Einführung in die Theoretische Philosophie Aristoteles: Organon-Seminar Prof. Dr.

Schulthess Arbeitsgruppe 1: Olga Aellig, Daniel Wünn und Martin Daubner

Aristoteles: Analytica Priora I.1.

Begriffe und Definitionen

Aussage/Protasis/Propositio

„eine Rede, die etwas von etwas bejaht oder verneint“ (24a16)
Formen: allgemein, partikulär, unbestimmt

Terminus/horos: Das, worin sich eine Aussage /protasis zerlegen lässt: I) II) Das, was ausgesagt wird bzw. was zukommt Das, wovon es ausgesagt wird bzw. dem etwas zukommt

Syllogismus: Satz/Argument/Rede (logos), in diesem Fall: gesetzte Sachverhalte, aus denen sich ein neuer Sachverhalt zwingend ergibt (d.h. es bedarf keines weiteren Terminus für die Notwendigkeit des sich ergebenden, neuen Sachverhalts).

die aufgrund der Termini zwar notwendig. Koversionsregeln). aber nicht mit den Prämissen angenommen werden (s. damit das Notwendige zustande kommt. II) Unvollkommener Syllogismus: Es bedarf weiterer Schritte. .I) Vollkommener Syllogismus: Es bedarf keiner weiteren Schritte.

Der Begriff “beweisende Wissenschaft” legt nahe. dass Aristoteles neben dem Beweis an sich auch die Metalogik behandelt. Andererseits wollte er auch die Spielregeln der Dialektik bestimmen. mithilfe dessen man von Axiomen ausgehend zu anderen Wahrheiten gelangen kann. Der wichtigste Grund für Aristoteles war allerdings. deswegen nennt man ihn auch “Begründer der Logik”. Dennoch ist die Logik nicht auf wissenschaftliches Denken beschränkt. sich mit der Logik zu beschäftigen. die zum Verständnis des Folgenden einer Erklärung bedürfen. ob die Logik Teil und Gegenstand der Philosophie sei oder aber ein Werkzeug. das in der Philosophie benutzt wird.
 Er führt die Begriffe auf. . Aristoteles selbst allerdings geht nie auf diese Frage ein. Als erster überhaupt tat er dies systematisch. sie findet beispielsweise auch im Gerichtssaal ihre Anwendung. Der Titel “Organon” (Werkzeug) hat sich etabliert mit der Durchsetzung der peripatetischen Sicht. Aristoteles ist durch mehrere Gründe dazu bewogen worden. Einerseits haben ihn seine Arbeiten zur Rhetorik zur Logik gebracht. der Wissenschaft ein Instrument zu geben.
 Einige Zeit nach Aristoteles flammt ein Streit zwischen Stoikern und Peripatetikern auf.24a10: Einleitung in Analytica Priora In der Analytica Priora geht es Aristoteles um den Beweis (apodeixeis) und die beweisende Wissenschaft.

. „Irgendeinem-nicht.B. Möglicherweise missverständliche Eigenschaften (wie Homonymie) sollten vermieden werden.Zukommen“ oder „Nicht-jedem-Zukommen“ III) unbestimmt/aoristos/indefinita: Zukommen oder Nicht-Zukommen ohne quantitative Angabe: z. 24b16: Terminus Eine Aussage besteht aus 2 Termini (Sg. Deswegen soll eine unbestimmte Aussage nicht in einem Syllogismus benutzt werden.” Eine Aussage muss gründlich analysiert worden sein. sie kann entweder allgemein.24a16: Protasis Eine Aussage (protasis) bejaht oder verneint etwas von etwas.Zukommen“ II) partikulär/en merei/particularis: Ein„Irgendeinem-Zukommen“. ”Gegensätze fallen in die selbe Wissenschaft. I) allgemein/katholou/universalis: Entweder ein „Jedem-Zukommen“ oder „Keinem. damit sie für einen Syllogismus verwendet werden kann. partikulär oder unbestimmt sein. horos):   Was ausgesagt wird (Prädikat) Wovon es ausgesagt wird (Subjekt)
 .

Diese werden entweder mit “ist”/”sind” oder mit “ist nicht”/”sind nicht” miteinander in Beziehung gesetzt. Sagt man aber „Sokrates ist der weise Mann“ und meint mit „der weise Mann“ immer Sokrates. Hierbei wird das Verb “sein” als Prädikation. Die Begriffe “Prädikat” und “Subjekt” sind logisch. Prädikat: “Sokrates ist ein Mensch. so liegt eine Identifikation vor. Bsp.”
 Grammatikalisches Subjekt: “Hund”
 Logisches Subjekt: “der Hund meines Nachbarn”. Bsp. nicht grammatikalisch zu verstehen. da die Eigenschaft „weise“ auch auf andere Männer zutrifft. nicht als Identifikation verwendet.” Grammatikalisches Prädikat: “Ein Mensch zu sein” Logisches Prädikat: “Mensch” . Subjekt: “Der Hund meines Nachbarn schläft.
 Beispiel: In „Sokrates ist ein weiser Mann“ wird das Verb „sein“ prädikativ gebraucht.

was sie als eine solche definiert (vgl. Die in der Dialektik gebrauchten Protasis unterscheidet sich von der in einem Beweis verwendeten darin. . in denen eine Protasis zur Anwendung kommen kann:    in einem Syllogismus in einem Beweis in der Dialektik In seinen Ausführungen konzentriert sich Aristoteles auf die Anwendung einer Protasis in einem Beweis. noch weitere Eigenschaften erfüllen:  Sie muss wahr sein (in wie weit der Begriff des 'material wahr' hier Teil des Wortes 'wahr' ist. dass sie als Frage formuliert und einem Dialogpartner in einer Diskussion gestellt wird. enthalten sein muss. 24a 16). muss auf di e dialektische Protasis nicht weiter eingegangen werden.24a 22: Anwendung einer Protasis Am Ende dieses Abschnitts unterscheidet Aristoteles drei verschiedene Fällen. Da in ihr aber das gleiche Prinzip wie in einer für einen Beweis gebrauchten Protasis wirkt. also darin enthalten ist bzw. Das Festlegen auf ein Glied eines kontradiktorischen Gegensatzes (kurz: kG): Für das Führen eines Beweises muss eine Protasis nebst dem.

) gegenübergestellt. Das heisst nur eine der beiden Aussagen kann war sein. entsprechend ihres mehr oder weniger direkten Einflusses auf den kG: . der Satz vom ausgeschlossenen Dritten (Tertium non datur).konnte im Verlauf dieser Arbeit leider nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden). Auf Grund dieser Vorraussetzungen und auf Grund eines festgelegten Wahrheitswerts kann die Protasis als Glied in einem kG verwendet werden. Hierbei spielen der Satz von ausgeschlossenen Widerspruch. Für die Frage des kontradiktorischen Gegensatzes können diese vier Prinzipien noch einmal unterteilt werden. die Reductio ad absurdum und das Bivalenzprinzip ein wichtige Rolle.  Sie darf nicht leer sein (kein leerer Term). die in einem kontradiktorischen Verhältnis stehen. Übersetzung als "Glied[er]" bezeichnet. Zum kontradiktorische Gegensatz: In einem kG werden werde zwei Aussagen (von Aristoteles in der dt.

2. sein kontradiktorischer Gegensatz (also nicht-p) entweder falsch sein muss. eines der beiden Aussagen (eines der Glieder des kG's) in keiner anderen Weise wahr sein kann und somit die kontradiktorische Aussage wahr sein muss. den hier Aristoteles behandelt. Grob umrissen besagen sie. Sind bilden die Grundlagen einer klassischen zweiwertigen Logik und sind gewissermassen das "Eintrittsbillett" für diese Logik. Ein Beispiel: p: Sterblichkeit kommt allen Menschen zu (bzw. wenn p gilt. wirken. die in einem kG. Aufgrund dieser Regeln und Gesetzmässigkeiten. oder aber (vice-versa) die angenommene wahre Aussage falsch ist. sowie den unter 24a 16 definierten Eigenschaften einer Aussage/Protasis. Der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch und die Reductio ad absurdum wiederum sind die Prinzipien. ist es nun möglich eine Aussage p dadurch zu beweisen.1. dass in einem kG aufgrund von zwei evident widersprüchlichen Aussagen. Irgendeinen Menschen ist nicht sterblich) . Das Bivalenzprinzip und der Satz vom ausgeschlossenen Dritten. dass. Diese beiden Prinzipien entfalten ihre Wirkung nicht erst im Zusammenhang mit dem kG. dass man zeigt. Alle Menschen sind sterblich) nicht-p: Sterblichkeit kommt nicht allen Menschen zu (bzw.

müssen im Sinne von Aristoteles aber weitere Kriterien erfüllt werden. also p und nicht-p. dass keine leeren Terme enthalten sind (im Gegensatz zur modernen Logik) – d. Das Hauptkriterium des Syllogismus besteht also darin. dass sich aus den ”gesetzten Sachverhalten” ein von ihnen „verschiedener Sachverhalt“ ergibt. Prämissen) eine notwendige und hinreichende Bedingung für das Zustandekommen der Konklusion sind. um das Notwendige zustande kommen zu lassen“. dass die gesetzten Aussagen (vgl. Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Form und der Struktur des Syllogismus. dass es ”keines weiteren Terminus bedarf. 24b18: Syllogismus Aristoteles definiert den Syllogismus als logos. . So muss erstens gewährleistet sein. und zwar auf die.h. In dem man sich in einem Beweis auf eine der beiden Aussagen festlegt. welche als wahr gilt (Evidenz oder in Folge einer Beweiskette). Dieses notwendige ”sichergeben“ bestimmt er dadurch.Beide Aussagen. Damit es sich um einen Syllogismus handelt. der sich durch die Notwendigkeit auszeichnet. es kann nur eine der beiden Aussagen wahr sein. beweist man deren Wahrheit aufgrund der Falschheit ihres kontradiktorischen Gegenstücks. verhalten sich kontradiktorisch zueinander.

Bei Letzterem handelt es sich also um Syllogismen. und diese wiederum aus jeweils zwei Termen (wobei drei verschiedene Terme zur Auswahl stehen) bestehen. ohne dass es ”eines weiteren Schrittes“ bedarf. Zweitens ist der Syllogismus in seiner Form eingeschränkt: Er muss aus zwei Prämissen und drei Termen bestehen. gibt es in Kombination mit den vier Möglichkeiten aus Affirmation und Negation sowie Universalität und . von denen 4 vollkommen (Axiome) und 15 unvollkommen (Theoreme) sind. Syllogismus um die benötigt Gültigkeit zu man weitere So unmittelbare kann mit beweisen. Unvollkommen ist er hingegen. aber nicht mit den Prämissen angenommen sind”. dann <einige P sind S> „ ein Syllogismus bewiesen werden. Die Gültigkeit der vollkommenen Syllogismus sind also für den Menschen evident – jeder versteht intuitiv. Aristoteles kennt 19 gültige Syllogismen. Da sich ein Syllogismus stets aus Obersatz. dem keine Existenz zukommt. der nicht auf den ersten Blick einleuchtet. Im Falle eines unvollkommenen Zwischenschlüsse. dass der Schluss gültig ist. deren es bedarf. die für den Betrachter nicht evident sind. Aristoteles unterscheidet im Text weiter zwischen dem vollkommenen und dem unvollkommenen Syllogismus: Vollkommen ist er.eine Aussage darf keinen Begriff enthalten. Untersatz und Schlusssatz (Begriffe aus der traditionellen Syllogistik) zusammensetzt. wenn – obwohl das Kriterium des notwendigen ”Sich-ergebens“ erfüllt ist – die weiteren Schritte. zwar in ”den gegebenen Termini notwendig. wenn er einleuchtend ist. Konversionsregeln wie „Wenn <alle S sind P>.

B: auch „aus A folgt A“ als ein gültiger Schluss angesehen. in der modernen Logik wird aber z. Um zu beweisen. so hat man das Nichtzutreffen seiner Allgemeingültigkeit bewiesen.o. - Bei Aristoteles muss der gültige Schluss die Form eines Syllogismus haben – im Gegensatz zur modernen Logik. die leere Terme beinhalten (s. Wichtige Unterschiede zwischen Aristotelischer Syllogistik und moderner Logik: - Die Konklusion muss sich gem.Partikularität 216 verschiedene Möglichkeiten. - Die moderne Logik akzeptiert auch Schlüsse. die auch Schlüsse anderer Form zulässt. welche der möglichen Kombinationen gültig sind. Aristoteles von den Prämissen unterscheiden (Relevantistischer Einwand). Dies ist . welches offensichtlich nicht gültig ist. 24b26 Im letzten Abschnitt geht Aristoteles auf das ”Von -jedem- Ausgesagtwerden“ und das ”Von-keinem-Ausgesagtwerden“ ein. wie ein Syllogismus aussehen kann. kommt vor allem die Methode des Gegenbeispiels zur Anwendung: Kann man für einen Syllogismus ein strukturgleiches Beispiel nennen.).

genau dann der Fall. ”wenn man keines der unter den Subjektterminus fallenden Dinge herausgreifen kann. wenn der Subjektterminus (A) kein Individuum enthält. von dem das andere nicht ausgesagt wird”. von dem nicht B ausgesagt werden kann. . der kein Lebewesen ist. dass in A nichts enthalten ist. Das bedeutet also. dem der Prädikatterminus (B) nicht zukommt. So ist beispielsweise die Aussage „Alle Menschen (A) sind Lebewesen (B)“ genau dann wahr. wenn es in diesem Fall also keinen Menschen gibt.

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