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Costa Blanca Nachrichten I Nr. 1345, 25. September 2009

Report

89. Jahrestag der Gründung der Legion: Aufmarsch von 1.500 Legionären in der Kaserne Álvarez de Sotomayor.

Fotos: Michael Allhoff

Sterben für Spanien
Schlagkräftige Truppe mit hoher Moral: Spanische Legion bewährt sich in internationalen Einsätzen
Michael Allhoff Almería
Es ist der 20. September, der jährliche Feiertag der Gründung der spanischen Legion. Mit einem Trommelwirbel des 30 Mann starken Musikkorps beginnt in der wuchtigen Kaserne Álvarez de Sotomayor bei Almería die Militärparade zum 89. Jahrestag der Elitetruppe. Zehn Kompanien, über 1.500 Legionäre, sprinten in Formation zackig im Laufschritt auf den riesigen Waffenhof des Hauptquartiers der Legionärsbrigade Rey Alfonso XIII., abgekürzt Brileg. Keine 30 Sekunden dauert es, da stehen zehn Kompanien stramm vor dem Oberkommandierenden der spanischen Heeresstreitkräfte, General Virgilio Sañudo Alonso de Celis. Der ausgebildete Fallschirmspringer ist seit drei Jahren ebenfalls Chef des spanischen Kontingents der schnellen Eingreiftruppe der Nato und eigens für den Jahrestag der Legion im Hubschauber aus Madrid eingeflogen. Chef der Brileg seine Ansprache. „Von 1920 bis heute“, preist General Javier Varela Salas die Soldaten, „hat die Legion an allen Kriegsschauplätzen gekämpft, in die spanische Einheiten verwickelt waren, getreu den Vorgaben ihrer Gründung und im hohen Ansehen, das wir uns verdient haben.“ Legionär zu sein, betont der Militär, sei nicht etwas, das man vererbt erhalte. „Legionär zu sein verlangt Anstrengung, Opfer und ständige Hingabe.“ General Varela ist für Auslandseinsätze in Afghanistan, Bosnien und im Kosovo von der Nato sowie den Vereinten Nationen hoch dekoriert worden. Wenn im Frühjahr kommenden Jahres neue Einheiten der Legion von Almería ins afghanische Herat verlegt werden, um dort Aufbauarbeiten im Rahmen der internationalen Friedensmission zu leisten, mögen die Soldaten sich an die Worte ihres Generals erinnern: „Denkt daran, dass die Vorbereitung auf den Kampf der Grund unser Existenz ist, unsere Zukunft und unsere erste Priorität. Dieser Vorbereitung widmen wir unsere äußerste Anstrengung.“

„Der Stolz Spaniens“
Das Musikkorps intoniert „Tercios Heróicos“. Es ist die martialische Hymne der spanischen Legion: „Heroische Einheiten, tapfere Legion, die ihr an der Front zu sterben versteht, eure Heldentaten im Kampf, sie sind der Stolz unseres Spaniens.“ Während die Legionäre auf dem Platz vor 4.000 Zuschauern regungslos still stehen, hält der

Harter Drill
Nein, an dem unbedingten Kampfeswillen der Truppe im Ernstfall lässt General Javier Varela keinen Zweifel. Die spanische Legion ist in der Nato hoch geschätzt aufgrund der Ausdauer und Disziplin ihrer hart gedrillten Legionäre. Dann feuert eine Kompanie des

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dritten Tercio zum Gedenken der Gefallenen der Legion – „über 10.000 Tote und 40.000 Verletzte“, wie Varela beziffert – einen Salut aus ihren G36-Sturmgewehren vor dem Mahnmal ab, über dem der Cristo de la Buena Muerte thront, der Christus des guten Todes. „Viva España!“ – Es lebe Spanien!, ruft der Militär. „Viva!“ erschallt es unisono aus der Formation der Soldaten. „Viva el Rey!“ „Viva!“ „Viva la Legion!“ Viva!“

Bräutigam des Todes
Jetzt ertönt tausendfach wie aus einer Kehle das Lied der Legion – „El novio de la muerte“, der Bräutigam des Todes. La muerte, der Tod, ist vom Geschlecht gesehen feminin im Spanischen. Und es mag eben der so martialische wie mystische Totenkult der Legion sein, der den Kampfgeist der spanischen Legion prägt – am 20. September 1920 von Oberstleutnant José Millán Astray in Nordafrika nach Vorbild der französischen Fremdenlegion gegründet. Inbrünstig singen die Legionäre mit rauer Stimme ihr Kampflied: „Ich bin ein Mann, den das Schicksal mit scharfer Klaue gezeichnet hat, ich bin ein Bräutigam des Todes, mit innigem Band solch treuer Begleiterin verbunden...“ Ihr Leitspruch lautet bis heute „Legionarios a luchar, Legionarios a morir“ – Legionäre, auf zum Kampf, Legionäre, auf zum Sterben.

Kennzeichen der spanischen Legion: Harter Drill, absolute Disziplin und Kampfbereitschaft

Das Credo der Legion
Der Ruf der Legion als Profitruppe begründete sich in den Kämpfen gegen die Rifkabylen um Ceuta und Melilla, 1904 auf der internationalen Konferenz von Algeciras Spanien als Territorium zugesprochen. Die Elitearmee hatte 1925 die aufständischen Berber im Protektorat Marokko besiegt. Doch ohne den gewagten Einsatz von 600 Legionären in der Bucht von Alhucemas wäre die Landung der spanischen Soldaten gescheitert. Unter dem Kommando von Major Francisco Franco stürmten die Legionäre die Höhen der Steilküste und befreiten die Klippen von den Heckenschützen der Berber. Francisco Franco, zweiter Mann hinter Astray, ist für diesen Einsatz mit 33

Legionärin Noelia Sánchez: „Gleichberechtigung im Einsatz“.

Die legendäre Todesverachtung der Truppe gibt auch die „Canción del Legionario“ wieder: „Ich bin ein tapferer und treuer Legionär, ich bin Soldat der wackeren Legion... Ich kenne keine Angst, mein Schicksal ist es zu leiden; mein Auftrag ist der Kampf, bis zum Sieg oder dem Tod.“ Als das Lied nach dem Salut auf dem Hof der Kaserne Álvarez de Sotomayor vorgetragen wird, stehen so manchem Legionär Tränen der Rührung vor emotionaler Überwältigung in den Augen. Eine Hand voll Soldaten, meist Frauen, sind da längst umgekippt, ohnmächtig geworden aufgrund des drei Stunden langen Stillstehens in der Mittagshitze.

Jahren zum damals jüngsten General Europas befördert worden. Das „Credo Legionario“, das Credo der Legionäre, das Millán Astray aus dem Ehrenkodex der Samurai, dem Bushido, abgeleitet hat und in seinem Buch „El Legionario“ ausformulierte, dient seit 1923 und bis heute als moralische Richtlinie der Legion. Im Absatz „El espíritu de la disciplina“, der Geist der Disziplin, spiegelt sich die völlige Unterwerfung und der blinde Gehorsam des Le-

gionärs im Satz: „Er wird seine Aufgabe erfüllen, er wird gehorchen bis zum Sterben.“ Und weiter: „Das Sterben im Kampf ist die höchste Ehre. Man stirbt nur einmal. Der Tod kommt ohne Schmerz, und das Sterben ist nicht so schrecklich, wie es scheint. Das Schrecklichste ist, als Feigling zu leben.“ Das Credo Legionario, hat Gründer Astray notiert, ist „die sprirituelle Grundlage der Legion, ihr Rückenmark und ihr Nerv, ihre Seele und ihr Ritual“.

Missionen im Ausland
Seit ihrem ersten Einsatz im Ausland, 1992 in Bosnien-Herzegowina im Rahmen der Vereinten Nationen, hat sich die Legion in Albanien (1997), in drei Einsätzen im Kosovo (1999/2000 und 2001), in Mazedonien (2001), im Irak (2003 und 2004), in Afghanistan (2006), dem Kongo (2006) und im Libanon (2007) bewährt. Als „Peacekeeping missions“, zu Deutsch: Friedensmissionen, bezeichnen die Amerikaner diese Einsätze im

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Überführung des „Cristo de la Buena Muerte“.

Rahmen der Nato. Für die Soldaten ist es gleichbedeutend mit dem Ernstfall – Krieg. „Ich war in Afghanistan, im Libanon und im Irak“, sagt Unteroffizier Mauricio Proaño beim Umtrunk nach der Militärparade. „Irak war hart, meine Einheit ist im Straßenkampf unter Beschuss geraten.“ Der Mörserschütze aus Ecuador ist seit sieben Jahren bei der Legion. Ob er Menschen habe sterben sehen? Ob er im Kampf Menschen getötet hat? Mauricio Proaño schaut in die Ferne. „Darüber spricht man nicht“, lautet seine entschiedene Antwort. Kranzniederlegung zu Ehren der Gefallenen in Alicante.

on bis zu 2.000 Euro. Und erhalten die spanische Staatsbürgerschaft. Seit dem Königlichen Dekret 984/1992 sind in der Legion die Barrieren gegenüber Frauen gefallen, die sich als Freiwillige auch bei Spezialeinheiten wie den Fallschirmjägern oder Kampftauchern melden können. Ihre Anrede lautet „Dama Legionaria“, analog zur Ehrenbezeichnung des Legionärs im Stil mittelalterlicher Adliger: Caballero Legionario. „Ich will wie mein Vater der Legion dienen“, sagt Noelia Sánchez. Die 20-jährige Dama Legionaria hat als beste Frau die diesjährigen Ausdauermeisterschaften der Brigade gewonnen, darunter die Disziplinen 8.000-Meter-Lauf in voller Kampfmontur und Granatenweitwurf. Rund zwölf Prozent beträgt der Frauenanteil der Legion. Hat sie Bedenken angesichts ihrer nächsten Friedensmission in Afghanistan, für die sie sich freiwillig gemeldet hat? – „Nein“, sagt die Funkerin im Brustton der Überzeugung. „Ich erfülle meinen Dienst an Spanien, wenn der Einsatz befohlen ist, gehorche ich bis zum Tod.“

Lebenslanger Einsatz
Die lebenslange Zugehörigkeit zur Legion verwirklicht sich in der 1966 gegründeten Vereinigung der „Hermandad Nacional de Antiguos Caballeros Legionarios“ (AACCL). Die Bruderschaft der Legionärskämpfer nimmt ehemalige aktive Soldaten auf sowie Sympathisanten. „Die Legion ist mein Leben“, sagt Joaquín Fiebelkorn, Vizepräsident der AACCL von Alicante, Elche und Rojales. Als Feldwebel war der deutsche Fremdenlegionär vor 40 Jahren im Sahara-Einsatz. Warum er sich mit 60 Jahren weiter in der Legion engagiert? – „Ich habe meinen Eid auf die spanische Fahne geschworen“, sagt der deutsche Resident aus Rojales. „Das gilt hasta la muerte!“ Vielleicht bringt es der Stabsfeldwebel Armando Cruz auf den Punkt, die Faszination der Legion. „Es gibt keinen logischen Grund, um hier zu sein“, sagt der Offizier, beheimatet in der Dominikanischen Republik und spanischer Legionär seit 30 Jahren. „Doch der Geist ist einzig!“

20 Prozent Ausländer
Wie der Unteroffizier aus dem Dschungel von Ecuador stammen heute von den rund 2.000 Soldaten der Legionärsbrigade Rey Alfonso XIII. von Almería 379 Mann aus dem Ausland, rund 20 Prozent der Legionäre. Es sind zu zwei Dritteln Einwanderer aus Ecuador und aus Kolumbien, die sich freiwillig für die Legion melden. Zu hervorragenden Bedingungen: Anders als selbst Beamte der deutschen Spezialeinheit GSG 9, die ihren vermummten Kopf für 1.300 Euro im mittleren Dienst hinhalten müssen, verdienen Unteroffiziere der Legi-

Sahara-Veteran Joaquín Fiebelkorn (3.v.l.) und Sympathisanten.