You are on page 1of 3

SPORT

SPORT IN DEN WAHLPROGRAMMEN

Piraten für Pyrotechnik
Auch im neuen Bundestag wird über Sicherheit in Stadien und ein Antidopinggesetz debattiert werden. Was haben die Parteien im Sport geplant? Ein Fünf-Punkte-Vergleich
VON Victoria

Reith | 19. September 2013 - 18:06 Uhr
© dpa

Wahlprogramm der Piraten

Jeder dritte Deutsche ist Mitglied in einem Sportverein. Sport ist die größte Bürgerbewegung Deutschlands. Diese Würdigung steht in den Wahlprogrammen der meisten großen Parteien. In ihnen bringen die Parteien den Stellenwert des Sports unterschiedlich stark zum Ausdruck. Die Alternative für Deutschland hat Sport gar nicht im Wahlprogramm. Linke , FDP und Union widmen ihm jeweils eine Seite, Grüne zwei, Piraten drei und die SPD verfasste gleich ein ganzes Sportprogramm , während Sport in ihrem eigentlichen Wahlprogramm kaum mehr ist als eine Randnotiz. Die folgende Übersicht entstammt den offiziellen Wahlprogrammen der Parteien und dem SPDSportprogramm. Alle Parteien hatten zudem die Möglichkeit, Inhalte zu präzisieren oder hinzuzufügen. Einen Sonderaspekt hat die FDP in ihrem Programm. Die Liberalen betonen, dass der organisierte Sport sich selbst finanzieren muss. Dazu soll vor allem die Vermarktung von Sportveranstaltungen beitragen. Grüne und SPD heben einen anderen Aspekt hervor: Sie wollen sich gezielt dafür einsetzen, dass Randsportarten in öffentlich-rechtlichen Medien präsenter sind und so die "Vielfalt des Sports" abbilden. Die Linke will den Breitensport umstrukturieren und dort angesiedelte Beschäftigungsverhältnisse in den öffentlichen Dienst eingliedern. 1. Sport als Staatsziel Staatsziele sind Absichten und Ziele eines Gemeinwesens, die nicht rechtlich eingeklagt werden können. Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip sowie Umwelt- und Tierschutz sind in Paragraf 20 und 20a bereits Staatsziele. In ihrem Wahlprogramm hat nur die SPD Sport eigens als Staatsziel aufgeführt. Der Antrag der SPD umfasst einen Satz: "Der Staat schützt und fördert ebenso die Kultur und den Sport." Die Linke und Teile der FDP haben sich zwar bereits für eine Aufnahme des Sports als Staatsziel ausgesprochen, in den Programmen findet sich das jedoch nicht wieder. 2. Doping Die FDP will die Bestrafung von Dopern auf Wettkampfsperren beschränken und lehnt ein Antidopinggesetz ab, welches Geld- und Gefängnisstrafen umfassen würde. Im Gegensatz

1

Dadurch sollen Fans weniger stark gegängelt werden und Gefahren sinken. von denen die Polizei bloß annimmt. Die Datei wird seit 1994 vom Bundeskriminalamt geführt. Missbrauch und Extremismus in und um den Sport weiterhin bekämpfen". Diskriminierung und Extremismus und will die Koordinationsstelle Fanprojekte stärken. dass sie sich zukünftig bei Sportveranstaltungen an Straftaten beteiligen werden. sondern erst nach der Anhörung Beschuldigter zu verhängen. dass die Sportverbände in ihrem Kampf gegen Doping durch die Politik unterstützt werden sollen. Die Union will bei dem von ihr vorgegebenen Kurs bleiben und "gefährliche Entwicklungen von Gewalt. Auch die FDP will die Datei "kritisch prüfen" und gegebenenfalls abschaffen. die Union will sie "langfristig sichern". spricht sich aber im Nachhinein für ein Antidopinggesetz aus. Die Piraten wollen die Datei Gewalttäter Sport abschaffen. 3. Die Piraten fordern außerdem. Darin sind die Daten von etwa 15. Sie lehnen Kollektivstrafen gegen Vereine oder Fangruppen ab. Stadionverbote nicht nach Verdacht.000 Personen (Stand: Dezember 2012) gespeichert. die unabhängig vom Staat ist. Die SPD will darüber hinaus Juristen und Polizeibeamte speziell für Doping-Ermittlungen ausbilden. also mit staatlichen Mitteln fördern. dass der kontrollierte Einsatz von Pyrotechnik durch Fans erlaubt wird. Dieses müsse auch die Pharmaindustrie. Die Linke lässt Doping im Wahlprogramm unerwähnt. Sie will die Fanprojektarbeit ausbauen und Gewalt und Extremismus mit Prävention und 2 . die auf sozialpädagogischer Basis mit Fans arbeitet. Außerdem fordern sie. Fans und Sicherheit Die Piraten konzentrieren sich in ihrem Wahlprogramm auf diesen Aspekt. Im Gegenzug will sie die Mittel für Fanprojekte gegen Rechtsextremismus. Grüne und SPD fordern hingegen eine Agentur. Die FDP fordert Länder und Privatwirtschaft auf. den Hauptprofiteur des Dopinggeschäfts. Die Finanzierung der Nada ist zurzeit nicht gesichert . gegen die wegen Straftaten im Stadion ermittelt wurde. Es wurden aber auch Daten von Personen erhoben. Vor einigen Wochen hatte CSU-Innenminister Friedrich ein Antidopinggesetz erstmals nicht grundsätzlich abgelehnt . Im zuvor erschienenen Wahlprogramm der Union ist aber nur die Rede davon. Die SPD hat einen ähnlichen Fokus. die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) finanziell zu tragen.SPORT dazu fordern Grüne und SPD die Einführung eines Antidopinggesetzes. wie sie auf Nachfrage bestätigte. in die Pflicht nehmen. Die Linke will "weniger pauschale Verdächtigungen und Überwachungen von Fans bestimmter Vereine oder Sportarten" und spricht sich damit auch gegen die Datei Gewalttäter Sport aus. Diskriminierung und Gewalt erhöhen. indem Pyrotechnik in extra dafür vorgesehenen Zonen statt verdeckt im Publikum gezündet wird. Die Grünen setzen bei der Fanarbeit vor allem auf Prävention von Gewalt.

Die Grünen wollen umsetzen. indem sie zur Erneuerung der Sportstätteninfrastruktur beiträgt. abgesehen von den Piraten. Die Grünen wollen. Die Linke fordert einen Spitzensport. Diese Förderung des Innenministeriums umfasst fast ausschließlich den Spitzensport und hat ein Volumen von rund 16 Millionen Euro pro Jahr. Sie fordert darüber hinaus flexible Studienbedingungen für Spitzensportler und einen intensiveren Dialog mit Arbeitgebern der Sportler.de/sport/2013-09/wahlprogramme-bundestagswahl-vergleich-sport-parteien 3 .zeit. dass neue Sportstätten barrierefrei sind und ökologische Standards erfüllen. die Bundesförderung für den Bau und Erhalt von Sportstätten fortzusetzen.SPORT Kooperation entgegentreten. Die Linke will hingegen ein Förderprogramm für den Breitensport auflegen und Fans und Aktive an der Gestaltung der Sportstätten beteiligen. COPYRIGHT: ZEIT ONLINE ADRESSE: http://www. Sie will auch Mittel einsetzen. erläutert diese aber nicht näher. Auch die Grünen betonen. Zoll und Bundespolizei zu arbeiten und parallel Leistungssport zu treiben. der ohne Sponsoren auskommt. Jedoch schließt sie auch repressive Maßnahmen nicht aus und bewegt sich somit zwischen den Positionen der Grünen und der Union. 5. Spitzensportförderung Die Union will zur Förderung von Spitzensportlern die "Duale Karriere" fortführen. 4. eine berufliche Laufbahn einzuschlagen. Die FDP bekennt sich in ihrem Programm zur Förderung des Breitenund des Leistungssports. Die FDP bedenkt es mit einem Satz: "Der Erhalt und Ausbau von Sportstätten sind uns ein Anliegen. die es Aktiven ermöglicht. Grundlage dafür soll öffentlich geförderter Breitensport sein. Sportstätten Alle Parteien. Die SPD wirbt in ihrem Sportprogramm zudem für einen Dialog mit aktiven und ehemaligen Sportlern und Sportorganisationen. Die Piraten haben Spitzensport nicht im Programm. dass junge Athleten neben dem Sport die Möglichkeit haben müssen. dass olympischer und paralympischer Sport gleichstark finanziell gefördert werden. bei Bundeswehr. haben den Ausbau von Sportstätten in ihren Wahlprogrammen. um Problemen im Sport gemeinsam zu begegnen. Das will auch die SPD. um mehr Trainer im Spitzensport zu beschäftigen und diese besser zu entlohnen. um ihnen Freiräume zu schaffen. Die SPD will den kommunalen Sport fördern und Sportangebote schaffen." Die Union kündigt an.