WLADIMIR ILJITSCH LENIN

Der Revolutionär
Lenin war der Heilige des Sowjetsystems, als Stalin längst der Schurke war. Doch auch Lenin lehrte den Terror, begründete jene brutale Verwirklichung eines Menschheitstraums, dem Millionen zum Opfer fielen. Mit dem Zerfall des Sowjetreiches stürzten auch seine Standbilder, wurde auch Lenin angeklagt - er habe die Katastrophe verschuldet. Jetzt fanden Historiker heraus, dass das Kaiserreich die Bolschewiki jahrelang mit Millionen und Logistik unterstützte.

DER SPIEGEL Bildersturm in Bukarest. DER SPIEGEL 14/1990

Wladimir Iljitsch Lenin Der Revolutionär
1. Wladimir Iljitsch Lenin: Der Revolutionär vom 08.12.2007 - 387
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SPIEGEL ONLINE 2. Titel: Revolutionär Seiner Majestät vom 10.12.2007 - 49882 Zeichen DER SPIEGEL Seite 34 3. Spiegel des 20. Jahrhunderts: "Auf der Stelle erschießen"
vom 19.07.1999 - 35598 Zeichen

DER SPIEGEL Seite 141 4. "Das faule Gift der Macht" vom 02.04.1990 - 34947 Zeichen DER SPIEGEL Seite 194 5. von Dieter Wild: Die arme Weltrevolution vom 14.08.1989 - 14768
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DER SPIEGEL Seite 122 6. "Wir selbst drehten am Rad des Terrors" vom 13.03.1989 - 12035
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DER SPIEGEL Seite 212 7. "Der widersprüchliche, irrende Lenin" vom 06.06.1988 - 7966
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DER SPIEGEL Seite 148 8. Lenin - ein Betriebsunfall in der Geschichte? vom 09.05.1988 21566 Zeichen

DER SPIEGEL Seite 162

Titel

Deutsche Geheiminformation (Ausriss): Mit Berliner Hilfe an die Macht

Lenin wollte den Zaren stürzen, Kaiser Wilhelm II. einen Sieg an der Ostfront erzielen. Bislang unbekannte Dokumente belegen nun das Ausmaß der geheimen Zusammenarbeit während des Ersten Weltkriegs. Jahrelang unterstützte das Kaiserreich die Bolschewiki mit Millionen und Logistik.

Revolutionär Seiner Majestät

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as wohl am besten gehütete Geheimnis des Ersten Weltkriegs endet am 4. November 1918 mit einer Farce. Auf Anweisung von ganz oben schmuggeln Berliner Polizisten revolutionäre Flugblätter in eine Kiste des sowjetischen Diplomatengepäcks. Als ein Kurier im Bahnhof Friedrichstraße die Utensilien mit dem Lift befördern will, zerbricht die Kiste. Eine Flut von Propagandamaterial mit Überschriften wie „Schlagt die Junker tot!“ ergießt sich auf den Bahnsteig. Unverzüglich protestiert Moskaus Botschafter Adolf Abramowitsch Joffe im Auswärtigen Amt gegen die inszenierte Provokation. Vergebens – kühl eröffnet ihm der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, wie der deutsche Außenminister genannt wird, dass Joffe und seine Diplomaten Deutschland spätestens am nächsten Abend verlassen müssen. Die Sowjets trifft das „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, so ein Mitarbeiter Joffes. Zwei Tage nach dem Zwischenfall wird die Residenz „Unter den Linden“ der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), des Vorläufers der Sowjetunion, geschlossen. Die Weltöffentlichkeit überraschte der Abbruch der diplomatischen Beziehungen wenig. Seit der Oktoberrevolution im Vorjahr regierte in Russland Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Und der radikale Parteiführer der Bolschewiki ließ keinen Zweifel daran, dass er die Weltrevolution anstrebte und dafür Kaiser Wilhelm II. vom Thron zu stoßen gedachte.
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Insgeheim freilich – und das wusste nur eine Handvoll Eingeweihte – endete mit dem Abbruch der Beziehungen auch das wohl eigenartigste politische Zweckbündnis des 20. Jahrhunderts: zwischen den russischen Revolutionären um Lenin und den deutschen Imperialisten um Wilhelm aus dem Hause Hohenzollern. Es war die Komplizenschaft ideologischer Todfeinde, betrieben voller Hinterlist und intriganter Raffinesse. Die Verschwörer schrieben Weltgeschichte: Ohne die Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das entscheidende erste Jahr an der Macht kaum überstanden. Vermutlich wäre keine Sowjetunion entstanden, den Aufstieg des Kommunismus hätte es dann nicht gegeben, auch die Millionen Gulag-Toten wären wohl nicht zu beklagen gewesen. Zusammengehalten wurde die unheilige deutsch-russische Allianz von gemeinsamen Gegnern, gemäß der uralten Devise der Realpolitik, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist. Eine bequeme Logik, die meist eigene Versäumnisse verschleiern soll, so auch im Ersten Weltkrieg. Denn hätten die Deutschen ihre größenwahnsinnigen Kriegsziele im Osten revidiert, wären Lenins Dienste nicht nötig gewesen.
Kaiser Wilhelm II. bei einer Truppenparade

Revolutionär Lenin (mit Perücke in der russischen Illegalität 1917)

Weltgeschichtliche Verschwörung
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CAMERA PRESS/PICTURE PRESS (O.); ULLSTEIN BILD (U. L.); HANS SCHALLER (U. R.)

So aber konspirierte das Reich mit dem Anführer der Bolschewiki gegen Zar Nikolai II., Bündnispartner Frankreichs und Großbritanniens. Schließlich stand der Romanow einem deutschen Siegfrieden ebenso entgegen wie einer Machtübernahme Lenins. Vier Jahre lang unterstützte Berlin die Bolschewiki und andere Revolutionäre in Russland mit Mark, Munition, Waffen und trug damit zum Ende der Zarenmonarchie bei. Mindestens 26 Millionen Mark, nach heutigem Wert rund 75 Millionen Euro, hat allein das Auswärtige Amt bis Ende 1917 dafür ausgegeben. Als Zar Nikolai in der Februarrevolution 1917 schließlich stürzte und Lenin im Exil in der Schweiz festsaß, ermöglichten ihm die kaiserlichen Behörden mitten im Weltkrieg die Rückkehr in seine Heimat. „Lenin Eintritt in Russland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch“, drahtete am 17. April 1917 der Leiter des deutschen Nachrichtendiensts in Stockholm an den Generalstab in Berlin. Denn nun ging es gegen die inzwischen amtierende Provisorische Regierung in Petrograd. Ein halbes Jahr später eroberte Lenin in der Oktoberrevolution die Macht, auch mit deutscher Hilfe. Bald darauf schloss der neugegründete Sowjetstaat mit dem Reich einen Frieden, der den Deutschen Ruhe an der Ostfront und einen gigantischen Einflussbereich in Osteuropa einbrachte. Mission erfüllt – erst einmal jedenfalls. Wilhelm träumte sogar von einer „Art Bündnis- oder Freundschaftsverhältnis“ – gemeinsam gegen den Westen, wie zwei Jahrzehnte später Adolf Hitler und Josef Stalin. Dass sie einander eigentlich an den Galgen wünschten, vergaßen die beiden Verbündeten trotz aller Absprachen nie. Die scheinbar paradoxe Folge: Der vom Kaiser gesponserte Lenin half deutschen Genossen bei der Vorbereitung einer eigenen Revolution gegen die Monarchie. Und Wilhelm II. wiederum unterstützte im russischen Bürgerkrieg nicht nur die Bolschewiki, sondern auch deren Gegner. Heute ist das welthistorische Bündnis zwischen Sichel und Krone fast vollständig vergessen, obwohl schon vor Jahrzehnten hervorragende Studien zu dem Thema erschienen sind*. Allerdings gibt es noch immer offene Fragen, insbesondere zum Ausmaß der deutschen Unterstützung für die Bolschewiki. Denn im Auswärtigen Amt wurden Quittungen für erfolgte Auszahlungen nach der Rechnungsprüfung vernichtet. Vieles
* Winfried B. Scharlau, Zbyn¥k A. Zeman: „Freibeuter der Revolution. Parvus – Helphand“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1964; 382 Seiten.

Kämpfende Bolschewiki (in Petrograd 1917)

Der Feind meines Feindes 35

lässt sich nur auf dem Indizienwege belegen, und dafür muss an ungewöhnlichen Orten gesucht werden. Der SPIEGEL hat das getan und ist bei Recherchen in mehr als einem Dutzend Archiven in ganz Europa auf bislang unbekanntes oder nicht ausgewertetes Material gestoßen: Analysen und Papiere der Sicherheitsbehörden Schwedens, der Schweiz und Großbritanniens, Unterlagen der preußischen Polizei, Vermerke im Archiv des Auswärtigen Amts und in russischen Archiven, Kontoauszüge Schweizer Banken. Die dabei gefundenen Details ermöglichen es, jene Schattenwelt weiter auszuleuchten, in die sich die Diplomaten des Kaiserreichs begaben, als sie auf die Revolutionierung Russlands setzten. Alles begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914. Obwohl Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolai II. Vettern waren, gehörten ihre Reiche unterschiedlichen Blöcken an: auf der einen Seite die Mittelmächte Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich, auf der anderen die Entente aus französischer Republik, konstitutioneller britischer Monarchie und Russlands Autokratie – ein seltsames Bündnis, das nur die Sorge vor einer deutschen Hegemonie in Europa zusammenhielt. Schon bald wurde deutlich, dass der Waffengang sich von allen bisherigen unterscheiden würde. Millionenheere prallten aufeinander, erstmals setzten die Generäle die ganze Wucht der industriellen Dynamik zum Töten von Menschen ein – und damit fiel die klassische Trennung zwischen Front und Heimat. Kein Wunder, dass die Strategen den Feind nicht nur in den Schützengräben zu besiegen suchten, sondern auch von innen heraus schwächen wollten. Die Anwendung „jedes Mittels, das geeignet ist, den Feind zu schädigen“ sei Pflicht, notierte der Chef des deutschen Generalstabs Helmuth von Moltke.

Monarchen Wilhelm II., Nikolai II. (1912), Ostfront (1917): Millionenheere prallten aufeinander,

Das Reichsschatzamt, so nannte sich damals das Finanzministerium, stellte daher Hunderte Millionen Mark zur Verfügung, um Marokkaner, Inder und andere Völker der Kolonialreiche gegen Paris und London aufzuwiegeln, die ihrerseits im Habsburger und im Osmanischen Reich Unruhe stifteten. Auch das rückständige Zarenreich bot Ansatzpunkte für eine „Zersetzung des Feindlandes von innen“ (Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg). Immer wieder hatten vor dem Krieg Hungersnöte die Bauern zu Revolten getrieben. In den russischen Städten lebten die Menschen unter erbärmlichen Bedingungen; die Einführung der 79-Stunden-Woche galt als Fortschritt. Schon 1905 hatte es deshalb eine Revolution gegeben, die der Zar blutig niederschlagen ließ.
11. MŠrz 1915 Das Reichsschatzamt bewilligt dem Auswärtigen Amt zwei Millionen Mark „für Propaganda in Rußld.“ und zwei Millionen Mark „für besondere Presszwecke“.

Unter den über hundert Nationalitäten und ethnischen Gruppen des zaristischen Vielvölkerreichs gärte es weiter. Polen, Ukrainer, Esten, Finnen und andere Minderheiten träumten von eigenen Staaten, was den Deutschen nur recht war. Wilhelm II. verfolgte die sogenannte Orangenschalen-Strategie: Wie die Schale der Südfrucht vom Fruchtfleisch sollten die nichtrussischen Randgebiete von Kernrussland getrennt werden. Die dann neuentstehenden Staaten wollte der Kaiser unter deutsche Kuratel stellen – ein Schritt auf dem Weg zur Weltmacht. So ging ein Geldsegen auf die zahlreichen Polit-Abenteurer nieder, die sich nach Kriegsausbruch bei deutschen Stellen meldeten. Vermeintliche und tatsächliche Zarengegner prahlten damit, sie könnten Meutereien in der russischen Schwarzpolitische Establishment Russlands fürchtet eine deutsche Hegemonie in Europa. Herbst 1915 Im Zarenreich häufen sich Streiks und Demonstrationen. Juni bis Oktober 1916 Die letzte russische Großoffensive unter General Alexej Brussilow scheitert; die Armee des Zaren verliert rund eine Million Mann. Unter dem Druck des Krieges spitzt sich die Versorgungslage in Russland zu.
(23. bis 27. Februar nach der damals in Russland gültigen Zeitrechnung)

Subventionen für die Revolution
Das Deutsche Reich und die Bolschewiki
30. Juli 1914 Russland macht mobil. Am 1. August erklärt das Deutsche Reich Russland den Krieg. Mit dem Sieg bei Tannenberg am 30./31. August stoppt das deutsche Heer den russischen Vormarsch. Ende Februar 1915 Alexander Helphand („Parvus“) präsentiert im Auswärtigen Amt seinen Plan, durch politische Massenstreiks Russland zu revolutionieren. Die deutsche Regierung, die einen Sonderfrieden im Osten anstrebt, stellt ihm eine Million Mark zur Verfügung.
I N T E R F OTO

Ende Mai 1915 Helphand sucht Lenin in Bern auf. Mai bis September 1915 Deutsche Truppen besetzen Ostpolen, Litauen, Kurland und westrussische Gebiete, die alle zum Zarenreich zählen. 9. Juli 1915 Das Reichsschatzamt bewilligt dem Auswärtigen Amt weitere fünf Millionen Mark für revolutionäre Propaganda in Russland. Anfang August 1915 Der Zar lehnt zum wiederholten Mal eine Berliner Friedensofferte ab. Das

8. bis 12. MŠrz 1917

Schlacht bei Tannenberg: Bahnhof von Usdau nach Erstürmung durch deutsche Truppen, August 1914

Generalstreik und Demonstrationen in Petrograd. Als die Garnison der

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ULLSTEIN BILD (L.)

Im russischen Parlament verfügten diese über gerade einmal eine Handvoll Abgeordnete. Oktober) 4. bei Kriegsbeginn war er aus Österreich in die neutrale Schweiz nach Bern übergesiedelt. April 1917 Das Reichsschatzamt bewilligt erneut fünf Millionen Mark für „Propagandazwecke in Rußland“.Titel die klassische Trennung zwischen Front und Heimat fiel zum ersten Mal meerflotte anstiften. November nach blutigen Straßenkämpfen. ein belesener und scharfzüngiger Marxist. der inzwischen nach Petrograd zurückgekehrt ist. dass die deutschen Revolutionsstrategen im Herbst 1914 auf den Berufsrevolutionär (und Rechtsanwalt) Lenin aufmerksam wurden. die sich „Rat der Volkskommissare“ nennt. da boten deutsche Diplomaten und Geheimdienstler Millionen für eine Rebellion allein in einem einzigen Gouvernement des Zarenreichs. / 26. Aufstände etwa in der Ukraine lostreten oder soziale Unruhen schüren. Es war ein lukratives Geschäft auch für mögliche Aufschneider. April 1917 Lenin reist mit deutscher Hilfe aus dem Schweizer Exil nach Petrograd. setzt im Zentralkomitee der Bolschewiki die Entscheidung für einen „bewaffneten Aufstand“ durch. 23. März) und wird inhaftiert („Februarrevolution“). ersparen sollte. So ergab es sich auch eher zufällig. und Co. Der Petrograder Sowjet der Arbeiter. 1917 (25. bis 16. dankt Nikolai II. In Moskau etabliert sich die Sowjetmacht erst am 16. Vor allem aber hatte sich Lenin im Gegensatz zu vielen anderen Sozialisten nicht vom nationalen Taumel anstecken lassen. Alexander Kerenski. übernimmt im Anschluss die Macht./8. Oktober 1917 Lenin. den Sturz der Provisorischen Regierung und die Machtübernahme der Sowjets („Aprilthesen“). Später stiegen die Prämien sogar noch. was Lenin allerdings nicht störte. Der kleingewachsene Mann mit dem rötlichen Haarkranz hatte seit der Jahrhundertwende überwiegend im westlichen Exil gelebt. Weitere 2 Millionen in bar sollten bei Eintreten des Aufstands folgen – bis heute weiß niemand. Eine Regierung unter Vorsitz Lenins. stand damals an der Spitze einer linksradikalen Split- tergruppe.und Soldatendeputierten formiert sich („Doppelherrschaft“). wer die Gelder empfing. Lenin. November 1917 Das Revolutionäre Militärkomitee unter Federführung Trotzkis übernimmt den Oberbefehl über die Petrograder Garnison. Als der Triumph gegen Frankreich ausblieb. Denn es war eng geworden für Wilhelm II. Ministerpräsident Alexander Kerenski war zuvor die Flucht aus Petrograd gelungen.: Die Generäle Seiner Majestät waren von einem Blitzsieg im Westen ausgegangen. die 13 Minister der Provisorischen Regierung werden im Winterpalais verhaftet. Nach einem Sturz Nikolais II. ab (15. 37 H U LTO N . Er wollte nicht durch Wahlen. ein Sturz der Monarchie stand zunächst allerdings nicht auf dem Programm. machte ihn für die Deutschen attraktiv. Die Provisorische Regierung stellt bald die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung in Aussicht. versuchten der Kaiser und seine Minister den Zaren mit Unruhen gefügig zu machen. Lenin versteckt sich in Finnland. Mitte Juli 1917 Hunderttausende demonstrieren in Petrograd gegen die Provisorische Regierung. würde die Weltrevolution (und drun7. Oktober 1917 Ein allgemeiner Linksruck bringt den Bolschewiki im Petrograder und im Moskauer Sowjet die Mehrheit. Dass er diesem Ziel alles unterordnete. Für eine „allgemeine Revolution gegen Russland“ zahlte das Auswärtige Amt im September 1914 an zwei Männer von angeblich „großem Einfluss“ 50 000 Mark in Gold. sondern durch eine Revolution an die Macht gelangen. militante Bolschewiki versuchen einen Staatsstreich. 9.D E UT S C H C O LLE CT I O N / C O R B I S Dort fordert er die Beendigung des Krieges. d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 . der ihnen den Zweifrontenkrieg Hauptstadt auf die Seite der Aufständischen wechselt. Die Regierung lässt bolschewistische Führer verhaften. die sich – ihrer tatsächlichen Größe zum Trotz – Bolschewiki (Mehrheitler) nannte. das zum Zarenreich zählt. Er trommelte vielmehr für die Niederlage des RomanowZaren. 3. November 1917 „Oktoberrevolution“: Soldaten und Rote Garden besetzen strategisch wichtige Punkte in Petrograd. der im Sommer 1914 überall die Menschen erfasste.

der Bolschewik genieße unter Revolutionären in Petrograd und Moskau „das größte Ansehen“. Mal beklagte er.DAS ENDE DER LEGENDE VOM JÜDISCHEN BOLSCHEWISMUS“ . Er hoffte. nur ein kleiner Teil da. Trotzki (1905): „Revolutionäre Energie des Proletariats“ von landete nachweislich bei den BolscheDie politisch motivierten Nachstellunwiki. songeborene Jude dem Sturz des dern „eine praktische Aufgabe damaligen Zaren verschrieben. Für seine Dienste erhielt Kesküla insgesamt 250 000 Mark.Studienfreundin Helphands. die allein habender Geschäftsmann in über die ideologische DeuKonstantinopel. die Deutschen würden sich für einen Anschluss des russisch beherrschten Estlands an Schweden einsetzen. aus tung geleistet hatte. Kesküla war trotz sei.Kleine“) gerufen. In München traf er Anfang des JahrRevolution brauchten die Deutschen hin. dieser tue zu wenig für die Revolution im Zarenreich.Titel ter wollte er es nicht machen) gleichsam automatisch in Gang gesetzt. wo er wie viele andere oppositionelle Rus. gen der deutschen Polizei zwangen Helle einsetzte. dass die Machterten. Später. hatte einen einfachen Grund. unserer Zeit“ sei. In der Wohtikeln. Er er dem maroden Osmanischen tat sich lieber mit Leo BronReich bei der Kriegsvorbereistein. geworden durch die Hilfe. Jahrhunderts. die damals welt. 1891 sie. In presse für die Parteizeitung. Seite der Mittelmächte in den dem genialen Organisator und Krieg eingetreten. Zum Dass Berlin Kesküla nicht in großem Sti.Marxisten Helphand.ausgab. Er sei „gewissenlos“ und verfüge über „brutalste und rücksichtsloseste Energie“. Für die Logistik der weit von Sozialisten für ihre politischen liner Landesarchiv belegen. und schwärmte den deutschen Diplomaten vor. dieser lernte in Helphands Januar 1915 stellte sich ihnen ein solcher Deutsch.keit mit radikalen und wortgewaltigen Ar. Allerdings blieb dessen Vision einer etwas zu kurzen Beinen“ (Biograf Winfried liche Leibesfülle wurde er „Parvus“ („der straff organisierten Kaderpartei aus BeScharlau) lebte bei Kriegsbeginn als wohl. die Lenin herder „Statur eines Michelangelo-Sklaven mit ironischer Anspielung auf seine beträcht. Dann wieder trommelte er dafür. wechselte er auf die Seite der Entente und warnte diese vor Lenin – mit den gleichen Argumenten. späteren Vater des Sieges der Helphands Vergangenheit Bolschewiki im russischen Bürsprach für die revolutionären gerkrieg. einem ehemaligen Bolschewiken aus Estland und einer der vielen Gestalten in der Grauzone zwischen revolutionären Russen und den Deutschen. wie auch bislang unbekannte ner bolschewistischen Vergangenheit ein schloss sich der SPD an.delte er nach Deutschland über und gewiesen. wie aus bislang unbekannten britischen Akten hervorgeht. die Helphand zeitlebens fremd.phand bald zu einem Vagabundenleben. Der Hinweis auf Lenin kam von Alexander Kesküla.Marxismus fand Helphand in der Schweiz. die ihm den Ruf einbrachten. um Lenin zu unterstützen. Kesküla schwankte allerdings in seinem Urteil über Lenin. weil dessen Regime Menschen Deutsche Botschaft in Konstantinopel: Politische Abenteuer FOTOS: DAVID KING COLLECTION 38 d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 "PARVUS . Und im unter Revolutionären vieler Länder war hunderts das erste Mal den drei Jahre jüngeren Lenin. als Kesküla begriffen hatte. dass die Deutschen eigene Interessen im Baltikum verfolgten. einer der bedeutendsten politischen Aben. Trotzki lernte von Qualitäten des SalonsozialisHelphand. zusammen. Kesküla bot sich der deutschen Gesandtschaft in Bern als Propagandist für die Sache des Kaisers an. offenbar reich tungshoheit verfügen sollten. Der Mann mit dem mächtigen Kopf und könne ein zweiter Karl Marx werden. wie deutsche sen seiner Generation studierte.aus mehreren Bundesstaaten wurde er ausDokumente zeigen.Erfolge bewundert wurde – Lingua franca gegen Experten anderen Kalibers. Kampfname Trotzki.Wohnung Rosa Luxemburg kennen. Schnell erregte Helphand Aufmerksam. er nung stand zeitweise auch die Druckerteurer des 20. eine zur Verfügung: Alexander Helphand.Unterlagen der preußischen Polizei im Bertheoretischer Kopf. Schon als Jugendlicher oberung des Proletariats kein hatte sich der 1867 bei Minsk „astronomisches Endziel“. rufsrevolutionären. mosaischen Glaubens unterdrückte. Der Sultan der Nähe von Cherson in der war im November 1914 an der heutigen Ukraine. „der Leninschen Richtung in Russland unverzüglich beizuspringen“.

Er wollte wichtige Brücken sprengen und die Ölquellen bei Baku in Brand setzen. stand er bei Kriegsbeginn 1914 auf Seiten der Mittelmächte. Als er sich auch noch einem Parteiverfahren stellen musste. eine Art Zentralstelle für inoffizielle Mitarbeiter des Auswärtigen Amts. des Zaren durch Massenstreiks vor.“ Den eher vorsichtigen Außenstaatssekretär Gottlieb von Jagow und seine Experten muss der Plan sofort überzeugt haben. Ein Foto zeigt Helphand und Trotzki im Gefängnis der Peter-und-Paul-Festung in St. Dort wolle er wohl „die Polygamie an bester Quelle studieren“. einen deutschen Polizeipass. Dazu passt. dass das Reichsschatzamt im Frühjahr und Sommer 1915 Millionenbeträge für die Revolutionierung Russlands dem Auswärtigen Amt bewilligte. Dem deutschen Botschafter in Konstantinopel schlug Helphand ein Zweckbündnis vor: „Die Interessen der deutschen Regierung sind mit denen der russischen Revolutionäre identisch. Helphand übernahm einen Teil der Presse. einen deutschen Polizeipass und reichlich Geld. Petersburg. Tantiemen unterschlagen zu haben. wohl aber liegt der 23-seitige Plan zum Sturz Ȣ Helphand erhielt Sprengstoff.“ Der Diplomat verschaffte Helphand ein Entree beim Auswärtigen Amt in Berlin. die „auf privatem Wege. denn nur wenige Wochen später erhielt Helphand den von ihm verlangten Sprengstoff. denn obwohl er in Deutschland weiterhin Persona non grata war. politische Gefangene in Sibirien befreien. aber mit Unter39 . Über den Ablauf der Gespräche dort Ende Februar 1915 ist nichts bekannt. Trotzki setzte sich an die Spitze des Petersburger Sowjets.Russische Revolutionäre (im Februar 1917 in Petrograd): „Auf dem besten Weg zur Demokratie“ Als 1905 in Russland die Revolution ausbrach. Flugblätter und Broschüren im Ausland drucken lassen und deren Transport nach Russland organisieren. mal per Überweisung – lief über ein Büro in der Berliner Wilhelmstraße. seiner Schwäche für Frauen und seiner Rücksichtslosigkeit gegenüber den eigenen Kindern. an erster Stelle stand: „Finanzielle Unterstützung der sozialdemokratischen russischen Majoritätsfraktion (das sind die Bolschewiki –Red. konnte jedoch fliehen und tauchte im Winter 1906/07 wieder in Deutschland auf. Er wollte „dem revolutionären Proletariat in Russland Bahn brechen. Damals gab es im ganzen riesengroßen Russland allerdings nur gut zwei Millionen Industriearbeiter. Der Geldtransfer – mal bar. in einem bislang unbekannten handschriftlichen Vermerk aus dem Auswärtigen Amt vom Jahresende 1915 ist nämlich von mehreren „Zahlungen“ an Helphand die Rede. denen er die Alimente vorenthielt. die Verbindungen zu potentiellen Streikkomitees. und reichlich Geld: eine Million Mark. Helphand wurde nach Sibirien verbannt. Helphands Hass auf das Zarenreich muss während der Jahre am Bosporus über- mächtig geworden sein. Es müssen noch weitere Beträge gewesen sein. Das Papier endete mit einer Liste der wichtigsten Aufgaben. eilten beide in die alte Heimat. der ihm das Reisen erleichterte. weil der Schriftsteller Maxim Gorki ihm vorwarf. wo sie nach der Niederschlagung des Aufstands einsaßen. Die deutschen Genossen störten sich an seinen radikalen Ansichten. verließ Helphand das Reich und ging nach Konstantinopel. den der Revolutionsexperte in der Wilhelmstraße präsentierte.) … Die Führer sind in der Schweiz aufzusuchen. Er hatte an ziemlich alles gedacht: die Agitation unter den Arbeitern in den Industrieregionen. In der SPD hatte Helphand nie viele Freunde. um die revolutionäre Energie des Proletariats im Westen zu stärken“. spotteten die Genossen. Der Generalstab hatte es für Geheimdienstoperationen gegründet. das Aufwiegeln nationaler Minderheiten. Helphand verlangte sogar „verd e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 ständliche Anweisung(en) über die Handhabung“ von Sprengstoff.

gebrauchte Autos und Fischereifahrzeuge. mit Blick auf die Arbeiterschaft. Dabei scheint niemand in der Regierungszentrale auf die Idee gekommen zu sein. arbeitete für Helphand. Moissej Urizki etwa.“ Nun setzte Berlin nicht mehr nur darauf. um Geld nach Petrograd bringen zu lassen oder auch einen Teil der in Russland erzielten Erlöse in die Parteikasse zu lenken. Die Schweizer Polizei hatte sie 1919 beschlagnahmt. Man kannte sich und Parvus aus der Exilzeit. Lenin hingegen will den Besucher als deutschen Sozialchauvinisten beschimpft und ihn „mit dem Schwanz zwischen den Beinen“ die Tür gewiesen haben. einer der engsten Vertrauten Lenins und nach der Oktoberrevolution Leiter der sowjetischen Nationalbank. übernahm die Geschäftsführung. was die Bereitschaft zu Loyalität und Verschwiegenheit noch verstärkte. Es waberten Gerüchte. notierte vielmehr der Gesandte in Kopenhagen. Einen Teil der Gelder aus dem Auswärtigen Amt hat Helphand denn auch aller Wahrscheinlichkeit nach in Wertpapieren angelegt. mit der er unverzüglich das europäische Proletariat aus den Schützengräben heraus und in die Revolution hineintreiben zu können glaubte“. Wie eine FLORIAN ALTENHÖHNER . denn Dänemark wie Schweden blieben während des Ersten Weltkriegs neutral. konnte sich kein russischer Politiker leisten. in der Helphand seine Aufgabe anging. er habe Lenin gedrängt. sondern nahm auch dessen Sturz in Kauf. Kaviar. nach Großbritannien und natürlich Russland. Und überall stößt man auf Bolschewiki: Das Unternehmen. dass es durchaus Bolschewiki gab. Graf Ulrich von Brockdorff-Rantzau. Auch schrieb im Rückblick Walter Nicolai. Und Geschäftsführer Fürstenberg. statt sie für die Revolution auszugeben – diesen Rückschluss lassen KonRussland-Akten des Auswärtigen Amts tounterlagen im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern zu. teils mit Hilfe falscher Deklarierungen und durch Schmuggel im. In den Bankhäusern. Russland rechtzeitig zu revolutionieren und dadurch die Koalition zu sprengen. dass sie sich nicht hätten einigen können. Dieser galt unter Genossen als Spekulant und Betrüger. wenn zwischen ihnen „die bestehende Spannung sich ausgeglichen hat“. in dem auch der Bolschewik verkehrte. Die Buchhalterin. die von Helphand Geld nahmen. wenn es gelingt.og Exportkompaniet A/S“. den er für die Sache des Sozialismus einsetzte. Geldmangel war ein ständiges Thema seiner Briefe. operierte aber auch von Stockholm aus. Helphand knüpfte Verbindungen in die USA.Titel stützung aller zuständigen Behörden“ durchgeführt werden sollten. und Lenins Vertrauter Fürstenberg. und Schweden hatte damals noch eine gemeinsame Grenze mit Russland. Kondome. war untereinander oft verwandt. Einige Indizien sprechen immerhin für Lenins Version. Sicher ist: Für die Revolutionsarbeit brauchten die Bolschewiki Geld. Lenin als Reformersatz. Bezeichnenderweise fand sich später die Firmenadresse des Helphandschen Unternehmens in Lenins schmalem Adressbuch. welche die Erlöse nach Kopenhagen beziehungsweise Stockholm transferierte. Von hier aus ließ sich die Revolution leichter vorantreiben. über welche die finanziellen Transaktionen liefen. oder der diskrete Anwalt Mieczyslaw Koslowski. Als Stützpunkt wählte Helphand Kopenhagen. Kognak. saßen in hohen Positionen Bolschewiki. das geht aus schwedischen Ermittlungsakten hervor. der die Tscheka mitbegründete. könne man auch solche „Elemente zur Mitarbeit heranziehen und um den Thron scharen“. er sei deutscher Agent. Aber stimmt das auch? Der Bolschewik hatte Grund.“ zog. für die deutsche Seite zu arbeiten. dass ein Sturz des Zaren auch Rückwirkungen auf die deutsche Monarchie haben könnte. welches die Waren jenseits der russischen Grenze auf dem Schwarzmarkt verkaufte. Geheimes Büro in Berlin 40 Schon im August 1915 schwärmte ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amts von der „genialen Weise“. dass Lenin dieses Netzwerk nicht genutzt hat. eine Unterstützung Lenins sei erst möglich. und ließ sich an dessen Tisch führen. brachte es später in der Weimarer Republik sogar noch zum Außenminister. Teils legal. aus altem Adel und nie ohne Siegelring. Rosa Luxemburg hatte ihm bereits die Freundschaft gekündigt. reiste regelmäßig nach Russland.und exportierte er ins oder aus dem Zarenreich Buntmetalle und Chemikalien. ein polyglotter Finanzakrobat von hoher Verschwiegenheit. Beide berichteten hinterher von dem Vieraugengespräch. Getreide. Helphands Teilhaber wurde ein Berliner Kaufmann. das Helphand nach dem Gespräch mit Lenin auf- Ȣ „Der Sieg ist unser. Andererseits zeigen diese Belege. allerdings nur einige tausend Schweizer Franken. die bislang abseitsgestanden hätten. wenn es gelingt. Brockdorff-Rantzau. auch Jakob Fürstenberg. und den Verdacht. Kaum anzunehmen. Dieser lebte nach dem Treffen weiterhin in bescheidenen Verhältnissen. der deutsche Geheimdienstchef. Medikamente. nach der Oktoberrevolution Chef der Petrograder Geheimpolizei (Tscheka). eine Verbindung mit Helphand abzustreiten. deren Demokratisierung überfällig war. Trotzki ebenfalls. Sie verbargen häufig Parteispenden hinter kommerziellen Aktivitäten. den Zaren durch Unruhen unter Druck zu setzen. Wenn man erst siegreich aus dem Weltkrieg hervorgegangen sei. Gemeinsam gingen sie dann in Lenins Wohnung. Höchste Erwartungen waren mit Helphands Unternehmungen verbunden. Bleistifte. war mit Fürstenberg verwandt. Lenin habe „meinem Nachrichtendienst wertvolle Nachrichten über die Zustände im … zaristischen Russland geliefert“. Helphand behauptete. die Revolution in Russland voranzutreiben. doch der Bolschewik „träumte von der Herausgabe einer kommunistischen Zeitschrift. Walöl und vieles mehr. gegen die These von der bolschewistischen Unschuld. Denn an den Knotenpunkten finden sich immer wieder führende Revolutionäre der Lenin-Partei. das sich den Zusammenbruch des Osthandels infolge des Kriegs zunutze machen sollte: die „Handels. die Niederlande. damit er seinen plötzlichen Wohlstand erklären konnte. um – wie angekündigt – mit Lenin zu sprechen. Einem anderen Genossen kaufte man das Patent für einen Sterilisierungsapparat ab. wie in Kopenhagen der Gesandte BrockdorffRantzau notierte: „Der Sieg und als Preis der erste Platz in der Welt ist unser. Und Helphand wiederum erklärte seinen deutschen Auftraggebern. beschäftigte als Justitiar den Rechtsanwalt Koslowski. Ende Mai 1915 traf Helphand in Bern ein. Vor allem spricht das Netzwerk. Er erschien in einem der russischen Restaurants der Stadt. Für die deutschen Revolutionsexperten war das kein ungewöhnliches Arrangement. In Absprache mit den Diplomaten gründete er ein Exportunternehmen. der im Sold des deutschen Nachrichtendienstes stand. Russland rechtzeitig zu revolutionieren.

"PARVUS .DAS ENDE DER LEGENDE VOM JÜDISCHEN BOLSCHEWISMUS“ (R. Im Winter brachten Schlitten die revolutionäre Fracht über das Eis. um unbedarfte Parteifreunde auf der finnisch-russischen Seite nicht zu gefährden. die von der Publizistin Elisabeth Heresch in Moskau entdeckt wurden**. Auch zeigte sich die zaristische Geheimpolizei erstaunlich gut informiert. Fürstenberg: Revolutionäres Netzwerk Helphand-Quittung*: Millionen aus Deutschland RIINA NURMINEN / GALBE. Dr.COM hässliche Narbe zog sich damals die Ostfront vom Baltikum quer durch Europa bis ans Mittelmeer. ULLSTEIN BILD (L. denn dann jährte sich der Ausbruch der Revolution von 1905. den auch Fährschiffe überquerten. der gemeinsam mit einheimischen Genossen die Bücher und Zeitschriften durch das Flussdelta schmuggelte. bis nach Haparanda. der einzig offene Verbindungsweg Russlands in den Westen und Hauptumschlagsplatz für Waren und Nachrichten. Das heute langweilige Nest war während des Ersten Weltkriegs ein Dorado für Schmuggler und Agenten. Eine gutbewachte.). Seine revolutionäre Organi* „Habe am 29. Jenseits der Grenze führte die Route dann weitere 1000 Kilometer durch das russische Großfürstentum Finnland Richtung Süden nach Petrograd. Der dicke Großkaufmann. einem kleinen Ort an der schwedisch-russischen Grenze. nahe am Polarkreis. Dezember 1915 eine Million Rubel in (…) Banknoten zur Förderung der revolutionären Bewegung in Russland von der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen erhalten. Selbst Helphand erlitt Rückschläge. im Januar 1916 werde der Sturm losbrechen. in welchem Ausmaß deutsche Zahlungen an die Bolschewiki das Zarenreich destabilisierten.) Bahnhof in Haparanda (Schweden): Schmuggel an der Grenze d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 41 . wie aus Dokumenten hervorgeht. Doch ideologisch unverdächtige Beobachter berichteten von Korruption unter den Genossen. Die gekaufte Revolution“. 24. Helphand“. Lieferungen mit Flugblättern und Büchern gingen verloren. Später verklärte die sowjetische Propaganda die Bolschewiki zu Superrevolutionären. mittlerweile Ende vierzig und schon etwas kurzatmig. Größere Mengen Propagandaliteratur vertrauten die Bolschewiki einem Schuhmacher in Haparanda an. mit falschen Papieren überlistet oder auf andere Weise geleimt werden. Gut 1000 Kilometer mussten die Revolutionäre von Stockholm nach Norden fahren. Luxemburg (1903). ** Elisabeth Heresch: „Geheimakte Parvus. was er für militärische Geheimnisse hielt. einer der Kuriere nahm auf eigene Faust alles heraus. München. Die russischen Beamten mussten geschmiert. „Ich bringe Grüße von Olga“ lautete das Kennwort unter Eingeweihten. nur tagsüber freigegebene Holzbrücke für Fußgänger führte über den zeitweise reißenden Grenzfluss Torneälv. hatte seinen Geldgebern angekündigt. A. was kalte Krieger im Westen gern glaubten.Gesinnungsfreunde Helphand. Unter Historikern ist daher umstritten.90 Euro. 400 Seiten. Briefe Lenins wurden in eigens präparierten Schuhen oder im Korsett versteckt. Langen Müller Verlag.

Titel telläden Schlange standen. Helphand habe „als einer der Ersten für den Erfolg gearbeitet. das Russland bis dahin gehabt hatte: mit Koalitions-. deutsche Agenten stünden hinter der Tat. lieferten allerdings nicht Agenten. bei einer Fahrt über Nord. Im Herbst 1916 stand das deutsche Heer tief auf dem Territorium des Zarenreichs. Zunächst demonstrierten die Arbeiter. der ein sofortiges Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg verlangte.90 Euro. in Petrograd „binnen 24 Stunden mindestens 100 000 Arbeiter“ mobilzumachen. Anfang 1917 hatte der 46-Jährige noch erklärt. denn dieser Schritt konnte nur mit Zustimmung der kaiserlichen Behörden erfolgen. nach der Februarrevolution 1917. und Lenin und die anderen fürchteten. die vor Lebensmitd e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 FLORIAN ALTENHÖHNER (L. Hunderttausende russische Soldaten waren ge- Ȣ Lenin erwog. mit ihm zu reisen und vorher dem deutschen Gesandten in Bern seine Bedingungen zu übergeben. Diplomaten Brockdorff-Rantzau. In ihm spielten die Bolschewiki zunächst nur eine Nebenrolle. Ein riskantes Unterfangen.) . 182 Seiten. Kühlmann: „Rege Agitation“ sation sei in der Lage. Eine Rückkehr über Frankreich oder England blieb ausgeschlossen. bis die Provisorische Regierung in Petrograd zustimmte. ohne dessen Erlaubnis keine einzige Persönlichkeit den dauernd geschlossenen Wagen betreten darf“. Andererseits fällt auf. welche über den Staatsapparat verfügte. weil es an Roh. Doch das Datum verstrich. Der völlig überforderte Zar musste den Thron aufgeben. Ende 1916 mussten Betriebe die Produktion einstellen.und Brennstoffen mangelte. mit der gemäßigt konservativen Provisorischen Regierung. Köln. solange der Preis dafür die deutsche Hegemonie in Osteuropa war. In Petrograd und Moskau wurden die Mehlvorräte knapp. mal mit einem Flugzeug heimlich über die Ostfront zu fliegen. urteilt der Historiker Manfred Hildermeier. Die wichtigsten Punkte lauteten: • „mit deutschen Organen verkehrt ausschließlich Platten.): „Die Russische Revolution 1917“. und es kam zu Bränden im Hafen. Den bedeutendsten deutschen Beitrag zum Ende Nikolais II. Am Ende schloss er sich dem Vorschlag anderer linker Emigranten aus Russland und Polen an. Für Lenin kam die ganze Entwicklung überraschend. sich als taubstummer Schwede auszugeben und inkognito durch Deutschland zu reisen. die für die Fahrt mit der Eisenbahn durch Deutschland und Skandinavien plädierten. „eingepfropft wie in einer Flasche“ (Helphand). Pressefreiheit. In der Tat flogen in Archangelsk Schiffe in die Luft. wo ein Teil der Millionen geblieben sind.und Ostsee versehentlich von deutschen U-Booten torpediert zu werden. Mal erwog Lenin. Das war. Davon abgesehen fürchteten Lenin und Genossen. Den Krieg allerdings wollte man nicht beenden. Das Reich befand sich „auf dem besten Wege zu einer demokratischen Regierungsform“. An die Stelle der Romanows trat die Doppelherrschaft. sondern die Militärs. und die große Rebellion blieb aus. 42 Als der Zar abgedankt hatte.). Die Auszahlung von Streikgeldern über Wochen hinweg könnte auch erklären.). INTERFOTO (O. ULLSTEIN BILD (U. der jetzt erzielt ist“. März 1917 – dem Internationalen Frauentag – schlossen sich in Petrograd Tausende Frauen an. fallen. Lenin nicht. Einige wollten daher warten. * Heiko Haumann (Hg. die EntenteMächte hatten kein Interesse daran. sich als taubstummer Schwede auszugeben und inkognito zu reisen. Für eine komplette Revolution veranschlagte er 20 Millionen Rubel (umgerechnet etwa 134 Millionen Euro) und ließ sich zunächst einmal von Feldjägern eine Million in bar nach Kopenhagen bringen. dass manche Punkte aus Helphands großem Plan Wirklichkeit wurden: Er hatte vorgeschlagen. Und unter dem andauernden Druck des Kriegs brach die russische Wirtschaft zusammen. Zudem hatte Helphand politische Streiks in den Putilow-Fabriken in Petrograd und Arbeitsniederlegungen in Nikolajew in Aussicht gestellt. mit Sabotagekommandos den Nachschub der Alliierten für Russland zu unterbinden. Er bat den Schweizer Sozialisten Fritz Platten. ausgerechnet Lenin nach Russland zu lassen. 12. lobte der Gesandte Brockdorff-Rantzau. Einem Steppenbrand gleich griff der Protest auf das ganze Reich über. sich zu kompromittieren. Böhlau Verlag. Die Ermittlungsbehörden glaubten. so der Historiker Heiko Haumann. Und tatsächlich: In beiden Orten gingen Arbeiter auf die Straße. Auf dem Land fehlte es an Bauern und Pferden. „der Durchbruch zur Revolution“*. das Geld der Deutschen sollte hier und anderswo in die Streikkasse fließen. und dem linken Petrograder Rat (= Sowjet) der Arbeiter und Soldatendeputierten. seine Generation werde vermutlich die Revolution nicht mehr erleben. Nun – nach dem Sturz des Zaren – saß er in der Schweiz fest. Die neuen Machthaber etablierten das liberalste Regime. Versammlungs-. am 8. die Helphand kassierte. Geheimakte. Auch hier vermuteten Beamte des Zaren deutsche Hintermänner.

Nur mit einer Raucherkarte durfte man im Kabuff qualmen. aber auf dem Zürcher Bahnhof ging es dann munter zu. den man nicht noch Haparanda FINNLAND militärisch sichern musste. Nach eiFrontnigen Tagen in Stockholm ging die DEUTSCHES verlauf Berlin Reise mit der Bahn über den REICH Ende Grenzort Haparanda nach Russ1917 land. die einen „schimpften wie die Rohrspatzen. AKG (R. Ein junger Russe tat sich besonders hervor und rief immer wieder „Provokateure. So konnte Lenin behaupten. Lumpen. Lenin übte sich derweil in der Planwirtschaft.“ Und Wilhelm II. Ein Kreidestrich auf dem Boden markierte die Trennung zwischen Lenins Heimkehr d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 DAVID KING COLLECTION (L. weil er Die Rückkehr den Deutschen fast ganz Osteuroaus dem Exil pa zusprach. Eigentlich sollte die Abfahrt ohne Aufsehen erfolgen. Jakob Fürstenberg – der GeDÄNEMARK schäftspartner Helphands und VerTrelleborg traute Lenins – nahm die Gruppe Sassnitz in Trelleborg in Empfang. darunter auch mehrere Mitglieder anderer linker Splittergruppen und Familienangehörige. den Revolutionären eine seiner Reden und anderes Propagandamaterial mitzugeben – „damit sie in ihrer Heimat aufklärend wirken“. Lenin wäre „wie ein Pest-Bazillus“ transportiert worden. Schon aus wohlerwogenem Eigeninteresse: Der Kriegseintritt der USA stand unmittelbar bevor. die Mittel der Propaganda gegen seine Besatzung anzuwenden. Hindenburgs Generalmajor Max Hoffmann schrieb später: „Ebenso wie ich Granaten gegen den feindlichen Schützengraben schieße. Dazu kam es nicht.Reisender Lenin (im April 1917 in Stockholm). Chef der Obersten Heeresleitung.und Neutrale Staaten Soldatenrat und Lenins Parteigen jedoch die Parteifreunde Lenins auf dem Bahnsteig die „Internationale“. weil er Ärger mit den Deutschen fürchtete.). dass die Westmächte ihrerseits mit Millionen jene politischen Parteien stärkten. Und zwar FÜRSTENTUM ein Frieden. wie ich Giftgas gegen ihn abblase. Zwei Tage dauerte die Reise bis zur Ostsee-Insel. um Milch für die Kinder entgegenzunehmen oder Zeitungen zu kaufen. Die Reisenden vertrieben sich die Langeweile mit dem Absingen französischer Revolutionslieder. In der Berliner Führung erhob niemand Einwände. Stattdessen wählPetrograd Stockholm te Berlin weiterhin den bequemen RUSSISCHES Weg: das Bündnis mit dem Feind REICH des Feindes. Doch das stimmt nicht. schnitt er Bezugskarten zu. sie brüllten. Etwa hundert Russen hatten sich versammelt. Bereits Fritz Fischer wies 1961 in seinem Klassiker „Griff nach der Weltmacht“ darauf hin. Da die Raucher unter den Reisenden immer wieder die Toilette blockierten. entgegen allen BefürchtunFrankfurt gen ließ die Provisorische ReÖSTERREICH-UNGARN gierung das zu.man wird euch alle aufhängen. • „für die Fahrenden löst Platten nach den normalen Tarifen die Fahrkarten“.) . oder . Helfer Platten (1919): „Recht der Exterritorialität“ • „dem Wagen wird das Recht der Exterritorialität zuerkannt“. Schweine“. dass die Deutschen einen Frieden auch mit der Provisorischen Regierung hätten schließen können. wo die Fähre nach Trelleborg. ihr Judenhetzer‘“.? Er erfuhr von der Reise aus der Presse und regte – wie stets egozentrisch und naiv – sogleich an. ein Frieden an der Ostfront GROSSwurde sofort gebraucht. Mit 31 Personen machte sich Lenin am Ende auf den Weg. die den Krieg fortsetzen wollten. und dazu war NORWEGEN sie nicht bereit. ablegte. habe ich als Feind das Recht. Es war bekannt. nicht Reichskanzler Bethmann Hollweg und auch nicht Paul von Hindenburg. Am Abend des Blöcke bei Kriegsbeginn: 16. Später hieß es. die Reisenden seien alle deutsche Spitzel und Provokateure. mit keinem Deutschen gesprochen und die Reise aus eigener Tasche finanziert zu haben. san44 den „exterritorialen“ Abteilen der Russen und denen der Deutschen. Als der Zug ausfuhr. der wohl berühmteste Zug der Weltgeschichte sei plombiert gewesen. April gegen 23 Uhr traf Lenin Mittelmächte in Petrograd ein. Für einen solchen russischSCHWEDEN finnische Frieden – ohne Annexionen – hätVerwaltungste die deutsche Führung allerdings grenze den Traum von der Weltmacht aufgeben müssen. Wohl waren drei Türen des Waggons plombiert. wie der deutsche Militärattaché beobachtete. der schwedischen Hafenstadt. dessen Zustimmung das Auswärtige Amt schon aus logistischen Gründen benötigte. was Winston Churchill spotten ließ. Zürich Russland und Verbündete SCHWEIZ Der Petrograder Arbeiter. was Platten schließlich untersagte. aber die vierte nutzten Platten und die beiden begleitenden deutschen Offiziere. Über Berlin führte der Weg dann nach Sassnitz auf Rügen.

dass die bolschewistische Bewegung ohne die 46 DAVID KING COLLECTION . Leiter der bolschewistischen Auslandsvertretung. Die Lebensmittelverhältnisse haben sich immer mehr verschlechtert. Anzeichen von Anarchie waren bereits unübersehbar. heißt es in einem Lagebericht vom 5. Helphands Geschäftsführer Fürstenberg zählte inzwischen zur zentralen Auslandsvertretung der Bolschewiki mit Sitz in Stockholm. so glaubte Lenin. Ein anderer dürfte über den Historiker und langjährigen Redakteur der „Frankfurter Zeitung“ Gustav Mayer gelaufen sein. Außenstaatssekretär Richard von Kühlmann notierte später. gleichzeitig brach die Industrieproduktion ein. übernahm Lenin eine Position. meist Bauern. und die Stadt steht vor dem Bankrott. was sie über die Lage in Petrograd erfahren hatten: „Die Geschäfte sind in sehr schlimmer Verfassung. War in Russland erst die Diktatur des Proletariats errichtet. und die Preise explodierten. die Regelung der Nationalitätproblematik. Sie ließen weitere Züge aus der Schweiz mit Hunderten Revolutionären passieren und kurbelten die Propaganda an. Sie allein rechtfertigt die These. Während der Reise hatte Lenin aus der Parteizeitung „Prawda“ erfahren. Das Reichsschatzamt hatte noch kurz vor Lenins Rückkehr weitere fünf Millionen Mark dem Auswärtigen Amt bewilligt. Mayer hatte über die Geschichte der Arbeiterbewegung geforscht und kannte auch Karl Radek. wie aus den deutschen Akten hervorgeht. Denn der Parteiführer begriff schneller als alle Rivalen. dass die Bolschewiki ohne deutsche Hilfe nicht im Herbst 1917 an die Macht gelangt wären. dass Kanzler Bethmann Hollweg und Generalfeldmarschall Hindenburg den Auflösungsprozess nach Kräften unterstützten. die Helphand einst Trotzki nahegebracht hatte. Die Berliner Regierung registrierte erfreut. wo die Lenin-Gruppe ans Ruder kommt und damit der Friede … da wäre“. Einen Monat später hatte er seine Partei auf Kurs gebracht. wenn man die * Truppen der Provisorischen Regierung schießen im Juli 1917 auf Bolschewiki. denn mit der Forderung. die Macht sofort „in die Hände des Proletariats“ zu legen. Nein zum Krieg. dass Lenins Forderungen nach Frieden und Landverteilung großen Zulauf fanden. aus Russland eingehenden Berichten zufolge sei „die Zeit nicht mehr fern. Einige d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 Tage später notierte der Gesandte in Stockholm. die Mittel seien „auf verschiedenen Kanälen“ den Bolschewiki zugegangen. die Ansammlungen vor den Läden werden immer größer. Musikkapellen. weil sie Russland noch nicht reif für den Sozialismus hielten. ein Spalier aus Arbeitern und Soldaten auf dem geschmückten Bahnsteig. Fortsetzung der Revolution. Aus deutscher Sicht erwies sich der Transfer Lenins als die wohl wichtigste Revolutionsmaßnahme. dass in der Heimat das Land aufgeteilt werde. würde die Weltrevolution folgen. Für Helphand muss der Richtungswechsel ein später Triumph gewesen sein. Radek ließ Mayer in Stockholm sogar an einer Sitzung der Genossen teilnehmen. großen Fragen hinausschob: die Bodenreform. dass die Petrograder Bolschewiki den Krieg fortsetzen und die Provisorische Regierung stützen wollten. Anfang Juli notierten deutsche Diplomaten in Stockholm.“ Die Brotration betrug 200 Gramm pro Tag. ihr Schicksal selbst in die Hand. dass sich die Auflösung der russischen Gesellschaft nicht stoppen ließ. nein zur Provisorischen Regierung. der im Auftrag des Auswärtigen Amts in der schwedischen Hauptstadt weilte. Ȣ „Lenins Propaganda erweist sich bei der großen Masse am wirkungsvollsten. In Depeschen des Auswärtigen Amts häuften sich Berichte über erschlagene Gutsbesitzer und grausige Fälle von Lynchjustiz. Juli 1917. „Lenins Propaganda ist von der Art. Das Netzwerk von Helphand war mit großer Wahrscheinlichkeit einer davon. Zermürbt vom Hunger und dem Grabenkrieg desertierten Hunderttausende. die Friedensfrage. Es verwundert nicht. welche sich bei der großen Masse am wirkungsvollsten erweist“.Titel Bürgerkrieg in Petrograd*: „Die Stadt steht vor dem Bankrott“ freunde bereiteten ihm einen großen Empfang: rote Fahnen. oft gelockt von der Nachricht.“ An der Front nahmen die Soldaten. Staatssekretär Kühlmann prahlte gegenüber Hindenburg und dem Kaiser. Noch in der gleichen Nacht verkündete Lenin einen neuen Kurs: Die Verteidigung des Vaterlands sei „kleinbürgerlich“ und ein „Betrug der Bourgeoisie an den Massen“.

nachdem militante Parteiaktivisten einen Staatsstreich versucht hatten. welche die großen Fragen angehen sollte. Heiko Buschke. Mit der Verhaftung der Minister der Provisorischen Regierung im Winterpalais in der folgenden Nacht endete die sogenannte Oktoberrevolution. Ende September drängte Lenin die zögernden Genossen zum bewaffneten Aufstand.“ Unabhängig davon warfen Helphands Unternehmungen 1917 in Russland mehrere Millionen Rubel ab. Klaus Wiegrefe. dass sich Lenin an der Macht hielt. erneut tief in die Taschen zu greifen.Prawda‘ … auszugestalten. er starb allerdings erst 1970 im amerikanischen Exil). Für die Deutschen hingegen schien sich das Bündnis mit Lenin gelohnt zu haben. In Leo Trotzki (den Rivale Stalin 1940 mit einem Eispickel erschlagen ließ) fand er einen talentierten Heerführer. In der Nacht zum 7. Da die Bolschewiki am wenigsten Verantwortung für das Chaos zu tragen schienen. Die Provisorische Regierung. Erst das deutsche Geld habe es den Bolschewiki „ermöglicht. morgens um zwei Uhr die strategisch wichtigen Punkte.Sowjetische Revolutionsfeier in Moskau (1978): Der wohl schrecklichste Abschnitt in der Geschichte des Landes „stetige weitgehende Unterstützung“ des Auswärtigen Amts „nie den Umfang annehmen und sich den Einfluss (hätte) erringen können. dass die Auflage der „Prawda“ im Frühling 1917 relativ konstant bei etwa 80 000 Exemplaren pro Tag lag – während der deutsche Außenstaatssekretär von 300 000 ausging. welcher Anteil an die Bolschewiki ging. dass sich in dieser Zeit große Ereignisse abwickeln dürften. die nach drei Tagen Ȣ „Die Bolschewiki haben alles bisher sehr schön und brav gemacht. wurde ihre Position in den Sowjets und unter den Soldaten immer stärker. die sich „Rat der Volkskommissare“ nannte. Auch wir Bolschewiki rüsten uns für sie. weil sich die Soldaten verweigerten. der inzwischen die Russlandpolitik maßgeblich bestimmte. um sie gegen die Provisorische Regierung zu mobilisieren. Führende Bolschewiki wurden verhaftet. die Gegenwehr war gering und die Machtfrage entschieden. Anfang Dezember 1917 verhandelten beide Seiten bereits über einen Waffenstillstand. setzte dieser sich durch – vielleicht sogar in Absprache mit den Deutschen. „ließ sich also viel erreichen. Lenin trat an die Spitze einer Regierung. dass Propaganda günstig war. Doch alles hing davon ab. Dutzende von Personen verhört. schrieb der Diplomat Kurt Riezler. umgerechnet etwa 2500 Mark (Stand 1915). November – nach russischem Kalender der 25. so die Moskauer Expertin Olga Iwanzowa. die . der erst 1991 nach unsäglichen Opfern endete. dass der Herbst nahe: „Wer Russland kennt. Zeitungen verboten. Sie schob die Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung. Wladimir Pyljow. alles in allem nicht mehr als 20 000 Mann. Georg Bönisch. sie habe gesehen. Aus den Unterlagen geht allerdings auch hervor. von denen bis heute nicht geklärt ist. Oktober – besetzten die Garnisonsregimenter und die Roten Garden. Ganz so war es dann doch nicht. Florian Altenhöner. um diese für eine Demonstration zu gewinnen. Dabei ging es auch um deutsche Gelder. „Die Bolschewiki sind großartige Kerle und haben alles bisher sehr schön und brav gemacht“. Um diese Zeit erhielten auch die Deutschen einen vagen Hinweis. Lenins Auslandschef Radek erklärte einem Verbindungsmann der Deutschen. Für Russland begann damit der wohl schrecklichste Abschnitt seiner Geschichte. die die Publizistin Heresch aufgetan hat. immer weiter hinaus. geführt von Alexander Kerenski (wie Lenin Rechtsanwalt. doch als die Soldaten der Garnison in der Hauptstadt auf Lenins Kurs einschwenkten. Und dafür waren die Minister Seiner Majestät bereit. Auf Druck des französischen Verbündeten versuchte sie sogar eine neue Offensive. Man habe den Leuten dann Plakate mit Aufschriften wie „Nieder mit der Provisorischen Regierung!“ in die Hände gedrückt. eine rege Agitation zu betreiben und die anfangs schmale Basis ihrer Partei zu verbreitern“. „Schon mit kleinen Subventionen“. Vielen Russen brauchte man allerdings kein Geld zu geben. setzte Lenin einen Teil des Geldes recht plump 48 ein. wie er später seinem Tagebuch anvertraute. Nach Petrograder Polizeiunterlagen. hatte Mitte Juli zum großen Schlag gegen die Bolschewiki ausgeholt. Eine Krankenschwester sagte vor Ermittlern aus. wie Bolschewiki Rubelmünzen an Passanten austeilten. Anika Zeller CORBIS . Denn diese reihte Fehlentscheidung an Fehlentscheidung. Sowohl aus der Menge des verbrauchten Papiers wie den Abrechnungen der Druckerei ergibt sich. der weiß. Einer der Berliner Revolutionsexperten brach jedenfalls eine Dienstreise ab „wegen der bevorstehenden Bolschewikirevolution“.“ d e r s p i e g e l 5 0 / 2 0 0 7 Die Parteispitze wollte weiterhin abwarten. den sie heute besitzt“.“ abgebrochen werden musste. So kostete beispielsweise der Druck von einer halben Million Flugblätter lediglich 1153 Rubel.

u. Brutal setzte er. gestürztes Lenin-Denkmal in Addis Abeba (1991). 4. Stalin und der Stalinismus (30/1999). SYGMA (re.X. d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 141 . 3. u.). ROGER-VIOLLET (re. Ärzte im Lenin-Mausoleum.) Lenin (März 1919). Lenin und die Oktoberrevolution (29/1999). Revolution in Petrograd (1917) Das Jahrhundert des Kommunismus Lenin und die Oktoberrevolution Als das Zarenreich zusammenbrach. putschte sich der Berufsrevolutionär Lenin an die Macht. o. Gorbatschow und das Ende des Kommunismus (32/1999) FOTOS: AKG (li. DAS JAHRHUNDERT DES KOMMUNISMUS: 1. die russische Auffassung von Marxismus durch – mit Konzentrationslagern und 140 000 Exekutionen.). GAMMA / STUDIO X (li. 2. noch vor Stalin.). Das Sowjetimperium (31/1999). o.

1916 Lenin verfaßt im Schweizer Exil seine Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“: Nur eine Revolution könne Rußland befreien Lenin. den Tyrannen des 20. etwa 200 Tote und 800 Verletzte 1917 Februarrevolution: Am Internationalen Frauentag protestieren Frauen und Arbeiter gegen die schlechte Versorgungslage.“ Wladimir Uljanow.“ Wer aus der Romanow-Dynastie sollte mit dem Tode büßen? „Natürlich die ganze Familie!“ zitierte Lenin einen Terroristen und fügte hinzu: „Das ist doch einfach genial!“ So geschah es am 17. Januar 1918 dem Julianischen Kalender.*) April: Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) wird in Simbirsk (heute Uljanowsk) an der Wolga geboren 1872 „Das Kapital“ von Karl Marx erscheint in russischer Sprache 1903 Zweiter Kongreß der Russischen Sozialdemokratischen Partei: Spaltung in reformistische „Menschewiki“ und radikale „Bolschewiki“ 1904/05 Russisch-japanischer Krieg. ein Muster für eine ganze Reihe jener Gestalten.“ Das Schicksal seines von ihm stets bewunderten Bruders ließ ihn Sentimentalitäten verdrängen. 1920 Der Weg zur Macht 1870 22. und einer Anna Großschopf. (10. „Dabei macht man sich natürlich die Hände schmutzig“. welche die Welt in Barbarei stürzten. deren Vater aus Lübeck kam. Rußland zu modernisieren. Man muß ihnen erbarmungslos auf den Kopf schlagen. 21. Mai 1887. Juli 1918. Folgte Lenin anfangs noch einem grandiosen politischen Plan – die Monarchie zu fällen. Er hörte gern dem Klavierspiel zu: „Ich kenne nichts. Wladimir. Die Exekution des Alexander Uljanow aber hinterließ welthistorische Spuren: Seinen vier Jahre jüngeren Bruder Wladimir. wurden sie verhaftet. D ders zu erfüllen – eine eigene Geheimorganisation zu gründen und mit ihr das Zaren-System zu stürzen. und Menschen. (9. Irgendein Verbrecher kann uns gerade deshalb nützlich sein. daß bis heute unter „Sozialismus“ gemeinhin nicht Marx’ eher sozialdemokratisches Programm verstanden wird. in dessen Verlauf 400 000 Russen fallen *Zeitangaben in Rußland folgten bis zum 31. traumatisierte das Ereignis derart. dankt ab. Zu den entfernten Verwandten der Mutter gehörten der Archäologe und Prinzenerzieher Ernst Curtius wie der WehrmachtsGeneralfeldmarschall Walter Model. Regierungstruppen schießen auf Demonstranten. und vier Genossen wurden mit ihm gehenkt. ihre millionenfachen Mordtaten durch ideologische Phrasen zu verschleiern. dem bösen. Sie hatten eine illegale Gruppe gebildet. Er war aufgewachsen in der liberalen Bildungswelt seines Vaters. 7. Zar Nikolai II. was größer wäre als die Appassionata. So gilt denn auch Lenin weithin als der gute Bolschewik. während sie in dieser widerwärtigen Hölle lebten. der gerade das Abitur ablegte. der sich seit 1901 aus Tarnungsgründen Lenin nannte. den Kopf zu streicheln. Als die jungen Leute dessen Fahrtroute zur St. die etwas so Schönes zu schaffen vermochten. starb am Galgen am 20. es könnte einem dabei die Hand abgebissen werden. Er verfiel völlig dem Götzen der Macht und opferte ihm ungerührt Millionen Menschenleben. drei Tage später schießen Armee und Polizei auf sie: Über tausend 1906 Zulassung von Demonstranten sterben allein in Petropolitischen Parteien: grad. obwohl es unser Ideal ist. Tochter des deutschstämmigen Juden Alexander Blank. „Die Partei ist kein Pensionat für höhere Töchter. freundliche Sachen zu sagen. umbringen wollte. März: Die Macht übernehmen ein Soldaten tragen die rote Fahne. verurteilte ein Gericht die anderen zum Tode. Jahrhunderts. gelang es mit ihrer Herrschaft über Staatsgewalt und Massenmedien. Seinen Nachahmern. So wurde er der erste Regierende dieses Jahrhunderts. verweigerte sich fortan den abendländischen ethischen Normen. der die eigene Gewaltausübung zum Staatsziel erhob. den Sozialismus zu schaffen und über den ganzen Erdball zu verbreiten –. 1917 erstes Parlament in RußPetrograder Rat (Sowjet) von Arbeiterverland (Duma) nimmt seine tretern und eine bürgerlich-liberale ProviArbeit auf sorische Regierung. nach der zaristischen Rangtabelle selbst Edelmann („Dworjanin“). November erklärt den Krieg. räumte er ein. In jenem Jahrzehnt wurden nur noch insgesamt zwölf weitere Russen von der Justiz des Zaren aus politischen Gründen hingerichtet. ein Rätekongreß wählt Lenin in d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 . Lenin trägt die Verantwortung dafür. 142 ROGER-VIOLLET 1905 22. Man darf nämlich niemandem den Kopf streicheln. gegen niemanden Gewalt anzuwenden. später unter dem Sozialdemokraten Alexander 1914 Rußland mobilisiert. Während Mitverschwörer Józef Pilsudski – später Diktator und Marschall von Polen – mit fünf Jahren Verbannung davonkam. Petersburg. dann dem Gregorianischen. eines in den erblichen Adelsstand erhobenen Pädagogen kalmückischer Herkunft. ich würde sie mir gern jeden Tag anhören …“ Doch sofort korrigierte er sich: „Sie geht einem auf die Nerven und verleitet einen dazu. und seiner Mutter. im Vergleich zu seinem Nachfolger Stalin. Jahrhunderts er Biologie-Student Alexander Uljanow. dumme. nahm sich vor. sondern eine terroristische Diktatur. Umbenennung der Hauptstadt (25. die den Zaren Alexander III. so entfernte er sich später Schritt um Schritt von diesen Zielen. weil er ein Verbrecher ist. zunächst unter Fürst Lwow. Deutschland Kerenski. Oktober): Trotzki organisiert die fast unblutige St.Das Jahrhundert des Kommunismus: Lenin und die Oktoberrevolution „Auf der Stelle erschießen“ Staatsgründer Wladimir Iljitsch Lenin / Von Fritjof Meyer daß er sich von den ihm anerzogenen Wertvorstellungen zu lösen begann. Petersburg in Petrograd Oktoberrevolution. das Vermächtnis seines gehenkten Bru- Spiegel des 20. Petersburger Kathedrale erkundeten.) Januar: Blutsonntag in St. die ihm sein Elternhaus vermittelt hatte: „Wir glauben nicht an eine ewige Moral und entlarven alle Märchen über die Moral als Betrug.

Finnland. Dieser unscheinbare Mann mit den listigen Augen und schwacher Stimme machte nichts von sich her. der Staat reißt die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche an sich und stellt den Patriarchen Tichon unter Hausarrest. Hinter Lenin standen zuvor Stalin. der im unterentwickelten Rußland die soziale Basis fehlte. mit seinem Tod kam sie frei). anheim. Ukraine. dem angeblichen Philosophen auf dem Thron. die keinen Aufschub dulden“ 1920 Strenge Zensur. den hochgebildeten und persönlich der darauffolgenden Nacht zum provisorischen Regierungschef. in Rußland leide die Arbeiterklasse weniger unter dem Kapitalismus als unter dessen „mangelhafter Entwicklung“. die Ukraine und Teile des Kaukasus. Scharfsinnig und scharfzüngig war er und unerhört belesen. März: Moskau wird neue Hauptstadt. Nach dem Urteil des Kampfgenossen Molotow war Lenin sogar „härter“ als Stalin (der Molotows Frau in den Gulag steckte. Matrosenaufstand in Kronstadt wird niedergeschlagen. Stalin tritt US-Lebensmittelhilfe. eine Gesellschaftsordnung konnte erst untergehen. Lenin aber brach zum erwird erster KP-Generalsekretär. gar Ultrarechte wie Arthur Moeller van den Bruck und Josef Goebbels bis hin zu Rudi Dutschke und Michail Gorbatschow zeigten sich von Lenin. Er trank nicht. Januar stirbt Lenin. mit 18 hatte er sich auf Wunsch der Mutter das Rauchen abgewöhnt. freiesten und schnellsten Entwicklung des Kapitalismus interessiert“. Er heiratete dort auch und schrieb an einer Studie über Rußlands Rückständigkeit. Dezember: Felix Dserschinski gründet die Geheimpolizei Tscheka. 90 Prozent des in Rußland hergestellten Papiers gehen an den Staat. Polen. Juli: Bauern werden gezwungen. Belorußland und Transkaukasien 1923 Verfassung der Sowjetunion. ein „Politbüro“ wird so bescheidenen Revolutionär. Schachspiel und Skilaufen gab er für die Politik auf. In der deutschen und schweizerischen Emigration lernte Lenin von 1900 bis 1917 den Vormarsch der Sozialdemokratie kennen. Als mentales Gegengewicht zu den Zwangsmitteln schuf Stalin den Kult um Lenin. Gründung der UdSSR aus den Republiken Rußland. Frühjahr (bis November 1920): Bürgerkrieg: Die Rote Armee kämpft gegen antikommunistische „Weißgardisten“ und Bauernverbände. der alle Länder. Bald wegen Teilnahme an einer Protestkundgebung relegiert und für Monate verhaftet.Propagandabild „Lenin proklamiert die Sowjetmacht“*: Dem Götzen der Macht verfallen Dabei nahm sich Stalin bei seinen Verbrechen bis ins Detail seinen Lehrer zum Muster. wenn sie Sowjetrepubliken werden. Hungerkatastrophe: USRegierung schickt Medizin und Nahrungsmittel. Dank Fürsprache seines Schuldirektors Kerenski wurde er zum Studium zugelassen und machte sich an der Universität mit den Theorien von Marx und Engels bekannt. ohne Bezahlung Lebensmittel herauszugeben. 1921 nach Machtkampf mit Trotzki die Nachfolge an. wohin er sich von zu Hause Jagdgewehre und Glacéhandschuhe schicken ließ. beitreten können 1924 Am 21. der sich für die arbeitende Klasse aufrieb und eine bessere Gesellschaft anvisierte. Noch 1905 befand er auf gut marxistisch. legte er dennoch im Fernstudium sein juristisches Examen ab. Die SPD finanzierte ihm seine nach Rußland zu schmuggelnden Dissidentenblätter. durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit den Mittelmächten scheidet Rußland aus dem Ersten Weltkrieg aus und verzichtet auf das Baltikum. sie sei deshalb an der „breitesten. sich weiterzuentwickeln. im Westenanzug mit Schirmmütze sah er einem Katasterbeamten ähnlicher als einem Weltenwandler. Nach Marx erfüllte die Bourgeoisie nämlich eine progressive Rolle. Aufbau der Roten Armee. wenn sie ihre Volkswirtschaft nur noch behinderte. Millionen einfacher Menschen und viele Intellektuelle fielen dieser Täuschung * Von Wladimir Serow. 1947. Petrograd erhält den Namen Leningrad S YG M A als Führungsgremium der Kommunistischen Partei zuständig für „Fragen. Georg Lukács und Ernst Bloch. Lenin richtet Strom-Kommission ein: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ 1921 Gründung der staatlichen Planwirtschaftsbehörde Gosplan. und er übte eine außergewöhnliche Selbstzucht. die der Staat kostenlos an Städter und Rotarmisten verteilt 1919 Gründung der Kommunistischen Internationalen (Komintern) in Moskau. Vorläufer des KGB 1918 Januar: Russische Sowjetrepublik konstituiert. Henri Barbusse und Lion Feuchtwanger. Unter komfortablen Bedingungen überstand er drei Jahre Verbannung in Sibirien. Dserschinski und Swerdlow. die deutsche Malerin Käthe Kollwitz wirbt: „Rettet die Kinder“ 1922 Rapallo-Vertrag zwischen Sowjet-Rußland und Deutschland soll beide Staaten aus der außenpolitischen Isolierung lösen. fasziniert. auf Verlangen von Nikita Chruschtschow 1962 umgestaltet. Josef Stalin DAVID KING COLLECTION d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 143 .

Von Ludendorff. Lenin entwickelte Talent für außergewöhnliche Methoden der Geldbeschaffung. auch als der Zar schon gestürzt war und noch bis drei Monate vor der deutschen Novemberrevolution 1918. nicht überspringen konnte. ja Schritte zum Sozialismus!“ Seine Nachfolger behaupte- „Im Leben Lenins verbindet sich Treue zu einem ungeheuren Werke notwendigerweise mit Unerbittlichkeit gegen alle. welche die russische Volkswirtschaft für ein halbes Jahrhundert fesselte und schließlich an den Abgrund führte. Für Rußland bedeute es aber „unweigerlich einen Schritt.und Munitions-Beschaffungsamt („Wumba“) der deutschen Kriegswirtschaft zum Muster: „Macht. auf den Kopf. am meisten imponierte ihm die deutsche Bürokratie. daß sein Entwicklungsland die notwendige Gesellschaftsepoche. General Ludendorff ließ ihn deshalb samt 31 Genossen aus der Schweiz in einem Zug durch Deutschland über Schweden nach Rußland transportieren. „Weder Sie noch ich könnten eine reiche Kaufmannstochter des Geldes wegen heiraten“. In Deutschland sei das ein „staatsmonopolistischer Kriegskapitalismus“. Lenin werde. eine Fortsetzung der schönen Parole: „Lernt von den Deutschen. der Kontrolle verkörpert. der strengsten Rechnungsführung. „Jawohl. und der war auch noch ein Polizeispitzel. 1924 144 d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 SYGMA . obwohl sie innerhalb der russischen Sozialdemokratie in der Minderheit waren). In der Führung seiner kleinen. Bolschewiki im Panzerwagen 1917 vor dem Petrograder Lenin war nun einmal germanophil. an das die Bolschewiki herankamen.“ Unter den mehr als 6700 Lenin-Dokumenten. Deutschlands faktischem Diktator der letzten Kriegsjahre. Er arbeitet völlig nach Wunsch. Lebensjahr. um in den Sozialismus zu gelangen. Von dort funkte ein deutscher Agent: „Lenin: Eintritt nach Rußland geglückt. insgesamt 82 Millionen Goldmark. in seine Programmschrift „Was tun?“ Damit stellte er Marx’ zentrale These. verstrickt in einen nicht gewinnbaren Zweifrontenkrieg. die ganze Volkswirtschaft nach dem Vorbild der Post zu organisieren. ein „Militärzuchthaus für Arbeiter“. „Welch eine Niedertracht gegenüber dem Mädchen“. beschwerte sich ein Genosse. erwiderte Lenin. eine Erbin zu heiraten. findet sich auch. Die Lehre des Sozialismus stamme nun einmal von „gebildeten Vertretern der bürgerlichen Klassen“. wo er anfangs unter dem Decknamen „Meyer“ lebte. für den Rest stellten sie ihr Parteimitglied Wiktor Taratuta ab. argumentierte Lenin – er selbst brauchte sich seinen Lebensunterhalt nie selbst zu verdienen.“ Heinrich Mann. einen Separatfrieden schließen. wenn er an der Macht sei. dem kaiserlichen Deutschland.Das Jahrhundert des Kommunismus: Lenin und die Oktoberrevolution stenmal mit der reinen Lehre: Anstelle der von Marx proklamierten Selbstbefreiung der Arbeiter sollten Intellektuelle als berufsmäßige Agenten unmündige Proletarier auf den rechten Weg bringen: „Das politische Klassenbewußtsein kann in den Arbeiter nur von außen hineingetragen werden.“ Als zentrales Planungsorgan nahm er sich das Waffen. was die Wumba macht!“ Die Partei machte daraus die Lenkungsbehörde Gosplan. er ist ein nützliches Mitglied der Partei.“ Das Resultat sollte zu einem OrwellStaat gerinnen: „Die ganze Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik mit gleicher Arbeit und gleichem Lohn sein … Alle Bürger werden Angestellte und Arbeiter eines das ganze Volk umfassenden Staats‚Syndikats‘. übernahm Lenin die allgemeine Arbeitspflicht. be- eindruckt von der Zuverlässigkeit der Deutschen Reichspost: „Unser nächstes Ziel ist es. „Wiktor hat es getan. das bedeutet. Die deutsche Heeresleitung. die Mutter hatte ihr Landgut verkauft und unterhielt ihn bis zu seinem 46. Jahrhunderts Zar Nikolaus II. fand sich denn auch nur ein Arbeiter.“ Er selbst nahm Geld vom Feind seines eigenen Landes. Der Moskauer Möbelfabrikant Nikolai Schmitt vermachte einen Teil seines Vermögens der Arbeiterbewegung. des harmonischen Zusammenwirkens auf dem Boden der modernsten Maschinenindustrie. den Kapitalismus. in einem Brief an den Führungsgenossen Kamenew. Also folgerte er. wußte er. ihr verlausten russischen kommunistischen Faulenzer!“ Er hatte durchaus begriffen. setzte darauf. lerne beim Deutschen!“ gab er als Parole aus. die es stören wollten. und Familie (1901).“ So schrieb er es in München. daß jetzt gerade der Deutsche neben dem bestialischen Imperialismus das Prinzip der Organisation. das gesellschaftliche Sein bestimme das Bewußtsein. Damit baute er aus der Ferne seine Parteiorganisation in Rußland auf und nach seiner Heimkehr einen mächtigen Propaganda-Apparat – die deutsche Reichsregierung finanzierte die „Prawda“ ebenso wie die paramilitärischen „Roten Garden“. „Es ist so gekommen. konspirativen Parteifraktion. die von seiner Partei über Jahrzehnte versteckt gehalten und erst nach ihrem Ende 1991 bekannt wurden.“ Spiegel des 20. der „Bolschewiki“ („Mehrheitler“. der Kapitalismus müsse von seiner eigenen Intellektuellenpartei organisiert werden. Anstelle der Ideen Marx’ von einer Arbeiterselbstverwaltung proklamierte er.

Die allgemeine Gleichheit galt nicht für alle. „Ein steiler Aufstieg aus dem Keller an die Macht“. mit Perücke und ohne Bart. Zulässtreich. auf Bezugschein. den Bauern den Boden. Von der Administration eines großen Landes hatten Lenins Intellektuelle keine Ahnung. Nach einem mißratenen artige Eingriffe in die geAufstandsversuch im Juli wöhnliche historische Ab1917 von der Regierung Kefolge unzulässig oder unrenski als „deutscher Spion“ möglich sind?“ verdächtigt. Die Regierung des Sozialdemokraten nur noch der zweite Akt: seine Partei und Alexander Kerenski. und verteilten das Getreide gratis. so wie wie er ihn verstand.die überfälligen Bodenreformen aufschiekündete den Übergang zum Sozialismus – ben. auch das Saatgut. zum Mißfallen ihrer Solkehrt war.tionalen Minderheiten die Selbstbestimraschte. trommelte er sofort für den datenräte. Zugleich erhob der Zyniker aber den Marxismus zum Dogma.sen Rüstungsfabriken. aber voluminöBüchern steht denn geschrieben. Freimütig proklamierte er den „Staatskapitalismus“. derweil sich die Bauern schon selbst des Gutsherrenlandes bemächtigten. und nach Finnland und drängte zwar eine Diktatur. der Höheren Mädchenschule Smolny. Das war die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“. allen naterrevolution. „mir dreht sich der Kopf. der für den Allrussischen Rätekongreß am nächsten Tag vollendete Verhältnisse schuf. daß der. bar auf der Gewalt basierenOktober 1917 den Staatsde Macht“. Alexander Uljanow d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 machte. der ausgerechnet Staat. eingefunden. das vollbracht worden. der „nicht den Verstand verloren und sich nicht den Kopf vollgestopft hat mit Bruchstücken von Bücherwahrheiten“. unterband jegliche regimekritische Demonstration. Geld und abhängige Arbeit – die er selbst nie kennengelernt hatte – abschaffen wollte. versprach er den Arbeitern die gar schon der Sozialismus. desto besser“ Um dennoch das Volk hinter sich zu ten später. Die Versorgung brach zusammen.Was hieß per Post auf einen Putsch – das? „Nichts anderes als die ein von Marx und Engels durch nichts eingedämmte. die Lenin im Exil völlig über. Er führte Todesstrafe und Pressezensur wieder ein.“ Die folgenden allgemeinen Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung aber brachten den Kommunisten weniger als ein Viertel der Stimmen. sagte er. Seine Zeitgenossen. Davon blieb der „Kriegskommunismus“: Rotarmisten beschlagnahmten die gesamte Ernte der Bauern. den meisten Einwohnern von Petrograd entging der Machtwechsel. Das müsse jeder begreifen. indem er die Fabriken und den gesamten Grund und Boden verstaatlichte. durch sie wurde Lenin über Nacht Regierungschef. Als Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten unter Protest den Saal verließen.Fabriken. Nun blieb ihm chen aber brach er. 89 Prozent der 145 SÜDD. verdammtes Mittel der weder durch Gesetze noch Machteroberung. Das Land durften Kleinbauern noch bewirtschaften. unmittelTrotzki organisierte am 25. Lenin hatte sich. Sohn von Lenins damit sich selbst in den Kreml zu setzen. Januar 1918 auseinanderjagen. flüchtete Lenin Er wollte die Macht.“ Den besonders populären und entschlossenen Anarchisten gegenüber trat er gar als einer auf. würden dieses Paradies noch erleben. Und er fragte rhetorisch: „In welchen die Arbeiter der wenigen. und den Bauern ihren neuen Besitz wieder ab. Einen Tag später schickte Berlin eine Prämie von 15 Millionen Mark. Im Februar 1917 war durch eine Arbei. weil die Petrograder die „diktatorische Macht einGarnison bereitwillig mitzelner Personen“. Gefängnisse. alle übrigen Versprerale Regierung etabliert. erklärte er. Er nahm in den folgenden Monaten den Arbeitern. Den stürzt und eine provisorische sozial-libe. April 1917 nach Petrograd zurückge. so griffen sie auf die Kader der Zaren-Bürokratie zurück. womit er Marx’ Theorie meinte. durch allgemeingültige ReLenins Mitarbeiter Leo geln beschränkte. an die Städter.schloß er denn auch. er kostete nur sechs sig sei im Sozialismus auch Tote. was er sich mung und – statt eines Sieges über die selbst vorgenommen hatte: der Zar ge. Die junge Demokratie mußte Sturz der Revolutionsregierung und ver. VERLAG .Deutschen – den sofortigen Frieden.Smolny-Institut: „Je mehr Reaktionäre wir hinrichten können. doch Lenin richtete sogleich 5000 Staatsgüter und 6000 Kolchosen ein. der Staatsmonopolismus sei sobringen. verkündete Lenin. Dort zeigte sich am Abend Lenin auch erstmals öffentlich. die ihre Betriebe besetzt hatten. erst am Tag zuvor in der Aufstandszentrale. Als Lenin per Bahn – bis Sassnitz unter Schuldirektor. Lenin ließ das erste wirklich frei gewählte Parlament Rußlands schon auf seiner Gründungssitzung am 18. setzte – an der Seite der Aufsicht eines deutschen Rittmeisters – am Westalliierten – den Weltkrieg gegen 16.Deutschland fort. um sich – mit durchschlagendem Erfolg – für seine linke Anhängerschaft zu kostümieren: „Die Beschäftigung mit allen anderen Theorien führt zur Verwirrung und Lüge. so Lenin. war die Minderheit der Bolschewiki zur stärksten Fraktion geworden. Stalin blieb überhaupt verschwunden.

Trotzki bei einer Parade in Moskau (1919) der Arbeiter mobilisiert werden. warb für die freie Liebe.besten nachts vorzunehmen. mit dem Lenin und seine Kumpanen das Land in den Griff zu bekommen sowie den Zusammenbruch der Versorgung zu verhindern suchten. 41 Prozent des … dann hat er sich bereits in einen Aus. also keine standRaupenketten kutschieren. von Astrachan zu erschießen. euch dafür an die π „Meiner Meinung nach muß man den Einsatz von Erschießungen (als Ersatz de die als Heiligtum bewahrte Zimmer. und Lenin entschied.Wand zu stellen.Verhaftungen am die Gefangenen wechselten. Sonderzuteilungen.sondere Trennwände. die meisten 2. die Revolutionärin Alexandra Kollontai.“ Schriftsteller Maxim Gorki aufzubegehren – bis seine Zeitschrift „Nowaja schisn“ im Juli 1918 verboten wurde und schließlich auch Gorki sich unterwarf und mit Stalin kollaborierte.“ tel „National“. dann in der Zarenburg. im vollendeten Kommunismus würden die Menschen schöner. Anfangs wohnte er im Moskauer Ho. werden auf der Stelle und „Lenin und seine Mitstreiter sind zu je.schaftet hat. Parteimithöheren Offizierskorps der neuen „Roten beuter verwandelt“. wagte der dischen Kleinbürger. Er riet. die ein sen nicht nachstehen. „daß alle beamteten gangs schuldig machen. in einen „Kulaken“. werfaulen Gift der Macht infiziert“. Blitzdurchsuchungen. die sich vor der Arbeit muß diesem Pack eine derartige Lehre Ausland. plus halt beziehen“ würden. auch Büchsen. Trotzki sagte voraus. Arbeiter. entscheidende revolutionäEinige wörtliche Befehle Lenins: re Neuerung angekündigt π „Einen von zehn.π „Bürger. Gemeint waren die Schriftsetzer und winters in einem Spezial-Citroën mit von Petrograd.“ schnittlichen Arbeiterlohn π „Können nicht weitere 20 000 Petrogranicht übersteigendes GeLenin.der Bolschewiki streikten.handelt die Juden in der Ukraine mit eiserner Faust“. Andere Geistesgrößen beugten sich schon früh dem revolutionären Willen Lenins und seinen Visionen von einer schönen neuen Welt: Chagall und Kandinsky machten kunstvolle Propaganda. die sich des Müßighatte. eheund hochgestellte Kommunisten die Villen befand Lenin. Lenin wandte sich gegen Sozialdemowird nichts dabei herauskommen. um die korrupten Beamten und Spekulanten angesichts des zerrütteten Verkehrssystems den Reichen und so weiter und so fort“.Umkleidekabinen. und auf dem stärken. von den kauer Luxushotels. obwohl er als Sieg. abgeschafft hatten. Schnürbänder und andere Mangel. erteilen. das weder er Systeme zur doppelten und dreifachen Sofängnisdirektoren blieben im Amt. vier Jahre nach dem lung“ locken.schen Erde von allem Ungeziefer.mungslosen Elemente der arbeitenden gung.“ Ihnen solle man antdem Kreml – erst unter Boris Jelzin wur. sind zu erder verjagten oder erschossenen Kaufleute schießen und abzutransportieren. fortüberprüfung“. Unterernährte Waisenkinder in Samara (1920): „Die Hungersnot dient dem Fortschritt“ AP Spiegel des 20.nossen auf und schrieb danach an den ohne Gerichtsverhandlung erschossen … dem Verbrechen fähig. zu weit gegangen. Jahrhunderts 146 d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 SYGMA . den Gaunern. auf der Stelle Personen ein den durcherschießen. die sich weigern. erregte sich Lenin: „So Lenin mußte die übergeein Unsinn.worten: „Gestattet uns. glieder hätten alles Auffällige der Staatssicherheit zu melden.Das Jahrhundert des Kommunismus: Lenin und die Oktoberrevolution Auf einem Kongreß der Parteijugend am Er kümmerte sich um Details: Zur BeFührungsbeamten im Finanzministerium behielten ihren Schreibtisch. Sogar „gegen die schwankenden und hempaar hundert erschießen?“ Kommunisten bräuchten Sonderverpfle. Menschen selbst“ sei Gewalt anzuwenden. missariat für Staatskontrolle. trug er den ukrainischen Ge. derweil noch sein Vieh zum Überleben benötigen. die Banditen verstecken. „Befür die Verbannungen ins Ausland) verflucht Lenins aufgelöst –. Oktober 1920 erläuterte Lenin: „Wenn schattung Verdächtiger empfahl er „beKollegen vom Kaiserlichen Ministerium für ein Bauer sich den Getreideüberschuß an.kraten. dazu Leibärzte und Flöhen. die bis zum Januar 1918 und π „Solange wir nicht mit Terror gegen Spekulanten vorgehen. zu nennen. von den Wanzen – π „Bieten Sie sämtliche Kräfte auf. π „Hunderte von Prostituierten. welche die Soldaten betrunken machen. Wie kann man denn eine laufenen Fachleute mit eiRevolution ohne Erschießungen durchner „sehr hohen Bezahführen?“ Allein 1921.“ Er selbst ließ sich in einem Rolls-Royce drücken“.wieder im April 1919 gegen die Diktatur rechtlichen Erschießungen durchführen. den er auf seinem Land erwirt. „Ein für allemal reich und mächtig werden“ 10 000 Bourgeois.und BauernarAls gleich nach dem Oktoberputsch die mee“ hatten schon dem Genossen die Todesstrafe für Deserteure Zaren gedient. sie sind bereits vom Rand: „Formuliert es freundlicher: die jüFamilien.eignet. Holzverschläge oder Staatskontrolle saßen nun im Volkskom. ihren Namen danten. mit hinter ihnen aufDa wollten die Parteigenosgestellten Maschinengewehren. Man auch noch Sonderzüge für Kuren im auch von „bürgerlichen Intellektuellen“ und „Arbeitern. also Getreide. größer und gesünder sein.“ und Adligen oder die Suiten der Mos. die da sagten: „Die Revolution ist π „Mit Räubern muß man ebenso verfahren und sie auf der Stelle erschießen. Sein Programm: „Säuberung der russimalige Offiziere und dergl.“ waren vom Geldboten aus Berlin mitbringen. Selbst die Ge.“ Landschloß des früheren Stadtkomman.“ Bei Bedarf war er auch Antisemit. fleisch. die Lenin beim Geldtransfer aus Deutschland geholfen hatte. Gorkis Empörung richtete sich vor allem anderen gegen den Terror. Sonderläden. wurden 4337 Rotarmisten exekutiert.

der die Selbstherrschaft hatte stürzen wollen. Welch ein stieß. Und das auf Dut. Für bedenke nur die gewaltigen Reichtümer einem am Strick erstickenden Bruder Alex. Dieser sich mindestens 140 000 Exekutierte und noch unsere Wirtschaft aufbauen. desto mehr wird die Idee des die Lebensmittelrationierung 1920 – unter und zu ebendiesem Zweck das SelbstbeSozialismus entstellt. können oder bist du dagegen?‘ und müssen wir die BeWenn er dagegen ist. jeden Wiarbeiten.und von Hilfsaktionen abgeraten haben: Silber und 35 670 Diamanten binnen weni„Die Hungersnot dient dem Fortschritt.aber wird gerettet. war ein neuer Zar geworden. den verhaftet und vererteilte Lenin seinem Altbannt.“ Über länger er lebt. Schon als 1892 an Bourgeoisie wir dabei hinrichten können“.“ Da Lenin bei Gläubigen auf Widerstand Lenin erfand für Rußland auch jene Geißel. 377 000 Kilo Solowezki. weil sie ren hundert Millionen den Mut haben. Die Interessen des Sozialismus geboten In den folgenden 18 Monaten meldete die Eroberung von Kasan. Ohne diesen ander bei Lenin Sado-Phantasien weckte.“ wurde. schließlich im riesigen Archi.“ Ehefrau Nadeschda Warum? „Komme. Dieser Ende des HerrschaftsBefehl ist erbarmungssystems geheimgehalten los auszuführen. mit der rohesten und erso werden wir ihn willbarmungslosesten Enerkommen heißen und ihn gie durchsetzen. tionslager außerhalb der Stadt einsperren. das Land erklärte als Machtinhaber: „Kein einziger Marxist kann bestreiten.was Lenin unter Weltrevolution verstand.wendete er Preziosen im Wert von 19 Milschoß die Sozialrevolutionärin Fanni Ka. soll sich der junge Lenin – fünf Jahre und Kirchen. Patriarch Tichon Die Erschießungshatte Ikonenschmuck und obsession hatte Lenin andere kirchliche Wertsaschon. ehe er erwarten chen.die aktive Regierungszeit Lenins vom De. daß die Vorstellung von sei. „Gerade jetzt und nur hatte er in der Emigrajetzt. sie in die Tat umZwecken dienten. Ist er dafür. schlagnahme der kirchliwerden wir ihn an die chen Wertgegenstände Wand stellen. Aus Lenin. telegraphierte er 1918 zur des Bruders Alexander.hatte er bekundet. der vor seinem Machtantritt Verräter“.“ Sie wurde ohne Ge. Drei Wochen nach der KZ-Verfügung Das Gerede über die Sättigung der Hun. die Strecke ließ sich Lenin täglich rapportieren: „Je mehr Verror anwenden“. die nicht rituellen konnte. daß die Interessen richtsurteil im Kreml erschossen. ohne auffordern.“ derstand zu zermalmen. Der älteste Argenossen Molotow zur Inbeiter der Familie ist formation des Politbüros ohne Verfahren sofort eine Weisung.Multiplikator der Opferzahl des Zaren – chen zerstört sowie 14 000 Priester und ten: „Man muß schonungslos Massenter. dann auf der Sklaveninsel nach Alexanders Tod – ungerührt gezeigt seinen Zweck: 540 Kilo Gold. wenn nicht stellst du dich zur RevoTausende Leichen die lution? Bist du dafür.* Vor dem Simonow-Kloster 1925. ger Monate.Tausende verhungerten. Auf die Frage. die Re. zember 1917 bis zum Februar 1922 lassen Fonds können wir weder unseren Staat die sich zum Blutrausch steigerten.“ Als Anfang 1922 über 25 Millionen Men. „verdächtige Personen in ein Konzentra. Jahrhunderts Aufständen Getötete zählen. Lenin telegradie Geheimpolizei Tscheka 8389 Er. was nach einem Sieg mit Das brachte Lenin auf den Beamten des alten seine Idee: Regimes geschehen solle. Hungerhilfe freigegeben.Hungerkatastrophe aus. wir können auf genüber Lenin: „Ja.lionen Goldrubel zur Förderung dessen. zende von Jahren.gernden ist nur ein Ausdruck der saccha. für die zusetzen. d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 147 .eine orgiastische Vergeltung für den Tod Mönche erschossen. zu ihrer Rotarmisten mit Plündergut in Moskau*: Kirchenschatz für die Revolution Goldrubeln sichern (man Überzeugung zu stehen. da in den Hungertion keinen Augenblick gebieten Leute Mengezögert: „Wir werden schenfleisch essen und den Mann fragen: ‚Wie Hunderte.“ Der Sowjetstaat requirierte genug für So geschah es. was Krupskaja grummelte gewolle. Straßen säumen. die für unsere In. „je telligenzija so charakteristisch ist. die bis zum zu erschießen. sagte sie unter der Folter.“ Mag sein. mit uns zu aufzuhören. und die entschlossenste und ihr werdet selbstverständschnellste Weise für uns lich die wertvolleren Meneinen Fonds von mehreschen erschießen.“ ten Terror“ . plan auf Lenin: „Ich halte ihn für einen rinsüßen Sentimentalität. Der Mann. Über das Land breitete sich derweil eine treter der reaktionären Geistlichkeit und Niederschlagung eines Bauernaufstands.des Sozialismus höher stehen als die Ingierung dekretierte den massenhaften „roschen nichts zu essen hatten und jeden Tag teressen des Selbstbestimmungsrechts. Allein im Hungerjahr 1922 verpel Gulag.noch Tausende zugrunde gehen.schießungen und 87 000 Verhaftungen. wurden fast 70 000 der 80 000 Kirzur Korrektur ihrer Untertanen bevorzug.seiner Regierung – schrieb er: „Mögen stimmungsrecht der Völker erfunden hatte.“ der Wolga 14 Millionen Menschen darb.niger Klöster und Pfarreien). ebenso viele bei der Unterdrückung von welche die Tyrannen des 20. erst in entweihten Klöstern ten. „desto besser.

„vielleicht sogar Tschechiens und Rumäniens“. verhafteten oder vertriebenen Sozialdemokraten: freier Markt für Gewerbe. From the Secret Archive“. es sei „unsere Aufgabe. sondern muß sie erbarmungslos vernichten. Brillanten. armselig und ohnmächtig zu sein. Kleinhandel und Landwirtschaft bei Staatseigentum an den Großbetrieben. Im Bürgerkrieg mit den Armeen der Antikommunisten 1918 bis 1920 (bis zu zehn Millionen Tote) holte er mit Hilfe der Roten Armee die von ihm selbst zur Unabhängigkeit ermunterten nichtrussischen Völkerschaften im Kaukasus und in Mittelasien sowie die Ukraine zurück. „um Baku im Fall einer Invasion vollständig niederzubrennen“.Das Jahrhundert des Kommunismus: Lenin und die Oktoberrevolution phierte seinem Heerführer Trotzki: „Meiner Meinung nach darf man die Städte nicht verschonen und weiter zögern.“ Er befahl auch. geheimgehalten werden. Jahrhunderts Lenin kurz vor seinem Tod*: Auf dem Land Champignons und Kaninchen züchten ter. der sie respektierte.“ heimer Dokumente. Frankfurt am Main 1972. Richard Pipes (Hrsg. Die Dokumente mit diesen Lenin-Ambitionen aus dem Zentralen Parteiarchiv in Moskau sollten. so empfahl dessen Direktor Georgij Smirnow noch 1990 dem Politbüro. Seine Emissäre reisten mit Koffern voller Gold. 608 Seiten – Biographie unter Berücksichtigung der erst vor kurzem geöffneten russischen Archive. die die Welt erschütterten“.und Bauernarmee“ erstickte die Revolte mit äußerster Brutalität. 1920 führte er sogar Krieg gegen Polen und dachte an der Grenze zu Deutschland nicht haltzumachen: „Durch den Angriff auf Warschau tragen wir zur Sowjetisierung Litauens und Polens sowie zur Revolutionierung Deutschlands bei. Göttingen 1985. Allerorts rebellierten die betrogenen Bauern. Lenin versuchte es auch im Baltikum mit Gewalt. Adam Ulam: „The Bolsheviks. 204 Seiten – Auswahl bisher ged e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 148 SIPA PRESS . alle Vorbereitungen zu treffen. Hannover 1961. erhoben sich wieder die Matrosen von Kronstadt. und trat den Rückzug zu einer „Neuen Wirtschaftspolitik“ (NEP) an. New Haven und London 1996. Die Weimarer Republik vollzog als erster großer Staat in Rapallo die diplo* Mit Schwester Marija in Gorki 1923. Historische Probleme und Perspektiven“. Harvard University Press. In jenem Jahr hatte er den Aufstand im eigenen Land. Düsseldorf 1996. Econ Verlag. damit sie aufhöre. Unterwanderung. The Intellectual and Political History of the Triumph of Communism in Russia“. Doch die „Rote ArbeiLITERATUR Angelica Balabanoff: „Lenin. Lenin hing weiter seinem deutschen Vorbild an. ihn aus aller Kraft zu übernehmen. Cambridge 1998. die totale staatliche Verteilungswirtschaft. sehr informatives Standardwerk. Insel Verlag. streikten die verratenen Arbeiter. Ost-Berlin 1983. 336 Seiten – Sammlung der 1917 /18 in Petrograd geschriebenen Artikel für die Zeitung „Nowaja schisn“ (Neues Leben). Lenin probierte es aber auch mit Propaganda. die Balten obsiegten mit Hilfe der Briten und deutscher Freikorps. Es fehlten nur noch Polen. damit sie ein für allemal reich und mächtig werde. 184 Seiten – Die russisch-italienische Komintern-Sekretärin distanzierte sich von Lenin. John Reed: „Zehn Tage. Er nannte das wirkliche Ziel: „Gerade das braucht die Russische Sozialistische Sowjetrepublik. 598 Seiten – Eines der besten Werke über den Aufstieg Lenins und der bolschewistischen Partei in Rußland. von England. Ein bislang nicht identifizierter deutscher „Genosse Thomas“ empfing Schmuck und Devisen im Wert von 62 Millionen Mark für den Aufstand der KPD 1921 (und unterschlug einen großen Teil) – Lenin zahlte sozusagen des Kaisers Subventionen in gleicher Münze zurück. matische Anerkennung Sowjetrußlands. zum Programm der längst erschossenen. Maxim Gorki: „Unzeitgemäße Gedanken über Kultur und Revolution“. die baltischen Staaten und Bessarabien. 520 Seiten – Augenzeugenbericht eines amerikanischen Journalisten und Kommunisten über die Oktoberrevolution. Psychologische Beobachtungen und Betrachtungen“. 170 Seiten – Knapp formuliertes. ohne dabei vor barbarischen Methoden des Kampfes gegen die Barbarei zurückzuscheuen“.): „The Unknown Lenin. keine diktatorischen Methoden zu scheuen. den Staatskapitalismus der Deutschen zu erlernen. Yale University Press. Spiegel des 20. Die Partei beendete notgedrungen den „Kriegskommunismus“. die sich Stalin später von Hitler schenken ließ. Lenin hielt daran fest. Dietrich Geyer: „Die Russische Revolution. auch von Italien war die Rede. Bestechung. Im gleichen Jahr erwog Lenin zudem die „Sowjetisierung Ungarns“ – wo die Kommunisten gerade mit einer Sowjetrepublik gescheitert waren –. die Lenin als brutal und menschenverachtend erscheinen lassen.“ Aber die Polen stoppten die Russen an der Weichsel. Verlag für Literatur und Zeitgeschehen. Vandenhoeck und Ruprecht Verlag. er rekonstruierte das Zaren-Imperium. Perlen und Devisen ins Ausland. weil sie „nicht anders denn als Ermutigung zur Gewalt gegen souveräne Staaten interpretiert werden können“. um diese Übertragung der westlichen Kultur auf das barbarische Rußland zu beschleunigen. Dimitri Wolkogonow: „Lenin. Utopie und Terror“. Dietz Verlag.

eiskalten Keller unter dem Moskauer Roseren besonnen haben soll. ist ein Sieg unserer Vertierung und vertieft weiter unsere Primitivität. là. ähnlich gewebt beiter in das ZK aufzunehmen. lung zu entkräften. Dezember 1922. zen wollen. der die Selbstherrschaft hatte stür. Entfremdung? Dieser Marx-Begriff findet sich nirgendwo in den 55 veröffentlichten Bänden der Werke Lenins – schwer lesbaren theoretischen Abhandlungen voll ätzender Polemik. Doch auch: „Wir können kaputtgehen … Wir kommen zu spät. die Pazifik-Festung Wladiwostok („Beherrsche den Osten“) sei den Japanern wieder entrissen worden. d. der in den schwersten Phasen Bruder Alexander wurde in einem Masder Krankheit als einziges ZK-Mitglied vor. versuchte Stalin mit der Erzäh. ließ ihn – habe ihn um Zyankali gebeten.auf „da“. die nächste Story sei „von bürgerliVerdacht. Er sorgt dafür. Die anderen Führungsfigu. März 1923 trifft ihn der dritte Schlag. die sich an der neuen Macht ergötzen. war ein neuer Zar geworden. ließ er hören. Autor des Buches „WeltSieben Tage nach seinem zweiten macht im Abstieg – Der Niedergang der Schlaganfall. nur noch Champignons und Kaninchen züchten zu wollen. „wir haben den alten Staatsapparat übernommen. die auf die Halsschlagader drückt. zurückzugeben – trotz aller Drohungen Immerhin befiehlt er Stalin noch die der letzten Leninisten mit einem dann fäl„erbarmungslose“ Deportation mehrerer ligen Bürgerkrieg.“ Auf Stalins Weisung ist Kommunisten in Moskau (1994): Traum vom Paradies der Kranke streng isoliert worden. wenn er – so ernst scheint thodoxen Kirche. behandeln den Bürger wie einen besiegten Feind. Er empfiehlt. statt Selbstbestimmung der Nationalitäten und Absterben des Staates. sei ein „Fortschritt“. schamlose Beamte lassen sich ebenso skrupellos bestechen wie früher die Beamten des zaristischen Regimes. 53 Jahre alt. ihn endlich der Erde haben – seine Zahnschmerzen los sei. Die Brutalität der Vertreter der „Regierung der Volkskommissare“ wird allgemein beklagt. in denen er sich politisch eines Bes. Sie übermittelte den Lenin-Rateine steckengebliebene Kugel Fanni Ka. das langsame Sterben befördert cher Moral durchtränkt“. und das war unser Unglück“. am 23.sengrab an unbekanntem Ort verscharrt – gelassen wird. Genossenwie sein georgischer Nachfolger Stalin.so wie fast alle Opfer Lenins. Fritjof Meyer. die Partei solle sich von Stalin („zu plans. AFP / DPA d e r s p i e g e l 2 9 / 1 9 9 9 149 . grob“) als Generalsekretär trennen. Diebstahl und Plünderungen nehmen zu. ver. Am Lenin wird operiert. beharrte er. Allerlei kleine Leute. Er beschuldigt ten Platz. das er aber tausendfach in Bronze und in Gips ihm jedoch verweigert habe. was sie ihm von Berliner Internist Georg Klemperer. und das mit Recht. Als MuLenins Leidenszeit währte knapp zwei mie blieb Lenin bis heute aufgebahrt im Jahre. „führe!“. Was bringt die Revolution also Neues. als die Krupskaja ihm Den (von Trotzki später geäußerten) sagt. Grundgesetz der UdSSR sei „Entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder auch ökonomisch einholen und überholen“. Literaten und Künstler nach Deutschland und erteilt der Geheimpolizei richterliche Vollmachten. Stalin Generalsekretär wird. Aber der Staatskapitalismus. Lenin verliert endgültig sein SprachverSieben Wochen später. Das alles geschieht im Namen des „Proletariats“ und der „sozialen Revolution“. nationalen MinderLenin. wieder herausgeben!“ An ebendieser territorialen Raublust verdorrte sein Regime am Ende des Jahrhunderts. „geh“. die wir gemacht haben. dagegen werDer heutige Patriarch der russisch-orde er sich wehren. winkt lachend ab. endlich auch ArChauvinist zum Vorschein. von ihm oftmals verachtete Arbeiterschaft Rußlands zur „Avantgarde“ des internationalen Proletariats aufsteigen und formulierte die streng nationale Alternative. Am Tag darauf zu haben. Dann wieder redet er davon. sein politisches Testament zu Ost-Berichterstattung des SPIEGEL. wie die Polizei des Zaren ihn behandelt hat. wird sie in der Finsternis des Volkslebens viel Licht verbreiten? Seit dem Ausbruch der Revolution hat es schon zehntausend Fälle von „Lynchjustiz“ gegeben.Sowjet-Union“ (1984). diagnostiziert redigierte. 67.. bei der Annexion Georgiens.seinen Willen bekunden konnte. die einmal als „Leningrad“ seiNach Aussage seiner Schwester Marija nen Namen trug. hundert Wissenschaftler. h. kommentierte Lenin auf gut imperialistisch: „Niemals werden wir eine einzige Eroberung. Im Dezember 1914 hatte er sich zum „Nationalstolz des Großrussen“ bekannt. Lenin klagt: „Wenn ich in FreiEr gehört nach Ansicht vieler Russen in heit wäre …“ die Stadt. genauso. an der wir bei lebendigem Leibe verfaulen … Reichtum und Macht für Rußland also statt eines Endes der Lohnabhängigkeit. Der gehenkte wie Stalin. er sah die schwache. Dezember 1917 (Auszug) Jetzt hat das Proletariat die Macht in der Hand und damit auch die Möglichkeit freier schöpferischer Arbeit. Januar 1924 läßt sich Lenin Ersein Landgut zurück. Lenin – sprachgelähmt Stalin versagte ihm ein Grab. Ungewiß bleibt. fast religiös angebetet von den Stalin des „großrussischen Chauvinismus“ Kommunisten aller Länder.Die Versprechungen der Revolution Maxim Gorki in einem Petrograder Zeitungsartikel vom 20. an demselben mögen. Der Ehefrau Krupskaja das. An. Aus schaften zu fördern. Alexij II.schlag. daß 9. Die Nachricht vom Oktober 1922.heiten Autonomie zu gewähren. „oh. So kommt bei Lenin ein großrussischer diktieren. Bruder den Lippen ablas. „Es scheint. fühlt er sich ausgebrannt. empfahl vor er die Annexion doch nicht genommen zu wenigen Wochen. là!“ der am Galgen starb. wo ihn sechs Tage zählungen von Jack London vorlesen und darauf ein Schlaganfall lähmt. an dem vor 35 Jahren Bruder Alexan. Sie brüllen jeden an. ren dürfen Lenin nur durch ein Guckloch im Vorhang oder in der Wand beobachten. ich habe mich vor den Arbeitern Rußlands sehr schuldig gemacht“. zieht sich Lenin auf Am 20. zumindest gedanklich des Tagebuch-Autors Victor. ob er überhaupt noch Nach nur gut vier Herrschaftsjahren. leitet seit 1966 die sucht Lenin.stirbt er. wie verändert sie unsere tierische russische Lebensweise. im ganzen Sowjetreich erstehen. dort sind auch Mutter ruft Lenin keinen Genossen so oft zu sich und Schwestern begraben. Sein Wortschatz beschränkt sich Tag. wieweit fang 1922.

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