Rahmenbedingungen für  Stromerzeugung aus            erneuerbaren Energien          in Entwicklungs‐ und        Schwellenländern 

                                                                                                                  ‐ Eine Querschnittsanalyse ‐   

Detlef Loy  Loy Energy Consulting, Berlin    Juli 2007   

Rahmenbedingungen für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Entwicklungs- und Schwellenländern Eine Querschnittsanalyse

Autor: Detlef Loy Loy Energy Consulting1

Juli 2007

Anschrift des Autors: Holtzendorffstr. 14 14057 Berlin Tel. +49-30-32 30 34 67 dloy@loy-energy-consulting.de

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Diese Analyse wurde im Auftrag der GTZ und im Rahmen der Neufassung 2007 der TERNA-Länderstudien erstellt. Sie spiegelt jedoch ausschließlich die Sichtweise des Autors wider.

 

D.Loy: Rahmenbedingungen für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Entwicklungs‐ und Schwellenländern 

Einführung
Im letzten Jahrzehnt, aber vor allem in den zurückliegenden fünf Jahren, hat der Beitrag nicht-konventioneller regenerativer Energiequellen2“(RE) zur Stromerzeugung auch in Entwicklungs- und Schwellenländern deutlich zugenommen. Dabei ist der prozentuale Anteil an der Gesamterzeugung allerdings oft unverändert geblieben, da sich in vielen Ländern der Stromsektor in einer Expansionsphase befindet und gleichzeitig auch konventionelle Erzeugungskapazitäten ausgebaut wurden. Bei der Auswertung der in der neuen TERNA-Studie3 betrachteten 23 Länder (bzw. Regionen im Falle der Karibik) kann jedoch nicht von einer einheitlichen Entwicklung gesprochen werden. Neben einigen besonders „erfolgreichen“ Ländern, die vor allem bei Stromerzeugung aus Windenergie, Kleinwasserkraft oder Biomasse ein bereits signifikantes Ausbaupotenzial erreicht haben (z.B. China, Indien, Ägypten), gibt es auch Länder, deren natürliche energetische Ressourcen bislang völlig oder weitgehend ungenutzt bleiben (z.B. Namibia, Nicaragua, Argentinien, Südafrika, Chile, Karibik). Im Folgenden soll dargelegt werden, welche Faktoren nach Analyse der vorliegenden Länderstudien maßgeblich zu einem Erfolg bei der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung in Entwicklungs- und Schwellenländern beitragen können. Dabei liegt der Fokus auf netzgebundener Stromproduktion.

RE-Technologien
Die Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromproduktion ist in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern kein Neuland. In vielen Ländern gibt es bereits seit Jahrzehnten Wasserkraftwerke unterschiedlicher Größenordnung. Parallel zur Entwicklung in Industrieländern haben es jedoch vor allem Kleinwasserkraftanlagen seit den 50er Jahren immer schwerer gehabt, sich ökonomisch im Verbundnetz gegenüber großen fossilen Kraftwerken zu behaupten. So haben oft nur solche Anlagen überlebt, die im Inselbetrieb zur Versorgung kleiner Ansiedlungen oder Gemeinden dienen, oder im Rahmen von Fördermaßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ertüchtigt oder neu gebaut wurden. Ein Ausbau derartiger dezentraler Anlagen in nennenswertem Ausmaß fand in der Regel nur in wenigen Ländern (z.B. China und Indien) statt. Eine nicht so lange Tradition weist die Nutzung von Biomasse zur Stromerzeugung auf. Hierbei ging und geht es häufig um die Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe, wie z.B. beim Einsatz von Bagasse aus der Zuckerproduktion, der in erster Linie der Volumenreduzierung und der Erzeugung von Prozesswärme dient, während die gekoppelte Stromerzeugung eher ein Nebenprodukt darstellt und in der Vergangenheit oftmals gänzlich vernachlässigt wurde. Eine weitere, ebenfalls relativ neue Nutzungsart von Biomasse ist die direkte Verbrennung oder Vergasung von Sägewerksabfällen (Hackschnitzel, Rinde, Sägemehl) zur Stromerzeugung. Noch vor der Windstromproduktion (deren Vorläufer in gewisser Hinsicht die Windpumpe zur Bewässerung darstellt) hat in vielen Ländern spätestens Anfang der neunziger Jahre die photovoltaische Stromerzeugung Einzug gehalten, allerdings ausnahmslos im Rahmen ländlicher Elektrifizierung von Einzelhäusern, Gesundheitszentren, Wasserpumpen und dergleichen

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Hierunter werden alle erneuerbaren Energien unter Ausschluss von großer Wasserkraft zusammengefasst. Allerdings gibt es bei der Unterscheidung zwischen großer und kleiner Wasserkraft keine global verbindliche Definition. In der Regel wird die Grenze zwischen 15 und 30 MW angesetzt. Siehe www.gtz.de/windenergie

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mehr, nie jedoch zur Einspeisung von Strom in ein größeres Netz, da aufgrund der hohen Investitionskosten die Wirtschaftlichkeit bei Solarstrom deutlich hinter anderen Erzeugungsalternativen zurückblieb. Zur Durchsetzung im ländlichen Raum halfen in ausgewählten Ländern (z.B. Chile) umfangreichere EZMaßnahmen und Programme. Wenn heute die Kleinwasserkraft eine Renaissance erlebt, die Stromversorgung aus Biomasse mit neuen Technologien aufwartet und die Windstromerzeugung ein völlig neues Terrain besetzt, so hat dies insbesondere etwas mit der Kostenentwicklung zu tun: der Verbilligung dieser Technologien durch Senkung der spezifischen Investitionskosten einerseits und der Kostensteigerung vor allem bei den fossilen Brennstoffen Erdöl und Erdgas andererseits. Dazu kommt in vielen Entwicklungsund Schwellenländern auch ein gestiegenes Umweltbewusstsein, das bei fossilen Kraftwerken den Einbau zusätzlicher Filteranlagen erforderlich macht und den Bau großer Wasserkraftwerke in vielfacher Hinsicht erschwert, sowie eine wachsende Sorge um die längerfristige Versorgungssicherheit, die eine Politik der Diversifizierung der Energieträger begünstigt. Zur Kostensenkung erneuerbarer Energietechnologien und deren weitflächigem Einsatz trägt auch eine „Globalisierung“ der Herstellung von Anlagen und Systemkomponenten bei, die gerade in den letzten Jahren neue Dimensionen erreichte. So hat sich sowohl in Indien wie auch in China und Brasilien eine einheimische Windkraftindustrie etabliert, die oftmals eng mit Mutterunternehmen in Industrieländern verflochten ist und eher als reine Fertigungsstätte zu verstehen ist, während die Entwicklung vor allem in Europa konzentriert ist. Ausgeprägter ist die Verlagerung von Fertigung und Know-how bei Kleinanlagen zur Wasser- und Windkraftnutzung sowie teilweise im Photovoltaik-Bereich. In diesen Segmenten sind in jüngerer Zeit

in mehreren Ländern (China, Vietnam, Indien, Indonesien) eigenständige nationale Industrien entstanden, die den Eigenbedarf bedienen, aber auch in andere Entwicklungs- und Schwellenländer exportieren. Unter dem Strich ist jedoch festzuhalten, dass die Mehrzahl der hier betrachteten Länder nach wie vor nahezu umfassend von Technologieimporten zum Einsatz von RE-Strom abhängig ist.

Wettbewerbsfähigkeit
Bei idealen Wind- und Standortbedingungen bzw. bei kontinuierlicher Verfügbarkeit vorhandener Biomassen (Reststoffe) ist Strom aus erneuerbarer Energie inzwischen immer häufiger konkurrenzfähig gegenüber konventionellen Versorgungsquellen. Das gilt insbesondere in Ländern, die über keine oder nur geringe eigene fossile Energieressourcen verfügen und die nicht auf vorhandene kostengünstige (große) Wasserkraft zurückgreifen können (Marokko, Dominikanische Republik, andere Karibikstaaten). Dieser Trend zur Kostenangleichung hat sich gerade in jüngster Zeit aufgrund des globalen Preisanstiegs bei Erdöl und Erdgas verstärkt. So liegen alleine die Brennstoffkosten auf vielen Karibikinseln bereits über den Stromerzeugungskosten bei Nutzung von Windenergie. Die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien reicht jedoch im allgemeinen nicht aus, um diese Energietechnologien im Strommarkt zu etablieren, zumal durch Umwelteinwirkungen und instabile Lieferbedingungen bedingte externe Kosten zumeist nicht einkalkuliert werden. Die Mehrzahl der Länder war bis in jüngste Vergangenheit (und ist teilweise noch) von staatlichen Versorgungsmonopolen abhängig, die ausschließlich auf bekannte zentral ausgerichtete Technologien setzen. Dezentral nutzbare Energieressourcen mit einem neuartigen Qualifikationsprofil zur Installation, Bedienung und War-

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tung der Anlagen, mit eher geringer Leistungsdichte, anderen Finanzierungserfordernissen und oftmals nur intermittierendem Angebot (wie bei Windenergie) haben es in dieser Struktur schwer. Oft haben erst internationale Programme, die zum Technologie- und Know-how-Transfer beitragen und zinsgünstige Kredite sowie Zuschüsse bereitstellen, den Weg für „neue“ erneuerbare Energien geebnet. Neben der Vermittlung technischer Kenntnisse und der Förderung von Potenzialanalysen erneuerbarer Energien (z.B. in Form von Messprogrammen zur Windenergie und durch Erstellung von Solar- und Windatlanten, wie durch das TERNAProgramm unterstützt) hat sich in den letzten Jahren bei internationalen Gebern die Erkenntnis durchgesetzt, dass geeignete regulative und (energie-)politische Rahmenbedingungen eine Grundvoraussetzung für den Durchbruch erneuerbarer Energien mit Hilfe privatwirtschaftlicher Akteure darstellen (s. Tab. 2). So hat beispielsweise die Weltbank in zahlreichen Ländern Projekte gestartet, die sich mit der Beseitigung von nicht-technischen Barrieren bei der netzgekoppelten Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen beschäftigen.

Wettbewerb und Privatisierung ausgelegte Liberalisierung des Strommarktes nicht per se in der Lage ist, erneuerbare Energien im Sinne eines übergeordneten nationalen Wohls in das Portfolio der Versorgungswirtschaft zu integrieren. Die Restrukturierung hat sich in der Regel in mehreren Etappen vollzogen und ist bis heute in vielen Ländern noch nicht abgeschlossen, teilweise steht sie noch ganz am Anfang (z.B. in Mexiko, Südafrika, Karibik) oder bezieht sich nur auf Teilbereiche des Stromsektors (Namibia, Costa Rica). Ein erster Schritt wird zumeist mit der vertikalen (und oft regionalen) Auflösung („Unbundling“) der Monopolversorger in die Bereiche Erzeugung, Übertragung und Verteilung und deren Umwandlung in Kapitalgesellschaften vollzogen. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um Unternehmenseinheiten zu privatisieren und gleichzeitig durch Zulassung weiterer (privater) Akteure einen Wettbewerb unterschiedlicher Anbieter zu etablieren. Zur Steuerung und Kontrolle dieses Prozesses wurde in den meisten Fällen eine (zumindest formal) unabhängige Regulierungsinstanz gegründet, die über die Vergabe von Lizenzen waltet, die Übersicht über Angebot und Nachfrage behält und ggf. in den Prozess des Kapazitätsausbaus eingreift, Versorgungsstandards festlegt, dem Interessenausgleich zwischen Versorgern und Stromkunden dient, Tarifgenehmigungen erteilt und einige weitere Aufgaben erfüllt. Einzelne Beispiele demonstrieren jedoch auch, dass selbst in teilliberalisierten Märkten, die ein „Unbundling“ ihres staatlichen Generalversorgers bislang nicht vollzogen haben, unabhängige Stromproduzenten (die im Übrigen in fast allen betrachteten Ländern zugelassen sind) ein Wirkungsfeld unter fairen Zugangsbedingungen finden.

Restrukturierung und Liberalisierung der Strommärkte
Bedeutsam in diesem Kontext ist die allgemeine Restrukturierungs- und Liberalisierungstendenz im Stromsektor, die bereits Anfang der achtziger Jahre begann und vor allem seit Mitte der neunziger Jahre in vielen Entwicklungsländern Fahrt aufnahm. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war fast durchgehend die hohe Verschuldungsrate staatlicher Stromversorger bei gleichzeitig enormen Investitionserfordernissen für die weitere Expansion bei Erzeugung, Übertragung und Verteilung. Allerdings zeigt gerade das Beispiel des Vorreiters Chile, dass eine vorrangig auf

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Nicht ganz trivial ist die Frage, wie in dieser Konstellation neue Akteure auf der Erzeugungsseite ausreichend Sicherheit erhalten, um Investitionen zu tätigen, die sich nur langfristig amortisieren. Dies gilt für konventionelle Kraftwerke ebenso wie für Investitionen z.B. in Wasserkraft und Windenergie. Eine nur auf den Augenblick bezogene Preisbildung (Spotmarkt) fördert diese Entwicklung ebenso wenig wie bilateral vereinbarte mittelfristige Abnahmeverträge mit Klauseln zur Preisanpassung und einer im Endeffekt unsicheren Refinanzierung über die Anlagenlaufzeit. Vor allem aus dieser recht unübersichtlichen wirtschaftlichen Lage heraus, die sich in vielfach falsch angelegten Gesetzen zur Stromwirtschaft widerspiegelt und teilweise durch staatliche Interventionen bei der Tarifbildung für Endkunden noch zusätzlich belastet wurde4, sind Investitionen vor allem im Wettbewerbssektor Stromerzeugung oftmals unterblieben. Erst in jüngster Zeit sorgen Modelle (wie in Brasilien und China), die einen Wettbewerb mittels Ausschreibungen mit langfristigen Abnahmeverträgen und garantierten Preisen für die Stromerzeuger verbinden oder gesetzlich vereinbarte Prämien garantieren, für die entsprechende Investitionssicherheit.

Gegenwart) oft durch entsprechende gesetzliche Einschränkungen behindert. So ist es bis heute noch in manchen Ländern gar nicht oder nur bei ausdrücklicher Zustimmung durch den Netzbetreiber möglich, stromerzeugende Anlagen gleich welcher Größenordnung ans Netz anzuschließen, wohingegen ein gesetzlicher Anspruch für derartige Aktivitäten nicht besteht. Als Anreizmaßnahme für Stromerzeuger gibt es in einigen Ländern (Chile, Brasilien) die Auflage, Übertragungskosten für RE-Strom zu reduzieren oder (bei Kleinanlagen) die Betreiber völlig von deren Zahlung zu befreien. Allerdings wird damit nur unzureichend kompensiert, dass Netzanschluss- oder –verstärkungskosten in der Regel auf den Erzeuger abgewälzt werden. Das Vorhandensein einheimischer fossiler Energieressourcen und damit verbundener niedriger Stromerzeugungskosten muss nicht notwendigerweise einem Ausbau erneuerbarer Energien entgegenstehen, sofern diese sich kostengünstig erschließen lassen und die Opportunitätserlöse durch Export fossiler Brennstoffe hoch sind. So besteht gerade in Ägypten ein erhöhtes Interesse an Windkraftnutzung, seitdem sich einheimisches Erdgas sehr viel lukrativer im Ausland absetzen lässt als es in eigenen Kraftwerken zu verbrennen. Ein gravierendes Problem für die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien stellen die noch vielfach anzutreffenden direkten und indirekten Subventionen und künstlich niedrig gehaltenen Stromtarife dar. So sind nur in vergleichsweise wenigen Ländern die Stromtarife wirklich ein Spiegelbild der entstandenen Kosten für die jeweiligen Endabnehmer. Dies betrifft in erster Linie natürlich kleine dezentrale Anlagen zur Strom(eigen)versorgung, deren Erzeugungskosten in Konkurrenz zu den entsprechenden Stromtarifen stehen.

Grundvoraussetzungen für einen Ausbau erneuerbarer Energien
Voraussetzung für den Einsatz erneuerbarer Energien im (netzgebundenen) öffentlichen Stromsektor ist der Netzzugang und die Verpflichtung zur Vergütung der in das Netz eingespeisten Strommenge. Diese Grundbedingungen erscheinen zwar selbstverständlich, wurden jedoch in der Vergangenheit (teilweise auch noch in der
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So wurden beispielsweise die Strompreise in Argentinien aus politischen Erwägungen nach der Wirtschaftskrise von 2001 lange Zeit eingefroren.

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Markteinstieg
Als „Einfallstor“ für erneuerbare Energien erweist sich in einigen Ländern die Eigenstromerzeugung von Industrieunternehmen und Kommunen (Mexiko, Indien), die mittlerweile fast überall zulässig ist. Vor allem in großflächigen Ländern mit einem hohen Anteil ärmerer Bevölkerung sind industrielle Kunden aufgrund von Quersubventionen und staatlichen Zuschüssen oftmals tariflich schlechter gestellt als Privathaushalte, deren Tarife künstlich niedrig gehalten werden. Dazu kommt eine häufig unregelmäßige Stromversorgung, die den Willen zur Eigenproduktion vorantreibt, auch wenn bei Einsatz erneuerbarer Energien aufgrund eines naturgemäß schwankenden Angebots oftmals keine hundertprozentige Abdeckung der Versorgung erreicht wird. Schwieriger wird es für erneuerbare Energien, wenn sie sich im Bereich der so genannten öffentlichen Versorgung, also in Lieferung zum Verbundnetz, behaupten müssen. Trotz der oben beschriebenen Wettbewerbsfähigkeit einiger RETechnologien unter günstigen Umständen bestehen Disparitäten fort, da die Anfangsinvestitionen in der Regel sehr viel höher sind als bei fossilen Stromerzeugern und externe (Umwelt-)kosten nicht bilanziert werden. Zudem müssen bei nicht dauerhaft oder bei Bedarf verfügbaren Energiequellen Reservekapazitäten bei anderen Erzeugern zur Verfügung stehen. Insofern bleibt es Aufgabe des Staates, für einen entsprechenden Ausgleich zu sorgen und Anreizmechanismen zu schaffen, die einen verbesserten Marktzugang ermöglichen bzw. zumindest erleichtern. Als einfachste Maßnahme greifen einige Länder auf fiskalische Anreize zurück, indem Importe von Anlagen und Komponenten begünstigt, Befreiungen von Einkommensteuern und sonstigen Abgaben ermöglicht oder Sonderabschreibungen eingeführt werden.

Quotenmodelle, Ausschreibungen und Prämien
Viele Vorhaben der Technischen Zusammenarbeit unterstützen die zuständigen staatlichen Institutionen erfolgreich bei ihren Bestrebungen, geeignete Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien zu gestalten. Im Prinzip lässt sich der Marktzugang für erneuerbare Energien (theoretisch) relativ einfach dort gewährleisten, wo eine Monopolstruktur im (öffentlichen) Versorgungsbereich noch besteht. In diesem Fall reicht staatlicher Wille aus, um Windenergie, Geothermie oder Biomasse einen gewissen Anteil am Markt zu überlassen. Bestehende Monopolunternehmen gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern tendieren allerdings dazu, angestammte Technologien zu nutzen und gegen den Einsatz neuer RE-Technologien zu opponieren. Einen Ausweg stellen häufig JointVentures von Monopolversorgern und erfahrenen RE-Betreibern dar oder die Errichtung und der Betrieb von REKapazitäten durch externe Dritte mit der Maßgabe, die Anlagen nach einer gewissen Betriebszeit an den staatlichen Versorger zu übertragen (Marokko). Auch in einem wettbewerbsorientierten Markt kann der Staat eine bestimmte REQuote vorschreiben, die z.B. von den Verteilungsunternehmen bei der Strombeschaffung nachzuweisen ist. Dieses in der Theorie einfache Modell wird recht schnell komplex, wenn es zur Frage kommt, wie denn eine Verbindlichkeit der Quotenerfüllung in Praxis erreicht werden kann, sprich: welche Instrumente zur Durchsetzung seiner Ziele ein Staat gegenüber einer auf Gewinn orientierten Privatwirtschaft in der Hand hat. Eine im Prinzip mögliche Androhung von Pönalen, wie sie derzeit in Chile diskutiert wird, kann schnell ins Leere laufen, wenn hierdurch die Stromkunden über erhöhte Tarife Nachteile erleiden oder das betroffene Unternehmen wirtschaftli-

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chen Schaden nehmen würde. Die Einführung von handelbaren Zertifikaten und die finanzielle Begünstigung von Stromerzeugern, die ihre RE-Quote erfüllen, wie es in Großbritannien praktiziert wird, ist für Entwicklungs- und Schwellenländern aufgrund des damit verbundenen administrativen Aufwands bislang kein Thema. Ein anderer Weg wird mit der gezielten Ausschreibung zum Ausbau von Erzeugungskapazitäten auf Basis erneuerbarer Energien beschritten (jüngstes Beispiel: Brasilien). In diesem Fall konkurrieren oftmals unterschiedliche Energiequellen miteinander, so dass vorerst nur solche zum Zuge kommen, deren Wirtschaftlichkeit sich als am günstigsten darstellt (derzeit zumeist Biomasse auf Basis von Reststoffen aus Land- und Forstwirtschaft sowie Deponiegasnutzung). Technologiebezogene Ausschreibungen, wie in China, bilden bislang die Ausnahme und sind auch nur in entwickelten größeren Märkten denkbar. Die Preisbildung erfolgt somit im Wettbewerb und wird durch langfristig garantierte Abnahmeverträge gesichert. Im Prinzip ordnet sich dieses Verfahren in eine staatlich regulierte Ausbauplanung für den Stromsektor ein, die derzeit in mehreren Ländern als Korrektiv zu einer völlig marktliberalen Anpassung von Nachfrage und Angebot (die nur selten reibungslos funktioniert) eingeführt wird. In Entwicklungs- und Schwellenländern selten anzutreffen sind gesetzlich vereinbarte feste Vergütungen, die produktionsabhängig für einen definierten Zeitraum gezahlt werden. In Europa hat sich dieses Instrument bislang für den Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor als am wirkungsvollsten erwiesen. Als einziges der hier betrachteten Länder hat bisher Brasilien diesen Weg für verschiedene RETechnologien beschritten, wobei die betroffene Gesamtkapazität einer Deckelung unterworfen wurde und sich die Investoren einem relativ aufwändigen Bewerbungsverfahren stellen mussten. Die Erfahrungen

zeigen jedoch, dass es bei der Höhe der Vergütungen sehr entscheidend darauf ankommt, die Kostenstruktur so realistisch wie möglich abzubilden. So blieb aufgrund niedriger Vergütungssätze das Investoreninteresse für Biomasseanlagen in Brasilien deutlich hinter den Erwartungen zurück. Andererseits verschärft eine zu große Diskrepanz zwischen konventionellen Erzeugungskosten und RE-Vergütungen die politische Debatte um vermeintlich zu hohe gesamtwirtschaftliche Belastungen und den Mangel an kostenreduzierenden Anreizen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Befürchtungen wird auch in Brasilien die Einspeisevergütungsregelung in Zukunft von einem stärker auf Wettbewerb basierenden Ansatz abgelöst. Im Mittelfeld zwischen Ausschreibungsmodellen und Festvergütungen sind Prämienlösungen anzutreffen, die auf einem Bonus zum marktüblichen Stromtarif beruhen, ähnlich der auch in Spanien vom Erzeuger wählbaren Regelung.5 In Argentinien hat eine derartige Regelung aufgrund der viel zu niedrig angesetzten Prämie in der Vergangenheit keine Erfolge gezeigt. Grundsätzlich erhebt sich bei allen Vergütungsmodellen die Frage, auf welchem Wege eventuelle Mehrkosten zumindest in der betrieblichen Anfangsphase aufgefangen werden können. Die einfachste Lösung ist die einer schlichten Umverteilung der Zusatzkosten auf alle oder einen Teil der Stromkunden (wie in Brasilien), die aber oft politisch nicht durchsetzbar ist. Mexiko (als prägnantestes Beispiel) strebt stattdessen eine Fondslösung an, wobei wesentliche finanzielle Unterstützungen zumindest in der Einstiegsphase von internationalen Gebern kommen sollen.

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In Spanien können Betreiber flexibel zwischen einer Festvergütung und einer Prämie wählen, wobei das jeweilige Vergütungsmodell im Jahresturnus neu bestimmt werden kann.

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Fördergesetze
In zahlreichen Ländern sind Anreizregelungen für erneuerbare Energien inzwischen in speziellen Fördergesetzen manifestiert (s. Tab. 1), deren Umsetzung bzw. Präzisierung durch sekundäre Verordnungen und Durchführungsbestimmungen allerdings häufig noch aussteht. Die Bestimmungen der Fördergesetze folgen keinem einheitlichen Schema, sondern weichen teilweise erheblich voneinander ab. Sie reichen von allgemeinen Vorrangregelungen für die Abnahme von Strom aus erneuerbaren Energiequellen über steuerliche Befreiungen bis hin zu festen Vergütungssätzen und langfristigen Zielsetzungen zum Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromaufkommen oder der installierten Erzeugungsleistung. Wie bereits dargelegt, hat als einziges Land Brasilien feste Vergütungen mit langer Laufzeit (20 Jahre) für verschiedene Technologien eingeführt, allerdings beschränkt bis zu einer festgelegten Ausbauleistung. In China gelten derartige Tarife vorerst nur für Strom aus Biomasse, in Indien nur in einigen Bundesstaaten für Windenergie. In Nicaragua gibt es lediglich eine vorgegebene Bandbreite für den Verkauf von RE-Strom auf dem Spotmarkt. In Pakistan soll sich die Vergütung für Windstrom in Zukunft am prognostizierten Windangebot orientieren und dabei auch Zu- bzw. Abschläge bei Unter- bzw. Überschreitungen der Stromproduktion beinhalten. Argentinien und die Dominikanische Republik folgen dem spanischen Modell durch Einführung einer Prämie auf den Marktpreis, jedoch steht in beiden Fällen eine klare Durchführungsregelung noch aus. Nur Argentinien hat die Höhe der Prämie bereits im Gesetz verankert6, wobei
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zu befürchten ist, dass auch mit der Neuregelung der Bonus nicht ausreicht, um erneuerbaren Energien wirkliche Wettbewerbschancen gegenüber konventionellen Erzeugungsformen zu eröffnen. In Nicaragua wurde per Gesetz die Möglichkeit eingeräumt, den Stromverteilungsunternehmen eine RE-Quote vorzuschreiben. Auch in der Dominikanischen Republik besteht nach dem erst im Frühjahr 2007 verabschiedeten Anreizgesetz die Möglichkeit, eine Quote zu etablieren, allerdings ohne Aussage, wie eine solche Quote im Zweifel eingefordert werden kann. In dem noch in Diskussion befindlichen Gesetzesentwurf Chiles stellt die Quote von 5% nicht-konventionellem erneuerbarer Strom ab 2010 in Verbindung mit möglichen Strafzahlungen sogar das zentrale Element dar. Ansonsten wird in anderen Gesetzen oft nur von einer langfristigen Zielerreichung gesprochen. Deren Verbindlichkeit ist natürlich inhärent schwach, sofern keine weiteren Instrumente zur Durchsetzung gegenüber den Marktakteuren eingeführt werden. Einen Sonderfall stellt Indien dar, wo Anreizmechanismen vor allem für Windenergie im Rahmen von Förderprogrammen auf Bundesebene formuliert wurden und zu großen Markteinführungserfolgen führten. Diese Mechanismen reichen von Regelungen zur Vergütung des Stromtransports und zur Höhe der Einspeisevergütung, die Einführung eines „Banking“ von Stromüberschüssen7 bis hin zu steuerlichen Begünstigungen. Einige Länder (China, Brasilien) verknüpfen die Förderung mit der Anforderung eines hohen nationalen Anteils bei der Wertschöpfung der Anlagen. Ausländische

Argentinien hatte bereits eine gesetzliche Regelung für eine Prämienzahlung seit 1998, wobei der Bonus bei nur 0,25 €-ct/kWh für Windstrom lag und 15 Jahre gezahlt werden sollte.

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Nach der Neuregelung ist dieser Bonus nun auf 0,37 €-ct/kWh erhöht worden. Dabei kann ein eingespeister Stromüberschuss in gleichem Umfang mit späteren Strombezügen ausgeglichen werden.

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Gesetz seit

Ausschreibung

Allg. REVorrang Steuererleichterungen

Feste Vergütung

Prämien/ Bonus

Erläuterungen

Ägypten

X

X

X

V.i.D. 2007

Bestimmungen im Entwurf für ein neues Elektrizitäts- und Energiegesetz sehen die Einbeziehung des Privatsektors für RE-Vorhaben im Rahmen von Ausschreibungen vor. Dabei sollen kostendeckende Einspeisevergütungen ermöglicht werden. Mehrkosten sollen aus dem Staatshaushalt beglichen werden. Außerdem Steuerbefreiungen für Import von RE-Anlagen und Mindestanteil lokaler Fertigung. Prämienmodell für alle RE-Quellen (kleine Wasserkraft bis 20 MW), Vergütungszeitraum 15 Jahre. Noch keine Umsetzung. Feste Vergütung für Wind (nach Standort), Biomasse (nach Ressource) und Kleinwasserkraft, Zahlung über 20 Jahre. Deckelung bei 3.300 MW für alle RE zusammen. Heimische Anlagenherstellung erhält Priorität. Derzeit in der Umsetzung. Vergünstigte Transporttarife. Langfristig Erhöhung des RE-Anteils vorgesehen. Neu: Ausschreibungsmodell. Verpflichtung der Stromversorger, ab 2010 5% des Stromes aus nicht-konventionellen erneuerbaren Energien bereitzustellen. Bei Nichterfüllung solle eine Strafzahlung verhängt werden. RE-Gesetz regelt Grundbedingungen, z.B. zur Verantwortlichkeit für langfristige RE-Planungen; die Umlage von Netzanschlusskosten, die Einführung fiskalischer und finanzieller Anreize, den Netzzugang etc.pp., für Windstrom wurde durch Verordnung eine Ausschreibung vorgeschrieben, bei der sich die Vergütung aus dem Wettbewerbsverfahren ergibt, für Bioenergie wurde eine feste Vergütung für 15 Jahre festgelegt. Priorität für RE im Rahmen von Globalgesetzen und – verordnungen, z.B. durch Verpflichtung des Staates zur Förderung von RE im Umweltgesetz von 1995 und durch Vorzug von nachhaltiger RE vor Wasserkraft in Verordnung von 2003. RE-Fördergesetz, das grundlegende Leitlinien zur Förderung aller RE bestimmt. Führt im Grundsatz eine Prämie auf den Marktpreis ein, außerdem wird eine langfristige RE-Quote festgelegt. Befreiungen von Import- und Einkommenssteuern. Weitere Präzisierung durch Verordnungen und Umsetzungsbestimmungen zu erwarten. Nicht ausreichende Bestimmungen zur Förderungen von RE im Rahmen einer Ministerialverordnung, z.B. durch Verpflichtung zur Stromabnahme und zur Einführung von Vergütungssätzen für kleinere RE-Anlagen (allerdings unterhalb der Gestehungskosten). Für Windstrom Vergütungsregelungen, Sätze für Stromtransport und Regelungen zum Strom“banking“ vor allem auf Bundesebene. Ebenso Regelungen zum direkten Stromverkauf an Endkunden, Investitionssubventionen und steuerliche Anreize.

Argentinien Brasilien

X X X X

2007 2002

Chile

V.i.D. (2007) (X) (X) X 2006

China

Costa Rica

X

1995/ 2003

Dominikanische Rep.

X

X

X

2007

Indonesien

X

2004

Indien

(X)

(X)

Jordanien

X

V.i.D.

Allgemein Maßnahmen zur Senkung der Investitionskosten, z.B. kostenfreie Bereitstellung von Land, Übernahme von Netzanschlusskosten durch Konzessionär, Einführung von Steuererleichterungen, Wegfall von Import-, Verkaufs- und Mehrwertsteuern. Befreiung von Einkommensteuern und Einführung von Steuerabschreibungen unter bestimmten Bedingungen. Rahmengesetz zur Erleichterung der Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien durch private Investoren. Bestimmt, dass Grundsätze zur Vergütung von RE-Strom in einer separaten Regelung festgelegt werden müssen. Zu erwarten ist eine produktionsabhängige Festpreis- oder Prämienvergütung. Befreiung von Mehrwert- und Einkommensteuern und weiteren Abgaben, Vorrang für Einspeisung von RE-Strom, Regulierer kann Mindestquoten festlegen, Bandbreite für Spotmarktpreise für REStrom ist festgeschrieben.

Kolumbien Marokko (X) (X)

X

20012003 V.i.D. (2007)

Nikaragua

X

X

2005

V.i.D. = Vorschlag in Diskussion

Tab. 1.: Vergleich gesetzlicher Regelungen zur Förderung erneuerbarer Energien

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Hersteller werden allerdings nur dann Bereitschaft zeigen, in Fabriken im Land zu investieren, wenn ein langfristiges Marktpotenzial erkennbar ist. In Brasilien hat die unsichere Aussicht nach Endigung der Förderung vor allem bei Herstellern von Windkraftanlagen Zurückhaltung erzeugt, die nun wiederum die Erfüllung der geforderten nationalen Quote erschwert. In vielen Fällen schaffen die Gesetze nur allgemeine Grundlagen zur Förderung von RE-Strom, während nähere Ausführungen erst in Verordnungen und Verwaltungsbestimmungen definiert werden. Dabei fällt auf, dass ein Anspruch von Seiten der involvierten Marktakteure oftmals nicht einklagbar ist, da keine allgemein gültigen Rechtssätze formuliert werden, sondern Entscheidungen auf einer Reihe von Voraussetzungen basieren, die letztlich zu einer Einzelfallbetrachtung durch staatliche Gremien führen. Eine Rechtssicherheit ist dadurch nur eingeschränkt gegeben. Insgesamt lässt sich resümieren, dass spezielle Fördergesetze zwar die Chancen zum Ausbau von RE-Strom erhöhen, für sich betrachtet aber noch keine Gewähr bieten, dass sich die Wettbewerbssituation gegenüber konventionellen Energieträgern und etablierten Marktakteuren wirklich nachhaltig verbessert. Privates Engagement wird sich nur dann etablieren, wenn mit den Gesetzen eine langfristige Investitionssicherheit mit kalkulierbaren Erlösen geschaffen wird. Ansonsten bleibt der Ausbau von RE-Kapazitäten weitgehend dem staatlichen Bestreben und Engagement überlassen. Weitere Einflussfaktoren Neben den beschriebenen Anreizmechanismen sind für den Einsatz erneuerbarer Energien im Stromsektor weitere Faktoren maßgeblich, die zumeist außerhalb der Regelungen liegen, die sich unmittelbar auf die Elektrizitätswirtschaft beziehen. Hierzu gehört die Frage der Kostenverteilung für den Netzanschluss sowie möglicherweise erforderliche Netzausbauten, die

sich spätestens dann stellt, wenn sich die Erzeugungsquellen weitab von den bestehenden Übertragungsleitungen befinden oder die eingespeiste Energie nicht von den existierenden Transportnetzen aufgenommen werden kann. Von erheblicher Wichtigkeit ist zudem die Bereitstellung günstiger Finanzierungsmittel, da größere Vorhaben in der Regel zu 75 bis 80% fremdfinanziert werden und die erforderlichen Mittel somit auf dem Kapitalmarkt beschafft werden müssen. Zumeist sind derartige Mittel mit vergleichsweise niedrigen Zinssätzen nur durch Programme internationaler Entwicklungsbanken zu beschaffen, während einheimische Banken bei der Kreditfinanzierung von erneuerbaren Energieprojekten ein erhöhtes Risiko und damit entsprechend hohe Zinsraten einkalkulieren. Spezielle nationale Finanzierungsprogramme, wie von der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES vorgelegt, sind bislang die Ausnahme. Eine erhebliche Unsicherheit stellt in den meisten Ländern die generelle Genehmigungsfähigkeit größerer RE-Vorhaben dar. Dies betrifft sowohl die Frage der Zulässigkeit von Umwelteinwirkungen wie auch allgemeine baurechtliche Voraussetzungen sowie Einzelheiten der technischen Anforderungen für einen Netzparallelbetrieb. In nur wenigen Ländern liegen hierfür Erfahrungen und Grundlagen vor, so dass häufig im Einzelfall und zumeist nach überaus langer Prüfungszeit entschieden wird. Genaue Vorgaben zum Beispiel zur Umweltverträglichkeitsprüfung von Windprojekten stellen eine Ausnahme dar (Chile). Nicht in ihrer Bedeutung zu unterschätzen sind Überlegungen in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern, Kernenergie neu als Energieträger einzuführen oder stark auszubauen. In manchen langfristigen nationalen Versorgungsszenarien wird die zukünftige Bedeutung nuklearer Energie trotz fehlender konkreter Investitionspläne

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bereits höher gewichtet als die Nutzung vorhandener RE-Potenziale.

Verankerung erneuerbarer Energien in langfristigen energiepolitischen Strategien
Von einem forcierten und in Größenordnung relevanten Ausbau erneuerbarer Energien kann derzeit vornehmlich in China und Indien gesprochen werden, Länder, in denen die Stromerzeugungskapazitäten ohnehin auf breiter Front ausgebaut werden, von Kern- und Kohlekraftwerken bis hin zu großen Wasserkraftprojekten. In den meisten Ausbauplänen der betrachteten Länder für den Stromsektor nehmen hingegen erneuerbare Energien nur eine Randposition ein. So weisen beispielsweise weder die offiziellen Expansionspläne Brasiliens noch Mexikos trotz enormer Potenziale den erneuerbaren Energien (ohne große Wasserkraft) für das kommende Jahrzehnt oder darüber hinaus eine herausragende Rolle zu. Allgemein anerkannt wird jedoch mittlerweile, dass zum Erreichen einer flächendeckenden Stromversorgung die Nutzung erneuerbarer Energien in dünn besiedelten Regionen unerlässlich ist. Dabei handelt es sich in erster Linie um kleine, dezentrale Systeme, die als kostengünstige Alternative zur sonst üblichen Netzerweiterung eingesetzt werden. Den größten Schub für netzgebundene Anlagen im höheren Leistungsbereich lösen immer noch geberfinanzierte Projekte (vor allem durch zinsverbilligte Kredite von Entwicklungsbanken) und solche Vorhaben aus, die sich durch Verkauf von CDMZertifikaten eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen.

Entwicklungsländern weitgehend fehlt, kommt den auf RE spezialisierten Institutionen aus dem Umfeld des Stromsektors (z.B. Energieagenturen) oder aus akademischen Einrichtungen eine umso größere Bedeutung zu. Häufig handelt es sich bei diesen Institutionen um staatliche Einrichtungen, die sich entweder generell mit Planungen zum Energiesektor beschäftigen (Chile) oder eigens für die Verbreitung erneuerbarer Energien gegründet wurden und eine technologiebezogene Rolle einnehmen. In Ländern, die ohnehin von einem staatlichen Versorgungssektor geprägt werden, nehmen diese Institutionen zumeist eine sehr aktive Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien ein (Mexiko, Marokko, Tunesien), die bis zum Betrieb von Erzeugungsanlagen reichen kann (Ägypten).

Fazit
Der großflächige Einsatz nichtkonventioneller erneuerbarer Energien zur Stromversorgung befindet sich in Entwicklungs- und Schwellenländern noch in einem sehr frühen Stadium. Diese Aussage bezieht sich vor allem auf eine sich selbst tragende Entwicklung, die unabhängig von internationalen Geberprogrammen verläuft und in erster Linie auf einem Bündel von nationalen Förderinstrumenten beruht, die in gesetzlichen Regelungen und begleitenden Maßnahmen festgeschrieben sind. Erst in jüngster Zeit haben einzelne Länder die Initiative ergriffen und entsprechende Fördergesetze verabschiedet. Deren Ausprägung und Wirkung ist jedoch unterschiedlich, ein wirklicher Schub für RE-Strom unter Mitwirkung privatwirtschaftlicher Akteure lässt sich nur in Einzelfällen feststellen. In den meisten Ländern ist der Ausbau von RE-Erzeugungskapazitäten dagegen auf das Handeln staatlicher Versorgungsunternehmen beschränkt. Für die nähere Zukunft wird es deshalb entscheidend sein, den Entwicklungs- und Schwel-

Institutioneller Unterbau
Da der von Bevölkerung oder Politik ausgelöste Impuls für erneuerbare Energie in

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D.Loy: Rahmenbedingungen für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Entwicklungs‐ und Schwellenländern 

lenländern weiterhin bei der Formulierung geeigneter Anreizmechanismen und der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen beizustehen, um den Markteinstieg erneuerbarer Energien zu erleichtern. Dabei kommt allgemein zu Hilfe, dass sich die erprobten Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien tendenziell auch in Zukunft weiter verbilligen werden, während die Preisentwicklung fossiler Ener-

gien aufgrund der hohen Nachfrage, der regionalen Konzentration und der zunehmend problematischer werdenden Erschließung nach oben weist.

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D.Loy: Rahmenbedingungen für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Entwicklungs‐ und Schwellenländern 

Bangladesch

Argentinien

Indonesien

Philippinen

Costa Rica

Dom. Rep.

Kolumbien

Nicaragua

Jordanien

Südafrika

Äthiopien

Tunesien nein nein ja s s nein nein

Pakistan

Marokko

Brasilien

Ägypten

Namibia

Unbundling erfolgt ja ja nein nein ja ja ja nein ja (ja) nein ja ja nein nein Erzeugung (teil-) nein ja nein nein ja ja nein nein ja nein nein nein ja nein nein privatisiert IPP zugelassen ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja Übertragung s p s s p/s p s s s s s s p/s s s Verteilung s p s s p/s p s p/s p p/s s p/s p p/s s Regulierungsbehörde ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja nein ja ja nein ja Bilaterale Verträge zwischen Erzeugern nein ja k.A. k.A. ja ja ja ja ja ja k.A. (ja) ja nein nein und (Groß-) verbrauchern möglich Kostendeckende nein nein nein k.A. ja ja k.A. ja ja nein nein nein ja nein nein Tarife Eigenversorgung k.A. ja ja ja ja ja ja k.A. ja ja ja ja ja ja ja möglich Agentur für erneuerja nein nein nein nein nein nein nein nein ja nein ja nein ja ja bare Energien Ausbauplanung berücksichtigt deutnein nein ja nein nein nein ja ja nein ja ja ja nein ja nein lich RE RE-Fördergesetz nein ja nein nein ja i.D. ja ja ja nein ja i.D. ja nein i.D. Elektrifizierungsgrad ca. ca. 99 95 15 <40 >95 >90 98 98 k.A. 100 96 82 95 (%) 85 80 Programme zur ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja Elektrifizierung mit RE k.A. = keine Angabe; p = privat; s = staatlich; i.D. = in Diskussion: IPP = Independent Power Producer; RE = Regenerative Energien

nein nein ja s p ja nein

ja ja ja s p ja ja

ja ja ja s p/s ja nein

ja ja ja s p/s ja k.A.

nein nein ja s s ja nein

(ja) ja s s (ja) nein

ja ja nein nein nein k.A. ja

nein ja nein nein ja 55 ja

nein k.A. ja ja ja 55 ja

k.A. k.A. nein ja i.D. <90 ja

ja ja ja ja nein 72 ja

nein ja ja nein nein 99 nein

nein k.A. nein nein nein >92 ja

Tab.2: Rahmenbedingungen für den Einsatz erneuerbarer Energien in ausgewählten Schwellen- und Entwicklungsländern

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Vietnam ja

Mexiko

Indien

China

Chile

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