und Aktiensplits um rund das 120-Fache gewachsen. Damit hat sich das SAP-Papier deutlich besser entwickelt als der Vergleichsindex, der im selben Zeitraum um das 3,47-Fache zugelegt hat. Mitgliedschaft im deutschen Leitindex ein wichtiger Faktor. Aktuell ist SAP mit einer Marktkapitalisierung von über 70 Mrd. Euro eines der am höchsten bewerteten Unternehmen im Dax. Damit ist unser Börsenwert doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Gemessen an der Marktkapitalisierung sind wir weltweit der drittgrößte unabhängige Software-Hersteller und der zehntgrößte High-Tech-Konzern. Die Vision der SAP, Geschäftsvorgänge mit der Hilfe von Software-Lösungen besser, schneller und effizienter zu machen, hat heute noch immer Gültigkeit und ihr Potenzial entfaltet sich weiter. Mit der Datenbanktechnologie HANA, die die Arbeit mit großen Datenmengen bis zu 10 000-mal schneller macht als mit konventionellen Datenbanken, ist nach R/3 in den neunziger Jahren zum zweiten Mal ein wesentlicher Technologiesprung möglich. HANA wird nachhaltig verändern, wie Technologie die Unternehmen in ihrem Handeln unterstützen kann. Der Zugang zum Kapitalmarkt und die Aufmerksamkeit als Dax-Unternehmen bleiben zentral, um unseren Expansionskurs weiter zu finanzieren, unsere Markt- und Innovationsführerschaft auszubauen und damit weiterhin eine attraktive und nachhaltige Option für Investoren zu sein.

Vereinfachte Positionierung
Von der Bekanntheit, der internationalen Bedeutung und der zentralen Position des Dax profitierte die SAP seit der Aufnahme in den Leitindex. Weltweit stärkt der Dax das Image der deutschen Wirtschaft. Die Zugehörigkeit zum Prime Standard mit seinen hohen Transparenzanforderungen vereinfacht die Positionierung gegenüber internationalen Investoren. Der Dax ist heute der meistbeachtete deutsche Börsenindex und rangiert in Wirtschaftspublikationen und Börsen-Tickern gleichauf mit dem amerikanischen Dow Jones Industrial Average, dem britischen FTSE und dem japanischen Nikkei. Sowohl private als auch institutionelle Anleger sehen in dem Index einen optimalen Ausgangspunkt für die Analyse des deutschen Aktienmarktes. Nicht wenige Großinvestoren kaufen Dax-Aktien allein schon wegen deren Zugehörigkeit zum Auswahlindex. Dax-Papiere werden automatisch in die fünf Dax-Indexfonds aufgenommen; auch Indexfonds auf die Dax-Geschwister DivDax und ÖkoDax investieren ausschließlich in Dax-Aktien. Über den Dax-Future kommen die 30 Aktien in mehr als 22 700 Dax-Derivaten vor; allein 11 714 Anlagezertifikate bilden den Dax 1:1 nach. Auch zahlreiche passive Fonds nutzen den Index als Schablone für ihre Portfolios: Sie investieren ausschließlich in Dax-Werte. Durch die Mitgliedschaft im Dax zeigt sich dies auch in der Liquidität der SAP-Aktie. Das tägliche Handelsvolumen ist seit dem Dax-Aufstieg exponentiell gestiegen und liegt heute bei über 3 Millionen.

Weitere Börsengänge folgen
Zehn Jahre nach der Erstnotierung, am 3. August 1998, folgte ein weiterer Meilenstein bei der Internationalisierung des Konzerns: die Erstnotierung an der New York Stock Exchange. Mit dem US-Börsengang stärkte die SAP vor allem ihre Marktposition und Sichtbarkeit in den USA nach derselben Logik, wie dies schon beim Eintritt in den Dax der Fall war. Das US-Geschäft stellt heute stabil rund 25 % des Konzernumsatzes dar. Ähnliche Überlegungen wägt SAP mit einem Börsengang in China ab. Hier bestehen jedoch noch nicht alle notwendigen Voraussetzungen, um einen Börsengang in Schanghai als sinnvoll erscheinen zu lassen. SAP ist heute Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Für unseren weltweiten Erfolg und die Stärke unserer Marke – eine der wertvollsten in Deutschland – bleibt unsere

Wichtiger Vergleichsmaßstab
Bei der Aufnahme in den Dax 1995 war SAP das einzige IT-Unternehmen in Deutschland im deutschen Leitindex. Das ist bis heute so geblieben. Und auch wenn die größten Wettbewerber im Silicon Valley sitzen: Der Dax war und ist für SAP in vielerlei Hinsicht der wichtigste Vergleichsmaßstab. Die Entwicklung des Index ist ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Das Gewicht der IT-Branche zeigt die relative Wirtschaftskraft. Und die Performance der SAP-Aktie verdeutlicht, welche Perspektive sich das Unternehmen im internationalen Wettbewerb erarbeitet hat. Die positive Unternehmensentwicklung der SAP zeigt sich auch im Aktienkurs – speziell im Vergleich zum Dax. So ist der

Der Dax ist die Wiege der Zertifikate
Erster und beliebtester Basiswert – Produkte auch für Privatanleger
Eines haben alle Zertifikate dabei gemeinsam: Sie sind derivative Wertpapiere für Privatanleger und gehören zur Gruppe der sogenannten strukturierten Produkte. Sie werden als strukturiert bezeichnet, weil sie in der Regel aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt sind. Da Zertifikate im Gegensatz zu sonstigen DeVon rivaten als Wertpapiere Hartmut Knüppel verbrieft sind, werden sie auch „verbriefte Derivate“ genannt. Der Begriff „Derivat“ stammt von dem lateinischen Wort „derivare“, das „ableiten“ bedeutet. DerivaGeschäftsführender Vorstand des Deutschen te sind demnach Finanzprodukte, deren KursDerivate Verbands entwicklung sich von der Wertentwicklung eilung des Dax, ohne dessen Einzel- nes anderen Produktes, dem sogewerte kaufen zu müssen? Fehlanzei- nannten Basiswert, ableitet. An diege. Das war nur etwas für Profianle- ser Stelle kommt dann auch der Dax ger. Doch dann wurden im Jahr ins Spiel. Und zwar in mehrfacher 1990, nur drei Jahre nach dem Start Hinsicht. Das allererste Zertifikat war ein Indes deutschen Leitindex, die ersten Zertifikate entwickelt. Sie revolutio- dex-Zertifikat. Es wurde im Juni nierten die Anlagemöglichkeiten für 1990 von der Dresdner Bank aus der Taufe gehoben. Sein Basiswert war private Anleger. Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Wer noch in den achtziger Jahren als Privatanleger unkompliziert sein Depot absichern oder von seitwärts laufenden oder fallenden Märkten profitieren wollte, der hatte leider Pech. Teilhaben an der Wertentwickder Dax. Käufer des Index-Zertifikats waren gerade auch private Anleger, die von steigenden Kursen des Dax mit einem einzigen Wertpapier profitieren wollten. Denn von der Kursentwicklung des Basiswerts hängt die Wertentwicklung des jeweiligen Zertifikats ab. Damit sind sie sogenannte passive Finanzprodukte, bei denen anders als bei Fonds kein Manager aktiv die Wertentwicklung beeinflusst. Und somit gibt es bei Zertifikaten auch keine Managementgebühren. Zertifikate beinhalten, wie übrigens auch Bausparverträge, stets eine oder mehrere Optionskomponenten. Diese bestimmen, welche Ausstattungsmerkmale ein Zertifikat hat. Dazu gehört, wie risikoreich ein Zertifikat ist und ob der Anleger mit dem Zertifikat auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse des Basiswerts setzt.

Im Ausland beliebt
Durch den Dax ist das Interesse an deutschen Unternehmen so hoch wie nie zuvor: Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge kommen heute im Schnitt rund 58 % der Investoren aller Dax-Firmen aus dem Ausland. Damit hat sich die Aktionärsstruktur in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Im Jahr 2005 waren es 44 %. Betrachtet man die Entwicklung der SAP bei institutionellen Anlegern seit der Aufnahme in den Dax, wird dieser Trend noch deutlicher: Kamen 1995 erst 56 % der institutionellen Anleger aus dem Ausland, sind es heute 83 %. In den vergangenen drei Jahren schütteten die Dax-Gesellschaften rund 90 Mrd. Euro an Dividenden an ihre Anteilseigner aus. Auch die SAP beteiligt ihre Aktionäre durch regelmäßige Dividendenzahlungen am Unternehmenserfolg. In den vergangenen drei Jahren kumulierte sich

Vielfältiges Angebot
Seit dem ersten Dax-Zertifikat vor 23 Jahren hat sich in der Derivate-Welt viel getan: Derzeit bieten mehr als 30 Emittenten Zertifikate Fortsetzung Seite B 8

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Börsen-Zeitung Nr. 122

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Außerbörslicher Handel ist neue Macht im Indexroulette
Handelbarkeit der Aktien an regulierten Börsen verbessern – Regularien verschärfen – Designated Sponsors fungieren als Liquiditätsbeschaffer
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Mehr als 20 Jahre lang mussten sich Dax-Unternehmen nicht die Frage stellen, ob und welche Auswirkungen von Dark Pools für ihre Indexzugehörigkeit bestehen. Denn die Aktien wurden überwiegend über die regulierten Börsen gehandelt – einschließlich Parkettbörsen und „Over the Counter“ (OTC). Seit 2008 gibt es jedoch die Möglichkeit, große Ordervolumina über Dark Pools namhafter Adressen abzuwickeln. Diese Orders allerdings werden nicht berücksichtigt, wenn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse über die Indexzusammensetzung entscheidet. Das Problem dabei: Sinken bei einem Unternehmen aufgrund des Dark-Pool-Handels die Umsätze an regulierten Börsen im Vergleich zu bestehenden oder potenziellen Indexmitgliedern überproportional stark, so läuft das Unternehmen Gefahr, aus dem Index genommen zu werden. drei Unternehmen haben einen hohen Free Float, selbst SAP mit 74 %. Gründe für die hohen handelbaren Volumina außerhalb der regulierten Börsen sind z. B. Mehrfachlistings, die Auflage von ADR und der Blockhandel. Auch wenn die Dax-Mitglieder täglich handelbare Volumina in mit den nach Handelsumsatz und Marktkapitalisierung 30 größten deutschen Unternehmen regulär einmal im Jahr überprüft wird, nämlich zur Verkettung im September. Für die Berechnung der Indexzugehörigkeit werden unter anderem die Volumina an den Börsenplätzen Xetra und Xetra 2 (früher Frankfurter Parkett) herangezogen, da nur diese nachweisbar sind Von und von der Deutschen Silke Schlünsen Börse überprüft werden (regulierte Märkte). Der Arbeitskreis zieht für seine Entscheidung zuerst die harten Kriterien Free-Float-Marktkapitalisierung, respektive Head of Designated den streubesitzgewichteSponsoring der Close ten Börsenwert, und die Brothers Seydler Bank Handelsvolumina von Unternehmen heran, sechs- bis siebenstelliger Größenord- die als Berechnungsgrundlage 20 nung aufweisen, werden sehr große Handelstage (Free-Float-MarktkapiBlockanfragen aufgrund geringerer talisierung) bzw. zwölf Monate Kosten und besserer Handelbarkeit (Handelsumsatz) aufweisen. Ein Unternehmen gilt als Dax-Aufder Aktien tendenziell über die außerbörslichen Handelsplattformen stiegskandidat, wenn es die Ränge 30/30 erreicht und ein Bestandsmitbewegt. glied mindestens in einem Rang gleich oder schlechter als Rang 35 Quartalsweise Überprüfung notiert. Als Dax-Abstiegskandidat Gerade wenn Indexunternehmen gilt ein Unternehmen, das mindeseinen überschaubaren Free Float ha- tens in einem Rang schlechter als ben, handeln Investoren ihre Block Rang 40 notiert, wobei das potenzielTrades in der Regel über die Plattfor- le Aufstiegsunternehmen dann in men OTC und/oder Dark Pools, die beiden Kriterien mindestens Rang mitunter je nach Wertpapier höhere 35 erreichen muss (vgl. Tabelle). Zu den übrigen Quartalsverkethandelbare Volumina mit geringeren Spreads sowie Transaktionskos- tungsterminen kann ein Unternehten abbilden. Zu den bekannten men dann Gefahr laufen, aus dem InDark Pools gehören neben dem der dex herauszufallen, wenn es in eiDeutschen Bank Adressen wie nem Rang schlechter als Rang 45 noHSBC, Goldman Sachs, J.P. Morgan, tiert, bzw. entsprechend aufsteigen, Morgan Stanley, Citigroup und als ei- wenn es die Ränge 25 in beiden Krigenständiger Betreiber auch BATS terien erfüllt. Außerordentlich kann ein Unternehmen seine Dax-ZugehöChi-X Europe. Der Arbeitskreis Aktienindizes ve- rigkeit verlieren bei einem Free rifiziert quartalsweise die Indexzu- Float von weniger als 10 %, einer sammensetzungen, wobei der Dax 30-Tage-Volatilität von mehr als 250 % sowie wenn es einen Segmentwechsel oder die Einstellung des fortlaufenden Handels auf Xetra anstrebt. Beide letztgenannten Maßnahmen greifen allerdings selten und wenn, dann sind sie in Korrelation zum ersten Punkt zu sehen. Läuft ein Unternehmen Gefahr, aufgrund schlechter Indexränge vom Dax in den MDax zu fallen, wie es im September Metro und MAN widerfahren ist, so werden die Unternehmen sicher auch weiterhin bei den meisten Fonds Beachtung finden, da sie nach wie vor als interessante Investments die Watchlisten der Investoren anführen. Lediglich geringe Abschläge in der Handelbarkeit der Aktien müssen als Konsequenz in Kauf genommen werden.

Dax-Verkettungstermine
Dax Fast Entry Fast Exit Regular Entry Regular Exit 25/25 45/45 30/30//35 40/40//35/35 März x x Juni x x September x x x x Dezember x x

Quelle: Close Brothers Seydler Bank

Börsen-Zeitung

Aus dem Index, aus dem Sinn
Für alle anderen Indexunternehmen sehen die Konsequenzen allerdings weniger rosig aus. Dies gilt insbesondere für Abstiegskandidaten im TecDax, da sie in keinen weiteren Index herabfallen können. Diese Unternehmen können infolgedessen auch sehr schnell vom Radar der Fonds verschwinden, die als Investitionsentscheidung die Indexmitgliedschaft und die durchschnittlich handelbaren Volumina heranziehen. Die Fonds, die ausschließlich in Dax-Unternehmen investieren dürfen und z. B. den Index replizieren, würden sich bei einem Dax-Absteiger natürlich entsprechend ganz aus dem Investment verabschieden. Dem Trend zum außerbörslichen Handel kann einerseits durch strengere Regularien und andererseits durch einen aktiveren Handel an den regulierten Börsenplätzen entgegengewirkt werden. Hier gilt: Liquidität zieht Liquidität an. Auch wenn alle Dax-Unternehmen der Liquiditätskategorie A seitens der Deutschen Börse zugeordnet werden und damit für den fortlaufenden Handel

Steigendes Interesse
In den vergangenen Jahren stieg das Interesse am Handel über die unregulierten Märkte. So liegt unseren Auswertungen zufolge bei den Dax-Unternehmen das Verhältnis aller außerbörslichen Handelsvolumina zu den Umsätzen an regulierten Börsenplätzen seit Juli 2012 bei 66,4 zu 31,2 % (Stand April 2013). Weitere 2,4 % entfallen auf sonstige regionale Börsenplätze. Für die Auswertungen wurde der Einfachheit halber in regulierte und unregulierte Märkte differenziert. Dabei vereint die Kategorie unregulierte Märkte die Anteile der Dark Pools und der OTC-Transaktionen. Die höchsten außerbörslichen Handelsvolumina weisen unseren Berechnungen zufolge SAP, Bayer und Allianz mit Anteilen von mehr als 75 % auf. SAP hat bereits die Grenze von 80 % überschritten. Alle

keinen Designated Sponsor nachweisen müssen (im Gegensatz zu fast allen MDax-, TecDax- und SDax-Unternehmen), so mandatiert doch eine große Zahl von Dax-Firmen einen solchen, um fortlaufend und umfassend über das Handelsgeschehen informiert zu sein und Liquidität zu erzeugen. Die kontinuierliche Liquiditätsbereitstellung und -förderung zählt zu den Hauptaufgaben eines Designated Sponsor. Je aktiver dieser agiert – vornehmlich durch eine engere Spreadstellung, als es die Deutsche Börse vorschreibt, und ohne Quote Machines –, desto besser. Designated Sponsors haben also ihrerseits einen nennenswerten Einfluss auf die Handelsvolumina an den regulierten Börsen und die Indexzugehörigkeit ihres Mandanten.

Austausch erwünscht
Interessant dabei: Als das erfolgreiche deutsche Modell „Fortlaufender Handel mit Designated Sponsor“ am 12.10.1998 ins Leben gerufen wurde, um für Liquiditätssteigerungen und jederzeitige Handelbarkeit gerade bei Nebenwerten zu sorgen, durften die Designated Sponsors noch keinen Austausch mit den Emittenten pflegen, um Interessenkonflikte mit einhergehenden Handelsstrategien zu vermeiden. Nach und nach und durch weltweit schärfere Compliance-Richtlinien ist der Austausch zwischen beiden Kapitalmarktakteuren mittlerweile erlaubt

und sogar erwünscht, damit der Emittent jederzeit über das Marktgeschehen zum eigenen Unternehmen und zur Peergroup, sprich zu seinen Vergleichsunternehmen, informiert ist. Fazit: Ob die Dark Pools und der OTC-Handel den regulierten Börsen auch zukünftig den Rang ablaufen, bleibt zu beobachten und kann weitestgehend nur durch schärfere Regularien einschließlich höherer Transparenzverpflichtungen und mehr aktiven Handelsteilnehmern an den regulierten Börsenplätzen aufgehalten werden. Wie wichtig dies insbesondere für Dax-Mitglieder ist, zeigen die aktuellen Recherchen. Solange alle Dax-Mitglieder im Verhältnis gleich viele Anteile hier dazugewinnen und dort verlieren, wird es keine Überraschungen geben. Für die Indexberechnungen des Arbeitskreises Aktienindizes allerdings wäre es wünschenswert, wenn ebenfalls in gleichem Verhältnis die Anteile des regulierten Handels zukünftig ausgebaut und die des unregulierten reduziert werden könnten, um die Indexzusammensetzungen nachweislich besser begründen zu können. Letztlich sollte es aber im Sinne jedes Kapitalmarktakteurs sein, die Handelbarkeit der Aktien an den regulierten Börsen wieder zu verbessern – zum einen der Tradition des Parketthandels und der regulierten Börsenplätze wegen, vielmehr aber, um künftig keine Überraschungen bei den jeweiligen Verkettungsterminen zu erleben.

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Aktien sind unabdingbar für die Altersvorsorge
Informationsdefizit kostet Renditechancen – Deutsche Unternehmen sind attraktiv bewertet und glänzen mit gesunden Bilanzen
Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Der Dax ist in Feierlaune – und das aus gutem Grund. Mit neuen Rekordständen setzt er sich pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum selbst ein Denkmal und belohnt all jene Anleger mit üppigen Gewinnen, die auf deutsche Aktien setzen. Entsprechend groß ist die Euphorie bei Investoren rund um den Globus. Auch hierzulande ist es wieder en vogue, das Hohelied der Aktie zu singen. Selbst in der Boulevardpresse macht der Dax positiv von sich reden. Nur die deutschen Anleger sind weiter skeptisch. So schnell können sie nicht vergessen, wie schmerzhaft die Verluste in den zurückliegenden Krisenjahren waren. Aktien nach wie vor nicht teuer. Das zeigt allein schon der Indexvergleich. Während andere große Leitindizes die Kursentwicklung ihrer Aktien abbilden, werden beim Dax als sogenanntem Performanceindex die Dividenden mit eingerechnet. Würde man nur die Kursentwicklung des rechnet auch weiter mit steigenden Kursen. Aber weniger als ein Viertel ist tatsächlich bereit, in Aktien zu investieren – so die Ergebnisse der jüngsten Anlegerbefragung von Union Investment. Die Gründe dafür lassen sich meist auf den gleichen Nenner bringen: die hohe Unsicherheit und das Verlustrisiko. Beides ist am Aktienmarkt immer wieder anVon zutreffen, aber niemand Jens Wilhelm hat davor so große Angst wie der deutsche Anleger. Wie sonst ließe sich erklären, dass hauptsächlich ausländische Investoren die Chancen am deutschen nutzen Mitglied des Vorstands Aktienmarkt und so von der jüngsten von Union Investment Rally profitieren? Eine aktuelle Studie von Dax betrachten, lägen wir heute bei Ernst & Young belegt, dass mittlerrund 4 500 Punkten und damit noch weile im Schnitt 55 % der Aktien von weit entfernt von alten Höchstmar- Dax-Konzernen in ausländischer ken – ein entscheidender Unter- Hand liegen. Und das, obwohl geraschied zu Nikkei, Dow Jones oder de die Deutschen so stolz sind auf ihre Vorzeigeunternehmen und deren S & P 500. Produkte. Aber daran beteiligen wolKurse noch unter Rekordwert len sie sich lieber nicht. Hinzu kommt, dass der derzeitige Aufschwung nicht nur von ein paar Überfliegern getragen wird, sondern vom Gros der Dax-Konzerne. Deren Kurse liegen zumeist noch unter historischen Rekordwerten. Auch das ist ein Indiz für weiteres Potenzial am deutschen Aktienmarkt. Wird das reichen, um auch deutsche Anleger zurück in die Aktie zu holen? Wohl kaum. Zwar kennt mehr als die Hälfte der Deutschen die gute Entwicklung des Dax und Dass die Rente nicht mehr so sicher ist wie in früheren Generationen, hat sich erst im letzten Jahrzehnt in den Köpfen der Menschen verankert. Die Frage, welche konkreten Schlüsse aus dieser Erkenntnis zu ziehen sind, bleibt für viele bislang unbeantwortet. Vor allem da in einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen mit vielen klassischen Vorsorgeprodukten wie Lebensversicherungen nicht mehr annähernd jene Renditen zu erzielen sind, die Anleger für den Vermögensaufbau brauchen. Dabei wäre die Antwort so einfach. Wenn Anleger zumindest in jene Unternehmen investierten, die – gebündelt im Dax – die deutsche Wirtschaft repräsentieren, wäre die wichtigste Entscheidung getroffen. Denn dass man damit nicht falschliegt, machen folgende Beispiele deutlich: Egal, wann ein Anleger in den zurückliegenden 25 Jahren damit begonnen hat, regelmäßig in den Dax zu investieren – wenn er bis heute dabei geblieben ist, liegt seine Rendite immer bei mindestens 5 %, in den letzten fünf Jahren waren es sogar mehr als 10 %. baren 15-Jahres-Zeiträume – auf Monatsbasis gerechnet sind das 119 an der Zahl – lag die Durchschnittsrendite bei 4,7 % nach Kosten. Und die Wahrscheinlichkeit, diese Rendite zu übertreffen, lag immerhin bei 50 %. Schlagende Argumente also für langfristiges Sparen in Aktien. Leider wissen um diese Vorteile nur vergleichsweise wenige Anleger. Zwar kennen rund 80 % der Finanzentscheider in deutschen Haushalten Fondssparpläne. Davon gaben aber auch rund 63 % an, die FunktionsSo ist die Aktie bis heute keine Anlage für die breite Masse: Nur 8,8 Millionen Bundesbürger sind Aktionäre, das entspricht kaum mehr als 10 %. Kurzfristig wird Deutschland wohl nicht zum Land der Aktionäre. Die Chancen stehen aber gut, dass sich so mancher Anleger im aktuellen Umfeld doch auf die Stärken der Aktie besinnt und den Einstieg wagt. Denn bei niedrigen Zinsen rückt ein Thema in den Fokus, das bei vielen bislang kaum eine Rolle spielte: der Wert einer soliden Dividende. Mehr als 28 Mrd. Euro haben deutsche Unternehmen allein im Jahr 2013 an ihre Aktionäre ausgeschüttet, das entspricht einer Dividendenrendite von 3,2 %. Noch deutlicher wird der Wert der Dividende auf längere Sicht: Knapp 50 % der Dax-Gewinne in den vergangenen 25 Jahren entfallen auf die Wiederanlage der Dividende. Ein immenser Anteil, wenn man bedenkt, dass der Dax seit seiner Auflegung einen durchschnittlichen Jahreszuwachs von über 8 % verbuchen konnte. Dabei ist die Dividende eine recht planbare Größe – hängt sie doch direkt vom wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Unternehmens ab und weniger von den nervösen Fieberkurven der Finanzmärkte. Folglich kann es für Anleger durchaus eine Option sein, über schwankungsarme Dividendentitel den Einstieg in Aktien zu wagen und damit auch auf lange Sicht eine ertragreiche Strategie zum Vermögensaufbau im Niedrigzinsumfeld zu erreichen. Am besten gelingt das über aktiv gemanagte, gut diversifizierte Fonds, mit denen sich das Risiko, auf die falschen Unternehmen zu setzen, minimieren lässt. Nach 25 Jahren Dax wäre es tatsächlich an der Zeit, dass auch deutsche Anleger stärker auf ihren Leitindex setzen und von den Erfolgen nicht immer mehr ausländische Investoren profitieren. Die deutschen Unternehmen haben ihr Bestes gegeben und können im internationalen Vergleich auf ganzer Linie überzeugen. Der Dax spiegelt das wider und ist nicht ohne Grund im Höhenflug. Jetzt ist der deutsche Anleger dran, die Früchte selbst zu ernten.

Gute Gründe für Höhenflug
Man kann es ihnen auch nicht verdenken. Schließlich ist dem Dax bislang immer die Luft ausgegangen, wenn er die 8 000er-Grenze überschritten hat. Warum soll das dieses Mal anders sein? Sicher gibt es viele gute Gründe für den derzeitigen Höhenflug: den expansiven Kurs der Notenbanken, die niedrigen Zinsen, die hohe Nachfrage von ausländischen Investoren. Wer im derzeitigen Marktumfeld auskömmliche Renditen erwirtschaften will, kommt an der Aktie nicht vorbei. Und je schlechter die Alternativen am vermeintlich sichereren Anleihemarkt sind, desto größer die Bereitschaft zu mehr Risiko in Aktien. Dass dabei vor allem deutsche Unternehmen gefragt sind, liegt nicht zuletzt an deren attraktiver Bewertung und den gesunden Bilanzen. Qualität made in Germany steht hoch im Kurs. Dabei sind deutsche

Zeit relativiert das Risiko
Dass er dabei zwischenzeitlich auch einige Durststrecken aushalten musste, liegt in der Natur der Sache. Korrekturen gehören am Aktienmarkt einfach dazu. Aber auch dieses Risiko relativiert sich mit der Zeit. Sparpläne in deutsche Aktien, die mindestens 15 Jahre laufen, bringen so gut wie immer ein Plus. Das haben wir mit unserem ältesten deutschen Aktienfonds, dem UniFonds, für die 25 Jahre seit Auflegung des Dax nachgerechnet. Über alle denk-

Eine Frage der Kultur
Was läuft da schief? Wahrscheinlich ist es eine Frage der Kultur. Sparen in Aktien hat in Deutschland eine vergleichsweise junge Historie. Während in vielen anderen Ländern Menschen seit Jahrzehnten einen nicht unerheblichen Teil ihrer Vorsorge über langfristige Aktienanlagen aufbauen, hat hierzulande der Staat seinen Bürgern die Verantwortung weitgehend abgenommen.

„Egal, wann ein Anleger in den zurückliegenden 25 Jahren damit begonnen hat, regelmäßig in den Dax zu investieren – wenn er bis heute dabei geblieben ist, liegt seine Rendite immer bei mindestens 5 %, in den letzten fünf Jahren waren es sogar mehr als 10 %.“
weise nur grob oder gar nicht zu verstehen. Ein Informationsdefizit, das den deutschen Anleger auf lange Sicht einen Gutteil seiner Renditechancen kosten kann. Die noch wenig gefestigte Aktienkultur in Deutschland wird aber auch an anderen Stellen deutlich. So spielt beispielsweise die Aktie in der Anlagetradition vieler Familien keine große Rolle. Während in anderen Ländern Familienvermögen über Jahrzehnte in Aktien investiert und so vermehrt wurde, kamen viele Deutsche mit der Aktie erstmals rund um die Jahrtausendwende in Kontakt. Und haben sich im Dotcom-Rausch die Finger verbrannt.

Der Dax ist die Wiege . . .
Fortsetzung von Seite B 6 auf den Dax an. Durch die große Vielfalt von Ausstattungsmerkmalen können die Privatanleger mit ihren verschiedenen Markterwartungen und Risikoneigungen aus mehr als 115 100 Zertifikaten das passende Produkt auswählen. Von den Dax-Zertifikaten entfällt jeweils etwa die Hälfte auf Anlagezertifikate und Hebelprodukte. Zertifikate auf den Dax machen mehr als 10 % aller gelisteten derivativen Wertpapiere aus. Der Dax ist damit die absolute Nummer 1 unter den Basiswerten von Zertifikaten. Auch beim investierten Volumen der Privatanleger steht der Dax ganz weit oben. In der Liste der Top 10 der Basiswerte in Deutschland sind mit dem Euro Stoxx 50 und dem Dax zwei Indizes die Spitzenreiter. Derzeit sind rund 2.9 Mrd. Euro in Dax-Zertifikate investiert. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher. Die Zusammensetzung des Dax ermöglicht dem privaten Anleger, sich nicht auf eine Aktie festzulegen, sondern ganz breit gestreut in die deutschen Spitzenunternehmen zu investieren. hat sich deshalb mit seinen Mitgliedern und Fördermitgliedern auf eine gemeinsame Produktklassifizierung, die sogenannte Derivate-Liga, verständigt. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten und am meisten gehandelten Zertifikatetypen – vom sicheren Kapitalschutz-Zertifikat bis hin zum spekulativen Knock-out-Produkt. Sie vergleicht dabei die Produktkategorien mit den elf Spielpositionen einer Fußballmannschaft. Beschrieben werden die Funktionsweise, die dazugehörige Markterwartung, Vorteile und Chancen sowie Nachteile und Risiken der verschiedenen Zertifikatetypen. Damit lassen sich die wesentlichen produktspezifischen Merkmale einfach miteinander vergleichen. Der private Anleger kann so auch in Zukunft schnell und unkompliziert die Produkttypen mit dem Basiswert Dax identifizieren, die zu seiner Risikoneigung und seiner Markterwartung passen.

Förderer der Aktienkultur
Der Dax hat für die Förderung der Aktienkultur in Deutschland einen ganz entscheidenden Beitrag geleistet. Das Gleiche gilt für die Zertifikate, die es erstmals den Anlegern ermöglichten, auch in diesen Aktien-Index zu investieren. Anders als vielfach behauptet, stehen Zertifikate und Aktien nicht miteinander im Wettbewerb, sondern ergänzen sich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Zertifikatemarkt einen positiven Einfluss auf den Aktienmarkt hat. Denn Emittenten von Aktien-Zertifikaten sichern sich in aller Regel mit den entsprechenden Aktien ab. Zertifikate erhöhen so die Liquidität, verringern die Volatilität und wirken damit stabilisierend auf den Aktienmarkt. Die deutsche Zertifikatebranche ist der Wiege längst entwachsen und inzwischen volljährig. Aber dennoch besteht zwischen Dax und Zertifikaten nach wie vor eine enge Verbindung, die nicht nur der deutschen Aktienkultur guttut, sondern gerade auch den privaten Anlegern, die in diese innovativen Finanzprodukte in-

Zahlreiche Varianten
Mit der Erfindung des Index-Zertifikats im Jahr 1990 ist die Zeit allerdings nicht stehen geblieben. Die Zertifikatebranche war im hohen Maße innovativ und hat Zertifikatetypen mit ganz unterschiedlichen Risikoprofilen entwickelt. Und so wird der Dax nicht mehr nur bei Index-Zertifikaten als Basiswert genutzt. So können auch Dax-Zertifikate ihre großen Vorteile ausspielen. Zertifikate sind maßgeschneiderte Finanzprodukte. Jeder Privatanleger kann nach seiner Risikoneigung, Renditeerwartung und Markteinschätzung das für ihn geeignete Zertifikat finden. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist allerdings ein klar strukturiertes Produktuniversum, dessen Einteilung der Privatanleger leicht nachvollziehen kann. Der Deutsche Derivate Verband (DDV)