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LWL-Universitätsklinik Bochum

Intelligenzminderung Psychiatrische Implikationen
Dr. med. Knut Hoffmann

LWL-Universitätsklinik Bochum

Obsolete Begriffe •Oligophrenie •Idiotie •Imbezillität •Debilität •Schwachsinn

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1. 1 Einordnung der Thematik LWL-Universitätsklinik

Bochum

United Nations - Standard Rules on the Equalization of Opportunities for Persons with Disabilities Disabilities General Assembly resolution 48/96 of 20 December 1993 Rule 2: Medical care .... 4. States should ensure that all medical and paramedical personnel are adequately trained and equipped to give medical care to persons with disabilities and that they have access to relevant treatment methods and technology. 5. States should ensure that medical, paramedical and related personnel are adequately trained so that they do not give inappropriate advice to parents, thus restricting options for their children. This training should be an ongoing process and should be based on the latest information available. 6. States should ensure that persons with disabilities are provided with any regular treatment and medicines they may need to preserve or improve their level of functioning.

Behinderung lässt sich auf . sondern als Behinderung die Folge einer Gesundheitsstörung. auf Fähigkeiten des Individuums und in Wechselwirkungen mit den Kontextfaktoren beeinträchtigend auf die soziale Teilhabe auswirken 5. . 3. 2. Krankheit oder eines in medizinischer Terminologie beschreibbaren Ereignisses.1.sozialer Ebene: Beeinträchtigung von Teilhabe (Partizipation) darstellen. Behandlung und Rehabilitation von psychischen Störungen ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Teilhabechancen. Damit ist die Vorbeugung. Seelische Gesundheit als Voraussetzung von Teilhabe LWL-Universitätsklinik Bochum 1.Geistige Behinderung ist keine Krankheit. Teilhabe ist das oberste Ziel der Förderung und Rehabilitation von Menschen mit geistiger Behinderung 4.organismischer Ebene: Impairments (Schädigungen) .individueller Ebene: Beeinträchtigung von Fähigkeiten . 2. Psychische Störungen (psychische Erkrankungen) können sich gleichfalls infolge ihrer Auswirkungen auf Funktionen des Organismus.

Bochum 1. Behinderung und Gesundheit (ICF) Medizinisches Modell Behinderung als Problem des Individuums. Trauma oder andere gesundheitsbezogene Zustände Soziales Modell Behinderung hauptsächlich als gesellschaftlich geschaffenes Problem . 2. Direkt verursacht durch Krankheit. Seelische Gesundheit als LWL-Universitätsklinik Voraussetzung von Teilhabe Integratives Modell der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit.

Definition Geistige Behinderung LWL-Universitätsklinik Bochum Intelligenz ist die am besten Untersuchte Persönlichkeitsdimension des Menschen. . was ein Intelligenztest misst (Bohringer 1923).1. aber: trotzdem weiß keiner so genau was das ist. 4. Oft wird Intelligenz als das beschrieben.

vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinander zu setzen (Wechsler 1956) . Definition Geistige Behinderung Einige frühe Definitionen: LWL-Universitätsklinik Bochum • Intelligenz ist ein durch mangelhafte Anpassung hervorgerufener geistiger Prozess. zweckvoll zu handeln.1. 4. der dazu dient. die den innerhalb einer Kultur Erfolgreichen gemeinsam sind (Anastasi und Foley 1949) • Intelligenz ist der Leistungsgrad der psychischen Funktion bei der Lösung neuer Probleme (Rohracher 1953) • Intelligenz ist die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums. das Individuum wieder anzupassen (Claparede 1947) • Unter Intelligenz versteht man jene Fähigkeit.

MFED. 1994 • Verschiedene Entwicklungstests (CMM. 4.LWL-Universitätsklinik 1. Standard progressive Matrizen. GES) . 1949 • RAVEN: SPM. Definition Geistige Behinderung Bochum Intelligenzmessung: Üblicherweise mittels spezieller psychologischer Testverfahren. auch einfachere Versionen (CPM) oder schwerere (APM) • Benton-Test: visuell-räumliche Fähigkeiten • SON-R 2 ½-7 o. Die gebräuchlichsten: • HAWIE: Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene. Erste Tests 1904 (Binet). 1977 • TB-GB: Testbatterie für geistig behinderte Kinder. 5 ½ -17: Snijders-Omen non-verbaler Intelligenztest. Es gibt sog. kulturunabhängige und kulturabhängige Tests. 1955 • HAWIK: Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Kinder. 1976 . 1975 • K-ABC: Kaufmann Assessment Battery for Children.

. motorische und soziale Fähigkeiten.1. B..239) . mit besonderer Beeinträchtigung von Fertigkeiten.” (S. wie z. die zum Intelligenzniveau beitragen. 238). 4. stehen gebliebene oder unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeiten. Kognition. Sprache. •Ferner heißt es: ”Für die endgültige Diagnose muss sowohl eine Störung im Intelligenzniveau als auch der Anpassung an die Anforderungen des alltäglichen Lebens bestehen. Definition Geistige Behinderung LWL-Universitätsklinik Bochum ICD-10 Intelligenzminderung •“Eine sich in der Entwicklung manifestierende.” (S.

” (p. functional academic skills. The onset must occur before age 18 years (Criterion C). self-direction. Mental Retardation has many different aetiologies and may be seen as a final common pathway of various pathological processes that affect the functioning of the central nervous system. Definition Geistige Behinderung DSM IV LWL-Universitätsklinik Bochum “The essential feature of Mental Retardation is significantly sub average general intellectual functioning (Criterion A) that is accompanied by significant limitations in adaptive functioning in at least two of the following skill areas: communication. use of community resources. home living. social/interpersonal skills. self-care. work. 4.1. 39) . health and safety (Criterion B). leisure.

Definition Geistige Behinderung LWL-Universitätsklinik Bochum DSM IV “Das Hauptmerkmal der Geistigen Behinderung ist eine deutlich unterdurchschnittliche allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit (Kriterium A). Gesundheit und Sicherheit (Kriterium B). häusliches Leben. eigenständige Versorgung. Selbstbestimmtheit. Freizeit. Diese ist begleitet von starken Einschränkungen der Anpassungsfähigkeit in mindestens zwei der folgenden Bereiche: Kommunikation. 4. Nutzung öffentlicher Einrichtungen.1.“ . Der Beginn der Störung muss vor dem Alter von 18 Jahren liegen (Kriterium C). soziale/zwischenmenschliche Fertigkeiten. funktionale Schulleistungen. Arbeit.

die durch wesentliche Einschränkungen sowohl der intellektuellen Fähigkeiten als auch des adaptiven Verhaltens als Ausdruck von Begrifflichen.“ .1. sozialen und Praktischen Fähigkeiten charakterisiert wird. 4. Lebensjahr. Definition Geistige Behinderung LWL-Universitätsklinik Bochum AAMR (American association for mental retardation): „Geistige Behinderung ist eine Behinderung. Die Behinderung beginnt vor dem 18.

5.1. sonst übliche Definition: IQ 70 – 85 Diverse Teilleistungsstörungen . Schweregrade ICD-10: LWL-Universitätsklinik Bochum Leichte geistige Behinderung: IQ 50 – 69 (ICD 10: F 70) Mittelgradige GB: IQ 35 – 49 (ICD 10: F 71) Schwere GB: IQ 20 – 24 (ICD 10: F 72 Schwerste GB: IQ < 20 (ICD 10: F 73) Sonstige GB: (ICD 10: F78) Nicht näher bezeichnete GB: (ICD 10: F 79) Eine Lernbehinderung gibt es im ICD nicht.

1.5. Schweregrade LWL-Universitätsklinik Bochum Seite 14 .

9 70 . 3: Steinhausen 2005.1. Landesamt 2004 Seite 15 . 2 – 64 ? 1: WHO 2001.84 ca.5. Schweregrade LWL-Universitätsklinik Bochum Intelligenzminderung ICD-10 IQ Prävalenz (%) N in D Anteil (%) Leicht F 70 50 – 69 1 – 41. 4: Bayrisches Stst.2 820.000 803 GB insge3280000 Mittelgradig F 71 35 – 49 123 samt Schwer F 72 20 – 34 73 Schwerst F 73 0 – 19 < 13 Lernbehinderung F 81. Roeleveld et al 1997.

5. nicht durchführbarer spezieller Testverfahren für Menschen mit geistiger Behinderung durch Arbeitsproben und durch die klinische Beurteilung erfolgen.1.und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sollte die Quantifizierung einer Intelligenzminderung bei nicht durchführbaren Intelligenztests einschl. Schweregrade noch mal: Testpsychologie LWL-Universitätsklinik Bochum Es gibt keine für die Untersuchung erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung ausreichend validierte Diagnoseinstrumente. Nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder. Seite 16 .

6. Ätiologie LWL-Universitätsklinik Bochum Ursachen: • • • • Genetische Faktoren Pränatale Schädigungen Perinatale Schädigungen Postnatale Schädigungen .1.

Vorteile genetischer Diagnostik: • Klärung der „Schuldfrage“ • Genetische Beratung • Syndromspezifische Therapieansätze .1. Ätiologie LWL-Universitätsklinik Bochum Ursachen: Genetische Faktoren Derzeit sind > 700 spezifische geneitsche Syndrome bekannt. 6. Im Rahmen der Subtelomerdiagnostik ist diesbezüglich mit einer deutlichen Ausweitung zu rechenen.

CMV. Umweltgifte. HIV. Röteln. 6. B.1. Ätiologie LWL-Universitätsklinik Bochum Ursachen: Pränatale Schädigungen • • - Häufigste Ursache: FAS aber auch multiple andere: Infektionen (z. B. durch Sauerstoffmangel maternale Traumata . Toxoplasmose. Lues) Toxische Stoffe (Medikamente. Stahlen) Entwicklungsstörungen z.

1. Ätiologie LWL-Universitätsklinik Bochum Ursachen: Perinatale Schädigungen • Hypoxie unterschiedlichster Genese .6.

1. 6. Ätiologie Das Anlage-Umwelt-Problem LWL-Universitätsklinik Bochum • Milieuoptimistische Schule: Intelligenz ist vor allem durch Erziehung bestimmt (Behavioristen) • Milieupessimistische Schule: Intelligenz wird durch Erbanlagen determiniert (Deterministen) .

1. 7. Multimorbidität LWL-Universitätsklinik Bochum Geistige Behinderung ist überzufällig häufig korreliert mit: • • • • • • Körperbehinderung Sinnesbehinderung Epilepsie Psychischen Störungen Inneren Erkrankungen Erkrankungen des bewegungsapparates usw. .

. 2.1. Krankheit oder eines in medizinischer Terminologie beschreibbaren Ereignisses. 8. sondern als Behinderung die Folge einer Gesundheitsstörung. Verhältnis Geistige Behinderung –Psychische Störung LWL-Universitätsklinik Bochum 1.Geistige Behinderung ist keine Krankheit.Psychische Störungen können bei Menschen mit geistiger Behinderung zusätzlich zur geistigen Behinderung – als „zweite Diagnose“ – auftreten: „Doppeldiagnose“.

2. Menschen mit geistiger Behinderung (1 .4 % der Bevölkerung) • Die Mehrzahl von ihnen. 1. Familienentlastender Hilfe erhalten.) die Möglichkeit der stationären Kurzzeitbetreuung . leben in ihrer Primärfamilie • Die Familien. häufig unter hoher Belastung. etwa 80 %. können Hilfen in Form von sog. • Zusätzlich gibt es für bestimmte Situationen (Urlaub. Krankheit usw. Familie LWL-Universitätsklinik Bochum • Man rechnet in Deutschland mit etwa 1 – 3 Mio.

2. 3. Psychische Störungen bei Menschen mit Geistiger Behinderung 1. 5. Verhaltensprobleme Sonderfall: Verhaltensphänotypen Autismus Alter LWL-Universitätsklinik Bochum . 6.3. 4. Besondere Häufigkeit Ursachen der besonderen Häufigkeit Begriffsklärung psychische Störungen vs.

3. Grundsätzlich können Menschen mit geistiger Behinderung auch durch jedes therapeutische Mittel erreicht werrden. 1. • . dass bei der Allgemeinbevölkerung Anwendung findet. an denen auch die Allgemeinbevölkerung erkranken kann. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen LWL-Universitätsklinik Bochum • Grundsätlich können Menschen mit geistiger Behinderung an jeder psychiatrischen Erkrankung leiden.

Schizophrenien. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen LWL-Universitätsklinik Bochum Prävalenz -Besonderheiten bei geistiger Behinderung: • Einige psychische Störungen sollen bei geistiger Behinderung häufiger sein (z. Depressionen) • einige psychische Störungen sollen besonders selten sein (z.3. B. B. Abhängigkeitserkrankungen) • Insgesamt gelten psychische Störungen bei Menschen mit geistiger Behinderung als häufiger als in der Durchscnnittsbevölkerung(3 -5 mal häufiger) . 1.

1. moderate. The full range of psychopathology that exists in the generalpopulation also can coexist in persons who have mental retardation. FLETCHER: website der NADD) . many professionals have adopted the estimate that 20-35% of all persons with mental retardation have a psychiatric disorder. however.3. severe. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen LWL-Universitätsklinik Bochum Prävalenz-Besonderheiten bei geistiger Behinderung: „Persons with a dual diagnosis can be found at all levels of mental retardation(mild. profound).“ (R. Estimates of the frequency of dual diagnosis vary widely.

x F 32.3 – 3.4 – 0.3. 2: Deb et al 2001.8 2 1 1 10 .x F 41.60 82000 -1968000 2 0.13 11 – 24 3–4 1.885000 1: Möller 2003. 3: NIMH 2005 Seite 29 .x Prävalenz in der Prävalenz N: GB 1 Normalbevölkerung bei GB2 22.x F 6x. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen LWL-Universitätsklinik Bochum Psychische Störung (ICD-10) Psychische Störung allgemein DAT F 20. 1.27 90000 – 790000 25000 .7 4 1 – 3.13 10 .x F 31.131000 11000 – 121000 131000 8200 – 115000 180000 .5 22 .

6 3.9 0.4 3.6 1.9 14 15.8 19.6 4.5 14.2 4.0 1.4 0.0 2.6 2.8 2.1 0.1 32.7 Seite 30 .9 DC-LD 3.4 35.5 22.8 5.7 0.8 0.2 1.8 0.7 3.8 22.4 13.2 ICD-10 2.5 1.5 7.4 22.3.4 2.5 16.7 0.4 18.8 2. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen Diagnostic category Psycotic dis Affective dis Anxiety dis OCD Organic dis Abuse Pica Sleep dis ADHD Autism PB Personality dis Other Σ es PB + Autism Σ ex Autism Σ ex PB Σ clinical 4. 1.4 6.9 0.0 0.7 14.2 1.6 15.2 0.2 0.4 37.6 16.0 0.0 28.6 LWL-Universitätsklinik Bochum DSM-IV-TR 3.1 0.8 0 0.3 40.7 2.5 2.1 0.2 0.7 0.1 0.7 0.5 2.8 0.4 1.2 1.0 0.8 0.

Besondere Häufigkeit psychischer Störungen Biologisch-genetische Einflüsse Vererbung Genmutation Chromosomenanomalien Prä-. peri-.und Bewertungssystemen Erlernen von Kompetenzen Erlernen von Copingstrategien Moderatorvariablen Vulnerabilität Veränderbar durch: Kompetenz Coping Gestaltung des sozialen Umfeldes Individuelle Resilenz (Widerstandsfähigkeit) prämorbider Vulnerabilität mit individueller Beeinflussung der: Informationsverarbeitung Ich-Stärke Internalisierte Bezugssysteme Seite 31 . 1. postnatale Schädigungen Teilleistungsstörungen LWL-Universitätsklinik Bochum Psychosoziale Einflüsse Frühkindliche Traumatisierung Familiäre Kommunikationsstile Erwerb von Assoziations.3.

1. Besondere Häufigkeit psychischer Störungen LWL-Universitätsklinik Bochum Prävalenz psychischer Störungen bei geistiger Behinderung: •unbefriedigender Forschungsstand •mangelhafte Konsistenz der Befunde Gründe für mangelhafte Prävalenzaussagen: •unzulängliche universitäre Forschung •konflikthaftes Kooperationsfeld •forschungsmethodische Probleme .3.

3. 1995) Verhaltensauffälligkeit Verhaltensstörung Problemverhalten keine echten allgemein verbindlichen Definitionen im wissenschaftlichen Sinne. Verhaltensprobleme LWL-Universitätsklinik Bochum Begriffsfamilie: • • • • • Herausforderndes Verhalten Challenging Behaviour (Emerson. Begiffsklärung: psychische Störung vs. sondern pragmatische Chiffren im Handlungskontext . 3.

Verhaltensprobleme LWL-Universitätsklinik Bochum Herausforderndes Verhalten: Epidemiologie: derartige Verhaltensweisen treten auch bei Menschen ohne GB auf (~ 14 – 20 % bei Kindern und Jugendlichen). sind jedoch bei Menschen mit GB wesentlich häufiger (> 40 %) . Begiffsklärung: psychische Störung vs.3. 3.

welches von einer solchen Intensität.3. Dauer und Frequenz ist. dass die körperliche Unversehrtheit der betreffenden Person oder seines Umfeldes in ernsthafter Gefahr ist. 3. . das sich durch die Interaktion mit dem sozialen Kontext definiert. Ebenfalls Verhalten. dass der betreffenden Person Zugang zu üblichen öffentlichen Einrichtungen verwehrt wird. Begiffsklärung: psychische Störung vs. Verhaltensprobleme Definition: „Kulturell abweichendes Verhalten.“ (Emerson 1995) LWL-Universitätsklinik Bochum Herausforderndes verhalten ist also ein soziales Konstrukt. welches wahrscheinlich dazu führt.

3. 3. Umtriebigkeit •Aufmerksamkeit erwecken •Störende Geräusche verursachen •Stereotypien •Physische Aggressivität •Zerstörung •Selbstverletzung •Wutausbrüche •Weglaufen •antisoziales Verhalten •unangemessenes Sexualverhalten LWL-Universitätsklinik Bochum . Begiffsklärung: psychische Störung vs. Verhaltensprobleme typische Formen von Verhaltensauffälligkeiten: •Überaktivität.

das bei einem Individuum auftritt.3. ein Verhaltensmerkmal. B. Z. seine kommunikative Funktion zu verstehen. autoaggressives Verhalten als Schmerzäußerung . Verhaltensprobleme LWL-Universitätsklinik Bochum Verhaltensstörung nennt man ein als gestört verstandenes Verhalten bzw. Der Begriff verleugnet tendenziell die Möglichkeit. B. Rituale oder Stereotypien bei Autismus z. Begiffsklärung: psychische Störung vs. 3. das gemeinte Verhaltensmerkmal als –wenn auch dysfunktionales-Copingzu interpretieren bzw.

B. B. Manie. Begiffsklärung: psychische Störung vs.3. Psychose. Schmerz) •Psychische Störung (z. Verhaltensprobleme Gründe/Ursachen für herausforderndes Verhalten: •Biologische Ursachen –Verhaltensphänotypen –Epilepsie (anfallsbezogen) –Autismus –Körperliche Krankheit (z. 3. Panikstörung) •Reaktion auf unterstimulierende Umwelt •Erlerntes Verhalten •Kommunikativer Akt •Reaktion auf emotionales Trauma LWL-Universitätsklinik Bochum .

3. 4. Sonderfall: Verhaltenphänotypen
Syndrom Prader-WilliSyndrom Rett-Syndrom Lesh-NyhanSyndrom Angelman-Syndrom Smith-MagenisSyndrom Cri-du-chatSyndrom Velo-cardio-faziales Syndrom Williams-BeurenSyndrom Fragiles-X-Syndrom Genlokus 15q1115q13 Xq28 Xq26q27.2 15q11-q13 17p11.2 5p15.2 22q11.2 7q11.23 X, Fragile site Xq27.3 5q13 Tri 21 Elastin FMR-1 Gen Häufigkeit 1:10000 – 1:24000 nur ♀ 1:10000 – 1:20000 nur ♂ 1:100000 – 1:380000 ? sporadisch ♂>♀ 1:50000 1:4000 ? ♂ 1:2000 – 1:4000 ♀ 1 - 8000 1:50000 1:700 – 1:1000 Phänotyp „Mehlsackzwerge“, Adipositas, Kleinwuchs, Kryptorchismus Epilepsie, Ataxie Choreoathetose, Dystonien, Epilepsie

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IQ 20 - 100 20 - 100 35 - 60 ?, schwerer eher schwer 20 - 50 eher gering 40 - 80 ? - norm

Verhaltensphänotyp Hyperphagie, Zwänge, Tics, SVV Bewegungsstereotypien schwere SVV (Gesicht, Hände), Wunsch nach Restriktion Stereotypien, „Lachanfälle“ Selbstumarmung, Schlafstörungen, Jaktationen. Impulsiv, aggressiv, SVV „Katzenschreie“, unaufmerksam, Stereotypien, SVV Schizophrenie freundlich, sozial enthemmt, Ängste, Phobien, hyperaktiv sozial ängstlich, scheu, Blickabwendung, autistisch schwere SVV, stur, unaufmerksam, überaktiv, DAT

MECP2 HGPRT

„puppet children“, BNS-Anfälle, Brachymikrozephalie Kleinwuchs, Mikrocephalie, Vierfingerfurche, div. „kleine“ Stigmata Mikrocephalie, kurzer Hals, Mikrogenie, Strabismus Herzfehler, Gaumenspalte, Kleinwuchs, Mikrocephalie Elfengesicht, Herzfehler, Minderwuchs, Hyperkalzämie Makrorchie, große Ohren, Progenie

Cornelia-de-LangeSyndrom Down-Syndrom

Kleinwuchs, kraniofaziale DysMorphien, Hypogonadismus Kleinwuchs, mongoloide Augen, vergrößerte Zunge

30 - 50 30 - norm

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3. 4. Sonderfall: Verhaltenphänotypen Cornelia de Lange- Syndrom

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3. 4. Sonderfall: Verhaltenphänotypen

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Lesh-Nyhan-Syndrom

Seite 41

Sonderfall: Verhaltenphänotypen LWL-Universitätsklinik Bochum Fragiles-X-Syndrom Seite 42 .3. 4.

4. Sonderfall: Verhaltenphänotypen Down-Syndrom LWL-Universitätsklinik Bochum Seite 43 .3.

Sonderfall: Verhaltenphänotypen LWL-Universitätsklinik Bochum Seite 44 . 4.3.

Sonderfall: Verhaltenphänotypen LWL-Universitätsklinik Bochum FAS (fetales Alkohol-Syndrom) Seite 45 .3. 4.

Alter LWL-Universitätsklinik Bochum Das Problem des Alterns von Menschen mit geistiger Behinderung ist relativ neu in der öffentlichen Diskussion „früher“ war die Lebenserwartung von Menschen mit GB erheblich reduziert Dies war vor allem durch die schlechte medizinische Versorgung und die „Lebensumstände“ bedingt.3. 6. viele Erkrankungen des „höheren Lebensalters“ waren beim Menschen mit GB bisher unbekannt Die Kenntnis spezifischer Bedürfnisse von Menschen mit GB haben sich erheblich erweitert und es lassen sich spezifische Vorsorgeprogramme installieren Seite 46 .

L: 1929 Carter & Jancar: 1980 Strauss & Eyman: 1996) 80 70 60 50 40 30 20 10 0 72 58 62 20 9 Seite 47 . Alter LWL-Universitätsklinik Bochum Lebenserwatung verschiedener Formen von GB (Penrose.3. 6.

Alter LWL-Universitätsklinik Bochum Lebenserwatung verschiedener Formen von GB (Penrose: 1929 Carter & Jancar: 1980 Strauss & Eyman: 1996) Prognose: 2025 werden 25 % Menschen mit GB älter als 65 Jahre sein ! 80 70 60 50 40 30 20 10 0 72 58 62 20 9 Seite 48 .3. 6.

Methodische Besonderheiten der Diagnostik LWL-Universitätsklinik Bochum 1. Methodische Risiken und Probleme der psychiatrischen Diagnostik Seite 49 . Einfluss nichtpsychiatrischer Interpretationsmodelle 6. Eingeschränkte Kooperationsfähigkeit 2. Stellenwert des Kontext-Bezugs 8.4. Verfahren zur Analyse von Verhaltensproblemen (Funktionale Analyse. Eingeschränkte Anwendbarkeit psychiatrischer diagnostischer Regeln 4. Spezielle Assessment-Instrumente 7. Methodische Besonderheiten des Interviews von Bezugspersonen 5. Methodische Besonderheiten der psychiatrischen Untersuchung 3. ABC-Analyse) 9.

1.4. Eingeschränkte Kooperationsfähigkeit LWL-Universitätsklinik Bochum Psychiatrisch-diagnostische Probleme auf der Seite des Patienten: • • • • vermindertes Sprachverständnis beeinträchtigte Introspektionsfähigkeit vermindertes Ausdrucksvermögen „normale“ Abwandlung üblicherweise diagnostisch relevanter Merkmale • erhöhte Basisrate auffälligen Verhaltens • Modifikationen der Ausdrucksgestalt „üblicher“ psychiatrischer Symptomatik Seite 50 .

4. Eingeschränkte Anwendbarkeit diagnostischer Regeln Eingeschränkte Anwendbarkeit der ICD-10-und DSM-IVKategorien bei schwerer und schwerster Intelligenzminderung: Einschränkungen der Explorierbarkeit Ausfall sprachlich vermittelter Symptome LWL-Universitätsklinik Bochum Komplexität von Verhaltensbesonderheiten macht Differenzierung der Symptome definierter psychischer Störungen schwierig Seite 51 . 2.

3. u.nur begrenzt möglich LWL-Universitätsklinik Bochum Verhaltens-Beobachtung des Probanden . Methodische Besonderheiten der Untersuchung Informationsgewinnung Befragung der Probanden . verfälscht Informationsgewinnung von Bezugspersonen .nicht ohne professionellen oder individuellen Bias Seite 52 .begrenzt. von konkretem setting überlagert.4. U.

4. 3. insbesondre der genetischen Aspekte Seite 53 . Methodische Besonderheiten der Untersuchung LWL-Universitätsklinik Bochum Oft unzulängliche anamnestische Datenlage Oft unvollständige oder fehlende Vorbefunde Oft mangelhafter Grad der medizinischen Abklärung.

4. Seite 54 . Methodische Besonderheiten des Interviews von Bezugspersonen Dritten (Angehörige.4. gesetzliche Betreuer) obliegen: • • • • Problemidentifikation Problemanzeige Vermittlung der anamnestischen Informationen Beobachtung und Schilderung der Beschwerden und Symptome sowie • casemanagement LWL-Universitätsklinik Bochum Bedeutung subjektiver Interpretationen Bedeutung spezieller professioneller Sichtweisen Bedeutung gruppendynamischer Mechanismen in Betreuungsteams usw. professionelle Betreuer.

4. Risiken und Probleme psychiatrischer Diagnostik Diagnostic overshadowing: Zuschreibung der psychopathologischen Symptomatik zur GB Underreporting: Verminderte Introspektionsfähigkeit. Wahrnehmung Psychopatholgischer Erlebnisweisen LWL-Universitätsklinik Bochum Baseline exaggeration: das hinzukommen einer psychischen Störung verstärkt vorbestehende Verhaltensauffälligkeiten Overreporting: Verhaltensbesonderheiten werden als Symptom einer psychischen Störung gewertet Seite 55 . 9. Sprachverständnis und Ausdrucksvermögen bedingen eine verminderte Mitteilung bzw.

5. NADD 2007 Seite 56 . EAMHID 2007 DM-ID. WHO 1996 DC-LD. Royal College of Psychiatrists 2005 Practice Guidelines and Principles. Sonderklassifikationen LWL-Universitätsklinik Bochum Es sind inzwischen verschiedene Sonderklassifikationen erhältlich: ICD-10 Guide for Mental Retardation.2.

5. U. U.3. Folgen der Klassifikationsprobleme LWL-Universitätsklinik Bochum Folge der eingeschränkten Anwendbarkeit allgemeiner klassifikatorischer Systeme sind Unsicherheiten Diagnostik und Therapie: U. Heilversuch Seite 57 . Off-label-use U.

2. Komorbidität und Vulnerabilität Komedikationen Zielvereinbarungen mit Betroffenen und Begleitern Seite 58 .6. 3. Allgemeine Aspekte der Therapie LWL-Universitätsklinik Bochum 1.

Seite 59 .1. Komorbidität und Vulnerabilität LWL-Universitätsklinik Bochum Komorbiditäten und eine besondere Vulnerabilität wirken sich auf die Wirkung und die Nebenwirkungsneigung u. U. erheblich aus. Hier kommt gerade der intensiven Beobachtung eine besondere Rolle zu.6.

2.6. Komedikation LWL-Universitätsklinik Bochum Komedikationen können erhebliche Auswirkungen auf die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen einer Psychopharmakotherapie haben Pharmakotherapie kann Wirksamkeit und Nebenwirkungen anderer Pharmakotherapien erheblich beeinflusse Seite 60 .

LWL-Universitätsklinik Bochum Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Seite 61 .