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„CHARACTERS AND CARICATURAS”

Selbstreflexivität und Geschlechterkonzepte in den englischen Charakterskizzen des 17. Jahrhunderts

Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität Konstanz vorgelegt von Katrin Hockenjos Konstanz 2000

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EINLEITUNG I. BEGRIFFS- UND FUNKTIONSBESTIMMUNG VON ‘CHARAKTERSKIZZE’...............................................................5 II. GATTUNGSGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK ......................................................................................................8 1. Beginn in der Antike...................................................................................................................................8 2. Wiederaufnahme im 17. Jahrhundert.......................................................................................................10 3. Fortführung in den Moralischen Wochenschriften ..................................................................................13 4. Das 19. Jahrhundert: Hinzunahme eines ‘plot’ .......................................................................................16 III. ZIELSETZUNG UND FORSCHUNGSSTAND ......................................................................................................18 1. Zielsetzung ...............................................................................................................................................18 2. Forschungsstand ......................................................................................................................................25 A. „THE NATURE OF A CHARACTER” - ZUM CHARAKTERBEGRIFF IM 17. JAHRHUNDERT ..29 I. JOSEPH HALL: „A PREMONITION OF THE TITLE AND USE OF CHARACTERS” (1608)...................................31 1. Die Überlieferungssituation und Legitimierung des Genres....................................................................32 2. Die Kombination von Individuellem und Generischem als Kunst der Charakterskizze...........................32 3. Moraldidaxe als wirkungspoetische Funktion .........................................................................................33 4. Charaktertheorie und ‘Sister Arts’-Topos................................................................................................34 5. Das Prinzip der kreativen ‘imitatio’ und Halls Selbstverortung..............................................................35 II. „WHAT A CHARACTER IS” IN DER OVERBURY COLLECTION (1616) ..................................................................38 1. Zur Etymologie des Charakterbegriffs.....................................................................................................38 2. Schrifttheoretische Implikationen: Der Charakter als Buchstabe ...........................................................39 3. Der Charakter als Gedächtnisspur ..........................................................................................................42 4. Der Charakter als Emblem, Hieroglyphe und Imprese............................................................................43 5. Der Charakter als dichterische Darstellungsform ...................................................................................46 6. Die Verbindung der Medien Bild und Ton...............................................................................................46 7. Ästhetisierung durch die „witty manner” - Die Bestimmung des Komischen..........................................48 8. „By our English levell” - Zur Etablierung des Genres............................................................................50 III. „A CHARACTER OF ONE THAT WRITES CHARACTERS” (ANONYM) ..............................................................51 1. Lesbarkeit und Druckgeschichte ..............................................................................................................52 2. Alte literarische Topoi: Bienen- und Schauspielmetapher.......................................................................53 IV. RICHARD BRATHWAITE: „EPISTLE DEDICATORIE TO WHIMZIES” (1631).....................................................54 V. RICHARD FLECKNOE: „OF THE AUTHORS IDEA, OR OF A CHARACTER” (1658) ............................................59 1. Klarheit und Einfachheit im Ausdruck.....................................................................................................59 2. Der Rekurs auf bekannte Topoi: Münze, Orakel, Musik..........................................................................61 3. Der literarische Status der Charakterskizze und ihre Kontrastbildung ...................................................61 4. Der Übergang zum ‘portrait’...................................................................................................................61 5. Die Nähe zur Predigt ...............................................................................................................................62

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6. Schreiben als Reise ..................................................................................................................................62 VI. SAMUEL PERSON: „CHARACTER OF A CHARACTER” (1664)........................................................................64 1. Der Charakter als Spiegel........................................................................................................................67 2. Mikrokosmographie und Kartographie....................................................................................................69 3. Der Charakter als Anatomie ....................................................................................................................72 4. Der Charakter als Buch ...........................................................................................................................73 5. Charakter und Physiognomik...................................................................................................................76 6. Ein letztes Mal: Typographie, Etymologie, Formalia..............................................................................78 VII. RALPH JOHNSON: „A CHARACTER” (1665)................................................................................................79 B. „WITHIN THE BOUNDS OF MODESTY” - DIE CHARACTERS UND IHR BEITRAG ZUR KONSTRUKTION VON WEIBLICHKEIT.....................................................................................................83 I. SPIEGEL- UND ZERRBILDER: ENTWÜRFE VON FRAUENBILDERN IM LITERARISCHEN UMFELD DER CHARAKTERSKIZZEN .........................................................................................................................................90 1. Zur Geschichte der Geschlechterprojektionen.........................................................................................90 2. Referenztexte der ‘characters’ .................................................................................................................94 II. DER PROTOTYP: OVERBURYS FRAUENPORTRÄTS .........................................................................................98 1. Overburys „A good Wife” als Beispiel einer Charakterskizze.................................................................99 2. Die ‘Overbury Collection’ und ihre Konzepte von Autor und Text........................................................104 3. Formanalyse ..........................................................................................................................................109 4. Das Typeninventar: „A mans best moveable” oder „a mans walking consumption”? .........................112
4.1 Die Ehefrau als Wunschbild .............................................................................................................................112 4.2 Die Ehefrau als Angstbild.................................................................................................................................119 4.3 Overburys Konzeption der Frauencharaktere - ein Zwischenstand ..................................................................125 4.4 Die Witwe - „Shee never receives but one mans impression” ..........................................................................128

5. Overburys Lehrgedicht über die Ehe: „A Wife”....................................................................................136 III. FORMALE VARIANZ UND INHALTLICHE KONSTANZ DER FRAUENPORTRÄTS ..............................................140 1. Nicholas Bretons symmetrie- und ordnungsmächtige Justierung ..........................................................140 2. Die Ausgestaltung zur Szene: Henry Parrot und Wye Saltonstall .........................................................150 3. Abkehr von Kürze und Epigrammatik: William Habingtons ‘characters’ .............................................160 4. Thomas Fullers Illustration biblischer Klugheitsregeln ........................................................................165 5. Richard Flecknoes Tendenz zu individualisierenden Konturen .............................................................170 6. Richard Graham Prestons Charaktererzählung ....................................................................................175 7. Nahum Tates Charaktere in versifizierter Form ....................................................................................187 8. Thomas Browns ‘essay characters’........................................................................................................191 IV. FRAUEN ALS VERFASSERINNEN VON CHARAKTERSKIZZEN ........................................................................198 1. „Mad Madge of Newcastle” und die ‘portrait’-Tradition .....................................................................199 2. Die dramatisierte Charakterskizze bei Aphra Behn...............................................................................207

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3. Der Essay als Ausdrucksform des „cartesianischen Feminismus”........................................................209
3.1 Mary Astells „Serious Proposal” ......................................................................................................................210 3.2 Judith Drakes „An Essay in Defense of the female Sex” ..................................................................................213

4. Ausblick: ‘characters’ in Versform und ‘characters’ im Roman ...........................................................219 C. „WITHIN THE DEGREES OF PROBABILITY” - AUSBLICK AUF DAS 18. JAHRHUNDERT ....225 I. „HOW ... I AM MYSELF?” - DIE GESELLSCHAFTSPHILOSOPHIE DES DRITTEN EARL OF SHAFTESBURY ...........226 1. „What honesty or virtue is” - Shaftesburys Ethik und Anthropologie ...................................................226 2. Der Charakterbegriff bei Shaftesbury - eine Annäherung .....................................................................229 II. HENRY GALLYS „A CRITICAL ESSAY ON CHARACTERISTIC-WRITINGS” (1725) ALS BEITRAG ZUR DICHTUNGSTHEORIE ........................................................................................................................................237 EXKURS: DAS 20. JAHRHUNDERT MIT CANETTI UND JOYCE.........................................................249 ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................................................ ...................255 BIBLIOGRAPHIE .................................................................................................................. ..........................258 PRIMÄRLITERATUR ..........................................................................................................................................258 SEKUNDÄRLITERATUR .....................................................................................................................................261

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Die hier abgebildete und von William Hogarth angefertigte Radierung „Characters and Caricaturas” (1743) trägt den Charakterbegriff bereits im Titel. Sie war zunächst als Subskriptionskarte für einen Gemäldezyklus gedacht. Der kleinformatige Stich, den Hogarth mit Sorgfalt und Reflexion entwarf, sollte die Thematik des Zyklus ankündigen und war die Quittung für erfolgte Zahlungen. Die Radierung führt in ihrer unteren Zone durch Schrift und Bild in die Thematik des Blattes ein. Links über dem Schriftzug „3 CHARACTERS” erscheinen drei Köpfe aus dem von Hogarth immer wieder konsultierten Raffaelkarton, davon getrennt rechts über „4 CARICATURAS” Köpfe nach Pier-Leone Ghezz, Annibale Caracci sowie Leonardo

Hogarth kontrastiert hier die statistische Erfassung einer empirischen Vielfalt mit der Möglichkeit einer Vereinheitlichung. In dieser Parallelisierung von Literatur und Malerei „werden das Komische und der Charakter sowie das Burleske und die Karikatur einander zugeordnet und als Gegensatzpaare begriffen.3 Genau auf diese Differenz kommt es in der Radierung an. Chicago/London 1998.’ The ad rewrites Hogarth’s attempt to polarize the two modes of characterizing and the two kinds of art. 168. S. S. an advertisement for Character and Caricaturas described Hogarth’s manifesto as demonstrating ‘Character to be a small deviation from general proportions.. Hogarth: 1697-1764. Denn dieser geht es nicht nur um die feine Trennlinie zwischen Charakter und Karikatur. sondern auch um die Frage. Nicht zuletzt thematisiert sie die Möglichkeiten einer Differenzierung nach Typen. and [showing that] Caricatura is only that deviation exaggerated. Betrachtet man diese durchweg männlichen Profile. während die Vorstellung von Charakter im Gegenteil eine Explikation der jeweiligen menschlichen Natur” ist. eds.” . die in Kontrast zu den Karikaturen (rechts unten) stehen. Ebd. der Karikatur ansiedelten. Berthold Hinz und Hartmut Krug. Ihre Vielzahl scheint den Betrachter mit Einzelheiten zu überhäufen und seine Wahrnehmung beinahe zu überfordern. Karikatur und Burleske sind „nur Verzeichnungen und Verballhornungen der Natur. die sich jenseits der tragischen und historischen Kunst und jenseits des bloßen Schwankes. S. stellt man fest. umso deutlicher wird. Ebd. der Burleske. It opposes them. precariously. in dessen Vorwort der Autor wiederum auf Hogarth verweist. Market Culture. Im unteren Fünftel der 1 2 3 Vgl.1 Darunter findet sich die Zeile: „Zur weiteren Erläuterung des Unterschieds zwischen Charakter und Karikatur . The Economy of Character. welche Anzeichen oder Züge ein Gesicht individualisieren und welche es verzerren. Individuen und deren Erfassung durch die Physiognomie. daß sie nur minimal in ihren physiognomischen Details differieren. Hogarth spielt damit auf einen Roman von Henry Fielding an. 66 konstatiert: „In the catalog published by Sayers and Bennett’s print warehouse in 1775. 169. and the Business of Inner Meaning. in terms of a quantitative rather than a qualitative difference.”2 Hogarth und Fielding ging es um die Etablierung neuer (bürgerlicher) Kunstgattungen. Novels. Deidre Lynch. Über die klassischen Charaktere von Raffael. Gießen 1986. Das vollständige graphische Werk.2 da Vinci und dazu eine Kinderzeichnung. daß sich die Trennlinie zwischen Charakter und Karikatur durch das gesamte Bild hindurch verfolgen läßt.siehe das Vorwort zu Joseph Andrews”. werden bunt gemischt 100 Köpfe gesetzt. Je länger man das Bild ansieht. um den Roman als komische Dichtung gegenüber der tragischen und ernsten Literatur zu legitimieren. die laut Hogarth alle im Gemäldezyklus auftauchen und nicht übertrieben seien.

deren Wurzeln nicht zuletzt im 17. Vom Maler zum Autor ist es dabei nur ein kleiner Schritt.4 Die Nähe von Literatur und Malerei. description. dessen Voraussetzung die erkennbaren Unterschiede sind. 98f. und bereits im Paar darunter sind die Nasen physiognomisch entstellt. ohne klare Gestalt. wie Menschen zu ihrer Identität gelangen. wie sie explizit in der Radierung zum Ausdruck kommt. Das englische Wort „sketch” taucht erstmalig 1668 auf. auch ‘knapp schildern’). Was macht sie wiedererkennbar? Wie werden sie entworfen und was zeichnet sie letztlich aus? Es ist die Exaktheit der Linienführung und die genaue Beobachtung. denn die zeichnerische Form der Skizze beschreibt die schriftstellerische Eigenart des Genres. die darauf antwortet. . der für mich tätig ist. in Anordnung. and not going into details. So faßt der Titel auch jene zwei Pole zusammen. Aufeinanderfolge und Größenverhältnis dem reinen Zufall überlassen?” Michel de Montaigne. Frankfurt a.3 Radierung ist diese Linie noch explizit gezeichnet. überkam mich die Lust. Hogarth führt hier explizit den Topos von der Lesbarkeit des Menschen. a short or superficial essay or study”. vor Augen. Erste moderne Übersetzung von Hans Stilett.. daß sie in hohem Maße vereinfacht und zusammenfaßt und gerade dadurch Formempfinden und die eigene Seherfahrung des Be4 5 Bereits Montaigne hatte in seinem Essay „Über die Freundschaft” die eigene Schreibweise mit dem Vorgehen eines Malers verglichen: „Als ich einem Maler. M. bei der Verrichtung seiner Arbeit zuschaute. aus unterschiedlichsten Gliedern zusammengestückelte Zerrbilder. den leeren Raum rundherum jedoch füllt er mit Grotesken aus. deren einziger Reiz in ihrem Variationsreichtum und ihrer Absonderlichkeit liegt. da die Trennlinie durch beide hindurch geht. or narrative giving the main or important facts. Bis dahin wurde sowohl für die zeichnerische als auch die literarische Skizze der Begriff „draught” verwendet (siehe Teil A). incidents etc. verweist auf bestimmte innovative Ansprüche der literarischen Gattung Charakterskizze. das heißt: bizarren Phantasiegebilden. 1998. Mit dieser Radierung wird eine Thematik sichtbar. die im Rahmen der literarischen Gattung Charakterskizze formuliert worden sind. schizzo bedeutet neben ‘hinspritzen’. Im mittleren Teil jeder Wand wählt er die jeweils günstigste Stelle. Zwei Profile stoßen in der unteren Bildmitte Nase an Nase. denen sich die vorliegende Arbeit widmet: es soll darin zum einen um Charaktere. insbesondere den Charakterbegriff gehen und zum anderen werden Karikaturen vorgestellt. die ihre Lebendigkeit und Suggestion vor allem daraus gewinnt. Das Oxford English Dictionary (OED) nennt die Bedeutungen „a rough drawing” und „a brief account. S. dann aber durchzieht sie unsichtbar die gesamte Graphik. Sie ist ein „aufs Papier gebannter Gedanke”6. es ihm nachzutun. Essais. um dort ein mit seiner ganzen Meisterschaft ausgeführtes Gemälde anzubringen. Bei der Betrachtung der verschiedenen Köpfe läßt sich fragen. Jahrhundert zu finden sind. So lassen sich Parallelen zwischen malerischem und literarischem Verfahren feststellen: Die Skizze5 des Zeichners beruht auf Schnelligkeit und Spontaneität (ital. Was aber sind diese Essais hier in Wahrheit anderes als auch nur Grotesken und monströse.

Dessen Perspektive ist statisch oder peripatetisch und gleitend. 9. Themen. 6 7 8 9 Vgl. Aus dieser Überzeichnung oder Umkehrung vorgeprägter menschlicher Merkmale entstehen dann Karikaturen. was zum Überschneiden oder Ineinanderwuchern von Formen führen kann. Es soll in einem ersten Schritt der Charakterbegriff näher bestimmt werden. Genau diese Merkmale sind die wesentlichen und interessanten Aspekte der Charakterskizze. ferner ein gewissermaßen ungeplantes Wachsen. der Belehrung. der Erbauung oder der einfachen Unterhaltung beschreibt. Daneben betont Westfehling: „Kennzeichnend für skizzenhaftes Arbeiten sind also Spontaneität in der Erfassung sowie Knappheit und Flüchtigkeit der Ausführung.4 trachters intensiv aktiviert. Zeichnen in der Renaissance. 130. kennzeichnet er ebenso treffend die Literaturform.” (ebd. um die es im folgenden gehen wird. Auch wenn der Begriff der Skizze aus der Malerei stammt. die komplementär gegenübergestellt werden können. Ebd. Dieses „Verfahren” wählt auch der Autor einer Charakterskizze. Indem grundlegende Idealschemata variiert werden. in der Vereinfachung und Übertreibung. Entwicklung. Mit dieser Bildbetrachtung wurde ein exemplarischer Blick auf die Intermedialität von Literatur und Malerei geworfen und deren Überkreuzung thematisiert. um dann die Forschungslage und die Fragestellung dieser Arbeit zu präzisieren. Techniken.9 Die Skizze ist Produkt eines beobachtenden Subjekts. in ihrer Spontaneität und Kunstlosigkeit.7 Ausdrucksmittel der Skizze kann die Übertreibung sein. Formen. Uwe Westfehling.”8 Das Prinzip der Kunstlosigkeit charakterisiert die literarische und die zeichnerische Skizze. dessen Arbeitsmaterial die Wörter sind. Köln 1993. die eines unbeobachteten Zuschauers. die literarische dagegen Endstufe ist. Klaus Lubbers. Die Ähnlichkeiten der beiden Medien liegen also in ihrer Kürze und Knappheit. denn „beiden haftet ein Moment des Flüchtigen und des Entwurfs an. S. S. Dabei ist das Beschreiben die sprachkünstlerische Entsprechung des Skizzierens. 135. Für den Leser der Wortskizze löst sich die für den Betrachter der bildlichen Skizze gegebene optische Gleichzeitigkeit in ein Nacheinander von Sprachkunst auf. Vor diesem Hintergrund werde in einem nächsten Schritt die Geschichte des Genres aufrollen. um dann die Gattung Charakterskizze zu erläutern. das zum Zwecke der Information. Typologie der Short Story. . S. Darmstadt 1989. Ebd. wobei die gezeichnete Skizze in aller Regel Vorstufe und oft nur Teil eines auszuführenden Werkes.) Vgl. kommt es zu Extremmöglichkeiten.

Exzentriker. 262. die somit im Charakterbegriff impliziert ist..” (Elias Canetti) I. Jahrhundert gehalten hat. Der Träger einer bestimmten moralischen Eigenschaft wird dabei so dargestellt. hier S. kleinen Szenen und Reflexionen ein physiognomisch exaktes Wortporträt eines bestimmten Typus zu zeichnen. 261-274. Bildern. in: Aleida Assmann. bedeutet das Wort ‘character’10 zunächst soviel wie ‘Furche’ oder ‘Eingravierung’. Tübingen 1998. das äußerliche und innerliche Wesenszüge ebenso wie Verhaltenseigentümlichkeiten treffsicher konturiert. Ebenso kann darunter eine ‘literarische Figur’ oder ‘Buchstabe’ verstanden werden. Gesten und Redewendungen zusammen. Gewohnheiten. Monika Gomille und Gabriele Rippl. „mit Beschreibungen.5 Einleitung „Die Welt wimmelt von Charakteren. In der Poetik des Aristoteles ist das Wort zudem zu einem Zentralbegriff der Dramen. Jahrhundert eine Wiederbelebung in England erfahren und sich in Europa mit Unterbrechungen bis ins 20.”11 Die Skizze setzt sich aus charakteristischen Handlungen. Die handschriftliche Dimension des Einritzens und Festlegens. character meint ausschließlich das literarische Genre. Die Charakterskizze ist eine literarische Kleinform. Aus dem Griechischen abgeleitet. wird in der frühen Neuzeit mit dem drucktechnischen Buchstaben verbunden. in der zunächst Menschen beschrieben werden. Sammler . „Der Sammler als Pedant”. man braucht sie nur zu erfinden. . Damit erhält der Begriff eine medientechnische Dimension. S.und Funktionsbestimmung von ‘Charakterskizze’ Der Charakterbegriff zeichnet sich durch eine Vielfalt von Bedeutungen und Anwendungsmöglichkeiten aus. Vgl. um sie zu sehen. die nach ihren Anfängen bei Theophrast im 17. So charakterisiert Aleida Assmann die Kunst der Charakterskizze als den Versuch. Insofern läßt sich damit ein Wesenszug des Menschen. letztlich dessen Lesbarkeit bezeichnen. Character dient schließlich auch zur Bezeichnung der literarischen Gattung Charakterskizze. die vor dem historischen Hintergrund des Übergangs von der Manuskriptzur Druckkultur zu sehen ist. zugleich aber als Vertreter einer Kategorie seiner Mitmenschen er- 10 11 Es soll folgende Schreibkonvention gelten: ‘character’ oder Charakter verweist auf den Bedeutungsgehalt des Wortes. Aleida Assmann. eds. daß er zwar als Einzelmensch auftritt.und Romantheorie avanciert. Begriffs.Bibliophile . die ohne Referenz auf historische Personen einen bestimmten Typus verkörpern.

Ästhetische Theorie. Theorie wie Praxis. M. Vor dem Hintergrund dieser erkenntnistheoretischen Voraussetzungen. S. das doch zugleich in die empirische Realität und die gesellschaftlichen Wirkungszusammenhänge hineinfällt. gleichgültig. aber in der literaturwissenschaftlichen Praxis geläufigem Begriffspaar (Aleida Assmann. Charakterskizzen bieten ein Alphabet. wie ästhetische Autonomie und Kunst als Gesellschaftliches. ideologische Normen wie sozialhistorische Erfahrungen. die Norm oder Typisierung und die individuelle Einritzungslinie. 107). ist eine von ihm selbst geschaffene. Adorno. Frankfurt a. Die Charakterskizze ist daher eine Mischung aus literarischer Beschreibung oder Fiktion und Erfahrungsraum.). die einerseits eine „empirische” Gattung. daß er zugleich über die Kontingenz des Faktischen hinausschießt und hinter ihr zurückbleibt. andererseits eine literarisierende Prosagattung darstellt. Die für die Charakterskizze postulierte „Zwischenform” kommt in der ästhetischen Theorie Adornos treffend zum Ausdruck: „Der Doppelcharakter der Kunst als eines von der empirischen Realität und damit dem gesellschaftlichen Wirkungszusammenhang sich Absondernden. Ein Beitrag zur Geschichte der literarischen Kommunikation. Sie bedürfen einer gedoppelten Betrachtung. von außen sich anhört oder ansieht. Das Genre unterscheidet sich von anderen epischen Formen gerade darin.” Theodor W. 1973. diesem vagen. kommt unmittelbar an den ästhetischen Phänomenen zutage. daß jegliche Entwicklung ausgeklammert wird. ob sie als solche geplant war oder nicht. wann immer man Kunst.. durch einen anderen. um vor der Fetischisierung ihrer Autonomie beschützt zu werden. Als Gattung zwischen Gattungen ist sie eine Form. die zwischen Literatur und Gesellschaftsanalyse anzusiedeln ist. die das Kontingente durch das Konsistente ersetzen.” (S.12 Sie hat einen ambivalenten Status zwischen Fiktionalem und Nicht-Fiktionalem. Die dargestellten Typen sind weder historisch noch rein fiktiv wie etwa eine Romanfigur. der eine transzendent garantierte Realität voraussetzt. 374f. In nicht narrativer Form soll die Erscheinungsform einer oder mehrerer Eigenschaften abgebildet werden. In der Charakterskizze berührt sich daher das Besondere und das Allgemeine. Die Charakterskizze erstellt keine fiktive Welt sondern will wertbildend oder prägend für die Gesellschaft 12 Zu Fiktion und Realität. „als einen konstruktiven Verstehensentwurf. S. und allerdings bedarf sie stets wieder jenes Von außen.6 kennbar ist. S. . mit dessen Hilfe die Lektüre der Gesellschaft ermöglicht werden soll.” (Ebd. „Die in Kontexten begründete Welt erscheint wiederum als ein Diskurs”. in ihrem Rang als literarisches Faktum. der dadurch bestimmt ist.) sei angemerkt: „Wirklichkeit im Sinne des Resultats fortschreitender Auseinandersetzung zwischen Mensch und Mensch bzw. Der Doppelcharakter wird physiognomisch lesbar. mit der er konfrontiert ist. der den Realitätsausweis vom Kriterium des Kontextes abhängig macht.” Fiktion wird als „Modell der Realität” verstanden. Diese sind beides. in Sinnzusammenhängen und Modellentwürfen vorgeformte Realität. ästhetisch und faits sociaux. Das in der Fiktion entworfene Modell hat seine Funktion sowohl in der konstruktiven Gestaltung und Etablierung. sondern vom Menschen artikuliert ist: „Die Wirklichkeit. 7f. Der Reiz der Charakterskizze liegt in ihrem Status als „Zwischenform”. umstrittenen. wie in der kritischen Infragestellung und Modifizierung von Realität. 14f. an dessen Gestaltung sämtliche Formen menschlicher Aktivität beteiligt sind: Dichtung ebenso wie Wissenschaft. Die Epochenschwelle der Neuzeit wird charakterisiert als Ablösung eines Wirklichkeitsbegriffs. kann die Fiktion als eingestandenes immanentes Sinngefüge neue metaphysische Dignität beanspruchen. München 1980. Die Legitimität der Fiktion. . damit die dargestellten Typen wiedererkennbar werden.h.. d. zwischen Mensch und Umwelt ist als ein kollektives Produkt zu verstehen. der allerdings nicht mehr von Gott. die so wenig unvermittelt in eins zu setzen ist.

typologisch als annähernd gleichrangiger Nachbar. deren wesentliche Gemeinsamkeit darin besteht. Historisch gesehen läßt sich die Charakterskizze als Vorstufe von Essay. Unter diesem Begriff können eine Reihe von Formen erfaßt werden. die durch ein typisches Exemplar verkörperte Summe von Charaktereigenschaften. d. sind zwei Präzisierungen notwendig. sondern ein Typus. Jahrhunderts. Die Anwendung von Charakter im Sinne von ‘Figur im Dramenpersonal’ einschließlich des Kontrasts zu Typ ist jedoch historisch begrenzt auf Phänomene des 18. die in Skizzenform ausgeführt ist. in dem im Rahmen der Bedeutung auch und anfangs sogar vorrangig die typenhafte Figur als Charakter bezeichnet wird. Das literarische Porträt strebt eine ‘realistische’ und komplexe Menschendarstellung mit Referenz auf eine historische Person an. Ihre Haltung läßt sich als kritisch-reflexiv bestimmen.13 Im Zentrum des character steht die Charakterstudie. Bei einem Charakter.7 sein. Das portrait ist chronologisch gesehen eine neuere Technik der Charakterisierung wie Ralph Salzman feststellt: . die einer bestimmten Menschenkategorie gemeinsam ist. Um die Charakterskizze stärker profilieren zu können. wobei der Leser durch Abstraktion unterhalten und/oder belehrt wird. Darstellungsobjekt der Charakterskizze ist aber weder ein historisches noch ein fiktives Individuum wie beim portrait. Bei beiden handelt es sich um die konzentrierte Darstellung einer Person oder Figur in einem abgeschlossenen Kurztext. liegt die Betonung auf der persönlichen Eigenart und Unverwechselbarkeit des dargestellten Menschen. Sowohl Charakter und Typ als auch Charakterskizze und Porträt müssen voneinander abgegrenzt werden. Charakter wird in der heutigen literaturwissenschaftlichen Praxis meist mit ‘literarischer Figur’ gleichgesetzt und ist damit neben dem Typ eine Bezeichnung für eine grundlegende literarische Darstellungsweise und Konzeption. Die Charakterskizze besitzt Gattungsähnlichkeit mit dem portrait. und 19.h. der mit einer Vielzahl von Eigenschaften ausgestattet ist. Sie stimmt mit dem Sprachgebrauch unseres Untersuchungszeitraumes nicht überein. während der Typ vom Individuellen abstrahiert und bestimmte allgemeinmenschliche Züge oder etwa eine soziale Schicht repräsentiert. daß sie sich mit einem wichtigen Merkmal einer Person oder Sache beschäftigen. Roman oder short story betrachten.

Der Charakterskizze bleibt somit das Spannungsverhältnis eigen zwischen Typus. „Vom plurale tantum der Charaktere zum singulare tantum des Individuums”. die durch ein Übermaß oder Untermaß zu der idealen Mitte bestimmt sind und durch ihr ridiculum . 240 betont: „Die prägnanteste literarische Gestalt hat die aristotelische Anthropologie und Ontologie der Welt der Einzelnen in der Typenwelt der theophrastischen Charaktere angenommen. zielen die portraits auf die Beschreibung eines Individuums mit universellen Zügen. und ein Zeugnis für das beginnende Interesse der Zeit an biographischanthropologischen Studien.Chr. In der Charakterskizze wird auf eine Vollständigkeit der Beschreibung sowohl der Person. Individualität. die von Theophrast bis zu Elias Canetti reicht.O.14 Während die Charakterskizze von einer Typenbeschreibung ausgeht und diese dann mit individuellen Zügen ausstatten kann. sometimes even contradictory characteristics. 1558-1700.. Diese Texte sind charakterologische Pointen aus dem athenischen Alltag des ausgehenden 4. als auch ihrer dominierenden Eigenschaft verzichtet. Hans Robert Jauss. Ralph Salzman. hier S. daß gattungsbildende Prozesse nicht nur innerhalb einer Gattung verlaufen. S. die eher schnell und essayistisch vorgeht. Each character is described through a portrait: an analysis of appearance and personality. a. Oxford 1985.a. etwas Geschaffenem. While the character form concentrates on general types.8 The interest in analysing characters and their predicaments produced a new technique of characterization: the portrait. eine Zusammenstellung von Skizzen in charakterisierender Darstellung. 237-269. Poetik und Hermeneutik XIII. als etwas Festgelegtem. II. 7. erscheint der Mensch im Alltagsleben als Exemplar verschiedener Gattungen oder Arten des Verhaltens. Jahrhunderts v. enumerating details to build up a personalized image of a courtier . wobei die karikierende Darstellung einen dominanten Wesenszug der Charakterskizze darstellt. 186-189. Theophrasts Charaktere sind dreißig Definitionsskizzen.15 Die literaturgeschichtliche Stellung der (Ethiki)Charakteres16 13 14 15 Hierin folge ich den Vorstellungen Lubbers. Die Gattung entsteht in der Antike mit Theophrast. Gattungsgeschichtlicher Überblick 1. the portrait tries to build up an image of a particular individual by concentrating on unique. S. sowie der modernen Gattungstheorie. Als Charakter durch angeborene oder angewöhnte Eigenschaften geprägt. Geschriebenem und der Skizze. München 1988. English Prose Fiction.. Geprägtem. Beginn in der Antike Die Charakterskizze ist eine literarische Kleinform mit einer ungewöhnlich langen Geschichte.. Es wird weder ein Werdegang noch ein Überblick sondern ein Einblick in typische Merkmale gegeben. A Critical History. sondern auch das Gattungssystem einer Epoche tangieren.. in: Manfred Frank und Anselm Haverkamp. eds. seine Natur im plurale tantum ethischer Charaktere. S.

in dem er einleitend zu jedem Charakterbild die Überschrift umschreibt. Dem Rezipienten soll in erster Linie nicht der Begriff.. . So lauten die Überschriften „Der Unaufrichtige”. Man hat die ‘Charakterskizzen’ als ethische Schrift verstehen wollen. sei es als ‘Auszug aus einem größeren ethischen Werk’ oder als ‘Materialsammlung zur Ethik’. The History of a Literary Genre. hat noch keine befriedigende Antwort gefunden’ (Albin Lesky) ..18 Theophrasts Skizzen exemplifizieren die „pessimistische Anthropologie der antiken Komödie. Jahrhunderts so geläufig. Smeed. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik findet sich z. sondern dabei und darüber hinaus als Einzelner seine Tyche. Oxford 1985.. Theophrast: Charakterskizzen.O. Daß jeder Mensch nicht nur als Exemplar eines ethischen Charakters bestimmbar und klassifizierbar ist. München 1974. Theophrast benutzt dabei ein einheitliches Darstellungsschema.. das mit einem Satz beginnt. Kap. so ist die Möglichkeit der psychologischen Bedeutung des Begriffs spätestens seit dem Ende des 17. Sein Interesse gilt zunächst den oberflächlichen Charakterzügen. erst in der späten Moderne zum Durchbruch. „Der Abergläubische”. Diese mehr oder weniger lasterhaften Typen werden alle nach einem ähnlichen Prinzip dargestellt. sondern vor allem die Erscheinungsform und die Auswirkung einer Eigenschaft verdeutlicht werden..in der Forschung wurden sie abwechselnd in einen moralphilosophischen und einen genuin literarischen Zusammenhang eingeordnet. 9 mit weiteren Hinweisen.” Ute Schneider.. bei Menander) ist weder neu noch eindeutig. etwas Persönliches. 15: „Mußte Theophrast noch die Anwendung des Wortes ‘Charakter’ auf den menschlichen Bereich durch Beifügung des ‘ethicos’ kenntlich machen. konstatiert: „‘Die Frage nach der Absicht des Werckchens .17 Theophrasts Verfahren läßt sich als Aneinanderreihung von „Momentaufnahmen” beschreiben. die zu verschiedenen Zeitpunkten von einer Person gemacht wurden. ed. die den Hauptcharakterzug nennt. man hat auch an ‘humorvolle Skizzen über das Alltagsleben’ ohne wissenschaftliche Zielsetzung. Ein Mittel aufklärerischer Menschendarstellung in den frühen deutschen Wochenschriften. daß man auf das erklärende ‘moralisch’ verzichten kann. 262.” Horst Rüdiger. „Der Sammler als Pedant”. The Theophrastan ‘Character’.”19 Theophrast beschreibt lasterhafte oder zumindest unangenehme Typen. nur ihm Eigenes hat.. sondern zur ‘Rezitation bei den monatlichen Mahlzeiten des peripatetischen Thiasos’ gedacht. Assmann. die Rhetorik und die Seelendiätetik zu Hilfe gerufen. „Der Unverschämte” oder „Der Mißtrauische”. Jeder Charakter wird in Form einer Definition eingeführt. wie sie für die Komödie typisch sind. man hat die Pädagogik und die Poetik. S. die eine Qualität beschreibt und das Thema direkt angibt.B. Vgl. fällt dabei außer Betracht und gelangt auch in der Komödie . Schon die Titel der Charaktere geben dies vor..a. 6f. a. hier S. in James W. S.” Die Beziehung zwischen den Skizzen Theophrasts und der Komödie (z.B. Der Moralische Charakter.9 des Aristotelesschülers Theophrast ist ungeklärt . Stuttgart 1976. Über den Schmeichler schreibt er: 16 17 18 19 das verfehlte Maß des guten Lebens per negationem vorstellen. die den Menschen als ein durch unveränderliche Kennzeichen ‘beschriebenes Blatt’ ansieht” und „von der Möglichkeit seiner Entwicklungsfähigkeit und Veränderbarkeit absieht.

21 Theophrast präsentiert Grundtypen. Unverschämtheit und Hochmut. Wenn der Schmeichler seinen Gönner begleitet. a.O. die seine Charaktere explizit wieder aufnehmen. In manchen Charakterbildern haben wir einen pointenhaft angelegten Schluß. die in der Definition schon angedeutet wird. Durch seine typische Reaktion auf wechselnde Situationen präsentiert er sich als Vertreter einer Eigenschaft. 20. was zugleich auf eine andere Charaktereigenschaft schließen ließe. S. Wiederaufnahme im 17. sagt er zu ihm: ‘Merkst du. in extremer Form deutlich werden läßt. die allgemeinmenschliche Charaktereigenschaften repräsentieren. der das Unangemessene der Verhaltensweise. Jahrhundert Zwischen Theophrast und den Autoren des 17. a. . Und wenn es jemand bei ihm aushält.10 Schmeichelei kann man als ein unwürdiges Verhalten bezeichnen.O.a. deren genauere Merkmale aber vom Leser aus dem Benehmen des Typs abstrahiert werden müssen. Die Beispiele erscheinen willkürlich und beliebig fortsetzbar.a. seltener findet man Angaben über sein Aussehen. Theophrast beschreibt Typen. 2. gibt es zwar vereinzelte Personenbeschreibungen. dann läßt er ihn überhaupt nicht mehr los. Jahrhunderts. was das Erkennen des jeweiligen Charakterzuges beeinträchtigen könnte. die er auf eine einzige Eigenschaft reduziert und streicht alles. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtbild. 22. diese aber können nicht 20 21 Rüdiger. Rüdiger. Es findet sich in den Beispielreihen nichts. wie die Leute dich bewundern? Solche Ehre hat sonst niemand in der ganzen Stadt!’20 Dann folgt eine Schilderung der Verhaltensweisen des Typs und seiner Gewohnheiten. aus dem der Schmeichler Nutzen zieht. . das Familienfest im Oktober und das Fest des ländlichen Dionysos im Dezember. Welchen Tag haben wir denn heute?’ Die Mysterien seien im September. das überraschende Abweichen von dem durch die Situation Geforderten. Ein wesentliches Merkmal der theophrastischen Charakterbilder ist die konkrete Situationsbeschreibung und die Wiedergabe detaillierter Beobachtungen ohne individuelle Namen oder erzählerische Einkleidung. Durch Überzeichnung der Verhaltensweise und durch die Häufung von belanglosen Kleinigkeiten werden die abgebildeten menschlichen Schwächen lächerlich gemacht. . S. So endet die Skizze vom Redseligen mit folgenden Worten: Wieviel Säulen seien eigentlich am Odeion? ‘Gestern habe ich mich übergeben. darunter Laster und Schwächen wie Geiz.

22 Zu Beginn des 17. Tugenden und Sünden in der allegorischen Literatur des Mittelalters. Das große Interesse der Zeit an der Physiognomik und der Humorenlehre trägt ferner seinen Teil bei und führt zu der Frage. das zunehmende Bewußtsein des Einzelnen für das eigene Selbst. z. La Bruyère. stets pointiert und nicht selten satirisch ausgeführte Skizze eines Typus dar.B. die das ganze Jahrhundert hindurch anhielt. Würzburg 1956. konstatiert: „Reading a ‘character’ from.11 als eine geradlinige Fortsetzung der Tradition des theophrastischen Charakters angesehen werden. Jahrhunderts inaugierten Joseph Hall (1608) und Thomas Overbury (1614) mit ihren Charakterskizzen in England eine Mode. Die außertheophrastischen Traditionen der Typendarstellung in Mittelalter und Renaissance (ethopoiia in der Rhetorik.. Von der Charakter-Beschreibung zur Charakter-Erzählung. Die Palette der Typen wird schon von den ersten character-writers in mehrere Richtungen erweitert.a. Jahrhunderts eine deskriptive. wie die Lehre von den Temperamenten glaubte. Flaubert. S. 10. Friedrich Arnold.O. Proust. die sich z. die politische Umbruchsituation in England und der damit zusammenhängende tiefgreifende Weltbildwandel. Die sehr verbreitete essayistische Charakterstudie stellt im Verständnis des 17. Die Entwicklung des Theophrastischen Charakterporträts im 17. ob der Charakter zu den wenigen moralisch indifferenten Grundbegriffen des Menschlichen gezählt werden kann. or one that could have been prompted by the commonplace books or by memories of some allegorical work or book of estates. a motif that could go back to a late sixteenth-century imitation of Roman satire. Dabei wurden zwar zunächst alte Züge des Genres beibehalten. Zu nennen ist hier beispielsweise die 1592 veröffentlichte Theophrastausgabe von Casaubonus. dazu Benjamin Boyce. Studien zu ihrer Theorie und Praxis (Retz. The Theophrastan Character in England to 1642. Insofern läßt sich von der Antike bis zur Neuzeit keine Kontinuität in der Geschichte des Charakters herstellen. Thomas Koch. Balzac. Jht. . 89. London 1967. doch dann kam es recht schnell zu Veränderungen. von Horaz und Martial. Laine). for instance. (Ebd. ‘Narrenschiff’Literatur) lassen sich als mögliche Einflüsse auf die character-writers nennen. Personifizierung von Charaktereigenschaften. Kap. und 18. a. 19f. Vgl. one will often find. Hierbei ist der Hintergrund der Charakterskizzen vom Chri- 22 23 24 Vgl.).“ Vgl. Vor dem Hintergrund des zunehmenden psychologischen Interesses am Menschen sind die Schilderungen der characterwriters zu sehen. Ferner tragen zum Anwachsen der character-Literatur bei: das seit der Renaissance angewachsene Geschichtsbewußtsein. Smeed. Charakter-Epigramme.24 Der Humanismus brachte damit eine Übersetzung der antiken Charaktere in einen neuen Kulturkontext. S. in der Übersetzung Theophrasts ins Englische manifestiert. II und III. say.. mittelalterliche Ständetypologien. S. Tübingen 1991. Literarische Menschendarstellung. the 1620s.23 Gründe für das Auftreten und die Beliebtheit des Genres liegen in der philologischen und editorischen Tätigkeit der Humanisten.B.

12 stentum geprägt. a Peece of the World discoverded. Witty Descriptions of the Properties of Sundry Persons.a. stützen sich diese Verfasser zunächst auf rhetorische Kunstgriffe wie antithetischen Satzbau. die als Gegensatzpaare präsentiert werden. . in Essayes and Characters unterscheidet sich von Hall und Overbury bereits darin. Neben den komischen theophrastischen Typen findet man nun stärker negativ gezeichnete „Sünden-Charaktere”25. etwa die Einleitung eines Charakters mit einer Definition. Stilprinzip ist 25 26 27 Vgl.a..und Gewissensethik”. Dieses Werk besteht aus zwei Büchern. Die strenge Zweiteilung in Tugend und Laster tritt bei Earle nicht mehr in den Vordergrund. S. innere Werte. Sein Werk Micro-cosmography (1628). Koch. ungewöhnlichen Anspielungen und Vergleichen. sondern in einer Art Psychogramm werden Gedanken und Gefühle. eine Seelenlage oder eine innere Einstellung skizziert.26 Darauf folgt Sir Thomas Overbury (1581-1613/14) mit seinen posthum erschienenen Characters or. Siehe dazu Teil B. das den Untertitel trägt or. worin erstmals eine Vielzahl an Frauenporträts vorkommen. daß es sich um weit detailliertere Beschreibungen handelt. 11f. Anders als bei Theophrast. den Charakter möglichst witty zu präsentieren. bezeichnet die ethisch-charakterologische Basis der englischen characters als „christlich-theonome” und „geistig-innerliche. II. Kap. Der Charaktertyp wird häufig nicht mehr in seinem Verhalten geschildert. Alliteration und phantasievolle Metaphern. Wie schon beim antiken Vorbild sind auch diese Skizzen „Momentaufnahmen”. Die dargestellten Laster sind im allgemeinen Verstöße gegen das Gewissen und die Vernunft. die keine Entwicklung einer Person aufzeigen. a. S. Jahrhunderts besteht in ihren zahlreichen allegorischen Übertragungen. Die Eigenart dieser Texte des 17. a.O. 89. die dazu dienen. ähnlich einem Lexikoneintrag.27 Ein weiterer wichtiger und bekannter englischer Vertreter ist John Earle (1601-1665).O.. Teilweise verwendet Hall das gleiche Schema wie Theophrast. I. in denen jeweils antithetisch Tugend und Laster behandelt werden. Arnold. Um ihre Absichten zu unterstreichen. Hall ist Gegenstand der Untersuchung in Teil A. das heißt psychologisch fundierte Willens. Kap. Unter den wohl bekanntesten Vertretern ist Bischof Joseph Hall (1574-1656) mit seinen Characters of Virtues and Vices. wenn sich auch Klassifizierungen nach der moralischen und sozialen Beschaffenheit der Typen festmachen lassen. geht es Hall um abstrakte. bei dem bestimmte Verhaltensweisen eines Charakters für sich sprechen.

Les Caractères de Théophraste traduits du grèc avec les Caractères ou les Moeurs de ce Siècle.h. Aufgrund des großen Erfolgs werden Les Caractères ou les Moeurs de ce Siècle mehrfach erweitert und neu aufgelegt. S. Sie sind komplexer.a.” . 90. deren Abfolge weder eine zeitliche noch eine logische Ordnung erkennen läßt. Der Mythos von Paris. daß die Typen mit Personennamen versehen und dadurch individualisiert werden. Beeinflußt wurden diese Artikel vom berühmtesten französischen Beitrag zur Charakter-Literatur: Jean de La Bruyère (1645-1696). München 1993. Dabei spielt die Temporalität.. Koch. konnten die englischen Moralischen Wochenschriften das Genre fortführen.”28 3. nicht mehr in der Ausschließlichkeit als Personifikationen einer zentralen Eigenschaft aufzufassen wie dies bei Theophrast und den character-writers möglich ist. Zu den Neuerungen gehört außerdem. raffinierte Verwendung von Stilfiguren zur Versinnbildlichung der personifizierten Eigenschaften. d. gestaltet der Franzose seine Charaktere zu einer oft aus der Perspektive eines Ich-Erzählers vermittelten kleinen Szene bzw. Jahrhunderts den Charakter als Gattung etabliert hatten. einer chronologisch linearen Handlungssequenz. die La Bruyère in bewußter Differenz zu Theophrast entwickelt. Der Titel 'Les caractères ou les moeurs de ce siècle' ist ein Programm. deren Prinzip die bloße Aufzählung einzelner Charakterzüge war. eine wesentliche Rolle.. die geschichtliche Bedingtheit der Charaktere. sein erzählendes alter ego kommentierend und interpretierend in die Darstellung ein. Fortführung in den Moralischen Wochenschriften Nachdem die Verfasser des 17. Paris 1962. a.O. 28 29 30 Vgl. Hinzu kommen damit Temporalität und Komplexität. wie er in den einfachen Verhältnissen Athens begegnete.30 La Bruyère führt die Typen in einer einzigen Situation vor oder verfolgt sie auf ihrem Weg durch mehrere Situationen. Robert Carapon. Während Theophrast Charaktere in der Gesellschaft darstellen konnte.13 die Inszenierung von wit. der meist das Verhalten seiner Typen in wechselnden Situationen vorführt. in einer ‘peinture naive’ darstellen. die das Ganze im Blick behält. als „die geistreiche. S. Im Gegensatz zu Theophrast greift La Bruyère bzw. Er übersetzt 1688 Theophrast ins Französische und hängt den antiken Skizzen Sittenschilderungen seines eigenen Jahrhunderts an. Jahrhunderts hervor. Die Kriterien „Komplexität” und „Temporalität” erläutert Karlheinz Stierle.29 Häufiger als Theophrast. stellt La Bruyère Charaktere der Gesellschaft dar und steigt so zu einem höheren Niveau der Reflexion auf. Daraus ging schließlich der periodical essay zu Beginn des 18. Jean de La Bruyère. 63: „Theophrast konnte den Charakter. ed. Die Beschreibung der caractères in einer komplex gewordenen Welt setzt komplexe Darstellungsformen voraus. Zeichen und Bewußtsein der Stadt.

Jahrhundert.O. Koch.O. a. Der Mensch als erziehbares Wesen kann durch Belehrung zur Tugend gelangen. die moralphilosophische Gedankengänge enthalten. mit der Folge einer wachsenden literarischen Produktion und eines boomenden Zeitschriftenmarkts. Das Porträt wird in eine Rahmenerzählung eingebettet. die schon bei La Bruyère sehr breit war. a.. 70f.”32 Das Autorenteam Addison/Steele liefert in den Moralischen Wochenschriften eine Art „Erziehungsprogramm” für den Bürger und geht in der Porträtierung von Männern und Frauen der Frage nach.34 Dies bedeutete eine Emanzipation für die Autoren. wird im frühen 18. Koch. Frankfurt a.31 Beherrschendes Thema der Moralischen Wochenschriften und der Popularphilosophie der Zeit ist der Mensch. Thematisiert wird zum Beispiel die Schein-Sein Problematik und damit das Verhältnis von Innen und Außen. S.a.. 68. Hier werden in Artikeln. Thomas Koch hält fest: Die Palette der Rahmenfiktionen. Ein anderer erzähltechnischer Kunstgriff besteht darin.a.O. Ute Schneider. Vgl. Vgl. Gewöhnung und Übung und durch rationale Einwirkung. etwa in Addison und Steeles Tatler (1709-11) und Spectator (1711-14). die nun vom Schreiben leben konnten. Volker Stürzer.. Journalismus und Literatur im frühen 18.14 Eine Fortsetzung und Weiterentwicklung der La Bruyèreschen Spielart des Charaktertypenporträts findet in den Moralischen Wochenschriften der englischen Frühaufklärung statt.a. S. Die anthropologischen Vorstellungen der Aufklärung sind vom englischen Empirismus und Sensualismus beeinflußt. auf der die Charakterzeichnungen Theophrasts basiert: Danach empfängt der Charakter seine Prägung durch Natur (Veranlagung). . wie Charaktere zu entziffern sind. zur Veranschaulichung Charakterskizzen beigefügt. Dadurch kam es zu einer generellen Öffnung der Presse. S. Belehrung. S. a. 15. Jahrhundert noch erweitert. der immer zugleich als Individuum und als Mitglied der Gesellschaft gesehen wird. die sich an der Vielzahl 31 32 33 34 Vgl. (Ebd.33 Die Aufhebung des Licensing Act durch das englische Parlament im Jahr 1695 beseitigte die Vorzensur und damit die Restriktion des Buchmarktes. Von ähnlichen Voraussetzungen geht auch die Aristotelische Anthropologie aus. den Typen selber in Ich-Form berichten zu lassen . 1984. In ihren Essays verbinden sich nun Charakterskizze und Erzählen. S. dabei ist „die Sittlichkeit des Menschen aufs engste an die Vernunft gekoppelt. So wird etwa La Bruyères dramatischszenische Darstellungsweise mit ihrer Raum-Zeit-Einheit von Addison im Tatler noch in Richtung auf die geschlossene anekdotenhafte Episode hin weiterentwickelt.in fiktiven Briefen an den Herausgeber oder in fiktiven Tagebuchpassagen.). 92. 92. in der die Begegnung des Ich-Erzählers mit dem Typen geschildert wird. M. Allerdings war die Profitspanne der Zeitschriften nicht sehr groß und eine positive Resonanz durch die Leserschaft unabdingbar.

Ärzte.38 Erklärtes Ziel war also die Reform der Leserschaft.37 Bewußt wollten sie sich von den Partei. and are laudable in their Particular Kinds. a. 62. what to think: Which shall be the End and Purpose of this my Paper. zu denen z.O. .35 Unter den Charakterschilderungen in den Zeitschriften waren neben Berufscharakteren wie Juristen. Auch im Spectator No. Soldaten oder Schauspieler. Now these Gentlemen. ein von Jonathan Swift erfundenes Pseudonym) zusätzlich dadurch zum Ausdruck brachte. in der vor allem Frauen mit einer großen Bandbreite von Eigenschaften charakterisiert werden. Vgl.15 von Leserbriefen ablesen ließ. Die Charakterschilderungen im "Tatler". Tatler und Spectator können als Prototypen der moralischen Zeitschriften gelten. die vierte Gruppe umfaßt die Charaktere der Geschlechter. Satiren. Berichte über das Zeitgeschehen und auch Charaktere. die rechtlich geahndet werden konnten. der ihren eigentlichen Fähigkeiten widersprach. moralische. April 1709 mit folgendem programmatischen Auftakt: THO’ the other Papers which are publish’d for the Use of the Good People of England have certainly very wholesom Effects.und Nachrichtenblättern abwenden. Sie wiederum werden mit Berufspedanten. Stürzer.36 Eine weitere Einheit bilden die Standescharaktere wie Höflinge und Landadelige. it is both a Charitable and Necessary Work to offer something. was Mr Bickerstaff (alias Steele/Addison.a. philosophische und kulturelle Themen. auch solche. which. 21. daß er sich zum „Censor of Great Britain” ernannte.Essays über soziale. Lob der Tugend und Verurteilung des Lasters. Dabei ging es den Verfassern nicht um Verstöße. they do not seem to come up the Main Design of such Narrations.O. 65. Jahrhunderts.B. should be principally intended for the Use of Politick Persons. S. und so begann der Tatler seine erste Ausgabe am 12. sondern um die Verbreitung nützlicher Wahrheiten. who are so publick-spirited as to neglect their own Affairs to look into Transactions of State. Leipzig. La Bruyère und den englischen Character-Writers des 17. 10 wurden klare Ziele genannt. Sammlern. Raritätenliebhabern und einseitigen Kritikern kontrastiert. being Persons of strong Zeal and weak Intellects. "Spectator" und "Guardian". Ihr Verhältnis zu Theophrast. I humbly presume. Vgl. Die Leserschaft stammte weitgehend aus dem Bürgertum und dementsprechend gestaltete sich auch die Thematik .. das Anprangern von Mißständen und Auswüchsen in der Gesellschaft. whereby such worthy and well-affected Members of the Commonwealth may be instructed. S. after their Reading. die in einem Bereich oder Beruf agierten.a. die Kaffeehauspolitiker und Dichterimitatoren gezählt werden können. a. for the most Part. Smeed. Geschichten. 35 36 37 Vgl.. 1930. Wilhelm Papenheim. Geistliche. S.

So empfand das 19. S. eine philanthropische Einstellung. Der Versuch. and to temper wit with morality. Diese Zielsetzung verlangte nach festen Konturen des Typus und erst in zweiter Linie nach dem individuellen Charakter. till I have recovered them out of that desperate state of vice and folly. .16 bei denen die Mischung aus geistreich-witziger Unterhaltung und angenehmer Belehrung im Vordergrund stand: I shall spare no pains to make their instruction agreeable. and their diversion useful: For which reason I shall endeavour to enliven morality with wit. die nun an Popularität gewannen. eine Sammlung moralistischer Essays. der common sense betont wird. aber es entwickelte dennoch seine eigene Manier etwa in Dickens Sketches by Boz (1839). The Spectator. Jahrhunderts immer seltener vorkam. um bildhaft Tugend und Laster darzustellen. entwickelte sich die typisierende Form der Menschenschilderung weiter.. Oxford 1987.41 So vollzieht sich ein entscheidender Wandel. geschah das zur überzeugenderen Darstellung. Volume I. I have resolved to refresh their memories from day to day. schien seine Beliebtheit einzubüßen. Es waren die kurzen erzählerischen Formen. Diese Essaysammlung umfaßt Reflexionen über aktuelle wie auch zeitlose Themen. der ebenfalls eine erzieherische Funktion verfolgt und betont. Der Typus 38 39 40 41 Donald F. into which the age is fallen. Donald F. about how fictional characters are created. Volume I-III. In der Einleitung schreibt die Herausgeberin: „George Eliot’s Theophrastus shows the accumulated traces of Theophrastan ‘imitators’ through the centuries . and about how the author survives as his or her written text is inherited by successive generations. Bond... daß der Mensch ständig auf das Laster aufmerksam gemacht werden müsse. 4. George Eliot’s version of the ‘Characters’ is not just a series of sketches of nineteenth-century types. The Tatler. Dennoch unterscheiden sich Addison/Steele und La Bruyère: während im englischen Kontext die szenische Erzählung.. Das 19. die misanthropisch geprägt und durch ésprit bestimmt ist.39 Diese Formulierung findet sich nahezu identisch bei La Bruyère wieder. Inwieweit die Charakterskizze dieses Werk beeinflußte wäre eine eigene Studie wert. It is a book about what defines moral character. die eigene Anschauung des Erzählers. moralische Reflexion und schöpferische Charakterschilderung zu verbinden. ed. ed. 14. . Jahrhundert Porträts eines Typus zwar als reizvoll. steht bei La Bruyère eine berichtende Aufzählung im Vordergrund..40 Der periodische Essay bediente sich der Charakterschilderung. Thackerays Book of Snobs (1848) oder George Eliots Impressions of Theophrastus Such (1879). Oxford 1965. Jahrhundert: Hinzunahme eines plot Nachdem die Charakterskizze als eigenständige Form von den Moralischen Wochenschriften absorbiert wurde und in den letzten Jahrzehnten des 18. S. Gewannen solche Gestalten durch beschreibende Namengebung oder das Exzentrische ihres Verhaltens teilweise persönliche Züge.. 15. Bond.

Richard Jügler. ed. 40. as we walk through a street. Innen und Außen. Studien wie sie ja jeder Maler in den Entstehungsphasen eines Gemäldes flüchtig entwirft. Der Erzähler wird zum spekulativen Beobachter. Es kommt Dickens in den Skizzen nur darauf an. . George Eliot’s Theophrastus performs the act of literary history that have made the adaption of the form possible . nicht mehr das Allgemeine. S. Sketches by Boz. Illustrative of Every-Day Life and Every-Day People. The various expressions of the human countenance afford a beautiful and interesting study. Pickwick Papers. responses and exclusions of texts in their translations from one generation and national culture to another. Diese Ausgabe spiegelt die thematische Skala der frühen Skizzen in der Gliederung: Our Parish. Paradoxerweise wird seine Genauigkeit angestrebt. Oliver Twist. zeitlosen Grundsätzen und einmalig Zeithaltigem. George Eliot. London 1957. and nothing so materially assists us in these speculations as the appearance of the house doors. Über die Technik der Charakterisierung in den Jugendwerken von Charles Dickens (Sketches. Er ist spekulativer Beobachter und gleich- 42 43 Impressions is different from previous ‘imitation’ of Theophrastus because in writing about characters he meets.. Whenever we visit a man for the first time. 12: „Die Skizzen wollen nur Studien sein für die großen Charaktergemälde der später folgenden oder zum Teil schon gleichzeitig entstehenden Romane. that between the man and his knocker. Tales lauten hier die Obertitel der vier Hauptgruppen.the borrowings.42 So liefert Dickens in seinen Sketches by Boz mit dem Porträt von „The Four Sisters” oder „Our Next Door Neighbour” journalistische Stücke. möglichst schnell ein fest umrissenes Charakterbild zu haben. Introduction. der mit „curiosity” ausgestattet ist und die beschriebenen Figuren mit karikaturistischen Zügen ausstattet. S. London 1994.” Charles Dickens. Die Erzählerpersönlichkeit gehört nun in die erzählte Welt hinein. S.” Nancy Henry. Das Neue bei Dickens in seinen „Bildern aus dem Alltagsleben” ist die Einbettung des Typus in einen Handlungszusammenhang (plot). Typus und Besonderes sollen in Einklang gebracht und die Trennung zwischen Substanz und Akzidenz. but there is something in the physiognomy of street door knockers. Erzählerrollen werden angelegt in den Skizzen und dann im Roman ausgebaut. Philosophie und Literatur aufgehoben werden. die eine räumliche und zeitliche Spezifität aufweisen und Entwicklungen oder Umwälzungen aufzeigen. Das Besondere wird betont. and nearly as infallible. Nicholas Nickleby). Halle 1912.17 wird im Anwendungsbereich erweitert. So heißt es zu Beginn von „Our Next Door Neighbour”: We are very fond of speculating.43 Der Erzähler entwickelt in dieser Eingangspassage eine „Theorie des Türklopfers” und schließt über das Materielle auf das Menschliche. almost as characteristic. Scenes. imitations. on the character and pursuits of the people who inhabit it. um mit diesem dann nach Belieben experimentieren zu können. for we well know. xiif. Diese Skizzen dienen als Vorstufen im individuellen Schaffensprozeß. we contemplate the features of his knocker with the greatest curiosity. there will inevitably be a greater or less degree of resemblance and sympathy. Characters. Impressions of Theophrastus Such.

And best distinguished by black. Eine wichtige Voraussetzung für eine solche durch die gender studies bereicherte Literaturgeschichtsschreibung ist die Historisierung des gender-Konzepts. Es soll der Differenzwert des Geschlechterdiskurses erarbeitet und damit der feministische Diskurs um eine historische Schicht erweitert werden. Jahrhunderts. 'Most women have no characters at all.18 zeitig affektiver Teilnehmer des Geschehens. Zielsetzung und Forschungsstand „Nothing so true as what you once let fall. Es soll eine Art „Archäologie” dieser literarischen Gattung versucht werden. Sie versteht sich zugleich als Beitrag zur Literaturgeschichte des 17. deren Höhepunkt im 17.' Matter too soft a lasting mark to bear. Jahrhundert anzusiedeln ist. wobei der Schwerpunkt auf dem Herausstellen der Spezifik des 17. Zugleich möchte ich die im Rahmen dieser Gattung artikulierten Frauenbilder darstellen und analysieren. Der Text weist eine räumliche Spezifität auf. Diese Fremdheit macht sich auf sprachlicher. brown or fair. Die Arbeit zielt auf die Analyse einer Gattung. Zielsetzung Die vorliegende Studie möchte einen Einblick in Begrifflichkeit. III. all how true!” (Alexander Pope) 1. So soll zunächst die historische Alterität der literarischen Form vor allem anhand von Stil und Schreibweisen rekonstruiert werden. und mit dem Personalpronomen „we” wird der point of view signalisiert. Formen und Geschichte der literarischen Kleinform character geben. stilistischer und kulturgeschichtlicher Ebene bemerkbar und weckt damit das Interesse für eine literaturwissenschaftliche Erforschung. Der Journalist Dickens wird in den Skizzen sowohl zum Zeitkritiker als auch zum sozialen Gewissen der frühviktorianischen Epoche. How many pictures of one nymph we view. indem sie eine eher vernachlässigte Prosagattung ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt. All how unlike each other. In ihrer Gesamtheit liefern diese Genrebilder ein facettenreiches Panorama des damaligen London. die uns heute fremd erscheint. Jahrhunderts liegt. denn wenn die literarischen Konstruktionen von Geschlechtlichkeit nicht nur im Lichte eige- . die sich zur Zeit ihrer Blüte aber großer Beliebtheit erfreute.

wie es sich aus Selbstbeschreibungen ableiten läßt. Die Charakterskizze liefert Menschenbilder als Typeninventar. die das hierarchische Verhältnis der Geschlechter analysieren. Diese begriffliche Klärung läuft über Neben. Sie leistet eine Inventarisierung der Gesellschaft. Kate Millets Sexual Politics. Diese scheinen notwendig. a. in dem das jeweilige literarische Werk entstand. Neben der Auseinandersetzung mit der Asymmetrie zwischen den Geschlechtern wird nach der Konstitution. Dieses Phase des feminist critique wurde von Mary Ellmanns Thinking about Women. da das Genre im 17. die ebenfalls eine Lesbarkeit der Welt erzielen wollen. welche die hierarchischen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern reproduzieren und damit fortschreiben. auch wenn sein Erklärungswert insbesondere von Seiten des literaturwissenschaftlichen Dekonstruktivismus schon wieder in Zweifel geraten ist. feststehende und geprägte Typen. Jahrhundert in den zeitgenössischen Rhetoriken und Poetiken noch nicht etabliert ist. Das so erstellte Repertoire ist eingeschränkt. Die feministische Literaturtheorie kritisiert die von männlichen Sehweisen geprägte Sicht auf Literatur. die Frauenbilder in von Männern verfaßten Klassikern und deckten die Gestaltung von literarischen Frauenfiguren nach patriarchalischen Normen auf. Im Unterschied zur Physiognomik oder der Signaturenlehre. die im 17. entwirft die Charakterskizze durch das Herstellen von Typen zunächst eine Art Lektüreraster. Die Charakterskizze kann damit sowohl im Dienste der Moral stehen als auch das Spektrum gesellschaftlicher Möglichkeiten aufzeigen. muß gender in dem historischen Kontext betrachtet werden. Mit der Perspektive einer allgemeineren Geschlechterforschung schließen sich die neueren gender studies hier an. eine Arbeit in der die Autorin kritisch und ironisch stereotype Frauendarstellungen in der Literatur und die damit verbundenen Rollenfestschreibungen sowie die Einschreibungen männlicher Vorstellungen von Geschlechterdifferenz in der Literaturkritik analysiert. Normen vermitteln aber auch eine „empirische” Bestandsaufnahme geben können. In der frühen Phase (bis Mitte der 70er Jahre) analysierten Wissenschaftlerinnen v. und 20. die sich aus der Selbstreflexion der Gattung ergeben. über Diskursformen.44 Im ersten Teil der Studie geht es um die Erarbeitung des Charakterbegriffs. Zu bestimmen ist das Verständnis der Gattung.19 ner Vorstellungen gesehen werden sollen. New York 1968 eingeleitet. sie legt ein Gitter auf.und Gegenbegriffe. Daneben fragt sie nach den Konsequenzen für die Rezeption dieser Texte durch Frauen. 44 Auf die Verwendung des Begriffs gender möchte ich nicht verzichten. lesbar zu machen. indem sie das Prinzip der Reihenbildung verfolgt. die zwischen Erziehung und Unterhaltung oszillieren. London 1969 deckt patriarchalische Weiblichkeitsstereotype in literarisch-kulturellen Standardwerken des 19. Jahrhundert rekonstruiert werden. . denn es handelt sich um wiederholbare. stellt ein Werkzeug bereit. der Funktion und der spezifischen Ausformung der Geschlechterdifferenz in der jeweiligen Gesellschaft gefragt. Jahrhundert im Zusammenhang mit ‘character’ bedeutsam werden. um die Vielfalt menschlicher Erscheinungen zu inventarisieren. so wie er in den Einleitungspassagen von Charaktersammlungen oder in Charakterskizzen selbst formuliert worden ist. Jahrhunderts auf. Es sollen Begriffsbestimmungen und -funktionen von ‘character’ im 17.

Das Prinzip der Wiedererkennbarkeit wird eingeführt. daß es sich bei der Charakterskizze um eine eigenständige Gattung handelt. wie es sich aus den Frauenporträts verschiedener Autoren des 17. Problematisierungsdiskurse. Kritik. um mittels Schematisierung eine Erkenntnishilfe zu gewinnen. Auf dieser Basis und mit Hilfe des so gewonnenen Vorverständnisses liefert Teil B der Studie eine genauere Kennzeichnung der Mittel. welche Intentionen die Bearbeiter des Genres verfolgen. Jahrhundert Hinweise darauf liefert. Nationaldiskurse etc. dessen Verwendung im 17. Unterhaltungsformen. zu beleuchten und die Bestimmung der Textart auf metatextlichem Weg anzubahnen. Welche Rolle spielen etwa Vorbilder. Satire. Diese Festgelegtheit manifestiert sich in der Schrift. Jahrhunderts ableiten läßt. neben der Erziehungsliteratur. die der Terminus ‘character’ annehmen kann. Die Frage nach der (Un-) Durchschaubarkeit des Menschen erfährt in der hier untersuchten Kleinform ihre spezifisch literarische Ausprägung. Grundlage der Charakterskizze ist die Vorstellung von der Determiniertheit des Menschen. Der Erarbeitung der Geschlechterkonzepte wird damit ein Teil vorangestellt.? Im Mittelpunkt steht die proteische Geschichte der Gattung. soll daneben zeigen helfen. die als Modell dient und als Analogie zum Menschen betrachtet wird.bzw. Funktion der Lektüre ist die Vermittlung von sozialer Kompetenz. die Gewinnung von Menschenkenntnis für die Interaktion. transtextuellen Bezügen. Der Begriff ‘character’. Dabei kann sich die Charakterskizze aufgrund ganz bestimmter anthropologischer Voraussetzungen entfalten. dessen Voraussetzung die Unterschiedlichkeit ist. . Mit der Schaffung einer Übersichtlichkeit des Typenreservoirs steht sie der unendlichen Vielfalt menschlicher Erscheinungsformen entgegen. Dieser zweite Teil soll das Konzept der Geschlechterdifferenz herausarbeiten.45 Hierbei wird insbesondere auf die Gattung Charakterskizze im Kontext anderer Gattungen eingegangen. die unterschiedlichen Bedeutungen. anthropologische Diskurse.20 Die Arbeit sieht den Ausgangspunkt der Charakterskizze im Topos der Lesbarkeit des Menschen. Der Begriff Metatext wird dabei im folgenden in dem eingeschränkten Sinne von ‘Selbstbeschreibung der Gattung’ verwendet. der dazu dienen soll. Dabei geht es um das Aufzeigen von inter. die in der Charakterskizze zur Personendarstellung eingesetzt werden. Im Überblick werde ich das literarische Umfeld der characters abstecken und wichtige Referenztexte einführen. die einher geht mit der Darstellung eines konstanten Frauenbildes.

47 Thomas Overbury gehört zu den bekanntesten characterwriters. now First Collected. Jahrhunderts festgemacht werden. ed. Seine Texte sind für den modernen Leser oft schwierig und unklar. S. Vgl. Unter diesen Voraussetzungen. with Notes by Edward F. equipped with a complex. 425-453. Metaphern.21 Es soll die Pragmatik der character-Texte herausgestellt werden. Mit Overbury Collection ist gemeint: Sir Thomas Overbury & others. Die diachrone Perspektivierung der Arbeit versteht sich als Beitrag zum neohistorischen Ansatz Greenblatts. Analogien.und sozialwissenschaftlichen Diskursen virulent sind. daß er mehrere Frauenporträts verfaßte. Geschlechtsidentität wird in unserem Zusammenhang verstanden als gesellschaftliches Konstrukt. dessen Programm auf einer stringenten Formaluntersuchung der Autonomie des Kunstwerks beharrte. the work of art is the product of a negotiation between a creator or class of creators. die sie internalisieren und schließlich als „natürlich” erachten. Feminismus und Kritik.. finden 45 46 47 48 Auswahlkriterium für die Untersuchung eines Autors war. Ferner sichert der Reichtum der elisabethanischen und nachelisabethanischen Sprache. „Geschlechtsidentität und Rationalitätskonzeptionen. Der Begriff der Geschlechterrolle stammt aus der soziologischen Rollentheorie. wie sie mit den Frauenporträts von Overbury und anderen Autoren vorliegen.. M. die die sozialen Bedingungen eines historischen Horizonts dokumentieren und so das literarische Werk in einen größeren werkextrinsischen Zusammenhang stellen: das nicht mehr als autonom betrachtete Kunstwerk tritt in eine Verhandlungs.. Die Rollen gehen nach dieser Theorie im Zuge der Sozialisation fest ins Handeln der Individuen über. die Männern bzw. das heißt als Geschlechtsidentität ausbilden. some of them of our own . . in: Ders. Sandra Harding.bzw. das heißt im Bemühen um eine textnahe Analyse bei gleichzeitiger Berücksichtigung einzelner Bedingungsfaktoren für die Genese eines literarischen Werks erweist sich Greenblatts Ansatz als fruchtbar für die Gattung Charakterskizze.the work of art is itself the product of a set of manipulations. That is. Essays in Early Modern Culture. 146-169. Rimbault. 158. many others undertaken in the construction of the original work. Greenblatt wendet sich einerseits der Tradition des New Criticism zu. Greenblatt selbst sieht das Kunstwerk als Resultat einer Wechselwirkung von produktions. 1989. London 1890. natur.wie rezeptionsästhetischen Prozessen: „. S. zum anderen durch eine aussparende Schreibweise gekennzeichnet. mythischen. denn sie sind zum einen mit der damaligen Sozialsituation verflochten. Tauschsituation („negotiation”) mit seiner Geschichtssituation. die auf verschiedene Weise die sozialen Formationen aller Zeiten bestimmen und in religiösen. insbesondere auch die als „männlich” oder „weiblich” definierten Verhaltensmuster. and the institutions and practices of society. Characters or Witty Descriptions of the Properties of Sundry Persons (1614) in: The Miscellaneous Works in Prose and Verse of Sir Thomas Overbury.” Stephen Greenblatt. hier S. Denkverhältnisse. das die Beziehung . „Towards a Poetics of Culture”. die das soziale Handeln des oder der Einzelnen im Rahmen gesellschaftlicher Erwartungsmuster als Rolle bezeichnet. Learning to Curse. Eine Problemübersicht”. denn an ihren Konzepten von „Autor” und „Text” soll die Alterität des 17.. Andererseits verweist er auf intertextuelle Bezüge. ihre Derbheiten und Anzüglichkeiten nicht immer die richtige Bewertung. in: Elisabeth List und Herlinde Studer. Unter Geschlechterrollen sind also die spezifischen Aufgaben zu verstehen. Diese Vorstellungen des Weiblichen und des Männlichen.. In der Darstellung von Renaissancekonzepten der Geschlechterrollen48. Frauen zugewiesen werden. communally shared repertoire of conventions. werden Menschenbilder und Kulturkonzepte formuliert und durchgespielt. New York/London 1990. deren wesentliches Merkmal ihre Stellung zwischen Literatur und Gesellschaft ist. Frankfurt a.46 Besonderes Augenmerk gilt der Overbury Collection. ihre Mehrdeutigkeiten.. eds.

Sie lassen kulturelle Modellierungen und ihre sozialen Funktionen präziser erkennbar werden.und Repräsentationsprozeß dar. daß sich in der westlichen Kultur erst im 19. Das Wort Stereotyp ist um 1800 gebildet worden und bezeichnet ‘feste Buchstaben’ im Gegensatz zu den beweglichen Lettern. Geschlechterrollen sowie Sexualität naturalisiert und in den kulturellen Signifikationssystemen unablässig hervorgebracht wird.B. . a. München 1996) zeigen. Geschlechtsstereotype sind stark vereinfachte. Die Ordnung der Geschlechter. weit verbreitete und historisch variable Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit.22 gerade in literarischen Texten ihre eigentliche Differenzierung. welcher in gesellschaftlichen Diskursen immer wieder aufs neue (re-)produziert wird. aus denen spezifische komplementäre Charakteristika abgeleitet werden. Zum anderen erfolgte eine Verlagerung im Bereich der historischen Frauenforschung. aktiv/passiv. Geist/Körper. Problematisierung und Infragestellung. Geschlechterdifferenz stellt sich dann als hierarchischer Signifikations. Werte. Die historisch und von Kultur zu Kultur variierenden Muster der Geschlechterdifferenz49 zeigen in den characters eine spezifische Ausprägung. Daß ein Thema wie die Konstruktion von Weiblichkeit in jüngster Zeit in das Blickfeld nicht nur der kulturgeschichtlichen Forschung gerückt ist. Jahrhundert reservieren und für schematische Ausdrucksformen in der hier relevanten Literatur den Begriff des Topos oder Gemeinplatzes verwenden. in Frauenbildern niederschlagen. da sie einen Einblick in epochenspezifische Denkweisen. modifizieren oder gar verkehren. wie es in verschiedenen Aspekten einer Gesellschaft zum Tragen kommt. Unter Geschlechterdifferenz verstehe ich das hierarchische Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Der Toposbegriff scheint gerade auch deshalb geeigneter. Die Ergebnisse historischer Forschungen (z. die sich ebenfalls in ihrer Anfangsphase nur auf frauenspezifische Phänomene bezog. sich nun aber zu einer Geschichte der Ge- 49 50 zwischen körperlichem Geschlecht. Klischee kommt ursprünglich von ‘clichieren’ und heißt soviel wie ‘vom Original einen Abdruck machen’. ihrerseits wirken literarische Strukturen auf ebenso vielfältige wie komplizierte Weise in der Lebenswelt. Normen und Einstellungen geben kann. Jahrhundert Vorstellungen etabliert haben. daß die zuvor vorherrschende Konzentration des Forschungsinteresses auf Autorinnen und Frauenfiguren inzwischen zu einer umfassender angelegten Untersuchung von Geschlechtsidentitäten wurde. die von einer grundsätzlichen biologischen Verschiedenheit der Geschlechter ausgehen. Die Charakterskizze ist gerade aus kulturwissenschaftlicher Perspektive interessant. Verstand/Gefühl. weil er wertneutral beschreibt im Gegensatz zum Stereotyp. Eng verwandt ist der Begriff des Klischees. inwieweit die Charakterskizzen Geschlechtsstereotypen50 aufbauen. Claudia Honegger. Die Wissenschaften vom Menschen und das Weib 1750-1850. untermauern. wobei der Frau immer letztere Termini zugewiesen wird. Die Forschung zur Geschlechterdifferenz sucht einerseits ihr Entstehen und ihre spezifische Ausformung in der jeweiligen Gesellschaft nachzuzeichnen und sie andererseits als sprachlich-differentiellen Prozeß zu dekonstruieren. die auf der polarisierenden Zuweisung von vermeintlich geschlechtsspezifischen Eigenschaften beruhen und sich in literarischen Texten v. verdankt sie verschiedenen Tendenzen: zum einen trug die Weiterentwicklung literaturwissenschaftlicher feministischer Ansätze zu gender studies dazu bei. Es wird zu prüfen sein. Daher sollte man zur terminologischen Klärung den Begriff des Klischees für die literarische Epoche seit dem 18. Diese geschlechtsspezifischen Zuschreibungen orientieren sich an den binären Oppositionen Kultur/Natur.

wie der Briefkultur und dem Konversationston. weil sie sich durch eine Offenheit auszeichnet: jeder kann sie anders nutzen. die westliche Literatur und Kultur durchziehen. an Strukturmustern wie dem Tagebuch festhielten. vor allem stilistische Aspekte des literarischen Genres character untersucht und gattungsgeschichtliche Veränderungen aufgezeigt werden. Autorinnen wie Cavendish. indem sie zunächst an Schreibweisen. indem sie diese Texte auf die darin enthaltenen Weiblichkeitsentwürfe hin untersuchen. die auf der Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht (sex) und kulturell geprägten Vorstellungen von Geschlechtlichkeit (gender) basiert. Astell oder Drake reagierten auf die ihnen auferlegten Beschränkungen. Diese Thematik wirft ihrerseits wiederum verschiedene Fragen auf.criticism bekannt. Hier dekken Kritikerinnen die männlichen Sichtweisen in literarischen Werken von Autoren auf. Die Charakterskizze erweist sich in diesem Zusammenhang als besonders interessant. wie sehr Weiblichkeit in der Literatur nach männlichen Bedürfnissen gestaltet bzw. Welche Folgen ergeben sich aus dem Weiblichkeitsideal des 17. daß bestimmte Frauenbilder wie das der femme fatale. der Heiligen. Jahrhundert verbreitet? Welche soziokulturellen Umstände bedingten und ermöglichten eine solche Konstruktion? Welche Diskurse wirkten an der Konstruktion dieser Vorstellungen noch mit? Wie trugen Frauen zur Konstruktion der Geschlechtsidentitäten bei? Neben einer inhaltlichen und historischen Betrachtung sollen in der hier vorliegenden Studie formale. Die Analyse solcher Frauenbilder kann deutlich machen. so daß eine permanente Variation diverser Grundschemata erfolgt. Zur Unterscheidung von Frauenbild und Frauenporträt sei auf die methodischen und begrifflichen Vorbemerkungen in Teil B verwiesen. Dabei wurden insbesondere Probleme der kulturellen und sozialen Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit in den Mittelpunkt der Forschung gerückt. der Hure. In jüngster Zeit trat die isolierte Betrachtung von Frauen („Frauenbilder”51) zugunsten einer integrativen Form von gender studies in den Hintergrund. Dabei zeigt sich. nach patriarchalischen Vorstellungen verfügbar gemacht wird.23 schlechterbeziehungen ausgeweitet hat. des Engels im trauten Heim usw. der Kindsfrau. gehört zu den frühesten Interpretationsansätzen der feministischen Literaturwissenschaft. die unterschiedliche Facetten des kulturgeschichtlichen Phänomens beleuchten: Welche Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit waren im 17. im anglo-amerikanischen Bereich als ‘images of women’. . andererseits innovativ und kreativ mit dem Genre Charakterskizze umgingen und dieses in neue Kontexte 51 Die Untersuchung von Frauenbildern. Jahrhunderts für die Literaturproduktion von Frauen? Welche Konventionen ihrer Schriftstellerei gibt es? Lassen sie einen direkten Anschluß an männliche Gattungsvorbilder zu? Diesen Fragen widmet sich das Abschlußkapitel von Teil B.

The Language of Forms. Robertson. Jahrhundert läßt sich ein Verschwinden der Gattung Charakterskizze beobachten. Darüberhinaus soll hier gezeigt werden. Unpublished Letters. einbauen läßt. ed. The Life. Second Characters or. steht nun die moralistische Bestandsaufnahme menschlicher Schwächen im Vordergrund. soll anhand der Gesellschaftsphilosophie Shaftesburys analysiert werden. Henry Gally.52 In diesen Schriften kommt es zu einer Verschränkung von Literatur und Anthropologie. Benjamin Rand. ed. Jahrhundert Verwendung fand. Ging es im 17. Hierbei ist nach einem Wandel im Charakterbegriff zu fragen. Ferner wird der längste theoretische Beitrag über das Verfassen von Charakterskizzen untersucht. Jahrhundert die freie Ausbildung der Persönlichkeit angestrebt. so wird im 18. ed. der Formulierung von Menschenrechten oder auch der Bedeutung von Individualität. Earl of Shaftesbury. Sie plädieren für einen authentischen. Nachdem ‘character’ in unterschiedlichen Konfigurationen Thema des ersten Teils der Untersuchung ist. Characteristics of Men. Anthony. so wie sie in den Moralischen Wochenschriften zum Ausdruck kommt. der sich möglicherweise an Einheitsbegriffen wie etwa Identität oder Stil ablesen läßt.. erlauben nur schwer jene aufklärerischen Vorstellungen von der Betonung der Gleichheit der Menschen. die die Aufklärung am Charakterbegriff vornahm. durch Selbsterfahrung und Selbstreflexion gewonnenen Aufschluß über die Natur des Menschen. unter denen die Charakterskizze als Inventarisierungsinstrument im 17. Earl of Shaftesbury . Eine Ursache für diesen Wandel liefern neue anthropologische Voraussetzungen. II. Jahrhundert um die moralische Bewertung menschlichen Handelns im Sinne der Aufstellung positiver Leitbilder und negativer Abschreckbilder. ed.24 setzten. daß sich die Charakterskizze geschickt in andere Genres.. London 1900. Es erfolgt eine Dynamisierung und eine Veränderung der literarischen Praxis. Die grundsätzliche Umdeutung. wie sie im Bildungsroman zum Ausdruck kommen wird... Die Bedingungen. The Moral Characters of Theophrastus. Manners. Ders. Corney. Jahrhundert. etwa dem Drama oder dem Essay. Vols I. Henry Gallys „A critical Essay on Characteristic-Writings”53. Im 18. Indianapolis/New York 1964. Anthony. by the Right Hon. Earl of Shaftesbury . H. . New York 1969. War das 17. Opinions.. and Philosophical Regimen of Anthony. A. 52 53 John M. Jahrhundert von einem festgefügten Inventar ausgegangen. gibt schließlich Teil C als dritter und abschließender Teil einen Ausblick auf das 18. Times . Sie kontrastieren zugleich mit dem Ideal der Selbstbildung. University of California Publications 33 (1952). London 1725.

Die Untersuchung endet mit dem Jahr 1642. Berlin 1965. .. Jahrhundert blieb allerdings bislang in der Forschung weitgehend unberücksichtigt. Benjamin Boyce. Neben einer detaillierten Untersuchung der Frauencharaktere fehlt noch immer die Zusammenstellung verschiedener Selbstbeschreibungen der Gattung und deren sorgfältige Kommentierung. Form und Funktion der Charakterskizze kann die Monographie von Benjamin Boyce. . Sowohl zur Geschichte als auch zu den einzelnen Aspekten wie etwa Methode. Unberücksichtigt bleibt daher die Tradition der characters im außerenglischen Bereich. The Theophrastan Character in England to 1642. Diese Lücke will vorliegende Arbeit schließen. Der Charakter ist das wesentliche Merkmal in der Beschreibung eines Menschen. Dies erachte ich für notwendig.25 2. Forschungsstand Bereits 1965 stellte Wilhelm Gauger in seiner Dissertation fest: Ein Geheimnis der Wirkung der Wochenschriften liegt zweifellos darin. Seine Studie bleibt somit allgemein und untersucht primär die verschiedenen Einflüsse auf die Charakterskizze.. London 1967. insbesondere die Entwicklung des Genres. aus dem Jahr 1967 als grundlegende Forschungsarbeit gelten.. beispielsweise die Rolle der Rhetorik oder die Beziehung zu Predigt und Essay. The Theophrastan Character in England to 1642. die sich im Rahmen der Begriffsbestimmung von ‘character’ ergeben. Liebe und Ehe in der Auffassung von Londoner Zeitschriften um 1700. Bisherige Arbeiten zur Charakterskizze beschränkten sich entweder auf eine erste Sichtung des Materials und bieten meist nur Überblicke.54 Die Frage nach der Ausgestaltung des Geschlechterverhältnisses im 17. Geschlechter. da somit Problemkontinuitäten und Entwicklungslinien aufgezeigt werden können. daß die theophrastische Tradition der Charakterbilder geschickt verwertet wird. Noch immer gibt es kaum kritische Textausgaben sowie Interpretationen einzelner Texte. oder sie widmen sich lediglich einem Autor und lassen die Historizität des Genres und seine Entwicklung außer Acht.. Dabei kann Boyce weder der Individualität der Texte gerecht werden noch genauer auf die einzelnen Autoren eingehen. S. 54 55 Wilhelm Gauger. 209. . . die in Frankreich mit dem Namen La Bruyère verbunden ist. Stil. Das zeigt sich gerade auf dem Gebiet der Geschlechterverhältnisse.55 Er zeigt die Tradition dieser literarischen Form von Theophrast bis zu den englischen character-writers auf.

die Schweiz und Österreich berücksichtigt. Arnold sieht beispielsweise eine Verbindung zwischen der „sozionomen Tat-Ethik”.”57 Die untersuchten Charakterschilderungen vereinigten die rationale Behandlung Theophrasts mit dem verallgemeinernden oder typisierenden Zug der Bilder La Bruyères. Oxford 1985. „die ihre Prägung und Benennung von Faktoren erhalten. Er setzt dabei die verschiedenen Formen der Charakterdarstellung im Charaktertypenporträt in mentalitäts. dann auch Frankreich. wie sie seiner 56 57 James W.26 Der Erforschung dieses Bereichs widmet sich der jüngste Beitrag zur Geschichte der Charakterskizze von James William Smeed. Die Charakterschilderungen im "Tatler". Jahrhunderts (1921) und Wilhelm Papenheim. Auf die Behandlung des stofflichen Aspektes und der Abgrenzung gegenüber literarischen Formen wie Allegorie und Porträt konzentrieren sich die frühen Arbeiten von Karl Lichtenberg. Smeed. Nach der subjektiven Schablone des Essayisten gezeichnet. Deutschland. The History of a Literary Genre.56 Seine Arbeit liefert wichtige literaturgeschichtliche Informationen. Karl Lichtenberg. Diese interdisziplinär ausgerichtete Arbeit kann ebenfalls nur in groben Zügen Entwicklungstendenzen nachzeichnen und analysiert insofern auch weniger als sie beschreibt. um so eine Typologie von Darstellungsformen zu erzielen. Diesen Punkt nimmt Friedrich Arnold. Papenheim spricht von Charakteren. Jahrhunderts. Der Einfluß des Theophrast auf die englischen Characterwriters des 17. The Theophrastan ‘Character’. The Theophrastan ‘Character’. Von der Charakter-Beschreibung zur CharakterErzählung (1956) auf.und geistesgeschichtliche Beziehung zu Menschenbildern bzw. Das Verhältnis von Charakterskizze zu Drama und Roman wird ebenso herausgestellt wie Stilfragen und die Interaktion von Charakterskizze und Gesellschaft. "Spectator" und "Guardian" (1930). Papenheim läßt ferner einen ideengeschichtlichen Zusammenhang zwischen dem Menschenbild einer Epoche und der in ihr üblichen Form des Porträtierens deutlich werden. stehen sie mit ihrer Abstraktion individueller Merkmale in direkter Nachfolge jener Gattung des character. "Spectator" und "Guardi- . ethisch-anthropologischen Bezugssystemen. Darin werden zunächst Entwicklungstendenzen in England aufgezeigt. Der Einfluß des Theophrast auf die englischen Characterwriters des 17. Die Charakterschilderungen im "Tatler". Denn er bezieht den ethologischen und charakterologischen Hintergrund der Epochen mit ein und trennt die verschiedenen nationalen Entwicklungsstränge. die außerhalb des Ichs liegen und das Allgemeinmenschliche zugunsten einer von außen herangetragenen Differenzierung entbehren. Berlin 1921 und Wilhelm Papenheim. wie sie hier Gegenstand der Untersuchung sein wird.

Ihr Verhältnis zu Theophrast. die literarische Form ‘Charakterskizze’ anhand der Frauenporträts zu rekonstruieren. Daneben ist sie bestrebt. Aspekte und Dimensionen literarischer Menschendarstellung entwickelt. schließlich verschiedener Formen und Mittel der Charakterisierung. Ein Mittel aufklärerischer Menschendarstellung in den frühen deutschen Wochenschriften.60 Die vorliegende Arbeit sieht sich als Ergänzung. herrschte. trotz der komplizierten Quellenlage ein möglichst repräsentatives Korpus insbesondere der Frauenporträts vorzulegen. Thomas Koch. 20. die inneren Qualitäten des Typen beschreibenden Darstellungsweise nach.27 Ansicht nach sowohl im antiken Griechenland als auch im Frankreich Ludwigs XIV. Jahrhunderts. Tübingen 1991. Dieses Korpus ist weitestgehend unbekannt. der stofflichen Beschaffenheit der Charaktere. 1930. Balzac. um damit erstmalig den Charakterbegriff aus verschiedenen Metatexten abzuleiten. S. Flaubert. Eine theoriengeschichtlich und methodologisch orientierte Studie. Fortsetzung und Aktualisierung genannter Forschungsergebnisse. Würzburg 1956. und der „dramatischen”. Jht.58 1976 setzt sich Ute Schneider mit den Thesen Arnolds eindringlich auseinander und kritisiert insbesondere dessen fehlende Bestimmung von Gattungsmerkmalen. In diesem Sinn zielt sie auch auf die Erschließung neuer Textquellen. Stuttgart 1976. und 18. Proust. Studien zu ihrer Theorie und Praxis (Retz. die einen Überblick über die Beschreibungskategorien und -modelle hinsichtlich der Formen. Leipzig.59 Sie widmet sich dem Kontext und der Funktion des Moralischen Charakters in den frühen deutschen Wochenschriften. Literarische Menschendarstellung. 7-9 bzw. Von der Charakter-Beschreibung zur Charakter-Erzählung. der Oberfläche des beobachtbaren Verhaltens verhafteten Charakteristik Theophrasts und La Bruyères. Die Arbeit möchte einen in Vergessenheit geratenen Abschnitt schriftstellerischer Produktion wieder in die Literaturgeschichte zurückführen. Sie setzt dabei zwei neue Schwerpunkte. Der Moralische Charakter. La Bruyère. Friedrich Arnold. findet sich auch in Thomas Kochs Literarische Menschendarstellung aus dem Jahr 1991. Laine). Ute Schneider. .. Zweitens versucht sie. 11-13. 58 59 60 an". Die Entwicklung des Theophrastischen Charakterporträts im 17. hier S. Vgl. Daneben zeichnet er Verbindungen zwischen der psychologisch „tieferen theonomen Gesinnungsethik” der englischen character-writers und ihrer nicht-narrativen. La Bruyère und den englischen Character-Writers des 17. Ihr Ansatz liegt erstens in der Konzentration auf die Selbstbeschreibung der literarischen Gattung.

die über die Bedürfnisse der Leserschaft oder die Interessen und Toleranzgrenzen der Literaturwissenschaft und Literaturgeschichtsschreibung Aufschluß geben. wie sie sich aus unterschiedlichen Selbstbeschreibungen ergibt. das weite Feld der character-Produktion zu überblicken. . Ungeachtet der künstlerischen Wertschätzung der hier untersuchten Texte und ungeachtet der durchaus unterschiedlichen Bedeutung. durch den Versuch einer „Archäologie” der literarischen Gattung Charakterskizze einen Beitrag zur Literaturgeschichte des 17. Es ist nicht damit getan. den literarischen Diskurs des 17. die literarischen Werken das Überleben oder sogar die Aufnahme in den Kanon „wertvoller Literatur” sichern. die den heute vergessenen Autoren und Autorinnen im literarischen Leben ihrer Zeit zukam. Jahrhunderts zu leisten. Wegen des aus heutiger Sicht geringen Bekanntheitsgrades der Texte und der schlechten Editionslage werden die meisten characters in voller Länge wiedergegeben.und unseres Gattungsbildes willen. um so aus der Fülle und Komplexität der Textzeugen Aussagen über spezifische Schreibweisen ableiten zu können. steht der Forschung ein vorzügliches Hilfsmittel zur Verfügung. Vielmehr gilt es.28 Neuere Arbeiten zur Kanonbildung haben dargelegt wie komplex die Vorgänge sind. Jahrhunderts besser zu verstehen. Mit Blick auf das Ziel der Arbeit. A Bibliography of the Theophrastan Character in English. ermöglicht die Kenntnis dieser Texte. Harvard 1947. Mit der Bibliographie von Chester N. sozialpsychologische und wissenschaftsgeschichtliche Forschungen ansetzen. Das Bemühen um die vielen verlorenen Namen geschieht der notwendigen Ergänzung unseres Epochen. Hier müßten nicht zuletzt soziologische. Warum die meisten Charakterskizzen eher abwertend beurteilt und weshalb sie gar ganz vergessen wurden ist bisher wenig untersucht. einige Glanzlichter unter den „Charakterologen” aufzuzeigen oder besonders ungewöhnliche Autoren hervorzuheben. Der zeitgenössische Erfolg kann hierfür keineswegs eine Garantie bieten. Greenough. soll nun im nachfolgenden Teil die Selbstreflexion der Gattung. erarbeitet werden.

Den Anfang macht Joseph Hall mit seiner aus der Rhetorik abgeleiteten Definition und Funktionsbeschreibung. Die Texte reflektieren den ‘character’-Begriff und konstituieren damit das Genre character.” (Baltasar Gracián) Im heutigen Sprachgebrauch ist die Bedeutung von ‘character’ so uneinheitlich und weit geworden. wie wir es im 17. So sehr als die Bücher. „The Nature of a Character” . Die Charakterskizze als neue und damit moderne Form muß somit erst noch etabliert werden. didaktisch angelegt oder ästhetischer Natur sein. welche Rhetorik entwickelt das Genre und warum? Die hier untersuchten Selbstbeschreibungen belegen auf jeden Fall das Bedürfnis nach einer Selbsterklärung der Gattung. Jahrhundert vorfinden. Zu fragen ist. Diese scheint notwendig. die er 1608 den eigenen Charakterskizzen (Characters of Vertues and Vices) vor- . wiederkehrende Konzepte. Die Texte verfolgen unterschiedliche Intentionen und setzen verschiedene Schwerpunkte.mit Ausnahme von Ralph Johnson . die den Skizzen vorangestellt sind. Das Repertoirewissen vom Charakter. Widmungen und den Texten selbst kürzere Passagen. wird anhand von Selbstbeschreibungen. Allerdings handelt es sich dabei weniger um abgeschlossene. Hier sollen nun einige Begriffsbestimmungen und -funktionen rekonstruiert werden. da die Gattung weder in den Poetiken noch in den Rhetoriken der Zeit enthalten ist. wie das Verhältnis von Bild und Schrift. ist es nöthig die Menschen studiert zu haben. über das Jahrhundert hinweg verfolgen. die verschiedene Vorstellungen über das Verfassen von Charakterskizzen ausführen. die Mischung aus Individuellem und Generischem oder die eingeforderte Kürze. Diese selbstreflexiven Aussagen sind . Mit der Extrapolation der „literaturtheoretischen”. die sich aus der rhetorisch-literarischen Tradition des Wortes ergeben. Jeder Autor.Zum Charakterbegriff im 17.29 A. nachgezeichnet. Jahrhundert „Es ist eine tiefe Philosophie. schreibt damit auch an der Geschichte der Charakterskizze mit.Stellungnahmen der Verfasser von Charakterskizzen. Sie können deskriptiv oder präskriptiv. Begleitbriefen. poetologischen Aussagen möchte ich zum einen Aspekte des Genres herausarbeiten. die Gemüther zu ergründen und die Charaktere zu unterscheiden. dichtungstheoretische Traktate im Sinne einer eigenen Poetik. zum anderen typische. daß der Begriff kaum noch exakt zu fassen und nur aus dem jeweiligen Kontext zu erschließen ist. Vielmehr finden sich in Vorworten. der sich mit diesem Genre beschäftigt.

theologisch. Mit der Ausformung dieser Kurzprosagattung beschäftigt sich Richard Flecknoe in seinem Werk Enigmatical Characters. Flecknoes Text kann als Schreibanleitung gelesen werden. daß damit Phänomene aus so unterschiedlichen und weit auseinanderliegenden . den Charakterbegriff auffächern. Charakteristisch bei ihm ist die moralische Grundkomponente der Charakterkonzeption sowie seine pädagogische Haltung. Jahrhunderts wie Mikrokosmographie. literarisch vermittelt sehen wollten: der Kirche (Hall). from several Persons. Jahrhundert im Zusammenhang mit ‘character’ virulent werden. mit dem Titel „ What a Character is”. Anatomie. Diese Anweisung findet sich in dem als Handbuch verfaßten Scholar’s Guide (1665) und nennt Merkmale. die dem nun endgültig etablierten Genre zugeschrieben werden. Auflage der Overbury Collection von 1616.30 anstellt. In außergewöhnlicher Form ist das Wissen der Zeit über den Charakterbegriff in einem Text von Samuel Person. medizinisch. An Anatomical Lecture of Man mit dem Untertitel Or a Map of the little World. inwieweit diese Texte in der Tradition der frühen Neuzeit stehen. Jahrhunderts vor allem von drei gesellschaftlichen Institutionen abhängig war. die im 17. Zu prüfen ist nun. Physiognomie und Kartographie genannt. anonym verfaßter Text expliziert die kritische Haltung eines Verfassers von Charakterskizzen. dem Hof (Overbury) und den Schulen (Johnson). Zum Schluß ist noch Johnsons „Rules for the Composition of a Character” zu nennen. Die zu explizierende These ist demnach. aber oft auch konzentrierte Weise ihre kulturellen. Ein dritter. das heißt. ist. zu diesem Zeitpunkt ist die Charakterskizze bereits eine etablierte und florierende Gattung. philosophisch). politisch. all taken to the Life. die auf unterschiedliche. warum ‘character’ letztlich zu einem so wichtigen Instrument werden konnte. Die begriffliche Klärung läuft dabei über Neben. Delineated in Essayes and Characters (1664) enthalten. anthropologisch. Es stellt sich vor allem die Frage. und damit immer auch politischen Normen. erschien in der 9.und Gegenbegriffe. Humours and Dispositions (1658). die diese Zeit auszeichnen. 1631 formuliert Richard Brathwaite im Widmungsschreiben zu seinem Werk Whimzies dann eine Aufforderung zur Reformation des Genres. In diesem längsten und ausführlichsten Beitrag werden die für den Charakterbegriff zentralen Diskursformen des 17. Was sich anhand dieser Texte zeigt. Dieser in Form einer Charakterskizze verfaßte Text wendet sich vom religiösen Impetus Halls ab und betont wit als zentrales Kriterium. daß die Literatur des 17. Der zweite Text dieser Art. ob und wie die Vielzahl von Diskursen (soziologisch.

Jahrhundert liefern gerade die Morallehre (Tugend und Laster). Insbesondere wegen seiner Meisterschaft des curt style wurde er „our English Seneca” genannt. in the Sinai of Nature. and compounded of them both. not after one maner. Their papers were so many tables. I have trod in their paths. might know the face: which Art they significantly termed Charactery. Doctors of vertue. As one therefore that in worthy examples hold imitation better than invention. In seiner Vorrede an den Leser und an eine imaginäre Zuhörerschaft äußert sich der anglikanische Bischof folgendermaßen über „the Title and Use of Characters”: READER. while some spent themselves in deepe discourses of humane felicitie and the way to it in common. Joseph Hall: „A PREMONITION of the Title and Use of Characters” (1608) Die erste englische Theophrast-Nachahmung. so lively. the Divines of the olde Heathens were their Morall Philosophers: These received the Acts of an inbred law. I am deceived if any course could be more likely to prevaile. aber praktisch ausgerichteten Theologie. and delivered them with manie expositions to the multitude: These were the Overseers of maners. Directors of lives. or living images. Zudem war er für seine literarischen Interessen bekannt. their writings so many speaking pictures. Correctors of vices. whereby the ruder multitude might even by their sense learne to know vertue. for heerein the grosse conceit is led on with pleasure. ein Mittel zur Lesbarmachung der Welt bereitzustellen und damit eine neue Systematik der Menschenkenntnis zu manifestieren. which yet taught their people the body of their naturall Divinitie. erschien 1608. to particular conditions and persons: A third sort in a mean course betwixt the two others. wie und in welcher Form all diese Aspekte in die Gattung einfließen. and discerne what to detest. beholde heere the benefit of an image without the offence. Es bleibt zu fragen. others thought best to applie the generall precepts of goodnesse or decencie.und königstreuen Loyalismus und genoß Ansehen bei Hofe (seit 1607 Kaplan des Prinzen Henry).31 Bereichen wie etwa der Religion. die von einer profanen Moralistik abgelöst wird und die aus der antiken (aristotelischen) Ethik hervorgegangene Moralphilosophie. Joseph Halls Characters of Vertues and Vices. but with an higher & wider . Festzuhalten ist an dieser Stelle. it is more shame not to follow their good. daß die Charakterskizze das Ziel verfolgt. Wesentliche Begriffe für ‘character’ im 17. I. aber auch der Temperamentenlehre deskriptiv erfaßt werden konnten. der Lehre von den Tugenden und den Lastern. Er vertrat einen autoritäts. and informed while it feeles nothing but delight: And if pictures have beene accounted the books of idiots. bestowed their time in drawing out the true lineaments of every vertue and vice. in whose Schoole we take out a good lesson: yea. It is no shame for us to learne wit of Heathens. neither is it materiall. Hall galt als Vertreter einer calvinistischen. than not to leade them better. that who saw the medals.

Die Überlieferungssituation und Legitimierung des Genres Der Text beginnt mit der Darstellung der Überlieferungssituation und seiner Legitimierung. daß der Dichter mit dem Philosophen manches gemeinsam hat. to cleere thy selfe. Ein Berührungspunkt ist die Auseinandersetzung mit Tugenden und Lastern. or where any defect in these graces to supply it. Aus dieser Kombination von Individuellem und Generischem. Die Schriften antiker Philosophen und Dichter werden hierbei gegenüber der Heiligen Schrift und der christlichen Offenbarung als Grundlage menschlicher Erkenntnis aufgewertet. I have spent good houres ill. but if thou shalt hence abiure those vices. . but enough. das Darstellen von Konkretem und schließlich die Mischung aus Individuellem und Generischem. also dem Spezifischen. In der Verbindung von klassisch paganer Überlieferung und Theologie reiht sich Hall in die humanistische Tradition der Versöhnung von Christentum und Antike ein. London 1608. Er stellt seinen Text unter einen synkretistischen Denkansatz. Characters of Vertues and Vices. Anweisungen zum rechten Leben zu erteilen und die Tugend wieder herzustellen. gelinge es dem Einzelnen. Dem Dichter wird 1 Joseph Hall.1 1.32 step. 2. Die Schreibweise wurde zur leichteren Lesbarkeit etwas modifiziert. which before thou thoughtest not ill-favoured. Seit der Antike gebe es dazu drei verschiedene Wege: neben dem Aufzeigen von Abstraktem. and out of their Tablets have drawen these larger portraitures of both sorts. die zwischen einer allgemeinen Beschäftigung mit dem menschlichen Glück und einer Applikation dieser generellen Anweisungen auf partikulare Konditionen und Personen durch eine lebensnahe und korrekte Zeichnung der Tugenden und Laster vermitteln sollte. If thou do but read or like these. aus der Prägung. Sitten zu überwachen. Halls Text beginnt mit der Abgrenzung von Philosophie und Dichtung. In Two Books. I denie not of every vertue. or shalt hence finde where thou hast anie little touch of these evils. die die Kunst des Charakterzeichnens („Charactery”2) ausmache. More might be sayd. Laster zu korrigieren. or fall in love with any of these goodly faces of vertue. die Hall in der Kopplung von Antike und Christentum sieht. das Allgemeine abzulesen. Die Kombination von Individuellem und Generischem als Kunst der Charakterskizze Charakterschreibung ist nach Hall eine Kunst. Den Kennern der elisabethanischen Dichtungstheorie ist geläufig. neither of us shall need to repent of our labor. of every vice: I desired not to say all. Hierbei wendet er sich zunächst den antiken Moralphilosophen zu. Diesen komme die Aufgabe zu.

das sich durch abstrakt-universelle und konkretabbildende Eigenschaften auszeichnen sollte. 22. Allerdings möchte er sie auch übertreffen. Es komme darauf an. a.O. 21f. Aus diesem Grund entschließt sich Hall. S. „daß sie als erste den Unterschied zwischen Tugenden und Lastern in ihren Werken aufgezeigt hätten. jene Bilder zu imitieren. 3. daß selbst die ungebildete Masse die Tugend erlernen und das Laster verachten könne. Moraldidaxe als wirkungspoetische Funktion Hall betont. 14f.a. Er werde sich daher in der Hoffnung kurz fassen. Platz-Waury. Vgl. Diese Konzeption Halls entspricht ganz den wegweisenden Dichtungstheorien der Zeit. daß der Rezipient seine eigenen Fehler erkenne und seine Tugenden vervollkommne. Deren wirkungspoetische Funktion sei die moralische Belehrung. daß die Charakterbeschreibung nun nicht mehr nur wie im Mittelalter und der Renaissance eine 2 3 4 5 Das OED nennt für dieses Wort Halls Bedeutung von „delineation of Character” und weist Halls Text als Beleg für die erstmalige Verwendung des Begriffs aus. daß seine Bilder ihren Zweck erfüllten. S. nicht im Ausbreiten liege. daß die Kunst seiner Charakterskizzen im Andeuten.a. S. Laut Hall stelle eine solche Kombination so lebendige Bilder vor Augen. Nürnberg 1976. Vgl. Platz-Waury. Untersuchungen zum Verhältnis von Dichtungstheorie und Bühnenpraxis.und Mittlerstellung zugewiesen und zwar zwischen dem das Generische verdeutlichenden Philosophen und dem um die Darstellung des konkreten Details bemühten Menschen. a. Gerade die Nachahmung von Tugend und Laster sei Aufgabe jedes Dichters.. Diese Zuweisung stimmt mit der damaligen Auffassung vom ontologischen Status eines literarischen Werkes überein.O. und zwar indem er der antiken Lasterdarstellung die Tugenden hinzufügt. Die heidnische Antike habe in bezug auf die Tradition der Charakterskizze Vorbildcharakter.33 damit eine Mittel. und bestimmt den Preis der Tugend und den Tadel des Lasters als wichtigste Funktionen der Dichtung. Sie sei damit die beste Art der Moraldidaxe und erziele den größten Erfolg. Jonsons Komische Charaktere.. . denn seine Bilder folgten dem delectare et prodesse-Prinzip.4 Letzterer lobt die Dichter dafür. schreibt Sir Philip Sidney in An Apology for Poetry (1595) ebenso wie George Puttenham in The Arte of English Poesie (1589). Elke Platz-Waury.3 Diese Verbindung muß daher auch für die Charakterskizze postuliert werden. Unter dem Aspekt einer wechselseitigen Bezogenheit der universalen und der konkret-partikulären Elemente ist die Interpretation der dargestellten Typen zu sehen.”5 Wesentlich hierbei ist.

Die Darstellung habe zudem eindeutig zu sein. Mit dem Begriff „medal” referiert Hall auf die Grundbedeutung von ‘character’. Dort werde ich dann dezidierter auf diese Aspekte eingehen. mit der auch die Physiognomik operiert. Auch die Verbindung zur Physiognomie liest sich im Begriff „face” mit. folgt er dem Sister Arts-Topos. Dies ist keineswegs eine Neuentwicklung. Das Singuläre soll demnach im Generischen erscheinen. taucht hier also wieder auf. Charaktertheorie und Sister Arts-Topos In Halls Vorrede wird das Verfassen einer Charakterskizze mit der Malerei verglichen.”. mit seiner Bezeichnung der Charakterskizzen als sprechende Bilder. Der Topos der Lesbarkeit ebenso wie die Physiognomik und die Signaturenlehre werden bei Hall allerdings nur angedeutet und nicht explizit genannt. damit die moralische Wirkung direkt abgeleitet werden könne. der mit seinem Pinsel Szenen koloriere und durch Schattierungen Akzente setze.. Dieser geht von einem Wettstreit der Künste aus. Jahrhunderts zurück. wobei insbesondere Dichtung und Malerei meist als zwei eng miteinander verwandte Künste gesehen werden. daß die Malerei eine stumme Poesie und die Poesie eine redende Malerei sei6. Mit diesem Vergleich. wie dies bei nachfolgenden Autoren geschieht. Charakteristisch für das Funktionieren des alten Signaturensystems ist die Auffassung. . Der von Plutarch Simonides von Kleos zugewiesene Ausspruch. Das Thema der Lesbarkeit und Unlesbarkeit von Welt bzw. 4. in der sich die Malerei mit Hilfe der Dichtung und Poetik als eine „liberal art” zu konstituieren suchte. In Anlehnung an den Maler. might know the face. so lively. der Innen/AußenRelation. sondern eine Darstellung von Typen. und 16. Der Bereich der Schrift wird zur Sichtbarkeit. wird hier aufgenommen. sondern reicht bis in die italienische Renaissance des 15. die sich wechselseitig beeinflussen. man könne den inneren. that who saw the medals. Damit wird eine neue Begründung des menschlichen Interesses an der Lesbarkeit der Anderen geschaffen. eine Grundkonstante in der Moralkritik..34 Veranschaulichung von Tugenden und Lastern in Form von Allegorien ist. beschreibt Hall die Kunst des Charakterskizzenschreibens mit „drawing out the true lineaments of every vertue and vice. zur Profilierung von Tugend und Laster eingesetzt. die das Gepräge bezeichnen kann. seelischen Bereich des Menschen auf sein Äußeres abbilden.

das Oszillieren zwischen Wort und Bild. sondern das Aufnehmen und Nachbilden vorgegebener Sachverhalte. „Charakterdarstellung und Rhetorik”. Kuno Schuhmann. 184-196. ergibt sich aber aus der Notwendigkeit.7 5.. Das Bemühen. insbesondere der Druckkomponente. entspricht dem zeitgenössischen Denken. Festschrift zum 75. in: Hans Viebrock und Willi Erzgräber. denn dort wird explizit mit der Nennung von „letter” auf die Drucktypen angespielt.. Imitatio sei besser als inventio. Er betont die Intermedialität. eds. das Genre zunächst etablieren zu müssen. Dieser Punkt hat zwar nicht direkt mit einer Charaktertheorie zu tun. Auf den kulturgeschichtlichen Rahmen. Er legitimiert die Bilder als zentrale kulturelle Massenmedien. literarisches Erbe kunstvoll in das eigene Schaffen zu integrieren. 188. Die Allianz von Schrift und Bild dient der Sichtbarmachung von Tugenden und Lastern und damit der Moraldidaxe im Sinne Halls. Heidelberg 1961.”). Nicht die schöpferische Funktion steht hier also im Mittelpunkt. Halls Charakterskizzen bilden den programmatischen Auftakt der Wiederaufnahme des Genres im 17. S. Erst die Nachahmung bildet den Anreiz zu eigenständiger schöpferischer Lei6 7 Vgl. Geburtstag von Theodor Spira. .. indem er die Medien parallelisiert und ihre Austauschbarkeit proklamiert. Durch diese Gleichstellung und wechselseitigen Nutzbarmachung der beiden Medien betont Hall vor allem die Gemeinsamkeiten von Bild und Schrift: beide stellen Reproduktionstechniken dar. Das Prinzip der kreativen imitatio und Halls Selbstverortung Ein wesentlicher Aspekt von Halls Text ist dessen Selbstverortung innerhalb der literarischen Tradition. hier S. . schreibt Hall. in der Prägung und Zeichenhaftigkeit sich verbinden. denn seine Bilder sollten für den Rezipienten die Funktion haben „to cleere thy selfe”. beholde heere the benefit of an image . kennzeichnet den Schaffensprozeß Halls sowie seiner Nachfolger.35 In der Kombination von Bild und Schrift macht sich Hall für eine emphatische Medialität des Charakterbegriffs stark. Der Renaissancegedanke. wird im Zusammenhang mit Overbury im nächsten Kapitel eingegangen. setzt sie mit der Schrift gleich und verfolgt so eine Demokratisierung des Geistes über das Medium Schrift („the ruder multitude might even by their sense learne to know vertue”) und die Bildkultur („And if pictures have beene accounted the books of idiots. als geschickte Kombination vorhandener Elemente und „kreative imitatio”8 zu verstehen ist. nach dem Dichtung als Umwandlungsprozeß und Originalität als virtuos Angeeignetes. Jahrhundert. Dies unterscheidet seine Vorrede auch von den Ausführungen der Nachfolger. Desweiteren weist Hall der Schrift die Aufgabe der Selbstbegegnung und Selbstheilung zu.

sweetly planted and well watered: the proud man’s eart. in: Walter Haug und Burghart Wachinger.B. Tübingen 1993. . das Phänomen der Verstellung als zentrales Laster seiner Zeit: A Hypocrite is the worst kind of player. which his tongue and gestures pronounce but his hands recant: that hath a clean face and garment. Der Leser erhält in Halls Charakterskizzen Kriterien für eine Beurteilung der Mitmenschen als nachahmens. ed. ofttimes. Jahrhundert waren die neuartige Verwendung von bereits tradiertem Material in einem andersartigen Kontext. 59. Es stellt sich die Frage. where on he trampleth: but secretly full of wealthy mines. Panegyrik und Invektive waren in der Rhetorikausbildung (im epideiktischen Genre) schon immer auf die Beurteilung von Charakteren und Verhaltensweisen konzentriert. Ebd.. eds. die Ausweitung gültiger Vorstellungen sowie die bisher nicht dagewesene Kombination von konventionellen Stilzügen durchaus als originell zu werten. built with a low roof. Während Theophrast die Kategorie des Exzesses und der Graduierung einführte. also eine Art renovatio vornimmt. Zitiert nach Richard Aldington. „The Honest Man”. „The Faithful Man”. two hearts: that can compose his forehead to sadness and gravity. S.10 Es handelt sich um moralphilosophische Charakterstudien. 71f. dem ‘wandelnden Widerspruch’.36 stung. Er brandmarkt beispielsweise mit „The Hypocrite”. und 17. and his fingers belie his mouth. Die Perspektive ist auf ein religiöses Verhalten gerichtet. indem er auf das Ursprüngliche zurückgreift. S. A Book of Characters. „Das Konzept kreativer imitatio im Kontext der Renaissance-Kunsttheorie”. more worth than he that walks over them: a rich stone. wie nun die praktische Gestaltung aussieht.oder verabscheuenswerte Beispiele. „The Humble Man”). begegnet uns bei Hall eine binäre Kodierung von Gut und Böse. by so much as he acts the better part: which hath always two faces. nicht auf die Gesellschaft: He is a lowly valley. Seine Charakterisierung ist ganz an der Bibelsprache orientiert und antithetisch gehalten. was der Zeitgeist bereithält. Hall sieht sich als Erneuerer einer Tradition. London 1924.. Für das 16. S. Innovation und Originalität. 98-132. while he bids his heart be wanton and careless within and in the meantime laughs within himself. In Form von positiven Typen werden zunächst Tugenden personifiziert (z. Hall 8 9 10 Alfons Reckermann. Lob und Tadel. set in lead: and. to think how smoothly he hath cozened the beholder: in whose silent face are written the characters of religion. with a foul soul: whose mouth belies his heart. lastly. denen etablierte rhetorische Konventionen zugrundeliegen. So zeichnet sich Halls „Humble Man” beispielsweise durch starke Selbstkontrolle und Zurückhaltung aus. a true Temple of God.9 Hall kondensiert in seinen Skizzen.

Moden und Meinungen („the Properties of Sundry Persons” wie es im Titel der Sammlung heißt). drängen somit die bisherige Kopplung der Moral mit der christlichen Religion partiell beiseite. without ravishment. my Lords. Als komische Bilder bieten diese Texte dann Anlaß zum Lachen. they would be mad with disdain and astonishment. Overbury trägt der inszenierenden Komik Theophrasts Rechnung und leitet damit eine Tradition ein. Den Kontext christlicher Moralphilosophie verlassend. What need we more. Die auf Hall folgenden Autoren übernehmen das . in dem sich die Funktion als inventarisierendes moralphilosophisches Instrument abzeichnete. den er gegen die normative Didaxe zu stellen versucht. wenn er im Vorwort zum zweiten Buch schreibt: Virtue is not loved enough. Generell wird die Natur des Menschen zunehmend weniger unter dem normativen Aspekt der Tugenden und Laster betrachtet. there are so many beauties and so many graces in the face of Goodness. through loathsome deformities. bekommt die englische TheophrastRezeption mit den „witty characters” von Thomas Overbury eine ganz neue Wendung. because she is not seen: and Vice loseth much detestation. because her ugliness is secret. S. 53. Dazu nutzt er das Konzept des wit und macht somit den Weg frei für die Entdeckung menschlicher Diversität. in der Typologien zur Personenbeschreibung und zur Darstellung von philosophischen und moralischen Problemen eingesetzt werden. . and the visage of Evil is so monstrous. 11 Ebd.Moralisieren nur teilweise. that if her lovers were not ignorant. than to discover these two to the world?11 Mit der Wiederentdeckung der Antike erfuhren auch die ethischen Charaktere Theophrasts neue Beachtung.37 schreibt moralisierend und benutzt die zweiwertige Logik für seine religiös fundierte Moral und seine pädagogische Intention. Bischof Hall integriert Theophrasts Charaktere in eine rhetorische Tradition. die Charakterskizzen als satirisch-gesellschaftskritische Gattung möglich macht. als vielmehr unter dem Gesichtspunkt „empirisch” zu erfassender Sitten. that no eye can possibly see it without affection. Overburys Beobachtungen und sein „soziologisierender” Ansatz.von ihm so stark geforderte . Certainly. Ihre Renaissance in England stellte das Werk zunächst allerdings in einen Rezeptionszusammenhang.

written by himselfe and other learned Gentlemen his Friends. which signifieth to ingrave. Orderly and Methodical Nature 1678 auf die Geschichte dieses Konzepts von der Antike bis zu Paracelsus ein. was soviel heißt wie ‘einritzen’) hat die Grundbedeutung des Eingrabens. wo Gott durch den Logos als Stempelbild sich in der Seele als Münze abformt. v. a letter (as A. all of them heightned by one shadowing. nicht präskriptiven Ansatz. Prägens. 25f. Auflage (1616) der Overbury Collection12 erscheint in Form einer Charakterskizze die Definition dessen. F. To square out a character by our English levell. „What a Character is” in der Overbury Collection (1616) In der 9.und Prägemetapher hat ihren Ursprung in der Rede von der Erschaffung des Menschen als Gottes Ebenbild nach Genesis 1. charássein. Zur Etymologie des Charakterbegriffs Zunächst geht der Verfasser auf die Etymologie des Wortes ein (Z. Whereunto are added many witty Characters.B. Zur Signaturenlehre der Frühen Neuzeit. And for that cause. II. S. or short embleme. all shutting up in one musicall close: it is wits descant on any plaine song. Those elements which wee learne first. 27. Im Lateinischen treten die Bedeutungen des Brandmals. Being a most exquisite and singular Poem of the Choice of a Wife. Uwe Ruberg und Dietmar Peil. des militärischen Kennzeichens. it is a picture (reall or personall) quaintly drawne. 168f.3): Charakter (von gr. and conceited Newes. in little comprehending much. was das barocke England unter ‘character’ verstand. den Stempel) sowie das Geprägte selbst (die Münze). Vgl. Rimbault. Schon bei Philo herrscht das platonische Verhältnis von Idee und Abbild.38 II. If I must speake the schoole-masters language. Charakter heißt auch der Präger und ist zugleich auch die Bezeichnung für das Werkzeug des Prägers (z. des Unterscheidungsmerkmals und im übertragenen Sinn schließlich auch der schriftstellerischen Eigenart hinzu.) is called a character. S. Jahrhunderts eine lebendige Nachgeschichte: Der Cambridger Platoniker Ralph Cudworth geht in seiner Schrift The Digression concerning the Plastick Life of Nature. What a Character is. mithin des Unauslöschlichen. in various colours. Kap. Die Overbury Collection und ihre spezifische Editionslage ist Gegenstand der Ausführungen in Teil B. B. or make a deepe impression. Literatur und Kunst. Bemerkungen zur mittelalterlichen Vorgeschichte und zur Eigenart einer epochalen Denkform in Wissenschaft. 1. 21 und S. Der Verfasser wählt einen ästhetisch-deskriptiven. It is a quicke and soft touch of many strings. Character is also taken for an Aegyptian hieroglyphicke. leaving a strong seale in our memories.13 Diese etymologische Bedeutung wird auch vom OED als Erst- 12 13 Der genaue Titel des Originalwerkes heißt: A Wife: now the Widdow of Sir Thomas Overburye. Aus dem Nachlaß hg. for an imprese. with Notes by E. Friedrich Ohly. Der zitierte Text ist entnommen aus The Miscellaneous Works in Prose and Verse of Sir Thomas Overbury. now First Collected. I will confesse that character comes of this infinitive moode χαραζω. Die in der christlichen Theologie vorherrschende Verwendung der Siegel. Stuttgart/Leipzig 1999. London 1890. Die Vorstellung vom Menschen als nach dem Bild Gottes geprägter Münze ist der lateinischen Patristik seit Tertullian bekannt. Die Erschaffung des Menschen durch Ausprägung nach Gottes Willen hat im England des 17. . ed. or an Artificial.

Einführung in die Literaturwissenschaft. Oxford 1964. au moral. there was a custom to make the character of a horse on the forehead of a bondslave. Diagramm. zu einer äußerlich sichtbaren Prägung. Der Charakter als markante Ausprägung menschlichen Seins erhält demnach eine bedeutende Aufgabe: Er legt seinen Träger fest. Thellmann. v. a. Konstanz 1988. a. sondern auch innerhalb des ordo der Welt. dem Charakterbegriff kommt eine eminente Ordnungsfunktion zu. „titre naturel”.” Thomas Browne.und Verarbeitungsmedium von eigenem Rang und Wert ist oder Schrift als Derridasche différance) sei auf den Artikel von Dagmar Buchwald „Buchstabe. C. Die Geschichte von Caractère in der französischen Moralistik zwischen Klassik und Aufklärung. Vol. als immer schon von der Sprache unabhängiges Speichermedium.15 Der Charakterbegriff stellt somit ein Klassifikationssystem dar. for in this masse of nature there is a set of things that carry in their front. 21. persönliche Individualität oder Identität zu berücksichtigen. hg. Dictionnaire de la langue francaise.. yet in stenography. „ce qui distingue.” Im OED findet sich: . S.. das nicht darauf abzielt. nämlich die Kategorisierung angedeutet. im Französischen hingegen ebenso üblich wie sein Gebrauch im Englischen. Landkarte ein Aufzeichnungs. . 14 15 16 17 Auf die christliche Tradition von Stigma und Sakrament geht Jutta Thellmann. als Artikulation einer In-Formations-Potenz. versammeln sich die Bedeutungen „signe tracé ou écrit”. Die Bedeutung von Charakter als beweglicher Letter ist im Deutschen verschwunden. daß die Fülle der Natur Dinge kennt. die an ihrer Stirn zwar nicht als Initialen. Schriftbild.”16 2.. „die über die einfache Relation von Präsenz bzw. 12. Das heißt. „types d’imprimerie”.39 bedeutung angeführt. als Inkorporation einer Kraft. Schrifttheoretische Implikationen: Der Charakter als Buchstabe In einem zweiten Schritt ruft Overbury schrifttheoretische Implikationen17 auf. Vgl. Martin. 1450f. 4).. Dieser hat nun seinen unverrückbaren und überzeitlichen Ort nicht nur innerhalb des Gesamtgefüges der Charaktere. das wie Bild. eds. Anknüpfend an die Grundbedeutung bezeichnet ‘character’ im übertragenen Sinn auch Buchstabe (Z. une personne d’une autre.O.O. Der Charakter wird so zu einer Art Körperschrift. in: Miltos Pechlivanos et al. In Bezug auf verschiedene Schriftkonzepte (Schrift als sekundäres Zeichen für Sprach-Zeichen. „caractères d’écriture”. „le propre d’une chose”. S.. 21-24 ein. 12. I (1971). So findet das Wort ‘character’ als Stigma Eingang bei Wyclif 1382 „To haue a character on her forhedis” oder 1607 bei Topsell „Amongst the ancients. something of Divinitie . Bild als Schrift”. and short Characters. Latenz des Zeichens schließlich anthropologisch wie literarisch modellbildend wirken konnte. Im Littré. L. though not in capitall letters. Er dient zur Beschriftung von Menschen und ihrer Determinierung.” Mit der Zeichnung oder Stigmatisierung ist die Urform des Charakters benannt. und dient der Identifizierung. Thellmann.. Stuttgart 1995.14 Damit wird bereits eine spezifische Leistung des Charakters. S. S. 21... eine Individuation nach Klassen oder Gruppen zu leisten. doch als Stenographie und Kleinbuchstaben etwas von der Gottheit an sich tragen: „. I. S.a. sondern hat grundsätzlich die Funktion. Religio Medici and other Works. 11-22 verwiesen. S.a. Thomas Browne beschreibt in seiner Religio Medici.

Feste Typen oder Charaktere sind gegenüber den Individuen keine Wesen in der Zeit. Die Welt wird dann lesbar. 17f. wird eine glatte. Vgl. erlebt in allen europäischen Sprachen im 16. Ausprägung. wenn man die Buchstaben wie auf einer Druckerwalze in die richtige Ordnung bringt. Erinnerungsräume. Somit weist schon der Charakterbegriff auf den verfestigten Zustand hin. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1998.von griechisch ‘typos’ abgeleitet .” Aleida Assmann. Die sich mit der Kulturgeschichte wandelnde Buchgestalt. S. printing”. „the sum of the moral and mental qualities which distinguish an individual”. unbeschriebene. . machen deutlich. impliziert dies. „style of writing”. Manfred Schneider. der Gegenstand der 18 19 „distinctive mark”. Sie sind unveränderlich und kontinuierlich.40 Damit wird der etymologische Sinngehalt des Charakters als eines dauerhaft Eingeritzten verstärkt. daß das Lesbarmachen der Welt durch die Typographie von menschlichen Charakteren vom Verfasser die Kompetenz eines Semiotikers erfordert. „writing. (Die allbekannte ‘Charakterlosigkeit’ der Frauen hängt mit deren Absenz vor der Druckschrift eindeutig zusammen). das schon lange die Doppelbedeutung von Schriftzeichen und Eigenart verwaltete. die Zeichenfunktion übernehmen kann. Der autobiographische Text im 20.a. der . organisiert sich nämlich nicht als einfaches empirisches Doppel schriftsüchtiger Subjekte. Jahrhundert einen neuen Bedeutungswandel: Charaktere heißen jetzt auch Druckbuchstaben und die besondere Konstituiertheit einzelner Personen. Thellmann. das Muster bezeichnet. „evidence”. der sich eine bestimmte Eigenschaft in einem solchen Maße angeeignet hat. S. Sie erhält dabei eine Struktur. Die Bedeutung von Charakter als Buchstabe im taxonomischen Verband des Alphabets erhält gegenüber der mündlichen Kommunikationsform eine dauerhaftere und universellere Möglichkeit menschlicher Kommunikation.19 Wenn ‘character’ die Bedeutung von Schriftzeichen annimmt. Diese Festlegung einer Figur auf ihre ausgeprägte Eigenschaft kann als Merkmal aller typisierenden Menschendarstellungen angesehen werden. nicht-zeichenhafte Oberfläche verletzt.. Jahrhundert. „graphic symbol”. das Urbild. Mit dem Einritzen. die Natur läßt sich lesen. Die Welt erschließt sich. Die erkaltete Herzensschrift. Mit Typographie eng verbunden ist auch der Begriff Typ. München 1986. Die neue Welt der Schrift-Charaktere. das Prägebild einer Münze. Das heißt. sie wird „lesbar” gemacht. die Einritzung. das in Gottes Typographie gesetzte und verlegte Druckwerk. die Urform. a. daß er auf eine besondere Situation in immer gleicher Weise reagiert. die innen und außen beschriebene Buchrolle. 20. sieht die Einheit von Subjekt und Buchstaben als Ausprägung der Charakterologie: „Das altgriechische Wort charaktär. der zahllosen Phantome von Bücher-Innerlichkeiten.O. S. wenn die syntaktische Verbindung ihrer Buchstaben bekannt ist. Charakterisierungen im Stile Theophrasts liefern die „Momentaufnahme” eines Typs. Die Schrift wird zum zuverlässigsten „Dispositiv der Dauer”18 im Sinne einer determinierenden Festlegung. dem Prägen.das Gepräge. Darin liegt auch eine kulturgeschichtliche Bedeutung. 20.

Als Verfahren biblischer Hermeneutik führt Assmann die Typologie an. 60. Bezeichnung und Bezeichnetem” am schärfsten hervor.” (S. Instanz der Bezeichnung ist dann nicht mehr Gott. sie ist nicht mehr wie bei Adam durch göttliche Autorisation sanktioniert. Handlungsmuster. Assmann. von Buchstabe und Geist an Einfluß gewinnt: „Die Worte sind durch symbolische Teilhabe mit ihrem Denotat verbunden. Sonett: „In der hypothetischen Konstruktion Shakespeares geht der Buchstabe dem Geist voran: Since mind at first in Character was done. wie zu Beginn des 17. zeigt Aleida Assmann an Shakespeares 59. in: Walter Haug und Burghart Wachinger. a. die das einzelne Werk in ein unauflösbares literarisches Traditionsgefüge einbetten.41 Betrachtung und Beschreibung sein soll. die keine kosmische. auf die literarische Tradition der Neuzeit arbeitet Assmann. sondern der Mensch: Die Struktur der Welt geht aus dem Akt menschlichen Benennens hervor. Für die Dichtung wird dieser Konnex vom Menschen hergestellt.. 78-88). Tübingen 1993. die exemplarische Bedeutung in der Determination des Buchstabens durch den Geist und die kabbalistische Bedeutung. Jahrhunderts die Erfahrung der Dissoziation von Ding und Name. Der Mensch ist geprägt und hat ein konstantes Verhalten ausgebildet. S.a. 175-195. Die Struktur der Welt wird zur Sprache Gottes.O.”. Der Archetyp soll ein Wiedererkennen ermöglichen... „Vom plurale tantum. Innovation und Originalität. hier S. Zur Ästhetik des Inneren bei Sir Philip Sidney”.. ferner die hierarchische Bedeutung in der Entfernung des Geistes vom Buchstaben. Daß die Schrift der „heimliche Wurzelgrund aller Prägungen” ist.O. „Die bessere Muse. S. a.22 Statt durch natürliche Korrespondenz erhalten die Dinge ihre Namen und Bedeutungen durch willkürliche Setzung. zwischen beiden besteht die unmittelbare Korrespondenz des magischen Sprachrealismus. trete der „Doppelsinn von Prägung und Geprägtem.”21 Der unmittelbare Zusammenhalt zwischen Buchstabe und Geist ist an der Bibel und der Schöpfung ablesbar. Aleida Assmann.. Legitimität. (S. hier S. Den Sprachzeichen seien ihre Bedeutungen . Der Status und die Interpretation von Zeichen ist Gegenstand der Ausführungen Assmanns. Legitimität. Den prägenden Einfluß der biblischen Hermeneutik. Wenn der Charakter die Bedeutung von Schriftzeichen annehme und dann auch die schriftstellerische Eigenart meine. a.23 Durch die um das Signifikat erweiterte Zeichendimension wird „Wirklichkeit” nicht 20 21 22 23 Nach der Jungschen Archetypentheorie erweist sich gerade die Literatur in ihrer privilegierten Teilhabe am kollektiven Unbewußten als Hort und Fundus archetypischer Situationen. eds. Bilder und Motive.a.O. Bedeutung ist in seine Worte und Werke eingeschrieben.a. die verbindliche Verfahren der Zuordnung von Geist und Buchstabe entwickelte. deren Bedeutung in der zeitlichen Vorwegnahme des Geistes durch den Buchstaben bestehe. Legitimität. die die Semantik des Zeichens unterschiedlich bestimmt. heraus. die den Geist in der Struktur des Buchstabens erschließe. 249. S.O. sondern nur die soziale Begründung der Übereinkunft und Gewohnheit kennt. Assmann zeigt.a. In diesem Zusammenhang läßt sich auch der ursprünglich aus der Reproduktionstechnik stammende Begriff des Archetypus20 einführen.. sondern ein den Erscheinungen aufgeprägter Entwurf.. analysiert Hans Robert Jauss. a. Jauss. Der Charakter verschafft damit Distinktivität und Diskretheit. die Homogenität zwischen Zeichen und Bezeichnetem. 58) Grundlegende Bedeutung in der Beurteilung des Verhältnisses von Buchstabe und Schrift erhält hierbei die doppelte Sinnkodierung der Allegorese. 69-72. 178.

Die Tafel als Erinnerung. prägen sie sich besonders gut und dauerhaft ein. Z. a.25 Die Charakterskizze kann so als Medium der Erinnerung gelten. Manfred Schneider. Mit Charakter wird die Gedächtnisspur („a strong seale in our memories”.O. Sie geht von einer ‘pragmatics of character’ aus und zeigt. der Metapher. Erinnerungsräume. (S. Jahrhundert an Stellenwert.O.. wird mit dem Papier gleichgestellt. hin zu einer Modellierung durch die Imitatio Libri.O. S. sich im sozialen Gefüge zu plazieren.. Dort werden bei der Beschreibung und Einschätzung eines Menschen meist gerade die Eigen- 24 25 und Beziehungen nicht eingeschrieben. aufmerksam. 93.. Die Bedeutung des Wortes ‘character’ als Buchstabe. 19 sieht hier einen Wechsel des alten mythischen Modells eines Menschenlebens. und dies verweist wiederum auf Funktion und Status der Charakterskizze.O. der Imitatio Christi. a. 150ff. .. in der ein semiotischer Austausch und die Lesbarkeit von Typen zentrales Anliegen ist.. S. und 19.a. das sich der Schrift par excellence verschreibt. S. 3. Hinzu kommt dann die Bedeutung literarische Figur. Jahrhundert macht Lynch. rekurriert. Lynch beobachtet eine typographische Kultur im ersten Jahrzehnt des 18. das eine produktive und konstruktive Rolle bei der Identitätsbildung spielt. Assmann. 152: „Von der Sauberkeit der Prägungen im ‘Mark der Seele’ hängt ab. Schrifttype verliert im 18. die Aristoteles für das Gedächtnis einsetzt. indem Overbury auf die von Platon elaborierte Tafel-Metapher. sondern diese gesellten sich als Setzungen und Assoziationsphänomene hinzu.24 Schrift wird zum Gedächtnismedium. als Ort des Einprägens und Rückrufens spezifischer Inhalte.a. . Jahrhunderts.a. sondern auch dessen Grenzen und Ausfälle zu erklären sucht . Erinnerungsräume. Assmann. Die Kommerzialisierung des Buchmarktes führte zu innerliterarischen Anpassungsprozessen und beeinflußte die Gestaltung der literarischen Charaktere. Vom einritzenden Schreiben ist es nur ein Schritt zum Siegel. des Modellierens anhand der BuchCharaktere ausgelöst durch Rousseaus Confessions. Seine Verwendung des Bildes ist besonders instruktiv. wie präzis oder konfus die Erkenntnis ist. a. die früh erworben werden. a. indem nach der inneren Bedeutung gesucht und so auf das eigene Ich geschlossen wurde. Die enge semantische Beziehung von Einprägen und Charakter spiegelt sich schließlich auch im alltäglichen Sprachgebrauch. 28).a.42 nur erkennbar. sondern auch wiedererkennbar. die traditionelle Leitmetapher der rhetorischen Memoria.5) bezeichnet. Charakter bedeutet sowohl sichtbare Prägung als auch das Einprägen in die Erinnerung des Menschen. weil er mit seiner Hilfe nicht nur die Funktionsweise des Gedächtnisses. Schreiben und Gravieren fallen ebenso in eins und verweisen auf das griechische Wort Charakter als eingraviertes Schriftzeichen.” Vgl. wie Leser literarische Figuren dazu nutzen. Overbury stellt in diesem Zusammenhang eine interessante Verbindung zwischen der weiteren Bedeutung von Charakter als Buchstabe und der menschlichen Erinnerung her. Auf den Bedeutungswechsel des Wortes zwischen dem 18.. die Homogenisierung des Meinens und Fühlens. Gerade weil das Erlernen von Buchstaben zu den wesentlichen Fähigkeiten gehört. Der Charakter als Gedächtnisspur Der nächste Aspekt der Definition bringt Verschriftlichung und Erinnerungsarbeit zusammen und läßt den Charakter zum mnemotechnischen Instrument werden.

”. Das Emblem als kodifizierter Nexus zwischen Signifikant und Signifikat stellt eine konventionalisierte 26 27 Ebd. Von der Lesbarkeit wird nun der Schritt zur Deutbarkeit vollzogen. S.auf die Verbindung von Bild und Schrift ein. Hier wird Schrift mit dem Außen. das Erinnern schöpfen. Reinhart Herzog. 165-187. M. von dauerhaften. Auch er geht . O. die die Person auszeichnen und sich dadurch zugleich am besten im eigenen Gedächtnis einprägen. in: Anselm Haverkamp und Renate Lachmann. 1991.wie Hall .Bild . hier S. Der Charakter als Emblem. aber unverfügbaren Erinnerungsspuren anhand von De Quincey. 155ff.. das heißt. S. Frankfurt a. Die alte Physiognomik aus der Zeit vor Aristoteles habe nie den Anspruch auf individuelle Wesensschau erhoben..” Zitiert nach Assmann. herbeiführen durch Vernachlässigung des Erinnerns. sofern sie nun im Vertrauen auf die Schrift von außen her mittels fremder Zeichen. Hieroglyphe und Imprese Neben den schrifttheoretischen Ausführungen gibt es auch bei Overbury Auseinandersetzungen im Hinblick auf die unterschiedliche Medialität von Zeichen.. 190. a. Mit der Gleichsetzung von ‘character’ und Emblem wird auf die Doppelcodierung von Wort und Bild innerhalb dieser literarischen Form verwiesen. das zum Vergleich eingesetzt wird und nicht mit Buchstaben sondern mit einem Gegenstand operiert. Studien zur Mnemotechnik. Schrift hat hier die Aufgabe der Stabilisierung und Konservierung. die im allgemeinen dem Tierreich entnommen werden: Die Mnemotechnik der Physiognomie erinnert in ihrem ästhetischen Gebrauch noch stets an einen vorsubjektiven Begriff des Charakters.Schrift. eine „pragmatische Stützfunktion”26 für das Erinnerungsvermögen. „Mnemotechnik des Individuellen. Hieroglyphe und Imprese. Raum . „Die bessere Muse. Auch Reinhart Herzog verweist auf die Verbindung von Mnemotechnik und Physiognomie. die Erinnerung mit dem Innen korreliert. hier S. Das Emblem. ist ein bildhaftes Zeichen. 186f. Wordsworth und Freud herausgestellt. 186. Bei Platon rangiert „das sinnlich Unmittelbare vor dem schriftlich Vermittelten”.27 4. Ziel der Charaktere sei nicht die Erkenntnis des individuellen Menschen.43 schaften und Besonderheiten wiedergegeben. eds. Assmann hat den Gegensatz zwischen ephemerer und dauerhafter Prägung. S. die es kennenlernen. a. a. Assmann.. Erinnerungsräume.a.. Gedächtniskunst. dem eine Schlüsselstellung innerhalb des Barock zukommt. Meist wird ein semantisiertes Naturzeichen mit einem Bild aufgeladen. Im Dialog „Phaidros” heißt es: „Denn Vergessenheit wird dieses in den Seelen derer. nicht von innen her aus sich selbst. um von ihm her in den Abgrund unaussprechlicher Individualität zu weisen. Es folgen zeichentheoretische Implikationen des Charakterbegriffs: ‘character’ als Emblem.O. Überlegungen zur Semiotik und Ästhetik der Physiognomie”. . Ihre Leistung bestehe vielmehr in der Interpretation physiognomischen Materials hinsichtlich von Typen („characteres”).

Im Sinne genauer Korrespondenzen soll die göttliche Ordnung signaturhaft an den Dingen und Menschen 28 29 Die Arbeit von Karl Josef Höltgen. sich aus dem Zusammenwirken von Bild. zu den populärsten Büchern der Zeit. Eine biographische und kritische Studie. und an deren Einbürgerung und Formulierung auch Ficino beteiligt war. Mit dieser Dingzeichensprache meinte man. Tübingen 1992. sondern ein menschliches Symbol gesehen wird. Emblem und Imprese sind Kunstformen. Emblematiker.28 Overburys Interesse an den nicht dechiffrierten ägyptischen Hieroglyphen verweist auf eine Auseinandersetzung mit dem neoplatonischen Naturmystizismus. dessen significatio. (. die sich aus Sinnspruch. Legitimität. Bild und seiner poetischen Erklärung zusammensetzen. aber auch als gattungsübergreifende Denkformen und Strukturtendenzen auf. demzufolge die Natur die göttlichen Ideen und Geheimnisse chiffriert aufbewahrt. S. für das faszinierende Phänomen der Unverständlichkeit. Beiden gemeinsam ist die Vorstellung vom sprachlichen Charakter der Welt.” Für die Charakterskizze ist letzteres einschlägig.. die mit der humanistischen Hieroglyphik in der Renaissance einen starken Aufschwung nahm. eine allgemeine Wahrheit oder bemerkenswerte Einsicht. macht auf die Bedeutung dieser Werke aufmerksam. daß in der ersten Hälfte des 17. Royalist. in denen der Verfasser die Gegenwart Gottes in der Natur als bildliche Formeln zu fassen sucht und die beide ab 1639 als Emblems gedruckt wurden. Motto und begleitendem Gedicht ergibt. von der Schöpfung als Nachricht. Dieses Symbol fungiert als Statthalter. S. Jahrhundert. a. Sie dokumentieren in der moralischdidaktischen Dichtung das Bedürfnis nach Sinngebung und Orientierung.) Meditation und Emblem treten als Gattungsbegriffe. zum anderen als gattungsübergreifende Denkform und Strukturtendenz auf (S. Assmann. wo von seinem instrumentalen Charakter ausgegangen wird und in ihm keine göttliche Hieroglyphe. vom immanenten. Jahrhunderts die Sammlungen von Emblemata populär werden. Hieroglyphe und Impresenliteratur.29 Mit Emblem als Bildelement ist die Dingzeichensprache des liber naturae benutzt.”(S. 5f. Höltgen faßt Emblem zum einen als Form und Gattungsbegriff. gleichsam Abbilder der göttlichen Ideen zu besitzen. 76). Meditativer Dichter. die durch ihre vielfältige Wechselwirkung verwandt sind und auf die ägyptischen Hieroglyphen zurückgeführt wurden. etwas dem göttlichen Denken selbst Entsprechendes. als eine Münze. 277 mit bezug auf die Frühromantik. Jahrhunderts. Francis Quarles 1592-1644. Vgl.O. Ursula Geitner.a. Die Hieroglyphen als Bildzeichen ohne Worte stehen den Impresen als Bildsymbolen mit etwas verrätseltem Motto gegenüber. ein allegorisches Bild-Wort-Kunstwerk. Die Sprache der Verstellung: Studien zum rhetorischen und anthropologischen Wissen im 17. 74ff... . Auch hier geht es wieder um grundsätzliche Probleme des Verstehens und der Verständlichkeit der Welt. Die Hieroglyphe wird hierbei zur Chiffre für Opazität. natürlichen Zusammenhang von Zeichen und Bezeichnetem: „Die Botschaft Gottes in der Welt mag verschlüsselt sein. 1f. Es ist bezeichnend. verweist auf den stilisierten Charakter der Hieroglyphen bei Quarles und stellt diese neben die Gelegenheitsmeditationen Halls. So gehören Francis Quarles Emblems (1635) und Hieroglyphics of the Life of Man (1638). S.): „Das Emblem ist die wichtigste der bildlich-literären Formen des 16. und 18. Höltgen erläutert auch die Verwandtschaft von Emblem.44 Verbindung von Wort und Bild her. Die Interpretation des Zeichens muß eine andere sein. Tübingen 1978. aber sie ist mit dem Schöpfungsakt der Natur eingeschrieben und harrt als unerschöpfliches Bedeutungspotential der menschlichen Entzifferung. die an die Währung des menschlichen Geistes angepaßt ist. und 17.

Bacon spreche von „characters” als Zeichen zweierlei Art: Zeichen können ikonisch und motiviert wie die Hieroglyphen. wie beispielsweise Halls Formulierung „He weares Paracelsian Characters for the tooth-ache” in seinen Characters of Virtues and Vices zeigt. Die Signaturen der Geschöpfe sind gewissermaßen als eine ihre Identität fixierende Schrift Gottes zu verstehen. Der Horizont. ist die kosmische Ordnung. sein ‘character’ ist „ein konventionelles Zeichen. die Gesten und die Embleme sein. vultus. Von der allgemeinsten Bedeutung signum oder nota können die Signaturen je nach gedachter Kunst caracterismus.30 Die frühe Bedeutung von Charakter als Figur. 231-259. Paris/München 1979. Bacon dachte nicht an ein Schriftzeichen. Vgl.45 abgelesen werden. in dem die Zeichen ihre Bedeutung erhalten.a. aufmerksam. pictura. littera. die Gott allen Kreaturen. das sich jedoch auf einen präzisen Begriff bezieht. Ohly.31 Wie der Buchstabe der Heiligen Schrift auf die Erschließung durch den sensus spiritualis angewiesen ist. Das Wort ‘character’ steht für Zeichen mit angeblicher Zauberkraft. Menschliche Ordnungsverhältnisse stehen somit der kosmischen Naturordnung gegenüber. Schließlich wird bei Overbury ‘character’ mit Imprese gleichgesetzt. bedarf die Weltexegese der Erweckung einer stumm gewordenen Überlieferung von Gott zur Erkenntnis der Wahrheit über die innere Sprache der Signaturen. alphabetum. Diese stellt eine Kombination von Bild und Sinnspruch dar. also arbiträr und konventionell sein. S. S. hier S. S. Dennoch kann ein konventionelles Zeichen als Sachcharakter (‘real character’) definiert werden. seine Besonderheit zu verlieren. Nicht zuletzt bezieht sich der Verfasser damit auf die Signaturenlehre. hieroglypha oder Ausprägungen im Sinne der Prägemetapher heißen. München 1994. dessen oft verkürzte oder als Concetto verschlüsselte Textfassung durch das Bild illustriert und meist überhaupt erst durch dieses zu 30 31 Vgl. oder beliebig. lineamentum. 12. Die Suche nach der vollkommenen Sprache. Unter Signatur versteht man die Prägung. wenn es sich direkt auf die Sache oder den entsprechenden Begriff bezieht. Jahrhunderts noch häufig verwandt. 220f. in: L’Humanisme allemand: 1480-1540. die in gewisser Weise die Eigenheiten der bezeichneten Sprache reproduzieren. bei der Erschaffung als Ausdruck ihres sonst verborgenen Inneren gegeben hat. für mystische Buchstaben oder auch für unleserliche Schriftzeichen. ist demnach mit dem Verständnis der Signatur als Schlüssel zu der einen verborgenen Gottesordnung für das Einzelne die Gefahr verbunden. Obwohl die Rede von der Kreatur als Buchstaben der Schöpfung diese als einen ‘character’ festzulegen scheint.” Für den Begriff ‘signatura’ gibt es eine Fülle von Varianten. das Abbild der bezeichneten Sache ist. „Zur Pragmatik der Zeichen in Sebastian Brants Narrenschiff”.. 249. a. die zu entschlüsseln sind. Ulrich Gaier. . Zeichen oder Hieroglyphe bleibt noch lange Zeit lebendig und wird in den Moralischen Wochenschriften des 18.O. dem Menschen wie auch den anderen Geschöpfen. Als der vornehmste Schlüssel zu den Geheimnissen der Natur verweist das Äußere der Signatur auf das im Inneren Verborgene der Dinge. Auf die englische Debatte über Charakter und Züge macht Umberto Eco.

5. Es verwundert also kaum. Er erstellt das Profil eines Menschen durch dessen Schatten. 152 nimmt diese Formulierung auf und hält mit Bezug auf Theophrast fest: „The Character as Theophrastus created it is a picture of an imaginary person who represents the group of men possessed by that feature of character . 8): dem eingeritzten unauslöschlichen Zeichen des Charakters entspreche die Kunst des Malers. S. das Overbury an den Charakter als terminus technicus für die dichterische Darstellungsform stellt..O. Die Verbindung der Medien Bild und Ton Die Denkwelt der Korrespondenzen und Konkordanzen findet nicht nur in der Welt des Lesens. Dem Aspekt ‘character’ als Prosabeschreibung wendet sich der Verfasser in den Zeilen 7f. wobei das Charakterbild als Modell dient. sowie der geringe Anteil des deutenden und auslegenden Wortes dieser Form markieren den Unterschied und die Verwandtschaft zum Emblem.” . the picture will be eclectic. Die eingeforderte Kürze. daß Overbury abschließend auch auf die Verbindung der Medien Bild und Ton eingeht. He is to be imagined as alive and individual.a. die Welt der Schrift wird in den anderen Künsten gespiegelt. womit der Bezug zum etymologischen Gehalt des Charakterbegriffs wieder hergestellt ist. 6. Hier wird der Charakter eines Menschen nachgezeichnet. Sie ist in der Renaissance-Tradition der sprezzatura und des vertuoso zu sehen. Mittels einer konsequenten Stilisierung hebt er einen dominanten Charakterzug („heightned by one shadowing”)32 hervor. Aufhellung und Verdunkelung sind damit Komponenten seines Schaffens. The Theophrastan Character. a. Der Verfasser des Textes versteht sich als gebildeter Sammler mit dem Drang nach universaler Erkenntnis. transportiert die Selbstbeschreibung gleich mit.. Zunächst betont er die im Sinne der ut pictura poesis bestehende Verwandtschaft zwischen Malerei und Dichtung (Z.. Der Charakter als dichterische Darstellungsform Die Charakterskizze will ein Menschenbild entwerfen und dies mit Prägnanz und Kürze: „in little comprehending much. der mit 32 Boyce. die der brevitas-Tradition der antiken Rhetorik und Stilistik folgt. sondern auch in der des Hörens ihren Ausdruck. Impresen finden sich bereits bei den Griechen und Römern in Form von Siegeln und Münzen. the shadowing heightened. zu. Der zweiteilige Aufbau. Mit dem Wort „shadowing” bedient sich Overbury der Lichtmetaphorik.” Das ist das einzige formale Kriterium.46 erschließen ist. Das heißt. but because he is to be seen only in those situations that reveal his dominant moral or psychological habit. was zur problemlosen Lesbarkeit des Typen führt. which dominates him.

zu Gruppen verbindet und damit zu einem einheitlichen Bildeindruck entscheidend beiträgt. a.O.47 seinem Pinsel die zu erstellenden Strukturen auf die Leinwand bringe.O. Ohly.a. so zusammenhanglos ist auch die Komposition der Collection. III. S. weil darin die Charakterskizzen in mannigfach wechselnden Situationen sich darstellen.wie zuvor bei der Malerei . der Schaffung von Einheit in der Vielfalt. 189. „Wie der Maler mit Farben Erscheinungsformen gestaltet. Die Musikme- 33 34 35 36 37 Der Schatten als zentraler Aspekt der Helldunkelmalerei wird z. Der Concettismus des frühen 17. bei Wye Saltonstall sogar im Titel Picturae loquentes. a. 189. so gibt der Redner mit dieser Stilfigur Tugenden und Laster wieder.a.O.a. Erinnerungsräume.O.B. S.35 Die englischen Charakterdarstellungen des 17. bei Roger de Piles (1677) ausführlich diskutiert. . 196. Er betont. et sur le Jugement qu’on doit faire des Tableaux. Wie die Genrebildchen im Skizzenbuch eines Malers wahllos nebeneinander stehen. Schuhmann. Roger de Piles.37 Der Rückgriff auf das Metaphernfeld der Musik in den letzten Zeilen der Definition unterstreicht . 113f. a.. daß der Schatten verschiedene Objekte.” Vgl. Jahrhunderts bringen das Wortporträt mit dem gemalten Porträt in Idealkonkurrenz. Die englische Dichtkunst der Renaissance zeichnet sich durch die Korrespondenz von Bildspender und Bildempfänger in der Metaphorik aus. die sich bei fast allen Verfassern von Charakterdarstellungen findet. so verbinden sich auch die verschiedenen Saiten eines Streichinstruments („many strings”) zu einer Melodie („one musicall close”). dem das von einer schöpferischen Phantasie geleitete Auffinden des Einen in dem Anderen eine neue Perspektive gibt.a. Gerade dies ist wiederum eine spezifische Auslegung der Renaissance.. a. Assmann. Jahrhunderts wirkte hier entscheidend mit36 und beeinflußte zweifellos die Analogie zur Malerei.. Auf die Auswirkungen des Concettismus als Kernfigur des Manierismus und seine spezifisch englische Ausprägung im Euphuismus werde ich in der konkreten Textinterpretation in Teil B. a. insbesondere im Kapitel zu Nicholas Breton eingehen. Vgl. S.”34 Das enge Zusammenrücken von malerischen und wortkünstlerischen Mitteln läßt den Text als dem Bild ähnlich erscheinen. Wie die verschiedenen Farben („various colours”) durch den Schatten („one shadowing”) eine Einheit finden. Conversations Sur la Connoissance de la Peinture. Wye Saltonstalls Charakterskizzen sind Gegenstand von Teil B. daß Ekphrasis als Tradition der literarischen Bildbeschreibung das bildliche Medium in die Schrift zurückholt. dabei aber einen Wesenszug besonders hervorhebe. mit dem der Redner eine bildliche Vorstellung erzeugen kann. Schuhmann.33 Overbury verweist hier bereits auf die Struktur seines eigenen Werkes. S.a. Schuhmann.. Kap.: „Des Geists durch Schauen eindringendes Entdecken der Entsprechungen zwischen den Dingen reichert im Concetto als einer poetischen Welterforschung beim Bewundern des sonst Unbekannten die Bedeutung eines Wortes an. die naturgemäß verschiedenfarbig sind. 230 macht darauf aufmerksam.den Aspekt des Zusammenspiels.. S. so daß die Lesbarkeit der Schrift auf die Suggestivität des Bildes hin geöffnet wird. Die verschiedenen Farben erhielten erst durch den Schatten eine Einheit.O. Im rhetorischen Kontext ist Ekphrasis das Stilmittel der anschaulichen Beschreibung. Paris 1677.

das heißt.. Die Charakterskizze stellt kurz verschiedene Charakteristika vor und verbindet sie schließlich zu einem Thema. die Literatur des 17. skurril. Wit und die damit verbundene Frage nach dem Stil tritt in den Mittelpunkt. S. die wie Saiten oder Tasten den Schöpfergeist zum Klingen brächten und verweist auf die Verwandtschaft zur barocken Vorstellung vom Kosmos als Musikinstrument Gottes. als Musikinstrument gespielt.Die Bestimmung des Komischen Zum Abschluß erfolgt bei Overbury die Ästhetisierung der Gattung. though divided almost like a sermon text. in the words of its own definition. . habe Overbury einen Hang zur Mündlichkeit: „The discontinuous form in the Overburian characters has its origin in this ‘oral residue’.” Insbesondere Jacob Böhme. Allen H.. ‘a quicke and softe touch . sondern auch mit dem Gehör vernehmbar sind. Im Zuge von Gottes Spiellust bei der Schöpfung.der Tradition des Karnevals verpflichtete Schrullige rückt die characters in die Nähe der typischen Figurenrepertoires der Comedy of Humours oder der späteren Comedy of Manners. De signatura rerum oder Von der Geburt und Bezeichnung aller Wesen . sondern um eine kunstvolle Variation und transponierende Veränderung. die ein Thema kommentiert.48 tapher. Sprichwörter. with its impression of conversational brilliance.O. ist die Welt mit Hall und Schall erfüllt. wird im folgenden die Charakterskizze ausschließlich vor der Tradition der Schriftlichkeit gesehen. a. „Quaintly” heißt wunderlich. S. Jahrhundert das „Grundgesetz jeder Ordnung”38. Ohly. Ongs These in Rhetoric. song. enabling the mind to retain a store of well-turned images for future use. are meant to be pondered and assimilated slowly. Während für Hall das geschriebene Wort wesentlich sei. Ästhetisierung durch die „witty manner” . 62-68.” Damit schließt Lanner an Walter J. Typen zu ordnen und die Welt zu kategorisieren. seinem Sichaussprechen dann auch in den Signaturen.O. die auch als Comedy of Wit bezeichnet wur- 38 39 Assmann. becomes clearer when viewed against Hall’s meditative deliberateness. wenn diese. Vgl. Das Charakterbild einer Person oder Sache ist „quaintly drawn”. Legitimität.39 7. 62 aufmerksam: „Eine völlig neue Dimension erfahren die Signaturen. S.. Wesentliches Kennzeichen sei die Episodenhaftigkeit. Overbury’s technique is. 20.a. Jahrhunderts sei vor dem Hintergrund der immer noch vorherrschenden Kultur der Mündlichkeit zu sehen. es entspringt der Reflexion und Phantasie des Verfassers und ist damit weithin Erfindung. wie Epitheta. a. ferner die formelhafte Sprachverwendung. Romance and Technology. Lanner sieht einen wesentlichen Unterschied zwischen Hall und Overbury in den Aspekten Schriftlichkeit und Mündlichkeit. Hall’s characters.O. 1622 vergleicht das Konzept der Signaturen. die in der Rhetorik verankert ist. Es geht nicht mehr allein um eine mimetisch treue Darstellung wie noch bei Theophrast. ed. A Critical Edition of Richard Brathwait’s Whimzies. Auch wenn die Overbury Collection diese Elemente aufnimmt. könnte allerdings auch auf den zeitgenössischen Hintergrund verweisen. S.a. Lanner.. so wie es das Ziel des Verfassers ist. Dieser Anklang an das . kurios. ihr loses Aneinanderreihen von Ereignissen.a. ähnlich einer variierten Melodie („descant”). Musik ist im 17. In Zeile 9 verweist Overbury auf die von der Antike grundverschiedene Darstellungstechnik und Hervorbringung des Charakters („wits descant”). Auf die Beziehung der Signaturenlehre zur Musik macht Ohly. indem sie nicht nur für das Auge wahrnehmbar. 40 interpretiert diese Textstelle als stilistische Abgrenzung zu Hall: „But the Overburian style.”. die Serialität.. The metaphoric style is employed as an aid to memory.. das in ihrer Gestalt Verborgene zu hören geben. NewYork/London 1991. Ithaca/London 1974 an. Apophtegmata und Material aus den commonplace-Sammlungen. a.

40 Die Karikatur ist ein Zerrbild. Jahrhundert von außerordentlicher Vielschichtigkeit und Flexibilität.49 de. Teil B. Das Komische präsentiert sich als Inkongruenz (der komische Effekt steckt in einer gewissen Ungereimtheit. Absonderlichen. Kap. 40 Zu den Komiktheorien Ciceros und Jonsons als Grundlage für die Ausgestaltung der Negativporträts Overburys vgl. Das Wort Witz bezeichnet einerseits zwar eine spezifische Form des Komischen. Talent zum geistreich-witzigen Formulieren. zum Beispiel im Widerstreit mit einer Norm). Geschick im Erweitern und Ausschmücken eines Themas. das durch Übertreibung einzelner.a. Sie dient durch die einseitige Verzerrung neben dem Spott oft auch der Kritik. teils ironisch wird scheinbar Gegensätzliches und Unvereinbares nebeneinander gestellt. des Lächerlichen ins Entsetzliche oder Monströse. Man verstand darunter u. die nicht selten karikaturistische Züge trägt. Wit heißt hier auch Geist. wobei die Komik eine zentrale Rolle spielt. des Maßvollen ins Sinnlose bis Dämonische. mit Hilfe eines geschickten Einsatzes sprachlicher und sonstiger Handlungsstrategien das eigene Ziel zu erreichen. 4. erhält aber gerade im Englischen eine zusätzliche Bedeutungskomponente. Humor und Ironie zählen zum Komischen. Lächerliche Normwidrigkeiten ergeben sich aus Unverstand. Bedingung für ein Lachgefühl ist die Inkongruenz von Sein und Sollen. II. zum Teil aber auch als Form der Degradierung. Dieser Begriff war im 17. Grotesk hingegen ist derb-komisch und närrisch-seltsam. Verurteilenswerte Schwächen und Mißstände in allen gesellschaftlichen Bereichen sollen aufgedeckt und möglichst unterbunden werden. Charakteristik bedeutet bei Overbury weniger Nachzeichnen vorgegebener Linien als vielmehr Umdenken. Kennzeichnend ist das Umschlagen der Form ins Formlose. 4. Seltsamen. die ein Lachen hervorruft. Erzählung oder Erscheinung gelten. Das Konzept wit bezeichnet somit die Fähigkeit eines Individuums. zur geistreichen Schlagfertigkeit. Als komisch kann jede Handlung. 2. Wit äußert sich in sprachlicher Gewandtheit sowie in rhetorischer Originalität und Brillianz. . Witz. Bereits die stoffliche Beschaffenheit verleiht den Texten ihre Komik. gleichwohl noch immer erkennbarer Charakterzüge komisch oder satirisch wirkt. Die abgebildeten menschlichen Schwächen werden durch Überzeichnung der Verhaltensweise und durch die Häufung an sich belangloser Kleinigkeiten lächerlich gemacht. Teils humoristisch. Niedrigkeit und Übermaß. Sie sind Abweichungen vom natürlich-kulturellen Maßstab. Umformen oder in Beziehung setzen. Das Wort „komisch” hat im alltagssprachlichen Gebrauch die Konnotation des Ungewohnten. wie an den Frauenporträts im zweiten Teil der Arbeit noch gezeigt werden soll.

Zur Etablierung des Genres Schließlich sei noch auf das erwachende Nationalbewußtsein („by our English levell” Z. Jahrhunderts als ambitionierte Rhetoriker bildhafte Analogien. „This blessed plot. die durch La Bruyère in den allgemeinen Sprachgebrauch gelangt 41 42 43 Vgl. die Fähigkeit. Die Devise ‘Das Eigene vor dem Fremden’ hat „in England um 1600 noch einen besonderen Klang. abstrus und forciert empfunden.und Wortreichtum. Stand der mühevolle Start der Nationalliteratur im Zeichen von Übersetzung und Imitation.42 8.43 Die damit einhergehende Abgrenzung von der Antike oder anderen Literaturen ist auch bei Overbury feststellbar.a. Wortwitz und schließlich die dichterische Tätigkeit insgesamt. sich profilieren. this earth. „By our English levell” . Bereits während der Tudor-Zeit entsteht ein englisches Nationalbewußtsein. a. S. in: Klaus Garber. ed. sondern zu Bildspendern eines metaphorischen Spiels. fremde Muster zu . die mit einer Verdrängung des Fremden durch das Eigene verbunden ist. Overburys patriotische Haltung betont den Prozeß des Selbstbewußtwerdens der englischen Literatur. will Overbury nun einen eigenen englischen Maßstab setzen. 13.41 Das klassizistische Konzept von wit stellt sich im Auf-decken neuer..und Redeweisen setzen die character-writers der ersten Hälfte des 17.O. immer jedoch naheliegender Ähnlichkeiten dar. Die Charakterdarstellung wird damit auch zu einem geistreichen Spiel. Zur Entstehung des englischen Nationalbewußtseins in der Tudor-Zeit”. 7) hingewiesen.. denn sie bezieht sich auf den kulturpolitischen Imperativ.und Reaktionsgabe.” Aleida Assmann. this realm. Der metaphysische wit wird hier schnell als künstlich. Smeed.50 schnelle Auffassungs. on the whole.. 26 konstatiert: „The wit is.a. disfunktional. nationale Identität markieren und das kulturelle Selbstbild in der Literatur konsolidieren. Damit könnte er aber auch den Reichtum der elisabethanischen und nach-elisabethanischen Sprache gemeint haben. Tübingen 1989. dessen Implikationen Aleida Assmann detailliert nachgezeichnet hat. a.O. rhetorisch eloquent zu schreiben. Metaphern und Allegorien. Im conceit werden Wissenssysteme nicht mehr verbindlich wahrgenommen. Zusammenfassend läßt sich festhalten: In seiner komplexen Begriffsbestimmung geht Overbury nicht explizit auf die psychologische Bedeutung des Begriffs ‘character’ ein. restrained: direct and unembellished statements relieve the density of the figurative language. Nation und Literatur im Europa der frühen Neuzeit. Auch die moralische Komponente. this England. Platz-Waury. unerschöpflichen Gedanken. S. S. 429-452. An die Stelle der Exemplifizierung eines Wesenszugs durch typische Verhaltens. Vergleiche.

Stand die Charakterskizze in England anfänglich im Zeichen christlicher Moraldidaxe. die aus unterschiedlichen Kontexten heraus schreiben: der eine moralisierend. andererseits zum Widmungsschreiben Brathwaites (Kapitel IV) in Kontrast steht. die letztlich zu einem zentralen Aspekt des Charakterbegriffs wird. as á painter doth to draw á picture. Mit Hall und Overbury wurden Vertreter der Literatur des frühen 17.. & studyes Men as some study Bookes not to find out the notions but the errata. but hee doth not as hee. Bild und Ton anzeigt. An diesen Ansatz sowie an den Bildaspekt knüpft nachfolgender Text an.. . than uppon her beauty. Auffällig sind jedoch auch einige Gemeinsamkeiten: beide referieren auf die beeindruckende Verbindung der Medien Bild und Schrift.” Assmann. so wird sie mit Overbury zu einer Ansammlung komischer Bilder. takes that which is most deformnd. but as if to draw the Picture of á fury.O. tooke what was excellent in each person hee saw.”. da er einerseits konsequent an zahlreiche Aspekte der bereits untersuchten Texte anschließt. stellt Overbury die zentralen Aspekte des Charakterbegriffs zusammen. & pleaseth himselfe more to looke upon the mote [sic?] that Venus had. Neu ist der Wandel vom Seriösen zum Komischen. beobachtend und unterhaltend. hier S. & take’s himselfe to be extreame wise because hee can see that in another which hee stood too neare to see in himselfe. 189. wertend und belehrend.If hee comes into company hee setts there onely.51 und die psychische und sittliche Grundbeschaffenheit eines Menschen bezeichnet. um sie auf heimischem Boden zu verwurzeln. Ausgehend von der etymologischen Grundbedeutung werden schrifttheoretische Bedeutungsimplikationen erörtert. He doth not like the Be goe importieren. die sich im Bild manifestiert. Während Hall seine schriftstellerische Vorgehensweise eingehend erläutert. Jahrhunderts vorgestellt. Von der Lesbarkeit kommt Overbury dann auf die Deutbarkeit. die eine Verbindung der Medien Schrift. Ich füge ihn in der bislang streng chronologisch geordneten Reihenfolge hier ein. III. Der Charakter ist für ihn eine komplexe Größe. Zudem wird bei Overbury der Zweck (z. whoe being to draw the picture of Venus. Heres á Crittick that writes Animadversions uppon the fairest coppyes. Moraldidaxe) des character nicht genannt.. .B.a. a. die auf die Lesbarkeit des Menschen verweisen. delectare et prodesse. Schließlich erfolgt die Bestimmung der Gattung als Prosabeschreibung und deren Ästhetisierung. „Die bessere Muse. den Overbury deutlich werden läßt. bleibt ausgeklammert. der andere sammelnd. „A Character of One that writes Characters” (Anonym) Dieser Text kann weder datiert noch einem Verfasser eindeutig zugeordnet werden.

& differs as much from á wise reprover as a hand in the margent doth from the critticks nayle.O. Dabei will er allerdings weniger ihre Gedanken ergründen. S. Der Ausdruck „mote of Venus” ergibt hier wenig Sinn. Bremen 1982. Der Anfang der Charakterskizze fällt in eine Zeit. Art. Lesbarkeit und Druckgeschichte In diesem Text stellt sich ein anonymer Verfasser von Charakterskizzen als Kritiker vor. die in der abgeschiedenen Privatheit exklusiver Zirkel florierte und in Manuskripten weiter gereicht wurde. die sich im Medium des Drucks und unter den Augen der Öffentlichkeit vollzog. macht auf den Zusammenhang von Lesbarkeit und moralischer Verschlüsselung im Criticón aufmerksam.. daß noch der kundigste Leser sich darin verliere. welcher wie ein Künstler die Gesellschaft beobachtet und ein Bild von ihr malen will. Gestalt.) besitzen.. a. Die Anfangszeilen greifen das Motto aus Baltasar Graciáns Handorakel45 von 1646 auf. sondern diese verbergen sich voreinander in ihrer Kultur. M. Er vergleicht seine Position mit der eines Menschen. und die Herzen versiegelt und so unerforschlich. Mit der Verwendung des Begriffs ‘errata’ (Druckfehler) rekurriert der Verfasser zudem auf einen zentralen Aspekt des kulturgeschichtlichen Hintergrunds der Charakterskizze.). in der die aristokratische Schriftkultur.52 to the Rose. but to make them laugh. Nicht mehr die Gottheit verbirgt sich vor ihren Geschöpfen in der Natur. Übers. „Nur als Hintergrund ist das Buch der Natur herangezogen. da er die Fehler der anderen sehe. da sei alles verschlüsselt. Solche „Druckfehler“ möchte der Verfasser im Detail registrieren nicht als Gesamterscheinung (Z. Maxime 157. 1f.a. 185f. Derjenige habe gut gesprochen. gerade erst von der bürgerlichen Schriftkultur abgelöst worden war. The Theophrastan Character. Arthur Schopenhauer. Die Adepten der Weltweisheit müßten schon eine gut eingeübte Decodierung (. . 1986. Wahrscheinlich ist hier ”mould of Venus” gemeint und damit auf Form. dem es ebenfalls explizit um die Lesbarkeit des Menschen ging.” . Tatsächlich läge die ganze Schwierigkeit unter den Dächern der Menschen. sich hierbei allerdings nicht allein 44 45 Zitiert nach Boyce. nicht aber seine eigenen. Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit. Natur und Charakter angespielt. Er stilisiert sich hierbei als besonders weise.. & the Best men learn by them. 2f.). der die schönsten Manuskripte tadelt und die Menschen studiert wie andere Bücher. denn dazu mangelt es ihm an Selbstdistanz (Z.. Baltasar Gracián. der als das beste Buch von der Welt die Welt selbst bezeichnet habe: . obwohl sich einige schwer zu lösende Rätsel darin fänden. Frankfurt a. . . als vielmehr ihre Fehler aufzeigen (Z. S. wie schwierig das Buch der Menschenwelt in seiner moralischen Verschlüsselung zu lesen ist.44 1. & tells them more what they are. 111f. but like the fingers to the Thistles. 3-5). Dieses Buch sei in leuchtenden Schriftzeichen (brillantes caracteres) geschrieben und leicht zu lesen.. than what they should be.In á word characters are commonly written by the Best witts.He’s a player whoe commonly reproves himselfe uppon the stage for what constantly hee doth off from it.His end is not to make folks mend. Hans Blumenberg. denn „mote” heißt (Sonnen)Stäubchen oder im biblischen Kontext als „the mote in one’s eye” der Splitter im Auge des anderen. sonst würden sie nicht einen Buchstaben oder auch nur einen Federzug daran herausbekommen. weil sich vor ihm abhebt. Die Lesbarkeit der Welt.

die ebenfalls antike Modelle mit zeitgenössischen Ausprägungen bestimmter Laster verschmelzen. sondern der stachligen Distel gilt sein Hauptaugenmerk (Z. Hierbei handelt es sich jedoch keinesfalls um seine eigenen als vielmehr um die seiner Mitmenschen (Z. Er sieht sich demnach als Beobachter des Negativen. Der Kritiker tadelt sich selbst auf der Bühne des Lebens (Z. 4f. So wie die Biene sich aus der Rose Nektar holt und in Honig verwandelt.) darauf aufmerksam. sondern unterhalten.a. der die Möglichkeiten der satirisch-realistischen Komödie aufnahm und dem Publikum so Laster vor Augen führte. der Mensch als 46 Ciceros De Oratore wird zitiert nach Platz-Waury. 2. 10f. Was die Vorstellungen über die Natur des Lächerlichen betrifft. und bemüht ist Deformiertes herauszustellen (Z. a.und Schauspielmetapher Der kritische Beobachter. 10f. S. Er will nicht verbessern.46 Daneben macht die Schauspielmetapher (Z. 2).O.. 67.). Die Füllung konventioneller Verkörperungen abstrakter Laster mit zeitgenössischen Inhalten unternimmt auch Shakespeare. Er sagt den Menschen. was sie sind und nicht. greift der Dichter auf seine Vorgänger zurück. stützt sich der anonyme Verfasser möglicherweise auf Aristoteles’ Definition in der Poetik. als wertneutraler Sittenschilderer seiner Zeitgenossen gelten. die vor allem durch Ciceros und Quintilians Aussagen über das ridiculum ergänzt wurde. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch John Donnes Satiren.. nor deserving to be dragged to punishment for their crimes. wonach Dichtung als Bienenwerk vorzustellen ist. Die Charakterskizzen sind von den geistreichsten Menschen („the Best witts”) verfaßt und manch einer („the Best men”) kann davon auch etwas lernen. der sich hier präsentiert. 12). sondern vor allem auf das Schlechte.53 auf das Schöne konzentriert. Alte literarische Topoi: Bienen. bleibt dennoch sein Hauptanliegen (Z. Mit der Aufnahme der Bienenmetapher (Z. Der Kritiker hingegen konzentriert sich vorwiegend auf die Dornen und will Lachen erzeugen.). Die Vorstellung. Die Theorie des ridiculum mit ihrer Akzentuierung der Normabweichung und die damit verbundene Etablierung von Lastern und Torheiten beschreibt Cicero so: . um auf ihrer Grundlage etwas relativ Neues zu schaffen. ähnlich einem Spiegel.). was sie sein sollten (Z. der sich vor allem für die Laster interessiert (Z. Zu unterhalten. 6ff. 8f. Ben Jonson ist hier als satirischer Komödiendichter der jakobäischen Epoche zu nennen.). will nicht als Empiriker. 12f. Nicht der schönen Rose. .). 8ff. das Verborgene sichtbar werden läßt.).the whole subject of the ridiculous lies in the moral vices of men who are neither beloved nor miserable. daß der Kritiker.. kontrastiert der Autor den schöpferischen Dichter mit dem Werk des Kritikers. sondern stilisiert sich als ein Maler.

Statt Kürze und Prägnanz finden sich hier lange ausschweifende Passagen über das ideale Wesen einer . Zusammenfassend kann an dieser Stelle demnach folgendes festgehalten werden: Der Verweis auf die ut pictura poiesis-Tradition ist ein kontinuitätsbildendes Charakteristikum der bisher analysierten Selbstbeschreibungen. Im Gegensatz zu den ersten characters sind diese ausgesprochen umfangreich. das wir in zahlreichen zeitgenössischen Dramen finden.ein Reisebericht in Versform. anonyme Autor.54 Schauspieler und die Welt als Bühne. Es folgen Pastorale und moralische Abhandlungen. Das „Iudgement”. Richard Brathwaite: „Epistle Dedicatorie to Whimzies” (1631) Richard Brathwaite veröffentlicht 1611 seine erste Gedichtsammlung The Golden Fleece. Brathwaite schrieb zwischen 1614 und 1665 mehr als 50 characters. Diese puritanischen Pendants zu Henry Peachams Compleat Gentlewoman wurden im Zirkel der Parlamentarier gelesen und erreichten zahlreiche Auflagen. wenn er die der rationalen Seele zugehörigen Fähigkeiten einsetze. kritisiert Richard Brathwaite in seiner „Epistle Dedicatorie to Whimzies”. also die rationale Komponente der Dichtung. plädiert Brathwaite nun wiederum für eine Loslösung vom Komischen und damit letztlich für einen erneuten Wechsel zum Seriösen. geht es Overbury vor allem um den höfischen wit. IV. Danach könne der Dichter nur dann ein bleibendes Kunstwerk schaffen. der sich zudem auf die einseitige Darstellung der Schwächen konzentriert und damit Bezüge zu zeitgenössischen Strömungen in Satire und Komödie herstellt. Darin setzt er sich vor allem mit der Stilgeschichte des Klassizismus auseinander. Den Aspekt des Komischen betont auch der dritte. Brathwaites Text leitet somit einen erneuten Blickwechsel ein. 1631 erscheint Whimzies: Or. 1638 erscheint sein wohl berühmtestes Werk Barnabae Itinerarium or Barnabee’s Journal . Brathwaite läßt seinem Band The English Gentlewoman die Charakterskizzen „Character of a Gentlewoman” und „Character of a Shrow” folgen. Konturiert werden die Selbstbeschreibungen durch die unterschiedlichen Zielsetzungen der Autoren: während Hall die religiöse Moraldidaxe ins Zentrum stellt. Die wohl bekanntesten Werke sind seine Verhaltensmanuale The English Gentleman (1630) und The English Gentlewoman (1631). A New Cast of Characters. nimmt ein uraltes Gleichnis auf. Nach der Wende vom Seriösen zum Komischen. Gerade dieses Ausmalen des Negativen. steht im Zentrum von Brathwaites Überlegungen.

nothing but rarities (bee they never so light) can afford delight. and so dye. he that should strive in each particular. Hee writes best that affects least. wherein. they tendered themselves. Diesem Schreiben fügt Brathwaite eine Vorrede hinzu „To the equall reader”: Characters in this age may be properly resembled to Squibbs or Crackers. when the ignorance of the age could scarcely render the ambiguitie of the word: as likewise in these more refined times of ours. they for most part make it their labor to please none but themselves.. either for Style or Subject. which procures in the longing appetite a loathing. . because they smelled too much of the Lampe and opinionate singularitie. at which the more we looke. you shall finde me to have preferred the pith before the rinde . Das folgende Widmungsschreiben zu seinem Werk Whimzies. and effects most. but they grew disrelishing. Or to paßing faire faces. person or office. they were not much sought after. Thus every post displaies their . whose bloomes and blossomes are so tender. who no sooner florish than perish: Or to the first flourishes of trees.. the accomplishment of his noblest Wishes“. „TO HIS MUCH HONORED FRIEND. and runnes with the smoothest current in this age. but ill-fauoured. would prove an excellent Taylor to fashion this age. noting such an especiall place. But to give them their true and native Character. honour) und Untugenden (fancy) gilt hierbei seine Aufmerksamkeit. Insbesondere ihrem Aussehen und Verhalten sowie ihren Tugenden (decency. to please the various palats of all men. as in habit and attyre. For such as labor too intentively to please themselves. nor the cloze of so wittie an observance leave too much bitternesse. For to suite them with their approvedst and retentivest title. nor the whole passage or series incline to too much dulnesse? Truth is. they relished more of Aphorisme than Character. as the conceit may neither taste of too much lightnesse. being to be egested long before it come to bee digested: Or to the growth of Mushroom’s. Strong lines have beene in request. My provision was how to furnish the maine building: for other ornaments or imbellishments of art. and discovered their levitie. the lesse we like. gentility. & and might in time make a Coate for the Moone.55 „English Gentlewoman”. Clinchings likewise were held nimble flashes. das hier auszugsweise abgedruckt wird. that singularitie and affectation are Antypodes to Iudgement and Discretion.. Or to raw and ill-drest meat. what else are Characters but stampes or impressures. I dare confidently avouch. Characterisme holds good concurrence. as they cannot repell the violent distemper of any Weather. but affectation spoyl’d all. they give a Cracke and a Flash. so it bee not wrapp’d up in too much ambiguitie. Sir Alexander Radcliffe.. . so in discourses of this nature. and leaving such a marke or cognizance upon it. belegt Brathwaites dezidiert theoretisches Interesse an der Charakterskizze: Many Characters (I confesse) have beene published both in former times. This hath beene ever my maxime.

Gabriele Rippl.” Jürgen Schlaeger. 48 beschreibt das 17. München 1993. daß die Prosaform ins Sensationelle oder Bizarre umschlägt („Characters. Or A New Cast of Characters. Memoria. Sein Text belegt zweierlei: die Wandelbarkeit der Gattung einerseits und ihre Anpassung an unterschiedliche. But here be fruits (Equall Reader. deeper rooting and longer promising. 47 48 Richard Brathwaite. „Das Ich als beschriebenes Blatt . Jahrhundert mit einer „Soziologie des Stils” Dabei unterscheidet sie zwischen „puritanischem ‘plain style’. Deshalb setzt er sich mit der nun erfolgreichen Gattung auseinander. London 1631. Vielmehr bezieht sich Brathwaite auf einen umfangreichen Fundus von characters.. Poetik und Hermeneutik XV. Kritisiert wird die Oberflächlichkeit bisheriger Charakterskizzen. they give a Cracke and a Flash. Lebenstexte. München 1998. for so I would have thee) of firmer setting.). sieht die Gefahr der Degeneration des character-Verfassens aber darin. wie dies bei Hall noch der Fall war. Er weiß um die Popularität des Genres („Characterisme holds good concurrence”). in der die Mittelbarkeit der Kommunikation. hier S. S.. .48 Die charakteristischen Sprachfiguren des Barock wie Metapher.may be properly resembled to Squibbs or Crackers. Vielmehr fordert er eine Veränderung des Genres. S.47 Ähnlich wie Hall greift Brathwaite auf die Tradition der Charakterskizze zurück und bestimmt auf diese Weise den Standort seines eigenen Werkes.56 posture. dem einfachen Stil. and so dye”. Er wendet sich von der barocken Rhetorik ab.Selbstverschriftlichung und Erinnerungsarbeit. der hoch-rhetorisch. Brathwaite plädiert damit für die puritanische Auffassung. Ihm geht es also nicht mehr um die Konstitution einer neuen Gattung.. . und dem Cavalier-Stil.. ‘Plain style’ ist auch ein Ausdruck der Tatsache. Schrift solle reine Innerlichkeit ausdrücken und zwar mittels plain style und natürlicher Zeichen. die Polyvalenz der Zeichen und die Opazität der Gedanken eine zentrale Rolle spielten. eds. 315-337. 323 macht auf die theologische Begründung des plain style aufmerksam: „‘Plain style’ ist die Vorstellung einer Sprache. Whimzies. humanistisch gelehrt ist und häufig dem ‘Copia’-Ideal folgt. die direkten Zugang zur Erfahrung und zur Wahrheit ermöglicht. ja gegensätzliche Diskurstraditionen und Diskursrichtungen andererseits. Die theologische Begründung des ‘plain style’ und die Übernahme der ramistischen Strategien der Argumentation deuten mithin gemeinsam auf die wachsende Bedeutung des . Im Gegensatz zu den bisherigen Texten geht es Brathwaite nicht um Beschreibungen. daß seine Ausführungen im Kontext des moralischen und pädagogischen Schrifttums der Zeit zu lesen sind. an deren Stelle gehaltvollere Äußerungen treten sollten („strong lines”). daß der Puritaner in der Frage des Heils selbst eine Antwort finden muß. in: Anselm Haverkamp und Renate Lachmann. Indirekt drückt Brathwaite damit seine Bewunderung für die ethischen Charaktere Theophrasts aus. Literarische Selbststilisierung englischer Frauen in der frühen Neuzeit.. der von der Sprache des neuen Testaments sowie von Logik und Systematik inspiriert ist. Zunächst geht der Verfasser auf die Geschichte der Gattung ein und bedauert die lose Anwendung des Terminus im Zusammenhang mit der Moraldidaxe. Konkret bedeutet das.

Eine Nachahmung bewirke am wenigsten. Folglich lehnt er zwei Dinge ab: zum einen die Fixierung auf einzelne Wesensmerkmale des Menschen. Der Akt des Schreibens und sein Ergebnis gewinnt dadurch eine Authentizität. Oxymoron und Katacherese sind folglich für Brathwaite eine Perversion des Natürlichen und Vernünftigen. Interessant sind zeitgenössische Wahrnehmungstheorien wie sie beispielsweise von Burton und . 78 stellt diese Entwicklung in den Kontext der Signaturenlehre: „Der Glaube an eine wie adamische Wiedergabe des Dings im Wort zog die Forderung nach einem ungeschmückt schlanken. IV. Legitimität..” C. a. S. Ähnliches im Unähnlichen aufzudecken sowie entfernte Ideen und Vorstellungen gewaltsam zusammenzupressen („clinchings”).. Im Vorwort zu seinem Werk betont Saltonstall: yet I would have you know.. indem er als poetischen Ausdruck das vernünftigerweise Zusammengehörige und daher das Wahre darstellen will. reinen und nackten Sprachgebrauch nach sich. Rippl. ein zeitgenössischer Verfasser von Charakterskizzen.a. Fanatick Phrases. So nimmt er eine klassizistische Konzeption von wit vorweg. . Oxford 1946. denn Eigentümlichkeit und Affekthascherei seien die Gegenpole zu Urteil und Klugheit. ed.” Ohly. zum anderen die knappe. S. vulgar Similitudes. der geschriebenen und gedruckten Seite als Raum. which the ingenious Reader may easily untye. auf eine Aussage ausgerichtete Darstellung. in dem sich Wahrheit konstituiert durch eigene sprachliche Anstrengung. Joseph Glanville plädierte 1676 für eine Reinigung von ‘Metaphors. mit deren Hilfe sie in einem weiteren Sinne einen didaktischen Zweck verfolgen konnten. der im Stil die Natur der Dinge zur Erscheinung brächte . H. a. S.a. schreibt Brathwaite. die in ihrem autobiographischen Text A True Relation of my Birth. Ganz in der Tradition der von Brathwaite abgelehnten „singularitie” steht Margaret Cavendishs Aussage „I always took delight in a singularity”.. Gerade letzteres verstanden Verfasser wie Hall oder Overbury als traditionsgebundene Technik.. Wye Saltonstall. but to have some fast and loose knots. 1.50 Brathwaite geht zudem auf die Etymologie des Wortes ein. Wilkinson. Vgl. that it is not the Nature of a Character to be as smooth as a bull-rush.O. 142-148 aufmerksam. die mit nur wenig Talent. Auf die Bedeutung des aus der rhetorischen Tradition stammenden Begriffspaar „Invention” (im Sinne von Auffinden) und „judgement” (Beurteilung von Zusammenhang. Er versteht Charakter als Signum für eine Person oder einen Ort. and Fanciful schemes of speech’. Siehe dazu auch Teil B. das angemessene Zusammenfügen der Syllogismen in Propositionen etc) macht Assmann. Breeding and Life einen ausgeprägten Sinn für Singularität beweist. dafür aber umso dogmatischer an ihr Handwerk gingen. wie er sie vorher nicht gehabt hat. Deutlich wird. lehnt zur gleichen Zeit die Forderung nach Einfachheit und Klarheit entschieden ab. a. Brathwaite verurteilt die Fleißarbeiten seiner Zeitgenossen.. Laut Brathwaite sollte eine Charakterskizze weder langweilig noch stumpfsinnig sein. Picturae loquentes by Wye Saltonstall. 68.O.51 In gleicher Weise wie die 49 50 51 Schreibens bzw.O.57 Paradoxon.49 Er löst sich damit von der barocken Vorstellung des wit als der Fähigkeit. daß die unterschiedlichen Ausformungen des Genres vom Gestaltungswillen des Verfassers abhängig sind.a.

58 Renaissance eine harmonische Übereinstimmung von Naturbegabung (nature) und Orientierung an den Regeln der Dichtkunst (art) postulierte. Erst die Kontrolle der spontanen Einfälle durch die Urteilskraft könne ein Kunstwerk vollenden. Die von Hall und Overbury geforderte Kürze verliert bei Brathwaite später ebenso wie die Komik ihre Bedeutung. a. 3-8.O. S. „Fancy rough-draws.” (S. das abhängig ist von den Informationen der Sinne: „. Ein Kunstwerk von bleibendem Wert sei aber nur möglich durch die Fähigkeit. die von der Phantasie übermittelten Bilder und Vorstellungen zu einem einheitlichen Kunstwerk zu gestalten. da sie letztlich stark von den jeweiligen Interessen der Verfasser abhängen.. postulieren Poetiken des 16. Die Imagination wird als ein passives Organ dargestellt. bewahrt sie als einen zufälligen und ungeordneten Vorrat.a. Die Kurzlebigkeit bisheriger Skizzen sei bedingt durch ihren Mangel an gehaltvollen Aussagen. Jeder Autor vermittelt einen ihm eigenen Aspekt. Jahrhunderts. prägt sie die sinnlichen Impulse als unwillkürlichen Reflex in das Gedächtnis ein.O. der sich mit den verschiedensten bisher schon erwähnten Konzepten wie beispielsweise der 52 53 54 Hobbes formuliert worden sind.. Die fortwährende Reflexion der Verfasser über ihr eigenes Tun mag als Hinweis auf die Schwierigkeiten der Autoren mit dem vielschichtigen Charakterbegriff und der Vorstellung von character gelten. S. 146). Bilder und Eindrücke. a. wie das Wachs den Siegelabdruck bewahrt. Assmann. a.. Aus diesem Thesaurus an Phantasmata schöpft die alltägliche Assoziation ebenso wie die künstlerische Produktion.a. die sie von den Sinnen empfängt. Vgl. but judgment smooths and finishes” schreibt Shadwell. Erinnerungsräume. und 17. Platz-Waury. Charakterbegriff und Imagination können ineinander verschränkt werden. Beide werden zugunsten des plain style aufgegeben..53 Brathwaite richtet sich gegen die „Künstlichkeit” des Hofes.54 Die unterschiedlichen Aussagen über den Charakterbegriff und die theoretische Auseinandersetzung in bezug auf das Verfassen von Charakterskizzen ergeben kein einheitliches Bild. Der nachfolgende Text von Richard Flecknoe. Verdauen spielt möglicherweise auch auf den Umwandlungs- . 5. Es geht ihm nicht so sehr um die Darstellung von Äußerlichkeiten als vielmehr um das Wesentliche („the pith before the rinde”). 52 Die Phantasie galt als die spezifisch zum Dichten befähigende Kraft. Thomas Shadwell. Preface zu The Humorists. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten in der Argumentation festhalten. Sie blieben nicht im Gedächtnis und könnten nicht „verdaut” werden. zitiert nach Platz-Waury. etwa der Rekurs auf die Malerei. 166ff. S.a. forderte sie auch einen Ausgleich zwischen der imaginativen und der rationalen Komponente (fancy und judgement) für den Schreibprozeß. Zu den Metaphern des Verschluckens.. Wiederkäuens und Verdauens als Metaphorik der Erinnerung vgl.O.

he is never cloyed. Klarheit und Einfachheit im Ausdruck Flecknoe knüpft an Brathwaites Überlegungen zur sprachlichen Form der Charakterskizze an. but at each Character. ‘Tis a Portraiture. die Originalität als kreative imitatio auffaßt und als virtuos Angeeignetes zum Ausdruck kommen läßt. not journey. Eine literarhistorische Untersuchung. wie es bei 55 prozeß der Dichtung an. 3). It says not all. or of a Character. or of a Character” (1658) Unter dem Titel Enigmatical Characters. Flecknoes Frauencharaktere sind Untersuchungsgegenstand im Rahmen der gattungsgeschichtlichen Entwicklung. 2). as it or extols to Heaven. ‘Tis that in every sort of writing delighteth most. and has nothing of superfluity. ‘tis more Seneca than Cicero. whilst in long ones they commonly tire and falter on their way: And to the reader. zur Klarheit und Einfachheit im Ausdruck. Er unterstützt demnach die Tendenz zur Konzentration und Dichte der Sprache. or still driving towards a close: ‘tis no long-winded exercise of spirit. der Frage nach dem Stil und dem Vergleich mit Malerei und Musik auseinandersetzt.59 Kürze. ‘tis a short voyage. you may coin and wire-draw to eternity. it is the jewell still. In fine. all taken to the Life. liest sich hierbei wie eine Schreibanleitung. so little comporting with mediocrity. Nähere Angaben zu Person und Werk finden sich daher in Teil B. Vielmehr fordert Flecknoe zudem stilistische Exaktheit: „Tis more Seneca than Cicero. Er betont die Notwendigkeit einer ökonomischen Schreibweise (Z. Leipzig 1905. It gives you the hint of discourse. Richard Flecknoe. Kap. falls too with fresh Appetite. Zitiert in Anton Lohr. III. or depresses unto Hell. 55. Ihm gilt die Kunst des Charakterskizzenverfassens als Andeuten und weniger als Ausbreiten. nothing of circumlocution. as at a new service. but discourses not. whence it not only delights but teaches and moves withall. from several Persons. Die Charakterskizze erschöpft sich jedoch nicht nur in Kürze und Dichte. ‘tis a garden. ‘tis all matter. the writer holds out with equal force. Richard Flecknoe: „Of the Authors Idea. and though the treatise be gold. . produces single.55 1. and is that in mass and ingot. S. and speaks rather the language of oracles than orators: every line a sentence. which the Author of Characters. but all it says is good. Stilistisch bevorzugt Flecknoe damit den plain style gegenüber dem eloquent style. but a forcible one.” (Z. V. and every two a period. where by reason of the subjects variety. having no mid’ place for Purgatory left. or a feast. and is a sermon as well as a picture to every one. still coming fresh unto his journeys end. whilst others goldsmithlike inchass them in their works. and like an air in Musick is either full of clozes. not only o’ th’ body. and therefore soonest out of breath. but the soul and mind. Humours and Dispositions (1658) findet sich folgender Text: Of the Authors Idea. like your Lapidary.

nicht zu schlicht und einfach zu schreiben. die sich aus dem Neben. a. Es ist gleich verwerflich. Den Stilwandel vom aphoristischen. Rippl. Cambridge. Der Stilwandel geht einher mit einem Wechsel der Kulturmodelle. The Theophrastan Character. S. Es ist weder schön. a. Die Beliebtheit der Charakterskizzen läßt die Orientierung an diesen Strömungen vermuten. unzusammenhängenden Stil. paraphrasiert Anton Lohr Flecknoes Abhandlung. der bei Brathwaite bereits expliziert wurde.56 Der im 17.und Authentizitätskultur.und Gegeneinander zweier Tendenzen ergab: einerseits den tradierten klassizistischen Erzählformen der Vers. in der Mitte des 17. a. allowing further aspects of the idea to emerge in later clauses. ist auch an Flecknoes Metatext ablesbar.O.a. Die durch Hall inaugurierte ‘Senecan mode’ läßt sich wie folgt beschreiben: It is characterized by a brevity in clauses or sentences.a. Sein sechstes Kapitel untersucht die Genres „Character and Biography” unter diesem Aspekt. Allerdings betont er auch die Notwendigkeit.oder Prosaromanze. Darin unterscheidet er zwischen dem gewöhnlichen Stil.. and by a habit of ‘exploding’ an idea abruptly in the first part of a sentence or sentencegroup. so wie sie von den cavalier poets. . Jahrhundert dagegen die Aufrichtigkeits. auf Stelzen daherzuschreiten.O./London 1968.60 Seneca vorgeführt und dann von Montaigne und Bacon schließlich weitergeführt wurde. andererseits einer neuen „realistischeren” Prosa. The Rise of Modern Prose Style. and particularly of the English Tongue” hatte er sich mit der Entwicklung des „style of language” beschäftigt. 30. Mass. Jahrhunderts war in England beispielsweise die mit der Schein/Sein-Dichotomie arbeitende ‘Verhaltenslehre der Kälte’ das dominante Kulturmodell. S. den courtly makers verfaßt wurden.” Lohr. Letzteren sollte man anwenden. wenn man für Ruhm und Ewigkeit zu schreiben gedenke. Er sieht die „Anti-Ciceronian Movement” und die „New Philosophy” als Antriebskräfte dieses Wandels. 38 konstatiert: „Zu Beginn des 17. nur auf den Inhalt oder nur auf die Form zu achten. Beide müssen in gleicher Weise berücksichtigt werden. dem sogenannten Zeitstil und dem gelehrten Stil. die für den Roman wichtige Voraussetzungen erarbeiten sollte. Stilfehler sieht Flecknoe in unverständlichen. by an omission of the usual syntactical connectives..58 56 57 58 Boyce. dem „nominal style”. In seiner Abhandlung „A Disourse of Languages.O. 180. zum „modern prose style” („verbal style”) beschreibt Robert Adolph. Jahrhunderts und wieder im 18. noch als Reptil am Boden zu kriechen. by a lack of symmetry in the parts of a sentence. gekünstelten Ausdrücken und Formulierungen.a.57 Flecknoe hatte bereits 1653 in seinen Miscellania solche Stilfragen erörtert. Die Erzählkunst der frühen Neuzeit war durch eine spannungsreiche Einheit geprägt.. Jahrhundert einsetzende Stilwandel. S.

12f. 7f. sondern auch auf einer Sicherung des Urteils. that he both depaints the Minde. Die geforderte Ausdeutbarkeit des Textes. ‘Character’ impliziert auch immer etwas Geheimnisvoll-Magisches. Diese Eigenart der Charakterskizze beruht nicht allein auf der Tendenz zur schablonenhaften Charakterisierung. 12f. 3). Die Nennung von „coin” (Z. die möglicherweise auf die Vielfalt der characters und ihre unterschiedlichsten Ausgestaltungsformen anspielt. der Entzifferung bedarf.) aus. 2) und „ingot”. Der Nutzen zielt auf ein grundlegendes und schematisches Wissen über die zu erwartenden Äußerungen einer sittlichen Eigenschaft.). Der literarische Status der Charakterskizze und ihre Kontrastbildung Neu ist bei Flecknoe die explizite Verwendung des docere et placere-Topos (Z. Wiederum findet sich der Vergleich zur Musik (Z. Die Prosaform character verfährt selektiv. There is scarce any . wie das Orakel (Z.). 8-11).). This manner of writing is altogether fashion in France. Dazu dient die Schwarzweißmalerei ebenso wie die Beschränkung auf die Beschreibung eines ‘momentanen’ Zustandes. and the Writer of the Painter. weshalb er. steht dem Plädoyer für stilistische Klarheit und Einfachheit gegenüber. 4. erlaubt kein Mittelding und zeichnet sich duch ihre Schwarzweißmalerei (Z. and Body too. denn es tritt eine Diskrepanz zutage. Sie polarisiert somit durch die Darstellung von Extremen. einer unmißverständlichen Anleitung zur Verallgemeinerung. typisiert durch Übertreibung von Tugenden und Lastern. that it gives you the Bodies resemblance together with the disposition of the Mind. Terminologisch trennt er dabei nicht mehr zwischen Charakterskizze und portrait (Z. wie sie in fast allen Arten didaktischer Dichtung festzustellen ist.61 2. 3. der Münze bzw. Flecknoe will ein Porträt des sichtbaren und unsichtbaren Menschen erstellen. Der Rekurs auf bekannte Topoi: Münze. An diesem Punkt wird der Text selbst zum Orakel. Musik Laut Flecknoe schafft der Text eine Prägung für die Ewigkeit. Der Übergang zum portrait Inhaltlich werden in diesem petit genre Inneres und Äußeres dargestellt. 4f. läßt wiederum auf den etymologischen Gehalt des Wortes ‘character’ schließen. der geheimnisvoll sein soll. So heißt es auch im Vorwort zu seinen Heroick Portraits von 1660: The Portrait has this advantage of the Character. die geschmiedet und geformt werden müssen. dem Barren oder Block. and I should be glad to bring it into England. ebenso wie die Anspielung auf den Status der characters im Vergleich zu anderen literarischen Genres (Z. Orakel.

but makes their own Portraits. S. daß sie nicht bloß „the disposition of the Mind” einer Person sondern auch noch „the Bodies resemblance” bietet. daß der Leser hier Kriterien für die Beurteilung seiner Mitmenschen in nachahmens. Die vielen Reisen in diesem Zeitalter. zitiert in Benjamin Boyce. 55.62 Noble man or Noble woman there. sondern konkrete Personen innerhalb eines spezifisch zeitlichen und räumlichen Rahmens in ihrer Entwicklung. 5. namentlich die Predigt bzw. die sich vom character dadurch unterscheidet. but in making our own. as is exprest in Words. we see into our very thoughts. The Preface.bzw. sie dienen der Mikrokosmographie und Kartogra- . Flecknoe möchte diese Gattung. or Action. Heroick Portraits. in denen Autoren ihre Reise nach innen und die intensive Erforschung des eigenen Ichs beschrieben. die klerikale Satire. Vor allem puritanische Tagebücher des 17. or onely as much of their Interior. and would ours but imitate them here. Dabei steht die Reisemetapher für Sinnfindung oder Entzifferung. and to our selves. Diese Vorstellung ist nun bereits konventionell geworden. das sich zu dieser Zeit in den französischen Salons größter Beliebtheit erfreute. 14). die beide sehr stark mit einer typisierenden Darstellungsweise arbeiten. Sittliche Verhaltensweisen sollen im Bild vorgeführt werden. Gerade in ihrer belehrenden Funktion zeigt sich die Nähe zur Predigt (Z. New York 1969. Jahrhunderts. but the most pleasant too. and enter into the inmost cabinet of our breasts. 14ff.59 Deutlich dokumentiert sich hier der Einfluß des portrait. Schreiben als Reise Das Verfassen einer Charakterskizze vergleicht Flecknoe mit dem Reisen (Z. Die Nähe zur Predigt Zweck der Prosaform ist neben der Unterhaltung auch die Belehrung (Z. but to God. weisen diese Spachverwendung auf. they would finde it of all studies not onely the most profitable. Der Vergleich mit der Predigt macht deutlich. For in making others Portraits. die in geographischen und navigatorischen Beschreibungen zum Ausdruck kommen.). Das portrait stellt nicht ahistorische Skizzen zur Demonstration unveränderlicher moralischer Wahrheiten dar. 6. A Chapter in English Literary History. Auch Flecknoe setzt die Charakterdarstellung in Analogie zur Malerei und schiebt das bildliche Moment in den Vordergrund. verabscheuenswerten Beispielen erhält.60 Die Kürze der 59 60 Richard Flecknoe. dienen der Bestandsaufnahme der Welt. 13). Damit verweist Flecknoe auf eine wesentliche Wurzel der englischen Charakterisierungskunst bis 1600. we see onely their Exterior. The Polemic Character 16401661. inaccessible to all. in England einführen.

in einer ”chain of being” zu denkender Kosmos. der die phie. daß die Charakterdarstellung im frühen 17. Jahrhundert als selbständige Kunstform auftritt und lassen die allmähliche Ausformung einer Kurzprosagattung deutlich erkennen. rückt in der Folgezeit ein literarisches Genre in den Mittelpunkt. dann um Kürze und eine exakte. dazu die Ausführungen zu den Aspekten . Der anonym verfaßte Text nimmt den Komikaspekt Overburys auf. Die vergebliche Unterscheidung zwischen „matter” und „superfluity” verweist bereits auf die Fragen. Ließ das Wort ‘character’ zunächst an moralphilosophische Bedeutungsimplikationen denken. vermischt die Begriffe ‘character’ und portrait und kommentiert die Positionen von Autor und Leser. die Charakterskizze als Mittel der Selbstexploration. to make a deepe impression”). verbindet ihn mit der Darstellung von Schwächen und steht damit diametral zu den Aussagen Brathwaites. dafür zeichneten sich die Texte durch Vielfalt und Variation aus. Vgl. Flecknoes Text schließlich betont den Aspekt der Kürze. die er vor allem am Stil (wit) festmacht. Die Welt. der Andeuten impliziere. soll damit taxonomisch geordnet und systematisiert werden. schreibt Flecknoe. Favorisiert der anonyme Text eine kurze Darstellungsweise des Negativen. wie dies noch Hall favorisiert. Bei Overbury finden sich drei wesentliche Elemente: in Anlehnung an den etymologischen Gehalt des Wortes geht es zunächst um die Vermittlung eines Eindrucks („to engrave.63 literarischen Form erhalte dem Verfasser seine Frische und Lebendigkeit. als nicht mehr im geschlossenen Weltbild. das nicht mehr mit den Charakteren Theophrasts verbunden ist. will Brathwaite seine umfangreichen Skizzen in einem positiven Umfeld angesiedelt sehen. Insbesondere in ihrem Streben nach Verbildlichung in konzentrierter Form gewinnt die Gattung Charakterskizze ihre Eigenständigkeit und schafft sich eine Poetik unabhängig von der Rhetorik. dezidiert klare Prosa und schließlich um die Bereiche Musik und Malerei. Dem Rezipienten werde es nicht langweilig. nimmt konkret Bezug auf Stilvorgaben. Die bisher untersuchten Texte belegen. Overburys Metatext entwirft eine Art „art total” (van Delft). Die rezeptionsästhetische Wirkung der characters. Mit diesem ist das Merkmal der Wiedererkennbarkeit (Lesbarkeit) verbunden. nimmt der folgende überschwenglich und außergewöhnlich lange Metatext auf. die auch kommende Autoren mit Bezug auf die Darstellung von Charakteren haben werden: wann ist eine Person mit zu vielen Charakterzügen ausgestattet und wann ist sie „realistisch” dargestellt? Hier stellt sich das Problem der Unterordnung der Vielheit von Wesensmerkmalen unter einen dominanten (Schrift-) Zug.

der in der Tradition des puritanischen Innerlichkeitsdiskurses steht. der Anthropologie. Die zentralen Werkzeuge dieser Lektüre sind Kartographie und Mikrokosmographie. Vgl. in: Fritz Nies und Karlheinz Stierle.64 menschliche Natur in das Zentrum des Interesses rückt. Delineated in Essayes and Characters61 liefert bereits im Titel ein interessantes Programm. im Rahmen dieses „fond d'idées reçues”. Jahrhunderts wie Mikrokosmographie. indem er die für den Charakterbegriff zentralen Diskursformen des 17. . Mikrokosmographie andererseits uns heute heterogen und divergent erscheinen mögen. leiste der Charakter als die redegewandteste Formulierung dieser Anthropologie eine Inventarisierung der Welt und die genaue Verortung des Menschen darin. Samuel Person: „Character of a Character” (1664) Das Wissen der Zeit über den Charakterbegriff läßt sich besonders genau in einem Text von Samuel Person. München 1985. VI. Die Erforschung des Mikrokosmos durch die Anatomie verweist auf den Makrokosmos und damit auf die Welt. „Moralistique et topographie: Caractères et lieux dans l'anthropologie classique”. S.62 61 62 Mikrokosmographie und Kartographie im nachfolgenden Kapitel. über dessen Leben es keinerlei Informationen gibt. innerhalb derer die menschliche Natur sich als universell. aus dem eine ptolemäische Weltsicht spreche. Littérature et anthropologie. Obwohl die Elemente Anatomie einerseits sowie Kartographie. womit auf die geforderte anatomische Lektüre der menschlichen Natur Bezug genommen und von einer Lesbarkeit des Menschen ausgegangen wird. 61-80. Die characters als Ausformungen von Menschenbildern sind somit immer auch Teil der literarischen Anthropologie. 119-120. ist hierbei die formelhafte Verwendung des Wortes anatomy. Or a Map of the little World. nachlesen. Paris 1993. Auf die eigentümliche Verschränkung von Literatur und Anthropologie verweist Louis van Delft. An Anatomical Lecture of Man. Anatomie. Beispielhaft für die Vorliebe der Wahl besonderer Ausdrucksweisen. verbindet sie Person im Text miteinander zu einem allumfassenden Konzept. eds. das klassische Zeitalter in seiner Gesamtheit zu topographieren. Nature humaine et caractère à l’âge classique. die sich im Kontext frühneuzeitlicher innovativer Erschließung der Erfahrungswelt entwickelt hatten und populär waren. Literatur. Theorie. Louis van Delft. die Aufgabe zu übernehmen. Malerei.. Auf der Grundlage einer „psychologie fixiste. Die starre Ordnung und Transparenz der Charaktere ermöglichen es dem Charakterologen paradigmatisch für die Moralistik. Er führt Brathwaites Ansatz. héritée d'Aristote et de Théophraste” habe sich eine säkulare Anthropologie begründet. weiter. S. transparent und erkennbar darstelle. Französische Klassik. Physiognomie und Kartographie expliziert und damit die rezeptionsästhetische Wirkung der Charakterskizzen formuliert.

that points at each one its mimical.as old Democritus did Beasts in his Garden at Abdera. Dispositions. or the Chariot and Horses curtained with the wing of Myrmicedes Fly. and transcribes it into another Book. who broke it and made it a multiplying one. and that which is written in the book of mans Soul. Characterizing is a kind of Physiogmony [sic]. because she saw such a Spectrum as through her self. it will set a glorious glore upon the virtuous. and Qualities are here known. he will be fit to do with this. like Homers Iliads in a nut shell. It may be termed a Chrystaline Mirrour or Looking-Glass. and by that means reduplicated her deformed Face and Image. but infallible symptoms of things and persons. wherein every man may see his Face. and there sees within them. for in it are all his signs. in blak and white Characters. they may be termed petty Chronologies or Chronicles. and made her a Janus faced Monster. which rips up mens Qualities. they are the Registers that put all things upon Record. the Mark or Badge that every man hath. it has not only the signatura rerum. for when as virtuous man sees himself delineated. but give intelligence. and it is his Flag. branding them with a black Theta. whatsoever was inscribed. Banner. to the Reader they are not Fleshmarks. they are Hierogliphical or Emblematical Writings (such as the Egyptians used) that write with the οωτικα and ζωοτικα great and little Letters in Natures Alphabet.65 CHARACTER OF A CHARACTER It is an Hyerogliphick. its good with the good. it may properly be Baptized a mans Zodiack. it makes the former petty Proebus's [sic]. It is a Tautological eccho. rather then other Printed . but which he may be known. a wicked one studies Opticks and Glances into this Glass that reflects his true Shape and Effigies. falls in love with himself. But when the virtuous mans Antipode vir. a little Enchiridion that Ensphears much. both good and bad. that carps at all things Scomical [sic]. a kind of Legitimate augury that looks into the intestines of things. and gives notice in what State and Condition things are. a Microcosmography or a Map of man. and that fair face of virtue he saw in the forementioned myrrour. it beholds and copies it out. intimating whats within. but like the Planet Mercury. and also of each Individuum. just thus will he be served. Personarum stamped upon it. the umbra or shadow which continually follows him. but also. that imitates all things Cynical. it alters with a man as (Gemurists say) the Turmois [sic] in a ring looks wel [sic] or ill as with him. and also it will be an R. Policrates and Narcissus-like. but an ignominious mark upon the vitious. the Diurnal that tells News of such and such men. no dumb Mercuries. a greater blab then Batto. a stigmatizing Iron to those that are bad. the worst characteristical letter that may be. or Ensign that hangs out. his Nature. the pulse by which you may know whether well or ill with him. who out of his Vatinian hatred to Images (being conscious of his fair one) will despise those that are reflected by this Speculum. the Anotamy [sic] of the Soul. it is the Counterpane of Natures Book. and is his concomitant. that derides all things with the forenamed Phylosopher [sic]. and bad with bad. as the deformed woman did with her Looking-Glass. he by and by accounts himself another Felix. in their credit. especially a bad mans Character may be named [sic] so because there be so many Beasts and Monsters in it. yea and understanding too. A Character is the Picture or draught of each person. then it may be called the hand in the dyal. the impress and token that is stamped upon each man. and their virtues are like those twinckling winking eyes that attracts [sic] all other to behold them.

they are the Prospectives that a man should well eye. and certainly those Figures or Letters drawn by natures Pencil are more significant then those that are the result of a mans fancy. 24ff. and so these Characters. the worst mischief of it is. daß der Gute in Eigenliebe verfällt. 4f. I would counsel them to have (as one Antipheron thought he did. Characters are like Ingenious Pictures that look at every one. 1f. good and bad. so that it should have a deep impression upon men.). um Dinge und Menschen festzuhalten (Z. his Nature. a Character is every mans Physicks Epitomized.). Der Effekt eines Spiegels liegt darin. Halls „delineated”.). and brought into. 19f. Nosce te ipsum. aber auch auf der inhaltlichen Ebene (Bezug zur Malerei.B. or else they will never obey that oracular precept. die jeden markiert und damit Natur. zum Emblem etc. and relish: the word Character intimates a thing engraven. Historia Animalium. eine Prägung. Der Charakter ist eine Art Brandmal. Ähnlich wie Overbury nennt er die Verbindung von Charakter und Hieroglyphe (Z. Kartographie und die Anatomie der Seele machen . beschrieben wird. ein Kennzeichen. Der Charakter ist ein Eindruck. A Libel. 6-18). Der Charakter stellt ein Bild oder eine Skizze dar. all ending with a sweet finiall [sic] flowrishing cloze. Die Charakterskizze kann man Aufzeichnungsinstrument oder Zeittafel nennen (Z. 21-24). Der Vergleich mit Beispielen aus der griechischen Mythologie macht auf die Kürze und Komprimiertheit des Genres aufmerksam (Z. die im Zusammenhang mit dem Charakterdiskurs des 17. for here a man writes a great deal in a little room. so that if they be Fair and Beautiful to do which becomes them.) carry their Images before them in their sight. 1). if foule and deformed. but it is far otherwise. to look in these. Jahrhunderts entwickelt wurden. Er fungiert als Abbild des Buchs der Natur und des Individuums (Z. then to compensate it by the beauty of the internals. that is. Mikrokosmographie. Dieser ungewöhnlich lange und phantasievolle Text greift viele zentrale Begriffe auf. Person nimmt zunächst Bezug auf die Vorstellung des Menschen als terra incognita. das sich je nach Situation verändert (Z.). to conclude. a Bell with a lye that rings about the Country. called Brachigraphy. so let them rectifie their obliquities by the straight lines of this Coppy. and now my Character is conceived. or Urinals in which one may take a survey of humours.66 Letters. 2-4). It is good for all men. in denen jeder sein Gesicht erkennen kann (Z.). but many will call the Character of some bad man. Der Charakter erhält Zeichenfunktion. viz. as the Phylosophers [sic] counsell'd his [sic] Schollers to see themselves in their reflecting Glasses. Man nennt die Skizzen auch Spiegel. it is an harmonious clinching of divers senses. Brathwaites „clinchings”).). 20f. Veranlagung und Qualitäten bezeichnet (Z. Nicht wenige Ähnlichkeiten zu den bisherigen Metatexten finden sich in der Wortwahl (z. that it is true. der Schlechte sich mit seinen Lastern abfindet (Z. das die Menschen in gut und schlecht einteilt (Z. 24). wenn er als ein Zeichen oder Merkmal einer Person. the Weather-glasses.

47-49). Speculum. Das Charakterisieren ist eine Art Physiognomie. Bilder für andere zu liefern. in dem sich der Rezipient erkennen möge (z.). Man könnte den Charakter auch Tierkreiszeichen nennen. 59ff. Z. Darstellungsgegenstand ist die menschliche Natur (Z. denn darin sind alle guten und schlechten Zeichen bewahrt (Z. Sie liefern auf diese Weise ehrliche Bilder „that look at every one” und Anzeichen für die Zukunft (Z. 56). Die Charakterskizze zeichnet auf und hält Zustände und Situationen fest (Z. Charakterskizzen sind hieroglyphische bzw. „Speculum”) als bildliche Vorstellung der Korrespondenz wird zur beliebtesten Metapher im 17. 35). Sie dienen sowohl dem Guten als auch dem Schlechten zur Besserung (Z. 59f). die rein der Imagination entspringen (Z. sie verweist auf etwas Eingraviertes und hinterläßt einen tiefen Eindruck beim Menschen (Z.B. 32-34). „Looking-glass”. aus denen sich letztlich die Aspekte des Charakterbegriffs entwickeln. Jahrhunderts. Interessant ist die Kontinuität der Metaphorik von Anatomie und Spiegel (später Fotografie) in den graphologischen Schriften eines Ludwig Klages..67 das Innere des Menschen sichtbar (Z. 40ff. Ziel des Genres ist es. 50-54) und Selbsterkenntnis (Z.bzw. 37ff. emblematische Schreibformen. Tübingen 1973. sie erfassen den Menschen in ihrer Kürze und Präzision nach der Natur und sind daher besser als Werke. das Banner eines Menschen. Weltver63 Die Bedeutung des Spiegelmodells ist Gegenstand folgender Arbeit: Herbert Grabes. Als eine Ursache für die Bevorzugung des Spiegelmodells kann das Prinzip der imitatio betrachtet werden.). Kartographie. die als Nebenbegriffe fungieren. denn damit werden die Relationen zwischen Mikro.). Der Charakter als Spiegel Als eines der zentralen Modelle der Zeit dient der character als Spiegel. Dabei gilt spe- .63 Der Spiegel („myrrour”. Z. 1. 26-29). Mirror und Looking-Glass. um zu bewahren und zu formulieren. bis 17. Im folgenden gehe ich auf jene vier zentralen Modelle (Spiegel. 2ff. 11f. Kontinuität und Originalität der Spiegelmetapher in den Buchtiteln des Mittelalters und der englischen Literatur des 13. Anatomie und Buch) ein. 58f). Michons oder Walter Benjamins: Handschrift wird zerlegt und auf Charakterzüge verwiesen. Die Charakterskizze bringt verschiedene Sinne in Einklang und endet in einem harmonischen Schluß (Z. um das Innere sichtbar zu machen (Z. Mikro.und Makrokosmos in unterschiedlichsten Variationen beschrieben und analysiert. Jahrhundert. Der Charakter ist die Flagge. Für den Leser liefert der Charakter Anzeichen von Dingen und Personen. 39). sie zeugt von Intelligenz und Verstehen (Z.). 42-47). um das Innere nach Außen zu bringen und lesbar zu machen (Z. wie bereits der anonym verfaßte Text formulierte.

um die in der Analogie gedachte Wiederkehr des Gleichen im Verschiedenen anschaulich werden zu lassen. With the several Aspects it beareth to Virtue and Vice.und Lehrbücher. Die Sokratische Spiegelschau wurde in England im 16. 43. z. Hervorhebung KH.66 Die Charakterskizze wird zum Mittel der Lesbarmachung der Welt. lag besonders nahe. London 1670. Herbert Grabes betont: Die Verwendung der Spiegelmetapher für Schriften. dessen symbolhafter Ausdruck das Lesen ist.. dann möge man sich moralisch dieser Schönheit würdig zeigen.65 Diese Aspekte des Abbildens. Darstellung und Komprimierung bildeten hier eine doppelte Analogie von Spiegel und Buch. Ernst Robert Curtius’ Geschichte der Buchmetapher in: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Auflage. Angliae Speculum Morale. . Auch das Denken in Analogien als allgemeine Grundhaltung der Zeit läßt den Spiegel als besonders geeignet erscheinen. or A moral Description of Man (1642). weil die Spiegel im Mittelalter in England bis ins 17.. aber umfassende Darstellung einer größeren Wirklichkeit sein wollten. 6.B.a. Erkennt man sich im Spiegel als schön. Richard Graham Prestons. der Komprimierung und Verkleinerung kommen in den ersten Zeilen des Personschen Metatextes zum Ausdruck. Earles Micro-cosmographie or A Piece of the World discovered in Essays and Characters (1628) oder Brownes A Map of Microcosme.. Fach. kann somit als Zeichen eines weitgehend kontinuierlichen. die eine verkleinerte. ontologisch auf dem Analogiemodell basierenden und erkenntnistheoretisch wie auch kunstschöpferisch an der imitatio orientierten Weltbilds gedeutet werden. a. Grabes. 16. z. findet man sich 64 65 ziell bei Klages die „Theorie der negativen Zeichen”. Jahrhundert wieder aufgenommen. S. Vgl. also die Enzyklopädien und auch viele der großen Kompendien. Jahrhundert fast ausnahmslos Konvexspiegel waren: Abbild und Verkleinerung. Bern 1967. als gegenseitige Spiegel und als Spiegel Gottes zu erkennen: Die große Kontinuität der Spiegelmetapher .B. ebenso wie in diversen Titeln von character-Sammlungen. Die Ähnlichkeit des Spiegelbildes mit dem Urbild macht es möglich.64 Diese Auffassung förderte nicht nur das Verständnis von Dichtung und Kunst als Spiegel (Mimesis). The Morale State of England.68 ständnis wird nicht mehr als schöpferische Funktion aufgefaßt. sondern war auch bestimmend für die Titelwahl. sondern als ein Aufnehmen und Nachbilden vorgegebener Sachverhalte. den Menschen als Spiegel des Menschen. Für einen Glauben an die moralische Besserung durch Erkenntnis ist die zu einer Korrektur des Äußeren führende Anschauung im Spiegel konsequenterweise das geeignetste Modell.O. Kap. so wie sie bei La Bruyère zur Anwendung kommt: Die Abwesenheit eines Zeichens deutet auch auf einen Charakterzug.

. Indem die ästhetische Inszenierung von Charakteren die menschliche Natur in ihren Prägungen im Spiegel der Vernunft darstellt. S. aber auch verzerrt. Vgl. indem er das weit Verstreute bequem zugänglich macht oder Verborgenes sichtbar werden läßt. insbesondere die Kartographie. erhält bei Person eine zentrale Rolle. Dem character als poetisch-rhetorischer Kleinform wird zugestanden. S.und Lasterschema.67 Damit wird der Spiegelbegriff in einem didaktischen Sinn genutzt. Ordnung zu schaffen. Der Spiegel repräsentiert einerseits Bekanntes. 121. werden in ungebrochener Tradition von Philon bis Milton und Marvell Spiegel genannt.a. Es zeigt sich die Erkenntnis.und die damit verbundene Korrekturfunktion des Menschen als exemplarischer Spiegel. 84ff.O. deren Funktion es ist.69 häßlich. Die Verkörperung des Vorbildlichen. Der Mensch soll lesbar gemacht werden wie eine Karte. Maria. a. Der Charakter teilt den Menschen in gut und böse ein.und Abschreckbild deutlich. a. die Prinzipien christlicher Moral mit ihrer Polarisation von Tugenden und Lastern in Ablösung und Fortsetzung des allegorischen Diskurses als Charaktere fixiert. Er fungiert als inventarisierendes moralphilosophisches Instrument. dann solle man die äußeren Mängel durch innere Qualitäten ausgleichen. Mikrokosmographie und Kartographie Die Mikrokosmographie. hat sie dem Rezipienten einen moralischen Anreiz zur eigenen Perfektionierung zu geben. beurteilt Verhalten nach dem Tugend. wie dies bereits in der Bibel geschah. Diese exemplarischen Spiegel warnender und abschreckender Art liefern zugleich die beste Bestätigung für die Funktion des Spiegels als Vorbild. wenn er mitunter vergrößert.a. und 17. Grabes. die Horazsche Formel des prodesse et delectare poetisch umzusetzen. Christus. In der Ausgestaltung der Frauencharaktere wird diese Einteilung in Ideal. Diese Korrektur durch den Spiegel fand in der stoischen Morallehre ihre konkrete Anwendung in der Auffassung. Jahrhunderts. schöne und edle Frauen. Das negative Extrem wird als Spiegel dargestellt. man könne den Zorn damit vertreiben. getreu der rhetorischen Funktion des Charakterbegriffs in der Rezeption des 16. vermittelt aber andererseits Erkenntnis. verkleinert oder gar verfärbt. 2. So wurden zunächst. Er dient aber auch der Täuschung. daß man dem Zornigen einen Spiegel vorhalte. weil sein Anblick die Differenz des eigenen Selbst aufzeigen und so Erkenntnis und Besserung ermöglichen soll.O. Dem Charakter als anthropologischer Erklärung entspricht eine klassifikatorische 66 67 Grabes.. der Heiligen.

das mittels character als literarisches Genre angelegt wird. a. in: Hans-Jürgen Bachorski und Werner Röcke. Es handelt sich um eine moralische Kartographie. sondern steht zur Aufarbeitung durch Anstrengung und d.. was die bekannte Welt in den alten mappae mundi begrenzte.und Außendiskursen ist materiell und spirituell motiviert. Kap. die Natur als Spiel der Zeichen und der Ähnlichkeiten in der reduplizierten Gestalt von Makro. des eigenen Körpers muß sorgsam geplant werden. bis Rubriken und Kategorien übrig bleiben. Die „Explosion des Weltbildes” führe zu einer „Implosion der Anthropologie”. I verwiesen. Weltbildwandel. 136. 136.”.. begründet einen Diskurs über die topologische Natur des Menschen. M. Kap. denn einerseits ist die Erkundung der Außenwelt als koloniale Exploration eine Herausforderung an die menschlichen Fähigkeiten und ihre gewinnbringende Erschließung Zeichen der Erwähltheit. 135. a. „Vom plurale tantum. so Schlaeger.O.a. andererseits führt eine Reise nach Innen zur Selbsterkenntnis und zu einem gottgefälligen Leben.O. 248. auch zur Entdeckung und Kartographierung an. Da sich die Mikro/Makrokosmos-Vorstellung gerade auf dem Gebiet des Geschlechterverhältnisses auswirkt. Zeichen des Kosmos können als Charaktere gelesen werden.69 Diese Durchdringung von Innen. „Der Diskurs der Exploration und die Reise nach Innen”. „daß die sichtbare Ordnung der höchsten Sphären sich in der dunkelsten Tiefe der Erde wiederspiegelt” und sich auf diese Weise. verweist auf die Parallele der Buchstabenschrift und die Erfindung der Landkarte in der Antike. S.h. ebd. S. sondern auch das.. an dessen eine Vorstellung von Welt und Mensch als zur Zukunft hin offene Entwicklungspotentiale stehen. 68 69 70 Als eigentümliche Form literarischer Anthropologie bezeichnet Jauss.68 Jürgen Schlaeger hat auf den Zusammenhang zwischen des Diskurses der Exploration und der Reise nach Innen in der frühen Neuzeit hingewiesen: Als ‘terra incognita’ wird nicht nur das angesehen. S.und Mikrokosmos zusammenschloß. Michel Foucault. 1983.O. sei hier auf die Ausführungen in Teil B. hier S. eds. die den Wissensvorrat des 16.. a. Weltbildwandel. „die bis zur Totale einer Micro-cosmographie gesteigert werden konnte. . Jürgen Schlaeger. Trier 1995. S. protobürgerlicher Individualität” verweise. 135-145. Jahrhundert hinein so organisierte... Selbstdeutung und Fremderfahrung im Epochenübergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. die Bestandsaufnahme und Darstellung von Charakteren in Gestalt einer moralischen Kartographie. Landnahme und Selbstbemächtigung sind einander verstärkende Bewegungen und als solche Teil eines Weltbildwandels. Vgl. diese mittels Typologie zu ordnen. was im Innern des Menschen verborgen liegt. Und beides wird nicht mehr als Folge des Sündenfalls ehrfurchtsvoll hingenommen. Das Lektüreraster. Die Typologie reduziert solange. Schlaeger. S. 2 hat auf die Ähnlichkeit („ressemblance”) aufmerksam gemacht.a.70 Die Erforschung der eigenen Seele. an der die sichtbaren Zeichen des Kosmos als Charaktere abgelesen werden konnten.70 Analyse der Natur mit dem Ziel. Frankfurt a. Jahrhunderts bis ins 17. so schreibt 1619 Samuel Purchas. anatomisch exakt durch eine fortschreitende Kartographierung erfolgen. 36f. was wiederum auf „die Entstehung neuzeitlicher.a. Die Ordnung der Dinge.” Blumenberg.

as an Epitome of the whole Universe. I finde such an infinite number of the veines of deceitfulnesse. 142.71 Auch Thomas Browne hatte in seiner Religio Medici (1635) die Welt. Daniel Dyke. London 1619.. and truest Mappe of the World. Ein solches Modell stellt letztlich die Charakterskizze bereit. die den Leser auf den Weg durch das eigene Innere. a. Thomas Browne.und Selbsterschließung die Wörter so benutzt. and ripping up the belly of this monster.74 71 72 73 74 Samuel Purchas. and her prodigies in us. and cleerly to show them all. a. daß sie als zentrales Instrumentarium dienen. S. which without further travell I can doe in the Cosmography of my self. which he that studies. the encrease of Nile. Religio Medici. Purchas his Pilgrim.a. S. a summarie and compendious other world. . wee carry with us the wonders.a. Weltbildwandel. Weltbildwandel. Das eigene Innere wird nun nicht mehr wie bei Hall als „Arena für den Kampf von Tugenden und Laster allegorisiert.. wisely learns in a compendium. S. hier zitiert nach Schlaeger. 144. that hard it is distinctly. vorbereiten will. and created after the rest. the conversion of the Needle to the North..O. 139. sondern als prinzipiell unbekannt und ambivalent vorgestellt.71 This body is a microcosme.”73 Diese Konfrontation mit den unbekannten und ambivalenten Seiten des Selbst aktiviert die Suche nach Modellen. we seake without us: There is all Africa. die als ordnendes Medium der Welt. we are that bold and adventurous piece of nature. zitiert nach Schlaeger. the flux and reflux of the sea.mit der Selbsterforschung gleichgesetzt: I could never content my contemplation with those generall pieces of wonders. London 1614 in: Schlaeger.O. die als Leitfaden für eine systematische Erschließung dienen können. ebd. ähnlich einem Labyrinth. what others labor at in a divided piece and endlesse volume. der zu Selbsterforschung führt.O. a.72 Dieser neue Erkundungsdrang. and those so knotty and intricately infolded together.a. The Mystery of Selfe-Deceiving Or A Discourse and Discovery of the deceitfullnesse of Mans Heart. In einem Traktat von Daniel Dyke von 1614 heißt es: Taking then the anatomizing knife of the word. macht sich in der Charakterskizze ebenso bemerkbar wie in der Erbauungsliteratur. and have studied to match and parallel those in the more obvious and neglected pieces of Nature. Weltbildwandel. 138. Zitiert nach Schlaeger. Dieses Bemühen um Selbsterkenntnis als Durchdringung und Beherrschung des eigenen Ichs hat seine Grundlage im Protestantismus und findet in der Gesellschaftsphilosophie Shafesburys seine Fortsetzung. S.

Von der Anatomie. der auf die Erweiterung und Beherrschung der bekannten Welt gerichtet war. „In every case. the body is adapted to the character and the faculty of the soul” heißt es schon bei Galen.O. Ordnung zu schaffen.a. Eigenheiten sprachlicher Art und Besonderheiten in der Physiognomie erfüllen die Aufgabe. a. die in komplexer Metapherndichte und kühner Syntax und nicht im plain style eines wissenschaftlichen Diskurses verfaßt worden ist. S. Anatomie wird als aggressive kritische Methode betrachtet. systematische Aufgliederung eines Problembereichs. a. die bloße Oberfläche des Körpers zu durchdringen.77 Die bereits genannte Religio Medici von Thomas Browne. Jahrhunderts hinzu. eine ins Enzyklopädische strebende.76 Eine moralische Bedeutungskomponente kommt in der Mitte des 16. 1541 wurde die Sezierung selbst und deren Wissenschaft mit „Anatomy” betitelt. um sein Inneres systematisch zu erschließen. 75 76 77 Schlaeger. . Hodges. ist auch im Metatext von Person die Rede („the Anotamy of the Soul. Auch wenn es sich bei anatomy um einen modischen Begriff der Zeit handelt (die Darstellungsform „Anatomie” hatte sich im 16.a.. wie sie die Humanisten bis hin zu Burtons The Anatomy of Melancholy (1621) so schätzen. Auch Rippl. Der menschliche Köper wird zum Text. Renaissance Fictions of Anatomy. Which discovereth the horrible errors. S. a.72 3. der häufig unreflektiert übernommen wird. and the indefinite abuses unknowen to the people. das wahre Wesen des Menschen zu ergründen. die Anatomie untersucht die verschiedenen Strukturen des Körpers. Jahrhundert herausgebildet und wurde im 17. dem „selfscrutinizing” oder „self-anatomizing”. Hodges. ihn „lesbar” zu machen. Weltbildwandel. um in jedem Körperteil Gottes Schöpferkraft zu erkennen. 6. „Kolonialisierung des Selbst”75 könnte das Motto hierzu lauten. wird mit dem Explorationsdrang verbunden. 4. S. Der Charakter als Anatomie Die Anatomie als Verfahren.. 37f sieht die Anatomie als Mittel der Selbstdarstellung im Rahmen des Innerlichkeitsdiskurses der Puritaner. Aufgabe der Anatomie war es.O. as well of the mass as of the Mass book (1557) ablesbar. which rips up mens Qualities”). Dies ist an Titeln wie Augustino Mainardos Arbeit An Anatomi: that is to say A parting in peeces of the mass. Die Anatomie erhält ihre Bedeutung als Methode: man will den Kern des Menschen ergründen. Vgl. Amherst 1985. behandelt die Selbsterforschung als unmittelbaren und vollständigen Zugang zur Vielfalt der Welt. einen Menschen zu kennzeichnen. Zitiert nach David L.. lassen sich hier Bezüge zur anatomischen Lektüre herstellen. um das Laster zu studieren und es zu bekämpfen. 1569 schließlich erscheint der Begriff als Trope. um einen sezierten Körper zu bezeichnen. 144.O. Jahrhundert zu einer der zentralen Signaturen). S. Laut OED wurde das Wort 1540 zum ersten Mal eingeführt.a.

Zeichen zu lesen. S. Die Anatomie als eine an die moderne Naturwissenschaft anknüpfende Metapher ist Ausdruck der subjektiven Empirie des eigenen Ich. der Spiegel könne als Zauberspiegel. hat der Verfasser nun die Aufgabe. primär vom erkennenden Subjekt ausgehendes. 1). und dies drückt sich nicht nur im Spiegelbegriff. daß nicht nur Menschen. Auch hier wieder der Verweis auf die Signaturenlehre. gehört es zum Wesen der Anatomie. Als tiefgreifendster Unterschied erweist sich die völlig andere Haltung gegenüber dem Objekt. a. Auffallend ist.78 Aufgabe des Verfassers ist es. Der Spiegel als zentrale Metapher der Weltauslegung erhält durch den Begriff anatomy deutlich Konkurrenz. nach der Spiegel nicht länger das angemessene Modell sein konnten. „symptom”). Charakter als Enchiridion (Z. Ein wichtiges Bild dazu 78 79 Vgl. Während es für den Spiegel eigentümlich ist. das Innere sichtbar zu machen. Schema und Buch als Abbild der Wirklichkeit aus. Dies bringt ein. sondern auch Dinge untersucht werden sollen. In ihr wird das Offenlegen verborgener Übel veranschaulicht. Abbreviatur.73 Der Essay wird zur Kosmographie und Anatomie des Selbst. das Objekt zu zerschneiden und zu zerlegen. 243.O. aktives und analytisches Verhältnis zum Objekt und zur Welt hervor. Die Typographie und ihr Übergang zur Körperschrift ist ein weiteres zentrales Element in Persons Text. wie es Person formuliert: „infallible symptoms of things and persons. eine Anatomie der Seele zu liefern.79 So wie die Auguren für wichtige Entscheidungen oder Vorhaben im Staat durch Auspizien die göttliche Zustimmung zu ergründen suchten. sondern auch in Begriffen wie Modell.. Grabes. das Urbild zwar abzubilden. Form.” 4. es aber in keiner Weise zu verändern. doch die Anatomiemetapher wurde Ausdruck einer veränderten Weltsicht. Zwar glaubte man. Der Mensch wird im Zusammenhang mit der Typographie („great and little Letters in Natures Alphabet”) gesehen. „pulse”. als kurzgefaßtes Handbuch. deren praktische Umsetzung vor allem im medizinischen Bereich (Paracelsus) anzusetzen ist. Muster. Der Charakter als Buch Die Beziehung zwischen Vorbild und Abbild ist eine Leitvorstellung der Zeit. das hinter dem trügerischen Schein verborgene wahre Sein zeigen. um das gewünschte Wissen zu erlangen.a. beinhaltet die Metapher des Buches und verweist damit wiederum auf die Lesbarkeit des Menschen. . Naturwissenschaftliche Realien werden als Hieroglyphen metaphysischer Wahrheiten bedeutsam. Okkultes und medizinisches Vokabular verknüpft Person auf interessante Weise („augury”.

a.. Blumenberg.. S.O. vgl.74 liefert das „Book of Nature”80: der Schöpfer schreibt in das Buch der Natur. in Chiffren. so wenn Marcel Proust schreibt: „Das Buch mit den in uns eingegrabenen. Die Metaphorik steht für das. daß die Natur als universale und göttliche Handschrift angesehen und aufgeschlüsselt wird.a. as well as books too much” schreibt Pope später in seinen Moral Essays. in dem Kunst als altera natura begriffen wurde. was innen. Aber dann wird aus dem. wiederum ein Buch. 17. Montaignes Begriff der Welt steht den Erscheinungen des Menschen näher als denen der Natur. weil von Erziehung und Belehrung die Rede ist und diese der Tradition nach des Buches bedürfen.das Paradox eines Buches. aber gerade in dieser Wendung nicht zum Autor von Büchern geworden war. Die Natur wird zum großen Emblembuch. das Buch. S. Die verschiedenen Typen bilden das Alphabet für das Buch des Lebens: „Men may be read. nach au80 81 Assmann. als sicherste und beste Orientierung für die Anschauung göttlichen Wirkens. Die Rehabilitierung der Natur habe eine Rehabilitierung des Individuums zur Folge gehabt. wofür in demselben Zusammenhang der Name Sokrates genannt ist.82 Mit dieser Metapher arbeitet auch das Modell der Analogie des Kunstwerks (des ästhetischen Zeichens) mit dem Naturgegenstand (dem natürlichen Zeichen). die ihre Konkurrenz in den Büchern der Menschen findet. In den Schriften Bacons und Browns finden sich immer wieder Hinweise darauf. Legitimität.und Umdeutung des Zwei-Bücher-Topos im 17. Assmann.81 Die Buchmetapher für Welt und Natur. Die Buchmetapher wird auch zum Element des Identitätsdiskurses im 20. 152f. 18. Für das 17. erfordert einen so ärgerlichen Zusatz.a. anschauenden Erkenntnis und daher charakterisierbar durch komplexe Fülle und Klarheit. Erinnerungsräume. die synthetische Leistung der Darstellung einer Sinneinheit. der Spiegel habe nur deshalb dem metaphorischen Griff noch nicht genügt. Jahrhundert.” Zitiert nach Assmann.O. a. Damit beruft sich Person auf einen alten poetologischen Topos. was nur in der Selbstspiegelung an der Welt erfahren und erkannt worden war. Denn auch die Gegenstände der Natur sind Elemente der sinnlichen. a. Blumenberg. Diese wird durch die Buchstabenschrift erfüllt..” . Man wird sagen dürfen.. wie den. Person verbindet geschickt die zeichentheoretischen Bedeutungsimplikationen mit der Buchmetapher. S. Zum göttlichen Weltbuch als Symbol für das absolute Gedächtnis. Hans Blumenberg hat eindrücklich auf das Buch als Metapher für die Welt hingewiesen: Die Natur. einmal als Buch verbildlicht. nicht von uns selbst eingezeichneten Charakteren ist unser einziges Buch. 66 verweist auch auf die Relationen der Metaphern von Gemälde. setzt die Analyse voraus. der Spiegel. S. Jahrhundert als Wirkungsweisen Gottes aufmerksam gemacht. ein Buch sei die Natur zwar. Jahrhundert ist die Vorstellung von der Buchführung Gottes zentral. als Signatur. das jeweils das Gelingen verfehlt wurde: das Gemälde. aber ein in Hieroglyphen. a. das sich dagegen verwahrt. erwerbbare Einsicht zu begründen. in der die Anstrengung des wechselnden Griffs verrät. in mathematischen Formeln geschriebenes . Das Buch wird zu einem Instrument der Externalisierung dessen. und die Menschenwelt ist Repertoire der Reflexion. Den Vorgriff der Vertraulichkeit dann wieder zu ernüchtern. der Selbstentdeckung des Subjekts. Erinnerungsräume.a. Spiegel und Buch in Montaignes Essais: „So steht da eine Metaphernfolge.O. es wird geöffnet.O. a. 39-45 hat auf die Be. S. der doch die Wendung von der Philosophie der Natur zu der des Menschen vollzogen hatte. die im Begriff vorweg erzwungene Einheit unter Gesetzen als auch nachvollziehbare. verschlossen und unzugänglich ist. soll eben diese Qualität eines Ganzen aus einem Wurf schon haben und sich darin bewähren. Leser zu haben.

O. hier S.a. Jahrhundert beziehen sich Dichter in ihrem Tun auf den „Autor der Welt”. als Lektüre des Selbst. Im Rahmen der puritanischen Selbstexploration spielt „Selbstverschriftlichung” (Schlaeger) und Selbstkonstition eine wesentliche Rolle. 20. a. „Das Ich als beschriebenes Blatt. 329. Die Geschichte der Subjektivität ist eng mit der Geschichte der Schriftlichkeit verbunden. Schlaeger. ist vielmehr das Wirkliche selbst in seiner allen Realismus erfordernden Gestalt: der des Menschen. der Spiegel. . in Zeiten..75 ßen geholt und lesbar. Jahrhunderts leistet die Niederschrift ihrer Lebensgeschichte offensichtlich Orientierungshilfe und Stabilisierung bei sich laufend verändernden Lebensverhältnissen .O. Ihre literarischen Ideen sind der Abglanz göttlicher Schöpfungsideen.. Hans Blumenberg erläutert: ‘Entziffern’ heißt dann das Durchdringen der Bildhülle am Leitfaden ihrer möglichen metaphorischen Verweisungen. a.83 Der Charakter fungiert als Anzeichen für den Leser.”. S. im Verfassen von Charakteren kennzeichnet er den Menschen. 16. a. besitzt das Buch neben seiner pragmatischen Funktion auch die Eigenschaft. Der delphische Imperativ. ausgelöst wurden durch den puritanischen Innerlichkeitsdiskurs. der Vorstoß auf den Kondensationskern der Konfigurationen.. als direkter und individueller Weg zu Gott kann auch hier wieder in der spezifisch englischen Tradition puritanischer Selbstexploration gesehen werden. als Durchdringung und Beherrschung des eigenen Inneren.a.a. Wie andere emblematische Gegenstände. 28. S. Littérature et anthropologie.O.B. S. das Ringen um Selbsterkenntnis. Noch bis ins frühe 18.. Die Welt wird systematisch Schritt für Schritt erschlossen und so wird auch der Mensch Schritt für Schritt sein Innerstes erfassen.. vor allem der Versuch des zunehmend erschwerten Entzifferns eines Sinns im eigenen Leben sein. ohne dabei den scholastischen Realismus der abstrakten Begriffe zu Hilfe zu nehmen. Erkenntnis zu vermitteln. 82 83 84 85 Zitiert nach van Delft.a.a. Der Mensch wird zum Text und die Welt sein Glossar. schreibt Person. S... Rippl. das von ihnen geschaffene Werk entspricht in seiner naturgesetzlichen und moralischen Ordnung dem von Gott geschaffenen Universum..O. Voraussetzung für die Textwerdung des Ich ist eine „Alphabetisierungskampagne des menschlichen Inneren”. den göttlichen Schöpfer. die u. Vgl. als Entziffern der eigenen Buchstaben. dafür ist die Autobiographie die geeignete Form. sondern auch sich selbst zu begegnen: „Nosce te ipsum”.85 Der Autor wird zum Anthropologen. . z. die bis in die Antike zurückreicht und literarische Wahrheitsfindung proklamiert. Ebd. 113. Damit kommt ihm wiederum eine Ordnungsfunktion zu.. Was hinter den Bildern steckt. Person sieht sich folglich in seinem Tun als Mitglied einer Traditionsgemeinschaft. a. Blumenberg. wo alte Werte ins Schwanken gekommen sind. Gabriele Rippl hält mit bezug auf autobiographische Schreibformen fest: Für die Menschen des 17.84 Dieses Entziffern des Seins macht sich in autobiographischen Schreibweisen bemerkbar. Der autobiographische Impuls dürfte also neben der puritanischen Selbstbefragung und der Selbstdarstellung der Höflinge . Nicht nur den anderen zu belehren..

Moralische Eigenart und physikalische Kennzeichen werden in einer festen Zuordnung aufeinander bezogen. there is surely a Physiognomy. geben sich auch äußerlich zu erkennen (etwa in der Gesichtsfarbe). Damit ist der Sprung vom Außen.. Er geht von der Annahme aus. S.86 Diese Lehre ist eine auf Charakterbestimmung und Menschenkenntnis zielende Physiognomik. 12. things are not truely.a. wherein as in a pourtract.88 Wie die Bettelmönche an den Gesichtern jene auspähen. and as they counterfeit some more reall substance in that invisible fabrick. Sanguiniker und Phlegmatiker. Jahrhundert. und 18. Ebd. Melancholiker. dann verweist er auf die Physiognomik. die Temperamentenlehre verwendet. jene vier Temperamente. die bereitwillig spenden.87 Für die Physiognomik hat Sir Thomas Browne in seiner Religio Medici ein Beispiel für den Ausdruck des Gesichts als Motto der Seele gegeben. das diese als Dechiffrierinstrument der Psychologie verwendet. Die Physiognomik des ausgehenden 16. I. teilweise in Konkurrenz zur Astrologie. Choleriker. 12. Die Charakterologie schließt damit die Physiognomik als Lesbarmachung der Körpersprache distinktiver Merkmale mit ein. Die Sprache der Verstellung: Studien zum rhetorischen und anthropologischen Wissen im 17. Tübingen 1992.89 Die Welt wird damit dem Menschen 86 87 88 89 Vgl. Ursula Geitner. Charakter und Physiognomik Wenn Person schreibt „Characterizing is a kind of Physiogmony [sic]”.. but in equivocall shapes. und 17. zum Innen.O. S. a. die charakterologische Lesbarkeit des Menschen systematisch erfassen zu können. Während Browne von allen Dingen als Merkmal spricht. S. den körperlichen Signifikanten. wonach die sichtbare Welt ein Gemälde der unsichtbaren Welt sei: The severe Schooles shalle never laugh me out of the Philosophy of Hermes. wherein they spy the signatures and markes of mercy: for there are mystically in our faces certaine characters . mit der man glaubte. which those experienced and Master Mendicants observe. so könne man aus den Signaturen des Gesichts die Seele lesen. Browne belegt dies mit einem Beispiel: „. Jahrhunderts hatte. 143. um Charaktertypen zu bestimmen. den moralisch-sittlichen Qualitäten des Willens getan.. greift er auf jene Metapher zurück. whereby they instantly discover a mercifull aspect. die äußerlich prägnanten Temperamente des Leibes werden auf die Affekte appliziert. 135. daß die sichtbare Welt als Abbild der unsichtbaren wie in einem Porträt fungieren könne. and will single out a face.76 5. Mit dem Einsatz der Physiognomik als Arbeitsmethode setzt Person einen recht frühen Markstein für ein neues Interesse an der Körpersprache. Browne. that this visible world is but a picture of the invisible. die sich durch die Zusammensetzung der humores unterscheiden.

O. C. auf das die Eindrücke im Verlauf des Erfahrungsgewinns gezeichnet werden: Let us then suppose the Mind to be.” Ebd. Erinnerungsräume.O. 32ff. 2. Der Mensch. Oxford 1975. Der Ertrag solcher Disziplin ist kognitive Sicherheit und rationale Kontrolle. als Selbst bekommt Konturen...77 zur Selbstergründung durch Naturergründung aufgegeben. How comes it to be furnished? Whence comes it by that vast store. wie wir in Teil C sehen werden. entdeckt Shaftesbury in seinen Characteristics of Men. Daß von einer Million Gesichtern keines dem anderen gleicht. S. objektiviert ebenso seine Umwelt wie sich selbst.. B. which the busy and boundless fancy of Man has painted on it. a. as we say.91 Wo Locke bei der Geburt eine tabula rasa voraussetzt. of the Essay’s account of the operations of human understanding is an analogy that links the getting of ideas. Lynch.) separable and distinguishable from other selves. white Paper. S. Entkörperung. um viele tausende Wörter zu bilden. 90 91 which carry in them the motto of our Soules. die spezifische Integrität eines Gegenstandes. der zum Beobachter wird. ihn als gesellschaftliches Wesen in einer sich rapide modernisierenden Welt zu verorten. denn vierundzwanzig Buchstaben reichen aus. and the process of individuation . Der Geist des Menschen bilde ein leeres Blatt. Es gibt eine Wortbildungslehre des Naturerkennens. Conceived as characters. einen moral sense. In seinem Essay concerning Human Understanding (1690) beschäftigt sich Locke mit der Unergründbarkeit der „real essences”. Peter H. S. was John Locke später zum Ausdruck bringen wird. as alphabetic characters are the building blocks of language. may read our natures. void of all Characters. 34 stellt die Verbindung Ideenlehre und Charakter her: „At the center.90 Person erweitert den Charakterbegriff um eine psychologische Komponente: ‘character’ wird mit „essence” gleichgesetzt. a.the process of developing a self that will be (. In understanding ideas as characters. in a sense. Nidditch. „Lockes empirischer Entwurf vom Menschen als Selbst zielt darauf. 104. ideas come across as so many discrete. der Begeisterung für uneigennützige Tugend und für die Schönheit von Gottes Schöpfung wecke. John Locke. Locke is not only able to make a point about the legibility that renders these distinctive selves. 2. S.. S. Beobachten impliziert Distanz. Die Möglichkeiten des äußeren Ausdrucks eines inneren Zustands ist nach Browne dadurch gegeben.a..” Der Mensch als Subjekt. 111. the techniques of typography. From Experience. womit er ihre Individualität. ed. sei nicht verwunderlich. II. Damit nimmt er vorweg. wherein he that cannot read A. . S.” Assmann. without any Ideas. Opinions and Times (1711). 95 konstatiert: „Das neuzeitliche Subjekt ist wesentlich Beobachter. self-evident. then.a. letztlich seinen Charakter meinte. with an almost endless variety? Whence has it all the materials of reason and Knowledge? To this I answer.” Ebd. die als Einzelbuchstaben zu einem Wort gefügt werden können. es kommt zur Genese des Selbst. in one word. Ebd. 57. An Essay Concerning Human Understanding. distinct building blocks of language. II. dem wahren Wesen der Dinge. daß jede Kreatur mehrere Signaturen hat. Manners.

„signatura”. „impress”.92 Er folgt dabei der copia-Lehre. „Mark or Badge”. Ein letztes Mal: Typographie. Person weist dem Autor die Aufgabe eines Physiognomen und Semiotikers zu. Diesen Gedanken beschreibt auch Person: . verweist symptomatisch auf die Wissensorganisation der Zeit. Die heute merkwürdig anmutende Verschränkung. wodurch sie die Typisierung begünstigen. Die Kontrastbildung wird nun eben auch bei Flecknoe und Person in den Rang eines ästhetischen Prinzips erhoben. markiert. die eine abwechslungsreiche Fülle fordert. der in Kürze und Präzision die komplexe menschliche Natur auf ihre Lesbarkeit hin zu reduzieren sucht. and that which is written in the book of mans Soul. Er vollzieht explizit den Schritt von der Typologie zur Topographie der Charaktere und eröffnet damit eine neuartige Lektüre der Welt. Diese „Übertragungsleistung” der Charakterskizze vollzieht sich auf stilistischer Ebene insbesondere durch einen von Redefiguren geprägten Periodenstil sowie durch das Prinzip der Opposition. Formalia Bereits Flecknoe hatte das Verfassen von characters als Schwarzweißmalerei bezeichnet. als auch seine Bedeutung für die verschiedensten lebensweltlichen Wissensfelder. Auch Person verweist immer wieder auf den etymologischen Gehalt von Charakter („stigmatizing”.. Dies hatte bereits der elisabethanische Dichter John Lyly vorgeführt. dessen Weltbild durch Oppositionen geprägt war und zu Typisierungen führte. in blak and white Characters. „deep impression”). Der Text zeigt sowohl die literarischrhetorische Spiegelung des Charakterbegriffs.. die Person vornahm. grenzt ab und ordnet. and transcribes it into another Book. „engraven”. whatsoever was inscribed. 92 Die Bedeutung von Charakter als Stigma/Sigma wird in Hawthornes The Scarlet Letter eine zentrale Rolle spielen: Der scharlachrote Buchstabe A dient der Brandmarkung einer Ehebrecherin. „stamped”. „mark”. Er entwickelte seinen elisabethanischen Mythos nach dem rhetorischen Prinzip. als er literarische Bereiche mit psychologisierenden und soziologisierenden Elementen darstellte. Etymologie. Der Verfasser von Charakterskizzen. der Bilder für andere liefert. Person gibt zu Beginn wie auch zum Schluß nochmals das formale Kriterium Kürze und Prägnanz an („for here a man writes a great deal in a little room”) und kommt darin auf die Kombination von Individuellem und Generischem zu sprechen. daß ohne das Schwarze das Weiße nicht so weiß erscheine. erfaßt. it beholds and copies it out. die den Buchstaben mit . „branding”.78 6.

Während Hall sich um die Etablierung der Gattung bemühte. die Dichtungstheorie der Renaissance. und zweitens ist der Text als Anleitung zu verstehen und nicht als kritisch-reflexive oder ästhetische Abhandlung über „the Nature of a Character”. denn sie findet nun Eingang in ein rhetorisches Handbuch. Johnsons Ausführung „A Character” belegt die endgültige Etablierung des Genres. Ralph Johnson: „A Character” (1665) Die Betonung des moralischen Aspektes der Charakterkonzeption forderte. und welche Merkmale sie ihr zuschreiben. . kunstvoller Stickerei verziert und ihn zu einem Ehrenzeichen umdeutet. Das Lesbarmachen von Welt durch die Typographie von menschlichen Charakteren ist zentrales Anliegen des Verfassers. daneben wurde sie auch in der Schulpraxis der elisabethanischen grammar schools gefördert. welche die Darstellung moralischer Eigenschaften in den Vordergrund rückten. Overbury der Ästhetik eine zentrale Rolle zusprach. um den Menschen wie eine Schrift lesbar zu machen. Es gab eine ganze Reihe rhetorischer Übungen. der ein universales Zeichensystem entwickelte. Erstens hat sein Verfasser im Gegensatz zu den anderen Autoren selbst keine Charakterskizzen publiziert. der die menschliche Natur nicht nur beobachtet und sie als Typenwelt der Charaktere beschreibt. or sort of people. sondern er wird auch zum Semiotiker.79 Er wird selbst zum Präger. wie wir gesehen haben. Daß die Verfasser der Zeit eine festumrissene Vorstellung von character als literarischer Prosabeschreibung haben können. zum Anthropologen. Zum Abschluß dieses ersten Teils möchte ich nochmals den Zusammenhang von rhetorischer Tradition und Entwicklung der Charakterskizze betonen. ähnlich dem frühen Versuch Halls. Vorgestellt wird zuletzt ein Text. der in zweifacher Hinsicht hervorsticht. Diese Textzeilen zeigen auch die Entwicklung des Genres. VII. Das A wird in diesem Roman schließlich auch zum Brandmal eines Gewissens. läßt sich an dem von Ralph Johnson verfaßten Büchlein The Scholar’s Guide from the Accidence to the University (1665) aufzeigen. konnten sich Autoren wie Brathwaite und Flecknoe mit einer etablierten und florierenden Gattung auseinandersetzen und diese kritisieren. das zunächst eine Definition und dann Anweisungen zur Fertigung von characters gibt und zur Übung des Stils ausgeführt werden soll: A Character is a witty and facetious description of the nature and qualities of some person. zum Stigma eines Erwählten.

3. S. The Scholars Guide from the Accidence to the University. viz. of like nature and resemblance. aims. Weniger mit der Auffassung der character-writers abgestimmt kann die Forderung gelten. 2. daß sie sich mit einem wichtigen Merkmal einer Person oder Sache beschäftigen. by witty Allegories. conditions. 15. drunkards. so daß allgemeinmenschliche Eigenschaften oder das Tugend und Laster-Schema Halls in den Hintergrund treten. die die Gattung bei den englischen character-writers angenommen hat.. Die Themenwahl unter Punkt 1 zeigt die typische Verlagerung des Stoffes hin zu Charakteren bestimmter Stände.noch in der späten Antike . Wie Overbury insistiert auch Johnson auf der Forderung. indem man es in ein „Corpus rhetorischer Schulschriften und Kommentare” aufnahm. to things or terms in nature. Ute Schneider. London 1665.rhetorischen Zwecken nutzbar gemacht wurde. S. leaving them to the effect of their follies or studies. der character habe „witty” zu sein. still striving for wit and pleasantness. sind Muster für Charakterskizzen. pedlars. tools. an Alderman. Berufe oder Gemütszustände. Dieses bereits bei Person artikulierte Hinübergleiten von Individuen allein zu einer Vielzahl an Typen von Individuen ist neu. together with tart nipping jerks about their vices or miscarriages. Chester Greenough stellt daher mit Bezug auf obige Definition fest: 93 94 Ralph Johnson.O. or art. Bei seiner Definition und Anweisung zum Verfassen von characters nennt Johnson die Ausprägungen.94 Unter dem Begriff des Charakters können eine Reihe von Formen erfaßt werden. merchants. Implizit kommt die Mischung aus Generischem und Individuellem („some person. excise-men. Express their natures. and the like. „wit and pleasantness” mit „tart nipping jerks about their vices or miscarriages” zu verbinden. such be.a. or sort of people”) zum Ausdruck. usurers. a. Vgl. lyars. or Allusions. Conclude with some witty and neat passage. practises. Damit findet eine Rückbindung an Theophrast statt. 34 . qualities. such a sort of men as will admit of variety of observation. travellers. an upstart gentleman. deren wesentliche Gemeinsamkeit darin besteht. tapsters. or ends. lawyers. desires.93 Die Charaktere bieten Anschauungsmaterial für rhetorische Übungen. dessen ‘goldenes Büchlein’ schon bald . um so jene Mischung aus prodesse und delectare zu erreichen. taylors.80 1. Chuse a Subject. a young Justice. a Constable.

The former makes the character representative and symbolical. Zusammenfassend können wir festhalten: die komplexe Größe ‘character’ zeigt eine Verbindung verschiedener Medien auf einmal an und nimmt unterschiedliche Diskurse des 17. Die einzelnen Texte sind als Vorschläge zu betrachten. die Lesbarkeit der Menschenwelt zu ermöglichen.O.. Stand die Wiederaufnahme des Genres mit Hall im Zeichen seriöser christlicher Moraldidaxe. dessen Begriffsbestimmung jedoch vage 95 Greenough. [. therefore instructive. a. 124. hier S. Zusammengesetzt ergeben die Metatexte wichtige Aspekte über die zeitgenössischen Vorstellungen von ‘character’. der die menschliche Natur so darzustellen vermag. Einritzens auf schrifttheoretische Bedeutungsimplikatimplikationen und damit auf die Lesbarkeit.96 Damit wird die Möglichkeit einer kohärenten Beschreibung menschlichen Verhaltens durch einen Beobachter geschaffen. 23): The ideal consists in the happy balance of the generic and the individual.auf die Darstellung negativer Aspekte mittels Komik konzentriert.95 Diese Kombination beschreibt auch Coleridge in seiner Biographia Literaria.. Eine klare Merkmalsbeschreibung und Definition sowohl des Charakterbegriffs als auch des Genres Charakterskizze war kaum erwartbar.”. Es ist das dichtungstheoretische Konzept von „Judgement” und die Frage nach dem angemessenen Stil. but as definite and individual. der sich ..in dem anonym erschienenen Text .. die Komplexität und Vielfalt des Begriffs zu beschreiben. Jahrhunderts auf. von den bildtheoretischen Aspekten auf die Deutbarkeit des Menschen geschlossen. wendet sich die Overbury-Definition der Ästhetisierung der Gattung („wits descant”) zu. has a certain generic significance that does not attach to portraits of individuals. Es wird von den ursprünglichen Bedeutungsmöglichkeiten des Eingrabens.81 From this definition it is clear that the character is a sort of composite photograph which. . Dieser Deutbarkeit des Menschen hat sich der Kritiker verschrieben. die er in den Vordergrund rückt und damit puritanische Einflüsse erkennen läßt.] The latter gives it living interest.. Oberstes Telos dieser Diskursformen ist. daß das Allgemeine im Singulären und das Singuläre im Allgemeinen in der Verschränkung sichtbar wird. Zur Stilfrage nimmt auch der Text von Richard Flecknoe Stellung. (Kap. although it lacks the vividness of individual portraiture. for nothing lives or is real. „The ‘Character’ as a Source.a. Davon wendet sich das Widmungsschreiben Brathwaites wieder ab. als Versuche.

. All diese aufschlußreichen Texte belegen. die Ikonisierung und Inszenierung des Weiblichen im Genre Charakterskizze analysiert. daß der Charakterbegriff auch als terminus technicus für eine bestimmte Form dichterischer Darstellung dient. . Kartographie oder Typographie erklärt. Als eine rhetorische Zweckform wird abschließend die Charakterskizze bei Johnson dargestellt. Im Sinne einer eindeutigen Bezeichnung einer festgelegten literarische Technik der Typendarstellung ist die Verwendung des Begriffs nur teilweise zu verstehen. Als Merkmal der neu entstandenen Prosaform kann die Konzentration auf die Veranschaulichung einer abgeschlossenen Prägung mit ihren möglichen Erscheinungsformen gelten. Die vielfältigen Formen der Charakterskizze sollen im nächsten Teil anhand von Frauencharakteren untersucht werden. bei der Form das Kriterium der Kürze und beim Inhalt die Mischung von Individuellem und Generischem herausgearbeitet werden. S. 96 Zitiert nach Koch. die als Darstellungsform eine Zustandsbeschreibung wählt. Im Metatext Persons schließlich werden die für den Charakterbegriff zentralen Diskursformen des 17.O.a. Jahrhunderts wie Mikrokosmographie. Anatomie. Darin wird die Bedeutung von Frauenbildern. Als konstante Topoi konnte der Rekurs auf die enge Verbindung von Malerei und Charakterskizzen. Physiognomie.82 bleibt und unter dem Einfluß des portrait gelesen wurde. 99. a.

Frankfurt a. Hierbei liegt der Untersuchungsschwerpunkt auf den im Rahmen des Genres auftretenden Frauenporträts. Frankfurt a. z. wie bereits dargestellt. als wichtiges kulturelles Dispositiv heraus. 5 Bde. Zunächst soll eine Interpretation dieser Frauenporträts prüfen. ein Ort der Wirklichkeit. eds. Tis not so glorious for her to be free. Jahrhunderts vorgestellt ist. 1994. Teil der literarischen Anthropologie.. so wie sie in der Literatur auf vielschichtige Weise modelliert wird. eds. In diesem Zusammenhang wird das Problem der Geschlechterdifferenz1 relevant.B. Geschichte der Frauen. S.” Georges Duby und Michelle Perrot. Neuere Arbeiten stellen die Bedeutung der Geschlechterdifferenz. As by her proper selfe restrain’d to bee. Jahrhunderts ableiten lassen. 1993-1995. soll nun die Frage nach der praktischen Ausgestaltung der characters verfolgt werden. an dem Ungleichheit rationalisiert wird. 3. Die imaginierte Weiblichkeit. ein imaginärer und imaginierter Ort. eds. das sich auf Wahrnehmung und Gestaltung der Lebenswelt auswirkt.Die characters und ihr Beitrag zur Konstruktion von Weiblichkeit „Tis not enough of one that is a wife To keep her spotless from an act of ill: But from suspition she should free her life. wie sie sich aus den Frauenporträts eines Thomas Overbury und anderen Autoren des 17. dann sind sie. der durch die Ereignisse geformt wird.. M. anhand derer den folgenden Fragen nachgegangen werden soll: Wie sieht der spezifische Geschlechterdiskurs des 17. wobei insbesondere einige Gattungsnormen benannt wurden. 1979. um sie zu transzendieren. 14.. And bare her selfe of power as well as will. „Within the Bounds of Modesty” . Natalie Zemon Davis und Arlette Farge. . von dem Bilder und Texte auf ihre Weise berichten. Autorschaft: Die Neuorganisierung der Geschlechterbeziehungen im Schreiben. Frühe Neuzeit. M.” (Elizabeth Cary) Nachdem nun die literarische Gattung Charakterskizze anhand von selbstreflexiven theoretischen Texten des 17. welchen Beitrag die characters als literarisches Genre zur Ge1 Von der historischen Genusforschung wird betont: „Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist ein Raum: ein Ort. Jahrhunderts aus? Welches Denken liegt den Geschlechterkonzepten der characters zugrunde? Inwiefern wird die Charakterskizze zum Raum der Geschlechterdebatte? Betrachtet man die characters als Ausformungen von Menschenbildern. um die Alterität dieses Zeitraums an konkreten Textbeispielen aufscheinen zu lassen. Frankfurt a. M.83 B. Von zentraler Bedeutung für die in der Literatur suggestiv und mehrschichtig abgebildeten Vorstellungen von Geschlechterdifferenz ist die bereits zum „Klassiker” avancierte Arbeit von Silvia Bovenschen. Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationsformen des Weiblichen. Bd. Ich denke hier vor allem an die Renaissancekonzepte der Geschlechterrollen. Ina Schabert und Barbara Schaff.

von ihren Ursprüngen her deutlich voneinander zu unterscheiden.. Die Charakterskizze hingegen grenzt sich von dieser Form der Personenbeschreibung durch ihre ahistorische Darstellung eines Typus ab. Berlin 1983. Auch wenn im folgenden von Porträt die Rede ist. Überlegungen zur Untersuchung von Frauenbildern in männlicher Literatur”. Diese kulturell geprägten Frauen. Erinnerungsräume. hier S. macht Assmann an Texten von Pater. in die reale Lebenszusammenhänge von Frauen und mythische Strukturen erinnernd eingegangen sind”2 . Unter dem Begriff „Frauenporträt” soll hier vielmehr der sprachliche Niederschlag der im Begriff Frauenbild verankerten mental images verstanden werden. den sozialgeschichtlichen und den matristisch-mythengeschichtlichen. Die verborgene Frau.mit anderen Worten. Vgl. bezieht sich dies nicht auf das Genre portrait. Assmann. die sich aus einem Bündel von Merkmalen zusammensetzen. die kulturspezifisch begründete Polarisierung ‘weiblicher’ und ‘männlicher’ Eigenschaften untermauern.wie in der Einleitung beschrieben . Bei Geschlechtsstereotypen handelt es sich um stark vereinfachte und weit verbreitete Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Vgl.. Joyce und Proust aufmerksam.und Ideologieproduktion in literarischen Texten. 15-34. Unter dem Begriff „Frauenbild” verstehe ich „eine Form männlicher Wunsch. eds. „‘Bilder und immer wieder Bilder. denn character und portrait sind. Beide Begriffe werden aller-dings vielfach synonym verwendet. die Konstruktion eines künstlichen Typus „Frau” und des „Weiblichen. sowie die Ikonisierung und Inszenierung des Weiblichen. Sechs Beiträge zu einer feministischen Literaturwissenschaft. S. Stephan stellt vier Forschungsansätze vor: den ideologiekritischen..literaturhistorisch gesehen ungenau. Inge Stephan. während Frauen häufig negativ eingestufte Merkmale erhalten. beruhen auf einer geschlechtsspezifischen Zuweisung von Eigenschaften. S.a. den sozialpsychologischen. 229-240.O. Dies ist jedoch .84 schlechterdebatte liefern. modifizieren oder gar umkehren. den psychoanalytischen. a.und Männerbilder. 26f.” Die Verwendung des Begriffs „Frauenporträt” impliziert hierbei zunächst eine Gleichsetzung von Porträt und character. in denen Weiblichkeitsstereotype in Form von Frauenbildern dargestellt und bestätigt werden. Das portrait ist die Abbildung eines bestimmten historischen und nicht fiktiven Menschen.. in: Inge Stephan und Sigrid Weigel. Da dem Mann dominante Eigenschaften zugeschrieben werden. 2 Berlin 1994. obgleich verwandt. Auf die Bedeutung von Frauenbildern im kulturellen und individuellen (Männer-) Gedächtnis.’. die sich vorwiegend aus postulierten Gegensatzpaaren bestimmen. die als positiv gelten. . Insbesondere psychoanalytische und dekonstruktivistische Genustheorien haben auf den Konstruktcharakter vertrauter Vorstellungen von Geschlechterdifferenz aufmerksam gemacht. und inwieweit Charakterskizzen männlicher Autoren dieser Zeit.

Zugleich enthüllt der Chor. hier zitiert nach Baumann. 1998. Diese bestehen vor allem darin. Tübingen 1991. M. daß die von Männern verfaßten Texte über die Frauen „mehr über ihre Urheber 3 4 5 Vgl. sie als Projektionen zu verstehen. Hier expliziert der Chor in der zwischen 1602 und 1605 entstandenen Tragödie The Tragedy of Mariam den Kodex angemessenen Verhaltens für eine Ehefrau. eds. Die Begriffe „Klischee” und „Stereotyp” sind ursprünglich Fachwörter aus der Drucktechnik und daher mit dem Charakterbegriff verwandt. ideologiekonstituierenden kulturellen Differenzen der Geschlechter im öffentlichen und privaten Leben.3 Derlei Vorstellungsklischees finden auch Ausdruck in dem diesem Kapitel vorangestellten Zitat. in: Therese Fischer-Seidel. S.. Ehediskurs. Es sei daher betont. a. daß ein solches Verständnis von Ehe für eine Frau notwendigerweise zu Verlust von Macht und Freiheit sowie zur Negierung des eigenen Willens führt. S.. Baumann liest die Tragödie unter dem Aspekt „weibliches Selbst-Bewusstsein” und deutet den Chor als Stimme der Orthodoxie. Rowland. hier S. wodurch die Untersuchung in eine gewisse „Schieflage”5 geraten kann. Treue und hingebungsvolle Liebe zum Ehemann sind die benannten idealen Eigenschaften einer Ehefrau und artikulieren somit traditionelle Topoi der Geschlechtertheorie der Renaissance.. ed. Da die Darstellungen von Frauen weitgehend über männliche Zeugnisse laufen. Stuttgart 1998.a. S. Ansgar Nünning. Vgl. 164 verweist auf die Kritik am „frauenzentrierten Feminismus”. Bei letzterer handelt es sich um die über das biologische Geschlecht hinausgehenden. Schweigen. Frauendiskurs. Elisabeth Cary. 124f.4 Dieses Drama stellt demnach . Frauen und Frauendarstellungen in der englischen und amerikanischen Literatur.zwei für unseren Kontext relevante Themen dar: die patriarchalische Sozialhierarchie einerseits und die damit verbundene sex-gender Problematik andererseits. ist es jedoch wichtig. Konstanz. entsteht jedoch eine zu einseitige Fixierung auf spezifische Aussagen über die Frau. 22.wenn auch nicht in der heutigen Terminologie . Betrachtet man nämlich ausschließlich solche Frauenporträts. Keuschheit.85 erfüllen die Stereotype ideologische Funktionen. Oxford 1992. Rüdiger Schnell. The Tragedy of Mariam 1613. 9-31. S. Frankfurt a. die gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen zu beschönigen oder gar zu legitimieren. Das Motto entspricht dem 3. 124. daß die neuere Geschlechterforschung auch die Männer als Geschlecht wahrnimmt und erkennt. Straznicki und R. Textsorten und Geschlechterkonzepte in Mittelalter und Früher Neuzeit. .O. Shakespeare und seine Zeit. Einleitung. Uwe Baumann. Akt. Bescheidenheit. Vgl. Männerdiskurs. „Feministische Alternativen zur ‘erzwungenen Heirat’: Die Dekonstruktion von Geschlechtsstereotypen in Aphra Behns Komödien”. Diskretion. Zeile 1219-1224 aus: M.

und Zerrbildern” von Frauengestalten (aus Mythos. Die (männlichen) Typen werden in den Textsammlungen kritisch.. während die tugendhaften Typen unter vielfältigen Aspekten betrachtet werden. Die Arbeit von Karin Wieland. Die Gegenüberstellungen von „guten” versus „schlechten” Frauen verraten immer ein und dieselbe Blickrichtung: es ist der Mann.86 als über das Objekt der Betrachtung aussagen. sei es als Dichter. Allerdings muß ein Hintergrund geschaffen werden. vor allem die Bezugsgruppe der anderen Männer. Die literarische Sichtbarkeit des Typus Frau als Hausfrau und Mutter in den Sammlungen kontrastiert mit der lebensweltlichen sozialen Unsichtbarkeit. vor dem diese Texte gelesen und die Lektüreergebnisse perspektiviert werden können. bleiben selbst aber außerhalb der Betrachtung in ihrer Rolle als Mann. „a good/bad husband”. Historie und literarischer Imagination) nachzuspüren und deren Funktion. als Gelehrter oder als Fürstendiener. die etwa „a virtuous/a very widower” thematisieren. Die Untersuchung von masculinities ist ein recht neues Gebiet. M. Worte und Blut. S. O. Hier geht es sowohl um die Analyse männlicher Erziehungsideale als auch um die Projektion von Rollenstereotypen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Diskursen. ob kritisch oder preisend. Es scheint mir daher sinnvoll. Frankfurt a. die an den Texten selbst orientiert ist und erst in einem zweiten Schritt allgemeinere Interpretationsergebnisse formuliert. Man könnte hier auch von „isolierender” und „umfassender Betrachtungsweise” sprechen.7 Für die Untersuchung der Darstellung weiblicher Typen bietet sich eine induktive Methode an. sehr differenziert und variiert dargestellt. Typologie. a.”6 Folglich sind also auch die hinter den Aussagen über die Frauen verborgenen Männerbilder einzubeziehen. In den hier untersuchten characters sprechen Autoren über Frauen. um zu sich selbst zu kommen. zeichnet sich die übrige Charakterdarstellung gerade dadurch aus. Ehemann oder Witwer. literarischen „Spiegel. Das männliche Selbst im Übergang zur Neuzeit. . die diese Rollen implizieren. Männliche Identität bilde sich dialogisch aus. das sich die historische Dimension noch differenziert erschließen muß. sie ordnen die Welt durch die Festschreibung von Gesetzen. sie brauche. die zum Beispiel „a good/bad man”. sie ordnen die Liebe zu Gott und sie dienen zur Darstellung des Selbst. 165. Stereotypie und Individualität in den Texten sowie auf deren Verbindungen zur realen Lebenswelt (sozialhistorische Fragestellungen. a.) 6 7 Schnell. Textpragmatik usw. An den weiblichen Typen aber werden primär geschlechtsspezifische (Un-)Tugenden beschrieben. Wörter spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie ordnen das Wissen und den Glauben. Die Frau erscheint in den character-books als markiert und sichtbar. so stehen der großen Anzahl an Frauenporträts nur einige wenige characters gegenüber. daß die lasterhaften Typen auf eine einzige oder zumindest dominierende Eigenschaft festgelegt sind. vor dem Einstieg in die Lektüre der Texte. aber keine. Während die Frauencharaktere immer eine Fülle von Charakterzügen aufweisen. der über die Frau urteilt. 1998 vertritt die These. der neuzeitliche Mann finde seine Identität im Diskurs mit anderen Männern über die Frau.

with Notes by Edward F. ist zu fragen. Tübingen 1997. mit denen der Strang der Porträtierung von Frauen einsetzt. 39 macht auf die Herausbildung dieser Form im Umfeld der puritanischen Erforschung des eigenen Ich aufmerksam und betont. inwieweit die genannte Textsammlung eine Prägephase und damit eine Neukonstitution eingeleitet oder aber den Prozeß einer Stereotypisierung ‘weiblicher’ bzw. Besonders im Hinblick auf das Wort „to character“. Hier wird auf das Herausarbeiten der Spezifik des 17. wie diese Modelle durch Erziehung in die Praxis umgesetzt werden können.” Rippl. Im Überblick werde ich zunächst mit der Nennung wichtiger Referenztexte das literarische Umfeld der characters abstecken (Kapitel I) und damit auf die reiche Praxis aufmerksam machen. vor allem die conduct books8 und die Ratgeberliteratur. a. Ferner: The Miscellaneous Works in Prose and Verse of Sir Thomas Overbury. Paylors Ausgabe. 8 9 In Anlehnung an Silvia Mergenthal. der für eine differenzierte Analyse und Deutung des komplexen und vielschichtigen Spannungsverhältnisses von Literatur und neuzeitlicher Lebenswelt hilfreich ist (Kapitel II).a. Oxford 1936. Anhand der posthum erschienenen characters von Sir Thomas Overbury. das .O. ed. 95-125. die den Hintergrund für die character-writers bildet. „der Modelle vorbildhaften Verhaltens entwickelt und gleichzeitig Strategien dafür aufzeigt. Mitzubedenken sind hierbei intertextuelle Bezüge zu anderen Genres sowie der religiöse Kontext. verändert sie formal jedoch stark. soll dann ein Interpretationsansatz entwickelt und vorgestellt werden. now First Collected. Es soll bewußt gemacht werden. Rimbault. a.87 einzugehen. Kurze Erläuterungen enthält William J. so daß eine indirekte Beeinflußung angenommen werden kann. The Overburian Characters. Ideen und Argumente dieser Literatur auf.a. Inhaltlich nimmt die Charakterskizze Vorstellungen. Sir Thomas Overbury & others. daß darin wiederum vorhandene Diskurse wie die Bibel oder die Exemplumstruktur eingegangen sind. Witty Descriptions of the Properties of Sundry Persons9. Characters or Witty Descriptions of the Properties of Sundry Persons (1614) in: Aldington.wie bereits mehrfach erwähnt .O. Diese Texte haben unterschiedlichen Einfluß auf die characters und werden als Hintergrundinformation oder als Inventionshilfe verstanden. Erziehung zur Tugend. Eine zentrale Rolle spielen hierbei zum einen die Bibel. Jahrhunderts Wert gelegt. zum anderen einige elisabethanische Texte. insbesondere das Buch der Sprüche und diverse paulinische Stellen. ‘männlicher’ Eigenschaften weitergeführt hat.. Characters or.soviel wie einritzen oder prägen heißt. Gerade das Rekurrieren auf die Exemplumstruktur könnte Auswirkungen auf die Ausgestaltung der weiblichen Idealbilder gehabt haben. Der genaue Titel des Originalwerkes heißt: A Wife now the Wi- . 9 wird unter conduct book ein nichtfiktionaler Text verstanden. Frauenrollen und der englische Roman um 1800. S. London 1890 (unten zitierte Charakterskizzen sind dieser Ausgabe entnommen). S. S. daß männlich imaginierte Weiblichkeitsmuster die Geschichte der Geschlechterprojektionen machtvoll geprägt haben..

die auf die textuelle Ebene .obwohl im 17. Die Geschlechterkonzepte werden nicht von der Natur. Es werden die vielfältigen historischen Ausprägungen des Genres demonstriert und dabei die „Konstruktion” der Frauenbilder im literarischen Produktions. Being a most exquisite Poem of the Choice of a Wife. durchschlagen und die letztlich auch die Geschlechterkonzepte eines Textes mitbestimmen”10. sie wollen wertbildend und prägend für die Gesellschaft sein. written by himself and other learned Gentlemen his Friends. Dabei sollen vor allem die sogenannten „vergessenen Texte” zu Wort kommen. Jahrhundert von größter Beliebheit . Ohne die starke These vertreten zu wollen. die aus heutiger Sicht gerade nicht von berühmten Autoren. das heißt. Kirchenmännern oder Politikern verfaßt wurden und . . denn .. die insbesondere in den Negativporträts mitgelesen werden muß. Neben einer dow of Sir Thomas Overburye.nie zum literarischen Kanon gehört hatten. Im Zentrum meiner Überlegungen steht die Frage nach der textuellen Verfaßtheit der characters: „Es gilt. daß gängige Klischees weiblicher und männlicher Verhaltenscodices . die sich auf gesellschaftliche Institutionen stützt. Die Charakterskizze des 17. Statt Meisterwerken soll Vielfalt. and conceited Newes. die Bedingungen zu berücksichtigen. einen Einblick in die Textsorte character zu geben. möglicherweise auch satirisch aufgedeckt werden. der Beschwörungsformeln. Overburys characters subvertierten oder dekonstruierten die Geschlechterverhältnisse. der Festlegungen und Verordnungen.ähnlich wie in der Trivialliteratur unserer Zeit . Die außerordentliche Beliebtheit dieser Skizzen findet in einer Fülle von Nachahmungen ihren Niederschlag. Whereunto are added many witty Characters. Ich möchte mich also mit bislang als „marginal” bewerteten Texten auseinandersetzen.88 Wegweisend für die englische character-Tradition ist die satirisch-reflexive Ausrichtung. indem sie ihre Werte und Ordnungen sichert. Jahrhundert erweist sich als geeignetes literarisches Mittel. Die Texte erstellen keine rein fiktive Welt.dies sei nochmals betont .gespiegelt und untermauert.und Rezeptionsprozeß offengelegt. läßt gerade die Popularität des Genres darauf schließen.. sondern von einer Sprache geschaffen. sondern verweisen auf außerliterarische Kontexte. um in knapper und verzerrter Form gesellschaftliche Verhältnisse zu spiegeln. Kapitel III verfolgt dann das Ziel. statt Rangordnungen sollen Vernetzungen sichtbar werden.die Profilierung der Geschlechter ist eine Sache der Worte. um ihrer strukturellen und inhaltlichen Diversität Rechnung zu tragen.

89 inhaltlichen Betrachtung untersuche ich formale. Hierzu werden Randerscheinungen thematisiert. So verfaßt Wye Saltonstall beispielsweise seine characters zur Unterhaltung und schlägt einen ironisch-satirischen Grundton an. und damit vielleicht die Leitdifferenz selbst. a.und Literaturgeschichte wird hier also Wert gelegt auf die Differenzen von Texten eines Genres innerhalb einer Epoche. Mitzubedenken ist hierbei immer die Interdependenz von character und spezifischer Kommunikationssituation. Jahrhunderts wenige Frauen wie z. Kultur.O. Margaret Cavendish gab. welche die historische Entwicklung des literarischen Genres character betreffen und zeige gattungsgeschichtliche Veränderungen auf. dem Gelächter preis? Des weiteren ist zu fragen. vor allem stilistische Aspekte. Auf die spezifische Situation der Frau als Verfasserin von Charakterskizzen werde 10 Schnell. die in ihren Briefen. Gegenüber den üblichen großflächigen epochengeschichtlichen Kontrastierungen in Sozial-.B.a. der Blick auf angrenzende Gebiete gerichtet und Grenzüberschreitungen sichtbar gemacht. sondern auch durch die Gebrauchsfunktion und die Kommu- . die Charakterskizze als besondere Form literarischer Personenbeschreibung dargestellt worden ist.. soll das weite Feld von character-ähnlichen Texten betrachtet werden. Die Auseinandersetzung mit den Texten unter literaturhistorischen Gesichtspunkten bildet damit einen weiteren Untersuchungsaspekt. Mentalitäts-. inwieweit die Vergleichsanalyse Auskunft über diachron veränderte Geschlechterauffassungen gibt. während Thomas Fuller seine Frauenporträts aus einem religiösen Kontext heraus schreibt. in ihrem Tagebuch und ihren Erzählungen Charakterskizzen bzw. wie und wo sich die Charakterskizze in andere Genres einbauen läßt. um zu belehren. Die Erklärung der Unterschiede soll sich hierbei vor allem auf textuelle sowie kommunikativ-situative Faktoren stützen. S. Interessant erscheint mir. daß unterschiedliche Frauenprojektionen nicht nur durch autoroder epochenspezifische Faktoren bedingt sind. Nachdem die Geschichte des Genres anhand diverser männlicher Autoren und unterschiedlicher Tendenzen. Die Leitfrage ist hier. 166. Er weist darauf hin. daß es im England des 17. Erst in einem zweiten Schritt werden dann auch die Bedingungen einer sich verändernden Wirklichkeit einbezogen. Randerscheinungen davon einfügten. Inwieweit untermauern die Autoren gängige Klischees über das Geschlechterverhältnis? Oder werden die verwendeten Stereotype durch ironische Performanz aufgeweicht? Wenden sich die characters wirklich gegen die Untugenden oder geben sie diese.

I. kanonistisch-juristisch. Wert und Wesen der Frau in England diskutiert. Zur Geschichte der Geschlechterprojektionen Beiträge zur Geschichte der Geschlechterprojektion gibt es in vielfältigster Weise. daß der Mann die Geschlechterkonstruktion aufgrund seines Schriftmonopols und seiner Machtposition beherrschte.90 ich schließlich im fünften Kapitel eingehen. Sie verkörpern kulturelle Vorgaben.. wobei die einen sich bestätigen. ökonomisch. einige unterhalten. manche wollen zum Nacheifern anspornen. auch die Teilnahme von Frauen an der Gattung herauszuarbeiten. a. Das christlich-mittelalterlich-scholastische und das neuzeitlich-wissenschaftlich-mechanische Weltmodell standen zu dieser Zeit in Kon- 11 nikationssituation eines Textes. einige warnen. Das heißt. S. die in vielfältigster Weise Frauenbilder beinhaltet. Die Eheauffassung der Zeit war geprägt vom Gehorsam der Gattin und dem dazugehörigen Frauenideal. Jahrhundert Stellung. andere einander zu widersprechen scheinen. inwieweit die geschlechtliche Identität gestaltender Faktor im Produktionsprozeß dieser Texte ist. Ich will und kann daher keine Veränderung oder Entwicklung ableiten. dieser überaus große und vielschichtige Fundus wird sehr unterschiedlich aktualisiert. . 26-28. medizinisch. sondern möchte lediglich einen Einblick geben in die höchst heterogene Textmenge. Hier werden sich die Folgen des Umstands zeigen.11 Diese Textgruppe bildet den Hintergrund auf dem die Frauenporträts innerhalb der characters gelesen werden. Spiegel.a. Es soll deutlich werden. Schnell. Die Literatur der frühen Neuzeit weist viele Darstellungen von Mann und Frau auf. Das Jahrhundert kann als Zeitraum eines radikalen geistigen Umbruchs und sozialen Wandels beschrieben werden. Das Ziel ist. Einige wollen belehren.O. das bestimmt war von Sittenreinheit und Keuschheit. Mit zunehmendem Engagement wurden im 17.und Zerrbilder: Entwürfe von Frauenbildern im literarischen Umfeld der Charakterskizzen 1. Sie gehören allerdings verschiedenen Textsorten und Kommunikationssituationen an. spricht in Bezug auf die Eheliteratur die Notwendigkeit der Berücksichtigung unterschiedlichster Perspektivierungen (theologisch. ordnungspolitisch oder literarisch-klerikal) der Texte an. Es wird zu fragen sein. daß die characters auf der Basis einer reichen Praxis entstehen und als Ableger der conduct books betrachtet werden können.

a. a.. die man im Kosmos vorgebildet sah und deshalb als gottgewollt begriff. in dem alle Bereiche . kommentierte oder attackierte die Literatur in vielfältiger Weise.B. S. Die ständische Ordnung wurde nicht nur in den verschiedensten Gebrauchstexten. in denen ganz Europa in Gewalt und Krieg verstrickt wurde.O. Dem Menschen als Herrn der sublunaren Sphäre kam in diesem Makrokosmos eine einzigartige Stellung zu: 12 13 Vgl. die auch die Stellung des Schriftstellers sowie die Zusammensetzung des Publikums betrafen.dem Merkantilismus zuwenden.und Berufstypen verdichtet wurden.. die während der demographischen und ökonomischen Expansion geführt wurden. Das decorum trug an die Geschlechter. wie das Geschlechterverhältnis aussehen sollte: Sie entstand vor dem Hintergrund sozialer und politischer Instabilität und des Verfalls.korrespondierend miteinander verbunden waren und über deren harmonisches Zusammenspiel die Vorsehung wachte. Duby und Perrot.die Planeten genauso wie die Menschen. Dieses Prinzip regelte das sprachliche Verhalten ebenso wie es die literarische Darstellung prägte.. in denen neue Glaubenspraktiken gesellschaftlich organisiert werden und die Staaten sich. die in der Literatur dann zu Standes-. Der soziale Wandel und die vielfältigen Veränderungen. in der sich die Kirche in einzelne spirituelle Gruppierungen aufspaltet. z. Rippl. registrierte. waren von der Idee einer hierarchischen Ordnung beherrscht. Sie entstand auch vor dem Hintergrund religiöser Konflikte zwischen Reformation und Gegenreformation. in einer Periode. daß am Ende des 16. die Altersstufen und die verschiedenen Klassen normative Erwartungen bis hin zur Kleiderordnung heran.. Tiere.13 Die gesellschaftlichen Debatten. Pflanzen und Mineralien . a.und Lasterkataloge. Die Verbindung zwischen gesellschaftlichen Verhaltensweisen einerseits und sozialen Typen andererseits war durch das decorum gegeben. das sowohl ein soziales wie auch ein rhetorisches Grundprinzip war. Predigten oder in Dichtungen mit kosmologischen Bildern beschworen.91 kurrenz zueinander. eds...12 Es fand eine lebhafte Diskussion darüber statt. Diese Auseinandersetzung nahm solche Formen an.a. und zu Beginn des 17. aus dieser Hierarchie entwickelten sich auch schichtenspezifische Tugend. 12.O. S. 15. Bildungs. Jahrhunderts sogar von der ‘querelle des femmes’ oder vom Krieg der Geschlechter gesprochen wurde. Der Kosmos wurde als hierarchisch geordneter Organismus begriffen. .

die sich durch Geschlechterkodierungen und Ständestereotypien ausdrückte und Ausfluß von systemstabilisierenden Vorurteilen war. insbesondere die characters.und 14 Bernhard Fabian. Bd. München 1991. 136 konstatiert: „Unsere Quellen aus Renaissance und Mittelalter erlauben uns nicht zu vergessen. James A. therefore was man called Microcosmos. Betrachtungen. Wen erreichen die Texte? Wie wurden sie gelesen? Wem wurden sie vorgelesen? Mitzubedenken ist. Sir Walter Ralegh schrieb in seiner History of the World (1614): „.” Vgl. an abstract or model of the world”. Die Gesellschaft und Kultur wurde letztlich reflexiv. zugleich war er. Dictionary of Literary Terms and Literary Theory. 136.. wie in der Kulturwelt.” In seinem Advancement of Learning (1605) diskutiert Francis Bacon die Vorstellung „that man was microcosmus.. theoretische Bücher zur Untersuchung der Geschlechterrollen. sowohl eine Großordnung (Makrokosmos) wie auch das kleinmaßstäbliche Zeichen dieser Ordnung (Mikrokosmos). Vorgehensweise der neuzeitlichen Wissenschaft ist es. nahm Bestand auf und diskutierte dies öffentlich und kontrovers. S... Himmel und Erde in einer einzigen. or the little World. neutralen mathematischen Sprache zu erklären. das heißt sie thematisierte sich. aber auch die Citizen Comedies legen beredtes Zeugnis vom Unsicherwerden der Standesgrenzen ab.und Unterschicht abzublocken. nämlich die der Lese. Typisierung. Klassifikation und Statik herrschten in verschiedenen Gattungen vor. Eine offenkundige Spannung zwischen Ordnung und Destabilisierung trat zutage. Thomas Laqueur. Ratgeberbücher. woran uns Angus Fletcher erinnert. zwischen Engel und Tier stehend. Es bezeichnet. Lage um Lage von Zusammenhängen zwischen Mikro. Jahrhunderts führte zu einer Explosion der Interessen und Diskurse. medizinische Traktate und pseudo-wissenschaftliche Werke thematisierten die Unterschiede der Geschlechter. die gesellschaftliche Mobilität von Mittel. . wie er betont. Die Literatur der Zeit. Eine bunte Pallette von Abhandlungen. Ratschlägen..because in the little frame of man’s body there is a representation of the Universal. 1. die metaphorischen Verbindungen zwischen unterschiedlichen Ordnungen der Welt auf eine einzige zu reduzieren und Mensch und Natur. London 1991. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud. S. sowohl im Englischen wie im Griechischen eine doppelte Bedeutung hat.. und nicht. indem man eine komplexe Struktur von Ähnlichkeiten entwirft. Zu fragen ist nach der Rezeptionssituation solcher Literatur. ed. Gesetzestexte. Theologische Diskurse. Diese Texte über Frauen wurden von Männern verfaßt und mit normativem Charakter ausgestattet.. . daß diese Texte nur einen Blick auf eine sehr begrenzte soziale Gruppierung. wie es die Bedürfnisse nach Sinn diktieren. Briefen und Hinweisen bestimmte die Geschlechterdebatte. Die englische Literatur.und Makrokosmos innerhalb beider herstellt und Korrespondenzen schafft. S. 63f. Cuddon. München 1996. daß das Wort ‘Kosmos’. mikrokosmisches Abbild des Universums.14 Das radikale Hinterfragen tradierter Annahmen über den Menschen und seine gesellschaftliche Ordnung während des 17. Dies mochte dem Bedürfnis entsprechen.92 Durch seine Geist-Körper Natur bildete er den Knoten des Universums. and (by allusion) a kind of participation of all the parts there. ed. Diese Pluralisierung zwang zu neuer ideologischer Selbstlegitimation. Auf den Leib geschrieben. wo sich göttliche Vernunft und animalische Körperhaftigkeit verband. Predigten.

ihre Anwesenheit in eine Art Abwesenheit zu verwandeln bzw. erläutert und damit der Bezug zu vorausgegangenen. erlauben. ähnlichen Darstellungen hergestellt. die jeweils eine maskuline Frau und einen femininen Mann kreierten. daß bei einer solchen Ausweitung des Textbegriffs alle Texte intertextuell sind .. Muster. Diese Auffassung hat zur Folge. Dagegen warnen Ulrich Broich und Manfred Pfister vor der Verabsolutierung des Zwangs zu kontextualisieren. in den die Frauenporträts eingebettet sind. Theorie der intertextuellen Lektüre. Jahrhundert hat die Charakterskizze also ihren Anfang und Höhepunkt in einer Umbruchphase. Die Frau wurde erfunden und definiert durch den gelehrten (und daher männlichen) Blick. sowie von dem unverhohlenen Wunsch. Peter Stocker. Sie bot perfekte Muster des Ehegatten. Die Frau erscheint dabei in vier Rollen: als Tochter. Er versucht sechs Kategorien von Intertextualität zu erfassen: Palin-.ähnlich einem ummauerten Garten . Mutter sowie als Witwe. Thema-. das heißt sie richten ihre Kritik gegen eine totale Entgrenzung des Begriffs Intertext. a.O. herrschende Ideologeme und Diskurse einer Zeit.16 15 16 Duby und Perrot.auf engstem Raum kultiviert und kontrolliert werden konnte . unter dem letztendlich jede kulturelle Struktur verstanden wird. und für jede von ihnen gab es angemessene Verhaltensnormen. klar hierarchisch strukturierte Geschlechterdifferenzen zu markieren: Diese Strategie wurde von dem Bedürfnis getrieben.93 Schreibkundigen. Jahrhunderts Liberalisierungen erfahren. Die Charakterskizzen sind feingesponnene Netze von Beziehungen zwischen einzelnen Texten. Nachdem in groben Zügen die historische Situation des Geschlechterdiskurses umrissen ist. Diese Literatur war vermutlich dazu gedacht. wird im folgenden der literarische Kontext. eds. wie sie sich im Um. die . Simil-.15 Im 17. Ehefrau. „Intertextualität” ist hierbei als gattungskonstituierender Relationstypus wichtig... die sich in einem gesellschaftlichen Wandel bemerkbar macht. Derartige Verbindungen zwischen Texten und ihrem kulturellen Umfeld bleiben in der Forschungsdiskussion nicht unwidersprochen. Im Zuge der Hic Mulier Haec Vir-Diskussion entstanden um 1620 Streitschriften. Demotextualität für unterschiedliche Formen von Stil. einem Satz von Regeln und Konventionen. die dazu dienen sollte. Frauen in ihre Schranken zu weisen. .und Genre-Imitationen. die sich auf eindeutig identifizierbare Textvorlagen beziehen.. der Ehefrau. Für die Literatur und das darin reflektierte Geschlechterverhältnis werden normative Erwartungen über das decorum festgelegt.a. in eine unauffällige Präsenz.und Hypertextualität für Texte.. Meta. Paderborn 1998 wendet sich gegen Tendenzen. insbesondere für die Veränderungen der Gattung.oder Abschreiben manifestieren. der sie unwillkürlich ihrer jeweiligen Identität beraubte. Daraus entwickelte sich eine Debatte über die Rolle der Frau als Teil einer Strategie. so änderte sich dies unter den Stuarts. Hatten Frauen im Tudor-England des 16. S. 11. die ganze Geschichte als Prätexte gleichrangig in intertextuelle Betrachtungen einzubeziehen. sie basieren auf einen Code. Modelle und Fallstudien. vom Oberhaupt der Familie vorgelesen zu werden. des Sohnes und der Tochter. deren Geschlechterunterschiede explizit als Folge von kulturellen Gewohnheiten statt von göttlichen Gesetzen oder Naturgesetzen gesehen wurden.

darüberhinaus bestehe eine zweite. Intertextualität. Vgl. S. in der sie als Transformation fungiere und die sich in kryptischem Anspielungsreichtum. ”Konzepte der Intertextualität. Neben dieser Negativzeichnung gibt es auch das positive Bild der tüchtigen Ehefrau aus den Sprüchen Salomos 31. Kommunikativität (Erkennbarkeit/Bekanntheit des Prätextes). 37f. Owen Hufton. Oft hat man die Version der Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Buch Mose als den Grundlagentext für die westeuropäische Idee über das Wesen des ‘Weiblichen’ bezeichnet. die zu der Zeit. Frankfurt a. Referenztexte der characters Die Bibel. als die Autoren an ihren Texten arbeiteten. Die meisten Referenztexte repräsentieren den zeitgenössischen Kenntnisstand in Bezug auf das Geschlechterverhältnis und das Genre selbst. Vgl. S. . Autoreflexivität (explizite/implizite Thematisierung der Verweisungsstrukturen). indem sie Gegenüberstellungen von Charakterskizze und Prätext vornimmt. Eine europäische Geschichte 1500-1800. der Bloßstellung aber auch des Verbergens und Überschreibens rivalisierender Techniken und Inhalte arbeite. in der ein Text-Text Kontakt als Partizipation erscheint (Wiederholung. sei Intertextualität mit drei Hauptformen zu erfassen: Es gebe die Form. Gedächtnis und Literatur. Intertextualität in der russischen Moderne. auf die in der konkreten Textanalyse noch hingewiesen wird. 1990. der Entstellung. S.. Dieses aktuelle Resümee der feministischen Historiographie legt gleichzeitig eine Generalinventur der traditionellen Geschichtsdokumentation vor. das ebenso einflußreich ist wie zahlreiche paulinische Stellen. populär waren.a. Manfred Pfister.94 2. hier S. Pfisters Konzepte von Intertexualität werden an einem Katalog von qualitativen Unterscheidungskriterien ausgeführt: Referenzialität (Markierungsmodus des Prätextes im manifesten Text als wörtliches Zitat oder als struktureller Verweis). 17 und Intertextualität kein besonderes Merkmal bestimmter Texte oder Textklassen mehr ist. Formen. a. 1998. In den Mythen und Legenden über die Natur des ‘Weiblichen’ war der Eva-Mythos jahrhundertelang am einflußreichsten.O. 49. Die vorliegende Arbeit sucht einen Ausweg aus diesem Kontextualisierungs-Dilemma durch eine enge Fassung von „Intertextualität”. Tübingen 1985. Hufton entwirft ein breites Panorama. anglistische Fallstudien. Funktionen. stellt einen zentralen Referenztext für die characters dar. verschiedenen biblischen Frauengestalten lassen sich zwei Typen ausmachen: auf der einen Seite gibt es die Frau als Heilbringerin (Maria) und auf der anderen Seite wird sie als Unheilbringerin (Eva) dargestellt. spielerischer Verfremdung oder in Eklektizismus und Synkretismus äußere. Frankfurt a. schließlich Dialogizität (Affirmanz/Subversion des Prätextes). 1-30. 8. das nicht nur mehrere Jahrhunderte und zahlreiche europäische Länder durchmißt. dann als Klatschsüchtige und Geschwätzige und schließlich die Frau als Verderben des Mannes. in: Intertextualität. S. in der sie als Tropik auftrete (durch Parodie oder Überbietung). Selektivität (Funktion des Prätextes im Zusammenhang des manifesten Textes). Ulrich Broich und Manfred Pfister. sondern auch mit allen möglichen Facetten und Aspekten frühneuzeitlicher Sozialgeschichte bekannt macht. das mit Strategien der Verdoppelung. M. schließlich eine dritte. Strukturalität (Dominanz/Rezessivität des Prätextes im manifesten Text).17 Evas Frauenrolle ist dabei eine dreifache: sie repräsentiert die Frau als Werkzeug des Teufels und als Versucherin. Erinnerung. Renate Lachmanns Intertextualitätsbegriff stellt einen Zusammenhang zur individuellen Gedächtnisleistung her: Wie das Erinnern selbst. Auf diese Weise liegt zumindest die Wahrscheinlichkeit einer Verarbeitung der Prätexte nahe: deren tatsächliche Funktion als Vorlage wird hier nicht postuliert. Nachahmung). Renate Lachmann. 30. eds. M. Vgl. welche insbesondere die Ausgestaltung der Frauenporträts prägte. Unter den zahlreichen.. Frauenleben.

Frömmigkeit. die Religion als Quelle der Tugend. Von einer Wiederheirat rät er ab. daß es zur Christenpflicht gehört. S. abgeschirmtes Leben zu führen.a. Sie nennt Thomas Elyots The Defence of Good Women. Das Elisabethanische Ideal der Ehefrau bei Overbury (1613). Die Heranwachsende soll lernen.18 Es ist anzunehmen. 58-60. dazu gehören Gebet.19 Vives Werk ist in drei Teile geteilt und richtet sich in an junge Mädchen. im dritten Buch das Bild der idealen Hofdame entwirft. Als Ehefrau wird sie dann durch den achtsamen und treusorgenden Ehemann geleitet. daß diese Ratgeberliteratur ihr Vorbild in dem beliebten und weit verbreiteten De Institutione Feminae Christianae (lateinische Originalausgabe 1523) von Juan Luis de Vives hatte. a. Die Kapitel über Witwen sind sehr erhellend. Cöthen 1921. In der Jugend werden die richtigen Verhaltensnormen eingeübt. Die Gedanken der 18 19 Irmgard von Ingersleben. Thomas Becons Catechism. Hier sehen wir den Humanisten mit dem Problem der alleinstehenden Frau konfrontiert. Demut und Gehorsam.offensichtlich keinen Mann gibt. . der ihr als Leit. in dem er die Tugenden der „prudence”. Philipp Stubbes A Christall Glass for Christian Women und Gervase Markhams The English Huswife. ihre Zunge zu zügeln. Vives Instruction for a Christen Woman gehört neben The Fifteen Joyes of Marriage (französische Originalausgabe Introduction à la vie dévote von 1609) des François de Sales zu den beliebtesten und wichtigsten Verhaltensmanualen der Zeit.O.und Kontrollfigur vorstehen kann. Sales und Becons folge ich den Ausführungen von Hufton. So beispielsweise Thomas Elyots The Defence of Good Women (1541). 2132 bezieht Overburys Frauen-Charaktere auf vorausgegangene ähnliche Darstellungen. Ähnliches findet sich in Gervase Markhams Buch The English Huswife von 1611. die deshalb ein besonderes Dilemma darstellt. das freundliche. Drei Kapitel handeln vom rechten Verhalten der Frau gegenüber ihrem verstorbenen Gatten. das als The Courtyer 1561 ins Englische übersetzt. Ehefrauen und Witwen. „constancy”. der beide Interessen im Blick hat. das 1528 ins Englische übersetzt wurde. aber gestrenge Haupt seiner Ehefrau zu sein. Vives empfiehlt. von geistiger Liebe getragen ist und weiß. weil es .abgesehen von ihrem Beichtvater .. In der inhaltlichen Zusammenfassung der Texte von Vives. Schließlich behandeln Thomas Becons Catechism (1566) und die Arbeit des Puritaners Philip Stubbes A Christall Glass for Christian Women von 1591. Auch Baldasare Castigliones Cortegiano von 1528 ist hier zu nennen. ein ruhiges. letztlich Schweigen und Sanftmut zu üben. S.95 Zum literarischen Umfeld der ersten Charakterskizzen gehören auch elisabethanische Texte. „fortitude” und „temperance” hervorhebt.

Die Annahme einer .religiös wie biologisch begründe- . in Batshua Makins An Essay to revive the Antient Education of Gentlewomen. Dieses . Junggesellen von der Heirat abzuschrecken (z. das Dasein als Gattin und Mutter als das allein Richtige und Zufriedenstellende propagiert. Zudem habe sie vorsichtig in ihrer Rede sein. Höflichkeit und Bescheidenheit wurden als große weibliche Tugenden gepriesen. Versammlungen. Schließlich wird die Frau zu Gehorsam und Milde dem Gatten gegenüber verpflichtet (z.B. sondern in keuscher Witwenschaft verharren.B. Die Witwe soll nicht wieder heiraten. House. die sich für eine fromme Witwe schicken. Advice to a Daughter as to Religion. Spätere Schriften befürchten eine Vermännlichung der Frau. Zu den Tugenden.B. gehören äußerste Bescheidenheit. ist ernst in ihrer Kleidung und sparsam in der Haushaltsführung.20 Güte. das allen jungen Mädchen als Beispiel dienen könne. Dienst an den Armen und Kranken sowie Unterweisung der Mädchen zu einem frommen Leben. Darin wird versucht. Die Witwe soll zu einem Muster an Vollkommenheit werden. Nächstenliebe. in George Saville Halifax.ebenfalls katholische . die Wichtigkeit der Keuschheit wird betont und die lebensbestimmende Funktion der Religion erörtert (z.B. Family and Children. in The Fruitful Vine Growing in the Good Man’s Garden. hausfrauliche Qualitäten über alles gestellt. Husband. Titel und dergleichen Eitelkeiten. fast allgemeingültiger Zug in diesen Schriften. Eine der vielen protestantischen Parallelen zu den katholischen Ehebüchern war Thomas Becons The Book of Matrimony (um 1562). Notwendigkeit und Einfachheit sollte den einzigen Schmuck ihrer Kleidung ausmachen. A Letter of Advice Concerning Marriage. die Ehefrau müsse an erster Stelle ihrem Mann in Ergebenheit dienen und bescheiden im Auftreten sein. Eine hierarchische Unterordnung der Frau unter den Mann war ein charakteristischer. um Klatsch zu vermeiden. Auch The Fifteen Joyes of Marriage bot wichtiges Quellenmaterial für die character-writers. der Verzicht auf Ehren. 1676). Sie schweigt wo nötig.96 Witwe sollten fortwährend auf ihre Erlösung im Jenseits gerichtet sein.Erbauungsbuch widmet dem Witwendasein wiederum gesonderte Beachtung. 1699). 1673) oder gegen diese polemisiert (A Hew and Cry after Beauty and Virtue. Hier heißt es. ihr Leben müsse einen ständigen Kampf gegen die eigene Neigung zur Frivolität darstellen. Aber auch für Frauenbildung wird gekämpft (z. Bishop John. 1680). 1685). Rang. Höflichkeit und Milde sie auszeichnen. Demut. um selig zu werden.

18).körperlichen. In der Aufklärung hatte dann die geschlechtsspezifische Polarisierung von Eigenschaften und Begabungen. statt dessen sah man Frauen als Variante des Mannes an. Theologen. die Herausbildung von Klassen . Westport 1990 entnommen. S. An annotated Bibliography based on Wing’s Short-title cataloge. In Honeggers grundlegender Untersuchung über die ”Ordnung der Geschlechter” (a. geschlechtsbestimmten Leibes verursacht.. die politische Theorie der Aufklärung. Das Konzept der Geschlechterpolarität. Jahrhundert ein two sex-model postulieren. Der Aufstieg des Protestantismus. Gründe für diesen Wandel nennt Laqueur. die für das 17.O. . postrevolutionärer Feminismus. 24: „Soziale und politische Veränderungen sind jedoch aus sich selbst heraus keine Erklärungen für die neue Deutung der Körper. Chirurgen.man nehme es einzeln oder zusammen: nichts davon hat die Entstehung eines neuen. a.O.O. Jahrhundert von einem neuen Modell eines radikalen Dimorphismus und der biologischen Verschiedenheit verdrängt. in dem Männer und Frauen entsprechend ihrem Ausmaß an metaphysischer Perfektion und ihrer vitalen Hitze entlang einer linearen Achse angeordnet waren. eine strikte Geschlechtertrennung in eine männlich-öffentliche und weiblich-private Sphäre zur Folge. daß der historisch-relativierende Ansatz Laqueurs psychohistorisch und diskursgeschichtlich weiter zu differenzieren ist. a. a. Erfahrungsseelenkundler sowie ihrer Multiplikatoren und Popularisierer ausgewertet. Weltweisen.21 Aus den unterschiedlichsten literarischen Quellen läßt sich also folgendes Frauenideal für die frühe Neuzeit ableiten: zum einen war umfassende weibliche Selbstkontrolle verlangt.O. Smith and Susan Cardinale. zum anderen sollten für das Auftreten Passivität. postrevolutionärer Konservatismus.a. Die Neuschöpfung des Leibes ist vielmehr jeder einzelnen dieser Entwicklungen inhärent. deren Telos das Männliche war. Philosophen. ein one sex-model (die Frau als variierte Art von Mann) und für das 18.a. In der Auffassung von der Frau trat eine Anatomie und Physiologie der Unvergleichlichkeit an die Stelle einer Metaphysik der Hierarchie. welche die französische Revolution mit sich brachte. das im 17. Wie die meisten 20 21 Diese Angaben sind der kommentierten Bibliographie Women and the Literature of the Seventeenth Century. Jahrhundert noch als subsidiäres Erklärungsmodell diente. Jahrhundert schließlich nahm einen Paradigmenwechsel vor und revidierte die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Gynäkologen. im späten 18. Schweigsamkeit und Zurückhaltung bestimmend sein.” (Laqueur. das Fabriksystem mit seiner Neustrukturierung der geschlechtsbezogenen Arbeitsteilung.” Auf die Notwendigkeit. Jahrhunderts. Anthropologen. Dies hängt damit zusammen. Die Vorstellung von der Frau als einem „unvollkommenen” Mann wurde fallengelassen. Von zentraler Bedeutung war dabei die weibliche Tugend der modesty. S. geistigen und moralischen Inferiorität des weiblichen Geschlechtes wurde jedoch zum Teil modifiziert. wurde nun absolut gesetzt.97 ten .) werden die Vorstellungen der von Rousseau beflügelten Mediziner. „So wurde das alte Modell. daß sich in der frühen Neuzeit die Wissenschaften der Medizin und der Anatomie neu formierten. die den Frauen Emotionalität und den Männern den Intellekt zuordnete. Lockes Vorstellungen von der Ehe als einem Vertrag. Compiled by Hilda L. 285. Relevant hierzu sind die Ausführungen von Thomas Laqueur und Claudia Honegger. die Ausbildung neuer Räume der Öffentlichkeit während des 18..a. S.. das Entstehen einer freien Marktwirtschaft in Dienstleistungen und Waren. verweist Schnell. Das 18. die kataklysmischen Möglichkeiten sozialen Wandels.a.

daß Overbury für die inhaltliche Ausgestaltung seiner Frauenporträts Vorgänger und Muster in der Literatur fand. in knappen. die der weiblichen Keuschheit bei der Erbfolge zukam. was ihm diesbezüglich wichtig schien. Angesichts der essentiellen Bedeutung. Die äußere Anlage einer solchen Skizze war also bereits benutzt worden. . Geschlechtervorstellungen und damit verbunden.. Siehe dazu die Darstellung der gattungsgeschichtlichen Entwicklung im Einleitungsteil und die Interpretation von Halls Vorwort in Teil A. S. a. inwiefern er der typisierenden Charakterstudie ihre selbständige Bedeutung gab. 29f. Die Häufung selbstbewußter weiblicher Stimmen in Form zahlreicher Pamphlete und Traktate und die öffentliche Auseinandersetzung mit der Situation von Frauen in der Gesellschaft trugen dazu bei. möchte ich nun darstellen.O. von Fehlern wie Vorzügen war bereits 1598 Casaubons lateinische Übersetzung von Theophrasts Charakteren erschienen. II. Meliorationstendenzen feststellen. Im ersten Teil dieses Kapitels werde ich in medias res beginnen und zunächst das Porträt A GOOD WIFE als Beispiel einer Charakterskizze in einer ersten Interpretation vorstellen (II. inhaltsreichen Sätzen zu einer Charakterskizze zusammenschloß. auch den Konstruktcharakter der Frauenbilder im literarischen Produktionsprozeß von Charakterskizzen offenlegen. Overbury war aber der erste.98 conduct books der Zeit preisen die Gedichte A Prayse of his Ladye und In the Prayse of A Beautifull and Vertuous Virgin das Bescheidenheitsideal als Richtlinie für weibliches Verhalten. genannt. Als Schilderungen menschlicher Eigentümlichkeiten. Eine konkrete Textanalyse soll nun eine Annäherung an die Spezifik des 17. Der Prototyp: Overburys Frauenporträts Nachdem herausgearbeitet wurde. lediglich Frauen als Gegenstand der Darstellung von Charakterskizzen fehlten bislang. der das. ebenso wie die in moralisierender Tendenz und im Predigerton verfaßten Characters of Vertue and Vice von Joseph Hall23. 22 23 Beide Gedichte sind als vorausgegangene ähnliche Darstellungen der Overbury characters bei von Ingersleben. waren schon mannigfach zusammengestellt worden. mußte zudem insbesondere die Freizügigkeit unterbunden werden.22 Schweigsamkeit galt dabei als Ausdruck echter Sittsamkeit. die Konzepte von Autor und Text. Gedanken über die gute (Ehe-)Frau. wie sie ist und wie sie sein sollte.a. die Position der Frau zu stärken. Mit der Restaurationszeit läßt sich aber auch eine Präsenz weiblicher Emanzipationsbestrebungen bzw. Jahrhunderts erbringen sowie sein Denken.

1. das ich als Ergänzung heranziehe (II. eyes. werden die folgenden Zusammenhänge besonders deutlich. To conclude. 5). to whom she is both a staffe and a chaire. and is more seene then heard. bevor dann in Einzelinterpretationen die restlichen Frauenporträts vorgestellt und Bezüge zwischen den Texten hergestellt werden (II. and her thrift not to be prodigall.24 Der erste Satz einer Charakterskizze fungiert meist als Aufhänger für die darauffolgenden Ausführungen und transportiert eine wichtige allgemeine Aussage. a scien incorporate with the stocke. 72f.a. which makes her all this. Overburys „A good Wife” als Beispiel einer Charakterskizze Die vierte Auflage der Overbury Collection beinhaltet das Porträt A GOOD WIFE: A Good Wife Is a mans best moveable. die Frau als Besitz des Mannes stehe in hierarchischer Beziehung zu ihm. she is both wise and religious. S. By her discretion she hath children. She leaves tattling to the gossips of the town. sich der Frage nach Editionslage.. Quellen sowie Autoren widmen und die weiblichen Charaktere in den Kontext der Sammlung einordnen (II. bringing sweet fruit. Der zweite Abschnitt wird dann auf das Textkorpus der Overbury Collection eingehen. She frames her nature unto his howsoever: the hiacinth followes not the sun more willingly. Das Kapitel endet mit der Darstellung des Geschlechterverhältnisses in Overburys Gedicht „A Wife”. Her household is her charge. nothing pleaseth her that doth not him. In einem nächsten Schritt analysiere ich die Form der characters. not wantons. 3). . makes her seldom non resident. So bringt die Verwendung des Ausdrucks „a mans best moveable” (die Frau als „bewegliches Gut” des Mannes) in Zeile 2 die dem Geschlechterverhältnis zugrundeliegende Vorstellung zum Ausdruck. 4). a.99 1). So heißt es in The Lawes Resolution of Women’s Rights von 1632: 24 Rimbault.O. eares and mouth: his present and absent all. She is relative in all. Her pride is but to be cleanly. one that to her husband is more than a friend. ihr Stil und Aufbau (II. her care to that. sondern Bestandteil des Mannes. Für die damalige Rechtsprechung war die Ehefrau keine unabhängige Person. Liest man diese Textpassage vor dem Hintergrund des zeitgenössischen. but halfe himselfe: She is his absent hands. a husband without her is a misery in mans apparel: none but she hath an aged husband. Stubbornnesse and obstinacy are hearbs that grow not in her garden. juristischen Schrifttums. 2). and he without her. Calamities and troubles she shares alike. lesse than trouble: an equall with him in the yoke.

Literary Evidence and the History of the Family. 3f. a. 53. say to a married woman.). andererseits sorgsame Behandlung braucht. Die Ehe wird dabei als eine Einrichtung gesehen.O. die beide aufeinander bezogen sind.. In dieser Zuweisung spiegelt sich die Vorstellung der Geschlechterkonzeption.a. da sie einerseits abhängig und unterwürfig ist. of nature. Z. sondern ihm förderlich sein (Z.” Ruth Kelso. with the consent of the two and under the approval of those responsible for them. ‘by the law of God. sich um Personen und Gegenstände zu kümmern (Z. Ruth Kelso beurteilt die Bedeutung der Ehe für die frühe Neuzeit mit folgenden Worten: Marriage by definition was a joining by God of a man and a woman into one body. the first usually receiving the most emphasis.. her master. the poor rivulet loseth her name: it is carried and recarried with the new associate. Die in der Pflanzenmetapher zum Ausdruck kommende Komplementarität ist zentral für den Text. Jahrhundert postuliert werden kann 25 26 Zitiert in Rippl. announced Lord Chief Baron Hale in 1663. die mit Milde und Liebe ausgeübt wird und die weibliche Tugend des Gehorsams zusammen. Dies kann als Umspielung der traditionellen Metapher von Weinstock und Rebe aus den zeitgenössischen Emblembüchern gelesen werden. Chapel Hill. 78. her new self is her superior. wie sie für das 17. 2) in einem schützenden Umfeld gewährleisten sollte. Ihre Aufgabe ist es. Die ‘weibliche’ Rebe benötigt den ‘männlichen’ Halt durch den Weinstock. . far away. and avoidance of sin. The Patriarch’s Wife..26 Die gute Ehefrau soll ihren Gatten nicht behindern und Verdruß bereiten. her companion. das die Frau als einen mit dem Manne verbundenen Zweig oder Pfropfen umschreibt: „a scien incorporate with the stocke”. NC/London 1987. S. Humber or Thames. 5: „she is relative”27) und damit ihren Mann zu komplettieren. die beiden Partnern Beistand und Hilfe bot. Das Standardemblem der Renaissance zeigt zwei Gewächse. Zur rechtlichen Position der Frau. mutual aid and comfort. When a small brook or little river incorporateth with Rhodanus [Rhone]. it beareth no sway . the will of the wife is subject to the will of the husband’. Sie soll zu gleichen Teilen das (Ehe-)Joch tragen („an equall in the yoke”). das heißt komplementär abhängig.25 Unterstützt wird diese Vorstellung durch das anschließende Bild. but understand in what manner. 2: „Under the law. of reason and by the Common Law. siehe Margaret Ezell. seventeenth century women had few rights. Urbana 1978. Diese Metapher faßt die Vorstellung der männlichen Autorität. S. mind and will. die die Fortpflanzung der Gattung („bringing sweet fruit”. S. I may more truly. Das Ziel ist die Bildung einer auf gegenseitiger Unterstützung beruhenden Partnerschaft.100 It is true that man and wife are one person. Doctrine for the Lady of the Renaissance. The purpose of marriage were held to be the preservation of the race.

ihre Orientierung an der jeweiligen Situation des Mannes. Abbildungsteil S. Rippl. wenn von „relative” im Zusammenhang mit Personen die Rede ist und nennt die Bedeutung „Concerned in a thing or person.. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wird mit dem Denkmodell des one sex-model umschrieben oder als Konzept der „teleologischen Männlichkeit” bezeichnet. Denn Geschwätzigkeit verstößt gegen das etablierte Weiblichkeitsideal und vor allem gegen das modesty-Gebot. „frames her nature unto his howsoever: the hiacinth followes not the sun more willingly” (Z. Dieses Thema der untergeordneten Einheit wird variierend dargestellt. 54. daß sie eigenverantwortlich denken und handeln könne. Albert Wesselski.O.. Zu den bekanntesten Sammlungen zählt das commonplace book von Henry Crosse. Auch solle sich die Palastdame davor hüten. Drittes Buch.). umrahmt ihn mit ihrer (formbaren) Natur. der eine unterschiedliche wirtschaftliche Verantwortung impliziert. Vielmehr wird ihre Anpassungsfähigkeit betont. aber nicht geschwätzig sein (Z. a. Vgl. Sie wird hier als die Schweigende imaginiert. natürliches Wachstum. 10f.” Siehe Höltgen. sie paßt sich dem Gatten an. schreibt Overbury. den Emblemes von Francis Quarles. durch unbescheidenes Selbstlob oder durch Geschwätzigkeit Überdruß zu erzeugen. .. 6f. Das heißt. einem Liliengewächs. Die Frau solle präsent.101 und insbesondere in der historischen Genusforschung herausgearbeitet wurde. Empfindlichkeit und das Bedürfnis nach Pflege. Eine gute Ehefrau.. S. München 1907. ed. Vertues Commonwealth: Or the High-Way to Honour. findet sich das Emblem „Magnetnadel folgt Amor Divinus.a. S. 9). In der Gesamthierarchie des Seins wird die Frau als geringerer Mann gedacht. London 1603. sondern durch Umschreibungen oder Beispiele sowie durch Beobachtung expliziert. Heiterkeit. In dem beliebtesten Emblembuch des 17. daß der Frau in diesen Passagen nicht abgesprochen wird. gesammelten Passagen klassischer Autoren eine Fülle von Material. invidia usw. Im Hochadel umfaßte er bei- 27 28 29 Das OED zitiert Overbury an dieser Stelle. 9f. Wichtig festzuhalten ist. V. Witzigkeit und Bescheidenheit sind die Attribute der idealen Hofdame bei Castiglione. Baldasare Castiglione. honor.a. Der Hoffmann. die Sonnenblume der Sonne.. Die Phrase „they should be seen not heard” taucht in Richard Brathwaites erfolgreichem The English Gentlewoman von 1630 wieder auf.” Als Inventionshilfen für die Darstellung moralischer Eigenschaften lieferten die populären commonplace books mit ihren unter bestimmten Schlagwörtern wie avaritia. Der Wirkungsraum der Frau soll der Haushalt sein (Z. a. Der Begriff „household” ist dabei ein relativer.)..O. das von einer Frau Bescheidenheit und sittsame Zurückhaltung verlangt. kommentiert und umspielt.29 Zentrale Tugenden werden in der Skizze nicht direkt benannt. Sie ist gehorsam und eins mit dem Mann. 4. Die Pflanze verweist auf Artenreichtum. entweder direkt oder mittels euphuistischen Sprachgebrauchs. das als beliebte Zierpflanze auf die Funktion der Frau als schmückendes Beiwerk hindeutet. Vergänglichkeit.28 Die Frau wird mit der Hyazinthe in Verbindung gebracht. Jahrhunderts. aufgezählt oder aufgelistet. als der im Vergleich zu ihm defizitäre Mensch. Gleichzeitig macht die Pflanzenmetapher den Einfluß der commonplace books deutlich.

‘Typisch weibliche’ Verhaltensweisen und das jeweilige Frauenbild sind eng mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft. eds. .” Vera Nünning. Heide Wunder untersucht anhand von Leichenpredigten den gesellschaftlichen Ort von Frauen der gehobenen Stände im 17. der hier bereits ideologisch angelegt ist. In einem solchen „household” waren Dichter. 363-393. Jahrhunderts dargestellten Verhältnisses bereits im 17. Familienleben und Erwerbsarbeit waren für die Frauen der aufkommenden Bürgerschicht oder Frauen von Handwerkern eng miteinander verbunden. die Frau im Haushalt. S.wie die schichtenspezifische Dimension mitbedacht werden muß. welches dem herrschenden Bedürfnis nach normativer Fixierung des Geschlechterverhältnisses entsprochen hat. M.” Kritisch anzumerken ist hier. Jahrhundert anzusiedeln sind. Jahrhunderts aus kulturwissenschaftlicher Sicht”. so zum Beispiel in „An Epigramm to his Wife” aus Robert Burtons The Anatomy of Melancholy (1621). 10-13). so wie sie sich in der Folgezeit gestaltet: Die Aufteilung der Gesellschaft in die Sphäre des ‘public’ und des ‘private’ und damit die Gegenüberstellung von Familie und Gesellschaft wird zudem ein Konstrukt des 19. die durch die Anwendung der Kategorien von Privatheit und Öffentlichkeit gewonnen wurden. seit der Antike und in der Bibel immer wieder beschworenen Tugenden. Musiker und oft eine Schauspielertruppe miteinbezogen. Frauen dieser Gruppierungen waren ins Erwerbsleben eingebunden. I wished that you for company would dance: Which you refused. Stuttgart 1976. Jahrhundert”. In der Tudor-Stuart Gesellschaft kann für die Aristokratie der männliche Bereich mit öffentlich. was von feministischer Seite abgelehnt wird: das Bild der ohnmächtigen.und Familienleben”. S. daß Kirche und Kirchengemeinde auch „Öffentlichkeit” darstellen und sowohl die geschlechter. Frauengeschichte . Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. 1992. Karin Hausen. 51. Jahrhundert in die Praxis umgesetzt werden. Jahrhundert und stellt fest: ”Dabei dokumentierten die Leichenpredigten deutlich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung von Mann und Frau in der Ehe: Der Mann wirkt in der Öffentlichkeit. denn eine Anwendung dieser Kategorien konstituiert erst das. G. hier S. Neue Tendenzen in den gender studies haben die Problematik der Kategorien von private und public erkannt und auf die historische Komplexität dieser Verbindung hingewiesen. auch wenn der Begriff Privatheit als Gesellschaftskonstruktion in der praktischen Umsetzung erst im 18. auf Heim und Herd festgelegten Frau und Mutter. „Die Polarisierung der ‘Geschlechtscharaktere’ . 50-56. fromm und klug (Z. Neue Forschungen. in der Kirche und in der Kirchengemeinde.Geschlechtergeschichte. im Sinne von „politisch”. Vgl. daß die Wurzeln der Polarisierung des von Hausen als Konstrukt des 19. „Vorstellungen von der Geltung von Frauen. „Der gesellschaftliche Ort von Frauen der gehobenen Stände im 17. E. 199-219. Jahrhundert trennen sich die beiden Bereiche. Fr. aber eben erst im 18.Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs.. der weibliche mit „privat” bezeichnet werden. once in pleasant company by chance. Jahrhunderts (Spencer. Durkheim. werden auch in anderen zeitgenössischen Texten artikuliert.30 Die ideale Ehefrau ist sauber. hier S. 3 (1996). Jahrhundert an voller Bedeutung gewinnt. „’The Slaves of our pleasures’ oder ‘our companions and equals’? Die Konstruktion von Weiblichkeit im England des 18.. Karin Hausen arbeitet die Begriffe und Konzepte von Privatheit und Öffentlichkeit unter dem Aspekt gesellschaftspolitischer Konstruktion heraus und zeigt dabei die Relation zur Geschichte der Geschlechterbeziehungen. Gelehrte. your years require. während Männern die kulturelle und politische Gestaltung im öffentlichen Bereich zukomme. Hier heißt es: Moll. Erst im 18. da sie alle des Patronats und des Schutzes eines einflußreichen Adligen bedurften. Engels. in: Werner Conze. Denn die Gegenüberstellung von public und private interpretierte das herrschende System der Geschlechterbeziehungen dahingehend. Frankfurt a. 215. Die Untersuchung des character zeigt. Heide Wunder. in: Karin Hausen und Heide Wunder. Simmel). ed. in: ZAA 44. and said. daß Frauen qua Natur die Aufgabe der Kinderaufzucht und damit die Aktivitäten im privaten Bereich zugewachsen seien. können getrost ad acta gelegt werden. Diese.102 spielsweise mehrere hundert Personen und hatte eine wichtige gesellschaftliche Funktion. theoretisch und ideologisch präsent sind. 30 Die Festlegung der Frau auf die häusliche Sphäre kann nicht losgelöst von alltagsgeschichtlichen Entwicklungen diskutiert werden.

Die Darstellung der fleißigen Frau folgt der tüchtigen Ehefrau aus den Sprüchen Salomos 31. in Schweigen verrichtete Arbeit sicherstellte. ed. Robert Burton. gath’ring honey: Let nothing waste. Im umgekehrten Fall wird die geistige Unordnung mit einem ungefegten Haus parallelisiert. Jahrhunderts. As you for church. Die Verbindung von Weiblichkeit und Weisheit. die zum Abschluß der Skizze zum Ausdruck kommt. bed. wit. II. in denen eine kluge Haushaltsführung mit dem Verhalten der Seele verglichen wird. deren Mühen das Wohlergehen und der Wohlstand ihres Gatten und die Bequemlichkeit ihrer Familie durch eine vom frühen Morgen bis zur späten Nacht dauernde. die der Rettung harrt. 120. that costs or yieldeth money. No deed. daß dieser Text auch als das „Alphabet der tüchtigen Hausfrau” bekannt war. Having a sting for every one but me. warm with good cheer and wine: Then of sweet sports let no occasion scape.O. your due devotion taint: Veil. die unterschiedlichen Interpretationen finden sich in Cornelius a Lapide (1567-1637). Hufton. Moll. Commentarii in Proverbia Salomonis. Paris 1633. .103 Now. Oxford 1992. Vol. 31 32 Nicholas Kiessling. Thy tongue. Vgl. 53f..32 Die Bibel erweist sich damit als Intertext. S. in dem eine nachlässige Hausfrau schläft. Hufton verweist darauf. Möglicherweise nimmt diese Stelle Bezug auf Semonides von Amorgos Iamborum Fragmentum 7 oder den Weiberjambus des Phokylides von Milet Frg. Diese biblische Gestalt war Lieblingsmotiv holländischer religiöser Drucke des 16. fußt auf neuplatonischem Gedankengut. Mit diesen „Bildern für die Unwissenden” konnte ein Vorbild für alle Frauen gegeben werden. thought. your soul reveal To him that only wounded souls can heal: Be in my house as busy as a bee. But be as wanton. Partition 2. Sect. Anatomy Of Melancholy. S. both manners and attire.. I will thee matron like: Yet so to you my love may never lessen. if you will. house. blood. matron-like.a. observe this lesson: Sit in the church as solemn as a saint. 2. toying. if needs you will be matron-like.ähnlich wie das Overburysche Frauenporträt kurz und scharf pointiert gewünschte Eigenschaften einer Ehefrau: sie soll fromm. your head. word. Buzzing in every corner. fleißig. And when thou seest my heart to mirth incline. 31 Das in Distichen verfaßte Gedicht beschreibt . as an ape. sauber und sparsam sein und ihren Gatten unterhalten. a. Then trust to this. Solche Metaphorik wird in den Gleichnissen Christi aufgegriffen. 2. Well.

machen seine Eigenart aus. with this end. Auf syntaktischer Ebene wirken die anaphorischen Parallelismen („she is”) strukturbildend und unterstreichen den Aufzählungscharakter. or figuring forth.. Die gedrängte Kürze. Ein Verstoß gegen die tradierten Ansichten über die Geschlechter wäre nicht nur ein Bruch mit der literarischen Konvention. die scharfe Zuspitzung der Redewendungen. Er übernimmt vorformuliertes Material. Über den Einfluß. die Alliteration ein. Dieses lautet: 33 In Sir Philip Sidneys An Apology for Poetry von 1580 wird Dichtung als Mimesis begriffen: „Poesy .B. neben Metaphern und Anaphern als Mittel der Emphase.. Dieses Aufnehmen standardisierter Vorstellungen über das Verhalten von Angehörigen des weiblichen (und männlichen) Geschlechts entspricht der Forderung nach decorum-gemäßer Figurendarstellung. Dem untersuchten character kommt hierbei eine Modellfunktion zu. studiert in Oxford Philosophie und Rechtswissenschaft. counterfeiting. An rhetorischen Figuren setzt Overbury z.33 Im Stofflichen bleibt Overbury daher traditionell und konventionell. den seine Persönlichkeit ausübt. möglichst viel Sinn und Bedeutung in das einzelne Wort zu legen.” Zitiert nach Rippl. to teach and delight.. die Kontrastbegriffe verbindet und eine klangliche Wirkung erzeugt.O. to speak metaphorically.104 Vergleicht man die inhaltliche Ausgestaltung des character mit den zeitgenössischen Vorstellungen über das Wesen der Frau zeigt sich. die Vorliebe für eine kunstvolle Konzentration des Ausdrucks und das Bestreben. that is to say a representing.a. 1581 als Sohn eines Landedelmannes in Gloucestershire geboren. vermittelt. for so Aristotle termeth it in his word Mimesis. das er allerdings in eine durchaus eigenständige und wirksame Darstellungsform faßt. . a. a speaking picture. 2. Die allgemein akzeptierten Verhaltensmuster mußten die dichterische Figurendarstellung bestimmen. 121. Viscount Rochester. Die Overbury Collection und ihre Konzepte von Autor und Text Sir Thomas Overbury. schreibt Ben Jonson ein Epigramm. daß Overbury das Geschlechterverhältnis konform dazu gestaltet. S. sondern vor allem ein Bruch mit der Forderung nach wirklichkeitsgetreuer Abbildung des Lebens gewesen. sollte das Kunstwerk den mimetischen Grundsätzen der Wahrscheinlichkeit Genüge leisten. Seine Stellung am Hofe wird Overbury vor allem durch Robert Carr. wie sie die zeitgenössischen Dichtungstheorien unter Berufung auf Aristoteles artikulierten. is an art of imitation.

Rimbault.34 In diesem Lobgedicht werden Overburys Talente. der auf höfische Intrigen zurückzuführen ist. Als Overburys Werke sind bei Edward F. .36 Die erste Sammlung von characters unter dem Namen Overbury erscheint 1614. Poison at the Court of James I.. Die Rekonstruktion der Umstände des mysteriösen Todes Overburys. as they stood.. Schwierigkeiten ergeben sich aus dem mangelndem Wissen über die Entstehungszeit (wann wurde wer von wem beeinflußt?) oder die Urheberschaft (wer sind die „learned Gentlemen”? Webster. That the wit there and manners might be sav’d: For since. So Phoebus make me worthy of his bays. London 1997. 1609 und Crumms fal’n from King James’s Table. die Urheberschaft der einzelnen Charakterskizzen festzustellen und kein klares Autor-Text Verhältnis vorliegt. Diese jakobitische Skandalgeschichte erhöht seinen Bekanntheitsgrad. As but to speak thee.. what pride is fled! And letters. wodurch ihm eine Sonderstellung am Hofe James I zukommt. what ignorance. Where. Rimbault außerdem überliefert: A Paraphrase of the first and second Parts of Ovid’s Remedy of Love. D. Overbury’s praise: So where thou liv’st. Decker oder Donne?) sowie dem dar- 34 35 36 Rimbault. seine Gelehrsamkeit sowie seine gefälligen Sitten hervorgehoben.. ix.O. written by himselfe and other learned Gentlemen. 1608 erfolgt die Erhebung in den Ritterstand. die sie enthält. a. dann mit ihm zusammen seine „Characters” und „Conceited News”. xxxif.O. und schon bald nach seinem Tod werden seine schriftstellerischen Erzeugnisse herausgegeben. werden aber nicht allein Sir Thomas Overbury zugeschrieben. Overbury stirbt 1613 im Tower durch Gift. doth keep thee good! I think. A.’ Da es nicht möglich ist. Die 21 Skizzen.a. Observations in his Travailes upon the State of the XVII Provinces. thou mak’st life understood. Could make such men. the fate of court thy coming crav’d. what makes others great. Who in such ambition can but follow thee.a. S. S. Vielmehr sagt der Titel selbst ausdrücklich: ‘many witty Characters . and humanity in the stead! Repent thee not of thy fair precedent. a. and such a place repent: Nor may any fear to lose of their degree. ist Gegenstand von Anne Somersets Unnatural Murder.105 TO SIR THOMAS OVERBURY. wird im folgenden mit Overbury die Overbury Collection gemeint sein.35 Zuerst sein Gedicht „A Wife”.

Hervorhebung KH. a Peece of the World discoverded. helping to bring forth these Infants into the World. S. Angereichert werden die Texte demnach durch Zirkulation. Yet passing severally from hand to hand in written Copies. which the Father would have smoothered: who having left them lapt up in loose Sheets. sondern sie weisen ähnlich den heutigen e-mails eine gewisse „Flüssigkeit” auf. daß gängige Klischees weiblicher und männlicher Verhaltenscodices gespiegelt oder verzerrt und dabei auf formalsprachlicher Ebene in einer neuen Form gebündelt wurden.39 Diese Popularität konnte. 18. das heißt es handelt sich hier um schwache Autoren. . Die Skizzen werden als lockeres Produkt der Phantasie zum Zeitvertreib in höfischen Kreisen verfaßt. was unwillingly willing to let them pass as now they appeare to the World.38 Das Textkorpus der Overbury Collection wuchs ständig. and by the forcible request of Friends drawne from him. das heißt die Konzepte „Autor” und „Text” müssen nicht fest sein. Micro-cosmographie or. zeigt sich das Selbstverständnis der Gattung im Vorwort von John Earles Microcosmographie („to the reader gentile or gentle”). if the Author had not used speady meanes of prevention: When. to passe away the time in the Countrey. dadurch gewonnen werden. Ebenfalls zum Ausdruck kommt hier die Drucksituation: Drucken gilt im frühen 17.37 Gerade was den Status des Autors betrifft. perceiving the hazard hee ran to be wrong’d. Für Aristokraten war das Veröffentlichen ihrer Texte lange mit einem Stigma behaftet. London 1628. die zum persönlichen Zeitvertrieb einige Charakterbilder in die Welt befördert hat: I have (for once) adventur’d to playe the Mid-wifes part. Eine solch offene Produktionsform ist allerdings typisch für die Literaturgeschichte des 17. die vierte (1614) 30 characters und die übrigen 51 finden sich in der 9. und eine Anreicherung erfolgt durch Zirkulation. was sich daran ablesen läßt. daß die Skizzen erst posthum veröffentlicht wurden und viele Bearbeiter der Sammlung anonym blieben. Auflage von 1616. in Essayes and Characters. Jahrhunderts.zur Druckkultur und von aristokratischer Amateurkunst zum Buchmarkt. Jahrhundert sozial nicht als prestigeträchtig.106 aus resultierenden uneinheitlichen Stil. Darin vergleicht sich der Herausgeber mit einer Hebamme. written especially for his private Recreation. so meine These. Die dritte Ausgabe (1614) enthält bereits 25. grew at length to be a prety number in a little Volume: and among so many sundry dispersed Transcripts. Die Schreibweise wurde zur leichteren Lesbarkeit leicht modifiziert. some very imperfect and surreptious had like to have past the Presse. Und wenn Overbury in seinem 37 38 Autorschaft im heutigen Verständnis entsteht in der Umbruchzeit von der Manuskript. Das Genre gehört zu den literarischen Bestsellern der Zeit: The popularity of this new form is clearly shown by the fact that between 1603 and 1640 some 330 editions of the various character writers’ works had been published. as soon as his Fancy was delivered of them. many of them reprinted several times. denn eine Festigung von Autorschaft hat hier noch nicht stattgefunden.

durch elegantes Ornament. Vgl. Cambridge 1970. das den characters vorangestellt ist. 194. 41. S. Vgl. Overbury ist Vertreter und Beobachter der Höflingskultur.41 Ziel Overburys ist die Beschreibung der Gesellschaft42. S. wie der Typus Frau als gesellschaftlich-sozialer Faktor einzuordnen ist. hier S. die durch bewußte sprezzatura verdeckt werden muß.107 Gedicht „A Wife”. seine Skizzen folgen weniger einem religiösen Impetus oder einer pädagogisch-didaktischen Intention wie dies bei Hall der Fall ist. der ritualisierten höfischen Selbstdarstellung. Bennett. Countess of Bridgewater.. S. the Dutchman residing in England) and even places (a Prison). 25: „There seems to be a desire to cover early seventeenth-century English society . Stuttgart/Weimar 1993. S. rechtlichen. „Die frühe Neuzeit: Von Morus bis Milton”. S. Der literatursoziologisch interessante Aspekt der Frau als Leserin von Charakterskizzen kann nicht näher untersucht werden.. Dort wird sie nicht nur als interessenlose Kunstübung um ihrer Selbst willen gepflegt. Die Rezeptionssituation der characters kann nicht mehr rekonstruiert werden. die Aufmerksamkeit des Souveräns oder eines adligen Patrons auf sich zu lenken und damit Machtpositionen auszubauen.. das heißt. mit weiteren Nachweisen belegt. aber nicht religiös motiviert. nicht normative Haltung ein.a.a.O. 58ff. Sie ist Teil der idealen Lebensform eines gebildeten uomo universale. der raffiniert kalkulierten Zurschaustellung der eigenen Vorzüge. Es wird in dieser Zeit viel für Frauen und wenig von Frauen geschrieben.O. teils satirischen.O. um die roy- 39 40 41 42 43 Henry S. Ihr gesellschaftlicher Ort ist der Hof. besaß in ihrer Bibliothek neben Werken Ben Jonsons und Shakespeares auch Overburys characters. Aufl. 27. Manfred Pfister. das heißt. Rippl. sondern dient auch dazu. auch wenn das 17. Smeed. Sie spielen als Leserinnen und Mäzeninnen eine wichtige Rolle. „A Wife” wird zitiert aus Rimbault. . a.. wie Rippl. Die Texte der Collection sind demnach nicht so sehr an der Einhaltung und Überprüfung von religiös-kirchlichen. The ‘character’ can by now embrace national types (the Welshman.” Vgl. a.a.. in all its complexity. hier S. Being a Study in the History of the Book Trade in the Reign of James I and Charles I. 43-148. Lady Frances (Stanley) Egerton.. English Books and Readers 1603 to 1640. schreibt „Bookes are a part of mans prerogative”40 kommt damit möglicherweise die Rezeptionssituation zum Ausdruck: die characters werden von Männern und einigen wenigen Frauen der Aristokratie rezipiert. ed. Jahrhundert von der Rezeptionsforschung ausführlich untersucht wurde.a. als vielmehr an einer spielerisch-witzigen.43 Overbury selbst nimmt in diesem höfischen Rollenspiel eine kritisch-reflexive. Als Teil des höfischen Rollenspiels.O. Englische Literaturgeschichte. Tugenden und Laster werden nur deshalb profiliert. folgt sie daher den Spielregeln und Normen höfischen Verhaltens. Indirektheit und Verstellung. 78. in: Hans Ulrich Seeber. S. a. a. 33-45.. teils ironischen Debatte darüber. Das Grundschema von Tugend und Laster wird bei ihm zwar aufgenommen.. 2. ökonomischen oder ordnungspolitischen Normen interessiert. Die höfische Dichtung gilt als Nebenbeschäftigung des Gentleman und Hofmanns.

In der Overbury Collection sind folgende Frauenporträts enthalten: 44 45 Dies kommt im Titel ebenso wie im Metatext „What a character is” zum Ausdruck. und besonders beim Nachweis eines direkten theophrastischen Einflußes stößt man auf mannigfache Schwierigkeiten. mit der das Religionssystem sich selbst und seinen Einfluß auf die Gesellschaft codierte. typische Vertreter zeitgenössischer sozialer Gruppen (Schichten bzw. aus denen Overbury geschöpft hat. Parteien). A CHAMBERMAID. Berufe. A FAIR AND HAPPY MILKMAID. . vgl. 175. Gesellschaftsstruktur und Semantik.. Es gibt kein Prooemium wie etwa bei Joseph Hall. Alchemist) finden. 149-258. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Porträts durchkreuzen sich hierbei auf vielfältige Weise. Individualität.108 alistische Kultur zu spiegeln.und Korrespondenzrelationen zwischen den Typen. Frankfurt a. die die Konstruktivität der Geschlechtsstereotypen verstärkt. Die Leitdifferenz. A VIRTUOUS WIDDOW) und schlecht/lasterhaft eingeteilt werden (A VERY WOMAN. Weltanschauungen (z. Die Kontrastbildung als grundlegendes. Dadurch entstehen Kontrast. HER NEXT PART. Konfessionen. hier S.3. 1989. das heißt. Sammler. im Untergang begriffene Kultur in einem günstigen Licht erscheinen. Es ist das Verdienst der Overbury Collection. In den Darstellungen des idealen Höflings oder der idealen Hofdame soll die höfische. M. aus der Rhetorik stammendes Textverfahren wird begünstigt durch die Aufnahme von Vorurteil. „Individuum. Bd. Skeptiker. Durch die Verwendung ethisch aufgeladener Begriffe erhalten die Texte aber gleichzeitig eine wertende Dimension. der auf antike Vorbilder explizit verweist. A GOOD WIFE. daß sie unterhalten will und dies vor allem durch eine satirisch-witzige Darstellungsweise (witty manner44).B. Zumeist werden die weiblichen Charaktere paarweise dargestellt. Bei der Forschung nach den Quellen. Vgl. Stände. daß sich neben den psychologisch-moralischen auch viele sozial definierte Typen. Overburys Frauendarstellungen können in gut/tugendhaft (A GOOD WOMAN. in: Ders. S. Niklas Luhmann.45 Die religiöse Normativität bleibt aber im Hintergrund. Die Overbury Collection differiert von Hall dadurch. Teil A der Arbeit. AN ORDINARY WIDDOW). Stereotyp und Klischee. Atheist) und exzentrischer Lebensformen (z. die Differenz von Heil und Verdammnis spiegelt sich in dieser Einteilung.B. Individualismus”.

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(a) A GOOD WOMAN versus A VERY WOMAN und als deren Fortsetzung HER NEXT PART, sowie A GOOD WIFE, A VERTUOUS WIDDOW versus AN ORDINARY WIDDOW (b) A FAIRE AND HAPPY MILKMAID versus A CHAMBERMAID (c) A WHOORE, A VERY WHORE, A MAQUERELA Neben dem Typus (a) der Mutter (Ehe- und Hausfrau) und dem der Prostituierten (c) existiert der der Berufstätigen (b). Dieser ist jedoch kein wirklicher Typus des ‘Weiblichen’, denn auf seine Geschlechtsspezifika befragt, wird ihm entweder die Weiblichkeit abgesprochen oder er wird seinerseits auf die Eigenschaften eines der beiden erstgenannten Typen reduziert - das heißt, die Berufstätigkeit bleibt ein äußerliches Akzidens. So ist beispielsweise A FAIR AND HAPPY MILKMAID eine idealisierte Darstellung, die Züge der Pastorale aufweist.46 Die literarische Thematisierung der Hure in den characters, die eine Definition der Norm über ihre Abweichung impliziert, wird im folgenden nicht gesondert behandelt, da zentrale Merkmale dieses Typus bereits in den Negativporträts angelegt sind und in diesem Kontext erörtert werden. Die Untersuchung der folgenden Texte orientiert sich an der Darstellung des Typus (a) des ‘Weiblichen’. Die Existenz als Tochter, Ehefrau, Mutter und Witwe galt als „normale” Stufenfolge in einem sich entfaltenden Lebensmuster und eben diese soll Gegenstand der Ausführungen sein. Das Besondere und Neuartige an den Skizzen Overburys ist, wie wir bereits gesehen haben, weniger die inhaltliche Ausgestaltung als vielmehr die sprachliche Einkleidung. 3. Formanalyse Der Titel der einzelnen Porträts ist meist die direkte Bezeichnung der Charaktereigenschaft („A Flatterer”, „A Pedant”, „A Dissembler”) oder aber ihr Träger wird anhand namenloser Personen dargestellt, wie dies bei allen Frauenporträts der Sammlung der Fall ist. Die Über-

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Erst die Beschreibungen der Arbeit des Milchmädchens in den im 18. Jahrhundert verbreiteten landwirtschaftlichen Abhandlungen modifizieren das niedliche, pastorale Bild des Milchmädchens, wie es in den characters aber auch in holländischen Landschaftsbildern und anderen bukolischen Malereigenres erscheint. Vgl. Hufton, a.a.O., S. 111. Charles E. Gough, The Life and Characters of Sir Thomas Overbury, Norwich 1909, S. 106f. kommentiert: „Her character is chiefly intended to act as a foil to those of cunning and debased womenfolk met with in towns, to the very woman, ordinary widow and still more to the chambermaid. The last of these represents a class of women possessing a very dubious reputa-tion at that time... She meets us again in Fielding’s Tom Jones as Mrs Honour, and in Joseph Andrews as Mrs. Slipslop.”

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schrift ist entweder Subjekt des ersten Satzes oder steht selbständig. In der Regel ist die beschriebene Figur eine Einzelperson, die mit dem Kollektivsingular bezeichnet wird. Der Umfang der Frauenporträts der Overbury Collection variiert zwischen 15 und 25 Zeilen und gehört damit ungefähr zum mittleren Umfang der zu dieser Gattung gehörigen Typenschilderungen. Mit der Kürze ist die Begrenzung des Stoffes und des Zeitpunktes der Beobachtung verbunden, wodurch der Eindruck des Exemplarischen verstärkt wird. „Compression” wird von Benjamin Boyce als „a stellar virtue of the character form”47 angesehen. Gerade der geringe Umfang der Texte impliziert die besondere Intensität, die durch die sprachliche Gestaltung, den reichen Einsatz der Bilder zum Ausdruck gebracht wird. Auch der Tempusgebrauch der hier zu analysierenden Texte ist typisch für die characters: es wird das Präsens verwendet und damit eines der elementarsten Mittel der Vergegenwärtigung eingesetzt.48 Dies unterstützt die intendierte Verallgemeinerung und erzeugt Ahistorizität. Die Kürze des Textes läßt eine komplizierte syntaktische Verknüpfung nicht zu. Neben der parataktischen Reihung überwiegen hier relativ einfache Hypotaxen. Eine grammatikalische Besonderheit der characters ist die fast ausnahmslose Beschränkung auf immer dasselbe Subjekt. Diese stilistische Eintönigkeit (die Aneinanderreihung der Sätze wird häufig eingeleitet mit dem Personalpronomen „She”) wird jedoch durch die umfangreiche Verwendung der Bildersprache aufgewogen. Stilistisch wirkt die Typenzeichnung Overburys dadurch rhetorisch geschliffen und wenig individualisierend. Eine Eigenschaft wird definiert, ihre Merkmale bleiben allgemein und werden direkt bewertet oder mit metaphorischen Wendungen umschrieben. Das Bemühen um Witz (witty manner) im Sinne von originellen allegorischen Übertragungen und möglichst ungewöhnlichen Anspielungen und Vergleichen macht die Eigenart der Overbury Collection aus. Die allegorischen Verkleidungen und abstrakten Verallgemeinerungen, daneben die barocke Vorliebe für metaphernreiche Sprache und Suche nach ungewöhnlichen Vergleichen sind Formelemente, die zur Typisierung beitragen und den Aspekt der Charakterskizze als „Momentaufnahme” verstärken. Das Verfassen einer resonanzreichen Charakterskizze kommt damit einer künstlerischen Anstrengung nahe, die der Dichtkunst vergleichbar ist.

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Boyce, The Theophrastan Character, a.a.O., S. 13. Das Präsens unterstützt die Darstellung des Typisch-Potentiellen und grenzt ab vom faktisch Vorgefallenen. Mit dem Präsens werden die geschlossenen, raumzeitlich nicht individuierten Szenen zu „besprechenden Texten”. Die achronische Anordnung der Charakterskizze macht die Ähnlichkeit zum Essay deutlich: Beide literarische Formen sind in ihrer Darstellungsabsicht und Sprechhaltung als besprechende Texte erkennbar. Vgl. Koch, a.a.O., S. 96.

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In der syntaktischen wie stofflichen Konzentration auf ein Subjekt ist das Ordnungsprinzip der Skizze erkennbar: der erste Satz besteht aus einer allgemeinen Aussage, die das Thema direkt angibt, oder enthält ein conceit, das eine ausführliche Definition wie bei Theophrast ersetzt. Dann folgt eine Aufzählung von Details, die aus Sicht der christlich geprägten Moralauffassung der Zeit bewertet, kommentiert und verallgemeinert ist. Der letzte Satz schließlich faßt das Ganze noch einmal zusammen. Diese Abrundung der Darstellung erfolgt durch einen ausgefeilten, epigrammatisch-pointenhaft angelegten Schluß.49 Der innere Handlungsablauf erscheint weitgehend zufällig. Verschiedene Handlungen eines Typs werden ohne Zusammenhang nebeneinandergestellt. Hierbei sind die einzelnen Situationsangaben so knapp gehalten, daß sie häufig nur in der Nennung eines Ortes oder anderer Personen bestehen. Es gibt keinen Kausalbezug zwischen den verschiedenen Situationen, lediglich einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der grundlegenden Eigenschaft und den einzelnen Handlungsweisen. Schon bei Theophrast gab es zwei Verfahren der Charakterisierung: die Eigenschaft einer Person wurde entweder durch die Aufzählung typischer Gewohnheiten oder durch die Wiedergabe typischer Reaktionen in Verbindung mit bestimmten Situationen veranschaulicht. Bei Overbury handelt es sich primär um die Aneinanderreihung von unzusammenhängenden Handlungsweisen, die eine Allgemeingültigkeit und Vorhersehbarkeit des Benehmens durch sentenzartige Ausdrucksweise unterstreichen. Für die Textrezeption gilt, daß der Sprache, dem Textaufbau sowie dem Textanfang und -ende eine so hohe Aufmerksamkeit geschenkt wird, wie sie sonst gemeinhin nur Gedichten zukommt. Die Texte sind sehr dicht geschrieben und arbeiten häufig mit Verweisen, Andeutungen, spezifischen Konstruktionsmustern oder Auslassungen, so daß eine wahrnehmungsgeschärfte Rezeptionshaltung eingenommen werden muß. Die (Rezeptions-) Ästhetik dieser Texte ist ursächlich mit ihrer Kürze verbunden: Intensität tritt anstelle von Extensität, Kürze korreliert mit einem gesteigerten Maß an qualitativer Komplexität und Suggestivität. Besonderes Augenmerk erhalten damit die literarischen Verfahren auch in den Texten selbst. So liest sich die Selbstreferentialität der characters auf ihre textuelle Verfaßtheit in den Porträts, wenn es beispielsweise in A VERY WOMAN heißt: „She reads over her face every morning, and sometimes blots out pale, and writes red”50 oder: „Her draught reacheth to good manners, not to thirst”. „Draught” trägt hier sowohl die

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Diese Dreiteilung der Skizze findet ihre Parallele im dreiteiligen Emblemaufbau. Siehe Teil A, Kap. II. 4. Rimbault, a.a.O. S. 48ff.

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Bedeutung Skizze, Entwurf als auch Schluck, Zug, wie in „draught beer”. Weiter unten heißt es dann: „I need not speak of his garters, the tassell shews itself”, wobei „tassel” hier sowohl den Troddel am Hosen- oder Strumpfband als auch den Troddel als Lesezeichen bezeichnet. Overbury setzt damit das reiche Spektrum der Doppel- und Mehrdeutigkeiten seiner Sprache geschickt ein und spielt bewußt mit den Begriffen Charakter, Skizze, Lesen und Schreiben. 4. Das Typeninventar: „A mans best moveable” oder „a mans walking consumption”? 4.1 Die Ehefrau als Wunschbild A Good Woman. A GOOD woman is a comfort, like a man. She lacks of him nothing but heat. Thence is her sweetnesse of disposition, which meets his stoutnesse more pleasingly; so wooll meets iron easier than iron; and turnes resisting into embracing. Her greatest learning is religion, and her thoughts are on her owne sex, or on men, without casting the difference. Dishonesty never comes neerer than her eares, and then wonder stops it out, and saves virtue the labour. She leaves the neat youth, telling his lushious tales, and puts back the serving-mans putting forward, with a frown: yet her kindness is free enough to be seen, for it hath no guilt about it: and her mirth is cleare, that you may looke through it, into virtue but not beyond. She hath not behaviour at a certaine, but makes it to her occasion. Shee hath so much knowledge as to love it; and if she have it not at home, she will fetch it, for this sometimes in a pleasant discontent she dares chide her sex, though she use it never the worse. She is much within, and frames outward things to her mind, not her mind to them. Shee weares good clothes, but never better; for shee finds no degree beyond decencie. She hath a content of her owne, and so seekes not an husband, but finds him. She is indeed most, but not much of description, for she is direct and one, and hath not the variety of ill. Now she is given fresh and alive to a husband, and she doth nothing more than love him, for she takes him to that purpose. So his good becomes the businesse of her actions, and she doth her selfe kindnesse upon him. After his, her chiefest vertue is a good husband. For shee is hee.51 A GOOD WOMAN schließt an die Ausführungen über die Ehe an, wie sie in A GOOD WIFE (Abschnitt 1) bereits zum Ausdruck kamen. Das Reden über die Frau und das Reden über die Ehefrau überschneidet sich motivisch und thematisch in vielfacher Weise. Im 17. Jahrhundert wird woman sowohl von ‘womb-man’ (that kynde of man that is wombed or hath the womb of conception) wie auch von ‘wif-mann’, ‘man woman’ or ‘Amazon’ ab-

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Rimbault, a.a.O., S. 47f.

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geleitet.52 Diese Etymologie entspricht der Überzeugung, daß die Frau nichts als eine Variante des Mannes ist. Unter der Prämisse, die Frau als „lesser man” zu sehen, haben Mann und Frau jeweils ihr Gutes (Z. 1). Der Gedanke des comfort, der an das biblische ‘helpmeet’ erinnert und in Elyots „to be assistance and comfort to man”53 wörtlich wieder aufgenommen ist, wird betont. Die Bedeutung dieser Skizze liegt darin, daß sie die physiologische Grundstruktur der Geschlechterdifferenz nennt: In Zeile 1 kommt die Vorstellung des Mannes als aktives Element zum Tragen, der ein „hitziges” Gemüt hat, während die Frau eher kühl und passiv ist.54 Hierin finden sich Anklänge an die zeitgenössische Vorstellung der Humoralpathologie. Die Unterordnung der Frau wurde bis in die Neuzeit hinein nicht nur durch die göttliche Ordnung, sondern auch medizinisch begründet. Die physiologischen Vorstellungen beruhten im wesentlichen noch auf der Humoraltheorie von Galen, die zwar von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter ausging, aber nie einen Zweifel daran ließ, daß die Frau die minderwertige Realisation des vollkommeneren Mannes darstellte. Galens medizinische Hypothesen beruhen auf dem Postulat, daß Männer von den heißeren und trockenen Säften bestimmt sind, Frauen dagegen von den (unvollkommenen) kalten und feuchten Säften: Dem ‘Temperament’ der Frau fehlt es an Wärme, die volle Vitalität bedeutet. Dem entspricht ein Übermaß an kalter Feuchtigkeit, an ‘Phlegma’. Dadurch werden Nachgiebigkeit, Passivität und Weinerlichkeit begünstigt. Weibliche Sanftmut ist durch Mangel an männlichem Mut bedingt, weibliche Anpassungsbereitschaft durch Mangel an Durchsetzungskraft usf.55

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Vgl. Ina Schabert, „Amazonen der Feder und verschleierte Ladies. Schreibende Frauen im England der Aufklärung und der nachaufklärerischen Zeit”, in: Schabert und Schaff, a.a.O., S. 105-123; hier S. 109. Zum Verständnis der Geschichte und des geschichtlichen Wandels von Geschlechterdifferenz kann die historische Sprachwissenschaft wichtige Einsichten beitragen, indem sie semantische Prozesse wie Bedeutungswechsel, Ausdifferenzierung und Degeneralisierung der Begriffe für Mann und Frau aufzeichnet. Thomas Elyot The Defence of Good Women (1541) zitiert in von Ingersleben, a.a.O., S. 30. Diese Vorstellung gehört zum klassischen Themenbestand der Geschlechterdifferenz und durchzieht die Literatur seit der Antike. In Castigliones Hofmann, a.a.O., heißt es, Drittes Buch, XVII, S. 23: „Ich verstehe nicht, wie Ihr, Signor Magnifico, leugnen könnt, dass der Mann von Natur aus grössere Vollkommenheit als die Frau besitzt, da ihre Anlage kalt, die des Mannes hingegen feurig ist, ist doch die Wärme viel edler und viel vollkommener als die Kälte, weil sie tätig und befruchtend ist, und wie euch bekannt ist, giesst auch der Himmel über uns nur Wärme, nie Kälte aus, weil die Kälte die Werke der Natur nicht fördert. Da nun die Frauen einmal den Hang zur Kälte innehaben, so glaube ich, dass darin die Ursache ihrer zaghaften Niedrigkeit zu suchen ist.” Ina Schabert, Englische Literaturgeschichte. Eine neue Darstellung aus der Sicht der Geschlechterforschung, Stuttgart 1997, S. 24. Vgl. dazu auch Rippl, a.a.O., S. 53. Zur Fungibilität der Säfte konstatiert Laqueur, a.a.O., S. 122: „Das ... System der Körpersäfte war teilweise Ideologie - eine Form, über die Frau als ein kälteres, weniger gut geformtes und wandelhafteres Wesen als der Mann zu sprechen - und teilweise ein Mittel, überhaupt den Körper als viel weniger begrenzt und eingeengt zu deuten, als wir es heutzutage tun

3f. Henderson und Barbara F. Die „liebliche Zartheit süsser Weiblichkeit” wird auch im Hofmann betont. Die Treue des Mannes wird nicht thematisiert.a. die diese Ideologie und auch die Vision des sexuellen Unterschieds bestätigten. Die Religion wird zum wichtigsten Element eines Frauenlebens erkoren und Frömmigkeit hochgelobt. wie sie in den Emblembüchern zum Ausdruck kommen. chastity was considered requisite to ‘true’ beauty in a woman. „pleasant. 8f). XV. S. S. Katherine U. wobei diese nun gesteigert werden. the surface beauty of a wanton woman was regarded as a thin veneer concealing a fundamental moral ugliness. their hope and faith and patience under affliction and their piety and charity for the poor. Freundlichkeit und Keuschheit betont. nach der Meinung der weisesten Menschen der Mann die Form bedeutet. Auch hier spielt Overbury wieder auf traditionelle Bilder an. 2f).” Das weibliche Geschlecht wurde im 17. Der Mann zeichnet sich durch „stoutnesse” aus und wird mit „iron” verglichen (Z. Er 56 57 58 würden. so wie sie in der Bibel postuliert wird. Vgl. Contexts and Texts of the Controversy about Women in England 1540-1640. die Frau den Stoff.114 Der Ausdruck „disposition” (Z. Kelso. „affability” bei Stubbes.” Ähnliches findet sich im Hofmann. S. 19: „Weil wir aber schon so weit gegangen sind.a. Die Frau ist zuständig für religiöses Wissen („learning”) . 30.57 Die Frau soll tugendhaft sein und nicht über Geschlechterdifferenz nachdenken (Z.58 Die ideale Frau ist unempfänglich gegenüber Untugenden.O. Mc Manus. Geistige Ausbildung durch Bücher fordert der Verfasser nicht..).59 Durch die Korrespondenz des inneren Wesens mit der äußeren Erscheinung bleibt der Charakter der Frau zuverlässig dechiffrierbar. Drittes Buch. S. Urbana/Chicago 1985. Die moralische Qualität der Keuschheit als bedeutendste weibliche Tugend baut auf politischen. . wie Ihr wisst. Ruth Kelso erläutert: Praised by some as the greatest of all virtues it was claimed to belong preeminently to women for their devotion to religious exercises. eds. Traditionell geprägte Bilder nimmt Overbury nun im Porträt auf und verstärkt sie zudem. 2) wird im 17. 2f. die sie behauptete. 26. Schweigsamkeit. Jahrhundert mehrfach als das sexuell unersättliche verstanden: Diese Annahme stützt sich auf mittelalterliche Diskussionen der weiblichen Sündhaftigkeit. 4f.56 Die Schwäche wird als Stärke der Frau gedeutet.. Seine Spezies wird dargestellt als starkes Geschlecht.). dass. empirische Beobachtungen zu organisieren. IV.. 8. Half Humankind. während die der Frau zentrales Anliegen ist. Darüberhinaus war es aber auch eine Methode. ein transparenter Charakter und kennt keine Verstellung (Z. 101: „In the Renaissance. a.).O. von Ingersleben. Bereits die Antike weist eine geschlechtspezifische Moral auf: für Männer gelten andere Normen als für Frauen. S. ökonomischen und sozialen Faktoren auf. Wiederholt werden die im Tugendkanon zentralen Verhaltenscodices wie Ehrlichkeit. so sage ich nur noch das.mehr braucht sie nicht (Z. amiable and delightful” bei Markham. a. Demgegenüber steht das schwache Geschlecht für „sweetnesse” sowie „pleasure” und wird mit „wooll” assoziiert (Z. Trügerische Unechtheit und die Abhängigkeit von Äußerlichkeiten sind ihr fremd. Jahrhundert ebenso wie der des Temperaments viel diskutiert. Drittes Buch.” Der Ausdruck „sweetnesse” ist vertreten in den Wendungen „gentleness”.

sondern findet ihren Mann.. damit spiegelt die Passivkonstruktion auf sprachlicher Ebene gesellschaftliche Verhältnisse. als wünschenswerte Bereicherung (Z. was to develop only in accordance with male needs. ihren Mann zu lieben (Z. 18ff.115 legt Wert auf aufnehmendes Verständnis und sicheres Urteil. Kor. Die Frau sucht nicht (aktiv). S. Bei Overbury erscheint das säkularisierte Wissen weniger als Mittel zur Tugend denn als Tugend selbst. not her mind to them. Dies verweist auf das Rollenverständnis wie es in 1. S. VIII. 15f. 11. S. Since they were still regarded as 59 60 Mit diesen Merkmalen sind auch die Idealbilder „The Wise Man” und „The Noble Spirit” (Rimbault. Bei Castiglione heißt es zum Thema Kleidung der Hofdame: „. von der Gesellschaft sanktioniertes Ausdrucksmedium für die eigene Identität.” Die ideale Frau verhält sich ihrer Position angemessen.a. das sicher. Kleidung ist ein zentrales. 1.O. 10). die wiederum über das decorum festgelegt ist. ‘weiblich’ und markiert Geschlechtergrenzen. die sie so treffen soll. der zum festen Bestand der Beschreibung einer Frau gehört: „for she finds no degree beyond decencie. so lasse sie sich durch einiges Bitten dazu nötigen mit einer gewissen zaghaften Scheu.). 17). was sich auch in adäquater Kleidung widerspiegelt (Z.O.) ausgestattet.. while the gentleman was to fulfill himself by expanding his potentialities to the utmost. and frames outward things to her mind. und Z. 96f.” Die hier zum Ausdruck kommende Hierarchiebeziehung faßt Katharine M. Als dessen Abweichung muß sie auf ihn zurückgeführt werden (Z. verständigen Mannes. dass sie sich weder den Ruf der Eitelkeit noch den der Nachlässigkeit zuzieht. Rogers folgendermaßen zusammen: The lady being a mere woman. Die wichtigste Aufgabe der Frau besteht darin. bringt Overbury in Zeile 12f. but the woman for the man. Standesgemäße und dem Geschlecht entsprechende Kleidung konsolidiert die Kategorien ‘männlich’ bzw.” Die Frau sollte sich vor allem durch geistige und materielle Verzichtbereitschaft auszeichnen.wird sie zum Tanze oder Musizieren irgendwelcher Art aufgefordert.. 60f.” (Drittes Buch. 9 festgelegt ist: „Neither was the man created for the woman.a. 13f. die die wahre Schamhaftigkeit und das Gegenteil der Frechheit bedeutet.). Sie wird dem Mann gegeben. a.60 Angemessene Kleidung dient der sozialen Lesbarkeit. Rippl. Derselbe Gedanke leite sie auch bei der Wahl ihrer Kleider. all women had to be restricted in their education and their sphere of action.). Die Bedeutung der Mode wird diskutiert im Zusammenhang mit Cavendishs „On Mode-Minds”.. a. . Die in Zeile 14 beschriebene Sittsamkeit ist eng verbunden mit dem seit der Antike zentralen Bescheidenheitstopos. 17f. 14). As long as no chastity and obedience were considered far more important than active virtues or mental development. zur Darstellung: „She is much within. echt und wahrhaftig in sich selbst ruhen soll. Overbury thematisiert auch die Partnersuche (Z. sie beschreiben das Ideal eines weisen. Vgl. Kap. Dieses Wesen. IV.

if opinion dares suspect. wenn beide ihre Pflichten erfüllen. Das Porträt lebt von der Annahme. Essayes and Characters.a. to whome he safely cannot commit his wealth. a. die Thematisierung verläuft stark asymmetrisch. then doth become his faculty. prove a tyrant. A good Wife shall know him quickly. als metaphysical wit. daß ein harmonisches Zusammenleben der Geschlechter dann gesichert sei. our aims and designs one. Daß auch zeitgenössische Autobiographinnen den Verhaltenscode der Stuart-Zeit artikulieren. „A good husband” beschreibt beispielsweise John Stephens. Die Frau ordnet sich der Autorität des Ehemanns unter und betont die Identität der eigenen Person mit der ihres Mannes. an die Frau heranträgt. not enforced. Hee feels not the absent of youth by a decay in best.O. zeigt Rippl. 182. Gerade der letzte Satz formuliert als Pointe.139-140: „A good Husband is the second part of a good man: hee challenges no more nor lesse from Art or Nature. but measures the approach of a crooked body by his entyre and straight affection.61 A GOOD WOMAN untermauert also gängige Ehevorstellungen. but hee never suspects. any opportunities offered them had to be justified in terms of their usefulness to men.116 helpmates. to discredit all women. for his best partes are invisible. than if hee conversed with her: so his vertues be familiar. ohne seine Rolle explizit zu reflektieren. so he doth not (by striving to please) seeme low minded. because hee is too good. our soules were wrapped up in each other. die Komplementarität. richtet sich bei Overburys Texten an die höfische Gesellschaft. not to augment his curse.. a. and give comfort to his Wife. nor by overvaluing his properties. His behaviour and discourse promise no more then hee meanes. Der Mann beschreibt die Frau als relationales Wesen und setzt sie wiederholt ausschließlich in bezug zu sich selbst („So his good becomes the businesse of her actions. 61 62 Vorwort zu Kelso. S. So bezeichnet sich Lucy Hutchinson als „pale shade” ihres Mannes und Ann Fanshawe schreibt: „Glory be to God we never had but one mind through out our lives. and she doth herself kindness upon him. wie sie bereits in den Anstandsbüchern gepriesen wurde. London 1615. then the worthinesse of a good one hath moved him to bee an Idolator: So his blessing is. Die gegenseitige Ergänzung. S.O. and bury thing be apparant. otherwise.. The misery of a bad wife hath no more enraged him. Die Ehe demonstriert das AufeinanderAngewiesensein des Paares und damit einhergehend wird auch ein entsprechendes Männerbild mittransportiert. die Möglichkeit der verheirateten Frau des totalen ehelichen Einswerdens mit dem Mann. not drawes a disadvantage to himselfe. Because hee was refused so soone: having (by that meanes) escaped one who could not discerne him. before he be past suspition. a. das heißt. S. The honor of a good wifes makes him no more impractised in the patience of a bad. and our resentments one.. Hee hath . We so studyed one the other that we knew each other’s mind by our looks. Ironicall and Instructive. God gave it me in him. Der Frau als „instabilem Moment” der Geschlechterbeziehung gelten hierbei die Vorschriften.a. 182. and may very well justifie. The highest end of his mariage premeditated is to resolve how he may desire it without end. prevaile too soone. much lesse his wives honesty. our loves one. and so refuse him first. by being distrustfull: For hee may be acquainted with those. he may account it happinesse. hee hath the modesty to refuse first: But. or not prevaile. For shee is hee”). He is not therefore put to much trouble of being denied twise: for if hee thinkes he can prevaile amisse. Hee is not altogether to be chosen by the common weight or standard. what ever was reall happiness.a. S. die der Mann. viii. to bee worth her taking: for he will first know her worthinesse. Zitiert nach Rippl. So findet sich in der Collection auch kein Porträt wie A GOOD HUSBAND62. or curse his blessing. After this. Hee neither deceives himselfe with a foolish confidence.” (Hervorhebung KH).O. her chiefest vertue is a good husband.

Hee may dislike therefore his wives humour. to make her detest herselfe. 3: der Mann ist das Haupt der Frau). Sie hat keine Individualität. 1. werden nicht hinterfragt und können deshalb wie Versatzstücke verwendet werden. and being so. auch Genesis 3. aus Bibelstellen (z. hee cannot bee mistaken. zum Beispiel im Porträt von Mistris Minx in Thomas Nashes Pierce Penilesse (1592). then make a new hazard. if hee bee well known: For being good. He hates not her. or want resolution. und sie wird vom Mann her in ihren Möglichkeiten festgelegt. not bee divorced from him: For he covets rather to be daily amending her. Die Gewohnheit in der Renaissance. to chuse a friend that maybe trusted.117 Mit Blick auf die weiblichen Idealbilder können wir an dieser Stelle also folgendes festhalten: der Overburysche Geschlechterdiskurs ist immer von spekulativ-dogmatischen Vorannahmen geprägt. Kor. the best Husband. aus theologisch-patristischen Sentenzen (der Mann sei der geistige Führer der Frau). A Virgin im Pamphlet The Man in the Moone Telling Strange For- (notwithstanding) no friend whom hee dares not make his deputy: But if he hath not knowledge enough. 2. sie ist in allem auf den Mann als die Zielbestimmung ihres Seins ausgerichtet. die als pointiert zusammengefaßte Lehren der Kommentierung und Bewertung bedürfen. 16: die Frau sei dem Mann Untertan. wirkt sich hier demnach auch auf die Geschlechterkonzeption besonders im Rahmen der Ehe aus. hee hath no reason to trust a woman. A Wanton Wife. das auch im religiösen Schrifttum unter Berufung auf eine gottgewollte Ordnung propagiert wird. He seeks rather to bee well known. 11. Diese Theoreme. and that with a hope. deren Vorläufer in den zeitgenössischen Dramen und Pamphleten zu finden sind. kein eigenes Bewußtsein. die innere Werte wie Bescheidenheit und Frömmigkeit verkörpert. Hierbei tritt ein hierarchischer Aspekt zutage.” . Hee cannot therefore be refused. Der Mann beschwört seine Führungsposition. sie bestimmen die positiven Frauenporträts. he proves the best. die Welt als ein hierarchisch gestuftes Korrespondenzsystem wahrzunehmen. aus naturphilosophisch-medizinischen Thesen (von der geistigen und körperlichen Inferiorität der Frau) und 3. for you may find in himselfe the practitioner and pattern. In bezug auf die Frauenporträts beginnt hier eine Prägephase. Hee cannot be chosen because a better is absent. Diese speisen sich hauptsächlich aus drei Quellen: 1. but hers. Damit bestätigt und festigt er ein Frauenideal. formulieren und komprimieren moralische Einsichten. but otherwise it is very doubtfull. and love her in the same quantity. Mit dem Porträt A GOOD WOMAN entwirft Overbury das Bild der idealen Frau. und die Bestimmung der Frau ist als Annex zum Mann gedacht.B. A good Husband (like the pith which runns in the mid’st of a body) diffuces himselfe equally to the circumference: imparting equall care and love to wife and children: Love and providence be the two counterpanes of a good husband. Ben Jonsons Every Man Out Of His Humour (1599) und Cynthia’s Revels (1601) sowie die Beschreibungen von A Lewde Woman.

daß nun sprachliche Gestaltungsmittel in den Mittelpunkt rücken. sondern nach dem wie. „within” vs. der Periphrase und der Wiederholung bedient sich der Verfasser zudem einer Reihe weiterer Wortund Gedankenfiguren..) lassen die Sätze wie eine kunstvolle Aneinanderreihung von umschriebenen Eigenschaften erscheinen. ed. die der klassischen Rhetorik entnommen sind.. „seek” vs. „wooll” vs. Books of Characters. was sich auch in der Benutzung von Chiasmen zeigt. Der Einsatz der imagery weist auf die visuell-bildliche Komponente des Textes. die als mögliche Bezugspunkte für Overbury gelten dürfen. dem Parallelismus. London 1933. um Kongruenz zu erzeugen. daß er eine Vielzahl von Metaphern einsetzt oder mit Vergleichen arbeitet (Z. „outward”. sich für die inhaltliche Ausgestaltung der Porträts als zentrales Verfahren erweist. wie im Fall der Reihung. die bereits in anderen Genres entwickelt wurden. „iron”. Das Porträt wird dadurch geschmückt und der Inhalt hervorgehoben. aber auch die Wahrnehmung zu schärfen. „embracing”. 1). zu irritieren. A Mirror of Charactery. konzentrierte Form eingegangen werden. Diese sprachlichen Bilder lassen den Text an der geschlossenen und harmonischen Form des bildlichen Kunstwerks teilhaben.63 Für die Gattung Charakterskizze bedeutet dies. der Mischung aus Para. Nachdenken hervorzurufen. Zu fragen ist also nicht mehr nach dem was der Darstellung. Overburys witty manner zeichnet sich gerade dadurch aus. wie sie in den Selbstbeschreibungen artikuliert worden war. die sehr stark mit figurativer Sprache arbeitet. „she” vs. Auffallend ist auch der Einsatz zahlreicher Antithesen („resisting” vs. „variety”. „one” vs. Halliwell. etwas zu schmücken. daß das Aufnehmen und Einarbeiten von Vorstellungen.und Hypotaxe. Sie erweitern die Textbedeutung. „he”). 63 Das Pamphlet findet sich in James O. einen Punkt hervorzuheben. Mistris Minx wird dargestellt in Harold Osborne. Mit der Hyperbel. ed. die zahlreichen Anaphern („She hath”. verstärken sich parallel oder beleuchten sich gegenseitig. Der Einsatz solch figurativer Sprache unterstützt den zeichnerischen Effekt und die Absicht. „She is” etc. „find”. Sie unterstützen letztlich die Verknappung. Die Wiederholung des Anfangs in aufeinanderfolgenden Sätzen. Daraus folgt. London 1857. Daher soll hier noch einmal konkret auf die kurze. Dieser bewußte Einsatz von syntaktischen Strukturen und rhetorischen Figuren wird meist als metrisches Phänomen untersucht.118 tunes (1609). Diese Gegenüberstellungen unterstützen die begriffliche Klarheit und lassen die Freude am Spiel mit dem Sprachmaterial zu tage treten. .

to draw strangers. and that’s hang’d about with toyes and devices. or a she meant well towards man. ungebärdigen Frau. If shee shew more. that bee too good for her. idealtypisch überzogene Stil der Idealbilder wird nun ersetzt durch einen satirischen Stil. she prevents desire. and after she doth not live. and stretcheth her upon meat. 4. Being set downe. nehmen ihren Ausgangspunkt in der Bibel oder in biologistischen Theoremen. and by too free giving. Her draught reacheth to good manners. Diese polare Entgegensetzung dient der Belebung und begrifflichen Klarheit der Charakterschilderung. modesty. Shee may escape from the serving-man. noch nachdrücklicher jedoch in Satiren.welche in diesen Texten Ausdruck findet . Her philosophy.führt unwillkürlich zur Formulierung des Gegenteils. leaves no gift. Auch die Eigenschaften. Her vertue is the hedge. Das bedrohliche Potential dieser Figur kann die anerkannte sittliche Ordnung unterminieren oder gar zum Einsturz bringen. and writes red. and she loves her glasse. Die Inszenierung tugendhafter Weiblichkeit wird opponiert mit tugendloser Weiblichkeit. Shee is hid away all but her face. She is marriageable and fourteene at once. Komödien. and the Knight of the Sun for lying. Daher wird dieses Potential durch den Einsatz von Komik relativiert. she casts her face into a platforme. in Gedichten und Erzählungen. and gives the other to her neat youth. der sich durch Genauigkeit auszeichnet und der Komödie ähnelt. Der Buchdruck gab sowohl dem Idealtypus als auch dem Gegenteil eine starke und umfassende Verbreitung in Wort und Bild. but fell two bowes short. though many times her opinion goes alone. Der heroisch. not to thirst. nämlich der Darstellung der unbeherrschten.119 Die Verbreitung des Ideals . that keepes a man from climbing over into her faults. and it is part of their mystery not to professe hunger. which dureth the meale. She’s a younger . but Nature takes her in private.2 Die Ehefrau als Angstbild A VERY WOMAN liefert die Antithese zum ersten Frauenporträt. strength and understanding. She reads over her face every morning. She commits with her eares for certaine: after that she may goe for a maid. but she hath beene lyen with in her understanding. ein dichotomes Arrangement. A VERY woman is a dow-bakt man. Shee simpers as if shee had no teeth but lips: and she divides her eyes and keepes halfe for her selfe. and sometimes blots out pale. She thinks she is faire. but tarry. and is taken away with the voider. die man dem Gegenstück zum Ideal zuschrieb. A Very Woman. Dieser Typus der dominanten Frau spielt eine wichtige Rolle in Abhandlungen und Predigten. but not from the chaimber-maid. Sie stellt eine wechselseitige Stereotypisierung dar. das sich vor allem durch einen Stilwechsel auszeichnet. like the signe of a taverne. is a seeming neglect of those.

In dem Porträt A VERY WOMAN.a. festgemacht wird.64 Gemäß dem OED leitet sich „Very” vom französischen „vrai” ab und wird im Sinne von „bad”. „deficient esp. Shee kisseth open-mouth’d. „ordinary” verwendet und mit „full of the faults of her sex” erklärt. she loves not the man. 48-50. Petrus 3. if shee marry better she marries worse. so stattet der Verfasser ihr Gegenstück mit einem Defizit an Stärke und Intellekt aus. and for a jest. to be tasted with the better appetite at night. in intellect or sense. . Das Porträt A VERY WHORE lautet: „A very Whore is a Woman. 83f. S. Das OED gibt für „dough-baked” die Bedeutung „imperfect”. das implizit dem einer Hure gleicht65.. laughs at him without one. 1. a. Damit wird die für die Zeit so zentrale Problematik von Schein und Sein. wird die Frau als defizitär in Kraft und Intellekt dargestellt (Z. and spits in the palmes of her hands to make them moist. zwischen dem. If she love. Jahrhunderts präsente religiöse Norm für die weibliche Geschlechterrolle. for then shee will beget another creature a begger. which is still too big for it. but the beast of him. was er bei sich denkt. in a serving-man’s fresh napery. and his leg steps into an unknowne stocking.O. Her modesty is curiositie.O. a. Das Verhalten der „(schl)echten” Frau ist künstlich (Z. shee cares not though her stockings want feet. was der Mensch zu sein vorgibt und dem. Shee passeth not a span bredth. Her eyes are like free-booters. Wird die gute Ehefrau durch einen Mangel an Hitze charakterisiert. and her smell is one of her best ornaments. and a mans walking consumption: every caudle she gives him. and so her shooes be fine. but not for her portion for wit.). living upon the spoile of stragglers. that comes from her in a treble.). I need not speake of his garters. and after she takes him for his patience. die Petrus’ Bestimmung der Frau als „schwächeres Gefäß” („weaker vessel”. and she baits her desires with a million of prostitute countenances and enticements. Heuchelei.. Shee enquires out all the great meetings. zwischen dem. S. 3ff. which are medicines for her itching. was er wirklich ist. feeble or soft” an und nennt als Quellen Lylys Midas von 1592 und an zweiter Stelle Overbury. the tassell shewes it selfe. and the land adjoyning.7) beinhaltet. „badly finished”. she brings a man to repentance. And to have done. Shee will sell her smocke for cuffes. ye may see it. Täuschung (Z. commonly.). in the light she listneth to parlies: but in the darke shee understandeth signes best. She is Salomons cruell creature. Thus she dresses a husband for her selfe. „common”. Diese Hinweise erweisen sich als einschlägig für das hier dargestellte Geschlechterverhältnis und nehmen die Ausführungen zum Eingeschlechtmodell wieder auf. dressing her selfe all day. die Frage nach der 64 65 Rimbault. was er anderen sagt und dem. 1f. is a purge.120 brother for her portion. aber auch Verkleidung und Maskierung sind die Motive. umschrieben. She gets much by the simplicity of her sutor. Verstellung. an denen der Gegensatz zwischen Innen und Außen.a. with one of her own degree. she is the cook and the meat. Damit wird die im England des 17. yet her vanity seldome matcheth her.” Rimbault. Her chiefe commendation is. and. 10-13.

).121 Lesbarkeit und Durchschaubarkeit des Menschen thematisiert.a.O.. der Sohn der geköpften Mary Stuart. 49f. a.O. London 1925. Overburys mehrfache Bezugnahme auf angemessene Kleidung könnte als Respons auf aktuelle gesellschaftliche Prozesse gewertet werden. S. die ihren Ausdruck in der Abschaffung der Luxusgesetze fand. läßt sich möglicherweise mit der Angst erklären. M.. dazu auch Rippl. Es handelt sich bei dieser Textsammlung folglich um eine Form höfischer Binnenkommunikation. Exzessive Kleidung war aber auch jetzt verpönt.das. So könnte das Porträt beispielsweise als Angriff gegen Frances Howard..” (Garber. ed. Diese sind wahrscheinlich als Verweise auf den zeitgenössischen Kontext zu verstehen. „Jakob I.O. die das höfische Umfeld als Kontext und Adressatenkreis nutzt. S.. 1993. versuchte die Luxusgesetzgebung in England. Daß dies Spott auslöst. daß Overbury hier catch-words in den Text eingebaut hat. 8) in manchen Textausgaben läßt darauf schließen.66 Die eingeschobenen Details haben die unmittelbare Funktion der Illustrierung bestimmter Eigenschaften.. Dies spiegelt sich in den characters. Hierbei fördern veranschaulichende Angaben die belustigende Wirkung des Charakterbildes.. Ihre zu Posen geratene. Garber spricht im Zusammenhang mit der Regentschaft James I von einer Kategorienkrise männlich/weiblich. idealisierte Welt mit typenhaften Charakteren beschreiben. unangemessene Mimik und Gestik stellt eine Verzerrung aristokratischer Verhaltensvorstellungen wie Sittsamkeit und Bescheidenheit dar. Ihre Familie gehörte zu Overburys Feinden.” Was gesellschaftlich gebrandmarkt wird ist der Exzeß. Bei Garber heißt es S. Die Anspielung auf die Bettlektüre macht deutlich. konzipiert worden sein. Transvestismus und kulturelle Angst. Verhüllte Interessen. S. hatte Angst vor starken Frauen . denn für die Frauenporträts bot das höfische Leben ausreichend Vorbilder. das Übermaß . Zum zeitgenössischen Hintergrund vgl. die Frau des Earl of Sussex. 97 mit Verweis auf Marjorie Garber.67 Dies läßt den pragmatischen Bezug der Gattung hervortreten. In diesen Romanzen geht es weniger um Handlung als um Charakteranalyse.. die eine aristokratische.. bis zur Zeit Jakobs I. 95. S. Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Verhaltensweisen und deren Übertreibung wird das Lächerliche des lasterhaften Benehmens deutlich erkennbar. A Cabinet of Characters. sondern mit den zur damaligen Zeit äußerst beliebten spanischen Romanzen68 („The Knight of the Sun” in Zeile 66 67 68 Vgl. 42: „Seit der Herrschaft Edwards III. die in der Renaissance im Hinblick auf nichtfixierbare Identitäten und das Aufweichen der Geschlechtergrenzen sowie somit letztlich auch von Sitte und Moral entsteht.a. a.a. 105 und Gough. Frankfurt a. Die Kursivsetzung von „marriageable” und „fourteene” (Z.und vor Frauen in Männerkleidern. was die Grenzen überschreitet. Die in hohem Maß rhetorischen Romanzen zeichnen sich durch traditionelle plots und unveränderliche moralische Weisheiten aus. notorisch bisexuell und überkandidelt. Gwendolyn Murphy. soziale Lesbarkeit zu gewährleisten und der hierarchischen Gesellschaftsordnung Anerkennung zu verschaffen. a. Frances Howard war 14 als sie heiratete. die damit wieder auf die neue Technik der Charakterisierung im Rahmen der characters (Typenbeschreibung mit individuellen Zügen) . daß sich die lasterhafte Frau nicht mit religiösem Schrifttum beschäftigt.

die heute als „Komik des Übermaßes”70 bezeichnet werden kann. Abergläubische. kann und soll dieses aber grundsätzlich niemals erreichen. daß sie mit einem Mann gleichgesetzt wird (wenn auch mit einem jüngeren Bruder). . Dargestellt wird nun eine aktive. an (Z. Andras Horn. Zur Abgrenzung von Charakterskizze und Porträt vgl. daß es noch keine festen Grenzen zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit gibt und der weiblichen Entwicklung das männliche Telos zugeordnet ist (so auch in Zeile 1 „towards man”). Mit dem Einsatz von wit und humour nimmt Overbury Elemente der Komiktheorie Ciceros auf. die als „Komik der Erniedrigung” formuliert werden kann. Die Frau wird als ständige Versuchung für die Männerwelt dargestellt (Z. daß es eine Art des Lächerlichen gebe. Stuttgart 1976. 26). A VERY WOMAN kehrt das in den Idealbildern aufgestellte Dominanzmodell um. (sexuell) aggressive Frau.): nur der Älteste erbt hier Besitz und Titel. Über den Redner. Auf die Bibel (Buch der Sprüche) wird rekurriert. die dieses Porträt mittransportiert. (§251). 67. Die „schlechte” Frau ist nicht begünstigt vom Schicksal. Argwöhnische. De Oratore. Cicero. die ganz besonders Lachen erregt . insbesondere die damalige Erbrechtsproblematik. Zur Rolle von Komik und wit siehe auch Teil A. Die Frau ist folglich in einer paradoxen Situation: sie wird am männlichen Maß gemessen. S.69 Die Funktion dieser Komik Overburys könnte darin zu sehen sein. Darin spiegelt sich einerseits noch einmal der männliche Maßstab für die Frau. Overbury nimmt hier die Be- 69 70 oder portraits (Beschreibung eines Individuums mit universellen Zügen) Bezug nehmen. Das Komische im Spiegel der Literatur. Würzburg 1988. so daß im Bereich des Landadels die jüngeren Söhne häufig einen gesellschaftlichen Abstieg in Kauf nehmen mußten. So heißt es in De Oratore... Es fällt auf. . Solche Charaktere sind an und für sich lächerlich. andererseits kommt jedoch auch zum Ausdruck. Alberne. handelt es sich jedoch nicht um Selbsteulogie. Marcus T. 12f. Prahlsüchtige.). Das Porträt spielt auch auf die rechtliche Position.18.122 11 ist der Held von The Mirrour of Princely deedes and Knighthood). die Diskrepanz zwischen Schein und Sein auf unterhaltsame Weise vorzuführen. und Persönlichkeiten dieser Art pflegen wir durchzuziehen. sondern letztlich um eine indirekte Auseinandersetzung mit den männlichen Schwächen. In der Kritik. ich meine das Mürrische. Einleitung. Sie wird demnach als ein durch Mangel an Männlichkeit gekennzeichnetes Wesen dargestellt. indem Salomons Hure erwähnt wird (Z. In der Übertreibung bringt Overbury schließlich auch Aspekte von Ben Jonsons Humour-Theorie (1599) zur Anwendung.

dieses dient aber lediglich als Folie für die literarisierten Zerrbilder. Er verkehrt Selbstachtung und Würde. S. das Fremde mindern. Allgemein ist das Lachen das plötzliche Gefühl der eigenen Überlegenheit angesichts fremder Fehler. wenn wir plötzlich der Minderwertigkeit eines Mitmenschen gewahr werden. um sie dann dem eigenen Wollen gemäß umzumünzen. Die Eigenschaften. Zudem neigt sie dazu. die Schwarzweißmalerei der dogmatisch spekulativen Annahmen der Zeit über die Frau auf. Übersetzt von M. Das Lachen wird hier als physischer Reflex beschrieben: Bei plötzlicher Freude über ein Wort. Dieses dient der Selbstversicherung des Mannes.71 Was die Vorstellungen über die Natur des Lächerlichen betrifft. und dies ist die Empfindung des Lachens . Dort wird das Negativbeispiel einer Gattin beschrieben. eine Tat. 12. . einen Gedanken.. . Vom Bürger.. Das Lächerlich-Komische wird von Thomas Hobbes in De Homine (1658) als Gefühl eigener Überlegenheit beschrieben. Vom Menschen. Die Fortsetzung dieses ersten Negativporträts erfolgt in HER NEXT PART. Die schlechte Frau verletzt durch mangelnde Kontrolle ihrer eigenen 71 Thomas Hobbes. die das eigene Ansehen erhöhen. Die Theorie des ridiculum mit ihrer Akzentuierung der Normabweichung und die damit verbundene Etablierung von Lastern und Torheiten als dem komödienhaften Gegenstand par excellence deutet zwar auf das moralische Substrat der Overburyschen Frauenporträts. lüstern und unkeusch. Hamburg 1959. Die lasterhafte Gattin ist eitel. die der Verfasser diesem AntiIdeal zukommen läßt. stützt sich Overbury möglicherweise auf diese Aussagen über das ridiculum. Beim Rezipienten erzeugen diese „komischen Bilder” Lachen. und ihre Eigenliebe kennt keine Grenzen. Die Lust am Komischen entsteht. Kap. werden außerdem häufig die Lebensgeister emporgetrieben. sie ist verschwenderisch und ihr fehlt jegliche Bescheidenheit („Her lightnesse gets her to swim at top of the table”). Frischeisen-Köhler.123 wertung nach absoluten Normen. die den moralischen Unterton verlassen und menschliche Schwächen zur Unterhaltung thematisieren wollen. sie schmiedet Ränke mit anderen Frauen und untergräbt damit die männliche Autorität. bezeugen wiederum die Präsenz stereotyper biblischer und biologischer Normen: die Frau ist geschwätzig72. Auch hier kann Overbury wieder als Repräsentant der höfischen Wettbewerbsgesellschaft gesehen werden. sich extravagant zu kleiden („Her devotion is good clothes”). 33.

a. 52. and resiteth by obeying. Der eitle Höfling (A COURTIER) wird ebenso verspottet wie der Schmeichler (A FLATTERER) oder AN AFFECTATE TRAVELLER („his religion is fashion. He allures. Eines der beliebtesten Ziele des Spotts im frühen 17.for all the folly in the country comes in cleane linnen to visit her: she breaks to them her griefe in suger cakes.a. erregte den Unmut nüchterner Betrachter.73 Die vom Puritanismus besonders gepflegte. 50f.”). Die Oberflächlichkeit und die Eigenliebe eines nach Schmeichelei verlangenden Menschen wird nicht nur in 72 73 Rimbault. for he is not that he appeares.“ Rimbault.. Vor allem der Aufwand. He makes his time an accomptant to his memory. S. unto the eare not harsh. dessen innere und äußere Beschaffenheiten divergieren. der mit der Kleidung getrieben wurde. He knowes passion only by sufferance. Er schreibt in seinem moralphilosophischen Traktat Vertues Commonwealth or the-way to Honour. Der Heuchler.. Unto the eye he is pleasing. S. many stories that conclude to no purpose. lenkte von den inneren Werten ab und wurde als Zeichen von Hochmut gedeutet. for they are the brokers of his observation.124 Rede und ihres Habitus (vox. wird zur Standardfigur. are in theyr owne opinion very gallant. is not allur’d by his affections. and his racke is smoothing..a.: „.O. and receives from their mouths in exchange. He wins not by battery. and full of windings: he is the prima materia. but unto the understanding intricate. and both body and soule are governed by fame: he loves most voyces about truth. im Grunde aber der christlichen Moral grundsätzlich eigene ethische Introspektion führt zur Unterscheidung von Innen. denn die unmäßige Aufmerksamkeit. but undermining. Jahrhundert war der Höfling als Verkörperung von Eitelkeit. sheweth the arrogance . but in the iudgement of the wise men they are but a blowne bladder. So heißt es über den Heuchler: A Dissembler Is an essence needing a double definition. die man dem Aussehen schenkte. and his intents give him forme: he dyeth his meanes and meaning into two colors.. and of the humours of men weaves a net for occasion: the inquisitor must looke thorow his judgement. Die in den negativen Frauenporträts dargestellten Schwächen und lasterhaften Verhaltensweisen thematisieren auch andere Skizzen der Sammlung.O. for to the eye only he is not visible.. a. painted ouer with many colours. Heuchelei erweist sich in der Gattung der Charakterskizze als ein Leitmotiv: Unaufrichtigkeit und Verstellung wurden bei Theophrast beschrieben und in La Bruyères Figur des Onuphre (De la Mode) ebenso dargestellt wie als Charakterzug in den nicht greifbaren Proteusgestalten und Chamäleons der Höflinge (COUR). stuft full of pride and envie: the brauerie without..for now he or she that can put themselues into a monstrous fashion. Henry Crosses Kommentar zu den Modetorheiten ist repräsentativ für so manchen Kritiker des gesellschaftlichen Umbruchs. and his countenance is the picture of the present disposition. a singular habit. vultus und gestus) Aspekte der kulturellen und sozialen Verhaltensvorstellungen der Zeit. he baits craft with humility.und Außenseite des Menschen. vor allem die innere Unwahrhaftigkeit oder Verstellung ist ein wiederkehrendes Thema. London 1603: „. and be straungely drest up.

die dazu gedacht ist..3 Overburys Konzeption der Frauencharaktere .O.. Overburys Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit folgt hierbei den allgemeinen Vorstellungen über das Geschlechterverhältnis im frühen 17. die jedoch als Einheit mit dem Mann zu denken ist. stereotype Rollen widerzuspiegeln und zu festigen. in Zeiten notorischer Unsicherheit (Be-) Deutungen und die Lesbarkeit zu sichern. wie obige Ausführungen gezeigt haben. Diese Menschenbilder sind kulturelle Schöpfungen. S.a. Die Frauenporträts entwerfen und repräsentieren Weiblichkeitsmuster. versuchen den Handlungsspielraum von Männern wie von Frauen zu definieren.. die aus heutiger Sicht nicht nur in fluiden Konzepten von Autor und Text zum Ausdruck kommt. a. for as there is no fire without smoake. In diesen Skizzen stellt sich die Frage nach der eindeutigen Bewertbarkeit. Overbury spricht die Schwierigkeit der Entlarvung an. Die Frau wird hierbei als untergeordnete Variante des Mannes verstanden. so in whom so euer such badges of vanities appeares. die sich durch die Möglichkeit der Verstellung ergibt. Dabei wird gewertet und kritisiert mit dem Ziel der Belehrung oder Unterhaltung. Als Dichter der jakobäischen Zeit ruft Overbury Geschlechterklischees als vertraute Vorstellungsmuster seines Publikums ab. die nicht zuletzt über ihre kontrastierende Paarung auf den Platz verweisen.125 A GOOD WIFE und dessen Gegenstück A VERY WOMAN behandelt. Ihre Andersartigkeit wird nicht absolut gesetzt sondern theoretisch steht die Möglichkeit offen. Die komplementäre Zuschreibung von ‘männlichen’ und ‘weiblichen’ Eigenschaften fällt. der Frauen im (nach-)elisabethanischen gender-Diskurs zugewiesen wurde. sich den männlichen Qualitäten anzunähern. um sie in ihrem Wahrheitsgehalt und in ihren psychologischen within. sondern auch in A GOLDEN ASSE und in AN AMORIST.” Zitiert in Platz-Waury.. 4. 74. Die Modelle des ‘Weiblichen’ und des ‘Männlichen’. Die pragmatische Aufgabe der Charakterskizze könnte somit darin zu sehen sein. . die in Bibeltexten und in der Literatur ihren Ausdruck finden. um sie zu festigen und nicht. wobei bei letzterem gekünsteltes Benehmen im Vordergrund steht.ein Zwischenstand Im Hinblick auf den Versuch einer Rekonstruktion der literarischen Gattung Charakterskizze ergibt die Untersuchung der Overbury Collection eine historische Alterität. it is a sure token there is a stinking puddle of vain glory within. und sie verkörpern eine Bildersprache. sondern auch in bezug auf das Geschlechterverhältnis feststellbar ist. Jahrhundert. im Hinblick auf eine positive Wertung zugunsten des Mannes aus: die Verteilung der Geschlechterrollen impliziert seine Überlegenheit.

geschwätzig und eitel oder abergläubisch ist. in der Sonettkunst greifbar wurde. Levinus Lemnius. Es erfolgt somit die Affirmation konventioneller Geschlechtervorstellungen. and to do noble things.. for envy causeth them to whet their tongues to kill their neighbors fame with detraction.. is their Inconstancie. and are not so fit for action. a..a. Bosheit und Unbeständigkeit sind die hervorstechendsten weiblichen Eigenschaften.75 74 75 Thomas Wright. Wenn die schlechte Ehefrau treulos und unehrlich. daß sie angeblich ihre Leidenschaften nicht zügeln konnte.126 Auswirkungen auf Männer und Frauen zu überprüfen oder aufzulösen. 96. for the most parte.a. The Secret Miracles of Nature.e. . 40f.. and because their languishing mind is soked into great moysture... where no better can be had. and upon every small occasion she calls off the bridle of reason. The fourth and most protrite and manifest vnto the worlde. carieth the traines of women. for lacke of witte they prize more then right reason requireth. a. by reason of a woman’s want of mind and counsell..O. S. Neid. or some small sparke of wit. Denn Eitelkeit und Eigenliebe. dann verhält sie sich ganz den damaligen Erwartungen entsprechend. . S. was auf den Einfluß der religiösen Mystik und der platonischen Verehrung zurückgeht. for beautie. The Passions of the Minde in generall. andererseits verurteilte man sie im Einklang mit der langen Tradition der literarischen Satire als Lockvogel des Teufels und Abgrund des Bösen. Zitiert nach Platz-Waury.B. wie sie z. Zitiert nach Platz-Waury. but to many pernicious. die dafür verantwortlich gemacht wurde. 96. S. wie Thomas Wright in seiner einflußreichen Schrift über die Leidenschaften 1604 schreibt: . women]. for want of naturall heat. which indeede. so that the faculties of their souls come forth more slowly. pride. London 1604. .. Einerseits idealisierte man die Frau. London 1658. yet four passions greatly possesse them [i.O.. Envie also the daughter of pride. Zwei grundverschiedene Einstellungen prägen hierbei das (nach-)elisabethanische Frauenbild und damit Overburys Konzeption der Frauencharaktere. The Secret Miracles of Nature (1658 ins Englische übersetzt) die geringen geistigen Fähigkeiten immer wieder für die weiblichen Fehler verantwortlich: For a womans mind is not so strong as a mans. 274f. .74 Diese Anhäufung von schlechten Zügen wurde häufig mit der Dummheit der Frauen erklärt. S.. her dullnesse and blockishnesse. but selfe-love maketh a littel to bee to much esteemed. whereby they are greeved at their equalles good proceeding: Whencefrom springeth another passion to them too naturall. . nor is she so full of understanding and reason and judgment. So macht beispielsweise auch Levinus Lemnius.

meeke in conuersation. Zitiert nach Platz-Waury. Vorbilder für diese verschiedenen Stilformen bieten einerseits die metaphysical poets. London 1579. Jahrhundert am häufigsten vorgetragene Definition der Tugend beschrieb diese als Mäßigung und Nüchternheit. keusche Frau das Korrektiv der Aufdringlichkeit und Laszivität der schlechten Ehefrau darstellt. andererseits macht sich im Streben nach pointierter Diktion.4). dem die meisten Frauen zuzuordnen waren. Vgl. denn letztere verbinden platonisches und aristotelisches Gedankengut mit der christlichen Ethik. Stuttgart 1992. to bee shamefaste in their visages.76 Diese beiden grundverschiedenen Einstellungen. wo Overbury der launenhaften unbeherrschten Witwe die kluge und bedachtsame Witwe gegenüberstellt (4. das auch bei Overburys Nachfolgern eingesetzt wird. 28. well regarding their liuinge. wie sie im Frauenlob und der Frauenschmähung zum Ausdruck kommen. A Treatise of Morall Philosophy. Jahrhunderts greifbar. Im Anschluß an Aristoteles wurden zwei Arten von Tugend unterschieden: die intellektuelle Tugend. not keepinge companies. . Hyperbeln. stedfast in promyse. wenn auch recht einfaches Differenzierungsprinzip. and constant in loue.O. S. conceits und Abstrakta arbeitet. temperate in words. erleichtert er dem Rezipienten das moralische Urteil.. Shakespeare-Handbuch. Diese Methode der satirischen Bloßstellung durch die Konfrontation mit dem Ideal wird auch dort beibehalten. So steht der leichtfertigen Frau die verantwortungsbewußte Ehefrau gegenüber. 76 77 William Baldwin & Thomas Palfreyman. wobei die geduldige. fol. die zur Willenskraft in Beziehung steht. der konkretere Vergleiche und detailliertere Anspielungen sucht.77 Daneben ist eine solche Kontrastierung ein grundlegendes. machen sich auf sprachlich-formaler Ebene durch einen Stilwechsel bemerkbar: der idealtypisch-heroische Stil. nach Kürze und Komprimiertheit der Einfluß Bacons bemerkbar. 199v. der mit Metaphern. Als Gegengewicht zu diesen schlechten Beurteilungen des weiblichen Geschlechts findet sich in einer Sammlung von commonplaces die folgende Charakterisierung von guten Frauen: .. pitifull in correction. 97. In der Konzeption der Frauencharaktere werden moralphilosophische Vorstellungen des 17.127 Einige Seiten zuvor führt Lemnius die Unvernunft der Frau auf die mangelnde Hitze beim Zeugungsakt zurück. und die moralische Tugend. Ina Schabert. die der Vernunft zugeordnet ist. Erstere (die dem Mann zugeordnet werden kann) wurde durch Lehre vermittelt. a. die letztere durch Einübung.. sober in goinge.. S. kontrastiert mit einem satirisch-witzigen Stil. Indem Overbury tugendhafte und lasterhafte Vertreter des weiblichen Geschlechts einander gegenübergstellt. Dieses ist im Beschreiten eines Mittelweges zwischen zwei extremen Positionen zu sehen. als das Beschreiten eines Mittelweges zwischen zwei extremen Positionen. ed. die nach der populären Meinung der damaligen Zeit auf das phlegmatische Temperament zurückzuführen war. Die bereits im 16.a. wise of wit.

wie war da eine Witwe einzuordnen? Nur auf die Ergänzung des Mannes eingerichtet. Die Negativporträts ersetzen abstrakte Bemühungen durch den Einsatz komischer Elemente. sondern wird auch in den übrigen Typenbeschreibungen mehrfach thematisiert. Diese Propagierungen des one-sex model aus männlicher Feder können somit zum Beleg der tiefgehenden Unsicherheit werden. ihre Derbheit und Anzüglichkeiten in vollem Umfang ein. als Rahmen lediglich die Bestimmung als Gattin. ausgespartes Dazwischen.ein zu erschließendes. 4. nur mit Gefühlen ausgestattet. wie sie beispielsweise in den conduct books bereitgestellt worden sind. die der Satire oder Komödie entlehnt sind. ohne männlichen Geist und Verstand. im Oszillieren zwischen fiktional-normativen Wunschbildern und realistischeren Angstbildern liegt demnach die Realität . Metaphern. als einzigen beherrschenden Lebensfixpunkt und Inhalt nur den Mann. Die Zuweisung von Geschlechterrollen innerhalb eines Patriarchats gefährdet besonders ein Frauentypus.4 Die Witwe . Dabei setzt Overbury den Reichtum der elisabethanischen und nach-elisabethanischen Sprache. steht sie zugleich innerhalb und außerhalb der Gesellschaft. Sie decken das Lächerliche. Sozial isoliert. die der drohende Verlust der absoluten. In der Kontrastierung von Frauenlob und Frauenschmähung wird die Charakterskizze zum Raum der Geschlechterdebatte. Gerade ältere Witwen . Hausfrau und Mutter gab. dienen als Veranschaulichung der Sittenlehre und treten an die Stelle wortreicher theoretischer Abhandlungen. Absonderliche und Auffällige der charakterisierten Personen mit satirischer Schärfe auf. Sie liefern in unterhaltsamer Weise Vorbildcharaktere. die Witwe. Analogien. ihre Mehrdeutigkeiten. das heißt.128 Overburys literarische Entwürfe der idealen Frau haben in ihrer exaltierten Art den Charakter von Wunschbildern einer idealistischen Phantasie. Er erzeugt Paradoxien. die eine Ursache für die Beliebtheit der Texte sein könnten. in diesem Modell festgeschriebenen patriarchalen Macht auslöste. ihr müßiges Leben sowie die Abhängigkeit von äußerer Anerkennung und Mode.„Shee never receives but one mans impression” Wenn es für eine Frau kein anderes zulässiges Lebensmodell als das einer Ehefrau. Dies geschieht aber nicht ausschließlich in den Frauenporträts. Gerade in der Darstellung von zu guten oder zu schlechten Frauen. Mit seinen literarisierten Zerrbildern führt Overbury Ansichten und Zustände der Hofgesellschaft an: ihre innere Unwahrhaftigkeit. was sollte man da von einer Frau ohne Mann halten? Die Witwe wird in den characters als kultursoziologisches Problem wahrgenommen.

78 Sie hatte einen freieren rechtlichen Status als die verheiratete Frau. sondern Körper und Seele dazu da sind. die ein gewisses feministisches Potential birgt. beauty and integrity of mind.O. Auch die historische Genusforschung hat sich mit dem kultursoziologischen Phänomen „Witwe” beschäftigt. VII. ist typisch für den puritanischen Diskurs. Die Witwe ist einerseits frei und unabhängig. die exemplarisches Verhalten vorschrieben. Auch hier geht es wieder um die Kontrastierung von Innen und Außen. schien die Möglichkeit offen. wurde das Thema Witwenstand in der einen oder anderen Weise behandelt..” .80 Die characters stellen die Witwe als aktive Frau dar. Dies bedeutete einerseits eine erhebliche Gefährdung der Lebenssituation und andererseits eine zunehmende Vermännlichung der Frauenrolle. a. . As a good woman she will know that the death of her husband is the greatest possible loss to her.a. wenn auch Overbury die Witwe mit Vorbehalt betrachtet. captain and master of her will. .. by the death of her husband is made free of will.. S. also quasi seine ‘Braut’ wird. daß Frauen in ungewöhnlichen Situationen zu voller Menschlichkeit und Männlichkeit gelangen konnten. die Situation der Witwe für das 17. but also the ruler of her moments. wenn man sein Leben ganz Gott widmet. zumal viele von ihnen arm und damit auf die Fürsorge angewiesen waren. Ihre Unabhängigkeit verwischt auf sozialer Ebene die Grenze zwischen Mann und Frau. . 78 79 80 Es verwundert nicht. 257: „Interessant ist. die frauenspezifische Beschränkungen transzendiert. In allen Anstandsbüchern. Vgl.O. Der Witwenstand ist damit prekär. das sie dann verwirklicht sieht.129 erschienen als sozial auffällig. die in ihrem Lebensbericht auf ihr Dasein als Witwe rekurriert: eine völlige Hinwendung zu Gott führe zu einer optimalen Lebensform. Damit stimmt er mit den Ansichten der zeitgenössischen Ratgeber und der medizinischen Literatur überein. läßt eine Dynamik der Geschlechterkonstrukte offenbar werden. Gottes Ehre zu vermehren. foundation of her life.. sie ist der Mond’. andererseits schutzlos wie eine Waise. Frauen in der frühen Neuzeit. Diese Möglichkeit. Vgl. guide of her actions. Jahrhundert folgendermaßen: „The widow. daß Mary Rich auf das Witwendasein zu sprechen kommt. Kap. München 1992.. Rippl.. Daß Mary Rich sich nicht selbst gehört. continence of body... Then when she is free to sin or not can be seen the chastity of habits. Abschnitt „Referenztexte”..a. S. even herself. Eine eigene Sicht auf das Problem des Witwenstatus zeigt sich beispielsweise bei Mary Rich. 126f. Ähnlich wie die Magd war sie „los und ledig”79. Die sechste Auflage der Overbury Collection enthält zwei Witwenporträts: A VERTUOUS WIDDOW versus AN ORDINARY WIDDOW. for with him she loses not only half of her own life. Da es noch keine festen Grenzen zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit gab und die weibliche Entwicklung der männlichen Seinsweise zustrebte. a. galt deswegen aber als „Anomalie”. Heide Wunder. and a heart of tender love. um Unechtheit und Eitelkeit.” Vgl. So beschreibt beispielsweise Kelso. ‘Er ist die Sonn.

She is like the purest gold. she accounts all the rest trifles. wenn er auch verdorben”. should she not performe his will: she would doe it. a.” In der deutschen Erziehungsliteratur findet man bei Campe: „.130 A vertuous Widdow Is the palme-tree. das Weib hingegen.ohne sie ein niedriges Gesträuch. dankbare und folgsame Gefährtin und Gehülfin seines Lebens sein sollte . mit ihr steht und mit ihr fällt .” Die stereotype Illu-stration durch das oak and ivy Bild bezeugt die Bewußtheit um den Rangunterschied. She thinks she hath travel’d all the world in one man. and for their sakes she marries no more.a. only imployed for princes medals. a. She lives to see her selfe full of time. the rest of her time therefore she directs to heaven. till shee be very aged: and even then. treue. auch nach dem Tod des Mannes. She hath laid his dead body in the worthiest monument that can be: she hath buried it in her owne hearte. Das Standardemblem von Efeu und Eiche thematisiert dieses Aufeinanderangewiesensein: „Eine Frau ohne Mann wie ein Efeu ohne Eiche” heißt es auch in der Erziehungs-literatur des 18. No calamity can now come neere her. zieht die Schamhaftigkeit aus.. This latter chastity of hers. is neither hope. Her maine superstition is. For her childrens sake she first marries. Vgl.. das von jedem Vorübergehenden zertreten wird.82 Die ideale Witwe führt ein zurückgezogenes. sie der Efeu. were there no prerogative court. der die Komplementarität der Geschlechter noch einmal treffend zum Ausdruck bringt: stirbt der eine (männliche) Teil. sich an ihm haltende und stützende. She gives much to pious uses. though her natural strength faile her. mit ihr den Stürmen trotzt. ich möchte sagen neu beschlagen lasse. dann kann auch der andere nicht mehr blühen (Z. monogames 81 82 Die Witwenpoträts finden sich bei Rimbault. She ought to be a mirrour for our yongest dames to dresse themselves by. so is she wrought into workes of charity. Als die . for in suffering the losse of her husband. S.daß der Mann des Weibes Beschützer und Oberhaupt... she stands like an ancient pyramid. nor longing.er die Eiche. das ihn umfängt und umarmt. der einen Theil seiner Lebenskraft aus den Lebenskräften der Eiche saugt. die sich ihm anschmiegsame. Jahrhunderts. nor feare. und dies könnte man insbesondere vom Trauerrocke sagen. the large joynture moves her not. that without any superstition in the world. titles of honour cannot sway her. Gough. shee never receives but one mans impression. Diese Textstellen zitiert Hildegard Westhoff-Krummacher. To conclude. without any hope to merit by them: and as one diamond fashions another. for in it.81 Dieses hymnische Vorbildportät beginnt mit einem Vergleich. is more grave and reverend. das den Rock auszieht. daß die ersten drei Frauenporträts von Overbury selbst stammen. To change her name. S. which the lesse it grows to mans eye. wie ein Wintergrün gegen einen Baum. with the dust or ashes of her husband. nor jealousie. were (she thinkes) to commit a sinne should make her asham’d of her husbands calling. when she is fullest of wrinkles. she thinks her husbands ghost would walk. 103. the neerer it reaches to heaven.a.. she is a relique. for she married that she might have children. Das Ehepaar wird als Einheit gesehen. than that ere shee was maried. „Ein Weib gegen ihren Mann soll sein. Während vermutet wird. that thrives not after the supplanting of her husband. und den Witwenstuhl nicht verrücke. being so necessary for earth. 2). als daß sie es bis ans Ende ihres Lebens bleibe.Ein Weib. though she will not be kist. werden die Witwenporträts einem unbekannten Autoren zugeschrieben.O. 1704 oder in Theodor Gottlieb Hippels Buch Über die Ehe von 1774 findet sich: „Einer Witwe ist nichts anständiger.. der mit ihr in die Lüfte wächst.O. 139-141. God cals her not to heaven. schreibt Abraham a Santa Clara in Heilsames Gemisch-Gemasch. yet may be reverenc’t.

a. gehören äußerste Bescheidenheit. Rang. Münster 1996. Sie heiligte den Witwenstand und interessierte sich für die einsetzbaren Kräfte der Witwe und ihr Vermögen. Sie hat keine eigene Form. hinterläßt der Ehemann seinen Eindruck bei der Frau. Zu den Tugenden. Dies wird vor allem möglich. Teil A. Die Kirche muß zu den Einflüssen gezählt werden. hier S.131 Leben in Keuschheit. so daß sein Urbild in ihrem Abbild unversehrt erhalten bleibt.). ebenso wie die Beziehung Imprese und „impression“. das Anspruch hat auf Individualität. Sie allein vermag sich über die Wiederkehr des Gleichen zu erheben und etwas Neues. Overbury überträgt hier nicht blasphemisch Gottes Rolle als Siegelbildner kühn auf den Erzeuger. wodurch die Frau lesbar und wiedererkennbar wird.O. das dem ehrenden Andenken ihres dahingeschiedenen Partners geweiht ist (Z. „one mans impression”).84 So wie Gott den Kreaturen ihre Signatur aufgeprägt hat. eine Einheit. Kap. sei es in der Welt der Buchstaben.. Die Furchen im Gesicht stehen für die Einprägungen und Erfahrungen. 192: „Es ist die Reproduktivität. die mit der Metapher des Prägens verbunden werden können: Während die Schreib. die eine Witwe von der Wiederheirat abhalten wollten. auf Eigennamen und Unsterblichkeit. Männliche Kreativität wird mit weiblicher Reproduktivität kontrastiert. wird der Mann zum Goldschmied oder Präger und zeichnet die Frau wie eine Münze mit dem Prägestempel.. ist das Schreibgerät.oder Druckfläche weiblich. der alle Dinge untereinander harmonisch sich verbinden läßt. Die Sicht der Frau in der Zeit der Aufklärung und im Biedermeier. die endlose Wiederholung vorgeprägter Muster. ein sichtbarer Zusammenhang zwischen beiden. Ebenso wie sich die Charakterzüge in einen Menschen einprägen. Der von der gestaltenden Natur gebildete Körper bedarf. Auch die Namenlosigkeit der Witwe läßt sich mit dem Charakterbegriff verbinden. der Prägestempel meist männlich konnotiert. wie Formen von sich selbst nicht verstehenden Lettern. Titel und dergleichen Eitel- 83 84 85 Frauen noch sanft und engelsgleich waren.85 Mit dieser Prägung entsteht eine Verbindung. etwas Ureigenes zu schaffen. „Die bessere Muse. einer syntaktischen Zusammenschau.83 Unterstützt wird diese Vorstellung durch den Einsatz der Prägemetapher. imprimere heißt nichts anderes als ‘prägend aufdrücken’). wenn die Natur wie Mikrokosmen auch den Makrokosmos bildet.”. . 2ff. Das Siegel und der das Siegel führt ist der Signatur auf dem Wachs überlegen. sondern rekurriert mit der aufgeprägten Zeichnung von Menschen durch „marks” auf die physiognomische Literatur der Zeit. S. II diskutiert. einritzen.. die sich für eine rechtschaffene Witwe schicken. Wichtig sind damit die geschlechtsspezifischen Implikationen. So konstatiert Assmann. die eine Frau im Laufe ihres Lebens gemacht hat („imployed for princes medals”. keinen eigenen Namen. die Weiblichkeitskonzepte mit dem Charakterbegriff verbindet und damit die Selbstreferentialität wieder mittransportiert.” Die führende Bedeutung der Prägemetapher für die Signaturenlehre (die Signatur aus der Impression) und ihr Übergang in die Schreibmetaphorik wird in Overburys Metatext „What a Character is”. sei es in der Welt der Natur. 467. Gegen die weibliche Form von Produktivität als Reproduktivität hebt sich die männliche Form von Produktivität als Kreativität ab. 46 und S. der Verzicht auf Ehren. Versammlungen. prägt sie (lat.a.

Notwendigkeit und Einfachheit sollten den einzigen Schmuck ihrer Kleidung ausmachen. die Ereignisse der wunderbaren Vorzeit mit der realen Gegenwart zu verbinden.86 Die Witwe soll zu einem Muster an Vollkommenheit werden. Der Satz „she ought to be a mirror for our youngest dames to dress themselves by.132 keiten (Z. 18f. 12f. Es ist auffällig.”). Sie soll exemplarischer Spiegel sein durch vorbildliches Verhalten. daß konventionellerweise im Jugend. 18. 5f. VI dieser Arbeit ausführlich untersucht.). Mit der diametralen Gegenüberstellung von alter Witwe und junger (Ehe-)Frau („fresh and alive”) wird ein weiteres Differenzierungskriterium geschaffen: die Kontrastierung von positiven und negativen Figuren. Höflichkeit und Milde sie auszeichnen. Der Text endet mit einer Pointe: die Witwe wird mit einer Reliquie oder einem Relikt verglichen. Kap. die Erinnerung an den verstorbenen Mann im Herzen zu bewahren. Dienst an den Armen und Kranken (Z. Aleida Assmann stellt fest: Die Relikte-Monumente haben die Aufgabe. Eine Erklärung dafür findet sich in der Vorstellung. den sie ebenfalls manifestieren.) enthält die Kleidermetaphorik und den Spiegelbegriff. 19f. Als Summum Bonum erweist sich wiederum die Keuschheit (Z. Sie lebt von der Erinnerung. sie ist Überrest. . 16f. das allen jungen Mädchen als Beispiel dienen kann (Z. Sie ist Erinnerungsträger an eine gemeinsame Herkunft und Vorzeit mit dem Ehemann und stumme Zeugin davon. die unterschiedliche Kombination moralischer Eigenschaften und die nuancierende Ergänzung wie das Alter lassen sich als Kontrast. wenn sie mit einem Monument („an ancient pyramid”. Die tugenhafte Witwe zeichnet sich durch Ataraxia. Der Lohn für diese Mühen ist ein hohes Alter (Z. Sie sind Brücken über den Abgrund des Vergessens hinweg.) und Unterweisung der Mädchen zu einem frommen Leben.und Korrespondenzrelationen benennen. fest einzuprägen („she hath buried it in her owne hearte. 14).). Demut. Die Witwe wird kurioserweise zum lebenden Denkmal.und Greisenalter die Neigung zu moralischen Fehlleistungen besonders beobachtet werden konnte. Zurückgelassenes und fungiert als Andenken an den verstorbenen Gatten.87 Die Witwe wird instruiert.). durch Unerschütterlichkeit und Gleichmut aus (Z. when she is fullest of wrinkles” (Z. So findet sich auch noch im heutigen Sprachgebrauch für das Wort ‘relict’ die Bedeutung ‘Witwe’. Die Witwe soll wie ein Spiegel sein. Dieses Bild ist den biblischen 86 Die zentrale Bedeutung des Spiegelmodells wird in Teil A.). die anderen deren Selbst sehen lassen. „worthiest monument”) verglichen wird. daß Overbury seine jungen und alten Frauen von den ihrem Alter gemäßen typischen Verhaltensweisen konzipierte.

S. die einem gemeinsamen konnotativen Bedeutungsbereich entstammen: der Sphäre der Edelsteine („diamond”).” Ebd. 55. she serves to many funerals. 6). Das heißt. S. nor feare.” Mit Bezug auf das Bild vom Herzen als Schreibfläche konstatiert Assmann: „Was dort im Innersten aufgeschrieben ist. das sich durch Festigkeit und Beständigkeit auszeichnet und als Halt für vergängliche Erinnerungen dient.133 „Tafeln des Herzens” entlehnt (Jeremia 31. gilt als unlöschbar. weist aber gerade stilistisch erhebliche Differenzen auf. Interessant ist auch die Verwendung von Vergleichen. .O. Die Akkumulation „nor longing. sie markiert die Spur des verstorbenen Ehemanns. with a very little altering the colour. a. ihre Tugendhaftigkeit zu akzentuieren. Ebd. ein realistisches Bild der Witwe zu liefern. Shee uses to cunning women to know how many husbands she shall have. Neben den bereits genannten sprachlichen Merkmalen ist auch in diesem Porträt wieder der Anfang bedeutsam. An ordinary Widdow Is like the heraulds hearse-cloth. nor jealosie” unterstützt den argumentativen Duktus des Porträts. bei der .bestimmte Lebensformen in stereotypisierte Figuren transformiert werden. Indem der Verfasser bezug nimmt auf Topoi der Ratgeberliteratur. 152. Erinnerungsräume. 6. des Schmucks („medal”) und der Kostbarkeiten („gold”).. wird die Charakterskizze zu einer Art Subgattung. 33. Das Herz der Witwe wird damit zur Körperschrift: „Körperschriften entstehen durch lange Gewöhnung. and never marries without the consent of six midwives. um diese dann dem Gelächter preiszugeben. Unterstützt wird die Metapher durch eine Anaphernfolge („for”). AN ORDINARY WIDDOW läßt eine satirisch-korrektive Wirkungsabsicht erkennen.”88 Die Witwe wird somit zu einem Gedächtnismedium. durch unbewußte Einlagerung und unter dem Druck von Gewalt. die begründenden Charakter hat.. Die Umschreibung der Witwe mit Metaphern aus diesem Bereich hat weniger die Funktion. Vielmehr besteht die Funktion dieser Sprachbilder darin. 243f. denn dort heißt es: „Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und es ihnen ins Herz schreiben.a. The end of her husband begins in teares. Deut. Sie haben die Stabilität und Unverfügbarkeit gemein. Ihre Kürze und die witty manner machen ihr Stilideal und ihre Eigenart aus. and the end of her teares begins in a husband. weil es unveräußerlich ist. Overbury orientiert sich hier an Konventionen der petrarkistischen Sonett-Tradition der Zeit. Die Pflanzenmetapher bringt den Kerngedanken des Porträts kurz und präzise zum Ausdruck: die tugendhafte Witwe zeichnet sich durch bescheidene monogame Zurückgezogenheit aus.wie die Komödie . Her chiefest pride 87 88 Assmann. S.

she seldom failes to coozen her second husbands creditors. observe her. but knighthood makes her draw in a weaker bow. Die Angaben zur Person. Her servants or kinsfolke. ein System gegenseitiger weiblicher Unterstützung. and by them she gaines: for one serves to draw on another. Die Orts. but loseth it againe in the old proverb: fama est mendax. as boyes doe pellets in eldern guns. and can make her case the better: but a knight with the old rent may do much. that most part of her plate and jewels (before the wedding) lye conceal’d with her scrivener. da sie konträr zur intendierten Abstraktion laufen und dem Leser erschweren würden. die Beschreibung ihrer Utensilien. Genauere oder ungewöhnlichere Personenbeschreibungen wären kontraproduktiv. Die Schwächen. Her fancy is to one of the biggest of the guard. Lastly. is lord but of a filthy purchase. die wir heute wohl als ein women-bonding beschreiben würden (Z. sie liefern den Anschein tatsächlicher Existenz der beschriebenen Gestalt. A churchman she dare not venture upon. Das heißt. schließlich Leichtfertigkeit und Sittenlosigkeit. was no doubt the Jacobean equivalent of the gay widows that figure largely in modern novels. sind Falschheit und Eitelkeit. sie haben deutliche Indizfunktion. ihres Habitus und ihres Aussehens werden als Mittel der Charakteristik eingesetzt. to put them away. If she live to be thrice married.). she is no morning woman: the evening. though he have candle-rents in the citie. 9f. for the title is crack’d. Thus like a too-ripe apple. das Paradigmatische zu erkennen. for she hath heard widows complain of dilapidations: nor a souldier. wie beispielsweise die Erwähnung der finanziellen Lage. without he shewes his exceeding great practice. She commends to them a single life. ‘tis upon a full stomack to bed-ward. for his estate may be subject to fire: very seldome a lawyer. Charles Gough stellt den Bezug zum Topos der lustigen Witwe her: The ordinarie widow. Sie bleiben allgemein und sind meist Zugaben zur Hervorhebung einer Eigenschaft. die dem Leser sofort die Zugehörigkeit des Typs zu einer bestimmten Gruppe von Menschen signalisieren. a good fire. she falls off her selfe: but he that hath her. 4f. 17-19). for a great comming in is all in all with a widow: ever provided. Ausgeschmückt wird dies mit zahlreichen sexuellen Konnotationen (Z. Es wird nicht versäumt. while she is a widdow. Dargestellt wird hier eine matriarchalische Macht. may make her listen to a husband: and if ever she be made sure. auf soziale Bräuche wie das Vorenthalten der Mitgift zu verweisen (Z. wobei die Übereinstimmungen mit dem Wesen und Verhalten des Dargestellten offensichtlich sind. and with one at last she shoots out another. die Overbury aufzeigt. and sacke. a character drawn with much coarseness.134 is in the multitude of her suitors.und Zeitangaben haben die Funktion der Ausschmückung und Beglaubigung. as horse-coursers doe their jades.). are the trumpeters that summon any to this combat: by them she gaines much credit. Oberflächlichkeit. In the comedies of this period we frequently see how widows tricked their creditors and . Die Einzelheiten haben hierbei den Charakter von Requisiten.

Frauen würden jede Schwäche eines Mannes schonungslos ausnutzen (um die Herrschaft im Hause an sich zu reißen). nach dem Tode ihres Mannes dessen Andenken hochzuhalten. Es sind ihre menschlichen Unzulänglichkeiten. London 1975. Todd hält fest: „So to discover that a few of these theatrical widows break the stereotype by rejecting matrimony comes as a pleasant surprise. Indirekt wird über diese Darstellungen die Schwäche des männlichen Geschlechts thematisiert: die Männer können sich der Tricks der Witwe nicht erwehren. 103f. and plays them off on each other after reserving the richest for herself. Hyperbolik und Metaphorik arbeitet. „The Remarrying Widow: A Stereotype reconsidered. Letztere wird damit umso vehementer kritisiert. ed. 1. Festschrift Walter Haug und Burghart Wachinger . die einige Züge der tugendhaften Witwe aufweist. Bd. Beständigkeit sind Werte. ist konstantes Thema in der Literatur. Über die Entdeckung sozialer Tugenden in der frühen Neuzeit”. in: Johannes Janota et al. dem Anti-Petrarkismus nahe.. Jahrhundert bieten zum Beispiel Jane Austens Romane ein ganz anderes Bild: Hier erscheint die Witwe als stark von der Vorsorge ihres verstorbenen Mannes und ihres Vaters abhängig und die Erwägung ihrer rechtlichen Stellung steht im Vordergrund: „That Lady Russell. So zielt der Vorwurf. Es gereicht ihr in den Augen der Gemeinde zur Schande. and extremely well provided for. sondern sucht sich gleich wieder einen neuen Gatten. so auch in Chapmans. der nach materiellen Gesichtspunkten bestimmt wird. a. She had several suitors attracted by her supposed wealth. needs no apology to the public. hier S. should have no thought of a second marriage.” in: Mary Prior. die mit Mitteln der Satire. Aleida Assmann.O.90 Auch das dichotome Arrangement der Witwenporträts weist die bereits beobachtete Stiländerung auf. Die Witwe.89 Die „gewöhnliche” Witwe trauert nicht um ihren Mann (Z. .” Erst im frühen 19. but Sir Walter’s continuing in singleness requires explanation. die wieder heiratet..135 suitors.). 92 konstatiert: „Ruhe. 54: „They made the old woman who would remarry a stock character of the comedy of manners. die bloßgestellt und kritisiert werden. Er nennt parallele Witwendarstellungen in der zeitgenössischen Komödie zum Beispiel Lady Ager in Middletons Fair Quarrel (1617). 21f. gegen die Frauen. „Vae Soli. eds.” . of steady age and character.” Barbara J. The Widow’s Tears (1605). 87-102. Die biedere Tugend der Beständigkeit wird im Späthumanismus zur hochaktuellen Strategie der Selbstbehauptung. hier S. Barbara J. S. 54-92. Damit widersetzt sie sich ihrer Hauptaufgabe.. S. 13. wenn sie ihm nicht ein angemessenes Begräbnis zukommen läßt und Trauer zeigt. than when she does not.” Persuasion. Während das hymnische Vorbildporträt in eulogisch überzogener Weise die tugendhafte Witwe lobt und hierbei stark mit stereotypen Formulierungen.. which is rather apt to be unreasonably discontented when a woman does marry again.. vor allem in der Komödie.a. Sicherheit. S. Hauptmakel der „unedlen” Witwe ist der Mangel an Beständigkeit. die darin bestand. Women in English Society 15001800. die auf dem Erfahrungsboden tiefgreifender Umbrüche und Wandlungen wachsen. Antithetik. Als Auftakt dieses Negativ- 89 90 Gough. London 1985. Possibly the widow impersonated by Witgood’s discarded mistress in Middleton’s ‘Trick to Catch the Old One’ supplied a general outline. Tübingen 1992. insbesondere der genauen Beobachtung arbeiten. S.. Todd. stehen die Negativporträts.

das den characters vorangestellt ist. und daher ist ein Gegenüber. die den Urzustand vor 91 Vgl. Overburys Lehrgedicht über die Ehe: „A Wife” Das im Rahmen der bisher untersuchten Porträts artikulierte Geschlechterverhältnis wird auch in Overburys Gedicht A Wife now the Widdow of Sir Thomas Overbury (1614) zum Ausdruck gebracht. auch die Begriffe Fruchtbarkeit. Dem Leser wird zum Abschluß der Skizze eine Abendszene vor Augen geführt. Dabei handelt es sich um eine lehrhafte Darstellung über die Ehe und die Wahl der Gattin mittels Kontrastgliedern. „souldier”. 5.136 porträts wählt der Verfasser einen ungewöhnlichen Vergleich. während Henry Parrot. 105. „lawyer”. wobei darin die Philosophie der Komplementarität der Geschlechter vertreten wird (Schlüsselwort ist „exchange”). „knight”) macht auch auf sprachlicher Ebene die Maßlosigkeit und Unersättlichkeit der Witwe deutlich. Legitimität. III. Die Fruchtmetaphorik kehrt in den Porträts immer wieder. Um dennoch anschaulich zu bleiben. Auf syntaktischer Ebene setzt der Verfasser zu Beginn Chiasmus und Parallelismus ein. die junge Frau mit folgenden Worten beschreibt: A young Novices new yonger wife Is a Codling in July that comes not to be ripe before September. „as horse-courses doe”). die an Eva erinnert.. und er wird direkt angesprochen: „observe her”. eine Entsprechung im anderen.O. . Das Gedicht codiert Verhaltensmuster für die Frau. Auch im Einsatz von Metaphern wird das Kontrastverfahren durchgehalten: so wird die alte Witwe bei Overbury mit einem überreifen Apfel verglichen. die ihre komische Wirkung gerade durch die Verbindung von Kontrast und Übertreibung gewinnt.a. In der Kontrastierung von „many funerals” mit „very little altering the colours” im zweiten Satz deutet sich das Strukturprinzip der Skizze an: sie arbeitet mit Kontrastierungen und Korrespondenzen. Die Ehe wird als hermaphroditische Konstruktion gesehen. der dem Mann nur so zufällt. Die Auflistung von potentiellen Opfern der Witwe („churchman”. Vgl. ein weiterer Verfasser von Charakterskizzen. die durch den Einsatz von Hyperbeln gesteigert werden. Mit Frucht verbindet sich neben der paradiesischen verbotenen Frucht. Produkt. 2. howsoever sooner pluckt for wantonnes more then of taste. resultatives Ergebnis. um die Neugier des Rezipienten zu wecken. Assmann.91 AN ORDINARY WIDDOW endet ebenfalls mit einer Pointe. wählt er im Mittelteil konkrete Vergleiche („as boyes doe”. notwendig. a. S. Damit ist wieder das zentrale Verfahren der Verfasser dieser Charakterskizzen benannt. Denn die Augen können das eigene Gesicht nicht sehen.

Im Mittelteil thematisiert Overbury geeignete Kriterien bei der Wahl der Gattin. part on the next depend. Wherein the very act is chastity. beseelten Gemeinschaft. Die Schlußstrophen. Erst durch den wechselseitigen Austausch erwächst ihnen beiden ihr volles Sein: Mariage. And after death in their posterity...a. unauflösliche Gemeinschaft. Den Stil hat Overbury möglicherweise aus den Skizzen übernommen ebenso wie die sorgfältig genaue Zergliederung bei der Darstellung seines Stoffes. the other his degree. That in that center his desires might stint. Gough. When considering the parallel passages . 34f. S. a. let it from the one His being take. ohne persönliche Empfindung. while here they living be. one. Darin heißt es: And of that love. And doubled are by being parted so. Whereby two soules into one body go..a.93 Das Lehrgedicht ist eine philosophische Reflexion. entspringt die gegenseitige Hilfe und Vervollkommnung. . die in knapper. That he a comfort like himselfe might have. deren oberstes Ziel die Liebe zum Gatten sein soll. kehren zum Anfangsaspekt des Gedichts zurück: der Grundlegung der Ehe als enge. oft epigrammatisch zugespitzter Weise dargelegt wird.O. Which makes two. In „A Wife” beschränkt sich Overbury auf die Aufstellung einzelner Hauptpunkte. eingehenderen Zügen ausgestattet als es eine Anweisung über die Wahl der Ehefrau sein kann.137 dem Sündenfall wiederherstellt. mit ihrer Forderung nach einer restlosen Anpassung an den Mann. part of their end Doth on this age.und Nachteilen. God to each man a private woman gave. a. Die Frau findet ihre Vervollkommnung durch den Mann in der Ehe. it must not be forgotten that character-writing will condense in a few terse words of prose a thought only expressed by several lines of verse.... Double is womans use. Sie ist auf ihn angewiesen wie er wiederum auf sie. And that on her his like he might imprint.O.92 Die Charakterskizzen sind in ihrer Art persönlicher gehalten und mit kleineren. Selfe-love (which second loves are built upon) 92 93 Rimbault. S. let reason father be. And passion mother. to all whose joyes two parties be. Aus der wahren Ehe. So behandeln die Anfangsstrophen das Wesen der Ehe mit ihren Vor. 107 hält fest: „The character of the ‘good woman’ seems to be a summary in prose of ‘the Wife’.” . die er dann ausführt und vertieft. der innigen.

so be she fit for me. Jungfräulichkeit. Ein detaillierter Einblick 94 95 96 Rimbault. wie es für das 17. and not to will. That is. Jahrhunderts. S.96 Fassen wir zusammen: die Frauenporträts vertreten ein traditionelles Weiblichkeitskonzept. vor allem das hier untersuchte Gedicht „A Wife“ großer Beliebtheit. No man but favours his owne worths effect. not man to her.94 An dieser Stelle zeigt sich.a. Paris 1639/1640 die Bestimmung der Qualitäten einer honnete fille als Vereinigung von prudence und discretion.138 Will make me (if not her) her love respect. erfreuten sich Overburys Texte. L’Honneste Fille. Dies gilt vor allem für die erste Hälfte des 17. daß Texte aus Texten gemacht werden. Diese Texte nennt von Ingersleben. Unschuld. 58..95 In der französischen Literatur beschreibt Ferdinand de Grenaille. insbesondere die mehrfache Betonung der Komplementarität und das Insistieren auf der hierarchischen Ordnung des Seins. 41. a. körperlicher Schönheit.a. .” Zeitgenössische Nachahmungen ließen nicht lange auf sich warten. sie verstehen die Frau als Variante des Mannes. Thellmann. With a Poeme of a Maid und 1653 Robert Ayletts A Wife not ready made but bespoken. 44f. Eine der letzten Zeilen des Gedichts erhielt sogar sprichwörtlichen Charakter: „He comes to near who comes to be denied. Was die Rezeptionsgeschichte betrifft. Die negativen Charaktere erzeugen als komische Bilder Lachen und erzielen eine unterhaltsame weniger moralische Wirkung in der Darstellung menschlicher Schwächen. a.O.und Verurteilung der vorgestellten Verhaltensweisen wird von einer Komik der Unzulänglichkeiten abgelöst. S. Brathwaites The Description of a Good Wife und Patrick Hannays Happy Husband 1619. S. Woman converts to man. an. Die moralische Be. Mäßigkeit.. to love must frame: For when by mariage both in one concurre. Vgl. a.O. to will. the same: My wife is my adopted selfe. A Second Select Husband von John Davies 1616. Overburys Skizzen knüpfen an etablierte Geschlechterkonventionen. As good and wise. O. christlicher Mildtätigkeit und Liebe.. so what I love. 1631 folgt Wye Saltonstalls Picturae Loquentes. Jahrhundert allgemein postuliert werden kann. Or Pictures drawne forth in Characters. a. and she As me. The Husbande mit Kommentaren von Ben Jonson erschien 1614.

Eine subversive Kraft. Das charakterologische Interesse der Zeit und der damit verbundene Reiz gesellschaftlicher Diagnostik. illustrativer und paradigmatischer Weise. auf der . ebenso wie der spielerische Umgang mit dem Material als unterhaltsame Übung werden als Antriebskräfte im Abfassen der Charakterskizze deutlich. welche Eigenschaften sie fordern oder billigen.jeweils unter dem Etikett „lasterhaft” verhandelt . ist als Intention der Autoren der Overbury Collection nicht ablesbar. bestehende Zuordnungen zu verfestigen. wie sich die Verfasser tugendhaftes Verhalten im konkreten Fall vorstellen. Die einerseits satirisch. Die Overbury-Sammlung verdeutlicht die Alterität des Denkens in bezug auf Autor. inhärente Widersprüche der patriarchalischen Ideologie bloß zu legen. die daraus resultiert.wird abgelehnt.moralische Urteil. Auch lassen sich Bezüge zu den in der Komödie figurierenden Charakteren ableiten. Wesentliche Züge des Genres sind an dieser Textsammlung ablesbar: es handelt sich um die Darstellung von Typen in zusammengesetzter.im Mittelmaß bestehende . Die sich aus den Merkmalsoppositionen und Beziehungsmustern ergebende Perspektive vervollständigen gesellschaftliche Außenseiterinnen wie die Witwen. die in den Referenztexten bereits angelegt sind. Jedoch erst aus der Zusammenschau gewinnt der Rezipient das richtige .wie das nächste Kapitel zeigt . indem sie kultursoziologische Phänomene aufnimmt. Durch die Interaktionen und Beziehungsmuster zwischen Mann und Frau wird die hierarchische Zuweisung von Eigenschaften und Verhaltensweisen dargestellt. andererseits idealtypisch angelegten Zeitbilder stellen eine heterogene Ausgangsbasis dar. Als Gattungskonstitutiva erweisen sich Kürze und Offenheit. .und Textkonzepte und veranschaulicht die Bedeutung der Gattung in ihrer Stellung zwischen Literatur und Gesellschaft.139 darüber. ist am deutlichsten aus der differenzierteren Zeichnung des Lasterhaften zu gewinnen. Die Umkehrung von Geschlechterrollen in den Negativbildern wird dem Lachen preisgegeben und dient dazu.die Nachfolger Overburys aufbauten. Letztlich läßt die Darstellung des Negativen präzisere Rückschlüsse auf Einzelheiten des Idealbildes zu als die eher allgemein gehaltene Charakterisierung der vorbildlichen Typen. Verschiedene Autoren bearbeiten das Genre und variieren Grundschemata. Die Inversion der Rollenverteilung („die männliche Frau”) .

Nicholas Bretons symmetrie. das Briefe. Seine Mutter war zunächst mit einem wohlhabenden Kaufmann verheiratet. der Vielfalt und Individualität der characters geht es mir vorrangig darum. Jahrhunderts. sozial. Breton studierte möglicherweise in Oxford einige Jahre. pastorale und religiöse Ge- . Wye Saltonstall und William Habington steht noch unter direktem Einfluß der Overbury Collection. Gruppierungen von gleichzeitig entstehenden und Verbindungen zwischen aufeinanderfolgenden Werken wahrzunehmen. wealth and fame will bring. Jahrhunderts darstellt? Beinhaltet jede Transformation auch eine Wertung? An welchen Gattungstraditionen partizipieren die Texte? Läßt sich trotz thematischer Kontinuität eine strukturelle Digressivität feststellen? In der Zusammenschau des Reichtums. die das „missing link” zum Roman des 18. Sein umfangreiches Werk. Wie sieht nun das Verhältnis zwischen der Übernahme tradierter literarischer Muster und der eigenständigen Leistung der Autoren im Einzelnen aus? Mündet das Umschreiben bekannter Muster und die Kombinationsfreude der Autoren in einer Schreibweise. 1. zog dann nach London. thou hast the thing That when it comes.” (William Shakespeare) Über Nicholas Bretons (1545?-1626?) Biographie gibt es nur spärliche Hinweise. kennzeichnet den Schaffensprozeß dieser Verfasser in der ersten Hälfte des 17. später dann mit dem Dichter Robert Cascoigne. Topoi.und wirtschaftsgeschichtlichen Prozessen können dabei nur skizzenhaft sichtbar werden. Argumente oder Epitheta wiederholen. der Dichtung als „kreative imitatio”97 versteht. läßt sich auf dem Gebiet der formalen Komposition eine Varianz feststellen.und geschlechterspezifische Züge hin zu verallgemeinern und schließlich die Dynamik literarisch artikulierter Geschlechterbeziehungen zu rekonstruieren. um sich ganz der Dichtkunst zu widmen. die Einzelbeobachtungen an den Texten auf epochen.und ordnungsmächtige Justierung „Well Breton write in hand. innerliterarische Perspektiven stehen im Vordergrund. Henry Parrot. intertextuelle Bezüge auszumachen.140 III. Zusammenhänge mit mentalitäts-. Formale Varianz und inhaltliche Konstanz der Frauenporträts Die Autorengruppe mit Nicholas Breton. loue. Während die unterschiedlichen Autoren auf inhaltlicher Ebene materiale Elemente wie Motive. unter dessen Einfluß die ersten Arbeiten entstanden. Der Renaissancegedanke.

Sein Prosawerk Charac- 97 98 99 Vgl. . S. denn er hat als erster eine Beziehung zwischen Essay und character explizit hergestellt. dazu Teil A.141 dichte sowie Satiren beinhaltet. I. Jahrhunderts erheblich nach. Ferner hatte das maßgebende Restaurationspublikum eher geringes Verständnis für Bretons moralisch-religiöse Erbauung.. Schabert. religious. Countess of Pembroke. Breton mußte dem besonderen literarischen Geschmack einer Frau. ein Lobpreis weiblicher Tugenden. von der er abhängig war. der gerade die populären Stiltendenzen seiner Zeit aufnahm. verfaßt. entsprechen.a. Das DNB bewertet Bretons Werk folgendermaßen: As a literary man Breton impresses us most by his versatility and his habitual refinement. and as a consequence he wrote too much. Kap.99 Für die Entwicklung des Genres liefert Breton einen wichtigen Beitrag. Dazu mußte ein Autor.98 Dies unterscheidet Breton von den Autoren der Overbury Collection. deren concettistischer Stil dem klassizistischen Kunsturteil der Restaurationsepoche als abstrus und unklar erschien. 102 faßt das Thema Patronage unter das Stichwort „doppelte Autorschaft”. Wit and Wisedom (well considered) would us rather honour than disgrace“. die noch keinen literarischen Markt entstehen lassen konnten und ein freies Schriftstellertum ökonomisch hätte tragen können. a.” Möglicherweise teilte Breton das Schicksal der metaphysical poets. 1597 erschien das Gedicht The Arbor of Amorous Deuices. „Wherein young Gentlemen may reade many pleasant fancies and fine Deuices: And thereon meditate diuers sweete Conceites to court the loue of faire Ladies and Gentlewoman“ und das Prosawerk The Praise of Vertuous Ladies. wurde teilweise unter dem Mäzenatentum der protestantischen Mary. Dem stehen außerdem die häufigen und drastischen Zensurmaßnahmen und die Abwesenheit jeglichen Urheberschutzes entgegen. Englische Literaturgeschichte. written against women whom Nature. Bretons Popularität ließ in der zweiten Hälfte des 17. He is a satirical.O. But he wrote with exceptional facility. „Mit dem Phänomen der Patronage reagiert die Frau der Oberschicht auf die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Norm weiblichen Schweigens und ihrer realen Machtposition in der Gesellschaft. die vermutlich dem Adel angehörten und das Schreiben von Charakterskizzen als Teil humanistischer und höfischer Kultur betrieben. Für die Frauendarstellungen bedeutete dies. Breton schrieb unter Rahmenbedingungen. romance and pastoral writer in both prose and verse. Schönheit und Erziehung. mit dem Zusatz „an invective written against the discourtous discourses of certaine malicious persons. bei einsetzendem Geschmackswandel an Beliebtheit einbüßen.

so muß die Kultur des Geistes gegründet werden auf die Kenntnis der Unterschiede der Charaktere. Der Manierismus in seiner englischen Ausprägung des Euphuismus zielte auf die Darstellung von „Wirklichkeit” durch einseitiges Interesse am Problematisch-Interessanten. so daß eine uneigentliche Sprechweise entstand. Dessen Essays zielen auf die didaktische Vermittlung sozialer Verhaltensnormen mittels unvoreingenommenen Beobachtens. . nach welchen sie in den verschiedenen Charaktertypen zusammenwirken. . spricht er sich in der Widmung näher aus: Worthy Knight. die inneren Verhältnisse. die Transparenz und die logische Funktionalität der rhetorischen Kunstmittel. die auf das Stilideal der Restaurationszeit vorausweisen und eine Veränderung gegenüber dem manierierten Prosastil des Euphuismus bedeuten. I beseech you among those Apes. die Themen 100 101 Bacons Essays dokumentieren das Interesse am Charakter.. Die einzelnen Affekte. die ihm wohl in der 1612. Die Klarheit der Begriffe und ihre Diktion. Vgl. Breton versucht nun.. dessen Dispersed Meditations 1597 erschienen waren und 1612 als erweiterte und völlig überarbeitete Version unter dem Titel Essays publiziert wurden. by such as when I lookt vnto the forme or nature of their writing I haue beene of the conceit that they were but Imitators of your breaking the ice to their inventions .102 Breton ist offenbar bestrebt. S. I haue read so many Essayes and a kinde of charactering of them. Now for myselle unworthy to touch neere the Booke of those Diamonds or . denn im ersten Teil entwirft der Verfasser eine Charakterologie: wie die Agrikultur eine Kenntnis der Verschiedenheiten von Boden und Klima fördert.100 Diese spätere Auflage zeichnet sich durch gliedernde und verknüpfende Passagen. Anekdoten und Exempla sowie die Einfügung illustrierender und präzisierender Metaphern und Vergleiche aus.. Stilprinzip war die Vereinigung von Disparatem durch überreiche Verwendung von Tropen. and as a Monkey that would make a face like a man and cannot. and make Use of them to good Purpose (1615) widmet er Francis Bacon.. . durch eingeschaltete Zitate. 1613 oder 1614 erschienenen Ausgabe vorgelegen haben... oder die Medizin eine solche der Körperunterschiede.142 ters upon Essaies Morall And Divine written for those good Spirits. das dann ins Groteske verzerrt wurde.. Stuttgart 1960. so to write like a Scholler and am not: and thus not daring to adventure the Print . Wilhelm Dilthey. Bd. I leaue these poore Travells of my Spirit to the perusing of your pleasing leisure .. II. ihre Bedingungen. that would counterfet the actions of men to play the like part with learning. 448f.. without your favourable allowance . Bacons Argumentation gipfelt immer wieder in prägnant formulierten Aphorismen. Bizarren und Monströsen. die durch logische Antithesen und syntaktische Parallelismen gekennzeichnet ist.101 Über das Verhältnis zu den Baconschen Essays. wählt Breton als Vorbild für sein erstes Prosawerk. in: Ders. „Weltanschauung und Analyse des Menschen seit Renaissance und Reformation”. dem Werke Bacons die Art der zwanglosen methodischen Reflektion zu entlehnen. 6. vouchsafe me leaue yet.. Gesammelte Schriften.. Auflage. that will take them in good Part. sind auch Bacons Themen. Metaphern und Concetti..

103 Wenn Breton seine characters mit den Worten beschreibt „their natures are divers”. and make Use of them to good Purpose. ed. Prosakunst ohne Erzählen. „Wisdom” oder „Peace”. that will take them in good Part. Breton verfolgt dabei ein dualistisches Prinzip.. Breton selbst zielt nicht auf Klarheit. Thematisch behandelt das 1626 erschienene Werk Fantasticks. das das Wort character nicht im Titel trägt. Breton möchte einen moralischen Mikrokosmos entwerfen und ordnet seine Porträts streng hierarchisch. wie sonst üblich. so trifft dies nicht nur für seine characters zu. Klaus Weissenberger. ähnlich den Fürstenspiegeln. Serving for a Perpetual Prognostication Aspekte wie „The World”. Er beginnt mit König. Mit scharfem Blick registriert er die Fehler. Tübingen 1985. Den systematischen Aufbau.für die Entwicklung des literarischen Genres allgemein. wie wir seiner Lektüreanweisung entnehmen können: read what you list and understand what you can. sondern auch für die darin verwendeten Schreibweisen und . sondern der Aufbau des Werkes folgt einem vorgefaßten Plan. Dazwischen erscheint als konkretes Seitenstück 1616 Bretons The Good and the Bad. Where the best may see their Graces. Auch in der Darstellungsweise lassen sich Parallelen erkennen. die politische auf. Die Gattungen der nicht-fiktionalen Kunstprosa. Dieses Werk. „Money”. um eine lose Aneinanderreihung einzelner Charakterskizzen. London 1615. though they be writ in our mother tongue. Beide zeichnen sich durch eine Offenheit gegenüber der Erfahrungswirklichkeit aus.104 Hier handelt es sich nicht. Zum Essay als nicht-fiktionaler Prosaform vgl. Königin. S. or Descriptions of the Worthies and Unworthies of this Age. Characters upon Essaies Morall And Divine written for those good Spirits. and the Worst discerne their Basenesse. ist ganz der Darstellung typischer Charakterzüge von Personen gewidmet. Dabei zeichnet er sich durch genaue Beobachtung 102 103 Nicholas Breton. . Die Beschreibung der „Unworthies” gibt Breton Spielraum zur Entfaltung von Humor und Satire. So tragen die Kapitel Überschriften wie „Of young Men and Age”. die sentenzenhafte Pointierung und die epigrammatische Prägnanz streben Bacon und Breton an. die vier Jahreszeiten oder die zwölf Monate.was zu zeigen sein wird . 105-124. „Love”. Das genaue Beobachten menschlichen Verhaltens ist Grundlage sowohl des Essayisten als auch des Verfassers von Charakterskizzen. Stände und Berufe werden erfaßt. Prinz etc. Damit tritt eine neue Tendenz. deren Vertreter er einmal von ihrer guten und das andere Mal von ihrer schlechten Seite schildert. Schwächen und Lächerlichkeiten seiner Zeitgenossen.143 Bacons mit der Schreibweise Overburys zu verbinden. Characters are not every man’s construction.

and the King’s second self. die der Autor hier vorführt.a. Die Frauenporträts beschreiben A VIRGIN. Breton beschränkt sich nicht nur auf eine Charakterisierung der Verstorbenen. Sie offenbart sich bereits im Titel. der Zeichnung eines Bildes der Monarchin in Wort und Bild. die das Gesamtwerk zu einem logischen und wirkungsvollen Ganzen zusammenführen soll. S. arbeitet aber den Gegensatz zwischen Tugend und Laster noch schärfer heraus. So produziert die Syntax symmetrische Sätze. Ein Gutteil der Literatur der frühen Neuzeit hat ihren offenkundigen oder latenten Mittelpunkt in der mythischen Überhöhung Elisabeths („cult of Elizabeth”). Mit diesem Prinzip der Zusammenhanglosigkeit („atomi- 104 105 106 Zitiert in Thompson. the beauty of her court. A VIRGIN versus A WANTON WOMAN).144 und die Wiedergabe minutiöser und doch zur Charakteristik einer Person wesentlich beitragenden Züge aus. dann auch in der Anlage des Werks. and the wealth of the kingdom in the fruit of her love. da das Ausmalen und Unterstreichen durch Umgebung und Begebenheiten kaum eine Rolle spielt. a. AN UNQUIET WOMAN und A GOOD WIFE. so erkennt man den Einfluß Overburys. 179.a. Im Rahmen dieser Arbeit kann auf das Frauenbild der Herrscherin nicht eingegangen werden. and wisdom’s love in virtue’s beauty. Lichtenberg. the joy of the country and the comfort of the King. Wie bei Overbury variieren die Typen der Sammlung neben dem Geschlecht auch in Beruf. Mit diesem Porträt zeigt sich aber eine politische Dimension. Solche Wertungen liefern aber kaum einen Erkenntniswert. 53. A GOOD WIFE).” Zitiert in Aldington. she is the handmaid of God. and in his grace the beauty of a kingdom. Breton stellt erneut guten Charakteren schlechte gegenüber. She is the pure diamond upon the king’s finger and the orient pearl unprizeable in his eye. a. She is the chief of women. die die „magnamity of her father and the mildness of her mother” vereinigte. 20.. er gedenkt auch des blühenden Zustandes des Königreichs unter ihrer Regierung: „A Worthy Queen is the figure of a King. A QUIET WOMAN. under God in his grace. Gesellschaftsklasse oder Alter. Nur bei wenigen Typen fehlt die Kontrastfigur (A WORTHY QUEEN105. Bretons Skizze klingt wie ein Lob auf die britische Nation. . die in den polemic characters zur vollen Entfaltung kommt.O.. Bretons Stil ist als „unsinnlich”106 bezeichnet worden. In sum.und ordnungsmächtige Justierung. A WANTON WOMAN.. She is reason’s honour in nature’s grace.O. Diese Lobrede auf die bewunderte und verehrte Königin zollt der Begründerin von Englands Macht und Wohlstand begeisterte Anerkennung. führt Breton eine formale Ordnungsdemonstration vor. Nicht nur im Plan des Gesamtwerks. S. Die große Frau wird als männlich vollkommene Frau thematisiert. She is like the moon that giveth light among the stars and but not the sun gives none place in her brightness. indem er dem Idealbild das unwürdige Pendant unmittelbar folgen läßt (A QUIET WOMAN versus AN UNQUIET WOMAN.O. Klassifiziert man sie. hath a great power over his people. sondern auch auf syntaktischer und semantischer Ebene der einzelnen Skizzen. Entscheidender erscheint mir die symmetrie. Die Tendenz Bretons kann als stark moralisierend bezeichnet werden. S. a. who.a. und fast jeder Satz könnte aus dem Zusammenhang genommen in irgendeiner Aphorismensammlung als witziges conceit erscheinen. and the grace of her sex in the royalty of her spirit.

the mother of grace.. 272f.108 Die formelhaft verdichteten Nominalsätze in diesem hymnischen Vorbildporträt sind besonders auffallend. her meditations angellike. Breton charakterisiert direkt durch Aufzählung von Eigenschaften und Tugenden. Jahrhunderts annimmt und als Ausdruck der nominalistischen Philosophie wertet. the honour of reason. the grace of youth. Breton baut die Skizze systematisch auf: nach einer allgemeinen Einleitung. 273. ed. her exercise goodness. In their invariability they have the virtues of well-defined nouns. and the nearest to the best. and has fewer clauses and complex sentences and less variety of sentence patterns.. the praise of the worthiest. and the comfort of age. Her study is holiness. dem nominalen Viererschema. Her conversation heavenly. and her love is charity. Character Writings of the Seventeenth Century. ähnlich wie in der Buchführung. Her life is a pilgrimage. das wiederum traditionelle Motive aus der Ratgeberliteratur aufnimmt: A virgin is the beauty of nature. a. her labour patience. Wiederholungen und verschiedene Figuren der Häufung. Her countenance is modesty. während Overbury diese eher beschreibt. She is the blessed of the highest. London 1891: A Virgin S. They are the pale. was seine Frauenporträts betrifft. her wealth grace. the sister of love... more esoteric or technical. She is of creatures the rarest. her diet abstinence. of nature the purest.145 sches Prinzip”) läßt sich ein Stilmerkmal Bretons benennen. well-behaved verbs whose meaning is not affected by their subject or context. 274. 273f. her kindred’s honour. where the spirit gracious makes the creature glorious. Vergleiche. and her name an honour.a. Gerade die Häufung von charakterisierenden Angaben (enumeratio. she is the daughter of glory. A Quiet Woman S. folgt die Auflistung durch ein Viererschema und schließ- 107 108 Die Nähe zum „nominal style”. wie ihn Adolph. An Unquiet Woman S. her prayers devout. of women the chiefest. and her own felicity. ist dabei unverkennbar. formal bedient er sich . Diesen „Buchhaltungsstil” praktizieren vor allem die zeitgenössischen Familienbüchern. Inhaltlich nimmt Breton. the love of the noblest. 272f. and of wisdom the choicest. and her care conscience. Die Bedeutung dieses Stils wird von ihm wie folgt beurteilt: „Nominal style is more impersonal.O. and her hopes divine: her parents’ joy. her grace humility. S.im Sinne von bei Overbury noch nicht verhandelt .107 „Neu” . her country’s fame. her description a wonder.ist das in Vollkommenheitsrhetorik gehaltene Bild einer Jungfrau. She is the love of virtue. and her fame constancy. In sum. 247ff. and the beloved of life. insbesondere für die zweite Hälfte des 17. die Themen Overburys auf. her death but a passage. mere markers to indicate distinctions and logical processes to the reader. A Good Wife S. congeries) ist ein wesentliches Stilmittel der zeitgenössischen Dichtkunst. Es handelt sich um eine reine Aufzählung. her speech is truth.” Henry Morley. A Wanton Woman S.eines neuen stilistischen Instrumentariums. Als zentrale Verfahren wählt Breton Gedankenvariationen.” Zur Funktion der Verben konstatiert er: „In a nominal style the verbs are chiefly operative. Her virtue continence.wie wir sogleich sehen werden . so daß die Skizze zu einer Liste oder Addition wird. .

des Vaterlandes und der Familie. in quality a wagtail. in der die richtigen Verhaltensnormen eingeübt werden. Beten und Arbeiten) Jungfrau kann aber auch andererseits mit junger Frau assoziiert werden..O. So ergibt sich ein Spektrum positiver weiblicher Qualitäten wie Anmut und Güte. und dann nimmt dieses Bild die Thematik der Stufenfolge eines Frauenlebens auf. 186. ist auf das barocke Ideal der Regularität zurückführbar. S. Das Mädchen muß lernen. Schweigen und Sanftmut zu üben.a. Die Parallelkonstruktionen geben dem Thema eine entspannte Regelmäßigkeit.. Schweigen. kontrastiert mit dem herben Urteil und der Verachtung von A WANTON WOMAN. in nature an ape. S. Her beck is a net. der in der Tradition der metaphysical poets steht. Die systematische Absicht. Diese Vorstellung von der Vollkommenheit eines weiblichen Wesens. dessen Kennzeichen eine unbefleckte Empfängnis. Smeed. Das Viererschema Bretons („his strange passion for arranging his ideas in four”109) wurde in der Forschung als Quadromania registriert. Die Darstellung knüpft inhaltlich an das biblische Marienbild an. Antithesen.a. hier S. a. Demut und Leiden sind. Demut und Gehorsam. in countenance a witch. a. and in condition a kind of devil. „Nicholas Breton Character-Writer and Quadrumaniac”. 63. die Breton als „the figure of imperfection” bezeichnet und damit die Gefahr der gierigen Frau beschwört: A wanton woman is the figure of imperfection. Allegorien. Dies alles zu Ehren Gottes. Die Zeit als junges Mädchen wird als Phase dargestellt.146 lich die Zusammenfassung beginnend mit „In sum”. In Komposition und Struktur verfolgt Breton ein geometrisches oder mathematisches Prinzip des Gliederns. Chiasmus. 59-67. Garten. Anaphern. Es wird einerseits das Bild der gottgefälligen Jungfrau oder lebenden Heiligen aufgebaut (Fasten. das einen „singsong. Alliteration. Mitgefühl und Nächstenliebe. Akkumulation. in: Collected Studies by Chester Noyes Greenough. Breton vermittelt seine moralische Absicht und das religiöse Pathos durch einen hochrhetorischen Stil. her word 109 110 Greenough.oder Kirchenarchitektur zu beobachten ist. Der Einfluss biblischer Diktion ist erkennbar. Gebet und Frömmigkeit. die Idealisierung der anmutigen Jungfrau. Parataxe und Parallelismus gibt er dem Text seine sprachliche Gestalt. insbesondere der den Psalmen eigentümliche Parallelismus der Glieder findet in den ausgewogenen syntaktischen Symmetrien Anwendung. . hypnotic effect”110 bewirke. Durch rhetorische Figuren wie Metaphern. wie es auch in der barocken Schloß-. die hinter diesem Schema steht.O.

and doth she thinks not what. die Häufung von Metaphern (neu ist die Verwendung von Tiermetaphorik) und Vergleichen. Her discourses are fables. showeth kindness and loveth peace. her vows dissimulations. and her neighbours’ example in the notes of a good nature.147 a charm. entzieht sich einer konkreten Beobachtungssituation. and her company a confusion. a saint in her heart. z. She is a jewel unprizeable and a joy unspeakable. Die Vielfalt der Vorzüge. She is youth’s plague and age’s purgatory. time’s abuse and reason’s trouble. a lamb in her meekness. Her ways are the walk toward heaven. and her heart is the harbour of goodness. Her care is to deceive. Breton setzt ein bestimmtes Repertoire an Vokabular ein. and her wealth her clothes. Stärker hervor tritt die Beobachtung. She is a turtle in her love. „jewel”) lassen sich Parallelen feststellen. she is a spice of madness. and a wife in the world unmatchable. She is a comfort of calamity and in prosperity a companion. her comfort her company. Her patience is a virtue that wins the heart of love. her look an illusion. Her tongue is tied to discretion. Weniger Abstrakta. and a fear of destruction. and her exercise the invention of follies. a spark of mischief. her delight colours. She fears God and flieth sin.B. her conceits subtleties. and her guide is the grace of the Almighty. she spoils she sees not what. her house is vanity. Her pleasures are fancies. die repetitiven Vierergruppen. She is her husband’s down-bed. She would she knows not what. and her bed is ruin. Die Gemeinsamkeit in der stofflichen Beschaffenheit der tugendhaften weiblichen Typen ist offensichtlich. So erhält der Text insbesondere durch die Akkumulation Auflistungscharakter. Abstrakte Eigenschaften wie „patience”. Alliteration und Anaphern. In kontrastiver Gegenüberstellung nennt Breton die ruhige und die geschwätzige Frau: A quiet woman is like a still wind. where his heart lies at rest. schafft dadurch einen Wiedererkennungseffekt und variiert dieses innerhalb seiner Porträts. a comfort in nature incomparable. „charity” und „joy” wurden bereits in Overburys hymnischen Idealporträts beschrieben. and spends she cares not what. her studies fashions. and her wisdom makes her will well worthy regard. and out of a thrift she gathereth charity. her diet the excess of dainties. dafür mehr der Blick auf Details kennzeichen diesen Text. In sum. She scorns fortune and loves virtue. „comfort”.B. a physician in sickness and a musician in help. Her life is the play of idleness. Auch im Gebrauch der Metaphorik (z. so kommt es zu . Auch hier lassen sich die bereits genannten Stilmerkmale feststellen. and her contents varieties. and an angel in her soul. a touch of poison. and her children’s glass in the notes of her grace. her love the change of vanities. her servants’ honour in the keeping of her house. which neither chills the body nor blows dust in the face. „virtue”. die ein Leitbild zu vertreten hat. In sum. Darüberhinaus erfolgt die Beschreibung der tugendhaften Verhaltensweisen auch hier durch direkte Charakterisierung.

Die geschwätzige Frau verbreitet Angst und Schrecken. Deutlich wird dies durch den Einsatz von Tiermetaphorik. An unquiet woman is the misery of man.148 Wiederholungen auf semantischer. die einerseits dem traditionellen Fundus entstammt (so galt zum Beispiel die Eule bereits bei Theophrast als Unglücksvogel). She fears no colours. her reason will.. Benehmen und Aussehen das gesunde Mittelmaß.111 Diese Konstanten kombiniert er durch immer neue Vergleiche. the taste of bitterness.. die Lasterhafte als gottlos und dem Teufel verfallen präsentiert. In diesem dichotomen Arrangement treten wiederum zwei Stile auf. the wound of wit. Her pride is unsupportable. 326. syntaktischer und stilistischer Ebene. In sum. der heroisch idealtypische Stil wird kontrastiert mit einem scharfen satirischen Stil in den Negativporträts. 111 In zeitgenössischen puritanischen Traktaten. She looks at no law and thinks of no lord. . and her malice unmatchable. She is a cross but not of Christ.. she is the seed of trouble. and a word but not of grace. and her satisfaction so. ist unordentlich. and the digestion of death. whose demeanour is not to be described but in extremities. her hand the claw of a crocodile. She is the grief of nature. but not of God. Auch dieses Porträt ist systematisch aufgebaut. nor respects any time. S. Wut. der die Frau mit der Fruchtmetaphorik verbindet.O. Die UNQUIET WOMAN übertrifft in ihrem Verhalten. die damit einen Überraschungseffekt implizieren. Bretons religiöser Eifer tritt hervor. the fruit of travail. Stolz. her resolution shall. Dem abstrakten Leitbild der QUIET WOMAN setzt Breton die (konkretere) Komik des lasterhaften Typus entgegen. dem einleitenden Satz folgen gliedernde Passagen und ein zusammenfassender Schluß.und Angelpunkt der heilsträchtigen Haltung des Gläubigen gehandelt. and the abuse of time. and her heart a cabinet of horror. the trouble of reason. weder gütig noch weise. a creature but not of wisdom. Her voice is the screeching of an owl. wird das Herz als Dreh.a. beispielsweise The Mystery of Selfe-Deceiving .”. Vgl. she cares for no counsel. her eye the poison of a cockatrice. aber auch neue und einzigartige Kombinationen hervorbringt. her anger unquenchable. she spares no persons. Schlaeger. „Das Ich als beschriebenes Blatt. admits no command and keeps no good order. womit die Seele oder das Innere des Menschen gemeint ist. Sturheit und Bosheit sind ihre Charakteristika. wenn er die Tugendhafte als Gottes Liebling darstellt. Her command is must.Or A Discourse and Discovery of the Deceitfullnesse of Mans Heart (1614). Sie kann sich nicht unterordnen. a. her will unsatiable. and a servant. Auffallend ist beispielsweise die dreifache Nennung von „heart”.

Beide Skizzen stimmen im Motiv. aphoristische Schreibweise und einen dreiteiligen Aufbau mit kurzer. and the parlour’s brace. Die Stilisierung der Frau zur tugendhaften „Gentlewoman” entspricht wiederum den Verhaltensmanualen der Zeit. a mistress of passion. Breton modifiziert also das von Overbury in die Gattung eingebrachte klassisch-elisabethanische Frauenideal nicht. her neighbours’s love. Lediglich den Aspekt der Komplementarität betont Overbury stärker. das heißt. eyes.). nennt Overbury sie „Scien incorporat. her children’s joy. an exercise of patience. bringing sweet fruit. She is her husband’s jewel. Während sie bei Breton als „world of wealth” bezeichnet wird. She is a care of necessity and a course of thrift. Inhaltliche Parallelen bietet bereits der erste Satz. she is God’s blessing and man’s happiness.” Beide Porträts haben kein Pendant und setzen dieselben Schwerpunkte. earth’s honour and heaven’s creature. wie bei Overbury heißt es: „She is his absent hands. her countenance meekness. her mind virtuous. and an example of experience. Letzterer charakterisiert durch Umschreibung und nicht durch direkte Nennung der Tugend. Ein direkter Vergleich zwischen Bretons und Overburys A GOOD WIFE soll nun das Verhältnis von Übernahme und Transformation untersuchen: Welche Ähnlichkeiten und welche Unterschiede lassen sich mit Blick auf den Prototyp registrieren? A good wife is a world of wealth. variiert Overbury seine Satzstrukturen. 2f. the garner’s provision and the garden’s plantation. the tongue of silence. gleiches Vokabular.” Die Gattin soll Hilfe bieten (Breton Z. Die ideale Ehefrau wird als „Bereicherung” angesehen. nicht aber in der Gestaltung überein. ihr Wert konstituiert sich als Zusatz zum Mann. the hall’s care. religion’s love and devotion’s zeal. In sum. Während Breton jedoch im reinen Nominalstil zusammenhanglos und direkt auflistet. the brew-house’s wholesomness.149 Logische Antithesen. and the heart of love. a book of housewifery and a mirror of modesty. eares and mouth. illustrierende Metaphern und syntaktische Parallelismen kennzeichnen den Text. markanter Definition zu Beginn. the chamber comfort. the hand of labour. and her soul gracious. She is the dairy’s neatness. deren Effekt in der Strukturierung und Verbildlichung liegt. einem beschreibenden Mittelteil und einem zusammenfassenden Schluß. Her voice is music. Die Ähnlichkeit der Sprachverwendung bei der Deskription der Frauen ist deshalb so groß. ganze Phrasen identisch verwenden und diese so zu . She is the kitchen physician. and her servant’s honour. weil beide die gleiche rhetorische Sprache. She is the eye of weariness. Beide Verfasser wählen eine knappe. where just cause of content makes a kingdom in conceit. She is poverty’s prayer and charity’s praise. a companion of kindness.

voller satirischrhetorischer Kunstgriffe wie Antithese.B. .B. während Breton eine quantifizierte. Die Ausgestaltung zur Szene: Henry Parrot und Wye Saltonstall Mit den Frauenporträts von Henry Parrot und Wye Saltonstall kommt es zu einer formalen und stofflichen Erweiterung. zählt der Verfasser auf. Vergleichen. variiert Satzlängen und füllt sie mit point und wit. pointenreiche Stil Overburys. Die „Worthies” kommen fast ohne konkrete typische Handlung aus. Hatte Breton in seinen Skizzen eine eher deskriptiv-definierende Typenbeschreibung (z. In ihnen ist die Charakterisierung durchgängig direkt. Ihr Auflistungscharakter.und Lasterkatalogen der zeitgenössischen Verhaltensmanualen ähnlich ist. 2. Dabei wählt er meist allgemeine Wendungen. wo Overbury konkrete Vorgänge und Handlungen nennt. Der geistreich-witzige. Bretons Frauenporträts sind damit manieristisch-moralisierend im Nominalstil gehalten. Durch den schematischen Nominalstil verleiht der Moralist Breton seinen Texten Aufzählungscharakter. mathematische Ordnung herstellt und den Nominalstil favorisiert. läßt die Idealbilder zu einer Art Tugendkatalog werden. Dabei ist Overbury im Einsatz seiner rhetorischen Figuren der witty manner verhaftet. sondern die Eigenschaften selbst. Nicht Handlungen. die sie in zusammenhanglosen Sätzen zu einer Skizze zusammenfügen. wird die gute und die stille Ehefrau mit „her servant’s honour” beschrieben). Alliteration. wählen diese Verfasser nun eine indirekte Präsentationsform. Beide Autoren zeichnen sich durch einen reichen Gebrauch von Metaphern. bleibt das in den Texten transportierte Frauenbild konstant. Während stilistisch das Genre variiert. Anapher und Metapher nimmt Breton auf und steigert ihn durch ein Viererschema. Antithesen und Parallelismen aus. aus denen die betreffenden Eigenschaften zu erschließen sind. der den Tugend. Hatte sich Overbury in der Art der Charakterisierung schon stark von Theophrast entfernt.150 Sprachformeln werden (z. Metaphern und anderer euphuistischer Mittel. Halten wir fest: Breton liefert also ein Beispiel für die Variationsmöglichkeit innerhalb des Genres und die unterschiedlichen Intentionen der Verfasser. der insbesondere durch die Häufung von Abstrakta entsteht. Hyperbeln. Der Höfling Overbury faßt seine Skizzen in eine lockere Form. durch Analogien zur Nennung von Wesenszügen) praktiziert. die eher narrativ-illustrierend und exemplifizierend Verhaltensbeispiele liefert und dabei ein anderes Stilideal wählt. läßt sich bei Breton eine noch größere Abweichung feststellen: Bretons Skizzen sind eine Häufung von Vergleichen.

während A GOOD WIFE eher abstrakt gehalten ist: A GOOD WIFE Is a world of happiness. Epitaphs mit dem Motto: Scalpat qui tangitur. So beginnt beispielsweise A SCOLD mit einer Metapher („A Scold is a much more heard of. the careful housewife of frugality. a sweet companion in his affliction. sie ist bescheiden im Auftreten (Z. heaven’s dearest creature. the very mirror of true constant modesty. her house’s ornament. She’s any good man’s better second self. Characters. She commands with mildness. Epigrams. Epigramme und Satiren. her mind virtuous. an die sich die Aufzählung einzelner Handlungen anschließt. and ordereth all things that are good or necessary. Her voice is music. and there seems little doubt that he was himself a member of one of the inns of court. and the heart of love. Er verfaßte Charakterskizzen. 1626 erschien Cures for the Itch. von denen außer A GOOD WIFE auch A YOUNG NOVICES NEW YOUNGER WIFE und A SCOLD weibliche Typen darstellen.). She’s a blessing given from God to man.151 Über das Leben Henry Parrots (fl.O.112 Enthalten sind darin 13 characters. and will be. Die Ehefrau dient an erster Stelle ihrem Mann in Ergebenheit (Z. Text zitiert in Morley. She’s (to be brief) the eye of wariness. yea more inestimable than may be valued. that brings with it a kingdom in conceit. when she dies. 6). and dearest object of man’s heart’s felicity. 284f. Die Skizze ist anschaulich und konkret. her children’s succour. than least desired to be seen or known.. Parrot stamme vermutlich nicht aus dem höfisch-aristokratischen Umfeld: he wrote mainly for the delectation of choice spirits among the templars. Damit steht Parrot in der humoristischen Tradition Overburys und weniger in der moralisierenden Bretons. Darin heißt es. Sprachliche Formationen spiegeln so gesellschaftliche Erfahrungsräume. 7) 112 113 Parrots „Krätzenkur” trägt also das Motto: Wen’s juckt.a. and joint-copartner upon all occa-sions. her countenance meekness. rules with discretion. was sich bei Parrot auch in der Positionierung der Phrase zeigt (Z. Diese Skizzen sind stofflich wie stilistisch völlig verschieden. and her soul gracious. She’s her husband’s solace. S. and makes a perfect adjunct in society. the tongue of silence. the hand of labour. der kratze sich. 2f. . lives in repute. 1600-1626) gibt es im DNB nur eine kleine Eintragung. a.113 Auch in diesem Porträt nennt der Verfasser alle wichtigen Attribute des frühneuzeitlichen Frauenideals. and proves so precious as cannot be paralleled. and her servant’s comfort. she-kind of serpent”). Die Frau als wertvolle Bereicherung des Mannes hat den Status eines Anhängsels in der Gesellschaft. She’s (to conclude) earth’s chiefest paragon. she’s such a comfort as exceeds content.

„a mirror of modesty”. Die Ehefrau wird durch den achtsamen und treusorgenden Ehemann geleitet.”(Breton) „She is her husband’s solace. Ihre Rolle definiert sich ganz über das Eingebundensein in Familie und Gesellschaft (Z. her house’s ornament. and her soul gracious. when she dies. the hand of labour.” (Parrot) . heaven’s dearest creature. das freundliche. um „lesbar” für den Gatten zu sein. an exercise of patience” gleicht Parrots „sweet companion in his affliction. her mind virtuous. her children’s succour. Identisch verwendet werden „She is the eye of weariness. her neighbours’s love. In ihrer Haushaltsführung ist sie sparsam (Z. daß das Alte. 5f. wie z.). Der Beginn der Porträts ist nahezu identisch. Dabei greifen sie immer wieder auf die gleichen sprachlichen Versatzstücke zurück.” In beiden Texten wird die Frau als Vertraute und Gefährtin betrachtet. 12f.). Zum Schluß.” (Breton) „She’s (to conclude) earth’s chiefest paragon. Auch die Funktionszuschreibung erfolgt ähnlich: „She is her husband’s jewel. Sie soll innere und äußere Reinheit besitzen. 8f.152 und ernst in ihrer Kleidung. erfolgt in beiden Texten die Stilisierung zur Heiligen: „In sum. An die Formel „A good wife is a world of happiness” (Parrot) bzw. and will be. and the heart of love” und „Her voice is music.). aufgrund häufiger Wiederholung zur Verfestigung und Verformelung von Topoi beiträgt. and joint-copartner upon all occasions”. a mistress of passion. 9f. der die beiden Eigeninteressen im Blick hat. and her servant’s comfort.”(Parrot) Die Autoren variieren Nominalphrasen und bauen diese in identische Satzstrukturen ein. daß es zur Christenpflicht gehört. Breton konziser. Hierbei ist Parrot ausführlicher. Konventionelle. she is God’s blessing and man’s happiness. Sie vermeidet Klatsch und schweigt wo nötig (Z. and her servant’s honour. von geistiger Liebe getragen ist und weiß. her children’s joy. „a world of wealth” (Breton) schließt sich ein erläuternder Nebensatz an. earth’s honour and heaven’s creature.B. aber gestrenge Haupt seiner Ehefrau zu sein (Z. nachdem alle Attribute des Frauenideals der nachelisabethanischen Zeit aufgerufen wurden. Ein Satz für Satz-Vergleich von Parrots und Bretons A GOOD WIFE soll zeigen wie ähnlich und zum Teil identisch die Porträts der idealen Ehefrau sind.). her countenance meekness. Bretons „a companion of kindness. Hier wird deutlich. the tongue of silence.

in: Ders.. Günther Blaicher.114 Die Bibel als das große Volksbuch in der christlichen Welt gab immer wieder Prototypen für die Gestaltung literarischer Figuren ab. er wurde nicht erst im 17. die der Andersartigkeit dieser Zeit nicht gerecht wird.153 Aus heutiger Sicht kann dieser Vergleich Parrot schnell den Vorwurf mangelnder Originalität und Verwendung eines abgedroschenen literarischen Stils einbringen. Stereotyp und Vorurteil in englischsprachiger Literatur. Endphasen literarischer Gattungen oder angesichts von auf dem Markt besonders erfolgreichen Werken. Tü- .bzw. 114 Vgl. Jahrhunderts favorisiert wird. Es erfolgt somit eine literarische Verfestigung von Topoi. Dies erscheint daher ebenso selbstverständlich wie die prototypische Wirkung des antiken Mythos. auf literarische Aussageweisen oder literarische Figuren beziehen. „Einleitung des Herausgebers: Bedingungen literarischer Stereotypisierung”. Solche Verfestigungen ereignen sich unter dem Einfluß dominanter prestigeträchtiger Texte. Ob die Autoren den Weg bewußter imitatio wählen. Diese weiblichen ‘Defekte’ kontrastieren mit der geforderten Bescheidenheit. In CHARACTER OF A SCOLD entwirft Parrot das Gegenbild zur idealen Ehefrau. Studien zu Klischee. da anachronistische Kategorie zu beurteilen ist. erfreute sich die Porträtierung der idealen Ehefrau großer Beliebtheit. in eine konzentrierte Form faßt. die an traditionelle Vorstellungen anknüpft. Jahrhundert ‘erfunden’. Sie treten vor allem in Zeiten unterschiedlichen kulturellen Niveaus hervor. wie gezeigt. muß vorerst dahingestellt sein. Erstarrtes Denken. Für den Typus ‘Good Wife’ gab es also in Antike und Bibel Vorbilder. sei es der eigenen Sprache oder ausländischer Literaturen. wie dies bis zur Mitte des 17. aber auch in den Anfangs. ein stabilisierendes konservatives Moment beinhaltet und als Genre bestimmte Vorstellungen isoliert. deren Merkmale Geschwätzigkeit. Streitsucht und Besserwisserei sind („Worse than the biting of a Scorpion”). bleibt offen. Dies geschieht häufig im intertextuellen Bereich und eine solche transtextuelle Verformelung kann sich auf literarische Strukturen. Die characters erweisen sich als Literaturform. die Formeln erhärten sich in der Wiederholung und das Verhältnis zwischen eminentem Text und imitatio läßt sich durch den Rückgriff auf einen gemeinsamen rhetorischen Fundus erklären. Sie beinhaltet konventionelle Vorstellungen über das Eheideal der Zeit und liefert Diskussionsgrundlage im battle of the sexes. In diesen Fällen handelt es sich um die Wiederholung von Prototypen. die dadurch erhärtet werden. Man könnte sagen. Inwieweit dies gerechtfertigt oder als unzulässige.

. She . . are those tearmes to 115 116 117 bingen 1978. No object can with-draw him him from himselfe.... militärische Fähigkeiten. Its the same Thing in her minoritie which we call a woman... Verstand sowie sexuelle und moralische Selbstbeherrschung sind die Attribute des verantwortungsbewußten Bürgers. Sie kommen auf der Bühne zum Beispiel in Shakespeares The Taming of the Shrew (1594) oder John Fletchers The Woman’s Prize.. .. hier S.. S.. 39 und 46.O. 457-460. having beene so childishly familiar with servants before her mariage. but his owne actions expresse himselfe. hath begot in him an absolute command and conquest of himselfe . and walks with so pure a sole. The most she wanteth. who no sooner entring into the yeare of teene. die mit dem Ideal eines guten Bürgers verbunden werden: Mut. Time hath not taught her yet the dues of Matrimony: but well shee woteth ... He harbours no passion but compassion.. Standfestigkeit. S. makes choice of such a Taylor as best can tell how to put her to charges .115 Die negativen weiblichen Eigenschaften stehen konträr zu jenen. Vgl. howsoever sooner pluckt for wantonnes more then of taste . wie das Genre auf sozialspezifische Formationen reagiert und eine Abkehr von der moralisch-abstrakten Intention Halls oder Bretons stattfindet..116 So charakterisiert beispielsweise Richard Brathwaite den idealen Zeitgenossen (The English Gentleman. Richard Brathwaite. Shee knowes not how to chide her man without laughing. . A young Novices new yonger wife Is a Codling in July that comes not to be ripe before September.154 Zurückgezogenheit und Gehorsamkeit. 202. wirtschaftliche Unabhängigkeit.. . 17. than a prepared resolution.. A Crest displayes his house. . Education hee holds a second Nature. or so distract his desires.. Vgl. a.. A true and generous Moderation of his affections. Vera Nünning.O.. He scornes basenesse more than want: and holds noblenesse his sole worth.. the summe or portion which her father gives her . The English Gentleman. He admires nothing more than a constant spirit.117 Das Porträt von A YOUNG NOVICES NEW YOUNGER WIFE trägt individualisierende Züge und dient als Beispiel dafür. S.. London 1630. as to covet ought unworthily.a. Baumann. 9-25. or the Tamer tam’d (1611) zum Ausdruck.. derides nothing more than a recreant condition. a. Hee scornes pride . embraceth nothing with more intimacie. as he makes uprightnesses the honour of his Familie. . S.a. is able to keepe two maids at least . but then begins to bloome and burnish much like the Strawberry the first fruit thats gathered.... 1630) folgendermaßen: Actions of goodnesse holds his supreme happinesse: The fate of a younger brother cannot depresse his thoughts below his elder..

being thereto nere accompanied with her Mother. a. is not to have beene at womans labour. 8f. let them thanke her father for it. . not knowing how soon she may (unexpert) bee thereto occasioned: her shoomaker vexeth her . 15f. until she had a Parraquito bought her.). Dieser Text beginnt mit einem bereits mehrfach verwendeten Topos. 10f. The Theophrastan Character. 20f. and theres an end. Parrot beschreibt das gesellschaftliche Verhalten einer jungen Frau und verlagert das Themenspektrum von der inneren Beschaffenheit eines Typus auf sein soziales Verhalten und seine Sitten.. Eine anschauliche literarische Technik.155 gossip it. Her second choice shee hopes. Der Kontakt zum Leser wird hergestellt durch das zu Beginn stehende „we”. Maßstab ist hier nicht mehr die christliche Vorstellung von gut und böse. twenty to one but she falls a weeping. So bekommt der Typus Mitspieler wie die Eltern oder den Schuhmacher.118 Dieses Porträt weist sowohl eine formale Bereicherung als auch eine inhaltliche Erweiterung auf.. aus denen sich sein Wesen ohne auktoriale Deutung erschließen läßt.. gesellschaftlichen Stand gehörende Figur. If this content her not which now she hath..) und stures Verhalten (Z.. zum Beispiel durch Zeit. sondern um das Bild einer bürgerlichen Gattin. could she but meet that cunning Painter who drew my Lady being great with child. which lik’t her not a moneth till shee was weary of. Her chiefest solace is to sit at door. or things fadge otherwise then are expected. shall prove a Gentleman.a. Theres nothing could content or pacifie her after the cat had kild her Sparrow.. 233f. Die Sätze werden länger. Geschwätzigkeit (Z. Bereits der Titel der Skizze kennzeichnet den Typus als eine zu einem bestimmten. beschreibbare Merkmale. 18f. Her care is next to have her Picture drawne. ihre quasi-dramatische Darstellungsart kennzeichnet diese Skizze. Shee hates that woman of what sort soever. das heißt. S.und Ortsangaben. who maketh her foot seeme so unfashionable or over-pinching as is not possible to be endured. If her new husband grant not what she asketh him.) und Scheinheiligkeit (Z. Die Jungverheiratete charakterisiert der Verfasser durch Naivität (Z.). and that on Sundayes commonly after Evensong. 16ff. womit der Text eine Art 118 Text zitiert in Boyce. or will not arise the next day to dinner. Hier handelt es sich nicht um das abstrakte Porträt einer Ehefrau.). that weares a Beaver or a Ruffe so curious as may compare with hers for comlinesse . Er weicht vom manieristischen Stil Bretons ab. Parrot präsentiert sich kaum moralisierend..). eher humoristisch. mehr und mehr erzählerische Momente fließen in die Beschreibung ein. als Verzehrobjekt dargestellt. and that which grieves her. an denen er handeln kann und äußerliche. sondern die gesellschaftliche Norm. no not so much as her eldest sisters. that made the match. Neid (Z.O. when being in her best and handsomest habit . Eitelkeit (Z. Die Frau wird als Frucht bzw.

studierte in Oxford Jura. Die Stilveränderung verweist auf die Variationsmöglichkeiten des Genres. Dort dient die Skizze dazu. A FINE DAME. die innere Einheit zu verstärken und einen großen Bau zusammenzuhalten. 1631 erschien die erste. though at times coarse satires. Saltonstalls Gedicht „A Mayde” kann als Imitation von Overburys „A Wife” gelesen werden. als Übersetzer und Dichter. So lautet die Beschreibung einer Frau: . Mit den vielen eingeschobenen Details verweist dieser Text auf den Roman des 18. richtet der Verfasser die Aufmerksamkeit des Lesers auf kleine Gesten oder Einzelheiten der Kleidung. Die characters entwickeln in der Folgezeit eine Neigung zum Anekdotenhaften und liefern einen Beitrag zur Entwicklung der Charakterzeichnung im Roman. A WIDDOW.156 Appellstruktur erhält. Die Charakterbeschreibung erhält hier eine erzählerische Einkleidung in Form einer Szene. 1630-1640) entstammte dem Adel. Jahrhunderts. Dadurch wird die Beobachtungskraft geschärft und den jeweiligen gesellschaftlichen Sitten und den Eigentümlichkeiten der Mitmenschen im Aussehen und Verhalten Ausdruck verliehen und zwar in möglichst knapper Form. das verwendete Präsens und der begrenzte Umfang der Typenbeschreibung geblieben. are amusing. 1635 die zweite Auflage von Picturae loquentes or Pictures drawn forth in Characters. er zählt habituelle Verhaltensweisen auf bzw. Saltonstalls „sprechende Bilder” nehmen die beschriebene Nähe zum Szenischen auf. Der Titel des Werks nimmt das Malen als Schreibmetaphorik auf und rekurriert auf den von Dryden formulierten Sister Arts-Topos. and especially that of a scholar at the university. Von der ursprünglichen Form der Charakterskizze ist die stoffliche Konzentration. verdiente später seinen Unterhalt als Tutor für Latein und Französisch. With a Poem of a Maid. In diesem Porträt stellt Parrot Verhaltensbeispiele eher narrativ-illustrierend dar. bringt das Wesen des Typus in einer anekdotenhaften Kurzszene durch sein Verhalten in einer Situation exemplarisch zum Vorschein. Zu den weiblichen Porträts gehören A WOMAN. Wye Saltonstall (fl. Die Figur wird durch ihre Handlungen charakterisiert. Er starb völlig verarmt vor 1672. dem im Anschluß diverse Charakterskizzen folgen. Um den Typus bei aller Allgemeingültigkeit zugleich als Individuum unvergeßlich zu machen. Einzelsituationen werden zusammenhängend angehäuft. A COUNTRY BRIDE. Im DNB findet sich folgende Bewertung: The Characters.

KH) appears in the place of ‘Picturae loquentes’. begins to looke for suters..a. for when God first gave her to man. and yet that makes musicke too. H. he gave her with this blessing. 20-22. A Fine Dame S. Give. For her teares they must be distinguisht. to stirre and provoke the appetite. Her apparell is but like a good sauce to a good dish. She’s like unto a running Lottery. shee that drew one. Increase and multiply. The Register’s error speaks volumes about how it was in effect expected that the book of characters would go on too long. Shee’s full of mutabilitiy and like Aprill weather. woman. which she knowes is a flower. and therefore desires it may bee soone gathered. Picturae loquentes by Wye Saltonstall. A Country Dame S. immer die gleichen Fehler. Lastly. 123f. Zu ihren Aufgaben gehört die Fortpflanzung und die Unterstützung des Mannes. an instrument that may bee easily plaid upon. may as well put water onto a sive or cullender. for they are not onely the effects of sorrow. 108f. S. A Widdow S. S. and frequents publick meetings that she may the better publish her beauty. hell. Shee may be ty’rd before satiated. The cheefest object of their creation is procreation. smothing the superficies of her face. will not long last. A Woman. A Country Bride S. 121f. more deceitefull than horseflesh. And hee that commits a secret to her. for nature is a skilfull painter and seldome erres. and so shee is still. Though mens desires range after variety.. and can bid them flow in a plentifull manner when shee list.. give. the shell of our generation. ed. yet they finde no change. for to many she helpes to undoe them. a man may draw forty blanks before hee gets one prize. which can’t be mended. and may looke to have both kept alike. sometimes of deceit. If shee have beauty shee growes proud of at fifteene. and therefore is one of Salomons three things that cry. drew all. and baites them with laying forth her haire. Auch hier taucht der Topos von der Frau als Verzehr-objekt 119 C. 55 macht auf einen vielsagenden Irrtum aufmerksam: „In the Stationer’s Register publication record for Wye Saltonstall’s book of characters (1631). for to him that marryes a woman. 119 In dem Ausdruck „second part” zeigt sich die Vorstellung des one-sex model und im Begriff „little volume of man” das zeitgenössische Konzept vom Mikrokosmos. to take a taste of her selfe: Or like an envious curtayne.. and the continuation of the Species of mankinde. the folly of wise men. schreibt Saltonstall. She was then call’d a helper. shee is but costly vanity. Wilkinson. 22-24. the phrase ‘Picturae Loquaces’ (geschwätzige Bilder. for it ha’s but one stoppe. Oxford 1946. but being once withdrawne failes much in the expectation. Mit dem Wort „impression” verbindet Saltonstall Charakterbegriff und Weiblichkeitskonzept. Shee is naturally curious and inquisitiue to know all things. a. Unter den vielen Frauen gibt es kaum eine tugendhafte. which admits of no second errors. the phrase that had in fact appeared on the title page of Saltonstall’s book.157 A Woman Is the second part of the little volume of man. since in one woman all are epitomizd.” . once to erre is for ever to be undone. can laugh and weepe at once. because shee comes out worst still in the last impression. but carelesse to conceale any. ähnlich einer festgelegten Type. Or shee’s like a stratagem of warre. and the grave. Lynch.O. and differs from him onely in her errataes. Die Frau begeht. which our fancy perswades us conceales many rarityes from us. sometimes anger.

oder lasterhaft entfällt.158 auf. ihre Launenhaftigkeit und Eitelkeit beschrieben und dazwischen immer wieder gewertet. to thinke how she shall gull her following sutors with this formality of sorrow. Satzlängen variieren nun. dies zeigt schon der Titel. shee comonly helpes to reedifie his ruinous fortunes againe. too much worne. Her daughters (if she have any) out of the guilty consciousnesse of her owne youth. whiles shee enforces a customary sigh as a tribute to the memory of her best deceased. Saltonstall legt mehr auf Anschaulichkeit Wert. Das Witwenporträt nimmt diese Elemente auf: A Widdow Is like a cold Pye thrust downe to the lower end of the Table. Die repetitive Verwendung von „for” gibt dem Text einen argumentativen Duktus. ist neugierig. Es wird die Position und Aufgabe der Frau festgelegt. and serves but as a painted . Shee praises much her former husband. and seldome denies the major often the minor. eitel und geschwätzig. are foulded up a nights in her owne chamber for feare of straying. die Konzentration auf ein und dasselbe Subjekt wird beibehalten und die Skizze abgerundet mit „lastly”. Die Gier der Frau ist unersättlich. For her apparell ‘tis much like herselfe. and in the day time mewd up in some inner parler to be objects of a strangers salutation. and for that purpose keepes a waiting Gentlewoman. her chamber entertaynes more suters than a Lawyars does clients in Terme time. for in the one wee must begin from love to end in action. sie liebt die Öffentlichkeit. If shee be rich. or the last letter of the Greeke Alphabet Omega. than a French Cooke that hath many dishes to taste which gives the best relish. upon whom she pretends to bestow the dowry of a good education. Von der Charakterskizze Overburyscher Prägung ist hier lediglich im Aufbau noch eine Ähnlichkeit zu erkennen. that has had too many fingers in’t. Shee must be wooed in a converted order from a maide. So beginnt der Text mit „A Woman is”. lassen den Text zu einer Miniszene werden. for whom while shee mournes in her gowne shee laughs in her sleeve. Give”) unterstützt. Die bisher bereits im Titel zum Ausdruck kommende Bewertung in tugend. because shee knowes ther’s small force or validity in’t. zudem ist sie launisch und wehleidig. Die Variation der Verben und die dialogische Struktur. but indeed uses her as a portall to a great roome to give accesse to strangers. Dies wird verstärkt durch die zahlreichen Nebensätze. Ihre Funktion besteht in der Unterhaltung des Mannes. Die Skizzen Saltonstalls sind allgemeiner gehalten als die Parrots. for after the death of three husbands. She’s a good Logician. Hee that marryes her condemnes himselfe per-petually to digge in a colepit. To a younger brother shee’s a reversion after three lives. Bei der Beurteilung ihrer Schönheit muß man zwischen Schein und Sein unterscheiden. but in the other from action to gaine loue. schreibt Saltonstall. for the Plague followes him. who is more tyrd to salute them. and insteed of Rosemary may carry Rue to the Church. die Saltonstall durch den Einsatz von Imperativen („Give. weniger Abstrakta fließen in die Beschreibung.

Die Frau ist auch hier Verzehrobjekt. die auf geistreiche und anzügliche Weise unterhalten werden wollten. Ihr Verhalten wird als das einer Strategin bezeichnet. Die möglichst subtile Verspottung des Lasterhaften. Her rings are so many cheates from severall sutors in one of which shee comonly weares a death head. Damit nimmt er Elemente der Geschlechtersatire auf. die insbesondere in der englischen Komödientradition voherrschte. wie er dies in A COUNTRY BRIDE tut: . Kennzeichen. Während die Beschreibungen der Frau und der Witwe inhaltlich Parallelen zu Overbury aufweisen. Neu ist die humoristische Abgrenzung zur maid und die Thematisierung des Todes. die mit ratio ihre Vermögensverhältnisse regelt. and is now growne out of date.159 cloath to cover a rotten wall. hatte die Leser geschult: nicht mehr durch schematische Typisierungen des Mittelalters oder durch die wenig anschaulichen Charakteristiken im Stile Bretons sind sie zufriedenzustellen. Saltonstall stellt sein Frauenporträt satirisch dar und wendet sich von der euphuistischhochrhetorischen Tradition eines Breton ab. Die Witwe „verschlingt” die Männer reihenweise. der eine Beziehung zwischen Leser und Text herstellt. Durch Überzeichnung der Verhaltensweisen und die Häufung von belanglosen Kleinigkeiten macht der Verfasser die abgebildeten weiblichen Schwächen lächerlich. but is indeed herselfe a better embleame of mortality for memento mori like a Motto to be written in her forehead. Damit spielt Saltonstall mit der Grundbedeutung des Wortes ‘character’. Den ernsten moralisierenden Ton ersetzt Saltonstall durch ironische. seine Intention ist die Unterhaltung. der einer Witwe auf der Stirn geschrieben steht. onely herselfe is the worst peece in’t. wenn ihr mangelnde Trauer vorgeworfen wird. einer Logikerin. Brandmal beinhaltet. Lastly shee’s a cancel bond that has beene long before seal’d and delivered. auf komische Wirkung zielende Darstellung. Denn durch die Verwendung des Pronomens „we” etabliert er einen Kommunikationston. Der Verfasser orientiert sich vermutlich am Geschmack der Rezipienten. Seine Sprache zielt auf Klarheit und Anschaulichkeit. when herself thought fifteene too long. Saltonstalls Porträts weisen ein karikaturistisches Potential auf. Damit weist Saltonstall der Witwe wiederum eine Außenseiterrolle zu. She condemns much the hasty marriage of mayds. liegt Saltonstalls Stärke in der Beschreibung des sozialen Umfeldes einer Person. Die Schein-Sein Dichotomie wird aufgerufen. Nochmals werden die zum klassischen Themengebiet „Witwe” gehörenden Aspekte aufgezählt. das ja auch Stigma. Her house is well furnished both for ornament and use.

Manche characters enden nun mit dem Tod der beschriebenen Person und zeichnen damit einen Lebensweg vor. ohne dabei das Verständnis des Dargestellten als paradigmatisch durch detaillierte. Jahrhunderts. in den Gunpowder Plot verwickelt gewesen zu sein und mehrere Jahre im . and play with a Parret. till being come home the mysterious Bride-Cake is broke over their heads. zu stark individualisierende Angaben zu gefährden. And all the way is paved with strewings on which she treads so lightly that she hardly bruises a gentle flower. Saltonstall verleiht seiner Skizze einen pastoralen Charme. the engines of a wedding. in the remembrance of the old Roman custom of confarreation. 3. Abkehr von Kürze und Epigrammatik: William Habingtons characters William Habington (1605-1654) war der Sohn eines katholischen Gentleman. denn sie liefert Miniszenen: The fiddlers now crowd on. Genauigkeit der Angaben und die Ungewöhnlichkeit der Beschreibung sind zurückführbar auf Freude am Spiel mit der Fiktion. Durch die direkte Leseranrede zum Abschluß der Skizze „we must leave them. her life is nothing but a continuall stirring about businesse and huswifery till shee be laid in her grave... and leave you to think out the rest yourself” entsteht eine dialogische Struktur. and then she rests from her labour. Deren Einfachheit war zuvor mit der Gekünsteltheit einer „Fine Dame” kontrastiert worden: for the drinke choyse Wines. Ferner kann ihr ein dramatisches Potential attestiert werden. eate banquetting stuffe. Die Gestaltung zur Szene konnte als neues Element dieser Autoren beobachtet werden. . dem Aufrollen von Hintergründen. Nach dem Tod der „Country Dame” heißt es: Lastly. Mit Hilfe einer solchen Gestaltungsform wird die reale Existenz des charakterisierten Menschen vorgetäuscht.160 A Country Bride is a sacrifice to Venus. while the maids attend upon her with rosemary and ribbons. led to Church by two young bachelors. Die Wiedergabe eines moralischen Typs steht hier nicht mehr im Zentrum des Interesses. dem Darstellen von Situationen und den vielen eingeschobenen Details verweisen „die sprechenden Bilder” auf den Roman des 18. die wiederum eine enge Verbindung zwischen Leser und Text herstellt. Mit der Konzentration auf die genaue Beschreibung einer Szene oder Person. der unter dem Verdacht stand. is the only employment of her houres.

sind ihr gewidmet und in moralisch-religiöser Tendenz gehalten. that the defect of portion doth neither bring penury to his estate. and Vertue without reward often prone to bee her own destroyer. Shee is inquisitive onely of new wayes to please him. although there appeare wit in the Metaphore. Without her. Seine Gedichte. Shee is colleague with him in the Empire of prosperity. Nach der Restauration wurde sein Werk kaum mehr rezipiert. Shee is much at home. Er heiratete Lucy Herbert. but her memory is so evill a herald. and yet owes not ruine to vanity. she never read the modern pollicie of glorious surfeits.161 Gefängnis verbrachte. A FRIEND. is the creator of sinne. Shee is noble by a long descent. and when shee hath seene the gay things muster up themselves there. and if successe Crowne not expectation. ferner die Einteilung in Tugend und Laster und die damit einhergehende Kontrastierung mit dem Pendant. nor would she be Mistris of the most eloquent beauty. To the love of which. and when she visits ‘tis for mutuall comerce. Shee so squares her passion to her Husbands fortunes. Diese Skizzen weichen wiederum vom Prototyp Overburyscher Prägung ab. Shee is so chaste. nor with a smile applaudes it. A WIFE). if there were danger. beyond which there is . and a safe retyring place when adversity exiles him from the World. and returne no passionate doater on bravery. shee never understood the language lust speakes in. not for intelligence. Es fehlt die Kürze und Epigrammatik dieses ersten characterwriter. that shee is familiar with all whom fame speakes vertous. A WIFE is the sweetest part in the harmony of our being. Shee is faire onely to winne on his affections. sie erschienen im Anhang an seine Gedichtsammlung Castara in der zweiten Auflage von 1635. shee considers them as Cobwebs the Spider vanity hath spunne. so the law of grace by speciall priviledge invites us. die in mehreren Auflagen in dem Band Castara veröffentlicht wurden. and her zeale neither rebellious nor uncivill. nor the superfluity licence her to Riot. Shee lookes upon him as Conjurers upon the Circle. Shee is so moderately rich. Shee never boasts the story of her Ancestors. to the least irregular thought. that in the Countrey shee lives without a froward Melancholly. She is so religious that every day crownes her a martyr. Shee is so true a friend. die Tochter des Baron Powis. Habington erhielt seine Ausbildung an einem Jesuitenkolleg in Frankreich. and her wit sayles by no other compasse than that of his direction. and therefore hath neither shee friend nor private servant. her Husband may to her communicate even his ambitions. to be the soule of goodness. in the towne without a fantastique pride. Shee can goe to Court. remaine neverthelesse uncontemn’d. Shee is liberall. Shee is so generall in her acquaintance. Er verfaßte drei characters (OF A MISTRESS. as the charmes of Nature inchant us. that might perswade the passionate auditory. if an innated cold render him not onely the businesse of the present age. Man if piety not restraine him. or. but thinkes there can bee no friendship but with one. since she finds Nature is no Epicure if art provoke her not by curiositie. but knowes Charity. She is so temperate. the murderer of posterity.

. shee so lives that she may dye. Liverpool 1969. 6f) ist auch hier wichtig. „but” oder „if” erläutert. a. her credulitie thinkes no more frailtie. Der Stoizismus geht von einer traditionellen Frauenrolle aus.): Damit drückt Habington einen christlichen Stoizismus121 aus.). Es sei die moralische Pflicht einer Frau. der durch parataktische Aneinanderreihung von Sätzen ausgeführt wird. Inhaltlich erfolgt zu Beginn des hymnischen Vorbildporträts eine Anspielung auf die MikroMakrokosmos Vorstellung sowie der „great chain of being” (Z. .): Die Welt ist harmonisch geordnet und steht in hierarchischer Beziehung. Ihre Aufgabe besteht in der Mehrung des Familienwohlstandes und der Schaffung eines sicheren Heims (Z.). Die Frau ist wiederum Gefährtin ihres Ehemannes. Freundin und Konversationspartnerin ihres Gatten sein (Z. 11). Sie soll frei von Anzüglichkeiten sein und das Ideal der Geschlechtslosigkeit verkörpern. Habington wendet sich von der moralisch abstrakten Kürze ab.O. if shee onely payes for it Repentance.a. Der Gedanke.162 nothing but Death and Hell. sie solle Vertraute. S. His vertues are her wonder and imitation. 11). Die Betonung ihrer 120 121 Kenneth Allott. Habington beschreibt sie nicht als „second” (Saltonstall). 135. In a word. Stand zu Beginn des Jahrhunderts die repetitive Verwendung des statischen „She is” im Vordergrund tritt nun eine Variation ein. then makes him descend to the title of Man. S.. Die Keuschheit wird (Z. sondern als „sweetest part”. Die Abrundung des Porträts erfolgt durch einen zusammenfassenden Schluß („In a word”).120 Zunächst zum Aufbau: Die Skizze beginnt mit einem einleitenden Satz. 8f. Die gute Ehefrau zügelt ihren zur Sünde tendierenden Mann durch Frömmigkeit (Z. Diese werden mit einer Konjunktion wie „and”. Gattin und Mutter zu sein. 3f. 9f) mit einer humorvollen Lebenseinstellung verbunden. and leave no cloude upon her Memory. „shee can go to Court”etc. Smeed. aber nur ihn (Z. um den Gatten zu erheitern (Z. and buyes pleasure at too deare a rate. Er setzt kaum allegorische Verkleidungen ein. der an die männliche Leserschaft gerichtet ist. Ihre Schönheit betört den Ehemann. Sprachlich auffallend sind die veränderten Verbalstrukturen. auch fehlt das Bemühen um Witz im Sinne von originellen allegorischen Übertragungen und möglichst besonderen Anspielungen oder Vergleichen. and his errors. Durch die Verwendung des Personalpronomens „us” etabliert Habington einen Kommunikationston. die Frau wird aktiv („Shee considers”. The Poems of William Habington. 55f. but have her character nobly mentioned: while the bad Wife is flattered into infamy. ed. 1f. Ab der Mitte des Porträts verändert Habington die Verben. and in him she beleeves Paradice circumscrib’d.

Manieriertheit und die Nähe zum Euphuis- 122 Daß es sich bei der Partnerwahl primär um eine arrangierte Ehe handelt. Neu ist auch der direkte Vergleich mit dem Gegenstück innerhalb einer Skizze. 26). welche verbunden sind mit Stadtleben. als ihr Maßstab verkörpert er das Paradies. dessen Wohl das einzige Ziel ihrer Neugierde ist (Z. Auch Habington greift auf die stark codierten sprachlichen Strukturen der Zeit zurück. die hier nicht durch eine kontrastierende. Anwesenheit am Hof. Der Umfang ist insbesondere durch die Komplexität der Wesenszüge erforderlich. die ausgewogen sein soll (Z. 14f. um ein traditionelles Familienarrangement. 18).122 Damit zusammenhängend wird auch die finanzielle Situation der Gattin angesprochen. er konzentriert die Darstellung zumeist auf die Beschreibung ihrer Wesenszüge aber auch auf exemplarische Verhaltensweisen. sondern eine auf Unterhaltung abzielende humoristische Erzählweise. die höfische Verhaltensmuster ablehnt. Der Moralist Breton konzentriert sich auf stilistische Aspekte.). Die tugendhafte Frau beschreibt Habington durch direkte Charakteristik. das heißt. 15f.163 Herkunft als entscheidendes Kriterium der Partnerwahl ist neu. während der tugendhaften Gattin ein ewiges Leben garantiert sei (Z. Ihr Reich ist das Heim (Z. Sie imitiert seine Tugenden und akzeptiert seine Fehler. Die Tugenddarstellung weist einen größeren Umfang auf als die Skizzen der Vorgänger.und Angstbilder entwirft. Dies realisiert Overbury durch vielfältige rhetorische Kunstgriffe. das sie nur selten verläßt (Z. Seine Tendenz ist weniger eine moralisierende. 30f. ist maßvoll und zurückhaltend. muß nicht eigens betont werden. 18ff. Ihr Vertrauter ist allein der Gatte (Z. Die Gefahren des Hofes nimmt sie zur Kenntnis (Z. Nächstenliebe umso vertrauter (Z.). paarweise Darstellung erzielt wird. 22). Die Beobachtungssituation ist hier eher schwach ausgeprägt und wird durch ein großes Maß an direkter Charakterisierung sowie einen ausführlich moralisierenden Kommentar überdeckt. Lektüre von Romanzen und modischer Kleidung. auf unterhaltsame Weise einen Menschen als Inbegriff von Tugenden zu zeichnen und den Leser wirkungsvoll anzusprechen. Die lasterhafte Frau müsse erst um Vergebung bitten. 17). das die verbürgte Ordnung konfirmieren sollte.). indem er Wunsch. . Die Frau soll beliebt und bekannt sein.). Eitelkeit ist der Ehefrau fremd. Als Zwischenergebnis können wir festhalten: Overburys Frauenporträts zielen auf die Beschreibung der Gesellschaft. Sie bevorzugt das Leben auf dem Land. Ihr Dasein ist ganz auf den Mann ausgerichtet. Unterhaltung. Dies belegt die Schwierigkeit. Eine ideale Ehefrau wird hier imaginiert als Frau.

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mus kennzeichnen seine Frauendarstellungen. Bretons Texte sind moralisch-abstrakt gehalten. Dagegen veranschaulichen Parrots characters den Prozeß literarischer Verfestigung. Humoristisch angelegt, verweisen dieses Bilder mit ihren vielen eingeschobenen Details auf den Roman des 18. Jahrhunderts. Saltonstalls Skizzen wiederum präsentieren eine weitere Variante. Während er das Witwenporträt mit satirischer Schärfe versieht, durchziehen seine Idealbilder pastoralen Charme und Anschaulichkeit. Wichtig ist hier die Gestaltung zur Szene. Habingtons characters schließlich demonstrieren noch einmal die moralisierendchristliche Intention, die als Folie für alle bisher untersuchten characters betrachtet werden kann. Seine hymnischen Vorbildporträts wenden sich von der ursprünglichen Epigrammatik und Kürze ab. Diese Autoren zielen auf die Festigung und Verformelung von Topoi. Ihre Texte zeigen, wie aktiv das Genre in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts rezipiert wird. Während formal die Gattung permanenter Wandlung unterliegt, läßt sich inhaltlich eine Veränderung des Frauenbildes nicht feststellen.

Nach 1640 setzt eine zweite Phase im Abfassen von Charakterskizzen ein. Es ist die Zeit des Bürgerkrieges (1642-1660), der Restauration (1660) und der Glorious Revolution (1688), eine politisch wie gattungsgeschichtliche Schnittstelle, in der den Frauen neue Freiheiten zukamen und sie an Stärke gewannen. Die postulierten weiblichen Tugenden wie Passivität, Schweigsamkeit und Folgsamkeit, gerieten während dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruchzeit ins Schwanken. Sie hätten zu einem Ruin der Familien geführt.123 An nachfolgenden Texten überprüfe ich, ob gerade in dieser historischen Phase der Ruf nach Konsolidierung von (Geschlechter-)Verhältnissen verstärkt wird. Spiegelt sich mit der allgemeinen Unsicherheit, die Angst vor der unangepaßten Frau in den characters? Besonders seit der Glorious Revolution war das Bürgertum politisch-wirtschaftlich und damit auch geistig
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Vgl. Rippl, a. a. O., S. 57. Die neueren Forschungen über das 18. Jahrhundert setzen eben dieses mit der Glorious Revolution an, die Pate für einen Neuanfang sei. Mittlerweile zeichnet sich eine neue Periodisierung ab, die das 18. Jahrhundert zwischen 1650 und 1750 ansetzt. Vgl. Monika Fludernik, „Einleitung: das 18. Jahrhundert”, in: Monika Fludernik und Ruth Nestvold, eds., Das 18. Jahrhundert, Trier 1998, S. 5-15; hier S. 8. Die Einteilung in eine erste und eine zweite Phase im Abfassen von Charakterskizzen folgt in Anlehnung an Koch, a.a.O., S. 89, der zur ersten Phase Hall, Overbury, Earle zählt, wobei dessen Microcosmography von 1628 als Höhepunkt angesehen wird, zur zweiten Phase wird u.a. Butler und Flecknoe gezählt. Adolph, a.a.O., S. 256 konstatiert: „One of the most curious events in the literary history of the seventeenth century is the outbreak of ‘Character’ in the sixty years before the Restoration. Written as a separate genre, they also infiltrated all the major forms of literature, especially the essay and the drama. Even more curious

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immer mehr in den Vordergrund getreten. Stand zu Beginn der Gattungsgeschichte das aristokratisch-exquisite Milieu im Zentrum des Beschreibungsinteresses, verschiebt sich dieses nun in Richtung Bürgertum. Es ist zu fragen, inwieweit sich daher „Verbürgerlichungstendenzen” in den Texten (z.B. inhaltlich in der Beschreibung von Tugendgut, stilistisch im Abbau der Abstraktion und Bildersprache und Ausbau von erzählerischer Gestaltung) bemerkbar machen. 4. Thomas Fullers Illustration biblischer Klugheitsregeln
„Next to Shakespeare, I am not certain whether Thomas Fuller, beyond all other writers, does not excite in me the sense and emotion of the marvellous.” (Samuel Taylor Coleridge)

Thomas Fuller (1608-61) absolvierte sein Theologiestudium in Cambridge, arbeitete als anglikanischer Geistlicher in Salisbury und erlangte insbesondere durch seine Predigten Bekanntheit. Während des Bürgerkriegs war er auf royalistischer Seite aktiv, danach wurde er „royal chaplain”. Fuller verfaßte 1642 ein Buch mit dem Titel The Holy State and the Profane State. Neben zahlreichen anderen Arbeiten wie The Worthies of England, The History of the Holy War oder Church History of Britain, ist The Holy State and the Profane State eines seiner bekanntesten Werke. Es setzt sich aus fünf Büchern (eines Profane, vier Holy) zusammen und enthält Charakterskizzen sowie Porträts lebender oder historischer Personen (z.B. sein ”Character of a Good King” ist das Porträt von Charles I)124, Essays und Maximen. Mehrere Beweggründe veranlaßten Fuller zu diesem Werk. Er schreibt: first, to gain some Glory to God; secondly, to preserve the memories of the Dead; thirdly, to present examples to the Living; fourthly, to entertain the Reader with delight; and lastly, to procure some honest profit to myself.125 Er verbindet nun die Charakterskizze mit moralischen Abhandlungen, die in Form und Gehalt unter dem Einfluß von Bacons Essays stehen. Verwendet wird hier der Begriff character nicht in der terminologischen Exklusivität zur Bezeichnung von Typenbeschreibungen, sondern auch für die Abbildung eines bestimmten, nicht fiktiven Menschen. Fuller erstellt Charaktere, die zwar den klassischen Tugendidealen entsprachen, die jedoch die Charakteristika

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is their virtual disappearance - only Butler, Tom Brown, and Flecknoe remain to carry on the tradition - after the Restoration, when they are replaced with a new kind of biography.” Boyce, The Polemic Character, a.a.O., S. 47ff. bezeichnet Fullers „Character of a Good King” als „portrait character“. James Nichols, ed., Thomas Fuller, The Holy State and the Profane State, London 1841, S. 1f.

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dieser Tugend am Charakter des Einzelnen, der nicht von seiner Geschichte zu trennen war, festmacht. In den heroischen Figuren der eigenen Geschichte verschmolzen auf diese Weise der Charakter des Einzelnen mit den characters of vertue and vice, der sich so nicht mehr allein aus ideologisch vorgegebenen Typen speiste, sondern aus der jeweils individuellen Geschichte bestimmte. Hatten Bretons Characters upon Essaies Morall and Divine (1615) bereits im Titel eine Annäherung von character und Essay angedeutet, wird diese nun weitergeführt. Fuller vermischt verschiedene Literaturformen, Verhaltensmanual, Essay und Biographie und schafft damit ein ethisches Gesamtwerk. Allen Lanner hält in diesem Zusammenhang fest: Thomas Fuller, cultivating his conservative principles of quiet devotion, used the character as a slender stock to which he could graft the methods of biography, courtesy literature, the essay, and the literature of casuistry. But The Holy State and the Profane State (1642) has very few of the usual identifying marks of the character.126 Fullers Intention liegt weniger darin, Menschen zu schildern als ihnen Verhaltensregeln zu geben. Er will nicht unterhalten, sondern belehren. Seine Darstellungsweise weicht von der euphuistischen Tradition der Vorgänger ab.127 Im ersten Buch von The Profane findet sich THE GOOD WIFE, THE GOOD WIDOW und THE CONSTANT VIRGIN. Als Beispiel folgen Auszüge aus Fullers THE GOOD WIFE. Diese Typenzeichnung dient der Illustration biblischer Klugheitsregeln: THE HOLY STATE The First Book Chapter I. THE GOOD WIFE St. Paul to the Colossians first adviseth women to submit themselves to their husbands, and then counselleth men to love their wives. And sure it was fitting, that women should first have their lesson given them, because it is hardest to be learned,

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Allen H. Lanner, ed., A Critical Edition of Richard Brathwait’s Whimzies, New York 1991, S. 16. „In the hands of Fuller the Character finally attained the freedom of form that fitted it to take its place in the development of English fiction. The attainment of this freedom of form had been a gradual one. Hall had freed it from the limitations which a servile imitation of his Greek model would have forced upon it. Overbury had contributed vividness of presentation. Fuller had emancipated it from the Euphuistic tradition. It was, therefore, henceforth sufficiently elastic in form to be suited to the needs of the periodical essayists of the following century.” schreibt Edward C. Baldwin, „The Relation of the Seventeenth Century Character to the Periodical Essay”, in: PMLA xix (1904), S. 75-114; hier S. 98.

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and therefore they need have the more time to con it. For the same reason, we first begin with the character of a good wife. Maxim I. She commandeth her husband in any equal matter, by constant obeying him. - It was always observed, that what the English gained of the French in battle by vallour, the French regained of the English by cunning in treaties: so if the husband should chance, by his power, in his passion, to prejudice his wife’s right, she wisely knoweth, by compounding and complying, to recover and rectify it again. II. She never crosseth her husband in the spring-tide of his anger, but stays till it be ebbing-water. - And then mildly she argues the matter, not so much to condemn him, as to acquit herself. Surely, men, contrary to iron, are worst to be wrought upon when they are hot; and are far more tractable in cold blood. ... . III. She keeps home if she have not her husband’s company, or leave for her parent to go abroad. For the house is the woman’s centre. It is written: the Sun ariseth; man goeth forth unto his work and to his labour until the evening (Psalm 22) but it is said of the good woman: She riseth while it is yet night (Prov. xxxi.15) ... . IV. Her clothes are rather comely than costly, and she makes plain cloth to be velvet by her handsome wearing it.- ... . VIII. Her carriage is so modest, that she disheartens wantons not only to take, but even to besiege, her chastity.-... . Fuller beginnt seinen von ihm mit „character” bezeichneten Text mit einer einleitenden Beschreibung, die eine kurze Definition des darzustellenden Typs liefert. Dann folgen Paragraphen, die teilweise mit dem Wort „Maxim” überschrieben sind. Diese Abschnitte beginnen mit einer allgemeinen Bemerkung über den zu betrachtenden Typus. Die meist kursiv gedruckte Aussage wird - wie in der Rhetorik durch amplifikatio - erläutert durch Auslegung oder Beispiele aus der Geschichte und nicht durch Anhäufung von typischen Handlungen. Gliedernde Passagen, eingeschaltete Zitate und Exempla fließen in den Text ein, so daß der Verfasser von der ursprünglichen Charakterskizze nur mehr die sentenzenhafte Pointierung und epigrammatische Prägnanz in den kursiv gedruckten Sätzen übernimmt. Formal bzw. methodisch vollzieht sich eine entscheidende Wende. Die Skizzen vermischen sich mit Essay und Maximen, werden länger und persönlicher.

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Inhaltlich erfolgt die Festigung eines christlichen Frauenideals, dessen Grundform wir bereits in den Sprichwörtern des Alten Testamentes finden. Die Frau wird als Hausfrau und Mutter dargestellt. Fuller ist einer der wenigen Autoren, der dem Bild der idealen Ehefrau, das des idealen Ehemanns folgen läßt; damit verweist er auf die Paradoxien der gegenseitigen Beziehung: THE GOOD HUSBAND HAVING formerly described a good wife, she will make a good husband; whose character we are now to present. Maxim I His love to his wife weakeneth not his ruling her; and his ruling her lesseneth not his loving her. - Wherefore he avoideth all fondness, (a sick love, to be praised in none, and pardoned only in the newly-married!) whereby more have wilfully betrayed their command, than ever lost it by their wives’ rebellion. Me thinks, that the he-viper is right enough served which, as Pliny reports, puts his head into the she-viper’s mouth, and she bites it off. And what wonder is it if women take the rule to themselves, which their uxorious husbands first surrender unto them? II. He is constant to his wife, and confident of her. - And sure, where jealousy is the jailer, many break the prison, it opening more ways to wickedness than it stoppeth; so that where it findeth one, it maketh ten dishonest. III. He alloweth her meet maintenance, but measures it by his own estate.- Nor will he give less, nor can she ask more. Which allowance, if shorter than her deserts, and his desire, he lengtheneth it out with his courteous carriage unto her, chiefly in her sickness; then not so much word-pitying her, as providing necessaries for her. IV. That she may not intrench on his prerogative, he maintains her propriety in feminine affairs. - Yea, therein he follows her advice. For the soul of a man is planted so high, that he overshoots such low matters as lie level to a woman’s eye; and, therefore, her counsel therein may better hit the mark. Causes that are properly of feminine cognizance he suffers her finally to decide; not so much as permitting an appeal to himself, that their jurisdictions may not interfere. He will not countenance a stubborn servant against her; but, in her, maintains his own authority. Such husbands as bait the mistress with her maids, and clap their hands at the sport, will have cause to wring them afterwards. V.

169 Knowing she is the weaker vessel. like St. and be publicly known. after which. An open reproof puts her to do penance before all that are present. ”free born”. which if generally known. such as may be bettered by beating. . perchance. and priviledged from any servile punishment. but fitting. desiring therein to do not what may be lawful. VI. yet he remembers he has enfranchised her by marrying her. To this end. He knows little. VII. grant her to be of a servile nature. He is careful that the wounds betwixt them take not air. And. He keeps her in the wholesome ignorance of unnecessary secrets. it is a double task to stop the breach at home. many rather study revenge than reformation. Paul. too heavy for the weaker sex to bear. may surfeit with the knowledge-of weighty counsels.Jars concealed are half reconciled. -All hard using of her he detests. he bears with her infirmities. . and men’s mouths abroad. . he never publicly reproves her. On her wedding-day she was. who will tell his wife all he knows.They will not be starved with the ignorance-who.

yet loath to use her hardly in his life-time. S. awed her with telling her. . Yet he that impoverisheth his children to enrich his widow. 5. und S. Das Verdienst Flecknoes liegt im Abfassen des Textes „Of the Authors Idea. He beats not his wife after his death.a. or of a Character”. meaning. Fuller läßt ein Bemühen erkennen.B.128 Beschrieben wird hier das Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe vom Wunschdenken des männlichen Geschlechtes. welche Vor. who will endeavour to provide her a competent estate. that he would leave her no maintenance. a.B.170 VIIII. having a shrewd wife. This humour is unworthy a worthy man. die Schwierigkeiten des Zusammenlebens der Geschlechter aus dem Blick beider zu diskutieren und dafür Lösungen anzubieten. Asia. von denen Love’s Dominion (1654) zur Aufführung kam. Maxim I) bekräftigen das zeitgenössische Frauenbild und werden so geschickt in den Argumentationszusammenhang eingebaut. Dies demonstriert der nächste Abschnitt. Biographische Angaben können lediglich aus seinem Reisebericht Relation of Ten Years Travels in Europe. was seine ersten religiösen Gedichte belegen. Die Entwicklungsgeschichte von character verläuft nicht geradlinig in Richtung essay character. 95f. 98-100. that he would beat her when he was dead. werden hier Normen und Ansprüche von Mann und Frau korreliert und relativiert (z. . Dabei wird die Frau unter dem Gesichtspunkt zum Gegenstand der Betrachtung.One. Er schrieb fünf Dramen. Flecknoe tritt als Katholik schriftstellerisch auf. Maxim V).. Africa and America (1654) entnommen werden. welches Glück oder welche Gefahren sie dem Mann beschert („she will make a good husband”).und Nachteile. in dem er das Wissen seiner Zeit über den Charakterbegriff 128 Nichols. Richard Flecknoes Tendenz zu individualisierenden Konturen Der wahrscheinlich in Irland geborene und an einem Jesuitenkolleg erzogene Richard Flecknoe (1600?-1678?) war Dichter und Dramatiker. Bibelstellen und theologische Sentenzen (z. denn darin wird noch ein letztes Mal auf die erste Autorengruppe Bezug genommen.O. destroys a quick-hedge to make a dead one. Die postulierten Austauschregeln werden nun für beide Seiten verpflichtend. Wurden bisher die Frauenporträts absolut gesetzt (entweder wurden gute oder schlechte Ehefrauen dargestellt).

110f. Lohr. And. This Flecknoe found. für unseren Zusammenhang ist die Frage nach der Beschreibung der Eigenart seiner Texte von zentraler Bedeutung.O. Seine ersten Charakterbilder erscheinen unter dem Titel Enigmatical Characters.132 Gewidmet ist das Buch der Herzogin von Lothringen. .171 zusammengetragen hat und weniger im Entwerfen von Menschenbildern. a.O. from several Persons. who like Augustus. and had governed long. they being so numerous and ordinary. verrate sie aber nicht. in deren Haus das Werk entstanden ist. schreibt Anton Lohr.O. S. er habe bestimmte Persönlichkeiten im Auge gehabt. and imagination may find out a Key for them.a. Als Dichter gelang es ihm kaum über „die Wiedergabe poetischer Gemeinplätze und die mehr oder minder gelungene Nachahmung bekannter zeitgenössischer Werke” hinauszukommen. Vgl. S. a. all taken to the Life. sondern auch in der Literaturkritik eher schlecht ab. and approach somewhat nigh perfection. tax Vice. sei Flecknoe mit seinen Vorlagen wenig originell verfahren.a. Zitiert in Lohr. sie blieben enigmatical. young Was called to empire. they are almost singular in their kinde) but for the others. gäbe es nicht John Drydens Satire „Mac Flecknoe”. a. S.130 Auf eine solche Bewertung wird im folgenden verzichtet. whom I mean in particular. a. when Fate summons. it will be harder to know.. laugh at Folly and pitty Ignorance. Parallelen und Vergleichen. S. 47. Über den Wert des Buches drückt er sich in der Widmung folgendermaßen aus: „I seem to surpass mediocrity. 52. in der es heißt: All human things are subject to decay. monarchs must obey. Through all the realms of Nonsense. 129 130 131 132 Zitiert in Lohr.a. So schreibt Flecknoe in seiner Anrede an den Leser: „know that for all the more noble ones.” Zitiert nach Boyce. 1.”131 Flecknoe selbst sagt in der Vorrede („To the Reader”). praise Vertue. as each one in their own knowledges. Auch in der apophtegmatischen Dichtungsart wie sie die Charaktere liefern.O.. Sein Name wäre in Vergessenheit geraten. absolute. Wortspiele erhöhen die Manieriertheit der Schilderung. though a hundred to one. the persons I intend by them are easily to be known (they being so extraordinary rare. Humours and Dispositions (1658). Die äußere Form dieser Charaktere steht ganz im Zeichen der Zeit: Flecknoe arbeitet mit Antithesen. Das schriftstellerische Werk Flecknoes ist umfangreich. In prose and verse was owned without dispute..” Seine Intention ist „to honour Nobility.a. The Polemic Character.. though easier in generall.129 Flecknoe schneidet nicht nur in diesen Zeilen. not the same I intended in making them.

zu nennen sind: OF A TALKATIVE LADY. as each word is throng’d with it. Durch ihre Hilfe sei es ihm gelungen.133 Sowohl in der Anlage des Werks wie in der Art der Ausführung (Stil und Aufbau der Skizzen) folgt er vor allem der Overbury Collection. S. OF A SHREWD OLD CATHOLICK GENTLEWOMAN. Flecknoe trägt zu einer inhaltlichen und stilistischen Veränderung des Genres bei. das Flecknoe der Herzogin von Newcastle widmet. wie OF AN EXCELLENT WIFE belegt: 133 134 Zitiert in Lohr. den Lastern der Zeit zu entkommen. läßt sich möglicherweise mit der Patronage erklären. deren Gastfreundschaft und Unterstützung er genoß. OF A FINE NICE CITY DAME.a. Warum Flecknoe weibliche Charaktere bei seinen Typendarstellungen favorisierte. and there (if any where) I have found that saying true. that if vertue could be seen with mortal eyes.a. OF A MORE IMITABLE WIDDOW). Weibliche Charaktere zeichnet Flecknoe mit Vorliebe. sondern auch inhaltlich gibt es Entlehnungen. OF AN IMITABLE WIDDOW.O. but I am sure it has been a happy and fortunate one for me. 86. 53.172 Die Zeitgenossen betrachten dies gerade als unterhaltsam. for there I have seen nothing but honourable and vertous. ..134 Diese Zeilen drücken aus wie sehr Flecknoe von weiblicher Patronage abhängig war. S. there as in a Sanctuary I have lived. a. Gerade seine Frauenporträts gehen deutlich auf Overbury zurück (OF A CHAMBERMAID.O. wie dem Lobpreis des Marquis von Newcastle zu entnehmen ist: Flecknoe. a. and who reads would swear. Whole libraries were in each Character. OF A FAIR AND VIRTUOUS LADY. OF A FANTASTICK LADY.. In einem Sammelwerk. Seine Werke sind weitgehend adligen Frauen gewidmet. und wie er sich um die Gunst weiblicher Adliger bemühte. OF AN EXCELLENT WIFE. OF A LADY OF EXCELLENT CONVERSATION. Nicht nur im Titel. ist das Stück „Of Noble Women” enthalten: I know not under what constellation I was born. Zitiert in Lohr. ‘t would ravish all with admiration and reverence. protected from the vices of the time. OF A MISERABLE OLD GENTLEWOMAN. that it has always been my fortune to live amongst the best and noblest of womankind. thy Characters are so full of wit And fancy. Each line’s a volume.

nor fondness in him. Während bei Overbury die Gattin in ihrem Handeln und Denken ganz auf den Ehemann ausgerichtet war. where they find out blemishes in the Moon. united in her alone. as because she makes it so. In fine. to say as often as he sees her. 135 Fred Mayer. Harvard 1974. and I am all yours. if they were not lookt unto. gutaussehend und ehrlich. All dies ermöglicht dem Gatten ein Leben wie im Paradies. Her Vertue and Beauty makes it Alwayes a Temperate Zone with her. then in her Husbands company.135 Eine ausgezeichnetete Ehefrau ist nicht nur wohlhabend. Her HONOUR like a flaming Cherubin. sich alles auf ihn bezog. with whom alone she is familiar. not so much because ‘tis so.173 She is like an Excellent Watch. she has all the handsomness of a Mrs. Whence in this Critical Age. The Prose Characters of Richard Flecknoe. wird hier eine aktive Frau dargestellt: „her Goodness depends on nothing but her self”. Als Vertraute ihres Ehemanns ist sie höflich und liebenswürdig. Freundlichkeit. True. if he does. she onely having found out the way to stop Rumours mouth. . whilst they bark and bite at every one be-sides. they could never find out any spot or blemish in her. it follows. and spends with such discretion in her House. S. „not so much because ‘tis so. sondern auch gütig und ausgeglichen. Sie ist sparsam und ehrenhaft. and all that can make a Husband happy. as because she makes it so”. where her Husband lives as in a PARADICE. Auch wenn Flecknoe inhaltlich durch das Ausmalen der weiblichen Tugenden wie Sparsamkeit. Bescheidenheit wieder eine Festigung von zeitgenössischen Verhaltenscodices propagiert. and ignorance in him. if her husband knows not.) She is never in ill humour. (for those who are only good because they are lookt unto. may I be the miserablest man alive. In der Thematisierung der männlichen Abhängigkeit im Schlußteil kommt der Ehefrau ein größerer Handlungsspielraum zu als bisher. that she may be more bountiful in those more necessary. the Goodness of a Wife. She is sparing in superfluous things. rein und nicht geschwätzig. but civil and courteous unto all. onely in this they differ. In sich selbst ruhend arrangiert sie alles zum seinem Wohlgefallen. but above all. she has all the perfections of a Wife. and when I cease for to be so. conserving and rendring her inaccessible to all beside. This. ‘twere no compliment. in that her Goodness depends on nothing but her self. they would be bad. as her expences are more profitable then others savings are. and never in better. O my dearest! you are all mine. and delightsomness of pleasant Company. Rich and Fair. but a Just esteem of his own Happiness. and whatsoever she does is becoming her. and spots even in the Sun it self. and silence Calumny. ‘tis an unpardonable fault. So fordert er beispielsweise mehrfach die Schönheit der Gattin. 513. as now I am the most happy. verlagert sich sein Beschreibungsinteresse von den inneren Werten wieder mehr auf Äußerlichkeiten.

174 Auch diese Skizze beginnt mit einem Vergleich. Flecknoe gewinnt insbesondere im Abbau von Abstrakta eine neue Form von Anschaulichkeit.136 Insgesamt ist eine Verfeinerung der Struktur und eine immer detailliertere Darstellung zu beobachten. der sich vor allem auf syntaktischer Ebene bemerkbar macht. 20) findet sich in dem ironischen OF A FINE NICE CITY DAME eine Leseranrede: „She is one your Cockneys call a beauty. das eingeleitet wird mit „In fine”. Teil A. Diese ungewöhnlichen Anspielungen und Vergleiche gehen einher mit einem gleichmäßigen Stil. Ausgeschmückt wird der Uhrenvergleich mit dem Einsatz unzähliger Hyperbeln und Allegorien. denn hier geht es nicht mehr um die abstrakte Darstellung eines Typs. Eine exzellente Ehefrau ist wie eine ausgezeichnete Uhr. Flecknoes Sätze sind kurz und gleichmäßig. Kap. or on Coro- 136 Vgl. Seine epigrammatische Schreibweise knüpft an die Autoren der ersten Hälfte des 17. Das Porträt weist eine erste individualisierende Tendenz auf. there is no end of it: she makes more noise and jangling than the Bels on the fifth of November. der Schluß wird meist zum rhetorischen Finale. V. Auch wenn wir noch deutliche Anklänge an die Overbury Collection finden (z. vor allem aber wahr. der durch seine Neuartigkeit und Ungewöhnlichkeit Aufmerksamkeit beim Leser wecken will.B. Neben der direkten Rede (Z. Flecknoe spielt auf den zeitgenössischen Kontext an („in this Critical Age”) und verstärkt dadurch die realistischen Konturen. wobei sich der Einfluß des portrait geltend gemacht hat. . So beginnt das Porträt mit einem Vergleich. Overburys Muster werden in Form und Technik adaptiert. Flecknoe schreibt von einer geschwätzigen Lady: her tongue runs round like a wheele one spoak after another. Die Charakterbilder sind häufig mit einem ironischen Unterton versehen und differieren von den Vorgängern durch die Einführung des first person narrator. „lastly” oder „to conclude” oder durch ein Epigramm verstärkt wird. wörtlich: „She is so dough-bake’t” in OF A FINE NICE CITY DAME und Overburys „A very woman is a dough-baked man”).” Damit etabliert Flecknoe einen Kommunikationston. Jahrhunderts an. der für die zeitgenössischen Leser in der witty manner verfaßt ist. der sich später in den Skizzen von Charles Dickens fortsetzen wird. Mit der Einführung der direkten Rede in den Schlußzeilen des Porträts wendet sich Flecknoe allerdings vom heroischen Stil bisheriger Idealbilder ab. erweist sich Flecknoe als Wegbereiter für den Roman: er nimmt eine erste Individualisierung der typenhaften Charaktere vor. Reihenweise durchziehen sie das Porträt und beruhen meist auf weit auseinanderliegendem Bildmaterial. reich und schön.

Die beginnende Individualisierung geht einher mit dem Rückgang einer rhetorischeuphuistischen Sprachverwendung. nicht im Ausbreiten. dies geschieht hier in Form von Frauenlob und Frauenschmähung. Refinest breeding to observe her. 6. das heißt. The Morale State of England. verfällt in eine Schwarzweißmalerei.” belegt.wie obige Textbeispiele gezeigt haben . Dies löst der Verfasser ein. such a wife for Moroso had far surpast all the variety of noices invented for tormenting him.nur bedingt.. With the several Aspects it beareth to Virtue and Vice von 1670 behandelt er THE MAID. die Flecknoe in seinen Frauenporträts demonstriert.. and a species of the beatitude of t’other life. joy to behold her. and would make a husband wish that either she were dumb or he were deaf. . Diese Vielfalt. Die Prosaform verfährt äußerst selektiv. Nachfolgende Autoren wenden sich insbesondere von der eingeforderten Kürze ab. . polarisiert durch die Darstellung von Extremen. so Flecknoe. indem er inhaltlich und stilistisch sein Repertoire sehr weit fächert. er unterstützt die Tendenz zur Konzentration und Dichte der Sprache. wie sie OF A LADY OF EXCELLENT CONVERSATION noch erkennen läßt: It being vertue to know her. wie der Satz „civil and courteous unto all. Ein kurzer Rekurs auf Flecknoes Metatext soll herausstellen. typisiert durch übertriebene Darstellung von Tugend und Laster.175 nation day. she has all the handsomness of a Mrs. Stilistisch bevorzugt Flecknoe den plain style. inwieweit er an seine eigenen theoretischen Vorgaben anknüpft. geht einher mit der Auflösung der Overburyschen Form der Charakterdarstellung. Die Texte sollten sich durch Vielfalt und Variation auszeichnen. onely to enjoy her Conversation in this. zur Klarheit und Einfachheit im Ausdruck. In seinem Werk Angliae Speculum Moralae. wisdome to converse with her. schreibt Flecknoe und hält sich mit dem Umfang seiner Frauenporträts an diese Vorgabe. Inhaltlich sollen innere Werte und Äußeres dargestellt werden. Die Kunst des Charakterskizzenverfassens liegt im Andeuten. Dies erfüllt er . Richard Graham Prestons Charaktererzählung Richard Graham Prestons Frauendarstellungen gehören in den moralisch belehrenden Kontext der characters.

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WOMAN, THE WIFE und THE WIDOW.137 In diese Texte fließen zeitgenössische Überlegungen zu Politik, Wirtschaft, Staatstheorie und Klimazonenlehre ein. Die Beschreibung verschiedener Frauentypen wird daher mit öffentlichen Themen verbunden. Dies geschieht vor allem über eine metaphorische Sprachverwendung, die den Bereichen Staat, Politik, Wirtschaft und Militär entnommen ist.138

Die Beschreibung THE MAID weist in ihrer Kürze noch die größte Verwandtschaft mit den characters zu Anfang des Jahrhunderts auf. Der Text, der hier auszugsweise vorgestellt wird, beginnt humoristisch: THE MAID Is Natures Richest Cabinet lock’d; who yet ardently desires to display those Glories she containeth, and thinketh she hath not the perfect enjoyment of them, if not communicated; when she hath attain’d to the use of her Organs of Speech, the first word she uttereth after Dad and Mum is Husband; who from that time reigneth in her thoughts so much that she maketh it her chief end to captivate him; Hier wird das typische Bild einer „alten Jungfer” entworfen: ihr ganzes Streben richtet sich auf das Ergattern eines Ehemannes. Sie wird verglichen mit einer überreifen Frucht, die dem Mann nur so zufällt: but if her Stars have so little care of her as to let her pass her younger Years single rather than to hang longer on the Tree, the too ripe fruit will fall to any man. Ein Vergleich mit Overburys Verwendung dieser Metapher zeigt den Wandel der Gattung insgesamt. In dessen Witwenporträt hieß es noch konzis „Thus like a too-ripe apple, she falls off her selfe”. Eine Abkehr von Kürze und Epigrammatik hat zugunsten eines Konversationsstils stattgefunden, der auf den kommenden Journalismus vorausweist. Preston beschreibt die Partnersuche der Frau mit militärischer Metaphorik und mißbilligt die Aktionen der aktiven und aggressiven Frau: She, like an expert General, chooseth rather to use stratagem in storming a Fort, then wholly to rely upon her strength, be it never so great; for I never saw that Woman,

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Richard Graham Preston, Viscount, Angliae Speculum Moralae; The Morale State of England, With the several Aspects it beareth to Virtue and Vice, London 1670, Maid, S. 80-84, Woman, S. 73-79, The Wife S. 84-93, Widow S. 94-99. Auf biographische Angaben muß hier verzichtet werden. Das DNB enthält zwar die Eintragung Richard Preston, dieser aber ist vor 1670 gestorben und nicht als Verfasser obigen Werkes ausgewiesen. So finden sich häufig die Worte stratagem, politician, state, powers etc.

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how fair soever, that was not guilty of those innocent frauds of a patch, or wash, hoping from them for greater accessions of Beauty. In ihrer Geschwätzigkeit und Selbstsucht bedarf sie der machtvollen Führung des Mannes, der hier im Sinne eines Politikers agiert: In her discourse she commonly traduces the rest of her Sex, and tacitely giveth a rise to applaud her self, which, (though she deserveth not), you must do with the greatest of your powers; for in the state of Love, as well as in the civil one, he is the best politician who can best dissemble.You cannot imagine what near approaches make to her affections by these ways, and how really she is taken with you, though you describe her by all the impossibilities of Poetry: try: when she might be undeceived; would she with an impartial Eye consult her Glasses. But yet this Humour, ingraffed in her Nature (which certainly proceeds from the want of a true use of her reason,) if it seemeth to increase with her age; for even those whom many years have seen Virgins, are more vain then the younger ones; but that the same lustre inhabiteth their eyes, which resided in them 30 years before. Die mehrfachen direkten Leseranreden sowie die Aufforderung „try” und eine Zahlenangabe geben dem Text Konkretheit. Die Kommunikationsfähigkeit der Frau wird direkt bewertet, sie zeugt von geringer Kreativität und Innovationsfreudigkeit. Zum ersten Mal wird ein Eigenname genannt, damit auf das Zeitgeschehen angespielt und der Eindruck erweckt, ein Erzähler sei direkt involviert und beglaubige das Geschehen: Her discourse is replenish’d with the Histories of those she might have had; what proper men she refused, and upon what account she flighted them; and in the conclusion, she will torment your ears with a doleful Sonnet, or heart-melting direful address, composed by some of her cross-arm’d Lovers, who flourish’d in Poetry above halfe a Century before Ben Johnson. Entworfen wird hier so etwas wie ein „moralischer Lebenslauf”, der über den lasterhaften Lebenswandel der „Maid” berichtet. Dies geschieht in verallgemeinerter Form, was der Intention des Werks, eine moralische Bestandsaufnahme zu geben und daraus Lehren für eine Verbesserung zu ziehen, entspricht. Es kommt zur szenenartigen Charakterschilderung, und Werturteile fließen durch den first person narrator, der moralisiert und kommentiert, direkt ein. Die Eigenschaften selbst offenbaren sich aber auch in Aktion und Rede des beschriebenen Typs, so daß hier wiederum die Nähe zur dramatischen Personendarstellung offenkundig wird. Der Aufbau der Charakterschilderung ist dreigeteilt. Nach einer einleitenden Definition erfolgt die Verdeutlichung der Erscheinungsform und die Darstellung der Auswirkungen der Eigenschaften. Die Beschreibung der repräsentativen Handlungen ließe sich beliebig erweitern oder in anderen Szenen variieren, so daß der Schluß eher abrupt wirkt. Die Ausgestaltung

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der Situationen wird umfangreicher, und die einzelnen Aktionen werden durch einen Handlungsstrang verknüpft. Es erfolgen beglaubigende Angaben („30 years”). Der Schwerpunkt der Darstellung verlagert sich von der inneren Beschaffenheit auf das soziale Verhalten und die Sitten des Menschen; dies geschieht im wesentlichen dadurch, daß der dargestellte Typ Mitspieler bekommt, an denen er handelt. Die Charakterschilderung wird kontextualisiert. Es erfolgt eine nuancierte Darstellung der Verhaltensweisen, ohne dabei das Allgemeine vergessen zu lassen. Die individuellen Züge der Gestalt sind auf die Exaktheit der Beobachtung, die Feinheit der Wiedergabe zurückzuführen. Eine zeitliche und räumliche Zuordnung trägt zur Verstärkung dieser Tendenz bei. Dennoch ist nicht zu übersehen, daß es sich hier um die Darstellung eines Typus handelt. Durch differenzierte Charakterisierung und den verstärkten Eindruck von Individualität paßt Preston die Overburysche Form dem Zeitgeschmack an, indem er ausgeprägtere, erzählende Momente wählt. Die Charakterbeschreibung erhält also eine erzählerische Einkleidung. Der Erzähler ist gleichsam Beobachter und rückt den Text somit in die Nähe eines Erlebnisberichts. Er referiert den charakterlichen Zustand eines Menschen und setzt die zentralen Begebenheiten seines Lebens und die Schicksale der Mitspieler in Beziehung zu seiner moralischen Qualität.

Der Text WOMAN läßt die Kürze der characters gänzlich vermissen. Er widmet sich essayistisch dem weiblichen Wesen. Der erste Teil beruft sich auf die Bibel als Autorität für das dargestellte Geschlechterverhältnis und nennt den Herkunftsmythos der Geschlechterdifferenz: WOMAN Though Man was made Lord over all beings, and his Empire stretch’d it self over the whole Globe, though his Imperial redence was in a place which administred all things to his pleasure, and seem’d to be the abridgement and quintessence of the Universe; yet he thought his enjoyments imperfect, till he had an help correspondent to his affections, and a fit object for those faculties with which he was endowed. For this cause therefore, woman was Created out of himself, who seemeth to have been his best part; and like that small essence which Chymists extract out of a large and massive Substance: therefore Man having by his converse with the causes of all things gathered knowledge, is sensible of what they of this Sex are capable; ... . Aus der biblischen Argumentation heraus weist Preston der Frau das Heim als ihr Platz zu: ... and fearing left they should Rival him in his Government, imposeth on them, by perswading them that their faculties are not receptive of Arts, and rough Virtues; and by this stratagem confineth them by the administration of a narrow Province,

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bounded by the walls of their Court and Garden, whilst he is exercised in the Nobler affairs of the Court and Schools, when it is clear that their inclinations are better then his, and their resolutions greater ... . In der Kontrastierung der weiblichen („they”) mit der männlichen Natur („we”) wird die Perspektive des Textes deutlich, denn der Verfasser sucht Solidarität beim männlichen Rezipienten: ...for it is observed, they are generally more Virtuous and Devout then we; and when they deviate to Vice, they are more hardend and perservering in it; the great actions in which they have born a part, speaketh the excellency of their Natures... . I offer this, not to encourage them to rebel against Man, whom God hath made their head; but to advise them to serve the World under some other Noble Character and not onely to devout themselves to the uses of Generation. Ein historischer Schnelldurchgang macht auf die großen Frauengestalten aufmerksam: die Amazonen als weibliche Kriegswesen, die griechische Dichterin Sappho, die biblische Judith und die heilige Lucretia. Die Vorherrschaft des Mannes rechtfertigt Preston durch die Berufung auf das Salische Gesetz, eine seit dem 14. Jahrhundert bestehende Bezeichnung für die ausschließliche Thronfolgeberechtigung des Mannesstammes. Dies formuliert er folgendermaßen: The Amazons (if we believe story) have excell’d in warr. To Sappho we owe the invention of the sweetest kind of Verse in Lirique Poetry. Lucretia by her resolution has raised her self deathless Monument. And Judith in Sacred Writ is remember’d with great Glory. All these examples shew the greatness of their parts; which while they do not employ, but are content to forgoe all the pleasures with which knowledge would present them; they seemed to have made a Salique Law to bind themselves. Did they but consider what an ascendant they have over the souls of men and that they were the source of all our miseries, we should still adore them, as also those great advantages our dull, and phlegmatic constitutions own from the purifying flames of Love: they would exert their powers and launch out of those dark Regions of ignorance in which they sleep, into the bright and Sunny Countreys of Knowledge. Der Text WOMAN spiegelt aber auch das entstehende Nationalbewußtsein: zum ersten Mal wird die englische Frau mit anderen Nationalitäten kontrastiert. Preston nimmt eine Art Kartographie der Affekte vor, die Aussagen über das menschliche Verhalten von klimatischen Bedingungen ableitet. Die Klimazonenlehre kann hier als überaus einflußreiches Wirklichkeitsmodell bezeichnet werden. Auf ihrem Boden entwickelte sich in der frühen Neuzeit ein detailliertes Nationalitätenschema, das in die klassizistische Lehre vom Charakterdecorum Eingang fand, durch welche die Stereotypisierung der literarischen Charaktere nach Geschlecht, Alter, Stand und Nationalität zur Regel erklärt wurde. Gerade das Interesse an der

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Völkervielfalt nimmt nach Ausweis des ethnographischen, moralphilosophischen, reiseschildernden Schrifttums in auffälliger Weise in der Neuzeit zu.139 Dies zeigt sich auch in der hier zu untersuchenden Prosagattung. Zwischen der Beschaffenheit eines Landes und dem Charakter seiner Bewohnerin wird ein kausaler Zusammenhang angenommen. Das milde Klima Englands führe zu einem ausgeglichenen Gemüt, was sich vor allem in der Schönheit und im wit der Engländerin bemerkbar mache, schreibt Preston. Die Menschen des Nordens seien aufgrund der Witterung abgehärteter und dies käme der wirtschaftlichen Situation eines Landes zu Gute: In no Countrey so many of this fair Sex as in England exceed Beauty and Wit. The first of which, the Temperateness of our Climate does much advantage which is in so just a proportion betwixt heat and cold that it injoyeth the benefits of both, and feeleth the inconveniencies of neither. If we go towards the South, we find the people still a degree more swarthy, if towards the North, more brawny and gross; built to receive the rude assaults the winds breed there, though of a complexion generally clear enough; that they are ingenuous above those of other Countreys is evident from their prudent management of Economical affairs, for on them with us they all relie; which is a great Trust, since the welfare of the State depends upon the health of its Members; the reason of this is, the so frequent and familiar converse they are allow’d with men within the bounds of Modesty, which, no people the French excepted, admits of to such a degree. And certainly in their so great strictness to this sex, the Italians (those grand Masters of Polliticks) do very much err. For besides the injustice they act in depriving them of that liberty which God, and Nature alloweth them; it is impossible they should ever become more virtuous by being confin’d to the melancholy of a Cloyster which to deceive the idle hours, indulge and administer loose thoughts, which with God are equivalent with deeds; when, if they conversed in the world, they might improve themselves in Knowledge, and the diversions they would receive from the company of others would keep them from thinking ill so frequently; and Modesty from acting it. And it is most sure, that if ever they can free themselves from those superstitious Fetters of mistaken Devotion; the Flames, which have been so long smother’d, will burst out with such an impetousity, and violence, that they will devour all inclinations to Modesty and Virtue, and will never be extinguish’d in the deepest Abysses of carnal enjoyments. Im Vergleich zu den Bewohnern der klimatischen Extremzonen nimmt die Bevölkerung der mittleren Zone eine bevorzugte Stellung ein. Preston entwirft hier ein Nationalitätenschema, das heißt, er unternimmt einen stark schematisierten Vergleich mehrerer Nationen im Hinblick auf ihr charakterliches Verhalten in bestimmten Situationen. Dabei tritt eine ethnozentrische Tendenz zutage. Die vertraute Welt des Eigenen wird als Norm, das Fremdartige als

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Vgl. Blaicher, a.a.O., S. 13.

if my Servant be unfaithfull. Punkt 1 fungiert als Einleitung. in which great circumspection ought to be used. she must remain mine. ohne daß dieser selbst dargestellt worden ist.. Cambridge Mass. which no Alexander can cut. zeigt sich an einer spezifischen Ausformung der Charakterskizze. Die Rekonstruktion der literarischen Reflexion über und den Beitrag der Literatur zur Herausbildung nationaltypischer Mentalitäten und kultureller Identitäten ist Gegenstand der anglistischen .. Since the impertinencies of the Maid always continue.a. Die jeweiligen Verhaltensattribute finden sich unter dem entsprechenden Völkerstichwort in den Epithetonlexika der Zeit zum Beispiel in Joshua Pooles The English Parnassus: or a Help to English Poesie (1657). 1940. unvollständig und assoziativ behandelt. den characters of Nations. der mit einem abschließenden Absatz beendet wird: THE WIFE 1. ed. Der Leser erhält 140 141 Vgl.. daß sich die Verschiedenheit der Völker und Nationen auf (stereo)typisierende Weise erfassen ließe. S. die Punkte 2-4 sind Hauptteil. enthält aber auch subjektiv gefärbte und unverbindliche Ansichten. ihr Charakter (Punkt 4) und ihre Aufgabe. Abhandlung oder Erörterung bedient sich der abstrakten Verallgemeinerung.87-104. aspekthaft. in: Blaicher. a. Franz Karl Stanzel.141 Mit THE WIFE wird der Übergang zum ratgebenden Essay vollzogen („some rules for the choice of a Wife”). C.O. so daß er der Form nach zwischen einem feuilletonistischen Plaudern und der wissenschaftlichen Abhandlung rangiert. der Schönheit (Punkt 2). in: W. S. Matrimony is a Gordian Knot. 84-96. indem es sofort mit einem Werturteil über den Gegenstand beginnt. and grow up into the Wife.181 Deviation verstanden und in Kontrasten verzerrend dargestellt. die Rolle des Stolzes (Punkt 1). he who paints one of them giveth you the full draught of the other: I think it therefore not extrinsique to my Province to lay down some rules for the choice of a Wife.a. verknüpft die „Caractères des nations” mit Überlegungen zur Anthropologie. Die numerierten (!) Textabschnitte sind Sinnabschnitte und geben dem Aufbau eine formale Geschlossenheit. since by this Union a man either builds his happiness. I can strike a League with another.O. 89. Abbott. Der Essay als Versuch. hier S. Inhalt der Abhandlung ist die Frage nach der richtigen Partnerwahl. „Das Nationalitätenschema in der Literatur und seine Entstehung in der frühen Neuzeit”. I can change him. Das textuelle „I” setzt ein tonangebendes Vorzeichen. a. Collected Studies by Chester N. Van Delft. but though my Wife prove so. if she be not guided by a natural prudence. des Vermögens der zukünftigen Gattin (Punkt 3). or misery during life. Das Thema Ehefrau wird hier bewußt subjektiv. If my Friend prove false.140 Die Überzeugung. Die spezifische Ausprägung der Charakterskizze als Beschreibung von nationalen Typen ist Gegenstand der Untersuchung „Characters of Nations”. Greenough.

nor the necessities of your body. Let not Beauty alone allure any man without internal. to mount whilst a leaden Plummet tied to his Leg keeps him down. and they certainly must be very numerous. you have the honour to march out with your horns in your pocket. das variationsreiche Umkreisen des Themas. Die Fragen machen den literarisch explorativen Charakter des Textes deutlich. which play upon it. is like an house adorned without with various Pillars.182 damit eine Einweisung in die Intention der folgenden Erörterung. like a bird upon the wing. exquisite Cornices. schreibt Preston. Garden or Wood: this may treat your eye a while. No Woman’s virtue in the World (if young) can be so strong a Fort to her. so that whosoever matches here. but it neither administers to the delight of your mind. and Pillasters of several Orders. Neu hingegen ist die assoziative Gedankenführung. but will also bring his Kindred within. die mit Komplimenten und Schmeicheleien die Frau umgeben und am Ende den Gatten als Gehörnten zurück lassen: 2. his want forces him to the meanest actions: he is. most comers inquire for you. . Ein Vergleich mit dem politisch-höfischen Kontext verdeutlicht beispielsweise die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl: Like the Courtier who is not satisfied to beek himself only in the Sunshine of his Soveraign’s favour. She will be a Magnet to draw as well the noble Steel to your house as the ignobler Iron. Als rhetorisch-stilistische Gestaltungsmittel wählt auch Preston Metaphern und pointierte Diktion. but be assured their visit is to my Lady. sind doch die kulturellen Stereotype Medium kultureller und patriotischer Selbstvergewisserung. but never hope to be reinstated in the place you had in her breast. when they must submit to the universal allay of poverty. Kulturwissenschaft. and neat Carvings. and complement. Eine zu schöne Frau bringt viele Verehrer ins Haus. the Setting sun casts the longest Shadow. die anschaulichen Beispiele. Die Schönheit der Frau soll ausgewogen sein. Her pride also will make the blood of her Children run high. espouseth not one. the warmth of his raies. When the Head of the house falls. Geweckt wird dadurch die Erwartungshaltung des Lesers. his dependants by consequence partake of his fortune. and without either Orchard. but a whole Family. or external endowments: She who can boast nothing but good outward features. Hinter einer schönen Fassade müsse sich ein guter Kern verbergen. If she yield to to a noble conquerour. but within naked. der die Beschreibung vom Standpunkt des first person narrator verfolgt. What can be more despicable than a Title without the support of an Estate? a mans honour bids him soar to high things. and flying colours. which will be their great unhappiness. Von der objektiven Beobachtung eines Theophrast wandelt sich das Genre zur subjektiven Darstellung und Bewertung. but it may be rendered to the perpetual showers of flatterie.

Above all let her be of the same faith with her Husband. tis she who feeds the Poor. for the neatest Ship fails best. though bound with a golden Chain and that the fettered Captive in the deepest Dungeon is more free than he. a good mien. and cloathes the Naked. for another that is fairer. Nature never impresses an ill mark upon her good pieces. nor the additions of singing. a good assurance. sie soll dem Mann Kinder gebären. for then one seeth the worst of her. But since we may not hope to find all these accidents centred in one Subject. and her lips give him words of joy. outward goods. but rather make her higher. who still plagues him with repeating that accession his fortunes received by her (though) she commonly hath the chief hand in spending it: whoever then stands thus. Reichtum als der ausschlaggebende Punkt bei der Partnerwahl schafft Abhängigkeit: 3. tis she though she brings not Riches. for the first thing a man neglects in his wife is her beauty. be not too sollicitous to obtain them. Let not Riches alone draw any man. A good Inn hath very seldom a bad Sign-post. Der Frau wird in dieser Passage die Verantwortung für das Gelingen der Ehe übertragen (stilistisch wird dies unterstützt durch die repetitive Verwendung von „tis she”). and at his return recreates and caresses him with chaste embraces. tis she who fastens a blessing to all her Husbands undertakings. whilst he supplies her from without. for they enhance not her value more. dancing be the motives to affection. Tugendhaftigkeit ist das wichtigste Attribut einer Frau. playing. yet gathers them. he reserves the empire of his mind to himself alone. first to the Gold. Let her be well-shaped. sicheres Auftreten. tis she who presents him with fair and chast Children to adorn his Table and support his age. or all of these. for how can they concurr in the menageing of their affairs. Let no one choose one deformed (if he can avoid it) for it is observed the mind is always the same shape. must confess himself to be a slave. Whoever hath one. and her Country good and just Patriots. This Antiquity knew. Nor let a quick Wit. eine gute Haltung. gesellschaftliches Wohlverhalten wie die Fähigkeit zu Tanz und Gesang bringen vom Weg der Tugend ab: 4. let her be past the small Pox. when it said. Schlagfertigkeit. and hates not but prayes the conversion of his enemies. damit diese ihn im Alter versorgten. yet without an arm. tis she who by her prudence fills his Granaries within. and heals him with balmy kisses.183 Der Mann muß sich auch Gedanken über die Vermögensverhältnisse der Gattin machen. Lose not any material circumstance in one. because however his body is secured. more than all Arts and Sciences in one Brain: Virtue is to be chosen naked. tis her breast which receives his cares. and wants Virtue. and then to the imperious humour of one he hates. If it be thought convenient. ‘tis she who in her Beloved’s absence shuts her gates to all forreigners. tis she who loves his friends. is like a body well-shaped. cave sis ex eo quam Natura figillaverit. who disagree in the way of worshipping their God? If to virtue Heaven will add externa bona. before all the other gaily dressed and embroidered. Damit kommt auch der Staat zu . tis she who giveth her King loyal Subjects. be thankful: if it doth not. for thus he enslaves himself. a leg or eye. This fair creature is a portion of her self.

184 treuen Untertanen. womit wieder der Charakterbegriff thematisiert ist. Das hier angewandte Verfahren hat nichts mehr mit dem Prototyp gemein. So bietet die Ehe Gelegenheit. während er sich um die äußere kümmert. Reichtum und wit sollten die entscheidenden Kriterien bei der Wahl der Gattin sein. diese Form der Veranschaulichung eines Themas als aus der Charakterskizze Overburyscher Prägung hervorgegangen zu denken. Mit freundlichen Worten unterhält sie den Gatten. Zunächst erörtert er die Motive der Wiederheirat der Witwe. Tugendhaftigkeit zu demonstrieren. wird ebenso bloßgestellt wie mangelndes Vertrauen in die Tugendhaftigkeit des Partners. Dieser soll keine häßliche Frau wählen. essayistisch-didaktisch angelegte Abhandlung über das Wesen der Frau. 142 Zur Verbindung von Charakterbegriff und Weiblichkeitskonzept siehe die Ausführungen im Overburykapitel. welche die Verfasser der Wochenschriften in verschiedenen Nummern ihrer Blätter und in vielfältigen Darstellungsformen behandeln werden. Die Weitschweifigkeit lenkt von der Darstellung der charakterlichen Disposition eines Typs ab und ist als Handlungsanweisung für die Wahl der Gattin zu sehen. die im Zusammenhang mit dieser Rolle wichtig sind. sondern Tugendhaftigkeit und gleiche Religionszugehörigkeit. Dieser Art der Schilderung fehlt es an der komprimierten Darstellungsweise. diese liegen in Geldgier oder ungebändigter sexueller Lust. Seiner Feinde gedenkt sie im Gebet. In Prestons satirischen Überlegungen zum Witwenstand werden noch einmal alle Aspekte gebündelt. . Zentraler Gedanke dieses Textes ist das Verhältnis von Innen und Außen. Von der klassischtheophrastischen Form des Charaktertypenporträts bleibt lediglich der Name character. insbesondere die Verbindung von Schönheit und charakterlicher Vollkommenheit: „Nature never impresses an ill mark upon her good pieces”. aber auch die Freunde des Mannes. die die finanzielle Sicherheit als einzige Grundlage einer Eheschließung für ausreichend halten. rät Preston. füllt sie seine „innere Kornkammer”. auch wenn Schönheit vergänglich ist. Verantwortlich für das Heim und den Mann. Es fällt schwer. Sie versorgt die Armen.142 Mit den Aspekten Eheführung und Partnerwahl nimmt der Autor Themen vorweg. die als typisches Merkmal der ersten Skizzen festgehalten wurde. Nicht Schönheit. Die Gedankenlosigkeit jener Menschen. ansonsten handelt es sich hier eher um eine humorvolle.

and he leaves her in those real Extasies which before he feigned. den Text wie eine Szene im Drama wirken zu lassen. he extols a Complexion which her washes gave. The Arts by which she menageth her designes are these: she giveth out her sums to be very great. die dazu beitragen. sich durch den männlichen Blick definieren zu lassen und sich dem männlichen Schutz anzuvertrauen. or if good. since it would be so far below her merit: but when he also like a valiant Chevalier 143 Mergenthal. denn es ist letztlich die Gier. which he expected. it ought to exercise that of reviving: How long! how long (Madam saith he) is it your pleasure I shall continue in these torments! I were happy might I fall a victim to your graces for the glorie of the action would sweeten the agonies and convulsions of my death! But oh! let me not live only to yield my heart a prey to keen and tormenting Vultures! But when by these false wayes he hath drawn the weak creature to an assent and finding the baggs not to be of that Volume. and her years few. an Oath with him most sacred. auf die die Frau ihrerseits mit Täuschungsmanövern reagieren muß. Aspekte der Verzerrung und Übertreibung spielen im Mittelteil eine wesentliche Rolle. who protests by her eyes. 38 macht darauf aufmerksam. that he loves and honours her above all the world. andererseits wird die normale Beziehung zwischen den Geschlechtern als eine Beziehung imaginiert. or most miserable of men. have the power of killing but like it. He tells her it sends forth darts. Mit bezug auf das Kapitel „Conduct and Behaviour” aus Gregorys A Father’s Legacy to His Daughters schreibt sie: „Einerseits wird die tugendhafte Frau in diesen Texten dazu aufgefordert.O. ist die Konstellation doch für den Moment ein „Appetithappen”. superadding. Jahrhunderts sind. his love vanisheth. well knowing that no man of fortunes will come on unless upon one of these accounts. that she alone disposeth his fate. that if the World were his own. Das ungleiche Paar macht sich zum gesellschaftlichen Spott. und auch wenn diese nicht befriedigt wird. who professes and vows to the same degree if not higher. and swears he adores her eye as radiant. S. desiring to repeat those pleasures he hath been author of to her.a. This armour is succeeded perhaps by that of the powdred Gallant. die durch Täuschung seitens des Mannes gekennzeichnet ist. He saith all that Oroondates could to Statira or Celadon to Astrea or Zanger to the Hungarian Queen. machen die Eigenart des Textes aus. daß die gegenseitigen Täuschungsmanöver ein Thema in den conduct books des 18.” . which like to the Pelian Spear. is alwaies ready to hold out her hand for new manacles. The same of these draws perhaps a Lord to her. her demeans large. he should not have the confidence to ask her to be empress of it. too.. that is in her breast to pronounce him the happiest.185 Dann legt er die Strategie der Witwe offen: sie täuscht den Mann und wird getäuscht. if her Husband hath been bad. a. Die Verwendung der direkten Rede und die Interjektionen. die sie zusammenbringt.143 Dieses gegenseitige Täuschungsmanöver führt zu Frustration auf beiden Seiten. Gerade das Bild des jungen Mannes und der reichen alten Witwe ist traditionell Ziel allen Hohns. THE WIDOW Either hoping for better fortune. which perhaps is blood-shot.

to be beloved of me? Mr Cowley His way is compendious. Verallgemeinerbare in den Hintergrund treten. unter denen ein Verhalten zu beurteilen ist und die Folgen. and now undeceived. she is sure no body will envy her. why should they not make a match of it. and maketh as good use of it. he tells her he cannot say much but Dam him he loveth her. Seine Schilderungen unterscheiden sich in der Stoffbehandlung wie auch vom Umfang deutlich von der ursprünglichen Form der Charakterskizze. He resolves thus with himself: By heavens I’ll tell her boldly it is she: why should she shamed or angry be. she grows more subtle and so less credulous. denn die Aufmerksamkeit wird auf zwei Personen verteilt. cursing his hard fortunes. and if she loveth him. angles all day in hopes of a Salmon but at last he catcheth a Trout. Now after these Ambassadors of Love. and is resolved to embrace the first who offers himself. Preston berichtet hier ein menschliches Schicksal. Preston verstößt gegen das Prinzip des Exemplarischen. and that not she hath been their Diana. she grows desperate. who having baited his hook well. is admitted into her Cabinet and is a jewel. Das Bemühen um eine Vermittlung psychologischer Einsichten in die Handlungsmotivation einer Figur kommt hinzu.186 hath gained the Castle and finding the Outworks not worth the holding. die detaillierte Ausmalung der individuellen Umstände (Entwicklungsfaktoren) lassen das Typische. in den Mittelpunkt der Darstellung. Der Aufbau ist systematisch und nicht zufällig. she finds her Eyes have not half that lustre which her Gold hath. And by this brisk addres. wenn er dem Gegenspieler der Witwe einen Eigennamen zukommen läßt. die mythologisierte und pastorale Konventionen aufnimmt. die sich daraus ergeben können. Thus the Widow imitates that Fisherman. Now he (perhaps a younger brother) who before went no farther than the Drawing-room. Being then thus deluded. Immer mehr erzählerische Momente fließen in die Charakterdarstellung ein: so verweist die Verwendung von „Now” und „Then” auf eine Abkehr von der chronologischen Beliebigkeit der Gattung. auch wenn die Witwe als Repräsentantin verfestigter sittlicher Untugenden erkennbar bleibt. or Antichamber. Neben den Äußerungsformen einer Eigenschaft rücken nun die Bedingungen. and many more of the same Mould have had their Audiences of Congee. and therefore proceeds more freely. he marcheth off with whole vollies of Oathes. Der Text wird damit zur Charakter- . and it is a very pleasant Scene to behold their carriage. Dieses Porträt entwirft eine Szene. (which is certainly more manly and becoming than the other) he carrieth the Prize. Die Personenkonstellation gewinnt an Relevanz. ferner besteht ein Kausalzusammenhang zwischen den Beispielhandlungen. which though it may not satisfie his avarice so well. yet it doth his appetite.

Too long she does her guiltless Blushes hide. Invite her down to her Domestick Charge.“ veröffentlichte. A Province. die Beispiele weiblicher Tugenden zeigen und schließlich 22 Seiten characters in Versform. 1691. A Present for the Ladies ist eine Neufassung des feministischen Traktats des Agrippa von Nettesheim aus dem 16. Die Frauendarstellungen Prestons belegen eine Öffnung zum Essay. Sie demonstrieren eine formale Veränderung und haben eine politisch-ökonomische Perspektive. darin enthalten sind ein zwölfseitiges Vorwort. 1652-1715) wurde in Dublin geboren. 7. fügte er Halls characters in Versform: Joseph Hall. like her Vertues. Jahrhundert und vor allem an das wachsende weibliche Lesepublikum gerichtet. The Character of an Accomplished Virgin. fair and large. Das in heroic couplets verfaßte Gedicht CHARACTER OF AN ACCOMPLISHED WIFE lautet (in Auszügen): The Wife Go Muse and bid good morrow to the Bride. In der Darstellungstechnik unterscheidet sich Preston von der direkt beschreibenden Methode der Klassifizierungen. der Unbeständigkeit und Indiskretheit freispricht. Der zu seiner Zeit bekannte.187 erzählung.in infant state. Characters of Vertue and Vice. studierte am Trinity College und veröffentlichte 1677 in London seine ersten Gedichte. To the mild limbo of our father Tate!” (Alexander Pope) Nahum Tate (ca. heute jedoch in Vergessenheit geratene Autor. das die Damen vom Vorwurf des Hochmutes. 1692 wurde er poeta laureatus und königlicher Historiograph. Bevor er 1692 A Present for the Ladies mit dem Untertitel „Being an Historical Vindication of the female Sex: To which is added. Auch diese umfangreicheren Texte dienen der Belehrung. . schrieb Gedichte und Dramen. versuchte sich als Übersetzer klassischer Werke und befaßte sich mit Shakespeare-Adaptionen. Nahum Tates Charaktere in versifizierter Form „O! pass more innocent. Attempted in Verse by Nahum Tate. der Schwerpunkt hat sich aber von der Charakterdarstellung in Skizzenform auf die Darstellung oder Erzählung von Ereignissen verlagert. Dem folgen über 100 Seiten in Prosa. In Verse. entstammte einer puritanischen Familie. er gibt Handlungen und Reden einer scheinbar existenten Person als beobachtete Verhaltensweisen aus und bringt stärker veranschaulichende und individualisierende Momente in die Charakterisierung ein. Wife and Widow.

take care these Blessings to conceal. Next Heav’n. From noisy Haunts where News-Brokers resort. O Swain. . Tis there Dove-like Soul. Without that Ark are only Waves and Wind.. Nor let their Knowledge from thy Cottage steal: . Thrice happly Man what Numbers can express The Entertainments of thy sweet Recess. . With his Domesticks. More truly hers than her own native home. that to a Mansion she is come. How but a Subject there she did appear. To thy Heart’s Mate and dearer Self at Home. her Husband the next worthy Guest Possesses the fair Mansion of her Breast. Which her good Man as frankly puts about... From Witlings most tormenting Company. When from the Herd of People thou dost come. par’lous Country Wits: One tells a Fable.188 Tell her. her rest must find. The Household supp’d. From treach’rous fulsom Complements of Court: When from this Penance thou dost home repair To the Embraces of thy chast and fair How soon does her lov’d Bosom charm thy care. From Friends that make an absent Friend their Sport. What Prince with that blest Husband can compare. Unless the genial Bed relieve the Throne. O may she never the Exchange repent! While Nuptials her from their Embraces call A kinder Husband makes amends for all. A Regent now and in her Palace here. From tender Parents Arms to a Hymen sent. From busie Sots of Fops more teasing fry. by himself devis’d That’s by a next a shrewdly moraliz’d: The good Wife then the well-spice’d Bowl brings out. Unless like his a Comfort ease his care: Beneath the glitt’ring weight of Crown he’ll groan.. about the Hearth he fits.

sondern geht in zahlreichen nichtbiblischen Episoden und Digressionen auf historische und zeitgenössische Ereignisse und Lehrmeinungen (z.B. S.144 Während die meisten Charakterskizzen im 17.. die die Frau als minderwertigen Mann verstand. So kann Miltons Eva in Paradise Lost als „figure of the Good Wife”147 gelesen werden. der die Form aufnahm und verfeinerte. Milton entwirft eine hierarchische 144 145 146 147 148 Nahum Tate. keusch. hat er sehrwohl auf die Geschlechtsspezifik geachtet. S. sie ist tugendhaft. Literature and the Nature of Womankind 15501620. 78. Smeed. Jeremiah Wells in seinen Poems upon divers Occasion (1667). Andere arbeiten mit beiden Formen. Manche character-books sind ganz in Versen gehalten wie Thomas Jordans Pictures of passions.a. kultivierte Ehefrau gängige Verhaltenscodices. Thy Solitude a City soon wou’d be. The Character of an Accomplished Virgin. Eine spezifisch englische Neuinterpretation des Geschlechterverhältnisses hatte sich in puritanischen Eheschriften und in literarischen Entwürfen idealer Liebes. ed. Women and the English Renaissance. Jahrhundert in Prosa verfaßt wurden. A Present for the Ladies. weise und sanftmütig. 91-100. z.189 Should once the Court or Town thy Pleasures see.148 Paradise Lost erschöpft sich nicht in der Wiedergabe der alttestamentarischen Schöpfungsgeschichte. Das Reich der Frau ist der Haushalt.und Ehebeziehungen der Zeit vollzogen. „Die Träume von Adam und Eva im Paradies” aufmerksam. Durham 1962. 1996. sondern auch die inhaltliche Gestaltung des Geschlechterverhältnisses. Vgl. Linda Woodbridge. Es erinnert nicht nur der Musenanruf an das große Vorbild Milton. Als Milton in den 60er Jahren des 17.egalitäres Modell der Aufklärungsphilosophie. die thematische Darstellung auf puritanische. Being an Historical Vindication of the female Sex To which is added. S. Auch Tate bestätigt mit seinem Lobgedicht auf die wohlerzogene. Hervorhebungen KH. Auf die Geschlechtsspezifik der Träume macht Aleida Assmann.145 Seit der Jahrhundertwende gewannen die characters in verse an Bedeutung. Jahrhundert sein Epos über das Verlorene Paradies schrieb. 7-13. Frauenrat.bedingt . London 1692. 39. fromm und nicht geschwätzig. Fancies & Affectations von 1641. Brighton 1984. sind es einige wenige in Versform.. Jahrhunderts wird die ältere Konzeption der Geschlechterdifferenz. The Character-Sketches in Pope’s Poems. Popes characters sind Gegenstand von Benjamin Boyce. das ptolemäische und kopernikanische Weltbild) ein. a. schließlich eine ideale Gastgeberin und Stütze ihres Ehemannes. überlagert durch ein . In den letzten Jahrzehnten des 17. .O.146 Tates Wahl der Versform läßt auf klassizistische Einflüsse schließen.B. in: Gender Studies an der Universität Konstanz. dies ist vor allem Alexander Pope zuzuschreiben. Wife and Widow. S. In Verse.

in der alle Partikel aufeinander als auch auf Gott als oberstes Telos bezogen sind. as their sex not equal seemd. Vol. weshalb Miltons Epos den nachfolgenden Jahrhunderten als dichterisches Vorbild galt. Diese umfassende kosmische Sicht. New York 19318.”150 Auch der Gedanke der „mutual help” ist Milton sehr wichtig. daß sie arbeitet und nicht bloßes Beiwerk ist. For contemplation hee and valour formd. und so zeichnet sich die gute Ehefrau dadurch aus. I seek thee.” The Works of John Milton. 2. Zwei Aspekte des paradiesischen Gartens kennzeichnen auch die Ehe: „delightfulness” und „order” (IV. Part II. nearest my heart Substantial Life. from the bondage of Canon law and other mistakes to Christian freedom. eds. die bei Tate ebenfalls zum Ausdruck kommt. „The Doctrine and Discipline of Divorce restored to the Good of both sexes. The Works of John Milton. a. (IV. Paradise Lost. though both Not equal.251). ist wie die existentielle Durchdringung der Conditio humana und die Kunst der epischen Darstellung. Hee for God only. 374. „attraction” und „beauty”. For softness shee and sweet attractive Grace. er ist die Grundlage für „intimate conversation and companionable affection. Vol. guided by the rule of charity. Die Arbeitsteilung ist für Miltons Eheverständnis zentral.190 Seinsordnung von hoher Komplexität. His flesh.. to have thee by my side Henceforth an individual solace dear. Part I. Sie sind komplementär und stehen in streng hierarchischer Beziehung: . S. Part of my soul. „submissive charms”. the remedy of our loneliness..”151 Die Ehe muß harmonisch sein. Milton entwirft das Ideal einer identitätsvermischenden Symbiose und damit ein neues Liebesideal für das Bürgertum: Return fair Eve.O.. Dieser Gedanke findet sich auch bei Tate wieder. Milton sah in der Institution Ehe zunächst einmal den Sinn der gegenseitigen Hilfe und „the ordinance of our solace and contentment.. his bone. 295-299)149 Tates „Accomplished Wife” wird wie Miltons Eva charakterisiert durch „modest pride”. Whom fli’st thou? whom thou fli’st of him thou art.a. shee for God in him. 3.. and thee claim My other half. 132. So wie Adam und Eva sind auch Mann und Frau in der Ehe relationale Wesen. John Milton. to give thee being I lent Out of my side to thee. Ebd. . der Grund dafür. S. 481-88) 149 150 151 Frank Allen Patterson et al. (IV. 117.

wird von Milton ins Zentrum der Zeilen gerückt. Ein letztes Mal werden weibliche Charaktere paarweise einander gegenübergestellt. Die Charakterskizze öffnet sich nun endgültig dem Essay und wird schließlich in den Beiträgen der Moralischen Wochenschriften absorbiert. the very Care that Art takes of that Sex’s perfections destroys it: . Thomas Browns essay characters Thomas Browns Characters of the Women of the Age (1705) entstehen unter den allgemeinen kultursoziologischen Bedingungen zu Beginn des 18. Or. Diese Aspekte werden von Tate aufgenommen und in Form eines character in verse nachgeahmt. Seine Skizzen beschreiben vor allem das London der unteren Schichten. A PRETENDED GODLY WOMAN kontrastiert mit THE GOOD HOUSE-WIFE. Sohn eines Bauern aus Shropshire. Pamphlete sowie Satiren. das Aufkommen des Journalismus sowie die Integration von Frauen in die Leserschaft führten zu neuen Formen des Lesens. Die Sammlung enthält ferner THE CHARACTER OF A RELIGIOUS WOMAN. das die menschliche Selbständigkeit der Frau voraussetzt. 1720 in dessen Remains veröffentlicht. Characters of the Women of the Age. Das Herausbilden einer neuen Öffentlichkeit. 8. Jahrhunderts. die Vervielfältigung des Schrifttums.191 Der Widerspruch zwischen ehelicher Rangordung und der damit verbundenen weiblichen Gehorsamspflicht einerseits und andererseits dem Bedürfnis nach einem partnerschaftlichen Verhältnis. politische oder religiöse Urteile. Der CHARACTER OF A WANTON WOMAN beginnt mit folgenden Worten: That which we call Gallantry is a fond Relish of the World. but their Education confirms it. studierte in Oxford und verfaßte in London Übersetzungen. ist ein Ende des Genres erreicht. and of its Pleasures in general. Mit ihm und seinen posthum erschienenen A Legacy for the Ladies. Das Lesen wird zu einer zentralen Instanz der Einflußnahme nicht mehr auf moralische. and this is the best Mistress bestowed upon it. So folgt dem CHARACTER OF A WANTON WOMAN die MODEST WOMAN. A WITTY WOMAN und A PRUDENT WOMAN. By I know what unhappy Fate. sondern auf das gesellschaftliche Verhalten. and this Spirit is born with the female Sex. Civility indeed polishes it. Lesen als Verhaltensschule und Schule der Geschmacksbildung bildet den Hintergrund für seine Charakterskizzen. Thomas Brown (1663-1704). Their natural Temper contributes much to Foppery. and so renders the Folly entire.

192 So soon as a Girl learns to speak. die schon früh weibliche Erziehungsdefizite thematisierte.O. „I”). In den folgenden Ausführungen wird eine angemessene Erziehung als Grundstein guten Benehmens postuliert und damit Aspekte des Erziehungsprogramms der Moralischen Wochenschriften152 vorweggenommen: People wonder nowadays at the loose Behaviour and Wantonness of women. S. I wonder as much at them. Er thematisiert Umgangsformen. for what can they expect of Persons thus educated? Their natural Dispositions incline them to a soft and easy Life. Vgl. die rechte „delicacy” im Auftreten zu bewahren. Die kurze. ebenso wie Müßiggang. Kleidung. Ein Erzähler tritt subjektiv hervor („We”. a. Habitus und Benehmen die erforderliche Vollkommenheit zu erlangen.it is from such Models that Women take a Draught of their Conduct and Actions. Launenhaftigkeit und Geschwätzigkeit prangert der Verfasser an: Vanity is so imprinted in the Minds of Women that nothing less than a supernatural Hand can totally efface it. „their”). 10. prägnante Typisierung mit klarem Aufbau wird nun durch lange ausschweifende Passagen ersetzt. sondern vielmehr in den negativen Faktoren. das repetitive „she is” fällt weg. mangelnde Erziehung und schlechte Exempel. Der Grund für das Vorhandensein der dargestellten Untugenden und Mißstände sucht Brown nicht mehr in dem unabänderlichen Faktum Erbsünde. but few that are useful: Her first Steps are directed for Dancing. she is taught pretty Things. they are supply’d with divers modish Vices. she is only taught the Art of pleasing. die auf den weitgehend formbaren Charakter des Menschen einwirken können: Herkunft. and to avoid the Trouble and Labour of making her a virtuous Person. and to agreeable Things: their Beauty creates Self-Love.. her Friends are contented to make her a fine Woman. and instead of destroying this effeminate Tendency. das heißt. das heißt zu einem Leben gemäß den Forderungen der gesunden Vernunft. außerdem verwendet Brown den Plural („they”. Das Programm der pädagogischen Möglichkeiten und Aufgaben der Wochenschriften ist die Erziehung zur Tugend. Gewohnheit. Oberster Wert der Frauenbildung ist das „to be agreeable”. but not of Living well. that strengthen the ill Habit. . Die geringe Rolle der Religion und die Überbewertung der Mode führten zur Verwahrlosung der Sitten: .. Eitelkeit und Stolz.. im Gespräch. and make ‘em only take the more Delight in it. Mergenthal. die Konversation und das geziemte Betragen zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit.a. It is a prudent Intention to deprive them of the sense of 152 Gerade die Moralischen Wochenschriften sind eine wichtige Verbreitungsform. and the Result of all this is an unhappy tho’ general Confusion in their Understanding and Department. for my part.

and think it a Diminution to their Beauty. Es zeichnete die gattungsgeschichtliche Entwicklung der Charakterskizze im 17. but they are ready to please others also. not with an Intention to be more charming. Dabei sind die Leistungen der character-writers für die Entwicklung der Gattung nicht einheitlich zu bewerten. . Ideale und einen Stil („easy and familiar”) vorweg. as the profoundest Learning in Men. Damit nimmt Thomas Brown Vorstellungen. being much better pleas’d in the Crowd of their Lovers than with the Reality of Love. Finally. Halten wir fest: dieses Kapitel hatte eine doppelte Zielsetzung. and design not to fix themselves inviolably on one but to gain Many. so in Mme. and every new Conquest inflames ‘em still with a Desire of extending their Victories yet farther. to make but one Conquest. tho’ the Power to please has been long since extinguish’d. Die Charaktertechnik dieser Frauenbeschreibung hat Vorläufer in Frankreich.193 true Knowledge. Jahrhundert anhand der in diesem Genre artikulierten Frauencharaktere nach (I) und beleuchtete diese unter dem Aspekt des Geschlechterdiskurses (II). and the Vanity of their Desires continues. that they no sooner find they please one Subject. than but to conform her self of others Intrigues and from thence to know better how to manage her own: She dresses her self. in Prose and Verse.153 Geistige Untätigkeit führt zum tadelnswerten Verhalten des weiblichen Geschlechts. Die Charakterskizze wird mit ihrem „Wiederkennungseffekt” zum Spiegel 153 The Remains of Mr Thomas Brown. in der Bildung nur ein Schattendasein führt und die „vanities and follies” der zeitgenössischen „fashionable women” einen vorrangigen Platz einnehmen. der dann in einem anderen Medium. den moral weeklies dem Bürgertum nähergebracht werden. Von unterschiedlichen Autoren wurde die Charakterskizze als literarische Gattung bestätigt und als von anderen dichterischen Formen emanzipierte Charakterbeschreibung genutzt. they are led into the Paths of Ignorance. they consult all the preexternal Advantages. Pride and Affectation and firmly believe. de Pringys Les Differents Caractères des Femmes du Siècle (1694). tho’ it be never so considerable. in order to attract Love. In one Volume. die der Autor übersetzt hatte. is in them a great Talent. Eng verbunden wird Vernunft und Sittlichkeit. S. and all this is managed with a wonderful Art: they frequently add with Design to their charms that which Nature had refused them with Justice. Edinburgh 1720. They study their Looks (many of the Charms being but the Convulsions of their eyes) and which agrees best with them they prefer. and these Designs are of so large an Extent. Serious and Comical. Brown beschreibt hier das lasterhafte Leben einer Bürgerin. 145-151. to prevent their falling into the Pride of the half-learned. A Woman reads with no other Design. that to understand the World. but an ill Effect is all the fruit of that good Design. but to charm more Men. and therefore they make it their whole Application.

dem Entwicklungsgang der Gattung entspricht. stoffliche und inhaltliche Unterschiede zum antiken Vorbild feststellen.und Neugestalten. sondern vielmehr um ein Um. Das bildhafte Moment entsteht durch den Einsatz einer reichen . Es handelt sich hierbei nicht um ein direktes Kopieren des antiken Vorbildes. der Satire und Komödie auf. Ad I: Mit der Betrachtung der Frauenporträts wurde die Entwicklungsgeschichte einer literarischen Gattung nachgezeichnet. der moralischen Beurteilung in diesem Zeitraum. Es finden sich anthropologische Diskurse ebenso wie Nationaldiskurse. mit Overbury wird Stil und Form der neuen Literaturform inauguriert. um zu kritisieren oder zu unterhalten. Abschreiben und Umschreiben. kann mit Breton eine formale Veränderung konstatiert werden. wie wir es uns heute nur noch schwer vorstellen können. Autorschaft geschieht im Dialog mit bereits existierenden literarischen Werken. wobei die zeitliche Reihenfolge. die Verhaltensbeispiele durch Aufzählung habitueller Verhaltensweisen oder anekdotenhafte Kurzszenen liefern. des Menschenbildes. Jahrhunderts benannt. Gleich zu Beginn lassen sich formale.und Kulturgeschichte des 17. Damit ist auch der Stellenwert dieser Texte für die Ideen. Schwerpunkt hierbei ist die Gestaltung zur Szene. aber auch Zeugnis für dessen formale und sprachliche Möglichkeiten. Mit Parrot und Saltonstall kommen neue Elemente in die Gattung hinein. Beide Verfasser wählen eine eher narrativ-illustrierende und exemplifizierende indirekte Typenbeschreibung. Es vollzieht sich ein Prozeß transtextueller Verfestigung. Im 17.194 gesellschaftlicher Formationen. Erfolgte durch Overbury zunächst eine inhaltliche Ausweitung. in der die als Quellen verwendeten Charaktersammlungen erschienen. Jahrhunderts artikulierten Forderungen auf. die eher deskriptiv-definierend über Analogien beschreibt und Wesenszüge nennt. So nehmen die Verfasser Aspekte aus der zeitgenössischen Erziehungsliteratur. Er verwendet einen zusammenhanglosen Nominalstil und wählt für seine Idealbilder die direkte Präsentationsform der Typenbeschreibung. durch Übernahme und Erneuerung. Die Texte sind als Sammlungen von Skizzen unterschiedlicher Typen und Darstellungsformen ein bedeutsamer Spiegel des Wandels vom neuzeitlichen zum aufklärerischen Bewußtsein. der Bibel. Rasch geht jeder Zusammenhang mit Theophrast verloren und eine eigentümliche Art der antiken Form wird entwickelt. Jahrhundert erfolgt eine Wiederbelebung der theophrastischen Charaktere. Diese erste Autorengruppe weist eine recht enge Anlehnung an die in den Metatexten der ersten Hälfte des 17.

Jahrhunderts tritt eine Zäsur ein. Biographie. das zu zeigen versucht. womit eine wichtige Entwicklung hin zum Roman eingeleitet wird. ausschweifender Passagen aufgegeben. Integration und Einbettung in ein kohärentes und plausibles Umfeld allmählich die romanähnlichen Strukturen ausbilden. Die Kürze wird zugunsten längerer. die Charakterbilder immer detaillierter. Mit der zweiten Hälfte des 17. ohne sich an Nachahmungsschranken zu binden. und die Mischung aus Individuellem und Generischen verlagert sich ganz allmählich hin zu individualisierenden Konturen. verzerrt jedoch den Entwicklungsgang der Erzählkunst der Zeit in mehrfacher Weise. daß es sich formal um ein ständiges Experimentieren und Spielen mit dem Material handelt. Jahrhundert. Dabei ist ein kontinuierliches Vordringen erzählender Momente zu beobachten. Im Laufe der Geschichte erhält die Charakterskizze daher die verschiedensten Nuancen subjektiver Färbung. sondern gehen in mehreren Übergangsformen aus den früheren hervor. wie sich aus narrativen Kurzformen durch deren Aneinanderreihung. Diese Charaktere in versifizierter Form sind der Beleg für eine weitere Spielart der characters im 17. bevor sich dann die physische Referenz der Gattung allmählich auflöst. Fullers Werk. Die geforderte Kürze wird beibehalten. Ein teleologisches Darstellungsschema. Mit Tates characters in verse wurde eine Randerscheinung demonstriert. Die verschiedenen Ausformungen stehen sich nicht schroff gegenüber. Mit Habington geht Kürze und Epigrammatik der ursprünglichen Form verloren. Die Form wird lockerer. Frühneuzeitliches Erzählen in Eng- . Die letzte Phase des Genres leiten Preston und Brown ein.195 Bilderprache. ist deutlich von der christlichen Moral geprägt und im Predigtton verfaßt. und die characters wechseln mit Aphorismen und allgemeinen moralischen Betrachtungen ab. die überkommene Form dem eigenen Wollen gemäß um. Nun aber fließen individualisierende Tendenzen in das Genre. character und Verhaltensmanual darstellt. In ihre ausschweifenden Menschenschilderungen geht bürgerliches Gedankengut ein. das Werk ist in lange Abschnitte eingeteilt. Mit Flecknoe findet ein letztes Mal eine Rückbindung an den Prototypen statt. Dennoch bauen die Verfasser stufenweise aufeinander auf. Durch die inhaltliche Kontinuität und Konstanz wurde deutlich. das eine Mischung aus Essay. die characters als „Antecedents of the English novel” stünden. ebenso die Mischung aus Individuellem und Generischem. Das Genre erfährt nochmals eine starke Bearbeitung. der hochrhetorische Stil wechselt hin zum plain style. Die Strukturen werden verfeinert. Die Verfasser der characters prägen. Es entstehen lange hymnische Vorbildporträts.

Wäre nicht durch die Kontinuität der Zwischenglieder die Verwandtschaft und das sukzessive Hervortreten der Spätstufe aus den theophrastischen Anfängen nachzuweisen. bürgerlich-revolutionäres Lager eine untergeordnete Rolle. Den Verfassern scheint nicht daran zu liegen. Modelle vorbildhaften Verhaltens entwickelt und gleichzeitig Strategien dafür aufgezeigt worden. daß sich zwischen den Charakteressays des 18. Jahrhundert erreichen die Charakterporträts zu Beginn des darauffolgenden Jahrhunderts eine Position äußerster Gegensätzlichkeit. Ad II.196 land tastet sich nicht nur an den realitätsbezogenen. insbesondere in den conduct books der Zeit. Die höfisch-aristokratischen Anschauungen gehen in bürgerliche Werte über. Waren in der Literatur. Gegenüber den Anfängen im 17. Die Festigung und Verformelung von Topoi erweist sich dabei als dominantes Denkmodell des beobachteten Zeitraums und als angestrebtes Ziel der Autoren. Die Gattung zeigt bei Thomas Brown jetzt Züge. In aller Umgestaltung aber bleibt die Grundidee erhalten. sondern es ringt auch um die Aneignung stilisiert artifizieller Erzählmuster der Antike. ko- . Als Geschlechterdiskurs transportieren die Frauencharaktere christlich-bürgerliches Tugendgut. wie diese durch Erziehung in die Praxis umgesetzt werden können. aristokratisches bzw. ein linkes. mit Hilfe der Charakterskizze gegen die für einen bestimmten Stand typischen und auf ihn beschränkten Unsitten oder moralischen Verfehlungen zu polemisieren. Dargestellt wird ein Typus. charakterisieren. die Eigenschaft wird im Präsens erörtert und in allgemeinen Beispielhandlungen beschrieben. Jahrhunderts und Overbury so gut wie keine unmittelbare Verbindungsmöglichkeit und Vergleichbarkeit mehr erkennen läßt. die mit ihren Texten nicht nur darstellen. Als Reaktion auf gesellschaftliche Verhältnisse fließen aber immer mehr Kontexte in die Gattung ein. so müßten verschiedene literarische Formen angenommen werden. Form. Inhalt und Gehalt sind in einem Maße weiterentwickelt worden. Die porträtierte Frau trägt keinen Namen. nämlich die monographische Behandlungsart des Charakters. Vielmehr werden die Typen als Vertreter von Schwächen wie auch von Stärken allgemein behandelt. prosaischen Roman heran. Milieu und soziale Stellung sind nirgends allein entscheidender Faktor für die charakterliche Prägung. Dabei spielt die Zuordnung der Autoren in ein rechtes. fließen solche Modelle in die Charakterskizzen in kurzer unterhaltender Form ein. die in konträrer Richtung zu dem anfänglich intendierten verlaufen.

In den Charakterskizzen des 17. Im 18. So wird die Frau primär als Gattin.197 pieren oder den Spiegel vorhalten. Anmut und Güte. . Den Autoren geht es um die Beobachtung menschlichen Handelns durch die Aufstellung von Wunsch. die entweder selbst lesen und schreiben konnten. werden dem Mann die Tugenden der Vernunft. Klugheit und Kraft zugestanden. Die Charakterskizzen werden von Männern verfaßt und ein Teil davon mochte von (wohlhabenden) Frauen gelesen werden. In die Frauenporträts gehen männliche Wunschphantasien und Ideologiekonstrukte ein. Mitgefühl und tätige Nächstenliebe. Dämonisierung oder Trivialisierung hinaus. Nun aber aus dem Blickwinkel weiblicher Verfasserschaft. Letztere wird als kultursoziologisches Phänomen wahrgenommen. soll hier noch einmal die Entwicklung des Genres im 17. Wir haben eine deutlich androzentrierte Perspektive. die ihn zum aktiven Teil der Menschheit bestimmen. Jahrhundert geht es mehr um die moralistische Bestandsaufnahme menschlicher Schwächen. Der Mann als Vollform. die eine mit (die Ehefrau).und Abschreckbildern. Jahrhundert betrachtet werden. Aus dem biologischen Geschlecht und aus den gesellschaftlichen Rollen der Frau resultiert ein Spektrum positiver weiblicher Qualitäten . Passivität. oder es wurde ihnen vorgetragen. die Frau als deren Unterbietung. Dabei gewinnen die dargestellten Typen ihre Popularität dadurch. Hausfrau und Mutter dargestellt. in denen sich die Vorstellung der Frau als variierte Form des Mannes spiegelt. Bevor dann die Charakterskizze in andere literarische Formen überführt wird. sondern auch ihre Auffassung von gut und schlecht spürbar werden lassen. Jahrhunderts. Die Ausgestaltung der Frauenporträts im Rahmen der characters läuft inhaltlich auf eine Idealisierung. ironischen Elementen und der Karikatur geschehen. Der idealen Frau werden Sanftmut. die andere ohne Mann (die Witwe). Die Gestaltung der Frauenbilder läuft über die defizitäre Beschreibung von Männern. Weiblichkeit scheint damit in einem männlichen Prisma gebrochen.Mütterlichkeit als lebensspendende Gebärfähigkeit und nährende Fürsorge. Bescheidenheit und Schönheit zugeschrieben. Dies kann durch das Einarbeiten von satirischem Potential. Im wesentlichen entwickelten sich zwei Präsentationsformen der Frauen-Charaktere. daß sie gängige Klischees weiblicher und männlicher Verhaltenscodices affirmieren.

.: „We may safely assert that the knowledge which men can acquire of women. 63ff. expected and dessigned. Thompson. a. „A Swaggering Coward”. S. Vgl. So findet man in den diversen character-Anthologien155 mit Ausnahme von Margaret Cavendish.” . is esteem’d.a.156 Auf die Schwierigkeiten weiblicher Autorschaft. was sie zu sagen vermögen. without reference to what they might be.” Aldington. inwieweit die geschlechtliche Identität als gestaltender Faktor im Produktionsprozeß von Charakterskizzen wirksam ist. a. S. Es waren von Männern entworfene Gattungsmuster. so meine 154 155 156 157 John Stuart Mill. wie sie im Motto zum Ausdruck kommen. a. The Subjection of Women. 45f. even as they have been are rare. S. und in der Sekundärliteratur gibt lediglich Elbert Thompson einen Hinweis: .. Inwieweit hinter den anonymen Verfassern Frauen stehen. 8 stellt fest: „Zur Geschichtsmächtigkeit der männlichen Bilder des Weiblichen gesellt sich nämlich für die schreibende Frau die Macht männlicher literarischer Traditionen. nennt Cavendishs „Fools” und „A Puritan Dame”. erbärmlich unvollständig und oberflächlich sein muß und bleiben wird. 340-348. Rippl. S. Die Präsenz von Autorinnen auf dem Gebiet der character-Produktion blieb bis heute weitgehend unberücksichtigt. „A Pedant”. and always will be so.a. Debarr’d from all improvements of the mind. is wretchedly imperfect and superficial.. Murphy. Ingeborg Weber.154 Daher möchte ich nun der Frage nachgehen.O..” (Anne Finch) John Stuart Mill äußerte einmal. a. mit weiteren Nachweisen. 5f. a. was Frauen sind. added her contribution to the rapidly growing list of characters. more than Nature’s fools. bis die Frauen selbst alles gesagt haben. How are we fal’n. fal’n by mistaken rules? And Education’s. 387ff.. hat die Forschung mehrfach hingewiesen. And to be dull..a.198 IV. London 1869. Mary Astell. kann nicht beurteilt werden. at least one woman... daß die Kenntnis der Männer von dem. 274-277 zitiert Cavendish: „On mode-minds” und eine anonyme Verfasserin (A Lady). S. waren und sein können. „A Coffee-house Politician” sind Texte ediert. Such an intruder to the rights of men.157 Autorinnen der frühen Neuzeit treten. S.. S.a.. The fault can by no vertue be redeem’d . Such a presumptuous Creature. until women themselves have told all that they have to tell. Frauen als Verfasserinnen von Charakterskizzen „Alas! a woman that attempts the pen.O. die in der neueren Forschung Judith Drake zugeschrieben werden. über die sich die weibliche Stimme auf der Bühne des Literarischen Gehör verschaffte.a. Duchess of Newcastle (1625?-1673) keine weiblichen character-writers..O.O. Mit den characters „A Country Squire”.O.

Welche Voraussetzungen gelten für das Ende des Jahrhunderts? (Abschnitt 3). Jahrhundert zeigen. Einzelne Frauen entwickeln ein neues Selbstbewußtsein und einen Emanzipationswillen. das heißt. Wie geht die Dramatikerin Aphra Behn mit diesem Genre um? (Abschnitt 2). as being a sanctified soul. Sie liefert Skizzen. Jahrhunderts zu.158 Die Frau richtet sich mit ihrer literarischen Tätigkeit zunächst in den Räumen ein. laced shoes and galoshoes are steps to pride.und Wirkkontext weiblicher Autorschaft nimmt seit der Mitte des 17. daß auch Frauen Charaktere in versifizierter Form verfassen. Dramen und Satiren. She hath left curling her hair. Zum Abschluß des Kapitels soll ein Ausblick auf das 18. Dieser Text kann als Polemik gegen das puritanische Ideal von Einfachheit und Schlichtheit gelesen werden: Madam. politisch und kulturell besondere Situation der Frauen innerhalb des Interregnums und der Restauration.-Yesterday Mrs. Der literarische Schaffens. who prayed me to present her humble service to you. was here to visit me. die eine männliche Poetik und Schreibpraxis ihr beläßt. P. but since you saw her she has become an altered woman. nicht explizit als Verfasserinnen von characters auf. .199 These. individuellen geistigen Mündigkeit löst für die schreibende Frau des späten 17. 1. Jahrhunderts das hierarchisch gedachte Konzept der Frau als geringerem Mann durch ein Gleichheitsdenken ab. Die Autorinnen beanspruchen nun für ihre literarische Tätigkeiten alle verfügbaren Formen. daß sie das Schreiben als Beitrag zu einem allgemeinen Gedankenaustausch verstehen. ist durchzogen von Charakterbildern. stattdessen arbeiten sie diese Literaturform in andere Gattungen ein. Ein polemischer Stil weist häufig darauf hin. die dem familiären Umfeld entnommen sind und verfaßt Typenbeschreibungen. I. „Mad Madge of Newcastle” und die portrait-Tradition Margaret Cavendishs umfangreiches Gesamtwerk. Die Briefsammlung Letters CCXI (erschienen 1664) enthält das Porträt „A Puritan Dame”. sie verfassen Streitschriften und Prosa. to go 158 Ich erinnere an die sozial. und die Charakterskizze im Roman ihren neuen Spielraum findet (Abschnitt 4). das eine Vielzahl von Genres beinhaltet. a spiritual sister. die Autorin baut Elemente der characters in unterschiedliche literarische Formen ein. Hierbei wählt sie ein kombinatorisches Textverfahren. die gesellschaftliche Phänomene ihrer Zeit aufnehmen. black patches are become abominable to her. Zu fragen ist nun. Das aufklärerische Postulat einer für beide Geschlechter gleicherweise geltenden. wie sich dies auf die Charakterskizze auswirkt (Abschnitt 1).

der Sitte und dem Recht. in most Nations in Europe. nay. 93 trägt diese Skizze den Titel „Mrs S. S. an altered woman. 42. and for Wise men. 37 betont. von ihrer Umwelt als inadäquat empfundene Garderobe denken.. andererseits betont sie daneben das Exemplarische. a. S. S..200 bare-necked she accounts worse than adultery: fans. so besteht die Gefahr des Aufweichens von Geschlechtergrenzen. O. . but her garb and speech and all her discourse. ribbons. Details von Kleidung und Sprache wählt Cavendish die Darstellungsform des portrait. Clinch. on being a sanctified soul”.. a.. 159 160 Aldington. in denen bzw. She speaks of nothing but heaven and purification. In der präzisen Beschreibung von Äußerem. their Wits are according to the Mode. Durch eine standesgemäße Kleidung entstehen fixierbare Identitäten. Rippl. Einerseits spielt sie mit der Identifikation.” Ebd. unless you were informed who she was. ihrer aristokratischen Position von der Puritanerin ab. a. mode-Appetites. insomuch as you would not know her if you saw her. as to have a mode-Judgment. as being alwayes out of Fashion amongst mode-Gallants. Buffonly Jest. Approve or Dislike according to the Mode. which is very seldom if ever Known . they Speak not with Mode-Phrases. S.159 Cavendish gestaltet den Text in Briefform und erzeugt damit zunächst Intimität. for Better Wit is not usually to the Mode. but Chuse or Prefer what is Best.. and they Love and Hate according to the Mode.a. mode-Pastimes or Vices. Unter „Selbststilisierung” versteht sie „die imitierende Aneigung kultureller Modelle und ‘Selbstpositionierung’ in bezug auf Autoritäten.. pendants. mode-Speeches and Conversations.O. But she is not only transformed in her dress.O. they are Couragious or Cowardly according to the Mode. Dies erlaubt eine Mischung aus Faktizität und Fiktion. daß Literatur fiktionale Modelle bereitstellt. a. In Greenoughs Bibliographie. Dies bringt Cavendish in folgendem Text satirisch zum Ausdruck: On Mode-Minds Most men and Women in this Age. which is strange to have Minds according to the Mode. Indem die Verfasserin die Puritanerin beschreibt. but such Words as are most Plain to be Understood. 388. I. gegen die wir uns immer wieder inszenieren und stilisieren. Ihre Typisierung wird letztlich zur „Selbststilisierung”160. as mode-Minds. but True and Good Wit lives with the Seniors of the Time. such as Regard not the Mode.a. and not what is most in Fashion. setzt sie sich mit ihrer Öffentlichkeitsscheu. are nothing but Mode. mode-Behaviours. mode-Cloaths. ihrer royalistischen Parteilichkeit. unless that which is Best be in Fashion. neck-laces and the like are the temptations of Satan and the signs of damnation. for all will give their Judgements and Opinions according to the Mode. mithin der Moral. Geschieht dies nicht. läßt doch gerade der Rekurs auf die Kleidung der Puritanerin an Cavendishs eigene. and the like. as to Rallery. Nach einer Anrede folgt die Bezugnahme auf ein konkretes Ereignis in der Vergangenheit und die Nennung der Anfangsbuchstaben eines Namens. mode-Bodyes.

but his own Humour. or their own Humour or Fancy. or the like. if he Like.a. they will not Drink them because of the Mode. Verhalten. Easie and Becoming. Thus a Wise man Follows not the Mode. but for Pleasure. if he like better to Write or Read. but because his Affairs Require it. die sich nur über die jeweilige Moden definieren (Mode-Narren versus ‘wise Men’). neither do their Appetites Relish Mode-Meats or Sauces. or is better pleased with a Particular Mistress. and their Behaviours are those which are Most Manly and Least Apish. die neue positive Kulturwerte vermitteln wie ésprit oder common sense.. Hatte lange Zeit der äußere Habitus deutlich den Stand einer Person bezeichnet und sie auf diese Weise auf ihren Platz in der Hierarchie verwiesen. if he like better to Sup and Dine at Home alone. Kleidung. die sich davon nicht beinflussen lassen. or Witty Songs. S. but they Relish Best what is most Pleasing or Savoury to their Taste. Quiet and Prudent. or Paille-maille. Cavendish ironisiert hier die Mode als entscheidendes Moment der Selbst-Modellierung. Gefühle. and if it be the mode-Custom to Dine and Sup. because they are in Fashion to be Sung or Play’d. but those they like best.161 Cavendish erstellt hier neue Charaktere zwischen Wissenschaft und Mode. Peaceable. or Well-Compos’d Musick. kritisiert Cavendish hier die Verwischung der Unter- 161 Aldington. or Well Plaid on Instruments. because they have the Mode Haut Goust. and their Clothes are such as are most Useful. neither do they follow Mode-Vices or Vanities for Fashion. Ausführlich beschreibt die Autorin aber auch jene Menschen. and the like. he will not go to Ordinaries or Taverns. neither do they Affect Mode-Songs or Sounds. but will Wisely Sit Still or Rest at his own Home. as not so Chargeable. sie charakterisiert als Beobachterin des gesellschaftlichen Treibens ihrer Zeit in kontrastiver Gegenüberstellung zunächst männliche und weibliche Typen. 387f. nor do they use those Exercises that are in Mode. die sich in der Mitte des 17. Fantastical or Constrain’d. a. Jahrhunderts als Kleidermode differenzierte und die damit die ständische Ordnung abbaute. if he like better to Ride or Fence. because it is Easie. if it be the modePastime to Play at Cards or Dice. and meet at Ordinaries or Taverns. neither will he Ride Post because it is the Mode. for if it be the Mode to Play at Tennis. and well Sung by Good Voices. . he will let alone the mode-Exercises and Use his Own. he will not follow the Mode. but because they are Well-Set Tunes. Äußerungen und Meinungen unterliegen dem Verdikt der Mode. as Chocolata. and so for Drinks compounded.201 and the Best to Deliver or Declare Sense and Reason. he will leave the mode-Pastime and Follow his Own. if it be the Mode to make General Courtships. neither will he Journey from Place to Place to no Purpose. deren Handlungsantriebe in der Vernunft anzusiedeln sind. because it is the Mode.O. Limmonada. Damit gibt sie dem Text möglicherweise eine verdeckt „politische” Dimension: Cavendish wendet sich gegen die Auflösung der alten Ordnung in bezug auf die Stände und deren festgefügte Kleiderordnung. Als weise gelten für sie jene.

Cavendish löst sich von der bisherigen Tradition der Charakterskizze. so geht es auch Cavendish um die beste Manipulation des Zuschauers und Lesers. Stilistisch hervorzuheben ist beispielsweise der Parallelismus. Thellmann. a. Die Paradoxa. plan que je me suis fait d’y peindre les hommes en général. verhält sich geradezu konträr und setzt eigene Maßstäbe. bien que je les tire souvent de la cour de France et des hommes de ma nation. die damit auf der textuellen im Kontrast zur lebensweltlichen Ebene zum Ausdruck kommen. . die der hierarchische Charakter als Auszeichnungsinstrument in Gang setzen mußte. und dazu wechselt sie gemäß den Anforderungen der jeweiligen Situation geschickt die Rolle.. der dem Text Aufzählungscharakter gibt und das übermäßige Vorherrschen von Konditionalsätzen („if”). Auch thematisch geht Cavendish La Bruyère voraus. . Cavendish grenzt sich damit ab und betont ihre eigene Position. die durch die Verwendung des Präsens noch verstärkt wird.. on ne peut pas néanmoins les restreindre à une seule cour. durch die äußere Insignien als Abgrenzungskriterien nicht mehr taugten.a. indem sie beispielsweise das Prinzip der Vielfalt wählt und nicht den populären plain style verwendet. die oft symmetrisch und von ständigen Wiederholungen und Häufungen durchzogen 162 163 164 Vgl. Ihr ausschweifender. a. Mit der Auflösung der Kleiderordnung in die Moden entfiel die äußere Kennzeichnung der „unsichtbaren Würden” und damit die unabdingbare Voraussetzung für eine Semiotik. 81. S.. Ihre arabeske Schreibweise ist gekennzeichnet durch lange. redundanter.a.O.O. können als „rhetorische Doppelstrategie” verstanden werden: Wie Cortegianos Hofmann.164 Die inhaltliche Antithetik spiegelt sich auch auf syntaktischer und semantischer Ebene. 38. die auf alle Völker und Zeiten anzuwenden sind.O.a.162 Die Autorin selbst fiel häufiger durch skandalöse Kleidung und irritierende Verhaltensweisen auf. 31. S... .202 schiede in den Moden. der in seinem Kapitel „De la Mode” die Modetorheiten seiner Zeit stigmatisiert.die Menschen und Zustände ihrer Zeit und ihres Landes. Sie kommentiert Begebenheiten ihres Zeitalters („in this Age”) und Kulturkreises („in most Nations in Europe”).wie später La Bruyère . Während das antike Vorbild Theophrast noch Charaktere schilderte. weitschweifige Sätze. charakterisiert die Engländerin . ni les renfermer en un seul pays.” Zitiert in Papenheim. a.. Rippl. So schreibt La Bruyère in seinem Vorwort: „Ce sont les caractères ou les moeurs de ce siècle que je décris. endlos fortsetzbarer Stil ist der Tradition des Euphuismus entlehnt und kontrastiert mit dem Stilideal zeitgenössischer Verfasser von characters. S.163 Die Kontrastierung von Abschreckbild und Ideal innerhalb eines Textes ist ebenso wie die Pluralisierung neu: Cavendish beschreibt nun Typen („Men and women”) und nicht mehr einen Typus.. Damit wird die Allgemeingültigkeit unterstrichen.

pleasant. choicest-coloured. For dreams . but he thinks that whatsoever is good.if he dreams that his teeth fall out of his head.B. and not only thinks his fancy the fullest of wit. but on such days as are lucky. or for its beautiful architecture or situation. In Nature’s Pictures by Fancie’s Pencil (1656). or gardens. For . verfaßt Cavendish in loser Reihung characters. or that his horse is the strongest. As for times . Then he is so bound up to rules as to give himself no reasonable liberty. soundest. fullest of spirit. or the best greyhound to run withal. is created so by being HIS. smothers his judgment by the multitude of opinions. auch das mehrfach geforderte klare Ordnungsprinzip im Aufbau einer Skizze münzt Cavendish in eine eigene literarische Form um. The learned fool admires and is in love with all other languages besides his own. Diese fügt sie in Geschichten. noises. and his actions the regularest. Breeding and Life (1656) vorangestellt sind. before it. Flecknoe). or buy land.203 sind. The impatient fool is all for the present: for he thinks his throat cut until he be satisfied in his desires. einer Folge von narrativ wenig strukturierten Erzählungen. postures. Not for the conveniences of his house. he thinks it fatal. die dem Autoporträt A True Relation of my Birth. Phantasien und thesenhafte Argumentationen ein. The superstitious fool is an observer of times. A day to him is as thousand years. accidents and dreams. or or anything green. And he scarce thinks of heaven because he enjoys it not. and his judgement the wisest. or to see his face in a glass. He is proud of being acquainted with several authors. surest of foot. or profitable. his dog. Das Gebot der Kürze mißachtet sie ebenso wie die Forderung nach Aneinanderreihung relativ einfacher Hypotaxen. or to fall from a precipice. best-natured. or build. he would prefer Low Dutch. his anything is best. or the best mastiff to fight withal: it is not for the worth or benefit which he receives from anything that he esteems or loves it. die nichts mehr gemein hat mit den Charakterskizzen zu Beginn des Jahrhunderts oder jenen zeitgleich entstehenden Skizzen männlicher Verfasser (z. although his acquaintance oppresseth his memory. or that his dog is the best hound to hunt withal.he will not begin a journey or marry. or the best spaniel to couch withal. which hath the least compass. Die Skizze „Fools” (in Auszügen) stellt das Kontrastprogramm zum zeitgenössischen Konzept des uomo universale und virtuoso dar: The self-conceited fool is one that scorns to take council. destroys his natural wit by the transplantings and engraftings of what he reads. which are accounted the most significant. figures. but that his house. kills his health by study. his horse. or begin any work. or of flowers. or be at weddings. Das Bemühen um Witz im Sinne von originellen allegorischen Übertragungen und möglichst ungewöhnlichen Anspielungen und Vergleichen weicht einer neuen Beobachtungsweise. swiftest of race. for if he were bred with the Greek or Hebrew.

Die wiederholte Thematisierung des Gebrauchs von höfischem wit. my wit was according to my years. Margaret Cavendish. die sich für sie am Stuart-Hof ergaben. ed. nor speak. Kent 1814.a. Hervorhebung KH. . the singing of crickets. einen Typus. I neither heeded what was said or practic’d. yet being dull. Als „learned fool” beschreibt sie den Pedanten. und die sie in A True Relation of my Birth. the right eye itching. S.) ausführlich eingegangen. salt falling to him. and my own honest reputation . a. hinter der Erscheinungsform das Sein und nicht den Schein.204 noises . 263-310. favorisiert Cavendish die Idee.. das ihren Gatten als idealen Royalisten verewigt. S.a hare to run across him. der eine Person schnell zum „fool” werden läßt. and advanced my understanding by living in a court. der sich bei vielen Autoren großer Beliebtheit erfreut. Breeding and Life. I rather chose to be accounted a fool. Sie liefert das typisierte Porträt einer historischen Person (portrait): 165 166 167 Murphy. For postures or figures .the howling of dogs. 2. yet I was not an idiot. hier S. and though I might have learnt more wit. nor be any way sociable. Das glorifizierende Porträt. Sie arbeitet dabei mit typisierenden Beschreibungsmodi. but just what belong’d to my loyal duty. Breeding and Life (1656) schildert: Besides.166 So wie sie Kleidung als natürliches Ausdrucksmedium positiv konnotiert. ist in stark rhetorisch-codierter Sprache abgefaßt. and bashfull. den echten wit im Unterschied zum falschen zu stellen. Oberflächliches negativ bewertet. ebenso wie das Porträt der Mutter in Cavendishs True Relation. erinnert an Cavendishs eigene Schwierigkeiten und Unsicherheiten.165 Cavendish subsumiert eine ganze Vielfalt von Typen unter den Typus „Fool”. For accidents . I had heard that the world was apt to lay aspersions even on the innocent. aber als Äußerliches. in dem Cavendish auf die character-Tradition zurückgreift.the bleeding that drops at the nose. 274-276. Auf den Typus des Pedanten wird im Zusammenhang mit Drakes Text (3. the screeching of owls. A True Relation of My Birth. Insomuch as he never enjoys any present recreation for fear of an evil accident. the croaking of ravens. Die Verfasserin zeichnet dieses Bild mit stark idealisierenden Zügen und knüpft inhaltlich an die bisher untersuchten Witwenporträts an. for which I durst neither look up with my eyes. fearfull. indeed I had not much wit.O..167 In der 1667 veröffentlichten Biographie Life of William Cavendish liefert die Autorin das idealisierte Bild ihres Ehemanns. or a stumble at the door. 278f.. Egerton Brydges. then to be thought rude or wanton. insomuch as I was thought a natural fool..

O.. Hier beschreibt die Verfasserin in rhetorisch codierter Sprache das Leben und den Charakter 168 Rippl. for she seldom went abroad unless to church . and tender sighs to rise.. 82f. statt durch Tugenden des Adels wie Loyalität. die die beschriebenen Personen nicht nur positiv gegen die neuen puritanischen Machthaber absetzen. for she never forgot my father so as to marry again.. die sich ihren Titel durch Intrigen und Geld. Gegen diese setzt Cavendish glorifizierende ‘portraits’ ihres Vaters.und Lebensbeschreibung gibt und männliche Karrieremuster den Frauen verschlossen sind. my mother .. 282f. as she never mentioned his name... and had such a majestic grandeur. a. for she had a well favoured loveliness on her face. dem Exemplum oder den Familienbüchern ein nun etabliertes Genre. my mother was of an heroic spirit. as it where therein. mourning in sad complaints..168 Frauenautobiographien des 17. S. Bart. also her beauty was beyond the ruin of time.. Integrität und Tapferkeit erworben haben.205 .. die verstärkt auf vorhandene literary modes inhaltlich und strukturell Bezug nehmen.. or to be industrious where she thought she could help: She was of a grave behaviour. daß es kein System weiblicher Selbst. Die Charakterskizze ist diesbezüglich neben der Bibel. Ebd. wenigstens als Subkultur.. and her grief was so lasting.... enclosing herself . Die Charakterskizze als mögliche Schreibtradition findet Eingang in die Memoirs von Ann Fanshawe (1625-83). 155.a.Die Tugenden und Laster versucht Margaret Cavendish im Schreiben zu profilieren. as it were continually hung about her . Jahrhundert auf altbekannte und damit auch anerkannte literarische Muster („Prätexte aus männlicher Feder”) hängt damit zusammen. weist Cavendishs Autobiographie eine politische Dimension zu: „Der Text ist über weite Strecken eine royalistische Polemik gegen die neuen parlamentarischen Machthaber. ihres Mannes. um ihren Text zu arretieren.169 Das Zurückgreifen vieler Verfasserinnen autobiographischer Schriften im 17. . . though she spoke often of him. am Leben zu halten. indeed. . died.) Die Abweichung vom Präsens ist kontextbedingt und ergibt sich aus der besonderen Beobachtungssituation. a pleasing sweetness in her countenance. sondern auch gegen eine neue Art von Royalisten. Written by a Particular Friend (1690). in suffering patiently where there is no remedy. Anne Halkett (1623-99) arbeitet in ihren Memoirs (entstanden 1677-78) mit typenhaften Figuren zum Ausdruck unveränderlicher moralischer Weisheiten ebenso Lady Martha Temple Giffard in The Life and Character of Sir William Temple. (S.. S. Als weiteres Beispiel kann der panegyrische Nekrolog auf ihren Schwager Charles Cavendish gelten. . Die Vergangenheitsform kennzeichnet damit die Charakterisierung als historisches Ereignis.. um die royalistische Kultur.” Auf den Bezug zwischen Nekrolog und character-Tradition macht Rippl im Zusammenhang mit Ann Fanshawes Memoirs aufmerksam. he remained so lively to her memory. but love and grief caused tears to flow. and a well tempered complexion . she made her house her cloister. ihrer Mutter. Jahrhunderts sind gesteigert synkretistische Textformationen. die darin characters einbaut. having lived a widow many years.

die dann mit typenhaften Zügen ausgestattet wird. 19. Auch die als Biographin berühmt gewordene Lucy Hutchinson (Memoirs of the Life of Colonel Hutchinson by his Widow Lucy. that he never had to make any body kind to him without compassing his Design.bzw. Giffard wählt das Präteritum.. it is thought Partiality. The Life and Character of Sir William Temple. daß Cavendish auf verschiedene Schreibtraditionen (insbesondere der Renaissance) wie die Porträt. ca. Ausgangspunkt des Charakterbildes ist eine real existierende Person aus dem familiären Umfeld. and some have observed.a. and that of a Friend is still more difficult: If one tells truth.206 ihres Bruders und stilisiert ihn zum integren Royalisten.170 Dann beschreibt sie das Aussehen des Bruders und entwirft in generalisierenden Zügen seinen Charakter: He had an extraordinary Spirit and Life in Humour. I will try (by saying little) to avoid both Imputations . S. An die Stelle der typisierten Personenbeschreibung tritt nun die individualisierte. S. 169 170 Rippl. denn sie liefert ein Erinnerungsbild. welches nichts mehr gemein hat mit der ahistorischen Typenzeichnung der Charakterskizze. Sie mischt biographischindividualisierende und typisierende Beschreibungsmodi zu einem Porträt. ‘character’-Tradition rekurriert. tritt wie bei Cavendish an die Stelle der momentanen Gegenwart eine erzählte. Bart. Idealisierend beschreibt die Autorin das Verhältnis des Bruders zur Familie. . Während in den Skizzen der Vorgänger die unmittelbare zeitliche Gegenwart der Geschehnisse herrschte. Über die Schwierigkeiten beim Verfassen des Textes äußert sie: A Short Character of Him I think nothing harder than to write any body’s Character. zu seinem Beruf und seiner Religion. with so agreeable Turns of Wit and fancy in his Conversation.. 1670-75) arbeitet mit diesem „Verfahren”. that no body was welcomer in all sorts of company. . Portrait und character gehen hier ineinander über. it is real piece of Injustice.O. London 1690. 111 interpretiert A True Relation dahingehend. a. Written by a Particular Friend.. and if one does not. Sie schildert dessen Vermögenssituation und Vorbildlichkeit im Umgang mit anderen Menschen.

that you wish him so well? Belv. a.172 Indem sich viele Figuren einer eindeutigen Zuordnung zu bekannten Frauen. der in den Komödien von Vätern und Brüdern verkörpert wird und der in der Praxis der arrangierten Heirat gesellschaftlich institutionalisiert war. Why. wie Ansgar Nünning feststellt: Dem patriarchalischen Drang nach Beherrschung. In ihrem Werk The Rover von 1677 findet sich im ersten Akt folgende Charakterskizze: Will. Sie nimmt damit eine Pionierrolle als professionelle Dramatikerin im sozio-kulturellen Kontext der englischen Restaurationszeit ein. In der Forschung wurde darauf hingewiesen.. one that knows no Pleasure beyond riding to the next Fair. wearing gay Clothes. ed. The Rover.”.O. . or making honourable Love to his Lady Mother’s Landry-Maid.207 2.. Geschlechterverkehrtes Verhalten und geschlechterkreuzende Verkleidungsrituale baut Behn in 171 172 Bill Nailsmith. educated in a Nursery. or going up to London with his right Worshipful Father in Parliament-time. 22. or.. . he’s our Banker. vor allem gegen das modesty-Gebot. Hier zeigt sich ein offener.. with a Maid to tend him till Fifteen. Unterdrückung und Kontrolle der Frau. London 1993. and if he fail we are all broke. „Feministische Alternativen. So verstößt die Autorin bereits in ihrem ersten Theaterstück The Forc’d Marriage.. Prithee what Humour is he of. setzte Behn mit ihrem Ideal von freier Liebe ein alternatives Modell weiblicher Selbstbestimmung entgegen. daß Behns dramatische Verfahren den Widerstand gegen patriarchalische Fremdbestimmung in den Komödien artikulierten und die dichotome Zuschreibung ‘männlicher’ und ‘weiblicher’ Geschlechtsstereotype dekonstruierten.a..und Männerbildern widersetzen..171 Behn charakterisiert hier einen Mann als Modenarren und stattet ihn mit Attributen wie Müßiggang oder Vergnügungssucht aus. 22f. weichen die weiblichen Rollen deutlich von klischeehaften Frauenbildern ab.A pox upon him. is the Priviledge for my Masculine Part the Poet in me. and ten to one then gives some Proofs of his Prowess .to tread in those successful Paths my Predecessors have so long thriv’d in. Ansgar Nünning. Als einzige Frau ihrer Zeit konnte sie sich mit ihren Dramen erfolgreich in der männlich dominierten Welt der Londoner Theater halten. Die dramatisierte Charakterskizze bei Aphra Behn „All I ask. S. and lies with his Grand-mother till he’s of Age. the Jealous Bridegroom (1670) gegen das etablierte Weiblichkeitsideal. spielerischer Umgang mit der Geschlechterdifferenz.. of an English Elder Brother’s Humour. S. and has all our Cash about him. gets drunk at a Hunting-match. Aphra Behn..” (Aphra Behn) Aphra Behn (1640-1689) war die erste Berufsschriftstellerin Englands.

zugleich aber als Vertreter einer ganzen Kategorie seiner Mitmenschen erkennbar ist. Zurückweisung von Geschlechtsstereotypen wurden dabei analysiert. Aphra Behn und ihre Londoner Komödien. Jahrhunderts. das heißt. wobei besonders die Komödie zu typisierender Darstellung von Figuren tendiert. Dieser Umstand tritt bei Behn deutlich hervor. daß der besondere Reiz der Komödien im Spannungsverhältnis zwischen Konventionalität und rebellischem Aufbegehren liege: „Behns Komödien artikulieren die sozialen und politischen Probleme ihrer Zeit an einem konkreten historischen Moment. daß er zwar als Einzelmensch auftritt. eds. Ihre Texte verkörpern die Widersprüche der Restaurationsgesellschaft und liefern zugleich eine Kritik dieser Gesellschaft. Heidelberg 1998 kommt zu dem Ergebnis.. Es liegt daher die Vermutung nahe. die von den postmodernen gender studies als protodekonstruktivistisch bezeichnet werden. indem sie kurze Charakterbilder einer Person entwirft und diese dann im Drama durch Handlung aufgefüllt werden. Die Dramatikerin und ihr Werk im England des ausgehenden 17. der Typenkomödie.. Cathrin Brockhaus. Schabert und Schaff. Ich will daher die Beziehung zwischen Drama und Charakterskizze noch einmal kurz erläutern. ihrem ausgeprägten Realismus und Skeptizismus bei gleichzeitiger konservativer Grundhal- . a. 173 174 Vgl.a.174 Insbesondere Art und Umfang der Frauenproblematik. kennzeichnet die nachelisabethanische Zeit standardisierte Vorstellungen über das Verhalten von Angehörigen des weiblichen und männlichen Geschlechts. Die Skizze „Of an English Elder Brother”. Das Genre Komödie kommt dabei Behns Sinn für Komik und Satire. Phänomene. beruht auf dem Handeln stehender Figuren. ob sich bei den Darstellungsverfahren und der Thematik von Behns Londoner Komödien eine weibliche Perspektive feststellen läßt. So fand die Charakterskizze in den Dramen Shakespeares bereits ihren Niederschlag. Behn stellt den Träger einer bestimmten moralischen Eigenschaft so dar.208 ihre Dramen ein.173 Es ist jüngst untersucht worden. Comedy of Manners und der Charakterskizze. Seit der Antike liefert die Charakterskizze Rohmaterial für das Drama. die auf einen karikierend überzeichneten Wesenszug reduziert sind.Sexualität.O. Die Wirkung des ältesten Komödientypus. Gestalten.sind heute noch so aktuell wie vor 300 Jahren. Wie wir bereits gesehen haben. Ferner gab es auch eine innere Verbindung zwischen der Komödie. setzt den Typus exakt und humorvoll aus charakteristischen Handlungen und Gewohnheiten zusammen. Die zentralen Aspekte ihrer city comedies . 12. die das große Interesse der Zeit an der Physiognomik und der Humorenlehre spiegelt. vor dem sich nach Jürgen Habermas die Umrisse der Moderne abzeichnen. Geld. Behns dramatisches Verfahren ist nicht neu. Macht und die Beziehungen zwischen den Geschlechtern . S. daß Behns Konzeption der Dramenfiguren in ihren Komödien durch die Charakterskizze beeinflußt wurde. die Zeichnung von Frauenfiguren und die Bestätigung bzw. vor allem der Comedy of Humours bzw.

S. Jahrhunderts kehrte die Aufklärung mit der Weiblichkeitsimago der Empfindsamkeit zur traditionellen Haus-Mutter zurück. 395. das er so definiert: as when some peculiar quality Doth so possess a man. Von der Geschichtsmächtigkeit der Bilder des Weiblichen”. doch den soziopolitischen status quo letztendlich unangetastet läßt. .O. da beide Verfasserinnen Charakterskizzen in ihre Schriften einarbeiten.. daß alle Menschen qua ihres göttlichen Ursprungs an einer transzendierenden Verstandeskraft teilhaben und daher das reine Denken geschlechtsunabhängig stattfindet. Mergenthal.. worin er die vorherrschende Charaktereigentümlichkeit Humour nennt. Der Essay als Ausdrucksform des „cartesianischen Feminismus” Mary Astell und Judith Drake gelten als zwei der dezidiertesten und einflußreichsten Vertreterinnen der cartesianisch-feministischen Position.O.a. Vgl.. verwirrend schnelle Handlung dem Handlungsschema der römischen Komödie.a.” Ebd. 3-9. Englische Literaturgeschichte. O. Das Ende des 17.176 Sie sind in unserem Zusammenhang von großem Interesse. Eine weitere Komödie. Vgl. hier S. die die Frauen als den Männern gleich anerkannte und deshalb einzelnen Gelehrsamkeit zubilligte. so entspricht auch die zügige. Kulturelles Selbstverständnis. S. a.O. Jahrhunderts entstandene feministische Schrifttum wissenschaftlich und literarisch ambitionierter Frauen weitet sich zu einer „Gemeinschaft im Geiste” aus. Zitiert in Lichtenberg. Das Denken und Schreiben der Frau wird als geschlechtertranszendierende geistige Tätigkeit betrachtet. Im Grunde ist die Komödie Every Man in His Humour jedoch ‘eine Sammlung von dramatisierten Charakterskizzen. 206f. Die egalitäre Euphorie der Frühaufklärung. 32 verweist auf das Spannungsfeld zwischen liberaler politischer Theorie (Locke) und der aktuellen Lage innerhalb und außerhalb der Familie (Neudefinition des Verhältnisses pater familias/Familie im Zuge der Begründung der konstitutionellen Monarchie) als Impetus für die Texte von Drake und Astell.a. . S. S. all to run one way. wich einer von der Furcht stimulierten restaurativen Tendenz. Lichtenberg . Weibliche Ästhetik. Auch wenn das Aufkommen weiblicher Gelehrsamkeit zunächst das traditionelle Frauenbild revolutionierte. Ein Wort.’” Der Begriff „cartesianischer Feminismus” stammt von Schabert.. 3. in: Dies. die durch das Handlungsgefüge miteinander in Beziehung gesetzt werden. 15. a. Ingeborg Weber. 17. that it doth draw All his effect. Bovenschen.. 175 176 tung entgegen. und nimmt bezug auf die rationalistische Philosophie von Descartes und Locke.O. a.a. die die Andersartigkeit der zur schönen Seele verklärten Frau hervorhob.175 Das bisher erstellte Spektrum der formalen und inhaltlichen Variationen des Genres erhält in folgendem Abschnitt eine weitere Dimension. 116: „Wie die Kurzdefinition der Komödie im Prolog zu Every Man in His Humour auf die Gattungstheorie der Antike zurückweist. Baumann. S. S.a. die Charakterskizzen enthält ist: Cynthia's Revels (1601) und The New Inn (1629). This may be truly said to be a humour. Zur Kontrastierung von Gelehrsamkeit und Empfindsamkeit als Bilder des Weiblichen im Aufklärungszeitalter vgl. 5. die zwar Sozialkritik übt..O.. a. a.a.209 ebenso wie in Ben Jonsons Every Man in His Humour. Weiblichkeit und weibliches Schreiben. a. „Weiblichkeit: Wahn und Wirklichkeit. ed. his spirits and his powers In their confluctions. S. Diese gründet in der Annahme. Darmstadt 1994. wurde dieser Typus als Blaustrumpf diffamiert und spätestens seit der Mitte des 18. Poststrukturalismus.

das heißt. is to attract the Eyes of Men: We value them too much. das für die Gleichheit von Männern und Frauen kämpfte. hier S. and don’t think our selves capable of Nobler Things than the pitiful Conquest of some worthless heart. have all your Glories set in the Grave. if they know how to use it.177 Astell beginnt provokant mit folgenden Worten: How can you be content to be in the World like Tulips in a Garden. She who has opportunities of making an interest in Heaven. be like a garnish’d Sepulchre. as to descend to court their Applauses. Reflections Upon Marriage and other writings by Mary Astell. By a Lover of her Sex (1697) von Mary Astell (1666-1731). that those Glorious Temples on which your kind Creator has bestow’d such exquisite workmanship. And not entertain such a degrading thought of our own worth. Dieser Text richtet sich. to make a fine shew and be good for nothing. Der erste Teil von Astells Essay erschien bereits 1694. So verfaßte beispielsweise Batshua Makin 1673 An Essay to revive the Antient Education of Gentlewomen.” (Mary Astell) Vermutlich stammt A Serious Proposal to the Ladies. Aldershot 1986. to throw them away on vain insignificant men. has nothing within but emptiness or putrefaction! (S. sich auf ihre innere. In Two Parts. Der Bürgerkrieg hatte zur Entstehung eines Schrifttums geführt. Der Text kann als Reaktion auf die Aktualisierung des heroischen Leitbilds der Frau im Civil War gelesen werden. but I can’t without pity and resentment reflect. geistige Schönheit zu konzentrieren: Let us learn to pride ourselves in something more excellent than the invention of a Fashion. if we place any part of our desert in their Opinion. is too prodigal of her Time.1 Mary Astells „Serious Proposal” „ . shou’d enshrine no better than Egyptian Deities. or perhaps much sooner! What your own sentiments are I know not..Thinking is a Stock that no Rational Creature can want. 141) Daran anschließend fordert Astell die Frauen auf.. The First English Feminist. as to imagine that our Souls were given us only for the service of our Bodies. 135-172. Darin entwirft sie das Bild einer autonomen. deren Verwirklichung sie in allernächster Zukunft sieht. but as wise as Angels. that you may not only be as lovely. For the Advancement of their True and Greatest Interest. wie es in der Vorrede heißt. and injurious to her Charms. religiös-meditativ geprägten Frauengemeinschaft („A Religious Retirement”). S. and that the best improvement we can make of these.210 3. as you do in Beauty. 139f. for at the greater 177 Alle Zitate sind folgender Ausgabe entnommen: Bridget Hill. which for all its glittering. and our selves too little. . She need not make her self so cheap. an alle Frauen: Wou’d help you to surpass the Men as much in Vertue and Ingenuity. of obtaining the love and admiration of GOD and Angels.

) ein. those gentle persuasives and obliging methods she wou’d use to reclaim him. that Women may no longer pass for those little useless and impertinent Animals. 159) stellt sie ein Charakterpaar kontrastiv gegenüber: Thus she who sees her self and others respected in proportion to that Pomp and Bustle they make in the world. and the more she is above them. sondern auch christlich-religiös. Mit „A prudent lady” versus „A virtuous lady” (S. denn durch Erziehung könnten Frauen ihre Rolle als Helferin des Mannes besser erfüllen: But besides this. but rather qualify you to do it the greatest Good. Sie betont die doppelte Zielsetzung ihrer Frauengemeinschaft: your Retreat shall be so manag’d as not to exclude the good Works of an Active. who cou’d hold out against all those innocent Arts. the more effectually she secures their esteem and wonder.O.) Um die Notwendigkeit eines solchen Projektes zu veranschaulichen.) Astell partizipiert mit ihrem Bewußtsein einer Benachteiligung an der zeitgenössischen Erziehungsdiskussion. Piety is often offensive when it is accompanied with indiscretion. he must be a Brute indeed. Mergenthal. Mit Bezug auf Lockes Some Thoughts Concerning Education betont sie. from the pleasure and serenity of a Contemplative Life. 27. 141f. And after all. a good and prudent Wife wou’d wonderfully work on an ill man. remember that Goodness is the truest Greatness. It shall not so cut you off from the world. to be wise for your selves the greatest Wit. And thus we may account for that strange insensibility. whose good Example it is to be hop’d will so influence the rest of their Sex.211 distance she keeps. but a part of them at least. Be so generous then. and that Beauty the most desirable which will endure to Eternity. (S. but by a due mixture of both retain all the advantages and avoid the inconveniences that attend either. that appears in some people when you speak to them of any serious religious matter. S.178 Astell verortet ihre Reformvorschläge nicht allein im zeitgenössischen philosophischen Diskurs. . Let not your thoughts be wholly busied in observing what respect is paid you. in studying to deserve it. as to do nothing unworthy of you. 178 Vgl. as not to lessen your Empire and depreciate your Charms. 141f. 159) Eine gute und kluge Frau bringt auch für die Ehe eine Menge Vorteile.a. She who has relish’d no Pleasures but such as arise at the presence of outward Objects. (S. a. fügt sie zu Beginn ihres Essays den character „A vain lady” (S. which the ill conduct of too many has caus’d ‘em to be mistaken for. (S. as to hinder you from bettering and improving it. daß individuelle intellektuelle und moralische Defizite durch eine sorgfältige Erziehung verhindert werden könnten. Ladies. but she who is as Wise as Good. and be a seminary to stock the Kingdom with pious and prudent Ladies.. 151f. will seek no higher than her Senses for her Gratification. so true to your Interest. will form her Idea of Honour accordingly.

but if she be ‘tis his own fault.” . which therefore affords her no safe retreat. she flies to some dishonourable Match as her last. to the digrace of her Family and her own irreparable Ruin. 29 spricht in diesem Zusammenhang von einem relativen Erziehungsideal. 173) In Astells The Christian Religion as Profess´d by a Daughter of the Church of England (1705) wird die Ehe als Institutionalisierung der Geschlechterrollenbilder zum zentralen Streitpunkt.” (S. eine Anleitung zum Selbststudium. und wenn die Frau ihre Vernunft nicht gebraucht. unter Rekurs auf die erste Version des Schöpfungsmythos in Gen. die sich gegen männliche Herrschaftsansprüche wehrt und ihren Leserinnen einschärft: „An ingenious Woman is no prodigy to be star’d on. S. baut keine characters mehr in die Argumentation ein. Die Ehe als erstrebenswerte Lebensgemeinschaft wird korreliert mit den Bedürfnissen der Frau. Enttäuschung und Resignation in bezug auf die Realisierung ihrer Bildungspläne kennzeichnen nun die Haltung Astells. An ingenious Conversation will make his life more comfortable. I. which yet none but Fools will reproach her with. ebenfalls religiös legitimieren: Frau und Mann sind von Gott gleichermaßen als vernunftbegabte Wesen geschaffen worden. (S. quite terrified with the dreadful Name of Old Maid. 169) Der zweite Teil des Essays. „Dieses Modell läßt sich.. whose prudence will conceal it from publick Observation. and growing every day more and more sensible. tho’ much mistaken Refuge. sündigt sie gegen Gott. that the respect which us’d to be paid her decays as fast as her Beauty.)179 Mit „An old maid” unterstreicht Astell. (S. than he who has none to come home to. and having all this while been so over-careful of her Body. Doubtless her Husband is a much happier Man and more likely to abandon all his ill Courses. having spread all her Nets and us’d all her Arts for Conquest. to avoid this terrible Mormo. a. in running the Circle of all the Vanities of the Town. 27. now she meets with Disappointments abroad. daß gerade auch diese Gruppe in einer Gemeinschaft zur idealen Lebensform findet: For the poor lady having past the prime of her Years in Gaity and Company.212 possesses such Charms as can hardly fail of prevailing.O. since he wants no opportunities of improvement. forward and fantastick Creature. and then such an one will need a wise Woman to govern him.a. unless he be a natural Block-head. but an ignorant. The only danger is that the Wife be more knowing than the Husband. 167f. needs not to run into Temptations in search of Diversions abroad. and he who can be so well entertain’d at home. nor any wise Woman be afraid of. Das Bravourstück einer feministischen Streitschrift liefert sie in ihren Reflections 179 Mergenthal. and the scoffs that are thrown on superanuated Virgins. that she had no time to improve her Mind. and at once both cover and supply his defects. and finding that the Bait fails where she wou’d have it take.

a. poets. both of them Depending intirely upon God.a. In which are inserted the Characters Of a Pedant.213 upon Marriage (1706). in der weiblichen Kommunikationskultur erzogenen Frau.”181 Das Werk widmet sie Queen Anne. Hatte ein Autor wie Overbury zu Beginn des Jahrhunderts seine eigenständigen Skizzen zur Stabilisierung traditioneller Geschlechterkonzepte eingesetzt. „She presented satirical portraits of beaux. Written by a Lady. S. In a Letter to a Lady.2 Judith Drakes „An Essay in Defense of the female Sex” Der vermutlich von Judith Drake verfaßte Text An Essay in Defense of the female Sex (1696) stellt gegen die Karikaturen verknöcherter Universitätsgelehrter („Character of a Pedant”). The Celebrated Mary Astell. fließen die characters nun in Schriften. A Squire. to show that men could be as fatuous. realitätsbezogenen. An Early English Feminist. relativiert Astell als bloße kulturelle und historische Besonderheit. which one wou’d think is no great Argument of the natural Inferiority of either sex. Englische Literaturgeschichte. welche die untergeordnete Position einnimmt. 3. die verschiedenen Autorinnen nach 1700 180 181 Zitiert in Schabert. eine Frauenakademie zu gründen. schrulliger Virtuosi („Character of a Vertuoso”) und dumpfer Landjunker („Character of a Country Squire”) „selbstbewusst das Leitbild der geistig wachen. daß es die Frau ist. eigenständigen. Schabert.180 Lediglich als pragmatische Notwendigkeit jedes Gemeinschaftslebens ist ein Unterordnungsverhältnis auch in der Ehe zu rechtfertigen. A Poetaster. Chicago/London 1986..O. coffeehouse politicians. sie sind aus dem Leben gegriffen und verweisen auf aktuelle politische oder soziale Erscheinungen. as ‘impertinent’ as women. S. A City-Critick etc. Englische Literaturgeschichte. die Veränderungen herbeiführen wollen. Die Tatsache.” konstatiert Ruth Perry. Mit Blick auf die Untersuchung der historischen Vielfalt der characters können wir festhalten: die Charakterskizze findet hier Eingang in eine politisch-feministische Streitschrift und dient zur Unterstützung oder Illustrierung des Projektes.. a. 38. . and upon Him only. Vor allem Swift startet Angriffe gegen Mary Astell („A professed Platonne”) und verspottet die „learned lady” . S. Unmißverständlich formuliert sie darin die eigene egalitäre Überzeugung: The Relation between the two Sexes is mutual. and the like. A Beau. 240. a. London 1696. 106. Geschlechtsstereotype aufbrechen statt untermauern wollen. Die von Drake dargestellten Typen sind Reflexe gesellschaftlicher Verhältnisse. Der ausführliche Titel lautet An Essay In Defence of the Female Sex. Das Porträt des dummen Grundeigentümers macht auf die machtvolle Position dieser Schicht („squirearchy”) aufmerksam. and the Dependence Reciprocal. A Vertuoso.O. Mit ihr wählt Drake ein Patronin.

115). though by their acquaintance with Books. Rechtsfragen („Salique law. Talk to them of the Assyrian. 68). 116). and nicely skill’d in the Policies of Ages long since past. Der Pedant wird wie folgt beschrieben: For Schollars. and be perfect Masters of the Wisdom. Drake kontrastiert den Pedanten mit dem Landjunker. „Points of deep Learning and Politicks.no proper subjects for mixt Conversation”). Why shou’d you when we hold it break the glass“. that they appear like the Ghosts of Old Romans rais’d by Magick. 34. Drake behandelt ethisch-moralische Grundfragen. A Pedant (S. unjustly restrained to Latin”. A Vertuoso (S. daß das geschlechterspezifische Unterordnungsverhältnis reversibel ist. A Coffee-house Politician (S.214 ein Beleg war für die großen Fähigkeiten von Frauen im Allgemeinen und als Beweis dessen. and to ignorant of the Domestick Affairs and Manners of their own Country and Times. Thematisch konzentriert sich der anonym erschienene Essay („written by a Lady”) um politischöffentliche Aspekte wie die Rolle der Bildung („Education. „Learning. yet by their retir’d and unactive Life. Eitelkeit und die Schein-Sein Dichotomie sind zentrale Anliegen ihrer Schrift.a. Illustriert werden ihre Überlegungen durch satirisch-humorvolle Charakterskizzen. A Beau (S. „Sexes.27). Das tadelnswerte Verhalten stellt sie an männlichen Typen dar. 96). A Bully (S. 119). 64).183 Die Verfasserin erwähnt in allen Charakterskizzen. or Persian Monarchies. be throughly inform’d of the State. 87). &c. die als Illustrierung menschlicher Verhaltensformen dienen. S. um die Frage nach adäquater Bildung zu verdeutlichen und die Realitätsferne der Typen zu entlarven. the Grecians or Roman Commonwealths. a. 79).. its original”) und die Religion („Religion. . Wiederholt geht Drake auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter ein wie bereits die Überschriften „Vulgar of both sexes of equal capacity”.182 Das Motto lautet: „Since each is fond of his own ugly face. they may know perfectly the Sense of the Learned Dead. das Phänomen des Neides und der Verstellung. An envious Man (S. Vanity (S. they are such finish’d Statemen. A Scowrer (S.O. not distinguished in Souls” und „Woman industriously kept in Ignorance” ankündigen. jedoch werden keine „typisch männlichen” Eigenschaften herausgestellt. die sie an verschiedenen Stellen in den Text einbaut. A Country Squire (S. das Geschlecht der Person. and conversing much with Old Authors. A City-Critick (S. Mens greatest advantage”. their neglect of Business. improper for mixt Conversation”). A sham Lover (S. and constant Conversation with Antiquity. 30). They answer like Oracles. A Poetaster (S. Englische Literaturgeschichte. they are such Strangers to. 60). 62). that we shou’d 182 183 Schabert. Dies erörtert die Verfasserin unter dem Blickwinkel der Geschlechterdifferenz.

Im „Character of a Pedant” greift Drake auf ein bekanntes Typenreservoir zurück. bigotted Idolaters of time past. denn er ist kundig und gelehrt. kann deutlich gemacht werden. are Children in their understanding all their lives. They are mighty admirers of the Wit and Eloquence of the Ancients. Sie sammeln Manuskripte. 27-29). They are great hunters of ancient Manuscripts. old Cronics of Solon and Lycurgus. that as much might reasonably be expected from an Egyptian Mummy.215 scarce take ‘em to have been less than Confidents of Semiramis. and wou’d give more for one Proverb of Solemons under his own Hand. yet lose their way at home in their own Parish. and turning in old Rome. was sonst in der Welt passiert. for they hang so incessantly upon the leading Strings of Authority that their Judgments like the Limbs of some Indian Penitents. Diese sind Sonderlinge. and suffer more if Priscian’s Head be broken then if it were their own. daß die französische „Querelle des anciens et des modernes” auch in England ihre Spuren hinterlassen hat. In . They are excellent Guides. Tutours to Cyrus the great. Am Beispiel des Pedanten. sondern nur wegen der äußeren materiellen Gestalt. and Caesar wou’d have treated them with as much supercisious Pride. They are very much disturbed to see a Fold or a Plait amiss in the Picture of an Old Roman Gown. deren Lebensaufgabe darin besteht. that has scap’d the Teeth of Time and Rats. These Superstitious. stehen auf der Gegenseite die Vertreter einer neuen Geschmackskultur. Drake stellt hier das leidenschaftliche aber fehlgeleitete Interesse der Pedanten an antiken Texten und Gegenständen dar. denn Overbury hatte in „A Meere Scholer” den Pedanten mit ähnlichen und nahezu identischen Worten beschrieben. yet had they liv’d in the time of Cicero. or Ragged. they rate it higher then the whole Author in Print. der als eine Abweichung von neuen positiven Kulturwerten wie ésprit oder common sense stigmatisiert wird. and disrespect as they do now with Reverence. die eine Überlegenheit der Gegenwart behaupteten. and can direct you to every Ally. but engage them in a Discourse that concerns the present Times. aber nicht wegen des Gedankeninhalts. Der Pedant wird zum Falschwisser. daß hier ein Typus zur Erscheinung kommt. aber auf falsche Art und Weise. But if by chance they can pick it out one Word. altertümliches Wissen anzuhäufen. Dieser Streit wird hier satirisch aufgenommen: während die Verteidiger antiker Literatur die Verbindlichkeit klassischer Ttraditionen postulierten. ‘tis more valuable for not being legible. and they hardly speak the Language of it. (S. Drakes Text kann als einer der wenigen Belege dafür gelten. Sie beschreibt hier Typen (auffallend ist wieder die Verwendung des Plurals „they”). than for all his Wisdom. and know so little of the affairs of it. yet take no notice that their own are thredbare out at the Elbows. and their Native Country. and if Age have obliterated the Characters. die bei ihrer einseitigen leidenschaftlichen Tätigkeit nicht wissen. or Privy Councellors at least to the Twelve Caesars successively. become altogether crampt and motionless for want of use. der im englischen wie im französischen Kontext als Sammler auftaucht. and have in great Veneration any thing.

216 der No. 158 des Tatler wie auch in einem Ausschnitt aus La Bruyères Kapitel „De la Mode” der Caractères trifft man auf den Charakter des Sammlers. hier insbesondere des Büchersammlers oder Buchpedanten. I think the Learned. to shew that Men may and do often Baffle and Frustrate the Effects of a liberal Education. Drake zählt seine „Leistungen” auf intellektuellem Gebiet auf und ironisiert damit die Pedanten: They will look with contempt upon the most beautiful poems that have been composed by any of their contemporaries. (S. such trifles of antiquity as a modern author would be contemned for. 35f. Volume II. Ausführlich erörtert Drake auch das Thema „Vanity“. and expound. sondern kommentiert und bewertet sie. . Madam. 34f. Oxford 1987. Maulheld und Draufgänger. I am diverted and edified alike by either. as well by Industry as Neglicence. and Unlearned Blockhead pretty equal. Zunächst schildert sie das Charakterpaar „Character of a Bully” versus „Character of a Scowrer”. the one enjoys himself less. Die stereotype Reaktion des Charaktertypen auf wechselnde Situationen bringt den Gewohnheitscharakter des Verhaltens zum Ausdruck.184 Die Autorin präsentiert ihre Bilder nicht nur. but will let no body else do it in his Company. to correct.) Dann äußert sie ihre eigene Meinung: For my Part. for ‘tis all one to me. Bond. but will lock themselves up in their studies for a twelvemonth together. die explizit oder implizit in Relation zu dem Komplex der Charaktereigenschaften eines Pedanten gehören. beurteilt sie folgendermaßen: 184 Donald F.) Wie bei allen Texten der Gattung stellt auch Drake aus einer Sequenz von Einzelhandlungen. Eitelkeit. So heißt es in bezug auf die Porträts vom Landjunker und Pedanten: I give you these two Characters. Durch die Verwendung des Präsens markiert sie Atemporalität und Potentialität des Vorgefallenen.. dem folgt „Of a Beau” und „A Poetaster”. (S. whether a Man talk Nonsense or Unintelligible Sense. The Tatler. Arroganz und Selbstüberschätzung zeichnen ihn aus. die eine Mischung aus Faktizität und Fiktion darstellen. as irreconcileable as Water and Ouyl. das sie gleich durch vier Charaktere veranschaulicht. Damit tritt sie als Verfasserin subjektiv stark hervor („They” versus „we”) und spricht ihre Adressatin direkt an. eine Charakterskizze her. ed. publish. but suffers his Friends to do it more: the other enjoys himself and his own Humour enough.

96f. der sich durch eine blinde Sammelwut verschiedenster Naturalien auszeichnet: There are another sort of Impertinents. Madam. and are only difference’d by the diversity of Tempers in Men. Weeds. Lizards and Tortoises. Pebbles. Muscle.217 These two. (S. er habe es im Leben trotz seines Eifers und seiner Wissenschaft zu nichts anderem als jenen Sammlungen gebracht. Corallines. Coralls.) Das Zusammenfassen und Vergleichen ebenso wie die Anrede an die Leserin ist neu. who is one that has sold an Estate in Land to purchase one in Scallop. that we lie under no manner of Temptation from these two Vanities. and steals French fancies without paying the customary Duty. who as they mind not the Business of other men where it concerns ‘em not. that Valour is the most estimable. Of these the most Egregious is the Virtuoso. Moths. die sich bereits Anfang des 17. Dieser Typus des Sammlers wird gegen Ende des 17. möchte ich im folgenden diesen Typus genauer betrachten: Drake geht zunächst im Porträt „A City-Critick” auf den problematischen Status des Kritikers ein und nennt bestimmte Kritiker-Topoi. (S. Locusts. Jahrhunderts festgesetzt hatten. arise both from the same Principle and the same mistaken Notion. and most honourable Quality. yet they are real. and they jointly concurr in this Opinion. Spiders.) Die trockene Auflistung der zoologischen und botanischen Sammlerobjekte erzeugt eine humoristische Wirkung. Cockle Shells. and very strange one’s. Als unangemessene Verhaltensweisen brandmarkt Drake schließlich die Oberflächlichkeit des „Coffee-house Politician” und die Pedanterie des Sammlers („A Vertuoso”). and has abandoned the Acquantaince and Society of Men for that of Insects. Beetles. Den „Vertuoso” beschreibt sie als Naturforscher. Periwinkles. and amuse themselves continually with the Contemplation of those things. whereof one is so dangerous. . what is most to be wonder’d at. Jahrhunderts als Negativfolie für die Konstruktion neuer Wissens. are very different extravagances.. Da Drake mehrfach auf Aspekte des exzentrischen Sammlertyps rekurriert. Maggots. Sea fans. Die Verspottung des Virtuoso beruht auf dem Widerspruch. . It is our happiness Madam. Snails. and below their regard. Sponges. Grubbs. neglect it likewise where it does. Sea Shrubs. that Man is capable of. The common Motive to both is Vanity. Worms.65f. Marchasites and Flint Stones. which the rest of the World flight as useless. the other so ridiculous. and such as appear every day. Grashoppers.und Kunstnormen wichtig: . Flies.. But. Moisses. der sich als philologischer Epigone entpuppt und nie an die Substanz der wahren Autoren heranreicht: „he is a smuggler of wit. Conch.” (S. So präsentiert sie die Trivialität und Unproduktivität des „Poetaster”. 79).

aber sie sehen doch nichts. um wieder dorthin zurückzukehren. darunter den Blumenliebhaber und Tulpenzüchter.. yet not in equal Measure in both Sexes.218 Seither wird die sammelnde Neugier und Materialbegeisterung gegen das Gute. Über die Reisen des Sammlers schreibt Drake: His Travels are not design’d as Visits to the Inhabitants of any Place.”. S. Es ist die Erziehung zum richtigen und angemessenen gesellschaftlichen Verhalten sowie die Schule der Geschmacksbildung. 97) Sie stigmatisiert den Sammler nicht auf dem Wege der moralischen Verurteilung. from whence he fetches not the Treasures. den Käfer. Auch hier haben wir es mit schwacher Autorschaft zu tun. Den Buchpedanten führt der Franzose über das Thema des Reisens ein. (S. Unter dem Postulat des Gleichheitsdiskurses behandelt Drake schließlich den Neid als ein nicht zu unterschätzendes Laster: This Humour.. so have we apparently less of this Poison which usually attends it. prevails indeed. and arises from a self Interested Principle. um etwas zu sehen. daß das Typenreservoir aktiv rezipiert und darauf zurückgegriffen wird. In dieser Hinsicht spielt. sondern durch die Satire. „Der Sammler als Pedant. die den Moralischen Wochenschriften eines Steeles oder Addisons zukommen wird und auch schon bei La Bruyère auftaucht.und Insektensammler und erfaßt sie als modische Phänomene. and which they despair of being able to surmount by honourable attempts. Shores and Hills. der komischen Bloßstellung. (S.und Abschreiben. Das Um. For as we have confessedly less Ambition. die sich als angemessene Form der Zensur für die neue Zivilgesellschaft erweist. den Büstensammler. La Bruyère beschreibt eine ganze Reihe von Sammlern und Sonderlingen. die reisen.185 Drake nimmt mit ihren characters letztlich eine Erziehungsfunktion vorweg. was sie gesehen haben. Diese Personen verlassen ihre Heimat nur. Thematisch werden jene Aspekte bei Drake aufgenommen. oder sie vergessen. which makes ‘em endeavour by base sinnister means to level that merit which they think stands in their way to Preferment. Er beschreibt Menschen. 270. läßt immer wieder deutlich werden. 118) 185 Assmann. but the Trumpetry. but to the Pits. die Komik wieder eine konstruktive Rolle bei der Gattung der Charakterskizze. Schöne und Vollkommene ausgespielt und das Interesse an Vielheit und Fremdheit mit den Werten der Einheit und des Eigenen konfrontiert. . wenn man die soziale Erziehungsfunktion mit in Betracht zieht. die produktive Wiederaufnahme ganzer Sätze aus vorausgegangenen Charakterskizzen.

Englische Literaturgeschichte. das in fast mechanischer und gekünstelter Manier das Horaz’sche Ideal einer guten Lebensführung aufnimmt: He is the happy Man whose constant Mind Is to th’ Enjoyment of himself confin’d: Who has within laid up a plenteous Store.219 Zum Abschluß ihres progressiven Essays setzt sich Drake mit den Verhaltensattributen der „levity” und „inconstancy” auseinander. . keeps up his native State. (S. Who. Die insbesondere im 18. das Porträt eines tugendhaften Mannes ein. K. das „Lesen im Buch der Natur” mit der Lektüre englischen Schrifttums zu ergänzen. Ausblick: characters in Versform und characters im Roman Wie wir bereits gesehen haben.a. Schabert. 124) Weibliche Charaktere zeichnet die Autorin nicht. And much too great to be Ambition’s Slave: Who Fortune’s Frowns without concern can bear. seek and reject frequently the same things upon slender or no Reasons. In der Gedichtsammlung Poems. Jahrhundert dem weiblichen Geschlechtscharakter zugeschriebenen Eigenschaften der Frivolität und Unbeständigkeit werden hier beiden Geschlechtern zugeordnet: Levity is an unsteddy Humour that makes Men like and dislike. 209. This is the Humour of the Infancy of both Sexes. gibt es neben den characters in prose auch die characters in verse. Mrs. Eine Vertreterin dieser Variante ist Mary Lee.. auch als „englische Sappho” bekannt. firm and brave. die eigenen Erfahrungen. S. In diesem Werk reklamiert die Autorin das Recht einer Ehefrau auf selbstverantwortliche Autorschaft.O. and the weak-ness of their Judgements. a. sie fügt der 1664 veröffentlichten Gedichtsammlung Poems. And thinks it less to suffer. and proceeds from the strength of their Appetites. wie ihr The Ladies Defence (1701) thematisieren den Konflikt zwischen den gesellschaftlichen und sexuellen Pflichten der Ehefrau und dem erstrebten freien geistigen Leben. Als erstes Beispiel eines von einer Frau verfaßten characters in versifizierter Form gilt ein Text der royalistisch gesonnenen Katherine Philipps (16311664). On Several Occasions (1703) findet sich das Charakterbild „The Happy Man” (S. Unmov’d at all the Menaces of Fate: 186 Vgl. P. Lady Chudleigh (1656-1710). than to fear. still the same. 4. And is so rich that he disires no more: Whose Soul is always easie. By the Incomparable. 35). Sie rät Frauen. Gedichte von Frauen über die Ehe.186 Die Autorin plädiert für eine Distanzierung der Frau von ihrer gesellschaftlichen Rolle und empfiehlt den Rückzug in die Einsamkeit.

die Freiheit von Neigungen und Affekten. Lose their dear Quiet to be Rich and Great. no Weakness does betray. Kennzeichen dieses Typus sind die Haltung der Gelassenheit. Than they can find in all the Charm’s of Pow’r. Who’s with a Halcyon Calmness ever blesst. untroubl’d Peace. and bids Mankind adieu. Dieser dem „Good Man” oder „Wise Man” verwandte Typus durchzieht letztlich die Geschichte der Charakterskizze von ihren Anfängen bis in die Moderne. and Rest: Who while the Most with Toil.O. Hier handelt es sich um eine Randerscheinung der characters. Who when Death calls. Das stereotype Bild des „Happy Man” erfreute sich während des gesamten 17. Jahrhunderts besonderer Beliebtheit. a. wie mühsam sie um Subjektpositionen ringen müssen und wie ihnen trotz der Negativität der Geschlechterzensur innovatives Schreiben gelingt. with Guilt. Lies smiling down. Die Autorin stellt die stoische Lebensphilosophie generalisiert dar. and Heat. zeigt den Typus des Happy Man in seinen vielfältigen historischen Ausprägungen.220 Who all his Passions absolutely sways. 132ff. Das symmetrische Bild einer geschlechtslosen Autorschaft in der Epoche der Aufklärung verschiebt sich in der Empfind- 187 Smeed.. sollen die folgenden Ausführungen belegen. Those splendid Ills which so much Time devour: Who more than Life. Both Businesse. ein strikter Rationalismus und die bereits bei den Stoikern und dann wieder bei Lipsius geforderte Übereinstimmung mit sich Selbst und mit der Natur zu leben.a. S. And for those Joys the noisie World despise. . And to his Reason cheerful Hommage pays.187 Wie sehr schreibende Frauen von der neuen Geschlechterordnung der nachaufklärerischen Zeit in ihrer Arbeit betroffen und reglementiert werden. much sublimer Pleasures yield. his Friends and Books can prize. Much greater. With inward Joy. a Garden or a Field. and to his Maxims true. Nor to an unbecoming Fear give way. and disturbing Crouds does shun. But to himself . Pleas’d that his Work is with less Trouble done: To whom a Grove. Variationen und Kontinuitäten.

of Love and Hatred. Je schwächer. Indem Manley als Persona der Autorin eine Frau wählt. naiver. sittsame Frau postuliert. or infamously rude: When she was disgusted with any Person. but by her own Children and Family. Jahrhunderts als weiblich. . Englische Literaturgeschichte.189 So läßt die Autorin zu Beginn des Romans Sir Charles Lovemore sagen: There are so many things Praise. Mit den Stereotypen der schwatzhaften Frau. 332.so Ina Schabert indem sie weibliche Marginalität mit kulturell zentraler Autorschaft verbinden. setzt sie ein klares. Schabert. a. Ebd. deren Tugend nicht durch Keuschheit konstituiert wird. der käuflichen Frau. der Mutter. desto stärker wird der Eindruck einer subversiv intendierten Pose. not one of her Servants.O. 330. she never fail’d to reproach them with all the Bitterness and Wit she was Mistress of.a. S. were joyn’d together in Hilaria’s Soul.188 Mary de la Riviere Manley (1663-1724) arbeitet in ihren Roman The Adventures of Rivella. wenngleich nicht auf Dauer wirksames Zeichen gegen das polarisierende Doppelbild der Frau als Heilige und Hure. der edlen oder lebenslustigen Witwe konstruieren sie ihre eigenen Positionen. Fierce. S. ihre gesellschaftliche Identität und ihre Autorinnenidentität strikt voneinander zu trennen.221 samkeit zu einer schiefen Asymmetrie. of Dotage and Aversion. Autorinnen wie Mary de la Riviere Manley oder Sarah Scott entwickeln deshalb Strategien. 34f. in der die Frau hauptsächlich zum Gegenstand der Beschreibung wird. that she was hated not only by all the World. how affecting soever such Objects are in any other Cafe. bornierter sich das Ich der Vorreden und der Erzählinstanz gibt.) ein: HILARIA was Querilous. 13) und „Hilaria” (S. Anders als Mary Astell und Judith Drake. 2) 188 189 Vgl.. imaginieren sich die Erzählerinnen des frühen 18. der schwachen Frau. With secret Memoirs and Characters of Several Considerable Persons her Contemporaries (1714) die Figuren „Rivello” (S. excessively fond. and Covetousness. die das Denken und Schreiben der Frau als geschlechtertranszendierende geistige Tätigkeit ansahen. In der bürgerlichen Geschlechterordnung wird die schickliche. The Extreams of Prodigality. and yet Blame-worthy in Rivella’s conduct. der Verführerin. (S. with such Malice and Ill-nature. but what would have laugh’d to see her lie dead. amongst them. that as her friend I know not how with a good grace to repeat. Loquacious. die . immer den Anflug des Paradoxen haben.

as he found most proper to furnish him with topics for conversation.. in the idle societies he frequented. 215. and therefore his vanity lies dormant. Useful and improving studies were laid aside for such desultory reading. Thus that vivacity. and the Country Adjacent: Together with the Characters of the Inhabitants. vom eigentlichen Handlungsverlauf abgesetzte Charakterdarstellung einer Romanfigur. rendered him conceited. which.. both perhaps have concurred to render him a coxcomb. a. those talents which nature kindly bestowed upon him. Fashion.O. S.a.. by a partial and superficial use.By a Gentleman on his Travels. His reasoning faculty. die Vergangenheitsform gewählt und die Skizze in einen Gesamtkontext eingebaut wird.192 Das theophrastische Charaktertypenporträt wird abgelöst. Scott beschreibt hier einen Mann mit Modetorheit und einer pervertierten Vernunft. indem ein Eigenname eingeführt.. has been the guide of all his thoughts and actions. gave rise to his greatest faults. which he never exerted. In den characters werden nun Erzählerrollen angelegt und diese dann im Roman ausgebaut. and raised in him an high opinion of himself. This induced me to keep him as a fellow traveller. especially in a tete à tete. The vivacity of his parts soon gained him such a degree of encouragement as excited his vanity.As may excite in the Reader proper sentiments of Humanity.191 Ein Protagonist des Romans wird folgendermaßen beschrieben: Mr. hat mit diesem nur noch 190 191 192 Der Titel lautet A Description of Millenium Hall. properly qualified. not the reason. by being perverted. and suffers the best qualifications of his mind to break forth. led him into infidelity. But with these faults he is good natured. and the desire of being thought superiorly distinguishing.190 Für die vernünftigen und mütterlichen Bewohnerinnen von Millenium Hall gibt es keinen Widerspruch zwischen Intellektualität und Weiblichkeit. and the natural bent of his mind soon let him into all the dissipation which the gay world affords. wie character und Roman interagieren und stellt fest: „characters could be employed within the novel: to provide an element of social satire without any way relating to the . established him an infidel.222 Die Charakterskizze geht in den Roman über. of an agreeable person. degenerated into pertness and impertinence. London 1762. where he does not desire to shine. Englische Literaturgeschichte. A very generous father enabled him to partake of every fashionable amusement. might have become true wit. and not unentertaining. Die Charakterskizze erweist sich somit als dessen Wegbereiter. der eine Lebensgemeinschaft gebildeter Frauen vorstellt und viele Charakterbilder enthält. and lively understanding. Smeed zeigt an verschiedenen Beispielen.. Schabert. Vgl. Sie begegnet uns dort als selbständige. A conciousness of an understanding. Lamont is a young man of about twenty-five years of age. Sarah Scott (1732-1795) veröffentlicht 1762 den Roman A Description of Millenium Hall.

Anhand des von Lady Martha Temple Giffard verfaßten Textes wurde die enge Beziehung zum action. zur (Selbst-)Stilisierung in ihrer Biographie und Autobiographie oder zum Ausdruck royalistischer Polemik in ihren Briefen. daß eine als exemplarisch in ihren Konflikten mit Schicksal und Gesellschaft aufgefaßte Figur dargestellt wird. 226. Stilistisch und formal weicht Cavendish deutlich von der bisherigen character-Tradition ihrer männlichen Zeitgenossen ab. womit die Charakterskizze in das portrait übergeht. so tritt diese am Ende des Jahrhunderts in den Essays von Drake und Astell explizit zutage. in das die characters oder andere Formen der Personenbeschreibung Eingang finden. Aspekte zu illustrieren und Forderungen zu untermauern. Many later novelists did this as an easy short cut to characterization. Hatten Cavendishs Texte teilweise eine versteckt politische Dimension. Diese erscheint aber nunmehr individualisiert. Dort werden characters eingesetzt.O. Sie verwendet Elemente der Charakterskizze in mehrfacher Weise. Die gattungsmäßige Selbständigkeit geht hier verloren. ihre persönliche Eigenart und Unverwechselbarkeit werden betont. Komik spielt dabei insbesondere bei Drake und Cavendish eine konstitutive Rolle. Sie erhält einen Eigennamen. Die moralphilosophische geht nun in eine individualpsychologische Charakterologie über. denen Charakterskizzen eingefügt sind. Jahrhundert von Frauen verfaßten Personenbeschreibungen muß auf verallgemeinernde Aussagen verzichtet werden. Ausgangspunkt ist hier immer die Individualität der Texte und die spezifische Kommunikationssituation des jeweiligen Genres.” Smeed. Sie wird insgesamt vielschichtiger durch eine Fülle spezifischer Merkmale. Drakes und Astells als progressive Literaturform mittels der bestehende Geschlechtertopoi hinterfragt werden. eine Vielzahl von Eigenschaften. .193 Angesichts der großen inhaltlichen wie strukturellen Diversität der im 17. können unter dem Gesichtspunkt der Dekonstruktion von Geschlechtsstereotypen gelesen werden. Jahrhundert auf.223 gemeinsam. Im Kontext weiblicher Autorschaft zeigen sich die character-ähnlichen Texte in den Werken Cavendishs. Behns Komödien. Mit Margaret Cavendish tritt eine erste Autorin im 17. The next stage was to introduce actual protagonists in the form of characters. S.a. um die jeweilige feministisch-politische Dimension zu unterstreichen.. a. Verstärkt wird der autobiographische Zug des Charakterisierens. Ihr character verdeutlicht nochmals die Verbindung von Charakterskizze und Drama.

Zur Entwicklung der Charakterzeichnung im Roman tragen Mary de la Riviere Manley und Sarah Scott bei. die innere Einheit des Romans zu verstärken und einen großen Bau zusammenzuhalten. kann sie damit auch wieder zwischen Historie und Fiktion verortet werden. Die Texte können als Beleg für die Variabilität der Charakterskizze gelten.O. fiktive literarische Form der Personenbeschreibung. Die Untersuchung unter dem Aspekt weiblicher Verfasserschaft erwies sich als Grenzüberschreitung. Zwischen Biographie und Roman stehend. Teils idealisierend. Die Typisierung wird zur Illustration eingesetzt. 93. teils satirisch-kritisch liefern die Schriftstellerinnen Charakterbilder. . Dort dient der character dazu.. liefert eine formale Variante. Dies wiederum unterstreicht die Offenheit der Gattung. S. Koch.224 Individualporträt. die Wendung ins Biographische deutlich. Philipps character in verse. fiktive und historische Typendarstellungen werden verwendet. der den Typus des „Happy Man” darstellt. Andere Formen der Personenbeschreibung. die sie in verschiedenen Genres unterbringen. a. sondern fassen sie als Verallgemeinerung auf.a. Die verschiedenen Autorinnen bearbeiten die Charakterskizze nicht als eine ahistorische. 193 Vgl.

Die Charaktere des 17. Von der griechischen Urbedeutung des Kennzeichens oder Stempels wurde Charakter Synonym für lat. Im 18. Jahrhundert darstellte. Wichtiges Gedankengut für die Literatur der Aufklärung liefert die Gesellschaftssphilosophie des dritten Earl of Shaftesbury (1671-1713). Jahrhundert an fand ‘character’ Verwendung für die Beschreibung und Charakterschilderung sowie für Skizzen von Verhaltenstypen in der Art Theophrasts bzw. dann auch Schriftzeichen.die Lesbarkeit der Welt. die sich beispielsweise in der Signaturenlehre der Renaissance manifestierte mit der Menschenwelt. welche die Affekte am Körper vornahmen. die im folgenden mit Blick auf den Charakterbegriff gelesen werden soll (Kapitel I). seiner neuzeitlichen Nachfolger.wie wir gesehen haben .Ausblick auf das 18. Diese Menschenwelt wiederum wurde mit der Welt der Schrift korreliert. woraus ein Verschwinden der Charakterskizze resultiert. inwieweit sich im Zuge der Aufklärung eine Umdeutung am Charakterbegriff bemerkbar macht. in Roman und Drama) auf. Sie dienten der Darstellung von Veränderungen. wie es im Bildungsroman zum Ausdruck kommen wird. möchte ich nun prüfen. liefern neue anthropologischen Voraussetzungen. stilus und bezeichnete die schriftliche Eigenart. welchen Wandel der Begriff in der Aufklärung erfährt und welche Auswirkungen dies auf die Literatur. Jahrhundert eingesetzt wurde. Jahrhundert Nachdem Teil A die begriffliche Verschränkung von ‘character’ im 17. ‘Character’ verband . Ursache für diesen Wandel. Letzteres wird zentrales Anliegen Henry Gallys sein (Kapitel II). schließlich dem Entwerfen einer Kartographie der Affekte oder der Explikation der Natur des Menschen in allegorischer Auslegung. auch der Beschreibung von Handlungen und Sitten. welche die Physiognomik umfaßt.225 C. . insbesondere auf das Genre character hat. „Within the Degrees of Probability” . Vom frühen 17. Zu fragen ist. Jahrhundert erfolgt eine Dynamisierung oder Veränderung der literarischen Praxis. Jahrhunderts erfüllten eine Rasterfunktion. kontrastieren mit aufklärerischen Vorstellungen etwa der Betonung von Individualität oder dem Ideal der Selbstbildung. Zauberzeichen oder Merkmal. so meine These.a. Um 1800 geht dann der Begriff in „characteristic” über und nimmt nun auch die Bedeutung literarische Figur (v. Buchstabe. Die Bedingungen. unter denen die Charakterskizze als Inventarisierungsinstrument im 17.

. Den Bereich des Naturhaften akzentuiert Shaftesbury in besonderer Weise. ed. eine „naturalistische” Tugendauffassung zu entwickeln und die theologische Überformung der Ethik abzustreifen. Second Characters (1712) und Philosophical Regimen (1712) eine zentrale Rolle. Times (1711). hier I.. begründet die Be- 1 Zitatnachweise im Text. Vols I. Ästhetik. „What honesty or virtue is” .“ (Anthony Earl of Shaftesbury) Wie dem Motto zu entnehmen ist. 1. 238.). indem er zeigt. worin Gut und Böse als partikulare Elemente bestimmt werden können. Times. An Inquiry concerning Virtue und Merit stellt die Frage nach dem Zusammenhang von Religion und Moral: „what honesty or virtue is.1 Shaftesbury unterscheidet die beiden Bereiche und begründet dies. indem er „good” und „natural” synonym verwendet. Characteristics of Men. 237f. das ist das Programm seiner Ethik. Earl of Shaftesbury. Der in der Inquiry unternommene Versuch. Opinions. Anthony.Shaftesburys Ethik und Anthropologie Das philosophische Hauptwerk Shaftesburys. denen in der Klammer „Ch” vorangestellt ist. considered by itself. spielt das Wort ‘character’ in Shaftesburys Schriften Characteristics of Men. II. Characteristics of Men. daß Religiosität keineswegs die Voraussetzung tugendhaften Handelns ist (Ch I. Indianapolis/New York 1964. Opinions. der wiederum mit dem Gottesbegriff identifiziert wird und somit auf das Verhältnis der Teile zum Ganzen verweist.. Manners. Um diesen Begriff in seiner Komplexität und Ambivalenz einordnen zu können. die auf die theologische Fundierung ihrer Prinzipien verzichten will und die Befreiung der Moral aus den Fesseln der Religion anstrebt. „How . Manner. beziehen sich auf: John M. and in what manner it is influenced by religion”. I am myself?” . Times (1711) ist eine Sammlung von Essays zu Fragen der Ethik. Die Rechtschaffenheit oder Tugend an sich selbst sei zu betrachten.und Religionsphilosophie. Robertson. Opinions. werde ich in einem ersten Schritt einige Aspekte der Philosophie Shaftesburys zusammenstellen. so in general the conduct will prove. Die Frage nach „gut” und „böse” ist für Shaftesbury eng mit dem Gedanken einer universalen Ordnung verknüpft. S.Die Gesellschaftsphilosophie des dritten Earl of Shaftesbury „All turns upon the nature of a Character and according to what the fancy makes of this.. Das Göttliche als universale Ordnung. Manner. Natur.226 I.

zu denen sie in Beziehung stehen. Der Wandel der moralsense-theorie von Shaftesbury bis Hume. Stil.” Vgl. Assmann nennt Shaftesbury den „ersten großen Soziologen Englands”. Motive und Charaktereigenschaften eines Menschen moralisch beurteilen. der unmittelbar die Frage nach dem principium diiudicationis stellt. Shaftesburys Forderungen nach einem „gründlichen Sozialisationsprozeß” führten zu einem generalisierten Menschen. Schrader.3 2 3 Vgl. unter denen ein angemessener Begriff von „goodness or virtue” zu entwickeln ist. Mit seinen Überlegungen zum Verhältnis von Teil und Ganzem expliziert Shaftesbury die Bedingungen. dessen Erziehungsziel darin besteht. vernünftigen und vervollkommnungsfähigen Menschen wird durch diesen Begriff eingeführt und ist Ausdruck eines gewandelten Menschenbildes. S. Die dem Gedanken eines „system of all things and universal nature” (Ch I.. Ethik und Anthropologie in der englischen Aufklärung. Frankfurt a. Das Bild vom guten.2 Wesentlicher Aspekt seiner Ethik und Anthropologie ist der des moral sense. „‘Opting in’ und ‘opting out’. S. Jahrhunderts tritt daher bei Shaftesbury eine Betrachtungsweise. Die Theorie der Affekte wird als innere Organisationsform des durch soziale Beziehungen ursprünglich und wesentlich bestimmten Individuums konzipiert. Aleida Assmann. S. 3. 1986. 239). 127-143. daß die Schlechtigkeit eines einzelnen Geschöpfs oder einer Gattung „be the good of others”. Wolfgang H. so daß die Qualifikation eines sinnlichen Wesens als gut oder schlecht im Rekurs auf seinen Affektzustand erfolgen muß (Ch I. Ebd. Die Ausbildung und Kultivierung des moralischen Geschmacks ist der Weg zu einem Gentleman. hier S. eds. 9. M. ..227 deutung Shaftesburys als Aufklärer und veranlaßt die nachhaltige Wirkung seines Werkes zu Beginn des 18. dessen Konzept einer sozialen Identität von der Frage nach dem Selbst und der sozialen Kontrolle bestimmt ist. für die Individuum und Gattung komplementäre Begriffe sind. Hamburg 1980. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements. 247). „der die Forderungen der Gesellschaft umfassend internalisiert hat. 246) zugrundeliegende Konzeption des Universums ist die der „Chain of being”. Shaftesbury geht davon aus. Konformität und Individualität in den poetologischen Debatten der englischen Aufklärung”. geht es ihm im folgenden darum. Hatte Shaftesbury zunächst den Zusammenhang zwischen dem Gutsein der einzelnen Dinge und der Beschaffenheit der Weltordnung reflektiert (Ch I. daß die Beschaffenheit und der Zustand sinnlicher Wesen durch deren affektive Disposition bestimmt wird. 136f. „respective conduct and distinct manners” einzuüben und die Urteilsfähigkeit zu schulen. Wolfgang Schrader stellt treffend fest: An die Stelle methodologischen Individualismus der Affektenlehre des 17. Jahrhunderts. in: Hans Ulrich Gumbrecht et al. auf Grund dessen wir Handlungen. Die Begriffe „gut“ oder „schlecht“ werden deshalb nur im Hinblick auf das Verhalten zu anderen Systemen gesehen.

Shaftesbury verwendet den Begriff „personality”. (Ch I. Shaftesbury und seine Bedeutung für die englische Literatur des 18. by severe usage and rigorous prescriptions.. Der neue wit ist nicht mehr „ein Werkzeug der Intrige oder der Pedanterie. All politeness is owing to liberty. were full of it... 47. Nun tritt an dessen 4 Vgl. which so much delighted our ancestors. Erwin Wolff. Erwin Wolff spricht in diesem Zusammenhang von einem „inneren Empirismus”.228 Der Gedanke der rechten Balance oder Ökonomie der Affekte des Menschen. if we take care not to tamper with it. die ihren Ausgang von dem Versuch einer Definition der Ausdrücke „gut” oder „schlecht” nahmen. Der Moralist und die literarische Form. . die zugleich die Voraussetzung bildet für „order and beauty in society” (Ch I. Er erhielt seine Rechtfertigung und Begründung durch die Explikation der Begriffe Selbsterhaltung und System. as well as sermons. da ihm die „natürliche” Wirklichkeit als verbindliche äußere Instanz für das sittliche Handeln gilt.4 Wenn die gesamte Natur und ihre Teile als schön erscheinen. . Dieses Individuum samt dessen Wohlbefinden gibt dem Ganzen seinen Sinn. sondern gerade um deren Bloßstellung. 143f). sondern der Vernunft und der Freiheit”5: We have seen in our time the decline and ruin of a false sort of wit. um diese Einheit und Identität als die eines moralischen Subjekts zu bezeichnen. 46) Shaftesbury hatte im ersten Teil der Characteristics betont. Es geht Shaftesbury nicht mehr um die Verdekkung und Entschuldigung von Schwächen. Der Essay Sensus Communis verwendet die Begriffe wit und humour neuartig und setzt sie vom höfischen wit der Restaurationszeit ab. and humour will refine itself. Mit dem Begriff des self beschäftigt sich Shaftesbury in der Schrift The Moralists: Der Mensch vermag sich aufgrund seiner Reflexionsfähigkeit als Person begreifen und damit die Bedingungen seiner Einheit oder Identität thematisieren. Tübingen 1960. der ihr gemäß lebt. We polish one another. dann werden auch der Charakter und das Verhalten des Menschen. and rub off our corners and rough sides by a sort of amicable collision. daß im Experimentieren mit der literarischen Form der Charakter des Moralisten herausgebildet wird. 279) war das Ergebnis von Überlegungen. Shaftesbury geht hierbei immer vom Empirismus aus. das sich von seiner Bestimmtheit als natürliches organisches Wesen unterscheidet. that their poems and plays. sondern auch schön zu nennen sein (Ch II. nicht nur tugendhaft. Jhs. And thus in other respects wit will mend upon our hands. and bring it under constraint. S.

108) Shaftesbury schreibt: „He who deals in characters must of necessity know his own” (Ch I. 124).. genau wie der Dialog mit den Freunden : . Hierbei ist gerade der Teil der Characteristics interessant. der seinen eigenen Charakter nach der Kunst harmonisch formt. Der Charakterbegriff bei Shaftesbury . (Ch I. S. 123) Von einem guten Schriftsteller fordert Shaftesbury die Kenntnis der Welt und der Charaktere. .a. der das Leben nach künstlerischen Gesichtspunkten gestaltet und betrachtet. (Ch I. Eine Bestimmung dessen.eine Annäherung Shaftesbury gab sein Gesamtwerk unter Characteristics heraus. der mit Soliloquy: or. Zunächst nennt Shaftesbury die geistigen Bilder ‘characters’: characters or pictures or pictures of manners. to be instructed. in dem der Leser seinen eigenen Charakter wiedererkennt und sich unmittelbar daran formen kann. 62. such as the beauty of sentiments. or to receive Advice on the terms usually prescrib’d to us. Mittel zur Heilung des ‘character’ zu sein. Diese 5 Vgl. the most delightful... Vorbildlich für jede Art des Schriftstellertums ist der szenische Dialog. the turn of characters. musicians sing. the most engaging and pathetic. poets celebrate. and from the passions. Diese wird durch die sokratische Philosophie vermittelt. of whatever kind. nimmt er jedoch nur vereinzelt vor.229 Stelle der Virtuoso. and of its own nature. describe or form. which the mind or necessity figures to itself and carries still about with it. Shaftesbury betont hierbei die Natürlichkeit der Darstellung: Of all other beauties which virtuosos pursue. a. Der Virtuoso ist der Lebenskünstler. is that which is drawn from real life. und die posthumen Fragmente tragen nach seinem Willen den Titel Second Characters. Wolff. Shaftesbury betont die wesentliche Funktion des Dialogs. Sie ist die Lehrmeisterin des Schriftstellers. Nothing affects the heart like that which is purely from itself. the grace of actions. (Ch I. Architekten und Künstler. was little better than tamely to afford another the Occasion of raising himself a Character from our defects. was er mit ‘character’ bezeichnet. and architects or artists. ein Verwandter der Poeten und Musiker. denn er wirkt wie ein Spiegel. and the proportions and features of human mind.O. Advice to an Author überschrieben ist. 90) 2. in welchem sich die Charaktere und Sitten in ihrer eigentümlichen Natur zu entfalten vermögen. Künstler aller Art kreieren ihrerseits nach den gleichen künstlerischen Regeln Charaktere. Er gibt dem Soliloquy die Aufgabe.

The moral artist. Das textuelle „I” wird persona und Maske. freien Gespräche geistiger Charaktere. according to the most exact poetical truth. 127f. daß er sein kann. and set the countenances and complexions of men plainly in view. „before we consider him in company. He notes the boundarys of the passions. ‘Twas not enough that these pieces treated fundamentally of morals. mit sich selbst beschäftigten Menschen. Er empfiehlt das Studium des einsamen. and distinguishes the beautiful from the deformed. im Gegensatz zu seinem Charakter als Mitglied einer bestimmten Gesellschaftsordnung. and in consequence pointed out real characters and manners: they exhibited them alive. Der Dialog soll eine Art von moral painting sein. And by this means they not only taught us to know others. Er kann sich bei jeder Gelegenheit der Laune seines Lesers anschmiegen. has the advantage of being who or what he pleases. He is no certain Man. and is thus knowing in the inward form and structure of his fellow-creature. das Aufnehmen des delphischen „Erkenne dich selbst”. the amiable from the odious. Dieser Aufruf zum „Zurück zur Natur” beeinflußte die Umgestaltung der allgemeinen Vor- . Der Dichter macht sich zum zweiten Schöpfer: Like that sovereign artist or universal plastic nature. (Ch I. dem er ständig schmeichelt: An author who writes in his own person. nor has any certain (or genuine) Character: but suites himself (on every occasion) to the fancy of his Reader. will hardly. der die natürlichen. 136) Shaftesbury parallelisiert hier die Schönheit der Ordnung. where the persons themselves had their characters preserved throughout. wer oder was er wolle. they taught us to know ourselves. their manners. as the Fashion now is. he constantly caresses and cajoles. marks the sublime of sentiments and action. seines naturgegebenen Charakters. 131) Der Autor kann sich stets mit einer Maske hinter seinen Zeichnungen nach dem Leben verstecken.230 „mirror faculty” der Literatur schildert Shaftesbury in Ch I. but what was principal and of highest virtue in them. with due subjection and subordinacy of constituent parts. die einfache Nachahmung der Natur und die Wahrheit der Charaktere. be found unknowing in himself. I presume.” Dieses Studium. and distinct turns of temper and understanding maintained. whom. who can thus imitate the Creator. by which he justly represents them. or at a loss in those numbers which make the harmony of a mind. he forms a whole. Über die Texte der Antike heißt es: They were either real dialogues. bedeutet das Studium des Menschen durch den Menschen. (Ch I. and knows their exact tones and measures. or Recitals of such personated discourses.) Der Schriftsteller hat den Vorteil. 131. (Ch I. coherent and proportioned in itself. geistiger Typen schildert. humours.

on most occasions: ‘that they have acted like themselves. happens at any time in a character. which is so often verified and may be safely pronounced for truth. . Die Charaktere.. and in the commerce of life. (Ch I. when the passion or humour of a known person changes remarkably from what it once was. das nach der Natur gebildet ist.” Die Schwäche des Charakters liegt in einem Mangel an philosophisch-kritischer Betätigung und an der fehlenden Anwendung philosophischer Erkenntnis begründet.. der charakterlich völlig verändert von einer Reise zurückkehrte: When a revolution of this kind. S. David Marshall kommentiert diese Stelle mit folgenden Worten: 6 Vgl. (Ch I. that there is no expression more generally used in a way of compliment to great men and princes than that plain one.O. 114). so ist zur Behebung und Heilung dieses Mißstandes die Philosophie angerufen: „tis to Philosophy we then appeal. In dem Verb „personate” steckt das lateinische persona. Als Beispiel dient Shaftesbury die Episode eines Freundes. Wolff. that though we pretend not to be complete philosophers.6 Im dritten Teil des Soliloquy geht es Shaftesbury um das Verhältnis von Charakter und Identität beim Adel: We find in the same manner.231 stellungen vom Charakter des Menschen. ‘tis to Philosophy we then appeal. 182) Diese Verhaltensweise führt Shaftesbury zu der Frage: For what person is there who in his imagination joins not something worthy and deserving with his true and native self. yet as we have more or less of this intelligence or comprehension of ourselves. and more or less to be depended on in friendship. Rolle und Charakter beinhaltet. and made to consider. who he is? (Ch I. though not so total. a. Das ‘natürliche’ Bild des Menschen ist nun dynamisch. passen nicht mehr zu einem Menschenbild. Verändert sich demnach der Charakter eines Menschen. and suitably to their own genius and character.) Der Begriff des Charakters bezeichnet nun das moralische Selbst der Person. society. das die Begriffe Maske. 182) Daran anschließend reflektiert der Gesellschaftsphilosoph die Frage nach der Beständigkeit eines Charakters. as oft as he is referred to it. wie wir sie im 17. . so far at least.a. Jahrhundert kennengelernt haben. we accordingly confess we are more or less truly men. und wir können von einer Umdeutung des Charakterbegriffs sprechen. 185f. „to personate ourselves” (Ch I. Die Aufgabe der Philosophie lautet.. 97. Erwin Wolff führt in diesem Zusammenhang den Entwicklungsbegriff ein.

je nachdem in welchem Verhältnis sie zueinander liegen und welche die Oberhand in einer Person haben. die Begierden.in its dialogic mode . Die Untersuchung der eigenen Stimmungen und Launen. a. S.232 To act. New York 1986. Adam Smith and George Eliot. andererseits als stabile Einheit darstellt. according to the manner of soliloquy above prescribed. 34 verweist darauf.a. Die Mehrdeutigkeit des Charakterbegriffs verbindet nun individuelle Eigenschaften eines Menschen mit der Bedeutung ‘literarische Figur’. as we grow wiser. we shall. Shaftesbury.O.” .this is what we must learn to do for ourselves. The dramatic method of soliloquy .7 Die Rolle der Leidenschaften bei der Bildung eines Charakters wird ebenfalls von Shaftesbury thematisiert. 40. who treated formerly of CHARACTERS in a higher sense. florid Desires. Das fragmentarische Preface zu den Second Characters gibt Auskunft über die weitere Klärung des Wortes ‘character’: If our author. prove less conceited. 234) Auch hier ist wieder die Frage nach dem self bedeutsam. Diese bestimmten den Charakter eines Menschen. and call in question our high imaginations. condescension. play. daß Shaftesburys Ästhetik auf Lockeschen Ideen basiert: „The theory of knowledge that informs Shaftesbury’s aesthetics postulates a relationship of transcription between the ideas and the external objects of sensation they image: basically. this is Locke’s theory. should by this latter manner appear to have lost somewhat of the rank he had amidst the order of writers. this will be of small concern to him. by the natural course of things. The Figure of Theater. we can have resolution enough to criticize ourselves. 193)8 Aufgabe des Selbstgespräches ist die Selbstkritik. Ein Nachdenken über die affektgeleiteten Gemütsbewegungen dient der Entlastung und Besserung des Menschen. to assume the character of . That the process of knowing was a process of transcribing the embodied language of forms suggests the relative insignificance of distinctions between the visual imitation and verbal documentation. represent or exhibit dramatically. das sich einerseits als Rollenwechsel.. (Ch I. and of myself. Vorurteile und Absichten: And thus the study of human affection cannot (fail of leading) me towards the knowledge of human nature. Einbildungen und trügerische Gefühle besänftigt und so zu einer charakterlichen Vervollkommnung führt: And if in our private capacity. and just humanity which is essential to the success of all friendly counsel and admonition. and specious sentiments. (Ch I. S. It is sufficient honour if by these 7 8 David Marshall.would teach us to dramatize our own characters. Defoe. as recollection of Locke’s reference to the characters that experience imprints on the mind should suggest. and introduce into our character that modesty. Lynch. Meinungen. des Temperamentes und der Leidenschaften beinhaltet dann auch eine Erforschung und Prüfung der wahrhaften Überzeugungen.

by the Right Hon.233 SECOND CHARACTERS. he can be able in the least degree to support those higher. a personality invented by a novelist or dramatist. 11-25. Earl of Shaftesbury. second characters solche künstlerischen Darstellungen des Menschen. Marshall. or direct representation. an expression. Der Titel Second Characters bezieht sich daher nicht nur auf Rangordnung und Form der Schriften. denen in der Klammer „SC” vorangestellt ist.. a graphic symbol or sign.a..” . denen eine moralistische Zielsetzung innewohnt.12 Menschen als Charaktere (im Sinne von Gesamtheit der seelischen Eigenschaften und Ansichten) treten in Shaftesburys Vorstellung als Charaktere (Bühnenpersonen) im Drama der Schöpfung auf. die aus der Übersetzungsarbeit des Künstlers entstehen: Der Künstler ist im eigentlichen Sinne Übersetzer. the part assumed and played by an actor on the stage. kann über künstlerische Darstellungen des Menschen urteilen. Sie werden dadurch 9 10 11 12 Zitatnachweise im fortlaufenden Text. Die mehrsinnige Verwendung beabsichtigt hier eine verhüllte Beeinflussung des Sprachgebrauchs. dann ist hier das Wort ‘character’ in der Bedeutung „Charaktere auf der Bühne” aufzufassen. a. First characters sind die Menschen der Wirklichkeit. and the face or features of something or someone. „Der Wissende und die Weisheit . 11.10 Second characters sind als synthetische Konstrukte zu verstehen. sondern bezeichnet gleichzeitig auch ihren Gegenstand: Menschendarstellungen in der bildenden Kunst. Allegorien der Geschlechterdifferenz. or under-parts. beziehen sich auf Benjamin Rand. Vgl. individuality itself. hier S.O. weil sie sich gegenseitig beleuchten. its essential peculiarity or nature. ed. Second Characters or. Anthony. Wolff.O. Dies ist gerechtfertigt. Character is also writing itself: from its Greek etymology meaning to mark.a. The Language of Forms.. die künstlich sind wie die Buchstaben. der konstruierten Schöpfungen. stamp or engrave to an alphabetic mark. the moral or mental qualities which distinguish one as an individual. Aleida Assmann. in: Sigrid Schade. ed. Mit diesem Übersetzungsakt betreten wir die Welt der zweiten Natur. der durch Selbststudium und philosophische Beobachtung der Menschen den Menschen als Spezies kennt. a. S.. Köln 1994. New York 1969. er übersetzt konkrete Formen in intelligible Ideen.11 Shaftesbury spielt bewußt mit den verschiedenen Bedeutungen von ‘character’.Gedanken zu einem ungleichen Paar“. a figure. 161. S. sie sind anorganische Schöpfungen zweiten Grades. 41 betont: „Character embodies the ambiguity and contradiction which are in question in Shaftesbury’s notion of the self: for character means at once the aggregate of the distinctive features of something. which he once sustained in behalf of the chief concerns and interests of mankind. (SC 3)9 Wenn Shaftesbury an dieser Stelle den Second Characters eine ergänzende Funktion neben den Characteristics zuweist. S. Shaftesbury will das Wort Charakter noch anders verstanden wissen als nur im Sinne einer Bezeichnung für die verschiedenen Ausdrucksformen seiner Schriften: nur derjenige.

senses. (SC 90f.) Die erste Gruppe umfaßt den willkürlich festgesetzten Gebrauch von Formen als Zeichen. übermitteln die Botschaft des „Author of nature”. They were taken with the ways in which the print technologies that produced uniformly reproducible and imitable texts (. Marks of sounds. first. sondern auch derjeniege der gesellschaftlichen Wirklichkeit ablesbar ist. S.’ (SC 16) Künstlerische Menschendarstellungen sind also gleichzeitig Schriftzeichen. 162. a. etc.. meanings by that medium. viz. as an observation on the usefulness of the treatise (modestly insinuated) the knowledge of men and manners even in the vulgar characters and lives of the plastics or artists.). emblematic. i.. Thus ciphers. Die zweite Gruppe bezeichnet die in der Natur vorkommenden Formen. chiefly modern.. of sounds and speech. shorthand. aus denen nicht nur der Charakter des Autors. (3) A THIRD and middle sort.234 Charaktere im Sinne von Schriftzeichen und bedeuten als solche etwas.13 Im Vorwort der Second Characters notiert Shaftesbury: Memorandum. Signs. Punkt (3) bezieht sich auf den em- 13 14 Vgl. (2) SECOND. from the superficies and extremities of the bodies. modern as well as ancient..) seemed to make society go: these processes fostered correspondence and commerce in the social body.a. Imitation of real forms and natural beings. third: viz. 41 verweist auf die Auswirkungen der Entwicklungen der Druckkultur auf die Ideengeschichte: „Perhaps the repowering of the classical copy theory of knowledge that engaged eighteenth-century philosophers such as Locke and Shaftesbury ought to be viewed as a testimony to how taken these writers were with the experience of living in a print culture. Wolff. (1) FIRST. or lineally and graphically by lines and colours. Cicero’s invention. meanings etc. Die Schrift beginnt denn auch mit einer notizenhaften Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von „characters”: Distinction of characters. senses. S. ein Lehrbuch zur Sprache der Formen angesehen werden.O. plastically (convex or concave). words. As when the latter signa are used as mediums (speech being passed over) to convey sentiments. (but not sentences. syllables. fresh and attested without interest or design to vary.. Lynch. diction. speech. Sigilla. viz. e. a.. second. legible from their artificial second characters.a.14 Von daher gestattet Shaftesbury auch die Darstellung der „vulgar characters and lives”. and of sentiments. Notes. according to optics. add or impose.” .O. And in this respect observe ‘how the works and characters of the masters correspond to their own proper and personal characters. die gleichzeitig natürliche Zeichen einer dahinter stehenden göttlichen Weisheit sind. Die Second Characters können als eine Art Grammatik der „characters”. . Signa. so well remembered and told in stories. their works. middle or mixed. To premise.

O.. reason of the thing. use or effect in nature: if ill and mischievous to us. Das Lernen aus den natürlichen Zeichen bezeichnet Shaftesbury als „Mimicry of the better sort.a. a. a.. constitution. 167.” (SC 94). Wolff. muß. ‘design. Wenn Shaftesbury für die Darstellung von Charakteren La Bruyère als Vertreter der französischen Moralisten . der die vom Dichter gleichsam abgemalten Schriftzeichen aus Natur und Geschichte „liest”. viz.. and the just imitation of nature according to natural history and the ideas or species of the several forms. if salutary. All men mimic. für die eine Einwirkung theophrastischer Charakterschilderungen des 17. imagery. . This is the moral.” (SC 93).’ (SC 93) Diese Hinweise bleiben ohne Ausführung. Wolff.unter gleichzeitigem Hinweis auf Theophrast . operation. plastic art. poetry. Jahrhunderts nachgewiesen wurde. Vgl. so weist dies auf das Problem der Charaktere in Roman und Komödie. iconography. else no speech.. dürfte hier einen ihrer wesentlichen Antriebe haben. the form. to some end and with some intent. the intelligence of the fable. prototype and ectype. S. typography (improperly applied to printing characters). deren Gesamtcharakter nicht mehr Ausdruck.anführt (SC 99). place. its energy. die sich nach dem Abblühen der Comedy of Manners in der englischen Komödie durchsetzt und dann auch in den Roman übergeht. den Kontrast zum gegenwärtigen Zustand der menschlichen Gesellschaft zu Bewußtsein kommen. the simple and pure. Zeichen für Benevolenz ist. by type. 179. record and improve. Die aristotelische Mimesis steht im Dienste Shaftesburys als Menschenschilderer und Menschenbeobachter: „Second Characters (viz with regard to the title) are moral personal/personages. we pass over to the unmixed. derjenige. Die detailliertere Art der Charakterisierung.a. S. that we may record and avoid. die als exempla unmittelbar über die Anschauung auf den moralischen Menschen einwirken sollen. im Sinne von 15 16 Vgl.O. natural habit. (SC 101) Für die moralistische Dichtung heißt dies nun. second. und 18. Wer den Charakter zu lesen. no manners.235 blematischen Gebrauch natürlicher Formen. Die erste Gruppe gehört in gewissem Sinne zu den ‘Archetypen’: . und darin besteht die Absicht des Dichters.15 Über die Einwirkung auf Komödie und Roman schreibt Shaftesbury: The note or character of nature. animal or vegetative. ‘Characters’ bezeichnet Shaftesbury als moral personages.16 Die Natur ist für Shaftesbury das Sichtbare.

Shaftesbury fordert: Remember. worunter der Begriff der Rolle oder Maske zu subsumieren wäre. Dieser ‘outer character’ definiert sich über die Öffentlichkeit. ist umgeben und beschützt von einem ‘outer character’. the self one constructs and acts for the world.No. and what born to? . the masters in this kind? Or is it a 17 Benjamin Rand. wird daraus die Lektion der freien. tone. So wie Shaftesbury ‘character’ in ‘inner’ und ‘outer character’ trennt. 189. agreeable with a divine pleasantry. Shaftesbury ergänzt die bereits behandelten Texte mit Notizen. über die Rollen.236 Schriftzeichen zu deuten vermag. figure? With whom the figure? Where? In country? or in town? . it is economical in . spaltet er den Begriff des ‘self’ in ‘natural’ und ‘artificial or economical self’. shadow. but in the nation.. .Excellent: but how? Is it magnitude or curiosity only? Is it a figure according to art and masterly skill? Where are the judges.. Er führt noch einmal seine beiden zentralen Anliegen „Character“ und „I” zusammen: What am I? who? whence? whose? . the same involution. in the world. „Self”. under me? . birth. therefore. of what sort? what character. Seek to find such a tenour as this. ed. „Who I am?” fragt er in „Character and Conduct” nachdem er festgestellt hat „All turns upon the nature of a Character” (PR189). in manner and degree. die unter dem Titel Philosophical Regimen posthum veröffentlicht wurden. name. Der innere Charakter als das Private. Zitatnachweise. curtain. (PR 192) Charakterbegriff und Bestimmung des „self” gehen jetzt ineinander über. die der Mensch als Gesellschaftswesen inne hat. Earl of Shaftesbury. that it attempts to regulate the loss and the preservation of the natural self in its public transactions. denen in Klammer „PR” folgt. „Character and Conduct” und „Character” geht er nochmals seinen zentralen Fragen „What I am? What is this Self” (PR 139)17 nach. The Life. the same soft irony. London 1900.And to what or whom belonging? with what or whom belonging to me.. rank. such a key. . Unpublished Letters. title. and strive to find a character in this kind according to proportion both in respect of self and times. harmonischen Sittlichkeit lernen. what dignity. though accompanied with humour and a kind raillery. S. Nun führt Shaftesbury die Differenz von Innen und Außen ein: The outer character consists of the bearing and role one assumes in the world. voice. „Artificial or Economical Self”.An estate. about me.Quality. and Philosophical Regimen of Anthony. Unter den Überschriften „Reputation”. sind dieser Ausgabe entnommen. das wahre Selbst des Menschen. consistent with true gravity and simplicity. (PR 192).

it becomes a hieroglyph. Having passed from an individual and . Sein Charakter wird vielmehr durch gesellschaftliche Erfahrungen geformt. and in becoming a cypher. what a figure is. religiöse 18 Marshall. a figure in the world and then suddenly a numerical figure whose value is canceled out as it becomes a blank.a. „Like the multiplication and division of the self we witnessed in the Characteristics. II. in dem der Mensch die unterschiedlichsten Verhaltensweisen in Differenz zu anderen und auch zu sich selbst entfalten kann. what a cypher only. what am I ? (PR 128)18 Der Charakterbegriff erhält nun die Bedeutung Persönlichkeitsstruktur. a character in a writing which hides its significations. S. this dazzling accounting reduces the self through its different senses. writing itself. Henry Gallys „A Critical Essay on Characteristic-Writings” (1725) als Beitrag zur Dichtungstheorie „A Critical Essay on Characteristic-Writings” ist die Einleitung zu Henry Gallys TheophrastÜbersetzung The Moral Characters of Theophrastus (1725) und der längste Beitrag im Rahmen des Versuchs. how add or multiply in these numbers? Consider then what are the right numbers. als Ausfaltung seiner Differenzen zu allen Anderen definierbar. a. um die Welt zu lesen. name. proportions. and arithmetic. ‘I’ becomes a character itself. 63 kommentiert diese Stelle mit treffenden Worten. sondern sie auch zu erschreiben.. what difference from a cypher? In these sums what are cyphers set either before or after? How increase the figure. Markierung. Über Gallys Leben (1696-1769) ist wenig bekannt: 1735 wurde er Kaplan am Hofe Georges II. a cypher. daß das menschliche Wesen keineswegs durch eine konstante und unauslöschliche Grunddisposition. Neben Ziffer. what really makes a figure. Im Kontrast zur klassischen Begrifflichkeit ist der Charakter nun nicht mehr von der Auffassung bestimmt. ‘I’ is not merely reduced to nothing. a cypher only? Or though still a figure. Die Essayistik Steeles und Addisons im Tatler und Spectator verdankt ihre künstlerische Formung weitgehend dem von Shaftesbury gegebenen moralistischen Impuls. Hieroglyphe. die character-Form zu bestimmen. Der durch äußere Einflüsse formbare Charakter macht den Menschen nun als Individuum. the most simple mark of writing. mithin durch einen einzigen Charakterzug geprägt ist. ‘I’ becomes a title.O. Der dem so bestimmten Individuum eigene Charakter läßt mithin einen Spielraum zu. Er publizierte Predigten. a coded mark whose meaning is not apparent. Again. a mysterious sign which stands for an unknown quantity or referent.237 figure as in a sum? What sum? the great sum? the whole? Which is the greater figure and which the less in this sum? What is a little figure? How little or great? Or what though great? What though the biggest unit? How longe before a blank. geheimnisvollem Zeichen und Buchstabe ist er nicht mehr nur Mittel.

the iconic and the narrative. de la Bruyere’s Performances in this way.. Corney.238 Traktate und eine Abhandlung über die Aussprache des Griechischen. xiv. (S. a. Hatten die untersuchten Selbstbeschreibungen des 17. Henry Gally. 7) 19 20 essential character to a character that stands as an imaginary personage or a fictive role. Jahrhundert. Er schreibt nach einer Epochenschwelle. Der erste Teil folgt den Ansichten Isaac Casaubonus und ordnet die Charakterskizze zwischen Moralphilosophie und Dichtung ein. indiscriminately.a. H. the visual and the verbal.20 Ihm geht es also zunächst um den Ursprung der Charakterskizze. Characteristic writing designated many of the printing press’s motley productions: the character sketches that inventoried character traits. dann um die Gattungskonventionen. Paul’s Covent Garden and Rector of Wanden in Buckinghamshire”.19 Im Vorwort seiner Theophrastausgabe formuliert Gally seine Intention: It treats of the Origin of those Writings: It points out the general Laws to be observ’d in such Compositions. the self finally becomes writing itself. The Moral Characters of Theophrastus. liefert Gally nun historisch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Bewertung des Genres im 18. unter neuen Wertestrukturen sowie veränderten politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Sein Essay verdient deshalb Aufmerksamkeit. and it contains some Reflexions on Theophrastus’s and Mr.O. Jahrhundert.” Lynch.” A. University of California Publications 33 (1952). . Die folgenden Zitate sind dieser Ausgabe entnommen. a Medium between Moral Philosophy and Poetry. Das Titelblatt der ersten Ausgabe nennt ihn „M. Für unsere Frage nach der Entwicklung der englischen Charakterskizze sind insbesondere die Abschnitte II und V relevant. 39 nimmt hier wieder Bezug zu ihrer These. diese Zeit sei dominiert von einer typographischen Kultur: „In the typographical climate of the period. A. S.. da hier erstmals eine kritische Auseinandersetzung mit den characters stattfindet. as it were. . London 1725. characteristic writing provided debaters on the arts with a locution that covered. und schließlich will er sich mit Theophrast und La Bruyère beschäftigen. .. The Preface S. Unter „characteristic-writing” wird zunächst das Verfassen jeglicher Art von Literatur verstanden. Gally wirft einen distanzierten Blick zurück auf das 17. Jahrhunderts den Charakterbegriff bruchstückhaft erhellt.. So nennt Sarah Fielding ihre Romane und die ihres Bruders „characteristic-writings” und Gally verwendet diesen Begriff für Charakterskizzen. womit ihr besondere Dignität zukommt: For the Learned Isaac Casaubon has observ’d that Characteristic-Writing is. Der Essay ist in fünf Abschnitte gegliedert. ed. Lecturer of St.

in its various Forms and Affectations. 29. who is concern’d in the Work. ‘tis the Perfection of Moral Philosophy. welche bewirken soll. and a happier Turn of Expression than the Characteristic. 30. and these must be represented in their genuine and native Colours. he must study himself. . (S. the whole is lame and defective. Dabei weist er dem Genre einen besonderen Rang zu. it wou’d be of no Service but to the Owner: It wou’d make him. may presently discover himself. nevertheless. Dieser beginnt mit folgenden Worten: THERE is no Kind of polite Writing that seems to require a deeper Knowledge. and he who wou’d attempt a Work of this Kind.239 Bedeutender für die character-Theorie ist der zweite Abschnitt des Essays. Human Nature. diese auszuloten. Thema der Charakterskizze ist der Mensch in seinen vielfältigen Ausprägungen. indeed. And these Correspondences are not imaginary. but not an able Writer of Characters. and those. but have a real Foundation in Nature: For when any one of these is wanting. sondern auch sich selbst studieren. Hervorhebung KH) Gally positioniert zunächst die Charakterskizze in der Literatur. who are unconcern’d may. Er muß nicht nur seine Mitmenschen. that so the Picture may strike. with some assurance of Success. 29f. he has a more difficult Task to perform. and every Thought ist proper Expression. Mit der Forderung nach Selbsterkenntnis ist der Einfluß der Gesellschaftsphilosophie Shaftesburys ablesbar. but when they all meet and conspire together. an able Philosopher. In einem zweiten Schritt bestimmt Gally das Verhältnis von „nature” und „art”: The deep and dark Recesses of the Heart must be penetrated. Dann erläutert er den Aspekt der „correspondence”: EVERY Action has its proper Thought. immediately perceive a just Correspondence between that Piece and Nature. and every Reader. Der Charakterskizze kommt die Aufgabe zu.) Diese Vielschichtigkeit der menschlichen Natur kommt durch eine „realistische”. who wants proper Abilities to communicate his Knowledge to the World. and how Art puts on the Appearance of Nature. Hervorhebung KH) Gally weiß um die komplexe und paradoxe menschliche Natur voller Abgründe und Varianten. das heißt. to discover how Nature is disguis’d into Art.This Knowledge is great. is the Subject. the Character is then genuine and . daß der Leser sich selbst entdecken kann: THE Mind has its peculiar Features as well as the Body. (S. a livelier Imagination. (S. ‘tis an inestimable Treasure: But yet if it shou’d fall into the Hands of one. „natürliche” Darstellungsweise zum Ausdruck. must not only study other Men. Der Verfasser von Charakterskizzen erhält somit von Gally eine wesentliche Aufgabe.

” heißt es bei Assmann. Die „passions” muß der Verfasser detailliert studieren. „to draw a Character so to the Life. sie artikulieren und aktualisieren sich vielmehr selbst. ihrer Gefühle und Leidenschaften ist unabdingbare Voraussetzung.240 compleat. sondern selbst Regelkanon und autonomer Code. 31) Der Autor beobachtet also nicht nur Menschen und Sitten. 30f. Diese mimetische Kunst orientiert sich an einem neuartigen Naturbegriff. 32) Er nimmt hier die Gesellschaftsphilosophie Shaftesburys auf. Hervorhebung KH) Gally fordert hier eine mimetische Darstellungsweise. Mimesis heißt nicht mehr Teilhabe an. sondern versteht auch. contains a little World within himself.a. Durch den direkten mimetischen Bezug auf die Natur als Modell für das künstlerische Werk wird ein grundlegender Wandel im Selbstverständis eines Künstlers artikuliert. (S. requires the Hand of one who is a Critic in Men and Manners. that it shall hit one Person. die sich im 17. der Handlungen. wenn er schreibt: WE have all of us different Souls. sondern auf der aristotelischen Poetik fußt. . insbesondere deren Zusammenspiel erfassen. whether the Character. Er beobachtet nicht nur.. Dabei darf er sich nicht von oberflächlichem Wissen leiten lassen. (S. Die Gesetze der Realität sind nicht erst feststellbar im Verweis auf ihren Schöpfer. Natur ist nicht mehr „Manifestation eines transzendenten Codes. Each Man. which fill the heart of Man” (S. a Critic in Thoughts. and every Heart is a new World. Dieses Wissen ist eine unabdingbare Voraussetzung. Legitimität. als Gemeinschaftswesen in eine umfassende gesellschaftliche und kosmische Harmonie eingebettet. and a Critic in Language. a. daß er in seiner Abhandlung immer wieder der Bedeutung der Typisierung nicht gerecht wird. Als Einzelwesen ist der Mensch Geschöpf einer gütigen Gottheit.21 Er stellt nochmals die Anforderungen an den Verfasser von Charakterskizzen heraus: A Master-Piece of this Kind. the Thing or Person design’d is drawn to the Life. Jahrhundert vollzogen haben. Gally ist sich der komplexen menschlichen Natur. sondern muß auch mit ihrem Denken und ihrer Sprache kritisch umgehen. that lies before him. Er reiht sich damit in die aufgeklärte Tradition der Literaturtheorie ein. and the Reader is left uncertain. Dieser ästhetische Ausgangspunkt führt dazu. as our outward Faces are in their Lineaments. or of a real Appearance of Nature. and him only” (S. um den Leser durch das „Labyrinth of the Passions. 139f. sondern Nachvollzug von Realität.. is an Effect of Art. (S.O. Mit diesem Satz nähert sich Gally sehr stark der Individualisierung an. 31) zu führen und den Menschen als tugendhaft oder lasterhaft einzustufen. S. ihrer Opazität und der Differenz der Menschen bewußt. die nicht mehr im Zeichen der Bibel steht. 21 Gally greift auf Entwicklungen zurück. Eine genaue Kenntnis der Menschen. and our Souls have Affections as different from one another. 32). durch eine innere Harmonie gekennzeichnet.

Dabei ist eine genaue Beobachtungsgabe („a Writer of Characters must accurately observe”) das wesentliche Qualitätsmerkmal eines Verfassers... Die universale menschliche Natur. 29 mit ökonomischen Überlegungen verknüpft: „I will consider how Theophrastan character writers decried the overcharging of character at the same time they tried to exploit the market value that fine description had in a post-Lockean age of empiricism. 32) Der Leser muß in belehrender Weise unterhalten werden („instructive entertainment”).. Als Vorbild nennt er Theophrast.241 Formuliert wird das Kunstideal des Klassizismus. who is Master of the Science.” . daß dennoch verschiedene Züge die Auffassung unterstützten „the heart of Man is frequently actuated by more passions than one. This Knowledge has a Force.. (Hervorhebung KH. (S. S.” (S. dessen genaue Beobachtungsgabe und Urteilskraft er sehr schätzt. and therefore the Excellency of Characteristic-Writings must consist in exact Representations of human Nature. (S. cause some Diversity in the Colour and Complexion of the Whole. das im Dienste der Objektivität. and expose them to the Eyes of the World. by studying others or our selves alone. S. Paradoxerweise fügt er dem hinzu. can turn Men inside outwards. die durch gesellschaftliche Übereinkunft bestimmt wird. but ‘tis the Master-Passion which must determine the Character.. something like to that of Magic Charms: by the help of it one. 33). daß die Darstellung der Person einheitlich geschehen und jeder Charakterzug ‘passen’ müsse.This Harmony between Art and Nature may be call’d Justice. steht.a. and not as they wou’d fain appear to be. Dieser Kritikpunkt Gallys wird von Lynch. 37) 22 Gally ist der einzige character-Theoretiker. .22 Der Verfasser legt ein Hauptmerkmal fest und ordnet andere Kennzeichen diesem unter: The under Passions may. der darauf aufmerksam macht. Der Mensch kann in seiner Vielschichtigkeit nicht auf einen Wesenszug festgelegt werden. Jede Charakterskizze muß sich aber auf die Darstellung einer Tugend oder eines Lasters beschränken („one Master-Passion”). how the arbiters of propriety in the art market responded to the craze for caricatures by trying to distinguish between permissible and excessive attention to physiognomic particulars. wie sie der Common Sense diktiert.O. as they really are. by their various Operations. Nochmals fordert er das mimetische Abbilden: THE Beauty of every Kind of Writing arises from the Conformity which it bears to Nature. but by studying both. 34) Gally erläutert dies am Typus des Geizigen. also selektiv sein. wird zum Maßstab für alles Kunstschaffen.. um das Wesen der Person zu erläutern. . . Gally kommt nochmals auf den zentralen Aspekt des „Erkenne Dich selbst” zu sprechen: We cannot therefore attain to a perfect Knowledge of human Nature. a.

keine Über. and all the Extravagances of Nature are natural. that the Strokes be not too faint. und 18. and the Person characteris’d will insensibly vanish from the Eyes of the Reader. great Care must be taken. SINCE every Feature must be drawn exactly to the Life. 38) Der Verfasser einer Charakterskizze. dessen Ziel es ist. Gally verpönt diesen wit als rhetorische tour de force.... which nature it self has mark’d out. so wie sie im Roman vorkommt.242 Die Darstellung muß „lebendig” und „natürlich” sein.(S. (S.. gegen die extensive Verwendung des wit. whatever falls short of it is poor and insipid. when they are well represented. he must immediately pass on to another Idea . flüchtig Entworfenem. 39) Er richtet sich gegen den elaborierten Stil bisheriger Autoren. Wahrheit anzustreben. Antithesen und Chiasmen machen aus den characters ein künstlich abgezirkeltes Ballett der Wörter und weit ausgesponnene Vergleiche und Vergleichsreihen stellen lediglich den wit des Autors unter Beweis. which convey to the Mind nothing but a low and false wit. still insist upon the same Idea. Parallelismen. als eine rein sprachliche Angelegenheit. zu überbieten und nicht die Wiedergabe von Menschenbildern.bzw. the Work will immediately flag. nor yet too strong: For Characteristic-Justice is to be observ’d as strictly by the Writers of this Kind. Ein Mensch kann zwar als Schmeichler kategorisiert werden. Gally deutet bereits eine individualisierende Charakterisierungstechnik an. die dann auch für die Ausdeutung des Begriffs Skizze. That Medium must be copied. Hauptaugenmerk früherer Autoren war. in this Kind. Gally macht stilistisch genaue Vorgaben. (S. Der Stil muß aber „plain and easy” sein. aber eben dieser hat auch eine eigene Identität. den eigenen Stil voran zu treiben. for then the Writer does not copy from an individual Original. after the masterly Stroke is given. . must not dwell too long upon one Idea: As soon as the masterly Stroke is given. the Character grow languid. the Author shou’d in a paraphrastical Manner. without any of those Points and Turns. as Poetic Justice is to be by Poets. . In Analogie zur „poetic justice” formuliert und fordert Gally eine „Characteristic-Justice”: Invention and Fiction must be admitted in Characteristic-Writings. Untertreibung aufweisen und einen gesunden Mittelweg bevorzugen. wichtig sind: An Author. Ständige Alliterationen.. when the Characters design’d are of a general Nature.. 38). 42) Kürze und eine einheitliche Struktur sind wichtig („Much must be contain’d in a little Compass”. Jeder Satz liefert ein neues relevantes Detail. whatever is above is Rant and Extravagance. deutet an. . S. Der Text zeigt hier den Wandel zwischen dem 17. aber breitet nicht aus. die nichts mehr mit Einsicht in Wirklichkeit zu tun hat. For if. als etwas knapp Geschildertem.

and by his false Colours converts Men into Monsters. da es sich bei diesem Werk weniger um Charaktere aus theophrastischer Tradition als vielmehr um ein Konglomerat von Charakteren. Im dritten Abschnitt behandelt Gally das Vorwort der theophrastischen Charaktere.243 Jahrhundert an. and. (S. or the Manners of the Age. Gally stellt zunächst nochmals die Aufgabe des Verfassers von characters dar: The original Design of Characteristic-Writings is to give us real Images of Life.. may be allow’d to work in Pieces of this Kind. Während in den puritanischen Seelentagebüchern die Tatsachentreue zugleich moralisches Kriterium für Wahrheitsliebe war. inwieweit La Bruyère von seinem Stilideal abweicht (S. who are not to be found in nature. he carries almost every thing to Excess. Der von Gally verwendeten Terminus der „probability” ist zudem ein Schlüsselbegriff in der Romanentwicklung. Reason must hold the Reins of the Imagination: Judgment must direct the Fancy. de la Bruyère gives us Characters of Men. The Imagination. 66) Die Inkonsequenzen und Brechungen bei La Bruyère. otherwise we shall be apt . represents the Irregularities of Life as downright Madness. der sich in der Auffassung des Menschen als Individuum manifestiert und in neuen Literaturformen artikuliert wird. Er warf dem französischen Autor vor. Die aus seiner Kritik sprechende Unsicherheit angesichts der Oszillation des Textes zwischen moralphilosophisch intendierter allgemeiner Moralkritik und grenzüberschreitender Individualisierung. Nature must not be distorted..with the Characters of Theophrastus 1699 ins Englische übersetzt worden war. So widerspricht das Werk des Franzosen beispielsweise der von Aristoteles in seiner Poetik geforderten Abbildungstreue gemäß den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit. satirischen Porträts zeitgenössischer Persönlichkeiten und darüber hinausgehenden nicht dazu gehörigen Maximen und Reflexionen handelte. Gally bewertet La Bruyère vor der Folie der moralphilosophisch geformten englischen character-Tradition. das mit dem Titel Characters. die erschwerte Einordnung des Werkes in irgendeine Gattung waren Kritikpunkte des Engländers. Gally zeigt sodann an Textbeispielen. An exact Imitation of Nature is the chief Art which is to be us’d. Im vierten Abschnitt erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit La Bruyères Werk. 74). Historisierung und ästhetischer Fragmentarisierung verkennt Gally und warnt: THE Strokes which compose a Character must be bold. I own. provided it keeps within the Degrees of Probability. But Mr. das später hinzugefügt wurde und die ethische Absicht unterstreicht. einen irreführenden Titel benutzt zu haben. but not extravagant. to excite either Ridicule or Admiration. wird im Roman die faktische Teilnahme am Geschehen von einem Erzähler relativiert. out of a false Affectation of the Wonderful.

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to miscarry, and connect inconsistent Ideas, at the very Time, when we think we hit the Point of Humour to the Life. (Hervorhebung KH, S. 73)23 Der Natur als verpflichtender Norm künstlerischen Schaffens stellt er die Vernunft als Kontrollinstanz beiseite. Der Verfasser von Charakterskizzen darf die menschliche Einzigartigkeit nicht ins Lächerliche ziehen. Gally plädiert für Generalität und ächtet alle Zeichen der Besonderung als exzentrisch: Extravagances of this Nature are no Beauties in any Kind of Writing, much less in Characteristics. (S. 72) Schließlich grenzt der Engländer die Charakterskizze von der Erzählung (S. 75) und von der Romanze ab, die sich durch ihre Länge und die Auflistung von Einzelheiten von der generalisierenden Art der Menschendarstellung unterscheiden (S. 76). Im Abschnitt V geht Gally auf das Vorbild La Rochefoucault ein: He had studied Man in himself; and in a small Collection of moral Reflexions, he has laid open the various Forms and Folds of that Heart, which by Nature is deceitful above all things. He has given us, as it were, the Characters of all Mankind, by discovering those secret Springs of Self Love, which are the Source of all our Actions.- (S. 86) La Rochefoucauld hatte in seinem Hauptwerk Refléxions ou Sentences et Maximes morales beispielhaft die Verfahrensweise des Moralisten, der nicht predigt, wie der Mensch sein soll, sondern beschreibt, wie er ist, herausgestellt. Das wahre Wesen des Menschen sei verborgen und erst die demaskierende Analyse trenne den Schein vom Sein und enthülle die Inkongruenz von vorgeblichem Motiv und Tat. Triebfeder des trügerischen Scheins sei die sich verhüllende Eigenliebe („amour-propre”). Sie stamme aus den emotionalen Tiefenschichten des Menschen und entziehe sich rationaler Kontrolle. Auch Shaftesbury hatte sich in seiner Philosophie mit dem Aspekt der „self-love” intensiv auseinandergesetzt. Gally kritisiert nochmals die character-Tradition, wie sie die englischen Autoren des 17. Jahrhunderts weiterentwickelten: A continued Affectation of far-fetch’d and quaint Simile’s, which runs thro’ almost all these Characters makes ‘em appear like so many Pieces of mere Grotesque; and
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Thellmann, a.a.O., S. 134: „Aus der Perspektive der englischen Charakterschreibung, die anders als die französische eine ‘strict Relation and Correspondance’ der einzelnen aufgerufenen Details auf den Fokus des characters verlangte, hatte La Bruyère das Thema verfehlt. Gallys vernichtende Kritik markiert die spezifische Situierung von La Bruyères Charakteren, die im Spannungsfeld der diversifizierteren Begrifflichkeit des klassischen Charakterbegriffs zwischen ‘individuellem’ Charakterporträt und exemplarischer Modellierung der Tugenden und Lastern den Eindruck von Verwirrung hinterließen... .” Zur Gleichsetzung von „nature” und „reason” im frühen 18. Jahrhundert siehe auch Assmann, Legitimität, S. 151f.

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the Reader must not expect to find Persons describ’d as they really are, but rather acording to what they are thought to be like. (S. 89)24 Damit widmet sich Gally der Stilfrage, was typisch für die poetologischen Debatten der englischen Aufklärung ist. Die Kategorien der Charaktertypisierung im 17. Jahrhundert werden immer weniger als geeignet angesehen, die menschliche Natur zu erfassen. Aber genau dies wird von Gally als Aufgabe der Dichtung definiert. Eine Umbewertung poetologischer Kategorien und eine Entwertung der stereotypisierten Charakterzeichnung hat stattgefunden. Stil kann nun als „Mittel zur Steigerung sozialer Sichtbarkeit”25 gesehen werden. Suchten die character-writers des 17. Jahrhunderts Anschluß an eine Gruppe, sahen sie Stil als Prestigewert an, der eine soziale Identität profiliert und Konformität erzeugt, so erfolgt im 18. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel, der die Ablösung vom traditionellen rhetorischen StilSchema vollzog. Stil als Element der antiken Rhetorik, die eine hierarchische Gattungspoetik mit traditionellen ständischen Identitäten koppelt, wird abgelöst durch Stil als personale Identität, die nicht mehr vorgegeben, sondern bewußt auszubilden ist. Der tiefgreifende Wandel in der Auffassung von Stil ist an Gallys Text ablesbar. Stil wird nicht mehr als sprachlicher Ornat verstanden, der Schmuck der Rede durch rhetorische Figuren darstellt, sondern wird zu einer funktionalen Kategorie individueller Selbstdarstellung. Gally plädiert für eine Theorie des sachgemäßen, sachlichen und nicht des gefälligen und durch seine Form beeindruckenden Redens und bestärkt so die Tendenz des plain style, wie sie sich vor allem in der puritanischen Predigt durchgesetzt hatte. Als Kind seiner Zeit liefert auch Gally einen Beitrag zum Aufbau eines neuen kollektiven Selbstbildes der Briten, das sich im 18. Jahrhundert herausbildete. Gerade die Engländer eigneten sich besonders zur Beschreibung: there is no Nation, in which we can find a greater Variety of original Humour, than amongst the English. (S. 93) Die Rolle des Humour faßt er - ähnlich wie Shaftesbury - mit folgenden Worten zusammen: Humour is the only genuine Source of all that agreeable Variety of original Characters, which is so entertaining a Spectator and Reader ... . (S. 95)

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Als löbliche Ausnahme zitiert Gally Overburys „A fayre and happy Milke maid”: „This image is taken from low Life; ‘tis a beautiful Description of Nature in its greatest Simplicity, and ‘tis the more beautiful because ‘tis natural.” (S. 90) Vgl. Assmann, „‘Opting in’ und ‘opting out’. ...”, a.a.O., S. 127.

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Gally versäumt es nicht, zum Abschluß seines Essays auf die Beziehung Drama und character einzugehen. Primär handelt es sich hierbei um die altbekannte Theorie, daß sich die Charakterskizze aus der griechischen Komödie entwickelt hat. Der Unterschied zwischen Drama und Charakterskizze besteht in den Darstellungsverfahren: For, in reality, the essential Parts of the Characters, in the Drama, and in Characteristic-Writings, are the same. They are both an Image of one Life; a Representation of one Person: All the Diversity lies in the different Manner of representing the same Image. The Drama presents to the Eyes of a Spectator an Actor, who speaks and acts as the Person, whom he represents, is suppos’d to speak and act in real Life. The Characteristic Writer introduces, in a descriptive manner, before a Reader, the same Person, as speaking and acting in the same manner: And both must be perform’d in such a natural and lively manner, as make them fancy they see the Person represented or characteris’d. (S. 98) Die beste Art von characters finden sich im Tatler und Spectator meint Gally, denn sie bildeten das wahre Leben ab. Damit plädiert er nochmals für eine Hinwendung zum mimetischen Charakterbegriff: In these Papers are contain’d Abundance of true Wit and Humour, lively Desriptions of human Nature in its various Forms and Disguises, the Praises of Virtue, and pointed Satir against Vice; and here and there are interspers’d Characters of Men and Manners compleatly drawn to the Life. (S. 99) Gallys Essay ist sowohl vor der Welle der Aristoteles-Rezeption im 18. Jahrhundert als auch vor dem Hintergrund der neu entstandenen Moralischen Wochenschriften zu sehen. Die characters lösen sich von der Tradition des 17. Jahrhunderts und werden den Forderungen der Journalistik unterworfen. Typisch für diese Zeitschriften ist der kurze Aufsatz, der zunächst einige Reflexionen über ein moralisches Thema bietet, worauf dann illustrierenderweise ein oder ein paar characters folgen. Höchstes Stilideal ist jetzt eine klare, geschliffene Schreibart, die dem urbanen Gesprächsstil der Zeit möglichst nahe kommen sollte. Der character erhält damit viel von seiner Anschaulichkeit zurück, die er bei den meist stark moralisierenden character-writers verloren hatte. Daß diese neuen Charakterbilder der englischen Sittenbeobachter dem Zeitgeschmack entsprechen, belegt Gallys Abrechnung mit der bisherigen Tradition der characters insbesondere mit der Geschichte des Genres in England. Deutlich sieht Gally den Unterschied zwischen der Charakterisierungsart der Autoren des 17. Jahrhunderts und den „Characters of Men and manners compleatly drawn to the Life”. Damit wird den Autoren der Moralischen Wochenschriften jene Forderung bescheinigt, die der Ver-

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fasser dieses kritischen Essays für die wesentliche hält: Natur und dichterisches Abbild müssen übereinstimmen.

Verbinden wir abschließend die gesellschaftsphilosophischen Überlegungen Shaftesburys mit den dichtungstheoretischen Aussagen Gallys, so lassen sich vielfache Überschneidungen feststellen. Die empirische Beobachtung als Grundlage für eine systematische Gestaltung erhält bei Gally ebenso wie bei Shaftesbury eine tragende Rolle. Dies notiert Shaftesbury vor allem in A Letter concerning Enthusiasm. Gallys Forderung nach Vermittlung von Wahrheit in der Dichtung war auch von Shaftesbury formuliert worden, wenn es heißt: ... truth is the most powerful thing in the world, since even fiction itself must be governed by it, and can only please by its resemblance. The appearance of reality is necessary to make any passion agreeably represented; (Ch I, 6) Insbesondere Gallys Forderung nach Selbsterkenntnis, brachte Shaftesbury treffend zum Ausdruck: When we had once looked into ourselves, and distinguished well the nature of our own affections, we should probably be fitter judges of the divineness of a character, and discern better what affections were suitable or unsuitable to a perfect being. (Ch I, 29f.)

Halten wir fest: Die Bedeutung von ‘character’ lohnt eine Einzelstudie zur Geschichte des Wortes im Hinblick auf Shaftesbury. In unserem Zusammenhang konnte sein Werk lediglich unter literaturhistorischem Aspekt für die Entwicklung der Charakterskizze herangezogen werden. In der Aufklärung erhält die Selbstbildkategorie, die im Subjektbegriff mündet, eine wesentliche Aufgabe. Die Spiegelfunktion der Vorbildlichkeit gewinnt eine andere Rolle, nämlich die der Selbsterkenntnis. Diese bildet das Herzstück der Shaftesburyschen Philosophie und Anthropologie. Nicht mehr die Inventarisierung der Mitmenschen, die Lesbarkeit der Welt steht im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Vorstellung vom Charakter als Persönlichkeitsstruktur, welche die Möglichkeit der Entwicklung birgt. Vernunft, Empirie, Aufklärung und common sense werden von Shaftesbury und Gally als gesellschafts- und literaturverträgliche Leitwerte gesetzt. In der Besinnung auf antike Ideale und Vorbilder sowie einem Begriff von ästhetischer Konformität, die durch moralische Einsicht gedeckt war, verstanden beide die klassischen Vorgaben als Garanten gegen Maßlosigkeit und den false wit einer ungezügelten Phantasie. Die Regelhaftigkeit der Formgestaltung, wie sie von Gally gefordert

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wurde, findet ihr Pendant in einer geregelten Gesellschaft, deren hierarchische Teile nicht gegeneinander, sondern im Bewußtsein ihrer wechselseitigen Notwendigkeit existieren. Shaftesburys Vorstellung von einer universalen Ordnung kann in der Dichtung durch Maß und Proportion ausgedrückt werden. „Nature” und „reason” werden nun zu Kernbegriffen. Als Begründungskonzepte durchdringen sie eine an Regeln orientierte Ästhetik, wie sie von Gally gefordert wird und in Shaftesburys Theorie einer authentischen, ihre Konflikte ausbalancierenden Vertragsgesellschaft formuliert wird. Nun lag es am Menschen, den Gesetzen der Natur zu folgen, indem er deren Ordnungsprinzipien herausfand und sie zum Maßstab seines Verhaltens machte. Die Vorstellung von Charakter als etwas Festgelegtem paßte nicht mehr in ein dynamisches Menschenbild, wie es die Aufklärer jetzt propagierten.

die der Lächerlichkeit preisgegeben werden sollen. sind Charaktere wie 1 Die Herausbildung von Subjektivität und die Ab. die 1974 erschienen. wie man gern erwartet. Mit diesen Schlagworten können natürlich nur ganz grob die veränderten Rahmenbedingungen wiedergegeben werden. 301 mit weiteren Nachweisen. Bei diesen surrealistischen Bildern. noch einigermaßen vorstellbar ist. Der Mensch des 20. sondern um objektivierte Wesenszüge synthetischer Figuren. Der Darstellung verschiedener (aber miteinander verknüpfter) Sozialtypen widmet sich der Band von Ute Frevert und Heinz-Gerhard Haupt. wenn man den verschlungenen Wegen ihrer Seele folgt. in der Regel nur vier oder fünf kurze Absätze lang.. Jahrhundert läßt nicht ab von neuen Rezeptionsansätzen mehr oder weniger satirisch angelegter Zeitbilder.249 Exkurs: Das 20. a.. war die 'radikale Liquidation des bürgerlichen Individuums'. die ohne Stellungnahme des Autors vorgeführt werden und die Sonderlichkeit der Conditio humana aufzeigen. Wenn „Der Ohrenzeuge”. Darin wird versucht. der auch gleichzeitig als Charakterskizze erscheint. Jahrhunderts. Die Charaktere definieren sich über ihre typischen Gewohnheiten. Frankfurt/New York 1999. eds. eine 'Auflösung der Ich-Identität. Elias Canettis Der Ohrenzeuge zum einen. Daß Canetti seine Charaktere ironisiert. ein Gesamtbild des Jahrhunderts mit all seinen . der nicht den Namen Charakter verdient. eine 'Krise des Subjekts.. Der Ohrenzeuge mit dem Untertitel Fünfzig Charaktere ist eine Sammlung von Charakterbildern. James Joyce Dubliners zum anderen. nachgehen. Jahrhundert möchte ich paradigmatisch an zwei unterschiedlichen Werken. Das Darstellungsverfahren scheint ebenfalls zum Teil von Theophrast entlehnt.1 Diesen Spuren der Charakterskizze im 20..” (August Strindberg) Auch das 20. Jahrhundert oder etwa denen des La Bruyère nicht um personifizierte Eigenschaften. handelt es sich im Gegensatz zu den moralisch-satirischen Charakterskizzen der Engländer im 17. Jahrhundert mit Canetti und Joyce „Es scheint als sei der Charakter nicht etwas so Stabiles. Rippl. Jahrhundert statthatte. Dessen Charaktere in seinem Band Der Ohrenzeuge lassen sich als Fortsetzung des Charakterdiskurses lesen. und ihr findet einen Mischmasch.” Vgl. S.und Auflösung neuzeitlicher Individualität stehen im Zentrum des Erkenntnisinteresses: „Was im 20. So unzusammenhängend ist die Denkart und Handlungsweise der Menschen. Die Beschäftigung mit dem menschlichen Charakter in Form von Charakteren lebt weiter wie das Beispiel Elias Canetti zeigt. Verhaltensweisen und Einstellungen und die Darstellung ist knapp. in denen Beobachtungen in Form von Charakteren und Charakteristika formuliert und durchgespielt werden. Sammelt Tag für Tag ihre Meinungen. ihre Vorstellungen oder ihre Anwandlungen. deutet schon der Titel der Charaktersammlung an.O. Auch hier werden wie beim antiken Vorbild ausnahmslos negative Typen gezeichnet.a.

IV. Jene Namen. die um 1700 ebenso wie in den 70er Jahren des gerade zu Ende gegangenen Jahrhunderts aktuell sind. ansonsten aber sind sie nur ignorant und fragen keineswegs danach.N.250 „Der Wortfrühe” oder „Die Mondkusine” deutlich schwieriger zu entziffern. in die Nähe des Namens zu gelangen. so borgt er sich’s aus und zahlt mit der Glorie seiner großen Absicht. Ihn läßt Canetti ebenfalls auftreten. die für dieses Jahrhundert typisch sind. lecken’. indem er zum großen Lager der Sammler zählt. einem pseudointellektuellem Pedanten.3 Der Namenlecker ist eitel und ergötzt sich in der Berührung von Namen. den er zu lecken gedenkt. 158 porträtiert wird. Unter ‘dem Mensch des 20. Jugendlicher. Im Auto. und es klingt wie früher die Entdeckung des Nordpols. Vgl. eine augenfällige Haupteigenschaft zu reduzieren. sagt er. 158 des Tatler wie auch in einem Ausschnitt aus dem Kapitel „De la Mode” der Caractères trifft man auf den Charakter des Sammlers bzw. die wichtig sind. sonst sind sie bedeutungslos und schmekken ihm nicht. . hat er’s nicht. dessen modernere Variante er repräsentiert. Bei Theophrast gibt es fast keine Ausführung oder kein Detail. Kommt ein Name öfters in der Zeitung vor und steht er gar schon in den Überschriften. Sowohl „Der Namenlecker” als auch „Der Blinde” entfalten Themen.2 Besondere Verwandtschaft fällt bei zwei Charakteren auf. was nicht in der Zeitung steht. wobei er inhaltlich in mancher Hinsicht an die Darstellungen von Steele und La Bruyère erinnert. 3. ‘Ich muß N. zum Beispiel Journalist. In der No. Seine Gelüste entstehen beim Zeitunglesen. schmeckt ihm nicht. was gut ist. Dagegen lassen sich die wesentlichen Merkmale bei Canetti nicht so einfach herausfiltern. Jahrhunderts’ sind jene Figuren und Rollen gemeint. so ist es gut. Kap. mit Flugzeugen geht das heute leicht. aber es ist zu sagen. so wird sein Gelüste unwiderstehlich und er macht sich schleunigst auf den Weg. Hat er genug Geld für die Reise. daß er sich auch mehr Mühe geben würde. Viele dieser Charaktere sind auch nicht auf ein wesentliches Merkmal. Star. So zeigt der Namenlecker durchaus Verwandtschaft mit La Bruyères Bibliotheksbesitzer und mit Tom Folio. Noch mehr Ähnlichkeiten weist „Der Blinde” mit dem Charakter des Pedanten auf. 2. der im Tatler No. Anstelle von Büchern sind bei ihm Fotos und Dias Objekt der Begierde sowie Sinn und Zweck allen Tuns: 2 Widersprüchen und Facetten zu entwerfen. er riecht es auf tausend Kilometer und scheut keine Mühe. wenn es notwendig wäre. müssen in der Zeitung gedruckt sein. ob und welche Bedeutung dem Namen allein zukommt. gar zu groß ist die Mühe nicht. Eine der Ausnahmen bildet der Charakter des Pedanten/Ignoranten. Sie „kennen” auch alle wichtigen Namen und sehen darin das entscheidende Kriterium schlechthin. dazu Teil B. Canettis Typen zeigen den SammlerPedanten in der Gegenwart unter den Bedingungen einer neuen Medientechnologie: Der Namenlecker weiß. Pedanten. das nicht in engem Zusammenhang mit dem darzustellenden Charakter steht und ihn verdeutlicht.

er hat noch gar nichts gesehen und schon nimmt er’s auf. die Augen geschlossen zu halten. die Welt ist verwirrend. Um der Kamera willen bereist er die Welt. Um der Kamera willen bereist er die Welt. Seine Typenvielfalt wird in der Personenbeschreibung festgehalten. Hierbei ist zu fragen.. numeriert. Blind wird man normalerweise durch einen Unfall oder eine Krankheit.. Er sagt: da war ich. auf den man aktiv hinarbeitet.der short story . führen alle in das Milieu des kleinen und mittleren Bürgertums Dublins und kreisen um typische Charaktere und exemplarische Situationen. etwas vorher gesehen zu haben. daß es sich nur aus der Perspektive des Ignoranten um einen idealen Zustand handelt. Es geht wie im Schlaf. Vielmehr kommt dadurch zum Ausdruck. S. benannt. das ein Wiedererkennen ermöglicht: aus den dargestellten Verhaltensweisen kann der Leser das Allgemeine und für die eigene Wirklichkeit Relevante herausfiltern. denn dann. ob sich Parallelen zwischen Joyce und dem Thema Charakterskizze ziehen lassen. indem sich seine Erblindung als das Resultat leichter Mühe präsentiert. bewiesen und vorgezeigt. Ironisiert wird er sofort im ersten Satz. 9. die hat er überall und es ist eine Lust für ihn. Dublin dient dabei als Bühne. Der Blinde erspart sich die Anstrengung. wer soll sich das alles merken. was er gesehen hätte und stapelt es auf und freut sich daran. Jahrhundert in einem anderen Genre .fortsetzt. nichts ist leuchtend. München 1974. dann sieht man’s auf alle Fälle besser. was den Eindruck erweckt. wo er war. inwieweit sich die typisierende Menschendarstellung und das Interesse am Charakter im 20. Canetti bereitet dem Leser damit jenes subtile Vergnügen. nichts ist fern.251 Der Blinde ist nicht von Hause aus blind. nichts absonderlich genug . doch ist er’s mit leichter Mühe geworden. sucht der Blinde für sich selbst bestimmte Motive. als wären es Briefmarken.er holt sich’s für die Kamera. Fünfzig Charaktere. Welche Leitkonzepte gibt es für die Figurenkonzeption? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Individuellem und Typischem? Joyce Dubliners. wenn es alles . Er hat eine Kamera. Der Ohrenzeuge. doch nicht aber durch leichte Mühe. daß es sich dabei um einen erstrebenswerten Zustand handelt. exotisch und reich. Er sammelt. denn er entfernt sich wieder vom Individuellen. Die bisherige Betrachtung der Entwicklung der Charak3 Elias Canetti. um persönlich davon zu profitieren.4 So wenig wie Tom Folio Bücher sammelt oder liest. . die 1914 erschienen. er wüßte nicht. und zeigt drauf und könnte er nicht drauf zeigen. Exemplarisch kann auch anhand der Dubliners von James Joyce demonstriert werden. Joyce gibt dem Thema ‘Charakterskizze’ eine entscheidende Wendung.

14. S. the Beginnings of Photography”. a.” (S. hier S. photography represents the other that must be contained. in: Dudley. 293-307. So verweist das dunkelrote Gesicht des Protagonisten in „Counterparts” auf einen Alkoholiker. Art and Cinema in the Age of Photography. .. „Snapshots. the relationship between image and language. dessen Zwangsverhalten vorgeführt wird. der mit allgemeinen Textstrategien. 117-147 aufmerksam.a. S. baut Joyce andere Verweisrelationen ein. mit welchem symbolischen Gehalt. Seine Kurzgeschichten sind der Porträtfotografie ähnlich. Bei Dickens werden Details symbolisch gebraucht. ed.O. For the physiologies and the detective story. Dubliners. lies an intersection of related problems: the legibility of the surrounding world. an Grenzen stößt. Bei Joyce haben wir es mit einem prototypisch filmischen Text zu tun. Anhand von August Sanders Aufnahmen „Antlitz der Zeit” zeigt Hake Aspekte der Porträtfotografie Sanders: „the transformation of the individual into the typical and the extraction of the representative from the ephemeral. James Joyce. Feststellbar ist eine Bewegung vom Individuellen zum Kollektiven.. nun werden die Figuren zu Spielfiguren des Lesers. Im 20. Während Charles Dickens die Details mit einem Direktbezug zur Handlung versieht. die die characters abgelöst haben.. „Faces of Weimar Germany”. the status of the detail. Austin 1997. denn darin wird das Individuelle in das Typische transformiert und das Generische erscheint im Singulären. und die alltägliche Erfahrung der Außenwelt wird mit der Auslotung des Innenraums kontrastiert. ed. Die realistische Schreibweise nimmt obsessive Züge an.. Immer mehr Details werden geschildert. Auf die enge Beziehung von Physiognomie und Fotografie macht Sabine Hake. rituals of the world’s mastery over things. Die wahrgenommenen Personen stehen nicht mehr im Mittelpunkt der Erzählung. S. therefore. At the origins of photography.5 Fotografie und Film können als neue Medien angesehen werden. schreibt Robert B. Jahrhundert durch Dickens eine Kontextualisierung vorgenommen wurde. Bisher erschien die Charakterskizze in vollem Licht.O.6 Die Erzählweise von Joyce umgeht das Wichtige und macht indirekt darauf aufmerksam. Jahrhundert aber wird der Kontext übermächtig. Ray. In the twentieth century. this contest finds a new site .a. daß ursprünglich das „generische” mit dessen Nähe zum „fiktiven” Individuum im Vordergrund stand. a. 122). London 1993. in: Andrew Dudley. The Image in Dispute. 300. wie den Fragen was wird erzählt und wie.7 Für Dickens wie für Joyce gilt damit der Modus der Indirektion als Leseanweisung. bei Joyce indexi- 4 5 6 7 Canetti. und erst im 19.the cinema.252 terskizze hat gezeigt. und diese Detailgenauigkeit verweist dann auf die Person.

eine starke Profilierung der Erzählinstanzen.O. Eine feste Interpretation und Wertung ist nicht mehr möglich.” Selbsterkenntnis wird hier als plötzliche Erscheinung dargestellt und der Tiefpunkt der Frustration zeigt sich als Offenbarung. durch die Einheit des Ortes sowie zahlreiche bildliche..10 Wenige Hinweise genügen hier auf die Isolation Duffys und seine einsame Selbstinszenierung aufmerksam zu machen. S.11 Zu den Merkmalen der Erzählkunst in den Dubliners zählen die häufige Durchbrechung der Ereignischronologie. die sich begrifflicher Fixierung entziehen und sich nur erzählerisch inszenieren lassen.” Joyce.an adventureless life.a. eine Enttäuschung oder ein moralisches Versagen entstanden sind.9 Impressionistische Skizzen und die Evokation epiphanieartiger Augenblicke rücken an die Stelle eines linearen und kausal verknüpften plot. emotional verkümmerter und zu Kommunikation unfähiger Einzelgänger. Joyce. He allowed himself to think that in certain circumstances he would rob his bank but. thematische und motivische Rekurrenzen. a. die durch Frustration.253 kalisch. and my eyes burned with anguish and anger. Dieses Darstellungsprinzip eignet sich hier für die literarische Erkundung wichtiger Augenblicke im Leben vereinsamter. So heißt es am Ende von „Araby”: „Gazing up into the darkness I saw myself as a creature driven and derided by vanity. He lived his spiritual life without any communion with others. welche nur in seltenen Augenblicken der Offenbarung plötzlich aufscheint. So heißt es beispielsweise über James Duffy in „A Painful Case”: He had neither companions nor friends.Verknüpft werden die Erzählungen u. Dies spiegelt sich auf sprachlicher Ebene durch eine isolierte Redeweise. eine perspektivisch gebrochene Raum. Die im kolloquialen Gesprächston gehaltenen Erzählungen zielen darauf ab. visiting his relatives at Christmas and escorting them to the cemetery when they died. 41. Dazu gehört das Motiv von Licht-Dunkelheit ebenso wie die Problematik des Blicks und der Paralyse. frustrierter. a. Im Mittelpunkt stehen Episoden aus dem Leben durchschnitt8 9 10 11 Beispielsweise kann das Einsammeln der Brotkrumen in „The Boarding-house” als Sparsamkeit positiv oder als Geiz negativ gedeutet werden: „She made Mary collect the crusts and pieces of broken bread to help to make Tuesday’s bread-pudding. dem Einsatz von Aphorismen und der Nennung von Details wie Nietzsches „Zarathustra”. church nor creed..und Figurendarstellung sowie die Konzentration auf subjektiv bedeutsame Begegnungen und Momente des Erlebens. He performed these two social duties for old dignity’s sake but conceded nothing further to the conventions which regulate the civic life. S. 73.O. .a. Offenheit kennzeichnet die Texte.a. as these circumstances never arose. S.8 Joyce zeichnet sich dabei durch eine virtuose Charakterisierungskunst aus. his life rolled out evenly .O.. eine individuelle innere Wahrheit der Figuren. Desillusionierung. a. Joyce.a. 21. zu ergründen und jene Barrieren zwischen Menschen aufzuzeigen.

Die Erzählungen selbst sind arm an äußerer Handlung. „The Sisters”. Die Tendenz zum exemplarischen. nahezu exzentrischer Weise. Es wird ein Bild entworfen. Die Kürze und Knappheit. teils symbolistischer Weise geschildert wird. das die Bedeutung eines subjektiven Spiegelbildes hat. in dem sich statt äußerer. deren Alltag in der bedrückenden Enge ihrer Umgebung in teils naturalistischer. „Two Gallants”). auf kurze Hinweise sich beschränkende Sprache. typisierenden Sehen manifestiert sich beispielsweise in dem Umstand. trotz auffälliger Verhaltensweisen ist es kaum möglich die dargestellten Menschen als eigenständige literarische Charaktere zu werten. Dem entspricht die knappe.254 licher und gänzlich unheldenhafter Figuren. . Enthüllung oder Bloßstellung. Als Ästhetik des Augenblicks und des Details läßt sich Themenwahl und Erzählweise charakterisieren. Die Figuren in den short stories verhalten sich oft in recht eigentümlicher. wie dies in den Charakterskizzen des 17. das von Zufälligem und Einmaligen weitgehend abstrahiert. Dabei kommt es vor allem auf ein sinnbildliches Schauen an. Joyce entwirft kleine Bilder als Grundlage seiner Geschichten und stellt dabei die Einheit in der Vielfalt Dublins heraus. daß die Erzählerkommentare die Figuren als Gattungswesen vorstellen („A Mother”. Es geht dem Erzähler um innere Vorgänge und deren Darstellung. gilt doch das besondere Interesse dem singulären Moment und den Einzelheiten. die Vereinfachung und Übertreibung letzlich die Spontaneität der Erzählungen rücken das dargestellte Typeninventar wieder in die Nähe der Charakterskizze und hinterlassen Spuren des Genres in der Gegenwart. optisch faßbarer Realität die innere Wirklichkeit der Figuren zeigt. Jahrhunderts auch der Fall war. Die Figuren erscheinen weniger als abgegrenzte literarische Charaktere aufgefaßt. sondern eher als Verkörperungen allgemeiner innerer Zustände und Situationen konzipiert. Zudem heben die Darstellungen auf allgemeine Gefühlslagen ab und lassen die Figuren als Verkörperungen innerer Zustände erscheinen.

welche Samuel Persons Text eindrücklich versammelte. ebenso wie der Rekurs auf die Allianz vor allem der Medien Bild und Schrift. Denn die handschriftliche Dimension des Einritzens und Festlegens wird in der frühen Neuzeit mit dem drucktechnischen Buchstaben verbunden und als Stereotyp zur zentralen Darstellungsweise der Frauenporträts. die sich auf die Veranschaulichung einer abgeschlossenen Prägung konzentriert. Gerade die medientechnische Dimension des Charakterbegriffs. Mit Ralph Johnson konnte ein Endpunkt in der Entwicklung der Selbstbeschreibungen festgehalten werden: von der Legitimierung zu Anfang des Jahrhunderts fand das Genre 1664 Eingang in ein rhetorisches Handbuch.255 Zusammenfassung Die Auswertung unterschiedlicher Selbstbeschreibungen der Gattung Charakterskizze im ersten Teil ergab wichtige Aspekte über den Charakterbegriff allgemein und insbesondere die Vorstellung dieser literarischen Form im 17. Einritzens wurde hierbei auf schrifttheoretische Implikationen und damit auf die Lesbarkeit. Der Charakterbegriff diente auch hier als terminus technicus für eine bestimmte Form dichterischer Darstellung. von den bildtheoretischen Aspekten auf die Deutbarkeit des Menschen geschlossen. Jahrhundert. Physiognomie. Daneben belegten die für den Charakterbegriff zentralen Diskursformen wie Mikrokosmographie. Die inhaltliche Kombination von Individuellem und Generischem. ebenso wie das formale Kriterium der Kürze konnten als wesentliche Elemente einer Charaktertheorie herausgestellt werden. Anatomie. Hierbei wurde ein Stilwechsel beobachtet: Die Autoren plädieren für den plain style und wenden sich ab vom hoch-rhetorischen Cavalier-Stil. Um die Mitte des Jahrhunderts rückte die Frage nach dem angemessenen Stil bei Autoren wie Brathwaite und Flecknoe in den Vordergrund. die Darstellung von guten und schlechten Ehefrauen und Witwen. Type oder Zeichen ist für die Ausgestaltung der Frauenporträts besonders interessant. Stand die Wiederaufnahme des Genres bei Bischof Hall im Zeichen seriöser christlicher Moraldidaxe. Von den ursprünglichen Bedeutungsmöglichkeiten des Eingrabens. Damit war eine Etablierung der Gattung vollzogen. . das Bedürfnis nach einer Inventarisierung der Welt. daß der Prototyp der Overburyschen Charakterskizzen. widmete sich die Overbury-Definition der Ästhetisierung der Gattung. der Charakter als Buchstabe. aber auch der Musik. Kartographie oder Typographie. In Teil B konnte gezeigt werden.

Parrot. das heißt. Flecknoe. daß die Autoren in formaler Hinsicht ständig mit ihrem Material Experimentieren und Spielen. Mit den Autoren der Overbury Collection. teils satirischen. wie der Typus Frau als gesellschaftlich-sozialer Faktor einzuordnen war. insbesondere ihrer unterschiedlichen Nachfolger. Tate oder Fuller griffen immer wieder auf dieses Inventar zurück. Das von Overbury prototypisch erstellte Typenreservoir wurde aktiv rezipiert. Präsentiert wurden diese Skizzen zumeist in einem dichotomen Arrangement. daß sich Autorschaft in den Charakterskizzen des 17. seine Skizzen folgten weniger einem religiösen Impetus oder einer pädagogisch-didaktischen Intention. Ein kontinuierliches Vordringen erzählender Momente war dabei auffallend. dann die Ausgestaltung zur Szene. die im Gegensatz zu den Wunsch. so wie es die historische Genusforschung mit dem Konzept der „teleologischen Männlichkeit” formulierte. Overburys Frauencharaktere stellten die Interaktionen und Beziehungsmuster zwischen Mann und Frau dar und machten die hierarchische Zuweisung von Eigenschaften und Verhaltensweisen deutlich. teils ironischen Debatte darüber. Jahrhunderts im Dialog mit bereits existierenden literarischen Werken als Prozeß transtextueller Verfestigung vollzog. Durch die inhaltliche Konstanz der in den Frauenporträts transportierten Frauenbilder wurde deutlich.als Angstbilder gelesen wurden. Wiederum . diente dazu. Die Texte der Collection waren demnach nicht so sehr an der Einhaltung und Überprüfung von religiös-kirchlichen. die Charakterbilder damit immer detaillierter.und ordnungsmächtige Justierung beobachten. Ziel Overburys war dabei die Beschreibung der Gesellschaft.und Angstbildern. versifizierte Formen und schließlich der Übergang zum essay character feststellen. der heroisch idealtypische Stil kontrastierte mit einem scharfen satirischen Stil in den Negativporträts.256 Geschlechtsstereotypen aufbaute und festigte. der Ausbau individualisierender Konturen. wobei zwei Stile auftraten. konnte gezeigt werden. die Frau als untergeordnete Variante des Mannes. Die Umkehrung von Geschlechterrollen in den Negativbildern. Verfasser wie Breton. Die Frauencharaktere knüpften an etablierte Geschlechtervorstellungen. ökonomischen oder ordnungspolitischen Normen interessiert. Auch diesen aus unterschiedlichen Kontexten schreibenden character-writers ging es um die Beobachtung menschlichen Handelns durch die Aufstellung von Wunsch. Die Struktur der Skizzen wurde verfeinert. an. in Zeiten notorischer Unsicherheit (Be-) Deutungen und die Lesbarkeit zu sichern. womit eine wichtige Entwicklung hin zum Roman eingeleitet wurde. Dabei ließ sich zunächst eine symmetrie. rechtlichen. Saltonstall. als vielmehr an einer spielerisch-witzigen.

sondern reflexiv mit gesellschaftlichen Phänomenen umging. daß die Charakterskizze letztlich eine Zwischenstellung zwischen Literatur und Gesellschaft einnahm. Paradigmatisch an Canettis Der Ohrenzeuge und Joyce’ Dubliners wurde zum Abschluß der Arbeit gezeigt. die über Interaktionen mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit gemacht wurden. daß sie gängige Klischees weiblicher und männlicher Verhaltenscodices affirmierten. Es ergab sich. Zudem ließ sich das Genre in das Drama als auch den Roman einbauen. Jahrhundert noch spürbar ist. seinem Streben nach Selbsterkenntnis und seiner Annahme einer Formbarkeit durch Erfahrungen. Es zeigte sich. so daß die Charakterskizze im portrait mündete oder Eingang in den Essay fand. daß durch die aufklärerischen Vorstellungen von der Entwicklungsfähigkeit des Menschen. indem sie keine fiktive Welt erstellte. Nicht mehr die Inventarisierung der Mitmenschen. die Charakterskizze im 18. sondern die Vorstellung vom Charakter als Persönlichkeitsstruktur. Aufklärung und common sense wurden von Shaftesbury und Gally als gesellschafts. Teil C verdeutlichte. Jahrhundert an Relevanz verlor und von anderen literarischen Formen absorbiert wurde. daß der Einfluß der Typendarstellung auch im 20. Variabilität und Offenheit präsentierten sich dabei als herausragende Merkmale der Charakterskizze. Vernunft. Komik spielte wiederum eine konstitutive Rolle. daß im Kontext weiblicher Autorschaft die gattungsmäßige Selbständigkeit zunächst nicht im Vordergrund stand.und literaturverträgliche Leitwerte gesetzt. sondern wiedererkannt. Empirie. welche die Möglichkeit der Entwicklung birgt.257 gewannen hier die dargestellten Typen ihre Popularität dadurch. Die dargestellten Typen wurden nicht erfunden. die Lesbarkeit der Welt stand im Mittelpunkt des Interesses. . Hier dominierte der autobiographische Zug des Charakterisierens.

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