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SCOUA n°3

France & UE 75 F Etranger l 00 F

SciencesCopi tives, Linguistique ollntelligenceArtificielle

SCOLIA
RENCONTRES LINGUISTIQUES EN PAYS RHENAN

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SciencesCOJnitives,Linguistique.tlntelli&enceArtificielle

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N"3 1995

LANGAGES ET ORDINATEURS ,
sous la direction de Gérard Reb

Publicaócn de PROPARUN, ERS du� n• 125 ct de I"Unívcnill des Sàc>c:a Humaines de Suasbour&

N"4 1995

SCOUA n°4 France & UE 50 F Etranger 70 F

ANNÃHERUNGEN AN DIE SEMANTIK PHONOLOGISCHER MARKER

Lorenz HOFER Universitãt Base/

Überblick
In grõsseren Sprachgemeinschaften sind mehr oder weniger deutlich unterscheidbare Lautvarianten, die dieselbe Systemstelle besetzen, an der Tagesordnung. Man nennt sie gewõhnlich Allo­ phone. Als solche reprlisentieren sie, systemlinguistisch gesehen, dieselben zugrundeliegenden sprachlichen Einheiten. Als solche ist ihre Bedeutung definitionsgemãss konstant Allophonische Varia­ tion findet jedoch nicht regellos und auch nicht im abstrakten Raum sprachlicher Systeme statt, sondem regelhaft zumindest im Sinne probabilistischer Regeln in konkreten Kommunikationszusammen­ hãngen (s. z. B. Labov 1966, Labov 1972, Schlobinski 1987, Schol­ ten 1987, Christen 1988). Allophone sind Bestandteile von Lautre­ pertoires, wie die Soziolinguistik zeigen konnte. Die Verwendung bestimmter Lautvarianten in Sprachgemeinschaften ist keineswegs nur durch innersystemare Restriktionen deternúniert oder uqge­ ordnet, sondem mit bestimmten Situationen und sozialen Gruppen assoziiert und hat im Extremfall Schibbolethcharakter- wir wissen das alle aus eigener Erfahrung. Das heisst, dass bestimmte allopho­ nische Varianten als Metacode eben doch Bedeutungen haben. Hier liegt einer der Nutzen, die die damit verbundenen hõheren kognitiven Kosten systemarer Doppelspurigkeit zeitigen. Dass al­ lophonische Variation bedeutsam ist, hat die Soziolinguistik deutlich gezeigt Bis heute ist aber nur wenig bekannt über die Feinstruktur solcher Bedeutungen und über die kognitiven Aspekte

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der Konstitution solcher Bedeutungen. Meistens begnügt man sich mit der Feststellung, dass irgendetwas indexikalisiert wird, ohne dass man sich weiter darum kümmert, worum es sich dabei handelt und wie die Feinstruktur dieser indexikalischen Bedeutungen be­ schaf f en ist Eines der Verdienste der Variationslinguistik ist es, auf die Bedeutsamkeit sprachlicher Varianten auch auf der Ebene kleiner sprachlicher Einheiten, also auf der Ebene von Lauten und Morphe­ men, aufmerksam gemacht zu halben. Ausgehend und angeregt von den Arbeiten Labovs ist eine mittlerweile schon fast unüberschau­ bare Anzahl von Untersuchungen entstanden, die sich mit der Struktur lautlicher, morphologischer, aber auch synta.ktischer Varia­ tion innerhalb von Sprachgemeinschaften und beim Spracherwerb beschaft:igen. Im Zentrum des lnlteresses standen meist, im Gegen­ satz zur traditionellen Dialektologie, urbane oder urban geprãgte Sprachgemeinschaften, die sozial viel komplexer beschaffen sind als die Ausschnitte dõrflicher Sprachgemeinschaften, die so lange Un­ tersuchungsgegenstand der Dialektologie waren. Im Zuge der Untersuchung mündlicher Sprachproduktion innerhalb der als Untersuchungseinheiten gedachten stãdtischen Sprachgemeinschaften wurde deutlich, dass die in ihnen vorzufin­ dende Variation keineswegs unstrukturiert-chaotisch oder gar dys­ funktional ist, sondem dass sie in den ' meisten Fãllen in mehrerer Ij:insicht geordnet und strukturiert ist (Chambers 1995 gibt eine Ubersicht). Allerdings weist die Forschung gerade im deutschen Sprach­ raum noch gravierende Defizite auf, Wie Hacki Buhofer. festhãlt: "Wie sich die Funktionalitãt cler phonologischen Variation im Spracherwerb herausbildet, femer die Bedeutung von Variablen mit unterschiedlichem Signalwert für die Markierung von verschiede­ nen cleutschen Varietãten bei Erwachsenen, das sind grundsãtzliche Fragestellungen, die meines Wissens weder für den binnen­ deutschen Sprachbereich noch in der deutschen Schweiz untersucht worden sind und jedoch eigene Untersuchungen wert wãren" (im Druck).

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Lange beherrschten Vorstellungen von defizitãren Kompe­ tenzen die soziolinguistische Erforschung der Sprachvariation. In der rigiden Konzeption verfügen Dialektsprecher in Sprachgemein­ schaften mit klarer High-Low-Varietãtenverteilung über einen re­ stringierten Cocle, der sich in relativ invarianter Performanz, aber auch in Phãnomenen wie Code-Switching manifestieren kann. Anstelle der überholten Defizit-Vorstellungen ist eine Kon­ zeption getreten, die die Wahl sprachlicher Varianten durch die Sprecher in den Vordergrund stellt Es wird versucht, sprachliche Variation mit diskursiven Variablen und schliesslich auch mit lden­ titãtskonzepten- wie die "Acts of Idenltity" (Le Page & Tabouret­

- im Rahmen der Einstellungsforschung - die Untersuchung so­

Keller 1985) -in Verbindung zu bringen. Damit verbunden wurde

zialer Wahrnelup.ung und Bewertung von Sprachvarianten in An­ griff genommen.

Ausgehend von den grossen Materialkorpora, die im Zuge der pragmatischen Wende und der Herausbildung der Soziolin­ guistik entstanden, wurde ein Begriffsinventar zur Kennzeichnung verschiedener Typen von Sprachvariation geschaffen. Besonders prominent wurden und sind die Begriffe des Code-Switching, Code-Shifting und neuerdings der Fluktuation, die zur Kennzeich­ nung verschiedener Typen von V ariation benutzt werden. Bis jetzt steht jedoch eine übergreifende Theorie noch aus, die Theoriebil­ dung scheint mir aber, soweit ich die Literatur überblicke, in vollem Gange zu sein. Die bisherigen gesicherten Befunde kõnnen grob in zwei Gruppen eingeteilt werden:

Erstens hat rnan herausgefunden, dass der soziobiografische Background und in gewissem Mass die õkonomische Stellung

von Sprechem und Sprecherinnen in einem Zusarnmenhang mit der Verwendung bestimmter sprachlicher Varianten stehen.

Zweitens gilt. dass diese erste Art von sozial determinierter Va­ riation oft überlagert wird von einer zweiten Art der Variation, die nicht mehr unmittelbar mit bestimmten Eigenschaften der Sprecherlnnen zu tun hat, sondem mit der Situation, in der je-

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mand spricht Der Formalillitsgrad einer Situation entscheidet in vielen Fãllen über Gebrauch. oder Nichtgebrauch bestimmter sprachlicher Varianten. Und dies nicht nur, wie ja schon lãngst bekannt war, im Bereich der Wortwahl, sondem auch im Be­ reich kleinerer sprachlicher Einheiten, also von Morphemen und Lauten. Labov leitete aus dieser doppelten Struktur spra­ chlicher Variation in Sprac:hgemeinschaften zwei Typen von Variablen ab: Indikatoren und Marker. Indikatoren zeigen, re­ lativ unabhãngig vom Sprechstil, aber gebunden an bestimmte Sprecherlnnen, die Zugehorigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe an. In Markem wird die soziale. Sprachvariation zu­ satzlich pragmatisch aufgefáchert und zur Markierung bes­ timmter Sprechstile verwendet (s. Belll984). Die Existenz regelhafter sprachlicher Variation, die mit so­ zialen und situativen Faktoren korreliert, gilt für sprachsoziologis­ che Verhilltnisse mit Dialekt-Strndard-Kontinua, wie sie in weiten Teilen etwa Deutschlands, Englands und der USA herrschen, als weitgehend gesichert. Allerdings wurde aueh deutlich, .dass mit den relativ groben Variablen, wie sie die Begriffe "Situation", "Formali­ tat" oder "soziookononrnischer Status" abgeben, nur ein Teil der effektiv vorhandenen Variation aufgeklãrt werden kann. Man sucht deshalb seit einiger Zeit nach Analysemodellen, die es erlauben sollten, die Bedingungsgefüge für bisher nicht er­ kHi.rte Variation zu aufzuklãren. Diese sind teilweise dem oben zuerst genannten Kreis der Untersuchung von Eigenschaften der Sprecherlnnen im weiteren Sinne zuzuordnen, so etwa die durch Lesley Milroy (1980) innerhalb der Linguistik bekannt gewordenen Analysen sozialer Netzwerke, die mithilfe von Variablen der sózia­ len Feingliederung Sprachvariation zu erklãren versuchen. Vielfach beziehen sich diese Analysemodelle jedoch auf Phanomene regel­ hafter Variation im Zusammenhang rnit bestimmten Eigenschaften einer Situation: Adressatenspezifik, bestimmte Textsorten oder bes­ timmte Sprechakte innerhalb einer Interaktion werden zur Er­ klãrung herangezogen. Es wird beispielsweise der Gebrauch von Standard und Substandard eines Sprechers in einem Gesprach eruiert und auf seinen Gehalt und seine mogliche diskursive Funk­ tion innerhalb dieses Gesprãches hin ànalysiert. Man kõnnt� diese

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Forschungsansãtze unter dem Schlagwort "sprachliche Variation als Ergebnis von Handlungswahl" (Henn-Memmesheimer: im Druck) zusammenfassen. Wie schon angedeutet, besteht bedauemswerterweise trotz umfangreicher Forschungen noch keine übergreif�nde Theorie der sprachlichen Variation, die bestehende Ansatze und Erkenntnisse zusammenflihrte und die einige eigentlich dringend benotigte wei­ tere Elemente dem Bestehenden hinzufügte. Dringend benotigt wird meiner Ansicht nach eine Theorie, die es erlaubt, bisher kaum systematisch untersuchte Muster offensichtlich individuell bedingter sprachlicher Variation im Zusammenhang mit Theorien und Befun­ den der Individual- und Enwicklungspsychologie (Fumham 1990), aber auch mit der Spracherwerbsforschung und der Psycholinguis­ tik zu verorten ·und Erklãrungen zuzuführen. Ein Beispiel: Unser Alltagswissen sagt uns, dass es Menschen gibt, die sich sprachlich sehr stark anpassen, wenn sie etwa den Wohnort wechseln, andere hingegen haben sich auch nach Jahrzehnten kaum angepasst und sind bei ihrem angestammten ldiom geblieben. Bei Jugendlichen ist ãhnliches zu beobachten: manche passen sich J}ach einem Wohn­ ortswechsel sehr schnell, manche fast nicht an. Uber die psycholo­ gischen und kognitiven Bedingungen von sprachlicher Anpassung, V ariabilitãt oder Stabilitãt im Zusammenhang mit geografischer und sozialer Mobilitãt oder mit fami!Hiren oder biografischen Konstella­ tionen ist wenig bekannt. Es wurde meines Wissens auch noch kaum versucht, diese Phãnomene im Zusammenhang mit Person­ lichkeitstypologien und -eigenschaften der differentiellen Psycholo­ gie, wie etwa dem Konzept der Selbstüberwachung (self-monito­ ring, Snyder 1985), in Verbindung zu bringen. Gerade die Sprachsituation in der deutschen Schweiz macht einige Miingel bestehender Ansatze deutlich, besli1ht doch hier, historisch bedingt, eine ausgepragte mediale Diglossie statt eines Standard-Dialekt-Kontinuums . Die mündlichen Varietãten sind in zweierlei Hinsicht deutlich fokussiert (im Sinne von Le Page & Ta­ bouret-Keller 1985). Sie sind sowohl gegenüber dem Standard (durch das Laut- und Formeninventar wie auch durch starken Aus­ hau) als auch regional klar gegeneinander abgegrenzt. Es existieren kaum explizit an der Schriftsprache orientierte Normen für das

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Mündliche, aber es gibt eine Ideologie der "reinen Mundart" (Haas 1992), die der Variation in der mündlichen Varietiit gewisse Grenzen setzt, insbesondere was Übemahrrien aus dem standarddeutschen Laut- und Fonnensystem ansbetrifft. Wir haben es mit einem Dia­ lekt-Dialekt-Kontinuum zu tun. War die Variation früher, in einer weitgehend agrarischen Gesellschaft, ganz kiar detenniniert durch die Sprachgeographie, aufs Schõnste dargestellt im Sprachatlas der deutschen Schweiz, so ist sie heute, auf dem Weg zu einer Regiona­ lisienmg, zunehmend diffus. Mit Regionalisierung ist hier gemeint, dass die klassische Analyseeinheit der homogenen Ortsmundart als empirisches Datum kaum mehr aufzufinden ist Die Ortsmundarten gehen auf in regional zu definierenden Varieiliten. Mit "zu·­ nehmend" ist gemeint, dass die Regionalisierung als Sprachwandel­ prozess im Gange und noch nicht abgeschlossen ist (siehe dazu Christen 1995). Es wurden bisher nur werúge variationslinguistische Studien in der deutschen Schweiz durchgeführt. Die bestehenden Studien deuten jedoch darauf hin, dass sich die Verhãltnisse in mancher Hinsicht von denen in Gebieten mit Standard-Dialekt-Kontinua unterscheiden und dass sich andere Muster regelhafter Variation ausbilden, die sich jedoch n ur noch zum Teil mit denen der Sprach� geographie decken und die sprachgeografischen Varianten, im Sinne funktionaler Sprachvariation, "umfunktionalisieren". Es gibt z.B. ein ganzes Repertoire von Verfahren, aus standarddeutschem, englischem oder auch lateinischem Wortgut mittels Analogiebil­ dung auf morphologischer oder phonologischer Ebene regional­ mundartliche Fonnen herL.ustellen (siehe dazu Haas 1992 und, wenn auch mit umgekehrtem Blickwinkel, Oglesby 1991). Dies ennoglicht es, den mundartlichen "Sound" trotz teils raschem lexi­ kalischem Wandel bei Bedarf- und der besteht- beizubehalten. Die Forschung innerhalb des von Weinreich, Labov & Her­ zog (1968) propagierten dynamischen Paradigmas hat deutlich ge­ zeigt, dass Variation in mündlicher Erwachsenensprache, aber auch bei Kindern und Jugendlichen, keineswegs einfach unter dem Eti­ kett der "freien Variation" ihrem Schicksal überlassen und von der Theoriebildung ausgeschlossen werden kann.

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In der jüngeren Forschung wurde Variation gerne unter dem Aspekt ihrer Funktionalitiit beschrieben und zu erklaren versucht Eines der Probleme, das man sich damit einhandelt, ist, dass man Motivationen und Intentionen zum Teil unüberprüft voraussetzen muss. Sprachvariation wird dabei zusãtzlich instrumentalisiert und als abhãngige Variable im Dienste einer Funktion. behandelt. Dem­ gegenübet scheint mir der Begriff der Bedeutung sprachlicher Va­ rianten etwas neutraler: Hier wird nicht unterstellt, die Verwendung einer bestimmten Variante stehe primar im Dienst einer bestimmten, zielgerichteten "Funktion" oder eines "strategischen" Ziels. Viel­ mehr lãsst der Begriff der Bedeutung verschiedene Interpretationen zu: Zwar kann der Gebrauch einer sprachlichen Variante immer noch als intentional oder sonstwie nichtsprachlich motiviert ge­ deutet werden,. es ist nun aber au eh mõglich, Interpretationen unter dem Gesichtspunkt der Kognition oder vom sprachlichen Zeichen aus (das die Variante darstellt) vorzunehmen. Im Falle von soge­ nannten Prestigevarianten kõnnte eine solche Interpretation etwa lauten: "Das Auftauchen dieser sprachlichen Variante an dieser Stelle verweist mich als Hõrer auf einen tatsãchlichen oder er­ wünschten hohen sozialen Status der sprechenden Person" ete. Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn die sprachliche Variante so etwas wie eine konventionalisierte Bedeutung hat, die überindi­ viduell geteilt wird, das heisst, wenn hochrekurrente Verwendungs­ muster bestehen. Die Begriffe von Funktion und Strategie hingegen begünstigen m. E. dagegen Interpretationen, die an Intentionaliilit oder allenfalls auch Symptomhaftigkeit anknüpfen.
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Die regelhafte Verwendung bestimmter sprachlicher Varian­ ten, so die These, konstituiert eine Bedeutung. Eine bedeutungslose Regelhaftigkeit >viderspricht unsem Vorstellungen, sie wãre,"para­ dox (sieht man von "mechanischer" innersystemarer Selbstregula­ tion und artikulationsbedingten und kognitiven Restriktionen ab). Es ist allerdings gar nicht so einfach, diese Bedeutung zu erschlies­ sen, wenn man über pauschale, klassisch soziolinguistische Etiket­ tierungen wie Prestige oder Stigma hinaus will. Was die Forschung bisher meistens feststellte, waren primãr Korrelationen zwischen bestimmten sozialen Variablen einerseits und den Hãufigkeiten des Auftretens bestimmter sprachlicher Varianten andererseits. Diese Korrelationen wurden dann interpretiert, diese Interpretationen stell-

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ten die Bedeutung der entsprechenden Variable dar, ohne dass je­ doch überprüft wurde, ob die Sprecherlnnen und Hõrerlnnen der jeweiligen Sprachgemeinschaft diese Bedeut.�;Jngen in standardi­ sierten Tests und spontanen rnetasprachlichen Ausserungen tatsãch­ lich mit den entsprechenden sprachlichen Variablen in Verbindung bringen (oder urngekehrt). Dies rnüsste meines Erachtens vennehrt zu tun versucht werden. Labov (1966) hat in seiner berühmten Stu­ die zur sozialen Stratifizierung des R in New Yorker Kaufhãusern regelhafte Variation festgestellt: Die Verkãuferinnen in den besseren Kaufuãusern rnachten, so Labovs Interpretation, Prestigeanleihen bei der gehobenen Kundschaft, indem sie deren Art, das R zu spre­ chen, übernahmen. Es wurde jedoch nicht überprüft, ob die Verkãu­ ferinnen ihr eigenes Sprachverhalten selbst auch tatsãchlich in die­ ser Art und Weise interpretierten. Die Bedeutung bestimrnter Lautvarianten ist, analog zu Wortbedeutungen, bestimmt in den allermeisten Fãllen eine konven­ tionelle oder individuelle. Anders lassen sich gegensãtzliche Bedeu­ tungszuschreibungen für dieselben Lautvarianten in verschiedenen Sprachgemeinschaften nicht erldãren. Allerdings zeigte die Proto­ typenforschung, dass dies nicht in allen Fãllen so zu sein braucht und dass es durchaus sehr allgemeine, mõglichervveise universeUe Bedeutungskomponenten bestimmter Lautqualitãten gibt (Taylor 1995; Hinton, Nichols & Ohala 1 994). Die bereits erwãhnte Variablen tyPologie von Labov mit ihrer Unterteilung in Indikatoren und Marker (die in Labov 1 994 noch­ mals verfeinert wurde unter dem Gesichtspun.kt des Lautwandels) orientiert sich, wenn ich sie recht verstanden habe, im Wesentlichen am Grad der Kontrollierbarkeit der Vanablen durch die einzelnen Sprecherlnnen. Daneben gibt es die Unterteilung in Low- und High-Prestige-Varianten, die immerhin tenninologisch auf den se­ mantisch wichtigen Kontrast zwischen oben und unten in vertikal geschichteten Gesellschaften verweist Allerdings wird dieser se­ mantische Kontrast durch das parallele Begriffspaar von covert und overt prestige wieder aufgeweicht. Semantisch klare Zuschreibun­ gen wie oben oder unten scheinen rnir zu pauschal, jedenfalls als Zuschreibungen allein aufgrund von Korrelationen. Dies gerade auch im Zusammenhang mit der durch die Soziologie untermauer·

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ten Befunde der Heterogenisierung und Transfonnation traditionel­ ler Schichtgrenzen und der Auflõsung hergebrachter Normensys­ teme. Eine empirisch begründete Semantik sprachlicher Variablen - die durchaus von der Labovschen Typologie ausgehen kõnnte­ existiert meines Wissens jedoch noch nieht. Wollen wir Genaueres über die Bedeutung sprachlicher Va­ riablen aussagen ohne uns der Gefahr auszusetzen, dass wir ihnen einfach Bedeútungen aus der Forscherperspektive zuschreiben, die in irgendeiner Weise mit aussersprachlichen oder allenfalls mit syntagmatischen Beziehungen innerhalb eines Textes zu tun haben sollen, so müssen víir auf das Wissen einer grõsseren Anzahl von Sprecherlnnen und Hõrerlnnen zurückgreifen. Ihr Wissen, das bei der Rezeption und Interpretation der zur Frage stehenden sprachli­ chen Variablen zum Einsatz gelangt, muss systematisch erfasst und mit unseren bisherigen Erkenntnissen und Vermutungen verglichen werden. Die im deutschen Sprachraum noch junge linguistische Einstellungsforschung hat dies bisher nur zum Teil getan. Die Re­ gel scheint mir eher die zu sein, dass Einstellungsuntersuchungen ��lativ isoliert von korpusbasierten Analysen primãrsprachlicher Ausserungen durchgeführt wurden. Für die Analyse des Zusam­ menhangs zwischen "feinen Unterschieden" - durchaus auch im Sinne von Pierre Bourdieus "distinctions" -, Wie sie die soziale und situative lautliche Variation darstellen, sind jedoch auch ents­ prechend hochauflõsende Einstellungsuntersuchungen notwendig, die über die Erfassung grossrãurnlich-sprachgeografischer oder gro­ ber sprachsoziologischer Einstellungsdifferenzen wie etwa zwischen Nord und Süd, Standard und Dialekt hinausgehen.
Ein Be is p iel aus der deutschen Schweiz : zwei Variablen im Basler Repertoire

Im Rahmen des Basler Forschungsvorhabens "Stadtspra­ che"l bot sich Gelegenheit, eine feinauflosende Einstellungsunterl.

"Stadtsprache" - Sprachen in einer Stadt am Beispiel Basels: Baus­ teine einer Gesamtbeschreibung. Forschungsprojekt unter der Lei­ tung von Heinrich Loffler und Annelies Hacki Buhofer, finanziert

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suchung durchzufiihren, die es erlauben sollte, die "feinen Unter­ schiede" sozialer und situativer Sprachvariation ein..·mfangen. Eine grosse Zahl sprachlicher Variablen und Einstellungsvariablen kon­ nen dabei in ihrem unmittelbaren Verhãltnis zueinander untersucht werden.

Im Rahmen des Basler Forschungsvorhabens wurde ein umfangreiches Sprachkorpus mit Material von rund 70 Sprecherln­ nen erstellt und eine Erhehung von Spracheinstellungsdaten durch­ geführt. Korpus und Einstellungsdaten stammen von denselben Per­ sonen. Dies erlaubt es, deren objektiven sprachlichen Output direkt mit den Einstellungsdaten zu vergleichen. Die hier verwendeten Daten stammen hauptsãchlich aus zwei Quellen: Die Korpusdaten aus einem standardisierten Interview, die Einstellungsdaten aus ei­ nem Reaktionstest (Matched-Guise). Im Interview wurde systema­ tisch eine grossere Anzahl von in Basel und Umgebung soziolin­ guistisch, sprachgeografisch- und historisch relevanten Variablen erfas:st. Im Reaktionstest wurden den Testpersonen sechs lokale und regionale Varieiliten, die sich zum Teil nur hinsichtlich einer oder zwei Variablen unterschieden, als auditive Stimuli gegeben. Die Testpersonen evaluierten diese Stimuli mit einem semantischen Differential (15 Items).
Es stehen verschiedene Instrumente zur Erfassung von Ein­ stellungen zur Verfiigung, die sich grob einteilen lassen in Reak­ tionsmessungen auf auditive Stimuli, in schriftliche oder mündliche Befragungen, die verbalisierbares metasprachliches Wissen evozie­ ren und aufzeichnen, schliesslich die Verhaltensbeobachtung in al1iliglichen Situationen, die Rückschlü,sse über zugrundeliegende , Eins1tellungen zulãsst Der Status der einzelnen Methoden ist nicht ganz klar. Es wird zuweilen eine Zuordnung bestimmter Einstellungsqualitãten zu den einzelnen Erhebungsinstrumenten vorgenommen. So schreibt
vom Schweizerischen Nationalfonds zur Fõrderung der wissenschaf­ tlichen Forschung. Eine Übersicht ist zu fmden in Lõffler 1995. Be­ ginn: 1.1.1994. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Beatrice Bürkli, Lorenz Hofer, Petra Leuenberger. Wir danken Andreas Langlotz fiir die Mithilfe bei der Datenaufbereitung.

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Neuland (1993) etwa. Reaktionstests mit semantischen Differentia­ len seien hauptsãchlich zur Erfassung :affektiver Einstellungskom­ ponenten geeignet, Befragungen eher zur Erfassung kognitiver Komponenten und teilnehmende Beobachtung zur Erfassung hand­ lungsrelevanter Komponenten. Unserer Erfahrung nach ist eine solche Unterscheidung nur bedingt gültig.. Es stellte sich heraus, dass im semantischen Dif­ ferential keineswegs nur affektive Items deutlich evaluiert werden, sondem in hohem Mass solche, die mit einer kognitiven und vor allem pragmatischen Dimension assoziiert sind. Die Darstellung muss sich auf signifikante Beispiele be­ schrãnken. Ich habe zwei Variablen ausgewahlt, die in der be­ stehenden Literatur und auch aufgrund der bisherigen Erfahrungen in Basel sowohl diachron als auch synchron wichtige Dimensionen bei der Lautvariation darstellen. Es ist dies der r-Laut, der im Raum Basel in zwei deutlich zu unterscheidenden Varianten vorkommt, und die Variable des anlautenden k, für die dasselbe gilt.
·

Der R-Laut
Das Merkmal des uvular artikulierten r [R] sondert in der traditionellen Sprachgeographie die silidtische Sprachgerneinschaft aufs Deutlichste von den Umgebungsdialekten, die homogen alle dental-alveolares r [r] verwenden. Historisch gesehen ist [R] ein­ deutig die stãdtische Variante, [r] die Hindliche. Allerdings ist zu beobachten, dass sich die sprachgeografi­ sche Verteilung der r-Varianten sehr stark verãndert hat Als sicher kann gelten, dass eine weit hühere Anzahl von Sprecherlnnen in der Stadtregion heute das ursprünglich rein stãdtische u0Jlare r verwendet als vor 50 Jahren. In der Kemstadt selbst ist jedoch auch eine Gegenbewegung festzustellen: Gerade unter. jugendlichen Baslerlnnen ist das dental-alveolare r deutlich weiter.verbreitet als unter Erwachsenen. Insgesamt legt die Verteilung der Varianten in unserem Korpus die Annahme eines fortgeschrittenen Ausgleichs in beiden Richtungen nahe, der sich bei relativ hohen Anteilen von uvularem r sowohl in der Kemstadt als au eh in der nãheren Umge­ bung einigermassen stabilisieren wird.

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Man k ann zuweilen hõre n, die Ausprãgung von r h abe in­ nerhalb der Stadt eine soziale und vor allem topografische Konno­ tation; beso nders in Kleinbasel, dem rechtsrheinischen Teil der Stadt, das auch schon als "Basels Lower East Side" tituliert wurde (Martin Schaffner), sei das dental-alveolare r zumindest früher hãu­ figer zu hüren gewesen als in Grossbasel.Wir kõnnen jedoch diese Feststellung anhand unseres Materials fiir den heutigen Zustand nicht aufrechterhalten.Pilch (1977) hãlt fest: "Es sollen ... Unter­ schiede zwischen Grossbasel und Kleinbasel bestehen, jedoch ha­ ben wir dort keine phonematischen Unterschiede bemerkt, und auch die Literatur verzeichnet sie nicht."

Kann man nun das r in einer Typologie von Variablen im Basler Repertoire einordnen? Die Mehrzahl der Sprecherlnnen va­ riiert beim r nicht: Sie venvenden in alltãglicher Rede immer nur eine Variante. Einige wenige Sprecherlnnen kõnnen das r jedoch variabel und kontrolliert handhaben. Letzteres liesse darauf schlies­ sen, dass es sich um einen Marker handelt. Ersteres hingegen legt die Einordnung des r als lndikator nahe: Indikatoren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie keine intraindividuelle Variation zeigen. Bekannt ist, dass manchen Leuten die eine oder andere Art, das r zu artikulieren, nicht oder nur mit grosser Mühe mõglich ist Dies würde ihr invariates Verhalten erklaren. Andererseits ist auch zu beobachten, dass zugezogene Spreéherlnnen die stãdtische Va­ riante des r annehmen und sich in einer mehr oder weniger langen Phase beider Varianten bedienen. In unserm Korpus ist auch das Beispiel eines Sprechers belegt, der - situationsabhãngig - Ba­ seldeutsch und Berndeutsch als zwei võllig voneinander geschiede­ ne Varietãten ohne Interferenzen verwendet und dabei in der eínen konsequent uvulares, in der andem dentales r verwendet.
Der initiale Velo.r

Hier gilt insgesamt ganz Ãhnliches wie ftir r: Eine bestimmte Variante des k, und zwar die Verschlussvariante, also das unver­ schobene k bzw. [k, kh] anstelle des sonst in der Schweiz gebrau­ chlichen verschobenen k, also eh bzw. [X], sondext die stãdtische Sprachgemeinschaft von Dialekten, Wie sie fiir die umgebenden

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Gemeinden dokumentiert sind. Damit stehen sich auf Wortebene innerhalb des Dialekts Varianten wie etwa chind und ldnd, choo un d koo gege nüber.

Was über das Vorkommen der lãndlichen Variante beim R gesagt wurde, gilt in gleicher Weise fiir das k. Pilch (1977) bemerkt dazu: "Die auffallendste phonologische Isoglosse ist das aspirierte /kh/ von Basel-Stadt gegenüber (dem affrizierten /kX/ bzw.) der Spirans /X/ von Baselland.... Das anlautende /X/ hürt man in Basel zwar oft, es wird aber einhellig als lãndlich bzw. ausserbaslerisch gewertet. Unserem Eindruck nach ist es auf Kosten das anlautenden !kh/ im Vordrln gen." Hinsichtlich des Vordringens scheint sich Pilch getãuscht· zu haben, jedenfalls lbelegt die altersspezifische Verteilung in unserem Material, dass hinsichtlich der generellen quantitativen Verteilung der beiden k-Varianten ein relativ stabiler Zustand herrscht Die Verteilung betrãgt unter Baslerlnnen etwa 3 [k] zu l [x]. Die von Pilch behauptete Bewertung von [x] als "Hindlich" wird durch unser Material bestãtigt. Einiges deutet darauf hin, dass das anlautende k den Status eines linguistischen Markers hat. Aufgrund von alltãglichen Beo­ bachtungen gewinnt man den Eindruck, dass die Verwendung der Verschlussvariante des anlautenden k allgemein mit Prestige und Formalitãt assoziiert ist Der "Dialekt im Sonntagskleid", wie der in formellen Situationen, in denen nicht Standard gesprochen wird, zutage tritt, erscheint unter anderem geprãgt durch konsequente Venvendung der Verschluss-k-Variante, zu Beispiel im situativen Kontext des Fasnachtsgeschehens, dem eine wichtige Rolle bei der Konstitution und Konsolidierung lokaler Identitãt zukommt Die verschobime k-Variante jedoch wird eher in informellen Situationen ' verwendet
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Evaluationen

Bisher wurden in der deutschen Schweiz kaum echte Mat­ ched-Guise-Tests zu linguistischen Fragestellungen durchgeführt (siehe jedoch Werlen 1980; Hacki Buhofer et al. 1 994 ) . Unter ech­ ten Matched-Guise-Tests sind hier linguistische Evaluationstests zu verstehen, bei denen Sprechproben, die von derselben Person stam-

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men, mit einem semantischen Differential evaluiert werden. Die Tat­ sache, dass die meisten unserer Gewãhrspersonen nach dem Test dafürhielten, bei allen sechs Hõrproben dieselbe Sprecherin gehõrt zu haben, was den Tatsachen entsprach, zeigt, dass die Konstanz stimmlicher und prosodischer Parameter deutlich wahrgenommen wurde. Dieses Resultat lãsst vermuten, dass in Teslts mit mehreren Sprechern oder Sprecherinnen die Bewertung der Stimmqualitãt und von Ahnlichem die effektiven Evaluationen veu..errt oder sogar, wenn di ese- wie in unserem Fan- nur klein sind, sogar verdeckt Es wurden sechs Varietãten getestet Deutlich Hindliche Dia­ lekte aus dem Umfeld der Stadt sowie eine archaisierende Varian1e des Baseldeutschen wurden erwartungsgemass sehr klar als altmo­ disch bzw. Hindlich evaluiert, zT. sogar allgemein deutlich negativ bewertet Drei als stãdtisch und stadtnah zu bezeichnende Varietãten unterschieden sich in systemlinguistischer Hinsicht nur sehr schwach voneinander. Wider erwarten wurden sie in der Evaluation mit dem semantischen Differential dennoch deutlich voneinander abgehoben. Diese Tatsache veranlasste uns, die Differenzierungen im fraglichen V arietãtentripel genauer zu analysieren.
·

Es zeigte sich einerseits eine erstaunliche intersubjektive .. Ubereinstimmung und Uniformitãt in den Bewertungsmustern der einzelnen Varietii.ten, die relativ unabhãngig von extralinguistischen Parametem wie Herkunft, Alter, Geschlecht oder Bildung sind. An­ dererseits zeigten sich eine Reihe von signifikanten Differenzen zwischen diesen Bewertungsmustern in der Evaluation der einzel, nen, minimal voneinander abweichenden Varietãten. Werfen wir einen Blick auf das konlaete Material. Die drei erwillmten Varietãten sind:

1/ Ein "Normalbaseldeutsch" ohne auffállige archaisierende Zii­ ge oder Neuerungsanteile. Anlautendes k und r wurden konse­ quent in der traditionell als stãdtisch angesehenen Variante realisiert, also als Verschlusslaut bzw. uvulares r.

2/ Eine von der unter ( l) beschriebenen Varietii.t nur hinsichtlich

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des anlautenden k konsequent abweichende Varietãt, hier ist [k] durch [x] ersetzt

3/ E �ne von (2) zusãtzlich hinsichtlich des r abweichende Varietii.t. D1es� M�rlanal�kombin�tion entspricht dialektgeografisch den . Verhãltrussen mcht nur m der nãheren Umgebung von Basel sondem eines grossen Teils der deutschen Schweiz.
'

Systemlinguistisch betrachtet ist der Kontrast zwischen (l) und (3) am grõssten, (2) nimmt eine Mittelstellung ein. Zieht rnan in Betracht, dass r weit hãufiger vorkommt als anlautendes k, so wãre der Ko�trast zwischen (l� und (2) geringer als der zwischen (2) und (3). W1e werden nun d1ese Lautkontraste im semantischen Dif­ ferential tatsãchlich evaluiert? In Tabelle l sind die wichtigsten Resultate zusammengefasst In ?er mit "[�]/[x]" überschriebenen Spalte fungiert der Kontrast zWischen y�etãt (l) und (2)� in der nãchsten Spalte derjenige zwi­ schen Vanetat (l) und (3), w1ederum rechts davon schliesslich der Kontr.ast zwischen Varietii.t (2) und (3). Lautsymbole und Pfeile in den emzelz:en Zellen der Tabelle geben Art, Richtung und Stãrke der evaluattven Priiferenz an. Es sind nur signifikante Differenzen dargestellt (p-Wert im gepaarten t-Test unter 0.10: kurzer Pfeil' unter 0.05: mittlerer Pfeil; unter 0.01: fetter Pfeil). 2 . SIC� den Koz:trasten �ede�tungen unterlegen? Was zuerst ins Auge . spnn� Ist �1e Deut hchke1� (und die dahinter verborgene Einheit­ Was fállt bei der Betrachtung der Übersicht nun auf? Lassen

_ _ trad1t10nellen lichkeit), nut der die stãdtischen Varianten besser evaluiert werden. Pfeile, die nach links, das heisst zu den fast durch­ weg� �ositiv konnotierten Merkmalen ("schon", "gut", etc.)ieigen, dom1meren das Bild.

2. Z':r

Teststatistik: Es wurd�n der gepa�rte t-�es� für abhãngige _ .. St1c proben durchgefuhrt D1e p-Werte smd dieJemgen für eine un­ spezlfische Hypothese. Pro Bewertungsitem waren 3 Tests durchzu­ führen (für jedes arietatenpaar einer, insgesamt 3 x 15 90 Tests). Fehlende Werte (msgesamt weniger als 10%) wurden nicht ersetzt. _ Als Programm d1ente SAS-JMP 3.0.2 für den Macintosh.

y

=

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Als Zweites fállt auf, dass das Ausmass der evaluativen Kon­ traste nkht mit dem Ausmass der systemlinguistischen Kontraste übereinstimmt. Der artikulationsphonetisch gesehen geringste Kon­ trast in der Spalte links, also der Kontrast zwischen velarem Ver­ schluss- und Reibelaut- kopf- chop f- vereinigt die meisten und deutlichsten evaluativen Differenzen: auf sich. Dagegen wird der lin­ guistisch gesehen grõssere Kontrast, wie er in der rnittleren Spalte dargestellt ist- es geht immerhin um eine Differenz bei zwei Pho­ nemen -, weniger deutlich und eindeutig evaluiert Aus dem ar­ tikulationsphonetisch und, was die Vorkommenshãufigkeit des Lau­ tes betrifft, deutlichen Kontrast zwischen uvularem und dentalem r schliesslich resultiert nur noch eine marginale evaluative Differenz. Betrachten wir nun die Bewertungsitems in der linken Spalte als semantische Features im Sinne der Merkmalssematik, so kõnnen wir folgende Interpretationen vomehmen:

Verschluss-k gilt gegenüber verschobenem Reibe-ch als leich­ ter verstãndlich, weicher, sympathischer, schõner, besser, hoch­ wertiger, feiner, gebildeter und stãdtischer. In immerhin 9 von 15 mõglichen Fállen, rechnen wir "stãdtisch" dazu, wird das Ver:schluss-k semantisch gesehen deutlich positiver evaluiert Dabei sind sowohl affektive als auch kognitive Elemente ver­ treten. Der phonetisch grõsste Kontrastt, wie ·er in der mittleren Spalte dargestellt ist, unterliegt immer noch einer deutlichen Evalua­ tion, er ist aber schwãcher als der phonetisch kleinere Kontrast in der ersten Spalte. Drei der als affektiv zu bezeichnende Fea­ tures, weich, sympathisch und gut, zeigen keine evaluativen Differenzen mehr. Bei den kognitiveri Features bleibt die Dif­ ferenz bestehen, sie ist zum Teil sogar noch verstãrkt. Eine neue Differenz kommt hinzu: die "lãndliche" Variante wird nun deutlich "natürlicher" evaluíert. Bezüglich des r sind die evaluativen Differenzen marginal, das heisst beschrãnkt auf "natürlich" und entgegengesetzt zum grõsseren Kontrast

Annãherungen an die Semantik plwnologischer Marker

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Tabelle l. D ifferenzen

in den Evaluationen /autlicher Kontraste im semantischen Differential: [k] und [R] a/s traditione/1 stãdtische Varianten
lautlicher Kontrast [k]/[X] [k)![X] & [R]/[r] [R)l[r] Merkmal
veraltet indirekt

Merkmal
zeitgemass direkt natürlich treffend leicht verstãndl. weich

[k], [R] �[k) �(k] �[k]
b [k] b

-7

�[R]

künstlich deplaziert schwehr verstli.ndl. hart auffállig unsympathisch ungemütlich

Wlauffállig
sympathisch gemütlich scheín gut hochwertig
fein

[k] , [R]

hasslich schlecht

�[k] +-[k] �[k] +-[k] �(k] �[k], [R] +-[k], [R) +-[k), [R] �[k], [R]

minderwertig g rob
ungebildet lá'.ndlich

gebildet stadtisch

Die durchwegs positive Bewertung des uvularen r im Basler Sample steht in einem gewissen Gegensatz zu einer Untersuchung von Werlen für das Berndeutsche. In einem Test wurde in Bern uvulares r deutlich negativ beurteilt, allerdings nicht ohne Ambiva­ lenzen: Ein Faktor der "sozialen Stellung" lud günstigere Evalua­ tionen fiir das uvulare r, ein starker "affektiver'' Faktor fiir das api­ kale (1980: 58f)). Die Tatsache, dass gleiche Lautvarianten in zwei Stãdten ganz unterschiedlich evaluiert werden, zeigt, wie sehr Laut­ geschichte und Sozialpsychologie regional ineinandergreifen - und darnit auch, dass wir es keineswegs mit natürlichen Bedeutungen zu tun haben.

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Lorenz HOFER

Es ist doch erstaunlich, dass im Mikrobereich sprachlicher Variation offensichtlich gãnzlich unerwartet Diskontinuitãten in der Evaluation auftreten: Semantisch zu interpretierende Kontraste in der Evaluation bestimmter Varianten scheinen vom Vorhandensein oder Fehlen bestimmter anderer Varianten, in diesem Falle von ei·· ner bestimmten Variante des r, abzuhãngen. Irn vorliegenden Fali scheinen im Besonderen affektive Komponenten durch minimale Differenzen im auditiven Input gleichsam ein- oder ausgeschaltet zu werden. In der Psychologie wurde der Begriff der Moderatorvaria­ ble geprãgt. Moderatorvariablen steuern die Effekte anderer Varia·· blen (Schmitt 1990). Man kann die r-Variable im Baseldeutschen in diesem Sinne durchaus als Moderatorvariable ansehen, die lin­ guistisch an der Peripherie des Basler Repertoires anzusiedeln ist. Wir haben es demnach in Bezug auf die Bedeutungen von sprachlichen Variablen im Labovschen Sinne rnit Bedeutungen zu tun, die einerseits innerhalb der Sprachgemeinschaft relativ stabile Anteile haben, wie etwa die Evaluatíonen hinsichtlich "stãdtisch", "gebildet" oder "hochwertig" zeigen, die andererseits jedoch auch dynamisch sind. Dynarnisch heisst dabei, dass sie durch das Fehlen oder Auftreten anderer Varianten, in diesem Falle von Varianten des r, abhãngen: Die eine, für sich genommen im Sinne einer Merk· malssemantik nicht sonderlich bedeutsame Variable triggert gleich­ sam Bedeutungskomponenten einer an em.

?

Letzlich ist dies der sprachhistorischen, -geografischen und sozialen Verteilung der verschiedenen erõrterten Lautvarianten zu­ zuschreiben. Diese spiegelt sich im sehr differenzierten Sprachwert­ system der Basler Sprecherinnen und Sprecher wider. Zusammenfassend kann festgehalten und gefolgert werden:

1/

Linguistisch nur minimal voneinander abweichende Varietãten werden deutlich unterschiedlich evaluiert; andere, stãrker voneinander abweichende, werden kaum unterschiedlich evalu­ iert. Die Summierung der linguistischen Kontraste bringt nicht die erwartete Summierung evaluativer und damit semantischer Kontraste, sondern eine Reduktion. Der Grund dafur ist der, dass es offensichtlich einerseits relativ

2/

Annãherungen an die Semantik phonologischer Marker

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stabile Bedeutungsanteile in der Evaluation bestimmter lin­ guistischer Variablen gibt- hier vor allem bei den Items im unteren Drittel der Tabelle -, andrerseits aber aueh dynamische, die durch andere linguistische Variablen getriggert werden. So werden vor allem affektive Evalualtionen durch eine Vergrõs­ serung des phonetischen Kontrasts ausgeschaltet.

3/ Dieser Befund ist zurnindest für Schweizer Verhãltnisse neu.
Es wurden entweder immer nur weit grõbere Kontraste unter­ sucht oder dann, wie bei Werlen, eine isolierte Lautvariante. Insbesondere die nur schwachen evaluativen Differenzen beim isolierten [R]/[r]-Kontrast waren nic:ht zu erwarten gewesen.

4/ Die �-Variable ist unter kognitivem Gesichtspunkt

am ehesten als Moderatorvariable zu deuten: Selbst in Bezug auf evaluative Differenzen relativ neutral, steuert sie die Evaluation und damit die Bedeutung einer andern Variable, des k. Die eigentliche Bedeutung der r-V arianten lãsst sieh somit nicht auf derselben Merkmalsmatrix wie die der k-Varianten abbilden. Sie scheint vielmehr an der Peripherie des Rep:!rtoires als eine Art Trigger für die Bedeutungen eines anderen Variable- der k-Variable - zu funktionieren.

5! Einmal meru· wird klar, dass die traditionellen Kategorien, die wir als Linguistinnen an unseren Untersuchungsgegenstand,
die Sprache, herantragen, ergãnzungsbedürftig sind, insbeson­ dere wenn es um die soziale Dimension der Sprache geht. Das Wissen, wie es die hier verhandelten Evaluationen und die mit ihnen verknUpften Bedeutungen darstellen, liegt teilweise quer zu linearen, additiven Modellen, von denen wir oft ausgehen. Im vorliegenden Fall werden phonetische Kontraste perzeptiv und evaluativ nicht einfach aufsummiert, sondern sie 'Unter­ liegen einem komplexeren Zus ammenspiel. Dies gilt mõgli­ cherweise auch für aridere Arten von Kontrasten- fur mor­ phologische, lexikalische oder syntaktische. Die Perzeption und Evaluation sprachlicher Variation, wie ich sie hier ansatzweise darzustellen versucht habe, scheint kom­ plexeren kognitiven Prozessen zu unterliegen, als man aus linguis­ tischer Sicht zuerst annehmen konnte. Bei einer genaueren Befra­ gung des hier vorgestellten und ãhnlichen Materials kõnnte man

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versuchen, zwischen individuellen und sozialen, konditionierten und quasi-natürlichen Bedingungen und Ausprãgungen von Eva­ luationen und damit verbundenen Bedeutungen zu unterscheiden. Auch scheint mir lohnenswert, individuelle Evaluationen mit indivi­ dueller Sprachproduktion zu korrelieren und diese Korrelationen au f allfállige soziale und areale Konditionierungen zu befragen. Aus diese Weise liesse sich empirisches Material der kognitiven Felder von Meinen und Verstehen, Sprechen und Hõren verbinden.
A bs t r a c t
Lautliche Va riation im mündlichen S prachrepertoire stlidtischer Sprach­ gemeinschaften ist ein haufiges Phanomen. Solche Variation kovariiert vielfach mit sozialen und situativen Grossen. Aufgrund s olcher Zus am ­ menhange ist z u vermuten, dass m i t der Verwendung bestimmter Varian­ ten bestimmte Bedeutungen assoziiert s ind. Am Beispiel von zwei Lautva­ ri ablen im stii d tischen Sprachrepertoire von B asel wird mithilfe eines subj ektiven Reaktionstests gezeigt, welche S truktur die sozial geteilten Be­ deutungen der zwei Variablen haben. D abei stellt sich heràus , dass inter­ subjektiv erstaunlich einheitliche B edeutungsdifferenzierungen bestehen . Das Zus anunenspiel der Bedeutungen einzelner Lautvariablen untereinan­ der ist jedoch nicht linear; vielmehr kommt es zu B re chungen, die sich m i t e inern Modera torvariablenansatz beschreiben lassen.

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CHRONIQUE. A PROPOS D'EURALEX '94

OU QUELQUES REMARQUES SENS DESSUS DESSOUS SUR LA SÉMANTIQUE LEXICALE ACTUELLE

Georges KLEIBER
Université Strasbourg 2

CNRS URA 1035 LANDISCO - SCOUA

Introduction

n ne s'agit pas d'un compte rendu des Euralex Proceedings p �bliés par Willy Martin, Willem Meijs, Margreet Moerland, Eles­ nuek ten Pas, Piet van Sterkenburg & Piek Vossen (Amsterdam, 1994). Je n'entends pas, en effet, résumer ici les quelque soixante COJ?munications présent�es d ru:s cet imposant recueil (628 pages) qm représente la mémorre écnte du 6e Congres International de Lexicographle Euralex (Amsterdam, 30 aout - 3 septembre 1 994) mais, comme l'indique le titre Quelques remarques sens dessu � dessous sur la sémantique lexicale, je me pencherai avant tout sur des problemes de sémantique lexicale débattus dans l'ouvrage.

Avec une restriction donc pour commencer, celle de n'abor­ der que le point de vue du sémanticien et du lexicologue, essentiel­ lement adopté dans la premiere partie Word meaning l lexical mea­ ning. Non pas que les autres aspects manifestés dans les articles présentés, essentiellement ceux de la lexicographie .et du traitement automatique du langage naturel (NLP), ne soient pas intéressants. Les propositions et innovations formulées sur ce versant méritent incontestablement de retenir l'attention et ont l'avantage appréciable de pouvoir être testées immédiatement par les praticiens. Les passe-

SCOLIA
Sciences Cognitives, Linguistique & Intelligence Artificielle

SEMANTIQU-E COGNITION
sous la direction de Martin Riegel

/

ET

Publication de l'Université des Sciences Humaines de Strasbourg

W9 1996