Sonnabend, 6.

Juli 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 127

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Energie & Umwelt
Standortsicherung als oberstes Ziel
Änderungen im Regelwerk für den Energiemarkt sind gefordert – Wirtschaftliches Potenzial von Wind und Sonne mit intelligentem Ausbaumix heben
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Mehr als drei Netzeingriffe pro Tag waren 2011 notwendig, um das deutsche Energienetz stabil zu halten und um teilweise große Stromausfälle zu verhindern. Doch kaum etwas findet in der öffentlichen Wahrnehmung weniger Beachtung als ein abgewendeter Black-out. Nahezu ungebremst schreitet der Umbau des Energiesystems Richtung erneuerbare Energien voran. Mittlerweile tragen diese mehr als 20 % zur deutschen Stromversorgung bei und bis 2030 sollen sie die Hälfte des benötigten Stroms erzeugen. Bereits heute gibt es Tage, an denen die Leistung der erneuerbaren Energien Deutschland ohne Unterstützung der fossilen Kraftwerke versorgen kann. Was für die einen als unbestreitbarer Erfolg und Beleg für ein funktionierendes Regelwerk gesehen wird, definieren andere als wachsende Gefahr für den Standort Deutschland. Hauptgrund für die Kritik sind neben den sehr hohen Kosten auch die Herausforderungen für die Versorgungssicherheit sowie die steigenden CO2-Emissionen. hat den Strompreis in den letzten Jahren in standortgefährdende Höhen geschraubt. Die Stromkosten für die deutsche Industrie liegen mittlerweile um rund 19 % über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Haushalte zahlen sogar durchschnittlich rund 39 % mehr als Haushalte in anderen EU-Ländern. Dass am derzeitigen Gesetzesrahmen Änderungsbedarf besteht, bestreiten heute nur noch die wenigsten. Es geht darum, eine ausgewogene Balance zwischen den Zielen der Energiewende und der Sicherung des Standorts Deutschland zu schaffen. Dazu gehört neben einer verträglichen Kostenentwicklung auch Versorgungssicherheit. Und letztlich zahlen sich alle Bemühungen nur aus, wenn Deutschland als Nettoexporteur für Industriegüter, zu denen auch die Energietechnik zählt, weiterhin auf den Weltmärkten erfolgreich ist. Gigawatt an flexibler Leistung im System fehlen. Diese ist jedoch dringend nötig, um bei einem Ausfall der erneuerbaren Energien Stromausfälle zu vermeiden und somit Versorgungssicherheit zu gewährleisten. ziert wurde wie in diesem Jahr. Der Grund: Die Bedarfslücken im Tageslauf durch die schwankende Einspeisung der Erneuerbaren füllen Kohlekraftwerke, die von günstigen Brennstoffkosten und niedrigen CO2-Kosten profitieren. Bei derzeitigem Stand wird das CO2-Ziel der Energiewende für 2050 definiVon tiv verfehlt. AndererMichael Süß seits können mittelfristig nur GuD-Kraftwerke die Versorgungssicherheit garantieren, die nötig ist, wenn der überwiegende Anteil im Strommix aus erneuerMitglied des Vorstands baren Energien kommen soll. der Siemens AG Foto: Siemens Bis kostengünstige Technologien für LangIm derzeitigen Marktrahmen haben zeitspeicher einsatzfähig sind, um hocheffiziente und CO2-arme Gas- Deutschland auch über mehrere Wound Dampfkraftwerke (GuD) aller- chen, etwa in einem windstillen, verdings keine Geschäftsperspektive. schneiten Januar, stabil mit Strom Sie werden von den erneuerbaren zu versorgen, führt an der hochfleEnergien und der kostengünstigen xiblen und effizienten GuD-Technik kein Weg vorbei, vorausgesetzt, das Kohle aus dem Markt gedrängt. Entsprechend gering ist das Inter- CO2-Ziel soll erreicht werden. esse, in Gaskraftwerke zu investieren. Das hat einerseits zur Folge, Investitionsanreize setzen dass derzeit die CO2-Emissionen steigen, obwohl noch nie so viel Strom Wir können das positive Potenzial durch erneuerbare Energien produ- der Energiewende heben, wenn wir die Regularien des Energiemarkts so gestalten, dass dieser entsprechende Investitionssignale an die Akteure sendet. Die Rechnung ist einfach: Geht der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Intensität wie bisher weiter, werden im Jahr 2030 etwa dreimal so viel Kapazitäten zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien installiert sein, wie Deutschland an einem normalen Tag benötigt. Das führt an windreichen, sonnigen Tagen zu erheblichen Preiserosionen, während umgekehrt an trüben Januartagen die gesamte Last zusätzlich durch einen konventionellen Kraftwerkspark zur Verfügung stehen muss. Wie man es dreht und wendet: Versorgungssicherheit bei 90 % Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bedeutet, dass man zwei parallele Kraftwerksparks vorzuhalten hat: einen aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse sowie einen aus konventionellen Kraftwerken beziehungsweise in Zukunft auch aus Speichern. Verlangsamt man durch ein intelligentes Marktdesign den Ausbau vor allem der Fotovoltaik etwas und begünstigt dafür Investitionen in GuD-Kraftwerke und die effiziente und stromertragsstarke OffshoreTechnik, lassen sich erhebliche Kosten einsparen. Bis zum Jahr 2030 ergäbe sich in solch einem Szenario ein theoretisches Einsparpotenzial von über 150 Mrd. Euro. Die Strompreise könnten auf dem ohnehin schon zu hohen Niveau immerhin „eingefroren“ werden. Wie gesagt: Es geht nicht um ein Ende des Ausbaus der erneuerbaren Energien, sondern vielmehr um einen intelligenten Ausbaumix, damit Wind und Sonne ihr Potenzial auch wirtschaftlich voll ausspielen können.

Fünf Ideen für den Markt
Dazu braucht man dauerhaft planbare und verlässliche Rahmenbedingungen, die ein entsprechendes Klima für Investitionen schaffen. Entscheidend ist, dass die erneuerbaren Energien künftig auch Verantwortung für das System übernehmen. Dieser Grundsatz steht hinter unseren fünf Ideen für ein neues Marktdesign: 1. Einspeiseverantwortung: Die Produzenten von Strom aus regenerativen Energiequellen werden zur Direktvermarktung verpflichtet und müssen künftig wie alle anderen Stromerzeuger auch zuverlässig „nach Fahrplan“ einspeisen. Es entsteht ein freier Markt für „sicheren Strom“, denn die fluktuierenden Erneuerbaren müssen sich für ihre verlässlich angebotene Leistung rückversichern, entweder durch eigene, gesicherte Kapazität oder auf einem Markt für „Residualenergie“, also Optionen auf flexibel zuschaltbare Leistung. Dort können flexible Kraftwerke und Speicher anbieten. 2. Gezielte Technologieförderung: Um den künftigen Ausbau der erneuerbaren Energien besser als bisher technologiespezifisch steuern und zugleich die Kostenentwicklung begrenzen zu können, werden EinspeiFortsetzung Seite B 2

Versorgung gewährleisten
Der aktuelle gesetzliche Rahmen verhindert, dass sich das Dreieck aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit wieder schließt. Was ist damit gemeint? Nach aktuellen Berechnungen werden im Jahr 2030 zwischen 5 und 10

Überdurchschnittliche Kosten
Der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der Fotovoltaik,

Weiter Weg vom Schlagwort zur fundierten Debatte
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 In der deutschen Debattenlandschaft hat sich ein Schlagwort herausgebildet, das bei der Wahl des Unwortes des Jahres schon jetzt gute Chancen auf einen Spitzenplatz politischer Hinsicht. Zuspitzungen sind davon die logische Folge und ein Standardmittel in der politischen Rhetorik. Ebenso ist es natürlich, spontane Bedenken und Gefühle in Debatten einzubringen. Sie sind ein Teil von Veränderungsprozessen und müssen daher Beachtung finden. Emotionen dürfen Von aber nicht bewirken, Harald Schwager dass Chancen bereits verworfen werden, bevor überhaupt fundiert geprüft wurde, wie aussichtsreich diese sind. Mitglied des Vorstands der BASF SE hat: „Fracking“. Der Begriff wird aufgeladen mit Emotionen und Ängsten, aber nur mit wenigen Informationen versehen. Zu Unrecht: Das Schlagwort sollte eigentlich dazu auffordern, eine versachlichende und tiefergehende Diskussion über eines der wichtigsten Themen zu führen, die wir derzeit in Deutschland und Europa haben: eine wettbewerbsfähige, langfristige Energieversorgung. Die Energiedebatte ist zugegebenermaßen komplex und nicht sehr eingängig – weder in medialer noch

Der Begriff „Fracking“ wird zu einem Sammelbecken der Meinungen
Hydraulic-Fracturing-Verfahren mit einer horizontalen Bohrung verbinden. Nur so lässt sich Schiefergas wirtschaftlich fördern.

Heimische Einbahnstraße
Wer heute in Deutschland Fracking sagt, meint aber zumeist damit nicht die Methode, sondern stellt unterschiedliche Grundüberzeugungen von Energieversorgung gegeneinander – der Begriff wird damit zum Sammelbecken der Meinungen. Diese Überzeugungen lassen sich leicht umreißen. Auf der einen Seite gibt es den europäischen Weg: Hier herrscht die Ansicht, dass nur teure Energie gute Energie ist, weil nur sie zum Sparen anhält. In anderen Regionen der Welt herrscht genau die entgegengesetzte Meinung. Außerhalb Europas ist man glücklich, wenn Energie günstig ist, denn sie ist ein Treiber für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Seit mehreren Jahren erlebt Nordamerika einen Schiefergasboom. Seine Folgen sind bekannt: Der US-amerikanische Gaspreis liegt derzeit bei nur einem Viertel bis Drittel des europäischen, Nordamerika wird in Zukunft unabhängiger von Energieimporten werden, milliardenschwere Investitionen der US-amerikanischen Industrie laufen oder sind angekündigt. Hier kommt harte Konkurrenz auf die europäische Industrie zu.

Erprobte Methode

Hinter dem Schlagwort Fracking steht eine Methode, die in Deutschland und Europa seit vielen Jahren zur Förderung von Erdgas eingesetzt wird. Hydraulic Fracturing ist die Schlüsseltechnologie zur Förderung von Erdgas aus tiefliegenden Lagerstätten mit besonders dichtem Gestein. Das so in Deutschland geförderte Erdgas, sogenanntes Tight Gas, trägt schon seit mehr als 30 Jahren zur Versorgungssicherheit bei. Erdgas aus Schiefergestein wird hingegen derzeit nicht in Europa gefördert. Um dies zu tun, muss man das bei uns aus der Tight-Gas-Förderung bekannte und bewährte vertikale

AUS DEM INHALT
Standortsicherung als oberstes Ziel Von Dr. Michael Süß Weiter Weg vom Schlagwort zur fundierten Debatte Von Dr. Harald Schwager Energiewende nicht für Wahlkampf missbrauchen Von Klaus Josef Lutz Vom Energie- zum Klimaschutzland Nummer 1 Von Dietmar P. Binkowska Herausforderungen der Energiewende annehmen Von Dr. Jörg Zeuner Evolution statt Revolution Von Georg Müller B1 Energiegenossenschaften im Aufwind Von Dr. Eckhard Ott Der Bürger als Investor Von Myriam Schilling B5

Technologie per se ist neutral
Doch damit nicht genug. Auch andere Länder, wie beispielsweise Argentinien und China, schauen sich ihre Potenziale genau an. Während man dort interessiert Chancen abwägt, läuft Deutschland derzeit Gefahr, ein neues technologisches Angstthema zu schaffen. Auf einen Gesetzentwurf, der Klarheit über die Rahmenbedingungen gebracht hätte, konnte sich die Politik bislang nicht einigen. Vielfach wird ein grundsätzliches Verbot gefordert. Das hieße für Deutschland: Diese Energiequelle wird nur in anderen Regionen erschlossen und wird nur dort Arbeitsplätze schaffen – in der Energiebranche und auch in nachgelagerten Industrien wie der Chemie. Eins ist sicher: So reduzieren wir unsere Importabhängigkeit nicht, auch Fortsetzung Seite B 3

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Zukunftsmarkt mit nachhaltigem Renditepotenzial Von Markus Pimpl B6 Strommarktliberalisierung nur teilweise geglückt Von Andreas Hergaß Asset-Finance-Modelle als Motor der Energiewende Von Wolf-Rüdiger Stahl Investitionen in effiziente Anlagentechnik lohnen sich Von Jörn-Erik Mantz

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Energiewende nicht für Wahlkampf missbrauchen
Politische Diskussion nicht lösungsorientiert – Zahlreiche Maßnahmen müssen noch getroffen werden – Investoren brauchen Planungssicherheit
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Aktuelle Schlagzeilen über den Zustand der jungen Solarindustrie erwecken den Eindruck, die Solarenergie insgesamt stecke in der Krise. Doch der Eindruck täuscht. Bei aller Dramatik für die betroffenen Unternehmen leiden im Wesentlichen die Modulhersteller unter den stark sinkenden Weltmarktpreisen ihrer Produkte. Der Trend zur Solarenergie – als einer Säule unserer künftigen Energiepolitik und als Geschäftsfeld im internationalen Markt – ist weiterhin intakt. Das Potenzial der Solarindustrie und der Energiewende als deutsches Exportprojekt besteht unverändert, jedoch erschwert die Unvorhersehbarkeit des politischen Handelns planvolles wirtschaftliches Handeln und damit den wirtschaftlichen Erfolg beträchtlich. Dies als „nötiges Übel“ der politischen Willensbildung zu betrachten, geht am Problem vorbei: Verlässliche und bezahlbare Energieversorgung wird von der Politik scheinbar nicht wirklich ernst genommen, sondern lieber zu Wahlkampfzwecken genutzt. Beobachten lässt sich, dass die politische DisVon kussion viel zu häufig Klaus Josef Lutz von Dogmen, Partikularinteressen und Profilierungsbemühungen Einzelner geprägt und in keiner Weise lösungsorientiert ist. Der Bedeutung der EnergieversorVorsitzender des gung als wesentliche Vorstands der Grundlage allen WirtBayWa AG schafts- und Gesellschaftslebens tragen die dachte Eingriffe und ständige Ände- politischen Akteure nicht Rechnung. rungen gesetzter Rahmenbedingungen Verzerrungen auslösen und soZweifel am Erfolg wachsen gar Fehlallokationen verursachen können. Auch wenn klar ist, dass eiDas hat unter anderem zur Folge, ne Förderung wie z. B. der jungen So- dass Deutschland in Europa und larindustrie immer mit dem Ziel ver- auch international kein überzeugenbunden war und ist, dass die Unter- des Bild in Energiefragen abgibt. nehmen ab einem bestimmten Zeit- Nach einer Umfrage des Weltenergiepunkt ohne Subventionen auskom- rats (Ergebnisse von April 2013) men: Der Weg dahin muss von ver- wachsen die Zweifel am Erfolg der lässlichen Rahmenbedingungen ge- deutschen Energiewende. Internatioprägt sein. nale Experten sind sich inzwischen Über das Wie zu diskutieren ist sicher, dass sie die deutsche Wirtnotwendig, aber das Ob dabei stän- schaft schwächt. Was jetzt erforderdig in Frage zu stellen, ist nicht ziel- lich ist, um wieder auf Kurs zu komführend. Denn permanente Wechsel men, sind Maßnahmen, mit denen von Regeln und Parametern verunsi- sich die Energiezukunft in nachvollchern Wirtschaft und Industrie – mit ziehbaren Schritten, eindeutigen Prider Folge, dass sich Geschäftsmodel- oritäten sowie tragfähigen Paramele, Investitionen sowie die Technolo- tern und Regeln umsetzen lässt. Dies gieentwicklung in die falsche Rich- sollte im Einklang mit den Einschättung bewegen oder gänzlich unter- zungen von Wissenschaft und Forbleiben. schung sowie der Energiewirtschaft Markt der erneuerbaren Energien, ständigen Angriffen ausgesetzt, nicht zuletzt zugespitzt in der (vorerst) gescheiterten Diskussion um die sogenannte Strompreisbremse. Es zeigt, dass politisch nicht durchund dem Einverständnis von Verbrauchern geschehen. Eine klare politische Führung ist dabei ohne Alternative. Rahmenbedingungen vor, dann investieren diese das Geld im Sinne einer abgewogenen Risikodiversifikation woanders. Beispiel BayWa: Der Konzern ist im Verbund mit seinen Tochtergesellschaften der BayWa r.e. ein solider und innovativer Partner, wenn es um Planung, Finanzierung, Realisierung und den Bau von Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen geht. Als internationales Unternehmen mit starken regionalen Wurzeln ist die BayWa von der Energiewende überzeugt. Dementsprechend wird auch am Standort Deutschland investiert. Der Erfolg solcher Projekte steht und fällt allerdings mit der Planungssicherheit; und Kapital wird vor allem dort investiert, wo diese gegeben ist. Ständiges, oft unvorhersehbares Umsteuern, wie die diversen Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), untergraben das Vertrauen der Investoren und behindern eine neue Energieordnung. Ohne Absprache mit Verbänden, Wirtschaft und Industrie sind Änderungen mit weitreichenden Folgen undenkbar und bedrohen unnötig die Wirtschaftlichkeit von Technologien und Geschäftsmodellen. brauchen erneuerbare Energien mit Blick auf eine zuverlässige Stromversorgung vielfältige Flexibilitätsoptionen zur Überbrückung kurz-, mittelund langfristiger Angebotslücken und -überschüsse. Für eine längere Übergangsfrist sind daher weiterhin fossile Kraftwerke notwendig. Dementsprechend muss es für Betreiber und Investoren rentabel sein, zum Beispiel flexible Gaskraftwerke zu betreiben oder konventionelle Kraftwerke mit neuer, effizienterer Technologie auszurüsten. Außerdem müssen alle Speichertechnologien mit Nachdruck erforscht und die Speichersysteme für Immobilien weiterentwickelt werden. So kann beispielsweise Biomasse als gut verfügbare Energieform mit Speichermöglichkeiten vielfältige Flankierungsfunktionen übernehmen. Voraussetzung ist aber auch hier eine notwendige technologische Weiterentwicklung. Daher sollten auch für die Biomasse hinreichende und verlässliche Refinanzierungsmechanismen und stabile Rahmenbedingungen entwickelt werden.

Europaweit vernetzen
Die Zukunft unserer Energiesysteme und die Umstellung des Energiemarktes auf regenerative Quellen sind langfristig nur gemeinsam mit den europäischen Partnerländern zu gestalten. Was national erfolgreich begonnen wurde, kann in die Überlegungen eines europaweit viel stärker vernetzten Energiesystems eingebracht werden. Es wird im Kanon einer zunehmend regenerativen Energieerzeugung und -versorgung immer wichtiger, Volatilitäten und Schwankungen über eine größere geografische Verteilung auszugleichen, gemeinsam gesicherte Kapazität (Wind, Solar, Bio-Rohstoffe, Gas) vorzuhalten und entsprechende Flexibilitätsoptionen in Europa zu nutzen. Um das zu erreichen, sind weitere Maßnahmen zur Interkonnektivität und Harmonisierung von Förderprogrammen in Europa erforderlich. Eine Grundvoraussetzung für neue Investitionen ist Planungssicherheit. (Institutionelle) Investoren stehen bereit, sich im Energiemarkt zu engagieren – allerdings nur, wenn das Risikoprofil stimmt und eine nachhaltige Rendite möglich ist. Eine stabile Dividendenausschüttung und langfristige und sichere Cash-flows sind Kriterien, die ein Engagement für (institutionelle) Anleger attraktiv machen. Das ist angesichts der Planungsvorläufe für Großprojekte – etwa drei bis fünf Jahre bei Windparks – angemessen. Finden Unternehmen keine stabilen

Rahmen muss stimmen
Jüngste Erfahrungen des BayWa-Konzerns als weltweit tätiger Händler von Photovoltaikmodulen, Montage- und Komplettsystemen sowie Investor und Projektierer von Erneuerbare-Energie-Projekten einerseits wie auch aktuelle Marktstudien andererseits belegen den ungebrochenen Wachstumstrend im Solarbereich. So korrigierten beispielsweise die Analysten der Deutschen Bank in ihrem Marktausblick vom März die weltweite Zubauprognose für Solarenergie auf 30 Gigawatt für 2013 – eine um 20 % höhere Markterwartung als noch einige Monate zuvor – und sie sagen für den Solarsektor einen endgültigen Durchbruch im kommenden Jahr voraus. Trotzdem sieht sich der Solarmarkt, wie im Übrigen der gesamte

Politik muss klar führen
Die Weichenstellung in Richtung regenerative Energiewirtschaft und die Finanzierung dieser Umstellung wird weitere Strompreiserhöhungen – zumindest für eine Übergangsfrist – nach sich ziehen. Dies gilt es, dem Verbraucher klar zu kommunizieren. Die Energiewende ist nicht kostenlos zu haben. Zudem sollte eine Politik, die den Mut hatte, ein Abschalten der AKW bis 2020 zu entscheiden, ohne genau zu wissen, was danach kommt, auch den Mut haben festzulegen, welche Kraftwerke für eine Übergangsfrist zur Bereitstellung der Grundlast bzw. als Stützungsreserve am Netz bleiben sollen und welche abgeschaltet werden. Insgesamt betrachtet umfasst die Arbeit an der Ausgestaltung des zukünftigen Systems der Energieversorgung ein breites Bündel von Maßnahmen in Bezug auf die Vergütungsmechanismen für die einzelnen Technologien, die Gestaltung der Märkte und der Marktregeln, aber auch die weiteren Verknüpfungen mit der Netzinfrastruktur oder Maßnahmen wie Kraft-Wärme-Koppelung. Der Wunsch von Investoren und Akteuren am Energiemarkt an die Politik ist gerade mit Blick auf die Bundestagswahl einfach: Das Thema Energiewende sollte nicht für wahltaktische Manöver missbraucht werden. Vielmehr braucht es eine über das politische Tagesgeschehen hinausgehende Strategie. Spätestens wenn der Wahlkampf vorbei ist, sollte die Politik sich an die Arbeit machen und endlich die Weichen stellen, die wir für eine erfolgreiche Energiewende brauchen.

Neue Spielregeln am Markt
Mit dem Energiekonzept von 2010 definierte die Bundesregierung die erneuerbaren Energien als eine „tragende Säule“ der zukünftigen Energieversorgung. Wird dies ernst genommen, bedeutet das eine grundlegende Transformation unseres Versorgungs- und Vermarktungssystems für Energie. Das stellt enorme politische, ökonomische und technische Anforderungen, die nur in gemeinsamer Anstrengung und im Konsens jenseits von Partikularinteressen zu lösen sind. Bisher bietet die ganze Strom-Wertschöpfungskette trotz des gesetzlich verankerten Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien nicht die notwendigen Rahmenbedingungen, um einen großen Anteil Energie aus erneuerbarer Erzeugung zu integrieren bzw. den Übergang zu einem geeigneten Marktdesign zu ermöglichen. Grundsätzlich ist die BayWa der Auffassung, dass ein neues Marktdesign den Vorrang für erneuerbare Energien beibehalten sollte. Aus Sonne, Wind und Wasser erzeugter Strom ist annähernd grenzkostenfrei, da nicht brennstoffbasiert, sehr emissionsarm, er weist kaum laufende oder externe Kosten auf und genießt gesellschaftliche Akzeptanz. Die Einführung ist allerdings mit hohen Fixkosten (Investitions- und Kapitalkosten) verbunden. Daher benötigen erneuerbare Energien geeignete, hinreichende und verlässliche Refinanzierungsmechanismen. Da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht,

Standortsicherung als Ziel
Fortsetzung von Seite B 1 setarife künftig nicht mehr pauschal garantiert. Innovative Technologien erhalten bis zu ihrer Marktreife eine Förderung, insbesondere auch bezogen auf die Standortwahl, und werden dann in den Wettbewerb entlassen. 3. CO2-Begrenzung: Das Europäische Zertifikate-Handelssystem ist der richtige Ansatz, um eine Reduzierung der CO2-Emissionen innerhalb der EU und damit auch in Deutschland zu erreichen. Derzeit leidet das System allerdings unter einem zu geringen Preis pro Zertifikat. Ein Preiskorridor mit Ober- und Untergrenzen sowie ein zeitlicher Faktor für die Verknappung von Zertifikaten könnten Abhilfe schaffen. Eine Alternative wäre, eine auf den Energiesektor bezogene Flottenregelung einzuführen. Dabei würden Kraftwerksbetreiber auf eine CO2-Obergrenze festgelegt. 4. Fixkosten-Umlage: Die Finanzierung der Strominfrastruktur erfolgt über die Netzumlage, also über den Strom, den man aus dem Netz bezieht. Der zunehmende Anteil an Selbstversorgern untergräbt jedoch dieses Modell. Siemens schlägt daher eine Entkoppelung der Systemkosten vom Strompreis vor. Künftig zahlen alle Konsumenten entsprechend ihrer Anschlussleistung am öffentlichen Netz einen fixen Betrag. Mit der Fixkostenumlage werden die notwendigen Investitionen zum Systemerhalt, wie zum Beispiel Netzausbau, EEG-Kosten und strategische Reserve, von allen Verbrauchern getragen, die davon auch profitieren. Die Anschlusskosten steigen zwar deutlich, gleichzeitig fällt der Strompreis aber auch auf rund 12 ct/kWh nach heutigem Stand. 5. Versorgungsabsicherung: Bleibt die Frage, wie man auch im Januar Versorgungssicherheit garantieren kann. Unser Vorschlag: Es wird eine Sicherheitsreserve außerhalb des Marktes eingeführt. Diese strategische Reserve besteht aus Kraftwerken, die nicht mehr wirtschaftlich am Markt betrieben werden können. Sie erhalten eine durch eine Auktion bestimmte Ausgleichszahlung und werden nur dann aktiviert, wenn die Versorgungssicherheit oder die Netzstabilität akut gefährdet sind. Die Frage nach einem Kapazitätsmarkt als dem gesteuerten Ausbau von Kraftwerken mit flexibler Leistung sollte entschieden werden, wenn absehbar wird, wie sich der Markt entwickelt. Fünf Punkte, fünf Hebel. Konsequent umgesetzt würden diese einen Markt beschreiben, der mit einem hohen Anteil an freiem Wettbewerb kostendämpfend wirken würde, ohne die Ziele der Energiewende zu gefährden. Vor allem aber würde das entscheidende Ziel erreicht: Die Sicherung des Standorts Deutschland. Dann kann die Energiewende zu einem Modell für andere Energiewenden weltweit werden – mit allen positiven Folgen für die deutsche Exportwirtschaft.

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Vom Energie- zum Klimaschutzland Nummer 1
Industriestandort NRW stärken – Wandel zu einer stärker regenerativen und dezentralen Energiestruktur – Beteiligung der Bürger wird immer wichtiger
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Nordrhein-Westfalen ist das Energieland Nummer 1 und wird sich im Zuge der Energiewende zum Klimaschutzland Nummer 1 in Deutschland entwickeln. Die NRW.Bank unterstützt diesen Wandel hin zu einer stärker regenerativen und dezentralen Energiestruktur mit zinsgünstigen Fördermitteln und passgenauer Finanzierung – und stärkt so nicht zuletzt den Industriestandort Nordrhein-Westfalen. Für den Umbau der Energieversorgung hat die Bundesregierung konkrete Ziele bis 2050 formuliert: Deutschland will dann mindestens 80 % seines Stromverbrauchs und mindestens 60 % des gesamten Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien decken. Nordrhein-Westfalen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Denn rund ein Drittel aller in Deutschland entstehenden Treibhausgase wird in NRW emittiert, knapp 30 % des in Deutschland benötigten Stroms werden hier erzeugt und fast ein Viertel des deutschen Endverbrauchs an Energie schlägt hier zu Buche. me-Kopplung (KWK). Laut KWK-Potenzialstudie NRW hat Nordrhein-Westfalen sowohl bei der Industrie-KWK als auch bei der Siedlungs-KWK gute Voraussetzungen, den KWK-Stromanteil bis zum Jahr 2010 auf etwa 8,3 Mrd. Euro – ein Plus von rund 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Hauptumsatzbringer sind der Solarenergiesektor mit knapp 4,2 Mrd. Euro und die Windenergie-Industrie mit fast 2 Mrd. Euro. Die Beschäftigtenzahl lag 2010 bei rund 24500 Personen. Aktuelle Studien weisen darVon auf hin, dass die Zahl Dietmar P. Binkowska der Arbeitsplätze in der Erneuerbare-Energien-Branche in NRW unter den gegebenen Bedingungen im Jahr 2020 bei bis zu 45 000 liegen könnte. Gezielte Vorsitzender des Förderung wird diese Vorstands der Bedingungen stetig verNRW.Bank bessern. Die Energiewende wird so zur unter2020 auf über 25 % zu erhöhen. Eine nehmerischen Chance und zum Innoentsprechende Förderung ist in vationsmotor und trägt damit auch NRW zum Jahresbeginn mit dem zur Stärkung des WirtschaftsstandKWK-Impulsprogramm NRW aufge- orts NRW bei. setzt worden. Dazu gehört auch der NRW/EU.KWK-Investitionskredit: Vielversprechender Wind zinsverbilligte Förderdarlehen für Unternehmen in NRW, die auf Immer stärker rückt in NRW dabei Kraft-Wärme-Kopplung setzen und die Windenergie ins Blickfeld. Denn so zur Reduktion von CO2-Emissio- Wind ist in diesem Bundesland ein nen beitragen. Gefördert werden An- vielversprechender Energieträger: lagen mit einer elektrischen Leis- Das in NRW realisierbare Windpotung über 50 KW. Bei einem geringe- tenzial beträgt laut Potenzialstudie ren Energiebedarf bietet das Land „Erneuerbare Energien“ des LandesNRW den NRW/EU.KWK-Investiti- umweltamtes mit bis zu 71 Terawattonszuschuss an. Ebenso kann der stunden mehr als das Doppelte des NRW.Bank.Effizienzkredit zum Ein- derzeitigen Stromverbrauchs privasatz kommen. Mit ihm vergibt die ter Haushalte in NRW. In NRW solNRW.Bank seit 2011 besonders zins- len deshalb bis 2020 15 % des vergünstige Darlehen für Investitionen, brauchten Stroms aus Windenergie durch die bestimmte Einsparquoten kommen, bis 2025 dann 30 % aus erin den Bereichen Energie, Material neuerbaren Energien insgesamt. Und die Fundamente dafür sind und Ressourcen erreicht werden. gelegt: In Nordrhein-Westfalen sind weltweit die meisten Getriebehersteller für Windkraftanlagen ansässig. Die hiesige Windenergiebranche hat einen Weltmarktanteil von rund 50 %, die Exportquote liegt bei 60 %. Von den 2007 weltweit errichteten Windenergieanlagen kam jedes zweite eingebaute Getriebe aus Nordrhein-Westfalen, das weltweit die höchste Standortdichte von Getriebeherstellern für Windenergieanlagen hat. Rund 2 800 Windkraftanlagen produzieren zurzeit fast 40 % des regenerativ erzeugten Stroms in Nordrhein-Westfalen. erzeugen. Mangels störanfälliger Elektronik sind die Wartungskosten vergleichsweise gering, ebenso die Produktionskosten. Einen Business Angel für Enbreeze vermittelte die win NRW.Bank Business Angels Initiative. Neben den Unternehmen spielen auch die Bürgerinnen und Bürger eine zunehmend wichtige Rolle bei der Energiewende in Nordrhein-Westfalen, und zwar nicht nur dadurch, dass sie ihre Immobilien energetisch sanieren, sondern auch indem sie sich an Bürgerenergieanlagen beteiligen. Je nach Organisationsform der entsprechenden Initiativor seiner Haustür investieren und damit zum Akteur auf dem Markt der dezentralen Energieversorgung werden. Mit dem neuen Programm NRW.Bank.Energieinfrastruktur begleiten wir die Bürger dabei und fördern Investitionen in die öffentliche Energieinfrastruktur – wozu neben Anlagen zur Energieerzeugung natürlich auch Netze und Speichertechnologien gehören.

Brücken in die Zukunft
Das einst bejubelte Zeitalter des Atomstroms geht in Deutschland unwiderruflich zu Ende, eine neue Ära der Energieproduktion, -versorgung und -nutzung bricht an: regenerativ, dezentral, effizient und sparsam. Deutschland kommt bei dieser wichtigen Entwicklung eine Vorreiterrolle zu, die auch international zunehmend anerkannt wird. In jüngerer Zeit hat sich sogar die lange Zeit kritisch gestimmte Internationale Energieagentur (IEA) positiv über den deutschen Atomausstieg und die Energiewende geäußert. Innerhalb Deutschlands wiederum spielt Nordrhein-Westfalen eine herausgehobene Rolle. Viele beispielhafte Aspekte der Energiewende bündeln sich im Energieland Nummer 1: der entschlossene Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz in den Betrieben, eine verbesserte Energieeinsparung sowie der Ausbau der Netze und Speicher. Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen leistet die NRW.Bank hierzu ihren Beitrag – ein Beitrag, der unmittelbar nicht „nur“ Klima und Umwelt, sondern auch der Wirtschaft selbst zugute kommt.

Alt durch Neu ersetzen
Auch technologisch entwickelt sich die Windenergiebranche weiter, moderne Windkrafträder sind technisch zuverlässiger und insgesamt leistungsstärker. So lässt sich allein schon durch „Repowering“ – das Ersetzen alter Anlagen durch leistungsstarke neue – der Windstromertrag in NRW um ein Vielfaches erhöhen. Und: Moderne Windkraftanlagen sind auch geräuschärmer als ihre Vorgänger – ein wichtiger Aspekt in einer Energieinfrastruktur, die dezentral ausgerichtet sein soll. Hochmoderne, geräuscharme Kleinwindkraftanlagen können so genau dort Strom erzeugen, wo dieser gebraucht wird, installiert etwa auf Dächern von Möbelhäusern, Bau- oder Einzelhandelsmärkten. Solche Kleinwindkraftanlagen entwickelt zum Beispiel das 2011 gegründete Unternehmen Enbreeze mit Sitz in Köln: Dank einer innovativen Regelungsmechanik finden diese Anlagen immer die optimale Position zum Wind und können so auch bei wenig Wind wirtschaftlich Strom

Land der Effizienz-Potenziale
Im Januar hat der Landtag NRW deshalb ein Klimaschutzgesetz verabschiedet mit dem Ziel, Treibhausgasemissionen zu verringern, Ressourcen- und Energieeffizienz zu steigern, Energie zu sparen und die erneuerbaren Energien sowie dezentrale Energiestrukturen auszubauen. In NRW soll die Gesamtsumme der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen so um mindestens 80 % bis 2050 verringert werden, verglichen mit den Emissionen von 1990. Energieeffizienz, Energieeinsparung und erneuerbare Energien sind die essenziellen Aspekte dieser Entwicklung. Vorangetrieben wird sie von der Politik, getragen insbesondere von den Unternehmen. In ihren betrieblichen Prozessen heben diese Effizienz- und Einsparpotenziale, steigern die Energie-, Material- und Ressourceneffizienz und – in der Erneuerbare-Energien-Branche – suchen neue Wege zu einer noch effektiveren Nutzung regenerativer Energiequellen. Besondere Effizienzpotenziale gibt es in NRW im Bereich Kraft-Wär-

„Das einst bejubelte Zeitalter des Atomstroms geht in Deutschland unwiderruflich zu Ende, eine neue Ära der Energieproduktion, -versorgung und -nutzung bricht an: regenerativ, dezentral, effizient und sparsam.“
ve können Bürger Anteile an einem Unternehmen erwerben, Genossenschaftsanteile, Genussrechte oder Sparbriefe. Jeder interessierte Bürger kann mitmachen, in den Energiewandel

Stark bei den Erneuerbaren
Ein weiterer wichtiger Baustein neben der Energieeffizienz ist die intensivere Erschließung und noch effektivere Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Eindrucksvolle Zahlen zeigen, welch große Rolle die Erneuerbare-Energien-Branche heute bereits in NRW spielt: Der Anteil regenerativer Energien an der Energiebereitstellung in NRW versechsfachte sich zwischen 1998 und 2007 und legte auch seitdem weiter zu. Die Umsätze innerhalb der Branche stiegen

Weiter Weg vom Schlagwort . . .
Fortsetzung von Seite B 1 bei einem weiteren realistischen Ausbau der erneuerbaren Energien. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Eine Technologie ist per se neutral, sie ist nicht gut oder schlecht. Es kommt darauf an, wie sie eingesetzt wird. Diese Neutralität einer Technologie wird in der Debatte negiert. ren. Wir hätten damit aus eigener Quelle ein Gegengewicht zum sonst stetig zunehmenden Importbedarf und könnten den Erdgasanteil an der deutschen Energieversorgung bei 12 % halten. Dies ist nicht nur für die Versorgungssicherheit von Bedeutung, sondern kann uns auch in der Bildung wettbewerbsfähiger Preise helfen. Und auch unter Umweltgesichtspunkten ist dies ein erstrebenswertes Ziel: Erdgas bietet gegenüber anderen fossilen Energieträgern einige Vorteile, gerade vor dem Hintergrund der Energiewende. Es hat von allen fossilen Energieträgern die beste CO2-Bilanz und ist in der Stromerzeugung besonders flexibel einsetzbar. Erdgas kann daher beim Übergang zu erneuerbaren Energien eine wichtige Brückenfunktion übernehmen.

Forschung als Basis
Und hier liegt der entscheidende Punkt, an den die deutsche Diskussion zurückkehren sollte: Wir müssen erforschen dürfen, ob die Erschließung von Schiefergas in Deutschland wirtschaftlich, umweltverträglich und gesellschaftlich akzeptabel möglich ist. Erst danach sollte, aufbauend auf diesen Erkenntnissen und in Abstimmung mit allen Beteiligten, wie Behörden, Bürgern, Umweltverbänden, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden. Diese Entscheidungsgrundlage fehlt jedoch derzeit, weil wir noch nicht ausreichend Forschung betrieben haben. Welche Perspektiven ergäben sich, wenn die Erkundungen aufzeigen, dass eine wirtschaftliche und umweltverträgliche Förderung auch in Deutschland möglich ist? Klar ist bereits jetzt: Eine Förderung in Deutschland wird nicht die gleiche Wirkung haben wie in den USA. Es ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland oder Europa durch die Schiefergasgewinnung von Erdgasimporten unabhängig werden. Dazu sind die Unterschiede zu den USA zu groß, beispielsweise mit Blick auf die Besiedlungsdichte und die Art der Gesteinsformationen. Aber deutsches Schiefergas könnte einen Beitrag leisten, um unsere Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wir könnten mit dem Potenzial, das wir in Deutschland offenbar haben, den Rückgang aus der heimischen Erdgasförderung, den wir Jahr für Jahr verzeichnen, für einen sehr langen Zeitraum kompensie-

Für alle Optionen offen sein
Für die Erforschung von Schiefergasvorkommen darf keine Scheuklappenmentalität herrschen. Die Innovationsbeiträge aus Deutschland zum Thema Energie sollten sich nicht länger ausschließlich auf die Erneuerbaren beschränken. Der Forscherblick in die ferne Zukunft kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die fossilen Energien noch über Jahrzehnte eine bestimmende Rolle im globalen Energiemix spielen werden. Optionen bewusst zu vernachlässigen oder sogar zu unterbinden – wie es einige in Deutschland zurzeit anstreben –, anstatt sie weiter zu erforschen und gegebenenfalls für die nächsten Jahre und Generationen weiterzuentwickeln, ist das Gegenteil einer nachhaltigen Politik. Umso wichtiger erscheint mir, aus dem breiten, interdisziplinären Know-how in Deutschland zu schöpfen und sich eingehend mit der Frage zu beschäftigen, ob und wie die Schiefergasförderung auch hierzulande einen nachhaltigen Beitrag für eine wettbewerbsfähige, sichere und umweltverträgliche Energieversorgung leisten kann.

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Sonnabend, 6. Juli 2013

Herausforderungen der Energiewende annehmen
Finanzierung von erneuerbarer Energie, effizientem Einsatz, Batteriespeichersystemen und Gebäudesanierungen – Gezielt fördern
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Über kaum etwas wird in Deutschland derzeit heftiger gestritten als über die Energiewende. Der breite gesellschaftliche Konsens nach der Atomkatastrophe von Fukushima scheint zu bröckeln. Inzwischen ist deutlich geworden, dass die Energiewende eine große Herausforderung ist und erhebliche finanzielle Vorleistungen erfordert. Die einst so wirkungsstarken Bilder aus Japan drohen darüber in Vergessenheit zu geraten. Das aber wäre ein Fehler. Deutschland muss die Herausforderungen der Energiewende annehmen, auch wenn das nicht immer leichtfällt. Als Bank aus Verantwortung hält die KfW Kurs: Sie leistet ihren Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbreitung klimafreundlicher und risikoarmer Technologien. Deshalb finanziert sie bevorzugt große und kleine Energieanlagen, die mit erneuerbaren Energien angetrieben werden. Ganz besonders aber fördert sie Investitionen, die helfen, Energie zu sparen. und neue Finanzierungsangebote aufgelegt. Die KfW Bankengruppe arbeitet daran, den Anteil der Finanzierungen am Gesamtgeschäft zu steigern, die der Umwelt und dem Klima diewestlich der Insel Sylt errichtet. Er dient als Standort für 80 SiemensWindenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von 288 Megawatt. Die KfW fördert aber nicht nur die Installation von großen Anlagen wie Butendiek, sondern baut zusätzlich auf dezentrale Lösungen. Hausbesitzer unterstützt die Bank Von beispielsweise, wenn sie Jörg Zeuner in Wohngebäuden auf fossile Brennstoffe verzichten. Im März startete die KfW mit einem eigenen Kreditprogramm zur Förderung von kleinen Heizungen auf der Basis erneuerbarer Energien. Die zinsgünstigen Chefvolkswirt der KfW Kredite können in Kombination mit Investitinen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr onszuschüssen aus dem Marktanreiz2012 ist das außerordentlich gelun- programm des Bundesamts für Wirtgen. In den Förderschwerpunkt Um- schaft und Ausfuhrkontrolle in Anwelt- und Klimaschutz flossen 29,2 spruch genommen werden. GeförMrd. Euro, das waren 40 % des ge- dert werden etwa der Einbau von samten Fördervolumens von 73,4 thermischen Solarkollektoren, BioMrd. Euro – ein neuer Rekord. Im masseanlagen oder Wärmepumpen. Seit Anfang Mai unterstützen die laufenden Geschäftsjahr peilt die KfW ein ähnlich hohes Niveau an. KfW und das BundesumweltministeDer Löwenanteil des Geldes fließt an rium mit dem Programm „ErneuerbaPrivatpersonen, Kommunen und Un- re Energien: Speicher“ gemeinsam den Einsatz von Batteriespeichersysternehmen im Inland. temen in Verbindung mit PhotovoltaDritte Offshore-Finanzierung ikanlagen, die an das allgemeine Stromnetz angeschlossen sind. Mit Erst vor einigen Wochen beteiligte dem Programm soll die technologisich die KfW als Teil eines Konsor- sche Weiterentwicklung und Markttiums an der Finanzierung des durchdringung von BatteriespeiOffshore-Windparks Butendiek. Ge- chern in Verbindung mit Photovoltameinsam mit ihrer auf die Projekt- ikanlagen unterstützt werden. Batteund Exportfinanzierung speziali- riespeichersysteme sind ein wichtisierten Tochtergesellschaft KfW ger Baustein zur besseren IntegratiIPEX-Bank stellte sie insgesamt 239 on von kleinen bis mittelgroßen PhoMill. Euro parat, rund ein Viertel des tovoltaikanlagen in das Stromnetz. benötigten Fremdkapitals. Es war Die Mittagsspitze wird nicht ins Netz die dritte Finanzierung aus dem im eingespeist, sondern im Speicher für Jahr 2011 aufgelegten Programm die spätere Nutzung im eigenen „Offshore Windenergie“. Der Wind- Heim zwischengespeichert. Ein intelpark Butendiek wird in der deut- ligentes System, das großen Nutzen schen Nordsee etwa 32 Kilometer stiftet. Ein wesentlicher weiterer Förderschwerpunkt der KfW liegt auf einem effizienteren Einsatz von Energie im Immobilienbereich. Dabei geht es um nicht weniger als die Sanierung von Millionen Gebäuden in Deutschland und den niedrigenergetischen Neubau. Auf Gebäude entfallen hierzulande aktuell 35 % der insgesamt verbrauchten Energie. Sie tragen rund ein Drittel zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bei. Das zeigt: Ohne eine umfassende Gebäudesanierung kann die Energiewende nicht glücken. Es geht also darum, die Hauseigentümer als Partner zu gewinnen. Sachverständiger kann im Einzelfall beurteilen, welche energetischen Maßnahmen sich lohnen. Dabei rechnen sich Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz insbesondere dann, wenn ohnehin saniert wird und die Energiesparmaßnahme daran gekoppelt ist. Die finanzielle Förderung in den KfW-Programmen verkürzt die Amortisationsdauer von Investitionen in die energetische Sanierung erheblich. Häufig amortisierten sich diese Sanierungen mit einem Förderdarlehen oder Zuschuss der KfW in weniger als 20 Jahren. Das gibt Planungssicherheit. Für den Erfolg und damit die Akzeptanz energetischer Sanierungen sind die Qualität der Maßnahmenplanung und deren Bauausführung entscheidend. Bei jedem von der KfW geförderten Sanierungsvorhaben ist deshalb ein qualifizierter Sachverständiger einzubinden, der die Sanierungsmaßnahmen plant und das Erreichen der Förderstandards bestätigt. Qualifizierte Sachverständige sind in der Expertenliste des Bundes gelistet. Die Sachverständigen müssen dezidierte Aus- und Weiterbildungen nachweisen und unterliegen einer unabhängigen Die Fördertätigkeit der KfW ist aber auch deshalb wesentlich, weil die Zeit drängt. Der Anteil der jährlich in Deutschland energetisch (voll-)sanierten Wohngebäude beträgt gegenwärtig etwa 1 %; Ziel der Bundesregierung sind allerdings 2 %, um den Primärenergiebedarf wie angestrebt bis 2050 um 80 % zu senken. Dafür müssen erstens bisher ungenutzte Chancen für energieeffiziente Sanierungen genutzt werden (verstärkte Koppelung). Zweitens müssen verstärkte Anreize gesetzt werden, Sanierungszyklen auch einzuhalten. Sollen Gebäudeeigentümer zu solchen Investitionen motiviert werden, sind über eine gezielte Förderung geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch in diesem Fall die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen erreicht werden kann.

Programme noch attraktiver
Die Förderprogramme der KfW dienen dabei als überzeugende Argumente. Das größte Förderprogramm zum Umwelt- und Klimaschutz im Jahr 2012 ist mit 9,9 Mrd. Euro Zusagen „Energieeffizient Bauen und Sanieren“. Mit Beginn dieses Jahres ist dieses Programm noch attraktiver geworden. Der Bund stellt über das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) bis 2020 jährlich zusätzlich 300 Mill. Euro bereit. Wer sein Haus oder seine Wohnung energetisch saniert, profitiert nun seit Jahresbeginn von höheren Investitionszuschüssen. Mit solchen Förderprogrammen hilft die KfW nicht nur dem einzelnen Hausbesitzer. Sie stärkt auch die heimische Wirtschaft. Das energieeffiziente Bauen und Sanieren generiert zusätzlich zu einem ökologischen einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Eine Studie des Prognos Instituts belegt das. Ihre Kernaussage lautet: Die Energiewende kostet Geld, Deutschland profitiert aber auch enorm davon – durch mehr Arbeitsplätze, durch zusätzliches Wachstum und durch geringere Energiekosten. Die Studie provozierte auch viele Fragen. Sie löste eine Debatte darüber aus, ob sich das energieeffiziente Sanieren auch individuell lohnt. Fakt ist: Eine energetische Sanierung ist für den Einzelnen mit vielfachem Nutzen verbunden: von niedrigen Energiekosten über Wertsteigerung des Hauses bis zu höherem Wohnkomfort. Ein qualifizierter

Gute Planung muss sein
Grundsätzlich gilt: Die Planungsphase ist entscheidend, da die Hauseigentümer dann die Sanierung und die energetischen Komponenten festlegen. Das bestätigt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem vorvergangenen Jahr. Daher sind bereits in dieser Phase eine qualifizierte Beratung durch einen Sachverständigen und die Bereitstellung geeigneter finanzieller Fördermechanismen wichtig. Bei der Umfrage des DIW gab die Hälfte der Haushalte an, dass die Unterstützung der KfW wichtig für eine umfangreiche energetische Sanierung war. Diese Umfrage ergab auch, dass KfW-geförderte Haushalte alle ursprünglich geplanten Effizienzmaßnahmen auch wie geplant umgesetzt haben, während andere Haushalte während der Entscheidungsfindung oft den Umfang der energetischen Sanierung reduziert haben. Eine wichtige Bestätigung für unsere Arbeit. Die Finanzierung der Energiewende ist und bleibt ein Kernstück der Arbeit der KfW Bankengruppe. Für eine Bank aus Verantwortung, die sich in ihrem Alltagshandeln besonders von Nachhaltigkeitskriterien leiten lässt, gibt es keine Alternative zu einem umfassenden Umwelt- und Klimaschutz.

100 Mrd. Euro für den Wandel
Mit ihrer Arbeit als Förderbank unterstützt die KfW aktiv die Bundesregierung. Ziel ist es, die klimaschädigenden Emissionen bis 2050 um mindestens 80 % gegenüber 1990 zu senken. Dies setzt voraus, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch von gegenwärtig 12 auf 60 % steigt und sich zugleich der Primärenergiebedarf gegenüber dem Jahr 2008 halbiert. Die KfW stellt sich dieser Herausforderung und übernimmt Verantwortung dafür, diesen Wandel als wichtigster Finanzierungspartner möglich zu machen. Sie unterstützt die Energiewende in den kommenden fünf Jahren mit rund 100 Mrd. Euro und hat dazu ihre klimarelevanten Programme deutlich erweitert

„Die Energiewende kostet Geld, Deutschland profitiert aber auch enorm davon – durch mehr Arbeitsplätze, durch zusätzliches Wachstum und durch geringere Energiekosten.“

Qualitätssicherung. Ab Anfang 2014 wird diese Listung für die Investitionsförderung in den Programmen „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ verbindlich. Für die energetische Fachplanung und Baubegleitung durch einen Experten können Bauherren einen zusätzlichen Zuschuss bei der KfW beantragen.

Evolution statt Revolution
Der Energiemarkt wartet auf die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes
fristigen, gerade auch klimapolitisch motivierten Zielen ja weithin einig. Wir wollen die Energiewirtschaft nachhaltig verändern. Wir wollen die Treibhausgasemissionen verringern. Wir wollen bis 2022 alle Kernkraftwerke abschalten. Wir wollen die erneuerbare Energieerzeugung ausbauen. Wir wollen die Energieeffizienz steigern. Und das alles in Verbindung mit der Gewährleistung unseres hohen StanVon dards an VersorgungssiGeorg Müller cherheit und zu wirtschaftlich und sozial tragfähigen Kosten und Preisen. Das ist der Grundkonsens – unverändert, spätestens seit Fukushima. Vorsitzender des Und das ist auch gut Vorstands der MVV so, denn das ergibt ein Energie AG belastbares und nachhaltiges Fundament für das wegung also? Sollte man meinen. Energiesystem der Zukunft. Aber geDoch leider Fehlanzeige. Denn wirk- nauso wichtig ist die Erkenntnis, lich bewegen tut sich im Moment dass diese Ziele weder auf Knopfnicht allzu viel. Zumindest wenn druck noch zum Nulltarif zu erreiman sich Beschlüsse zu energiepoliti- chen sind. Dafür ist ein grundlegenschen Weichenstellungen ansieht, der Umbau der Energieversorgung dann bewegt sich seit Monaten notwendig. Das ist ein langwieriger nichts. Prozess – verbunden mit großen Herausforderungen für Politik, Wirtschaft, Energieunternehmen. Derzeit bewegt sich nichts Börsen-Zeitung, 6.7.2013 „Energiemarkt im Wandel“, „Tiefgreifende Umbrüche verändern Energiebranche“, „Auf dem Weg zur Energieversorgung der Zukunft“ – so oder ähnlich lauten die Überschriften, wenn Zeitungen und Magazine derzeit über die Energiebranche und die Energiepolitik berichten. Viel BeDiskutiert wird viel. Viele Vorschläge, viele Forderungen. Aber wirkliche Bewegung? Uns ist allen bewusst, dass wir uns in einem Jahr der Bundestagswahl befinden. Und es ist keine wirkliche Überraschung, dass das nicht unbedingt die allerbeste Voraussetzung für notwendige politische Weichenstellungen ist. Und doch: Ohne klare und vor allem verlässliche Entscheidungen, ohne die damit verbundene Sicherheit für Planungen, Projektentwicklungen und vor allem Investitionsentscheidungen wird es nicht gehen. Dabei sind sich Politik und Gesellschaft in Deutschland bei den langgen – zusätzliche Investitionen anzustoßen, muss die Politik verlässliche Rahmenbedingungen und Anreize schaffen. Der Versuch zur Strompreisbremse war dafür ein gutes Beispiel. Am Ende war sie schneller wieder in der Schublade verschwunden, als sie konzipiert worden ist. Inhaltlich ist das auch gut so. Denn anstatt der ursprünglich angekündigten moderaten Korrekturen mit dem Ziel kurzfristiger Kostensenkungen enthielt das Maßnahmenpaket weitreichende Eingriffe, die zu Marktverwerfungen und Fehlsteuerung geführt hätten. Schon die damit ausgelösten Diskussionen um einen rückwirkenden Eingriff in Förderzusagen für bestehende Erzeugungsanlagen haben Anlagenbetreiber, Investoren und Kapitalgeber verunsichert. Und auch wenn die Bundesregierung selbst den Vorschlag wieder aus dem Verkehr gezogen hat, gelingt es den Hexenmeistern nicht, ihre Lehrlinge da wieder zurückzuholen. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass trotz unveränderter Ziele Orientierung und Vertrauen verloren gegangen sind. Mit dem öffentlichen Schlagabtausch um die Strompreisbremse wurde viel Porzellan zerschlagen und Schaden angerichtet. Das ist mehr als bedauerlich, da es schon früh entsprechende Warnungen gegeben hat. Natürlich brauchen wir dringend eine Reform des EEG, die seine positiven Errungenschaften bewahrt – denn es war das richtige Instrument zur richtigen Zeit, um die erneuerbaren Energien in den Markt einzuführen – die aber gleichzeitig auch künftige Herausforderungen angeht.

Für genug Reserve sorgen
Inzwischen ist wohl bei allen Beteiligten das Verständnis gereift, dass erneuerbare Energien auf Sicht allein keine sichere Energieversorgung gewährleisten können. Wir brauchen auch in Zukunft hocheffiziente konventionelle Erzeugungskapazitäten, um die natürlich gegebenen Schwankungen der Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen auszugleichen. Und da schließt sich der Kreis: Um die notwendigen Reservekapazitäten am Netz zu halten, um – nicht heute oder morgen, aber übermor-

Verlässlich vorgehen
Dabei gibt es ja durchaus Mittel und Wege, mit einer Weiterentwicklung des bestehenden EEG mehr Wettbewerb zu schaffen und Kosten Fortsetzung Seite B 6

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Energiegenossenschaften im Aufwind
Bürger, Kommunen und lokale Wirtschaft treiben gemeinsam die dezentrale Energiewende voran – Für den Einzelnen ist finanzielles Engagement überschaubar
scheidung, sich in einer Energiegenossenschaft zu engagieren, wie eine Umfrage des DGRV aus dem Sommer 2012 zeigt. Die grundlegenden genossenschaftlichen Prinzipien, die schon mehr als 150 Jahre die Genossenschaften in Deutschland bestimmen, überzeugen die Von Menschen auch heute Eckhard Ott noch. Besonders schätzen die Gründer die demokratische Willensbildung. In einer GenossenVorsitzender des schaft hat jedes Mitglied Vorstands des unabhängig von der HöDeutschen he seiner Beteiligung eiGenossenschafts- und ne Stimme in der MitRaiffeisenverbands gliederversammlung. (DGRV) Die Beteiligungs- und Mitbestimmungsmögfünf Jahren gegründet. Allein im lichkeiten des Einzelnen fördern die Jahr 2012 sind unter dem Dach des Verantwortung für das gemeinsame Deutschen Genossenschafts- und Energieprojekt. Es kann nicht an eiRaiffeisenverbandes (DGRV) 150 nen externen Investor, beispielsweineue Energiegenossenschaften ent- se die Kommune oder ein Energieunstanden – und die Tendenz ist weiter ternehmen delegiert oder sogar verkauft werden. Ein weiterer Vorteil steigend. Genossenschaften ermöglichen der genossenschaftlichen RechtsPrivatpersonen, Kommunen oder Un- form wird im Energiebereich besonternehmen, mit überschaubaren fi- ders deutlich: Die aktive Beteiligung nanziellen Beträgen den Ausbau er- und Organisation einer großen Mitneuerbarer Energien in ihrer Heimat gliederzahl ist problemlos möglich. voranzubringen. Eine Beteiligung ist in vielen Genossenschaften bereits Wirken in der Region mit weniger als 100 Euro möglich. Mehr als 90 % der GenossenschaftsDie Genossenschaft ist ein regionamitglieder sind Privatpersonen, die les Unternehmen der Mitglieder, im Schnitt mit gut 3 000 Euro betei- nicht einfach nur eine Anlagemögligt sind. Sie kommen in der Genos- lichkeit. Anders als zum Beispiel senschaft mit Gleichgesinnten zu- Fonds fördern Genossenschaften die sammen, um – häufig gemeinsam regionale Wertschöpfung, indem etmit kommunalen Entscheidungsträ- wa ortsansässige Handwerksbetriegern, öffentlichen Einrichtungen be oder Banken eingebunden werund regionalen Banken – Kraftwerks- den. So stammt beispielsweise über projekte im Bereich Sonnen- oder alle Energiegenossenschaften hinWindenergie zu initiieren. Investiti- weg rund die Hälfte des aufgenomonsrisiko und Betreiber-Know-how menen Fremdkapitals von regionawerden über die Genossenschaft ge- len Genossenschaftsbanken. Vielbündelt. fach sind Genossenschaften zudem eine Keimzelle für weitere Projekte in der Region, nicht nur im EnergieRendite nicht entscheidend bereich, sondern in vielen Bereichen Dabei verfolgen die Initiatoren regionaler Entwicklung von der vor allem zwei Ziele: die Umstellung Breitbandversorgung bis zur Biodider Energieversorgung auf erneuer- versität. Zudem schafft die Einbeziehung bare Energieressourcen und die Förderung der regionalen Wertschöp- des regionalen Genossenschaftsverfung. Die Aussicht auf eine finanziel- bands Vertrauen in die zumeist langle Rendite spielt hingegen nur eine fristig angelegten Investitionen. untergeordnete Rolle bei der Ent- Schließlich werden die Ersparnisse Börsen-Zeitung, 6.7.2013 In Deutschland gibt es aktuell rund 650 Genossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Großteil dieser Energiegenossenschaften wurde in den vergangenen vieler Bürger zusammengetragen und die in der Verantwortung stehenden Mitglieder haben häufig noch keine kaufmännischen Erfahrungen gesammelt. Die Unterstützung und regelmäßige Prüfung durch erfahrene Berater des Genossenschaftsverbands ist daher sehr hilfreich. Und das zahlt sich aus: Die Genossenschaft ist seit vielen Jahren die insolvenzsicherste Rechtsform in Deutschland. Seit mehr als 100 Jahren sind in vielen Regionen Deutschlands Genossenschaften als etablierte regionale Energieversorgungsunternehmen tätig. Die Alb-Elektrizitätswerke Geislingen-Steige eG versorgen beispielsweise bereits seit 1910 ihre württembergische Heimatregion mit Strom. In jüngerer Zeit werden vielerorts mit genossenschaftlichen Nahwärmenetzen die angeschlossenen Haushalte kostengünstig mit Energie – zum Beispiel aus einer Biogasanlage – versorgt. zunächst kein Nutzungskonzept. Das führte zu der Frage, ob man die Wärme nicht zum Beheizen von Wohnhäusern nutzen könnte. In mehreren Informationsveranstaltungen wurden die Einwohner von Honigsee von der Idee eines genossenschaftlichen Nahwärmenetzes überzeugt. Und es gab es viele gute Argumente für das gemeinsame Netz: etwa die Unabhängigkeit von großen Energieversorgern und die immer weniger kalkulierbaren Preise für fossile Brennstoffe. Auch die Vorstellung, die alte, meist großvolumige Heizungsanlage im Keller gegen eine kleine Übergabestation zum Wärmenetz auszutauschen, kam gut an. Vielen war es zudem wichtig, sich für eine saubere und klimaschonende Energieerzeugung zu engagieren. Vor allem aber lockte die Aussicht auf niedrige und transparente Heizkosten. Noch einen Schritt weiter als die Nahwärmegenossenschaften gehen genossenschaftliche Bioenergiedörfer, mit denen möglichst die gesamte Wärme- und Stromversorgung des Ortes in Eigenregie auf regenerative Energien umgestellt wird. Dies wird zum Beispiel seit über zehn Jahren erfolgreich in der rheinländischen Gemeinde Lieberhausen, einem Ortsteil von Gummersbach, praktiziert. Heute beziehen 92 der insgesamt 108 Haushalte ihre Wärme über ein Nahwärmenetz aus der örtlichen Holzhackschnitzelanlage, die von den Bürgern gepflegt und gewartet und mit Material aus den heimischen Wäldern versorgt wird. ben sich in der Oberpfalz Städte und Gemeinden zusammengeschlossen, um regenerative Energien in der Region zu fördern. Die NEW ist gewissermaßen das Dach, unter dem Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien initiiert werden. An dem Gemeinschaftsunternehmen sind Kommunen und kommunale Unternehmen der Region direkt beteiligt. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist die Zeichnung von mindestens einem Geschäftsanteil, der auf eine Summe von 5 000 Euro festgelegt wurde. Bislang sind 19 kommunale Mitglieder mit insgesamt 154 Geschäftsanteilen der Genossenschaft beigetreten. Drei Bürgermeister stellen den Vorstand, die anderen Kommunalvertreter wirken ehrenamtlich im Aufsichtsrat mit. Auch die Bürger der Region sind an der NEW beteiligt. Sie können allerdings nicht direkt Mitglied werden, sondern erwerben Anteile einer zweiten Genossenschaft: der Bürger-Energiegenossenschaft West eG (BEW). Diese Genossenschaft ist wiederum Mitglied der NEW.

Akzeptanz schaffen
Die lokale Verwurzelung, der hohe Grad an Mitbestimmung und Transparenz sowie der klare Fokus auf die Mitgliederförderung sind Hauptgründe, warum es bei genossenschaftlich organisierten Energieprojekten nur sehr selten zu Akzeptanzproblemen kommt. Die Menschen sind viel eher bereit, ein Windrad oder eine Biogasanlage im eigenen Heimatort zu akzeptieren, wenn sie selbst daran beteiligt sind und nicht ein anonymer Investor profitiert, sondern die Wertschöpfung in der Region bleibt. Ein Beispiel hierfür ist die Energiegenossenschaft Starkenburg eG, die im Odenwald ein Bürger-Windrad realisiert hat. Die öffentliche Meinung in der unmittelbaren Nachbarschaft war zunächst gegen das Vorhaben und auch die lokale Presse berichtete hauptsächlich über Aktivitäten der Windkraftgegner. Das Meinungsbild änderte sich aber, als sich die Anwohner der umliegenden Gemeinden direkt an der Windkraftanlage beteiligen konnten. 230 Bürger aus der näheren Umgebung haben in das Windrad investiert. Mit der Realisierung eines genossenschaftlich organisierten Bürger-Windrads gehört die Energiegenossenschaft Starkenburg zu den Vorreitern. Der größte Teil der Energiegenossenschaften ist aktuell noch im Bereich der Energieproduktion durch Sonnenenergie tätig. Denn die Photovoltaik bietet eine einfache Möglichkeit, dezentral in erneuerbare Energien zu investieren, und sie funktioniert – im Gegensatz zu Windkraft und Biogas – fast überall. Neben der Strom- und Wärmeproduktion durch Sonnen-, Wind- oder Bioenergie werden auch Energienetze von Genossenschaften betrieben.

Eigener Netzbetrieb
So auch in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Honigsee, wo die Einwohner seit 2007 ihre Heizwärme über ein Nahwärmenetz aus den

„So verschieden die Energiegenossenschaften auch sein mögen – sie alle ermöglichen das gemeinsame Engagement verschiedener Akteure vor Ort und vereinigen gesellschaftliche, wirtschaftliche, kommunale und umweltpolitische Interessen.“
Biogasanlagen beziehen. Der Impuls für das Nahwärmenetz ging damals von zwei Landwirten aus, die in eine Biogasanlage investiert hatten. Das Biogas wird über zwei Blockheizkraftwerke verstromt, für die dabei anfallende Abwärme gab es jedoch

Über 100 000 machen mit
So verschieden die Energiegenossenschaften auch sein mögen – sie alle ermöglichen das gemeinsame Engagement verschiedener Akteure vor Ort und vereinigen gesellschaftliche, wirtschaftliche, kommunale und umweltpolitische Interessen. Sie steigern zudem die Akzeptanz für Erneuerbare-Energien-Projekte. Deutschlandweit sind bereits mehr als 100 000 Menschen in Energiegenossenschaften engagiert – Tendenz steigend. Die Genossenschaften haben bis heute rund 1 Mrd. Euro in erneuerbare Energien investiert. Sie produzieren bereits jetzt mehr Strom, als in den Haushalten ihrer Mitglieder verbraucht wird. Energiegenossenschaften werden damit zu einem wichtigen Treiber der dezentralen Energiewende.

Interessant für Kommunen
Nicht nur Bürger, sondern auch Kommunen können gemeinsam aktiv werden, um die Energiewende voranzutreiben, wie die interkommunale Genossenschaft NEW – Neue Energien West eG zeigt. Auf Initiative der Stadtwerke Grafenwöhr ha-

Der Bürger als Investor
Energieprojekte vermehrt alternativ finanzieren – Gesetzesänderungen kommen
stitutionelle Investoren dazu, neue Assetklassen in ihr potenzielles Anlageportfolio aufzunehmen. So sind die Übertragungsnetzbetreiber zum Teil durch international agierende Infrastrukturinvestoren (Eigenkapital-)finanziert. Gleichzeitig zeigt Von sich auch bei den PrivatMyriam Schilling investoren, dass diese sich neuen Anlageformen öffnen und bereit sind, bei entsprechenden Renditeaussichten auch höhere Risiken einzugehen. Der Bürger als potenRechtsanwältin und zieller Investor flog daPartnerin der Sozietät bei bislang weitestgeOppenhoff & Partner hend unter dem Radar und kam nur vereinzelt Erfolgsmeldungen hat die Öffentlich- und im Rahmen sehr kleiner, lokaler keit bislang aber weitestgehend ver- Projekte zum Zuge. Doch dies wird geblich gewartet. Die Verantwortli- sich wohl ändern. chen müssen weiterhin nicht nur die Schwierigkeiten bei der NetzanbinErstes Großprojekt vor Start dung lösen, sondern vor allem auch die Frage beantworten, wer den erEnde des vergangenen Jahres künforderlichen Netzausbau bezahlen digte der Bundesumweltminister an, soll. Schätzungen zufolge ist in den den gesetzlichen Rahmen dafür nächsten fünf bis zehn Jahren für schaffen zu wollen, dass sich Bürger die Energiewende insgesamt mit ei- mit einer attraktiven Garantieverzinnem Investitionsvolumen im dreistel- sung am Bau neuer Stromtrassen beligen Milliardenbereich zu rechnen. teiligen können. Bereits ohne die RüSicher ist, dass die Energiekonzerne ckendeckung und Starthilfe eines Geund Netzbetreiber dies nicht aus ei- setzes wird der Netzbetreiber Tengener Kraft schaffen werden. neT nach eigenen Angaben in Kürze ein erstes großes Beteiligungsprojekt auflegen. Er bietet GebietsansäsNeue Assetklassen nutzen sigen und Grundstückseigentümern Wegen verschlechterter Refinan- die Möglichkeit, sich an der Errichzierungsmöglichkeiten fehlt ihnen tung der geplanten Westküstenleizum einen das Eigenkapital. Zum an- tung finanziell zu beteiligen. Die Einbindung der Bürger in die deren haben sie Probleme bei der Beschaffung des erforderlichen Fremd- Finanzierung von solchen Großprokapitals. Deshalb verwundert es jekten bietet allen Beteiligten Vorteinicht, dass immer mehr Experten zu le. Der Projektbetreiber erschließt der Ansicht gelangen, dass die Finan- sich eine Finanzierungs- oder Refizierungslast auf mehrere Schultern nanzierungsquelle zu Konditionen, verteilt werden muss. Insbesondere die nicht weniger attraktiv sind als das aktuell niedrige Zinsniveau ver- manches Bankdarlehen, aber mit anlasst sowohl private, aber auch in- weitaus weniger Bürokratie auskomBörsen-Zeitung, 6.7.2013 Mehr als zwei Jahre sind seit der Entscheidung der Bundesregierung zum beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie vergangen – auf große men. Zudem reduziert er sein unternehmerisches Risiko, indem er es auf eine Vielzahl von Investoren verteilt. Dem Bürger bietet sich demgegenüber die Gelegenheit, einen mit entsprechender Rendite versehenen Beitrag zur Energiewende zu leisten und einen konkreten Bezugspunkt zur besseren Identifikation mit derselben zu finden. Erfahrungsgemäß sinkt nämlich die Bereitschaft, einen Beitrag zu einer großen gesellschaftlichen Aufgabe zu leisten, mit dem Grad der persönlichen Betroffenheit. Wenn die zu bauenden Stromtrassen unmittelbar an dem eigenen Grundstück vorbeiführen oder der Blick aus dem Wohnzimmer durch ein Windrad verbaut wird, wird sich der Einzelne wohl nur dann finanziell engagieren, wenn er eine Rendite oberhalb der von üblichen risikoarmen Anlageformen erzielen kann. Aus diesem Grunde bieten Projektbetreiber wie TenneT eine vergleichsweise hohe Verzinsung an, die zum Teil abhängig von den Erträgen der Projektgesellschaft oder im Zeitablauf nach Abschluss bestimmter Projektphasen – wie offenbar im Falle des Beteiligungsmodells Westküstenleitung – variiert.

Struktur sorgfältig wählen
Aus rechtlicher Sicht sind für ein Bürgerbeteiligungsmodell vielerlei Strukturierungsmodelle denkbar. Während TenneT sich wohl für die Ausgabe einer Anleihe entschieden hat, waren in der Vergangenheit bei regional geprägten Vorhaben insbesondere die Beteiligung an einer Projektgesellschaft über den Erwerb einer Kommanditbeteiligung, Genussrechtsvereinbarungen oder die Gewährung von Darlehen bzw. Schuldverschreibungen populär. Da jedes Beteiligungsmodell für die Beteiligten unterschiedliche Fortsetzung Seite B 8

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Zukunftsmarkt mit nachhaltigem Renditepotenzial
Investitionen in Energie- und Umwelt-Infrastruktur bieten Anlegern große Chancen – Green-Tech-Branche ist stark wachsender Markt
Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Weltbank und führende Unternehmens- und Politikberatungen sind sich einig: Energie und Umwelt sind die beiden Bereiche, die von enormer Bedeutung für die weitere Entwicklung globaler Wirtschaftskreisläufe sind. Die Herausforderungen der Zukunft mit zunehmender Urbanisierung und Ressourcenknappheit können nur gemeistert werden, wenn ein konsequentes Umdenken zugunsten erneuerbarer Energien und ressourcenschonenden Umweltmanagements stattfindet. Der erhöhte Investitionsbedarf in Energie- und Umweltinfrastruktur kann ohne das Engagement von privaten Investoren nicht gedeckt werden – hier liegen große Chancen für Anleger. chen und ökologischen Veränderungen. Die höchsten Ausgaben werden für den Wassersektor prognostiziert (900 Mrd. Dollar pro Jahr). Der Investitionsbedarf für die Energieversorgung wird jährlich auf rund 210 Mrd. Dollar geschätzt. Ein Haupttreiber für diesen enormen Investitionsbedarf ist die fortschreitende Urbanisierung und das Entstehen zahlreicher Mega-Citys. Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten, Tendenz stark steigend. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass es 2015 bereits weltweit 300 Millionenstädte geben wird. Laut OECD-Schätzungen belaufen sich die in städtischen Gebieten erforderlichen Infrastrukturinvestitionen bis 2030 weltweit auf mehr als 40 Bill. Dollar. Der bisherige Investitionsbedarf für Wohnungs- und Bürobau, Hafenkapazitäten und Wasserversorgungen wird sich weltweit auf 20 Bill. Dollar jährlich verdoppeln. Innerhalb der Städte werden 85 % mehr Fläche für Wohn- und Gewerbegebiete benötigt, und der Wasserbedarf der Städte wird bis 2025 um 80 Milliarden Kubikmeter wachsen. ten Jahren stark zugenommen und wird weiter wachsen. Die OECD schätzt, dass allein China im Zeitraum von 2003 bis 2030 über 2 Bill. Dollar in Anlagen zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung investieren effizienten Energienutzung. Die Energiewende bietet also viele Zukunftschancen im Bereich umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung, Energieeffizienz, Rohstoff- und Materialeffizienz, nachhaltige Mobilität und nachhaltige Wasserwirtschaft. Laut dem Bericht „GreenTech Made in Germany 3.0“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) aus dem Jahr 2012 ist die sogenannte Green-Tech-Branche ein stark wachsender Markt mit einem globalen Volumen von knapp 2 Bill. Euro, und für 2025 werden weltweite Umsätze von 4,4 Bill. Euro erwartet. Teilen der USA jährlich bis zu 50 % des geförderten Wassers. Die OECD geht für die nächsten 20 Jahre zur Sicherung der Wasserversorgung von einem jährlichen Volumen für Infrastrukturinvestitionen von über 600 Mrd. Dollar aus. Genauso wichtig ist auch die Abwasserentsorgung, wo die Schwellenländer den größten Nachholbedarf haben. In diesem Bereich werden bis 2025 in China über 200 Mrd. Dollar an Ausgaben erwartet, in Indien circa 100 Mrd. Dollar und in den USA über 150 Mrd. Dollar. Staatshaushalte lassen wenig Spielraum für Investitionen. Sowohl Industrienationen als auch Schwellenländer sind auf private Investoren angewiesen. Insbesondere Unternehmen im Bereich Energienetze, Speicherung und Nutzung sowie Ver-/Entsorgung und Recycling haben gute Entwicklungsperspektiven. Daher ist gerade Kerninfrastruktur für Anleger langfristig interessant. Dazu zählen Transport (z. B. Mautstraßen, Flughäfen, Seehäfen), Ver- und Entsorgung ( Stromnetze, Öl- und Gas-Pipelines, Wassernetzwerke, Müllentsorgung, Recycling), Kommunikation (Sendemasten, Kabelnetzwerke, Satellitensysteme) sowie öffentliche Einrichtungen (Schulen, Regierungsgebäude). Börsennotierte Infrastrukturbetreiber in diesen Segmenten agieren meist in einem monopolistischen Umfeld, unterliegen daher einer geringen Nachfrageelastizität und weisen auf Basis von langfristigen, häufig inflationsgekoppelten Verträgen oder infolge von Regulierung planbare zukünftige Erträge auf. So finden sich hier Eigenschaften wie zum Beispiel geringere Konjunktursensitivität, stabile Cash-flows sowie weitgehend inflationsgeschützte Erträge. Zur Auswahl eines renditeorientierten Kerninfrastruktur-Portfolios ist sektorspezifisches Know-how im Bereich privater und börsennotierter Infrastruktur erforderlich. Dazu zählen insbesondere lokale Expertise über Regulierungen und Konzessionen in den einzelnen Märkten sowie Analyseerfahrung in der Bewertung von Infrastrukturanlagen. Angesichts der OECD-Prognosen ist der Energie- und Ver-/Entsorgungssektor ein langfristig attraktives Anlagesegment mit nachhaltigen Ertragschancen.

Von Markus Pimpl

Senior Vice President Investment Solutions bei der Partners Group wird. Denn Chinas jährliche Wachstumsrate beim Elektrizitätsverbrauch stellt mit 4,5 % (Indien: 4,9 %) fast die höchste Rate in den Schwellenländern dar. Aber auch in den Industriestaaten ist die Energieinfrastruktur ein großes Thema: So schätzt die OECD in den USA und Kanada Investitionen in Höhe von nahezu 2 Bill. Dollar. Zentrale Kostentreiber sind dabei die Versäumnisse in der Vergangenheit, da vorhandene Anlagen nicht ausreichend instand gehalten bzw. Ersatzinvestitionen vernachlässigt wurden. Um die Energiewende mit erneuerbarer Energie zu schaffen, müssen nicht nur hohe Investitionen in deren Erzeugung, sondern auch in ein modernisiertes Stromnetz mit intelligenter Netz- und Verbrauchssteuerung getätigt werden. Da regenerativer Strom nicht immer zu Spitzenverbrauchszeiten erzeugt wird, braucht es neue Speichermöglichkeiten sowie neue Konzepte zur intelligenten,

Müll besser verwerten
Nach Daten der Weltbank und der Bank of America Merrill Lynch fielen im Jahr 2010 weltweit etwa 3,5 Millionen Tonnen Müll am Tag an, davon allein in den OECD-Ländern 1,56 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 wird sich der täglich produzierte Müllberg mit 6 Millionen Tonnen fast verdoppelt haben. Der Abfall der rasant wachsenden Metropolen in den Schwellenländern wird sich in dieser Zeit verdoppeln, teilweise gar verdreifachen. Weltweit werden derzeit nur 25 % des Mülls verwertet. Dabei lediglich 7 % des Industriemülls, 10 % des Abfalls der Kommunen und 15 % des elektronischen E-Mülls. Daran zeigt sich das langfristige Wachstumspotenzial der Entsorgungs- und Recyclingbranche. Angesichts dieser Entwicklungen stehen der Energie- sowie der Verund Entsorgungssektor vor großen Herausforderungen – vor allem bei der Finanzierung der notwendigen Investitionen in vorhandene und neu zu schaffender Infrastruktur. Banken ziehen sich verstärkt aus der Finanzierung von Infrastrukturprojekten zurück, und angespannte

Wasserversorgung sichern
Rund 83 % der Weltbevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser und lediglich 58 % zu sanitären Einrichtungen. In den Entwicklungsländern herrscht der größte Nachholbedarf. Im Jahr 2025 werden laut OECD die Landwirtschaft (Anteil von 70 bis 75 % des globalen Wasserverbrauchs), die Industrie (20 %) und die privaten Haushalte (5 bis10 %) zusammen bis zu 40 % mehr Wasser zur Sicherung des Lebensstandards beanspruchen, als es heute der Fall ist. Die weltweite Wasserverfügbarkeit ist seit 1950 gesunken und wird bis 2030 weiter sinken. Bis 2030 wird die Wasserverfügbarkeit pro Kopf in den Industriestaaten um bis zu 40 % geringer sein als 1959. Ein hoher Investitionsbedarf besteht zur Erschließung neuer Quellen sowie zur Verbesserung der Versorgungsinfrastruktur. Weil die Wasserleitungen zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, versickern beispielsweise in England und großen

Neubau und Ersatz nötig
In den kommenden Jahrzehnten wird in den Industrieländern Bedarf an Ersatzinvestitionen in Infrastruktur bestehen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern sind dagegen durch das rasante Bevölkerungsund Wirtschaftswachstum und die sich verbessernden Lebensumstände neue Investitionen in Versorgungs-, Bau-, Telekommunikations- und Transportinfrastruktur nötig. Die Industrieländerorganisation OECD schätzt das weltweite durchschnittliche Investitionsvolumen für neue Infrastruktur bzw. für die Instandhaltung bestehender Infrastruktur für die Jahre 2010 bis 2030 auf jährlich etwa 1,8 Bill. Dollar. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die fortschreitende Globalisierung, der demografische Wandel und die energiewirtschaftli-

China zeigt es deutlich
Das Beispiel China zeigt diese Entwicklung besonders deutlich: 2030 werden laut der Unternehmensberatung McKinsey eine Milliarde Menschen in chinesischen Städten leben, davon sind 221 Millionenstädte (in Europa sind es aktuell 35). Der Bedarf an Investitionen im Energieinfrastrukturbereich hat in den letz-

Strommarktliberalisierung nur teilweise geglückt
15 Jahre Wettbewerb in Deutschland – Bundesnetzagentur spielt zentrale Rolle – Mehr Flexibilität ermöglichen, Kosten gleichmäßiger verteilen
kushima (Japan) im März 2011 beschloss die Bundesregierung den endgültigen Atomausstieg: Acht Kraftwerke gingen sofort vom Netz, bis 2022 soll auch das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet sein. All das hat nicht nur dazu geführt, dass die alten Versorgungsstrukturen in Deutschland aufgebroVon chen wurden und die Andreas Hergaß Marktmacht der großen Erzeugerkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall Europe Risse bekam. Vielmehr rufen die Entwicklungen neue Anbieter mit innovatiMitglied des Vorstands ven Konzepten auf den Plan, die den Gedanken der Ensys AG eines freien Marktes endlich umsetzen. bieten sollte ein Markt des fairen Zwar hat die einst so vielverspreWettbewerbs werden. Doch diese chende deutsche Solarbranche bis Entwicklung lässt in Teilen noch heu- ins Jahr 2008 Umsatzrekorde an Umte auf sich warten. Zwar haben zahl- satzrekorde gereiht und sich zeitweireiche Gesetzesänderungen, vor al- se sogar als Weltmarktführer geselem aber der Atomausstieg und die hen. Sie hat sich jedoch zu früh auf Energiewende, für Bewegung am ihrem Erfolg ausgeruht und mit FehlMarkt gesorgt. Jedoch haben sich investitionen letztlich ihre Beweggünstigere Strompreise zumindest lichkeit insbesondere in der späten für die Verbraucher noch nicht Konsolidierungsphase seit 2010 eindurchgesetzt. Ein Grund, die Liberali- gebüßt. Doch sie ist ein gutes Beisierung als missglückt zu bezeich- spiel dafür, dass – wenn aus den Fehnen, ist das aber noch lange nicht. lern gelernt wird – ein freier Strommarkt an einem technisch hoch entwickelten Standort wie Deutschland Marktmacht bricht gelingen kann. Vier große Konzerne sind es immer noch, die mit einem Marktanteil Großes Angebot für Kunden von 80 % den größten Teil des Stroms in Deutschland erzeugen. So gehört die Bundesrepublik heuWer sich anschaut, was sich in den te zu den vielfältigsten Energiemärkvergangenen eineinhalb Jahrzehn- ten Europas. Rund 300 Stromerzeuten beim Absatz für Strom und Gas ger, mehr als 900 Netzbetreiber und getan hat, muss dem Markt eine ge- über 1 000 Stromlieferanten sorgen wisse Dynamik zusprechen. Die regu- für ein großzügiges Angebot. Diese latorischen Rahmenbedingungen ha- hohe Anzahl von Marktteilnehmern ben sich fortlaufend verändert: Nach deutet darauf hin, dass der Wettbeder Liberalisierung des Strommark- werb auf den unterschiedlichsten tes 1998 folgte bereits 2000 die Ein- Stufen der energiewirtschaftlichen führung des Erneuerbare-Ener- Wertschöpfung funktioniert. gien-Gesetzes (EEG). Die damit anDas bekommen auch die Verbraugeordnete bevorzugte Einspeisung cher zu spüren, zumindest im Hinvon nachhaltig erzeugtem Strom blick auf die Anbietervielfalt. Laut stellte Versorger, Netzbetreiber und Bundesnetzagentur (BNetzA) könHändler gleichermaßen vor neue nen Haushaltskunden im DurchHerausforderungen. 2004 wurde schnitt aus 147 Anbietern je Netzgedann der Gasmarkt geöffnet. Ein biet wählen. Auch die WechselhürJahr später setzte das Energiewirt- den wurden erheblich reduziert. Im schaftsgesetz (EnWG) europäische EnWG ist festgelegt, dass StromkunRichtlinien in nationales Recht um. den jederzeit innerhalb von drei WoNach der durch ein Erdbeben aus- chen ihren Lieferanten wechseln köngelösten Reaktorkatastrophe in Fu- nen. Davon machen sie auch GeBörsen-Zeitung, 6.7.2013 Als die Bundesrepublik vor 15 Jahren ihren monopolistisch geprägten Strommarkt auf einen Schlag öffnete, waren die Erwartungen groß. Aus geschlossenen Versorgungsgebrauch: Die Zahl der Stromanbieterwechsel unter den Endverbrauchern ist zwischen 2006 und 2011 gemäß Monitoringbericht 2012 der BNetzA fast um das Fünffache gestiegen. So haben im Jahr 2011 mehr als 3,8 Millionen Lieferantenwechsel stattgefunden – fünf Jahre zuvor waren es erst 800 000. Allein gegenüber 2010 war dies ein Zuwachs von 27 %. Die Situation aller Marktteilnehmer hat sich in dieser Hinsicht also verbessert. Die vier großen Energiekonzerne samt Vertriebstöchtern versorgten 2011 nur noch rund 40 % (Stand 2010: 43,8 %) der privaten Haushalte. Einen Teil davon allein deshalb, weil sie aufgrund ihres öffentlichen Auftrags zur Stromversorgung noch immer eine besondere Position innehaben: Jeder Stromabnehmer ist gesetzlich einem Grundversorger zugeordnet, solange er sich nicht von selbst an einen anderen Anbieter wendet. Wenn also der Verbraucher von seinem Recht Gebrauch macht, seinen Stromanbieter selbst zu wählen, ist der freie Markt tatsächlich in den privaten Haushalten angekommen. scher Sicht. Hier ist die Politik gefordert: Der Strompreis muss in einem verträglichen Bereich bleiben. Um die Energiewende als eines der größten wirtschaftspolitischen Projekte der Bundesrepublik nachhaltig zum Erfolg zu führen, muss also auf politischer Ebene noch viel passieren. Dabei spielt die Bundesnetzagentur eine zentrale Rolle. Der leitungsgebundene Strommarkt muss mehr Flexibilität ermöglichen, um mittelständische Energieanbieter nicht nur am Ende der Wertschöpfungskette, sprich in der Belieferung der Endkunden, mitspielen zu lassen. Auch dürfen die Kosten nicht nur auf den Schultern der Verbraucher und des Mittelstandes lasten. Wenn die Bundesregierung Angst hat, dass die großen Industriekonzerne abwandern, dann muss umgedacht, nicht einfach nur umgelegt werden. Fairer Wettbewerb ist und bleibt das Schlüsselwort – unter Rahmenbedingungen, die allen Marktteilnehmern die gleichen Möglichkeiten bieten. Dann kann der Strommarkt sich gesund entfalten und Deutschland mit seiner Energiepolitik zu einem Vorbild für Europa machen.

trie zu spüren, die – um nicht ins steuergünstigere Ausland abzuwandern – von der Bundesregierung im großen Stil mit Sonderregelungen privilegiert wird. So haben Verbraucher wie auch kleine und mittlere Unternehmen zwar die Möglichkeit, aus einer Vielzahl an Anbietern und Tarifmodellen zu wählen. Über den Preis entscheiden können sie dadurch aber

nur geringfügig. Das ist die Kehrseite der Entwicklung, die gleichzeitig eine große Herausforderung darstellt. Damit steigende Kosten nicht zulasten der Akzeptanz einer atomstromfreien Zukunft gehen, muss die Energiewende effizienter gestaltet werden. Der Staat verspielt sonst womöglich die Chancen eines freien Marktes, der so vielversprechend ist wie noch nie – auch aus europäi-

Alles gut, bis auf den Preis
Wirklich motiviert, sich damit auseinanderzusetzen, sind die Verbraucher jedoch erst, seit sie eine Verteuerung von Strom spüren. Die Einmischung durch den Staat hat nämlich dazu geführt, dass das wichtigste Merkmal eines freien Marktes auf der Strecke geblieben ist: die freie Preisgestaltung. Stromproduzenten, Netzbetreiber und der Staat geben hier den Ton an. Die Anbieter selbst haben indes auf den Strompreis zum großen Teil gar keinen Einfluss. Der Anteil von Steuern und Abgaben sowie gesetzlich regulierten Bestandteilen am Strompreis ist in den vergangenen 15 Jahren um fast 30 % gestiegen. 1998 lag er noch bei weniger als 50 %, im Jahr 2013 dagegen bei mehr als 75 %. Steuern, Abgaben, Umlagen sowie gesetzlich regulierte Preisbestandteile machen also rund drei Viertel des Strompreises für Endverbraucher aus. Zuletzt war es die drastische Erhöhung der EEG-Umlage, die für Diskussionen gesorgt hat. Betroffen sind davon vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie private Haushalte. Eine Preisentlastung bekommt allenfalls die verbrauchsintensive Indus-

Evolution statt Revolution
Fortsetzung von Seite B 4 zu senken. Statt harter Einmaleinschnitte sollte schrittweise und vor allem verlässlich vorgegangen werden. Der Grundsatz lautet „Evolution statt Revolution“. Natürlich können die Vergütungen im EEG abgesenkt werden, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden, um die Kosten in Grenzen zu halten, die ja am Ende die Verbraucher über die EEG-Umlage bezahlen müssen. Dazu müssen sich die erneuerbaren Energien Schritt für Schritt in den Markt integrieren. Die optionale Direktvermarktung der erneuerbaren Energien sollte ausgeweitet werden. Direktvermarktung ist einer der entscheidenden Schlüssel. Mit ihr müssen die Anlagenbetreiber ihren Strom verstärkt am Markt anbieten und auch direkt auf Preissignale reagieren. Die Problematik des klassischen EEG, bei der ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf erzeugt wird, könnte dadurch zu einem großen Teil entschärft werden – ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wir brauchen auch weiterhin Anreize für einen gezielten und intelligenten Ausbau der erneuerbaren Energien. Beispiel: Windenergie. Ein weiterer Zubau darf nicht nur auf hoher See erfolgen und damit ausschließlich in Norddeutschland, während im süddeutschen Binnenland der Zubau zum Erliegen kommen würde. Das wäre kontraproduktiv – sowohl für die Windenergie insgesamt als auch für die wünschenswerte stärkere regionale Diversifizierung der Windenergie, die zu einer Verringerung des Netzausbaubedarfes beitragen könnte. Statt Einschnitten bei der Förderung wäre zur Kostendämpfung bei der Windenergie die Einführung eines atmenden Deckels, ähnlich wie bei der Photovoltaik, ein gangbarer Weg. Durch die höhere Berechenbarkeit entstünden bei Investoren weniger Risiken als bei massiven kurzfristigen Förderkürzungen. Mit einer Überarbeitung des Referenzertragsmodells könnte zudem die Förderung über ein Stauchungsmodell so angepasst werden, dass stärkere Anreize zum Ausbau von Binnenlandstandorten gesetzt werden. Sinnvoll bleibt auch der Vorschlag einer Überarbeitung der Befreiungen von der EEG-Umlage sowie eine Einbeziehung des Eigenverbrauchs in die Finanzierung des Umbaus des Energiesystems.

Markt neu designen
Die ganze Energiebranche wartet also auf die Reform des EEG und auf die Grundlagen des neuen Markt-Designs. Der Orientierungspunkt dafür lautet: Wir brauchen ein wettbewerbsorientiertes und kosteneffizientes Marktmodell, in dem sowohl erneuerbare Energien als auch konventionelle Kraftwerke ihren Platz finden. Am Ende werden wir feststellen: Und sie bewegt sich doch!

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Asset-Finance-Modelle als Motor der Energiewende
Gesamtpaket gerade bei größeren und langfristigen Finanzierungen schwierig zu schnüren – Leasing-Unternehmen können als Finanzier einspringen
Doch gerade in diesem Bereich fällt es immer mehr Kommunen und Unternehmen schwer, geeignete Finanzierungspartner zu finden. Neben dem Know-how für die Finanzierung sind auch die besonderen Anforderungen in den jeweiligen Märkten erfolgskritisch. Auch aus Sicht eines FinanVon ziers ist es unbedingt Wolf-Rüdiger Stahl notwendig, die durchaus vorhandenen Fallstricke des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) genau zu beherrschen wie auch die techLeiter des Bereichs nischen Daten und LeisEnergie der DAL von Deutsche Anlagen-Lea- tungskennziffern Anlagen beurteilen zu sing GmbH & Co. KG können. Dieser steigende Komplexitätsgrad markt spielen Asset- und Cash- von Big Tickets im Bereich der erneuflow-basierte Finanzierungslösun- erbaren Energien kann von Banken, gen eine immer wichtigere Rolle. Ge- aber auch Kommunen oder investitirade bei den großvolumigen Investi- onswilligen Unternehmen nicht imtionen werden sachkundige, langfris- mer vollständig bewältigt werden. tige Partner gesucht, deren Experti- Als Asset-orientierte Finanziers könse weit mehr als nur den Finanzie- nen Leasingunternehmen mit ihrem Expertenwissen für alle Beteiligten rungsaspekt abdeckt. echte Mehrwerte schaffen. Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Leasinggesellschaften investieren in Deutschland jährlich rund 50 Mrd. Euro im Auftrag ihrer Kunden. Auch vor dem Hintergrund des enormen Finanzierungsbedarfs im Energiesikostruktur führen kann. Leasingstrukturen können so helfen, die Flexibilität und Investitionskraft zu erhöhen, und damit die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Folge sehr hoher Portfolios. Neben diesem Engpass führen die langen Laufzeiten der Amortisation und daraus abgeleitet eine „passende“ langfristige Finanzierungsstruktur zu einer zunehmenden Verknappung der Ressource „Refinanzierungsmittel Energiewende“. Als regional aufgestellter Verbund ist die Sparkassenorganisation ein „natürlicher“ Finanzierungspartner der sich ergebenden dezentralen Investitionsvorhaben. Aber auch die Gemeinsamkeiten auf Gesellschafterseite machen die Institute der S-Finanzgruppe und deren Verbundpartner zu einem naheliegenden Partner von regionalen Versorgern oder Stadtwerken. Gefragt sind zunehmend strukturierte Asset-Finance-Lösungen: Leasing, Investitionskredit oder Mietkauf sind mit einer Laufzeit von bis zu 17 Jahren möglich. Asset-Finance-Partner wie die DAL unterstützen auch bei der Organisation von Finanzierungskonsortien als wichtigem Baustein der Realisierung der Energiewende. Allein die Stadtwerke in Deutschland investieren jedes Jahr rund 6 Mrd. Euro und begleiten vermehrt Erneuerbare-Energie-Projekte. Aber auch bei den Verantwortlichen in den Kommunen nimmt die Wahrnehmung strukturierter Finanzierungsformen als echte Alternative zu klassischen Darlehen deutlich zu. Regionale Unterschiede bedingen unterschiedliche technische und damit wirtschaftliche Anforderungen an einzelne Energieerzeugungsanlagen – somit auch regional unterschiedliche Chancen und Risiken. Diese standortbezogenen Besonderheiten wirtschaftlich und technisch fundiert zu bewerten, bedarf besonderer Expertise. Gerade deswegen kann eine Leasinggesellschaft der richtige Partner sein: Objekt-Know-how und die Erfahrung mit solchen Großprojekten bringen Asset-orientierte Finanzierungspartner von Haus aus mit. Diese bewerten mögliche Investitionsrisiken und geben Tipps für Alternativen sowie zur Einbindung geeigneter Fördermittel. Dabei stehen neben den bereits erheblichen Anstrengungen und Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien weitere Investitionen im Bereich der konventionellen Energieerzeugung an. Mehr als die Hälfte aller deutschen Kraftwerke wurde vor über 25 Jahren erbaut – der Kraftwerkspark ist insgesamt überaltert. Die Sanierung von bestehenden Kraftwerken ist nötig, um die Stromversorgung in der Zukunft zu sichern und die Energiegewinnung effizienter zu gestalten. Aber auch Umweltgesichtspunkte, wie die Reduktion der Schadstoffemissionen, sind von großer Bedeutung. burger Sparkasse und die Sparkasse Leipzig. Im Wesentlichen gewinnt der Kunde beim SLB Liquidität und damit Handlungsspielraum. Die aufgelösten stillen Reserven können steuerneutral aufgedeckt und dazu genutzt werden, Wachstum zu finanzieren oder bestehende Finanzierungen abzulösen. Darüber hinaus ist es eine Möglichkeit, auch noch nach vielen Jahren die Trennung von Betrieb und Besitz durchzuführen bzw. beizubehalten. Sofern ein Off-Balan-

Engpass bei Kommunen
Die Energiewende macht nicht nur Investitionen in innovative Energietechnik notwendig. Im Zuge von Rekommunalisierungstendenzen soll in den kommenden Jahren die Eigenstromerzeugung regionaler, gegebenenfalls kommunalnaher Versorger beziehungsweise von Stadtwerken in vielen Gegenden Deutschlands deutlich erhöht werden. Kommunen haben die Option, Versorgungsnetze zurückzukaufen oder Stadtwerke neu zu gründen. Diese Transaktionen sind nicht ausschließlich über die normale Kommunalfinanzierung oder die klassische Unternehmensfinanzierung auf der Bilanz der kommunalen Unternehmen realisierbar. Zeitgleich sind einige in diesem Bereich bisher tätige, überregionale

Reserven heben
Ein weiterer Baustein zur Finanzierung grüner Wachstumsinvestitionen könnte das sogenannte Sale-and-lease-back (SLB) sein. Hier wird das im Eigentum eines Energieversorgungsunternehmens befindliche Investitionsobjekt von der Leasinggesellschaft zum aktuellen Verkehrswert erworben und über den Leasingvertrag dem Nutzer wieder zur Verfügung gestellt. Dabei können die kundenindividuellen rechtlichen und steuerlichen Gegebenheiten optimal berücksichtigt und Reserven gehoben werden. Das haben auch die Stadtwerke Leipzig genutzt, die ein Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Kraftwerk) mit Gesamtinvestitionskosten von 87 Mill. Euro an die DAL verkauft und über einen zwölf Jahre laufenden Immobilien-Leasingvertrag zurückgeleast haben. Unsere Aufgabe war dabei die Projektsteuerung, Arrangierung und Strukturierung einer Konsortialfinanzierung, bei der mehrere Finanzierungspartner beteiligt waren, unter anderem die Ham-

„Als Asset-orientierte Finanziers können Leasingunternehmen mit ihrem Expertenwissen für alle Beteiligten echte Mehrwerte schaffen.“
ce-Effekt gewünscht wird, können wichtige Bilanzkennziffern positiv beeinflusst und das Rating des Unternehmens optimiert werden. Doch Vorsicht: Sale-und-lease-back ist kein Rettungsanker für ertrags- und bonitätsschwache Unternehmen. Grundlage für die Vertragsentscheidung ist auch für einen Leasinggeber ein zukunftsfähiges Konzept und positive Ertragserwartungen. Gerade für größere Investitionen und langfristige Finanzierungen bleibt es schwierig, die Gesamtfinanzierung sicherzustellen. Ein Asset-Finance-Partner wie die DAL kann durch die Rolle eines Arrangeurs innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe, seine Kompetenz im Bereich des Investitionsgutes sowie der Kenntnisse des Energiemarktes helfen, die Umsetzung von Großtransaktionen zu erleichtern.

Enormer Finanzbedarf
Das Energiekonzept 2050 der Bundesregierung sieht bis zum Jahr 2020 einen Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) von 35 % vor – gemessen am Bruttostromverbrauch. Aktuell sind es 17 %. Das Investitionsvolumen für die Energiewende ist enorm. Der Bundesverband Erneuerbare Energien e. V. beziffert die kumulierten realen Gesamtinvestitionen bis 2020 auf rund 235 Mrd. Euro. Laut Schätzungen des Deutschen Sparkassenund Giroverbandes beträgt allein das Investitionsvolumen in die erforderliche Netzinfrastruktur über 22 Mrd. Euro. Es besteht also erheblicher Finanzierungsbedarf für großvolumige, langfristige Investitionen.

Leasing bietet viele Optionen
In der Regel bieten Leasinggesellschaften die Wahl zwischen der Strukturierung von auf die Besonderheiten des EEG abgestellten Investitionskrediten oder entsprechenden Leasingund Mietkauflösungen. Hier können dann weitere Effekte genutzt werden. Steuerliche Optimierung, Kostentransparenz, Pay-as-you-earn-Effekte oder die Bilanzneutralität der Investition sind mögliche Stichworte. Darüber hinaus ermöglicht gerade die leasingtypische Eigentümerstellung des Leasinggebers im Vergleich zu einer klassischen Finanzierung eine andere Risikoeinschätzung, die letztendlich für den Kunden auch zu einer optimierten Konditionsgestaltung und Ri-

Projektbeispiele
Ⅲ Photovoltaikanlagen Ⅲ Windkraftanlagen (onshore/offshore) Ⅲ Biomasseheizkraftwerke Ⅲ Biogasanlagen Ⅲ Bioenergieparks/-dörfer Ⅲ Pumpspeicherkraftwerke Ⅲ Rückkäufe von Versorgungsnetzen Ⅲ Neugründung von Stadtwerken

Finanziers dabei, ihre Marktpräsenz deutlich zu reduzieren, auch als Folge eines Anfangsbooms im Bereich der erneuerbaren Energien mit der

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Investitionen in effiziente Anlagentechnik lohnen sich
Wirtschaftliche Modernisierung der Energieversorgung mit Contracting – Contractor trägt finanzielle und technische Risiken – Kundenorientierte Umsetzung
Beim Contracting werden eigene Aufgaben im Bereich der Energieversorgung auf ein Dienstleistungsunternehmen übertragen. In erster Linie stellt der Contracting-Geber bzw. der Contractor hier Wärmelieferungen, die mit Biomethan auch regenerativ erzeugt werden können, Kälte-, Druckluft- sowie Von die gemeinsame StromJörn-Erik Mantz und Wärmeerzeugung durch Kraft-Wärme-Kopplung zur Verfügung. Ebenso kann der Contractor entsprechend den jeweiligen Kaufmännischer Kundenwünschen auch Geschäftsführer der die Planung, den Bau, RWE Energiedienstden Betrieb sowie die Fileistungen GmbH nanzierung der Anlagentechnologie überneheneigentümer und -betreiber. Sie men. Professionelle Energiedienstwerden vor die Herausforderung ge- leister bieten dabei den Kunden von stellt, die eigene Energieversorgung Anfang an die Wahlfreiheit, welche möglichst effizient zu gestalten und Brennstoffe und Technik zum Eindabei stets die Gesamtwirtschaftlich- satz kommen, welche Partnerunterkeit der Maßnahme im Blick zu be- nehmen aus Planung und Handwerk halten – oft unter erheblichem Zeit- eingebunden werden und welches und Personalaufwand. Und doch Unternehmen für die Energieliefelohnt es sich, über Investitionen in ei- rung zuständig ist. Ein gelungenes Beispiel für eine ne effiziente Anlagentechnik nachzudenken, um langfristige Einsparun- derartige Contracting-Lösung ist das gen zu erzielen. Denn nicht zuletzt Seniorenzentrum „Haus Maria Rast“ hängen auch Attraktivität und damit in Telgte. Aufgrund der über 50 Jahdie Vermietbarkeit vieler Objekte re alten Bausubstanz sowie des devom energetischen Zustand des Ge- mografischen Wandels und des dabäudes ab. Allerdings wird eine mit einhergehenden steigenden Behocheffiziente Energieversorgung darfs nach altersgerechten Wohngehäufig erst durch komplexe und da- legenheiten entschieden sich die Vermit einhergehend oft kostenintensi- antwortlichen für eine Erweiterung ve Anlagentechnologie ermöglicht. und Modernisierung der EinrichHier bietet das sogenannte Contrac- tung. Zudem sollte das Gebäude aus ting eine lohnende Lösungsalternati- energetischen wie aus betriebswirtve. Mit diesem Modell lassen sich Im- schaftlichen Gründen nach der Samobilien mit modernster Technik nierung dem anspruchsvollen Stanausstatten, ohne hohe Investitions- dard eines „KfW-Effizienzhauses“ kosten zu verursachen. Neben finan- entsprechen. Eine detaillierte Begutziellen Vorteilen profitieren Contrac- achtung des Gesamtkonzeptes führting-Kunden zudem von deutlichen te schließlich zu der Entscheidung, Effizienzsteigerungen und einer ver- die Modernisierung der Energieversorgung im Rahmen eines Contracbesserten CO2-Bilanz. Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Steigende Energiekosten, veraltete Anlagentechnik sowie anspruchsvolle Vorschriften zum energetischen Standard von Gebäuden rücken immer mehr in den Fokus der Immobilitings durchzuführen. Bei diesem Modell übertrug das Seniorenzentrum Planung und Installation sowie für einen festgelegten Zeitraum auch den Betrieb und die Wartung der neuen Anlagentechnik an die RWE Energiedienstleistungen GmbH (RWE ED). Damit tragen wir während der vereinbarten Contracting-Laufzeit von 15 Jahren sowohl die finanziellen als auch die technischen Risiken. Im Gegenzug hat sich das Zentrum während dieser Zeit verpflichtet, die mit Hilfe der modernisierten Anlage erzeugte Wärme zu vereinbarten Konditionen abzunehmen, und profitiert dabei von günstigeren und langfristig planbaren Kosten. sich der Contractor auch um den kompletten Anlagenbetrieb inklusive beispielsweise der Pelletbevorratung sowie um die Wartung. Auf diese Weise werden die Immobilieneigentümer und -betreiber deutlich entlastet und können sich weiterhin auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Beitrag zum Klimaschutz
Und durch die Übernahme der Finanzierung der Anlagenmodernisierung versetzten wir den Eigentümer des Seniorenzentrums etwa in die Lage, das hierdurch freigewordene Kapital in zusätzliche energetische Maßnahmen zu investieren. Dadurch profitiert auch der Pächter gleich doppelt von niedrigeren Betriebskosten – einerseits als Folge der hohen Energieeffizienz der neuen Anlage und andererseits durch den geringeren Wärmebedarf, der wiederum aus dem erhöhten energetischen Standard des modernisierten Seniorenzentrums resultiert. Zudem leistet die Einrichtung einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, denn die CO2-Ersparnis fällt bei der überwiegend regenerativen Wärmeversorgung jährlich um rund 140 Tonnen höher aus als bei einer herkömmlichen Erdgaskesselanlage. Damit trägt das Seniorenzentrum den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Innovation zugleich in vorbildlicher Weise Rechnung. Wir haben in der Vergangenheit ei-

Liquidität bleibt erhalten
Auf diese Weise war die Einrichtung in der Lage, eine neue, überwiegend regenerative Wärmeversorgung zu erhalten, ohne eigene Investitionsmittel aufbringen und binden zu müssen. Hierdurch stand ein größerer finanzieller Spielraum für zusätzliche Dämmmaßnahmen zur Verfügung, die den Wärmebedarf im Gebäude und die damit verbundenen Kosten weiter reduzierten. Im Ergebnis erfüllte das Seniorenzentrum den energetischen Standard eines „KfW-Effizienzhauses 85“ und konnte daraufhin die hieraus resultierende Förderung in Form von zinsgünstigen Krediten und einem Tilgungszuschuss von 15 % in Anspruch nehmen. Im Zuge der Modernisierung wurden drei aus den siebziger und neunziger Jahren stammende Erdgaskessel demontiert und durch eine Pelletkesselanlage in Kombination mit zwei Pufferspeichern sowie einem erdgasbetriebenen Brennwertkessel ersetzt. Mit einer Leistung von 300 kW deckt der innovative Pelletkessel, der sich durch eine patentierte Rotationsfeuerung und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet, rund Das nach den Standards eines „KfW-Effizienzhauses 85“ modernisierte Seniorenzentrum „Haus Maria Rast“ in Telgte Foto: RWE ED

90 % des Wärmebedarfs des Seniorenzentrums ab. Zwei Pufferspeicher mit einem Volumen von jeweils 2 900 Liter sorgen für eine effiziente Betriebsweise des Pelletkessels auch im Teillastbereich. Ergänzt wird die Heizzentrale durch einen erdgasbetriebenen Brennwertkessel, der die Pelletanlage zu Spitzenlastzeiten unterstützt. Zur Gewährleistung einer jederzeit sicheren und unterbrechungsfreien Wärmeversorgung des Seniorenzentrums garantiert der Brennwertkessel mit einer Leistung von 311 kW zudem die volle Redundanz des Gesamtsystems. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Bestand wurde die Heizzentrale in einem neu errichteten Technikraum installiert, in dem ebenfalls etwa 30 Tonnen Pellets gelagert werden. Die Demontage der Altanlage sowie der Umbau und die Montage der neuen Heiztechnik erfolgten dabei während des laufenden Betriebs der Einrichtung.

rung der hocheffizienten Wärmeversorgung des Seniorenzentrums statt. Immobilieneigentümer und -betreiber sind in erster Linie daran interessiert, dass ihr Gebäude möglichst nachhaltig und innovativ ist. Direkt danach stellt sich natürlich auch die Frage der Finanzierung. Modernisierung mit zukunftsweisender Technologie auf Basis regenerativer Energien und insbesondere wie in diesem Fall mit dem Einsatz eines Pelletkessels in einem Contrac-

Alles aus einer Hand
Neben der Planung und Installation der neuen Wärmeversorgung sind wir während der gesamten Vertragslaufzeit auch für den Betrieb und die Wartung der Anlagentechnik zuständig. Dies beinhaltet ebenfalls die Sicherstellung eines ausreichenden Pelletvorrats und die Entsorgung der nach dem Brennvorgang verbleibenden Asche. Eine hohe Betriebssicherheit des Systems gewährleisten darüber hinaus eine Fernüberwachung mit automatischer Störmeldefunktion sowie ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Im Rahmen eines zusätzlich vereinbarten Energie-Controllings werden des Weiteren sämtliche Anlagenwerte und Verbrauchsdaten kontinuierlich erfasst, dokumentiert und analysiert. Auf diese Weise finden eine laufende Überwachung und Optimie-

Mit der Leistung von 300 kW deckt der Pelletkessel, der sich durch eine patentierte Rotationsfeuerung und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet, rund 90 % des Wärmebedarfs des Seniorenzentrums ab. Foto: RWE ED

ting-Projekt umzusetzen bietet sich vor diesem Hintergrund als eine äußerst attraktive Lösung an. Die für das Objekt Verantwortlichen müssen sich zum Beispiel keine Sorgen darüber machen, ob die neue Technik ausreichend dimensioniert ist. Hier können sie sich gänzlich auf die langjährige Erfahrung des Energiedienstleisters verlassen, der vor dem Hintergrund eines wirtschaftlichen Betriebs die Anlageneffizienz optimal auf das jeweilige Gebäude abstimmt. Darüber hinaus kümmert

ne Vielzahl vergleichbarer Projekte erfolgreich in die Praxis umsetzen können und stellen fest, dass das Interesse an individuell ausgelegten Contracting-Lösungen stetig steigt. Ein solches Konzept eignet sich dabei nicht nur für private Immobilieneigentümer und -betreiber, sondern bietet auch für kommunale Liegenschaften wie Schulen oder Schwimmbäder eine attraktive Alternative auf dem Weg zu einer hochmodernen, sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung.

Der Bürger als Investor
Fortsetzung von Seite B 5 Chancen und Risiken birgt, ist die Strukturierung sorgfältig an den Einzelfall anzupassen. Die Fallstricke sind vielfältig: Wer schlicht Geldeinlagen einwirbt, betreibt schnell Bankgeschäft – und braucht dafür eine Banklizenz. Wer dagegen gesellschaftsrechtliche Beteiligungen vertreibt, ist regelmäßig gehalten, einen Prospekt zu erstellen, der sehr strikten Anforderungen genügen muss und mit strengen Haftungsregelungen einhergeht. Nicht zuletzt ändert sich auch die Gesetzeslage immer wieder. So wurde 2012 das Finanzvermittler- und Vermögensanlagerecht neu geordnet. Nun ist eindeutig festgelegt, dass auch die Ausgabe von Genussrechten und Namensschuldverschreibungen prospektpflichtig ist. Unmittelbar vor der Tür steht zudem die vom Bundestag am 16. Mai 2013 verabschiedete Umsetzung der Investment-Fund-Manager-Richtlinie (AIFM) ins deutsche Recht, welches am 22. Juli 2013 in Kraft tritt. Das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) sieht umfangreiche Verwaltungs-, Registrierungs- und Risikovorschriften vor, die nach Umsetzung des entsprechenden Gesetzes auch die bislang weitgestehend unregulierten geschlossenen Fonds betreffen. Gleichzeitig beschränkt es die Fremdfinanzierungsquote bei geschlossenen Publikumsfonds auf 60 %. Dies birgt das Risiko, dass besonders teure Projekte wegen eines Mangels an Eigenkapital auch dann nicht realisiert werden können, wenn zum Beispiel über ein Bürgerbeteiligungsmodell der Finanzbedarf eigentlich weitestgehend gedeckt werden könnte. Zudem wird auch die Möglichkeit entfallen, geschlossene Fonds in anderen Rechtsformen als einer Investmentaktien- oder einer Investmentkommanditgesellschaft aufzulegen. Geschlossene Fonds in Form etwa einer GbR sind dann nicht mehr zulässig. Vor dem Beginn des Vertriebs eines Fonds wird schließlich ab dem 22. Juli 2013 für viele Fonds eine Vertriebserlaubnis bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeholt werden müssen, die die Billigung des Verkaufsprospektes ersetzt. Allerdings gibt es auch im Anwendungsbereich des KAGB eine Reihe von Ausnahmeregelungen, Vorschriften zum Bestandsschutz sowie Schonfristen. Ob der Anwendungsbereich des KAGB eröffnet ist und gegebenenfalls die dort vorgesehenen Vergünstigungen in Anspruch genommen werden, hängt von dem einzelnen Geschäftsmodell, dem gewählten Investmentvehikel und dem jeweiligen Anlagekonzept ab. Bei der Wahl der Strukturierung ist deshalb insbesondere zu berücksichtigen, welche einzelnen Pflichten mit dem jeweiligen Beteiligungsmodell verbunden sind und welcher Aufwand wiederum mit der Erfüllung dieser Verpflichtungen einhergeht. Je nach Größe des Projekts und des Investorenkreises sowie der jeweiligen Mindestbeteiligungshöhe kann dabei auch eine steuerlich passende Beteiligungsstruktur gewählt werden, bei der die gesetzlichen Auflagen in einem vernünftigen Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit der gewählten Finanzierung stehen.

An Pilotprojekten orientieren
Unabhängig von der rechtlichen Ausgestaltung wird es für den Erfolg der entsprechenden Beteiligungsmodelle wesentlich darauf ankommen, ob Pilotprojekte wie die TenneT Bürgerleitung für die beteiligten Parteien erfolgreich laufen und sich als Konzept zur zumindest teilweisen Ablösung der traditionellen Fremdfinanzierung etablieren. Zwar ist zu erwarten, dass solche Projekte vor allem im Bereich des Netzausbaus wegen der großen Volumina und des komplexen Risikoprofils bestimmter Technologien nur ergänzend und regional erfolgversprechend umgesetzt werden können. Jedoch steht außer Frage, dass sie bei entsprechender Strukturierung und Berücksichtigung der Anlegerinteressen einen sinnvollen Beitrag zur Finanzierung und vor allen Dingen zur Schaffung von Akzeptanz für die Durchführung dieser Vorhaben in der Bevölkerung leisten werden.

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