Modell BAUPLAN

Bauplanmodell
Paolo Severin
Paolo Severin ist Italiener, begeisterter Modellbauer und hat ein Faible für Scale-Nachbauten eher seltener Originale. An dieser Stelle wollen wir seinen Plan der »Baby Ace« vorstellen, fast schon ein Kunstwerk.

W

er kennt das Flugzeug »Baby Ace«? Kaum einer, und daher wollen wir im Vorfeld kurz ein paar Worte darüber verlieren. Man schrieb das Jahr 1955, als die Konstrukteure mit ihrer »Baby Ace« an die Öffentlichkeit traten. Ein Einsitzer mit Parasolfläche und 7,82 m Spannweite. Unter der Haube werkelte ein Continental mit 65 PS, und Zielgruppe dieser Konstruktion war eindeutig die Homebuild-

Szene. Es liegen heute keine Zahlen vor, wie viele wirklich konstruiert wurden, aber in den USA, im Heimatland der EigenbauFlugzeuge, ist die »Baby Ace« ein Klassiker, der bis heute überlebt hat. Klar, dass »Baby Ace« auch an allen Ecken und Enden im Internet auftaucht. Zahlreiche Fotos, Motorisierungs-Varianten und Berichte von Homebuildern sind dort zu finden. Die »Baby Ace« war ein Produkt

der Firma Ace Aircraft Company, und ihr heutiger Besitzer Bill Wood bietet die aktuelle Version, nämlich das »Model D«, zum Kitpreis von $ 18 950,– an.

Das Modell
Der Nachbau sollte im Maßstab 1:4,4 gehalten sein, was eine Spannweite von 1,78 m bedeutet und einen einfachen Transport ermöglicht. Das angepeilte Gewicht von ca. 3 kg und die damit verbundene Flächenbelastung von 55 g/dm2 sollte vergleichbare Flugeigenschaften mit dem Original garantieren. Die Konstruktion sollte selbstverständlich komplett in Holz erfolgen, in allen Belangen möglichst genau dem Original nachempfunden. Das Finish sollte sowohl auf Rumpf und Flächen aus Gewebefolie bestehen. Das erwartete Abfluggewicht und die Größe erlauben den Einsatz von Viertaktern zwischen 8 und 13 cm3. Bei mir ist es ein 53er-Yamada geworden, der vollkommen ausreicht, wenn es um reaModell 7/2002

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Höhe und Seite auf. auf der Innenseite der Gitterkonstruktion für zusätzliche Stabilität. die erst später durch die Folie verschlossen wird. bis hin zum gedämpften Fahrwerk. sollte bei diesem Modell unbedingt auf Leichtbau geachtet werden. Die umlaufenden Bögen entstehen aus einem Laminat mehrerer Balsastreifen in einer Nagelschablone Hier nicht nur ein Einblick in die Unterseite des Rumpfs. Rumpf Der Aufbau des Rumpfs beginnt mit dem Erstellen der beiden identischen Seiten- wände in Gitterbauweise. wenn ein Verbrenner unter der Haube arbeitet. hielt ich mich beim Aufbau des Modells strikt an die Vorgaben des Originals. Ebenfalls aus Sperrholz ist der Motorspant. Auch. Im Gitterrohbau des Rumpfs werden dann noch verschiedene Verstärkungen eingebracht. Wie oben schon angesprochen. Durch das Durchfädeln der beiden Drähte wird die Feder nicht auf Zug. Am heckseitigen Ende des Rumpfs finden wir eine gerade Auflage für das Höhenleitwerk und eine senkrecht stehende Abschlussleiste zum Anschlagen des Seitenruders. Wir bewegen uns hier also auf klassischen Pfaden der Gitterrumpfbauweise. an dem mittels herkömmlichem Motorträger der Viertaktmotor oder gern auch ein E-Antrieb befestigt werden kann. Betrachten wir dennoch einmal die wichtigsten Baugruppen. Bei diesem Aufbau sorgen zusätzliche Sperrholzverstärkungen. Die eine nimmt den Tank und gleichzeitig die Servos für Gas. Über sechs Füße stützt sich der Flächenpylon an belastbaren Stellen an der Gitterstruktur des Rumpfs ab Die Leitwerke entstehen auf einem ebenen Baubrett in Stäbchenbauweise. meist in dreieckiger Form. ebenso Teile der Seitenwände. Ein anderes das Fahrwerk aus gebogenem Stahldraht. sondern auf Druck belastet Fahrwerk Das Fahrwerk ist eine exakte Reproduktion des Originals und dennoch mit her- Einblick: Die Tragflächenkonstruktion stützt sich im Wesentlichen auf vier Holmgurte der Abmessungen 5 mm x 5 mm.listische Flugleistungen geht. Im Cockpit werden diese Halbspanten mit Sperrholz voll beplankt. um das Abfluggewicht nicht unnötig in die Höhe zu treiben. An diesem Gurtpaar stützt sich auch die Verstrebung ab Modell 7/2002 33 . sondern auch auf die im Text angesprochene Federung des Fahrwerks. Der Rest bleibt eine offene Gitterkonstruktion. Etwas später werden die ebenfalls im Plan eingezeichneten Halbspanten sowohl vor als auch hinter dem Cockpit aufgestellt. All diese Lösungen sind auch im Plan eingezeichnet. Nach Aufbau auf der Seitenansicht sind diese auf der Draufsicht auszurichten und mit den eingezeichneten Querverbindern zu versehen. Selbstverständlich hat jeder Modellbauer hier die freie Wahl auch eigene Lösungen umzusetzen.

sollte eine gegenüberliegende Zylinderattrappe anfertigen. Motorattrappe Die Motorisierungsvarianten der »Baby Ace« sind sehr vielschichtig. der brummt sich selbstverständlich den Bau zweier solcher Attrappen auf. und dazu wurde das Original vom gegenüberliegenden Zylinder einfach als Urmodell benutzt kömmlichen Methoden nachzubilden. Dieses Fahrwerk hat bis jetzt alle Arten und Unarten von Landungen kennen gelernt und sich auch bestens bewährt. Somit wird die Feder ausschließlich auf Druck belastet. so wie im Plan gezeichnet. hält sich der Aufwand dafür sogar in Grenzen. Rippen und Verstärkungen aus Balsa finden wir hier als kompliziertestes Bauteil die laminierten Randbögen. Einzige Besonderheit ist die Tatsache. Diese wird zum Schluss fein verschliffen. das Ruder hat an seiner Vorderkante etwa 6 mm Stärke und an seiner Endleiste immer noch 4 mm. die Tragfläche komplett am Stück aufzubauen und erst später die Querruder herauszutrennen. Duplikat: Wer wie ich einen EinzylinderViertakter einsetzt. Der Ventildeckel ist übrigens tiefgezogen. Dies aber nicht übertreiben. Die Nasenleiste wird abgerundet und die Endleiste spitz ausgeschliffen. und solche Zugfedern viel schwerer als Druckfedern zu bekommen sind. Dadurch.und Höhenleitwerk kein Profil aufweisen. 15% der Profiltiefe. dürfen alle Rippen beider Tragflächenhälften an einem Stück im Block aufgebaut werden. habe ich mir einen kleinen Trick einfallen lassen. sondern zwei herkömmliche Federn. Hier kommen wegen eines möglichst geringen Modellgewichts keine großen Öldruckstoßdämpfer oder Ähnliches zum Einsatz. Im Wesentlichen besteht es aus zwei gebogenen Fahrwerksbügeln aus 4-mmFederstahldraht. Dadurch ist es möglich.5 mm Stärke und 6 mm Breite werden in einer Nagelschablone auf dem Plan mit Weißleim oder Epoxidharz verleimt. ist übrigens in Modell 10/94 beschrieben worden. An den entsprechenden Knotenpunkten mit Blumendraht umwickelt und weich verlötet. Das Befestigen des Fahrwerks mittels Blechstreifen am Rumpf erfolgt dann wieder ganz normal.als auch in der Draufsicht des Plans eine Zylinderattrappe mit eingezeichnet. wäre da nicht noch die diagonale Verstrebung inklusive Federung. Wer die »Baby Ace« elektrifizieren möchte. die im Falle der Dämpfungsfläche sogar in die Nasenleiste übergehen. dass wir keinen Hauptholm bei etwa einem Drittel Profiltiefe haben. Aus mehreren Scheiben Pertinax oder Sperrholz erstellt. Die Verbindung der beiden Tragflächen untereinander Wer möchte da nicht einsteigen? 34 Modell 7/2002 . Neben den Holmen. Wie so etwas geht. Da diese auf Zug belastet. dass von der Wurzel bis zum Randbogen die Rippen identisch sind. sowohl in der Profilierung als auch Tiefe. Die Position des hinteren Holms ist wiederum durch die Tiefe der Querruder bestimmt. Vier Streifen Balsa mit 1. würde es seine Funktion schon erfüllen. Nach Verschleifen werden diese Teile erneut auf dem Plan ausgerichtet und erst dann erfolgt der Aufbau der gesamten Gitterkonstruktion. Der Grund: Die vordere Nasenbeplankung reicht gerade mal bis ca. Als Orientierung für die Abmessung habe ich immer sowohl in der Vorder. wird der Aufbau auf einem ebenen Baubrett ohne irgendeine Helling möglich. durch die Feder durchgefädelt und an den Enden um 180° abgewinkelt. Der Einbau des Servos erfolgt in einem Rippenfeld mit einem zusätzlichen Sperrholzbrettchen. Diese Aufgabe teilen sich zwei Holme mit je zwei Gurten aus 5 mm x 5-mm-Kiefer. Da das Original aber einen Boxer hatte.Leitwerke Da Seiten. Die beiden Fahrwerksdrähte werden. Wer einen Einzylinder-Viertakter einsetzt. Fläche Nichts anderes als eine Tragfläche in ganz normaler Holzbauweise liegt hier vor. sollte sich an diesem orientieren und in ähnlichen Abmessungen aus Sperrholzscheiben eine Motorattrappe des gegenüberliegenden Zylinders anfertigen. kommen wir um eine Motorattrappe kaum herum.

(Sollbruchstelle) A N3 .ä.5 mm 3 mm x 3 mm 6 mm x 3 mm 8 mm x 1. aus Sperrholz Balsa. Stahl 0. 3-mm-Sperrholz Verstärkung aus 3-mmFlugzeugsperrholz Kiefer 8 mm x 8 mm Kiefer 8 mm x 8 mm Tank Seitenruder-Servo Flugzeugsperrholz 3 mm Servobrett und obere Tragfläche zur besseren Ansicht weggelassen Armaturenbrett.B.5 m m Abwickelung Teil "A" Stahl ø 3 mm Abwickelung Teil "B" und "C" Stahl ø 3 mm Schnitt Fahrwerk Verstärkung aus 3-mm-Flugzeugsperrholz Mit UHU-Plus o. z. Innen zwei Sperrholzstreifen als Verstärkung aufbringen.Die zwei Schnitte und die Löcher werden benötigt. um die Streben des Baldachins durchzuführen. probieren und anpassen) 8 mm x 1. m m so 3s -Plu au U ng UH ku it är M st r Ve Ein Stück Bowdenzugrohr einsetzen 3-mm-Balsa. 3-mm-Sperrholz m m Balsaklotz ta us 4B als a Gewebefolie oder ähnliches Strebenanschluss aus Stahl 0.6 mm 5 mm x 5 mm Balsa mittel Eckverstärkung Balsa 8 mm Leisten in Kiefer oder Flugzeugsperrholz 15 mm x 2 mm Leicht aussparen In diesem Bereich doppelte Leisten 8 mm x 8 mm Fahrwerksbrett Sperrholz 3 mm Mit Zwirn binden 8 mm x 8 mm Balsa mittel Querverbindung Flugzeugsperrholz 3 mm In diesem Bereich doppelte Leisten 8 mm x 8 mm Eckverstärkung.6mm erstellen.5 mm lei ste n Strebenanschluss. (mit Übermaß.ä. Sperrholz 2mm Baby Ace • Blatt 2 von 2 35 . olz rrh pe gs eu en gz b lu kle -F . 8 mm x 8 mm Gas-Servo Empfänger Servobrett. (siehe Strichlinie) Seitenansicht "A" 3-mm-Pappelsperrholz Schablone für die Haube im vorderen Bereich des Rumpfes aus zwei Stücken Flugzeugsperrholz 0.5 mm (mit Zwirn verbinden) Mit Bespannfolie verkleiden (Gewebefolie oder ähnliches) 6 x 1 . kleben Lam ina m m ha Verstärkung aus 3mm Flugzeugsperrholz rte sB a lsa N1 N2 Mit Gewebefolie verkleiden Ansicht von hinten auf Motorspant N3 Schnitte durch die Motorhaube für ein Styropor-Positiv 12 Anordnung hinter dem Pilotensitz m Höhenruder-Servo m x3 Modell 7/2002 C B Messingrohr ø 3 mm Innen ø 2 mm Binden und löten h Sta lø 4 Gewinde auf die Enden einer Messingstange (ø 2 mm) schneiden und mit zwei Muttern sichern.6-mm-Sperrholz N2 N1 3 mm x 8 mm Balsa mittel 8 mm x 8 mm Balsa hart Eckverstärkung Balsa 8 mm Servobrett Sperrholz 3 mm Verstärkungen aus Flugzeugsperrholz 0. Balsa 8 mm Fahrwerksbrett.5 mm 0. Maserung quer Zylinderattrappe.

Wenn der Kurs nach dem Anrollen stimmt. Auch der Rest des Starts unterscheidet sich nicht von anderen Modellen mit Spornrad. und diese sind ebenfalls im Plan eingezeichnet. also eine geringe Vorspur bzw. Im horizontalen Geradeausflug kann der Motor deutlich gedrosselt werden. allerdings etwas gekürzt und zurechtgebogen.Technische Daten Spannweite Länge Fluggewicht Flächenbelastung Motorisierung 1780 mm 1200 mm 3000 g 55 g/dm2 8 bis 13 cm3 Viertakter Auf der Flächenunterseite finden wir diese Serviceklappe. dass die Fläche bei der Montage nur mit dem sehr schmalen Pylon verschraubt wird. Ein Tiefziehteil aus ABS bildet in diesem Teil den vorderen Teil der Haube. Wer den beiden Holmen die tragende Aufgabe nicht zumutet. wenn das Modell nach links ausbricht. Es ist ein Modell für das genüssliche Fliegen. der wird keine Probleme mit dem Geradeauslauf haben. Dies wird auch dadurch notwendig. bis die Abhebegeschwindigkeit erreicht ist. wird wohl zumindest für den vorderen Teil der Motorhaube um GfK nicht herumkommen. sollte sich vor Augen führen. Das Fliegen an sich stellt einen vor keine größeren Schwierigkeiten. Beim Start sollte allerdings das Gas langsam reingeschoben werden. Damit gibt es keinen Grund. Die berühmte Offset-Platte aus der Abfallkiste der Druckerei ist hier wohl die kostengünstigste Quelle. Bei einer Spannweite von 178 cm habe ich den Einbau einer Steckung als unnötigen Aufwand angesehen. um später nach Zusammenstecken der Flächen an die Steckverbindung der Servokabel heranzukommen erfolgt über Sperrholzverbinder. Wer allerdings über keine Tiefziehmaschine verfügt. die Auslegung als Parasol-Hochdecker spielt da eine ganz entscheidende Rolle. dass es sich um eine ganz herkömmliche Konstruktion handelt Motorhaube Als Beschläge an den Strebenenden dienen herkömmliche Gabelköpfe. Wer schlagartig beschleunigt. Die Streben übernehmen somit tragende Aufgaben. Sturz berücksichtigt hat. Der Yamada hat für die »Baby Ace« mehr als ausreichend Power. 36 Modell 7/2002 . denn das Original war für alles andere als den Kunstflug gedacht. Respekt vor dem Fliegen mit der »Baby Ace« zu haben. Schnurgerade zieht sie nach Anheben des Sporns ihre Bahn. Während die einen es vorziehen werden. Auch dieser Blick auf die Tragfläche zeigt. Gutmütig wie ein Lamm lässt sich »Baby Ace« durch die Luft kutschieren. In der Luft wird Vollgas eigentlich nur für einfache Kunstflugfiguren wie Looping oder Turn benötigt. der hintere ist aus dünnem Alublech geformt. über ein Styropor-Positiv eine Haube zu laminieren. können andere den Weg des Autors beschreiten. sodass diese etwas vorbildgetreuer aussehen Der Aufbau der Motorhaube ist in verschiedenen Techniken denkbar. dass die Tragflächen mittels V-förmiger Streben zusätzlich stabilisiert sind. das Höhenruder loslassen und so den Sporn anheben. darf sich nicht wundern. Fliegen Strebenbefestigung Wer die Grundregeln beim Bau eines Zweibeinfahrwerks.