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Zurück zur Zukunft?

Eine inhaltsanalytische Betrachtung der Feuilletonteile von FAZ und SZ im Zeitraum von 1999 bis 2002 unter besonderer Berücksichtigung von Themen, Darstellungsformen und Kulturbegriff.

Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades eines Diplom-Journalisten (Dipl. Journ. Univ.) der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-MaximiliansUniversität München

Referent: PD Dr. Thomas Knieper Eingereicht von: Konrad Lischka (Menzinger Str. 120, 80997 München, kl (at-Zeichen) konrad-lischka.de) München, den 18. März 2004

INHALT
1 2
2.1 2.2 2.3

Einleitung......................................................................................... 3 Begriffsdefinitionen ........................................................................ 6
Feuilleton................................................................................................................6 Kultur und Kunst ...................................................................................................8 Zwischenfazit: Systematisierung der Definition...............................................14

THEORETISCHER TEIL: FEUILLETON UND KULTUR ................................... 6

3
3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8

Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung . 17
Vorläufer des Feuilletonressorts .......................................................................18 Institutionalisierung des Feuilletons im 19. Jahrhundert ................................19 Rezension und Räsonnement im Feuilleton um die Jahrhundertwende .......22 Der Erste Weltkrieg im Feuilleton ......................................................................24 Der weite Kulturbegriff deutscher Feuilletons in den zwanziger Jahren .......25 Vom Feuilleton zur Kulturpolitik im Dritten Reich............................................29 Feuilleton in der Nachkriegszeit in West- und Ostdeutschland......................31 Zwischenfazit: historische Feuilletonprofile.....................................................34

4
4.1 4.2 4.3

Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton .. 37
Der erweiterte Kulturbegriff ................................................................................37 Aus dem erweiterten Kulturbegriff abgeleitete Kritik am Feuilleton ..............38 Zwischenfazit: Forderungen an das Feuilleton ................................................41

5
5.1 5.2 5.3 5.4

Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach
Kommunikatorforschung....................................................................................43 Untersuchungen der Medieninhalte ..................................................................47 Rezipientenforschung .........................................................................................56 Zwischenfazit: Kultur und Feuilletons...............................................................64

Erweiterung des Kulturbegriffs ..................................................................... 43

6
6.1 6.2 6.3 6.4

Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer
Feuilletonkonzepte ..............................................................................................66 Feuilletonisten diskutieren Inhalt und Präsentation ........................................70 Feuilletonprofile von FAZ und SZ ......................................................................72 Zwischenfazit .......................................................................................................76

Konzepte ........................................................................................................ 65

1 Einleitung

2

EMPIRISCHER TEIL: FEUILLETON VON FAZ UND SZ 1997 BIS 2003 ....... 78 7
7.1 7.2 7.3

Stand der Forschung und Forschungsziel ................................. 78
Forschungsstand ................................................................................................78 Forschungsziel ....................................................................................................79 Hypothesenbildung .............................................................................................80

8
8.1 8.2 8.3 8.4

Anlage der Untersuchung ............................................................ 85
Inhaltsanalyse als Methode der Untersuchung ................................................85 Auswahl des Untersuchungsmaterials / Stichprobenziehung........................87 Operationalisierung zum Kategoriensystem ....................................................93 Reliabilität und Validität ......................................................................................97

9
9.1 9.2 9.3

Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der
Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im Vergleich zu 1999 .......101 Entwicklung der FAZ und SZ nach dem Mitarbeiterwechsel im Juli 2001 und Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum................................135

Forschungsfragen ........................................................................................ 101

Ankündigung neuer redaktioneller Angebote ......................................................................118

10
10.1 10.2 10.3 10.4

Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse .............. 146
Der Wandel der Feuilletons von FAZ und SZ..................................................146 Parallelen zu historischen Feuilletonprofilen .................................................151 Vergleich mit Kritik am Feuilleton infolge des erweiterten Kulturbegriffs...153 Fazit, Diskussion, Ausblick ..............................................................................157

Literaturverzeichnis ...................................................................................... 162 Ehrenwörtliche Erklärung ............................................................................ 175 Lebenslauf ..................................................................................................... 176 ANHANG ..........................................................................................................A1 Codebuch.........................................................................................................A1 Codierbögen ..................................................................................................A33 Ergebnisse des Pretests ..............................................................................A34 Tabellen .........................................................................................................A37 Agenturmaterial zur Recherche ereignisdominierter Wochen .................A49 Aussagen der Feuilleton-Ressortleiter .......................................................A59

1 Einleitung

3

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Einleitung

Im Oktober 2003 lobte die Bild-Zeitung das FAZ-Feuilleton und dessen Herausgeber Frank Schirrmacher mit einer Selbstverständlichkeit, die vor wenigen Jahren wohl kaum möglich gewesen wäre. Kolumnist Franz-Josef Wagner preist als herausragende Persönlichkeiten neben „Stoiber und Gewerkschaftsboss Sommer, weil sie miteinander reden“, „Superminister Clement“ und „Rudi Völler“ auch „Frank Schirrmacher von der FAZ, weil er das mutigste Feuilleton Deutschlands macht“ (WAGNER, 2003, S. 2). Wagner erklärt den gut zwölf1 Millionen Lesern Deutschlands größter Kaufzeitung nicht, wer Frank Schirrmacher, was das FAZ-Feuilleton und wo der Mut ist. Offenbar sieht der Autor das als Allgemeinwissen an. Die Selbstverständlichkeit dieser Reihung in diesem Medium ist durch eine von vielen Feuilleton- und Medienjournalisten beschriebene „radikale Ausweitung des Feuilletons“ (STEINFELD, 2003) in den vergangenen Jahren möglich geworden. In den Jahren 2000 und 2001 rückten inhaltliche und personelle Veränderungen die Feuilletons von Frankfurter Allgemeiner und Süddeutscher Zeitung stark in den Fokus der Medienseiten großer Wochenmagazine und der Titelseiten journalistischer Fachzeitschriften. Den Abdruck einer Sequenz des menschlichen Genoms im FAZ-Feuilleton feierten viele Medien. Und vermutlich wurde durch die so kommunizierten „Paradigmenwechsel“, „Distinktionsgewinne“ (SEIFERT, 2004) und Versuche, „eine Art von intellektueller Alleinherrschaft zu etablieren“ (STEINFELD, 2003) Frank Schirrmacher samt FAZFeuilleton prominent genug für BILD-Kolumnen. Der viel beachtete thematische Wandel begann, als die FAZ am 6. Juni 2000 einen Artikel des US-Computerunternehmers Bill Joy über neue Technologien unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“ druckte. Es folgten weitere Debattenbeiträge zu Themen aus angewandten Naturwissenschaften und die Ankündigung eines neuen Feuilletonangebots unter dem Schlagwort der „dritten Kultur“. Dem inhaltlichen Wandel folgte ein personeller. Im Februar 2001 wechselten vier leitende FAZ-Feuilletonisten zur Süddeutschen Zeitung. In die andere Richtung wanderten im März 2001 fünf Mitarbeiter des SZ-Feuilletons ab. Das SZ-Feuilleton kündigte eine Erweiterung und Umgestaltung seines Angebots an und startete am 25. September 2001 eine tägliche Literaturseite. Während also Feuilletonpraktiker zwei der prestigeträchtigsten, überregionalen deutschen Tageszeitungen sich offenbar einen Konkurrenzkampf lieferten, stand die Feuilletonforschung so gut wie still. Still zumindest im Vergleich zu den vor eineinhalb Jahrzehnten gestellten Ansprüchen: 1988 forderte der Münchner Philologe

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laut MA 2/2003, vgl. http://www.mediapilot.de/cda/index.php?cn=1499&np=25&nt=3&v=0, Stand: 9.3.2004

1 Einleitung

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Georg Jäger „eine Verbindung von bibliographischer Erschließung und empirischer Forschung mit Mitteln der Statistik und Inhaltsanalyse“ (JÄGER, 1988, S. 70) zur Erforschung historischer Feuilletons. Die historische Feuilletonforschung ist nicht zu diesem „Großunternehmen“ (KAUFFMANN, 2000, S. 11) geworden. Doch Forschung fehlt auch zu aktuellen Feuilletoninhalten. Literaturwissenschaftlicher wie Norbert Bachleitner stellen fest, dass insbesondere „die Vertreter des Faches Publizistik und Kommunikationswissenschaft in letzter Zeit wenig Interesse an der weiteren Erforschung des Feuilletons zeigen, ...“ (BACHLEITNER, 2002). In der Tat stammen die aktuellsten systematisch mit einem inhaltsanalytischen Instrument gewonnenen Ergebnisse zu Feuilletoninhalten aus der Analyse von Medieninhalten einer Woche im Jahr 1993 (STEGERT, 1998). Das bestätigt die Auffassung der mit dem Feuilleton beschäftigten Forscher, dass ihr Feld bislang nur in wenigen, zeitlich und thematisch eingeschränkten, oft historischen „Fallstudien“ beackert wurde (BACHLEITNER, 2002). Dabei ist die Untersuchung gegenwärtiger Feuilletoninhalte für die Kommunikationswissenschaft von besonderem Interesse. Denn seitdem Ende der sechziger Jahre Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher erstmals einen auf Hochkultur im engeren Sinne beschränkten Kulturbegriff und mangelnde Vielfalt ihrer Darstellung in Feuilletonressorts kritisierten (GLOTZ / LANGENBUCHER, 1993), haben die wenigen folgenden Arbeiten diese Kritik zum Teil bekräftigt, zum Teil revidiert. So stellte eine Studie von Feuilletoninhalten aus dem Jahr 1988 fest, dass darin „Kultur im Wesentlichen als Theater, Musik, bildende Kunst und Literatur“ definiert würde (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172). Andererseits entdeckten zwei Untersuchungen (BITALA, 1993 / STEGERT, 1998) in Inhalten Anfang der neunziger Jahre schwache Anzeichen für eine Erweiterung des Kulturbegriffs der Feuilletons. Hier setzt die vorliegende Arbeit an. Sie soll zum einen erforschen, wie sich die Feuilletonressorts von FAZ und SZ nach Beginn der Joy-Debatte 2000 und den Ankündigungen inhaltlicher Veränderungen in beiden Feuilletonressorts 2001 entwickelt haben. Zum anderen soll sie diese Entwicklung in den Kontext bestehender Kritik an Feuilletonressorts und vorliegender Erkenntnisse zu historischen Feuilletonprofilen einordnen. Als Basis dafür klärt Kapitel 2 (S. 6ff.) die in dieser Arbeit verwendeten Bedeutungen der oft unterschiedlich gebrauchten und mit verschiedenen Wertungen verbundenen Begriffe Feuilleton und Kultur. Denn nur auf Basis einer Klärung der Dimensionen von Kultur kann die Arbeit etwaige Erweiterungen des Kulturbegriffs in Ressorts entdecken, beschreiben und einordnen. Das dritte Kapitel umreißt (S. 17ff.) die historische Vielfalt der Erscheinungsformen des Feuilletons als Ressort. Auf dieser Basis soll die Arbeit Erkenntnisse zur Entwicklung der Inhalte von FAZ- und SZ-Feuilleton kontextualisieren. Kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen von Feuilletoninhalten beziehen sich seit gut drei Jahrzehnten auf die zuerst von Glotz und Langenbucher formulierte Kritik an Kulturbegriff und Darstellung von Kultur in Feuilletons. Diese Kritik und die

1 Einleitung

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kulturelle Entwicklung der sechziger Jahre als ihren Hintergrund stellt Kapitel 4 dar (S. 37ff.). Auf dieser Basis soll geprüft werden, ob konkrete Kritikpunkte auch auf die untersuchten Inhalte der FAZ- und SZ-Feuilletons zutreffen. Die auf Glotz und Langenbuchers Kritik folgenden Untersuchungen beziehen sich zum größten Teil auf ihre Kritik. Die – wenigen – Untersuchungen zu Kommunikatoren, Inhalten und (potenziellen) Rezipienten der Feuilletons sind daher nicht nur als Überprüfung der Aktualität der Kritik am Feuilleton aus den späten sechziger Jahren interessant, sondern zugleich als Grundlage für eine mögliche Präzisierung und Neuformulierung einzelner Kritikpunkte. Zu fragen ist in Kapitel 5 (S. 43ff.) also zum Beispiel: Zeichnen sich in den Feuilletoninhalten neue Berichterstattungsmuster ab? Und: In welchem Ausmaß nutzen Rezipienten Feuilletoninhalte? Lassen sich Rezipienten entlang eines überwiegenden Interesses für Populärkultur einerseits und Hochkultur andererseits teilen? Während die Untersuchungen von Feuilletoninhalten mit Anfang der neunziger Jahre enden, beginnen die Debatten unter Feuilletonkommunikatoren über neue Konzepte für das Ressort in dieser Zeit. Die angekündigten personellen und inhaltlichen Veränderungen in den Feuilletons von FAZ und SZ stehen bislang am Ende dieser in Kapitel 6 (S. 65ff.) dargestellten Entwicklung. Umfassende wissenschaftliche Studien dieser Konzepte fehlen bislang. Eine Darstellung der Kommunikatoraussagen zu diesen Konzepten und der wenigen Untersuchungen dient jedoch dem Erkenntnisinteresse dieser Arbeit. Denn zum einen begründen konkrete Veränderungen der Angebote Untersuchungszeitraum und Untersuchungsobjekte der Arbeit. Zum anderen soll die Arbeit die Inhalte der untersuchten Angebote nicht nur unter- und miteinander im Lauf der Zeit vergleichen, sondern auch in die Debatte über Feuilletonprofile einordnen. Basierend auf dem in den ersten Kapiteln erarbeiteten theoretischen Wissen formuliert Kapitel 7 (S. 78ff.) den Forschungsbedarf, das Forschungsinteresse und konkrete Forschungsfragen und Hypothesen dieser Arbeit. Die dafür verwendete Methode diskutiert Kapitel 8 (S. 85ff.). Hier wird auch das Instrument entwickelt und geprüft. Die damit gewonnenen Ergebnisse stellt Kapitel 9 (S. 101ff.) dar. Das abschließende zehnte Kapitel (S. 146ff.) fasst die Ergebnisse zusammen, verknüpft sie mit den in historischen Arbeiten erforschten Feuilletontraditionen und prüft, ob und in welchem Ausmaß die erstmals Ende der 60er Jahre am Feuilleton geübte Kritik auf die untersuchten Inhalte zutrifft. Ein Blick auf mögliche Anknüpfungspunkte für Folgestudien in dieser Arbeit und die sich aus ihren Erkenntnissen ergebenden Fragestellungen schließt die Arbeit ab. Wichtige, den Inhalt der jeweiligen Abschnitte andeutende Textfragmente sind im Fließtext sind zur besseren Orientierung beim Überfliegen der Arbeit gefettet. Zudem fasst am Ende jedes Hauptkapitels ein Zwischenfazit die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

2 Begriffsdefinitionen

6

THEORETISCHER TEIL: FEUILLETON UND KULTUR
2
2.1

Begriffsdefinitionen
Feuilleton

Mit dem Begriff Feuilleton meinen Sprecher und Schreiber immer schon gänzlich Verschiedenes. Das Fehlen einer einheitlichen Begriffsbestimmung beklagt schon eine der ersten Forschungsarbeiten zum Thema (ECKSTEIN, 1876, S. 5). Im Lauf der Zeit sind jedoch drei wesentliche Bedeutungsebenen konstant geblieben, gleich, wie ihre Bedeutung im Einzelnen bestimmt wurde: das Feuilleton als eine Darstellungsform, als ein Stil und das Feuilleton als ein Ressort. (vgl. DOVIFAT, 1967, S. 60) Die Beitragsform Feuilleton, auch „Kleine Form“ genannt, „schildert in betont persönlicher Weise die Kleinigkeiten, ja Nebensächlichkeiten des Lebens“. (REUMANN, 1999, S. 114) Dies tut sie jedoch mit einem anderen Ziel als der reinen Beschreibung, denn „dabei klingt Wesentliches an und wird Allgemeingültiges geistig wirksam.“ (PÜRER, 1996b, S. 202). So verstanden leitet also ein Feuilleton Thesen über größere Zusammenhänge aus Beobachtungen kleinerer Sachverhalte ab. Für diese Arbeit ist ein solcher Feuilletonbegriff nicht brauchbar. Es handelt sich um eine Form unter vielen möglichen. Als Stil verstanden, zeichnet sich das Feuilleton - beziehungsweise der Feuilletonismus - durch den Gebrauch rhetorischer Figuren aus wie „Antithese, Klimax, Parallelismus, ...“ und dergleichen mehr, was bei Übertreibung dazu führt, dass „ein verschwommener, bildhafter Stil (...) durch sprachliche Brillanz vom Sachlichen ablenkt und Ernstes und Leichtes nivelliert.“ (REUMANN, 1999, S. 114) Diese Definition lehnt sich an Wilmont Haackes Ausführungen über die „Anleihen des Journalismus bei der Literatur zugunsten seiner Feuilletongestaltung“ (HAACKE, 1952, S. 133f.) an. Diese Anleihen bei „vorhandenen literarischen Spielarten der dichterischen und schriftstellerischen Schilderungsweisen“ dienten der „Anschaulichmachung erlebter, erdachter oder erträumter Zusammenstöße von Welt und Geist“. (HAACKE, 1952, S. 133) Die blumige Definition Haackes zeigt: So wie das Feuilleton als Beitragsform einen zu engen Ausschnitt des Materials erfasst, ist der Feuilletonismus als Stil so weit gefasst, dass sich darunter letztendlich die gesamte Presse fassen lässt. Ein Beispiel dafür sind die Aussagen über den „Sieg des Feuilletons in allen Sparten“ (MEUNIER / JESSEN, 1931, S. 110), die Forscher und Praktiker in den zwanziger und dreißiger Jahren gern trafen. Mit

2 Begriffsdefinitionen

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Feuilleton meinen diese Autoren stilistische Merkmale, deren Ursprung sie im Feuilleton verorten: „Wenn die sensationelle Nachricht irgendwie geformt wird, wenn also der trockene Bericht irgendwie künstlerisch gestaltet wird, dann sinkt in gewisser Weise das Interesse an der Sensation selbst zugunsten des Interesses an dem Bericht über die Sensation.“ (MEUNIER / JESSEN, 1931, S. 123) Dieser stilorientierten Tradition folgend könnten die Inhalte des heute als Feuilleton bezeichneten Ressorts unter Umständen gar nicht feuilletonistisch sein. Für das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit ist ein solcher Feuilletonbegriff nicht geeignet. Bei der Betrachtung historischer Feuilletonprofile müssen die Begrifflichkeiten mit äußerster Vorsicht geprüft werden. Als geeignetste Bezugsebene des Begriffs Feuilleton scheint das so genannte Ressort, das der Definition Reumanns nach „die kulturellen Nachrichten, Analysen und Kritiken des kulturellen Lebens sowie Rezensionen und literarische Unterhaltung wie Roman und Kurzgeschichte bringt.“ (REUMANN, 1999, S. 113) Diese Begriffsbestimmung steht in einer langen Tradition, die das Feuilleton als ein spezielles Angebot sieht, das sich vor allem mit besonderen kulturellen Manifestationen beschäftigt. Die etymologische Herkunft des Begriffs Feuilleton stützt diese Verwendung. Als frühster in der Literatur zu findender Zeitpunkt der Verwendung des Begriffs Feuilleton gilt das Jahr 1738. (MATTAUCH, 1964, S. 273) In einer französischen Zeitschrift bezeichnet ein Autor damit ein Projekt, in einem besonderen Teil einer Zeitschrift in regelmäßiger Folge Bücher zu besprechen. Mattauch sieht es als erwiesen an, dass der 1738 erwähnte Herausgeber in seiner Zeitschrift für das Feuilleton „eine ähnliche Unterteilung seines Bogens, wie sie in formal-technischem Sinne für 1790 belegt ist“ (MATTAUCH, 1964, S. 273) plante. Durch diese Funktion als „Besprechungsteil für Bücher“ wird der Begriff in einer Art verwendet, die „dem modernen Sprachgebrauch zwar nahe, für eine eindeutige Gleichsetzung aber nicht nahe genug kommt“. (MATTAUCH, 1964, S. 273) Dieser moderne Sprachgebrauch geht zurück auf die Einrichtung des Feuilletons als eigenständiges Ressort an einem festen Platz in der französischen Zeitung „Journal des Débats“ vom 19. Februar 1800 an. Dieses Verständnis des Feuilletons als „Fachressort der Kritiker und Rezensenten, zuständig für den Bereich der Veranstaltungskultur inkl. Belletristik“ (HALLER, 2002, S. 12) sowie als das Ressort, in dem Literatur veröffentlicht wird ergänzt Michael Haller um die Funktion als „Bühne für Dichter und Denker, die Geistreich-Kritisches über Kunst, Wissenschaft und Zivilisation publizieren und replizieren“ (HALLER, 2002, S. 12). Das Feuilleton hebt sich in dieser Tradition also durch eine thematische und gestalterische Trennung vom restlichen redaktionellen Angebot einer Zeitung ab. Näher zu definieren ist allerdings die vorrangige Zuständigkeit für ein Themenfeld, das mit Begriffen wie Kultur, Kunst und Geistreich-Kritisches nur sehr vage umrissen ist. Denn ohne diese Arbeit bleiben Definitionen des Feuilletons wie „die redaktionelle Zuständigkeit für ‚das Kulturelle’“ (REUS, 1999, S. 7) problematisch. Denn: Ist dann nicht auch ein Wissenschafts-, ein Medien- oder ein Gesellschaftsressort dem Feuilleton zuzuordnen? Zu definieren ist also „das Kulturelle“.

2 Begriffsdefinitionen

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2.2
2.2.1

Kultur und Kunst
Kultur

Wenn diese Arbeit eine Aussage über die Themen im Feuilleton als Ressort, das sich vorrangig mit dem kulturellen Subsystem beschäftigt, treffen soll, muss zunächst der Begriff Kultur und die Vielfalt der damit verbundenen Wertungen geklärt werden. Die Menge an Büchern, Reden und Aufsätzen mit dem Titel „Was ist Kultur?“ (z.B. NAUMANN, 2000; EAGLETON, 2001) zeugt von dem unbefriedigten Bedarf an Definitionen. Resümierend hat die Soziologin Margaret S. Archer Kultur als einen der am wenigsten ausgearbeiteten Begriffe ihres Fachs beschrieben (ARCHER, 1996, S. 1). Ähnlich vieldeutig ist schon der alltägliche Gebrauch des Begriffs Kultur: Sprecher bezeichnen damit einen gewissen, als gehoben wahrgenommenen Lebensstil innerhalb einer Gesellschaft oder bestimmte Wertvorstellungen oder aber Kunst. In dieser Arbeit wird der Begriff Kultur in seiner weitesten Bedeutung verwendet, die Hans Matthias Kepplinger so definiert hat: „Kultur ist die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie tragenden materiellen und immateriellen Werte. Zur Kultur in diesem Sinne gehören die Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen der Bevölkerung, die technischen, organisatorischen und institutionellen Einrichtungen, mit deren Hilfe und in deren Rahmen sie angewandt und ausgeübt werden, sowie die materiellen und immateriellen Produkte dieser manuellen und geistigen Tätigkeiten.“ (KEPPLINGER, 1975, S. 13) In der Feuilletonpraxis hilft eine so weite Definition wenig, das Themenfeld dieses Ressorts abzustecken. Denn würden die Redakteure ihre Arbeit daran ausrichten, unterschiede sich die thematische Ausrichtung des Feuilletons womöglich wenig von der anderer Ressorts. Für diese Arbeit jedoch schafft der so weit gefasste Begriff eine notwendige Klarheit: Andere Verwendungen des Begriffs Kultur bezeichnen lediglich Ausschnitte, die aufgrund historischer Traditionen oder nicht immer transparent gemachter Wertungen Kultur genannt werden. Dieses Ordnen, Kategorisieren und Hierarchisieren nennt der Literaturwissenschaftler Siegfried Johannes Schmidt „charakteristisch für das Programm Kultur“. Er meint damit, „..., daß es nicht nur die Herstellung von kulturellen Manifestationen, sondern auch deren Beobachtungen und Bewertungen steuert.“ (SCHMIDT, 1991, S. 37) Diese Beobachtung resultiert bei Schmidt aus seiner konstruktivistisch inspirierten Definition von Kultur als „... Gesamtprogramm (i.S. von Computersoftware) kommunikativer Thematisierungen des Wirklichkeitsmodells einer Gesellschaft ...“ im Sinne von „... Legitimation, Interpretation, Reflexion und Veränderung der Eckwerte des kategorialen Rahmens“ (SCHMIDT, 1991, S. 37). Oder kurz ohne Verweis auf die konstruktivistische Tradition gefasst: „Kultur ist die Summe schöpferischen Handelns von Menschen. (...) Was sie stiftet, ist ‚Sinn’.“ (REUS, 1999, S. 23)

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Diese Definition grenzt den Gegenstandsbereich nicht wesentlich enger oder weiter ein als die Kepplingers. Doch sie konkretisiert eine wesentliche Feststellung: Die Idee, Kultur sei etwas Gegebenes, mit dem sich das Ressort Feuilleton zu beschäftigen habe, kann als so wenig gesichert gelten, dass sie für diese Arbeit nicht brauchbar ist. Die Bestimmung des Begriffs Kultur muss also Wertungsmuster aufzeigen und eine Betrachtung historischer Feuilletonprofile die Tradition dieser Kulturbegriffe in Feuilletons darlegen. So können Referenzpunkte für Analyse und Einordnung der Ergebnisse geschaffen werden. 2.2.2 Kunst als Kultur im engeren Sinne

Der Begriff Kunst bezeichnet einen Teil der Kultur (vgl. HOFFMANN, 1985, S. 126) Nicht wertend gebraucht, verweist der Begriff auf „jenes gesellschaftliche System (...), das primär mit expressiven Symbolen ästhetische Synthesen hervorbringt.“ (SAXER, 1995, S. 5). Dieses gesellschaftliche Subsystem – häufig auch als Kulturbetrieb bezeichnet - ist klar von anderen zu trennen. Es zeichnet sich aus durch: „relativ klare Grenzen gegenüber anderen gesellschaftlichen Teilbereichen, interne Ausdifferenzierung in kulturelle Teilsektoren, professionalisierte Rollen der Kulturschaffenden usw.“ (WEIß, 1992, S. 734) Die Betonung der Gestaltung nach bestimmten ästhetischen Prinzipien als Merkmal der Kunst neben der klaren Abgrenzung zu anderen gesellschaftlichen Subsystemen kann leicht in eine Wertung überschlagen. Meistens wird mit wertender oder auch lediglich trennender Absicht Kunst im Wortsinn von Hochkultur verwendet. Anders in dieser Arbeit: Der Begriff Kunst wird lediglich im Sinne der Definition Saxers und Weiß’ synonym zu Kulturbetrieb zur Bezeichnung des beschriebenen gesellschaftlichen Subsystems verwendet, Kunst wird hier also als Kultur im engeren Sinne – dem der „ästhetischen Synthese“ mit „expressiven Symbolen“ (SAXER, 1995, S. 5) – verstanden. Dieses Subsystem gilt weit stärker als eigentlicher Zuständigkeitsbereich des Feuilletons als andere Teile der Kultur. So fordert etwa Dieter Hess in seinem Lehrbuch, der Kulturjournalismus solle „... nicht mehr nach den trennenden E- und UOrdnungsmustern der orthodoxen Feuilletons“ eine Grundlage für die Entscheidung liefern, „... welches Museum, welches Konzert, welches Buch und welcher Film aus welchen Gründen in Frage kommen ...“ (HESS, 1992, S. 11). Daraus folgt: Neben der begrifflichen Trennung zwischen Kultur im weiteren Sinn und ihrem Teilbereichen der Kunst als Kultur im engeren Sinn ist eine weitere Differenzierung nötig. Hier schafft eine Trennung von Populär- und Hochkultur– sofern die Begriffe nicht wertend verwendet werden – zwei weitere Kategorien zur Analyse von Kultur. 2.2.3 Hochkultur und Populärkultur

Eine klare, trennscharfe Definition der Begriffe Populär- und Hochkultur zu finden, ist das Problem jeder Arbeit zum Kulturjournalismus oder zum Ressort Feuilleton. Leider

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liegt eine vollends befriedigende Lösung bislang nicht vor. Die Vielfalt der Herangehensweisen fasst der Kommunikationswissenschaftler Gunter Reus in einem Satz zusammen: „Kunst kann Minderheiten ansprechen oder Mehrheiten suchen, sie kann sich elitär oder populär geben, etabliert oder alternativ, steif oder albern. Profis geben sich ihr hin und Laien.“ (REUS, 1999, S. 28) Reus entscheidet sich allerdings nicht für eine Definition, was dazu führt, dass er mangelnde Vielfalt im Feuilleton kritisiert, jedoch eine systematische Definition dieser Vielfalt jenseits von Einzelfällen schuldig bleibt: „Themen wie Laientheater, Design oder Comics dagegen haben im Feuilleton der Regionalzeitungen ausgesprochenen Seltenheitswert.“ (REUS, 1999, S. 28) Fehlt es nun im Feuilleton an bestimmten Formen kultureller Manifestationen wie Comics? Oder sollen bestimmte Produzentengruppen öfters erwähnt werden, gleich was und in welcher ästhetischen Qualität sie – aus Sicht der Feuilletonautoren - schaffen? Aufgrund dieser Unklarheit folgt hier eine Definition von Hoch- und Populärkultur, die umfangreicher ist als jene in den meisten Arbeiten zum Kulturjournalismus oder Feuilleton. Denn nur, wenn das gesamte Feld der Kultur umrissen ist, kann analysiert werden, welche Teilbereiche Feuilletons bearbeiten. Die Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur ist seit dem 19. Jahrhundert die wichtigste Grundlage für eine wertende Kategorisierung der Kultur. Der Ursprung ist die Etablierung des Bürgertums im 18. Jahrhundert. Dessen Identitätsfindung und politische Emanzipation war mit einem gemeinsamen Kulturverständnis verbunden. Die Germanisten Werfelmeyer und Brackert nennen Kultur im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts „... ein bürgerliches Phänomen unter feudalaristokratischer Herrschaft ...“ und die eigentliche „Emanzipationssphäre des Bürgers. (BRACKERT / WERFELMEYER, 1984, S. 17). Die Kultur des Bürgers ist jedoch eine besondere. Zum einen definiert er ihre Bedeutung nicht mehr nur durch den - fiktiven - Gegensatz zur Natur, sondern trennt nun auch Kultur im Sinne von schöngeistigen Leistungen von wissenschaftlicher Entwicklung. Zum anderen sieht der deutsche Bürger des 19. Jahrhunderts als Kultur nur, was in einer der Idealisierung dienenden Distanz zu Volk, Körperlichkeit, kapitalistischer Produktion und Verwertung, vor allem aber den Marktgesetzen geschieht. Im Lexikon der Kunst wird dies im marxistisch angehauchten Sprachduktus treffend als Beschränkung der Kultur im „bürgerlichen Sprachgebrauch“ auf die „... geistige Kultur (...), die von ihrer materiellen Basis, dem Sein des Menschen losgelöst betrachtet wurde.“ (OLBRICH / STRAUß, 1992, S. 102) Kultur ist also diesem bürgerlichen Kulturbegriff nach eine von den Niederungen der Welt gelöste Teilmenge künstlerischer Produktion. Gelöst auch vom Publikum, was der Kunsthistoriker Dieter Daniels als eine wesentliche Eigenschaft des klassischen, bürgerlichen Kulturbegriffs definiert. Dieser „... räumt der Partizipation des Betrachters, Zuhörers oder Lesers nur einen niedrigen Stellenwert ein. Im Konzert, in der Literatur oder der Malerei wird der kongeniale Nachvollzug des möglichst rein erhaltenen Originals als oberste Maxime gesehen.“ (DANIELS, 2000, S. 145)

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In dieser Verständnistradition entwickelten sich die Begriffe „Bildung“ und „Kultur“ im Deutschland des 19. Jahrhunderts zum Symbol und Mittel einer „verschärften Distinktion ‚nach unten’“ (BOLLENBECK, 1996, S. 246). Unten verortet der bürgerliche Kulturbegriff des ausgehenden 19. Jahrhunderts die breite Volksmasse und seine als billige Unterhaltung beargwöhnte Populärkultur. Als billige Unterhaltung galt ein Werk, das voraussetzungslos jedem Rezipienten unmittelbares, nicht-sublimiertes Vergnügen ermöglicht. Also zum Beispiel „Jahrmärkte, Tanzvergnügen, Karneval (...) derbe Komödien“ (MATTHIESEN, 2000, S. 42) Solche aus bürgerlicher Sicht verabscheuungswürdigen Momente von „Involviertsein, von naiver Verhaftung und ‚vulgärer Verfallenheit’ an leichte Verführung und kollektive Begeisterung“ (BOURDIEU, 2003, S. 69) kann und darf Hochkultur im bürgerlichen Verständnis nicht bieten. Denn: „Distanziertheit, Interesselosigkeit, Gleichgültigkeit (...), sie allein ermöglichten, das Kunstwerk als das zu erkennen, was es wahrhaft sei, nämlich autonom, selbständig ...“ (BOURDIEU, 2003, S. 68) Diese auf den bürgerlichen Kulturbegriff zurückgehende Zweiteilung wirkt noch heute fort. Von der „... Arroganz derer, die sich mit anerkannten Bildungsgütern ausgerüstet wußten ...“ sieht der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase die Geschichte der Massenkultur durchzogen: „Den Nutzern von Massenkultur sprachen die ‚Gebildeten’ jegliche Kritikfähigkeit ab; so legitimierten sie ihr kulturelles Kapital und setzten sich an die Spitze der geistigen Hierarchie.“ (MAASE, 2003a, S. 51) Zu den Kriterien für diese Trennung kam im 19. Jahrhundert die wirtschaftliche Verwertung kultureller Manifestationen hinzu. Diese Definition populärer Kultur über ihre Bindung an kapitalistische Produktion wirkte in den Analysen Adornos fort und schwingt heute noch immer in mancher Kritik an populärer Kultur mit. Zum Beispiel, wenn der Leiter des Zeit-Feuilletons Jens Jessen die „Nobilitierung“ von Produkten der Massenkultur angreift, weil diese „... freilich darüber aus dem Auge verlieren muss, dass es sich um marktstrategisch und industriell, sozusagen von oben erzeugte Produkte handelt, an deren Herstellung das Volk nicht im Geringsten beteiligt ist.“ (JESSEN, 2002b) An dieser Kritik ist sicher die willkürliche einseitige Interpretation der Wirkungsrichtung zu bemängeln. Doch sie ist zur Trennung von Hoch- und Populärkultur ohnehin unbrauchbar und gilt als solche deshalb auch seit Jahrzehnten als überholt. Denn: „Unsere Kultur ist eine Warenkultur, und es ist zwecklos, dagegen auf der Grundlage zu argumentieren, daß Kultur und Profit einander wechselseitig ausschließende Begriffe wären ...“ (FISKE, 2003, S. 17f.) Diese Feststellung betrifft nicht nur die Interaktion von Kunstmarkt und Kunstproduktion, sondern auch andere Bereiche des eingangs nach Kepplinger so weit definierten Kulturbegriffs. Werbung, Marken, Images transportieren ja auch Teile „typischer Lebensformen einer Bevölkerung“ sowie die sie „tragenden materiellen und immateriellen Werte“, teilweise zumindest. Der Einwurf Jessens bezieht sich auch auf eine zweite Definition der Grenze zwischen Hoch- und Populärkultur: die Professionalität der Produzenten. Auf dieses

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Kriterium greift zum Beispiel Michael Bitala in seiner Diplomarbeit beim Vergleich lokaler Kulturseiten von Tageszeitungen mit den entsprechenden Feuilletons zurück. Er sieht als einen Indikator für einen erweiterten Kulturbegriff die häufige Berichterstattung über „Laien- oder Alternativkultur“, kontrastiert durch „etablierte Kultur“ (BITALA, 1993, S. 97). Abgesehen von der Frage, ob eine Schulaufführung von „Iphigenie auf Tauris“ nun von Laien in Szene gesetzte etablierte Kultur ist – solche Ereignisse sind im Hinblick auf das gesamte kulturelle Angebot eine Randerscheinung. Eine brauchbare Trennlinie zwischen populärer und Hochkultur lässt sich hier also nicht ausmachen, es sei denn, man will basierend darauf Jerry Bruckheimer und Thomas Mann und mit ihnen den Großteil rezipierter Kultur einer einzigen, extrem weiten und dadurch erklärungsschwachen Kategorie zuordnen. Als Merkmal zur Trennung von Populär- und Hochkultur reicht die Popularität eines Werks im Sinne von Verkaufs-, Besucher oder sonstigen Nutzungszahlen ebenfalls nicht aus. Denn dann müsste Goethe ob der immensen Gesamtauflage seiner Werke zur populären Kultur gerechnet werden, ein miserabel verkauftes Computerspiel wie „System Shock 2“ hingegen zur Hochkultur. Der Erfolg allein kann also kein Kriterium sein, höchstens ein weiterer Indikator. Denn über die Ästhetik und ästhetische Tradition einer spezifischen kulturellen Manifestation sagen solche Nutzungszahlen wenig aus. Kritisch müssen auch die differenzierteren, meist kunstsoziologischen Versuche gesehen werden, Populär- und Hochkultur über die demografische Struktur ihres Publikums zu trennen. Eine Beziehung zwischen ästhetischen und sozialen Grundlagen der Hochkultur und Populärkultur besteht gewiss. Pierre Bourdieu hat sie in „Die feinen Unterschiede“ belegt, beschrieben und kritisiert (BOURDIEU, 2003). Er hat – wenn auch nur für das Frankreich der sechziger und siebziger Jahre – gezeigt, dass kulturelle Wertungssysteme der Ausfüllung, Darstellung und letztlich Bewertung bestimmter sozialer Positionen dienen und beim Zugang zu den damit verbundenen Kulturgütern bestimmte soziale Gruppen im Vorteil sind. Allerdings hat Bourdieu das empirische Material zum größten Teil in den sechziger Jahren erhoben. Die erst in dieser Zeit beginnende Vereinigung von bürgerlicher Hochkultur und populärer Gegenkultur schlägt sich in diesen Daten nicht nieder. Aber sie bestimmt die heutigen kulturellen und gesellschaftlichen Eliten. Ohnehin war schon das Bürgertum des 19. Jahrhunderts damals als populär definierter Kultur nicht abgeneigt und rezipierte Komödien, Operetten, das Varieté oder Salonmusik (vgl. MAASE, 2003a, S. 54). Somit scheitert die Definition jenes Teils der Kultur, den gesellschaftliche Eliten bevorzugen, als Hochkultur heute zum einen an mangelnden empirischen Daten. Zum anderen aber kann eine Definition auf dieser Basis allein nicht überzeugen, weil sie die ästhetischen Programme der entsprechenden Werke unzureichend berücksichtigt. Dennoch sind die Definitionen Bourdieus auch vor dem heutigen empirischen Hintergrund bedenkenswert. Die derzeit jüngste repräsentative Untersuchung der Kulturpräferenzen in Deutschland beschränkt sich auf den Raum am Rhein zwischen Duisburg und Bonn. (KEUCHEL, 2003, S. 298). Die Befragung Susanne Keuchels vom Bonner Zentrum für Kulturforschung ergab, dass einerseits ein extrem auffallendes „Bildungsgefälle

2 Begriffsdefinitionen

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zwischen den jungen Kulturinteressierten und Nicht-Kulturinteressierten“ (KEUCHEL, 2003, S. 123) besteht. Auch bei den Kulturinteressierten hängen bestimmte Präferenzen mit dem Bildungsstand zusammen. (vgl. KEUCHEL, 2003, S. 107f.) Die Untersuchung deutet auf zahlreiche weitere Einflussgrößen hin, doch eine Feststellung Bourdieus über ästhetische Programme bleibt mit Einschränkungen gültig: „Die Fähigkeit des Sehens bemißt sich am Wissen, (...) Von Bedeutung und Interesse ist Kunst einzig für den, der die kulturelle Kompetenz, d.h. den angemessenen Code besitzt.“ (BOURDIEU, 2003, S. 19) Bourdieu versteht hier Kunst im Sinne von Hochkultur. Es zeigt sich, dass die demografische Struktur der Rezipienten durchaus ein Indikator für Hoch- und Populärkultur sein kann. Allerdings reicht dies – zumal bei der spärlichen Datenlage – nicht allein für eine Definition aus. Man muss die Werke betrachten. Die Vielfalt an Abgrenzungsversuchen zeigt, dass nach wie vor zwischen Hoch- und Populärkultur ein Unterschied besteht und auch unterschieden wird – oft allerdings nach historischen und überholten Mustern. Fakt ist jedoch: „In unserer Kultur haben wir (...) eine ästhetische und funktionale Trennung der beiden Bereiche.“ (HÜGEL, 2003b, S. 81). Hügel bietet die geeignetste Definition dieser Unterschiede an. Sie bewertet nicht, geht nicht von Produktionsbedingungen, sehr wohl aber von ästhetischen Eigenschaften der Kulturgüter aus: „Wird Populäre Kultur als unterhaltende Kultur verstanden, erlaubt das, sie als eigenständiges System und trotzdem im Zusammenhang mit der Gesamtkultur zu begreifen, wenn Unterhaltung nicht jede Art von Amüsement ist, sondern als Teilhabe an sowohl ästhetisch zweideutig produzierten als auch zweideutig rezipierten, medial vermittelten (...) Ereignissen und Artefakten erfaßt wird. Unterhaltung in diesem Sinn ist eine von anderen sozialen und kulturellen Zwecken (etwa Belehrung und Information) geschiedene, selbständige Institution und Funktion und verleiht als Zentralbegriff der Populären Kultur auch dieser selbst institutionelle Selbständigkeit.“ (HÜGEL, 2003a, S. 17) Die Zweideutigkeit als Eigenschaft populärer Kultur ist bei Hügel das Gegenteil der Maxime vom kongenialen „... Nachvollzug des möglichst rein erhaltenen Originals“ (DANIELS, 2000, S. 145) in der Hochkultur, die Hügel auch mit dem Begriff Kunst belegt: „Während Kunstrezeption ihrem Anspruch nach Unbedingtheit fordert, (...) erlaubt die Unterhaltungsrezeption (fast) jedes Maß an Konzentration und Interesse. Nicht ‚richtiges’ Verstehen, sondern Teilhabe ist wichtig, wenn wir uns unterhalten wollen.“ (HÜGEL, 1993, S. 130, zit. nach HÜGEL, 2003b, S. 81) Teilhabe bedeutet jedoch nicht, dass Werke sich nicht auf ästhetische Programme beziehen, sie entwickeln oder kombinieren können, sondern, dass das Verstehen dieser Bezüge nicht Voraussetzung für die Rezeption ist, was ja Bourdieu als Voraussetzung für das Interesse und Vergnügen an Hochkultur formuliert. Das Problem dieser Definition ist allerdings – wie Hügel selbst einräumt, dass „... wie in allen hermeneutischen Studien, immer nur der implizite, nicht der tatsächliche Rezipient erfaßt ...“ wird. (HÜGEL, 2003b, S. 81) Es fehlt bislang eine methodische

2 Begriffsdefinitionen

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Ausarbeitung, um die tatsächliche Rezeption zu untersuchen. Diese Dimension ist für diese Arbeit jedoch nicht notwendig. Denn für eine Analyse der Berichterstattung in Feuilletons im Hinblick auf die dominierenden Kulturbereiche reicht die historische Darstellung der verschiedenen Kulturbegriffe und der Vergleich anhand der hermeneutisch vor allem in der Kulturwissenschaft erarbeiteten Definitionen und deren konkreter Anwendung. Eine Aussage, welchen Ausschnitt der Kultur Feuilletons präsentieren, ist auf dieser Basis möglich – eine Aussage über die Popularität dieses Ausschnitts im herkömmlichen Sinne der breiten, tatsächlichen Rezeption aber nicht, wie die Begriffsbestimmung gezeigt hat.

2.3

Zwischenfazit: Systematisierung der Definition

Die Bestimmung des Begriffs Kultur hat gezeigt, dass er in vielen Fällen wertend gebraucht wird, um einen Teilbereich der Kultur zu bezeichnen und diesem zugleich die Spitzenstellung in einer oft eher demografisch als ästhetisch begründeten Kulturhierarchie zuzuweisen. Deshalb bezeichnet Kultur in dieser Arbeit „die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie tragenden materiellen und immateriellen Werte“ (KEPPLINGER, 1975, S. 13). Dieser weite Kulturbegriff soll die Analyse der eventuell in Feuilletons bevorzugten Teilbereiche der Kultur ermöglichen. Um dies zu ermöglichen, wird auch der Begriff Kunst in dieser Arbeit ähnlich wertfrei für „jenes gesellschaftliche System (...), das primär mit expressiven Symbolen ästhetische Synthesen hervorbringt“ (SAXER, 1995, S. 5) verwendet. Denn die erwähnten kulturgeschichtlichen Arbeiten zeigen, wie zeit- und interessenabhängig Kultur definiert wird. Und damit, „... wie problematisch für eine Untersuchung die Bevorzugung eines einzigen ist“. (STEGERT, 1998, S. 10) Die Begriffsdefinition zeigt, dass kulturelle Manifestationen sich in ein Schema mit zwei Dimensionen einordnen lassen, welche allerdings in Debatten um einen „erweiterten Kulturbegriff“ häufig vermischt werden: Zum einen die Weite des Kulturbegriffs im Hinblick auf die Integration von Kulturgebieten wie Wissenschaft oder Design als Gegensatz zur bloßen Gleichsetzung von Kultur mit Kunst. Der Kommunikationswissenschaftler Weiß benennt diese beiden Felder als „(Human-)Kultur“ und den Kulturbetrieb im Sinne eines stabilen „kulturellen Subsystems“ (WEIß, 1992, S. 734). Zum anderen die Weite des Kulturbegriffs im Hinblick auf die beiden Felder der Kunst, nämlich populäre und Hochkultur im Gegensatz zur bloßen Gleichsetzung von Kultur mit Hochkultur. Diese Dimensionen hat der Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Weiß für eine Untersuchung der Programmkategorien Kultur und Bildung (WEIß, 1992) zu einem noch immer brauchbaren Schema zusammengefasst, das im Bereich der Kunst bei der Trennung von Populär- und Hochkultur starke Überschneidungen mit anderen Kategorieschemata, etwa dem HEILBRUNNS (1997, S. 32) aufweist. Es soll, ergänzt um

2 Begriffsdefinitionen

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die Erkenntnisse aus der Kulturwissenschaft, auch in dieser Untersuchung unterschiedliche kulturelle Manifestationen auf Spartenebene in Kategorien systematisieren. Dabei werden allerdings die eingangs erarbeiteten Definitionen von populärer und Hochkultur anstelle der zum Teil historischen bei Weiß verwendet. Natürlich wäre im Prinzip für solche Urteile eine hermeneutische Analyse jedes einzelnen Werkes notwendig. Doch vorliegende empirische und theoretische Arbeiten zeigen, dass im Hinblick auf die Forschungsökonomie ein Vorgehen auf Spartenebene zulässig und erkenntnisbringend ist. Das Schema ergibt vier Felder, die hier kurz beschrieben werden: Populäre Kultur im engeren Sinn: Unterhaltende Kultur, bei der Teilhabe und als Folge Unterhaltung wichtiger sind als ein „richtiges“ Lesen des ästhetischen Programms auf Basis notwendigen Vorwissens. Populäre Kultur im weiteren Sinn: Anders als populäre Kultur im engeren Sinn ist der primäre Zweck der Form nicht die „ästhetische Synthese“ mit „expressiven Symbolen“ im Sinne Saxers (1995, S. 5), sondern das Schaffen eines Gebrauchswertes. Dieser Nutzwert – dem durchaus ein ästhetisches Programm untergeordnet sein kann – ist auch ohne spezielles Vorwissen zugänglich. So zum Beispiel bei Mode, Einrichtungs- oder Autodesign, sowie allen kulturellen Phänomenen, die gewöhnlich unter dem Begriff „Lifestyle“ zusammengefasst werden. Hochkultur im engeren Sinn: Die „sogenannten schönen Künste“ (STOLTE, 1989, S. 205) zeichnen sich der erarbeiteten Definition nach dadurch aus, dass ihr ästhetisches Programm bei der Rezeption den Nachvollzug auf Basis ästhetischen Vorwissens verlangt anstatt auch Unterhaltung ohne besondere Voraussetzungen zu erlauben. Hochkultur im weiteren Sinn umfasst „sowohl die ethisch-politische Kultur des Handelns als auch die wissenschaftlich-technische Kultur des Machens“ (STOLTE, 1989, S. 205; zit. nach WEIß, 1992, S. 734). Dieses Feld unterscheidet sich von Kultur im engen Sinne, die eine ästhetische Synthese als Selbstzweck hat (vgl. S.9). „Wissenschaft, Technik, Recht, Medizin und Religion“ (WEIß, 1992, S. 734) als Hochkultur im weiteren Sinne unterscheiden sich von der populären Kultur im weiteren Sinne dadurch, dass sie nicht auf die Teilhabe eines größtmöglichen Nutzerkreises abzielen, sondern diese lediglich einem kleinen, wissenden Kreis vorbehalten bleibt. Auf Basis dieser Definition werden im zu entwickelnden Analyseinstrument Kultursparten diesen vier Feldern zugeordnet (vgl. S. 96f.) Die Differenzierung erlaubt es nun, die Definition des Feuilletons als Ressort über seine thematische Ausrichtung auf „das Kulturelle’“ (REUS, 1999, S. 7) zu definieren. Das Feuilleton ist zwar als Ressort dem allgemeinen Verständnis nach für alle kulturelle Themen zuständig, jedoch zeichnet es sich durch eine im Vergleich zu anderen Ressorts annähernd exklusive Zuständigkeit für Hochkultur im engeren Sinn aus. Dieses Verständnis belegt etwa die Selbstdarstellung des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung, das sich bestrebt nennt, „seine gewissermaßen ‚klassischen’ Aufgaben wahrzunehmen und seine Leser aktuell über alle relevanten kulturellen Ereignisse kompetent und kritisch zu informieren: von

2 Begriffsdefinitionen

16

Theater und Literatur über Malerei, Film, Tanz, Musik, Architektur und Fotografie.“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003). Dieser Fokus hebt das Feuilleton von anderen Ressorts ab. Jedoch ist es als Ressort in Deutschland keinesfalls auf diesen Themenbereich zu reduzieren. Eine Besonderheit des deutschen Begriffs Feuilleton ist, dass er mehr als Kulturjournalismus bezeichnet. Die Süddeutsche Zeitung verortet im Feuilleton Themen, „die auf der Schnittstelle von Kultur, Politik und Gesellschaft angesiedelt sind und deren Darstellung häufig Debatten anregt“. (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003) Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht in einer Selbstdarstellung 1998 den „Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa und die deutsche Wiedervereinigung“ sowie die „europäische Einigung“ (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 1998, S. 66) - auch - als Themen des Feuilletons. In Lehrbüchern schlägt sich diese Bedeutung nieder. So zählt etwa Reus als eines der „anderen Gebiete der Kulturkritik“ die „Politische Kultur“ (REUS, 1999, S. 5). Dieses Verständnis steht in der Tradition des von Haller ausgemachten Feuilletons als „Bühne für Dichter und Denker“, die dort eben über „Kunst, Wissenschaft und Zivilisation“ schreiben (HALLER, 2002, S. 12) Wie stark diese Anteile des weiten Feldes Kultur am Inhalt der zu untersuchenden Feuilletons sind, muss der empirische Teil dieser Arbeit ergeben. Fest steht jedoch, dass der Begriff „Feuilleton“ in dieser Arbeit das Ressort in seiner spezifischen, noch darzustellenden deutschen Tradition, bezeichnet. Mit Feuilleton ist nicht – es sei denn, dies wird so ausgeführt – eine Darstellungsform, ein Stil oder Kulturjournalismus gemeint.

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

17

3

Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

Schon die Definition des Begriffs Feuilleton (S. 6) hat gezeigt, wie verschieden die Erscheinungsformen des Feuilletons als Ressort sind. Diese historische Vielfalt muss in dieser Arbeit umrissen werden, weil sie nicht nur die Vielfalt der Feuilletonressorts von FAZ und SZ beschreiben, sondern diese auch in die Ressorttradition einordnen soll. Der Forschungsstand zu den Inhalten historischer Feuilletons ist unbefriedigend. Noch unbefriedigender ist die Menge an Arbeiten, welche diese Medieninhalte mit dem Instrument der quantitativen Inhaltsanalyse erforschen. Dies ist einer mehrerer Gründe, die bisherigen Erkenntnisse über historische Feuilletonprofile nur vorsichtig zu generalisieren. Weil „die bibliographische und inhaltliche Erschließung, die Überlegungen zu Form, Inhalt und Umfang (...) für die Printmedien in Anfängen stecken“, warnt der Historiker und Kommunikationswissenschaftler Bernd Sösemann davor, „eine literaturgeschichtliche Epoche als ‚die Zeit’ oder ‚die große Zeit des Feuilletons’ zu deklarieren“ oder „eine spezielle Charakterisierung mit großflächigen Begriffen aus der politischen, sozialen oder medientechnischen Sphäre“ zu verallgemeinern. (SÖSEMANN, 2000, S. 40f.) Der zweite Grund zur Vorsicht ist die nicht immer gegebene Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen zum Feuilleton aus anderen Disziplinen, die sich dem Gegenstand aus womöglich völlig anderem Erkenntnisinteresse und mit entsprechend anderen Methoden nähern. Die Literaturwissenschaftlerin Almut Todorow weist darauf hin, dass vor allem ihre Disziplin das Feuilleton als Forschungsobjekt entdeckt hat „..., wenn auch in der Regel im Dienst anderer, nicht dem Feuilleton gewidmeter Fragestellungen ...“ (TODOROW, 1996b, S. 32). Der dritte Grund zur Vorsicht ist die häufige Vermengung unterschiedlicher Feuilleton-Kategorien in der älteren zeitungswissenschaftlichen Feuilletonforschung. Forscher wie Wilmont Haacke rechnen oft rückwirkend bestimmte Inhalte dem Feuilleton zu, ohne diese Zuschreibung zu problematisieren und das „Zusammenwachsen des Feuilletonteils aus unterschiedlichen publizistischen Traditionen und literarischen Gattungen“ (JÄGER, 1988, S. 57) offen zu legen. Diesen Fehler soll die vorliegende Arbeit vermeiden: Nicht alle Inhalte werden unkritisch als Feuilleton verstanden, nur weil sie von Wissenschaftlern oder Praktikern diesem Begriff untergeordnet wurden. Trotz dieser Widrigkeiten sollte es möglich sein, zu verfolgen, wie im Lauf der Zeit ein räumlich vom Rest der Zeitungen getrennter Teil entsteht, der sich durch die Zuständigkeit für das Themenfeld der Kultur im engeren Sinn auszeichnet. Welche anderen Themen darin ihren Platz haben, wie sie bearbeitet werden, welches Publikum damit gewonnen werden soll – diese Fragen soll die Analyse historischer Feuilletonprofile beantworten.

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

18

3.1

Vorläufer des Feuilletonressorts

Kultur im engeren Sinn war in den Zeitungen des 17. Jahrhunderts kein Thema, zumindest nicht dem gegenwärtigen Forschungsstand nach. Thomas Schröder hat in seiner Untersuchung der noch erhaltenen Ausgaben der Zeitungen „Aviso“ und „Relation“ aus dem Jahrgang 1609 ein Klassifizierungssystem aus einer Analyse der einzelnen Beiträge aufgebaut (vgl. SCHRÖDER, 1995, S. 115) – doch Kultur im engeren Sinn ist dabei keiner der aus dem Material abgeleiteten „thematischen Gegenstandsbereiche“ (SCHRÖDER, 1995, S. 115). Diese Beobachtung bestätigt Jürgen Wilke, der „Zeitungen bestimmter Stichjahre vom 17. bis zum 20. Jahrhundert“ (WILKE, 1998, S. 91) auf Themen, die er der Kultur zurechnet, untersucht, nämlich: „Kunst, Literatur, Musik, Theater, Wissenschaft, Sprache, Bildung, Entdeckungen, Erfindungen, Technik“ (WILKE, 1998, S. 90f.). Sein Fazit: „Entsprechende Meldungen fehlen so gut wie ganz oder sind doch sehr selten (...). Noch bis zum 18. Jahrhundert scheint sich daran nichts geändert zu haben.“ (WILKE, 1998, S. 91) Abgesehen von einer durch Wilke untersuchten Zeitung, dem ab 1712 erscheinenden „Schiffbecker Hollsteynischen unpartheyischen Correspondenten“, beziehungsweise dem ab 1731 erscheinenden Schwesterblatt „Hamburgischer unpartheyischer Correspondent“. Dieses Blatt kann „sich das Verdienst zurechnen, in Deutschland eine Kultur-Sparte eingerichtet zu haben.“ (WILKE, 1998, S. 92). Diese gelehrten Artikel im vom Rest der Zeitung optisch getrennten Angebot umfassen 1736 im „Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten“ ein Viertel des Zeilenumfangs aller Beiträge. (WILKE, 1998, S. 92) Ihre Eigenart im Vergleich zum restlichen Angebot und die darauf basierende Interpretation als „erste Verselbständigung einer ‚Feuilleton’-Sparte“ (WILKE, 1984, S. 128) definieren Wilke und andere Forscher über zwei Merkmale: Die exklusive Bearbeitung bestimmter Themenfelder und die Verwendung spezifischer Darstellungsformen. Die Themen sind: „die bisher in den politischen Nachrichtenzeitungen fast unberücksichtigten Gebiete der wissenschaftlichen Forschung und des literarischen Lebens“ (JESSEN /MEUNIER, 1931, S. 17), „Buchbesprechungen, (...) wissenschaftliche und Kunst-Nachrichten, nur gelegentlich andere Kritiken“ (WILKE, 1998, S. 92). Auffällig an dieser Themenstruktur ist, dass die Sparten Theater, Belletristik und Malerei kaum vertreten sind, umso stärker aber Kultur im weiteren Sinn, „vorwiegend wissenschaftliche Themen“, mit „naturwissenschaftlichen Fragen“ an „der Spitze“ (JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 28), weshalb Jessen und Meunier einräumen: „Von dem, was wir heute Feuilleton nennen, ist nur wenig zu merken“ (JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 27). Allerdings wird hier offenbar zum ersten Mal Kultur im engeren Sinn in einem institutionalisierten Ressort behandelt, weshalb Jessen und Meunier bei allen Zweifeln von einem Vorläufer des Feuilletons sprechen. Die Parallelen scheinen bei den Darstellungsformen klarer zu sein: Als die wesentlichen nennt Wilke Besprechung und Kritik, andere Autoren beziehen sich auf dasselbe, sprechen aber von „Kulturkritik“ (JESSEN /MEUNIER, 1931, S. 17) oder „Bücherrezensionen“ (LINDEMANN, 1988, S. 163). Allein im Erscheinungsjahr 1730 werden knapp 1000 Bücher besprochen. (JESSEN /

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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MEUNIER, 1931, S. 22f.) Daneben scheint der Gastbeitrag eine ebenfalls charakteristische Präsentationsform zu sein: „literarische Beiträge“ (LINDEMANN, 1988, S. 163), also Primärtexte von als Künstlern und fachlich legitimierten Autoren. Die Kritik als Darstellungsform verbindet diesen Zeitungsteil mit jenem Angebot, das den Namen Feuilleton als Ressortbegriff etablierte: dem vom 2. März 1800 an durch Julien Louis Geoffroy aufgebauten Feuilleton des Pariser „Journal des Débats“. Anfangs war Feuilleton „eine neutrale buchbinderische Bezeichnung für ein Heftchen von acht Seiten, das den Journalen als Beiblatt mitgegeben wurde“ (ROLLKA, 2000, S. 90). Darin bewarben Theater ihre Neuaufführungen. Geoffroy platzierte neben den Anzeigen redaktionelle Kritiken der neuen Stücke, später auch „Betrachtungen über Theater, Literatur, Kunst, Reise, Straße, Klatsch und Kleinigkeiten der Weltstadt“ (HAACKE, 1962, S. 76). Dieses Angebot verschob die Bedeutung des Begriffs Feuilleton von der drucktechnischen Bezeichnung einer Beilagenform zum „publizistischen Feuilleton-Begriff (...), der dann in der weiteren Entwicklung auch Literaturkritik, Kunstberichte, den Feuilleton-Roman und Reisebeschreibungen in sich aufnahm“ (TODOROW, 1996b, S. 10). Auch diese Erscheinungsform des Ressorts definiert die bisherige Forschung über die Auseinandersetzung mit Kultur im engeren Sinne, dabei vor allem über die Bewertung von Kulturprodukten in Kritiken als Darstellungsform.

3.2

Institutionalisierung des Feuilletons im 19. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt die bisherige Forschung für viele deutsche Tageszeitungen fest, dass dem Feuilleton „mehr und mehr ein fester Platz“ (JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 71) zugewiesen wird – kurz: eine Institutionalisierung des Feuilletons als Ressort. Zwar fehlt eine systematische Erforschung dieses Sachverhalts über einzelne Medien hinaus, doch scheinen die einzelnen Ergebnisse die These zu erlauben. So verspricht 1802 der Kritiker Garlieb Merkel in der Spenerschen Zeitung ein „Feuilleton als Entschädigung für fehlende politische Neuigkeiten“ (BECKER, 1938, S. 61). In Nürnberg kündigt der „Korrespondent von und für Deutschland“ in der ersten Ausgabe 1812 das „unten angehängte Feuilleton“ (HEIDNER, 1944, S. 19) an. Die Kölnische Zeitung bringt vom 1. Mai 1838 die schon seit 1816 wöchentlich in einem Beiblatt erscheinenden Inhalte aus „Literatur, Kunst, Wissenschaft und Unterhaltung“ (TODOROW, 1996b, S. 10) in einem eigenen Ressort – dem Feuilleton – im Hauptblatt. Die Münchner Politische Zeitung startet 1844 ein „Feuilleton unter dem Strich“. (MERKELBACH, 1941, S. 90). Und in der Frankfurter Zeitung erscheint „am 11. Mai 1850 (...) erstmals ein Feuilleton (...) im Blatte selbst ‚unter dem Strich’“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1032). Stellenwert und Funktion dieser Angebote innerhalb der Medien sind wenig erforscht. Einen Anhaltspunkt gibt Heinz Beckers zeitungskundliche Arbeit zum Feuilleton der Berliner Tagespresse. Das Feuilleton nimmt in allen vier untersuchten Zeitungen

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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deutlich weniger Fläche ein als die Politik, und rangiert mit der Wirtschaftsberichterstattung auf den unteren Plätzen in der Rangfolge nach Flächenanteilen. Für mehr als eine grobe Orientierung kann Beckers Untersuchung nicht verwendet werden, weil die Grundlage seiner Zuordnung der Medieninhalte zu bestimmten Ressorts unklar bleibt. Denkbar ist, dass er Beiträge ihren Themen, nicht ihrer Positionierung nach Ressorts zuschreibt. Wäre dies der Fall, könnte er theoretisch auch politische Analyse aus dem Feuilletonressort einem anderen zugerechnet haben.
Tabelle 1: Flächenanteile der Ressorts am Gesamtumfang der Ausgaben der Vossischen , Spenerschen, National- und Kreuzzeitung im April 1852 in Prozent
Vossische Ztg.
Feuilleton Redaktioneller Teil gesamt Anzeigenteil Gesamt 6,3 50 50 100

Spenersche Ztg.
7,8 62,8 37,7 100,5

Nationalzeitung
6,5 81,8 18,2 100

Kreuzzeitung
15,8

79,4 20,6 100 Quelle: BECKER, 1938, S. 222f.

Die Themenstruktur der als Ressort etablierten Feuilletons erinnert an die der Vorläufer: Kultur im engen Sinn, nun allerdings mehr Sparten umfassend, zudem Wissenschaft. Das Theater, beziehungsweise die Rezension neuer Theaterstücke, bezeichnet am 16. Oktober 1802 die Spenersche Zeitung in einem Artikel zum Start des Feuilletonressorts als dessen Thema, überhaupt scheinen eher Kulturprodukte als Kultur das Themenfeld dieses Ressorts zu sein: „‚bald eine Beurteilung neuer Schauspiele und ihrer Darstellung auf dem Nationaltheater; bald kurze Rezensionen belletristischer Werke; bald Auszüge von wichtigen Artikeln aus Journalen, gleich nach Erscheinen derselben; ...“ (BECKER, 1938, S. 61). Eine ähnliche Etablierung der Rezension als Berichterstattungsform in mehreren Kunstsparten konstatiert Heinz Merkelbach als Fazit seiner Untersuchung sieben in München erscheinender Tageszeitungen zwischen 1815 und 1848: „Bis zum Ende des Jahres 1848 ist sowohl der Theaterbericht, der Musikbericht, der Kunstbericht wie das Buchreferat ein Bestandteil der Tagespresse geworden.“ (MERKELBACH, 1941, S. 87) Den Anteil der Kritik am Feuilleton quantifiziert die schon erwähnte Analyse Beckers der Feuilletons vier Berliner Tageszeitungen im April 1852. Zählt man die Flächenanteile der von ihm als „kritisches Feuilleton“ bezeichneten Kategorien zusammen, umfassen sie je nach Medium etwa ein Drittel bis zu der Hälfte der Feuilletonfläche – bei der Kreuzzeitung sind alle Kritiken dem Ressort „Berliner Zuschauer“ zugeschlagen. Eine genauere Auswertung ist nicht möglich, weil Beckers Kategorienschema Themen und Darstellungsformen untransparent vermischt. Dass die Wissenschaftsberichterstattung auf den ersten Blick nicht in Beckers Untersuchung der Feuilletons auftaucht, kann also durchaus seinem Kategorienschema zuzuschreiben sein, das entsprechende Beiträge womöglich als „Artikel-Feuilleton“ oder „Nachrichten-Feuilleton“ erfasst. Zumindest besagen andere Quellen, dass wissenschaftliche Themen auch in den neuen Feuilletonressorts behandelt werden. So zitiert Renate Heidner in ihrer Dissertation über Die Theaterkritik von 1815-1850

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

21

aus der Ankündigung des Feuilletons im „Nürnberger Korrespondenten von und für Deutschland“ als Themenvorgabe: „Literatur, Künste, Erfindungen, Gesundheits- und Gewerbekunde, Theater- und Naturerscheinungen, Länder- und Völkerkunde, Mode usw. usw. Zur Abwechslung erscheinen darin auch humoristische Aufsätze, Anekdoten, Charaden, usw. usw.“ (HEIDNER, 1954, S. 19).
Tabelle 2: Anteile von Unterthemen am Gesamtumfang des Feuilletonressorts in im April 1852
Vossische Ztg.
Politisches Feuilleton Artikel-Feuilleton Krit. Feu.: Schauspiel Krit. Feu.: Musik/Oper Krit. Feu.: Kunst Nachrichten-Feuilleton Literarisches Feuilleton Reisefeuilleton Berliner Zuschauer Kunst-Feuilleton Gesamt 1,6 2,5 14,3 34,2 4,7 27,9 14,8 0 100

Spenersche Ztg.
5,5 12,3 15,1 1,4 57,5 1,4 6,8 100

Nationalzeitung
15,6 15,6 6,3 18,7 15,6 1,6 12,5 14,1 100

Kreuzzeitung
6 88,2 5,8 100

Quelle: BECKER, 1938, S. 222f.

Eine thematische Erweiterung im Vergleich zu den Vorläufern des Feuilletons ist das von Becker auch quantifizierte „politische Feuilleton“. Leider bleibt er eine nähere Definition schuldig. Doch auch andere Forscher sehen in den Feuilletons im 19. Jahrhundert Themen, die dort zuvor nicht standen. Der Kommunikationswissenschaftler Bodo Rollka erkennt im Angebot des Feuilletons in der Vossischen Zeitung 1848 Beiträge, die Politik und Kultur im engeren Sinne verbinden: Dort interpretierte „der ebenso beliebte Theaterkritiker Friedrich Wilhelm Gubitz (...) das tagesaktuelle Theaterangebot als Ruf nach Sicherheit und Ordnung“ (ROLLKA, 2000, S. 96). Den Beginn einer Erweiterung des Kulturbegriffs hin zur Kultur im weiteren Sinne sieht auch Sösemann 1848: „Das Feuilleton versucht, den Diskurs über aktuelle Themen und über die Fragen, die von einer Elite diskutiert werden sollten, (...) zu organisieren“ (SÖSEMANN, 2000, S. 51). Diese Feststellungen stützt die Selbstdarstellung der Frankfurter Zeitung, in der er es über die Zeit von 1866 bis 1879 heißt: „Eine Eigentümlichkeit des Feuilletons war sein enger Anschluss an die Politik. Es zählte sehr viele mehr oder weniger politische Artikel, ...“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.). Als weitere Neuerung druckten die Feuilletonressorts von Mitte des 19. Jahrhunderts an Fortsetzungsromane. 1844 veröffentlichte die „Deutsche Allgemeinen Zeitung“ – laut den Forschungsergebnissen des Germanisten Norbert Bachleitner (BACHLEITNER, 1999, S. 35 – in Fortsetzung Eugène Sues „Le Juif errant“, als „ersten nachgewiesenen Feuilletonroman (...) in der politischen Tagespresse“ Deutschlands. Es folgten 1850/51 Karl Gutzkows „Ritter vom Geiste“, doch insgesamt bürgerte sich nach 1848 „der Feuilletonroman vorerst nur zögernd in deutschen Zeitungen ein (BACHLEITNER, 1999, S. 37).

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

22

3.3

Rezension und Räsonnement im Feuilleton um die Jahrhundertwende

Dem gegenwärtigen Stand der Forschung nach entwickelten sich in den Feuilletonressorts des ausgehenden 19., beginnenden 20. Jahrhunderts in Deutschland keine gänzlich neuen Angebotsformen. Eher scheinen die in den zum Ressort institutionalisierten Feuilleton etablierten Themen und Darstellungsformen (vgl. S. 19f.) weiter zu bestehen - mit Differenzierungen in einzelnen Gebieten. Das Ressort ist den Untersuchungsergebnissen des Zeitungswissenschaftlers Otto Groth nach im Angebot der Tageszeitungen fest etabliert: „Nach der Politik (...) beansprucht das Feuilleton (...) in der Regel den größten Platz.“ (GROTH, 1928, S. 760). Die von Groth berechneten Zeilenanteile beziehen sich auf die Ausgaben von Frankfurter Zeitung und neun württembergischen Zeitungen im Zeitraum Juli 1911 bis Juni 1912.
Tabelle 3: Redaktioneller Teil der Frankfurter Zeitung und neun württembergischer Blätter von Juli 1911 bis Juni 1912 in Prozenten am gesamten redaktionellen Angebot
Schwäbischer Merkur Schwäbische Tagwacht Württemberg Zeitung Schwarzwälder Bote Beobachter

Romane kleines Feuilleton Belehrende Aufsätze Theater, Kunst und Wissenschaft Miszellen (Humoristisches, Denksprüche, Gedichte) Feuilleton gesamt (nach Groth) Buchbesprechungen Feuilleton (mit Buchbesprech.)

2,03 2,61 7,09 4,43 0,01 16,17 2,33 18,5

4,37 0,86 4,35 5,96 15,54 1,46 17

0,26 6,6 5,51 0,01 12,38 2,37 14,75

6,62 3,41 5 6,19 0,97 22,19 0,99 23,18

8,54 3,36 8,75 5,33 0,92 26,9 0,96 27,86

8,99 6,22 13,99 1,96 1,27 31,83 0,94 32,77

9,64 1,99 5,37 3,37 0,53 20,90 0,86 21,76

6,35 1,79 6,04 5,68 0,01 19,87 3,87 23,74

9,29 0,58 2,2 5,49 0,02 17,58 1 18,58

11,69 2,45 16,73 3,01 0,76 34,64 0,87 35,51

Quelle: GROTH, 1928, S. 758

Groth stellt auf Basis seiner Ergebnisse einen – verglichen mit anderen Formen – hohen Anteil so genannter „Belehrender Aufsätze“ am redaktionellen Teil fest: Zum Teil sind diese Beiträge flächenmäßig der stärkste Angebotstyp des Feuilletonteils nach Groths Auswertungsschema. Diese „Aufsätze aus den verschiedenen Wissensgebieten“ (GROTH, 1928, S. 760f.) scheinen jenem Beitragstyp zu entsprechen, den Sösemann wie im Kapitel 3.2. (S. 19) dargelegt als Ort für „den Diskurs über aktuelle Themen und über die Fragen, die von einer Elite diskutiert werden sollten“ bezeichnet. (SÖSEMANN, 2000, S. 51). Auch die Frankfurter Zeitung beschreibt in ihrer Selbstdarstellung diesen Fokus auf Themen aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne. Zu erinnernswerten Themen im FZ-Feuilleton der Jahre 1879 bis 1890 zählt die Zeitung unter anderem Bilder „aus dem sozialen Großstadtleben Berlins“ ebenso wie „‚Spaltpilzforschung und Seuchenbekämpfung’‚ ‚Traum und Hypnose’ und das damals neue Thema ‚Der Verbrecher im Lichte der anthropologischen Forschung’“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.). Die Tradition solcher einem weiten Kulturbegriff entsprechender Themen neben der Behandlung klassischer – der Kultur im engen Sinne nach – Kultursparten fasst Michael Haller unter dem Schlagwort vom „Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15) zusammen. Er sieht einen Dualismus von

Deutsche Reichspost

Frankfurter Zeitung

Deutsches Volksblatt

Staatsanzeiger

Neues Tagblatt

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Feuilleton als „Rezensionsfachressort“ und Feuilleton als „Bühne für Dichter und Denker, die Geistreich-Kritisches über Kunst, Wissenschaft und Zivilisation publizieren und replizieren“ (HALLER, 2002, S. 12). Dass solche „belehrenden Aufsätze“ in den Feuilletonressorts platziert werden, zeigen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse Otto Groths. Hallers Begriff des Rezensionsfachressorts lässt sich mangels entsprechender inhaltsanalytischer Untersuchungen nicht quantifizieren. Jedoch teilen andere wissenschaftliche Arbeiten diese Einschätzung über die Darstellungsformen der Beiträge zur Kultur im engeren Sinne. Jessen und Meunier beurteilen zum Beispiel die Darstellung bestimmter Kultursparten im Tageszeitungsangebot bis 1918 so: „In der Mitte stand die Theater-, Musik- und Kunstkritik der großen Zeitungen. (...) Kein großes Theaterereignis, keine Musikaufführung, keine Kunstausstellung entging ihr.“ (JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 94f.) Auch Haacke schätzt den Anteil von Rezensionen als Darstellungsform von Kultur im engeren Sinn vor dem ersten Weltkrieg hoch ein: „In Wirklichkeit wurde jedes Feuilleton unter dem Strich zwischen 1900 und 1914 von der Theaterkritik beherrscht.“ Haacke zufolge fanden Leser „‚unter dem Strich’ im wesentlichen die Besprechungen aktueller literarischer und künstlerischer Ereignisse, ...“ (HAACKE, 1962, S. 138). Diese Einschätzung bleiben allerdings empirische Belege schuldig und sind daher nur mit Vorsicht und höchstens als Indizien zu behandeln. Auf eine andere Präsentationsform von Kultur im engeren Sinn in den Feuilletons weist die literaturwissenschaftliche Forschung hin. Norbert Bachleitner sieht in seiner Geschichte des Feuilletonromans die siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts als die Zeit „bis dahin undenkbarer Verbreitung“ (BACHLEITNER, 1999, S. 65) des Feuilletonromans. Ein Teil dieses um die Jahrhundertwende auf einen Jahresbedarf von „20000 Romanen“ für deutsche Zeitungen (BACHLEITNER, 1999, S. 77) geschätzten Materials wurde mit Sicherheit in Zeitungsbeilagen und anderweitig außerhalb der Zuständigkeit des Feuilletonressorts gedruckt. Doch lobt sich beispielsweise die Frankfurter Zeitung 1911 rückblickend im Feuilleton „dem deutschen Publikum zum erstenmal den russischen Dichter Anton Tschechow“ vorgestellt zu haben „in der von Joh. Treumann besorgten Übersetzung von ‚Aus der russischen Geschichte’“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1032). Ein Anzeichen dafür, dass zumindest das FZ-Feuilleton auch bei der Präsentation von Kultur im engen Sinn Wert auf Primärtexte von Gastautoren legt. Dieses Darstellungsmuster gilt jedoch primär für die „belehrenden Aufsätze“ über Kultur im weiteren Sinn. In der FZ stand dem Feuilletonchef „ein Stab fester Mitarbeiter aus allen Gebieten der Kunst, Wissenschaft und des öffentlichen Lebens (...) zur Seite“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030). Die Redaktion bemühte sich, Beiträge von „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030) auf ihren Gebieten zu akquirieren. Solche Gastbeiträge ordnete die FZ auch in thematischen Reihen zu Debatten: So schrieben zum Beispiel in den 1890er Jahren in einer „Reihe von Feuilletons“ über die „Frauensache“ die Salzburger Frauenrechtlerin Irma Troll-Borostyani zur „Erwerbstätigkeit der Frau“, die Schriftstellerin Johanna

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Elberskirchen über „‚Frauenemancipation und Christentum“ und der Züricher BotanikProfessor Arnold Dodel über das „Hochschulstudium der Frau“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1034). Viele Autoren versuchen, diese einen weiten Kulturbegriff spiegelnde Themenvielfalt des Feuilletonressorts in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende, einem Leitmotiv unterzuordnen. Haacke etwa nennt das Ressort und die „Popularisierung der Schöngeisterei und Wissenschaft“ darin den „Spiegel einer bürgerlichen Kultur“ (HAACKE, 1962, S. 138). Solche Begriffe erklären wenig, solange eine Analyse des Publikums fehlt oder auch nur der Vergleich der Angebote mit den Inhalten anderer, auf ein anderes Zielpublikum reduzierbarer Feuilletons. Zulässiger scheint die Interpretation des Literaturwissenschaftlers Bernhard Echte, der in der Verbindung von Form und Inhalt das Anliegen erkennt, „die sich immer weiter ausdifferenzierenden Kenntnisse über die natürliche Welt und das soziale, ökonomische und geistige Leben zu sammeln und kommentiert zu vermitteln.“ (ECHTE, 1996, S. 136)

3.4

Der Erste Weltkrieg im Feuilleton

Die Feuilletonressorts – zumindest jene von den im vorigen Kapitel erwähnten Studien untersuchten – haben in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg Themen aus Kultur im weiteren Sinne bearbeitet. Ob diese Entwicklung auch für die Darstellung außergewöhnlicher Großereignisse gilt, kann zum Beispiel anhand der Feuilletoninhalte während des ersten Weltkriegs überprüft werden. Die Dissertation Walter Ebels (EBEL, 1953) versucht dies – auch wenn sie nur das Feuilleton der „Kölnischen Volkszeitung“ vom 1. Januar 1914 bis zum 31. Dezember 1918 untersucht. Zunächst fällt auf, dass „die durch den Krieg bedingte Einschränkung des Gesamtumfangs nicht auf Kosten des Feuilletons durchgeführt wurde“ (EBEL, 1953, S. 87).
Tabelle 4: Anteile des Feuilletonressorts am Gesamtumfang der Kölnischen Volkszeitung August 1914 - Dezember 1817
Anteil am Gesamtumfang %
Januar – Juni 1914 August 1914 – Juli 1915 August – Dezember 1915 Januar – Dezember 1916 Januar – Juli 1917 August 1917 – Oktober 1918 9,4 10,2 13,2 9,5 9 7,6 Quelle: EBEL, 1953, S. 14, S. 87, S. 219

Zumindest nicht stärker auf Kosten des Feuilletons als auf Kosten anderer Ressorts – denn der relative Flächenanteil des Feuilletons steigt im zweiten gegenüber dem ersten Untersuchungszeitraum sogar leicht an und sinkt erst im letzten Untersuchungsjahr unter den Wert aus dem ersten, vor dem Krieg gelegenen Untersuchungszeitraum. Offenbar ist das Feuilleton als Ressort soweit etabliert, dass außergewöhnliche Ereignisse den Umfang nicht negativ beeinflussen. Wie aber entwickelt sich die thematische Struktur des Ressorts im Umfeld solcher Ereignisse? Ebel findet neben der

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Kulturkritik auch die Wissenschaft als Themenfeld- ein bereits in den entsprechenden Ressorts im 19. Jahrhundert präsentes Thema -: Die von Ebel untersuchten Beiträge zu Wissenschaftsthemen behandeln unterschiedlichste Fachrichtungen: „Papyrusfunde, Ausgrabungen, Wiederentdeckungen von Kunstwerken (...) drahtlose Telegraphie, Halbton-Verfahren, Kinematographie, Radium- und Mesothoriumforschung“ (EBEL, 1953, S. 76). Neben diesen Themen macht Ebel in allen Untersuchungszeiträumen im Feuilleton der Kölnischen Volkszeitung auch Beiträge aus, die auf Kriegsereignisse Bezug nehmen. Themen sind „die Besetzung des Baltikums durch deutsche Truppen“, „die Deutsch-Flämische Bewegung“, „Vorgänge in Rußland“, die „Unabhängigkeitsbestrebungen Irlands“ (EBEL, 1953, S. 248). Darstellungsformen sind einerseits die von Ebel so genannten Einzelberichte. Damit meint er offenbar Beiträge, die vorrangig aktuelle Ereignisse schildern. Denn in Kontrast dazu stellt Ebel andererseits so genannte „grundsätzliche Untersuchungen“ (EBEL, 1953, S. 248). Ein Beispiel dafür ist ein Feuilletonessay über Russland. Der Autor „entwickelt aus den Schriften des Dichters Turgenjeff (...) die Notwendigkeit einer Revolution in Rußland“, gibt Ebel wieder (EBEL, 1953, S. 249). Hier verbindet ein Beitrag im Feuilleton Literatur als Teil der Kultur im engeren Sinn mit der politischen Entwicklung in einem Staat als Teil der Kultur im weiteren Sinn. Der Autor leuchtet anhand eines Kulturprodukte den Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen aus. Ebel quantifiziert in seiner Arbeit die Flächenanteile solcher Beiträge nicht, doch seine qualitative Untersuchung der Medieninhalte lässt zumindest den Schluss zu, dass im Feuilleton der Weltkrieg durchaus thematisiert wurde - auch in der schon im 19. Jahrhundert im Feuilleton erkennbaren Präsentationsgestus hintergründiger Darstellung von Zusammenhängen.

3.5

Der weite Kulturbegriff deutscher Feuilletons in den zwanziger Jahren

Die deutschen Feuilletonressorts der zwanziger Jahre faszinieren Zeitungs-, Literaturund Kommunikationswissenschaftler. Die „grande époque“ des Feuilletons nennt Wilmont Haacke (1976, S. 291) diese Zeit, in der Almut Todorow im Feuilleton den gesellschaftlichen und kulturräsonierenden Diskurs zu „einer eigenen Qualität öffentlicher und tagespublizistischer Reflexion“ (TODOROW, 1996b, S. 263) ausgebildet sieht. Michael Haller erkennt in der Arbeit von Feuilletonisten wie Siegfried Kracauer „die über das Subjektive der Kulturbetrachtung weit hinausgehenden Möglichkeiten des neuen Kulturjournalismus, soweit er den aktuellen Zustand der Gesellschaft zum Thema nahm.“ (HALLER, 2003, S. 4) Eines dieser Feuilletonressorts – das der Frankfurter Zeitung – hat Almut Todorow untersucht. Jenes Feuilleton also, das oft synonym für die goldene Zeit des Feuilletons in den zwanziger Jahren verwendet wird, etwa von Bachleitner: „Weithin berühmt war die Frankfurter Zeitung für ihr Feuilleton, in dem sie auf die intellektuelle Elite der

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Weimarer Republik zurückgriff.“ (BACHLEITNER, 1999, S. 115f.) Diese von Bachleitner wahrgenommene enorme Wertschätzung des Feuilletons lässt sich zumindest nicht über den Flächenanteil dieses Ressorts im Mutterblatt belegen. Dieser ist 1919 wie 1929 im Vergleich zu anderen Ressorts nicht höher als in vorangehenden Untersuchungen. Auch vom Wachstum des redaktionellen Anteils von 1919 zu 1929 profitiert das Feuilleton weniger als andere Ressorts.
Tabelle 5: Anteile der Ressorts am Gesamtumfang der Frankfurter Zeitung 1919/1929
1919 %
Allgemeines Feuilleton Handel Umfang redaktioneller Teil Anzeigen 28,6 7 14,4 50 50

1929%
37,5 12,5 25 75 25 Quelle: TODOROW , 1996b, S. 122

Diese Werte sind nicht auffallend höher als die in vorigen Zeitabschnitten festgestellten Anteile der Feuilletonressorts an den jeweiligen Angeboten (vgl. S. 19ff./ S. 22ff.). Einen enormen Ausbau gegenüber anderen Ressorts kann zumindest diese Untersuchung nicht bestätigen. Ähnliche Ergebnisse präsentiert Wilhelmine Döbl nach ihrer Untersuchung der Münchner Neuesten Nachrichten im Mai 1918, 1920 und 1922: Das Feuilletonressort umfasst hier acht bis neun Prozent des Gesamtumfangs der Zeitung und steht damit hinter Politik-, Wirtschafts- und Lokalteil. Im Vergleich dazu können Todorows Werte für die FZ nicht als Beleg für eine außerordentliche Bedeutung des Feuilletons dem Flächenanteil nach interpretiert werden, ebenso wenig lassen beide Untersuchungen diesen Schluss für das Feuilleton allgemein im Vergleich zur Vorzeit zu. Doch dies sind lediglich entsprechend vorsichtig zu generalisierende Anzeichen aus zwei Untersuchungen mit engem Rahmen und keineswegs identischem Untersuchungsinstrumentarium.
Tabelle 6: Flächenanteile der Ressorts am Gesamtumfang der Münchner Neuesten Nachrichten im Mai 1918, 1920, 1922
Mai 1918 %
Amtliches Politik Handel / Wirtschaft Sport Kulturteil Lokales Sonstiges Redaktioneller Teil gesamt Anzeigenteil Gesamt 2,7 21,4 7,6 0,6 8,8 9,1 2,3 52,5 47,5 100

Mai 1920 %
2,3 21,5 12,1 3,5 8,9 9,4 3,4 61,1 38,9 100,5

Mai 1922 %
1,5 18,1 13,3 3,2 7,8 10,2 5,1 59,2 41 100,2 Quelle: DÖBL, 1950, Anhang

Doch beide Untersuchungen stützen, ebenso wie Aussagen damaliger Kommunikatoren, zumindest das in den Aussagen Hallers (2003, S. 4.) enthaltene Urteil, dass die Feuilletonressorts in den zwanziger Jahren einen weiten Kulturbegriff pflegten. So beobachtet Döbl in den Münchner Neuesten Nachrichten zum Beispiel 1918 und 1920 einen Flächenanteil wissenschaftlicher Themen von über acht Prozent am Feuilleton. Den Einbruch 1922 erklärt Döbl nicht. Der Wissenschaftsbegriff ist weit gefasst, darunter fallen die „Wissensgebiete der Kunst, der Technik, der Medizin, der

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

27

Geschichte, der Biographie“ (DÖBL, 1950, S. 116). Die qualitative Untersuchung einzelner Beiträge Döbls zeigt ein offenbar wiederkehrendes Präsentationsmuster, nämlich die Nutzung von Wissenschaftlern als Gastautoren. So schreibt zum Beispiel am 22. September 1919 Dr. Ludwig Staby „eine gemeinverständliche Darstellung über das Wesen und die Aufgaben dieser neuen Wissenschaft, die den bezeichnenden Namen Biotechnik führe und die eine Verbindung der Biologie mit der Technik sei“ (DÖBL, 1950, S. 121). Solche Fachautoren werden auch in thematischen Beitragsreihen präsentiert, vergleichbar mit den in der FZ festgestellten Bestrebungen in den 1890er Jahren, „Autoritäten“ in Beitragsreihen als Autoren zu präsentieren (vgl. S. 22). So ließ das Feuilleton der Münchner Neuesten Nachrichten zum Beispiel Münchner Physikprofessor Leo Graetz 1921 eine Aufsatzreihe über „Die moderne Optik“ (DÖBL, 1950, S. 121) schreiben.
Tabelle 7: Flächenanteile einzelner Themenbereiche am Gesamtangebot des Kulturressorts der Münchner Neuesten Nachrichten im Mai 1918, 1920, 1922
Mai 1918 %
Schauspiel Oper/Operette Konzerte Bildende Kunst Literaturbesprechungen Unterhaltungsfeuilleton wissenschaftliches Feuilleton Artikel-Feuilleton Nachrichten-Feuilleton Vermischtes Gesamt 5,1 5,2 6 12,1 4,3 32,9 8,6 7,4 12,1 6,3 100

Mai 1920 %
4 4,2 9,9 8,5 7,3 30,3 8,4 6,3 15,6 5,5 100

Mai 1922 %
10,2 5,4 4,7 5,8 11,6 25,2 3,8 12,8 10,8 9,7 100 Quelle: Döbl, 1950, Anhang

Die Anteile von Wissenschaftsthemen in der Frankfurter Zeitung sind auf Basis der Untersuchung Todorows nicht zu quantifizieren. Institutionalisiert wird diese Berichterstattung 1928 in der Rubrik „Naturwissenschaftliche Berichte“, in der „etwa einmal die Woche (...) namhafte Fachgelehrte mit allgemeinverständlichen und ausführlichen Abhandlungen zu Stand und Problemen der jüngsten Forschung“ schreiben (TODOROW, 1996b, S. 127). Eine sehr ähnliche Präsentation wie in den Münchner Neuesten Nachrichten also. Beide sind zudem vergleichbar mit der Tradition der gelehrten Artikel im Feuilleton des 19. Jahrhunderts und Michael Hallers Schlagwort vom „Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15). Auch in der FZ zählen die Naturwissenschaften zur Wissenschaftsberichterstattung im Feuilleton, was Todorow anhand eines redaktionellen Hinweises über „Die naturwissenschaftliche Berichterstattung in der Tagespresse“ belegen kann. Die Redaktion hebt demnach „ihre seit Jahren im Feuilleton platziere ‚naturwissenschaftliche Berichterstattung’“ als modern hervor. „Sie ist stolz darauf, gegenüber dem ‚fast erstaunlichen Konservatismus des herkömmlichen künstlerisch, belletristisch und geisteswissenschaftlich ausgerichteten Feuilletons im Einklang zu stehen ‚mit dem Zeitalter der Naturwissenschaft und Technik’, und sie folgt dem öffentlichen Interesse daran.“ (TODOROW, 1996b, S. 161)

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Als Thema aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne gehören im Feuilleton der Frankfurter Zeitung in den 1920er Jahren auch Gesellschaftsreportage und politische Themen. Todorow zitiert hierzu einen Beitrag des FZ-Feuilletonchefs Benno Reifenberg vom 1. Juli 1929, in dem er schreibt, dass im Feuilleton „ins allgemeine Bewußtsein gebracht“ wird, „wie die Substanzen unserer Gegenwart gelagert sind, nach welchen Absichten sie sich ändern“ (TODOROW, 1988, S. 697). Ein sehr großer und thematisch sehr weiter Anspruch, den laut Haller auch andere Feuilletonisten wie Benno Reifenberg, Joseph Roth, Siegfried Kracauer und Kurt Tucholsky erheben, „deren Texte ‚das Gesicht der Zeit zeichnen’ (Joseph Roth) und deren politische Hintergründe ausleuchten sollten ...“ (HALLER, 2003, S. 4). Konkret bedeutet diese thematische Erweiterung zum Beispiel, dass im FZ-Feuilleton im Winter 1928/1929 Reportagen aus Polen erscheinen. Auf den Vorwurf eines Lesers, der Autor Joseph Roth sei „ohne inneren Zwang ins Politische abgeglitten“ (TODOROW, 1996b, S. 102), antwortet Roth, dass „ein im weitesten Sinne politischer Zwang meine Aufsätze über Polen diktiert hat, auch wenn sie ‚unter dem Strich’ erscheinen, der, nebenbei gesagt, schon längst aufgehört hat, die Grenze zwischen dem ‚Politischen’ und dem ‚Unterhaltenden’ zu sein.“ (TODOROW, 1996b, S. 102) Bei der Berichterstattung zur Kultur im engeren Sinne sind Döbls Analyse zufolge im Feuilleton der Münchner Neuesten Nachrichten die klassischen – dem bürgerlichen Kulturbegriff nach - Sparten vertreten: Theater, Oper, Musik, Literatur und bildende Kunst. Zumindest aus diesen Daten ist eine Erweiterung des Kulturbegriffs in der Dimension Populär- vs. Hochkultur nicht abzulesen. Für die „Frankfurter Zeitung“ allerdings macht Haller eben diese Erweiterung an der Person Siegfried Kracauers – seit 1921 für die FZ tätig - fest: Sein Interesse galt eben auch der „der Massenkultur, die den orientierungslos gewordenen Subjekten Ablenkung (Unterhaltung) und Entschädigung boten: die Operette und der Zirkus, das Varieté und der Sport – und das neue Massenmedium Film“ (HALLER, 2002, S. 14). Eine Auswertung der Berichterstattung zu diesen populären Sparten fehlt bislang. Hallers Urteil jedoch teilen auch andere Forscher: Wilmont Haacke schreibt, dass in der FZ nach 1924: „neben der Theaterkritik (...) endlich die Filmkritik Salonfähigkeit“ erhielt. (HAACKE, 1962, S. 140) Das Feuilleton lässt beide Kulturfelder – die Kultur im weiteren und die im engeren Sinne – nicht nur unverbunden nebeneinander stehen. Ähnlich wie in manchen Beiträgen im Feuilleton der „Kölnischen Volkszeitung“ während des Ersten Weltkriegs (vgl. S. 24f.) versuchen manche Feuilletonisten in ihren Beiträgen die Verbindung zwischen Kultur im engen und Kultur im weiten Sinne zu fokussieren. Der Feuilletonchef des Berliner Tageblattes Fred Hildenbrandt hat diesen Themenfokus an seinem überspitzten Idealtypus des Feuilletonisten dargestellt, „der die chemische Zusammensetzung des Coffëins, einen Satz aus den Wahlverwandtschaften, irgend einen sinnvollen Spruch Hölderlins und etwa das Gesetz der fallenden Lohnquote (...) ohne Bedenken in einem Feuilleton über die neueste ‚Pelzmantel-Modeschöpfung’ anbringt.“ (BÖMER, 1928, S. 1194)

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Neben solchen Feuilletons als Textform ist eine Ausprägung des verbindenden Themenfokus die Äußerungen von Künstlern zu Ereignissen aus der Kultur im weiteren Sinn. „Viele Intellektuelle bevorzugten aus gesellschaftspolitischen Gründen bewußt die Publikation im Massenmedium Zeitung – sei es der wesentlich breiteren Einflußmöglichkeiten wegen, sei es aufgrund des stark angewachsenen Bedürfnisses nach öffentlicher Sinndeutung und intellektuellem Diskurs.“ (TODOROW, 1988, S. 698) Hier zeigt sich, dass das FZ-Feuilleton bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinn auch in den zwanziger Jahren prominente Autoritäten als Autoren nutzt.

3.6

Vom Feuilleton zur Kulturpolitik im Dritten Reich

Dem heutigen Stand der Forschung nach verschwand der im vorigen Kapitel beschriebene Feuilletontyp von 1933 an zunehmend. „Diesen hintergründigen Kulturjournalismus hat der Nationalsozialismus zerstört.“ (HALLER, 2003, S. 4) Grund dafür war eine bereits in der Weimarer Republik vorhandene Ablehnung des Feuilletons – wobei Form und Ressort nicht getrennt wurden – „bei den ‚völkischen’ Gruppen als ‚jüdische’ oder doch entartete Form der Publizistik“. (HAGEMANN, 1948, S. 197) Die setzte sich im Dritten Reich fort, was Haacke in seiner 1943 erstmals erschienenen Habilitationsschrift - anders als in der 1951 erschienenen, bereinigten Ausgabe – erklärt: „Geltend war unmittelbar nach 1933 eine unverkennbare Gegnerschaft gegen das Feuilleton, welche kurzsichtig auch dem Gattungsbegriff galt. Diese Ablehnung läßt sich als gesunde Reaktion des Gefühls deutschgesinnter Männer auf Jahrzehnte einer Verjudung des Feuilletons und auf die kaum mehr überbietbaren Frechheiten der sich prononziert jüdisch gebenden und von 1918 bis 1933 verheerend einflußreichen jüdischen Feuilletonisten nur zu gut erklären und verstehen.“ (HAACKE, 1943, S. 5) Diese Ablehnung bedeutet nicht, dass Kulturjournalismus nicht mehr geduldet wurde. Er sollte lediglich in anderen Formen, andere Themen zu einem anderen Zweck behandeln. Diese Umgestaltung beschrieb und betrieb auf theoretischer Ebene Haacke, als er einerseits für „die Herausschälung der Juden aus der Geschichte des deutschen Feuilletons“ als „wichtigste Aufgabe einer heutigen Feuilletonkunde“ (HAACKE, 1943, S. 9) plädierte und andererseits behauptete, dass eben jenes deutsche Feuilleton „im gegenwärtigen Kriege (...) nunmehr wieder einen eher stärkeren Einfluß gewinnt“ (HAACKE, 1943, S. 9). Bei diesem Urteil ist nicht klar, ob Haacke das Feuilleton als Form oder Ressort meint, zumindest sei Lob „der vorzüglichen, lebendigen, zumeist im besten Sinne feuilletonistisch gehaltenen Kriegsberichterstattung durch die PK-Männer“ (HAACKE, 1943, S. 9) lässt auf den Formbegriff schließen. Doch das Reichspropagandaministerium maß dem Feuilleton als Ressort genug Bedeutung bei, um „eine rigorose Reglementierung des Feuilletons“ (HAACKE, 1969a, S. 228) umzusetzen. Diese Veränderung begann offiziell am 18. Juli 1933 mit der

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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„Ersten Konferenz des deutschen Feuilletons“. Dort sprach der „Regierungsrat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ (BADE, 1933, S. 3) Wilfrid Bade über, „die Dinge der kulturpolitischen Front“ und zu schlagende „Schlachten“ auf „dem Gebiete der künstlerischen Produktion“ (BADE, 1933, S. 17f.). Was bedeutete: aus „dem liberalen und verspielten Feuilleton“ sollte „die resolute Sparte Kulturpolitik“ werden (HAACKE, 1969a, S. 230). Diese Umbenennung war äußeres Zeichen einer Funktionsverschiebung: „Das ‚neue’ Feuilleton sollte politisch sein, und Dovifat verlieh ihm den Titel des ‚dritten politischen Ressorts’“ (GROTH, 1961, S. 68). Dovifat sieht als Aufgabe dieses neuen kulturpolitischen Teils, dass er: „journalistische Formen wählt, die dem Leser zum Herzen sprechen, die ihn ganz gewinnen und durch ihre persönliche Werbekraft sein Vertrauen in die Ztg stärken und damit für deren politische Führung gewinnen. Das alte ‚unpolitische’ und ‚rein unterhaltende’ F. ist damit überwunden. Die Stunde eines guten, gesinnungsgebundenen Feuilletonismus hat wieder geschlagen.“ (DOVIFAT, 1940, S. 984) Mit Kulturberichterstattung sollen also „die politisch uninteressierten, abseits stehenden oder gar ablehnenden Leser herangezogen und für die totalitären Ideen gewonnen werden.“ (GROTH, 1961, S. 68). Vor diesem Hintergrund wird die Reglementierung der Arbeit im Kulturressort verständlich. Das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ bemühte sich, Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne zu steuern. Im März 1936 wurde eine wöchentliche Kulturkonferenz eingerichtet, am 12. Mai 1936 die so genannte Nachtkritik für Theater-, Musik und Filmaufführungen verboten. Begründung: „die nächtlichen Kritiken seien ohne jeden Abstand geschrieben, ohne Verarbeitung der Eindrücke, ohne Ehrfurcht vor dem Kunstwerk“ (KOSZYK, 1972, S. 373) Die „Verordnung über das Verbot der Kunstkritik“ untersagte am 26. November 1936 „jegliche Bewertung und verlangte eine bloß referierende ‚Kunstbetrachtung“ (STEGERT, 2001, S. 1727). Als Ersatz sollten „Besprechung und Würdigung“ (KOSZYK, 1972, S. 373) dienen, die aber nicht von Journalisten, die jünger als dreißig Jahre waren, geschrieben werden durften. Eine zentrale Themenagenda und Gewichtung lieferte vom 1. April 1941 an der „Deutsche Kulturdienst“ des „Deutschen Nachrichtenbüros“ den Zeitungen (vgl. JÄGER, 1988, S. 60). Dessen Struktur beschreibt in einem Beitrag in der „Zeitungswissenschaft“ Helmut Andres. Zumindest bei dieser Darstellung fällt ein relativ enger Kulturbegriff auf. Wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen sind nicht enthalten, stattdessen dominieren Beiträge mit Fokus auf neu erschienene Kulturprodukte: „Oper und Musik“, „Bildende Kunst“, „Schauspiel“ und „Schrifttum“ nennt Andres als Rubriken (ANDRES, 1941, S. 534). Auffällig ist das Angebot zu populärer Kultur im engen Sinn: „Der Teil ‚Film’ ist besonders vielseitig ausgebaut“, konkret bedeutet das: „Hier begegnen wir neben der Reportage über entstehende Filme dem kulturpolitischen Aufsatz, (...), der Filmbesprechung, den Nachrichten und der Glosse.“ (ANDRES, 1941, S. 534) Ob zunehmende Berichterstattung über populäre Kultur in den Kulturressorts aus Propagandagründen politisch gewollt und durchgesetzt wurde, lässt sich auf der

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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bisherigen Basis der Feuilletonforschung nicht endgültig sagen. Doch zumindest gibt die beschriebene Themenstruktur des Deutschen Kulturdienstes Hinweise darauf. Ähnliches deuten Aussagen von Dovifat und Bade an, die als Ablehnung des bürgerliche (Hoch)Kulturbegriffs zu verstehen sind. Dovifat sieht zum Beispiel angesichts der politischen Aufgaben des neuen Kulturteils „jedes Versinken ins Biedermeier, jedes Dahindämmern in den kulturfreien Bereichen einer holden Gartenlaubenwelt“ als „unmöglich“ (DOVIFAT, 1940, S. 984). Bade verlangt vom neuen Kulturteil „starke, kühne, klare, einfache und junge Kunst eindringlicher zu suchen, zu fördern und zu schützen“ (BADE, 1933, S. 21) und „vollblütig, eindringlich und verständniserweckend darzustellen.“ (BADE, 1933, S. 14f.) Die verfügbaren Quellen deuten auf eine stärkere Beachtung populärer Kultur in den Kulturressorts der Medien im Dritten Reich hin. Die Motive scheinen politisch – Ablehnung bürgerlicher Kultur – und propagandistisch – „volksnahe“ Kunst als Medium politischer Botschaften – zu sein. Auf Basis des bisherigen Forschungsstandes kann zumindest mit Haller der Schluss gezogen werden, dass der sehr weite Kulturbegriff der Feuilletons der zwanziger Jahre im Dritten Reich verschwand, die Inhalte des Kulturressorts sowie Kultur im engen Sinn überhaupt aber sehr wohl politischen Zwecken dienten.

3.7

Feuilleton in der Nachkriegszeit in West- und Ostdeutschland

Die bisherige Forschung interpretiert die Entwicklung der Feuilletonressorts nach 1945 vor allem als Reaktion auf die politische und Selbststeuerung im Dritten Reich. So sieht beispielsweise Peter Glotz die – westdeutschen – Feuilletons von der populären Kultur abrücken. Der Grund ist für ihn die im Dritten Reich politisch gewollte Erweiterung der Kulturressorts zu – einer bestimmten Form – populärer Kultur. Das im doppelten Sinne enge Kulturverständnis – nämlich von Kultur als Kunst und von Kunst als Hochkultur (vgl. zu Definitionen, S. 8f.) – wurde jedoch durch diese Steuerung Glotz zufolge nachträglich gestärkt: „Der Nationalsozialismus hat all diese Tendenzen – gerade weil er sie durch staatlich verordnete und terroristisch durchgesetzte ‚Volksverbundenheit’ unterdrückte - weiter gefördert“ (GLOTZ, 1968, S. 217). Konkret beobachtet Glotz in den westdeutschen Feuilletons der Nachkriegszeit: „Nach 1945 zogen sich viele Intellektuelle aufatmend in den Elfenbeinturm zurück; (...) Die Buchkritik unserer Zeitungen ist immer noch geprägt von diesem Erlebnis.“ (GLOTZ, 1968, S. 217). Ähnlich resümiert Haller die Entwicklung. Er macht deutlicher als Glotz eine Abkehr vom weiteren Kulturbegriff der Feuilletonressorts in den 1920er Jahren (vgl. S. 25f.) aus. Stattdessen verengte das Feuilletonressort seinen Fokus auf Kultur im engeren Sinne und dabei auf die Besprechung von Kulturprodukten. Das Feuilleton „erneuerte die Pflege der Veranstaltungskultur nach dem Muster des Fachjournalisten, der seine Kompetenz über den möglichst intensiven Gebrauch der Fachsprache zum Ausdruck bringt.“ (HALLER, 2003, S. 4)

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

32

3.7.1

Bundesrepublik Deutschland

Diese Feststellung eines verengten Kulturbegriffs in den deutschen Nachkriegsfeuilletons kann nicht an einer breiten Basis empirischer Ergebnisse geprüft werden. Es existieren wenige Untersuchungen zum Feuilleton der Nachkriegszeit. Zumindest für den Umfang der Kulturberichterstattung in überregionalen Tageszeitungen liefert eine Untersuchung von Winfried Schulz Anhaltspunkte. Er hat aus den im Zeitraum vom 13. Februar bis 5. März und vom 19. Juni bis zum 9. Juli 1967 erschienenen Ausgaben jeder Zeitung zwei künstliche Wochen gebildet und untersucht (SCHULZ, 1970, S. 40). Die festgestellten Anteile des Feuilletons am Gesamtangebot liegen im Bereich der von Becker für die Vossische, Spenersche und Nationalzeitung 1852 (vgl. S. 19f.) und von Döbl für die Münchner Nachrichten zu Beginn der 1920er Jahre (vgl. S. 25f.) festgestellten Werte, nach der Politik und wie bei Döbl nach der Wirtschaft. Allerdings ist die Vergleichbarkeit nicht so leicht gegeben, da Schulz Ressortzuordnungen auf Basis der Inhalte der Beiträge trifft. Die Platzierung in einem bestimmten Ressort der Zeitung entscheidet nur im Zweifelsfall (SCHULZ, 1970, S. 46). Demnach hat Schulz also eher die Anteile der Kulturberichterstattung als die des Feuilletons gemessen. Beiträge zu politischen Themen im Feuilletonressort wurden demnach als Politik erfasst, Artikel zu Kulturthemen in anderen Ressorts hingegen dem Feuilleton zugeschlagen. Wie stark dadurch die Ergebnisse von den Ressortumfängen abweichen, ist unklar. Zumindest aber lässt sich feststellen, dass Kultur dem Umfanganteil nach an dritter Stelle in der Themengewichtung der untersuchten Tageszeitungen liegt.
Tabelle 8: Ressortanteile am redaktionellen und am Gesamtumfang von FAZ und Die Welt 1967 unter Ausschluss des Anzeigen- und Lokalteils
Anteil am redaktionellen Umfang von FAZ und Die Welt (%)
Politik Wirtschaft Feuilleton (Kunst und Kultur) darin: Naturwissenschaft / Technik darin: Roman Feuilleton (Unterhaltung und Hobbys) Vermischtes (Gesellschaft) Vermischtes (Unglücke, Verbrechen) Sport Sonstiges Anzeigenteil Gesamt 30,1 22,8 18,7 1,9 1,7 1 5,4 1,7 5,8 14,5 100

Anteil am Gesamtumfang von FAZ und Die Welt (%)
16,8 12,7 10,4 1,1 0,9 0,6 3 1 3,2 8,1 44,2 100 Quelle: SCHULZ, 1970, S. 14; S. 16, S. 27

Über die Themen in den Feuilletonressorts lässt sich auf dieser Basis nichts sagen. Kommunikatoraussagen wie die des SZ-Kritikers Joachim Kaiser lassen eine Dominanz von Kultur im engen Sinne und hier insbesondere der Hochkultur vermute. Kaiser sieht die Aufmerksamkeit der Feuilletons nach 1945 „wie eh und je, auf die Kunst, aufs Theater, auf die schöne Literatur, auf Konzerte und Ausstellungen“ (KAISER, 1970, S. 35) gerichtet. Distanz zur populären Kultur deutet Kaisers Aussage an, dass „natürlich (...) auch Filme besprochen wurden und diejenigen Rundfunksendungen, die den ‚klassischen’ Objekten des Feuilletons ohnehin nah und

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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ähnlich waren“ (KAISER, 1970, S. 35) - also Rundfunkkonzerte. Eine nicht mehr im Original auffindbare Magisterarbeit, aber bei Bitala zitierte Magisterarbeit Petra Altmanns über „Die Entwicklung des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung (SZ) 19451975“ stützt diese Vermutungen. Altmann zieht als Fazit ihrer Untersuchung – über deren Methode, Stichprobe und Kategorienschema bei Bitala nichts bekannt wird -: „Es zeigt sich, daß die sogenannten ‚klassischen’ Kategorien, die schon im 18. Jahrhundert den Inhalt des Feuilletons ausmachten, auch im Feuilleton der SZ, über die untersuchten 30 Jahre hinweg, den Inhalt des Feuilletons dominieren. Das bedeutet darüber hinaus, daß auf soziale und kulturell-gesellschaftliche Veränderungen nicht adäquat reagiert wird.“ (ALTMANN, 1977, S. 141, zit. nach. BITALA, 1993, S. 21). Vor allem populäre Kultur findet „keinen oder einen nur sehr unterrepräsentierten Niederschlag im Feuilleton“ (ALTMANN, 1977, S. 140, zit. nach. BITALA, 1993, S. 20). Diese Aussagen könnten als Belege für Hallers These gelten – wenn mehr über die empirische Basis bekannt wäre. So gibt es zumindest Hinweise dafür, dass „nach dem Untergang des Nationalsozialismus (..) eine tiefgreifende Umorientierung – richtiger: eine massive Eingrenzung – des deutschen Kulturjournalismus“ (HALLER, 2002, S. 15) stattfand und das Feuilleton sich zum „Fachressort, dessen Kritiker und Rezensenten sich mit dem etablierten Kulturbetrieb befassten“ (HALLER, 2002, S. 15) verwandelte. 3.7.2 Deutsche Demokratische Republik

Die Angebotsstruktur des Feuilletonressorts in der Deutschen Demokratische Republik ist wenig erforscht. Überhaupt vermochte „auch die Presseforschung der DDR (...) kaum neue Impulse für die Feuilletonforschung zu geben.“ (TODOROW, 1996b, S. 31) Zumindest über die politisch definierten Aufgaben des Kulturjournalismus in der DDR liegen Quellen vor. Günter Raue, damalige Journalistik Professor an der Leipziger KarlMarx-Universität, definiert in den achtziger Jahren als „Schwerpunkte kulturjournalistischer Arbeit“, „Werte, Ideen und Kenntnisse zu vermitteln, durch deren Aneignung die Menschen in Gemeinschaft mit anderen zu fähigen, gebildeten und überzeugten Erbauern des Sozialismus, zu wahrhaft sozialistischen Persönlichkeiten reifen.“ (RAUE, 1986, S. 203) Noch deutlicher formuliert der Leipziger Journalistik-Professor Siegfried Schmidt diesen Bildungsauftrag: „Journalistische Kritik“ hat „potentiell großen Masseneinfluss“ und daraus folgt „ihre Verantwortung, einen spezifischen Beitrag zur Bildung und zur Freisetzung schöpferischer Fähigkeiten der Leser, Hörer und Zuschauer zu leisten“, konkret: „bei der sozialistischen Persönlichkeitsbildung“ (SCHMIDT, 1984, S. 8). Wie diese in Politik und sozialistischer Journalismustheorie formulierten Aufgaben in der Praxis umgesetzt wurden, ist mangels inhaltsanalytischer Untersuchungen der Feuilletoninhalte nicht mit absoluter Gewissheit zu bestimmen. Kommunikatoren wie

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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der Redakteur der „Wochenpost“ Heinz Knobloch sehen als Themen des Feuilletons abhängig vom „Charakter der jeweiligen Zeitung (...) Buch-, Theater-, Musik-, und Fernsehkritiken, kulturpolitische Artikel, Glossen und Nachrichten“ und auch den „Roman in Fortsetzungen (...), Geschichten, Gedichte und Feuilletons“ (KNOBLOCH, 1962, S. 24). Diese beschriebene Mischung unterscheidet sich vom westdeutschen Feuilletonprofil nach Kommunikatoraussagen (vgl. S. 32f.) durch die kulturpolitischen Themen – Aufsätze zu Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, welche die Feuilletons der zwanziger Jahre kennzeichnen – fehlen allerdings auch in Knoblochs Profilbeschreibung. Inhaltsanalytische Untersuchungen der Medieninhalte, mit denen dieser Befund Knoblochs zu vergleichen wäre, existieren kaum. Eine Analyse des offiziellen Organs der sowjetischen Militäradministration „Tägliche Rundschau“ aus dem Jahr 1945 stützt allerdings die Einschätzung Knoblochs. Die Zeitung veröffentlichte „buchstäblich jeden Tag einen Beitrag zu kulturpolitischen Problemen, oft auch mehrere“ (SCHMIDT, 1984, S. 17) und außerdem regelmäßig „Theater-, Film-, und Musikrezensionen“ (SCHMIDT, 1984, S. 17). Kulturpolitische Themen waren zum Beispiel Berichte „über die praktische Durchsetzung einer neuen Kulturpolitik“ sowie Beiträge zur „Auseinandersetzung mit der Kulturbarbarei der Faschisten“ und natürlich Beschreibungen „der sowjetischen und der Weltkultur“ (SCHMIDT, 1984, S. 17). Insgesamt also ein vielleicht weiterer Kulturbegriff als in den Feuilletons der Bundesrepublik, wenn auch die Erweiterung aufgrund politischer Ziele erfolgte und nicht mit dem Angebot der Feuilletons der 1920er Jahre zu vergleichen ist.

3.8

Zwischenfazit: historische Feuilletonprofile

Trotz der unbefriedigenden Forschungslage zu historischen Feuilletonprofilen lassen sich einige über längere Zeiträume hinweg beobachtete Eigenschaften feststellen. So ist beim Kulturbegriff der Feuilletons zu beobachten, dass zu jeder Zeit Hochkultur im engen Sinn in diesem Ressort thematisiert wird. Die beginnt mit den von 1736 an im „Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten“ erscheinenden Buchbesprechungen, und Kunst-Nachrichten (vgl. S. 18f.) Zu Beginn des 19. Jahrhunderts etabliert sich das Theater neben Literatur und Kunst in Feuilletonressorts, etwa dem der Spenerschen Zeitung (vgl. S. 19ff.). Eine Erweiterung hin zur Populärkultur wird allgemein erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausgemacht, als sich vor allem der Film als Erscheinungsform der Populärkultur im engeren Sinne in den Feuilletons etablierte (vgl. S. 25ff.). Populäre Kultur – konkret Film und Rundfunk – scheint in den Kulturressorts im Dritten Reich ein politisch gewolltes, größeres Gewicht gewonnen zu haben (vgl. S. 29ff.). In den westdeutschen Feuilletonressorts nach Kriegsende wurde populäre Kultur im engeren Sinn hingegen wenig thematisiert, so zumindest die Einschätzung von Wissenschaftlern und Kommunikatoren (vgl. S. 32f.). Ein im anderen Sinne weiter – nämlich gegenüber gesellschaftlichen Subsystemen wie Politik und Wissenschaft, also Kultur im weiteren Sinne – Kulturbegriff ist über einen weit längeren Zeitraum hinweg in Feuilletonressorts zu beobachten. Die gelehrten Artikel im 18. Jahrhundert thematisieren bereits Wissenschaft (vgl. S. 18ff.). Sie bleibt

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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auch im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Thema im Feuilleton. Politik thematisieren Autoren im Feuilleton Mitte über eine Verbindung zwischen Kulturprodukten im engen Sinne und politischen Ereignissen. So zum Beispiel 1848 bei der politischen Interpretation von Theateraufführungen als Spiegel kulturelle Entwicklungen im weiteren Sinn (vgl. S. 22ff.) oder während der Suche nach Hintergründen aktueller politischer Entwicklungen in der Literatur eines Landes (vgl. S. 24ff.). In den 1920er Jahren brachte zumindest die Frankfurter Zeitung im Feuilleton auch Reportagen und als Feuilleton geschriebene Alltagsbeobachtungen zu gesellschaftlichen Themen (vgl. S. 25ff.) – dies scheint jedoch eine nur für diese Zeit, vielleicht auch nur für diese Publikation typische Erscheinungsform zu sein. Wissenschaftsberichterstattung hingegen war offenbar im gesamten 19. Jahrhundert im Feuilleton zu finden, aber auch in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (vgl. S. 25ff..), als zum Beispiel das Feuilleton der Frankfurter Zeitung sich bemühte: „den wissenschaftlichen Teil (...) den gewaltigen Leistungen unserer Zeit in wissenschaftlichen und technischen Eroberungen entsprechend, weiter auszubauen“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1093f.). Für einen vergleichbar weiten Kulturbegriff fehlen nach 1945 Hinweise aus der Feuilletonforschung. Vielmehr scheint das Ressort sich von dieser Tradition des frühen 20. und 19. Jahrhunderts hin zu einem auf Hochkultur im engeren Sinne verengten Kulturbegriff entwickelt zu haben. Bei den Darstellungsformen scheinen die Traditionen eng mit dem Kulturverständnis der Feuilletons verbunden zu sein. So ist auf dem Feld der Kultur, insbesondere der Hochkultur im engeren Sinne, schon früh die Rezension als dominierende Darstellungsform zu beobachten. Der „Hamburgische unpartheyische Correspondent“ bespricht Bücher hauptsächlich (vgl. S. 18), ebenso kritisieren von Anfang des 19. Jahrhunderts an Zeitungen neue Theateraufführungen hauptsächlich (vgl. S. 18ff.). Und alle anderen Kunstsparten, die sich als Thema in den Feuilletons etablieren, werden ebenfalls hauptsächlich rezensiert - zumindest Heinz Merkelbachs Ergebnissen zu sieben in München erscheinenden Tageszeitungen zufolge (vgl. S. 19ff.). An diesem Präsentationsgestus ändert sich im 20. Jahrhundert wenig – er verstärkt sich offenbar in den Feuilletons der Bundesrepublik sogar. Dem wahrscheinlichen Traditionsbruch beim Themenspektrum in den Feuilletonressorts der Nachkriegszeit entspricht auch ein Traditionsbruch bei der Wahl der Darstellung. Denn die Präsentation von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne ist im 19. und frühen 20. Jahrhundert konstant – und konstant anders als die zu Kultur im engeren Sinne. Für Artikel zu Wissenschaft, Technik oder anderen Themen aus der Kultur im weiten Sinne engagierten die Feuilletonressorts durch Expertenwissen legitimierte Gastautoren (vgl. S. 25ff.). Das Feuilleton der Frankfurter Zeitung rühmt sich zum Beispiel: „Hunderte bedeutender Namen könnten hier als Mitarbeiter aufgeführt werden, es mag für die Bedeutung des Feuilletons als einer liberalen Kanzel genügen, daß mit Aufsätzen und anderen Beiträgen vertreten waren: ...“ (VERLAG DER FRANKFURTER, 1911, S. 1093f.) Und es folgt eine Vielzahl an Namen, darunter Georg

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung

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Simmel oder Dr. Hugo Edener, der Mitarbeiter Zeppelins – kurz: „Männer der gelehrten Berufe wie Männer der Praxis“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1093). Zusammenfassend lässt sich auf Basis der spärlichen Forschungsergebnisse zumindest eine Tradition von Hochkultur im engen Sinn als Thema im Feuilleton und der Rezension als auf diesem Feld dominierende Darstellungsform vom Anfang der Kulturberichterstattung in Zeitungen bis ins 20. Jahrhundert ausmachen. Bei der Darstellung von Kultur im weiteren Sinne ist „eine massive Eingrenzung (...) des deutschen Kulturjournalismus“ (HALLER, 2002, S. 15) zu beobachten: Kultur im weiteren Sinn wird zumindest im westdeutschen Feuilleton der Nachkriegszeit durch Kultur – vor allem Hochkultur - im engen Sinne verdrängt.

4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton

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4

Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton

Kommunikationswissenschaftler problematisierten die Fokussierung der westdeutschen Feuilletonressorts auf Hochkultur im engeren Sinne in der Nachkriegszeit (vgl. S. 34f.) erst gegen Ende der sechziger Jahre. Die zuerst von Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher formulierte Kritik (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1973; GLOTZ, 1968) an einem verengten Kulturbegriff muss vor dem Hintergrund der kulturellen Entwicklung der sechziger Jahre gesehen werden. Die breite Etablierung neuer Erscheinungsformen von Kultur im engeren Sinn in der Gesellschaft verdeutlichte, dass in den Feuilletons nur ein kleiner, von wenigen Rezipienten genutzter Ausschnitt des gesamten Kulturangebots thematisiert wurde.

4.1

Der erweiterte Kulturbegriff

Die Erweiterung des Kulturbegriffs in den 60er und 70er Jahren ist Teil eines größeren sozialen Wandels. Bis dahin war im alltäglichen Sprachgebrauch Kultur „in der bürgerlichen, spätbürgerlichen, spätestbürgerlichen Gesellschaft“ für „Arbeiter wie Bürger - selbstverständlich Hochkultur“, wie der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase feststellt (MAASE, 2002, S. IV). Noch 1960 war es aufgrund dieses engen Kulturverständnisses undenkbar, „dass die führenden Feuilletons ernsthaft und kompetent Rockkonzerte und Hollywood-Blockbuster, Fernsehshows und Bestseller besprechen“ (MAASE, 2003b, S. 9). Doch der gesellschaftliche Wandel der sechziger und siebziger Jahre änderte dies. Die „Beteiligung an Jugendstilen“ wurde „Teil der Normalbiografie“, sodass bis Ende der siebziger Jahre „Populärkultur faktisch Kern einer ‚Gemeinkultur’, an der fast alle unter 40 teilhatten“ geworden war (MAASE, 2003b, S. 15). Aus dieser Entwicklung haben zwei sozialdemokratische Kulturpolitiker, Hermann Glaser und Hilmar Hoffmann, das Schlagwort vom „erweiterten Kulturbegriff“ abstrahiert und damit konkrete kulturpolitische Ziele und Strategien verbunden. Sie formulierten die kulturpolitischen Konsequenzen der kulturellen Entwicklung der sechziger Jahre. Ihre Überlegungen erweitern den Kulturbegriff in beiden eingangs dargestellten (vgl. S. 14f.) Dimensionen. Zum einen erkannten sie Kunst als einen Teilbereich der Kultur statt als Äquivalent: „... alle ästhetischen Ausdruckformen von der Musik über die Literatur (...) darstellenden Künsten (...) sind ein wichtiger Bereich neben anderen“ (HOFFMANN, 1985, S. 126). Im Auge hatten sie dabei vor allem „Soziokultur und Alternative Kultur“ und „die kulturellen Prozesse, die zwischen den Menschen und Künsten, zwischen dem Publikum und den Künstlern und ihren Institutionen ablaufen“ (HOFFMANN, 1985, S. 127). Diese Denkrichtung war eng

4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton

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verbunden mit einem demokratischen Kulturverständnis in dem Sinne, dass allen Menschen – abseits der Kategorien von Laien und Professionellen - die „Chance kreativer Entfaltung“ (GLASER, 1974, S. 51) gleichermaßen gegeben werden sollte. Doch abseits dieser wohl zeittypischen Emphase hat diese Erweiterung des Kulturbegriffs – abstrakt formuliert –, den gesellschaftlichen Bezug ästhetischer Symbolsysteme unterstrichen. Wenn Hoffmann zufolge „Kultur ist, wie der Mensch lebt und sich zu seinesgleichen verhält“ (HOFFMANN, 1990, S. 58f.), ist das eine sehr weite und dennoch wertvolle Definition, weil sie ähnlich wie die Kepplingers (vgl. S. 8) zeigt, dass im Feuilleton als Kultur lediglich kleine Ausschnitte der Kultur behandelt werden, gewählt aufgrund von historischen Traditionen und Wertungen. Zum anderen betrachten Glaser und Hoffmann ausdrücklich Populärkultur als Teil der Kultur im engeren Sinn: „die sogenannte ‚Unterhaltung’, die ‚leichte Muse’“, welche zu Unrecht „Kulturpolitik und Feuilleton gern meiden“ (HOFFMANN, 1985, S. 143). Hoffmann verlangt die Achtung populärkultureller „alternativer Kulturformen außerhalb der Stammhäuser der Kultur“ (HOFFMANN, 1990, S. 64) wie zum Beispiel Film, Zirkus, Kleinkunst, Jazz, Folk- und Popmusik durch die Kulturpolitik. Anstatt Kunst mit Hochkultur gleichzusetzen, bezeichnet der erweiterte Kulturbegriff in diesem Sinne das „Spektrum der ‚offenen Vielfalt der Künste’“ (HOFFMANN, 1985, S. 142).

4.2

Aus dem erweiterten Kulturbegriff abgeleitete Kritik am Feuilleton

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung eines neuen, erweiterten Kulturbegriffs haben Kommunikationswissenschaftlicher wie Peter Glotz und Wolfgang Langenbuch als erste das Angebot der Feuilletons kritisch untersucht. So bemängelt Glotz in seiner 1968 veröffentlichten Untersuchung der „Buchkritik in deutschen Zeitungen“, dass „der Komplex der ‚popular culture’, der ‚Massenkultur’, in der Feuilletonkunde als Problem nicht wirklich auftauchte“ (GLOTZ, 1968, S. 22f.). Ähnlich wie Glaser und Hoffmann ihre Forderung nach einem erweiterten Kulturbegriff (vgl. S. 37) verbindet Glotz seine Kritik an den Feuilletonangeboten mit der Vorstellung einer Demokratisierung der Kultur. Er beklagt eine Kluft zwischen Hoch- und Populärkultur: „die Produkte der Elitekultur werden für die Mehrheit der Menschen immer unverständlicher, die Produkte der Populärkultur werden von den Eliten immer leidenschaftlicher als seicht und ungenießbar abgelehnt.“ (GLOTZ, 1968, S. 32f.). Diese Kluft soll das Feuilleton überbrücken, fordern Glotz und Langenbucher in ihrer erstmals 1969 erschienen Kritik der deutschen Presse: „Gemeint ist, daß durch einen populären, mehr an den (exakt zu erforschenden) Kommunikationsbedürfnissen orientierten Journalismus neue Leserschichten, die von den Feuilletonteilen deutschen Zeitungen heute nicht erreicht werden, gewonnen werden könnten. Was zu erreichen wäre: der Ausbruch der Literatur aus dem Kultur-Ghetto der Eingeweihten.“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 95f.)

4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton

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Kritisiert wird das Feuilleton als „Kultur-Ghetto“ also einerseits wegen fehlender Inhalte und andererseits wegen fehlender Vermittlung vorhandener Inhalte. Glotz und Langenbucher beziehen ihre Ausführungen zwar nur auf die Buchkritik, doch glauben sie, dass sie auch für andere Bereiche gilt (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 100). Die in dieser Untersuchung festgestellten Mängel lassen sich zu vier wesentlichen Punkten zusammenfassen. 4.2.1 Weite des Kulturbegriffs

Glotz und Langenbucher fordern eine Erweiterung des Kulturbegriffs im Feuilleton über Kultur im engen Sinne hinaus – denn Kultur umgreife „nicht nur den Bereich des Musisch-Ästhetischen“ (GLOTZ, 1968, S. 46). Das Feuilleton soll also mehr thematisieren als nur Kunst im Sinne eines Systems, das vorrangig ästhetische Programme abarbeitet: „Die Repräsentativ-Kultur (...) umgreift die Produkte theoretischen Forschens ebenso wie die religiösen Denkens oder künstlerischer Gestaltung.“ (GLOTZ, 1968, S. 46) Glaser hat das Angebot der Feuilletonressorts mit ähnlicher Zielrichtung kritisiert, als er beklagte, dass „Naturwissenschaft und ähnliches weiterhin ein weißer Fleck“ (GLASER, 1974, S. 35) sind. Zur Kultur im weiteren Sinne gehören neben allen wissenschaftlichen Disziplinen auch Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Auch diese Themenfelder vermissen Glotz und Langenbucher im Feuilleton. Sie beklagen, dass Journalisten sich die „Auseinandersetzung mit der Literatur offenbar nur als literarisch-ästhetisches Fachgespräch vorstellen“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 103f.). So würde ein Gegensatz zwischen Politik und Kunst aufgebaut, den die Autoren als Widerspruch zu einer umfassenden Kulturberichterstattung sehen. 4.2.2 Weite des Kunstbegriffs

Neben einer Erweiterung des Kulturbegriffs über die Kunst hinaus, verlangen die Kritiker der Feuilletonressorts in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren eine Öffnung des Kunstbegriffs gegenüber populärer Kultur im engen Sinn. Glotz sieht eine „nicht-kommunikative, esoterische Haltung der musisch-ästhetischen Eliten“ (GLOTZ, 1968, S. 72) als Grund für die Distanz eines großen Publikumsteils gegenüber der Hochkultur einerseits und andererseits für die Distanz dieser Eliten gegenüber der Populärkultur im engen Sinne. Anders als Kulturwissenschaftler wie zum Beispiel Maase (vgl. S. 37) argumentiert Glotz nicht mit der darzustellenden Bandbreite der Kultur, sondern mit zu erfüllenden Rezipientenbedürfnissen. Diese würde der Kulturjournalismus vernachlässigen, „weil er einsinnig-publizistisch von der Ästhetik her denkt“ (GLOTZ, 1968, S. 84). Das Feuilleton kritisiert Glotz als dem Publikum unangemessen, nicht als der Kultur unangemessen: „Die Leser einer Zeitung haben ein legitimes Bedürfnis, zu erfahren, (...) was sie unterhält, entspannt, informiert usw. Hier sind echte Kommunikationsbedürfnisse, (...) die befriedigt werden wollen.“ (GLOTZ, 1968, S. 63)

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Aus dieser Argumentation folgt, dass das Feuilleton einer Zeitung mit vor allem hochkulturell interessierten Lesern nicht an diesem Anspruch zu messen ist. Zu erforschen ist also – was Glotz auch ausdrücklich verlangt – das Kulturinteresse der Rezipienten, um die Qualität eines Feuilletons im Sinne Glotz’ bewerten zu können. Viele andere Kritiker der Feuilletonressorts bemängeln hingegen deren Kulturangemessenheit. Glaser zum Beispiel kritisiert, „daß bestimmte Bereiche sehr bevorzugt sind und andere Bereiche unterbelichtet bleiben“ (GLASER, 1975, S. 6593). Die Feuilletonredaktionen bevorzugen „Theater, Bücher, Kunst, Musik, schöngeistige und geisteswissenschaftliche Fragen“ (GLASER, 1975, S. 6593). Glaser beklagt ausdrücklich, dass diese Angebotsprofile der Kultur nicht gerecht werden: „Formalistisches Schubladendenken leistet einem Begriff von Kultur Vorschub, wie es ihn nie gab und auch nicht geben sollte.“ (GLASER, 1975, S. 6593) 4.2.3 Vielfalt der Darstellungsformen

Glotz und Langenbucher beanstanden wie viele Kritiker nach ihnen nicht nur die Themenstruktur in den Feuilletonressorts, sondern auch die gewählten Präsentationsformen der vorhandenen Themen. Ihre Analyse der Darstellungsformen in der Literaturberichterstattung haben Glotz und Langenbucher zum oft zitierten Schlagwort von den „Rezensionsfriedhöfen“ verdichtet: „Der Journalismus hat in einer langen Geschichte viele Darstellungsformen geschaffen: die Rezension, das Interview, die Glosse das Feature, die Nachricht, die Reportage, den Dialog etc. Die Journalisten bedienen sich dieser Formen – aber kaum im Feuilleton. Unsere Literaturseiten sind häufig Rezensionsfriedhöfe.“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104) Diese Monokultur als Mangel erkannten auch andere Kritiker (GLASER, 1975, S. 6596). Konkret vermisst Glotz „das Bild als Darstellungsmittel, die Buchreportage, das Autoren-Interview, die Glosse (...) human-interest-stuff“ (GLOTZ, 1968, S. 91). 4.2.4 Erweiterter Fokus auf Kultur

Mit der Forderung nach einer größeren Vielfalt der Darstellungsformen ist eine andere Forderung eng verbunden, die oft nicht klar genug davon getrennt wird. Glotz, Langenbucher und andere Kritiker des Feuilletonangebots wollen nicht nur anteilsmäßig weniger Rezensionen. Sie verbinden damit vielmehr auch eine Kritik an einem zu engen Fokus des Feuilletonressorts auf Kultur als Menge einzelner, einzeln zu behandelnder Kulturprodukte. Anstatt „Buch für Buch“ abzuhandeln, verlangen sie einen Fokus auch auf den Kulturbetrieb statt nur auf das Produkt: „Warum zeigt man nicht, wie Bücher verbreitet, geschrieben, hergestellt, vertrieben, verkauft werden? Wo erfährt man etwas (...) über den letzten Skandal in der Branche und die neueste Fusion im Verlagsgeschäft?“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 105)

4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton

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Der Kulturjournalist und Schriftsteller Peter Hamm erkennt in diesen unterschiedlichen Erkenntnisinteressen einen Gegensatz zwischen dem Glauben der „Älteren“ an „die Autonomie der Kunst“ und der Überzeugung jüngerer Kritiker, „Geistiges nicht mehr losgelöst von seinen materiellen Bedingungen“ zu betrachten (HAMM, 1970, S. 9). Die jüngere Überzeugung verlangt Hamms Abstraktion zufolge, dass Feuilletonbeiträge die Kultur im engeren Sinne in Verbindung mit Kultur im weiteren Sinne sehen und in diese setzen: Statt die „Eigengesetzlichkeit der Kunst“ sollte Kritik „Marktgesetze“ und der „Warencharakter auch der Kunst“ darstellen (HAMM, 1970, S. 9).

4.3

Zwischenfazit: Forderungen an das Feuilleton

Die Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auch von Kommunikationswissenschaftlern formulierte Kritik am Feuilleton kann grundsätzlich zwei Argumentationslinien zugeordnet werden: Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher kritisieren zum einen das Feuilleton als nicht den Interessen der Lesermehrheit angemessen – dem Interesse an populärer Kultur zum Beispiel. Kulturpolitiker wie Hermann Glaser oder Hilmar Hoffmann messen hingegen die Themenvielfalt im Feuilleton mit der - von ihnen wahrgenommenen – Vielfalt der Kultur. Doch beide Argumentationsrichtungen führen zu denselben Feststellungen und Forderungen: Der Kulturbegriff des Feuilletons ist zu eng auf Kunst ausgerichtet. Das Feuilleton sollte mehr Kultur im weiteren Sinne wie Wissenschaft oder Religion thematisieren (vgl. S. 39). Dieses Themengebiet haben den bisherigen Forschungsergebnissen zufolge die Feuilletonressorts im ausgehenden 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts durchaus bearbeitet (vgl. S. 22ff.; S. 24f.; S. 25f.). Ihren Kulturbegriff scheinen die Ressorts in Deutschland nach Ende des zweiten Weltkriegs auf die von Glotz und Langenbucher kritisierte Dominanz der Hochkultur im engen Sinne verengt (vgl. S. 31) zu haben. Ein anderes Feld – populäre Kultur im engeren Sinne sehen die Kritiker ebenfalls nicht von den Feuilletons abgedeckt (vgl. S. 39). Insbesondere durch diesen Mangel sieht Glotz „echte Kommunikationsbedürfnisse“ (GLOTZ, 1968, S. 63) der Rezipienten vernachlässigt. Auch hier unterscheiden sich offenbar die Angebote der von Glotz kritisierten Feuilletons von Profilen historischer Vorgänger. So erklärte zum Beispiel das Feuilleton der Frankfurter Zeitung in den zwanziger Jahren die Analyse populärer Kultur zu einer seiner Aufgaben (vgl. S. 25). Die Präsentation der Themen, insbesondere die mangelnde Vielfalt journalistischer Darstellungsformen ist der dritten Kritikpunkt (vgl. S. 40) Glotz’ und Langenbuchers: Sie beanstanden, dass Feuilletons durch den übermäßigen Einsatz von Rezensionen zu „Rezensionsfriedhöfen“ verkommen (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104). Sie kritisiert ebenfalls eine mangelnde Kontextualisierung von Kultur (vgl. S. 40): Der Fokus der Berichterstattung im Feuilleton liege vor allem auf Kulturprodukten, kaum ein Beitrag würde hingegen wirtschaftliche, organisatorische oder politische Aspekte des Kulturbetriebs behandeln. Hier ist der Vergleich mit Vorgängern der Ressorts nicht einfach: Die Feuilletonressorts scheinen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – vor allem aus Wissenschaft und Politik – in häufig von Gastautoren verfassten Essays und

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Reportagen behandelt zu haben (vgl. S. 22ff.; S. 25ff.) – während Kultur im engeren Sinne eher in Rezensionen dargestellt wurde. Doch hat bislang keine Studie die Anteile der Darstellungsformen so aufgeteilt untersucht. Die vor allem rezipientenorientierte Begründung der Kritik von Glotz und Langenbucher im Sinne einer Kategorisierung von Kulturprodukten und einem darauf basierenden Abgleich mit Feuilletoninhalten ist problematisch. Das Problem der Einordnung von Kulturprodukten zur Populär- oder Hochkultur allein auf Basis ihrer Popularität im Sinne von Verkaufs- oder Nutzungszahlen wurde bereits eingangs in dieser Arbeit dargestellt (vgl. S. 9): Eine ausschließlich auf Rezeptionshäufigkeit oder Rezipientendemographie basierende Trennung von Populär- und Hochkultur ist demnach nicht sinnvoll, weil sie das ästhetische Programm eines Werkes vollkommen ignoriert und implizit behauptet, die Zugehörigkeit eines Kulturprodukts zu einem Kulturfeld würde sich invariant, von anderen Faktoren unbeeinflusst auf den Markterfolg auswirken. Diese problematische Definition wurde eingangs modifiziert (vgl. S. 14f.), ohne sich jedoch radikal der Auffassung Glotz und Langenbucher entgegenzustellen: Die von Glotz und Langenbucher erwähnte Unterhaltungsfunktion wurde der kulturwissenschaftlichen Definition Hügels (HÜGEL, 2003a, S. 17) folgend als spezifisches ästhetisches Programm definiert (vgl. S. 9), ohne dass das tatsächliche Maß der Rezeption und des Unterhaltenwerdens als – problematische - Kriterien einbezogen wurden. Insofern kann die Kritik von Glotz und Langenbucher als Grundlage für den weiteren Untersuchungsverlauf dieser Arbeit verwendet werden. Ebenso die mit der Vielfalt der Kultur begründete Kritik in der Argumentationstradition Glasers und Hofmanns. Soll im weiteren Verlauf der Arbeit Glotz’ und Langenbuchers Kritik am Feuilletonressort mit aktuellen Feuilletonprofilen verglichen werden, ist eine Einschränkung vorzunehmen und gegebenenfalls zu prüfen: Weil die Autoren von der Rezipientenseite her argumentieren, kann ihre Kritik nicht für alle Medien – angesichts möglicherweise unterschiedlicher Rezipientenstruktur – gleichermaßen gelten. Glotz und Langenbucher umgehen diesen Punkt, indem sie nicht die einzelnen Feuilletons, sondern das Gesamtangebot kritisieren. Sie kritisieren, dass eben in dieser Vielfalt der Feuilletonangebote keines für die an Populärkultur interessierten Rezipienten existiert (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 96f.). Wenn also im Verlauf dieser Arbeit Glotz’ und Langenbuchers Kritik auf die Feuilletoninhalte ausgewählter Medien – FAZ und SZ – bezogen werden soll, muss zuerst dieser problematische Bezug thematisiert werden. Ein Trugschluss muss aber mit aller Deutlichkeit – die bei Glotz und Langenbucher fehlt – vermieden werden: Eine Aussage, dass mehr Populärkultur und weniger Rezensionen im Feuilleton unmittelbar zu stärkerer oder verbreiteter Rezeption führen, sind auf Basis der bisherigen Forschung nicht möglich. Denn die Verbindung zwischen Feuilletonnutzung und Kulturinteresse an bestimmten Sparten ist eine – wenn auch vielleicht plausible doch nicht belegte – Annahme.

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Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

Kommunikationswissenschaftler und Kulturpolitiker haben erstmals Ende der sechziger Jahre eine Dominanz von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne in westdeutschen Feuilletonressorts festgestellt (vgl. S. 39) – und als dem Publikum oder der Kultur nicht angemessen kritisiert. Diese Kritik ist Grundlage eigentlich jeder der folgenden wissenschaftlichen Untersuchungen der Kommunikatoren, der Inhalte, selten allerdings der Rezipienten der Feuilletons. Alle diese Ansatzpunkte sind für eine Prüfung und Aktualisierung der Kritik Glotz’ und Langenbuchers wichtig. Denn Glotz selbst argumentiert ja mit Rezipienteninteressen, belegt seine Thesen mit einer Kommunikatorbefragung sowie Copytests (GLOTZ, 1968, S. 216). Allerdings bleibt bei Glotz und Langenbucher der populärkulturell interessierte Zeitungsleser, der das Feuilleton wegen des dort herrschenden engen Kulturbegriffs nicht nutzt, ein größtenteils implizierter. Die – wenigen – Untersuchungen zu Kommunikatoren, Inhalten und (potenziellen) Rezipienten der Feuilletons sind daher nicht nur als Überprüfung der Aktualität der Kritik am Feuilleton aus den späten sechziger Jahren interessant, sondern zugleich als Grundlage für eine mögliche Präzisierung und Neuformulierung einzelner Kritikpunkte. Zu fragen ist: Welchen Kulturbegriff verfolgen Kommunikatoren im Feuilleton? Stützen die Erkenntnisse zur Berufsauffassung der Feuilletonkommunikatoren die Kritik an ihrer angeblichen Ignoranz gegenüber dem Publikum? Zeichnen sich in den Feuilletoninhalten nach der Kritik Glotz’ und Langenbuchers neue Berichterstattungsmuster ab? Und: In welchem Ausmaß nutzen Rezipienten Feuilletoninhalte? Lassen sich Rezipienten tatsächlich entlang eines überwiegenden Interesses für Populär- oder Hochkultur in zwei Gruppen aufteilen? Diese Fragen sollen hier beantwortet werden.

5.1

Kommunikatorforschung

Bis Mitte der neunziger Jahre waren über Kulturjournalisten nicht einmal grundlegende Eckdaten bekannt, weil die älteren Kommunikatorstudien sich auf Teilmengen, nämlich „leicht abgrenzbare Berufsbilder, wie Buch-, Theater, Musik- und Fernsehkritiker“ konzentrierten (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 308). Dies haben die Kommunikationswissenschafter Gunter Reus, Beate Schneider und Klaus Schönbach (1995, S. 309) mit ihrer Sonderauswertung einer Befragung 983 westdeutscher Journalisten in den Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkunternehmen und Nachrichtenagenturen aus dem Jahr 1992 geändert. Jene 105 davon, die als Schwerpunkt ihrer journalistischen Tätigkeit Kultur angaben, zählten Forscher zur ausgewerteten Teilmenge der Kulturjournalisten. „Elf Prozent der westdeutschen

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

44

Journalistinnen und Journalisten“ beschäftigen sich also nach Eigenaussage vorwiegend mit Kultur (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 309). 5.1.1 Verständnis der eigenen Berufsrolle

Glotz und Langenbucher kritisierten die fehlende Publikumsorientierung der Feuilletonjournalisten hart. „Über den ‚kleinen Kreis’“, den sie erreichen, wollten die Feuilletonredakteure „gar nicht hinaus“. Denn sie „kümmern sich zum Teil gar nicht um ihr Publikum“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 100f.). Diesen Befund leiten sie aus einer Kommunikatorstudie (GLOTZ, 1968) Glotz’ ab. Er befragte 33 für Literaturseiten verantwortliche Redakteure überregionaler Tages- und Wochenzeitungen, sowie von Regionalzeitungen aus Bayern und dem Ruhrgebiet (vgl. GLOTZ, 1968, S. 94). Die Ergebnisse sind also nicht auf die Kulturjournalisten insgesamt zu übertragen. Als Ergebnis dieser individuellen Intensivinterviews mit halb strukturiertem Fragenablauf (GLOTZ, 1968, S. 93) resümiert Glotz, dass die Journalisten in Kulturressorts überregionaler Zeitungen „in der überwiegenden Mehrheit durchaus ‚publizistisch’ denken und handeln“ (GLOTZ, 1968, S. 115) während bei regionalen Zeitungen „die Variante der ‚monologen’ Haltung weit seltener vertreten“ ist (GLOTZ, 1968, S. 128). Monolog nennt Glotz eine Haltung, die Ziele, Aufgaben und Qualitätskriterien journalistischer Arbeit eher aus ästhetischen Urteilen und Wertvorstellungen als aus Kenntnissen über die Rezipienten ableitet: „Buchkritik ist für sie nicht die je und je (nämlich je nach dem Gesprächskreis verschiedene) Artikulation des Zeitgesprächs um ein Buch, sondern etwas ‚Objektives’, das auf einer ‚literarischen und beinahe wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Ebene’ vor sich geht, ist vor allem Auseinandersetzung mit der literarischen Form und daher von vornherein nur für einen sehr begrenzten Kreis ‚interessant’.“ (GLOTZ, 1968, S. 125) Zu diesem begrenzten Kreis rechnet Glotz zufolge die Mehrheit der von ihm befragten Journalisten sich selbst und nur einen kleinen Teil der potenziellen Rezipienten. Das Verständnis der eigenen Berufsrolle ist laut Glotz bei der Mehrheit der von ihm befragten Verantwortlichen für Literaturseiten „nicht so sehr auf Popularisierung, Vermittlung, Übersetzung gerichtet“, sondern „getragen vom energischen Willen zur Mitsprache in den Eingeweihtenzirkeln“ (GLOTZ, 1968, S. 145f.). Knapp anderthalb Jahrzehnte später kommt Petra Altmann in ihrer Dissertation, einer Kommunikatorstudie der für Buchkritik verantwortlichen Redakteure, zu teilweise abweichenden Ergebnissen. Anders als Glotz hat sie nur Redakteure bei Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 150000 Exemplaren (ALTMANN, 1983, S. 74) befragt. Die meisten Redakteure sehen auf sich das Rollenbild des Buchkritikers als „vermittelnder Informant“ am ehesten zutreffen. Das ist zumindest auf den ersten Blick eine Abweichung zur von Glotz festgestellten Vermittlungsunwilligkeit. Allerdings lässt die Typologie Altmanns die Frage offen, was und wem jene Kritiker vermitteln wollen.

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs Tabelle 9: Rollenauffassungen von Buchkritikern
Buchkritiker als ...
... vermittelnder Informant ... Vermittler von Orientierungsmaßstäben Buchkritik als Hilfe für den interessierten Rezipienten ... Erzieher ... Produzent von Literatur Buchkritik als Lernprozess für den Rezensenten Keine bestimmte Rollenauffassung

45

%
40 20 5,7 8,6 5,7 5,7 14,3

absolut
14 7 2 3 2 2 5 Basis: N=35 | Quelle: ALTMANN, 1983, S. 164

Als Relativierung der Selbsteinschätzung können allerdings die von Altmann ebenfalls abgefragten Selektionskriterien für zu besprechende Buchtitel interpretiert werden: „Ganz eindeutig zeigte sich, daß die persönlicher Interessen der Buchkritiker in den meisten Fällen die Auswahl bedingen. 29 der Befragten (=82,9%) nannten dies als Auswahlkriterium.“ (ALTMANN, 1983, S. 109) Die starke Selbstwahrnehmung einer vermittelnden Berufsrolle bei den von Altmann befragten Journalisten geht also keineswegs mit einer zumindest angestrebten Orientierung an den Publikumsinteressen einher. Unklar ist aber, ob diese Titelauswahl auf Basis persönlichen Interessen tatsächlich der von Glotz kritisierten Ignoranz gegenüber dem Publikum entspringt oder als Notbehelf Folge fehlender Informationen über Leserinteressen ist. Eher für die erste Interpretation spricht die Sonderauswertung der Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundespresseamts durch Reus, Schneider und Schönbach. Sie ermöglicht einen Vergleich der Einstellungen von Kultur- und hautsächlich auf anderen Themengebieten aktiven Journalisten. Dieser Vergleich ergibt, dass Kulturjournalisten ihrem beruflichen Selbstverständnis nach „häufiger als andere Journalisten Pädagogen, Erzieher sein“ wollen und sich seltener „als neutrale Berichterstatter“ sehen (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 314).
Tabelle 10: Journalistisches Selbstverständnis von Kulturjournalisten und Journalisten allgemein
Antworten auf die Frage: „Wie sollte man als Journalist Ihrer Meinung nach seine Aufgabe verstehen, als was sollte man sich als Journalist sehen? Sagen Sie mir bitte, ob Sie den folgenden Aussagen zustimmen oder nicht zustimmen.

Ein Journalist sollte sich sehen als (der) ...
Kritiker an Missständen Vermittler neuer Ideen , der die Bevölkerung über ihre Rechte / Ansprüche informiert Jemand, der die Leute unterhalten sollte Neutraler Berichterstatter Wächter der Demokratie Anwalt der Benachteiligten in unserer Bevölkerung Jemand, der den Leuten hilft, sie berät Sprachrohr der Bevölkerung , der Bevölkerung demokratische Prinzipien nahebringt Pädagoge, Erzieher , der der Bevölkerung Maßnahmen der Regierung nahebringt Politiker mit anderen Mitteln

Kulturjournalisten % (n= 105)
92 91 82 81 78 78 71 61 56 49 22 18 16

andere Journalist. % (n=878)
95 86 91 77 90 82 74 65 65 61 12 34 10

Quelle: REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 315

Bei diesen Ergebnissen fällt die im Vergleich zu anderen Journalisten stärkere Selbstwahrnehmung der Kulturjournalisten als „Vermittler neuer Ideen“ auf. Sie spricht für ein eher pädagogisches Selbstverständnis: „Kulturjournalisten wollen, was sie persönlich für bedeutend halten, auch gerne an andere weiterreichen (‚Vermittler von Ideen’, ‚Pädagoge’, ‚Erzieher’), allerdings weniger auf dem Gebiet des (politischen) Alltags und nicht unbedingt an

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

46

jedermann. An ‚die Bevölkerung’ denken sie deutlich weniger.“ (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 314) Das steht der von Glotz geforderten Akzeptanz einer Vermittlerrolle nicht per se entgegen. Doch scheinen Kulturjournalisten eher eigene Einschätzungen und eigene Überzeugungen als auf Basis von Rezipienteninteressen gewählte Inhalte vermitteln zu wollen. Das ist nicht eine zwangsläufige Folge des Arbeitsgegenstandes und einer angeblich notwendigen Subjektivität der Kritik. Denn auch Rezensenten und Kritiker haben „zunächst die Aufgabe, zu informieren“, weil „Aussagen über den kulturellen Wert (...) nur über die Beschreibung ihrer Formen und Funktionen nachvollziehbar“ werden. Nur „akzeptieren sie diese Rollenauffassung“ als neutraler Berichterstatter „etwas weniger als andere Journalisten“ (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 317). 5.1.2 Publikumsbild

Glotz stellte bei seiner Kommunikatorstudie 1968 ein „Desinteresse an empirischer Leserforschung“ fest, das er als bewusste Entscheidung der Kulturjournalisten interpretiert, ihre Arbeit an – wie auch immer definierten – kulturellen Werten statt am Publikum zu messen. Der Journalist, der sich in diesem Sinne als „ein objektiven Maßstäben verpflichteter Kritiker (...) sieht, muß ‚das Schielen nach dem Publikum’ als ‚korrumpierendes Element’“ verstehen (GLOTZ, 1968, S. 132). Zu einem differenzierteren Fazit kommen mehr als zwei Jahrzehnte später auf wesentlich breiterer empirischer Basis Reus, Schneider und Schönbach. Sie vergleichen die Ergebnisse der Publikumseinschätzung durch Kulturjournalisten mit denen anderer Journalisten. Ihr Fazit: „Kulturjournalisten mögen ihr Publikum – genauer gesagt: eine bestimmte Art von Lesern, Hörer und Zuschauern, die sei beim Schreiben und Produzieren vor Augen haben. Ihr Bild ist positiver als das Publikumsbild anderer Berufsgruppen.“ (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312) Diese positive Einschätzung leiten die Forscher daraus ab, dass Kulturjournalisten ihrem Publikum von neun zu vergebenden positiven Eigenschaften, im Durchschnitt 4,3 zurechnen. Die auf andere Themenfelder fokussierten Journalisten schreiben ihrem Publikum durchschnittlich nur 3,8 dieser neun Eigenschaften – zum Beispiel „kritisch“ – zu. Dieses Ergebnis interpretieren die Forscher ganz im Sinne der Kritik von Glotz: Zwar interessieren sich Kulturjournalisten für ihr Publikum - doch offenbar haben sie dabei ein anderes Publikum als die übrigen Journalisten vor Augen. Diese Publikumseinschätzung interpretieren die Forscher als Ausrichtung der Kulturjournalisten auf eine elitäre Minderheit. Kulturjournalisten würden sich bewusst sein, dass „sie für ein eher kleines, privilegiertes Segment von Mediennutzern arbeiten“. Und mit dieser Vorstellung „fühlen sie sich (...) wohl; an die Gesamtheit von Lesern, Hörer und Zuschauern denken sie bei ihrer Arbeit kaum.“ (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312f.)

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

47

Was für einen Kulturbegriff aber die Kommunikatoren im Feuilleton ihren Lesern vermitteln wollen, hat keine der bislang vorliegenden Studien untersucht. Ebenso wenig, in was für einem Koordinatennetz aus ästhetischen Kriterien sie die Gegenstände ihrer täglichen Arbeiten verorten – wenn sie denn ihre Arbeit eher kunst- als publikumsgerecht leisten wollen. Dass sie das tun, deuten zumindest einige der Kommunikatorstudien an. Ein Ergebnis ist den Kommunikatoruntersuchungen gemein: Die Kommunikatoren im Feuilleton sind vielleicht nicht ignorant gegenüber dem Publikum, wie Glotz kritisierte – doch sie scheinen zumindest ignoranter als Kollegen in anderen Ressorts zu sein.

5.2

Untersuchungen der Medieninhalte

Nach dem in den sechziger Jahren einsetzenden Kulturwandel (vgl. S. 37) und der infolge dieses Wandels geäußerten Kritik an den Inhalten des Feuilletons (vgl. S. 38ff.) wurden diese Inhalte erstaunlich wenig erforscht. Bei den vorliegenden Untersuchungen ist ein Vergleich nur mit Einschränkungen möglich, da die Studien in unterschiedlichen Medien zum Teil die Kulturberichterstattung aller Ressorts, zum Teil aber auch ausschließlich Feuilletoninhalte untersuchten. Zudem unterscheiden sich die als Untersuchungsinstrumente verwendeten Kategoriensysteme erheblich. Eine systematische Langzeituntersuchung der Kulturberichterstattung, wie sie zum Beispiel Ulrich Saxer für Printmedien im Kanton Zürich zwischen 1975 und 1991 vorgelegt (SAXER, 1997) hat, existiert für deutsche Feuilletonressorts nicht. Die beiden bislang umfassendsten Untersuchungen (MÜLLER-SACHSE, 1988; STEGERT, 1998) der Kulturberichterstattung in deutschen Tageszeitungen beschäftigen sich mit Medieninhalten aus den Jahren 1987 und 1993. Seitdem ist keine vergleichbar breit angelegte Untersuchung erschienen. Die methodischen Besonderheiten beider Arbeiten werden hier kurz geschildert, um anschließend die Ergebnisse mit gebührender Vorsicht und so knapp wie möglich präsentieren zu können. 1988 veröffentlichte der Medienwissenschaftler Karl H Müller-Sachse eine Untersuchung der Kulturberichterstattung in 14 deutschen Tages- und zwei Wochenzeitungen. Frankfurter Allgemeine und Süddeutsche Zeitung waren dabei die einzigen überregionalen Tageszeitungen. Untersucht hat Müller-Sachse die Ausgabe einer natürlichen sowie einer künstlichen Woche im April 1987, bei den Wochenzeitungen alle Ausgaben dieses Monats (vgl. MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 579). Die Untersuchung betrachtet die Kulturberichterstattung aller Ressorts und fasst die Ergebnisse sowohl zu regionalen und überregionalen Tages- als auch zu Wochenzeitungen undifferenziert zusammen. Zudem bestimmt der Forscher durch einen im Voraus definierten Kulturbegriff einen Teil der Ergebnisse vor: So zählt Geisteswissenschaft als Thema ebenso wenig wie Naturwissenschaft zur Kultur, wird also weder codiert noch als Teil der Kulturberichterstattung präsentiert – selbst wenn diese Themen im Feuilletonteil der untersuchten Medien zu finden wären.

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Dieses Manko hat der Medienwissenschaftler Gernot Stegert bei seiner 1998 publizierten Untersuchung der Kulturberichterstattung in 19 Printmedien versucht zu beheben. Er untersuchte ebenfalls überregionale und regionale Tages- sowie Boulevardund Wochenzeitungen und Magazine (vgl. STEGERT, 1998, S. 25). Untersuchungszeitraum ist bei den Tageszeitungen einer natürlichen Woche im November, bei den Wochenperiodika sechs Ausgaben zwischen dem 25.10 und 2.12.1993 (vgl. STEGERT, 1998, S. 35). Anders als Müller-Sache kategorisiert Stegert dabei die Inhalte der Medien nicht nach einem von ihm vorab definierten Kulturbegriff, sondern entwickelte den Kulturbegriff der untersuchten Medien „aus dem Material“ (STEGERT, 1998, S. 24). Konkret bedeutet das: Im ersten Schritt untersuchte Stegert, welche Themen und Kultursparten in den Kulturressorts stärker als in allen anderen erscheinen. Diese Themen und Kultursparten definieren den Kulturbegriff. Im zweiten Schritt untersuchte Stegert dann das Gesamtangebot der Medien auf diese Inhalte (vgl. STEGERT, 1998, S. 24), wobei er allerdings bei einigen Medien bestimmte Ressorts ausgeklammert hat – zum Beispiel die lokalen Kulturseiten bei den überregionalen Zeitungen, die „in dieser Untersuchung als Überregionale interessieren“ (STEGERT, 1998, S. 77). Anders als Müller-Sachse macht Stegert auch transparent, wie viele der von ihm untersuchten Beiträge im Feuilleton, beziehungsweise Kulturressort erschienen sind. Insgesamt erschienen 51,5 Prozent der untersuchten Beiträge auf Feuilletonseiten, bei der Süddeutschen Zeitung jedoch 78,9 und bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 91,8 Prozent (STEGERT, 1998, S. 107). Beide Untersuchungen beziehen sich ebenso wie die übrigen Untersuchungen mit sehr eingeschränktem Erkenntnisinteresse in vielen Punkten auf die Kritik von Glotz und Langenbucher. Mit einer Ausnahme: Kultur im weiteren Sinn schließen Müller-Sachse und Stegert zum größten Teil als Themen aus dem Untersuchungsmaterial aus, weil es nicht in den a priori postulierten (bei Müller-Sachse) oder aus dem Untersuchungsmaterial entwickelten Kulturbegriff passt. Wenn also auch die Instrumente verschieden sind, versuchen die Arbeiten doch, ähnliche Aspekte zu untersuchen und vergleichbare Fragen zu beantworten. 5.2.1 Weite des Kulturbegriffs, Gewicht der Kultursparten

Müller-Sachse schlüsselt in seiner Studie die Kulturberichterstattung der untersuchten regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen nach Sparten und Themen auf. Dabei verzeichnen die Sparten Literatur, Musik und Theater die größten Anteile – jeweils 18 Prozent – an allen Artikeln bei allen untersuchten Medien. Den Flächenanteilen nach dominieren die Programmseiten. Die nächst größten Textflächenanteile beanspruchen die Sparten Theater, Musik und Kunst für sich. Beim Angebot der Süddeutschen und Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind an den Artikelhäufigkeiten ähnliche Präferenzen abzulesen, allerdings liegt bei der SZ der Schwerpunkt der Kulturberichterstattung im Untersuchungszeitraum auf Theater (22 Prozent der Beiträge) und Musik (17 Prozent der Beiträge). Die FAZ hingegen legt

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

49

einen Schwerpunkt auf Literatur. Trotz dieser ausgeprägten Blattprofile fällt auf, dass Kino in beiden Medien eine vergleichsweise wenig präsente Sparte ist. Allerdings bringt die SZ anteilsmäßig doppelt so viele Beiträge zum Kino wie die FAZ – und liegt damit auch über dem Durchschnitt aller ausgewerteten Tageszeitungen.
Tabelle 11: Das Kulturangebot der Tageszeitungen nach Sparten, Häufigkeits- und Flächenanteile in Prozent, 1987
FAZ
Theater Musik Kunst Literatur inkl. Fortsetzungsroman Kino Medien Notizen/Termine Programmseiten Sonstiges Häufigkeit % 13 5 15 43 4 8 5 9

SZ
Häufigkeit % 22 17 12 13 9 4 6 10 8

∅ Tageszeitungen
Häufigkeit % 18 18 11 18 7 5 7 7 9

∅ Tageszeitungen
Flächenanteil % 12 12 8 17 6 3 4 29 12

Basis: Beiträge in 278 Tageszeitungsausgaben | MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 583/584/585

Angesichts dieser besonderen Blattprofile muss die Kritik Müller-Sachses an der Kulturberichterstattung aller untersuchten Medien für FAZ und SZ differenziert werden. Doch insgesamt trifft das Fazit des Forschers auch für diese zwei Medien zu: „Das Spartenprofil der Berichterstattung definiert Kultur im Wesentlichen als Theater, Musik, bildende Kunst und Literatur.“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172) Offenbar sind in den untersuchten Medien Beiträge zu diesen Sparten eher in den Kulturressorts platziert worden als andere Beiträge. Genauere Daten dazu gibt MüllerSachse nicht an. Er stellt lediglich fest, dass Beiträge zu „Kino, Massenmedien wie Hörfunk und Fernsehen sowie alle sonstigen Kulturthemen in der Regel irgendwo zwischen Politik, Lokalteil und Vermischten Nachrichten vagabundieren“ während Beiträge zu „Theater, Literatur, Kunst und Musik“ basierend auf ihrer Platzierung als „Inbegriff des Feuilletons“ gelten können (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 584). Diese Ergebnisse interpretiert Müller-Sachse als Bestätigung für die von Glotz kritisierte, auf Hochkultur im engen Sinne fixierte „nicht-kommunikative, esoterische Haltung der musisch-ästhetischen Eliten“ (GLOTZ, 1968, S. 72). Müller-Sachse erkennt in der Dominanz der Sparten Theater, Literatur, Kunst und Musik ein „Präferenzmuster, das von einem verengten, bürgerlichen Kunstkultur-Begriff bestimmt wird“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172). Ob dieses Urteil allerdings nicht zum Teil auch auf die Anlage der Untersuchung zurückgeht, muss zumindest überlegt werden. Denn Themenfelder wie Naturwissenschaft oder Religion wurden per Definition nicht als Kulturberichterstattung erfasst. Insofern ist der Anteil der Kultur im engen Sinne – wie Theater, Literatur – natürlich hoch. Selbst wenn ein Medium einem weiten Kulturbegriff folgend zum Beispiel die Wissenschaft als Thema der Kulturberichterstattung begreift und entsprechend im Feuilletonressort platziert, wird der Ansatz Müller-Sachses einen engen Kulturbegriff feststellen, weil der Untersuchung ein in diesem Sinne enger Kulturbegriff zugrunde liegt. Allerdings gibt die Untersuchung Müller-Sachses zumindest Anzeichen für eine Dominanz der Hochkultur im engen Sinne gegenüber der Populärkultur im engen Sinne. So lässt sich

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zumindest der geringe Anteil der Sparte Kino, aus der tendenziell viele Werke zur Populärkultur im engen Sinne zählen, interpretieren (vgl. S. 52ff.) Gernot Stegert bestätigt zumindest die Tendenz dieser Einschätzung für sein Untersuchungsmaterial von 1993. Zwar stellt Stegert fest, dass einzelne Sparten wie Kabarett und Popmusik sich im Vergleich zu Müller-Sachses Untersuchung in der Kulturberichterstattung etabliert haben (STEGERT, 1998, S. 25). Doch führen den Flächenanteilen nach wie bei Müller-Sachse Literatur, Musik und darstellende Kunst in der Kulturberichterstattung. Die stark abweichenden Flächenanteile der Literatursparte in beiden Untersuchungen können auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein: auf Medienauswahl, Untersuchungszeitraum, das jeweils unterschiedliche Sparten ausklammernde Analyseinstrument oder tatsächlich auf Veränderungen in der Kulturberichterstattung.
Tabelle 12: Anteile von Kultursparten nach Zeilenumfang an der Kulturberichterstattung in Printmedien 8.-14.11.1993
Zeilen %
Literatur Musik Bildende Kunst Darstellende Kunst Film (Kino/Video) Allgemeines Historisch-Kulturelles Geistiges Leben Kulturjournalismus Architektur Glossen/Feuilletons, etc zu Nichtkulturellem 35,7 11,4 9,5 13,4 10,9 6,1 3,5 5,6 0,9 2,3 0,6

Basis: n=3187 Beiträge | Quelle: STEGERT, 1998, S. 123

Aus seiner Analyse der Kulturberichterstattung nach Sparten schließt Stegert, dass „die radikale Erweiterung des Kulturbegriffs in den 70er und 80er Jahren“ in den deutschen Feuilletons „nur schwache Spuren“ hinterlassen hat (STEGERT, 1998, S. 251). Hier kritisiert Stegert vor allem, dass Kultur im weiteren Sinne – ob Populär- oder Hochkultur – in der Kulturberichterstattung nicht behandelt wird: „Formen der Alltagskultur werden in der journalistischen Praxis nicht als kulturelle definiert, sondern finden sich in Wochenendbeilagen und Ressorts wie Modernes Leben, Lifestyle oder Gesellschaft. Auch Medienthemen und Naturwissenschaften haben keinen festen Platz im Feuilleton, weil für sie in den letzten Jahren bei immer mehr Zeitungen eigene Seiten eingeführt worden sind.“ (STEGERT, 1998, S. 251f.) Allerdings verschärft Stegert hier seine eigene Diagnose durch das verwendete Untersuchungsinstrument. Anders als Müller-Sachse will Stegert zwar seinen Kulturbegriff aus dem Untersuchungsmaterial ableiten. Allerdings schließt auch er mit seiner gewiss transparenteren und weit weniger willkürlichen Methode bestimmte Themen aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne von seiner Untersuchung aus. Zum Beispiel Politik. Dabei räumt Stegert ein, dass im Feuilleton durchaus Texte zur Politik erscheinen, zum Beispiel brachte die Süddeutschte Zeitung im Untersuchungszeitraum „eine Serie über den Zustand der politischen Parteien in Deutschland im Feuilleton“ – doch Stegert schloss dennoch das Thema aus, denn dies hätte seinem Untersuchungsaufbau folgend bedeutet, dass bei der Analyse des gesamten

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redaktionellen Angebots „sämtliche Beiträge über Parteipolitik zum Kulturjournalismus gezählt werden. Daß dies absurd wäre, ist evident“ (STEGERT, 1998, S. 92). Allerdings ist der Titel von Stegerts Untersuchung „Feuilleton für alle“ vor diesem Hintergrund irreführend: Beiträge zu politischen Themen im Feuilleton werden zum Beispiel nicht erfasst, auch wenn ihre Funktion oder Präsentation vollkommen von der im Politikressort abweicht und Teil eines eigenständigen Feuilletonprofils ist. Auf ähnliche Art nivelliert Stegerts Instrument auch andere Themenprofile. So streicht er beispielsweise Beiträge zu Medienthemen aus dem Sample, weil insgesamt mehr Beiträge dazu außerhalb als in den Kulturressorts stehen. Allerdings verbergen sich hier spezielle Feuilletonprofile, nämlich die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des Spiegels, und der Abendzeitung, „die Medienthemen im Feuilleton platzieren“ (STEGERT, 1998, S. 107). Stegerts Ergebnisse sind also in Bezug auf Kultur im weiteren Sinne mit Vorsicht zu verallgemeinern. Ein anderes Analyseinstrument verwendet Michael Bitala in seiner Diplomarbeit. Er vergleicht lokale Kulturseiten der Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeinen und Süddeutschen Zeitung mit den entsprechenden Feuilletons. Bitala orientiert sich an den Ressortgrenzen und untersucht darin jeweils alle Beiträge einer künstliche Woche aus Ausgaben zwischen dem September 1991 und dem August 1992. Bei FAZ und SZ stellt Bitala beim Verhältnis der Spartenanteile ähnlich Besonderheiten fest wie MüllerSachse – allerdings im Feuilleton, nicht in der gesamten Kulturberichterstattung: Die SZ bietet einen höheren Anteil an Beiträgen zu Kino und Theater als die FAZ, die FAZ misst hingegen der Literatur und der bildenden Kunst im Feuilleton mehr Bedeutung bei – zumindest dem Anteil am Gesamtangebot nach.
Tabelle 13: Nach Umfang gewichtete Themen nach Ressort und Titel (Prozent von Beitragszahl)
Feuilleton FAZ %
Kultur Kunst Musik Theater Literatur Bildende Kunst Geschichte Architektur Film Massenmedien Lifestyle Soziales Bildung Politik Religion Recht Wissenschaft 6,3 8,3 4,2 16,7 22,9 2,1 14,6 6,3 4,2 2,1 2,1 10,4 0 0

Feuilleton SZ %
6,9 0 6,9 17,2 10,3 24,1 6,9 3,4 20,7 3,4 0 Basis: n=426 Beiträge | BITALA, 1993, S. 70

Anders als die Untersuchungen Müller-Sachses und Stegerts macht Bitala in der FAZ ein auffälliges Angebot an Beiträgen zu Kultur im weiteren Sinne aus. Bitalas Untersuchung zeigt, dass im Vergleich zu Frankfurter Rundschau und SZ „fast ausschließlich im überregionalen Feuilleton der FAZ politische Themen besprochen werden, die ansonsten – wenn überhaupt – im Politikteil einer Zeitung erscheinen.“ (BITALA, 1993, S. 72) Hätte Bitala wie Müller-Sachse und Stegert Beitrage zu politischen Themen von seiner Untersuchung ausgeschlossen, wäre er nicht zu diesem

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Ergebnis gekommen. Dies ist gerade im Hinblick auf Glotz’ und Langenbuchers Kritik am zu engen Kulturbegriff der Feuilletons interessant. Offenbar trifft diese Kritik die FAZ im Untersuchungszeitraum nicht vollkommen. 5.2.2 Populärkultur und Hochkultur

Die zweite Dimension des erweiterten Kulturbegriffs ist der Kontrast zwischen Hochund Populärkultur. Schon in der Forderung nach mehr populärer Kultur im Feuilleton bei Glotz war die Definition der populären Kultur nicht eindeutig (vgl. S. 41). Dieses Definitionsproblem wirkt auch in den Untersuchungen der Medieninhalte fort. MüllerSachse definiert Populär- und Hochkultur anhand der Kultursparten. So gilt für ihn das Kino als eher populäre kulturelle Erscheinungsform (vgl. S. 48). Diese Definition differenziert er bei den erfassten Untersparten, hier allerdings vermischt seine Definition der populären Kultur mehrere Aspekte: Ästhetik, Erscheinungskontext und tatsächliche Rezeption. So stellt Müller-Sachse zur Theaterberichterstattung fest, dass im Untersuchungsmaterial „eine klare Konzentration auf das Theater des ‚KunstKultur-Anspruchs’ (repräsentative Opern- und Schauspielereignisse an renommierten Großstadtbühnen)“ vorliegt, hingegen „Boulevard, Komödie, Volkstheater, Kindertheater, Kabarett sowie die gesamte freie Kleintheaterszene“ als „kulturell minder relevante Unterhaltungspraxis diskriminiert werden“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586). Hier stellt sich die Frage, ob etwa eine Inszenierung von „Iphigenie auf Tauris“ tatsächlich zur populären Kultur wird, wenn ein Kleintheater sie aufführt. Trotz dieser Bedenken zeigt Müller-Sachses Studie zumindest sehr klar, dass die Feuilletons über einen kleinen Ausschnitt des gesamten Kulturangebots massiv berichten: „Von je sechs Kritiken haben mindestens fünf den repräsentativen Theaterbetrieb zum Gegenstand, und höchstens ein Bericht befaßt sich mit Aufführungen, die als Unterhaltungstheater gelten.“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLERSACHSE, 1988, S. 586). In Bezug auf die Musikberichterstattung gelingt Müller-Sachse eine einleuchtendere Differenzierung zwischen Hoch- und Populärkultur auf Basis der Untersparten: Seinen Ergebnisse zufolge entfällt „auf Klassik, Avantgarde und Sakralmusik (...) mehr als jedes zweite musikbezogene Berichterstattungsangebot“ während „die populären Genres wie Rock- und Popmusik, Folklore und sonstige Unterhaltungsmusik (...) mit einem knappen Viertel des Spartenangebots“ in den von Müller-Sachse untersuchten Medien insgesamt auskommen müssen (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 587). Stegert hingegen stellt gegenüber Müller-Sachses Ergebnissen eine Zunahme populärkultureller Angebote fest. Bei der Musik trennt er auf Basis ähnlicher Untersparten (Klassik versus Pop und Rock) wie Müller-Sachse und kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, dass „populäre Musik insgesamt auffallend stark vertreten“ ist. Das interpretiert er so: „Alte Schranken des Feuilletons sind zumindest dem Umfang nach durchbrochen.“ (STEGERT, 1998, S. 131) Allerdings meint Stegert hier mit Feuilleton die Kulturberichterstattung. Alle Sparten betrachtend resümiert der Medienwissenschaftler, dass die Kulturberichterstattung in Printmedien sich – wenn

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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auch sehr behutsam – langsam gegenüber populärer Kultur öffnet. Denn: „neue und populäre Kulturformen“ hätten „sehr wohl Eingang in die Kulturteile gefunden“ (STEGERT, 1998, S. 252f.). Das sind zum Beispiel: „Comic, Videokunst, Popmusik, Kabarett etc.“. Doch haben sie als Subsparten „nicht in allen Organen das Gewicht traditioneller Kulturformen. (...) Gerade Kabarett und Pop- bzw. Rockmusik erwiesen sich im hier untersuchten Material als etabliert“ (STEGERT, 1998, S. 252f.). Allerdings beruht diese Interpretation auf einem Vergleich mit den Daten MüllerSachses. Nur räumt Stegert selbst die zum Teil problematische Vergleichbarkeit ein: „Fraglich ist, ob sich diese Diskrepanz der Befunde mehr auf die Zeitungsauswahl oder mehr auf einen Wandel (...) zwischen 1988 und 1993 zurückführen läßt.“ (STEGERT, 1998, S. 131) Diese Einschränkung bezieht er zwar nur auf die Ergebnisse zu Anteilen von Themen wie Fotografie, Performance, Installation, Video- und Computerkunst – doch sie gilt für die gesamte Studie. Außerdem stellt Stegert die langsame Öffnung gegenüber populärer Kultur im Gesamtmaterial fest und differenziert nicht nach Magazinen, überregionalen und regionalen Tages- sowie Wochenzeitungen, wenn schon nicht nach Titeln. Allein im Fazit bemerkt er, dass nur wenige Medien (Berliner Zeitung, Tagesspiegel, tageszeitung, Stuttgarter Zeitung, Stern) der Populärkultur mehr Fläche als der Hochkultur einräumen, während bei überregionalen Tageszeitungen die Hochkultur dominiert (vgl. STEGERT, 1998, S. 264). Die von Stegert ausgemachte Öffnung der Kulturberichterstattung zur Populärkultur treiben also nur wenige Medien stark, die übrigen wohl bestenfalls zaghaft voran. Insgesamt sollte man eher von einer schwachen Tendenz als von einem Trend zur Populärkultur im Feuilleton sprechen. 5.2.3 Vielfalt der Darstellungsformen

Mehr Vielfalt journalistischer Darstellungsformen hat Glotz im Feuilleton gefordert (vgl. 4.2.3., 39) und Kommunikationswissenschaftler wie Reus (REUS, 1999, S. 30) fordern sie noch immer. Festgestellt hat diese Vielfalt keine der bislang vorliegenden Studien zu den Inhalten der Kulturberichterstattung oder der Feuilletonressorts. MüllerSachse beklagt „auf der Ebene der formalen Präsentation ebenso stereotype wie unaufwendige Darstellungsformen“ (FRANK/ MALETZKE/ MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 170) in den von ihm untersuchten Medien aus dem Jahr 1987. Konkret sind „über 90 Prozent des journalistischen Angebots (...) Routinegenres wie Meldungen, Berichte oder Rezensionen“ während „Reportagen, Interviews, Kommentare, Essays, Glossen (...) die seltene Ausnahme“ sind (FRANK/ MALETZKE/ MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 170f.). Stegert kommt zum selben Befund, differenziert diesen aber nach Medientypen. Dabei bemerkt er, „daß die Rezension bei den überregionalen Tageszeitungen die häufigste Beitragsform ist“ (STEGERT, 1998, S. 153). Seine Untersuchung belegt dies für FAZ und SZ: Hier sind 35, beziehungsweise bei der SZ sogar 38,5 Prozent der Beiträge Rezensionen, während im Durchschnitt ein Viertel der von Stegert in allen Medien untersuchten Beiträge Rezensionen sind.

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

54

Tabelle 14: Anteile der sechs häufigsten Beitragsformen (von 18) an Kulturberichterstattung von 2 FAZ, SZ und 17 weiterer Printmedien nach Anzahl der Beiträge 8.-14.11.1993
Rezension
FAZ SZ Ø aller 19 Medien 35 38,5 24,8

Meldung
27,9 25,7 29,5

Bericht
15,9 10,1 9,2

Redak. Hinweis
7,1 7,3 1,9

Kommentar
3,3 6,4 1,9

Essay
2,7 2,8 1

Basis: n=292 Beiträge FAZ/SZ | n=3187 Beiträge insgesamt | Quelle: STEGERT, 1998, S. 150

5.2.4

Fokus auf Kultur

Als Glotz und Langenbucher einen anderen Fokus auf Kultur vom Feuilleton verlangten (vgl. S. 40), beanstandeten sie vor allem die Gleichsetzung von Kritik zu Kulturprodukten mit Kulturberichterstattung. Zur Analyse dieses Sachverhalts nutzt jede bislang publizierte Untersuchung der Inhalte von Feuilletonressorts oder der Kulturberichterstattung ein anderes Instrument. Müller-Sachse zum Beispiel leitet sein Urteil über die im Kulturjournalismus dominierende Ereignisberichterstattung aus den Beitragsanlässen ab. Für Berichte zum Theater stellt er zum Beispiel fest, dass „60 Prozent aller Einheiten (...) sich auf Aufführungen und andere Veranstaltungen“ (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586) beziehen. Ähnliches gilt für die bildende Kunst, wo – leider nicht weiter quantifiziert – das gesamte von Müller-Sachse analysierte journalistische Angebot sich „in erster Linie auf aktuelle Ausstellungen“ (MÜLLERSACHSE, 1988, S. 586) bezieht. Auch in der Musiksparte erkennt Müller-Sachse in 60 Prozent der Beiträge neue Aufführungen als Anlass (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586). Ob allerdings diese Beiträge wirklich reine Ereignisberichterstattung sind, nur weil sie sich auf ein Ereignis beziehen, ist fraglich. Denkbar sind ja durchaus Hintergrundartikel, die lediglich ein neues Kulturprodukt als aktuellen Anlass erwähnen, sich jedoch vorrangig mit langfristigen Entwicklungen und nicht dem aktuell erschienenen Werk beschäftigen. Stegert vermeidet diese problematische Zuschreibung, indem er statt mit Anlässen mit der Darstellungsform argumentiert. Rezensionen rechnet er Artikel mit der Funktion Kritik zu, Reportagen dem Funktionstyp Hintergrund, Feuilletons als Stilform dem Funktionstyp Unterhaltung (vgl. STEGERT, 1998, S. 336f.) Diese Vorgehensweise liefert aber keine Antwort auf die Frage, ob die Feuilletonressorts die Forderung Glotz’ und Langenbuchers umgesetzt haben, nicht nur über Kulturprodukte, sondern auch über den Hintergrund ihrer Produktion, über den Kulturbetrieb zu schreiben. Insofern ist Stegerts Ansatz eine Ergänzung zu Müller-Sachses Vorgehen. Beide Methoden kombiniert mit einem dritten Ansatz könnten erst die Frage beantworten, ob Autoren im Feuilleton Hintergründiges über Kulturprodukte oder auch über den Kulturbetrieb schreiben und wie wichtig dabei das Erscheinen neuer Kulturprodukte als Anlass ist. Stegert kommt nach seiner Auswertung der Darstellungsformen zum Schluss, dass der Kulturjournalismus „thematisch in sehr hohem Maße standardisiert“ (STEGERT, 1998, S. 146) ist. Im Gesamtangebot aller untersuchten Medien dominiert die Kritik als
2

Insgesamt: fünf überregionale, sechs regionale Tageszeitungen, zwei Boulevard- und zwei und Wochenzeitungen, sowie je zwei Magazine und aktuelle Illustrierte. (vgl. STEGERT, 1998, S. 25)

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Funktionstyp, in den überregionalen Tageszeitungen FAZ und SZ machen solche Beiträge sogar mehr als 60 Prozent der Kulturberichterstattung aus. Hintergrundberichte sind hier seltener als in allen von Stegert untersuchten Medien zusammen.
Tabelle 15: Anteile der Funktionstypen an der gesamten Kulturberichterstattung von FAZ, SZ und 3 17 weiterer Printmedien nach Zeilenumfang im Zeitraum 8.-14.11.1993
Service
FAZ SZ Ø aller 19 Medien 5,4 2,9 15,6

Ereignis
10,4 7,5 7,2

Hintergrund
20,1 22,7 30,4

Kritik
61,1 63,9 43,1

Unterhaltung
2,3 1,4 1,8

sonstiges
0,7 1,6 1,9

Basis: n=292 Beiträge FAZ/SZ | n=3187 Beiträge insgesamt | Quelle: STEGERT, 1998, S. 150

Für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung ergab die inhaltsanalytische Untersuchung Michael Bitalas von sechs Zeitungsausgaben einer konstruierten Woche zwischen September 1991 und August 1992 ein deutlich anderes Profil als für die ebenfalls untersuchte Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung: 29 Prozent der Beiträge im FAZ-Feuilleton hatten keinen oder einen anderen aktuellen Anlass als Jahrestage, Veranstaltungen und ähnliches, was oft als Terminjournalismus bezeichnet wird (BITALA, 1993, S. 84). Das FAZ-Feuilleton hebt sich hier deutlich vom Rezensionsfeuilleton ab: „Somit nimmt die FAZ in ihrer Kulturberichterstattung sehr häufig eine reflektierende Funktion wahr“ (BITALA, 1993, S. 84). Den mit 17 Prozent im Vergleich zu FR und SZ hohen Anteil aktueller Themen außerhalb des kulturellen Bereichs im engeren Sinne sieht Bitala als Indikator für ein besonderes Profil der FAZ: „Insofern kann hier wiederum vermutet werden, daß sich die ‚anders aktuelle’ Berichterstattung des überregionalen Feuilletons der FAZ auf politische Berichte bezieht, die bei anderen Zeitungen im Politikteil behandelt werden.“ (BITALA, 1993, S. 85) Was Glotz und Langenbucher also am Feuilleton bemängelten, entdecken Studien der Medieninhalte auch noch ein Vierteljahrhundert später in den entsprechenden Angeboten – allerdings nicht in allen Medien mit gleicher Ausprägung. Die FAZ scheint von diesem Profil abzuweichen. Dennoch bestätigen die Untersuchungen der Medieninhalte weitgehend die Gültigkeit der Kritik Glotz’ und Langenbuchers in vielen Punkten - aber nicht vollkommen. Abgeschwächt werden muss der Befund eines auf Hochkultur im engen Sinne eingeschränkten Kulturbegriffs im Feuilleton. Die – vereinzelten - Ergebnisse zu politischen Themen in den Feuilletonressorts von FAZ und SZ deuten eine Erweiterung an. Auch scheinen die Feuilletonressorts bestimmte Sparten, die eher populärkulturelle Werke hervorbringen, etwas mehr zu beachten als vor einem Vierteljahrhundert – beziehungsweise überhaupt zu beachten. Rezensionen dominieren auch weiterhin die Präsentation – vor allem in überregionalen Tageszeitungen.

3

Insgesamt: fünf überregionale, sechs regionale Tageszeitungen, zwei Boulevard- und zwei und Wochenzeitungen, sowie je zwei Magazine und aktuelle Illustrierte. (vgl. STEGERT, 1998, S. 25)

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

56

5.3

Rezipientenforschung

Glotz und Langenbucher haben das Angebot der Feuilletonressorts im Wesentlichen als nicht den Rezipienteninteressen angemessen kritisiert und neben einer Veränderung der Feuilletoninhalte eine genauere Erforschung der Rezipientenbedürfnisse gefordert. Die Feuilletoninhalte haben sich seitdem zaghaft gewandelt, wie wissenschaftliche Untersuchungen der Medieninhalte zeigen. Sehr zaghaft hat sich auch die Erforschung der Rezipienteninteressen entwickelt. Was die Leser und Nicht-Leser des Feuilletonressorts einer Zeitung eben dort vorrangig lesen, lesen würden oder lesen wollen, hat bislang keine öffentlich zugängliche Studie erforscht. Allerdings können die vorliegenden Ergebnisse andere Fragen zumindest ansatzweise beantworten und so zumindest einige Koordinaten liefern, um das Angebot an Feuilletoninhalten einzuordnen. Die grundsätzlichste Frage ist, wie stark das Feuilleton – auch im Vergleich mit anderen Ressorts – genutzt wird. Solche Daten können zumindest Hinweise auf die von Glotz und Langenbucher verlangte Publikumsangemessenheit geben. Auch die vorliegenden Daten über Kulturnutzung können, auch wenn sie nicht auf Nutzer bestimmter Feuilletons bezogen sind, interessante Hinweise geben: Nutzen Kulturrezipienten bestimmte Sparten exklusiv, was eine dominierende Berichterstattung in Feuilleton rechtfertigen könnte? Lassen sich Rezipienten entlang überwiegender Sparteninteressen teilen? Diese Fragen soll die folgende Auswertung der bestehenden Rezipientenforschung beantworten – zumindest in Ansätzen. Denn bei der Interpretation der vorliegenden Daten ist Vorsicht geboten, weil die Studien mit unterschiedlichen Grundgesamtheiten arbeiten und ihre Ergebnisse somit nur sehr bedingt vergleichbar sind. 5.3.1 Nutzung des Feuilletons und anderer Inhalte der Tageszeitung

Die Vermutung (vgl. S. 46f.) der Kommunikationswissenschaftler Reus, Schneider und Schönbach, Kulturjournalisten würden für „ein eher kleines, privilegiertes Segment von Mediennutzern arbeiten“ (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312) belegen Rezipientenbefragungen zumindest in einem Punkt: Den Selbstauskünften der – potenziellen und tatsächlichen – Feuilletonnutzer nach ist das Publikum der Kulturjournalisten tatsächlich klein, auf jeden Fall kleiner als das anderer Ressorts. So antworteten bei der Erhebung für die Langzeituntersuchung Massenkommunikation lediglich neun Prozent der befragten Zeitungsleser eines Stichtages in den alten und nur fünf Prozent der Befragten in den neuen Bundesländern, sie hätten Beiträge im Feuilletonressort gelesen. Andere Daten zur Nutzung des Feuilletonressorts oder gar bestimmter Beiträge darin sind selten. Lediglich die Tageszeitung Die Welt kann aktuelle Ergebnisse einer Leserbefragung vorweisen. Es wurden 265 Leser im Alter zwischen 14 und 69 Jahren befragt (am 20./21. September 2002).

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

57

Tabelle 16: Prozent von Zeitungslesern, die am Stichtag Beiträge in gewissen Zeitungsteilen lasen
Ressort
Lokalteil Politische Nachrichten Sportberichte Wirtschafts- und Börsenberichte Feuilleton

Nutzung in % West Ost
78 65 38 22 9 79 56 36 10 5

Berg/Ridder, 1996, S. 215

Die Frage zur Nutzung von Beiträgen aus bestimmten Ressorts und Segmenten der Zeitung bezieht sich allerdings nicht auf einen konkreten Stichtag, sondern auf eine unbestimmte Zeitspanne. Das könnte ein Grund für die im Vergleich zu den Ergebnissen der Langzeituntersuchung Massenkommunikation hohe Feuilletonnutzung sein. Ein anderer Grund ist vielleicht, dass hier die Leser einer überregionalen Abonnementzeitung befragt wurden, nicht Zeitungsleser insgesamt – eine andere Grundgesamtheit also.
Tabelle 17: Ressortnutzung durch Leser der Tageszeitung Die Welt (2002)
Frage: Ich lese Ihnen die einzelnen Teile bzw. Ressorts der Welt vor. Sagen Sie mir bitte jeweils anhand dieser Skala, ob Sie diesen Teil/dieses Ressort immer, häufig, selten oder nie lesen. Rangfolge
Titelseite Politik Aus aller Welt Wirtschaft Hauptstadt Wissenschaft Forum Finanzen/Börsenteil Sport Feuilleton 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

% (Angabe immer/häufig von gesamt)
98 89 88 87 82 68 67 64 57 45

Basis: n=265 Befragte | Quelle: Die Welt, 2002, S. 21

Obwohl also 45 Prozent der befragten Welt-Leser angeben immer, oder häufig Beiträge im Feuilleton zu lesen – ein Vielfaches der von Berg und Kiefer ermittelten Werte für Zeitungsleser – stimmt bei beiden Untersuchungen doch die Position des Feuilletons in der Ressortreihenfolge nach Nutzung überein: Das Feuilleton steht unten. Diese Daten stützen die Kritik am nicht den Lesern angemessenen Feuilleton, wie sie Glotz, Langenbucher und in dieser Tradition auch Müller-Sachse äußern. Hinweise darauf, warum so wenige Leser Beiträge im Feuilleton lesen, geben solche allgemeinen Daten nicht. Feuilletonkritiker geben als Gründe einen zu engen Kulturbegriff, insbesondere im Hinblick auf populäre Kultur, eine monotone Darstellung und einen verengten Fokus auf Kulturprodukte an (vgl. S. 38ff.). Die Nutzung einzelner Beiträge, auf die solche Kritik zutrifft oder nicht zutrifft, könnte Anzeichen für die Stichhaltigkeit dieser Kritik sein. Solche Studien existieren nicht oder werden zumindest nicht veröffentlicht. Verfügbar sind allein Auszüge eines Copytests der Süddeutschen Zeitung zur Ausgabe vom 4. April 1991, die Bitala in seiner Arbeit anführt. Er interpretiert die Ergebnisse als Belege für die Kritik am Feuilleton MüllerSachses, weil die Untersuchung zeige, „daß Themenbereiche und journalistische Darstellungsformen, die bisher im Feuilleton zu kurz kommen, einen vergleichsweise hohen Leseranteil erzielen.“ (BITALA, 1993, S. 25) So haben beispielsweise 22 Prozent der Leser zumindest teilweise die Filmkritik im SZ-Feuilleton der untersuchten

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

58

Ausgabe gelesen, „während der Aufmacher an diesem Tage ‚Sangeskunst und Reiselust’ über den 3. internationalen Chorwettbewerb in Budapest nur sechs Prozent erreicht“ (BITALA, 1993, S. 25). Das weist zumindest auf eine breitere Rezeption von Beiträgen zur Populärkultur hin. Aber natürlich kann in diesem Fall die Rezeption auch auf andere Faktoren wie Präsentation des Beitrags oder dergleichen zurückgeführt werden. Ähnlich vieldeutig sind alle von Bitala zitierten Einzelergebnisse zu konkreten Beiträgen. Die These, dass sowohl Themen als auch Präsentation im Feuilleton Gründe für dessen geringe Nutzung sind, stützt eine den von Bitala zitierten Copytest flankierende Leserbefragung der Süddeutschen Zeitung. Darin kritisieren die meisten der befragten SZ-Abonnenten die Verständlichkeit und Lesbarkeit des Feuilletons als „weniger gut, beziehungsweise schlecht“ (vgl. BITALA, 1993, Anhang). Anders als bei der Nutzung führt das Feuilleton in dieser Rangliste mit 15 Prozent. 5.3.2 Interesse an kulturellen und anderen Themen

Eine mögliche Erklärung für die im Vergleich zu anderen Ressorts geringe Nutzung des Feuilletons könnte sein, dass Rezipienten ohnehin ein geringes Interesse an Kulturberichterstattung haben. Tatsächlich entspricht die Rangfolge bei der Verteilung des Interesses auf bestimmte Themenfelder ungefähr der in Rezipientenstudien abgefragten Nutzungsrangfolge der thematisch zuzuordnenden Ressorts: Das Feuilleton folgt bei der Ressortnutzung an letzter Stelle nach dem Wirtschaftsressort. Das Interesse an Kultur im engeren Sinne – von Berg und Ridder als Themenfeld „Kunst, Literatur, Theater“ abgefragt – ist in der Bevölkerung ebenfalls geringer als das am politischen Geschehen oder Wirtschaft und Börse. Das hohe – nach Selbstauskunft – Interesse am gesondert abfragten Themenfeld „Medien“ zeigt: Es besteht durchaus ein vergleichsweise hohes Interesse an einem Thema, das ohne weiteres der Kultur und damit der Kompetenz des Feuilletonressorts zugerechnet werden könnte – und den Kritikern eines zu engen Kulturbegriffs im Feuilleton zufolge auch diesem Ressort zugerechnet werden sollte. Deshalb sind diese Umfrageergebnisse nicht als Bestätigung des bisherigen Feuilletonangebots zu interpretieren, in dem Sinne, dass es ja ohnehin „aufgrund der Besonderheit des Feuilletons und seines Gegenstandes, der Kunst“ (MAURUSCHAT, 2001, S. 20). Das hier angedeutete geringe Interesse an Kulturberichterstattung kann nicht ohne weiteres als Hinweis darauf interpretiert werden, dass das Feuilletonangebot nur aufgrund eines externen Faktors so wenig genutzt wird - weil eben das Interesse an Kulturberichterstattung gering ist. Denn was die befragten Rezipienten unter Kulturberichterstattung in Medien verstehen, kann ja durchaus durch das mediale Angebot bestimmt sein. Denkbar ist also: Das Interesse an Kultur ist hoch, das Interesse an Kulturberichterstattung geringer, weil die Befragten aufgrund der bisherigen Inhalte des Kulturjournalismus einen unbefriedigenden Unterschied zwischen Kultur und Kulturjournalismus sehen. Deshalb ist eine Auswertung der Studien zu Kulturinteresse, aber auch Kulturnutzung der Bevölkerung interessant. Flankierende Ergebnisse zur Kulturnutzung sind besonders spannend, weil bei solchen

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Fragen nach konkretem Verhalten die Möglichkeit, sozial erwünschte Antworten zu geben, geringer ist als bei reinen Interessenbekundungen.
Tabelle 18: Themeninteressen der Bevölkerung 2000 – BRD gesamt, sehr/etwas interessiert (%) Geschlecht
Gesamt
Medizin, Gesundheit, Ernährung Politisches Geschehen Medien Ratgeber- und Verbraucherthemen Arbeit, Beruf, Ausbildung Kriminalität und Katastrophen Wirtschaft und Börse Kunst, Literatur, Theater 80 75 75 74 69 59 47 42 72 79 76 70 71 58 57 34

Bildung4
niedrig
84 73 72 79 62 65 42 36

Alter
hoch
73 83 78 65 75 45 61 59

M

F
78 71 74 78 68 60 38 49

mittel
77 74 77 72 76 58 48 41

14-29
31 60 80 53 85 68 42 31

30-49
36 73 75 79 81 58 48 36

50+
52 84 72 80 52 56 49 52

Berg/Ridder, 2002, S. 115

5.3.3

Interesse an und Nutzung von Kulturangeboten

Eine genauere Erforschung der Rezipientenbedürfnisse in Bezug auf Kultur und Orientierung der Feuilletons an diesen Ergebnissen haben Glotz und Langenbucher vom Kulturjournalismus gefordert (vgl. S. 38ff.). Die Forschungsergebnisse sind nicht umfangreich, doch umfangreich genug, um erste Antworten zu liefern. Bei den Studien zu den Inhalten der Feuilletons und der Kulturberichterstattung (vgl. S. 47ff.) sind zwei Sachverhalte aufgefallen: Zum einen, dass vier Kultursparten - Theater, Musik, bildende Kunst und Literatur - die Inhalte des Kulturjournalismus in den untersuchten Printmedien, auch den Feuilletons von FAZ und SZ, dominieren. Zum anderen, dass viele Details der Studien auf eine Dominanz von Hochkultur im engeren Sinne in der Kulturberichterstattung, insbesondere der in den Feuilletonressorts, hindeuten. Es stellen sich also die Fragen: Welche Kultursparten favorisiert die Bevölkerung wie stark? Und: Wie groß sind Interesse an und Nutzung von Populär- und Hochkultur im engeren Sinne im Vergleich? Eine dritte Frage resultiert aus der möglichen Interpretation der Ergebnisse, dass Feuilletonressorts für eine Zielgruppe gemacht sind, die sich ausschließlich oder zumindest überwiegend für Hochkultur im engeren Sinne interessiert. Zu klären ist, ob so klar trennbare Rezipientengruppen existieren. Wie die Interessen an bestimmten Kultursparten in der Bevölkerung verteilt sind, zeigt in Ansätzen eine Befragung im Auftrag von ARD und ZDF. Befragt wurden im März und April 1989 in der Bundesrepublik Deutschland 3000 zufällig ausgewählte Personen über 14 Jahren (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 351). Die Kulturinteressen wurden nur in den fünf Kultursparten „Theater, belletristische Literatur, Malerei/bildende Kunst, Musik und Spielfilm“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 350) abgefragt. Die Forscher differenzieren zwischen populär- und hochkulturellen Erscheinungsformen innerhalb der Sparten. Als Basis für die Differenzierung haben die Forscher im Vorfeld Werkund Autorentypologien, aufgrund von Experteninterviews gebildet. Abhängig von dem

4

niedrig=Volks-/Grund-/Hauptschule; mittel=weiterführende Schule/Mittlere Reife; hoch=Abitur/Hochschulreife/Studium

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

60

Wissen der Befragten über diese Werke und Kulturproduzenten sie Interessentypen zugeordnet (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 351). Bemerkenswert ist zunächst die Erkenntnis über das allgemeine, spartenübergreifende Kulturinteresse der Befragten: Auf der Basis mehrerer Variabelausprägungen – etwa zu kulturellem Interesse oder Nutzung von Kulturangeboten vor Ort – erstellte das Forscherteam mittel Clusteranalyse eine Typologie mit vier Nutzergruppen (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 363f.). Demnach ist das Kernpublikum des Kulturbetriebs mit 12,7 Prozent zwar gering. Doch das Interesse an Kultur ist weit größer – größer auch als die Nutzung der Feuilletonressorts (vgl. S. 56ff.) oder das Interesse an Kulturberichterstattung (vgl. S. 58ff.) vermuten lässt: ein Drittel (31,2 Prozent) der Bevölkerung sind Gelegenheitsnutzer von Kulturangeboten, 45,1 Prozent die Unterhaltungsorientierte. An Kulturangeboten im eigentlichen Wortsinn sind lediglich 11,1 Prozent so genannte „Kulturferne“ (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 363) vollkommen desinteressiert. Das übrige, große Interesse an Kultur verteilt sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Sparten. Der Anteil der Desinteressierten ist bei Theater und bildende Kunst mit jeweils ungefähr einem Drittel von allen Sparten am höchsten. Die Gruppe der Zufallsinteressierten, beziehungsweise Ex-Leser ist ebenfalls nicht „dem weitesten Besucherkreis“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 223) – hier auf das Theater bezogen – zuzurechnen, weil sie zwar einmal mit diesen Kultursparten in Berührung gekommen sind, aber ihre abgefragten Kenntnisse und Erfahrungen kein Interesse verraten. Die wenigsten Desinteressierten weist das Kino mit 17,2 Prozent der westdeutschen Bevölkerung im Jahre 1989 auf. Hier sind die Anteile also genau umgekehrt zu den Flächenanteilen der einzelnen Sparten an der Kulturberichterstattung, bei der das Kino weniger Anteil an der Gesamtbeitragsmenge und -fläche hat als Theater, bildende Kunst und Literatur.
Tabelle 19: Interessentypen in den verschiedenen Gesamtbevölkerung (Bundesrepublik, 1989)
Theater
Desinteressierte: 34,4 Zufallsinteressiert.: 34,4

Kulturbereichen
U-Musik

in

Prozent

der

Belletristik
Nichtleser: 19,5

Malerei/Bildende Kunst

E-Musik
Desinteressierte: 28,6 Populärinteressiert 33,4

Spielfilm/Kino
Desinteressierte: 17,2 Zufallsinteressiert.: 27,0 Unterhaltungsorie. 25,8 Bildungsorientiert: 15,2 Cineasten: 14,1

Bildungsorientiert: 19,6 Theaterkenner: 11,6

Desinteressierte: 33,7 Exleser: Zufallsinteressiert.: 32,9 33,8 Unterhaltungsleser 16,3 Bildungsleser: Bildungsorientiert: 20,0 22,5 Literaturkenner: Kunstkenner: 11,3 10,0

Desinteressierte: 30,2 Populärinteressiert 22,6

Musikliebhaber: 24,7 Musikkenner: 13,4

Liebhaber: 23,3 Kenner: 23,7

Eckhardt / Horn, 1991, S. 352

Die tatsächliche Nutzung entsprich in etwa dem Verhältnis der Sparten untereinander beim Kulturinteresse der Befragten: In den sechs Monaten vor der Befragung haben 20,2 Prozent der Befragten eine Theateraufführung besucht (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 351), 14,5 Prozent waren in einer Kunstausstellung.“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 356). Einen Roman, Erzählungs- oder Gedichtband haben in diesem Zeitraum 67,4 Prozent der Befragten gelesen (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Hier entspricht der hohe Anteil zumindest der Literatursparte an der Kulturberichterstattung einer hohen

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Nutzung. Überhaupt nicht stimmt dieses Verhältnis zwischen Nutzung und Berichterstattung jedoch beim Film überein: 43 Prozent der erwachsenen Bevölkerung waren in dem halben Jahr vor Befragung mindestens einmal im Kino (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 361). Die zweite Frage nach dem Ausmaß des Interesses an Populär- und Hochkultur in der Bevölkerung ist schwerer zu beantworten. Denn die Studie im Auftrag der ARD/ZDFMedienkommission trennt bei der Auswertung der Rezipientenbefragung nicht so eindeutig zwischen Hoch- und Populärkultur wie zwischen den einzelnen Kultursparten. Für einige Sparten liefern sie jedoch entsprechende Analyse. Auffällig ist beispielsweise, dass bei der Theatersparte „eine Segmentierung des Publikums in Nutzer der Hochkulturpraktiken und Nutzer von populären Angebotsformen nicht festzustellen“ (FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 223) ist. Im Gegenteil: Wer ein „besonders ausgeprägtes Interesse am institutionellen Theatersektor bekundet“ gehört auch zu den häufigen Besuchern „von nicht-institutionellen oder populären Theaterpraktiken“ (FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 223). In der Belletristiksparte scheint eine Differenzierung zwischen populär- und hochkulturell interessierten Leser hingegen möglich zu sein. Die Leser aktueller, anspruchsvoller Literatur und der Klassik – 31 Prozent aller Leser – rechnen die Forscher zum „weiteren Leserkreis jener Literatur, die in den Feuilletons der Zeitungen besprochen“ (FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 248) wird. Für diese Einschätzung einer Dominanz von Hochkultur im kulturjournalistischen Angebot liefern die oben zitierten Studien zumindest Anzeichen. Es zeigt sich, dass diese Literatursparte tatsächlich nur von einer Minderheit der an Belletristik im weitesten Sinne interessierten Bevölkerung favorisiert wird. Eine vergleichbare Publikumspräferenz der populären Literaturgenres stellt auch eine für die Bundesbevölkerung repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach fest. Moderne, anspruchsvolle Literatur und Klassiker liest nur ein Fünftel, beziehungsweise ein knappes Zehntel der Bevölkerung nach Selbstauskunft „besonders gern“ (INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH, 2002, S. 404).
Tabelle 20: Lieblingsbücher (Februar 2002)
Frage: „Was für Bücher interessieren Sie ganz besonders, was lesen Sie besonders gern?“ (Zahlen in Prozent) (Darstellung von 9 aus 20 Kategorien) Bevölkerung insgesamt
Reiseführer Krimis Unterhaltungsromane, Liebesromane Moderne, anspruchsvolle Literatur Klassiker wie Goethe und Schiller 35 34 32 20 9

Rangfolge
1 2 3 12 18

M
35 32 12 14 6

F
35 36 51 26 11

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach, 2002, S. 404

Insgesamt zeigen diese vereinzelten Ergebnisse, dass zwar einerseits populäre Kultur in vielen Fällen ein größeres Publikum hat als hochkulturelle Produkte. Andererseits zählen die Nutzer von Hochkultur aber auch in manchen Sparten häufig zum Publikum der populärkulturellen Angebote. Wenn also auch das Interesse für Populärkultur größer ist, kann dieses Publikum nicht einfach von dem der Hochkultur getrennt werden.

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Das beantwortet die dritte Frage schon zum Teil: Gibt es bestimmte exklusive Nutzergruppen einzelner Sparten oder hoch- beziehungsweise populärkultureller Angebote? Es scheint weder das eine noch das andere zuzutreffen. Die ARD/ZDFKulturstudie ergab, dass „... eine Spezialisierung kulturellen Interesses eine rare Ausnahmeerscheinung ist. Die entscheidende Dimension der Struktur kulturellen Interesses ist nicht der Objektbezug, sondern die Intensität dieses Interesses.“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 366) Diese Erkenntnis bestätigt eine räumlich auf ein Gebiet zwischen Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg und die angrenzenden Landkreise beschränkte Umfrage knapp 4500 zufällig ausgewählter Bürger über 14 Jahren zu Kulturnutzung und –interesse (KEUCHEL, 2002, S. 1). Als Fazit zieht Susanne Keuchel vom Bonner Zentrum für Kulturforschung aus diesen „gebietsspezifischen Ergebnissen“ (KEUCHEL, 2003, S. 285): „Kulturinteressierte neigen heute eher dazu, abends ein Theaterstück, am nächsten Tag ein Kunstmuseum und in der nächsten Woche beispielsweise ein Jazzkonzert zu besuchen. (...) So gibt es unter den kulturell aktiven Bürgern nur knapp 10 %, die sich ausschließlich für eine Kultursparte interessieren.“ (KEUCHEL, 2003, S. 25) Eine mögliche Begründung der bestehenden Feuilletoninhalte, insbesondere in überregionalen Tageszeitungen, könnte sein, dass diese bewusst für eine kleine, exklusiv oder zumindest vorrangig an Hochkultur interessierte Zielgruppe produziert werden – eben für „ein eher kleines, privilegiertes Segment von Mediennutzern“ (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 312f.). Auch Glotz und Langenbucher räumen ein, dass solche Angebote nicht zu kritisieren sind, solange im Gesamtangebot auch Kulturjournalismus für vorrangig an Populärkultur interessierte Rezipienten vorhanden ist. Doch existieren tatsächlich solche klar trennbaren Rezipientengruppen? Kulturwissenschaftler wie Kaspar Maase beschreiben eine Nivellierung der Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur in der Jugendkultur der sechziger und siebziger Jahre, als „Populärkultur Kern einer Gemeinkultur“ (MAASE, 2003b, S. 15) wurde. Diese Vermischung beider Sphären beobachtet auch die Untersuchung zum Kulturinteresse der Bevölkerung in der Rheinschiene. Diese Ergebnisse sind wegen der regionalen Einschränkung der Grundgesamtheit nicht auf die gesamte Bundesbevölkerung zu übertragen, können aber zumindest als Hinweise interpretiert werden. Die Forscherin Susanne Keuchel differenziert die Beliebtheit kultureller Sparten nach der Schulbildung der Befragten. Das liefert Belege für die These Maases von einer Populärkultur als Gemeinkultur: So gehören Film ebenso wie Rock- oder Popkonzerte in allen Bildungsgruppen zu den ersten sechs von 23 abgefragten Sparten. Natürlich kann sich hinter diesen Angebote die Nutzung, Wertschätzung und Kenntnis sehr unterschiedlicher Werke verbergen. Diese Differenzierung und Einschränkung der Interpretation ist wichtig, entwertet aber nicht die Erkenntnis, dass diese Sparten in den bislang untersuchten Feuilletoninhalten anteilsmäßig weniger vertreten waren als etwa Theater, das lediglich ein knappes Fünftel bis hin zu einem knappen Drittel der Befragten in allen Bildungsgruppen als bei ihnen beliebte Kultursparte angeben. Auch

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Literatur ist in der bei dieser Befragung ermittelten Rangfolge der Beliebtheit kultureller Sparten weit tiefer zu finden als in der Rangfolge nach Flächenanteilen in Feuilletonressorts und Kulturberichterstattung (vgl. S. 48ff.): Dort führt Literatur oft, bei den von Keuchel befragten Rezipienten kommt sie an Platz zwölf, sechzehn und neun (KEUCHEL, 2003, S. 106). Keuchels Ergebnisse sprechen auch gegen die Argumentation, das auf Hochkultur im engen Sinne fokussierte Feuilleton hätte seine Berechtigung in überregionalen Abonnementszeitungen, weil die Zielgruppe hier höher gebildete – und damit angeblich vorrangig an Hochkultur interessierte – Leser sind. Denn zu den nach Eigenaussage beliebten Kultursparten bei dieser Bildungsgruppe gehören Sparten wie Musicals, Film oder Pop- und Rockkonzerte.
Tabelle 21: Ranking kultureller Sparten und Stilrichtungen nach Beliebtheit bei verschiedenen Bildungsgruppen in der Region Rheinschiene (Auswahl der ersten zehn von 23 Kultursparten)
Rang
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Niedrige Schulbildung
Schlager/Volksmusik: (31%) Film (28%) Museen/Ausstellungen (24%) Klassische Musik (23%) Musical (21%) Rock-/Popkonzerte (17%) (Kultur-/Geschichte (17%) Klassisches Theater (17%) Kabarett (17%) Operette (17%)

Mittlere Schulbildung
Film (46%) Rock-/Popkonzerte (42%) Musical (35%) Museen/Ausstellungen (30%) Kabarett (26%) Klassische Musik (26%) Computer/Neue Medien (20%) Kultur-/Geschichte (20%) HipHop, Techno (19%) Klassisches Theater (19%)

Hohe Schulbildung
Film (50%) Rock-/Popkonzerte (46%) Museen/Ausstellungen (46%) Musical (41%) Klassische Musik (39%) Kabarett (36%) Klassisches Theater (31%) Literatur (30%) Oper (28%) Computer/Neue Medien (27%) Quelle: KEUCHEL, 2003, S. 106

Ähnliche Ergebnisse erzielten auch die Forscher bei der repräsentativen Befragung der westdeutschen, erwachsenen Bevölkerung im Rahmen der ARD/ZDF-Kulturstudie 1989. Hier zeigte sich, dass die Nutzer von Hoch- und Populärkultur nicht auf Basis dieses Merkmals in zwei Gruppen zu trennen sind. So besuchen „Theaterkenner (..) häufig noch das Kino oder Rock- und Popkonzerte (...), also auch populärkulturelle Angebote“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 354). Diese Aussage treffen die Wissenschaftler auf Basis der abgefragten tatsächlichen Nutzung innerhalb der zwei Wochen vor der Befragung. Vergleichbare Überschneidungen der Nutzung weisen „Literaturkenner und Bildungsleser“ auf, die nicht nur häufig in Theater und Museen gehen, sondern auch ins Kino (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Auch die Kunstkenner gehen nicht nur besonders häufig ins Kino, sondern besuchen auch vielfach „Rock/Popkonzerte sowie Kneipen mit Live-Musik“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 357). Fazit der Befragung ist, dass die stark an Kultur interessierte und Kulturangebote intensiv nutzende Gruppe des Kernpublikums „besonders intensiv die Angebote der Hochkulturinstitutionen“ nutzt, aber „zugleich auch regen Gebrauch von den populären Angebotsformen“ macht (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 365). Anhand der vorliegenden Rezipientenstudien lassen sich die eingangs gestellten Fragen so beantworten: Das Feuilleton wird weniger genutzt als andere Ressorts. Die im Kulturjournalismus und den Feuilletonressorts von Untersuchungen der Medieninhalte festgestellten (vgl. S. 47ff.) Anteile einzelner Kultursparten stimmen nicht mit dem in Rezipientenstudien beobachteten Interesse an den Kultursparten überein. Auch bei den – sich möglicherweise überschneidenden – Gruppen der Hochgebildeten und der

5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs

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Hochkulturnutzer gibt es keine Hinweise auf eine vollkommene Deckungsgleichheit des Angebotsprofils im Kulturjournalismus und der Rezipienteninteressen. Denn ein starkes Interesse an Hochkultur im engen Sinne geht – so zumindest die Hinweise in vorliegenden Untersuchungen – einher mit Nutzung von und Interesse an populärkulturellen Sparten und Angeboten innerhalb dieser Sparten.

5.4

Zwischenfazit: Kultur und Feuilletons

Die vorliegenden Untersuchungen zu Kommunikatoren, Inhalten und Rezipienten des Feuilletonressorts und der Kulturberichterstattung bestätigen die von Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher geäußerte Kritik (vgl. S. 41f.) am Feuilleton. Und sie belegen deren Aktualität. Die Studien zeigen dass Kommunikatoren im Kulturjournalismus überwiegend ein pädagogisches Verständnis ihrer Berufsrolle haben (vgl. S. 44f.). Sie sehen sich als „Vermittler von Ideen“‚ als „Erzieher“ (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 314). Die Rollenauffassung als „neutraler Berichterstatter“ akzeptieren Kulturjournalisten im Vergleich mit auf andere Themengebiete spezialisierten Kollegen etwas seltener (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 317). Somit haben die bisherigen Studien zwar nicht inhaltlich das Kulturverständnis der Kommunikatoren im Kulturjournalismus erfasst. Doch die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, woher Kulturjournalisten ihr Kulturverständnis ableiten: nicht aus den Interessen und Bedürfnissen der Rezipienten, sondern aus der eigenen Wahrnehmung der Kultur und der eigenen Einteilung dieser in bedeutende, neue Ideen und weniger bedeutende Themen. Wie dieser Kulturbegriff inhaltlich gefüllt wird, zeigen die Untersuchungen der Medieninhalte. Hier zeichnen sich in den Inhalten des Kulturjournalismus und der Feuilletonressorts zwar zaghafte Veränderungen in Richtung der Forderungen Glotz’ und Langenbuchers ab. So scheinen die 1988 und 1993 untersuchten Medien in der Kulturberichterstattung nicht exklusiv auf Hochkultur im engen Sinne fokussiert zu sein, was Glotz und Langenbucher bemängelten (vgl. S. 39). Die – vereinzelten – Ergebnisse zu politischen Themen in den Feuilletonressorts von FAZ und SZ deuten eine Erweiterung an (vgl. S. 48f.). Zudem tauchen in den Kulturressorts Sparten auf, die eher populärkulturelle Werke hervorbringen, zum Beispiel Kabarett und Pop- bzw. Rockmusik (vgl. S. 52f.). Mehr Populärkultur in Feuilletonressorts haben Glotz und Langenbucher gefordert (vgl. S. 39f.). Allerdings dominieren den Flächenanteilen nach die Kultursparten Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater weiterhin die Kulturberichterstattung (vgl. S. 48f.). Als Darstellungsform überwiegt die Rezension, wie von Glotz und Langenbucher kritisiert, auch weiterhin die Kulturberichterstattung (vgl. S. 53f.) – insbesondere in überregionalen Tageszeitungen. Allerdings weicht das Profil des FAZ-Feuilleton von diesem Muster ab – zumindest der Untersuchung Bitalas zufolge (vgl. S. 54f.). Er stellt in der FAZ-Kulturberichterstattung „sehr häufig eine reflektierende Funktion“ fest (BITALA, 1993, S. 84). Die so strukturierten Inhalte nutzen weniger Rezipienten als zum Beispiel das Lokal- oder Politikressort (vgl. S. 56f.). Die

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

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Ergebnisse von Untersuchungen zu Kulturinteressen und –nutzung deuten auch mögliche Gründe für die geringe Feuilletonnutzung an: Die im Kulturjournalismus und den Feuilletonressorts von Untersuchungen der Medieninhalte beobachteten Anteile einzelner Kultursparten weichen deutlich vom in regionale und zeitlich eingeschränkt Untersuchungen ermittelten Interesse bestimmter Rezipienten an Kultursparten ab. So liegt zum Beispiel der Film bei den Interessen der Rezipienteninteressen auf den vorderen Plätzen, nicht aber bei den Anteilen an der Kulturberichterstattung. Die Kritik Glotz’ und Langenbuchers an nicht publikumsgerechten Feuilletoninhalten untermauert die Rezipientenstudien im Hinblick auf die Trennung von populär- und hochkulturellen Werken. Tatsächlich scheint die Mehrheit der Rezipienten an populärkulturellen Werken und Sparten stärker als an hochkulturellen interessiert zu sein. Das Übergewicht von Hochkultur im engeren Sinn im kulturjournalistischen Angebot ist insofern nicht publikumsgerecht. Eine wichtige Entdeckung liefern die Rezipientenuntersuchungen aber auch im Hinblick auf die Teilgruppe der an Hochkultur Interessierten: Diese Rezipienten sind an Populärkultur keineswegs dessondern in bestimmten Sparten sogar stärker interessiert als andere Publikumsgruppen (vgl. S. 59ff.) Deshalb entspricht eine auf Hochkultur im engeren Sinn festgelegte Kulturberichterstattung auch nicht den Interessen des hochkulturell interessierten Publikumssegments. Angesichts dieser Ergebnisse aus vorliegenden Untersuchungen zu Medieninhalten und Rezipienteninteressen müssten Feuilletonkommunikatoren eigentlich die von Glotz und Langenbucher verlangte Erweiterung des Kulturbegriffs umsetzen. Reus hat das daraus folgende Programm formuliert: „Gerade weil die Bedürfnisse des Publikums so unterschiedlich sein können, müßte das Ethos der Kritiker Offenheit und Vielfalt heißen …“ (REUS, 1999, S. 68). Betrachtet man allerdings die Ergebnisse der Kommunikatorforschung, scheint eine solche Wende in den Feuilletonressorts sehr unwahrscheinlich. Und doch haben Feuilletonjournalisten seit Anfang der neunziger Jahre neue Konzepte für ihr Ressort erprobt und in einigen Debatten diskutiert.

6

Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

Seit Anfang der neunziger Jahre – größtenteils nach den Untersuchungszeiträumen der vorliegenden empirischen Untersuchungen der Feuilletoninhalte (vgl. S. 47ff.) haben Feuilletonjournalisten in mehreren Debatten neue Konzepte für das Ressort diskutiert und einige umgesetzt. Umfassende wissenschaftliche Studien dieser Konzepte fehlen bislang, abgesehen von einer Untersuchung lokaler Kulturseiten. Eine Darstellung der Kommunikatoraussagen zu diesen Konzepten und der wenigen Untersuchungen dient dem Erkenntnisinteresse dieser Arbeit. Denn zum einen begründen konkrete Veränderungen der Angebote Untersuchungszeitraum und

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

66

Untersuchungsobjekte der Arbeit. Zum anderen soll die Arbeit die Inhalte der untersuchten Angebote nicht nur unter- und miteinander im Lauf der Zeit vergleichen, sondern auch in die Debatte über Feuilletonprofile und einen möglichen Wandlungsprozess einordnen. Deshalb soll der folgende Abschnitt diese Fragen beantworten: Welche konkreten Vorstellungen von Feuilletonprofilen lassen sich in den Debatten über das Feuilleton in den vergangenen zehn Jahren beobachten? Wie äußern sich Feuilletonkommunikatoren zu Kulturbegriff und Präsentation von Feuilletoninhalten? Wie verhalten sich diese Positionen zur Feuilletonkritik Glotz’ und Langenbuchers? Welche konkreten Veränderungen setzten Ressorts in jüngster Zeit um?

6.1

Feuilletonkonzepte

In den neunziger Jahren tauchen einige Ressortkonzepte als Schlagworte immer wieder in den Debatten unter Feuilletonkommunikatoren über neue Konzepte für ihr Ressort auf. Im Folgenden werden sie kurz dargestellt. 6.1.1 Politisches Feuilleton

Politische Themen griffen die deutschen Feuilletonressorts nachweislich während der 1910er (vgl. S. 24f.) und 1920er Jahre (vgl. S. 25ff.) auf. In den Feuilletonressorts der Nachkriegszeit, aber auch der 60er und 70er Jahre sind solche Inhalte zumindest nicht nachgewiesen. Anfang der neunziger Jahre jedoch stellt Michael Bitala in seiner Untersuchung der Inhalte von Feuilletonressorts und lokaler Kulturseiten, vor allem auf den Feuilletonseiten Themen aus Geschichte und Politik fest, „was jedoch in der Analyse hauptsächlich auf die FAZ zurückgeführt werden konnte und somit die Ausnahmerolle dieser Zeitung ein weiteres Mal bestätigte“ (BITALA, 1993, S. 82). Tatsächlich scheint das politische Feuilleton zunächst eine Besonderheit des FAZFeuilletons gewesen zu sein. Jens Jessen, ehemaliger Feuilletonredakteur der FAZ und heute Feuilletonchef der Zeit, zufolge entstand das Konzept „im Kulturteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den späten achtziger Jahren“ (JESSEN, 2002a, S. 30). Damals begann das FAZ-Feuilleton, die Stasiverwicklungen von DDRSchriftstellern zu diskutieren. Diese Verbindung von Kultur im engeren und Kultur im weiteren Sinn machen auch der Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Claudius Seidl (SEIDL, 2000, S. 40f.) und der Leipziger JournalistikProfessor Michael Haller als Beginn eines politischen Feuilletons in der FAZ. Haller sieht die damalige Entwicklung positiv, das Feuilleton ergänzte seiner Meinung die Lücken der Berichterstattung in den politischen Ressorts: „Die ersten hintergründig geschriebenen Reportagen über die kulturellen Brüche und Verwerfungen im Prozess der Wiedervereinigung standen nicht im Politikteil, sondern im Feuilleton.“ (HALLER, 2003, S. 3)

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

67

Die hintergründige Berichterstattung zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinn scheinen auch andere überregionale Feuilletons zu bieten. Der Ressortchef Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl hält kommentierende Hintergrundartikel zu politischen Themen im Feuilleton für wichtig, „weil sie Parallelen aufdecken, die im politischen Teil selten aufgedeckt werden: So wird Politik aus einem anderen Fundus illustriert.“ (PRANTL, 2000, S. 37) Diesen Fokus auf den Hintergrund von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne sieht auch Jessen als eine besondere Eigenschaft der politischen Feuilletons: „Sie wurden Ressort für das Prinzipielle.“ (JESSEN, 2002a, S. 33) Das politische Feuilleton berichtet nicht nur über den Hintergrund von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne. Manchmal verbinden Beiträge die beiden Bereiche der Kultur im engen und im weiten Sinne. So beschreiben zumindest Feuilletonkommunikatoren die Machart entsprechender Texte. Claudius Seidl sieht Feuilletonjournalisten als Experten für die Analyse von Politikinszenierungen an. Deshalb wären Themen wie der zweite Golfkrieg, die Bürgerkriege im Balkan oder der Krieg der NATO im Kosovo im Feuilleton gerechtfertigt: „Der Kritik der Politik muss die Kritik ihrer Inszenierung vorausgehen ...“ (SEIDL, 2000, S. 41) Auch der ehemalige SZ- und heutige FAZ-Kunstkritiker Maak sieht in der ästhetischen Fachkenntnis der Feuilletonjournalisten eine Basis für Gegenwartsanalysen: „Kunstkritik ist immer auch politisch – gerade dort, wo sich in Plädoyers, Rezensionen, Portraits auf ästhetische Phänomene der Gegenwart Bezug zu nehmen weiß.“ (MAAK, 1999, S. 365) Als Beispiele nennt Maak den neuen Berliner Historismus, das Retrodesign, die Debatte um das Holocaust-Mahnmal – Themen anhand derer „die ästhetische Kultur und ein Bild der Gegenwart definiert und debattiert werden können“ (MAAK, 1999, S. 365). Ähnlich beschrieb auch Hellmuth Karasek als kommissarischer Feuilletonchef des Berliner Tagesspiegels die Form des politischen Feuilletons. Er habe „zum Beispiel unlängst im ‚Tagesspiegel’ den Geburtstag von Al Capone featuren lassen, weil man an dieser Figur amerikanische Gesellschaftsgeschichte beschreiben kann.“ (MERSCHMEIER/WILLE, 1997, S. 1) Dieses Konzept haben offenbar neben der FAZ auch andere Medien aufgegriffen. „Allen voran“ ist Jessen zufolge die Süddeutsche Zeitung „nachzogen“ (JESSEN, 2002a, S. 32). Zumindest als Beleg dafür, dass zuerst das FAZ-Feuilleton solche Inhalte bot, kann das Ergebnis der Studie Bitalas (vgl. S. 51f.) gelten. Er sieht auf Basis seiner Inhaltsanalyse „das häufige Aufgreifen von politischen Themen oder die Behandlung eines kulturellen Bereichs unter politischen Aspekten“ als eine „eine Spezialität des FAZ-Feuilletons“ an (BITALA, 1993, S. 100). Stegert entdeckt hingegen in seinem knapp zwei Jahre nach Bitalas liegenden Untersuchungszeitraum im SZ-Feuilleton „eine Serie über den Zustand der politischen Parteien in Deutschland“ (STEGERT, 1998, S. 92). Das entspricht der allgemeinen Wahrnehmung, dass 1994 der neue SZFeuilletonchef Johannes Willms ein politisches Feuilleton umsetzte (vgl. S. 74). Dieses Konzept des politischen Feuilletons bedeutet eine Erweiterung des Kulturbegriffs in einem Sinne Glotz’ und Langenbuchers (vgl. S. 39): Weg von der Kunstdominanz, hin zu einem umfassenderen Kulturbegriff.

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

68

6.1.2

Debattenfeuilleton

Das Debattenfeuilleton taucht als Konzept für Feuilletoninhalte in reflektierender Beiträgen von Kommunikatoren von Mitte der neunziger Jahre an auf. Im Kursbuch heißt es 1996 über Kontroversen, die immer wieder in der FAZ und der Zeit ausgetragen würden: „Schlagzeilen müssen her, auch im Feuilleton. Debatten werden vom Zaun gebrochen und sind zwei Monate später vergessen.“ (MENCK, 1996, S. 54) Dieses Konzept entstand vielen Kommunikatoren und Beobachter zufolge ähnlich wie das des politischen Feuilletons (vgl. S. 66f.) „bei der Neukonstitution des deutschen Nationalstaats“, wie Gustav Seibt urteilt (SEIBT, 1998, S. 731). Andere Themen, die Feuilletons in den neunziger Jahren in Debatten behandelten, zählt Kulturstaatsministerin Christina Weiss auf: die Walser-Bubis-Debatte, die Auseinandersetzung um das Holocaust-Denkmal, die Folgen der Gen- und Nanotechnologie, Kunst in Zeiten kommunistischer Diktatur – kurz: „die wesentlichen intellektuellen Debatten des letzten Jahrzehnts“ (WEISS, 2003). Da eine umfassende wissenschaftliche Studie dieses Phänomens fehlt, muss diese Darstellung genügen, um die breite der Debattenthemen in Feuilletons zu zeigen. Die Themen kommen aus der Kultur im weiteren und im engeren Sinne, oft auch aus Schnittflächen beider Sphären. Zum Beispiel, wenn in der Debatte um Peter Handkes Werk „Gerechtigkeit für Serbien“ Kritiker und Schriftsteller „nur am Rande literarische und ästhetische Aspekte“ berühren, vor allem aber „die inhaltliche Frage der serbischen Kriegsschuld“ diskutieren (GÖRTZ / HAGE / WITTSTOCK, 1997, S. 275). Diese Themen verbindet Michael Haller zufolge ihre normative Fundierung. Das Feuilleton diene hier „als Forum, um die mit diesen Problemfragen verbundenen Wertkonflikte öffentlich zu diskutieren“ (HALLER, 2003, S. 5). Auch Feuilletondebatten zu Themen aus der Kultur im engeren Sinn scheinen normativ aufgeladen zu sein. So macht der Germanist Robert Weninger als Kern des deutschdeutschen Literaturstreits die Fragen nach „Freiheit oder Unfreiheit der Kunst“ und der moralischen Verantwortlichkeit von Künstlern aus (WENINGER, 1998, S. 218). Das Debattenfeuilleton ist somit nicht über eine exklusive Themenzuständigkeit zu definieren, sondern eher über formale Besonderheiten. Zu dieser Definition kommt Anja Mauruschat. In ihrer Diplomarbeit hat sie 50 Debattentexte zwischen dem 10. Oktober 1989 und dem 31. Dezember 2000 aus den Feuilletons von SZ, FAZ, FR, taz, Zeit und Spiegel zur „Feuilletondebatte um die deutschsprachige Gegenwartsliteratur“ (MAURUSCHAT, 2001, S. 92) analysiert. Sie definiert Debattenfeuilleton als „ein journalistisches Konzept (...), das in Abgrenzung zum Rezensionsfeuilleton in der (sic!) neunziger Jahren von einzelnen Kulturredaktionen vertreten wurde“ (MAURUSCHAT, 2001, S. 37). Die Form kennzeichnet zum einen, dass die Autoren der Debattenbeiträge oft besondere fachliche Autorität besitzen. Der Literaturkritiker und Essayist Lothar Baier erkennt es als Element des Debattenfeuilletons, wenn „ein Intellektueller eine Polemik zu einem politischen Thema verfasst“ (NIGGESCHMIDT, 2000, S. 48). In der Tat stellt Mauruschat fest, dass in der von ihr untersuchten Literaturdebatte Schriftstellern die meisten Beiträge - 19 Texte oder 38 Prozent - geschrieben haben, die Literaturredakteure lediglich 36 Prozent

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(MAURUSCHAT, 2001, S. 96). Eine weitere formale Besonderheit solcher Debatten scheint – zumindest auf Basis der von Mauruschat untersuchten Artikel – der Bezug auf andere Texte zu sein, immerhin 58 Prozent der von Mauruschat untersuchten Beiträge hatten einen solchen Bezug (vgl. MAURUSCHAT, 2001, S. 101). Solche über einen längeren Zeitraum thematisch verbundenen Beitragsserien mit teilweise prominenten Gastautoren erinnern an die formalen Besonderheiten der Debatten im Feuilleton der Frankfurter Zeitung der 1890er Jahre (vgl. S. 22ff.), wo in „belehrenden Aufsätzen“ so genannte „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030) zu ihren Fachgebieten Gastbeiträge schrieben. Es ist also denkbar, dass die Präsentationsstrategie der Feuilletondebatte der Kritik Glotz’ und Langenbuchers an der Monotonie der Darstellungsformen in Feuilletonressorts (vgl. S. 40) und dem verengten Fokus auf neu erscheinende Kulturprodukte (vgl. S. 40f.) begegnet. 6.1.3 Lokale Kulturseiten

Anfang der neunziger Jahre richteten einige überregionale Tageszeitungen zusätzlich zu den Feuilletonressorts lokale Kulturseiten ein. Anfang 1990 erschien in der Frankfurter Rundschau der Kulturspiegel, Mitte 1991 in der Süddeutschen Zeitung die Münchner Kultur. Die FAZ startete schon 1987 ein solches Angebot im Rhein-MainTeil (vgl. BITALA, 1993, S. 34). Diese Ressorts scheinen die von Glotz, Langenbucher (vgl. S. 38ff.) und in ihrer Folge Müller-Sachse (vgl. S. 47ff.) beklagten Mängel der Kulturberichterstattung beheben zu wollen. So klingen zumindest die Ankündigungen zum Beispiel von „mehr Journalismus“ und einer „Alternative zu Großkritikern und dem Hundersten-Todestag-Geharfe des großen Feuilletons“ (MÖLLMANN, 1995, S. 43) in der Süddeutschen Zeitung, eines weitergefassten Kulturbegriffs in der FAZ-Rhein-Main-Ausgabe oder von „Pop- und Alltagskultur“ im Kulturspiegel der Frankfurter Rundschau (MÖLLMANN, 1995, S. 43). Allerdings scheinen die Ressorts diese Versprechen nicht eingelöst zu haben. Michael Bitala hat für seine Diplomarbeit zu diesem Thema 426 Beiträge auf 64 Zeitungsseiten einer künstlichen Woche aus dem Zeitraum zwischen September 1991 und August 1992 ausgewertet (BITALA, 1993, S. 53). Er konnte auf den lokalen Kulturseiten von FAZ, SZ und FR weder eine größere Themenvielfalt noch ein breiteres Kulturverständnis als in den Feuilletonressorts nachweisen (BITALA, 1993, S. 71). Allerdings haben „Kunst, Literatur, Geschichte, Architektur, Film und Wissenschaft“ einen größeren Anteil am Angebot der Feuilletonressorts, während die lokalen Kulturseiten anteilsmäßig mehr Beiträge zu „Lifestyle, Massenmedien und Musik“ bieten (BITALA, 1993, S. 71). Allerdings scheint der von Stegert für das überregionale Rezensionsfeuilleton beklagte Terminjournalismus auf lokalen Kulturseiten zu dominieren. Zumindest in den von Bitala untersuchten Ausgaben berichten „lokale Kulturseiten in 75 Prozent aller Fälle über ‚einmalige’ bzw. ‚andauernde’ Veranstaltungen. Das Feuilleton hingegen lediglich in 34 Prozent der Fälle“ (BITALA, 1993, S. 84). Und das, obwohl Bitala hier die Veranstaltungshinweise bereits ausgeschlossen hat. Auch der hohe Anteil des Themenaspektes Kulturkritik von 32 Prozent der Artikel auf lokalen Kulturseiten im

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

70

Vergleich zu 24 Prozent der Beiträge im Feuilleton (BITALA, 1993, S. 73), widerlegt die Ankündigungen der Leiter lokaler Kulturseiten, dass sie den im Feuilleton typischen „hohen Anteil der Rezensionen (...) verringern würden.“ (BITALA, 1993, S. 74) Es kann also nicht behauptet werden, die untersuchten Zeitungen hätten populäre Kulturberichterstattung im Sinne Glotz’ und Langenbuchers in ein eigenes Ressort ausgelagert. Zwar sind Abweichungen der Themenprofile im Vergleich zu Feuilletons festzustellen, doch die in Feuilletonressorts beobachtete Dominanz bestimmter Kultursparten (vgl. S. 48ff.) und Darstellungsformen (vgl. S. 53) scheint insgesamt auch bei lokalen Kulturseiten vorzuliegen. Sie sind also nicht ein Komplementärangebot, das zusammen mit dem Feuilletonressort den festgestellten Sparteninteressen des Publikums (vgl. S. 59ff.) vollkommen entspricht. Deshalb ist die Kritik Glotz’ und Langenbuchers an der Kulturberichterstattung insgesamt und dem Feuilleton im Besondern auch nach der Einführung lokaler Kulturseiten aktuell.

6.2

Feuilletonisten diskutieren Inhalt und Präsentation

Ende der neunziger Jahre diskutierten Feuilletonkommunikatoren und Kommunikationswissenschaftler Inhalte und Präsentation dieses Ressort, zum Teil vor und zum Teil nach den Ankündigungen eines Ausbaus der Feuilletons von Frankfurter Allgemeiner und Süddeutscher Zeitung (vgl. S. 72ff.). Die dabei bezogenen Positionen belegen die Aktualität der Kritik Glotz’ und Langenbuchers. 6.2.1 Kulturbegriff

Mehr Kultur im weiteren Sinne anstatt der Dominanz von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne hatten Glotz’ und Langenbucher gefordert (vgl. S. 39) und die haben alle bislang vorliegenden Inhaltsanalysen im Feuilleton selten gefunden (vgl. S. 48ff.). Kommunikationswissenschaftler wie Gunter Reus fordern also weiter, dass Feuilletonredakteure in der Praxis akzeptieren und umsetzen müssen, dass „sich die Vorstellung von ‚Kultur’ gewandelt hat. Längst ordnet die Gesellschaft darunter mehr ein als nur die Künste“ (REUS, 1998, S. 16). Nämlich auch „Alltags- und Massenkultur“ (REUS, 1998, S. 16). Aber auch Wissenschaft. Das Feuilleton könnte einem erweiterten Kulturbegriff folgend Fragen „nach dem Sinn von Erkenntnis, dem Ziel wissenschaftlichen Ergründens und Gestaltens vorrangig als seine Fragen begreifen“ (REUS, 1999, S. 172), außerdem von „Soziologen, Pädagogen, Ökonomen (...) Forschungsergebnisse und Modelle zu Zeit- und Streitfragen“ (REUS, 1999, S. 174) einholen und außerdem politische Analysen (vgl. REUS, 1999, S. 178) bieten. Ein so weiter Kulturbegriff ist bei Feuilletonkommunikatoren umstritten. In Debatten hat zum Beispiel Zeit-Feuilletonchef Jens Jessen ausdrücklich „eine Degenerationsstufe des Feuilletons“ abgelehnt „in dem die Redakteure nicht mehr über die Dinge schreiben, von denen sie etwas verstehen“ – zugleich aber eingeräumt, dass „dieses dilettantische Sich-Hinwegsetzen über die Grenzen des Expertentums (...) durchaus seinen Sinn“ hat (JESSEN, 2002a, S. 34). Peter Iden, ehemaliger Feuilletonchef der Frankfurter

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

71

Rundschau hingegen lehnt den erweiterten Kulturbegriff ab, „der gesellschaftliche, kulturelle Praxis geworden ist“. Denn: „Daraus folgt für die praktische Kulturszene zunächst einmal ein enormes Maß an Verfall.“ (IDEN, 1998, S. 9f.) Ausdrücklich warnt hingegen SZ-Autor Burkhard Müller vor einer Selbstbeschränkung des Feuilletons auf „die Besprechung von Premieren und Neuerscheinungen und höchstens noch ein bisschen Kulturpolitik“ (MÜLLER, 2003). Die Debatte über den erweiterten Kulturbegriff verläuft also mehr als drei Jahrzehnte nach der Kritik Glotz’ und Langenbuchers noch immer entlang derselben Positionen. 6.2.2 Kunstbegriff

Eine Erweiterung des Kunstbegriffs hin zur Populärkultur im engeren Sinn fordern heute noch immer Kommunikationswissenschaftler wie Reus (REUS, 1999, S. 81) von den Feuilletonressorts. Offenbar zurecht, denn zumindest scheint die Diskrepanz zwischen Rezipienteninteressen und Feuilletoninhalten Kommunikatoren nicht bekannt zu sein. So lehnt zum Beispiel der SZ-Redakteur Gustav Seibt einen größeren Anteil von Themen aus der Populärkultur im engeren Sinne im Feuilleton ab, obwohl er offenbar abweichende Rezipientenbedürfnisse kennt: „Das Publikum und seine Anwälte dürfen ihre Unterhaltungsbedürfnisse wieder ohne Angst vor der Blamage zur Geltung bringen.“ (SEIBT, 1998, S. 735) Zeit-Feuilletonchef Jessen bedauert vor allem den Grund dafür, nämlich, dass gesellschaftskritisches Denken inzwischen „selbst in den Verdacht des Elitären, Ausgrenzerischen geraten“ ist, „auch insofern als es einen Verdacht auf Manipulation gegen die Massenkultur enthält“ (JESSEN, 2002a, S. 37). Jessens Argumentation stimmt nicht mit den vorliegenden Forschungsergebnissen zu den Kulturinteressen der Rezipienten überein. Jessen sieht das einzige Handicap der Feuilletons in der „fortschreitenden Segmentierung des Publikums“, wegen der er eine Spezialisierung der Inhalte empfiehlt: Das Feuilleton solle sich von der Illusion verabschieden, für ein „allgemeines Publikum zu schreiben“ sondern stattdessen „die Segmentierung des Interesses in der Spreizung seiner Gegenstände selbst abbilden.“ Kurz: „Der Musikkritiker schreibt eben nicht für Filmfans; und damit basta.“ (JESSEN, 2002a, S. 38f.) Hier zeigt sich die von Glotz und Langenbucher kritisierte Ignoranz gegenüber dem Publikum (vgl. S. 38) deutlich. Denn aktuelle Rezipientenstudien haben ergeben, dass Spezialisten in einer Sparte im Allgemeinen ein überdurchschnittliches starkes Interesse auch an anderen Sparten haben – und dabei durchaus die Grenzen von Hoch- und Populärkultur überschreiten. Die empirische Forschung liefert keinen Beleg für die von Jessen angeführte Segmentierung. Im Gegenteil: Die regional beschränkte Rezipientenuntersuchung in der Rheinschiene stellt fest, dass dort „unter den kulturell aktiven Bürgern nur knapp 10 %, (...) sich ausschließlich für eine Kultursparte interessieren.“ (KEUCHEL, 2003, S. 25) (vgl. S. 59ff.) Die Ansicht Jessens vertrat auf einer Konferenz zur Zukunft des Feuilletons in Halle im September 2003 auch der Feuilletonchef der Berliner Zeitung, Stephan Speicher. Er forderte „die Rückkehr zum Kerngeschäft des Kritikers, zu ‚Singen, Spielen, Tanzen’“ (AREND, 2003). Dieses Verständnis des Feuilletons als Fachressort

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

72

für die Rezension hochkultureller Produkte erinnert an die von Kommunikationswissenschaftlern kritisierten Medieninhalte und Kommunikatoraussagen (vgl. S. 43ff.). 6.2.3 Formen

Bei Eröffnung der Hallenser Konferenz über Gegenwart und Zukunft der Feuilletonressorts forderte Kulturstaatsministerin Christina Weiss mehr Lesefreundlichkeit in deutschen Feuilletonressorts, denn die habe „nachgelassen oder wird zu häufig missachtet“ (WEISS, 2003). Offenbar scheint die Kritik erstmals vor drei Jahrzehnten am Feuilleton geübte (vgl. S. 40) Kritik mit Einschränkungen noch immer aktuell. So beobachtet der taz-Feuilletonchef Dirk Knipphals, dass den tagesgebundenen Kurzessay „derzeit viele Feuilletons pflegen“, doch viele die Feuilletonisten wieder „am liebsten zur ernsthaften Betrachtung von Kunstwerken zurück, zum Rezensionsfeuilleton“ wollen (KNIPPHALS, 2003, S. 15). In der Tat kritisierten auf der Hallenser Konferenz kaum Kommunikatoren die Darstellungsformen der Feuilletonressorts. Allerdings schlug SZ-Redakteur Lothar Müller vor, mehr Inhalte „in Porträts und Hintergrundartikeln - gar in Recherchen“ zu präsentieren (CHERVEL / SEELIGER, 2003). Auch bei diesem Thema ähneln die Positionen stark den aus früheren Debatten über Feuilletoninhalte vertrauten (vgl. S. 40): Rezensionen mit Fokus auf das Kulturprodukt einerseits, mehr Reportagen, Portraits und andere Darstellungsformen mit Fokus auf Kulturbetrieb, Kulturproduzenten andererseits.

6.3
6.3.1

Feuilletonprofile von FAZ und SZ
Tradition und Neuausrichtung des FAZ-Feuilletons 2000 bis 2001

Die erste Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am 1. November 1949. Gestaltung und Selbstverständnis orientierten sich „am publizistischen Vorbild der renommierten, 1943 von den Nazis eingestellten Frankfurter Zeitung.“ (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, 2003, S. 3). Das Blatt erreichte im vierten Quartal 2003 eine durchschnittliche, IVW-geprüfte verkaufte Auflage von 388507 Exemplaren zwischen Montag und Samstag. Pürer und Raabe zählen die FAZ zu den überregionalen Tageszeitungen. Sie ordnen die „Tradition und konservativen Werten verpflichtete, aber parteipolitisch unabhängige Zeitung“ im weltanschaulichen Spektrum verglichen mit anderen überregionalen Titeln zwischen „‚Süddeutsche Zeitung’ und ‚Die Welt’“ ein (PÜRER / RAABE, 1996, S. 168). Das Feuilleton der FAZ soll von dieser politischen Grundlinie häufig geäußerten Bewertungen (vgl. KORDA, 1980, S. 93) zufolge „Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre“ abgewichen sein. Verantwortlich dafür soll der damalige Literaturchef Karl Heinz Bohrer gewesen sein. Er ließ sich „auf seine Weise von der antiautoritären Revolte angesteckt“ von den Herausgebern „nicht davon abbringen, Namen ins Blatt zu bringen, von Enzensberger bis Habermas, ...“ (BAIER, 1999, S. 250). Diese wahrgenommene Differenz zwischen Feuilleton- und Politikressort nivellierte nach dem

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

73

Antritt von Joachim C. Fest als Feuilletonherausgeber 1973. Er löste Bohrer als Literaturredakteur mit Marcel Reich-Ranicki ab und sorgte dafür, „daß politische Themen und theoretischen Debatten der Zutritt zum Literaturblatt versperrt blieb“ (BAIER, 1999, S. 251). Allerdings zeichnet das FAZ-Feuilleton auch außerhalb dieses Abschnitts ein weiter Kulturbegriff aus: Kommunikatoren wie Hellmuth Karasek nennen es nicht nur „das weitaus beste“ Feuilleton in Deutschland, sondern auch das „größte und umfangreichste“ (KARASEK, 1995, S. 99) und das „Kompetenteste (...) nach Umfang seiner Information und nach Reichweite und Aktualität der behandelten Probleme“ (KOCH, 1989, S. 31). Hermann Glaser, der als Kulturpolitiker neben Hilmar Hoffmann das Schlagwort vom „erweiterten Kulturbegriff“ (vgl. S. 37) mitprägte, sieht diese Forderung im FAZ-Feuilleton weiter als in anderen Feuilletons umgesetzt: Es gebe „wohl sonst kein Blatt, das wie die FAZ seine Arbeit an einem ungemein breiten Kulturbegriff orientiert“ (GLASER, 2000, S. 44). Ähnlich urteilte er bereits 26 Jahre zuvor über das „verhältnismäßig weit gefächerte Themenspektrum“ (GLASER, 1974, S. 36) des FAZ-Feuilletons. Auf einen solchen weiten Kulturbegriff des FAZFeuilletons deuten auch Ergebnisse aus empirischen Studien der Medieninhalte jüngeren Datums hin (vgl. S. 48ff.). Dieser erweiterte Kulturbegriff, der auch „die zeitgeschichtlichen Debatten nach der Wiedervereinigung“ (KARASEK, 1995, S. 100) umfasst, liegt auch dem zu Beginn der neunziger Jahre im FAZ-Feuilleton beobachteten Konzept des politischen Feuilletons (vgl. S. 66ff.) zugrunde. Im Jahr 2000 kündigte das FAZ-Feuilleton eine Erweiterung der Berichterstattung in ein anderes Themenfeld aus der Kultur im weiteren Sinn an. Das Ressort druckte am 6. Juni 2000 einen Artikel des Ingenieurs und IT-Unternehmers Bill Joy über Gentechnik, Nanotechnik und Robotik und unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“. Ihn ergänzte eine programmatische redaktionelle Ankündigung: Das Feuilleton der FAZ sollte sich von da ab wandeln: „In den nächsten Monaten werden wir detailliert auf sie (die neuen Technologien, Anm. d. Verf.) eingehen (...). Gleichzeitig werden europäische Bioinformatiker, Hirnforscher und Genforscher die Thesen Joys und ihre Weiterungen diskutieren.“ (FAZ, 2000, S. 49) Drei Wochen später druckte das FAZ-Feuilleton am 27. Juni 2000 auf sechs Seiten die letzte Sequenz des menschlichen Genoms ab. Der für das Feuilleton verantwortliche FAZ-Herausgeber Schirrmacher stellte den Ausbau unter das Schlagwort der gerade beginnenden „dritten industriellen Revolution“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9), initialisiert durch Fortschritte in Nano-, Gen- und Computertechnologie. Deren Protagonisten sollten als Gastautoren der „in der FAZ geführten Debatte“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9) zu Wort kommen und aufgestellte Thesen diskutieren (FAZ, 2000, S. 49). Die Formulierungen lassen eine Neuauflage der bekannten Konzepte eines Debattenfeuilletons (vgl. S. 68f.) vermuten – nur mit anderem Gegenstand: „ein starkes wissenschaftliches Feuilleton, wie FAZHerausgeber Frank Schirrmacher ankündigte“ (MILZ, 2001b, S. 25). Schirrmacher äußerte sich entsprechend über die Bedeutung von Debatten im Feuilleton: „Wochentags findet die Debatte aktuell statt.“ Eingerichtet wurde dafür eine „tägliche Wissenschaftsrubrik“. Daneben gehören Schirrmacher zufolge auch „grundsätzliche

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

74

Beiträge über die moralische oder theologische Problematik“ in das Tagesfeuilleton (MILZ, 2001b, S. 26). Nach dieser angekündigten Erweiterung des redaktionellen Angebots im FAZFeuilletons in gewissen naturwissenschaftlichen Disziplinen als Teil der Kultur im weiteren Sinne wechselten im folgenden Jahr vier leitende Mitarbeiter des FAZFeuilletons zur Süddeutschen Zeitung (vgl. S. 75) Nach dieser Ankündigung am 6. Februar 2001 warb die FAZ ihrerseits im März 2001 fünf Mitarbeiter des SZFeuilletons ab, die weithin als Vertreter des so genannten Popfeuilletons gesehen wurden. Die „jüngeren Feuilleton-Redakteure“ (HÖBEL, 2001, S. 130) waren Vizeressortchef Claudius Seidl, Popmusikredakteur Edo Reents, Filmkritiker Michael Althen sowie Georg Diez und Niklas Maak, die bei der SZ vor allem über Theater und bildende Kunst schrieben. Ein Grund für diese Auswahl könnte eine geplante Erweiterung des FAZ-Feuilletons zur populären Kultur gewesen sein. Das deutet Frank Schirrmachers Aussage über die Ziele der Personalveränderungen an. Das Feuilleton der letzten zehn Jahre „mit seiner traditionellen Kulturberichterstattung durchmischt von politischen Besinnungsaufsätzen“ (MILZ, 2001b, S. 24) entspreche nicht mehr „unseren Bedürfnissen“, sagte er. Nach dem Personalwechsel aber habe die FAZ das Glück, „dass für uns jetzt hervorragende Repräsentanten sowohl für ein klassisches, populäres und wissenschaftliches Feuilleton arbeiten.“ (MILZ, 2001b, S. 24f.) Für eine Öffnung des FAZ-Feuilletons gegenüber populärer Kultur und Kultur im weiteren Sinne spricht die nach dem Personalwechsel am 1. September 2001 eingeführte neue Feuilletonstruktur: Hinzu kam eine tägliche Rubrik für Berichte aus der Naturwissenschaft, eine tägliche Medienseite sowie ein täglicher Comicstrip und eine feste Rubrik für Porträts (vgl. SCHIRRMACHER, 2001b, S. 41). Insgesamt sind also zumindest in den Ankündigungen der Kommunikatoren Anzeichen für eine Schärfung des weiten Kulturbegriffs als Merkmal des FAZ-Feuilletons in den Jahren 2000 und 2001 erkennbar: einerseits durch Ausbau oder zumindest Neuakzentuierung der Wissenschaftsberichterstattung, andererseits durch Öffnung des Feuilletonangebots gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne. 6.3.2 Tradition und Neuausrichtung SZ-Feuilletons 2001

Die am 6. Oktober 1945 gegründete Süddeutsche Zeitung erreichte im vierten Quartal 2003 eine verkaufte Auflage von 437077 Exemplaren zwischen Montag und Samstag. Obwohl der größte Teil dieser Auflage in Oberbayern abgesetzt wird (PÜRER / RAABE, 1996, S. 167) zählen Pürer und Raabe das Medium zu den überregionalen deutschen Tageszeitungen. Die Blattlinie lässt sich nur schwer einer konkreten politischen Richtung zuordnen, doch ragt „das Merkmal der Liberalität am stärksten heraus“ (PÜRER / RAABE, 1996, S. 167). Konkret wird dies bei der als vergleichsweise hoch wahrgenommenen potenziellen Binnenpluralität, also konkret an einem hohen Grad „der Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit der jeweiligen Leitartikler wie der einzelnen Ressorts“ (PÜRER / RAABE, 1996, S. 167).

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

75

Kommunikatoren und Kulturproduzenten zählen das SZ-Feuilleton nicht einhellig zu den herausragenden Angeboten des Mediums. Zwar rechnet zum Beispiel Haacke das Ressort 1976 zu den bedeutendsten und renommiertesten der Bundesrepublik (HAACKE, 1976, S. 290). Doch in derselben Zeit kritisiert Kulturpolitiker Hermann Glaser, dass sich das Ressort im Gegensatz „wie viele Feuilletons von Regionalzeitungen (diese im Niveau freilich provinzieller), (...) mit einer verhältnismäßig eintönigen Aufreihung von Besprechungen und Kurznachrichten begnügt“ (GLASER, 1974, S. 36). Einige empirische Untersuchungen der Medieninhalte stützen (vgl. S. 48ff.) diese Einschätzung, dass SZ-Feuilleton verfolge einen engeren Kulturbegriff als das der FAZ. Diese Auffassung teilen über die Jahre hinweg die meisten Einschätzungen des SZ-Feuilletons. So erklärt Hellmuth Karasek rückblickend, lange Zeit habe die Musikkritik das SZ-Feuilleton von der Konkurrenz abgehoben (KARASEK, 1995, S. 100). Der Journalist Alfred Dürr urteilt in einem Portrait des Blattes, über das Ressort, dass „es fast ausschließlich ein reines Kritiker-Feuilleton ist. (...) Was fehlt, ist (...) der Versuch, über die Tagesereignisse hinaus, geistige Strömungen festzuhalten, Strukturen, große Zusammenhänge deutlich zu machen.“ (DÜRR, 1980, S. 75) Neben dieser Kritik an einem beherrschenden Fokus auf Kulturprodukte bemängelt Dürr eine Dominanz klassischer Kultursparten: „Besonders auffällig ist die Vernachlässigung der sich alternativ entwickelnden Kulturformen, die dem etablierten Kulturbetrieb gegenüberstehen.“ (DÜRR, 1980, S. 75) Dieses Profil wollte der 1994 angetretene Feuilletonchef Johannes Willms ändern. Er arbeitete daran, ein „agierendes und re-agierendes Feuilleton in neuer, das PolitischHistorische stärker unterstreichender Mixtur zu disponieren“, wie der leitende SZRedakteur Joachim Kaiser es ausdrückt (KAISER, 1995). Diese Umsetzung des bereits in der FAZ erkennbaren Konzepts eines politischen Feuilletons (vgl. S. 66f.) erweiterte den im SZ-Feuilleton praktizierten Kulturbegriff – den Aussagen der Kommunikatoren zufolge allerdings nicht unbedingt zur Populärkultur im engeren Sinne. Dies änderte sich der Wahrnehmung anderer Medien nach, als 1996 Claudius Seidl zum Stellvertreter des Feuilletonchefs Willms berufen wurde. Seidl wollte eigenen Aussagen zufolge nicht „Sachverwalter des kulturellen Kanons sein“ (SCHNIBBEN, 1999, S. 60). Stattdessen setzte er „Aufsätze etwa über modernes Autodesign, Internet und Mode ebenso wie über die Hintergründe des Justizkriegs gegen amerikanische Rapper“ (HÖBEL, 2001, S. 133) durch. Diese „Arbeit Seidls und seiner Mitstreiter“ scheint „sowohl in der Gesamtredaktion als auch im Kulturressort“ (HÖBEL, 2001, S. 133) umstritten gewesen zu sein. Mitarbeitern zufolge wurde auf Redaktionskonferenzen „an jedem zweiten Tag (...) der Feuilletonteil (...) ‚abgewatscht’, (...) seine Beliebigkeit angegriffen und die Spaßkultur gegeißelt“ (SCHNIBBEN, 1999, S. 60). Der aktuelle Umbau des SZ-Feuilletons begann offiziell mit der Ankündigung der Süddeutschen Zeitung am 6. Februar 2001, ihr Feuilleton in den kommenden Monaten zu verstärken. Das Blatt meldete, dass drei Redakteure aus dem FAZ-Feuilleton – Ressortleiter Ulrich Raulff, Literaturchef Thomas Steinfeld, Kulturkorrespondentin Franziska Augstein – zur SZ wechseln. Als Ziel dieser Anwerbung nannte SZ-

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

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Chefredakteur Hans Werner Kilz die Stärkung der Kompetenzen „auf Sektoren wie Literatur und Geisteswissenschaft, in denen wir erkennbar schwächer waren als die FAZ und die Zeit“ (MILZ, 2001a, S. 25). Kilz kritisiert die wahrgenommene Stärkung von Themen aus der populären Kultur im SZ-Feuilleton und kündigt einen Fokus auf Hochkultur im engeren Sinne an: „Feuilleton darf nicht nur aus Hollywood und Pop bestehen. Unsere Leser gehen schließlich auch in die Oper, ins Konzert, lesen Bücher.“ (MILZ, 2001a, S. 25) Konkrete Ergebnisse der Leserforschung zitiert Kilz nicht, sie liegen zumindest dem Autor dieser Arbeit auch nicht vor. Allerdings scheint Kilz die angekündigte Neuausrichtung des SZ-Feuilletons aus Rezipientenbedürfnissen abzuleiten. Im Spiegel sagte er, dass ein „großer Teil“ der „kulturinteressierten Leserschaft“ der SZ „eher konservativ ausgerichtet“ ist (HÖBEL, 2001, S. 133). Wobei diese Aussage den veröffentlichten Ergebnissen der Rezipientenforschung zum Kulturinteresse widerspricht (vgl. S. 59ff.), die kein ausschließliches Interesse an Hochkultur im engeren Sinne bei den besonders kulturinteressierten Publikumssegmenten feststellen. Die Umgestaltung des SZ-Feuilletons kündigte das Blatt offiziell am 25. September 2001 an. Unter Leitung des ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfeld führte die SZ eine tägliche Literaturseite ein. Laut Eigenaussage will sich das Feuilleton „verstärkt der Literatur, dem literarischen Leben und dem Buchmarkt widmen“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG GMBH, 2001, S. 2). Gemeint ist damit aber nicht nur Belletristik, sondern auch das Sachbuch einschließlich wissenschaftlicher Literatur. Außerdem kündigt Ressortleiter Andreas Zielcke an, dass das Feuilleton „von der heutigen Ausgabe an regelmäßig seinen Umfang erweitert“ (ZIELCKE, 2001, S. 15). Insgesamt weisen die angekündigten Veränderungen im SZ-Feuilleton auf eine Einschränkung der Anteile von populärer Kultur im engeren Sinn und Kultur im weiteren Sinne am Angebot des Feuilletons hin.

6.4

Zwischenfazit

In den seit Beginn der neunziger Jahre von Feuilletonjournalisten umgesetzten Ressortkonzepten und über ihr Ressort geführten Diskussionen zeigt sich eine generelle Bereitschaft, das Themenspektrum gegenüber Kultur im weiteren Sinn zu öffnen. Politische, historische und zeitgeschichtliche Themen sind zum Beispiel Kern des Politischen Feuilletons (vgl. S. 66ff.). Dieser Begriff bezeichnet Themen wie die „kulturellen Brüche und Verwerfungen“ (HALLER, 2003, S. 3) nach der Wiedervereinigung, die das FAZ-Feuilleton thematisierte, aber auch die Mitte der neunziger Jahre vom SZ-Feuilletonchef Johannes Willms angestrebte thematische Erweiterung seines Ressorts (vgl. S. 74f.) um politische und historische Themen. Kommunikatoren kritisierten diese Konzepte einer thematischen Erweiterung in Debatten über Feuilletoninhalte immer wieder massiv (vgl. S. 71). Der Feuilletonchef der Zeit Jens Jessen und der Leiter des Feuilletons der Berliner Zeitung Stephan Speicher forderten in einer Debatte 2003 eine stärkere Fokussierung auf Hochkultur

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte

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im engeren Sinne (KNIPPHALS, 2003, S. 15). Nicht nur in diesem Punkt, sondern auch bei der Frage nach der Darstellung von Inhalten verlief die Debatte über Feuilletoninhalte 2003 (vgl. S. 70ff.) ähnlich wie frühere: Eine Seite sieht das Feuilleton als Fachressort für die Rezension hochkultureller Produkte, die andere verlangt eine Erweiterung des Themenspektrums gegenüber populärer Kultur. Die im Jahr 2000 angekündigten Veränderungen des FAZ-Feuilletonressorts (vgl. S. 72ff.) deuten eine thematische Erweiterung oder zumindest Neuausrichtung auf bestimmte naturwissenschaftliche Disziplinen als Teil der Kultur im weiteren Sinne an. Die Übernahme von SZ-Mitarbeitern und Einführung neuer Rubriken im Feuilleton 2001 wurde allgemein als Bemühen um eine Öffnung gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne wahrgenommen (vgl. S. 74). Die 2001 angekündigten Veränderungen des SZ-Feuilletons deuten hingegen eine Einschränkung von Themen aus der populären Kultur und der Kultur im weiteren Sinne an. Die Debatten über Feuilletonkonzepte und die angekündigten Veränderungen bei FAZ und SZ zeigen, dass die Positionen sich noch immer in den von Glotz und Langenbucher dargestellten Punkten unterscheiden: Weite des Kulturbegriffs zwischen Hoch- und Populärkultur, zwischen Kunst als Kultur im engeren Sinne und Kultur insgesamt, Präsentation mit Darstellungsformen jenseits der Rezension und mit einem Fokus über Kulturprodukte hinaus. In der jüngsten Debatte kritisierten viele Kommunikatoren stark eine als übertrieben wahrgenommene Erweiterung des Kulturbegriffs im Feuilletonangebot. Doch zeugen die Inhalte der überregionalen Feuilletons um die Jahrtausendwende tatsächlich von einem so radikal anderen Kulturbegriff als ihr Untersuchungen der Medieninhalte 1993 und 1988 feststellten? Es existieren keine empirische Studien, die aktuell genug sind, um hier Anhaltspunkte geben zu können. Ebenso fehlen Untersuchungen zur Umsetzung der angekündigten Veränderungen in den Feuilletons von FAZ und SZ. Diese Fragen sollen nun vor dem Hintergrund der dargestellten Diskussionen, Ergebnisse und Feuilletonprofile empirisch untersucht werden.

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

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EMPIRISCHER TEIL: FEUILLETON VON FAZ UND SZ 1997 BIS 2003
7 Stand der Forschung und Forschungsziel

Im Folgenden wird der in den vorangegangenen Kapiteln erarbeitete Forschungsstand zusammengefasst und darauf der Forschungsbedarf sowie das Forschungsinteresse und konkrete Forschungsfragen dieser Arbeit entwickelt.

7.1

Forschungsstand

Die aktuellsten systematisch und empirisch gewonnenen Ergebnisse zu Gesamtinhalten des Feuilletons stammen aus einem Zeitraum im Jahr 1993 (STEGERT, 1998). Das bestätigt die Auffassung der mit dem Feuilleton beschäftigten Forscher, dass ihr Feld bislang nur wenigen, zeitlich und thematisch eingeschränkten, zudem oft historischen „Fallstudien“ bearbeitet wurde, die den „entwickelten programmatischen Perspektiven aber nur selten gerecht“ werden, wie der Germanist Norbert Bachleitner feststellt (BACHLEITNER, 2002). Insbesondere die Publizistikwissenschaft habe weniger als erhofft zur inhaltsanalytischen Erforschung beigetragen, stellt der Literaturwissenschaftler Kai Kauffmann in seiner „ernüchternden Zwischenbilanz der Feuilletonforschung“ (KAUFFMANN, 2000, S. 15) fest. Die vorliegenden Fallstudien historischer Feuilletoninhalte in ausgewählten Medien zeigen (vgl. S. 17ff.), dass Feuilletonressorts zwar zu jeder Zeit über Hochkultur im engen Sinn berichtet haben, aber nur in wenigen Zeitabschnitten exklusiv auf dieses Themenfeld begrenzt waren. Eine Erweiterung hin zur Populärkultur machen Wissenschaftler und Kommunikatoren allgemein in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts bei der Filmkritik aus (vgl. S. 25ff.). Von einem in anderem Sinne weiten Kulturbegriff zeugen hingegen Wissenschaft und Politik als Themen untersuchter Feuilletonressorts im 19. und frühen 20. Jahrhundert (vgl. S. 34ff.). Die Inhalte der Feuilletonressorts in der Bundesrepublik nach 1945 zeugen nicht von einem ähnlich weiten Kulturbegriff (vgl. S. 32ff.; S. 47ff.). Im Gegenteil: Feuilletonressorts scheinen ihr Angebot weg von dieser Tradition des frühen 20. und 19. Jahrhunderts entwickelt zu haben und sich auf Hochkultur im engeren Sinne zu konzentrieren. Dieses Angebot haben vom Ende der sechziger Jahre an Kommunikationswissenschaftler, vor allem Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher, als nicht den Interessen der Lesermehrheit angemessen kritisiert. Nicht angemessen etwa dem Interesse an populärer Kultur. Ihre Einschätzung der Angebotsstruktur als von

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

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Hochkultur im engeren Sinne dominiert bestätigen inhaltsanalytische Untersuchungen (vgl. S. 47ff.) Dass diese Angebote von Rezipienten konstant wenig genutzt werden, deuten vorliegende wissenschaftliche Studien an (vgl. S. 56ff) Außerdem zeigen Rezipientenuntersuchungen, dass selbst an Hochkultur im engeren Sinne stark interessierte Nutzergruppen Populärkultur keineswegs ablehnen, sondern an bestimmten Sparten sogar stärker interessiert sind als andere Publikumssegmente (vgl. S. 59ff.). Zu dieser Kritik und den ihr zugrunde liegenden Fakten haben Feuilletonkommunikatoren nicht direkt öffentlich Stellung bezogen. Allerdings machen inhaltsanalytische Untersuchungen vereinzelt eine leichte Erweiterung des Themenspektrums der Feuilletonressorts aus. So sind in den Kulturressorts Sparten zu finden, die eher populärkulturelle Werke hervorbringen, zum Beispiel Kabarett und Pop- bzw. Rockmusik (vgl. S. 52). Auch politische Themen als Teil der Kultur im weiteren Sinne entdecken einzelne Studien zumindest in den Feuilletonressorts von FAZ und SZ (vgl. S. 51f.). Der Mangel an Untersuchungen der Feuilletoninhalte nach 1993 auf solche Veränderungen ist eklatant. Denn in den vergangenen Jahren haben Feuilletonkommunikatoren neue Konzepte ihrer Ressorts mehrmals diskutiert (vgl. S. 70f.). Vor allem die beiden auflagenstärksten überregionalen Abonnementzeitungen Deutschlands, FAZ und SZ, haben in den Jahren 2000 und 2001 einen Wandel ihrer Feuilletonressorts angekündigt. (vgl. S. 72ff.) Einen Wandel, der zum Beispiel bei der FAZ einen erweiterten Kulturbegriff verspricht, während SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz eine Konzentration auf Hochkultur im engen Sinne ankündigt. Diese angekündigten Veränderungen und vor allem Ergebnisse zur tatsächlichen Umsetzung sind für die Kommunikationswissenschaft insbesondere vor dem Hintergrund der erstmals Ende der sechziger Jahre von den Kommunikationswissenschaftlern Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher geäußerten Kritik (vgl. S. 38ff.) an Inhalt und Gestaltung dieses Ressorts interessant. Anspruch und Wirklichkeit des Feuilletonwandels bei FAZ und SZ sind nicht erforscht – diese Arbeit soll sie untersuchen.

7.2

Forschungsziel

Wie im theoretischen Teil der Arbeit festgestellt, haben wissenschaftliche Untersuchungen die von Glotz und Langenbucher kritisierten Sachverhalte auch zu Beginn der neunziger Jahre in den Medieninhalten beobachtet (vgl. S. 47ff.) – aber auch Anzeichen eines Wandels, zum Beispiel die Präsenz politischer Themen und bestimmter populärer Kultursparten in den Feuilletonressorts. Ob diese Tendenzen sich bei den vollzogenen personellen und den von Kommunikatoren versprochenen – und sehr öffentlichkeitswirksam angekündigten – inhaltlichen Veränderungen (vgl. S. 72ff.) des FAZ- und SZ-Feuilletons in den Jahren 2000 und 2001 fortsetzen, soll diese Arbeit untersuchen. Sie soll die inzwischen zehn Jahre alten empirischen Befunde zu Themen und Darstellungsformen im Feuilleton um eine Untersuchung der Inhalte der Feuilletons von FAZ und SZ vor und nach dem angekündigten Wandel der

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

80

Angebote ergänzen. Diese Analyse soll sich auf die im theoretischen Teil ausgearbeiteten Positionen in den Debatten über Inhalte des Feuilletons beziehen. Haben die Ressorts die von Glotz, Langenbucher und anderen Kommunikationswissenschaftlern geforderten Veränderungen (vgl. S. 38ff.) umgesetzt? Zum Beispiel in Bezug auf die Weite des Kulturbegriffs, bei der Auswahl der Darstellungsformen und beim Fokus der Berichterstattung auf den Gegenstand Kultur? Ist die aus den Ergebnissen inhaltanalytischer Untersuchungen abgeleitete Kritik am Feuilleton für die untersuchten Feuilletonteile heute noch gültig? Drittens soll die Arbeit die Ergebnisse dieser empirischen Analyse auf die vorliegenden Erkenntnisse zu historischen Feuilletonprofilen beziehen. Sind die Konzepte der Praktiker aus der jüngsten Vergangenheit (vgl. S. 66ff.) wie das politische Feuilleton und das Debattenfeuilleton heute erkennbar? Sind in den beobachteten Themenstrukturen der untersuchten Feuilletonressorts Parallelen zu den Besonderheiten bestimmter historischer Feuilletonprofile zu erkennen? Das allgemeine Forschungsziel erfasst die generelle Forschungsfrage: F1: Wie haben sich Inhalt und Umfang der Feuilletons von Frankfurter Allgemeiner und Süddeutscher Zeitung nach Beginn der Joy-Debatte im Juni 2000 und der Ankündigung inhaltlicher Veränderungen im September 2001 entwickelt?

7.3

Hypothesenbildung

Es scheint sinnvoller, anstelle einer geschlossenen Generalhypothese Forschungsfragen zu formulieren, die anhand konkreter Subhypothesen beantwortet werden können. Der Grund dafür ist, dass diese Arbeit die Profile der Feuilletons zweier Zeitungen miteinander vergleichen und zudem ihre Veränderungen im Lauf der Zeit aufzeigen soll. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen außerdem einen Vergleich mit älteren empirischen Studien ermöglichen. Das Profil eines Ressorts setzt sich aus vielen Aspekten zusammen. Ähnlich breit angelegt sind auch die bereits vorliegenden Arbeiten zur Kulturberichterstattung, deren Ergebnisse mit Einschränkungen dem historischen Vergleich dienen können. Die Forschungsfragen und Hypothesen werden gebildet auf der Basis von Ergebnissen des theoretischen Teils dieser Arbeit hinsichtlich wissenschaftlicher Darstellungen historischer Feuilletonprofile und der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Feuilleton sowie Design und Ergebnissen bisheriger empirischer Untersuchungen von Feuilletoninhalten. Nach Sichtung dieses Materials scheint es sinnvoll, die allgemeine Forschungsfrage F1 in drei zeitlich begründete Teilbereiche zu gliedern:

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

81

7.3.1

Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im Vergleich zu 1999

Beim Vergleich des FAZ-Feuilletons vor und nach dem Beginn der Joy-Debatte im Juni 2000 und der Gegenüberstellung mit dem SZ-Feuilleton im selben Zeitraum ist diese Forschungsfrage zu beantworten: F2: Hat sich das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 in Umfang, Themen, Darstellungsformen, Gestaltung und Fokus der Berichterstattung im Vergleich zum Untersuchungszeitraum davor verändert? Wie hat sich im selben Zeitraum das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (SZ) entwickelt? Diese Hypothesen soll die Untersuchung in Bezug auf die Teilforschungsfrage F2 testen: H1: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 größer als zuvor. der FAZ SZ ist ist im im

H2: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 ebenso groß wie zuvor.

H3: Das FAZ-Feuilleton ist in den Untersuchungszeiträumen vor wie nach dem Juni 2000 absolut und in Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ. H4: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 einen größeren Anteil wissenschaftlicher Themen an der Gesamttextfläche auf als im Untersuchungszeitraum zuvor. Der Anteil der Unterthemen aus der Biologie und Gentechnologie nimmt dabei zu. Wissenschaftsthemen sind im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 prominenter platziert als im Untersuchungszeitraum davor. Bei Kulturthemen im engeren Sinn dominiert nach wie vor Hochkultur im engeren Sinn. H5: Im SZ-Feuilleton verändern sich die Anteile des Themenfeldes Wissenschaft an der Gesamttextfläche zwischen den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 nicht deutlich. Insgesamt dominieren in beiden Zeiträumen Themen aus der Kultur im engeren Sinne, wobei Hochkultur im engeren Sinn einen höheren Textflächenanteil Gesamt aufweist als populäre Kultur. H6: Im FAZ-Feuilleton nehmen Themen aus dem Obergebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie nach dem Juni 2000 einen größeren Anteil der Textfläche ein als im SZFeuilleton. Das SZ-Feuilleton weist hingegen einen größeren Textflächenanteil populärer Kultur im engeren Sinne auf. H7: Im FAZ-Feuilleton haben in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 Rezensionen den größten Textflächenanteil aller Darstellungsformen. Von 1999 zu 2000 nimmt jedoch ihr Anteil ab. Der Anteil von Essays, Hintergrundberichten und Kommentaren steigt jedoch. Ebenso nimmt der Anteil von Artikelserien und Beiträgen von Gastautoren an der Textfläche zu. Analog zu dieser Entwicklung der textlichen

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

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Darstellung sinkt der Anteil von Texten ohne portionierende Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche. H8: Im SZ-Feuilleton dominiert in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 die Rezension als journalistische Darstellungsform. Der Anteil von Artikelserien und Beiträgen von Gastautoren steigt nicht. Der Anteil von Texten ohne portionierende Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche sinkt nicht. H9: Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung weist in den Untersuchungszeiträumen 1999 wie 2000 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton. Die Gestaltung des SZ-Feuilletons weist mehr Portionierungselemente im Textteil und einen größeren Bildanteil auf als das FAZFeuilleton. Am Feuilleton der Süddeutschen Zeitung haben im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 Artikelserien und Beiträge von Gastautoren einen geringeren Anteil als an dem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. H10: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2000 einen größeren Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn auf als im vorangehenden Untersuchungszeitraum. H11: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum 2000 anteilsmäßig nicht mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als im Untersuchungszeitraum zuvor. H12: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2000 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf als das SZ-Feuilleton. 7.3.2 Entwicklung der FAZ und SZ nach dem Mitarbeiterwechsel im Juli 2001 und Ankündigung neuer redaktioneller Angebote

Beim Vergleich des FAZ-Feuilletons vor und nach dem Beginn der Joy-Debatte im Juni 2000 und der Gegenüberstellung mit dem SZ-Feuilleton im selben Zeitraum ist diese Forschungsfrage zu beantworten: F3: Wie haben sich die Feuilletons der FAZ und SZ im Untersuchungszeitraum nach dem Juli 2001 in Umfang, Themen, Darstellungsformen, Gestaltung und Fokus der Berichterstattung im Vergleich zum im Untersuchungszeitraum davor entwickelt? Diese Forschungsfrage lässt sich in diese Hypothesen unterteilen: H13: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der FAZ und die absolute Gesamtfläche des FAZ-Feuilletons sind im untersuchten Zeitraum 2001 größer als im untersuchten Zeitraum 2000. H14: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der SZ und die absolute Gesamtfläche des SZ-Feuilletons sind im Untersuchungszeitraum 2001 größer als im untersuchten Zeitraum 2000.

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

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H15: Das FAZ-Feuilleton ist im Untersuchungszeitraum nach dem Juli 2001 absolut und in Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ. H16: Im FAZ-Feuilleton ist im untersuchten Zeitraum 2001 der Anteil von Beiträgen zu Medien- und Wissenschaftsthemen an der Gesamttextfläche höher als im Untersuchungszeitraum 2000. Bei Kulturthemen im engeren Sinne nimmt der Anteil populärer Kultur gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000 zu, der Anteil von Hochkultur im engeren Sinne hingegen ab. H17: Im SZ-Feuilleton nehmen Beiträge zum Themenfeld Literatur im Untersuchungszeitraum 2001 einen größeren Anteil der Textfläche ein als im untersuchten Zeitraum 2000. Der Anteil von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich populärer Kultur im engeren Sinne an der Textfläche nimmt gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000 ab. H18: Themen aus dem Bereich der Hochkultur im weiteren Sinne nehmen im Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Flächenanteil des SZ-Feuilletons ein als entsprechende Angebote im FAZ-Feuilleton Der Anteil zur populären Kultur im engeren Sinne gehörender Themen ist in der SZ im Untersuchungszeitraum 2001 kleiner als in der FAZ. H19: Im FAZ-Feuilleton haben in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 Rezensionen den größten Textflächenanteil aller Darstellungsformen, allerdings sinkt dieser Anteil von 2000 zu 2001. Der Anteil von Artikelserien und Beiträgen von Gastautoren steigt. Der Anteil von Texten mit portionierenden Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche steigt. H20: Im SZ-Feuilleton dominiert in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 die Rezension als journalistische Darstellungsform die Textfläche. Der Anteil von Texten mit portionierenden Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche steigt. Auch der Anteil von Bildern an der gesamten Beitragsfläche steigt. H21: Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung weist in den Untersuchungszeiträumen 2000 wie 2001 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton. H22: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 einen höheren Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf als im Untersuchungszeitraum 2000. H23: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn als im Untersuchungszeitraum 2000. H24: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf als das SZ-Feuilleton.

7 Stand der Forschung und Forschungsziel

84

7.3.3

Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum

Beim Vergleich beider Feuilletons miteinander und untereinander im Zeitverlauf ist diese Forschungsfrage zu beantworten: F4: Wie haben sich die Feuilletons der FAZ und SZ in allen in den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 hinsichtlich des Umfangs, der Themen und der Darstellungsformen entwickelt? Das Erkenntnisinteresse dieser Forschungsfrage kann man in diese Hypothesen teilen: H25: Der Anteil der Feuilletonteile am Gesamtangebot sowohl der FAZ als auch der SZ ist in den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 konstant gestiegen, ebenso der absolute Umfang. H26: Das FAZ-Feuilleton erweitert von 1999 bis 2002 sein Themenspektrum den Flächenanteilen nach zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, insbesondere der Naturwissenschaft. Das SZ-Feuilleton hingegen stärkt von 2001 an gegenüber den vorherigen Untersuchungszeiträumen die Anteile von Themen und Sparten aus der Kultur im engeren Sinne, insbesondere der Literatur. H27: Der Flächenanteil von Rezensionen als Darstellungsform ist in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ konstant gesunken. H28: In den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 wächst der Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn. H29: In den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 sinkt im FAZ- sowie im SZFeuilleton der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte.

8 Anlage der Untersuchung

85

8
8.1

Anlage der Untersuchung
Inhaltsanalyse als Methode der Untersuchung

Zur Beantwortung der aufgestellten Forschungsfragen und zur Prüfung der formulierten Hypothesen scheint die Inhaltsanalyse die geeignetste sozialwissenschaftliche Methode zu sein. Denn Fragen und Hypothesen zielen auf eine Untersuchung der formalen und inhaltlichen Merkmale von Zeitungsausgaben und Artikeln darin ab. Eine Inhaltsanalyse hat in der Kommunikationsforschung in der Regel „das Anliegen, formale und inhaltliche Merkmale großer Textmengen zu erfassen.“ (BROSIUS / KOSCHEL 2003, S. 165) Aufgrund dieser Überlegung wurde als Methode die Inhaltsanalyse im Sinne der Definition Frühs gewählt, als „empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen“. (FRÜH, 2001, S. 25) Die von Früh aufgeführten Merkmale Systematik und intersubjektive Nachvollziehbarkeit konkretisieren eigentlich die in der Definition eingangs getroffene Klassifikation der Inhaltsanalyse als empirische Methode. Sie können als allgemeine Eigenschaften wissenschaftlichen Arbeitens gelten, daher werden sie hier nicht als eine Besonderheit der gewählten Methode quantitativer Inhaltsanalyse verstanden, wie auch Früh einräumt (2001, S. 25). Systematik meint eine konsistente Forschungsstrategie, deren Anlage ebenso wie ihre Durchführung vollkommen klar dokumentiert wird. Das einmal festgelegte Prozedere muss bei allen Untersuchungsobjekten identisch angewendet werden. Die Systematisierung und Dokumentation hilft bei der Erfüllung der zweiten Anforderung an Inhaltsanalysen: der Reproduzierbarkeit. Das Optimum ist erreicht, wenn ein anderer Forscher dieselben Forschungsfragen mit demselben Material dank des intersubjektiv nachvollziehbar gemachten Vorgehens ebenso beantworten kann wie der Autor der ursprünglichen Untersuchung. Auch wenn dies selten umgesetzt wird, ist der dokumentierte Anspruch auf Transparenz dennoch das Mittel, mit dem Leser das Vorgehen des Forschers intersubjektiv nachzuvollziehen und kritisieren können, auch wenn sie das Design nicht reproduzieren. Früh vermeidet in seiner Definition bewusst Elemente, welche die ursprüngliche Begriffsbestimmung Berelsons enthielt: „objective“, „quantative descritpion“ und „of the manifest content of communication“ (BERELSON, 1952, S. 18 zit. nach BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 163). Denn Früh glaubt, dass diese Elemente der Definition „... in der Vergangenheit mehr Verwirrung gestiftet als zur Klärung beigetragen haben.“ (FRÜH, 2001, S. 25). Diese Einschätzung sieht Diekmann in seiner Zusammenfassung des Methodenstreits als heute allgemein in der Forschung geteilt an: Objektivität und Systematik seien „als Hauptmerkmale der Methode kaum umstritten“, jedoch habe sich die Kritik „an den Definitionsmerkmalen ‚manifester Inhalt’ und ‚quantitative

8 Anlage der Untersuchung

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Beschreibung’ entzündet.“ (DIEKMANN, 1999, S. 482) Die Zweiteilung in manifeste und latente Inhalte scheint insofern problematisch, als dass die Basis für ein Urteil über die Offenkundigkeit bei Berelson vage ist und heute noch vager erscheint. Brosius und Koschel stützen ihre Kritik an Berelsons Definition mit dem Argument, dass der von Berelson vorausgesetzte „common meaning ground, where understandig is simple and direct“ (BROSIUS / KOSCHEL 2003, S. 164) kaum unbesehen als gegeben hingenommen werden kann: „Kann man wirklich davon ausgehen, dass Informationen derart allgemein verarbeitet werden, dass alle alles gleich verstehen? Dies gilt umso mehr, wenn man historische Dimensionen anlegt.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 164) Die Autoren schlussfolgern: „Möglicherweise sind Texte ohne ihren Zeitbezug, ohne die Messung dessen, wie die Leser diese Texte verstehen bzw. verstanden haben, inhaltsanalytisch nicht zu erfassen.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 165) Zumindest das methodische Problem historischer Inhalte stellt sich beim Untersuchungszeitraum dieser Arbeit in einem vernachlässigbaren Ausmaß. Dennoch sollte bei der Entwicklung des Instruments die Kritik an der überholten Zweiteilung latenter und manifester Inhalte und an der so strikten wie künstlichen Trennung qualitativer und quantitativer Analyse bedacht werden. Diese Dichotomie beurteilt Früh als irreführende Vereinfachung, denn „... jede Identifizierung eines inhaltlichen Textmerkmals durch den Coder ist zunächst ein qualitativer Analyseakt, dessen zählend quantifizierende Weiterverarbeitung diesen Charakter nicht aufhebt.“ (FRÜH, 2001, S. 130) Auch der quantifizierend arbeitende Forscher interessiert sich also letztendlich auch für die Bedeutungen der ausgezählten Häufigkeiten oder andere Werte, mit denen er arbeitet. Umgekehrt gilt bei qualitativen Inhaltsanalysen, dass zum Beispiel mancher „... qualitative Interpret aus der Häufigkeit und Intensität der Äußerungen, ...“ darauf schließt, dass „... es sich um das dringendst Problem der Zielperson handelt.“ (FRÜH, 2001, S. 67) Über die Menge des Untersuchungsmaterials unterscheiden Brosius und Koschel die quantitative Inhaltsanalyse von anderen Methoden: „Die quantitative Inhaltsanalyse versucht im Gegensatz dazu nicht einen singulären Text zu interpretieren, sondern große Textmengen.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 165) Auch wenn bei dieser Ausführung als andere Methode nicht explizit die qualitative Inhaltsanalyse sondern als Begriff nur die Hermeneutik erwähnt wird, differenziert Früh ähnlich quantitative und qualitative Inhaltsanalyse. Er spricht vom „Ziel der Einzelfallerklärung“ (FRÜH, 2001, S. 70). Doch der eigentliche Unterschied ist für Früh das Erkenntnisinteresse. Dem sich qualitativ nennenden Forscher sei es wichtiger, „... einige aussagekräftige Fälle in allen Details zu beschreiben, um daraus dann informationsreiche Erkenntnisse zu gewinnen, ...“ (FRÜH, 2001, S. 71). Eine Methodenkontroverse sieht Früh daher nicht, die könnten erst dann entstehen, „... wenn für die jeweiligen Forschungsinteressen nicht die angemessenen Methoden eingesetzt werden.“ (FRÜH, 2001, S. 71). Da diese Arbeit erkunden will, wie sich Themen und Darstellungsformen zweier Feuilletonteile in einem konkreten Zeitraum entwickelt haben, scheint eine quantitative Inhaltsanalyse dem Forschungsinteresse angemessen.

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Doch ist Frühs Warnung vor der Verwechslung quantifizierter Indikatoren mit unterstellten Bedeutungen zu beachten. Die Verbindung muss belegt, die qualitative Leistung der Coder beim Messvorgang bei der Entwicklung des Instruments einbezogen werden: Ohne optimale Anleitung werden unterschiedliche Coder oder derselbe Coder zu unterschiedlichen Zeitpunkten dieselben Merkmale in einem nicht akzeptablen Ausmaß anders codieren. Genau diese Abweichungen soll die Inhaltsanalyse methodisch minimieren. Der Anspruch für diese Untersuchung ist also, ein so einfaches und eindeutiges Kategoriensystem wie für die Reliabilität möglich und ein so komplexes wie für die inhaltliche Beantwortung der Forschungsfragen nötig zu entwickeln. Dieser Anspruch ist in der Literatur gerade wegen der Diskussion um Definitionen der Methode und des fließenden Übergangs zwischen manifesten und latenten Aussagen vergleichsweise unumstritten: „Im Unterschied zur subjektiven Interpretation von Texten ist für die sozialwissenschaftliche Inhaltsanalyse Systematik und intersubjektive Nachvollziehbarkeit kennzeichnend.“ (DIEKMANN, 1999, S. 482). Weil die oben dargelegten Problempotenziale der Methode Inhaltsanalyse bei Teilen des in dieser Untersuchung genutzten Kategoriensystems ohne Einschränkung bestehen, wird dessen Güte mittels eines Reliabilitätstest geprüft werden, obwohl Forscher mit einem großen Teil der Kategorien bereits erfolgreich in vergleichbaren Untersuchungen gearbeitet haben. Denn ob durch Optimierung des Instruments die Manifestierung von Bedeutungsinhalten gelungen ist, „... erschließt sich dann indirekt über die Reliabilität des inhaltsanalytischen Messinstruments.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 167).

8.2

Auswahl des Untersuchungsmaterials / Stichprobenziehung
Schlüsselereignisse

8.2.1

Die generelle Forschungsfrage nach Entwicklung von Inhalt und Umfang des FAZ- und SZ-Feuilletons nach den angekündigten Veränderungen gibt Zeitraum und Untersuchungsobjekt grob vor. Die Bestimmung der Untersuchungszeiträume und damit der Stichprobe orientiert sich an Zeitpunkten, welche die untersuchten Medien selbst als Momente der Veränderung definierten. Im Einzelnen sind das diese Schlüsselereignisse: Die FAZ druckte am 6. Juni 2000 einen Artikel des Ingenieurs und IT-Unternehmers Bill Joy über Gentechnik, Nanotechnik und Robotik und unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“. Ihn ergänzte eine programmatische redaktionelle Ankündigung: Das Feuilleton der FAZ soll sich von nun verstärkt naturwissenschaftlichen Themen widmen und das Feuilleton neu gestalten (vgl. S. 72ff.). Am 1. September 2001 kommt ein täglicher, fester Platz für Berichte aus der Naturwissenschaft auf der zweiten Feuilletonseite, eine tägliche Medienseite und ein täglicher Comicstrip hinzu sowie ein fester Platz für Porträts. Die SZ kündigt eine allgemeine Erweiterung des Feuilletonteils an (vgl. S. 74f.) und führt unter Leitung des

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ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfeld am 25. September 2001 eine tägliche Literaturseite ein. 8.2.2 Stichprobe

Drei Schlüsselereignisse gilt es also bei der Wahl der Stichprobe zu beachten: Die redaktionelle Ankündigung neuer Themen im Zuge der Joy-Debatte im FAZ-Feuilleton am 06.06.2000, die Einführung neuer Seiten und Rubriken im FAZ-Feuilleton am 01.09.2001 und die Erweiterung des SZ-Feuilletons um eine tägliche Literaturseite am 25.09.2001. Aufgrund dieser Fakten muss die Stichprobe so gewählt werden, dass Material aus vier Untersuchungszeiträumen vergleichbar ist: Einer vor den Schlüsselereignissen im Jahr 2000, einer in zeitlicher Nähe danach, einer in zeitlicher Nähe nach dem Schlüsselereignis 2001 und ein letzter Untersuchungszeitraum nach den Schlüsselereignissen im Jahr 2001. Ziel der Auswahl ist die Erhebung für die Feuilletonberichterstattung repräsentativer Zeitungsausgaben. Daher wurde zur Ermittlung der Auswahl ein dreistufiges Verfahren gewählt. Zunächst werden Zeitintervalle festgelegt, über die eine Aussage gemacht werden soll. Aus den so gewonnenen Zeitfenstern werden in der nächsten Stufe alle von einem außergewöhnlichen Ereignis dominierten Wochen gestrichen. Zuletzt wird aus den verbliebenen Wochen in jedem Zeitfenster eine natürliche Woche gezogen. Eine natürliche Woche wurde einer künstlichen vorgezogen. Natürliche Wochen schienen zweckdienlich, weil Redaktionen eine ausgewogene Verteilung von Kultursparten und sonstigen Themen am Angebot auf Wochensicht anstreben. In jedem untersuchten Jahr werden aus derselben, so ausgewählten Woche die Zeitungsausgaben ausgewertet. Der Grund für diese Entscheidung: Die Wochen sollen plausibel denselben jährlich wiederkehrenden thematischen Einflüssen ausgesetzt sein. Zunächst werden Zeitintervalle ausgesucht, das diesen Anforderungen entspricht: Sie müssen jeweils zeitlich nah genug an den drei Schlüsselereignissen liegen, damit anhand der daraus gewählten Stichprobe die vorgenommenen Veränderungen erfasst werden können, ohne dass mögliche nachfolgende Veränderungen das Ergebnis verzerren. Um die langfristige Etablierung der Veränderungen beider Feuilletons zu prüfen, werden Stichproben aus dem Vor- und Folgejahr 1999 und 2000 ausgewertet. Die Zeitintervalle müssen zeitlich weit genug entfernt von den drei Schlüsselereignissen sein, um Verzerrungen durch die Auswertung von den Medien möglicherweise für die Zeit nach dem Start vorproduzierter Beiträge oder Serien zu vermeiden. Der Zeitraum muss die Ziehung einer Woche ermöglichen, die in allen Jahren die Nutzung desselben Untersuchungszeitraums ermöglicht. Aufgrund dieser Anforderungen wurden als Intervalle die Zeiträume von der ersten Oktoberwoche bis zur letzten Novemberwoche gewählt. Dieses Zeitintervall ist im Jahr 2000 vergleichsweise weit entfernt von der programmatischen redaktionellen Ankündigung im FAZ-Feuilleton am 6. Juni, verstärkt aus den Themenfeldern Naturwissenschaft, Gen- und Nanotechnologie zu berichten. Allerdings relativiert

8 Anlage der Untersuchung

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diesen Eindruck der von Frank Schirrmacher herausgegebene Sammelband, „der die wichtigsten Artikel und Gespräche aus der in der FAZ geführten Debatte versammelt“ und damit den „Beginn der dritten industriellen Revolution diskutiert“. (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9). Der am spätesten im Jahr 2000 in der FAZ erschienene für diesen Band ausgewählte Beitrag wurde am 20. November in der FAZ veröffentlicht. Insofern scheint das gewählte Zeitintervall auch für das Jahr 2000 im Hinblick auf die angekündigten Veränderungen in der FAZ vertretbar. Im nächsten Schritt werden von einem außergewöhnlichen Ereignis dominierte Wochen in den jeweiligen Intervallen eines Jahres markiert. Durch die Wahl des Zeitintervalls ist bereits die Sommerpause in vielen Kultursparten ausgeschlossen, was für diese Untersuchung eine ähnliche Annahme wie für Stegerts erlaubt, dass die Ergebnisse zu Themen und Sparten nicht durch Sommer- (Juli bis September) und Winterpause (Januar) und „Großereignisse wie (...)die Filmfestspiele in Berlin (Februar), Cannes (Juni) und Venedig (September)“ (STEGERT, 1998, S. 35) verzerrt werden. Auszuschließen sind als von einem Großereignis bestimmt noch jene Wochen, in denen in den jeweiligen Jahren die Frankfurter Buchmesse stattgefunden hat. Die verbleibenden Wochen werden markiert, wenn besondere, möglicherweise dominierende Ereignisse in das gewählte Zeitintervall fallen. Dies wird anhand der Meldungen in Nachrichtenagenturen geprüft. Gesucht wird im allgemeinen Dienst nach Meldungen mit den Prioritätsstufen 1 und 2 sowie im Ressort Kultur nach Meldungen mit den Prioritäten 1 und 2. Solche Themen wurden als besondere Ereignisse gezählt, wenn der Kulturteil der Tageszeitung „Die Welt“ sie in mehreren Beiträgen thematisierte. Die ersten Zeilen der Agenturtexte finden sich zur Übersicht im Anhang der Arbeit (S. A49ff..
Tabelle 22: ereignisdominierte (grau hinterlegt) Wochen im ausgewählten Zeitintervall
1999
1. Oktoberwoche 2. Oktoberwoche 3. Oktoberwoche 4. Oktoberwoche 1. Novemberwoche 2. Novemberwoche 3. Novemberwoche 4. Novemberwoche 4.-9.10. 11.-16.10. Buchmesse 18.-23.10. 25.10.-30.11 1.11.-6.11. 8.-13.11. 15.-20.11. 22.-27.11.

2000
2.-7.10. 9.-14. 10. 16.-21.10. Buchmesse 23.10.-28.11 6.-11.11. US-Wahl 13.-18.11. 20.-25.11. Amtsantritt Naumann / Wehrmachtsausstellung 27.11.-2.12.

2001
1.-6.10. 8.-13.10. Buchmesse 15.-20.10. 22.10.-27.11 5.-10.11. 12.-17.11. Afghanistan: Nordallianz in Kabul 19.-24.11. Afghanistan: Kämpfe, Afghanistankonferenz 26.11.-1.12.

2002
7.-12.10. Buchmesse 14.-19.10. 21.-26.10. 28.10.-2.11 4.-9.11. 11.-16.11. 18.-23.11. 25.11.-30.11.

Die Zufallsauswahl einer natürlichen Woche im letzten Schritt fiel auf die vierte Novemberwoche. Es ist klar, dass sich die auf dem so gewählten Stichprobenmaterial basierenden Ergebnisse auf diese konkreten Zeitintervalle beziehen. Weil die ersten beiden Schritte der Stichprobenziehung eine bewusste Auswahl sind und lediglich der letzte Schritt randomisiert wurde, können die Untersuchungsergebnisse nicht absolut verallgemeinert werden. Allerdings scheint es wegen der mehrstufigen, systematischen Auswahl plausibel, dass die auf dieser Grundlage ermittelten Ergebnisse repräsentativ

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sind für die Gesamtentwicklung der beiden Feuilletonressorts insgesamt zwischen den ausgemachten Schlüsselereignissen. Als begründet kann diese Annahme und kann die Gültigkeit der Ergebnisse über die Untersuchungszeiträume hinaus erst gelten, wenn die Ergebnisse reproduziert werden konnten. 8.2.3 Umfang des Untersuchungsmaterials

Grundsätzlich gilt, dass aus Parallelisierungsgründen statt der Regional- die Deutschlandausgaben beider Zeitungen ausgewertet werden. Die eingangs getroffene Definition des Begriffs Feuilleton (vgl. S. 6ff.) ergab, dass sich in Deutschland das Feuilleton als Ressort über seine weitgehend exklusive Zuständigkeit für Hochkultur im engeren Sinn von anderen Ressorts der Tageszeitung abhebt. Doch das Ressort Feuilleton ist in Deutschland – zumindest in überregionalen Zeitungen – nicht auf dieses Themenfeld beschränkt, sondern auch Ort etwa für die „Debatte über die kulturellen Grundwerte“ (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, 1998, S. 66) oder für „Themen auf (...) der Schnittstelle von Kultur, Politik und Gesellschaft“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003). Deshalb fällt die konkrete Abgrenzung schwer, welches Material bei der Untersuchung zum Feuilleton zu rechnen ist. Die Orientierung am Zeitungsbuch „Feuilleton“ ist nicht stichhaltig, da hier ressortfremde Seiten allein als Ergebnis technischer Gegebenheiten abgedruckt werden können. Deshalb wurde der Umfang des Untersuchungsmaterials in zwei Schritten bestimmt: Zunächst wurden die Selbstdarstellungen der Medien und Medieninhalten5 gesichtet. Auf dieser Basis wurden dann die Ressortleiter der Feuilletons beider Medien befragt. Zunächst wurden jene Seiten mit einem abweichenden Seitentitel ausgeschlossen, die zwar im Feuilletonbuch zu finden sind, aber entweder durch das Layout als eigenes Ressort gekennzeichnet sind (durch einen Seitentitel in Größe der Ressortaufmacherseiten) oder als Kleinressort nicht nur im Feuilletonbuch, sondern auch in anderen Zeitungsteilen erscheinen6. Diese wurde mittels der CD-ROMJahresausgaben überprüft, die eine Auflistung der Artikel nach Ressorts mit Angabe der Seitenzahlen für das gesamte Jahr ermöglichen. Die Sichtung der Selbstdarstellungen ergab weitere unklare Fälle: So zählt zum Beispiel die FAZ (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 1998, S. 74) die wöchentlichen Beilagen „Reiseblatt“, „Natur und Wissenschaft“ und „Geisteswissenschaften“ zum Feuilleton.

5

Zum einen die Ausgaben von FAZ und SZ vom 13 bis zum 18 Oktober 2003, zum anderen die CDRom-Jahresausgaben 2000, 2001, 2002 von FAZ und SZ Das sind in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Seiten „Briefe an die Herausgeber“ sowie „Jugend und Umwelt“ und in der Süddeutschen Zeitung die Seiten „Leserbriefe“, „Medien“, „Politisches Buch“, „Jetzt.de“, „Das Programm vom (Wochentag)“. Nur im Feuilletonbuch erscheinen hingegen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diese Seiten mit einem abweichenden Seitentitel: „Medien“, „Kino“, „Stil“, „Veranstaltungen im (Monatsname)“, „Bücher und Themen“, „Schallplatten und Phono“ sowie „Neue Sachbücher“. Nur im Feuilletonbuch der Süddeutschen Zeitung erscheinen hingegen die Seiten „Schallplatte“, „Kinder- und Jugendliteratur“, „Film“ und „Literatur“.

6

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Um diese Fälle zu klären und die Stichhaltigkeit der getroffenen Auswahl zu prüfen, wurden die Ressortleiter der Feuilletons beider Tageszeitungen befragt. Zum einen sollten sie angeben, welche redaktionellen Angebote organisatorisch der Feuilletonredaktion zugeordnet sind. Zum anderen wurde danach gefragt, welche anderen Angebote sie gegebenenfalls unabhängig von der organisatorischen Struktur als Teil des Feuilletonangebots sehen. Um Ergänzungen über die aufgezählten Seitentitel hinaus wurde ausdrücklich gebeten (vgl. Anhang, S. A61ff.) Die Antworten ergaben, dass die Organisationsstruktur beider Tageszeitungen so unterschiedlich ist, dass eine parallele Auswahl von auszuwertenden Ressortseiten auf dieser Basis nicht möglich ist. So ist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Reiseblatt tatsächlich dem Feuilletonherausgeber zugeordnet und gehört somit auch zur Feuilletonredaktion, obgleich die Redaktionen ähnlich getrennt voneinander arbeiten wie bei der Süddeutschen Zeitung. Abgesehen von diesen problematischen Fällen bestätigen die Ressortleiter die getroffene Auswahl. SZ-Feuilletonleiter Andreas Zielcke: „Teile wie Jetzt.de oder Medien sind redaktionell vollkommen selbstständig, leider auch das Politische Buch, das traditionell der Innenpolitik zugeordnet ist. In einem weiteren Sinn gehören alle diese Teile einschließlich der Wochenendbeilage gewiss zum Kultursegment der Zeitung (und sollten meiner Meinung nach auch unter einer Leitung stehen - in der FAZ steht dafür der für Kultur zuständige Herausgeber), sind aber eben untereinander autonom, wie übrigens auch die ‚Münchner Kultur’.“ (Vgl. Anhang, S. A61) Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ergänzte der Ressortleiter des Feuilletons Patrick Bahners, die aufgezählten Seitentitel um die Beilage Natur und Wissenschaft sowie Geisteswissenschaften. Diese müssten ebenso wie die Medienseite bei einer Auswertung zum Feuilleton gerechnet werden. Denn die auf diesen Sonderseiten behandelten Themen würden oft in derselben Form im Feuilletonbuch erscheinen, die Platzierung würde vor allem von Erscheinungsterminen, verfügbarem Raum und der Aktualität des Ereignisses abhängen. Bahners formuliert die Selbstdefinition des Feuilletonressorts so: „... aus redaktioneller Sicht gehören jedenfalls Natur und Wissenschaft und Geisteswissenschaften zum Kernprogramm, weil die Kollegen täglich an der Produktion des aktuellen Feuilletons beteiligt sind und entsprechende Themen regelmäßig im aktuellen Feuilleton behandelt werden. Diese Integration ist vielleicht ein Unterschied gegenüber der SZ. Dasselbe gilt für die Medienseite: Es ist Tradition der FAZ, daß Fernsehkritik bei uns nach den Maßstäben betrieben wird, die auch für Theater und Konzert gelten. Am ehesten eine Welt für sich ist noch das Reiseblatt.“ (vgl. Anhang, S. A66) Somit führt die Sichtung der Medieninhalte und die Befragung der Kommunikatoren zu einer in zwei Punkten problematischen Auswahl: Während dem FAZ-Feuilleton die Medienseite sowie die Beilagen „Natur und Wissenschaft“ und „Geisteswissenschaften“ zugerechnet werden müssen, zählen sie bei der Süddeutschen Zeitung ausgehend von der aus Medieninhalten und Kommunikatoraussagen ersichtlichen Selbstdefinition nicht zum Feuilleton. Eine solche Auswahl lässt sich

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einerseits vielleicht mit dem Argument begründen, dass die Untersuchung nicht das gesamte im weiteren Sinne kulturelle Angebot der jeweiligen Tageszeitung untersuchen soll, sondern allein das Gesamtangebot des Ressorts Feuilleton. Wenn also die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Medienberichterstattung und den gesamten Wissenschaftsjournalismus anders als die Süddeutsche Zeitung als Bestandteil des Feuilletons sieht und entsprechend in die tägliche Arbeit eingliedert, verzerrt eine solche Auswahl des Materials nicht die Ergebnisse, sondern spiegelt die Struktur des Angebotes wieder. Andererseits vergibt eine solche Auswahl von vornherein die Chance, die thematisch parallelen - wenn auch nicht denselben Ressorts zugeordneten redaktionellen Angebote zu vergleichen. So kann nicht beantwortet werden, ob die SZ die über mehrere Ressorts verteilte thematische Zuständigkeit anders redaktionell umsetzt als die FAZ, wo nur ein Ressort für dasselbe breite Themenspektrum zuständig ist. Bei einer solchen Auswahl bliebe ungeklärt, ob sich allein die organisatorischen Zuordnungen bestimmter Inhalte die beiden Medien unterscheidet oder auch das Angebot. Deshalb ist eine zu enge Auswahl des Untersuchungsmaterials auf einer solch kleinen Grundlage ist problematisch. Weil beide Argumentationen bedenkenswert sind, werden die zwei unterschiedliche Stichproben untersucht: zum einen Material auf Basis der Selbstdefinition der beiden Feuilletons durch die Struktur der Medieninhalte und die Aussagen der Kommunikatoren. Zum anderen mit einer parallelisierenden Auswahl auf Basis der größtmöglichen Definitionsmenge. Daraus folgen zwei verschiedene Stichproben im Hinblick auf das Untersuchungsmaterial. In der parallelisierten Stichprobe wird bei der Süddeutschen Zeitung die Medienseite ebenso zum Feuilleton gezählt wie das zur Medienseite gehörende Rundfunkprogramm und die Beilage Umwelt, Wissenschaft, Technik, beziehungsweise die dieser Beilage nachfolgende tägliche Seite Wissen. In beiden Stichproben nicht zum Feuilleton gezählt werden hingegen die alle Beilagen und Sonderseiten, die zum Feuilleton gezählt werden könnten, aber weder bei der Materialsichtung noch bei der Befragung der Kommunikatoren als zwingend auszuwerten eingestuft wurden - so zum Beispiel die Seiten Politische Bücher (FAZ) beziehungsweise Politisches Buch (SZ).
Tabelle 23: Umfang des Untersuchungsmaterials auf Basis Feuilletonressorts und auf Basis einer parallelisierenden Auswahl FAZ
Selbstdefinition des Feuilletons Beiträge auf Seiten mit Titel (n=1100 Beiträge): Feuilleton | Medien | Medienforum | Kino | Stil | Veranstaltungen im [Monat]; Bücher und Themen | Schallplatten und Phono; Neue Sachbücher | Natur und Wissenschaft | Geisteswissenschaften | Fernsehen am [Wochentag] | Hörfunk am [Wochentag] Beiträge auf Seiten mit Titel (n=1100 Beiträge): Feuilleton | Medien | Medienforum | Kino | Stil | Veranstaltungen im [Monat]; Bücher und Themen | Schallplatten und Phono; Neue Sachbücher | Natur und Wissenschaft | Geisteswissenschaften | Fernsehen am [Wochentag] | Hörfunk am [Wochentag]

der

Selbstdefinition

der

SZ
Beiträge auf Seiten mit Titel (n=427 Beiträge): Feuilleton | Film | Schallplatte | Kinderund Jugendliteratur Beiträge auf Seiten mit Titel (n=688): Feuilleton | Film | Schallplatte | Kinderund Jugendliteratur | Umwelt, Wissenschaft, Technik Wissen | Medien | Das Programm vom (Wochentag)

parallelisierende Feuilletondefinition

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8.3

Operationalisierung zum Kategoriensystem

Das Kategoriensystem wird sowohl theoriegeleitet als auch empiriegeleitet entwickelt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der theoretischen Ableitung, basierend auf dem theoretischen Teil, den formulierten Forschungsfragen und Hypothesen. Denn es liegen bereits inhaltsanalytische Untersuchungen des Kulturjournalismus und der Feuilletons im Besonderen vor, die ähnliche Fragestellungen wie diese Arbeit verfolgen7. Die vorliegenden Instrumente wurden verglichen und in Details an die Fragestellung dieser Arbeit angepasst. Dieses Vorgehen erschien sinnvoll, weil die vorliegenden Kategoriensystemen bereits erprobt sind und insbesondere das von Stegert entwickelte Instrument unumstrittenes Ergebnis einer kritischen Auseinandersetzung mit den Werkzeugen älterer Untersuchungen ist. Auf diese Bewährtheit und die durch die Übernahme eines erprobten Instruments eher gewährleistete Vergleichbarkeit sollte die vorliegende Arbeit nicht leichtfertig verzichten. Bei der Reliabilität geht es um die Messgenauigkeit, also die Zuverlässigkeit eines Messinstrumentes. Das Codebuch bzw. das darin enthaltene Kategorienschema wurde in Probecodierungen der Ausgaben der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“ vom 15. und 17.11.2003 erprobt, geringfügig verfeinert (vgl. S. 97) und danach anhand der Ausgaben der Welt vom 18., 19. und 20. November 2003 auf Intracoder- und Intercoderreliabilität (vgl. S. 97ff.) geprüft, und zwar mit den von Früh (2001, S. 177) empfohlenen Koeffizienten zur Berechnung der prozentualen Übereinstimmung zwischen Erst- und Zweitcodierung, bzw. -codierer - geprüft. Dafür wurde „Die Welt“ ausgesucht, weil sie weil sie wie FAZ und SZ eine überregionale Tageszeitung ist, aber nicht zum zu untersuchenden Material gehört. Diese Auswahl erschien notwendig, weil die Forschungsfragen zwar grundsätzlich unangetastet bleiben sollten, aber andererseits Anregungen aus der Codiererfahrung während der Tests nicht von vornherein ignoriert werden sollten. Um also etwaige Veränderungen der Forschungsfragen aufgrund Kenntnis der Daten zu vermeiden, wurde „Die Welt“ für Probecodierungen und Reliabilitätstest gewählt. Eine ausführliche Darstellung des Kategoriensystems bietet das Codebuch im Anhang dieser Arbeit (vgl. S. A1ff.), hier wird nun vor allem der Bezug zwischen Kategorienschema und Forschungsfragen dargelegt. 8.3.1 Umfang des Feuilletons

Die Kategorien zur Ermittlung der Ressortproportionen beziehen sich auf eine Zeitungsausgabe als Untersuchungseinheit. Messeinheit ist eine Seite. Anders als vorliegende Untersuchungen von Stegert und Müller-Sachse wird auf die Erfassung des Anzeigenumfangs verzichtet. Der Grund dafür ist, dass die für eine so differenzierte Erfassung nötige Zeit angesichts von 1788 auszuwertenden Beiträgen in einem nicht

7

STEGERT, 1998, S. 306-338; MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 581f.; FRANK / MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 164-184; SCHEER / STIFTEL, 1983, S. 180-183; III1-III9; BITALA, 1993, S. 112-118; SAXER, 1995, S. 89-118; MAURUSCHAT, 2001, S. A17-A42

8 Anlage der Untersuchung

94

angemessenen Verhältnis zum Erkenntnisgewinn steht. Die wichtigste Information liefert auch eine Erfassung der Bruttoseiten: einen Vergleichswert für beide Medien, der anders als die aus den Beitragsflächen gewonnenen Netto-Umfangsangaben je Ausgabe die Entwicklung der Feuilletonumfänge in Kontext zur Entwicklung des gesamten Mediums setzt.
Tabelle 24: Haupt- und Einzeldimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation

Einzeldimension
01 Identifikationsnummer [agidnr] 02 Erscheinungstag und –monat [agdatum] 03 Erscheinungsjahr [agjahr] 04 Medium [agmedium] 05 Gesamtseitenumfang brutto Ausgabe [agseitbr] 06 Seitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach Selbstdefinition [asgfeusd] 07 Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach parallelisierender Definition [asgfeupd]

zu Hypothese

H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25 H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25 H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Kategorien zum Umfang

8.3.2

Umfang und Platzierung der Beiträge

Die Beitragsfläche ist Grundlage für die Auswertung der Gesamtanteile einzelner Themen und Kultursparten am redaktionellen Angebot. Über diese Anteile hinaus soll die Untersuchung aber auch erfassen, welche Bedeutung das Feuilletonressort bestimmten Themen beimisst. Darauf soll die Erfassung der Platzierung eines Beitrags Aufschluss geben. Denn diese „sagt im weitesten Sinn etwas über die diesem Beitrag zugeschriebene Relevanz aus. Dinge, die auf der ersten Seite stehen, hat die Redaktion für wichtiger gehalten als eine Meldung im Blattinneren.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 181). Daher werden für jeden Beitrag die Seitenzahl, die etwaige Platzierung als Aufmacher und die Platzierung über oder unter dem Zeitungsbruch codiert.
Tabelle 25: Haupt- und Einzeldimensionen zu Umfang und Platzierung auf Beitragsebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation

Einzeldimension
08 Identifikationsnummer [btridnr] 09 Erscheinungstag und –monat [btrdatum] 10 Erscheinungsjahr [btrjahr] 11 Feuilletonsegment [btrfeusg] 12 Seitenzahl [seite] 13 Platzierung über oder unter Bruch [bruch] 14 Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils [aufmach] 15 Textfläche [txtflaec] 16 Fläche des Bildelements [aufmach] 17 Gesamtfläche des Beitrags [btrflaec]

zu Hypothese

Kategorien zu Umfang und Platzierung

H4, H5, H6, H16, H18 H4, H5, H6, H16, H18 H4, H5, H6, H16, H18 H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Weil Bildelemente ein wesentliches Gestaltungselement eines Beitrags sind, werden ihre Flächen einerseits gesondert erfasst, andererseits neben der Textfläche als zweiter Teil der Gesamtbeitragsfläche gerechnet. Denn entsprechend den Ergebnissen der von Pegie Stark Adam und Mario Garcia 1990 vorgelegten Studie „Eyes on the News“, sind Fotos und Grafiken „sind die ersten Einstiegspunkte beim Blick auf die Zeitungsseite“. Rezipienten steigen in die Zeitungsseite Seite „über das dominierende Foto ein, blicken dann auf eine dominierende Überschrift oder auf ein weiteres Foto. Bilder werden – bis auf wenige Ausnahmen – von mehr als 80 Prozent der Leser beachtet.“ (BLUM / BUCHER, 1998, S. 66). Deswegen ist das Verhältnis von Text- und Bildfläche für die Frage nach der Gestaltung beider Feuilletonressorts von Interesse.

8 Anlage der Untersuchung

95

8.3.3

Gestaltung

Gestaltung meint sowohl die textliche wie die grafische Umsetzung eines Beitrags. Die Kategorien zur grafischen Gestaltung sind von Bitala (1993, S. 112) und Stegert (1998, S. 338) übernommen. Gestaltungselemente wie Infokästen, markante Endabsätze und Zwischentitel sind Portionierungselemente, die als optisches Äquivalent zur von Glotz und Langenbucher geforderten (vgl. S. 38ff) Vielfalt textlicher Darstellungsformen gesehen werden können. Blickaufzeichnungsuntersuchungen des Poynter Institute for Media Studies zufolge nutzen „Leser Zwischentitel als Seiteneinstiege für längere Beiträge (...) Zwischentitel sind deshalb mehr als nur optische Auflockerungen für Langtexte ...“ (BLUM, 1998, S. 30). Wie stark bei der Gestaltung solche Portionierungsmittel genutzt werden, sagt also etwas darüber aus, wie viel Wert ein Ressort auf eine Gestaltung legt, die allgemein als leseranziehender gilt. Das gilt auch für Rubrizierungen von Beiträgen, die mittels fester Kolumnenrubrik, oft auch mittels gestalterischer Elemente wie Signets, bei wechselnden Autoren und Überschriften Kontinuität signalisieren (vgl. MAST, 2000, S. 266). Die Frage nach dem Gestaltungsparadigma beider Medien beantwortet zudem in Teilen auch die Codierung des Typs der Bildelemente. Dominieren zum Beispiel Fotografien kultureller Ereignisse die Bildberichterstattung, könnte ein Transfer der Kritik Glotz’, Langenbuchers und anderer Kommunikationswissenschaftler an der Rezension als dominierender textlicher Darstellungsform auf die grafische Darstellung überlegt werden. Die Ausprägungen der Dimension Darstellungsform des Textelements sind abgesehen von geringfügigen Zusammenfassungen aus Stegerts Untersuchungsinstrument übernommen (STEGERT, 1998, S. 325). Die Erfassung der Anteile unterschiedlicher Darstellungsformen am gesamten redaktionellen Textangebot soll die Gültigkeit der bekannten Kritik an der textlichen Gestaltung (vgl. S. 40) im Feuilleton prüfen und einen Vergleich mit den Ergebnissen vorheriger Untersuchungen ermöglichen.
Tabelle 26: Haupt- und Einzeldimensionen der Kategorien zur Gestaltung auf Beitragsebene
Hauptdimension Einzeldimension
18 Beitrag Teil einer Serie [btrserie] 19 publizistische Quelle des Textelements [txtquell] 20 Journalistische Darstellungsform des Textelements [txtform] 21 Rubriktitel [btrrubri] 22 Zwischentitel [btrzwiti] 23 Infokasten [btrinfok] 24 markanter Endabsatz– [btrendab] 25 Form des Bildelements [bldform]

zu Hypothese
H7, H8, H9, H19, H20, H21 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27 H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Kategorien zur Gestaltung

Die publizistische Quelle des Textelements wird untersucht, weil die Forschungsergebnisse Anja Mauruschats (vgl. S. 68) zum Debattenfeuilleton der 1990er Jahre und das historische Feuilletonprofil der Frankfurter Zeitung der 1890er Jahre (vgl. S. 22f.) eine hohe Bedeutung zumindest fachlich prominenter im Feuilleton nahe legen. Deren Dominanz kritisierten einige Diskutanten in der jüngsten Debatte über Inhalte des Feuilletonressorts im Jahr 2003. Der Autor Daniele Dell'Agli bemängelte, dass ein „vielfacher Suhrkamp-Autor, Preisträger, Professor, Medienstar“ sich im Feuilleton „auf seinem Denk- und Schreibniveau bewegen“ dürfte, Autoren „ohne diesen StatusDekor“ jedoch den Lesern wohl kaum „Zumutungen an das Zweimallesen, an das Mit-

8 Anlage der Untersuchung

96

und Selbstdenken“ präsentieren dürften (DELL’AGLI, 2003). Abgesehen von den Mutmaßungen über die Darstellungsqualität zeigt sich hier eine wahrgenommene hohe Bedeutung und Präsenz prominenter Gastautoren im Feuilleton. Deren Basis soll mit der Kategorie der publizistischen Quelle erforscht werden. 8.3.4 Kategorien zum Inhalt

Als Themenfelder eines Beitrags werden nicht allein die klassischen Kultursparten erfasst. Ein so beschränktes Kategorienschema würde die mögliche thematische Breite als Besonderheit der Feuilletons von FAZ und SZ qua Anlage ungenügend erfassen. Deshalb wurden ähnlich wie von Bitala (1993, S. 50) und Stegert (1998, S. 312f.) auch Themengebiete aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. S. 14) aufgenommen. Die Kultursparten als Oberkategorien und die Genres oder Gattungen als Unterkategorien wurden zum größten Teil von Stegert (1998, S. 312f.) übernommen, jedoch entsprechend dem Gegenstand und Ziel dieser Forschungsarbeit an einigen Stellen gekürzt, an anderen ergänzt. Weil anders als bei Stegert Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit nicht die mediale Aufarbeitung des Kulturgeschehens im engeren Sinne durch Zeitungen insgesamt ist, sonder das gesamte Angebot des Feuilletonressorts, wurden die Kategorien zu Wissenschaft und Zeitgeschichte breiter ausgearbeitet. Das Kategorienschema zum Beitragsthema ist – ähnlich wie das zu Anlass und Fokus – sehr fein in bis zu drei thematische, immer konkreter werdende Ebenen unterteilt. Das Ziel dieses Vorgehens ist zum einen die Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen der Untersuchung Stegerts. Zum anderen verspricht dieses Vorgehen Schulz zufolge höhere Chancen auf große Reliabilität. Er empfiehlt, „Kategorien für die Codierung zunächst relativ fein aufzugliedern und dann bei der Auswertung die Aufgliederung auf einer logisch höheren Ebene wieder rückgängig zu machen.“ Denn so „wird meist die Praktikabilität und Verläßlichkeit der Codierung erhöht.“ (SCHULZ, 1999, S. 57).
Tabelle 27: Haupt- und Einzeldimensionen der Kategorien zum Inhalt auf Beitragsebene
Hauptdimension Einzeldimension
26 Hauptoberthema des Beitrags [btrobthe] 27 Hauptunterthema des Beitrags [btruthe] 28 Hauptunterunterthema des Beitrags [btruuthe] 29 Kulturteilbereich des Hauptthemas [btrkultb] 30 Anlass des Beitrags Oberkategorie [btranlob] 31 Anlass des Beitrags Unterkategorie [btranlun] 32 Fokus des Beitrags Oberkategorie [btrfokob] 33 Fokus des Beitrags Unterkategorie [btrfokun] 34 Fokus des Beitrags Unterunterkategorie [btrfokuu]

zu Hypothese
H4, H5, H6, H16, H17, H18, H26 H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26 H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26 H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26 H10, H11, H12, H22, H23, H24 H10, H11, H12, H22, H23, H24 H10, H11, H12, H22, H23, H24 H10, H11, H12, H22, H23, H24 H10, H11, H12, H22, H23, H24

Kategorien zum Inhalt

Die Codierung des Kulturteilbereichs des Hauptthemas eines Beitrags soll die aus den Flächenanteilen der Hauptthemen gewonnen Erkenntnisse über den im jeweils untersuchten Ressort dominierenden Kulturbegriff ergänzen. Die Ausprägungsmöglichkeiten folgen den eingangs (vgl. S. 14ff.) in Anlehnung an das Kategorienschema der inhaltsanalytischen Untersuchung Weiß’ von Fernsehangeboten auf Kulturund Bildungsinhalte Volpers’ und Weiß’ (WEIß, 1992; VOLPERS/WEIß, 1992). Die Zuordnung erfolgt auf Basis des festgestellten Hauptthemas, bei einigen Kultursparten auf Basis weiterer Differenzierungen der Sparte. Als Anlass des Beitrags wird jene

8 Anlage der Untersuchung

97

Eigenschaft des Berichterstattungsobjekts verstanden, die den Grund liefert, den Beitrag zum gegebenen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Hier soll vor allem die Gültigkeit der Kritik untersucht werden, vor allem Premieren, Veröffentlichungen und Preisverleihungen bestimmten die Agenda der Feuilletonressorts. Die beiden Kategorien zum Fokus des Beitrags erfassen zwei Sachverhalte: zum einen, ob Kulturbereiche getrennt betrachtet oder verbunden werden, zum anderen, wie breit und tief die Beiträge das Thema darstellen. Beide Kategorien sind aufgrund von Einschätzungen aktueller Feuilletonprofile entwickelt worden. Zum einen wegen häufig getroffenen Aussagen (vgl. S. 66f.), Feuilletonressort würden Aspekte aus der Kultur im engeren und aus der Kultur im weiteren Sinne aufeinander beziehen. Also zum Beispiel in Aufsätzen analysieren, wie aktuelle Kulturprodukte gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln, im Sinne des Kunstkritikers Niklas Maak: „Kunstkritik ist immer auch politisch ...“ (MAAK, 1999, S. 365). Ob Beiträge diese Verbindung tatsächlich leisten, soll diese Kategorie zu prüfen helfen. Zum anderen soll untersucht werden, ob erstens die Kritik für die untersuchten Ressorts berechtigt ist, Feuilletons würden einen zu engen Fokus auf Kultur als Menge einzelner, einzeln zu behandelnder Kulturprodukte richten (vgl. S. 40f.). Und zweitens soll die Kategorie ermitteln, ob das Feuilleton Themen aus der Kultur im weiteren Sinne tatsächlich vor allem mit einem Fokus auf den Hintergrund und größere Zusammenhänge darstellt (HALLER, 2003, S. 3; JESSEN, 2000, S. 34). 8.3.5 Modifikationen des Kategoriensystems nach Probecodierungen

Das oben dargelegte Kategoriensystem ist Ergebnis eines Verfahrens in mehreren Schritten, bei dem mit der ersten Version des Codebuchs Probecodierungen durchgeführt wurden. Ziel dieses Vorgehens war es, das „Kategoriensystem in seiner bisherigen Form zu testen, operational noch exakter zu definieren und ggf. zu modifizieren, ...“ (FRÜH, 2001, S. 152). Die Probecodierungen der Ausgaben der „Welt“ vom 15. und 17. November 2003 (vgl. S. 93). Die geringfügigen Präzisierungen im Codebuch (S. A1) sind durch Unterstreichung markiert. Präzisiert wurde die Definition des Essays in Anlehnung an Stegert (STEGERT, 1998, S. 326). Ebenfalls konkretisiert wurden die Anweisungen zur Messung der Bildfläche, zum Beispiel bei freigestellten Bildern. Kategorien wurden geringfügig ergänzt, zum Beispiel Literatur um die Unterrausprägung Kinder/Jugendliteratur und Medien um die Unterrausprägung Rundfunk.

8.4
8.4.1

Reliabilität und Validität
Intracoderreliabilität

Nach Abschluss der Entwicklung des Kategoriensystems empfiehlt Früh die Prüfung der Reliabilität (2001, S. 177). Als „Maß für die Reproduzierbarkeit von Meßergebnissen“ (DIEKMANN, 1999, S. 217) wurde für das Instrument sowohl die Intracoderreliabilität als auch die Intercoderreliabilität nach den von Früh empfohlenen

8 Anlage der Untersuchung

98

Verfahren bestimmt. Zur Prüfung der Intracoderreliabilität codierte der Autor im Abstand von einer Woche zweimal das Feuilleton derselben drei Ausgaben der Tageszeitung „Die Welt“ vom 18., 19. und 20. November 2003. Dabei wurden 175 Beiträge erfasst. Die Reliabilität wurde anhand der von Früh empfohlenen Formel (FRÜH, 2001, S. 179) bestimmt:

CR = Coder-Reliabilität | Ü = Anzahl der übereinstimmenden Codierungen | C1 = Anzahl der Codierungen von Coder zu Zeitpunkt 1 | C2 = Anzahl der Codierungen von Coder zu Zeitpunkt 2

Nach dieser Formel wurde für jede Variable des Kategoriensystems der Reliabilitätskoeffizient berechnet – abgesehen von Variable agmedium [04], da nur ein Medium untersucht wurde. Dies ist jedoch zu vernachlässigen, da bei der späteren Codierung des Untersuchungsmaterials zuverlässig zwischen FAZ und SZ unterschieden werden dürfte. Für die Reliabilitätstests wurden die Definitionen und Codierregeln für die Variablen asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07] und btrfeusg – [11] geringfügig angepasst. Die Welt weist eine tägliche Medien- und Wissenschaftsseite auf, die beide im Feuilletonbuch erscheinen, aber organisatorisch - ähnlich wie bei der SZ - eigenständige und unabhängige Ressorts sind. Die Ergebnisse des Tests sind im Anhang (S. A34) für jede Kategorie einzeln aufgeführt, hier werden wegen der Übersichtlichkeit lediglich die Werte einzelner Kategoriengruppen aufgeführt.
Tabelle 28: CR-Wert für Intracoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Ausgabenebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation (agidnr – [01]; agdatum – [02]; agjahr – [03];) Kategorien zum Umfang (agseitbr – [05]; asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07])

CR-Wert
1 1

Tabelle 29: CR-Wert für Intracoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Beitragsebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation | (btridnr – [08]; btrdatum – [09]; btrjahr – [10]; btrfeusg – [11]) Kategorien zu Umfang und Platzierung | (btrseit – [12]; btrbruch – [13]; btraufma – [14]) Textfläche (cm²) (txtflaec – [15]) Fläche des Bildelements (cm²) (bldflaec – [16]) Gesamtfläche des Beitrags (cm²) (btrflaec – [17]) Kategorien zur Gestaltung | (btrserie – [18]; txtquell – [19]; txtform – [20]; btrrubri– [21]; btrzwiti– [22]; btrinfok– [23]; btrendab– [24]; bldform – [25]) Kategorien zum Inhalt | (btrobthe – [26]; btruthe – [27]; btruuthe – [28]; btrkultb – [29]; btranlob – [30]; btranlun – [31]; btrfokob – [32]; btrfokun – [33]; btrfokuu – [34])

CR-Wert
1 0,99 0,75 0,91 0,75 0,95 0,82

Aufgrund der unterschiedlichen Bezüge der einzelnen Werte lässt sich, wie Früh feststellt, „... keine fixe Richtgröße für die Höhe des Reliabilitätskoeffizienten angeben.“ (FRÜH, 2001, S. 181). Als Orientierungswerte für unterschiedliche Kategorietypen gibt Früh anhand eines Beispielsystems diese Reliabilitätskoeffizienten als Zielgrößen an: „... bei der Variable ‚Themen’ dürfte ein Wert zwischen CR=.75 und CR=.85 bei sorgfältiger Vorarbeit und intensiver Codierschulung erreichbar sein. Ein solches Ergebnis ist als guter bis sehr guter Qualitätsstandard zu betrachten.“ (FRÜH, 2001, S. 181) In diesem Sinne sind die CR-Werte für Kategorien zu Inhalt und Gestaltung absolut zufrieden stellend, ausgenommen drei Kategorien. Problematisch ist der zu niedrige CR-Wert für die Kategorie Textfläche. Grund für diese Unzuverlässigkeit ist ein systematischer Fehler: Die Breite der Artikel wurde

8 Anlage der Untersuchung

99

von Beitrag zu Beitrag neu ausgemessen, da eine entsprechende Angabe im Codebuch fehlte. Anstatt die Spaltenbreite einmal exakt verbindlich abzumessen, vervielfachten sich so durch ständig neue Messungen die Abweichungen von wenigen Millimetern durch die Multiplikation zur Beitragsfläche. Zur Verbesserung der Reliabilität wurden für den Test der Intercoderreliabilität ins Codebuch verbindliche Spaltenbreiten der Welt, für die eigentliche Untersuchung feste Spaltenbreiten von FAZ und SZ aufgenommen. Somit kann die gemessene Beitragsfläche nur noch aufgrund unterschiedlicher Höhenausmessungen abweichen. Doch diese Abweichungen können toleriert werden. Denn der ermittelte CR-Wert vor dem Hintergrund zu betrachten, dass lediglich exakt übereinstimmende Flächenwerte als übereinstimmende Codierung gewertet wurden. Als problematisch erwiesen sich außerdem zwei Kategorien zum Inhalt eines Beitrags: btranlun – [31] (Unterkategorie Beitragsanlass) mit einem CR-Wert von 0,74 sowie btrfokuu – [34] (Unterunterkategorie Beitragsfokus) mit einem CR-Wert von 0,73. Hier fällt auf, dass die Reliabilität der jeweiligen Oberkategorien weit besser ausfällt mit 0,85 (btranlob – [30]), respektive 0,89 (btrfokob – [32]). In Auswertung der sollte also lediglich der höhere Aggregatszustand verwendet werden. Und in der Tat reichen die Oberkategorien zur Beantwortung der Hypothesen aus. Die unterste Stufe des Beitragsfokus (btrfokuu – [34]) wurde gestrichen. Außerdem wurde die Formulierung in der Codieranweisung der Oberkategorie zum Beitragsfokus präzisiert. 8.4.2 Intercoderreliabilität

Tabelle 30: CR-Wert für Intercoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Ausgabenebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation | (agidnr – [01]; agdatum – [02]; agjahr – [03];) Kategorien zum Umfang | (agseitbr – [05]; asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07])

CR-Wert
1 1

Tabelle 31: CR-Wert für Intercoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Beitragsebene
Hauptdimension
Kategorien zur Identifikation | (btridnr – [08]; btrdatum – [09]; btrjahr – [10]; btrfeusg – [11]) Kategorien zu Umfang und Platzierung | (btrseit – [12]; btrbruch – [13]; btraufma – [14]) Textfläche (cm²) (txtflaec – [15]) Fläche des Bildelements (cm²) (bldflaec – [16]) Gesamtfläche des Beitrags (cm²) (btrflaec – [17]) Kategorien zur Gestaltung | (btrserie – [18]; txtquell – [19]; txtform – [20]; btrrubri– [21]; btrzwiti– [22]; btrinfok– [23]; btrendab– [24]; bldform – [25]) Kategorien zum Inhalt | (btrobthe – [26]; btruthe – [27]; btruuthe – [28]; btrkultb – [29]; btranlob – [30]; btranlun – [31]; btrfokob – [32]; btrfokun – [33])

CR-Wert
1 1 0,88 1 0,88 0,98 0,86

Die Intercoderreliabilität wurde entsprechend Frühs Empfehlung (2001, S. 177f.) überprüft. Der Autor der vorliegenden Arbeit und eine andere Codiererin erfassten Ausgabe der Welt vom 19. November 2003. Dabei wurde das nach dem Test der Intercoderreliabliltät angepasste Codebuch verwendet. Der CR-Wert wurde entsprechend der von Früh empfohlenen Formen (2001, S. 179) berechnet. Das Ergebnis ist absolut zufrieden stellend. Die Präzisierung der Codieranweisungen zur Kategorie Textfläche (txtflaec – [15]) hat die Verlässlichkeit deutlich verbessert, auch sonst bewegen sich die ermittelten Reliabilitätswerte bei jeder Variablen im zufrieden stellenden Bereich.

8 Anlage der Untersuchung

100

8.4.3

Validität

Valide ist ein Messinstrument, wenn es misst, was es messen soll (DIEKMANN, 1999, S. 223). Bei der Validität eines Messinstrumentes geht es also um dessen Gültigkeit, nicht nur die Zuverlässigkeit. Früh sieht ein Instrument als valide an, wenn „Codierer und Forscher die Bedeutungen der Kategorien übereinstimmend definieren, nach denselben Bedeutungen im Text suchen“ (2001, S. 184). Deshalb gibt Früh zufolge der Test auf Intercoderreliabilität auch den Grad der Validität des verwendeten Instruments an, weil hier die Ergebnisse von Fremdcodierern mit denen des Forschers verglichen werden. Dem absolut zufrieden stellenden Ergebnis der Untersuchung auf Intercoderreliabilität des entwickelten Kategorienschemas (vgl. S. 99) nach ist es also valide. Hinzu kommt, dass diese Untersuchung ein vergleichbares Erkenntnisinteresse verfolgt wie jene Untersuchungen, aus denen Elemente des Kategoriensystems übernommen wurden (vgl. S. 93ff.). Weil insbesondere die inhaltsanalytische Untersuchung Stegerts auf einer tief gehenden Auseinandersetzung mit bereits angewandten Untersuchungsinstrumenten beruht und Stegerts Vorgehen bislang wissenschaftlich unumstritten ist, kann zudem von einer gewissen ExpertenValidität ausgegangen werden. Deshalb kann Validität als Zusammenhang zwischen Messinstrument und den in der Forschungsfrage bezeichneten theoretischen Konstrukten als intersubjektiv gegeben angesehen werden – schließlich haben verschiedene Forscher ihn in mehreren Untersuchungen erkannt. Hier gilt, was Brosius und Koschel zur Validität von Instrumenten feststellen: „Je häufiger zum Beispiel ein Gegenstand schon untersucht wurde, desto sicherer kann sich der Forscher sein, alle relevanten Aspekte berücksichtigt zu haben.“ (BROSIUS / KOSCHEL 2003, S. 187) Hinzu kommt, dass Stegert bei Konstruktion seines Instruments auf zahlreiche externe Quellen zurückgriff: Bei der Bestimmung von Themenkategorien nutzte er Typologisierungen von Branchenverbänden und aus Statistiken (vgl. STEGERT, 1998, S. 78 ff.). Analog dazu wurde das in dieser Arbeit genutzte Codebuch mit Hilfe von Produktionsrichtlinien und Klassifizierungssysteme aus der journalistischen Praxis – konkret mit Definitionen der Darstellungsformen aus journalistischen Lehrbüchern – erstellt (vgl. Anhang, S. A1).

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

101

9

Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

Die hier vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer Analyse von 1788 Beiträgen, die in 48 Ausgaben der FAZ und SZ in den Jahren 1999, 2000, 2001 und 2002 erschienen sind (vgl. zur Auswahl S. 87ff.). Die Darstellung folgt inhaltlichen Struktur der aufgestellten Hypothesen (vgl. S. 80ff.). Die SPSS-Datensätze stellt der Autor auf Anfrage gerne zur Verfügung. Zusammengefasst und vor dem Hintergrund der Feuilletontradition, Feuilletonforschung und Feuilletonkritik diskutiert werden die Ergebnisse im letzten Abschnitt der Arbeit (vgl. 10., S. 145ff.) – im folgenden Teil gilt es zunächst nur, die Hypothesen zu prüfen.

9.1

Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im Vergleich zu 1999
Umfänge der Feuilletons

9.1.1

Der Vergleich der Umfänge der Feuilletonressorts in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 bestätigt alle drei zum Umfang aufgestellten Hypothesen. Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist im Untersuchungszeitraum 2000 sowohl absolut als auch in Relation zum Gesamtangebot der FAZ größer als im Untersuchungszeitraum 1999 (H1). Der Anteil der Bruttoseiten des Feuilletonressorts an den Bruttoseiten des Mediums insgesamt steigt von 18,6 Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 auf 20,5 Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 (vgl. Tabelle 32). Noch erheblich deutlicher als die Bruttoseitenmenge ist steigt die Gesamtbeitragsfläche vom untersuchten Zeitraum 1999 zu dem im Jahr 2000: um etwa 18,8 Prozent (vgl. Tabelle 33, S. 102). Der im FAZ-Feuilleton angekündigte Ausbau der Berichterstattung zu naturwissenschaftlichen Themen geht also sowohl mit einem Zuwachs des absoluten Feuilletonangebots als auch mit einer Erweiterung des Feuilletonanteils am FAZGesamtangebot einher.
Tabelle 32: Bruttoseiten und Anteile des Feuilletons am Brutto-Gesamtangebot nach Zeitungstiteln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons) 1999/2000

1999 (22.-27.11.)
Feuilleton
(Seiten) FAZ | n = 12 Ausgaben SZ Selbstdefinition | n = 12 Ausgaben SZ parallelisierende Definition | n = 12 Ausg. 72 23 39

2000 (27.11.-2.12)
Feuilleton
(Seiten) 85 21 37

Gesamt
(Seiten) 388 312 312

Feuilletonanteil (%)
18,6 7,4 12,5

Gesamt
(Seiten) 415 296 296

Feuilletonanteil (%)
20,5 7,1 12,5

Die Entwicklung des Feuilletonumfangs bei der Süddeutschen Zeitung bestätigt ebenfalls die entsprechende Hypothese (H2): Sowohl der Anteil des Feuilletonressorts nach Bruttoseiten am Gesamtangebot der SZ (vgl. Tabelle 32) als auch die

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

102

Gesamtfläche der Beiträge ist im Untersuchungszeitraum 2000 in etwa ebenso groß wie im untersuchten Zeitraum 1999. Das trifft sowohl auf das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition als auch auf die nach der parallelisierenden Definition untersuchten Inhalte zu. Weder der Umfang des SZ-Feuilletons noch jener der Ressortseiten zu Medien und Wissenschaft hat sich im Untersuchungszeitraum 2000 verglichen mit dem 1999 gravierend verändert (vgl. Tabelle 33). Die Gesamtbeitragsfläche des SZFeuilletons nach Selbstdefinition ist im Untersuchungszeitraum 2000 um knapp 0,5 Prozent kleiner als im Zeitraum 1999. Nach parallelisierender Definition beträgt die Differenz knapp 0,7 Prozent der Beitragsfläche des Untersuchungszeitraums 1999.
Tabelle 33: Bild-, Text- und Gesamtbeitragsflächen im Feuilleton nach Titeln in cm² 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
Bild (cm²)
FAZ | n = 520 Beiträge SZ Selbstdefinition | n = 195 Beiträge SZ parallelisierende Def. | n = 305 Btr. 16531 6845 11420

2000 (27.11.-2.12)
Bild (cm²)
25600 7347 11708

Text (cm²)
82075 25726 46487

Beitrag (cm²)
98608 32571 57907

Text (cm²)
91531 25067 45809

Beitrag (cm²)
117131 32414 57517

Der Vergleich der Umfänge der Feuilletonressorts von FAZ und SZ in beiden Untersuchungszeiträumen bestätigt die Hypothese (H3), dass das FAZ-Feuilleton in den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000 absolut und in Relation zum Gesamtangebot größer ist als das der SZ. Der Abstand vergrößert sich im Untersuchungszeitraum 2000 gegenüber dem 1999 (vgl. Tabelle 33). 9.1.2 Themen im Feuilleton

Die im FAZ-Feuilleton im Juni 2000 angekündigte (vgl. S. 72ff.) verstärkte Berichterstattung zu naturwissenschaftlichen Themen schlägt sich in den untersuchten Medieninhalten nieder. Die Hypothese (H4) kann insgesamt als bestätigt gelten.
Tabelle 34: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % spartenübergreifend bildende Kunst angewandte Kunst darstellende Kunst Literatur Musik Baukunst Kino andere Medien darin Rundfunkprogramm Wissenschaft, Forschung, Technologie Bildung und Erziehung Zeitgeschehen Gesamt 1048 6395 2208 7984 9853 3798 2945 2118 23148 19741 13987 8591 82075 1,3 7,8 2,7 9,7 12 4,6 3,6 2,6 28,2 24,1 17 10,5 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Def.
n = 151 cm² %

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 804 3119 0 4034 4091 3110 1193 2236 426 646 6067 25726 3,1 12,1 0 15,7 15,9 12,1 4,6 8,7 1,7 2,5 23,6 100

FAZ
n = 261 cm² % 114 9171 1469 5383 12046 3548 2763 3005 22837 15402 17325 13870 91531 0,1 10 1,6 5,9 13,2 3,9 3 3,3 25 16,7 18,9 15,2 100,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 1248 2786 38 3273 4586 1374 622 4009 630 772 5729 25067 5 11,1 0,2 13,1 18,3 5,5 2,5 16 2,5 3,1 22,9 100,2

SZ par. Def.
n = 154 cm² % 1248 2786 38 3273 4586 1374 622 4009 17476 7980 4668 5729 45809 2,7 6,1 0,1 7,1 10 3 1,4 8,8 38,1 17,3 10,2 12,5 100

804 3119 0 4034 4091 3110 1193 2550 15899 9296 4873 6814 46487

1,7 6,7 0 8,7 8,8 6,7 2,6 5,5 34,2 20 10,5 14,7 100,1

Der Anteil von Beiträgen zum Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons wächst von 17 Prozent im untersuchten

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

103

Zeitraum 1999 auf 18,9 Prozent im Folgejahr (vgl. Tabelle 34, S. 102). Diese Veränderung ist jedoch keineswegs die stärkste. So steigt zum Beispiel im selben Zeitraum der Anteil von Beiträgen zum Themengebiet Zeitgeschehen von 10,5 auf 15,2 Prozent an der gesamten Textfläche. Auch der Zuwachs an absoluter Textfläche ist beim Themengebiet Zeitgeschehen größer als bei wissenschaftlichen Themen. Verfeinert man aber die Untersuchung, so zeigen sich deutlichere Unterschiede zwischen den Inhalten des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000.
Tabelle 35: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der Textfläche 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 54 cm² % subspartenübergreifend Veranstaltungshinweise Sozialwissenschaften Geisteswissenschaften Technik Naturwissenschaft gesamt 684 1515 5925 5863 13987 4,9 10,8 42,4 41,9 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Def.
n = 23 cm² %

SZ Slb.def.
n=3 cm² % 570 76 646 88,2 11,8 100

FAZ
n = 52 cm² % 120 2249 5773 1333 7850 17325 13 33,3 7,7 45,3 100 0,7 -

SZ Slb.def.
n=2 cm² % 456 316 772 59,1 40,9 100

SZ par. Def.
n = 19 cm² % 341 1515 2812 4668 7,3 32,5 60,2 100

884 609 570 256 2554 4873

18,1 12,5 11,7 5,3 52,4 100

Die Untersuchung der untergeordneten Themenfelder des Obergebiets Wissenschaft, Forschung, Technologie zeigt, dass sich die Ankündigung des FAZ-Feuilletons, verstärkt über Robotik, Gen- und Nanotechnologie zu berichten, in den Medieninhalten niederschlägt. So nimmt der Anteil der geisteswissenschaftlichen Themen an der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton von 42,1 Prozent auf 33,3 Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 ab. Zugleich steigen die Anteile naturwissenschaftlicher (von 41,9 auf 45,3 Prozent) und technischer Themen (von 0 auf 7,7 Prozent) an der Textfläche des Themenfeldes Wissenschaft, Forschung, Technologie (vgl. Tabelle 35). Auf der dritten, feisten Analyseebene der Themenfelder zeigen sich die Veränderungen am deutlichsten: Im untersuchten Zeitraum 2000 nehmen Artikel zu Biologie und/oder Gentechnologie 59,2 Prozent der Fläche aller naturwissenschaftliche Beiträge im FAZ-Feuilleton ein, im Untersuchungszeitraum 1999 waren es lediglich 16,6 Prozent. Die zur Platzierung der Wissenschaftsbeiträge aufgestellte Hypothese (H4) wird ebenfalls vom untersuchten Material bestätigt: In der Tat nehmen im Untersuchungszeitraum 2000 im FAZ-Feuilleton Beiträge zu Wissenschaftsthemen mehr prominente Plätze ein als im Untersuchungszeitraum 1999. So beschäftigen sich zum Beispiel 19 Prozent der Textfläche auf der ersten Feuilletonseite und 32,4 Prozent der Textfläche auf der dritten Feuilletonseite mit Themen aus dem Feld Naturwissenschaft/Technik (vgl. Tabelle 36, S. 104). Auf beiden prominenten Seiten tauchten diese Themen 1999 noch kaum auf.

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

104

Tabelle 36: Flächenanteile der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an der Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 1999/2000 in Prozent (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
... insgesamt ... über Bruch Wissenschaft / Forschung/ Technologie ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch ... der Feuilletonaufmacher Zeitgeschehen ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 79 18,9 19,2 41,4 19 32,4 14,1 15,2 16 38,1 28,3 11,2 17,3 2,9 2,3 4,2 6,9 21,7 20,7 82 45,1 16,6 18,1 -

FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 81 17 11,3 59,9 5,5 0,1 1,1 8,7 10,5 18,6 24 39,8 18,2 11,2 n = 17 2,5 2,6 1 9,5 23,6 27,2 84,8 38,4 28,7 17,6 7,8 1 9,5 14,7 15,2 84,8 38,4 28,7 17,6 n = 39 10,5

SZ Slb.def.
n = 18

SZ par. Df.
n = 35 10,2 8 4,2 6,9 12,5 11,8 82 45,1 16,6 18,1 -

Alles in allem kann man von einer überdurchschnittlich prominenten Platzierung von Wissenschaftsthemen im FAZ-Feuilleton im Jahr 2000 sprechen: Während Beiträge zum Themenfeld Wissenschaft, Forschung, Technologie insgesamt einen Anteil von 18,9 Prozent an der Textfläche einnehmen, machen sie 41,4 Prozent der Textfläche von Feuilletonaufmacher und 32,4 Prozent der Textfläche auf den dritten Feuilletonseiten aus. Diese Beobachtungen sprechen für eine Etablierung dieses Themengebiets im FAZ-Feuilleton. Auch wenn die Textfläche insgesamt nicht weit stärker als die anderer Themen steigt, so verändert sich doch die Platzierung dieser Fläche im Medium. Wissenschaft ist im Untersuchungszeitraum 2000 eher ein Thema für prominente Plätze auf den vorderen Ressortseiten als 1999, wo ein größerer Teil der Wissenschaftsberichterstattung auf hinteren Feuilletonseiten und vermutlich in der entsprechenden wöchentlichen Feuilletonbeilage platziert ist. Insgesamt fällt an der Themenstruktur des FAZ-Feuilletons auf, dass den Anteilen an der Textfläche nach Themenfelder dominieren, die nicht zur Kultur im engeren Sinne gehören (vgl. Tabelle 34, S. 102). In beiden Untersuchungszeiträumen führt dem Flächenanteil nach das Themenfeld „andere Medien“ (mit 28,2/25 Prozent der Textfläche), wobei davon der allergrößte Teil auf das umfangreiche FAZRundfunkprogramm entfällt, nämlich 24,1 Prozent der gesamten Textfläche des FAZFeuilletons 1999 und 16,7 Prozent im Untersuchungszeitraum 2000. Das anteilsmäßig zweitstärkste Themengebiet ist in beiden Zeiträumen Wissenschaft, Forschung, Technologie (17/18,9 Prozent), gefolgt von Zeitgeschehen (10,5/15,2 Prozent). Diese Ergebnisse bestätigen für beide Untersuchungszeiträume den von Feuilletonkommunikatoren in Kommentaren und Wissenschaftlern in Vorgängeruntersuchungen angeführten weiten Kulturbegriff des FAZ-Feuilletons (vgl. S. 48ff.). Bei den Kultursparten im engeren Sinn hat im FAZ-Feuilleton in beiden Untersuchungszeiträumen die Literatur den größten Anteil an der Gesamttextfläche (12/13,2 Prozent). Kino (2,6/3,3 Prozent) und angewandte Kunst (2,7/1,6 Prozent) hingegen haben als eher

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

105

populäre Kultursparten die geringsten Anteile an der Gesamttextfläche. Die Weite des Kulturbegriffs im FAZ-Feuilleton ergibt sich demnach nicht so sehr durch die Erweiterung gegenüber populären Kultursparten im engeren Sinne als vielmehr gegenüber Wissenschaft als Teil der Hochkultur im weiteren Sinne. Das Bild aus der Verteilung der Themenanteile an der Gesamttextfläche verstärkt die Auswertung der Anteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 37): Populäre Kultur im engeren Sinne hat in beiden Untersuchungszeiträumen den geringsten Anteil aller Kulturbereiche an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons. Kultur im engeren Sinn dominiert dem Anteil an der Textfläche zufolge die Hochkultur im engeren Sinn mit 25,2 im untersuchten Zeitraum 1999 beziehungsweise 31,1 Prozent 2000. Der hohe Anteil populärer Kultur im weiteren Sinne an der Gesamttextfläche ist im Wesentlichen auf die große Fläche der Rundfunkprogramme zurückzuführen.
Tabelle 37: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % populäre Kultur im engeren Sinn populäre Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn populäre und Hochkultur im engeren Sinn nicht klar zuzuordnen Gesamt 12313 25930 20714 20273 2845 82075 15 31,6 25,2 24,7 3,5 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 151 cm² % 8189 17,6 34,1 24,4 23,3 0,6 100

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 4591 2788 11349 6740 258 25726 17,8 10,8 44,1 26,2 1 100

FAZ
n = 261 cm² % 10377 23330 28455 28439 810 120 91531 11,3 25,5 31,1 31,1 0,9 0,1 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 5235 2481 8422 4508 4421 25067 20,9 9,9 33,6 18 17,6 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 6355 18297 8602 8134 4421 45809 13,9 39,9 18,8 17,8 9,7 100,1

15866 11349 10825 258 46487

Populäre Kultur im engeren Sinne scheint im FAZ-Feuilleton ein Nischendasein zu führen – allerdings ein in seinen Grenzen etabliertes Nischendasein. Diese Interpretation lässt zumindest die Verteilung der Textfläche zu bestimmten Kulturbereichen auf die prominenten Plätze im Feuilletonressort zu. Kein FAZ-Feuilletonaufmacher in den Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich mit einem Thema aus dem Bereich der populären Kultur im engeren Sinne. Dieser Kulturbereich ist mit 3,3 Prozent der Beitragsfläche auf der ersten Feuilletonseite (gegenüber 15 Prozent der Textfläche im gesamten Ressort) im untersuchten Zeitraum 1999 ebenso unterrepräsentiert wie mit 7,5 Prozent 2000. Stärker vertreten als im gesamten Ressort sind hingegen Themen aus der populären Kultur im engeren Sinne auf der zweiten Feuilletonseite in beiden Untersuchungszeiträumen – offenbar ein bewusst für sie bestimmter Platz. Hochkultur im engeren Sinne hingegen ist anteilsmäßig auf den ersten Feuilletonseiten stärker vertreten als im gesamten FAZ-Feuilleton beider Zeiträume. Auffällig ist, dass Themen aus dem Bereich der Kultur im engeren Sinne kaum als Feuilletonaufmacher platziert werden. Diesen Platz beherrschen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, vor allem aus Themen aus Wissenschaft, Forschung, Technologie (vgl. Tabelle 36, S. 104). Die erhobenen Daten bestätigten die Aussage der Hypothese (H5) zur Entwicklung der Wissenschaftsthemen im SZ-Feuilleton zwischen den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000: Die Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft, Forschung,

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

106

Technologie verändern sich kaum. Im Untersuchungszeitraum 1999 nimmt dieses Themengebiet 2,5 Prozent der Textfläche nach Selbstdefinition und 10,5 Prozent nach parallelisierender Definition des Feuilletons ein. Im Folgejahr betragen die Anteile 3,1 beziehungsweise 10,2 Prozent (vgl. Tabelle 34, S. 102). Anders als im FAZ-Feuilletons ist auch keine Etablierung dieses Themengebiets auf prominenteren Plätzen im Feuilleton wie Aufmachern, ersten und dritten Ressortseiten zu beobachten (vgl. Tabelle 36, S. 104).
Tabelle 38: Flächenanteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 1999/2000 in Prozent (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
... insgesamt ... über Bruch populäre Kultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch populäre Kultur im weiteren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur im weiteren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur und populäre Kultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 n. zuzuordnen ... auf Feuilletonseite 1

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 11,3 10,5 7,5 29,5 18,8 12,8 25,5 29,8 28,9 22,8 5,9 14,2 31,1 27,1 20,5 34,6 64,6 35,5 41,6 31,1 31,7 50,6 33,3 36,2 31,4 0,9 0,8 1,2 0 9,5 0,6

FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 15 11,5 3,3 71,3 3,7 18,6 31,6 33,5 15,8 10 6,9 27,9 10,6 25,2 24,1 16,1 42,2 17,3 46,7 50,7 24,7 27,2 68,1 41,4 4,5 12,6 3,5 3,8 3 9 0,3 n = 95 17,8 18,8 19,3 18,2 17 16,2 10,8 12,4 48,5 28,5 8,4 44,1 36,9 23 50,1 48,4 63 26,2 30,7 51,5 28,7 20,2 34,6 20,8 1 1,3 0,5 3,1 18 19,3 18,2 17 26,5 34,1 37,7 48,5 28,5 8,4 4,1 24,4 20,2 23 50,1 48,4 52,2 23,3 23,4 51,5 28,7 20,2 34,6 17,3 0,6 0,7 0,5 3,1 n = 151 17,6

SZ Slb.def.
n = 100 20,5 21,7 15,6 16,5 15,5 28 13,8 15,2 20,8 13,5 6,2 15,8 29 31,9 31 22,7 47,3 51,4 3,6 17,2 15,1 65,1 35,8 10,4 16,6 16,7 17 14,1 12,4 19,5 0,7 39,4 -

SZ par. Df.
n = 154 13,9 13,7 15,6 16,5 15,5 14 39,9 43,9 20,8 13,5 6,2 15,8 64,5 18,8 18,2 22,7 47,3 51,4 1,8 17,8 14,5 65,1 35,8 10,4 16,6 9,7 9,7 14,1 12,4 19,5 0,7 19,7 -

An der Themenstruktur des SZ-Feuilletons fällt auf, dass das Themengebiet Zeitgeschehen sowohl nach Selbst- als auch nach parallelisierender Feuilletondefinition die Textfläche des SZ-Feuilletons dominiert. Diesen Anteil übertreffen allein die Beiträge zum Themenobergebiet Medien, allerdings nur bei einer Auswertung nach

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

107

parallelisierender Feuilletondefinition, weil dann auch Medienseite und Rundfunkprogramm zum Feuilletonressort gerechnet werden. Auch das Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie hat nur nach der Materialauswahl nach parallelisierender Feuilletondefinition den dritthöchsten Anteil an der Textfläche in beiden Untersuchungszeiträumen. Hier zeigt sich, dass Wissenschaft und Medien als Themen aus der Kultur im weiteren Sinne nicht zum Kernprogramm des SZ-Feuilletons zählen, sondern von autonomen Ressorts behandelt werden. Anders das Themenfeld Zeitgeschehen: Es ist den Flächenanteilen nach in beiden Untersuchungszeiträumen ein wesentlicher Teil des SZ-Feuilletons. Dazu zählen als Unterthemen den Flächenanteilen nach vor allem Gesellschaft, Politik und Geschichte (vgl. Tabelle 39). Diese Besonderheit spricht dafür, dass nach wie vor im SZ-Feuilleton das Mitte der neunziger Jahre von Johannes Willms umgesetzte Konzept eines politischen Feuilletons (vgl. S. 74ff.) wirkt. Es fällt auf, dass zeitgeschichtliche Themen in beiden Untersuchungszeiträumen die größte Fläche der Feuilletonaufmacher (84,8 Prozent 1999, 82 Prozent 2000) und der ersten Feuilletonseiten (38,4 Prozent 1999, 45,1 Prozent 2000) einnehmen (vgl. Tabelle 36, S. 103). Ähnlich wie das Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie in der FAZ dominiert in der SZ das Themengebiet Zeitgeschehen die Aufmacher in den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000.
Tabelle 39: Flächenanteile des Themengebiets Zeitgeschehen und untergeordneter Themen an der Textfläche 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 27 cm² % Zeitgeschehen allgemein davon: Veranstaltungshinweise davon: Politik davon: Gesellschaft davon: Wirtschaft davon: Geschichte 8591 2232 4153 617 1589 10,5 26 48,3 7,2 18,5

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Def.
n = 16 cm² %

SZ Slb.def.
n = 14 cm² % 6067 678 2747 456 2186 23,6 11,2 45,3 7,5 36

FAZ
n = 27 cm² % 13870 100 5,2 31,2 55,5 2,1 5,9

SZ Slb.def.
n = 16 cm² % 5729 1764 3362 132 471 100 30,8 58,7 2,3 8,2

SZ par. Def.
n = 16 cm² % 5729 1764 3362 132 471 100 30,8 58,7 2,3 8,2

6814 792 3380 456 2186

14,7 11,6 49,6 6,7 32,1

722 4330 7700 294 824

Bei den Kultursparten dominiert im SZ-Feuilleton den Anteilen an der Textfläche nach die Literatur in beiden Untersuchungszeiträumen (vgl. Tabelle 34, S. 102). Ihr Anteil am Feuilleton nach Selbstdefinition vergrößert sich sogar von 15,9 Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 auf 18,3 Prozent 2000 (respektive von 8,8 auf 10 Prozent nach parallelisierender Definition). Sehr auffällig sind im SZ-Feuilleton die Veränderungen der Flächenanteile der Musik- und Kinothemen. Der Anteil der Musikberichterstattung an der Gesamttextfläche halbiert in etwa vom untersuchten Zeitraum 1999 zu dem 2000. Zugleich verdoppelt sich der Anteil wie auch die absolute Fläche des Themengebietes Kino. Es ist im Untersuchungszeitraum 2000 mit 16 Prozent (respektive 8,8 Prozent nach parallelisierender Definition) der Textfläche die stärkste Kultursparte im engeren Sinne nach der Literatur. 1999 stand im SZ-Feuilleton an dieser Stelle der Rangfolge nach Flächenanteilen die darstellende Kunst (15,7/8,7 Prozent), gefolgt von bildender Kunst (12,1/6,7 Prozent) und Musik (12,1/6,7 Prozent).

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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Dieser Ausbau der Kinoberichterstattung schlägt sich auch in der Entwicklung der Textflächenanteile einzelner Kulturbereiche nieder: Die SZ erweitert vom untersuchten Zeitraum 1999 zu dem 2000 ihren Kulturbegriff hin zur populären Kultur im engeren Sinne (vgl. Tabelle 37, S. 105). Deren Anteil an der Gesamttextfläche im Feuilleton nach Selbstdefinition steigt von 17,8 Prozent 1999 auf 20,9 Prozent im Jahr 2000. Dennoch dominiert in beiden Untersuchungszeiträumen Hochkultur im engeren Sinn das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Allerdings nimmt im Jahr 2000 gegenüber 1999 der Anteil populäre Kultur im engeren Sinne an der Textfläche zu und übertrifft die der Hochkultur im weiteren Sinne. Die Aussagen der Hypothese H5 über die Anteile der Kulturbereiche an der Textfläche des SZ-Feuilletons können also nur eingeschränkt bestätigt werden. Tatsächlich dominieren in beiden Zeiträumen Themen aus der Kultur im engeren Sinne. Doch das trifft – erwartungsgemäß – nur auf das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition zu. Und auch hier ist der Anteil von Hochkultur im weiteren Sinne, vor allem gesellschaftlicher, politischer und historischer Themen, in etwa so hoch wie der populärer Kultur im engeren Sinne (vgl. Tabelle 37, S. 105). Wertet man entsprechend der parallelisierenden Feuilletondefinition Medienund Wissenschaftsressort der SZ ebenfalls aus, dominiert Kultur im engeren Sinne nicht das SZ-Feuilleton. Die Aussage der Hypothese H5, dass Hochkultur im engeren Sinn einen höheren Anteil der Textfläche des SZ-Feuilletons einnimmt als populäre Kultur, ist hingegen durch die Untersuchung bestätigt. Der Abstand der Flächenanteile verringert sich zwar vom untersuchten Zeitraum 1999 zu dem 2000, doch nach wie vor steht einem Anteil der Hochkultur im engeren Sinne an der Gesamttextfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition von 33,6 Prozent (respektive 20,9 bei parallelisierender Definition) ein Anteil der populären Kultur im engeren Sinne an der Textfläche von lediglich 20,9 Prozent (13,9) gegenüber. Im SZ-Feuilleton sind Themen aus dem Gebiet der Kultur im engeren Sinne auf prominenten Plätzen unterrepräsentiert. So beschäftigt sich zum Beispiel kein SZ-Feuilletonaufmacher in beiden Untersuchungszeiträumen mit einem Thema aus der Hoch- oder Populärkultur im engeren Sinn. Im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition haben Themen aus diesem Kulturbereich 1999 einen Anteil von 44,1 Prozent an der Textfläche, auf der ersten Seite jedoch lediglich einen Anteil von 23 Prozent. 2000 ist die Differenz geringer: 31,9 Prozent stehen 22,7 gegenüber. Deutlich überrepräsentiert im Vergleich mit ihrem Anteil an der Gesamttextfläche des SZFeuilletons nach Selbstdefinition sind auf der ersten Feuilletonseite und den Aufmacherplätzen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 38, S. 106). Der Vergleich beider Feuilletons bestätigt die Hypothese H6: Selbst im Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition – also inklusive Wissenschaftsressort – bietet das FAZ-Feuilleton einen weit höheren Anteil von Wissenschaftsthemen an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 34, S. 102): 17 Prozent gegenüber 10,5 Prozent in der SZ 1999, im untersuchten Zeitraum 2000 dann 18,9 Prozent in der FAZ gegenüber 10,2 Prozent im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition. Diese Zahlen stützten die Wahrnehmung von Medienjournalisten und

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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Feuilletonkommunikatoren, dass das FAZ-Feuilleton sich durch eine starke Wissenschaftsberichterstattung gegenüber anderen Feuilletonressorts profiliert. Allerdings zeigen die Textflächenanteile, dass diese Stärke zumindest gegenüber der SZ schon vor der Ankündigung eines Ausbaus im Juni 2000 vorhanden war – zumindest im untersuchten Zeitraum 1999. Dass dies nicht so wahrgenommen wurde, könnte darauf zurückzuführen sein, dass Wissenschaftsthemen nachweislich im untersuchten Zeitraum 2000 gegenüber dem 1999 prominenter im Feuilletonressort platziert sind. Das SZ-Feuilleton weist – übereinstimmend mit Hypothese H6 - einen größeren Textflächenanteil populärer Kultur im engeren Sinne auf: Im Untersuchungszeitraum 1999 stehen einem Anteil von 17,6 Prozent an der Gesamttextfläche des SZFeuilletons nach parallelisierender Definition in der FAZ 15 Prozent gegenüber (vgl. Tabelle 37, S. 105). Die Differenz zwischen den Anteilen populärer Kultur im engeren Sinne an der Gesamttextfläche zwischen dem FAZ und SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition ist im Jahr 2000 ähnlich hoch. In der SZ stärker vertreten ist als Kultursparte insbesondere das Kino. Das gilt sowohl für die Anteile an der Gesamttextfläche als auch für die absolute Fläche. 5,5 Prozent Textflächenanteil (absolut 2550 cm²) von Kinobeiträgen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition stehen im untersuchten Zeitraum 1999 im FAZ-Feuilleton nur 2,6 Prozent (2118 cm² absolut) gegenüber. Noch deutlicher ist die Differenz im folgenden Zeitraum: Während das SZ-Feuilleton einen Textflächenanteil von Kinobeiträgen von 8,8 Prozent (4009 cm² absolut) bietet, weist das FAZ-Feuilleton lediglich 3,3 Prozent (3005 cm²) auf (vgl. Tabelle 34). Dieses Ergebnis stützt die Wahrnehmung von Medienjournalisten, dass SZ-Feuilleton sei unter dem Vizeressortchef Claudius Seidl stärker auf Populärkultur fixiert gewesen als die FAZ (vgl. S. 74f.). Vergleicht man die Themenprioritäten nach Textflächenanteilen (vgl. Tabelle 34, S. 102), fällt neben der besonderen Bedeutung, die Kinothemen im SZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2000 einnehmen, auf, dass das Themenfeld Zeitgeschehen im SZ-Feuilleton nach beiden Definitionen in beiden Untersuchungszeiträumen einen höheren Flächenanteil aufweist als das Themengebiet Wissenschaft/ Forschung/ Technologie. Das SZ-Feuilleton scheint diesen Ergebnissen folgend stärker dem Konzept des politischen Feuilletons zuzuordnen zu sein als das FAZ-Ressort. Dies gilt umso mehr, als dass im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition Themen aus der Wissenschaft und den Medien kaum Anteil an der Textfläche haben, das Obergebiet Zeitgeschehen jedoch sehr wohl. Die FAZ hingegen bietet qua Anlage ein sehr breites Themenspektrum, das auch Medienberichterstattung und Wissenschaft umfasst. Beim Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition zeigt sich, dass die FAZ anteilsmäßig mehr Wissenschaftsberichterstattung bietet. Die Medienthemen haben allerdings 1999 und 2000 am FAZ-Feuilleton einen geringeren Anteil (28,2 / 25 Prozent) als die am SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition (34,2/38,1 Prozent). Hier fällt auf, dass der hohe Anteil von Medienthemen in der FAZ stärker auf das Rundfunkprogramm (24,1 / 16,7 Prozent der Gesamttextfläche)

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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zurückzuführen ist als in der SZ nach parallelisierender Feuilletondefinition (20 / 17,3 Prozent). 9.1.3 Darstellungsformen und Gestaltung

Die Analyse der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H7 nur teilweise. Rezensionen und Kritiken nehmen tatsächlich im untersuchten Zeitraum 1999 wie auch 2000 den größten Teil der Textfläche des FAZ-Feuilletons ein (vgl. Tabelle 40): 28,4 beziehungsweise 29,5 Prozent. Allerdings nimmt dieser Anteil nicht ab, sondern leicht zu.
Tabelle 40: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % 4052 4,9 4016 4,9 11495 14 4763 5,8 2553 3,1 767 0,9 409 0,5 3312 4 330 0,4 1212 1,5 23299 28,4 1026 1,3 3748 4,6 270 0,3 19741 1028 54 82075 24,1 1,3 0,1 100,1

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 151 cm² % 1806 3,9 2971 6,4 7042 15,1 2133 4,6 1643 3,5 2132 4,6 210 0,5 897 1,9 2290 4,9 627 1,3 1008 2,2 11763 25,3 450 1 389 0,8 9296 775 1055 46487 20 1,7 2,3 100

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 766 3 942 3,7 3839 14,9 2133 8,3 475 1,8 1426 5,5 210 0,8 599 2,3 1668 6,5 144 0,6 1008 3,9 9847 38,3 450 1,7 389 1,5 775 1055 25726 3 4,1 99,9

FAZ
n = 261 cm² % 3476 3,8 2629 2,9 17225 18,8 6248 6,8 399 0,4 1375 1,5 1113 1,2 5192 5,7 84 0,1 810 0,9 27035 29,5 640 0,7 3346 3,7 335 0,4 18781 1073 1770 91531 20,5 1,2 1,9 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 990 3,9 953 3,8 3629 14,5 372 1,5 554 2,2 896 3,6 501 2 1256 5 2442 9,7 636 2,5 2510 10 8616 34,4 36 0,1 113 0,5 1563 25067 6,2 99,9

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 1506 3,3 2043 4,5 7480 16,3 372 0,8 2708 5,9 1772 3,9 501 1,1 1550 3,4 3462 7,6 804 1,8 2510 5,5 11409 24,9 36 0,1 36 0,2 9543 45809 20,8 100,1

Meldung / Nachricht Bericht Hintergrundbericht Essay Reportage/Feature Portrait Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Literatur Bildunterschrift Veranstaltungskalen der/ Rundfunkpr. Sammelrezension Dokumentierte Rede sonstige Gesamt

Die Anteile hintergründiger textlicher Darstellungsformen wie Essay, Hintergrundbericht und Kommentar an der Textfläche des FAZ-Feuilletons sind im untersuchten Zeitraum 2000 tatsächlich höher als 1999. Abgesehen vom Anstieg der Flächenanteile der Hintergrundberichte – es ist die größte Veränderung bei allen Darstellungsformen – sind die Veränderungen jedoch gering. Insgesamt fällt auf, dass Rezensionen und Veranstaltungshinweise mehr als die Hälfte der Textfläche des FAZ-Feuilletons ausmachen. Die Darstellungsform mit dem drittgrößten Flächenanteil ist in beiden Untersuchungszeiträumen der Hintergrundbericht mit 14, beziehungsweise 18,8 Prozent. Die übrigen Darstellungsformen nehmen alle zusammen jeweils ungefähr nur ein Drittel der Textfläche ein. Die größten Anteile haben hieran Essays, Meldungen, Kommentare und Literaturabdrucke. Interviews bringt das FAZ-Feuilleton in den untersuchten Zeiträumen überhaupt nicht, Portraits, Reportagen und Features nehmen nur sehr geringe Flächenanteile ein. Im FAZ-Feuilleton herrscht diesen Ergebnissen zufolge insgesamt keine Formenarmut, doch wird das Repertoire der unterschiedlichen Darstellungsformen offenbar sehr unterschiedlich genutzt. Eine Analyse der Anteile in bestimmten Formen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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dargestellter Kulturbereiche zeigt, dass die von Kritikern mangelnder Darstellungsvielfalt im Feuilleton geforderten Essays, Kommentare, Reportagen und Hintergrundberichte vor allem zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinne geschrieben werden (vgl. Tabelle 41).
Tabelle 41: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen bestimmter Darstellungsformen und Quellen nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
% | n = 58 Essays zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Kommentare zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Reportagen/Features zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Hintergrundberichte zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Gastautoren zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn 28,3 71,1 7,8 14,9 72,1 17,7 39,4 7,4 14,3 8,6 27,1 12,6 51,7 42,1 14,5 43,5

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
% | n = 69 30,2 69,8 4,2 13,2 27 55,6 100 5,2 8,7 15,9 67,7 16,6 3,7 79,7

SZ Slb.def.
% | n = 23 27,5 43,9 28,6 8,6 20,9 57,2 100 17,3 38,9 43,7 31,8 68,2

SZ par. Df.
% | n = 38 27,5 43,9 28,6 12,6 15,2 62,5 71,1 28,9 11,6 27,4 21,2 39,7 17,4 22,1 60,5

SZ Slb.def.
% | n = 23 11,8 88,2 100 19,5 7,6 52,1 15,2 84,8

SZ par. Df.
% | n = 44 8,3 29,5 62,2 63,6 36,4 9,5 27,6 3,7 49,2 15,2 84,4

So befassen sich zum Beispiel im FAZ-Feuilleton 71,1 Prozent der Essays im untersuchten Zeitraum 1999 mit Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne, 2000 sind es 69,8 Prozent. Die Anteile von Essays, Kommentaren, Reportagen, Hintergrundberichten und Beiträgen von Gastautoren, die sich mit Themen aus der Kultur im engeren Sinne befassen, an der jeweiligen Gesamttextfläche dieser Darstellungsformen ist in beiden Zeiträumen im FAZ-Feuilleton niedriger als der Anteil dieser Kulturbereiche an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 37, S. 105). Die Differenzen sind zum Teil erheblich. So erschien im FAZ-Feuilleton der untersuchten Zeiträume 1999 und 2000 kein Essay, der sich mit Populär- oder Hochkultur im engeren Sinne beschäftigte (vgl. Tabelle 41). Die Aussage der Hypothese H7 über die Entwicklung der Textflächenanteile von Artikelserien in den untersuchten Zeiträumen ist widerlegt: Der Anteil sinkt von 5 auf 3,9 Prozent (vgl. Tabelle 43). Allerdings steigt der Anteil der von Gastautoren verfassten Beiträge an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons, nämlich von 3,9 Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 auf 5,6 Prozent 2000. Weil diese Gastautoren vor allem über Kultur im weiteren Sinne schreiben, erinnert diese Entwicklung an das Feuilletonprofil der Frankfurter Zeitung Ende des 19. Jahrhunderts (vgl. S. 22ff.), wo fachlich legitimierte Gastautoren in Artikelserien über Kultur im weiteren Sinne

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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schrieben. Ebenfalls mit dem FZ-Profil stimmt die Veröffentlichung von literarischen Primärtexten im FAZ-Feuilleton überein. Wie die FZ Tschechow druckte (vgl. S. 22ff), druckt die FAZ in den Zeiträumen auf 4 (1999), beziehungsweise 3,4 Prozent (2000) ihrer Textfläche Übernahmen aus Buchveröffentlichungen (vgl. Tabelle 43).
Tabelle 42: Flächenanteil von Beitragsserien an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % Teil einer Serie nicht Teil e. Serie Gesamt 4222 77853 82075 5 95 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 151 cm² % 222 46265 46487 0,5 99,5 100

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 222 25504 25726 0,9 99,1 100

FAZ
n = 261 cm² % 3559 87972 91531 3,9 96,1 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 1101 23966 25067 4,5 95,6 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 1101 44708 45809 2,4 97,6 100

Tabelle 43: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % Eigenbeitrag Agenturbeitrag Gastautor (exkl.) Übernahme Rede Übernahme Buch Übernahme aus anderer Zeitung Gesamt 74628 972 3202 3273 82075 90,9 1,2 3,9 4 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 151 cm² % 41386 1162 2770 1055 114 46487 89 2,5 6 2,3 0,2 100

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 21858 776 1923 1055 114 25726 85 3 7,5 4,1 0,4 100

FAZ
n = 261 cm² % 81852 1398 5125 3156 91531 89,4 1,5 5,6 3,4 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 23129 624 1182 36 96 25067 92,3 2,5 4,7 0,1 0,4 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 43661 834 1182 36 96 45809 95,3 1,8 2,6 0,1 0,2 100

Bei der optischen Gestaltung verändert sich das FAZ-Feuilleton nicht gravierend: Es präsentiert 41,5 Prozent seiner Textfläche im untersuchten Zeitraum 1999 ohne eines der gestalterischen Portionierungselemente wie Rubrizierung, Zwischentitel, Infokasten oder markanter Endabsatz. Im untersuchten Zeitraum 2000 steigt dieser Anteil leicht auf 43,6 Prozent (vgl. Tabelle 44). Die Aussage der Hypothese H7, dass der Anteil der ohne Portionierungselementen gestalteten Textfläche sinkt, ist somit widerlegt.
Tabelle 44: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 259 cm² % 28738 35 22058 26,9 3688 4,5 17807 21,7 34055 41,5

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df. FAZ
n = 261 cm² % 28261 30,9 23070 25,1 4778 5,1 22932 25 40021 43,6

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 3089 12 7698 29,8 7806 34,2 11009 42,8

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 3455 13,1 9574 36,3 1471 5,6 7988 30,3 10096 38,1

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 4998 10,8 23473 51,1 9456 20,5 9293 20,3 14223 31

Rubriktitel Zwischentitel Infokasten markanter Endabsatz ohne diese Gestaltungselemt.

n = 151 cm² % 4071 8,8 23079 49,5 7964 17 8771 18,9 15120 32,4

Auffällig ist hingegen die Veränderung beim Verhältnis der Anteile von Text und Bild an der Gesamtbeitragfläche. Deckten im untersuchten Zeitraum 1999 Bilder nur 16,8 Prozent der Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons ab, sind es im Folgezeitraum 21,9 Prozent (vgl. Tabelle 45, S. 113). Als Bildform dominiert im FAZFeuilleton in beiden Zeiträumen die Reproduktion von Kunstwerken die Bildfläche mit 43,9, beziehungsweise 53,5 Prozent Bildflächenanteil. An zweiter Stelle kommen dem Flächenanteil folgend Fotografien, an dritter Stelle Fotografien kultureller

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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Ereignisse wie von Theateraufführungen und Konzerten. Informationsgrafiken und Karikaturen werden zwar genutzt, jedoch in sehr geringem Ausmaß. Diese Verteilung der Bildformen kann als Analogie zur Dominanz der Rezension bei den textlichen Darstellungsformen interpretiert werden: Die Darstellungsweise ist sehr auf Kulturprodukte fokussiert, abstrahiert Informationen wenig und verlässt bei der Darstellung kaum den Kontext des Kulturbetriebes, zum Beispiel mittels Fotografien abseits von Reproduktionen und Aufnahmen von Aufführungen.
Tabelle 45: Flächenanteil von Bild- und Textflächen an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
Bild (%)
FAZ | n = 520 Beiträge SZ Selbstdefinition | n = 195 Beiträge SZ parallelisierende Def. | n = 305 Beiträge 16,8 21 19,7

2000 (27.11.-2.12)
Bild (%)
21,9 22,7 20,4

Text (%)
83,2 79 80,3

Text (%)
78,1 77,3 79,6

Tabelle 46: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbstund parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 96 cm² % 2085 12,6 7262 43,9 6581 39,8 266 1,6 247 1,5 90 0,5 16531 99,9

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Def. FAZ
n = 110 cm² % 3088 12,1 13689 53,5 8390 32,8 345 1,3 88 0,3 25600 100

SZ Slb.def.
n = 36 cm² % 1227 17,9 2866 41,9 2740 40 12 0,2 6845 100

SZ Slb.def.
n = 37 cm² % 979 13,3 4350 59,2 2006 27,3 12 0,2 7347 100

SZ par. Def.
n = 68 cm² % 979 8,4 6102 52,1 4231 36,1 384 3,3 12 0,1 11708 100

Fotografie von kult. Ereignis Reproduktionen Fotografie anders Karikatur Cartoon Informationsgrafik Bildelement anders gesamt

n = 67 cm² % 1227 10,7 4733 41,4 5050 44,2 374 3,3 36 0,3 11420 99,9

Die Hypothese H8 ist weitgehend bestätigt. Im SZ-Feuilleton dominiert als journalistische Darstellungsform sowohl im Untersuchungszeitraum 1999 als auch 2000 die Rezension. Ihr Anteil liegt bei 38,3 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 1999, im Folgezeitraum sind es 34,4 Prozent (vgl. Tabelle 40, S. 110). Veranstaltungskalender spielen nur eine Rolle, wenn zum SZ-Feuilleton der parallelisierenden Definition folgend auch die Medienseite samt Rundfunkprogramm gezählt werden. Von den übrigen Darstellungsformen nimmt der Hintergrundbericht wie bei der FAZ den höchsten Anteil der Textfläche ein (14,9 Prozent 1999, 14,5 Prozent 2000 nach Selbstdefinition). Bei den sonstigen Darstellungsformen fällt der hohe Anteil des Feuilletons als Darstellungsform an der Textfläche 2000 auf: Mit 10 Prozent Textflächenanteil am SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition ist es nach Rezension und Hintergrundbericht die anteilsmäßig drittgrößte Darstellungsform. 1999 nahm diese Stelle noch der Essay ein. Auffällig ist auch die Kommentierfreude des SZ-Feuilletons: 6,5 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition nehmen Kommentare 1999 ein, im Folgezeitraum besetzen sie 9,7 Prozent. Ähnlich wie im FAZ-Feuilleton stellt auch das SZ-Feuilleton vor allem Themen aus der Kultur im weiteren Sinne mit den von Feuilletonkritikern verlangten Formen wie Essay und Kommentar dar (vgl. Tabelle 41, S. 111). Selbst der Anteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne an der Gesamtfläche der Hintergrundberichte im

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition 1999 ist mit 38,1 Prozent noch immer geringer als der Anteil solcher Themen an der Gesamttextfläche im selben Zeitraum von 44,1 Prozent. Die Aussage der Hypothese H8 über den Anteil von Artikelserien und Beiträgen von Gastautoren am SZ-Feuilleton ist teilweise widerlegt: Der Anteil von in einer Serie erscheinenden Artikel am SZ-Feuilleton ist im Untersuchungszeitraum 2000 deutlich höher als 1999: Er steigt von 0,9 auf 4,5 Prozent der Textfläche im Feuilleton nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 42, S. 112). Der Anteil von Gastbeiträgen an der Textfläche des SZ-Feuilletons hingegen steigt nicht, sondern sinkt. Eine Entwicklung in die andere Richtung als bei der FAZ. Die Aussagen zur optischen Gestaltung des SZ-Feuilletons in Hypothese H8 sind bestätigt. Der Anteil von Texten, die mit Layout-Elementen wie Zwischenüberschriften und Infokästen gestaltet sind, an der Gesamttextfläche des SZ-Feuilletons steigt nicht (vgl. Tabelle 44, S. 112). Im Gegenteil: Er sinkt von 42,8 auf 38,1 Prozent. Ähnlich wie im FAZ-Feuilleton dominieren Reproduktionen die Bildfläche: Sie machen 41,9 Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 und 59,2 Prozent 2000 aus. Informationsgrafiken, Karikaturen und Cartoons nutzt das SZ-Feuilleton nicht in der Bildberichterstattung. Der Anteil von Fotografien, die nicht kulturelle Ereignisse darstellen oder Kulturprodukte reproduzieren, ist mit 17,9 beziehungsweise 13,3 Prozent der Gesamtbildfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition konstant gering (vgl. Tabelle 46, S. 113). Der Vergleich beider Ressorts bestätigt die Hypothese H9. Das SZ-Feuilleton weist tatsächlich in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton. Allerdings gilt dies nur für das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 40, S. 110). Zählt man hingegen gemäß der parallelisierenden Definition Medien- und Wissenschaftsressort zum SZ-Feuilleton, so ist der Anteil von Rezensionen an der Gesamttextfläche geringer als in der FAZ (25,3 gegenüber 28,4 Prozent 1999; 24,9 gegenüber 29,5 Prozent 2000). Insofern zeigt sich hier ein ähnliches Bild wie bei der thematischen Struktur: Das FAZ-Feuilleton verfolgt qua Anlage einen weiteren Kulturbegriff in anderen Darstellungsformen als das SZ-Feuilleton ohne die dort ausgegliederten Seiten zu Wissenschaft und Medien. Parallelisiert man jedoch die Angebote, so dominiert in beiden die Rezension als Darstellungsform in etwa gleichem Ausmaß die Präsentation. Dennoch unterscheidet sich die Darstellung durchaus. Im SZ-Feuilleton haben Feuilletons, Kommentare und Glossen in beiden Untersuchungszeiträumen einen höheren Anteil an der Gesamttextfläche als im FAZFeuilleton. Das entspricht der allgemeinen Wahrnehmung des Profils der Süddeutschen Zeitung als auf diesem Gebiet profiliertes Blatt. Ausschließlich im SZ-Feuilleton nutzten Redakteure das Interview als Darstellungsform. Im FAZ-Feuilleton hingegen haben Essays in beiden Zeiträumen einen höheren Anteil als im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Im untersuchten Zeitraum 2000 vergrößert sich die Differenz, sodass einem Essayanteil an der Textfläche von 6,8 Prozent in der FAZ 1,5 Prozent im SZFeuilleton nach Selbst- und lediglich 0,8 nach parallelisierender Definition

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

115

gegenüberstehen. Literarische Primärtexte druckt ausschließlich das FAZ-Feuilleton, im SZ-Feuilleton findet sich allein im Zeitraum 2000 lediglich ein Zitat aus einem literarischen Text als eigenständiger Kurzbeitrag. Bei der optischen Gestaltung sind die Unterschiede zwischen beiden Feuilletons deutlich: Das FAZ-Feuilleton präsentiert 1999 wie 2000 deutlich mehr Textfläche ohne gestalterische Portionierungselemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen oder markante Endabsätze (vgl. Tabelle 44, S. 112). Schließt man allerdings bei der Auswertung entsprechend der FeuilletonSelbstdefinition die SZ-Medien- und Wissenschaftsseiten aus, zeigt sich, dass im SZFeuilleton der Anteil der Beiträge ohne solche Gestaltungselemente höher ist, im untersuchten Zeitraum 1999 sogar etwas höher als in der FAZ. Offenbar nutzen die verantwortlichen Redakteure im SZ-Feuilleton deutlich seltener portionierende Gestaltungselemente als die Redakteure in den SZ-Ressorts Medien und Wissenschaft. Widerlegt ist die Aussage der Hypothese H10 über den Bildanteil des SZ-Feuilletons im Vergleich zur FAZ: 1999 nehmen im SZ-Feuilleton Bilder tatsächlich einen weit größeren Anteil der Gesamtbeitragsfläche ein als im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 45, S. 113). Doch aufgrund eines starken Anstiegs des Bildanteils im FAZ-Feuilleton ist die Differenz im Zeitraum 2000 zumindest beim Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition nicht mehr vorhanden (vgl. Tabelle 46, S. 113). 9.1.4 Beitragsfokus

Die Auswertung der Inhalte des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 bestätigt Hypothese H10. In der Tat haben im FAZ-Feuilleton 2000 Beiträge mit Fokus auf Kultur im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn einen größeren Anteil an der Textfläche als 1999. Der Anteil steigt von 43,7 Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 auf 52 Prozent 2000 (vgl. Tabelle 47, S. 116). Wie von Kommunikationswissenschaftlern wie Michael Haller und Feuilletonkommunikatoren wie Jens Jessen behauptet (vgl. S. 66f.) nimmt hintergründige Berichterstattung tatsächlich den größten Anteil der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne ein. Solche Beiträge mit einem Fokus auf Hintergründe machen in beiden Zeiträumen etwas mehr als die Hälfte der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne aus. Dabei steigt von 1999 zu 2000 der Anteil der Hintergrundtexte mit Expertenautorität des Verfassers, und zwar von 6,8 auf 12,4 Prozent der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne. Hier bestätigt sich das schon bei der Analyse der Darstellungsformen skizzierte Bild, dass abstrahierende Darstellungsformen wie Essays, Hintergrundberichte und Kommentare vor allem für Kultur im weiteren Sinne genutzt werden. Das vorliegende Material lässt die Interpretation zu, dass Berichterstattung zu Themen aus dem Bereich der Kultur im engeren Sinne vor allem Kulturprodukte fokussiert. Diese Feststellung entspricht der Kritik von Kommunikationswissenschaftler wie Glotz und Langenbucher (vgl. S. 40f.), Feuilletonressorts würden Kultur auf eine Menge einzelner, einzeln abzuhandelnder Kulturprodukte reduzieren. In der Tat fokussieren im FAZ-Feuilleton 1999 der Textfläche nach 88,8 Prozent der Beiträge zu Kultur im engeren Sinne Kulturprodukte. Im Untersuchungszeitraum 2000 liegt dieser Anteil bei

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

116

82,2 Prozent (vgl. Tabelle 47, S. 116). Kulturbetrieb, Kulturpolitik und Kulturproduzenten als Personen fokussiert nur ein geringer Anteil der Textfläche zu Kultur im engeren Sinn. Diese Interpretation der Ergebnisse bestätigt die Analyse der Beitragsanlässe. Der beherrschende Anlasstyp ist in den Untersuchungszeiträumen 1999 wie 2000 im FAZ-Feuilleton den Flächenanteilen nach das Erscheinen neuer Produkte mit einem Anteil von 59,3 beziehungsweise 57 Prozent (vgl. Tabelle 48, S. 117).
Tabelle 47: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
Fokus auf Kultur ... ... im engeren ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn 8 davon: Kulturprodukt davon: Kulturproduzenten davon: Kulturbetrieb davon: Kulturpolitik ... im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn davon: Neuigkeiten vermelden davon: Debatten / Diskussion davon: Hintergründe ohne Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe mit Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe zu Produkt davon: Hintergründe zu Person davon: Hintergründe z. Institution davon: Veranstaltungshinweise davon: anders ... Beziehung zwischen Kultur im engeren & im weiteren Sinn davon: Kulturproduzent äußert davon: Kultur als Hintergrund für Verständnis oder Spiegel davon: Auswirkung von Kultur im weiteren auf K. im engeren Sinn davon: Auswirkung von Kultur im engeren auf K. im weiteren Sinn davon: anders nicht eindeutig zu bestimmen gesamt n = 259 cm² % 41978 37298 132 4548 35892 3372 1009 16104 2439 335 438 12171 24 4187 622 180 2573 150 662 82075 51,1 88,8 0,3 10,8 43,7 9,4 2,8 44,9 6,8 0,9 1,2 33,9 0,1 5,1 14,9 4,3 61,5 3,6 15,8 99,9

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % 42110 34611 1434 6065 47564 3300 19941 5908 5853 583 11949 1797 542 1255 60 91471 46 82,2 3,4 14,4 52 7 41,9 12,4 12,3 1,2 25,1 2 30,2 69,8 0,1 100 25067 883 595 288 -

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 15313 11139 1421 2717 36 6134 570 444 1751 1742 114 210 547 756 4279 1911 2044 324 25726 59,5 72,7 9,3 17,7 0,2 23,8 9,3 7,2 28,5 28,4 1,9 3,4 8,9 12,3 16,6 44,7 47,8 7,8 99,9

SZ par. Df.
n = 151 cm² % 18911 13871 1421 3583 36 23297 2383 1078 4535 2006 783 210 1607 9296 1389 4279 1911 2044 324 46487 40,7 73,3 7,5 18,9 0,2 50,1 10,2 4,6 19,5 8,6 3,4 0,9 6,9 39,9 6 9,2 44,7 47,8 7,6 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 17456 11410 3024 3022 6728 126 5264 1338 3,5 67,4 32,6 99,9 69,6 65,4 17,3 17,3 26,8 1,9 78,2 19,9 -

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 19296 13058 3024 3214 25630 1588 13031 1338 2805 188 6680 883 595 288 45809 42,1 67,7 15,7 16,7 55,9 6,2 50,8 5,2 10,9 0,7 26,1 1,9 67,4 32,6 99,9

Überraschend niedrig ist im FAZ-Feuilleton der Textflächenanteil von Beiträgen, die Kultur im weiteren mit Kultur im engeren Sinne verbinden: Solche Texte nehmen in beiden Untersuchungszeiträumen geringe Anteile der Textflächen (5,1 / 2 Prozent) ein. Das FAZ-Feuilleton scheint beide Kulturbereiche relativ unverbunden nebeneinander zu präsentieren, wobei die verwendeten Darstellungsformen sich deutlich unterscheiden (vgl. S. 110ff.). Die Analyse der Inhalte des SZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 widerlegt Hypothese H11. Tatsächlich stehen im SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2000 mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als 1999. Die Veränderung des Anteils von 23,8
8

einschließlich Veranstaltungshinweisen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

117

auf 26,8 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition ist jedoch bei weitem nicht so stark wie der Anstieg bei der FAZ im selben Zeitraum und wahrscheinlich in leichten Anstiegen von Medien und Wissenschaftsthemen im Feuilletonteil nach Selbstdefinition begründet. Ähnlich wie im FAZ-Feuilleton dominieren Beiträge mit einem Fokus auf den Hintergrund von Ereignissen oder Trend die Berichterstattung des SZ-Feuilletons zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinne. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Untersuchung der Inhalte des SZFeuilletons nach Selbstdefinition ohne Medien- und Wissenschaftsseiten: 68,1 Prozent der Textfläche zu diesen Kulturbereichen im Untersuchungszeitraum 1999 fokussieren Hintergründe (vgl. Tabelle 47, S. 116), im Zeitraum 2000 entfallen sogar 98,1 Prozent der Textfläche zu Themen aus Kultur im engeren Sinne auf Beiträge mit einem Fokus auf Hintergründe von Ereignissen und Trends, mit und ohne Expertenautorität der Verfasser.
Tabelle 48: Flächenanteile der Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbstund parallelisierende Definition des Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
Anlass aus dem Bereich ... neues Produkt Wissenschaftliche Ergebnisse Auszeichnung/Preis 9 Institutionen nicht-institutionalisierte Veranst. Jahres-/Todes-/ Geburtstag Äußerungen v. Funktionsinhaber Diskussion/Debatte Trend Aktuelle Beobachtung nicht aktuellen Gegenstands anderer Anlass kein Anlass erkennbar gesamt n = 259 cm² % 48702 6492 636 11993 3001 852 1530 3003 1120 4746 82075 59,3 7,9 0,8 14,7 3,7 1 1,9 3,7 1,4 5,8 100,2

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 151 cm² % 24625 905 2321 7174 1755 295 1867 2451 760 4334 46487 53 1,9 5 15,4 3,8 0,6 4 5,3 1,6 9,3 99,9

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 12271 120 2321 4985 1016 247 1503 1578 1685 25726 47,7 0,5 9 19,4 3,9 1 5,8 6,1 6,5 99,9

FAZ
n = 261 cm² % 52213 3279 1335 11387 7309 120 8178 1085 1171 399 5055 91531 57 3,6 1,5 12,5 8 0,1 8,9 1,2 1,3 0,4 5,5 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 13151 358 1196 4675 336 1398 417 1939 1441 156 25067 52,5 1,4 4,8 18,7 1,3 5,6 1,7 7,7 5,7 0,6 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 24675 1973 1546 8928 498 1398 417 3299 1441 414 1220 45809 53,9 4,3 3,4 19,5 1,1 3,1 0,9 7,2 3,1 0,9 2,7 100,1

Kultur im engeren Sinne ist auch im SZ-Feuilleton vor allem mit einem Fokus auf Kulturprodukte verbunden. Allerdings nimmt der Anteil solcher Beiträge an der Textfläche zu Themen aus Kulturbereichen im engeren Sinne im untersuchten Zeitraum gegenüber 1999 ab: von 72,7 auf 65,4 Prozent (vgl. Tabelle 47, S. 116). Das SZFeuilleton nach Selbstdefinition fokussiert 2000 in textflächenanteilig mehr Beiträgen Kulturproduzenten als 1999: Von 9,3 auf 17,3 Prozent steigt der Anteil solcher Beiträge an der Textfläche von Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne. Hier trifft das Urteil der Feuilletonkritiker das SZ-Feuilleton weniger hart als 1999 und als die FAZ. Bei den Beitragsanlässen dominiert auch im SZ-Feuilleton das Erscheinen neuer Produkte. 47,7 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 1999 haben diesen Anlass, im Untersuchungszeitraum 2000 sind es 52,2 Prozent (vgl. Tabelle 47, S. 116).
9

Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

118

Der Vergleich beider Medien widerlegt Hypothese H12 teilweise. So bietet das FAZFeuilleton im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 anteilsmäßig nicht mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung – zumindest wenn man die Inhalte der parallelisierenden Definition folgend untersucht. Im Gegenteil: Hier haben Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinne ein Anteil von 50,1 / 55,9 Prozent (1999/2000) an der Textfläche des SZ-Feuilletons (vgl. Tabelle 47, S. 116). Ganz anders sieht es bei einer Auswertung des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition, also ohne Medien- und Wissenschaftsseiten aus: Der Flächenanteil ist hier mit 23,8 / 26,8 Prozent (1999/2000) jeweils nur etwa halb so groß wie im FAZ-Feuilleton. Der Grund für dieses überraschende Ergebnis ist offensichtlich die flächenmäßig starke Medienberichterstattung der SZ. Bei der Untersuchung der Themenanteile zeigte sich bereits, dass das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition einen weit höheren Anteil an Medienthemen enthielt als das der FAZ (vgl. Tabelle 34, S. 102). Das FAZ-Feuilleton bietet zwar ein tägliches Rundfunkprogramm, nicht aber über eine institutionalisierte tägliche Medienseite. Insgesamt zeigt sich, dass das SZ-Feuilleton ähnlich wie das der FAZ Kultur im engeren Sinne vor allem in Form von Produkten anlässlich ihren Erscheinens fokussiert und in Rezensionen darstellt, bei Kultur im weiteren Sinne hingegen Hintergründe in entsprechenden Darstellungsformen wie Essay, Kommentar oder Hintergrundbericht fokussiert. Allerdings ist im SZ-Feuilleton der Anteil von Beiträgen, die auf dem Gebiet der Kultur im engeren Sinne Kulturproduzenten oder den Kulturbetrieb fokussieren, höher als im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 47, S. 116).

9.2

Entwicklung der FAZ und SZ nach dem Mitarbeiterwechsel im Juli 2001 und Ankündigung neuer redaktioneller Angebote
Umfänge der Feuilletons

9.2.1

Die Untersuchung der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H13. Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der FAZ und die absolute Gesamtfläche des FAZFeuilletons sind im untersuchten Zeitraum 2001 größer als im untersuchten Zeitraum 2000. Der Anteil der Bruttoseiten steigt von 20,5 auf 22,2 Prozent (vgl. Tabelle 49, S. 119). Die absolute Beitragsfläche steigt um 18108 cm² (vgl. Tabelle 50, S. 119) - gut 15 Prozent der Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2000. Diese Entwicklung entspricht der Ankündigung eines erweiterten Feuilletonangebotes in der FAZ, nachdem im Frühjahr 2001 neue Mitarbeiter aus dem SZ-Feuilleton abgeworben wurden und das FAZ-Ressort am 1. September 2001 eine neue Angebotsstruktur einführte (vgl. S. 72ff.). Auch Hypothese H14 ist bestätigt: Das SZ-Feuilleton vergrößert im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber 2000 sowohl seine absolute Gesamtfläche als auch den

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

119

Anteil am Gesamtangebot der SZ. Die getrennt nach parallelisierender und Selbstdefinition des SZ-Feuilletons erhobenen Daten zeigen, dass sowohl das Feuilletonressort als auch die Medien- und Wissenschaftsseiten ihren Umfang vergrößert haben. So steigt die absolute Beitragsfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition vom untersuchten Zeitraum 2000 zu den 2001 um 8853 cm², was 27,2 Prozent der Gesamtfläche 2000 entspricht. Die Fläche des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition, also mit Medien- und Wissenschaftsressort wächst um 19864 cm², also um 34,4 Prozent der Gesamtbeitragsfläche 2000. Alle drei Ressorts wachsen stärker als der Rest des SZ-Angebots – das legen die steigenden Anteile ihrer Bruttoseiten am Gesamtangebot nahe (vgl. Tabelle 49). Die Untersuchung der Umfänge des FAZ- und SZ-Feuilletons bestätigt auch Hypothese H15: Das FAZ-Feuilleton ist in beiden Untersuchungszeiträumen absolut und in Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ. Diese Feststellung trifft sowohl für das SZ-Feuilleton nach Selbst- als auch das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition zu. Der Abstand zwischen den Feuilletonumfängen beider Medien sinkt jedoch. Beträgt die Differenz beim Anteil der Feuilletons nach parallelisierender Definition an der Gesamtbruttoseitenmenge 2000 noch acht Prozentpunkte, so sinkt sie 2001 auf 6,6 Prozentpunkte. Dasselbe Bild zeichnen die Gesamtbeitragsflächen: Übertrifft die Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2000 die des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition um etwa 105,5 Prozent der SZ-Beitragsfläche, so liegt dieser Wert 2001 bei 74,8 Prozent. Der Abstand schrumpft – auf sehr hohem Niveau.
Tabelle 49: Bruttoseiten und Anteile des Feuilletons am Brutto-Gesamtangebot nach Zeitungstiteln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons) 2000/2001

2000 (27.11.-2.12)
Feuilleton
(Seiten) FAZ | n = 12 Ausgaben SZ Selbstdefinition | n = 12 Ausgaben SZ parallelisierende Definition | n = 12 Ausg. 85 21 37

2001 (26.11.-1.12)
Feuilleton
(Seiten) 87 31 49

Gesamt
(Seiten) 415 296 296

Feuilletonanteil (%)
20,5 7,1 12,5

Gesamt
(Seiten) 390 312 312

Feuilletonanteil (%)
22,2 9,8 15,6

Tabelle 50: Bild-, Text- und Gesamtbeitragsflächen im Feuilleton nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
Bild (cm²)
FAZ | n = 584 Beiträge SZ Selbstdefinition | n = 206 Beiträge SZ parallelisierende Def. | n = 349 Btr. 25600 7347 11708

2001 (26.11.-1.12)
Bild (cm²)
32265 9840 16191

Text (cm²)
91531 25067 45809

Beitrag (cm²)
117131 32414 57517

Text (cm²)
102974 31427 61190

Beitrag (cm²)
135239 41267 77381

9.2.2

Themen im Feuilleton

Die inhaltsanalytische Untersuchung des FAZ-Feuilletons belegt die Gültigkeit der Hypothese H16. Tatsächlich nimmt im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber dem 2000 der Anteil der Themenobergebiete andere Medien und Wissenschaft an der Textfläche des FAZ-Feuilletons zu. Die Differenz ist beim Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie wesentlich deutlicher: Der Textflächenanteil steigt von 18,9

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

120

Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 auf 26 Prozent 2001. Bei Medienthemen fällt der Anstieg mit 2,6 Prozentpunkten, wovon eine Erweiterung des Rundfunkprogramms einen Prozentpunkt ausmacht, wesentlich geringer aus (vgl. Tabelle 51). Neben diesem auffälligen Anstieg des Anteils von Wissenschaftsthemen sticht vor allem der sinkende Textflächenanteil der Themenfelder bildende Kunst und Zeitgeschehen hervor. Insgesamt zeigt sich, dass nach der Etablierung des Themenfeldes Wissenschaft im Feuilleton 2000 nun auch der Flächenanteil dieses Themengebietes auffällig erweitert wird, während klassische Kultursparten in etwa dieselben Flächenanteile halten, beziehungsweise in Einzelfällen verlieren.
Tabelle 51: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
spartenübergreifend bildende Kunst angewandte Kunst darstellende Kunst Literatur Musik Baukunst Kino andere Medien darin Rundfunkprogramm Wissenschaft, Forschung, Technologie Bildung und Erziehung Zeitgeschehen Gesamt n = 261 cm² % 114 0,1 9171 10 1469 1,6 5383 5,9 12046 13,2 3548 3,9 2763 3 3005 3,3 22837 25 15402 16,7 17325 13870 91531 18,9 15,2 100,1

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Def.
n = 154 cm² 1248 2786 38 3273 4586 1374 622 4009 17476 7980 4668 5729 45809 % 2,7 6,1 0,1 7,1 10 3 1,4 8,8 38,1 17,3 10,2 12,5 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² 1248 2786 38 3273 4586 1374 622 4009 630 772 5729 25067 % 5 11,1 0,2 13,1 18,3 5,5 2,5 16 2,5 3,1 22,9 100,2

FAZ
n = 323 cm² % 252 0,2 6858 6,7 361 0,4 6117 5,9 12361 12 6369 6,2 1937 1,9 3358 3,3 28418 27,6 18352 17,7 26785 10158 102974 26 9,9 100,1

SZ Slb.def.
n = 106 cm² 1164 3143 42 4164 6829 2889 1618 2241 513 3960 4864 31427 % 3,7 10 0,1 13,2 21,7 9,2 5,1 7,1 1,6 12,6 15,5 99,8

SZ par. Def.
n = 195 cm² 1164 4976 42 4362 7305 3986 2298 2433 16461 8051 10520 7643 61190 % 1,9 8,1 0,1 7,1 11,9 6,5 3,8 4 26,9 13,2 17,2 12,5 100

Am stärksten sinkt der Anteil von Themen aus dem Obergebiet Zeitgeschehen. Dies lässt die Interpretation zu, dass offenbar das so genannte Wissenschaftsfeuilleton die Themenelemente des Konzepts eines politischen Feuilletons ablöst. Dies entspricht den Äußerungen des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, der während des Umbaus des FAZ-Ressorts im Jahr 2001 sagte, das Feuilleton der letzten zehn Jahre „mit seiner traditionellen Kulturberichterstattung durchmischt von politischen Besinnungsaufsätzen“ entspreche nicht mehr „unseren Bedürfnissen“ (MILZ, 2001b, S. 24) (vgl. S. 72). Die Entwicklung der Themenanteile im FAZ-Feuilleton spricht für eine Umsetzung dieser Aussage bei der Blattgestaltung.
Tabelle 52: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der Textfläche 2000/2001 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
subspartenübergreifend Veranstaltungshinweise Sozialwissenschaften Geisteswissenschaften Technik Naturwissenschaft gesamt n = 52 cm² % 120 0,7 2249 13 5773 33,3 1333 7,7 7850 45,3 17325 100

2001 (26.11.-1.12)
n = 19

SZ Slb.def.
n=2 cm² 456 316 772 % 59,1 40,9 100

SZ par. Def.
cm² 341 1515 2812 4668 % 7,3 32,5 60,2 100

FAZ
n = 86 cm² % 2445 9,1 72 0,3 621 2,3 7832 29,2 849 3,2 14966 55,9 26785 100

SZ Slb.def.
n = 14 cm² 250 2546 1164 3960 % 6,3 64,3 29,4 100

SZ par. Def.
n = 43 cm² 592 54 3083 1638 5153 10520 % 5,7 0,5 29,3 15,6 49 100,1

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

121

Wie die Ankündigungen eines Wandels im FAZ-Feuilleton in den Jahren 2000 und 2001 (vgl. S. 72ff.) vermuten ließen, nehmen Naturwissenschaften den größten Teil der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton ein. Ihr Anteil an der Gesamttextfläche des Obergebiets Wissenschaft, Forschung, Technik steigt abermals, von 45,3 Prozent auf 55,9 Prozent (vgl. Tabelle 52, S. 120), während der Anteil geisteswissenschaftlicher Themen sinkt. Wie aus den Ankündigungen zur Entwicklung des FAZ-Feuilletons zu erwarten, nehmen als thematisches Untergebiet tatsächlich Berichte zum Themenfeld Biologie/Gentechnologie den größten Flächenanteil der FAZNaturwissenschaftsberichterstattung ein. Dieser Anteil steigt sogar, von 59,2 Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 auf 69,3 Prozent 2001 (vgl. Tabelle 90, Anhang, S. A43). Der beim Vergleich der Untersuchungszeiträume 1999 und 2000 festgestellte Trend zu einer Etablierung von Wissenschaftsthemen auf den prominenteren Plätzen im FAZFeuilleton – Aufmachern und den ersten Seiten der Feuilletonbücher – setzt sich auch im Jahr 2001 fort. Der Anteil des Themenobergebiets Wissenschaft, Forschung und Technik an den Textflächen der zweiten (36,1%), dritten (43,2%) und vierten (37,2%) Seiten des FAZ-Feuilletonressorts liegt im Untersuchungszeitraum 2001 deutlich über dem Anteil dieses Themengebiets an der Gesamttextfläche des Feuilletons (26%) (vgl. Tabelle 53).
Tabelle 53: Flächenanteile der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an der Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 2000/2001 in Prozent (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

2000 (27.11.-2.12)
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
... insgesamt ... über Bruch Wissenschaft / Forschung Technologie ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch ... der Feuilletonaufmacher Zeitgeschehen ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 110 26 24,1 10,6 20,4 36,1 43,2 37,2 9,9 11,2 57,7 29,8 11 10,7

FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 79 18,9 19,2 41,4 19 32,4 14,1 15,2 16 38,1 28,3 11,2 17,3 n = 18 2,9 2,3 4,2 6,9 21,7 20,7 82 45,1 16,6 18,1 n = 35 10,2 8 4,2 6,9 12,5 11,8 82 45,1 16,6 18,1 -

SZ Slb.def.
n = 25 11,1 10,8 41,3 13,9 12,9 8,5 3,7 13,7 13,1 58,7 29,9 22,4 14 -

SZ par. Df.
n = 62 17,2 13,9 41,3 13,9 12,9 8,5 10,2 12,5 12,9 58,7 29,9 22,4 14 -

Diese Anteile sind alle höher als im untersuchten Zeitraum 2000. Allein an der Titelseite des Feuilletons (20,4%) und insbesondere der Feuilletonaufmacher (10,6%) hat das Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung und Technik im Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Anteil als an der gesamten Textfläche des FAZ-Feuilletons und als im Untersuchungszeitraum 2000 an den jeweiligen Plätzen. Diese Entwicklung lässt sich als eine Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton interpretieren. Während im Untersuchungszeitraum 2000 der Flächenanteil dieses Themengebiets vor allem an der sehr prominenten Titelseite

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

122

und an den Aufmachern des Feuilletonbuchs überdurchschnittlich hoch war, wird das Themenfeld inzwischen auf allen der vorderen Feuilletonseiten behandelt. Offenbar ist auf der zweiten Feuilletonseite eine neue Rubrik geschaffen worden, da hier 2000 das Themenfeld überhaupt nicht, im Untersuchungszeitraum 2001 jedoch überdurchschnittlich oft auftaucht. Im FAZ-Feuilleton nimmt, wie in Hypothese H17 vermutet, im Untersuchungszeitraum 2001 gegenüber 2000 der Anteil von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich der populären Kultur im engeren Sinne leicht zu: von 11,3 auf 12,2 Prozent. Hingegen fällt der Flächenanteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne stark von 31,1 auf 21,1 Prozent (vgl. Tabelle 54), während die Anteile der übrigen Kulturbereiche steigen. Dies entspricht dem Bild, das die Spartenanteile zeichnen: Am stärksten sank von allen Kultursparten im engeren Sinne der Flächenanteil der tendenziell eher der Hochkultur zuzuordnende Anteil der bildenden Kunst (vgl. Tabelle 51, S. 120).
Tabelle 54: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % populäre Kultur im engeren Sinn populäre Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn populäre und Hochkultur im engeren Sinn nicht klar zuzuordnen Gesamt 10377 23330 28455 28439 810 120 91531 11,3 25,5 31,1 31,1 0,9 0,1 100

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 323 cm² % 12528 28279 21711 34594 5418 12,2 27,5 21,1 33,6 5,3 0,4 100,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 5235 2481 8422 4508 4421 25067 20,9 9,9 33,6 18 17,6 100

SZ par. Def.
n = 154 cm² % 6355 18297 8602 8134 4421 45809 13,9 39,9 18,8 17,8 9,7

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 5407 2351 10168 9606 3895 31427 17,2 7,5 32,4 30,6 12,4 100,1

SZ par. Def.
n = 195 cm² % 7660 17811 11909 18019 5791 61190 12,5 29,1 19,5 29,4 9,5 100

444 100,1 102974

Die Analyse der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H17: Im Untersuchungszeitraum 2001 steigt im SZ-Feuilleton der Anteil der Kultursparte Literatur gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000, und zwar um 3,4 Prozentpunkte auf 21,7 Prozent der Textfläche des Feuilletonressorts nach Selbstdefinition. Damit steht Literatur in der Reihenfolge der klassischen Kultursparten im engeren Sinne gemessen am Flächenanteil im SZ-Feuilleton weiterhin an erster Stelle. Auffällig ist der Veränderung des Flächenanteils der Beiträge zum Kino: Er sinkt von 16 auf lediglich 7,1 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition. Weil die anderen Kultursparten im engeren Sinne nicht Flächenanteile verlieren - sondern zum Teil sogar gewinnen -, sinkt der am Flächenanteil festgemachte Stellenwert der Kinoberichterstattung hinter die konstant starken Themenfelder darstellende und bildende Kunst (vgl. Tabelle 52, S. 120). Der Anteil der Wissenschaftsberichterstattung am SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition – also ohne Auswertung der Wissenschaftsseiten – wächst massiv von 3,1 auf 12,6 Prozent. Hier etabliert sich offenbar das Themengebiet im SZFeuilletonressort ähnlich, wie es bei der FAZ im Untersuchungszeitraum 2000 zu beobachten war. Doch die Analyse der Themenuntergebiete (vgl. Tabelle 52, S. 120) zeigt einen wesentlichen Unterschied: Von der Gesamttextfläche des Themenobergebiets Wissenschaft, Forschung, Technik nehmen Geisteswissenschaften

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

123

als Unterthema den größten Flächenanteil ein: 64,3 Prozent. Allerdings steigt auch die absolute Fläche naturwissenschaftlicher Themen im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition stark an: von lediglich 316 cm² im untersuchten Zeitraum 2000 auf 1164 cm² 2001. Diese Textfläche beansprucht vollkommen das Themenfeld Biologie/Gentechnologie. Hier ist also neben einem im Vergleich zu FAZ und der vorangehenden Entwicklung des SZ-Feuilletons einzigartigen Anteil geisteswissenschaftlicher Themen auch eine Etablierung des Themenfeldes Biologie/Gentechnologie im SZ-Feuilleton zu beobachten, wie sie im Untersuchungszeitraum 2000 das FAZ-Feuilleton aufwies. Und tatsächlich präsentiert das SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 dieses Themengebiet ähnlich wie FAZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2000: Mit einem überdurchschnittlich (im Vergleich zum Anteil an der Gesamtfläche von 11,1%) hohen Anteil von Wissenschaftsthemen an der Textfläche der Feuilletonaufmacher (41,3%) und der Feuilletontitelseiten (13,9%) (vgl. Tabelle 53, S. 121). Die Daten legen nahe, dass bei dieser Etablierung wissenschaftlicher Themen auf prominenten Feuilletonplätzen das SZ-Feuilleton dem FAZ-Angebot folgt. Wie die Entwicklung der Kultursparten andeutet, sinkt im SZ-Feuilleton der Anteil von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich populärer Kultur im engeren Sinne an der Textfläche gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000 (vgl. Tabelle 54, S. 122), nämlich von 20,9 auf 17,2 Prozent der Textfläche des Feuilletons nach Selbstdefinition. Hingegen erweitert das SZ-Feuilleton den inhaltlich praktizierten Kulturbegriff im Untersuchungszeitraum 2001 deutlich zur Hochkultur im weiteren Sinne, die nun 30,6 statt wie 2000 18 Prozent der Textfläche einnimmt. Der Vergleich beider Feuilletons bestätigt eine Aussage der Hypothese H18 und widerlegt eine andere. Tatsächlich nehmen Themen aus dem Bereich der Hochkultur im weiteren Sinne im Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Flächenanteil des SZ-Feuilletons ein als entsprechende Angebote im FAZ-Feuilleton. Allerdings hat sich die Differenz zwischen beiden Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber dem 2000 erheblich verringert, weil das SZ-Feuilleton den Anteil dieses Kulturbereich erheblich ausgebaut hat (vgl. Tabelle 54, S. 122). Die FAZ pflegt also auch weiterhin einen zur Kultur im weiteren Sinne stärker erweiterten Kulturbegriff als das SZ-Feuilleton – allerdings hat die SZ hier im Zeitraum 2001 erheblich aufgeholt. Das ist unter anderem auf die deutlich erweiterte Wissenschaftsberichterstattung um SZ-Feuilleton zurückzuführen. Auch die FAZ hat deren Anteil an der Feuilletontextfläche erheblich vergrößert. Allerdings sank dabei der Anteil von Beitragen aus dem Themenfeld Zeitgeschehen am FAZ-Feuilleton stärker als bei der SZ (vgl. Tabelle 51, S. 120). Im untersuchten Zeitraum 2001 bietet das SZ-Feuilleton einen größeren Textanteil (12,5 % nach parallelisierender Definition) solcher Themen als das FAZ-Feuilleton (9,9%). Diese Entwicklung lässt sich dahingehend interpretieren, dass das SZ-Feuilleton das Konzept eines politischen Feuilletons, womit es sich in den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000 vom FAZ-Feuilleton abhob, nicht aufgibt. Anders die FAZ: Der Herausgeber kündigt nicht nur an, dass so genannte politische Besinnungsaufsätze nicht mehr zeitgemäß sind, sondern der Anteil des entsprechenden

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

124

Themenfeldes Zeitgeschehen geht auch deutlich zurück. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Feuilletons ist die Art der Wissenschaftsberichterstattung: Im FAZFeuilleton dominiert Naturwissenschaft die gesamte Wissenschaftsberichterstattung, entsprechende Themen nehmen im untersuchten Zeitraum 2001 55,9 Prozent der Textfläche zu Wissenschaftsthemen ein. Im SZ-Feuilleton hingegen bringen die Feuilletonseiten nach Selbstdefinition des Ressorts vor allem geisteswissenschaftliche Themen (64,3 Prozent der Wissenschaftsberichterstattung dort). Erst, wenn man das SZWissenschaftsressort der parallelisierenden Definition entsprechend mit auswertet, nehmen naturwissenschaftliche Themen den größten Flächenanteil (49%) ein (vgl. Tabelle 52, S. 120). Da Geisteswissenschaften im SZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2000 überhaupt nicht und 1999 in sehr geringer absoluter Textfläche (570 cm²) auftauchten, ist der von SZ-Chefredakteur als Innovation angekündigte Feuilletonfokus auf Geisteswissenschaften (vgl. S. 74) tatsächlich umgesetzt. Allerdings bot dieses Profil bereits die FAZ in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000. Dort waren geisteswissenschaftliche Themen mit einem Anteil von 42,4 Prozent (5925 cm²) an der Textfläche des Oberthemas Wissenschaft 1999 und mit 33,3 Prozent (5773 cm²) ein etabliertes Feld der Wissenschaftsberichterstattung im Feuilleton. Bei den Kultursparten im engeren Sinn fällt beim Vergleich beider Ressorts in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 auf, dass das SZ-Feuilleton den hohen Flächenanteil der Kinoberichterstattung als wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem FAZ-Feuilleton aufgibt. Der Flächenanteil nach parallelisierender Definition ist mit 4 Prozent der SZ-Feuilletontextfläche zwar noch immer geringfügig höher als die 3,3 Prozent der FAZ, der Abstand ist aber im Vergleich zu 2000 erheblich geschrumpft. Eine andere auffällige Veränderung ist der im SZ-Feuilleton – anders als bei der FAZ – gestiegene Textflächenanteil bildender Kunst: Auch hier bietet das SZFeuilleton nach parallelisierender Definition im Untersuchungszeitraum 2001 einen höheren Anteil (8,1%) als das FAZ-Feuilleton (6,7%). Wie im Untersuchungszeitraum 2000 bietet das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition anteilsmäßig mehr Beiträge zur darstellenden Kunst (7,1%) als das FAZ-Feuilleton (5,9). Diese Themenstruktur lässt vermuten, dass das SZ-Feuilleton die Berichterstattung zu populärer Kultur im engeren Sinne anteilsmäßig so weit eingeschränkt hat, dass das Angebot den Flächenanteilen nach geringer ist als im FAZ-Feuilleton. Diese Aussage in Hypothese H18 wurde durch Äußerungen des SZ-Chefredakteurs Kilz gestützt, der einen zu hohen Anteil der Populärkultur im SZ-Feuilleton kritisierte (vgl. 6.3.2., S. 74). Tatsächlich sinkt der Anteil populärer Kultur im engeren Sinne an der Gesamttextfläche des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition von 13,9 Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 auf 12,5 Prozent 2001. Das ist aber anders als in Hypothese H18 formuliert noch immer geringfügig mehr als das FAZ-Feuilleton 2001 anteilsmäßig an populärer Kultur im engeren Sinn bietet (12,2%) – doch die Differenz ist gegenüber 2000 geschrumpft. So gesehen nähert sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne dem früheren Profil der FAZ an, indem es Hochkultur im engeren Sinne stärker fokussiert als populäre Kultur im engeren Sinne. Ebenso gleicht

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

125

sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung zu Geisteswissenschaften dem Profil des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 an. Das FAZFeuilleton hingegen integriert die Wissenschaftsberichterstattung stärker an prominenten Plätzen im Feuilleton und baut auch ihren Anteil aus. Es erweitert ebenfalls geringfügig die Anteile populärer Kultur im engeren Sinne an der Textfläche und verringert anders als das SZ-Feuilleton den Anteil von Hochkultur im engeren Sinne am Feuilletonangebot. 9.2.3 Darstellungsformen und Gestaltung

Die Analyse der Feuilletoninhalte bestätigt die Aussage der Hypothese H19 über die Anteile der journalistischen Darstellungsformen. In der Tat haben am FAZ-Feuilleton in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 Rezensionen den größten Textflächenanteil aller Darstellungsformen. Allerdings sinkt dieser Anteil vom Untersuchungszeitraum 2000 (29,5%) zu dem 2001 (23,2%) (vgl. Tabelle 55).
Tabelle 55: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % 3476 3,8 2629 2,9 17225 18,8 6248 6,8 399 0,4 1375 1,5 1113 1,2 5192 5,7 84 0,1 810 0,9 27035 29,5 640 0,7 3346 3,7 335 0,4 18781 1073 1770 91531 20,5 1,2 1,9 100

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Df.
n = 154 cm² % 1506 3,3 2043 4,5 7480 16,3 372 0,8 2708 5,9 1772 3,9 501 1,1 1550 3,4 3462 7,6 804 1,8 2510 5,5 11409 24,9 36 0,1 36 0,2 9543 45809 20,8 100,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 990 3,9 953 3,8 3629 14,5 372 1,5 554 2,2 896 3,6 501 2 1256 5 2442 9,7 636 2,5 2510 10 8616 34,4 36 0,1 113 0,5 1563 25067 6,2 99,9

FAZ
n = 323 cm² % 3762 3,7 7345 7,1 18313 17,8 2660 2,6 1512 1,5 1558 1,5 1214 1,2 4628 4,5 6055 5,9 666 0,6 2082 2 23859 23,2 432 0,4 2916 2,8 38 0 21898 3193 843 102974 21,3 3,1 0,8 100

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 516 1,6 1712 5,4 4040 12,9 1944 6,2 1372 4,4 972 3,1 686 2,2 1044 3,3 2906 9,2 756 2,4 780 2,5 12609 40,1 25 0,1 250 372 1443 31427 0,8 1,2 4,6 100

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 2140 3,5 4307 7 11015 18 1944 3,2 1867 3,1 1406 2,3 838 1,4 2718 4,4 4123 6,7 756 1,2 1320 2,2 15983 26,1 25 0 10933 372 1443 61190 17,9 0,6 2,4 100

Meldung / Nachricht Bericht Hintergrundbericht Essay Reportage/Feature Portrait Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Literatur Bildunterschrift Veranstaltungskalen der/ Rundfunkpr. Sammelrezension Dokumentierte Rede sonstige Gesamt

Am stärksten steigt der Textflächenanteil von Interviews. Nutzte das FAZ-Feuilleton diese Darstellungsform in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 überhaupt nicht, nimmt sie nun 4,5 Prozent der Textfläche ein. Der Anteil von Reportagen und Features steigt, wenn auch auf niedrigem Niveau. Ähnlich stark wächst der Anteil des Feuilletons als Darstellungsform von 0,9 auf 2 Prozent der Textfläche. Insgesamt nimmt die oft kritisierte Dominanz der Rezension als journalistische Darstellungsform im FAZ-Feuilleton vom untersuchten Zeitraum 2000 zu dem 2001 ab. Die Gesamtentwicklung kann als wachsende Vielfalt der Darstellungsformen im FAZFeuilleton interpretiert werden. Presseschau und literarische Primärtexte haben

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

126

weiterhin einen - wenn auch niedrigen – stabilen Anteil, der ein Alleinstellungsmerkmal des FAZ-Feuilletons gegenüber dem der SZ in den untersuchten Zeiträumen ist. Analysiert man jedoch die Verteilung der Anteile einzelner Kulturbereiche an der Gesamtfläche von Darstellungsformen wie Essays, Kommentaren, Reportagen/ Features und Hintergrundberichten in den untersuchten Zeiträumen 2000 und 2001, fällt auf, dass die entsprechenden Beiträge vor allem Kultur im weiteren Sinne, insbesondere Hochkultur im weiteren Sinne darstellen (vgl. Tabelle 56). Im untersuchten Zeitraum 2001 stellen Autoren auf 61,5 Prozent der von Essays eingenommenen Textfläche Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne dar. Populäre Kultur im engeren Sinne nimmt an der Textfläche all dieser Darstellungsformen im untersuchten Zeitraum 2001 den jeweils geringsten Anteil ein. Hochkultur im engeren Sinne bedeckt einen geringeren Anteil der Fläche dieser Darstellungsformen als der gesamten Textfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2001 (21,1%). Diese Ergebnisse bestätigen auch im Untersuchungszeitraum 2001 eine Zweiteilung der Präsentation von Kulturthemen: Kultur im weiteren Sinn nimmt einen im Vergleich zu ihrem Gesamtanteil überdurchschnittlich hohen Anteil der Textfläche der von Feuilletonkritikern vermissten Darstellungsformen ein. Die geforderten Veränderungen der Präsentation sind also vor allem bei der von Feuilletonkritikern ebenfalls verlangten stärkeren Darstellung von Kulturthemen im weiteren Sinn zu beobachten.
Tabelle 56: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen ausgewählter Darstellungsformen und Quellen nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
% | n = 69 Essays zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Kommentare zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Reportagen/Features zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Hintergrundberichte zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn Gastautoren zu: populärer Kultur im engeren Sinn populärer Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn 30,2 69,8 4,2 13,2 27 55,6 100 5,2 8,7 15,9 67,7 16,6 3,7 79,7

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
% | n = 78 38,5 61,5 3,7 16 17 60,3 2 70,2 27,8 6,9 13,6 18,4 58 26,7 1,5 71,8

SZ Slb.def.
% | n = 23 11,8 88,2 100 19,5 7,6 52,1 15,2 84,8

SZ par. Df.
% | n = 44 8,3 29,5 62,2 63,6 36,4 9,5 27,6 3,7 49,2 15,2 84,4

SZ Slb.def.
% | n = 26 100 4,1 22,4 73,5 45,6 25,4 29,1 28,8 26,7 32,3 100

SZ par. Df.
% | n = 49 100 2,9 2,6 15,8 78,7 33,5 45,2 21,4 2,2 31,2 14,4 47,7 100

Die Untersuchung der Feuilletoninhalte widerlegt die Aussage der Hypothese H19 zum Anteil von Gastbeiträgen und Artikelserien an der Textfläche: Dieser Anteil sinkt leicht

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

127

bei Artikelserien (vgl. Tabelle 57), stark bei Gastbeiträgen (vgl. Tabelle 58). Der stark sinkende Anteil von Gastautoren spricht für Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung. 1999 lag dieser Anteil bei 3,9 Prozent, stieg im untersuchten Zeitraum 2000 auf 5,6 Prozent. In diesem Zeitraum nahm das Hauptthema Biologie/Gentechnologie 50,6 Prozent der gesamten Gastbeitragsfläche im FAZFeuilleton 2000 ein. 2001 jedoch sinkt der Anteil von Gastbeiträgen an der Feuilletontextfläche auf 3,8 Prozent - Biologie/Gentechnologie bedeckt nur noch 26,1 Prozent dieser Fläche. Diese Entwicklung verläuft analog zu dem anderen Indiz für eine Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung: Die Positionierung von Wissenschaftsthemen als Feuilletonaufmacher und auf Feuilletontitelseiten sinkt im Untersuchungszeitraum 2001 nach den vorherigen, hohen Werten.
Tabelle 57: Flächenanteil von Beitragsserien an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % Teil einer Serie nicht Teil e. Serie Gesamt 3559 87972 91531 3,9 96,1 100

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Df.
n = 154 cm² % 1101 44708 45809 2,4 97,6 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 1101 23966 25067 4,5 95,6 100

FAZ
n = 323 cm² % 3153 99821 102974 3,1 96,9 100

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 1179 30248 31427 3,8 96,2 100

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 1993 59197 61190 3,3 96,7 100

Tabelle 58: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % Eigenbeitrag Agenturbeitrag Gastautor (exkl.) Übernahme Rede Übernahme Buch Übernahme aus anderer Zeitung Gesamt 81852 1398 5125 3156 91531 89,4 1,5 5,6 3,4 100

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Df.
n = 154 cm² % 43661 834 1182 36 96 45809 95,3 1,8 2,6 0,1 0,2 100

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 23129 624 1182 36 96 25067 92,3 2,5 4,7 0,1 0,4 100

FAZ
n = 323 cm² % 91443 756 3924 4187 2664 102974 88,8 0,7 3,8 4,1 2,6 100

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 27180 300 2504 1443 31427 86,5 1 8 4,6 100,1

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 53867 2573 3307 1443 61190 88 4,2 5,4 2,4 100

Dieser vielfältigeren Gestaltung der textlichen Darstellung steht eine uneinheitliche Entwicklung bei der optischen Darstellung gegenüber. Das FAZ-Feuilleton präsentiert im untersuchten Zeitraum 2001 mehr Textfläche (47,1%) als 2000 (43,6%) ohne jegliche Portionierungselemente (vgl. Tabelle 59).
Tabelle 59: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % 28261 30,9 23070 25,1 4778 5,1 22932 25 40021 43,6

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Df. FAZ
n = 323 cm² % 34799 33,8 28179 27,4 12121 11,8 17145 16,6 48623 47,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 3455 13,1 9574 36,3 1471 5,6 7988 30,3 10096 38,1

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 3387 9,5 20038 56,3 2632 7,4 9995 28,1 10522 29,6

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 5275 8,6 34307 56,1 10311 16,9 14848 24,3 16517 27

Rubriktitel Zwischentitel Infokasten markanter Endabsatz ohne diese Gestaltungselemt.

n = 154 cm² % 4998 10,8 23473 51,1 9456 20,5 9293 20,3 14223 31

Hingegen steigert das FAZ-Feuilleton wie bereits von 1999 zu 2000 auch im untersuchten Zeitraum 2001 den Bildanteil: von 21,9 auf 23,9 Prozent (vgl. Tabelle 60).

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

128

Tabelle 60: Flächenanteil von Bild- und Textflächen an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
Bild (%)
FAZ | n = 584 Beiträge SZ Selbstdefinition | n = 206 Beiträge SZ parallelisierende Def. | n = 349 Beiträge 21,9 22,7 20,4

2001 (26.11.-1.12)
Bild (%)
23,9 23,8 21

Text (%)
78,1 77,3 79,6

Text (%)
76,1 76,2 79

Dabei wächst die Bandbreite der genutzten Bildtypen: Deutlich steigt der Anteil von Fotografien, die nicht kulturelle Ereignisse abbilden oder Kunstprodukte reproduzieren, nämlich von 32,8 auf 45,6 Prozent der Gesamtbildfläche. Insbesondere der Anteil der Reproduktionen geht zurück (vgl. Tabelle 61). Neu hinzu kommt als Bildform der Cartoon.
Tabelle 61: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbstund parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 110 cm² % Fotografie von kult. Ereignis Reproduktionen Fotografie anders Karikatur Cartoon Informationsgrafik Bildelement anders gesamt 3088 13689 8390 345 88 25600 12,1 53,5 32,8 1,3 0,3 100

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 148 cm² % 3729 10219 14314 2886 120 366 31634 11,7 32,1 45,6 9,1 0,4 1,1 100

SZ Slb.def.
n = 37 cm² % 979 4350 2006 12 7347 13,3 59,2 27,3 0,2 100

SZ par. Def.
n = 68 cm² % 979 6102 4231 384 12 11708 8,4 52,1 36,1 3,3 0,1 100

SZ Slb.def.
n = 39 cm² % 1058 4860 3523 399 9840 10,8 49,4 35,8 4,1 100,1

SZ par. Def.
n = 76 cm² % 800 7978 5081 564 399 14822 5,4 53,8 34,3 3,8 2,7 100

Die inhaltsanalytische Untersuchung bestätigt Hypothese H20: Im SZ-Feuilleton dominiert im Untersuchungszeitraum 2001 wie schon 2000 die Rezension als journalistische Darstellungsform. Ihr Anteil ist mit 40,1 Prozent der Textfläche des SZFeuilletons nach Selbstdefinition höher als in den Untersuchungszeiträumen 1999 (38,3%) und 2000 (34,4%; vgl. Tabelle 55, S. 125). Erstmals bietet das SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 auch Sammelrezensionen (1,2 Prozent der Textfläche). Diese Darstellungsform ist nicht den klassischen Rezensionen zuzurechnen, da hier mehrere Kulturprodukte zu einem Thema vergleichen werden, während bei klassischen Rezensionen eines Kulturproduktes eben dieses im Mittelpunkt steht. Der gegenüber klassischen Rezensionen geringe Flächenanteil der Sammelrezensionen verbietet es allerdings, hier von einem starken Wandel der Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne zu sprechen. Eher lässt sich die Entwicklung des Anteils von Rezensionen am SZ-Feuilleton als eine Tendenz der Darstellung zum oft kritisierten Rezensionsfeuilleton interpretieren. Diese Auslegung stützt auch der stark sinkende Flächenanteil des Feuilletons als Darstellungsform von 10 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 2000 auf nur 2,5 Prozent 2001. Allerdings steigen andererseits die Anteile von für das Rezensionsfeuilleton untypischen Darstellungsformen wie dokumentierten Reden (Anteil 2001: 4,6%), Reportagen (4,4%) und Essays (6,2%). Allein: Diese Darstellungsformen widmen sich kaum den Inhalten des Rezensionsfeuilletons, nämlich Kultur im engeren Sinne. Diese Zweiteilung zwischen der Darstellung von Kultur im weiteren und Kultur im engeren

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

129

Sinne ist auch im SZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 zu beobachten. Alle im SZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2001 erschienenen Essays beschäftigen sich mit Hochkultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 56, S. 126). Das Gleiche gilt für Texte von Gastautoren. Keine der veröffentlichten Reportagen thematisiert Hochkultur im engeren Sinne, allerdings erzielt Populärkultur im engeren Sinne einen überdurchschnittlichen Flächenanteil. Stark wächst der Anteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne an der Textfläche der Hintergrundberichte, allerdings ist er mit 26,7 Prozent noch immer geringer als der Anteil dieses Kulturfeldes an der gesamten Textfläche von 32,4 Prozent. Insgesamt zeigt sich, dass auch im Untersuchungszeitraum 2001 im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne am Flächenanteil gemessen unterdurchschnittlich mit den journalistischen Textformen bearbeitet werden, deren verstärkten Einsatz Feuilletonkritiker forderten. Zu Schlagworten verkürzt entwickeln sich im SZFeuilleton Räsonier- und Rezensionsfeuilleton parallel und voneinander unberührt. Die Analyse der optischen Gestaltung des SZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2001 bestätigt die Aussagen der Hypothese H20 darüber: In der Tat steigt der Anteil von Texten mit portionierenden Layout-Elementen wie Zwischenüberschriften, Infokästen oder markanten Endabsätze an der Textfläche. Nur noch 29,6 Prozent der Textfläche präsentiert die Redaktion ohne zumindest eines dieser Gestaltungsmittel. Im Voruntersuchungszeitraum 2000 waren es noch 38,1 Prozent der Textfläche des SZFeuilletons nach Selbstdefinition. Vor allem Zwischentitel in Beiträgen gliedern wesentlich mehr Textfläche als im vorangehenden Untersuchungszeitraum. Auch der Anteil von Bildern an der gesamten Beitragsfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition steigt, allerdings nicht so stark wie bei der FAZ. Das SZ-Feuilleton baut den Anteil von Kunstreproduktionen an der Gesamtbildfläche (vgl. Tabelle 63, S. 133) ab (49,4%), zugunsten von Fotografien, die nicht Kulturprodukte oder -ereignisse darstellen (35,8% gegenüber 27,3% 2000). Allerdings verzichtet das SZ-Feuilleton auch im Untersuchungszeitraum 2001 völlig auf Karikaturen, Cartoons oder Informationsgrafiken. Erst wenn man der parallelisierenden Definition folgend auch Medien- und Wissenschaftsseiten hinzurechnet, nehmen Informationsgrafiken zumindest 3,8 Prozent der Bildfläche ein. Eine Erweiterung der Bandbreite der bildlichen Darstellungsformen ist daher im SZ-Feuilleton nicht zu erkennen. Allein die starke Nähe der bildlichen Gestaltung zu Kulturprodukten und -ereignissen lässt nach. Der Vergleich beider Feuilletonressorts bestätigt Hypothese H21: Das SZ-Feuilleton weist in den Untersuchungszeiträumen 2000 wie 2001 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 55, S. 125). Während Rezensionen im FAZ-Feuilleton 2001 23,2 Prozent der Textfläche einnehmen, sind es bei der SZ 40,1 Prozent nach Selbstdefinition, respektive 26,1 Prozent des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition. Das Verhältnis hat sich somit gegenüber den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 verkehrt, weil die FAZ ihren Rezensionsanteil reduzierte, die SZ jedoch ausbaute. Bei den übrigen Darstellungsformen behält die FAZ literarische Primärtexte (2,8%) und Presseschauen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

130

(0,4%) als Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem SZ-Feuilleton. Das SZ-Feuilleton hingegen hat seinen starken Anteil von Feuilletons als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem FAZ-Ressort verloren: Nach parallelisierender Definition liegen hier beide Medien im Untersuchungszeitraum 2001 in etwa gleich auf. Anders als 2000 dokumentiert das SZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2001 Reden, in nur leicht geringerem Anteil an Gesamttextfläche als das FAZ-Feuilleton. Anders als in vorigen Untersuchungszeiträumen bietet die FAZ 2001 auch Interviews, in einem ähnlichen Ausmaß (4,5%) wie das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition (4,4%). Insgesamt nähert sich das SZ-Feuilleton in seiner Darstellung im untersuchten Zeitraum 2001 dem Profil des FAZ-Feuilletons des Untersuchungszeitraums 2000 an: Mehr Rezensionen, dokumentierte Reden und Essays und weniger Feuilletons. Das FAZ-Feuilleton nähert sich im Untersuchungszeitraum 2001 durch einen steigenden Anteil von Interviews und einen sinkenden von Rezensionen an der Gesamttextfläche dem Darstellungsprofil des SZ-Ressorts im Untersuchungszeitraum 2000 an. In beiden Ressorts sind nach wie vor Darstellungsformen wie Essay, Hintergrundbericht und Kommentar weitgehend an Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinne gebunden. Bei der optischen Darstellung vertauschen sich ähnlich wie beim Anteil der Rezension die Rollen beider Ressorts vom Untersuchungszeitraum 2000 zu dem 2001. Das FAZFeuilleton vergrößert abermals den Bildanteil an der Beitragsfläche stärker als das SZFeuilleton und übertrifft so im Untersuchungsjahr 2001 nicht nur den Bildanteil am SZFeuilleton nach parallelisierender Definition, sondern auch knapp den an der Gesamtbeitragsfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 60, S. 128). Die Bandbreite der Bildformen ist im FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 größer als im SZ-Feuilleton. Über die Untersuchungszeiträume hinweg hat das FAZ-Ressort stärker als das der SZ den Anteil von Kunstreproduktionen und Fotografien kultureller Ereignisse stärker zugunsten anderer Fotografien gesenkt. 2001 steht einem Bildflächenanteil der Reproduktionen im FAZ-Feuilleton von 32,1 Prozent ein Anteil von 53,8 Prozent am SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition gegenüber. Konstant bleibt bei der optischen Gestaltung allein die führende Rolle des SZ-Feuilletons bei der Gliederung der Textfläche durch Portionierungselemente wie Zwischentitel, markante Endabsätze und ähnliches. Nur 27 Prozent der Textfläche präsentiert das SZ-Feuilleton ohne solche Navigationshilfen, im FAZ-Feuilleton sind es im untersuchten Zeitraum 2001 47,1 Prozent. 9.2.4 Beitragsfokus

Die inhaltsanalytische Untersuchung der Feuilletoninhalte der FAZ im Untersuchungszeitraum 2001 bestätigt Hypothese H22: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 einen höheren Anteil (58,6%) von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf als im Untersuchungszeitraum 2000 (52%). Diese Entwicklung entspricht der Ankündigung des FAZ-Herausgebers, eine feste Rubrik für naturwissenschaftliche Themen im FAZ-

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

131

Feuilleton einzurichten. Besonders der stark gestiegene Anteil naturwissenschaftlicher Themen am FAZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 gegenüber 2000 zeigt, dass die FAZ-Feuilletonredaktion den von Frank Schirrmacher geäußerten Willen zur weitergehenden inhaltlichen Erweiterung des Ressorts gegenüber Kultur im weiteren Sinne umsetzt. Die bereits bei der Platzierung und Darstellung festgestellten Indizien für eine Normalisierung des 2001 weiter ausgebauten des Themenfeldes Wissenschaft, Forschung, Technologie ergänzt die Analyse der Themenfokusse um ein weiteres: Im FAZ-Feuilleton verdoppelt sich im Untersuchungszeitraum 2001 der Textflächenanteil von Beiträgen mit einem Fokus auf das Vermelden von Neuigkeiten aus der Kultur im weiteren Sinne: Solche Beiträge nehmen 15 Prozent der Textfläche aller Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ein.
Tabelle 62: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
Fokus auf Kultur ... ... im engeren ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn 10 davon: Kulturprodukt davon: Kulturproduzenten davon: Kulturbetrieb davon: Kulturpolitik ... im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn davon: Neuigkeiten vermelden davon: Debatten / Diskussion davon: Hintergründe ohne Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe mit Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe zu Produkt davon: Hintergründe zu Person davon: Hintergründe z. Institution davon: Veranstaltungshinweise davon: anders ... Beziehung zwischen Kultur im engeren & im weiteren Sinn davon: Kulturproduzent äußert davon: Kultur als Hintergrund für Verständnis oder Spiegel davon: Auswirkung von Kultur im weiteren auf K. im engeren Sinn davon: Auswirkung von Kultur im engeren auf K. im weiteren Sinn davon: anders nicht eindeutig zu bestimmen gesamt n = 261 cm² % 42110 34611 1434 6065 47564 3330 19941 5908 5853 583 11949 1797 542 1255 60 91471 46 82,2 3,4 14,4 52 7 41,9 12,4 12,3 1,2 25,1 2 30,2 69,8 0,1 100 883 595 288 25067

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 323 cm² % 40714 28800 1910 10004 60390 9042 553 21356 7399 2170 600 19270 1870 1379 491 39,5 70,7 4,7 24,6 58,6 15 0,9 35,4 12,3 3,6 1 31,9 1,8 73,7 26,3 31427

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 17456 11410 3024 3022 6728 126 5264 1338 69,6 65,4 17,3 17,3 26,8 1,9 78,2 19,9 3,5 67,4 32,6 99,9

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 19296 13058 3024 3214 25630 1588 13031 1338 2805 188 6680 883 595 288 45809 42,1 67,7 15,7 16,7 55,9 6,2 50,8 5,2 10,9 0,7 26,1 1,9 67,4 32,6 99,9

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 22370 16592 1595 4183 9021 1230 4161 2504 348 528 250 36 36 100 71,2 74,2 7,1 18,7 28,7 13,6 46,1 27,8 3,9 5,9 2,8 0,1 100 -

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 29823 21807 2649 5367 30618 4869 10771 2900 5071 528 889 5482 108 749 713 36 61190 48,7 73,1 8,9 18 50 15,9 35,2 9,5 16,6 1,7 2,9 17,9 0,4 1,2 95,2 4,8 99,9

102974 99,9

Zurück geht hingegen 2001 der Anteil von Beiträgen, die den Hintergrund von Ereignissen aus der Kultur im weiteren Sinne fokussieren (von 41,9% auf 35,4%). Hier führt die Tendenz das FAZ-Feuilleton weg vom oft für Themen aus der Kultur im weiteren Sinne im Feuilleton als zwingend geltend erklärten (vgl. 6.1.1., S. 65) Darstellungsschema: Analyse, Hintergrund, grundsätzliche Betrachtung. Das

10

einschließlich Veranstaltungshinweisen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

132

vorliegende Material lässt die Interpretation gültig erscheinen, dass Kultur im weiteren Sinne im FAZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 nicht mehr so stark als grundsätzlich zu behandelndes Großereignis dargestellt wird, sondern zunehmend auch Neuigkeiten für sich, ohne Einbettung in eine übergreifende Debatte wichtig genug erscheinen, um vor allem sie zu fokussieren. Kurz: weniger Räsonnierfeuilleton. Zugleich sinkt bei den Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne der Flächenanteil von Beiträgen, die sich auf Kulturprodukte konzentrieren, auf 70,7 Prozent (vgl. Tabelle 62, S. 131). Zugleich steigt der Anteil an Beiträgen, die den Kulturbetrieb in der Kultur im engeren Sinne fokussieren von 14,4 auf 24,6 Prozent der Textfläche aller auf Kultur im engeren Sinne konzentrierten Beiträge. Obgleich also Kulturprodukte noch immer im Zentrum des Interesses des FAZ-Feuilletons stehen, kann diese Entwicklung als eine leichte Abkehr vom Rezensionsfeuilleton, das Kultur allein als Werke und Produkte begreift, interpretiert werden. Auch die Analyse der Textflächenanteile der Anlasstypen stützt die Interpretation einer Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001. Denn hier nehmen Beiträge mit der Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnissen als Anlass einen weit größeren Anteil der Textfläche (10,2 Prozent, vgl. Tabelle 63, S. 133) ein als im Untersuchungszeitraum 2000 (3,6 Prozent). Hingegen sinkt der Flächenanteil von Beiträgen, deren Autoren sich auf eine Debatte als aktuellen Anlass berufen. Die Bedeutung von neu erscheinenden Kulturprodukten als Anlass für Beiträge nimmt im FAZ-Feuilleton 2001 gegenüber dem untersuchten Zeitraum 2000 ab. Der Anteil so als aktuell begründeter Beiträge an der Textfläche sinkt von 57 Prozent 2000 auf 53,2 Prozent 2001. Diese Entwicklung stützt die Interpretation der Ergebnisse zu Darstellung und Fokus der Beiträge als behutsame Abkehr vom klassischen Rezensionsfeuilleton. Die Analyse der Inhalte des SZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2001 bestätigt die Hypothese H23 weitgehend: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn als im Untersuchungszeitraum 2000. Das trifft allerdings nur für das Feuilleton nach Selbstdefinition zu: Hier steigt der Flächenanteil solcher Beiträge von 26,8 Prozent im Untersuchungszeitraum 2000 auf 28,7 Prozent 2001. Ebenfalls leicht steigt der Anteil von Beiträgen, die Kultur im engeren Sinn fokussieren (von 69,6% auf 71,2% der Textfläche). Hingegen fällt der 2000 ohnehin geringe Textflächenanteil von Beiträgen, die beide Kulturbereiche verbinden (von 3,5 auf 0,1 Prozent). Diese Entwicklung könnte mit dem Weggang des stellvertretenden Feuilletonchefs Claudius Seidl zusammenhängen, der in den Debatten über Inhalte des Feuilletons eine Verknüpfung beider Kulturbereiche als Stärke und Aufgabe des Feuilletons darstellte (vgl. 6.1.1., S. 65). Auffällig ist eine starke Zunahme von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte aus dem Bereich der Kultur im engeren Sinne auf 74,1 Prozent im Untersuchungszeitraum 2001. Diese Entwicklung kann als Annäherung der Präsentation von Kultur im engeren Sinne an das Profil des Rezensionsfeuilletons interpretiert werden: Kulturprodukte, nicht Kontexte, stehen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

133

im Mittelpunkt. Allerdings kann eine solche Entwicklung nur eingeschränkt aus dem vorliegenden Material abgeleitet werden. Denn im SZ-Feuilleton sinkt der Anteil von Produktneuerscheinungen als Beitragsanlass an der Textfläche: von 52,5 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 2001 auf 47,5 Prozent 2001.
Tabelle 63: Flächenanteile der Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbstund parallelisierende Definition des Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % neues Produkt Wissenschaftliche Ergebnisse Auszeichnung/Preis 11 Institutionen nicht-institutionalisierte Veranst. Jahres-/Todes-/ Geburtstag Äußerungen v. Funktionsinhaber Diskussion/Debatte Trend Aktuelle Beobachtung nicht aktuellen Gegenstands anderer Anlass kein Anlass erkennbar gesamt 52213 3279 1335 11387 7309 120 8178 1085 1171 399 5055 91531 57 3,6 1,5 12,5 8 0,1 8,9 1,2 1,3 0,4 5,5 100

2001 (26.11.-1.12)
SZ par. Df.
n = 154 cm² % 24675 1973 1546 8928 498 1398 417 3299 1441 414 1220 45809 53,9 4,3 3,4 19,5 1,1 3,1 0,9 7,2 3,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 13151 358 1196 4675 336 1398 417 1939 1441 156 25067 52,5 1,4 4,8 18,7 1,3 5,6 1,7 7,7 5,7 0,6 100

FAZ
n = 323 cm² % 54925 10516 2711 20409 210 2632 174 6446 2566 53,2 10,2 2,5 19,7 0,2 2,6 0,2 6,2 2,5

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 14942 798 1605 5636 1844 120 2323 1041 47,5 2,5 5,1 17,9 5,9 0,4 7,4 3,3 9,9 99,9

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 32037 3266 1605 12039 2344 498 3185 1944 538 3734 61190 52,4 5,3 2,6 19,7 3,8 0,8 5,2 3,2 0,9 6,1 100

0,9 2,7 2574 100,1 102974

2,9 3118 100,2 31427

Der Vergleich der Entwicklung beider Feuilletonressorts in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 bestätigt Hypothese H24: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn (58,6%) auf als das SZ-Feuilleton (50% nach parallelisierender Definition). Anders als im Untersuchungszeitraum 2000 trifft das auch im Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition zu. Diese Entwicklung ist aber nicht als Verengung des Kulturbegriffs im SZ-Feuilleton zu interpretieren, weil sie nur bei einer Materialauswahl nach parallelisierender Definition auftritt. Im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition jedoch steigt der Flächenanteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne sowohl vom Untersuchungszeitraum 1999 (23,8%) zu dem 2000 (26,8%) als auch zu dem 2001 (28,7%). Dieselbe Wachstumstendenz ist im FAZ-Feuilleton zu beobachten – in stärkerer Ausprägung und von einem höheren Niveau aus. Beide Feuilletons erweitern also den im Fokus der Beiträge praktizierten Kulturbegriff. Unterschiede bestehen dennoch. So kehrt sich vom Untersuchungszeitraum 2000 zu dem 2001 das Verhältnis von SZ und FAZ-Feuilleton beim Anteil von vor allem Kulturprodukte im engeren Sinne fokussierender Beiträgen um. 2000 übertraf der Anteil von Beiträgen mit solchem Fokus im FAZ-Feuilleton (82,2%) den im SZFeuilleton nach Selbst- (65,4%) und parallelisierender Definition (67,7%). 2001 jedoch stehen einem Flächenanteil solcher Beiträge von 70,7 Prozent im FAZ-Feuilleton 74,2

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Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

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im SZ-Feuilleton nach Selbst- und 73,1 Prozent nach parallelisierender Definition gegenüber. Während also das FAZ-Feuilleton bei Kultur im engeren Sinne im untersuchten Zeitraum 2001 weniger Kulturprodukte und mehr Produzenten und den Kulturbetrieb fokussiert, konzentriert sich das Feuilleton stärker auf Kulturprodukte als es das zuvor tat (vgl. Tabelle 62, S. 131). Diese Entwicklung im Untersuchungsmaterial legt die Interpretation nahe, dass das Angebot des SZ-Feuilletons zu Themen aus der Kultur im engeren Sinne im untersuchten Zeitraum 2001 verstärkt Eigenschaften des häufig kritisierten Rezensionsfeuilletons aufweist, während im FAZ-Feuilleton die Tendenz in die umgekehrte Richtung weist. Bei Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ist in beiden Feuilletons hingegen eine auf den ersten Blick ähnliche leichte Tendenz weg von Eigenschaften des Räsonierfeuilletons zu beobachten. So sinken sowohl im FAZ- als auch im SZFeuilleton die Anteile von Beiträgen, die sich vor allem auf Hintergründe von Ereignissen aus der Kultur im weiteren Sinne konzentrieren. Hingegen steigt in beiden Ressorts der Flächenanteil von Beiträgen, die vor allem Neuigkeiten aus der Kultur im weiteren Sinne ohne solche Einbettung fokussieren. Diese Entwicklung in der FAZ legt eine Interpretation als Entfernung von der Darstellungstradition des Räsonier-feuilletons bei naturwissenschaftlichen Themen nahe. Denn in der Tat beschäftigen sich im Untersuchungszeitraum 2001 59,8 Prozent der Textfläche mit Fokus auf Neuigkeiten aus der Kultur im weiteren Sinne mit naturwissenschaftlichen Themen. 2000 betrug der Anteil lediglich 48,6 Prozent – von einer absoluten Textfläche, die nur ein gutes Drittel (3330 cm²) jener des Untersuchungszeitraums 2001 (9042 cm²) beträgt. Das FAZFeuilleton fokussiert also beim Themenfeld Naturwissenschaft 2001 nicht mehr so stark wie in den Zeiträumen zuvor Hintergründe, was als Eigenschaft des Räsonierfeuilletons gilt, sondern stellt bei einem wachsenden Anteil von Beiträgen das Melden von Neuigkeiten in den Mittelpunkt. Eine ähnliche Entwicklung ist im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition im Untersuchungszeitraum 2001 zu beobachten: Auch hier steigt der Flächenanteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Neuigkeiten aus der Kultur im weiteren Sinne, von 1,9 auf 13,6 Prozent der auf Kultur im weiteren Sinne fokussierten Textfläche (vgl. Tabelle 62, S. 131). Der Unterschied zum FAZ-Feuilleton ist der thematische Schwerpunkt: 73,8 Prozent dieser Beitragsfläche beschäftigt sich mit geisteswissenschaftlichen Themen. Diese Ergebnisse decken sich mit dem bei der Themenanalyse beobachteten hohen Anteil geisteswissenschaftlicher Themen an der erweiterten Wissenschaftsberichterstattung im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Auch das SZ-Feuilleton entfernt sich also bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne vom ausschließlichen Fokus des Räsonierfeuilletons auf die Hintergründe bei solchen Themen.

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

135

9.3
9.3.1

Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum
Umfänge der Feuilletons

Die Untersuchung der Feuilletoninhalte in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2002 widerlegt Hypothese H25. Die Feuilletons von SZ und FAZ wachsen nicht kontinuierlich von 1999 bis 2002, sondern in jeweils unterschiedlichen Perioden in diesem Zeitraum. Das FAZ-Feuilleton ist in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 größer als in den jeweils vorangegangen – sowohl beim Anteil der Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot (vgl. Tabelle 64) als auch bei der Gesamtbeitragsfläche (vgl. Tabelle 65, S. 136). Im untersuchten Zeitraum 2002 jedoch sinkt die Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons sogar leicht unter den im untersuchten Zeitraum 1999 festgestellten Wert. Zwar liegt der Anteil der Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot (20,1%) des Feuilletons über dem entsprechenden Wert von 1999 (18,6%). Doch im Vergleich zu 2001 nimmt die Zahl der Feuilleton-Bruttoseiten anteilsmäßig stärker ab – um 32,17 Prozent der Bruttoseiten 2001 – als die der restlichen Ressorts, deren Fläche lediglich um 23,1 Prozent schrumpft (vgl. Tabelle 64). Dem kontinuierlichen Ausbau des FAZ-Feuilletons folgt also 2002 ein starker Abbau. Der Ausbau 2000 und 2001 stimmt mit der Selbstdarstellung des Mediums überein (vgl. S. 72ff.). Die im Untersuchungsmaterial festgestellte gegenläufige Entwicklung 2002 deckt sich mit der Einschätzung des ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfelds, der „Boom“ des Feuilletons sei im Jahr 2001 geendet (STEINFELD, 2003).
Tabelle 64: Bruttoseiten des Feuilletons, der Gesamtausgabe und Anteile der Feuilletonseiten am Gesamtbruttoangebot nach Titeln 1999-2002 und im gesamten Untersuchungszeitraum

1999 (22.-27.11.)
Feu
FAZ | n = 24 Ausgaben SZ Selbstdefinition n = 24 Ausgaben SZ parallelisierende Def. n = 24 Ausgaben Seiten 72 23 39

2000 (27.11.-2.12)
Feu
Seiten 85 21 37

2001 (26.11.-1.12)
Feu
Seiten 87 31 49

2002 (25.11.-30.11) Ges
Feu
Seiten 59 26 42

Ges
Seiten 388 312 312

%
F/Gs 18,6 7,4 12,5

Ges
Seiten 415 296 296

%
F/Gs 20,5 7,1 12,5

Ges
Seiten 390 312 312

%
F/Gs 22,2 9,8 15,6

Ges
Seiten 292 249 249

%
F/Gs 20,1 10,3 16,9

%
F/Gs 20,4 8,5 14,3

Anders entwickelt sich das SZ-Feuilleton: Der Anteil seiner Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot (vgl. Tabelle 64) und die Gesamtbeitragsfläche (vgl. Tabelle 65, S. 136) verringern sich im Untersuchungszeitraum 2000 gegenüber dem 1999, während die FAZ ihr Feuilleton in diesem Zeitfenster ankündigungsgemäß ausbaut. In den folgenden Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 jedoch steigert die SZ sowohl den Anteil ihrer Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot als auch die absoluten Feuilletonbeitragsflächen nach Selbstdefinition. Dies entspricht der Ankündigung 2001, das Feuilleton von nun an auszubauen (vgl. S. 74ff.). Es fällt dabei auf, dass der Ausbau – anders als bei der FAZ – auch gegen eine allgemeine Blattentwicklung weitergetrieben wird. So lassen sich die vorliegenden Ergebnisse aus dem Untersuchungszeitraum 2002 interpretieren: Der Vergleich der Beitragsfläche des

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

136

Feuilletons nach Selbstdefinition – sie steigt um 615 cm² – mit der des Feuilletons nach parallelisierender Definition – diese fällt von 2001 zu 2002 um 1396 cm² – zeigt: Während andere SZ-Ressorts wie Medien und Wissenschaft Beitragsfläche verlieren, baut das SZ-Feuilleton seine Fläche auch im untersuchten Zeitraum 2002 in der SZ weiterhin aus. So ist auch der steigende Bruttoseitenanteil (von 9,8% 2001 auf 10,3% 2002) bei zugleich sinkender absoluter Bruttoseitenanzahl des Feuilletons (von 31 auf 26 Seiten) zu erklären: Die SZ setzt eine klare Priorität bei der Entwicklung des Feuilletons, andere Ressorts sind von Flächenkürzungen stärker betroffen, das SZFeuilleton kann seine absolute Beitragsfläche sogar leicht ausbauen. Der Verlust an Bruttoseiten 2002 ist daher wohl eher auf einen Verlust von Anzeigen zurückzuführen.
Tabelle 65: Durchschnittliche Gesamtbeitragsflächen einer Feuilletonausgabe nach Titeln 19992002 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
FAZ | n = 1100 Beiträge SZ Selbstdefinition | n = 427 Beitr. SZ parallelisierende Definition n = 688 Beiträge 22.-27.11. | cm² 16435 5429 9650

2000
27.11.-2.12. | cm² 19522 5401 9585

2001
26.11.-1.12. | cm² 22540 6878 12897

2002
25.11.-30.11. | cm² 15993 7493 11501

Ges/4
cm² 18623 6299 10909

Dennoch kommt der Vergleich beider Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2002 zum selben Fazit wie 1999: Das FAZ-Feuilleton übertrifft das der SZ sowohl der absoluten Beitragsfläche als auch dem Anteil der Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot nach. Allerdings schrumpft die Differenz vom Höchststand im Jahre 2000. Nahm das FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2000 noch das mehr als 3,6-fache der Fläche des SZ-Feuilletons ein, so bedeckt es 2002 nur die gut 2,1fache Fläche. 2002 nähern sich beide Feuilletons einander an. Denn die FAZ baut Feuilleton ab, während die SZ ihres ausbaut. 9.3.2 Themen im Feuilleton

Die vorliegenden Medieninhalte stützten die Aussagen der Hypothese H26 in weiten Teilen – allerdings nicht für den Untersuchungszeitraum 2002: In den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2001 erweitert das FAZ-Feuilleton tatsächlich sein Themenspektrum den Flächenanteilen nach zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, insbesondere der Wissenschaft. Den größten Flächenanteil des FAZ-Feuilletons nehmen in allen Untersuchungszeiträumen Medienthemen (Rundfunk, Print) ein. Allerdings entfällt hiervon die größte Fläche auf das in FAZ-Feuilleton integrierte Rundfunkprogramm (vgl. gesonderte Ausweisung in Tabelle 66, S. 137). Die Einführung einer Medienseite 2001 verändert dieses Verhältnis von Programmservice und sonstiger Medienberichterstattung nicht gravierend. Offenbar bündelt die Medienseite also ein bereits zuvor vorhandenes Angebot. Anders verhält es sich bei den 2001 neu institutionalisierten naturwissenschaftlichen Rubriken im FAZ-Feuilleton, mit deren Etablierung eine deutliche Ausweitung des Themenanteils Wissenschaft, Forschung, Technologie an der Gesamtfläche einhergeht. Die Flächenanteile dieses Themengebiets steigen in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2001. Im Jahr 2001 2001 ist das Maximum erreicht: 26 Prozent der Textfläche des FAZ-Feuilletons

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

137

beschäftigen sich mit Wissenschaftsthemen. Im Folgezeitraum 2002 halbiert sich dieser Anteil auf 13 Prozent – ein noch niedrigerer Wert als im untersuchten Zeitraum 1999.
Tabelle 66: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 und im gesamten Untersuchungszeitraum (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 1,3 3,1 7,8 12,1 2,7 9,7 15,7 12 15,9 4,6 12,1 3,6 4,6 2,6 8,7 28,2 1,7 19,8 0 17 10,5 100 2,5 23,6 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 0,1 5 10 11,1 1,6 0,2 5,9 13,1 13,2 18,3 3,9 5,5 3 2,5 3,3 16 25 2,5 16,7 18,9 15,2 100,1 3,1 22,9 100,2

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 0,2 3,7 6,7 10 0,4 0,1 5,9 13,2 12 21,7 6,2 9,2 1,9 5,1 3,3 7,1 27,6 1,6 17,7 26 9,9 100,1 12,6 15,5 99,8

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 1 1,1 7,5 12 0 0,5 5,9 9,1 17 26,4 5,4 4,7 3,6 2,5 7,2 11,1 26,1 17,3 13 2,1 11,2 100 5,8 0,3 26,5 100

Gesamt
FAZ % n=1100 0,6 8 1,1 6,8 13,4 5 2,9 4 26,7 17,6 19,3 0,4 11,7 99,9 SZ % n=427 3,1 11,3 0,2 12,5 21,2 7,7 3,7 10,6 1,3 6,3 0,1 22,2 100,2

spartenübergreifend Bildende Kunst angewandte Kunst darstellende Kunst Literatur Musik Baukunst Kino andere Medien darin Rundfunkprogramm Wissenschaft, Forschung, Technologie Bildung und Erziehung Zeitgeschehen Gesamt

Die Ausweitung der Wissenschaftsberichterstattung ist tatsächlich eine naturwissenschaftlicher Themen: Von 1999 bis 2002 wächst ihr Anteil an der Gesamtfläche der Wissenschaftsberichterstattung, während der Anteil geisteswissenschaftlicher Themen sinkt. Nahmen 1999 naturwissenschaftliche Themen 41,9 Prozent der Fläche der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton ein, so sind es 2002 66,8 Prozent (vgl. Tabelle 67). Diese Entwicklung stimmt mit der Selbstdarstellung des FAZFeuilletons überein.
Tabelle 67: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=54 n=3 subspartenübergreifend Veranstaltungshinweise Sozialwissenschaften Geisteswissenschaften Technik Naturwissenschaft gesamt 4,9 10,8 42,4 41,9 100 88,2 11,8 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =52 n=2 0,7 13 33,3 7,7 45,3 100 59,1 40,9 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=86 n=14 9,1 0,3 2,3 29,2 3,2 55,9 100,1 6,3 64,3 29,4 6,3

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=44 n=7 5 0,5 27,8 66,8 100 21,4 63,5 15,2 100

Gesamt
FAZ % n=236 4,5 1,1 6,5 32,8 3,2 51,9 100 SZ % n=26 3,3 6 59,5 6,1 25,1 100

Ebenfalls mit den Äußerungen des FAZ-Herausgebers Schirrmacher deckt sich der sinkende Flächenanteil von Themen aus dem Obergebiet Zeitgeschehen im Untersuchungszeitraum 2001: Offenbar ging die enorm verstärkte Wissenschaftsberichterstattung in diesem Untersuchungszeitraum auch auf Kosten politischer, wirtschaftlicher und historischer Themen, deren exponierte Stellung in Feuilletonressorts Schirrmacher in Interviews angesichts der naturwissenschaftlichen Entwicklung als überholt einschätzte (vgl. S. 72). Bei der Gewichtung der Flächenanteile klassischer Kultursparten zeigt das FAZFeuilleton Kontinuität: Literatur führt hier dem Flächenanteil nach in allen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

138

untersuchten Zeiträumen vor anderen klassischen Kultursparten. Ein Einbruch dieses Anteils ist im von der Naturwissenschaft dominierten Jahr 2001 nicht festzustellen. Das FAZ-Feuilleton baut 2002 den Flächenanteil von Literaturthemen sogar auf bis dahin nicht erreichte 17 Prozent aus. Diesen Ausbau der Literaturberichterstattung kündigte die FAZ 2002 nicht an, der Anstieg könnte jedoch als Reaktion auf die 2001 im SZ-Feuilleton eingeführte Literaturseite und damit verbundene verstärkte Literaturberichterstattung interpretiert werden. Bei den sonstigen klassischen Kunstsparten sind in den Untersuchungszeiträumen keine stark auffälligen Veränderungen zu beobachten. Die Flächenanteile von Themen aus der bildenden Kunst und Baukunst brechen im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber den übrigen Zeiträumen ein, was mit der stark erweiterten Wissenschaftsberichterstattung in diesem Zeitraum zusammenhängen könnte. Ansonsten sind bei darstellender Kunst und Musik keine starken Schwankungen zu beobachten, doch die waren aufgrund der Kommunikatoraussagen auch nicht zu erwarten. Das Wissenschaftsfeuilleton etabliert sich also eher auf Kosten des politischen Feuilletons als der klassischen Kulturberichterstattung. Auffällig ist allein der enorme Zuwachs des Flächenanteils der Kinoberichterstattung am FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2002 gegenüber den Vorangehenden von 3,3 Prozent 2000 und 2001 auf 7,2 Prozent der Textfläche des FAZ-Feuilletons 2002. Diese Entwicklung kann als eine Umsetzung der von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher angekündigten Popularisierung (vgl. S. 72) interpretiert werden – zumal zu den abgeworbenen SZ-Redakteuren 2001 der Filmkritiker Michael Althen gehörte.
Tabelle 68: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 15 17,8 31,6 10,8 25,2 44,1 24,7 26,2 3,5 1 100 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 11,3 20,9 25,5 9,9 31,1 33,6 31,1 18 0,9 17,6 0,1 100 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 12,2 17,2 27,5 7,5 21,1 32,4 33,6 30,6 5,3 12,4 0,4 100,1 100,1

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 14,9 17,8 21,8 6,1 33,1 42,4 28,6 27,1 1,6 6,6 100 100

Gesamt
FAZ % n=1100 13,2 26,7 27,2 29,8 2,9 0,2 100 SZ % n=427 18,3 8,3 38,2 25,9 9,3 100

Pop. Kultur i. engen Sinn Pop. Kultur i. weit. Sinn Hochkultur i. engen Sinn Hochkultur i. weit. Sinn P./H.-Kultur im eng. Sinn nicht klar zuzuordnen Gesamt

Diese Interpretation als Popularisierung wird allerdings nicht durch die Entwicklung der Flächenanteile der einzelnen Kulturfelder gestützt. Zwar steigt der Flächenanteil von Themen aus der populären Kultur im engeren Sinn am FAZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2002 gegenüber dem 2001 – allerdings nur knapp auf das Niveau von 1999 (vgl. Tabelle 68). Eine Erweiterung des Themenspektrums des FAZ-Feuilletons ist in der Tat den Flächenanteilen nach gegenüber Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – insbesondere der Wissenschaft – festzustellen. Der Anteil von Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne ist im Untersuchungszeitraum 2002 in der Tat höher (28,6%) als im untersuchten Zeitraum 1999 (24,7%). Allerdings geht diese Erweiterung nicht – wie vielleicht zu erwarten wäre – mit einem sinkenden Flächenanteil von Themen aus dem Feld der Kultur im engeren Sinne einher. Diese Tendenz ist zwar im

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

139

untersuchten Zeitraum 2001 zu beobachten, 2002 jedoch bedecken Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne einen größeren Textflächenanteil als 1999, der Anteil von Populärkultur im engeren Sinne liegt nach leichten Einbrüchen 2000 und 2001 im untersuchten Zeitraum 2002 fast gleichauf mit 1999. Die Entwicklung der Flächenanteile einzelner Themen- und Kulturfelder am FAZFeuilleton in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002 lässt sich also nur eingeschränkt als Erweiterung gegenüber Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, insbesondere der Wissenschaft interpretieren. In den untersuchten Zeiträumen 2000 und 2001 deckt sich diese Auslegung mit den untersuchten Inhalten: Die Flächenanteile von Themen aus der Wissenschaft steigen, ebenso der von Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne eingenommene Textflächenanteil. Doch im untersuchten Zeitraum 2002 sinkt der Flächenanteil von Wissenschaftsthemen und Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne unter den Wert im gesamten Zeitraum (vgl. Tabelle 68, S. 138), der Flächenanteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne steigt wieder, sogar über den Wert im untersuchten Zeitraum 1999. Von einer dauerhaften Erweiterung des Kulturbegriffs des FAZ-Feuilletons gegenüber Kultur im weiteren Sinne kann also nicht die Rede sein, betrug doch im Untersuchungszeitraum 1999 der Flächenanteil von Themen aus der Kultur im engeren Sinne 43,7 Prozent, im untersuchten Zeitraum 2002 jedoch 49,6 Prozent. Statt von einer Erweiterung des Kulturbegriffs muss von einer Etablierung von Wissenschaftsthemen als Kulturthemen im weiteren Sinne auf prominenteren Feuilletonplätzen gesprochen werden (vgl. S. 102ff.; S. 119ff.).
Tabelle 69: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 und im gesamten Untersuchungszeitraum (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 1,3 1,7 7,8 6,7 2,7 0 9,7 8,7 12 8,8 4,6 6,7 3,6 2,6 2,6 5,5 28,2 34,2 19,8 20 17 10,5 100 10,5 14,7 100,1

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 0,1 2,7 10 6,1 1,6 0,1 5,9 7,1 13,2 10 3,9 3 3 1,4 3,3 8,8 25 38,1 16,7 17,3 18,9 15,2 100,1 10,2 12,5 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 0,2 1,9 6,7 8,1 0,4 0,1 5,9 7,1 12 11,9 6,2 6,5 1,9 3,8 3,3 4 27,6 26,9 17,7 13,2 26 9,9 100,1 17,2 12,5 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 1 0,7 7,5 7,8 0 0,3 5,9 5,9 17 17 5,4 3 3,6 1,6 7,2 7,3 26,1 30,5 17,3 19,4 13 2,1 11,2 100 7,8 0,2 17,9 100

Gesamt
FAZ % n=1100 0,6 8 1,1 6,8 13,4 5 2,9 4 26,7 17,6 19,3 0,4 11,7 99,9 SZ % n=688 1,7 7,3 0,1 7,1 12,2 4,8 2,4 6,2 31,9 17 11,7 0,1 14,4 99,9

spartenübergreifend Bildende Kunst angewandte Kunst darstellende Kunst Literatur Musik Baukunst Kino andere Medien darin Rundfunkprogramm Wissenschaft, Forschung, Technologie Bildung und Erziehung Zeitgeschehen Gesamt

Bei der Süddeutschen Zeitung bestätigt die Analyse der Medieninhalte die Aussagen von Hypothese H26, dass das SZ-Feuilleton von 2001 an gegenüber den vorherigen Untersuchungszeiträumen die Flächenanteile der Literaturberichterstattung stärkt. In der Tat wächst der Flächenanteil von Literaturthemen am Feuilleton nach Selbstdefinition von 15,9 Prozent im Untersuchungszeitraum 1999 auf 26,4 Prozent 2002. Hochkultur im engeren Sinne nimmt 2002 42,4 Prozent der Textfläche des SZFeuilletons ein. Dieser Wert entspricht fast dem von 1999, nicht allerdings dem von

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

140

2000. Insgesamt kann also nicht von einer deutlichen Erweiterung des Kulturbegriffs im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition gesprochen werden. Ähnlich wie bei der FAZ zeigt das Material im Untersuchungszeitraum 2001 eine solche Erweiterung zur Hochkultur im weiteren Sinne an. Sie fällt im Folgezeitraum leicht ab, liegt aber noch immer 2,4 Prozentpunkte über dem Wert von 1999. Literatur ist im Untersuchungszeitraum 2002 fast so flächenstark wie das führende Themenfeld Zeitgeschehen (26,5%). Diese Entwicklung entspricht den Ankündigungen der Kommunikatoren im Jahre 2001 (vgl. S. 74ff.), das SZ-Feuilleton stärker auf Kultur im engeren Sinne zu fokussieren. Allerdings geht der Anstieg der Flächenanteile des Themengebiets Literatur nicht mit sinkenden Anteilen etwa des Themenfeldes Zeitgeschehen einher, wie vielleicht zu erwarten wäre. Im Gegenteil: Der Flächenanteil des Themenfeldes Zeitgeschehen sinkt lediglich im Untersuchungszeitraum 2001 überraschend stark gegenüber den anderen ab. Der Grund dafür ist vermutlich, dass in diesem Untersuchungszeitraum das Themengebiet Wissenschaft als Teil der Kultur im weiteren Sinne den höchsten Flächenanteil am SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition in allen untersuchten Zeiträumen erzielt. Im Folgezeitraum 2002 jedoch nehmen Themen aus den Gebiet Zeitgeschehen den größten Anteil des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition von allen untersuchten Zeiträumen ein. Diese Daten zeigen, dass sich das SZ-Feuilleton von 2001 an lediglich auf bestimmte Bereiche der Kultur im engeren Sinne – sprich: Literatur – stärker fokussiert als zuvor. Insgesamt ist weder eine gravierende Verengung noch Erweiterung des Kulturbegriffs zu beobachten: Themen aus der Hoch- und Populärkultur nehmen im untersuchten Zeitraum 2002 60,2 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition ein. 1999 waren es 61,9 Prozent. Vor allem verschieben sich im Zeitverlauf die Anteile innerhalb der klassischen Kultursparten. Der Flächenanteil darstellender Kunst an der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition liegt im Untersuchungszeitraum 2002 hinter bildender Kunst und Kino bei 9,1 Prozent, statt vor diesen Sparten bei 15,7 Prozent wie im untersuchten Zeitraum 1999. Auch Musik nimmt im untersuchten Zeitraum 2002 den geringsten Flächenanteil des Feuilletons (4,7%) in allen untersuchten Zeiträumen ein. Das SZ-Feuilleton baut also nicht die Literaturberichterstattung auf Kosten des Themengebiets Zeitgeschehen aus, sondern eher auf Kosten anderer Kultursparten aus dem Gebiet der Kultur im engeren Sinne. Beim Vergleich beider Medien fällt auf, dass im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition der Anteil des Themengebiets Wissenschaft im untersuchten Zeitraum 2001 auf 12,6 Prozent ausreist, dann 2002 auf 5,8 Prozent sinkt. Ein denkbarer Zusammenhang mit der 2000 vom FAZ-Feuilleton angekündigten verstärkten Berichterstattung über Naturwissenschaft im Feuilleton erhärtet sich nicht bei der Analyse der untergeordneten Themengebiete (vgl. Tabelle 70, S. 141). Wertet man das SZ-Wissenschaftsressort der parallelisierenden Feuilletondefinition folgend mit aus, überwiegt zwar auch in der SZ der Anteil naturwissenschaftlicher Themen – doch der vor allem im Feuilleton ausgebaute Anteil der Geisteswissenschaften ist auch hier deutlich erkennbar. Das Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie nimmt in allen

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

141

Untersuchungszeiträumen einen weit größeren Flächenanteil des FAZ-Feuilletons ein als im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Der Abstand bleibt relativ stabil bei mehr als sieben Prozentpunkten, trotz eines Ausbaus der Anteile im SZ-Feuilleton 2001. Der Abstand verringert sich erst im Untersuchungszeitraum 2002, weil das FAZ-Feuilleton den Flächenanteil des Themenobergebiets stärker senkt als das SZ-Feuilleton. Dennoch bleibt das FAZ-Feuilleton dem SZ-Ressort auch nach parallelisierender Definition bei den Flächenanteilen des Themenfelds Wissenschaft überlegen (vgl. Tabelle 69, S. 139).
Tabelle 70: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=54 n= 18,1 4,9 10,8 12,5 42,4 11,7 5,3 41,9 52,4 100 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =52 n=2 0,7 13 7,3 33,3 7,7 32,5 45,3 60,2 100 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=86 n=43 9,1 5,7 0,3 2,3 0,5 29,2 29,3 3,2 15,6 55,9 49 100,1 99,9

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=44 n=22 5 0,5 14,9 27,8 31,5 66,8 53,6 100 100

Gesamt
FAZ % n=236 4,5 1,1 6,5 32,8 3,2 51,9 100 SZ % n=107 6 6,8 20,6 13,9 52,6 99,9

subspartenübergreifend Veranstaltungshinweise Sozialwissenschaften Geisteswissenschaften Technik Naturwissenschaft gesamt

Erstaunlich ist dabei, dass die Anteile des Untergebiets Geisteswissenschaften an der Wissenschaftsfläche in beiden Medien von 2001 an etwa auf gleichem Niveau liegen. Grund dafür ist ein Anstieg der entsprechenden Fläche im SZ-Feuilleton und ein sinkender Flächenanteil im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 70). Bei dem anderen den Flächenanteilen nach bedeutenden Themenfeld aus der Kultur im weiteren Sinne ergibt sich ein ähnliches Bild unter umgekehrten Vorzeichen: Das Themengebiet Zeitgeschehen hat im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition einen abgesehen vom Untersuchungszeitraum 2000 durchweg höheren Flächenanteil als im FAZ-Feuilleton. Dieses Ergebnis spricht dafür, dass im SZ-Feuilleton noch immer das Mitte der neunziger Jahre geschärfte Profil eines politischen Feuilletons (vgl. S. 74ff.) wirkt, während das FAZ-Feuilleton sich den Aussagen des Herausgebers Frank Schirrmacher folgend tatsächlich stärker die Naturwissenschaft als Themengebiet aus der Kultur im weiteren Sinne fokussiert – durch eine prominenter platzierte und zeitweilig im Untersuchungszeitraum 2001 auch in der Fläche größere Berichterstattung. Die Integration von Medienthemen in das FAZ-Feuilleton überrascht nicht, da sie seit jeher zum Profil des Ressorts zählt. Überraschend ist allerdings das Ergebnis, dass Medienthemen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition auch nach dem Untersuchungszeitraum 2001 den größeren Anteil an der Textfläche einnehmen als im FAZ-Feuilleton. Hier fällt vor allem auf, dass in SZ dieser höhere Anteil auf Medienberichterstattung abseits der Rundfunkprogramme zurückzuführen ist. Hier hat die 2001 im FAZ-Feuilleton institutionalisierte Medienseite keine Spuren hinterlassen, sondern offenbar einem bereits bestehenden Angebot Form verliehen. Vergleicht man beide Feuilletonressorts, so fällt auf, dass nach parallelisierender Definition das SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 den Anteil von Literaturthemen im FAZ-Feuilleton erreicht. Zuvor war die FAZ hier dem SZ-

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

142

Feuilleton überlegen. Erstaunlicherweise liegen auch im Folgezeitraum 2002 beide Medien gleichauf – und steigern dabei ihr Angebot an Literaturthemen um jeweils fünf Prozentpunkte gegenüber 2001. Hier hat sich das SZ-Feuilleton dem bis 2001 relativ stabilen Literaturanteil im FAZ-Feuilleton angeglichen. Ob die Steigerung in beiden Medien 2002 auf den im Vorjahr einsetzenden Ausbau des SZ-Feuilletons um mehr Literaturberichterstattung zurückzuführen ist, kann das vorliegende Material nicht endgültig beantworten. Es legt diese Interpretation allerdings nahe. Als wesentliche Veränderungen zwischen beiden Medien bei den übrigen klassischen Kultursparten sticht vor allem die Entwicklung des Flächenanteils von Kinothemen hervor: Hier liegen erst 2002 die Flächenanteile in beiden Ressorts nach parallelisierender Definition etwa gleichauf. Bis dahin überwog der Anteil am SZFeuilleton. Die Entwicklung deckt sich mit den Ankündigungen der Kommunikatoren beider Medien im Jahr 2001. Nämlich im SZ-Feuilleton Populärkultur zumindest nicht stärker zu gewichten als bislang und das FAZ-Feuilleton nicht allein gegenüber Hochkultur im weiteren Sinne, sondern auch gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne zu öffnen (vgl. S. 74ff.). 9.3.3 Darstellungsformen und Gestaltung

Die Analyse der Medieninhalte widerlegt Hypothese H27: Der Flächenanteil von Rezensionen als Darstellungsform ist in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ nicht konstant gesunken.
Tabelle 71: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 Meldung / Nachricht Bericht Hintergrundbericht Essay Reportage/Feature Portrait (außer Nachruf) Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Literatur Bildunterschrift Veranst.kal./Rundf.prg. Sammelrezension Rede sonstige Darstell.form Gesamt 4,9 4,9 14 5,8 3,1 0,9 0,5 4 0,4 1,5 28,4 1,3 4,6 0,3 24,1 1,3 0,1 100,1 3,9 6,4 15,1 4,6 3,5 4,6 0,5 1,9 4,9 1,3 2,2 25,3 1 0,8 20 1,7 2,3 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 3,8 2,9 18,8 6,8 0,4 1,5 1,2 5,7 0,1 0,9 29,5 0,7 3,7 0,4 20,5 1,2 1,9 100 3,3 4,5 16,3 0,8 5,9 3,9 1,1 3,4 7,6 1,8 5,5 24,9 0,1 0,2 20,8 100,1

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 3,7 7,1 17,8 2,6 1,5 1,5 1,2 4,5 5,9 0,6 2 23,2 0,4 2,8 21,3 3,1 0,8 100 3,5 7 18 3,2 3,1 2,3 1,4 4,4 6,7 1,2 2,2 26,1 0 17,9 0,6 2,4 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 4,4 6,8 14,1 6,7 4,7 4,1 1,5 3,9 0,4 0,7 25,9 1,3 5,2 0,1 20,1 99,9 3,4 4,9 11,9 6 0,7 2,7 2,3 6,7 6 0,8 2,8 30,2 0,4 0,5 20,1 0,5 0,3 100,2

Gesamt
FAZ % n=1100 4,1 5,4 16,4 5,3 2,3 1,9 1,1 1,3 5 0,4 1,3 26,6 0,9 4 0,2 21,5 0,6 0,9 0,8 100 SZ % n=688 3,5 5,8 15,4 3,7 3,2 3,2 1,3 4,3 6,3 1,2 3 26,8 0,2 0,1 0,4 19,6 0,7 1,2 100

Im Gegenteil: Im SZ-Feuilleton nimmt der Anteil von Rezensionen an der Textfläche vom untersuchten Zeitraum 2001 an zu. In der FAZ sinkt er 2001 stark, steigt aber 2002 wieder leicht. Doch diese Tendenzen genügen für eine Umkehr der Verhältnisse:

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

143

Wies in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 das FAZ-Feuilleton den größeren Rezensionsanteil auf, wird es nun vom SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition übertroffen. Der Ausbau der Literaturberichterstattung im SZ-Feuilleton geht also einher mit einem Ausbau für das so genannte Rezensionsfeuilleton typischer Darstellungsformen. Bei den Flächenanteilen der übrigen Darstellungsformen sticht beim Vergleich beider Feuilletons nach parallelisierender Definition nur noch die Entwicklung der Essayanteile heraus: Hier liegt das FAZ-Feuilleton den Flächenanteilen nach 1999 und 2000 vor dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition. Das Verhältnis kehrt sich 2001 um: Das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition führt. Das ist im untersuchten Zeitraum 2002 zwar nicht mehr der Fall, doch zeigt der alle anderen Untersuchungszeiträume übertreffende Anteil am SZ-Feuilleton hier, dass der Rezensionsanteil im SZ-Feuilleton neben – statt auf Kosten von – Essays als Element des Debattenfeuilletons wächst. Das SZ-Feuilleton bewahrt in allen Untersuchungszeiträumen den höheren Anteil von Feuilletons als Alleinstellungsmerkmal gegenüber der FAZ. Literarische Primärtexte sind hingegen die Domäne des FAZ-Feuilletons. In diesen Punkten wandeln sich die Feuilletonprofile trotz Neuausrichtungen nicht. In beiden Medien fällt eine konstante Bindung bestimmter Darstellungsformen an gewisse Kulturbereiche auf: In allen Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich die größte Fläche der veröffentlichten Essays, Kommentare, Reportage/Features, Hintergrundberichte und Gastbeiträge mit Themen aus der Kultur im weiteren Sinne.
Tabelle 72: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen ausgewählter Darstellungsformen und Quellen nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=58 n=38 Essays zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Kommentare zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Reportagen/Features zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Hintergrundberichte zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Gastautoren zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn 28,3 71,1 7,8 14,9 72,1 17,7 39,4 7,4 14,3 8,6 27,1 12,6 51,7 42,1 14,5 43,5 27,5 43,9 28,6 12,6 15,2 62,5 71,1 28,9 11,6 27,4 21,2 39,7 17,4 22,1 60,5

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =63 n=44 30,2 69,8 4,2 13,2 27 55,6 100 5,2 8,7 15,9 67,7 16,6 3,7 79,7 8,3 29,5 62,2 63,6 36,4 9,5 27,6 3,7 49,2 15,2 84,4

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=78 n=49 38,5 61,5 3,7 16 17 60,3 2 70,2 27,8 6,9 13,6 18,4 58 26,7 1,5 71,8 100 2,9 2,6 15,8 78,7 33,5 45,2 21,4 2,2 31,2 14,4 47,7 100 -

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=59 n=43 11,7 88,3 4,9 6,8 22,7 44,7 48,5 7,9 29,5 14,1 13,2 16,6 24,5 45,7 100 20,9 79,1 3,6 3,9 14,9 78,4 100 21,9 32,9 5 34,1 13,1 86,9

Gesamt
FAZ % n=264 8,6 17,3 74,1 3,3 12 20,6 58,5 27,3 29,5 15,3 21,1 7,9 15,4 17,6 57,4 25,7 8,4 65,9 SZ % n=174 7,5 21 66,8 4 11,7 11,1 71,5 9,4 62,5 7,2 20,9 10 29,9 11,5 43,5 5,3 6,7 4,7 83,4

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

144

So thematisiert kein einziger Essay in den untersuchten Feuilletons einen Gegenstand aus der Hochkultur im engeren Sinne (vgl. Tabelle 72, S. 143). Hingegen beschäftigen sich 54,5 Prozent der Gesamtfläche der Rezensionen in den untersuchten SZ-Feuilletons mit Hochkultur und 30,9 Prozent mit Populärkultur im engeren Sinne. In der FAZ liegen die Werte bei 55,6 Prozent, beziehungsweise 28 Prozent. In Rezensionen wird also vor allem Kultur im engeren Sinne dargestellt, während Essays, Reportagen, Kommentare und dergleichen für Feuilletonautoren ein Instrument zur Darstellung von Kultur im weiteren Sinne sind. Beim Bildanteil ist im untersuchten Material eine ähnliche Umkehr des Verhältnisses von FAZ und SZ wie bei den Anteilen der Rezensionsfläche zu beobachten: In den Untersuchungszeiträumen 1999 weist das SZ-Feuilleton nach parallelisierender und Selbstdefinition, 2000 das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition einen höheren Bildanteil als das FAZ-Feuilleton auf (vgl. Tabelle 73). 2001 und 2002 jedoch übertrifft das FAZFeuilleton den Bildanteil des SZ-Ressorts nach beiderlei Materialauswahl. Das SZFeuilleton erzielt im untersuchten Zeitraum 2002 nach parallelisierender wie nach Selbstdefinition einen niedrigeren Bildanteil als 1999. In den Kommunikatoraussagen zu den jeweiligen Neustrukturierungen der Feuilletonressorts finden sich keine Hinweise auf diese Entwicklung, die grafische Gestaltung wird überhaupt nicht erwähnt.
Tabelle 73: Flächenanteil von Bild und Text an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 22.-27.11. 2000 27.11.-2.12
Bild % Text %
FAZ n = 1100 Beiträge SZ Selbstdefinition n = 427 Beiträge SZ parallelisierende Def. n = 688 Beitr. 16,8 21 19,7 83,2 79 80,3

2001 26.11.-1.12
Bild %
23,9 23,8 21

2002 25.11.-30.11
Bild %
21,9 19,4 18,7

Gesamt
Bild % Text %
21,5 21,8 21,9 78,5 78,2 80,1

Bild %
21,9 22,7 20,4

Text %
78,1 77,3 79,6

Text %
76,1 76,2 79

Text %
78,1 80,6 81,3

9.3.4

Beitragsfokus

Die Untersuchung der Medieninhalte bestätigt Hypothese H28 zum größten Teil: Der Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn wächst tatsächlich in den untersuchten Zeiträumen in beiden Medien - allerdings nur von 1999 bis 2001. 2002 sinkt er sowohl im FAZ- als auch im SZ-Feuilleton nach beiden Definitionen (vgl. Tabelle 74, S. 145; Tabelle 102, Anhang, S. A47). Dabei ist ein interessanter Wechsel des Verhältnisses beider Medien zueinander zu beobachten: Bis 2001 überwiegt im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition flächenanteilig der Fokus auf Kultur im weiteren Sinne. In den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002 jedoch bietet das FAZ-Feuilleton einen größeren Textflächenanteil mit Fokus auf Kultur im weiteren Sinne. Auch Hypothese H29 wird vom vorliegenden Material zum größten Teil gestützt: In der Tat sinkt im FAZ-Feuilleton in den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 konstant der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte an den

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen

145

Beiträgen mit einem Fokus aus Kultur im engeren Sinne. Im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition jedoch steigt er in den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002. Diese Entwicklung im SZ-Feuilleton lässt sich als Annäherung an Darstellungsweisen des Rezensionsfeuilletons – bei der Darstellung von Kultur im engeren Sinn - interpretieren. Bei diesem Wert verkehrt sich das Verhältnis von FAZund SZ-Feuilleton wie schon beim Anteil von Rezensionen an der Textfläche: In den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002 fokussiert das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition in flächenanteilig mehr Beiträgen Kulturprodukte als das FAZ-Feuilleton. 1999 und 2000 war das Verhältnis umgekehrt. Bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im engeren Sinne greift das SZ-Feuilleton also verstärkt auf Präsentationsroutinen des so genannten Rezensionsfeuilletons zurück.
Tabelle 74: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 und im Gesamtzeitraum (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
Fokus auf Kultur ... ... im engeren ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn 12 davon: Kulturprodukt davon: Kulturproduzenten davon: Kulturbetrieb davon: Kulturpolitik ... im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn davon: Neuigkeiten vermelden davon: Debatten / Diskussion davon: Hintergründe ohne Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe mit Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe zu Produkt davon: Hintergründe zu Person davon: Hintergründe z. Institution davon: Veranstaltungshinweise davon: anders ... Beziehung zwischen Kultur im engeren & im weiteren Sinn davon: Kulturproduzent äußert davon: Kultur als Hintergrund für Verständnis oder Spiegel davon: Auswirkung von Kultur im weiteren auf K. im engeren Sinn davon: Auswirkung von Kultur im engeren auf K. im weiteren Sinn davon: anders nicht eindeutig zu bestimmen gesamt 22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 51,1 88,8 0,3 10,8 0 43,7 9,4 2,8 44,9 6,8 0,9 1,2 0 33,9 0,1 5,1 14,9 4,3 61,5 3,6 15,8 99,9 100 40,7 73,3 7,5 18,9 0,2 50,1 10,2 4,6 19,5 8,6 3,4 0,9 6,9 39,9 6 9,2 44,7 47,8 7,6 -

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 46 82,2 3,4 14,4 0 52 7 0 41,9 12,4 12,3 1,2 0 25,1 0 2 30,2 69,8 0,1 100 99,9 42,1 67,7 15,7 16,7 0 55,9 6,2 0 50,8 5,2 10,9 0,7 0 26,1 0 1,9 67,4 32,6 -

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 39,5 70,7 4,7 24,6 0 58,6 15 0,9 35,4 12,3 3,6 1 0 31,9 0 1,8 73,7 26,3 99,9 99,9 48,7 73,1 8,9 18 0 50 15,9 0 35,2 9,5 16,6 1,7 2,9 17,9 0,4 1,2 95,2 4,8 -

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 49 69,4 12,5 18,1 47,6 19,8 1,3 28,3 6,4 4,7 4,6 34,9 3,4 33,2 66,8 100 100 47 76,5 8,7 14,8 46,6 11,3 2,6 42,4 7,1 9,6 27 6,7 69,7 30,3 -

Gesamt
FAZ % n=1100 45,9 78,1 5 16,9 51,1 12,7 1,1 37,6 10 5,6 1,8 31,1 0 3 6 28,3 57,9 1,4 6,4 0 100 SZ % n=688 45 73 9,9 17 0 50,4 12,3 1,7 37,3 7,7 8,1 3,2 2,4 27 1,4 4,6 27 45,1 24,5 3,4 100

12

einschließlich Veranstaltungshinweisen

10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

146

10

Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

Die vorliegende Arbeit sollte zum einen erforschen (vgl. S. 79ff.), wie sich die Feuilletonressorts von FAZ und SZ nach Beginn der Joy-Debatte über Computerindustrie, Nano- und Gentechnologie (vgl. SCHIRRMACHER, 2001, S. 9) im FAZ-Feuilleton im Juni 2000 und der Ankündigung inhaltlicher Veränderungen in beiden Feuilletonressorts im September 2001 (vgl. S. 87f.) entwickelt haben. Die auffälligsten Veränderungen werden im Folgenden zusammengefasst. Ziel der Arbeit war es auch, die Ergebnisse in den Kontext vorliegender Erkenntnisse über das Feuilleton einzuordnen. Die Verknüpfung zwischen den in historischen Arbeiten erforschten Feuilletontraditionen (vgl. S. 17ff.) und den Ergebnissen der inhaltsanalytischen Untersuchung zieht Abschnitt 10.2. (S. 151ff.). Anhand der gewonnenen Forschungsergebnisse prüft Abschnitt 10.3. (S. 153ff.), ob und in welchem Ausmaß die erstmals Ende der 60er Jahre am Feuilleton geübte Kritik (vgl. S. 38ff.) auf die untersuchten Inhalte zutrifft und wie sich die Erkenntnisse in das Bild aus Arbeiten zu Kommunikatoren, Inhalten und Publikum der Feuilletons nach Erweiterung des Kulturbegriffs in den 60er und 70er Jahren (vgl. S. 43ff.) fügen.

10.1

Der Wandel der Feuilletons von FAZ und SZ

Grundsätzlich legen die Schwankungen des relativen und absoluten Umfangs der Feuilletonressorts in den untersuchten Zeiträumen nahe, dass sie sich sowohl in der FAZ als auch in der SZ in den Zeiträumen 2000 bis 2002 in einem Wandlungsprozess befinden. Von einem „Boom“ der Feuilletons, der im Jahr 2001 endete, sprach auf der Hallenser Konferenz über Gegenwart und Zukunft der Feuilletonressorts 2003 der SZLiteraturchefs Thomas Steinfeld (STEINFELD, 2003). In der Tat endete den Ergebnissen dieser Untersuchung nach im Jahr 2001 ein Boom – der des FAZ-Feuilletons. Das Ressort wuchs in den Untersuchungs-zeiträumen 2000 und 2001 jeweils stark im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen– sowohl beim Anteil der Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot als auch bei der Gesamtbeitragsfläche. Die absolute Beitragsfläche war im untersuchten Zeitraum 2001 fast 40 Prozent größer als 1999 (vgl. Tabelle 65, S. 136). Im untersuchten Zeitraum 2002 aber sank die Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons sogar leicht unter den 1999 festgestellten Wert. Dem starken Ausbau des FAZ-Feuilletons folgt also 2002 ein starker Abbau. Beim SZ-Feuilleton hingegen ist ein Boom ohne Abbau auszumachen, allerdings erst von 2001 an und von einem weit niedrigeren Niveau startend: In den Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 steigert die SZ sowohl den Anteil der Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot als auch die absoluten Feuilletonbeitragsflächen nach Selbstdefinition (vgl. 9.3.1., S. 135ff.). Also anders als bei der FAZ ein Ausbau ohne

10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

147

Abbau im Untersuchungszeitraum 2002. Hier entwickelt sich das SZ-Feuilleton anders als etwa das Medien- und das Wissenschaftsressort der SZ, die der parallelisierenden Feuilletondefinition folgend zum Feuilleton gezählt werden. Beide Ressorts belegen im untersuchten Zeitraum 2002 weniger Beitragsfläche als in den Untersuchungszeiträumen 2001, 2000 und 1999 (vgl. S. 135ff.). Offensichtlich misst die SZ ihrem Feuilleton mehr Bedeutung bei als diesen Ressorts, wenn man als Indikator dafür die Flächenanteile und absoluten Flächenwerte interpretiert. Doch trotz dieses Ausbaus bei der SZ während eines Abbaus bei der FAZ hat das Frankfurter Feuilleton auch im untersuchten Zeitraum 2002 den Flächenanteilen sowie der absoluten Beitragsfläche nach mehr Gewicht als das SZ-Feuilleton (vgl. S. 135). Lediglich die Differenzen sind geschrumpft, weil die SZ ihr Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2002 aus- die FAZ hingegen abbaute. Einen Wandel – konkreter: einen Boom – hat es im untersuchten Gesamtzeitraum also gegeben. Wie schlägt sich der inhaltlich nieder? Die auffälligsten Veränderungen in der Themenstruktur der untersuchten Ressorts deuten darauf hin, dass die Redaktionen sowohl zuvor beim jeweiligen Konkurrenzfeuilleton beobachtete Eigenschaften übernommen als auch eigene Alleinstellungsmerkmale ausgebaut haben. Im FAZ-Feuilleton ist in den untersuchten Zeiträumen 2000 und 2001 ein Ausbau des für Wissenschaftsthemen genutzten Textflächenanteils zu beobachten. Damit baut das Medium ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem SZ-Feuilleton erheblich aus. Der Höhepunkt ist 2001 erreicht (vgl. S. 120): 26 Prozent der Textfläche des FAZFeuilletons beschäftigen sich mit Themen aus Wissenschaft, Forschung und Technologie. Allerdings halbiert sich der Anteil 2002 (vgl. S. 137). Mit dem Boom geht eine wachsende Bedeutung der Naturwissenschaft als Unterthema einher, die auch 2002 anhält: Verglichen mit dem Untersuchungszeitraum 1999 wächst ihr Anteil an der Textfläche zu Wissenschaftsthemen (41,9%) kontinuierlich bis zum untersuchten Zeitraum 2002 (66,8%). Diese Entwicklung stimmt mit den Ankündigungen (vgl. S. 72ff.) des für das Feuilleton verantwortlichen FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher überein, „ein starkes wissenschaftliches Feuilleton“ (MILZ, 2001b, S. 25) zu schaffen. Allerdings bot das FAZ-Feuilleton bereits im Untersuchungszeitraum 1999 ein, den Flächenanteilen der Themen nach, deutlich stärkeres wissenschaftliches Feuilleton als die SZ – selbst wenn man die SZ-Wissenschaftsseiten mit auswertet (vgl. S. 102). Dennoch ist der von den Kommunikatoren angekündigte Wandel durchaus im Material zu erkennen: Im Untersuchungszeitraum 2000 platzierten die verantwortlichen Redakteure Wissenschaftsthemen im FAZ-Feuilleton überdurchschnittlich stark an prominenten Orten: nämlich auf Feuilletonaufmacherplätzen sowie ersten und dritten Feuilletonseiten (vgl. S. 104f.). Dies war 1999 nicht so. Diese Entwicklung im Material legt nahe, dass sich das Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie im FAZFeuilleton etabliert hat. Es wird nicht mehr so stark wie 1999 auf hinteren Feuilletonseiten und dort vermutlich in der entsprechenden wöchentlichen Feuilletonbeilage platziert (vgl. S. 121). Die Entwicklung im Untersuchungszeitraum

10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

148

2001 lässt sich als weitergehende Etablierung der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton und zugleich als Normalisierung interpretieren: Während im untersuchten Zeitraum 2001 dieses Themengebiet vor allem große Anteile der sehr prominenten Titelseite und insbesondere des Feuilletonaufmacherplatzes einnahm, wird Wissenschaft, Forschung, Technologie 2001 auf allen der vorderen vier FAZFeuilletonseiten behandelt (vgl. S. 121). Auch im Untersuchungszeitraum 2002 sind Wissenschaftsthemen trotz der Halbierung ihres Textflächenanteils gegenüber 2001 noch immer überdurchschnittlich stark auf Feuilletontitelseiten (14,8% der Fläche) und den zweiten Seiten (23,6%) vertreten. Die Etablierung hat also auch nach dem Boom Bestand. Die Erweiterung des Flächenanteils nicht. Als zweite Veränderung innerhalb des untersuchten Materials sticht im FAZ-Feuilleton ein starkes Wachstum des Flächenanteils der Kinoberichterstattung – von 3,3 Prozent 2001 auf 7,2 Prozent 2002 – am FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2002 hervor (vgl. S. 138). Hier nähert sich der Stellenwert der Filmberichterstattung im FAZFeuilleton deutlich dem im SZ-Feuilleton an (vgl. S. 139). Vergleicht man FAZ- und SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition, ist Kino im Frankfurter Medium nach dem starken Ausbau im Untersuchungszeitraum 2002 ebenso stark vertreten wie im SZFeuilleton (vgl. S. 138). Diese Entwicklung könnte als eine Umsetzung der von FAZHerausgeber Frank Schirrmacher angedeuteten Popularisierung (vgl. S. 74ff.) interpretiert werden. In der Tat nimmt im FAZ-Feuilleton der Flächenanteil von Themen aus der populären Kultur im engeren Sinn 2002 gegenüber dem untersuchten Zeitraum 2001 zu. Allerdings steigt er nur knapp auf das Niveau von 1999 (vgl. S. 138). Eine Erweiterung des FAZ-Feuilletons gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne, wie sie Frank Schirrmachers Aussagen nahe legen, ist in den untersuchten Zeiträumen nicht auszumachen. Allerdings ist die starke Erweiterung der Kinoberichterstattung ein Hinweis auf Veränderungen bei der Rangfolge der Kultursparten im engeren Sinne innerhalb des FAZ-Feuilletons. Insgesamt kann aber aus dem untersuchten Material für keine dauerhafte Erweiterung des Kulturbegriffs des FAZ-Feuilletons gegenüber Populärkultur im engeren Sinne geschlossen werden. Sehr wohl öffnet sich das FAZFeuilleton gegenüber Hochkultur im weiteren Sinne (vgl. S. 145). Insbesondere Wissenschaftsthemen etablieren sich als Kulturthemen im weiteren Sinne auf prominenteren Feuilletonplätzen. Im SZ-Feuilleton fällt 2001 gegenüber den vorangehenden Untersuchungszeiträumen eine starke Zunahme der Beitragsfläche wissenschaftlicher – und darin insbesondere geisteswissenschaftlicher – Themen im Feuilletonressort nach Selbstdefinition auf. In den Untersuchungszeiträumen zuvor behandelte das SZ-Feuilleton dieses Themengebiet kaum (vgl. S. 103, S. 120, S. 137). Die absolute Fläche von Beiträgen zu geisteswissenschaftlichen Themen verfünffacht sich 2001 gegenüber 1999 und ist auch 2002 knapp dreimal so hoch. In diesem Punkt nähert sich das SZ-Feuilleton dem 1999 beobachteten FAZ-Profil an: Das Frankfurter Feuilleton bot seinen Lesern 1999 dem Flächenanteil nach mehr Beiträge zu Wissenschaftsthemen (17%) als zu irgendeiner Kultursparte im engeren Sinne (vgl. S. 102), sieht man vom Rundfunkprogramm ab. An diesem

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Angebot hatten Geistes- einen größeren Anteil als Natur- und Sozialwissenschaften. Während die FAZ dieses Merkmal nach dem Untersuchungszeitraum 1999 zunehmend verliert, gleicht sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung zu Geisteswissenschaften dem Profil des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 an. Auch bei dem Stellenwert der Kultursparte Literatur, festgemacht am Flächenanteil, nähert sich das SZ-Feuilleton dem Profil der FAZ an. Dort führt im Untersuchungszeitraum 1999 Literatur mit einem klaren Abstand (12%) vor den Textflächenanteilen anderen klassischer Kultursparten wie darstellender (9,7) oder bildender Kunst (7,8) (vgl. S. 139). In der SZ hingegen nahm Literaturberichterstattung in diesen Zeiträumen etwa denselben Flächenanteil ein, wie Berichte zur darstellenden Kunst und war nach parallelisierender Definition weit schwächer am Gesamtangebot beteiligt (8,8% Textflächenanteil) als in der FAZ. Das SZ-Feuilleton baut jedoch in den Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 den Literaturanteil so stark aus, dass dieses Themenfeld 2002 einen mit Abstand größeren Flächenanteil am SZ-Feuilleton als alle übrigen Kultursparten im engeren Sinne bedeckt. Vergleicht man FAZ- und SZFeuilleton nach parallelisierender Definition, ist Literatur im Münchner Medium nach dem starken Ausbau im Untersuchungszeitraum 2002 ebenso stark vertreten wie im FAZ-Feuilleton (vgl. S. 139). So gesehen nähert sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne dem früheren Profil der FAZ an, indem es Literatur massiv in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung zu Kultursparten im engeren Sinn stellt. Bei der Darstellung wandeln sich beide Feuilletons im Vergleich miteinander und Zeitverlauf in entgegen gesetzte Richtungen: In den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000 bot das FAZ-Feuilleton einen größeren Anteil von Rezensionen an der Textfläche als das Feuilleton der SZ nach parallelisierender Definition. In den Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 jedoch nehmen im SZ-Feuilleton Rezensionen als Darstellungsformen einen größeren Flächenanteil ein. Demnach geht der 2001 angekündigte Ausbau der Literaturberichterstattung im SZ-Feuilleton einher mit einer Steigerung für das Rezensionsfeuilleton typischer Darstellungsformen (vgl. S. 142). Den Eindruck, dass sich das SZ-Feuilleton von 2001 an im Vergleich zur FAZ stärker auf eine produktorientierte Berichterstattung über Kultur im engeren Sinn, stützt auch die Analyse der Beitragsfokusse. In den untersuchten Zeiträumen 1999, 2000 und 2001 belegen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne einen größeren Anteil der Textfläche als Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne. Der Abstand sinkt jedoch kontinuierlich (vgl. S. 145). Hingegen steigt, insbesondere im untersuchten Zeitraum 2001, der Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im engen Sinne stark. 2002 hat sich das Verhältnis beide Kulturbereiche umgekehrt: Im SZ-Feuilleton stehen anteilig mehr Beiträge mit Fokus auf Kultur im engeren Sinne als mit Fokus auf Kultur im

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weiteren Sinne. Und mehr Beiträge davon als in einem Untersuchungszeitraum zuvor konzentrieren sich auf Kulturprodukte. Diese Entwicklung muss vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass das SZ-Feuilleton anders als das der FAZ im Untersuchungszeitraum 2002 nicht massiv an Umfang verliert (vgl. S. 135) – sondern das Feuilleton nach Selbstdefinition sogar ausbaut. Der verstärkte Fokus auf Kultur, insbesondere Kulturprodukte, im engeren Sinne lässt sich also nicht als Besinnung auf eine vermeintliche Kernaufgabe des Ressorts infolge eines Spardrucks interpretieren. Im Gegenteil: Die Entwicklung spricht für eine bewusste Neuausrichtung des Ressorts aus publizistischen eher als aus ökonomischen Gründen. Diese Interpretation stützen die Aussagen des SZ-Chefredakteurs Hans Werner Kilz, der als Ziele des 2001 angekündigten Feuilletonausbaus die Stärkung der Berichterstattung zu „Literatur und Geisteswissenschaft“ nannte (vgl. S. 72). Im FAZ-Feuilleton steigt der Flächenanteil von Rezensionen und Beiträgen mit Fokus auf Kultur im engeren Sinne im Untersuchungszeitraum 2002 verglichen mit 2001 parallel zu einem massiven Abbau an Feuilletongesamtfläche (vgl. S. 136). Diese Entwicklung muss im Zusammenhang mit dem 2001 endenden „Boom“ (vgl. STEINFELD, 2003) des FAZ-Feuilletons gesehen werden. Hier scheint eine Entwicklung einzutreten, die Peter Glotz infolge der Zeitungskrise befürchtete. Nämlich, „dass die radikale Ausweitung der Feuilletons in den überregionalen Zeitungen, die mit dem Historikerstreit begonnen hat, schlicht zurückgenommen wird.“ Kurz: „Die Rückentwicklung des Feuilletons zur dürren Spartenkritik ...“ (GLOTZ, 2003). Doch ganz so weit ist die Entwicklung des FAZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2002 keineswegs vorangeschritten. Im Gegenteil: Anders als das SZ-Feuilleton bietet das der FAZ auch im Untersuchungszeitraum 2002 dem Flächenanteil nach weniger Rezensionen und Beiträge mit Fokus auf Kultur und Kulturprodukte im engeren Sinne als im Untersuchungszeitraum 1999 – stattdessen mehr Textfläche mit Fokus auf Kultur im weiteren Sinne und dabei insbesondere auf Hintergründe zu Ereignissen (vgl. S. 145). Der von Glotz befürchtete gewaltige „Verlust an zeitdiagnostischem Raisonnement“ (GLOTZ, 2003) in Feuilletons infolge der Zeitungskrise ist bei der FAZ im untersuchten Zeitraum 2002 also nicht zu beobachten. Ebenso wenig im SZ-Feuilleton: Der Textflächenanteil des Themengebiet Zeitgeschehen am SZ-Feuilleton ist im untersuchten Zeitraum 2002 sogar höher als 1999 – und auch bei einem Vergleich des nach parallelisierender Feuilletondefinition ausgewählten Materials höher als im FAZFeuilleton (vgl. S. 138). Wie schon in vorigen Untersuchungszeiträumen (vgl. S. 106) nehmen auch 2002 vor allem die Unterthemen Politik (40,1%), Gesellschaft (30,1%) und Geschichte (23,4%) die Textfläche zum Obergebiet Zeitgeschehen ein. Das SZFeuilleton konzentriert sich also zwar bei der Berichterstattung zu Kultur im engeren Sinne verstärkt auf Literatur als Thema und Kulturprodukte als fokussiertes Objekt. Doch dabei gibt das SZ-Feuilleton nicht das Mitte der neunziger Jahre von Johannes Willms etablierte Konzept eines politischen Feuilletons (vgl. S. 74ff.) auf.

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10.2

Parallelen zu historischen Feuilletonprofilen

Den größten Anteil der Textfläche sowohl des FAZ- als auch des SZ-Feuilletons nehmen als Themenfelder in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2002 nicht Kultursparten im engeren Sinne ein, sondern von Kunst weit entfernte Themengebiete: Zeitgeschehen (vor allem die Unterthemen Politik, Gesellschaft, Zeitgeschehen) im SZFeuilleton (mit 22,2% der Textfläche nach Selbstdefinition, vgl. S. 137) und Wissenschaft, Forschung, Technologie im Feuilleton der FAZ (19,3%), wenn man die vom Rundfunkprogramm eingenommene Textfläche nicht beachtet. Diese deutlichen Ergebnisse überraschen beim ersten Vergleich mit den Befunden der Forschung zu Inhalten der Kulturberichterstattung jüngeren Datums (vgl. S. 47ff.). Hatten doch insbesondere die Forscher Müller-Sachse und Stegert (vgl. S. 47ff.) in ihren inhaltsanalytischen Studien von Feuilletonressorts Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre festgestellt, dass den Flächenanteilen nach vor allem Kultursparten im engen Sinne wie Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater die Kulturbericht-erstattung dominierten. Zwar sind diese Ergebnisse auch auf die Designs der Studien zurückzuführen, da sowohl Müller-Sachse als auch Stegert Beiträge zu vielen Kulturbereichen im weiteren Sinne von der Untersuchung ausschlossen und so durch ihren Kulturbegriff, den in den Feuilletons festgestellten Kulturbegriff zum Teil determinierten (vgl. S. 47). Allerdings kommt auch Michael Bitala, dessen Diplomarbeit sich allein an Ressort- nicht an Kulturbegriffsgrenzen orientiert (vgl. S. 51), für die Feuilletons von FAZ und SZ im Zeitraum 1991/1992 zum Ergebnis, dass klassische Kultursparten sie thematisch dominieren. Allein im FAZ- Feuilleton macht Bitala einen ungewöhnlich hohen Anteil (10,4%) politischer Themen aus, der aber von bildender Kunst und Literatur weit übertroffen wird. Dieses Ergebnis legt nahe, dass die von Stegert und Müller-Sachse beobachtete thematische Dominanz von Kultursparten im engeren Sinne nicht nur auf ihre Untersuchungsinstrumente, sondern auch auf die Themenanteile am Gesamtangebot der von ihnen – anders als von Bitala – nicht komplett untersuchten Feuilletonressorts zurückzuführen ist. Somit erinnert der große Anteil der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ weniger an die von der Forschung herausgearbeiteten Ressortprofile der 1980er und 1990er Jahre als vielmehr an die in historischen Arbeiten dargestellten Profile deutscher Feuilletonressorts des ausgehenden neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Die vom FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum ausgebaute Darstellung naturwissenschaftlicher Themen ist vielleicht nicht in den Feuilletons der 1980er, wohl aber in denen der 1880er Jahren zu beobachten, als die Frankfurter Zeitung in ihrem Feuilleton auch über „‚Spaltpilzforschung und Seuchenbekämpfung’‚ oder ‚Traum und Hypnose’ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.) berichtete (vgl. S. 22). Naturwissenschaftliche Themen waren auch Teil des von Ebel untersuchten Feuilletons der „Kölnischen Volkszeitung“, das in den 1910er Jahren unter anderem über: „drahtlose Telegraphie, Halbton-Verfahren, Kinematographie, Radium- und

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Mesothoriumforschung“ (EBEL, 1953, S. 76) schrieb (vgl. S. 25). Am Feuilleton der Münchener Neusten Nachrichten hatten der inhaltsanalytischen Untersuchung zufolge wissenschaftliche Themen einen Anteil von gut acht Prozent im Mai 1918 und 1920 (vgl. S. 26). Das Ressort ließ zum Beispiel einen Münchner Physikprofessor eine Aufsatzreihe über „Die moderne Optik“ (DÖBL, 1950, S. 121) schreiben, die Frankfurter Zeitung brachte von 1928 an in einer festen Rubrik „Naturwissenschaftliche Berichte“ (TODOROW, 1996b, S. 127). Die damalige Begründung (vgl. S. 35) der FZ-Redaktion für diese Ausweitung, das Feuilleton „den wissenschaftlichen Teil (...) den gewaltigen Leistungen unserer Zeit in wissenschaftlichen und technischen Eroberungen entsprechend, weiter auszubauen“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1093f.) erinnert stark an die Aussagen Frank Schirrmachers von einer beginnenden „dritten industriellen Revolution“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9), über die das FAZFeuilleton zu berichten habe (vgl. S. 74). Das FAZ-Feuilleton kehrt tatsächlich zur Zukunft als ein Themengebiet zurück – zumindest zu der Zukunft angewandter Naturwissenschaften, wie sie die Feuilletons der Frankfurter Zeitung, der Münchner Neuesten Nachrichten und der Kölnischen Volkszeitung ihren Lesern im ersten Fünftel des zwanzigsten Jahrhunderts präsentierten. Auch das im SZ-Feuilleton in den untersuchten Zeiträumen intensiv gepflegte (vgl. S. 139f.) Themengebiet Zeitgeschehen war Teil deutscher Feuilletonressorts des ausgehenden 19ten, frühen 20sten Jahrhunderts. Insbesondere die Feuilletonredaktion der Frankfurter Zeitung stellte in Selbstdarstellungen der 1920er Jahre ihre thematische Breite und darin insbesondere gesellschaftliche und politische Themen in den Vordergrund (vgl. S. 28f.). So erschienen im FZ-Feuilleton 1928 und 1929 Reportagen Joseph Roths aus Polen, die dem Autor zufolge „ein im weitesten Sinne politischer Zwang (...) diktiert hat, – auch wenn sie ‚unter dem Strich’ erscheinen“ (TODOROW, 1996b, S. 102). Die historische Feuilletonforschung hat bislang den Anteil solcher Themen nicht quantifiziert. Doch legen einzelne Arbeiten nahe, dass Zeitgeschehen ein bedeutenderer Teil historischer Feuilletonprofilen war als im deutschen Feuilletonangebot der Nachkriegszeit (vgl. S. 31ff.; S. 47ff.). Hinweise darauf gibt die Studie Ebels über das politische Essays enthaltende Feuilleton der „Kölnischen Volkszeitung“ während des ersten Weltkriegs (vgl. S. 24f.), gibt Todorows Untersuchung der Frankfurter Zeitung der 1920er Jahre (vgl. S. 25ff.), gibt die Selbstdarstellung der Frankfurter Zeitung, die als „Eigentümlichkeit“ ihres Feuilletons von 1866 bis 1879 „sehr viele mehr oder weniger politische Artikel“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.) anführt. Diese Parallele zwischen den Kulturbereichen im weiteren Sinn, die in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ anteilsmäßig die größte Erweiterung des Kulturbegriffs über klassische Hochkultursparten im engeren Sinne hinaus darstellen und den besonderen Profilen historischen Feuilletonressorts hebt eine Tatsache hervor: Die Erweiterung des Kulturbegriffs (vgl. S. 37f.) um populäre Kultur im engeren Sinne in

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den 1960er und 70er Jahren, die ein Hauptgrund für die von Glotz und Langenbucher artikulierte Feuilletonkritik (vgl. S. 38ff.) war, steht nicht im Kern der Wandlung der Feuilletonressorts in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002. Wie sich die untersuchten Feuilletons insgesamt zur Kritik von Glotz und Langenbucher verhalten, wird im Folgenden zusammengefasst.

10.3

Vergleich mit Kritik am Feuilleton infolge des erweiterten Kulturbegriffs

Die Kritik (vgl. S. 39) Glotz’ und Langenbuchers an einem zu engen, auf den „Bereich des Musisch-Ästhetischen“ (GLOTZ, 1968, S. 46) beschränkten Kulturbegriff der Feuilletonressorts trifft die untersuchten Inhalte kaum. Das FAZ-Feuilleton hat den Flächenanteil von Wissenschaftsthemen zwar von 26 Prozent im untersuchten Zeitraum 2001 auf nur 13 Prozent 2002 halbiert – doch auch dieser Wert ist weit mehr als vorangehende Untersuchungen ergaben (vgl. S. 47ff.). Fast ein Fünftel (19,3%) der zwischen 1999 und 2002 untersuchten Textfläche des FAZ-Feuilletons widmet die Redaktion dem Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung und Technologie, immerhin 11,7 Prozent dem Zeitgeschehen (vgl. Tabelle 69, S. 139f.). Zumindest die von Glaser formulierte Kritik am begrenzten Angebot der Feuilletonressorts, dass „Naturwissenschaft und ähnliches weiterhin ein weißer Fleck“ (GLASER, 1974, S. 35) sei, ist in Bezug auf die untersuchten Inhalte hinfällig. Ähnliches gilt für das SZFeuilleton. Das Blatt setzt nur andere Prioritäten bei der Berichterstattung über Kultur im weiteren Sinne als der Frankfurter Wettbewerber: 22,2 Prozent der Feuilletonfläche nach Selbstdefinition räumen die Münchner Feuilletonisten in den untersuchten Zeiträumen dem Themenobergebiet Zeitgeschehen ein (vgl. Tabelle 66, S. 137). Hier setzt sich offensichtlich eine Entwicklung fort, die Michael Bitala zu Beginn der 1990er im FAZ-Feuilleton feststellte. Er beobachtete ein auffällig starkes Angebot an Beiträgen zu Kultur im weiteren Sinne im FAZ-Feuilleton: Gut ein Zehntel (gewichtet nach Umfang) der Beiträge im FAZ-Feuilleton befasste sich mit politischen Themen (vgl. S. S. 51). Das SZ-Feuilleton hat sein hier in den untersuchten Zeiträumen starkes Profil offenbar erst nach Bitalas Untersuchung, Mitte der neunziger Jahre unter dem Feuilletonleiter Johannes Willms (vgl. S. 74) ausgebaut. Doch die Feuilletonkritik der sechziger und siebziger Jahre entzündete sich insbesondere an der Vernachlässigung populärer Kultursparten im engeren Sinne (vgl. S. 39). Neben einer Erweiterung des Kulturbegriffs über die Kunst hinaus verlangen die Kritiker der Feuilletonressorts eine Öffnung des Kunstbegriffs gegenüber populärer Kultur im engen Sinn. Feuilletonredaktionen sollten nicht mehr „Theater, Bücher, Kunst, Musik, schöngeistige und geisteswissenschaftliche Fragen“ (GLASER, 1975, S. 6593) bevorzugen. Doch bei Kultursparten im engeren Sinne tun die untersuchten Feuilletonressorts genau das: Sowohl das FAZ- als auch das SZ-Feuilleton räumen von allen Kultursparten im

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engeren Sinne der Literatur den größten Anteil an ihrer Gesamttextfläche in den untersuchten Zeiträumen ein. Die Prioritätenfolge deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen Müller-Sachses zu den Prioritäten von Tageszeitungsfeuilletons 1987 (vgl. Müller-Sachse schlüsselt in seiner Studie die Kulturberichterstattung der untersuchten regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen nach Sparten und Themen auf. Dabei verzeichnen die Sparten Literatur, Musik und Theater die größten Anteile – jeweils 18 Prozent – an allen Artikeln bei allen untersuchten Medien. Den Flächenanteilen nach dominieren die Programmseiten. Die nächst größten Textflächenanteile beanspruchen die Sparten Theater, Musik und Kunst für sich. Beim Angebot der Süddeutschen und Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind an den Artikelhäufigkeiten ähnliche Präferenzen abzulesen, allerdings liegt bei der SZ der Schwerpunkt der Kulturberichterstattung im Untersuchungszeitraum auf Theater (22 Prozent der Beiträge) und Musik (17 Prozent der Beiträge). Die FAZ hingegen legt einen Schwerpunkt auf Literatur. Trotz dieser ausgeprägten Blattprofile fällt auf, dass Kino in beiden Medien eine vergleichsweise wenig präsente Sparte ist. Allerdings bringt die SZ anteilsmäßig doppelt so viele Beiträge zum Kino wie die FAZ – und liegt damit auch über dem Durchschnitt aller ausgewerteten Tageszeitungen. Tabelle 11, S. 48). Auch Stegert beobachtete 1993 eine Dominanz der Literatur unter den Kultursparten im engeren Sinne (vgl. Tabelle 12, S. 50). Diese Dominanz ist auch im untersuchten Feuilletonmaterial der Zeiträume 1999 bis 2002 gegeben: In den Feuilletons der FAZ und SZ nehmen Beiträge zu Literaturthemen den größten Teil der Textflächen zu Kultur im engeren Sinne ein (27% in das FAZ; 27,4% in der SZ). In den Ranglisten folgen darstellende Kunst (20%/21,7%), bildende Kunst (17,4%/18,9%) und an letzter Stelle das Kino (7,9%/8,9%). Diese Prioritäten stehen in der Kontinuität der in den 80er und 90er Jahren beobachteten Spartenprofile der Kulturberichterstattung (vgl. S. 47ff.). Sie entsprechen aber nicht den in Rezipientenuntersuchungen ermittelten Kulturinteressen (vgl. S. 58ff.). Die ausgewerteten bisherigen Untersuchungen ergaben, dass „... die entscheidende Dimension der Struktur kulturellen Interesses (...) nicht der Objektbezug, sondern die Intensität dieses Interesses“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 366) ist. Sprich: Die Gruppe der „Literaturkenner und Bildungsleser“ zum Beispiel liest nicht nur viel, sondern geht auch häufig ins Kino (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Die sehr ungleiche Gewichtung der Sparten Literatur und Film in den Feuilletons von FAZ und SZ steht nicht im Einklang mit diesen Ergebnissen. Sie widerspricht den Ergebnissen einer aktuellen Untersuchung der Forscherin Susanne Keuchel vom Bonner Zentrum für Kulturforschung (vgl. S. 62ff.), die in der Rheinregion die Beliebtheit einzelner Kultursparten bei 4500 zufällig ausgewählten Bürgern über 14 Jahren abfragte. Film und Rock- oder Popkonzerte gab der größte, beziehungsweise zweigrößte Anteil der Befragten mit hoher und mittlerer Schulbildung als beliebtes Kulturangebot an (vgl. Tabelle 21, S. 63). Diese Sparten sind in den untersuchten Feuilletonangeboten von FAZ und SZ anteilsmäßig weit weniger vertreten sind als andere.

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Eine Erweiterung des Kunstbegriffs der von ihm untersuchten Feuilletons stellte Anfang der neunziger Jahre Gernot Stegert fest (vgl. S. 52). Seine Interpretation, „alte Schranken des Feuilletons“ seien „zumindest dem Umfang nach durchbrochen“ (STEGERT, 1998, S. 131) gründete er auf einer Untersuchung der Anteile bestimmter Untersparten am Feuilletonangebot zu einzelnen Kultursparten. Neben Klassik fand er in den von ihm untersuchten Feuilletons auch Pop und Rock und stellte auf dieser Basis fest, dass „populäre Musik insgesamt auffallend stark vertreten“ ist. Das trifft auch für die untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ zu: In beiden macht klassische Musik zwar den größten Teil der Musikberichterstattung aus (37,3% FAZ; 36,5% SZ), doch Rock, Pop und Jazz als Subsparten zusammengenommen erreichen in etwa denselben Anteil (vgl. Tabelle 103, S. A47). Stegerts Feststellung, dass Kabarett erweise sich in dem von ihm 1993 untersuchten Material „als etabliert“ (STEGERT, 1998, S. 252f.) kann hingegen nicht bestätigt werden. Darstellende Kunst ist sowohl in FAZ als auch in der SZ vor allem Sprechtheater und Oper. Dem Musical schenkt allein das SZ-Feuilleton 1,7 Prozent seiner Textfläche zur darstellenden Kunst in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002 (vgl. Tabelle 104, S. A47).), Kabarett ist die FAZ (1,6%) ebenso ein Randthema wie für die SZ (3%). Insgesamt ist Populärkultur im engeren Sinne der am wenigsten präsente Kulturbereich in den untersuchten Feuilletons. Themen und Sparten aus diesem Gebiet nehmen 13,2 Prozent der Textfläche des FAZ-Feuilletons ein, und 18,3 Prozent des SZFeuilletons nach Selbst- und 14,9 Prozent nach parallelisierender Definition (vgl. Tabelle 68, S. 138; Tabelle 91, S. A43). Hochkultur im engeren Sinne nimmt in beiden Medien weit größere Flächenanteile ein. Zudem steigt der Anteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne am im letzten Untersuchungszeitraum 2002 in beiden Feuilletons sehr deutlich gegenüber dem jeweiligen Vorjahreswert an. Bei Populärkultur im engeren Sinne ist hingegen keine derartige Tendenz zu beobachten. Ihr Anteil schwankt auf niedrigem Niveau weniger als der anderer Kulturbereiche. Die Veränderungen in den Feuilletons von FAZ und SZ in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 haben also offenbar auf anderen Gebieten stattgefunden – was die Analyse der Themenfelder ja bereits (vgl. S. 146ff.) zeigte: Wissenschaft, Zeitgeschehen und Literatur. Besonders stark war sie 2001 ausgeprägt. Von einem Boom der Populärkultur im engeren Sinne in den Feuilletonangeboten, wie er etwa auf der Hallenser Feuilletonkonferenz angedeutet wurde (vgl. S. 71), kann in den untersuchten Feuilletons also nicht die Rede sein. Die Aussage des SZChefredakteurs Kilz: „Feuilleton darf nicht nur aus Hollywood und Pop bestehen. Unsere Leser gehen schließlich auch in die Oper, ins Konzert, lesen Bücher“ (MILZ, 2001a, S. 25), aus der er den Reformbedarf für das Feuilletonressort ableitet (vgl. S. 76), deckt sich also nicht mit den Inhalten dieses Ressorts in den untersuchten Zeiträumen. Die von Glotz, Langenbucher und späteren Feuilletonkritiker geforderte Vielfalt der Darstellungsformen (vgl. S. 40) anstelle der Feuilletons als „Rezensionsfriedhöfen“

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(GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104) ist in den untersuchten Feuilletons in Teilen umgesetzt. Rezensionen nehmen zwar als Darstellungsform im Feuilletonangebot sowohl der FAZ als auch der SZ aller untersuchten Zeiträume den größten Anteil – ein gutes Viertel bei parallelisierender Feuilletondefinition (vgl. Tabelle 71, S. 142) - der Textfläche ein. Doch neben den mit jeweils etwa einem Fünftel der Textfläche sehr starken Veranstaltungskalendern und Rundfunkprogrammen nutzten die Feuilletonredaktionen auch hintergründige journalistische Darstellungsformen wie Hintergrundberichte, Kommentare und Essays in durchaus beachtlichem Anteil (zusammen jeweils gut ein Viertel der Textfläche, vgl. Tabelle 71, S. 142) am Gesamtangebot. Hinter diesen auf den ersten Blick durchaus nicht als Rezensionsfriedhöfe zu bezeichnenden Darstellungsprofilen verbergen sich jedoch sowohl im FAZ- als auch im SZ-Feuilleton je zwei ganz unterschiedliche Präsentationsprofile. In beiden Medien sind bestimmte Darstellungsformen an bestimmte Kulturbereiche gebunden: In allen Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich der weitaus größte Teil der veröffentlichten Essays, Kommentare, Reportage/Features, Hintergrundberichte und Gastbeiträge mit Themen aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 72, S. 143). Analysiert man den Anteil einzelner Darstellungsformen an der Textfläche zu Kultur im engeren und weiteren Sinne, zeigt sich dasselbe Bild: Essays machen in beiden Feuilletons etwa 1 Prozent der Textfläche zu Themengebieten aus der Kultur im engeren Sinne, jedoch 8,6 (FAZ), beziehungsweise 5,9 Prozent (SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition) der Textfläche zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinne aus (vgl. Tabelle 105, S. A48). Rezensionen nehmen in beiden Feuilletonressorts in den untersuchten Zeiträumen 51,9 Prozent der Textfläche zur Kultur im engeren Sinne ein. Insofern ist trifft die Kritik Glotz’, Langenbuchers und anderer an der Darstellungsmonotonie der Feuilletons auch Teile der untersuchten Feuilletons. Denn die Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne hat im untersuchten Angebot durchaus Züge des Rezensionsfeuilletons. In beiden Feuilletons nimmt der Anteil von Rezensionen an der gesamten Textfläche im Untersuchungszeitraum 2002 zu. Allerdings verkehren sich die Verhältnisse zwischen beiden Medien: Wies 1999 und 2000 das FAZ-Feuilleton den größeren Rezensionsanteil auf, wird es 2002 vom SZFeuilleton nach parallelisierender Definition übertroffen (vgl. Tabelle 71, S. 142). Die 2001 angekündigte Veränderungen des SZ-Feuilletons mit einem Ausbau eines für das Rezensionsfeuilleton typischen Präsentationsprofils einher. Die Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – ablesbar am vergleichsweise hohen Anteil des Themengebiets an der Textfläche der Essays, Kommentare und Gastbeiträge (vgl. Tabelle 72, S. 143) erinnert ähnlich wie die thematischen Schwerpunkte Wissenschaft und Zeitgeschehen (vgl. S. 151) an historische Feuilletonprofile. Insbesondere das Schlagwort Hallers vom „Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15) mit „Sinndeutung und intellektuellem Diskurs“ (TODOROW, 1988, S. 698) erinnert an das im untersuchten Angebot der FAZund SZ-Feuilletons beobachtete Darstellungsprofil von Kultur im weiteren Sinne.

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Besonders deutlich macht das neben der ungleichen Verteilung bestimmter Darstellungsformen wie Essays und Gastbeiträgen auf die Kulturbereiche eine Analyse der Beitragsfokusse. Den größten Anteil an der Textfläche von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiteren Sinne haben Texte mit einem Fokus auf Hintergründe von Ereignissen oder Trends: 37,6 Prozent im FAZ-, 37,3 Prozent im SZ-Feuilleton nach parallelisierter Definition (vgl. Tabelle 74, S. 145). Ein knappes weiteres Zehntel der Textfläche verknüpft ein solches Erkenntnisinteresse mit einer im Beitrag ausgewiesenen Expertenautorität des Verfassers. Dieses Detail erinnert an das Feuilleton der Frankfurter Zeitung, das Todorow (1988, S. 698) zufolge in den zwanziger Jahren bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinn prominente Autoritäten als Autoren nutzte. Das FZ-Feuilleton profilierte sich auch um die Jahrhundertwende damit, Beiträge von „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030) auf ihren Gebieten zu akquirieren (vgl. S. 23f.). Während die untersuchten Feuilletons bei Kultur im weiteren Sinne mehr Hintergründe von Ereignissen als Neuigkeiten, Produkte oder Personen fokussieren, steigt im SZFeuilleton (vgl. Tabelle 74, S. 145; Tabelle 102, S. A47) in den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002 der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte an den Beiträgen mit einem Fokus aus Kultur im engeren Sinne. Diese Entwicklung des SZ-Feuilletons lässt sich zusammengenommen mit dem Anstieg von Rezensionen als Annäherung an Darstellung und Erkenntnisinteresse des Rezensionsfeuilletons – bei der Darstellung von Kultur im engeren Sinn - interpretieren. Hier dreht sich das Verhältnis von FAZ- und SZ-Feuilleton wie auch beim Rezensionsanteil um: In den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002 fokussiert das SZ-Feuilleton in flächenanteilig mehr Beiträgen Kulturprodukte als das FAZ-Feuilleton. 1999 und 2000 ist es umgekehrt. Bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im engeren Sinne greift das SZ-Feuilleton also verstärkt auf Präsentationsroutinen des so genannten Rezensionsfeuilletons zurück. Insgesamt präsentieren die Feuilletons von FAZ und SZ Kultur im engeren Sinne anders als Kultur im weiteren Sinne. Die Forderungen der Feuilletonkritiker nach anderer Darstellung und anderem Fokus (vgl. S. 40f.) erfüllen beide Ressorts vor allem bei ihren Angeboten zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinn. Die Zweiteilung wird thematisch kaum überwunden: Der Anteil von Beiträgen, die ihren Fokus auf eine Verknüpfung von Kultur im engen mit Kultur im weiten Sinne richten, ist in beiden Ressorts gering (vgl. S. Tabelle 74, S. 145). Er ist weit geringer, als es die Äußerungen von Feuilletonkommunikatoren (vgl. S. 66ff.) über die große Bedeutung von Themen, anhand derer „die ästhetische Kultur und ein Bild der Gegenwart definiert und debattiert werden können“ (MAAK, 1999, S. 365) es vermuten ließen.

10.4

Fazit, Diskussion, Ausblick

In den untersuchten Feuilletons sind Kultur im engen und Kultur im weiten Sinne, Rezension und Räsonnement klar getrennt: Kultur im engeren Sinne wird meist rezensiert, über Kultur im weiteren Sinne wird räsoniert. Eine Erweiterung des

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Kulturbegriffs ist im Vergleich zu früheren Untersuchungen in den ausgewerteten Ressortangeboten durchaus zu beobachten. Allerdings haben sie ihren Kulturbegriff vor allem gegenüber bestimmten Themengebieten aus der Hochkultur im weiteren Sinne geöffnet – gegenüber einigen Wissenschaftsdisziplinen und dem Themengebiet Zeitgeschehen. Populäre Kultur im engeren Sinne ist zwar sowohl im FAZFeuilleton als auch in dem der SZ etabliert – allerdings auf verglichen mit anderen Kulturbereichen niedrigem Niveau. Beim Aus- und Umbau der Ressorts in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 spielte populäre Kultur kaum eine Rolle. Die erstmals von Glotz und Langenbucher formulierte und seitdem von vielen Forschern erneuerte Kritik am Feuilletonangebot trifft also auch Teile der untersuchten Feuilletons: Die Darstellung von Kultur im engeren Sinne ist zum großen Teil auf Hochkultur und auf Kulturprodukte fixiert. Die untersuchten Feuilletons beachten deutlich weniger populäre Kultur im engeren Sinne als Thema und den Kulturbetrieb oder Kulturproduzenten als Untersuchungsobjekte. Insbesondere hier trifft alte Kritik neue Angebote wie das SZ-Feuilleton nach Einrichtung einer neuen Literaturseite. Die gewählte Methode und das entwickelte Instrument waren zu Beantwortung der Forschungsfragen geeignet. Die untersuchten Inhalte der Feuilletons von FAZ und SZ konnten mit den Aussagen von Kommunikatoren über inhaltliche Veränderungen, untereinander, im Zeitverlauf miteinander (vgl. S. 101ff.), ansatzweise auch mit früheren Feuilletonprofilen (vgl. S. 151ff.) und kommunikationswissenschaftlicher Kritik (vgl. S. 153ff.) am Feuilletonangebot verglichen werden. Auf Basis der Auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen Annäherungen an Kulturbegriffe (vgl. S. 8ff.) und der – oft literaturwissenschaftlichen - Erforschung historischer Feuilletonprofile (vgl. S. 17ff.) konnte die Arbeit die thematische und damit verbundene präsentatorische Teilung der untersuchten Feuilletons entlang der Trennlinie zwischen Kultur im engen und im weiten Sinne (vgl. S. 8ff.) herausarbeiten. So war es möglich, die Aktualität der Kritik Glotz’ und Langenbuchers an Feuilletoninhalten auf bestimmte Elemente der untersuchten Inhalte einzugrenzen. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass in vielen Bereichen weiterer Forschungsbedarf besteht. Im Bereich der Rezipienten liegen insgesamt wenige Erkenntnisse vor. Ein Zusammenhang zwischen inhaltlichen Merkmalen und Publikumsakzeptanz kann nicht als gegeben angesehen werden. Aber zumindest zeigt der Vergleich der Erkenntnisse dieser Arbeit zu den Feuilletoninhalten mit jüngeren Rezipientenstudien (vgl. S. 56ff.), dass ein starkes Interesse an Hochkultur im engen Sinne einhergeht mit Nutzung von und Interesse an populärkulturellen Sparten. Populärkulturelle Sparten wie etwa Rock- und Popmusik thematisiert das Feuilletonangebot aber deutlich weniger als klassische, eher hochkulturelle Sparten. Rezipientenuntersuchungen zufolge beliebte Sparten wie Kino haben sehr geringen Anteil am Feuilletonangebot. Diesen Hinweisen könnten weitere Studien nachgehen, indem sie Untersuchung von Medieninhalten und Rezipienten verknüpfen. Diese Verknüpfung ist befriedigend

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gewiss nur in größeren Arbeiten zu leisten. Ein brauchbares Instrumentarium und zum Vergleich verfügbare Ergebnisse für den Bereich der Medieninhalte bietet die hier vorliegende Arbeit. Zu untersuchen wäre die Akzeptanz bei Nutzern, Nicht-Nutzern und die Verbindung dieses Verhaltens mit Medieninhalten und Kulturinteressen. Solche Verbindungen zwischen Inhalts- und Rezipientenforschung hat bislang keine vorliegende Arbeit befriedigend erforscht. Die Aussagen Müller-Sachses über solche Zusammenhänge sind lediglich Vermutungen – auch wenn der Forscher sie „begründete Vermutung“ (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 588) nennt. Die Akzeptanz der in dieser Arbeit analysierten Veränderungen des Feuilletons von FAZ und SZ bei Rezipienten ist unerforscht, überhaupt ist das Interesse von Rezipienten an Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – zum Beispiele politischen Essays – im Feuilleton völlig unbekannt. Erheblicher Forschungsbedarf besteht auch bei der Untersuchung der Medieninhalte. Diese Arbeit hat gezeigt, dass der Vergleich aktueller mit historischen Feuilletonprofilen neue Erkenntnisse bringen kann. Doch bislang sind solche Vergleiche nur sehr eingeschränkt möglich. Denn es fehlt an Arbeiten, die historische Medieninhalte mit Werkzeugen quantitativer Inhaltsanalyse erforschen. Insbesondere bei der Auswertung der literaturwissenschaftlichen Arbeiten zu den Feuilletoninhalten der zwanziger Jahre stößt man bei kommunikationswissenschaftlicher Erforschung gegenwärtiger Angebote schnell an die Grenzen der Vergleichbarkeit. Viel Erkenntnispotenzial bleibt so ungenutzt. Auch die Arbeit mit medien- und kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen der Inhalte aktueller Feuilletonressorts leidet an der Vielfalt des jeweiligen Vorgehens: Vergleiche sind nur mit Einschränkungen möglich, weil die Studien in unterschiedlichen Medien zum Teil die Kulturberichterstattung aller Ressorts, zum Teil aber auch ausschließlich Feuilletoninhalte untersuchten. Zudem unterscheiden sich die als Untersuchungsinstrumente verwendeten Kategoriensysteme. Systematische Langzeituntersuchungen fehlen. Auf dem Gebiet sind einige, auch mit den begrenzten Ressourcen von Diplom- und Magisterarbeiten umsetzbare Fragestellungen denkbar. Ein interessanter Ansatz wäre die Erforschung der Feuilletoninhalte im Umfeld ausgewählter politischer und anderer nicht im engen Sinne kultureller Großereignisse. Hier könnte über einen großen Zeitraum untersucht werden, ob und wie Feuilletons auf solche Ereignisse reagieren. Dem bisherigen – mangelhaften – Forschungsstand nach wäre zu erwarten, dass die deutschen Nachkriegsfeuilletons solche Ereignisse gar nicht aufgriffen, die Feuilletonressorts überregionaler deutscher Tageszeitungen vom Historikerstreit Mitte der achtziger Jahre an hingegen schon, ebenso wie das Feuilleton etwa der Frankfurter Zeitung in den 1920er Jahren. Ebenfalls neue Erkenntnisse könnte eine vergleichende Fallstudie der Feuilletons und Kulturressorts in ausgewählten deutschen und ausländischen Tageszeitungen im zeitlichen Umfeld politischer sowie internationaler kultureller Großereignisse – wie etwa Oscarverleihung oder Literaturnobelpreis – sein. Der Hintergrund ist die oft behauptete, doch bislang unerforschte Alleinstellung des deutschen Feuilletons: „Diese

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spezielle Mischung aus Ausstellungsberichterstattung, Theaterkritik, dann aber wieder Hintergrundbetrachtung und einer anderen Form von Leitartikel“ (NIGGESCHMIDT, 2000, S. 48) existiere nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, behauptet zum Beispiel der Literaturkritiker und Essayist Lothar Baier. In Frankreich würde Kulturjournalismus zum Beispiel vor allem als über aktuelle Ereignisse berichtender Journalismus verstanden und praktiziert, während für Debattenbeiträge von Intellektuellen die als eigene Ressorts institutionalisierten Debattenseiten verfügbar wären. Ist die Platzierung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne im Feuilleton überregionaler Tageszeitungen tatsächlich ein deutsches Phänomen? Ebenso der essayistische Beitrag prominenter Gastautoren? Ist populäre Kultur im Kulturteil etwa der New York Times tatsächlich etablierter als in deutschen Feuilletons, was eine Untersuchung Heilbruns nahe legt, der behauptet, popular culture habe bereits 1993 mehr Textfläche des „Arts & Leisure“ Ressorts der Sunday New York Times eingenommen als high culture (HEILBRUN, 1997, S. 29)? Ein anderes, ebenfalls im Gegensatz zur Verknüpfung von Rezipienten- und Inhaltsforschung gut für Diplom- und Magisterarbeiten einschränkbares Forschungsprojekt wäre die Fortsetzung der hier vorliegenden Untersuchung in den Jahren 2003, 2004 und folgenden Zeiträumen. Die folgenden Zeitabschnitte sind wegen der auch auf der Hallenser Feuilletonkonferenz diskutierten Zeitungs- und Anzeigenkrise interessant. Bereits in der vorliegenden Arbeit zeichnet sich im Untersuchungszeitraum 2002 in der FAZ ein deutlicher Verlust des Feuilletonumfangs und des Anteils der zuvor massiv ausgebauten Wissenschaftsberichterstattung im Feuilleton ab (vgl. S. Tabelle 66, S. 137). Setzt sich diese Entwicklung fort? Die Anteile welcher Kulturteile verändern sich wie? Peter Glotz fürchtet einen Verlust der auch in dieser Arbeit festgestellten Erweiterung des Kulturbegriffs in überregionalen deutschen Feuilletonressorts. Es bestehe die Gefahr, „dass die radikale Ausweitung der Feuilletons in den überregionalen Zeitungen, die mit dem Historikerstreit begonnen hat, schlicht zurückgenommen wird“ (GLOTZ, 2003). Ob dieser gewaltige „Verlust an zeitdiagnostischem Raisonnement“ (GLOTZ, 2003) tatsächlich – und das nur wenige Jahre nach den Erweiterungen in den Feuilletons von FAZ und SZ 2001 – eintritt, wäre eine spannende Frage für die weitere Forschung. Und nicht nur für die Forschung. Denn wenn die Feuilletons Kultur im weiteren Sinne nicht mehr im in dieser Arbeit erforschten Ausmaß thematisieren, verlieren sie die auffälligste Erweiterung des praktizierten Kulturbegriffs gegenüber den kritisierten Ressortprofilen aus den 1960er, 1980er und frühen 1990er Jahren. Welche Rezipientengruppe ein solcher Verlust wie beeinflussen würde, ist zu erforschen. Glotz vermutet: „Die Frage aber, ob die Kommunikationsbedürfnisse dieser kleinen „Infoelite“ in Deutschland befriedigt werden oder nicht, macht den Unterschied aus zwischen einer führenden oder mitlaufenden ‚Kulturnation’.“ (GLOTZ, 2003)

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Man kann also auf die weitere Forschung gespannt sein – wenn auch nicht unbedingt freudig.

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Z
ZIELCKE, Andreas (2001): „Gedankenlesen“. In: Süddeutsche Zeitung, 25.09, S. 15.

Ehrenwörtliche Erklärung

175

Ehrenwörtliche Erklärung
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig ohne fremde Hilfe angefertigt habe.

Konrad Lischka München, 15.März 2004

Lebenslauf

176

Lebenslauf
persönliche Angaben
geboren am 26.10.1979 in Katowice ledig Staatsangehörigkeit: deutsch

Ausbildung
08/1990 05/1999 27.05.1999 - Maria-Wächtler-Schule Essen, englisch-bilingualer Unterricht.

Abitur. Notendurchschnitt: 2,1. Fächer: Geschichte, Deutsch, Englisch, Mathematik.

09/1999 03/2003 11/1999 heute

– Deutsche Journalistenschule München (DJS). Redakteursaubildung in Kombination mit Journalistikstudium. - Ludwig-Maximilians-Universität München. Studium der Journalistik. Nebenfächer Politologie, Soziologie, Kunstgeschichte Diplom-Vorprüfung. Gesamtnote: gut. Kommunikationstheorie: 1,3; Kommunikationspraxis: 1,0. Medienstruktur: 1,0. Politische Wissenschaft: 2,0. Soziologie: 3,0.

11.10.2001

Journalistische Tätigkeit
01/1998 - 04/1999 Konzeption und Realisierung des Jugendmagazins epos der Essener Jugendpresse e.V. Praktikum in der Essener Stadtredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, danach freie Mitarbeit.. Pauschalist bei taz-Ruhr, Bochum freie Mitarbeit bei der Wochenzeitung im Bistum, Essen Ruhrwort.

10/1998

10/1998 - 03/1999 01/1999 - 06/1999

Lebenslauf

177

06/1999 07/1999 - heute

Praktikum bei BILD-NRW, Essen, anschließend freie Mitarbeit. als freier Journalist tätig u.a. für Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau, Neue Züricher Zeitung, Die Presse, taz. Praktikum im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, München. Veröffentlichung des Buch Spielplatz Computer - Kultur, Geschichte und Ästhetik des Computerspiels im Verlag Heinz Heise. Praktikum bei der IBM Software Group

02/2001 - 04/2001 2002

04/2003 - 06/2003

ehrenamtliche Tätigkeit
05/1998 05/1999 - stellvertretender Vorsitzender der Essener Jugendpresse e.V..

Anhang

A1

ANHANG
Codebuch
Zum Forschungsprojekt
Die vergleichsweise wenigen wissenschaftlichen Arbeiten zum Ressort Feuilleton thematisieren meist die Themenwahl und Vermittlung dort vor dem Hintergrund der Feuilleton-Dauerkrise niedriger Nutzungszahlen im Vergleich zu anderen Ressorts. Inhaltsanalytische Arbeiten - die aktuellste repräsentative Inhaltsanalyse regionaler und überregionaler Feuilletonteile in Printmedien befasst sich mit Veröffentlichungen aus dem Jahr 1993 - haben Mängel wie Vielfaltarmut bei Beitragsformen und einen engen, elitären Kulturbegriff in überregionalen Feuilletons festgestellt. Für die knappen Ressourcen dieses Forschungsprojekts bietet der inhaltliche und personelle Wandel des Feuilletons von FAZ und SZ in der jüngsten Vergangenheit ein ideales Feld für die exemplarische Erforschung. Entwicklung und Forschungsobjekte sind gut eingrenzbar: Die FAZ druckte am 6. Juni 2000 einen Artikel des Computerunternehmers Bill Joy über neue Technologien wie Nanotechnik, Gentechnik und Robotik unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“. Am 27. Juni 2000 folgte auf sechs Seiten die letzte Sequenz des menschlichen Genoms. Der für das Feuilleton verantwortliche FAZ-Herausgeber stellte den Ausbau unter das Schlagwort der „dritten Kultur“, eine Kombination von Geistes- und Naturwissenschaft. In der folgenden Zeit erweiterte die FAZ ihr Feuilleton. Am 1. September 2001 kam schließlich ein täglicher, fester Platz für Berichte aus der Naturwissenschaft auf der zweiten Feuilletonseite, eine tägliche Medienseite und täglicher Comicstrip hinzu sowie ein fester Platz für Porträts. Im Februar 2001 wechselten dann vier führender FAZ-Feuilletonisten wie Ressortleiter Ulrich Raulff zur Süddeutschen Zeitung. Unter Leitung des ehemaligen FAZLiteraturchefs Thomas Steinfeld führte die SZ am 25. September 2001 eine tägliche Literaturseite ein, laut Ressortleiter Andreas Zielcke, um sich von der „Beschleunigungs- und Überholsucht" der Feuilletondiskurse abzuheben. Diesen Diskurs trieb das FAZ-Feuilleton vom Jahr 2000 in einigen Debatten - über Martin Walser, ein Bundesland Preußen, die dritte Kultur - voran. Im März 2001 warb Frank Schirrmacher fünf Mitarbeiter des SZ-Feuilletons ab, die weithin als Vertreter des so genannten Popfeuilletons bei der SZ gesehen wurden.

Anhang

A2

Diese Entwicklung ist nicht nur zeitlich gut auf den Zeitraum 2000 bis 2003 einzugrenzen, sondern die inhaltliche Entwicklung des Feuilleton-Profils bei beiden Medien zudem auch durch Aussagen der verantwortlichen Redakteure belegt. Man kann bei beiden Medien - zwei auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen mit überregionalem Profil - von einer bewussten Entwicklung des inhaltlichen Profils des Feuilletons ausgehen. Daher können die Ergebnisse der Inhaltsanalyse gut als Annäherung an aktuelle Strategien des Feuilleton-Journalismus interpretiert und also solche auf die Positionen in der Diskussion um die Qualität des Feuilletons bezogen werden.

Fragestellung
Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse sollen zum einen die inzwischen zehn Jahre alten empirischen Befunde zu Themen und Darstellungsformen im Feuilleton aktualisieren: Welchem Umfang hat das Feuilleton in SZ und FAZ? Welche Kultursparten werden wie stark bearbeitet? Welche Darstellungsformen nutzen die Redakteure wie häufig? Die Ergebnisse sollen zudem einen Vergleich der Medieninhalte mit den in Debatten und Forschungsarbeiten von Praktikern und Wissenschaftlern beanstandeten Zuständen und erhobenen Forderungen ermöglichen. Ist die aus den Ergebnissen inhaltanalytischer Untersuchungen abgeleitete Kritik am Feuilleton für die untersuchten Feuilletonteile heute noch gültig? Welche von Wissenschaftler formulierten Empfehlungen scheinen in der Praxis genutzt zu werden? Sind die Konzepte der Praktiker aus der jüngsten Vergangenheit - etwa das politische Feuilleton oder das Popfeuilleton – in den Medien erkennbar? Oder lassen sich anhand der beobachteten Themenstrukturen Anzeichen für neue Formen des alten Feuilleton-Konzepts einer thematischen Öffnung (zum Beispiel das Konzept des „politischen Feuilletons" aus den späten achtziger, frühen neunziger Jahren) ausmachen, zum Beispiel die von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher propagierte Naturwissenschaft im Feuilleton?

Untersuchungsmaterial
Untersucht werden die überregionalen Ausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Deutschlandausgabe) und der Süddeutschen Zeitung (Fernausgabe) von diesen Erscheinungstagen: • • • • 22.-27.1999 27.-2.12.2000 26.-1.12.2001 25.-30.2002

Anhang

A3

Merkmalsträger
Analyseeinheit 1: Ebene der Zeitungsausgaben Auf der Ebene der gesamten Zeitungsausgabe werden die Ressortumfänge nach Seiten untersucht, um neben absoluten auch relative Werte für den Umfang des Feuilletons zu ermitteln. Zum Feuilleton – das gilt auch für die Codierung auf Beitragsebene auf Ausgabenebene - werden auch Seiten mit einem abweichenden Seitentitel im Feuilletonbuch gezählt, die jedoch regelmäßig an dieser Stelle erscheinen und in Selbstdarstellungen der Ressorts als integraler Bestandteil erwähnt werden (vgl. 1. und 4.4.) Das sind zum Beispiel:
Tabelle 75: Umfang Untersuchungsmaterials auf Basis der Selbstdefinition der Feuilletonressorts und auf Basis der parallelisierenden Auswahl

FAZ Selbstdefinition der Ressorts
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Medien Kino Stil Veranstaltungen im (Monatsname) Bücher und Themen Schallplatten und Phono Neue Sachbücher Natur und Wissenschaft Geisteswissenschaften Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag] alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Medien Kino Stil Veranstaltungen im (Monatsname) Bücher und Themen Schallplatten und Phono Neue Sachbücher Natur und Wissenschaft Geisteswissenschaften Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag]

SZ
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Film Literatur Schallplatte Kinder- und Jugendliteratur

Parallelisierende Definition

alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Seitentitel Film Literatur Schallplatte Kinder- und Jugendliteratur Umwelt, Wissenschaft, Technik Wissen Medien Das Programm vom (Wochentag)

Analyseeinheit 2: Ebene der Beiträge Als ein Beitrag gilt: • Eine Kombination aus Artikelfließtext, Überschrift, Infokasten, Servicedaten, Wertungszeichen und Bildelementen wie Fotografie, Karikatur, Illustration, Infografik samt Bildunterschrift. Ein Artikel ohne zugehörige Bildelemente. Eine Fotografie oder sonstiges Bildelement ohne zugehörigen Artikel ein Veranstaltungskalender / Fernsehprogramm / Hörfunkprogramm

• • •

Anhang

A4

Meldungsrubriken, die unter einem Rubriktitel mehrere Meldungen zusammenfassen. Hierbei werden die Merkmale des an der Gesamtfläche anteilig größten Elements codiert.

Nicht ausgewertet werden • Orientierungselemente innerhalb der Inhaltsverzeichnisse oder Kopfzeilen Zeitung wie zum Beispiel

Allgemeine Codieranweisungen
Reihenfolge der Auswertung Die einzelnen Zeitungsausgaben werden hintereinander, jeweils auf allen Analyseebenen komplett codiert. So ist sicher gestellt, dass bei den Identifikationsnummern der Beiträge und Ausgaben die fortlaufenden Nummern für die Zeitungsausgabe übereinstimmen.

Kategoriensystem 1: Ausgabenebene
Kategorien zur Identifikation
agidnr – [01] – Identifikationsnummer – ordinales Skalenniveau

Definition: Jede Zeitungsausgabe Identifikationsnummer.

erhält

eine

zweistellige,

fortlaufende

Kodierregel: Die Zeitungsausgaben werden in Reihenfolge der Auswertung nummeriert. Die Nummer wird immer zweistellig eingegeben, also zum Beispiel 02 für die zweite ausgewertete Zeitungsausgabe.
agdatum – [02] – Erscheinungstag und -monat – metrisches Skalenniveau

Definition: Einzutragen sind Erscheinungstag und -monat. Kodierregel und operationale Definition: Bei Ausgaben an Wochenenden oder Feiertagen wird das jeweils erste im Seitenkopf angegebene Erscheinungsdatum codiert. Die Nummer für Tag und Monat wird in dieser Reihenfolge zweistellig eingegeben. Beispiel: 2. März = 0203
agjahr – [03] – Erscheinungsjahr - metrisches Skalenniveau

Definition: Einzutragen ist das Erscheinungsjahr. Kodierregel und operationale Definition: Die Jahreszahl wird vierstellig eingetragen. Bei einem Jahreswechsel wird die Jahreszahl des ersten im Seitenkopf angegebenen Erscheinungsdatums codiert.

Anhang

A5

agmedium – [04] – Medium – nominales Skalenniveau

Definition: Es wird codiert, die Ausgabe welcher Zeitung ausgewertet wird. operationale Definition: Die Skalierung ist nominal. Die Kategorie umfasst diese Merkmalsausprägungen: 1. 2. = = Frankfurter Allgemeine Zeitung Süddeutsche Zeitung

Kategorien zum Umfang
agseitbr – [05] – Gesamtseitenumfang brutto der Ausgabe – metrisches Skalenniveau
zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Seiten der ausgewerteten Zeitungsausgabe. Hierzu zählen sowohl Anzeigen- als auch redaktionelle Seiten aller Zeitungsbücher. Ausnahme: Nicht gezählt werden diese Zeitungsbücher: • • • Verlagsbeilagen / Verlagssonderveröffentlichungen Amtliche Bekanntmachungen Immobilien-Markt / Mietmarkt / Kaufmarkt (einschließlich der redaktionellen Titelseiten dieser Bücher mit Titeln wie „Immobilienseiten“, „ImmobilienMarkt“) Stellen-Angebote / Stellenmarkt (einschließlich der redaktionellen Titelseiten dieser Bücher wie „Beruf & Chance“, „Bildung & Beruf“ Automarkt / Auto & Mobil / Auto & Verkehr (einschließlich der redaktionellen Titelseiten dieser Bücher wie „Motormarkt“, „Mobiles Leben”)

• •

Kodierregel: Die Gesamtseitenzahl wird zweistellig eingetragen.
asgfeusd – [06] – Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach Selbstdefinition – metrisches Skalenniveau
zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Gesamtseiten des Feuilletonressorts einer Zeitungsausgabe. Zum Feuilleton werden Seiten mit diesen Seitentiteln gezählt:

Anhang

A6

FAZ
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Medien / Medienforum Kino Stil Veranstaltungen im (Monatsname) Bücher und Themen Schallplatten und Phono Neue Sachbücher Natur und Wissenschaft Geisteswissenschaften Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag]

SZ
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Film Literatur Schallplatte Kinder- und Jugendliteratur

Kodierregel:. Abgesehen von den ausgeschlossenen redaktionellen Seiten (siehe Merkmalsträger, S. A3) werden alle übrigen Anzeigen- und redaktionellen Seiten im Feuilletonbuch zum Feuilleton gezählt.
asgfeupd – [07] – Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach parallelisierender Definition– metrisches Skalenniveau
zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Gesamtseiten des Feuilletonressorts einer Zeitungsausgabe. Zum Feuilleton werden Seiten mit diesen Seitentiteln gezählt:
FAZ
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Medien / Medienforum Kino Stil Veranstaltungen im (Monatsname) Bücher und Themen Schallplatten und Phono Neue Sachbücher Natur und Wissenschaft Geisteswissenschaften Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag]

SZ
alle Seiten mit Seitentitel: Feuilleton Seitentitel Film Literatur Schallplatte Kinder- und Jugendliteratur Umwelt, Wissenschaft, Technik Wissen Medien Das Programm vom (Wochentag

Kodierregel: Sowohl Anzeigen- als auch redaktionellen Seiten der Feuilletonbeilage werden gezählt.

Kategoriensystem 2: Beitragsebene
Kategorien zur Identifikation
btridnr – [08] – Identifikationsnummer des Beitrags – ordinales Skalenniveau

Definition: Jeder Beitrag erhält eine vierstellige Identifikationsnummer. Als ein Beitrag gelten: • Eine Kombination aus Artikelfließtext, Überschrift, Infokasten, Servicedaten, Wertungszeichen und Bildelementen wie Fotografie, Karikatur, Illustration, Infografik samt Bildunterschrift. Ein Artikel ohne zugehörige Bildelemente.

Anhang

A7

Eine Fotografie oder sonstiges Bildelement ohne zugehörigen Artikel. Beispiel:

Die Identifikationsnummer setzt sich zusammen aus einer fortlaufenden Nummer für die Zeitungsausgabe und einer innerhalb der Ausgabe fortlaufenden Nummer für die Beiträge. Diese Nummer erleichtert das rasche Wiederfinden von Beiträgen. Kodierregel: Die Zeitungsausgaben werden in Reihenfolge der Auswertung nummeriert. Die Nummer wird immer zweistellig eingegeben, also zum Beispiel 02 für die zweite ausgewertete Zeitungsausgabe. Die Beiträge werden von der ersten bis zur letzten Seite des Feuilleton-Buchs horizontal von links nach rechts und vertikal von oben nach unten auf je einer Zeitungsseite durchgezählt. Hierbei zählen auch zu einem Beitrag gehörende Bildelemente, es ist nicht also nicht die Position der Überschrift entscheidend.

btrdatum – [09] – Erscheinungstag und -monat – metrisches Skalenniveau

Definition: Einzutragen sind Erscheinungstag und -monat. Kodierregel: Bei Ausgaben an Wochenenden oder Feiertagen wird das jeweils erste im Seitenkopf angegebene Erscheinungsdatum codiert. Die Nummer für Tag und Monat wird in dieser Reihenfolge zweistellig eingegeben. Beispiel: 2. März = 0203.
btrjahr – [10] – Erscheinungsjahr – metrisches Skalenniveau

Definition: Einzutragen ist das Erscheinungsjahr. Kodierregel und operationale Definition: Die Jahreszahl wird vierstellig eingetragen. Bei einem Jahreswechsel wird die Jahreszahl des ersten im Seitenkopf angegebenen Erscheinungsdatums codiert.
btrmedi – Medium – nominales Skalenniveau

Definition: Einzutragen ist das Medium, in welchem der Beitrag erschien. Kodierregel und operationale Definition: 1. 2. = = FAZ SZ

Anhang

A8

btrfeusg – [11] – Feuilletonsegment – nominales Skalenniveau

Definition: Zu codieren ist, ob der Beitrag auf einer bestimmten Seite der Zeitungsausgabe erschienen ist. Diese Angabe ermöglicht es unter anderem, Beiträge zu unterscheiden, die zum Feuilleton nach Selbstdefinition oder zum Feuilleton nach parallelisierender Definition gehören. Kodierregel und operationale Definition: Die Kategorien sind exklusiv. 1. = Beitrag auf einer Seite der Süddeutschen Zeitung mit Seitentitel • • • • 2. = Seitentitel Umwelt, Wissenschaft, Technik Wissen Medien Das Programm vom (Wochentag)

Beitrag auf einer Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit • • Natur und Wissenschaft Geisteswissenschaften

3. = Seitentitel

Beitrag auf einer Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit • • • Medien / Medienforum Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag]

4.

=

Beitrag auf einer sonstigen Seite

Kategorien zu Umfang und Platzierung
btrseit – [12] – Seitenzahl – ordinales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Hier wird die Seitenzahl eingetragen, auf welcher der ausgewertete Beitrag im Feuilleton steht. Dadurch soll es möglich sein, neben den Umfängen auch die Platzierungen bestimmter Themen, Sparten und Formen im Ressort auszuwerten. Kodierregel und operationale Definition: Es werden nicht die Seitenzahlen der Zeitung eingetragen, sondern die ausgewerteten Seiten des Feuilletonbuchs von 01 beginnend durchgezählt. Nicht mitgezählt werden dabei jene Seiten im Feuilletonbuch, die nach Ausführungen zu den Analyseeinheiten ausgeschlossen wurden (vgl. 10.1.3.). Die Seitenzahlen von gegebenenfalls Feuilleton gezählten Seiten wie Medien, Wissen oder Natur und Wissenschaft werden weiterlaufend von der letzten Feuilletonseite an gezählt. Stehen solche Seiten in der jeweiligen Zeitungsausgabe vor dem Feuilletonbuch werden sie dennoch bei der Seitenzählung an das Feuilletonbuch angehängt.

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Zum Beispiel: Ist die letzte Seite des Feuilletonbuchs als Seite acht gezählt, so wird die Seite Wissen, die zuvorderst im Politikbuch steht, als Seite neun gezählt. Befindet sich in derselben Ausgabe zum Beispiel eine Medienseite, die im Wirtschaftsbuch platziert ist, wird sie als Seite zehn gezählt. Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die Position auf der ersten Seite codiert.
btrbruch – [13] – Platzierung eines Beitrags über oder unter Bruch – nominales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Bruch ist der horizontale Knick in der Mitte der Zeitung. Die Platzierung soll neben der Auswertung der Beitragsumfänge zusätzlich Auskunft über das Gewicht der Kultursparten geben. Kodierregel und operationale Definition: Ist ein Beitrag – dazu zählt sowohl ein mögliches Bildelement als auch die Überschrift eines Artikels – zumindest teilweise oberhalb des Bruchs gedruckt, wird der Artikel als über dem Bruch platziert codiert. Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die Position auf der ersten Seite codiert. 1. 2. = = über dem Bruch unter dem Bruch

btraufma – [14] – Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils – nominales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Als Aufmacher wird der größte Beitrag, links oberhalb des Bruchs platzierte Beitrag auf der ersten Seite des Feuilletonbuch verstanden. Kodierregel und operationale Definition: 1. 2. = = Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils nicht Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils

txtflaec – [15] – Textfläche – metrisches Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Definition: Der Codierer erfasst die Größe des Textanteils eines Beitrags in cm². Gemessen wird die Fläche des gesamten Fließtexts einschließlich der Haupt- und Unterzeile (=Überschrift), etwaiger Rubrikzeilen, Vorspänne, Zwischenüberschriften, Verfasserzeilen und beigestellter Textbausteine wie zum Beispiel Infokästen. Bildunterschriften werden nur gemessen, wenn sie mehr als ein bis drei Zeilen umfassen und als einziges Textelement neben einem Bild stehen. In diesem Fall wird die Fläche des Textelemente als Ausprägungen der Kategorie txtflaec gemessen. Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer misst vom linken bis zum rechten Spaltenrand, von der Oberlänge der obersten Zeile bis zur Unterlänge der

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untersten Zeile. Zeilenbruchstücke und Leerräume innerhalb des Textes werden mitgemessen. Es gelten folgende Spaltenbreiten: • • • • • • 1 Spalte = 6 cm 2 Spalten = 12 cm 3 Spalten = 19 cm 4 Spalten = 25 cm 5 Spalten = 31 cm 6 Spalten = 37 cm

Freigestellte Bilder im Text werden entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als Viereck ausgemessen und von der Textfläche abgezogen. Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert. Die Längen werden in cm auf eine Nachkommastelle genau gemessen, auf eine ganze Zahl gerundet und dann zur Flächegröße multipliziert. Die Skalierung ist metrisch (Verhältnisskala). Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die Gesamtfläche codiert.
bldflaec – [16] – Fläche des Bildelements – metrisches Skalenniveau
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Der Codierer erfasst die Fläche des Bildelements eines Beitrags in cm². Kodierregel und operationale Definition: Freigestellte Bilder im Text werden entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als Viereck ausgemessen und von der Textfläche abgezogen. Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert. Die Längen werden in cm auf eine Nachkommastelle genau gemessen, auf eine ganze Zahl gerundet und dann zur Flächengröße multipliziert. Die Skalierung ist metrisch (Verhältnisskala). Die cm²-Menge wird auf eine ganze Zahl gerundet. Es gelten folgende Spaltenbreiten: • • 1 Spalte = 6 cm 2 Spalten = 12 cm

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• • • •

3 Spalten = 19 cm 4 Spalten = 25 cm 5 Spalten = 31 cm 6 Spalten = 37 cm

Wenn ein Beitrag mehr als ein Bild enthält, werden die Flächen addiert, analog zum Verfahren bei dem Fließtext eines Artikels beigestellten Infokästen. Freigestellte Bilder werden entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als Viereck ausgemessen.
btrflaec – [17] – Gesamtfläche des Beitrags – metrisches Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Definition: Der Codierer addiert die Ausprägungen der Merkmale bldflaec und bldflaec des Beitrags. Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert. Kategorien zur Gestaltung des Beitrags
btrserie – [18] – Beitrag Teil einer Serie – nominales Skalenniveau
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Codiert wird, ob der ausgewertete Beitrag Teil einer gekennzeichneten Reihe oder ein Einzelbeitrag ist. Kodierregel und operationale Definition: 1. 2. = = Teil einer Serie Einzelbeitrag

txtquell – [19] – publizistische Quelle des Textelements – nominales Skalenniveau
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Dieses Merkmal soll Auskunft geben, wie groß die Anteile von Eigen-, Agentur- und Gastbeiträgen im Textteil des Feuilletons sind. • Namentlich gekennzeichnete Beiträge ohne zusätzliche Informationen über den Autor werden als Eigenbeiträge gezählt – gleich ob ein fest angestellter Redakteur oder freien Mitarbeiter sie verfasst hat. Als Eigenbeiträge wertet der Codierer auch mit dem Zeitungskürzel (FAZ, beziehungsweise SZ) gekennzeichnete Texte.

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• •

Steht in der Spitzmarke oder am Fuß des Beitrags ein Agenturkürzel (zum Beispiel ap, afp, ddp, dpa, epd, rtr) Der Codierer erfasst einen Artikel als Beitrag eines Gastautors, wenn in einem Voroder Nachspann Informationen über die Person enthält (zum Beispiel „Der Autor lehrt Soziologie an der Universität Göttingen.“) Als Übernahme gilt ein Beitrag – auch der eines Gastautors -, wenn der Leser über eine anderweitige Veröffentlichung informiert wird. So zum Beispiel bei Vorabdrucken von Prosa durch den Hinweis auf Verlag und Erscheinungsjahr, bei Nachdrucken von Zeitschriftenbeiträgen durch den Hinweis auf das Medium, bei dokumentierten Reden durch einen Hinweis auf Ort, Anlass und Zeitpunkt der gesprochenen Rede.

Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich 1. 2. 3. 4. 5. 6. 99. = = = = = = = Eigenbeitrag Agenturbeitrag Beitrag eines Gastautors (exklusiv) Übernahme / Dokumentation Rede Übernahme / Vorabdruck Buchpublikation Übernahme aus anderer Zeitung oder Zeitschrift Beitrag enthält kein Textelement

txtform – [20] – Journalistische Darstellungsform des Textelements – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Zur Erfassung von Textlängen, Textthemen und Textanlässen existieren eigene Kategorien. Sie können nur in wenigen – unten aufgeführten - Fällen als zusätzliche Indikatoren für die Darstellungsform genutzt werden. Die Darstellungsform des Textelements bestimmt der Codierer vor allem anhand der „funktionalen Bausteine“ (STEGERT, 1998, S. 325), die hier für jede codierbare Darstellungsform13 aufgeführt sind: Meldung/Nachricht = Meldungen im harten Nachrichtenstil informieren „... unpersönlich und sachlich über die vier Ws im Zusammenhang mit dem Ereignis: über den Vorgang selbst (Was), über die daran beteiligten Personen (Wer), über den Zeitpunk (Wann) und den Ort (Wo). (REUMANN, 1999, S. 95). Diese Informationen ordnet der Autor nach einem festen Schema: „Im ersten, obersten Segment sind alle wichtigen Inhalte der Nachricht zusammengefasst. In den weiteren Segmenten folgen die Details, die der für das Thema interessierte Leser gewiss durchstudieren wird,

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Für die Bestimmung der nichtformalen Kategorien wurden die gedruckten Ausgaben von FAZ und SZ vom September 2003 durchgesehen, sowie die tägliche Feuilletonschau auf www.perlentaucher.de.

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während sie der am Thema nicht so interessierte Leser einfach auslassen kann.“ (CSOKLICH, 1996, S. 52). Dieser Aufbau wird im Feuilleton nicht immer durchgehalten, jedoch ist er durchaus ein Indikator, da Materialsichtung und Pretest das von Stegert festgestellte Fehlen dieses Schemas in Feuilletonmeldungen nicht bestätigt haben. Abzugrenzen von der Meldung sind Ereignisbericht und Hintergrundbericht (s.u.). Ereignisbericht = Der Ereignisbericht unterscheidet sich von der Meldung vor allem durch die Länge, das weniger streng eingehaltene Schema und oft auch durch den Verfassertyp. Bei beiden Formen dominiert als sprachliche Handlung „das Mitteilen, dass (etwas der Fall ist)“ (Stegert, 1998, S. 325). Wie Stegert codiert der Codierer dieser Untersuchung Texte mit diesem Sprachgestus bei einer Länge von weniger als 40 Druckzeilen als Meldung, bei mehr als 40 Druckzeilen als Ereignisbericht. Durch diesen zusätzlichen Raum in Ereignisberichten können die Autoren – meist Mitarbeiter der Zeitung nicht Agenturen – sich etwas vom klassischen nachrichtlichen Aufbau entfernen, Details schildern und Protagonisten oder Betroffene in direkter Rede zu Wort kommen lassen. Hintergrundbericht = Was beim Ereignisbericht die Faktenschilderung ergänzt, steht im Mittelpunkt des Hintergrundberichts: „nicht nur die vier unerläßlichen W’s, sondern auch das Wie und das Warum“ (Reumann, 1999, S. 98). Der Autor beschreibt Hintergründe, Zusammenhänge, Vorgeschichte und mögliche Folgen eines aktuellen Ereignisses nicht nur vereinzelt sondern im gesamten Text weit umfassender als das aktuelle Ereignis. Er weicht dabei stärker als in jeder anderen berichtenden Darstellungsform vom schematischen Prinzip des Aufbaus einer Nachricht nach abnehmender Wichtigkeit ab. Obgleich jede Analyse auch wertet, enthält der Hintergrundbericht keine direkte Kommentierung. Der Autor konzentriert sich auf das „Einordnen und Vergleichen, das Erläutern und Erklären, auch das Analysieren und Deutschen, nicht das Bewerten“ (Stegert, 1998, S. 326). Essay = Die Darstellungsform Essay wird hier weiter als gemeinhin verstanden. Die Definition folgt weitgehend der Stegerts (STEGERT, 1998, S. 326). Als Essay wird ein Text codiert, in dessen Mittelpunkt nicht ein Kunstprodukt oder ein Ereignis steht, sondern ein nicht an Aktualität gebundenes Thema. Kunstwerke und Nachrichten können aber durchaus aktueller Anlass sein. Der Autor eines Essays analysiert größere Entwicklungen und Zusammenhänge: „Der Essay konzentriert sich zwar auf ein Thema, doch er behandelt es, als wäre es die Welt.“ (REUMANN, 1999, S. 112) Anders als im Hintergrundbericht jedoch können die Schlussfolgerungen spekulativer sein. Im Essay stellt der Autor stärkere Thesen auf als in Hintergrundberichten. Das Ziel ist es, den Leser nicht mit Details zu ersticken, sondern ein Raster für die Einordnung zu ziehen, „... eine für natürliche Prozessoren – d.h. für bürgerliche Leser faßbare Darstellungsebene ...“ (SLOTERDIJK, 1994, S. 57). Als Quelle der Thesen reicht im Essay auch allein die Person des Autors, während in Hintergrundberichten die Autoren oft Vertreter verschiedener Ansichten als Sprecher bemühen oder die Ansichten zumindest bestimmten überindividuellen Gruppierungen zuschreiben. Der Verfasser

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eines Essays hingegen verfährt „... gerne assoziativ und anschauungsbildend, er unterhält seinen fiktiven Partner, den Leser oder Hörer, im geistigen Gespräch und versucht, dessen Bildung, Denken und Phantasie erlebnishaft einzusetzen.“ (PÜRER, 1996b, S. 202) Abgesehen von diesen Kennzeichen der essayistischen Argumentation, beziehungsweise Thesendarlegung, sind sonstige Stilmerkmale oder gar die Textlänge nicht als entscheidende Indikatoren für einen Essay anzusehen. Denn: „... Aussagen über den literarischen Charakter des Essays und stilistische Forderungen definieren nicht die Beitragsform, sondern formulieren lediglich Qualitätskriterien.“ (STEGERT, 1998, S. 327) Reportage/Feature = Die Reportage beschreibt und erzählt ein Geschehen. Der Autor verfolgt mit Dramaturgie, Perspektive und szenischer Beschreibung die Erfüllung dieser Funktion: „... Leser am Geschehen geistig und emotional teilhaben, sie miterleben lassen durch die authentische Erzählung.“ (HALLER, 1995, S. 62). Die Reportage ist somit ein „... tatsachenbetonter, aber persönlich gefärbter Erlebnisbericht.“ (REUMANN, 1999, S. 102). Das Feature wählt oft einen ähnlich engen Fokus auf das Geschehen, jedoch, um eine andere Funktion zu erfüllen als die Reportage: „Es gibt hier gar kein einmaliges und besonderes Geschehnis, an dem der Leser teilhaben könnte; der Artikel soll vielmehr das Thema (...) an einem exemplarischen ‚Fall’ anschaulich und zugleich das mit dem Thema verbundene Problem durchsichtig machen: die abstrakt-allgemeine und eine konkret sinnliche Ebene werden miteinander verknüpft.“ (HALLER, 1995, S. 75) Portrait = Wichtigster Indikator für die Darstellungsform Portrait ist das zentrale Thema: Eine Person, kleine Gruppe von Menschen oder bisweilen auch eine Institution wird vorgestellt, beschrieben, charakterisiert und dabei in eigenen Äußerungen wiedergegeben (vgl. STEGERT, 1998, S. 332). Ähnlich wie in einem Hintergrundbericht wählt der Autor auch hier durch eigene Analyseleistung bestimmte Fakten aus, an denen er beispielhaft den Portraitierten beschreibt. Im Mittelpunkt des Portraits stehen deshalb „... jene Teile der Biographie, die beispielhaft sind – im positiven wie im negativen Sinne.“ (PÜRER, 1996b, S. 201) Nachruf = Nachrufe sind eine besondere Form des Portraits. „Sie markieren Daten, Lebenslauf, Lebenssituationen, Skizzen und Deutungen des Werdegangs und wägen Leistungen oder auch Mißerfolge ab.“ (PÜRER, 1996b, S. 201) Der Nachruf ist also ein Portrait aus weit höherer Perspektive. Interview/Gespräch = Wesentliches Merkmal eines Interviews ist die Struktur des Wechsels von Fragen (des Interviewers) und Antworten (des Interviewten). Von Journalisten moderierte Gespräche werden ebenfalls als Interview codiert, da auch hier Personen in direkter, dialogischer Rede zu Wort kommen. Die Funktion – den Interviewten seine Position zu bestimmten Sachfragen entlocken oder seine Persönlichkeit in direkter rede darstellen (lassen) – bleibt ähnlich, die Wege dorthin sind jedoch andere.

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Kommentar = „Der Kommentar interpretiert und bewertet aktuelle Ereignisse und Meinungsäußerungen. (...) Er argumentiert, indem er Tatsachen in Zusammenhänge stellt, das Entstehen von Meinungen untersucht und deren Bedeutung diskutiert.“ (REUMANN, 1999, S. 110) Hierin kann der Kommentar einem Hintergrundbericht ähneln, doch die Funktion der Analyse ist eine andere: „Der analysierende Kommentar (...) argumentiert, wägt Argumente ab, erklärt, zieht logische Schlussfolgerungen und baut darauf seine Meinung auf.“ (MAUERER, 1996, S. 179) Diese eindeutige Meinungsäußerung als Schlussfolgerung der Argumentation ist unabdingbares Element eines Kommentars. Glosse = Eine Glosse ist kein kurzer Kommentar. Indikator für die Darstellungsform Glosse ist auch nicht eine Positionierung am Seitenrand. Vielmehr ist die Glosse ein „kurzer pointiert geschriebener Meinungsbeitrag, der sich satirischer Mittel bedient, der in der Sprache feuilletonistisch und in der Sache universell ist.“ (CAMEN, 1984, S. 219, zit. Nach STEGERT, 1998, S. 327). Kennzeichen sind: Ironie und Satire als Stilmittel, ungewöhnliche, originelle Wörter auch aus der Umgangssprache und Dialekten (REUMANN, 1999, S. 112). Kurz: Die Glosse wird heute in der Regel als „... ironischer Kurzkommentar zu einem politischen oder kulturellen Sachverhalt ...“ (ROHMER, 1996, S. 1012) verstanden. Feuilleton = Hier wird das Feuilleton als Form codiert. „In einem Feuilleton werden in der Regel also (kleine) Einzelheiten und Zufälligkeiten des Tages in sehr subjektiver, sehr persönlicher und menschlicher Betrachtung dargestellt, dabei klingt Wesentliches an und wird Allgemeingültiges geistig wirksam.“ (PÜRER, 1996b, S. 202). Rezension/Kritik = Auch wenn beide Begriffe in Deutschland oft synonym – anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten (vgl. TITCHENER, 1988, S. 2 ff.)verwendet werden, ist eine Differenzierung nötig: „Die Rezension ist eine Beitragsform, die Kritik zunächst einmal eine sprachliche Handlung, die Teil des Rezensierens sein kann, ...“ (STEGERT, 1997, S. 99f.) Wichtig ist auch die thematische Einschränkung, im Sinne, dass der Ausdruck Rezension „nur für Texte über kulturelle Ereignisse verwendet“ (STEGERT, 2001, S. 1725) wird. Rezension ist daher differenziert zu definieren als „Beitrag in einem öffentlichen Medium (...), mit dem ein Journalist für möglichst viele Leser ein rezipiertes Kulturereignis (...) unter anderem beschreibt, erklärt, einordnet, deutet und/oder bewertet. Denn dies sind konstitutive Handlungen des Rezensierens. Auswahl und Anordnung sind weder regelhaft noch prototypisch. Nicht konstitutiv, aber charakteristisch für die Rezension ist, daß sie offen ist für vielfältige sprachliche Handlungen (...), auch für solche, die in anderen journalistischen Textsorten unüblich oder sogar ausgeschlossen sind, etwa das Empfehlen oder Abraten ...“ (STEGERT, 1997, S. 103) Die Rezension beschreibt in jedem Fall das entsprechende Kulturprodukt, bezieht zum Teil auch als Hintergrund Informationen über den Kulturproduzenten und die Kultursparte, Stilrichtung ein. Ähnlich wie im Kommentar greifen in einer Kritik Analyse und Bewertung ineinander: „Kritik und Rezension bewegen sich inhaltlich

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zwischen Tatsachenbericht und fachlicher, jedoch persönlich-subjektiv gefärbter Betrachtung und Interpretation. In der Regel steht am Beginn der Rezension die Darstellung von Fakten, also die Wiedergabe des Inhaltes eines Theaterstücks, einer Oper, (...). Mit dieser eher sachorientierten Informationen soll der Zeitungsleser (...) die Grundlagen für das Verständnis der nachfolgenden kritischen Betrachtung erhalten.“ (PÜRER, 1996b, S. 202). Presseschau = Diese Beitragsform beschränkt sich lediglich auf – freilich sortierende und in Beziehung setzende – Zusammenfassungen verschiedener Beiträge in nationalen wie internationalen Fachzeitschriften und der Publikumspresse. Oft wählt der Verfasser Beiträge unterschiedlicher Organe zu einem Thema aus, die er vergleicht und so zu einem Gesamtbild komponiert. Eigene Aussagen über das Thema wie auch explizite Wertungen der Qualität der Beiträge kommen nicht vor. Redaktionelle Hinweise = Inhaltsverzeichnis, Verweise auf Beiträge in kommenden Ausgaben, sonstige Hinweise zum redaktionellen Angebot Literatur = Kurzgeschichten, Lyrik, in Fortsetzungen abgedruckte Romane, Autobiografien, Erinnerungen, Briefe Bildunterschrift = Als Bildunterschrift zählen die häufig den für sich als Beitrag stehenden Bildelementen beigestellten Kurztexte. Wichtigstes Merkmal: Das Layout mit meistens nur einer kleinen Hauptzeile ohne Unterzeile in der Überschrift weist sie als nichteigenständige Artikel aus. Der Text bezieht sich meist direkt auf das Bild, zudem sind am Textende meist Urheberinformationen zum Bildelement verzeichnet. Termindokumentation = Veranstaltungskalender, Rundfunkprogramm, Übersicht der Neuerscheinungen. Wesentliches Merkmal: Sammlung von Ankündigungen mit dem Ziel zu informieren, wann und was stattfindet. Bewertung, Einordnung sind nicht Funktionen solcher Ankündigungen. Sammelrezension = Der Autor bezieht zwei oder mehr kulturelle Manifestationen in einem Text aufeinander. „In Sammelrezensionen besonders viel verglichen, eingeordnet und aneinander gemessen.“ (STEGERT, 1997, S. 100) Rede = Eine dokumentierte Rede.

Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich. Sofern ein Beitrag aus mehr als einem Textelement – meist einem zusätzlich dem Fließtext beigestellten Infokasten – besteht, so wird hier allein das größere Textelement codiert. 01. 02. 03. 04. = = = = Meldung / Nachricht (Ereignis-)Bericht Hintergrundbericht Essay

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05. 06. 07. 08. 09. 10. 11. 12. 13. 14.

= = = = = = = = = =

Reportage/Feature Portrait (außer Nachruf) Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Redaktionelle Hinweise von

15. = Literatur / Lyrik (Abdrucke / Exlusivveröffentlichungen Kurzgeschichten, Romanen, Biographien, Autobiographien und ähnlichem) 16. 17. 18. 19. 98. 99. = = = = = = Bildunterschrift Veranstaltungskalender/Rundfunkprogramme Sammelrezension Rede sonstige Darstellungsform Beitrag enthält kein Textelement

btrrubri– [21] – Rubriktitel – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Rubriktitel ordnen Artikel bei wechselnden Autoren, Themen und Überschriften in ein bestimmtes Themengebiet, bisweilen auch eine bestimmte Darstellungsform ein. Ein Rubriktitel steht meist über dem Titel (Schlagzeile und Unterzeile) des Artikels, oft als Dachzeile. So zum Beispiel „Star-Album“ in der Süddeutschen Zeitung oder „Natur und Wissenschaft“ und „Literatur“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Sonderfall der Rubrik ist die Kolumne als ein festes Format für Glossen und Kommentare codiert, das den Lesern durch eine feste Kolumnenrubrik und oft auch gestalterische Elemente wie ein Signet bei wechselnden Autoren (vgl. MAST, 2000, S. 266) und Überschriften Kontinuität signalisiert. So zum Beispiel „Zwischenzeit“ in der Süddeutschen Zeitung, „Update“ oder „Sitzplatz“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Erfassung solcher Objekte soll Anhaltspunkte für das Bemühen des Mediums um eine leserfreundliche grafische Aufbereitung der Informationen geben. Kodierregel und operationale Definition:

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01. 02.

= =

Beitrag mit Rubriktitel Beitrag ohne Rubriktitel

btrzwiti– [22] – Zwischentitel – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Zwischentitel lockern als optisch hervorgehobene Zwischenüberschriften im Fließtext einen Beitrag nicht nur auf, sondern können ihn auch für den Leser beim Überfliegen erkennbar gliedern und ähnlich, wie Überschriften zum Einsteigen in den Text verleiten. Kodierregel und operationale Definition: 01. 02. = = Beitrag mit Zwischentitel Beitrag ohne Zwischentitel

btrinfok– [23] – Infokasten – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Als Infokasten zählt der Codierer optisch vom Fließtext getrennte, gebündelt präsentierte Informationen zu einem Beitrag. Zum Beispiel: die Lebensdaten eines Protagonisten, eine knappe Chronologie der im Beitrag dargestellten Ereignisse, eine Auflistung der Preisträger bei einer Oscarverleihung oder Informationen zu einem besprochenen Kulturprodukt. Kodierregel und operationale Definition: 01. 02. = = Beitrag mit Infokasten Beitrag ohne Infokasten

btrendab– [24] – markanter Endabsatz – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition:. Der letzte Absatz des Fließtextes, optisch meist durch kursive oder fette Schrift hervorgehoben. Zudem oft durch eine Leerzeile vom Fließtext getrennt. Enthält bisweilen Informationen über den Verfasser des Beitrags, meist den fachlichen / beruflichen Hintergrund oder aber die Position innerhalb einer Debatte betreffend. Ebenfalls oft in dieser Form vom Fließtext abgehoben sind Servicedaten zu einem Kulturprodukt, die dem Leser den Zugang erleichtern sollen. Das sind zum Beispiel bei einem Buch: Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Verlag, Preis. Kodierregel und operationale Definition: 01. 02. = = Beitrag mit markantem Endabsatz Beitrag ohne markanten Endabsatz

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bldform – [25] – Form des Bildelements – nominale Skalierung
zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Dieses Merkmal soll Aufschluss über die Vielfalt des Bildmaterials im Feuilleton geben. Eine Auswertung der Urheber ist aus forschungsökonomischen Gründen leider nicht möglich. Die Vorauswertung ergab, dass im Bildnachweis oft allein der Name des Fotografen angegeben ist, dieser jedoch nicht im Auftrag der Zeitung sondern zum Beispiel für die veranstaltenden Theater arbeitet. Der Rechercheaufwand hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt. Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich. Wenn ein Beitrag mehr als ein Bild enthält, wird hier allein das flächenmäßig größere Bildelement codiert, analog zum Verfahren bei dem Fließtext eines Artikels beigestellten Infokästen. 01. = Fotografie eines kulturellen Ereignisses (Theateraufführung, Konzert, Performance) 02. = Reproduktionen Filmausschnitt) 03. 04. 05. 06. 98. 99. = = = = = = Fotografie anders Karikatur Cartoon Informationsgrafik anderes Bildelement Beitrag enthält kein Bildelement (von Gemälden, Zeichnungen, Kunstfotografien,

Kategorien zum Inhalt des Beitrags
btrobthe – [26] – Hauptoberthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Als Themenfelder werden nicht allein die klassischen Kultursparten erfasst. Ein so beschränktes Kategorienschema würde die mögliche thematische Breite als Besonderheit der Feuilletons von FAZ und SZ qua Anlage ungenügend erfassen. Um solche Beiträge zu erfassen, wurde das Kategorieschema um Oberbegriffe wie „Politik, Zeitgeschehen, Gesellschaft“ und „Wissenschaft, Forschung, Technologie“ ergänzt. Die Kultursparten als Oberkategorien und die Genres oder Gattungen als Unterkategorien wurden zum Teil von Stegert (STEGERT, 1998, S. 312f.) übernommen, jedoch entsprechend dem Gegenstand und Ziel dieser Forschungsarbeit an einigen Stellen gekürzt, an anderen ergänzt. Sachbücher werden nicht nach Kultursparten und sonstigen Themenfeldern getrennt codiert. Der Grund: Verfährt man so, ist eine ähnliche Differenzierung beim Dokumentarfilm, der Fernsehkritik, auch der Belletristik im Bereich der bildenden

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Kunst nicht stichhaltig abzulehnen. Denn alle Kulturprodukte thematisieren mehr als sich selbst. Eine Analyse dieser Ebene in nur einem Bereich würde die Ergebnisse der Untersuchung verzerren – so wünschenswert diese Differenzierung in allen Kulturbereichen wäre, so wenig ist mit den beschränkten zeitlichen Ressourcen im Rahmen einer Diplomarbeit zu leisten. Das gewählte Kategorieschema erlaubt auch so eine systematische Auswertung thematischer Schwerpunkte. So würde zum Beispiel das Hauptthema einer Glosse über die jungen, virilen Alten im Kunstbetrieb und anderswo als Oberkategorie Zeitgeschehen und Unterkategorie Gesellschaft codiert werden, auch wenn der Glossenverfasser als aktuellen Aufhänger ein neu erschienenes Sachbuch zum Generationenkonflikt aufführt und konkrete Beispiele für seine Thesen aus dem Kunstbetrieb schöpft. Denn das Hauptthema muss – und kann dank des verwendeten Kategorieschemas – vom aktuellen Anlass und vom Fokus des Beitrags getrennt werden. Aktueller Anlass wäre beim gegebenen Beispiel „Erscheinen neuer Kulturprodukte > Buchveröffentlichung“ und als Fokus des Beitrags würde der Codierer „Kultur und Gesellschaft > Analyse aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und ihrer Spiegelung in der Kulturproduktion“ erfassen. Abdrucke von literarischen Text – also etwa Kurzgeschichten oder Fortsetzungsromanen – sowie von Lyrik werden als Ausprägungen „Literatur > Belletristik“, beziehungsweise „Literatur > Lyrik“ codiert. Der Grund: Diese Texte, ihre Themen und deren Gestaltung werden nicht von der Redaktion in Auftrag gegeben. Auch die Auswahl folgt anderen Grundsätzen als die tagesaktuelle Feuilletonproduktion. Bei dokumentierte Reden hingegen wird das Thema codiert. Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Oberkategorie (Spalte 1), und zwar zweistellig. Die Kategorien sind exklusiv. So ist also zum Beispiel ein Nachruf auf den Theater- und Filmregisseur Elia Kazan thematisch als „Film > Spielfilm“ zu codieren, wenn Kazans Filme im Mittelpunkt des Beitrags stehen, auch wenn daneben Kazans Theaterarbeit und politische Rolle in der McCarthy-Ära thematisiert werden. Sollte tatsächlich mehrere Kultursparten oder Themenfelder den Beitrag gleich stark dominieren, so steht die Oberkategorie „Allgemeines, Sparten übergreifendes“ für die Codierung zur Verfügung.

Anhang

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btrobthe – [26]
01 Allgemeines, Sparten übergreifendes

btruthe – [27]

btruuthe – [28]

0101 Veranstaltungen (Tagungen, Ausstellungen, Auszeichnungen 0102 Institutionen (Institutionen, Verbände, Unternehmen, kulturpolitische Gremien) 0103 Veranstaltungshinweise 0104 Personen 0105 Kulturpolitik 0198 anders spartenübergreifend 0200 Bildende Kunst subspartenübergreifend 0201 Bildende Kunst Veranstaltungshinweise 0202 Malerei / künstlerische Druckgraphiken / Radierungen / Fresken 0203 Bildhauerei 0204 Karikatur 0205 Installationen / Videokunst 0206 Computer-/Netzkunst 0207 Computer- und Videospiel 0208 Fotografie 0209 Comic / Cartoon 0298 Bildende Kunst andere Subsparte 0300 angewandte Kunst subspartenübergreifend 0301 angewandte Kunst Veranstaltungshinweise 0302 Mode 0303 Design (Autos, Computer, Möbel) 0304 Kunsthandwerk 0305 Werbegestaltung 0398 angewandte Kunst andere Subsparte 0400 darstellende Kunst subspartenübergreifend 0401 darstellende Kunst Veranstaltungshinweise 0402 Schauspiel (Sprechtheater) 0403 Oper / Operette 0404 Musical 0405 Tanztheater/Ballett 0406 Kabarett 0407 Kindertheater 0498 darstellende Kunst andere Subsparte 0500 Literatur subspartenübergreifend 0501 Literatur Veranstaltungshinweise 0502 Belletristik 0503 Lyrik 0504 Sachbücher 0505 Biografien 0506 Autobiografien / Tagebücher / Briefe 0507 Kinder-/Jugendliteratur 0598 Literatur andere Subsparte 0600 Musik subspartenübergreifend 0601 Musik Veranstaltungshinweise 0602 Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts 0603 Weltmusik 0604 Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz) 0605 Songwriter, Folk, Country 0606 Rock (z.B. Grunge, Rockabilly) 0607 Pop 0608 Alternative (Gothic, Punk, Industrial) 0609 Rap, HipHop 0610 R&B, Soul 0611 Reggae, Ska, Dub 0612 Elektronik (House, Drum’n’Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat) 0613 Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal) 0698 Musik andere Subsparte 0700 Baukunst subspartenübergreifend 0701 Baukunst Veranstaltungshinweise

02 Bildende Kunst

03 angewandte Kunst

04 darstellende Kunst

05 Literatur

06 Musik

07 Baukunst

Anhang 0702 repräsentative staatliche / privatwirtschaftliche Bauten (Museen, staatliche Gebäude, Bürogebäude) 0703 Nutzbauten mit geringerer Repräsentationsfunktion (Flughäfen, Brücken, Wohnhäuser) 0704 Denkmäler, Mahnmale 0705 Städtebau, Stadtplanung 0706 Denkmalschutz und –pflege, Baudenkmäler 0798 Baukunst andere Subsparte 08 Kino 0800 Kino subspartenübergreifend 0801 Kino Veranstaltungshinweise 0802 Spielfilm 0803 Kurzfilm 0804 Dokumentarfilm 0898 andere Subsparte 0900 andere Medien subspartenübergreifend 0901 andere Medien Veranstaltungshinweise 0902 Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) 0903 nur Hörfunk 0904 nur Fernsehen (auch Kinofilme im TV) 0905 Presse 0906 Internet 0907 Werbung 0998 andere Subsparte 100100 subspartenübergreifend 100200 Veranstaltungshinweise 100300 Naturwissenschaft subspartenübergreifend 100301 Biologie / Gentechnologie 100302 Chemie 100303 Geowissenschaften 100304 Mathematik 100305 Medizin 100306 Physik 100307 Informatik / Informationstechnologie 100308 Nanotechnologie 100309 Astronomie / Raumfahrt 100310 Agrarwissenschaft 100398 Naturwissenschaft anders 100400 Sozialwissenschaften subspartenübergreifend 100401 Politische Wissenschaft 100402 Soziologie 100403 Kommunikationswissenschaft 100404 Psychologie 100405 Pädagogik 100498 Sozialwissenschaften anders

A22

09 andere Medien

10 Wissenschaft / Forschung 1001 Wissenschaft / Forschung / / Technologie Technologie subspartenübergreifend 1002 Wissenschaft / Forschung / Technologie Veranstaltungshinweise 1003 Naturwissenschaft / Technik

1004 Sozialwissenschaften

1005 Geisteswissenschaften

100500 Geisteswissenschaften subspartenübergreifend 100501 Kulturwissenschaften 100502 Sprach- und Literaturwissenschaften 100503 Philosophie 100504 Religionswissenschaft 100505 Geschichtswissenschaft

Anhang 100506 Archäologie 100507 Kunstgeschichte / Kunstwissenschaft 100508 Ethnologie 100509 Musikwissenschaft 100598 Geisteswissenschaft anders 1006 Technik (Automobile, Bahntechnik, Mobiltelefone, Satellitennavigation) 1098 Wissenschaft / Forschung / Technologie anders 11 Bildung und Erziehung 109800 Wissenschaft / Forschung / Technologie anders

A23

1101 Bildung und Erziehung subspartenübergreifend 1102 Bildung und Erziehung Veranstaltungshinweise 1103 allgemein bildende Schulen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule, etc.) 1104 berufliche Schulen (Berufsschule, Fachoberschule, etc.) 1105 Hochschulen 1106 Erwachsenenbildung 1198 Bildung und Erziehung anders 1201 Zeitgeschehen subspartenübergreifend 1202 Zeitgeschehen Veranstaltungshinweise 1203 Politik 120100 Zeitgeschehen subspartenübergreifend 120200 Zeitgeschehen Veranstaltungshinweise

12 Zeitgeschehen

120301 Internationale Politik 120302 Innenpolitik Deutschlands 120303 Innenpolitik anderer Staaten 120304 politische Kultur 120398 Politik anders 120401 demografische Entwicklung 120402 Religion 120403 Alltagsbeobachtungen / Trends 120404 Sexualität / sexuelle Diskriminierung 120405 Minderheiten 120406 Sprache 120407 Justiz 120408 Umwelt 120498 Gesellschaft anders 120500 Wirtschaft 120600 Geschichte subspartenübergreifend 120601 bis 1871 und heutiger Umgang mit der Zeit 120602 1871 bis 1933 und heutiger Umgang mit der Zeit 120603 1933 bis 1945 und heutiger Umgang mit der Zeit 120604 ab 1945 und heutiger Umgang mit der Zeit 120698 Geschichte anders

1204 Gesellschaft

1205 Wirtschaft 1206 Geschichte

1207 Naturkatastrophe/Unglück 120700 Naturkatastrophe/Unglück

1208 Sport

120800 Sport

1298 Zeitgeschehen anders 129800 Zeitgeschehen anders

99 kein Textelement

9900 kein Textelement

990000 kein Textelement

btruthe – [27] – Hauptunterthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Anhang

A24

Definition: Hier wird das Hauptunterthema des Beitrags gemäß des zu Variable btrobthe – [26] dargelegten Schemas und Vorgehens codiert. Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Unterkategorie (Spalte 2 im Schema zu Variable btrobthe – [26]), und zwar vierstellig. Die Kategorien sind exklusiv.
btruuthe – [28] – Hauptunterunterthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Hier wird das Hauptunterunterthema des Beitrags gemäß des zu Variable btrobthe – [26] dargelegten Schemas und Vorgehens codiert. Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Unterunterkategorie (Spalte 3 im Schema zu Variable btrobthe – [26]), und zwar sechsstellig. Ist keine Unterunterkategorie für die codierte Ober- und Unterkategorie vorhanden, wird an die bereits für die Unterkategorie ermittelte Ziffern der Wert 00 angehängt. Die Kategorien sind exklusiv.
btrkultb – [29] – Kulturteilbereich des Hauptthemas im Textelement – nominales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Dieses Merkmal soll Aufschluss über die Zugehörigkeit des Hauptthemas des ausgewerteten Beitrags zu einem der eingangs definierten Kulturbereiche geben. Der Codierer orientiert sich bei der Einordnung im wesentlichen nach den bereits codierten Kultursparten. Lediglich in bestimmten Sparten, bei denen eine pauschale Einordnung nicht vertretbar ist, orientiert sich der Codierer an den über die kulturelle Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen, um es anhand der allgemeinen Definitionen der einzelnen Kulturbereiche einem von ihnen zuzuordnen. Zu populärer Kultur im engeren Sinn zählt unterhaltende Kultur, bei der Teilhabe und als Folge Unterhaltung wichtiger sind als ein „richtiges“ Lesen des ästhetischen Programms auf Basis notwendigen Vorwissens. Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:
02 Bildende Kunst 0205 Karikatur 0208 Computer- und Videospiel 0210 Comic / Cartoon 0405 Musical 0407 Kabarett 0408 Kindertheater 0604 Weltmusik 0605 Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz) 0606 Songwriter, Folk, Country 0607 Rock (z.B. Grunge, Rockabilly) 0608 Pop 0609 Alternative (Gothic, Punk, Industrial) 0610 Rap, HipHop 0611 R&B, Soul 0612 Reggae, Ska, Dub 0613 Elektronik (House, Drum’n’Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat)

04 Darstellende Kunst

06 Musik

Anhang 0614 Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal)

A25

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der populären Kultur im engeren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der allgemeinen Definitionen der populären Kultur im engeren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
02 Bildende Kunst 04 Darstellende Kunst 05 Literatur 0209 Fotografie 0498 darstellende Kunst andere Subsparte 0501 subspartenübergreifend 0503 Belletristik 0505 Sachbücher 0506 Biografien 0507 Autobiografien / Tagebücher / Briefe 0598 Literatur andere Subsparte 0601 subspartenübergreifend 0698 Musik andere Subsparte

06 Musik

08 Kino

0801 subspartenübergreifend 0802 Veranstaltungshinweise 0803 Spielfilm 0804 Kurzfilm 0805 Dokumentarfilm 0898 andere Subsparte

Populäre Kultur im weiteren Sinn Anders als Populäre Kultur im engeren Sinn ist der primäre Zweck der Form nicht zwangsläufig die „ästhetische Synthese“ mit „expressiven Symbolen“ im Sinne Saxers (1995, S. 5, sondern auch ein anderer – eher auf unterhaltende Teilhabe als richtige, voraussetzungsvolle Lesart abzielender Nutzwert. So zum Beispiel bei Mode, Einrichtungs- oder Autodesign. Außerdem umfasst dieses Feld zum Beispiel auch bestimmte Verhaltensweisen wie zum Beispiel Flashmobbing, die gewöhnlich unter dem Begriff „Lifestyle“ zusammengefasst werden Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:
03 angewandte Kunst 0301 subspartenübergreifend 0402 Veranstaltungshinweise 0303 Mode 0304 Design (Autos, Computer, Möbel) 0305 Kunsthandwerk 0398 angewandte Kunst andere Subsparte 0704 Nutzbauten mit geringerer Repräsentationsfunktion (Flughäfen, Brücken, Wohnhäuser) 0706 Städtebau, Stadtplanung 0901 subspartenübergreifend 0902 Veranstaltungshinweise 0903 Hörfunk 0904 Fernsehen (auch Kinofilme im TV) 0905 Presse 0906 Internet 0907 Werbung 0998 andere Subsparte

07 Baukunst

09 andere Medien

Anhang 12 Zeitgeschehen 1204 Gesellschaft 1207 Naturkatastrophe/Unglück 1208 Sport

A26 120403 Alltagsbeobachtungen / Trends

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der allgemeinen Definitionen der populären Kultur im weiteren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
07 Baukunst 12 Zeitgeschehen 0798 Baukunst andere Subsparte 1204 Gesellschaft 1298 Zeitgeschehen anders 120498 Gesellschaft anders

Hochkultur im engeren Sinn Die „sogenannten schönen Künste“ (STOLTE, 1989, S. 205) zeichnen sich der erarbeiteten Definition nach dadurch aus, dass ihr ästhetisches Programm sie bei der Rezeption den Nachvollzug verlangt anstatt auch Unterhaltung ohne besondere Voraussetzungen zu erlauben (vgl. genauere Definition in 2.1.2.3). Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:
02 Bildende Kunst 0203 Malerei 0204 Bildhauerei 0206 Installationen / Videokunst 0207 Computer-/Netzkunst 0403 Schauspiel (Sprechtheater) 0404 Oper / Operette 0406 Tanztheater/Ballett 0504 Lyrik 0603 Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts 0703 repräsentative staatliche / privatwirtschaftliche Bauten (Museen, staatliche Gebäude, Bürogebäude) 0705 Denkmäler, Mahnmale 0707 Denkmalschutz und –pflege, Baudenkmäler 100501 Kulturwissenschaften 100502 Sprach- und Literaturwissenschaften 100503 Philosophie 100504 Religionswissenschaft 100505 Geschichtswissenschaft 100598 Geisteswissenschaft anders 120601 bis 1871 120602 1871 bis 1933 120603 1933 bis 1945 120604 ab 1945

04 Darstellende Kunst

05 Literatur 06 Musik 07 Baukunst

10 Wissenschaft / Forschung / Technologie 1005 Geisteswissenschaften

12 Zeitgeschehen

1206 Geschichte

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle

Anhang

A27

Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der allgemeinen Definitionen der Hochkultur im engeren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
02 Bildende Kunst 04 Darstellende Kunst 05 Literatur 0209 Fotografie 0498 darstellende Kunst andere Subsparte 0501 subspartenübergreifend 0503 Belletristik 0505 Sachbücher 0506 Biografien 0507 Autobiografien / Tagebücher / Briefe 0598 Literatur andere Subsparte 0601 subspartenübergreifend 0698 Musik andere Subsparte 0701 subspartenübergreifend 0798 Baukunst andere Subsparte

06 Musik 07 Baukunst

Hochkultur im weiteren Sinn umfasst „sowohl die ethisch-politische Kultur des Handelns als auch die wissenschaftlich-technische Kultur des Machens“ (STOLTE, 1989, S. 205; zit. nach WEIß, 1992, S. 734). Dieses Feld überschneidet sich wenig mit dem Kulturbetrieb (vgl. 2.1.2.2). Ebenso wenig sind „Wissenschaft, Technik, Recht, Medizin und Religion“ (WEIß, 1992, S. 734) der populären Kultur zuzuordnen, wenn man als ihr Merkmal ein ästhetisches Programm der Unterhaltung als Teilhabe sucht. Auch die Geisteswissenschaften, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Werken der Hochkultur im engeren Sinne zum Beispiel in der Kunstgeschichte, sind also Hochkultur im weiteren Sinne. Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:
10 Wissenschaft / 1003 Naturwissenschaft Forschung / Technologie 100301 Biologie / Gentechnologie 100302 Chemie 100303 Geowissenschaften 100304 Mathematik 100305 Medizin 100306 Physik 100307 Informatik / Informationstechnologie 100308 Nanotechnologie 100398 Naturwissenschaft anders 100401 Politische Wissenschaft 100402 Soziologie 100403 Kommunikationswissenschaft 100404 Psychologie 100405 Pädagogik 100498 Sozialwissenschaften anders

1004 Sozialwissenschaften

11 Bildung und Erziehung

1101 subspartenübergreifend 1102 Veranstaltungshinweise 1103 allgemein bildende Schulen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule, etc.) 1104 berufliche Schulen (Berufsschule, Fachoberschule, etc.) 1105 Hochschulen 1106 Erwachsenenbildung 1198 Bildung und Erziehung anders

Anhang 12 Zeitgeschehen 1203 Politik 120301 Internationale Politik 120302 Innenpolitik Deutschlands 120303 Innenpolitik anderer Staaten 120304 politische Kultur 120398 Politik anders 120401 demografische Entwicklung 120402 Religion

A28

1204 Gesellschaft

1205 Wirtschaft

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der allgemeinen Definitionen der Hochkultur im weiteren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
10 Wissenschaft / Forschung / Technologie 12 Zeitgeschehen 1098 Wissenschaft / Forschung / Technologie anders 1204 Gesellschaft 1298 Zeitgeschehen anders 120498 Gesellschaft anders

Kodierregel und operationale Definition: Die Kategorien sind exklusiv. Der Codierer codiert die Kategorie als zweistellige Ziffer. 01. 02. 03. 04. 05. 06. 98. 99. = = = = = = = = populäre Kultur im engeren Sinn populäre Kultur im weiteren Sinn Hochkultur im engeren Sinn Hochkultur im weiteren Sinn populäre Kultur und Hochkultur im engeren Sinn populäre Kultur und Hochkultur im weiteren Sinn nicht klar zuzuordnen (z.B. bei gemischten Veranstaltungshinweisen) Beitrag enthält kein Textelement

btranlob – [30] –Anlass des Textelements Oberkategorie – nominales Skalenniveau
zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: Als Anlass wird der aktuelle Bezug des Beitrags, der Grund, warum er gerade zu diesem Datum erscheint, verstanden. Der Text muss keineswegs das Themenfeld bestellen, das durch den Anlass umgepflügt wurde. Ein Kinofilm über den Drogenhandel kann zum aktuellen Aufhänger eines Textes über die Pharmaindustrie gemacht werden, die Diskussion über die Pendlerpauschale Ausgangspunkt eines Essays über Stadtentwicklung. Deshalb ist die getrennte Erfassung nötig. So kann analysiert werden, welche aktuellen Ereignisse das Feuilleton für welche Verarbeitung aufgreift.

Anhang

A29

Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Oberkategorie und zwar zweistellig. Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich. 01 Anlass aus dem Bereich populärer Kultur im engeren Sinn 02 Anlass aus dem Bereich populärer Kultur im weiteren Sinn 03 Anlass aus dem Bereich Hochkultur im engeren Sinn 04 Anlass aus dem Bereich Hochkultur im weiteren Sinn 05 Anlass außerhalb der Kultur im weitesten Sinn 06 nicht eindeutig zuzuordnen 07 populäre und Hochkultur im engen Sinne 08 populäre und Hochkultur im weiten Sinne 98 kein aktueller Anlass erkennbar 99 kein Textelement
btranlun – [31] –Anlass des Textelements Unterkategorie – nominales Skalenniveau
zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: vgl. btranlob – [30] Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Unterkategorie, und zwar zweistellig. Die Kategorien sind exklusiv. Für alle Oberkategorien kann aus derselben Menge an Ausprägungen als Unterkategorie gewählt werden. 01 neues Produkt erscheint (auch Ausstellungseröffnung / Theaterpremiere / Filmstart / Konzert) 02 Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse 03 Auszeichnung/Preisverleihung 04 Organisatorische Veränderung in Institutionen (neues Personal, Gründung, Abwicklung, Wahlen, Arbeitskampf) 05 Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen (Gespräche, Verträge, Aufträge, Gesetze, Prozesse) 06 Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen (Bilanzen, Besucherzahlen) 07 institutionalisierte Veranstaltungen (Kongresse, Konferenzen, Jahrestagungen) 08 nicht-institutionalisierte Veranstaltungen (Demonstrationen) 09 Jahrestag / Todestag / Geburtstag / Jubiläum / Tod 10 Äußerungen von Funktionsinhabern / Künstlern / anderen Protagonisten, wenn diese selbst Anlass sind und sich nicht auf solchen beziehen 11 Diskussion / Debatte über Thema allgemein als Anlass ohne konkrete neue Ereignisse

Anhang

A30

12 Trend (wenn im Beitrag behauptet und nicht auf z.B. wissenschaftliche Veröffentlichung gestützt) 13 aktuelle Beobachtung eines nicht-aktuellen Gegenstand durch Verfasser 97 anderer Anlass 98 kein Anlass erkennbar 99 kein Textelement
btrfokob – [32] – Fokus des Textelements Oberkategorie – nominale Skalierung
zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: Der Fokus eines Beitrags ist mehr als das beackerte Themenfeld – es ist die Vorgehensweise des Autors dabei. Merkmale wie aktueller Anlass, Themenfeld und Darstellungsform können bestenfalls nur Indikatoren für die Strategie des vorliegenden Textes sein. Zum Beispiel: Ein Essay thematisiert den Wandel der gesellschaftlichen Rollen von Frauen, konkret Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und bei der statistischen Lebenserwartung. Aktueller Aufhänger ist eine Studie über den Umgang von Grundschullehrerinnen mit Schülern und Schülerinnen. Als Themenfeld erfasst der Codierer also „Zeitgeschehen > Gesellschaft > demografische Entwicklung“ und als aktuellen Anlass „Aktuelles Ereignis außerhalb des Kulturbetriebs > Veröffentlichung der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die sich nicht mit Kulturprodukten / Kulturproduktion beschäftigt“. Damit ist aber ein Erkenntnisinteresse noch nicht befriedigt: Knüpft der vorliegende Essay sein gesellschaftliches Hauptthema an Kulturthemen an? Der Autor könnte zum Beispiel auf die Darstellung von Frauen in jüngeren Filmen, Theaterstücken und Prosatexten verweisen, um seine Thesen zu illustrieren und zu veranschaulichen. Oder der Beitrag bearbeitet sein Hauptthema ohne solche Brückenschläge auf Basis soziologischer Untersuchungen. Den Unterschied erfasst der Codierer mit dem Merkmal „Fokus des Beitrags“. Zu beachten ist, dass diese mögliche Verknüpfung der Kultur im engeren mit der Kultur im weiteren Sinne vom Autor im Beitrags selbst geleistet werden muss. Eine Kritik, die etwa lediglich den historischen Bezug eines Theaterstücks aufzählt, sich ansonsten jedoch hauptsächlich die Inszenierung bewertet, wird als den Kulturbetrieb im engeren Sinne fokussierend codiert. Schildert jedoch der Autor selbst historische Parallelen und macht deren Einordnung zu einem wesentlichen Element des Beitrags, wird der Artikel als die Verknüpfung von Kultur im engeren mit der Kultur im weiteren Sinne fokussierend codiert. Beiträge über Kulturinstitutionen und unmittelbar auf sie bezogene Ereignisse in deren Umfeld – also Sponsoringverträge, Personalentscheidungen staatlicher Träger und ähnliches, werden als Fokus auf Kultur im engeren Sinne mit der Unterausprägung Kulturbetrieb codiert. Erst wenn Ereignisse außerhalb der Kultur im engeren Sinn nicht so exklusiv auf sie bezogen sind – zum Beispiel die Folge der Konjunktur auf Sponsoringbereitschaft von Unternehmen – wird eine Verknüpfung von Kultur im engen mit Kultur im weiten Sinne codiert – wenn sie denn der Artikel so ausarbeitet.

Anhang

A31

Zudem liefert die Auszählung der Merkmalsausprägungen in dieser Kategorie genauere Erkenntnisse über die thematische Vielfalt des Feuilletons, als es die Auswertung der Darstellungsformen und Hauptthemen allein kann. So ist zum Beispiel ein Unterschied, ob als Hauptthema „Literatur > Belletristik“ ausschließlich bei Beiträgen codiert wurde, die Belletristik als Kulturprodukt fokussieren, oder auch bei Texten, die Schriftsteller als Personen oder wirtschaftlichen Mechanismen des Buchmarkts ins Zentrum rücken. Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert Ober- und Unterkategorie als vier-, beziehungsweise bei einer weiteren Unterkategorie sechsstellige Ziffer. Sie setzt sich aus der zweistelligen Ober-, der zweistelligen Unterkategorienziffer und in einigen Fällen einer weiteren zweistelligen Unterunterkategorienziffer zusammen. Die Kategorien sind exklusiv.

Anhang btrfokob – [32] 01 Fokus auf Kultur im engeren Sinn 0101 Kulturprodukt ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn 0102 Kulturproduzenten 0103 Kulturbetrieb 0104 Kulturpolitik 0198 anderer Fokus auf kulturelle Entwicklungen im engeren Sinn 02 Fokus auf Kultur im weiteren Sinn ohne Bezug zu kulturellen Entwicklungen im engeren Sinn 0201 Vermeldung von Neuigkeiten 0202 Debatten / Diskussion btrfokun – [33]

A32

0203 Hintergründe / Zusammenhänge ohne Experten-Autorität des Autors zu Trend oder Ereignis 0204 Hintergründe / Zusammenhänge mit Experten-Autorität des Autors zu Trend oder Ereignis 0205 Hintergründe / Zusammenhänge zu Produkte 0206 Hintergründe / Zusammenhänge zu Person 0207 Hintergründe / Zusammenhänge zu Institution 0208 Veranstaltungshinweise / Programmübersichten 0298 anderer Fokus auf gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Entwicklungen ohne Bezug zu klassischen Kultursparten 03 Fokus auf Beziehung zwischen Kultur im engeren und Kultur im weiteren Sinn 0301 Kulturproduzent (im engeren Sinn) äußert sich zu gesellschaftlichen Entwicklungen 0302 Kultur als Hintergrund für Verständnis von oder Spiegel für Entwicklung in Kultur im weiteren Sinn 0303 Auswirkungen von Entwicklung in Kultur im weiteren Sinn auf Kulturbereiche im engeren Sinn 0304 Auswirkungen von Entwicklung in Kultur im engeren Sinn auf Kulturbereiche im weiteren Sinn 0398 sonstiger Fokus auf Beziehung von Kultur im engeren und Kultur im weiteren Sinn 98 nicht eindeutig zu bestimmen 99 kein Textelement 9800 nicht eindeutig zu bestimmen 9900 kein Textelement

btrfokun – [33] – Fokus des Textelements Unterkategorie – nominale Skalierung
zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: vgl. btrfokob – [32] Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die Unterkategorie (Spalte 2 im Schema zu Variable btrfokob – [32], und zwar vierstellig. Die Kategorien sind exklusiv.

Anhang

A33

Codierbögen

Anhang

A34

Ergebnisse des Pretests
Intracoderreliabilität
Tabelle 76: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene Hauptdimension: Kategorien zur Identifikation agidnr – [01] agdatum – [02] agjahr – [03] Kategorien zum Umfang agseitbr – [05] asgfeusd – [06] asgfeupb – [07] C1 (21./22.11.) 3 3 3 3 3 3 C2 (28./29.11.) 3 3 3 3 3 3 Ü 3 3 3 3 3 3 CR 1 1 1 1 1 1

Anhang

A35

Tabelle 77: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Beitragsebene Hauptdimension Kategorien zur Identifikation btridnr – [08] btrdatum – [09] btrjahr – [10] btrfeusg – [11] Summe/gesamt Kategorien zu Umfang und Platzierung btrseit – [12] btrbruch – [13 btraufma – [14] Summe/gesamt txtflaec – [15] bldflaec – [16] btrflaec – [17] Summe/gesamt Kategorien zur Gestaltung btrserie – [18] txtquell – [19] txtform – [20] btrrubri– [21] btrzwiti– [22] btrinfok– [23] btrendab– [24] bldform – [25] Summe/gesamt Kategorien zum Inhalt btrobthe – [26] btruthe – [27] btruuthe – [28] btrkultb – [29] btranlob – [30] btranlun – [31] btrfokob – [32] btrfokun – [33] btrfokuu – [34] Summe/gesamt C1 88 88 88 88 352 88 88 88 264 88 88 88 264 88 88 88 88 88 88 88 88 704 88 88 88 88 88 88 88 88 88 792 C2 88 88 88 88 352 88 88 88 264 88 88 88 264 88 88 88 88 88 88 88 88 704 88 88 88 88 88 88 88 88 88 792 Ü 88 88 88 88 352 88 87 88 263 67 81 66 214 87 87 77 87 80 87 85 86 676 85 72 70 80 76 65 79 68 64 659 CR 1 1 1 1 1 1 0,99 1 0,99 0,75 0,91 0,75 0,80 0,99 0,99 0,88 0,99 0,91 0,99 0,97 0,98 0,95 0,97 0,82 0,79 0,91 0,85 0,74 0,89 0,76 0,73 0,82

Intercoderreliabilität
Tabelle 78: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene Hauptdimension: Kategorien zur Identifikation agidnr – [01] agdatum – [02] agjahr – [03] Kategorien zum Umfang agseitbr – [05] asgfeusd – [06] asgfeupb – [07] C1 (Lischka) C2 (Kelkel) Ü CR

1 1 1 1 1 1

1 1 1 1 1 1

1 1 1 1 1 1

1 1 1 1 1 1

Anhang

A36

Tabelle 79: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Beitragsebene Hauptdimension Kategorien zur Identifikation btridnr – [08] btrdatum – [09] btrjahr – [10] btrfeusg – [11] Summe/gesamt Kategorien zu Umfang und Platzierung btrseit – [12] btrbruch – [13 btraufma – [14] Summe/gesamt txtflaec – [15] bldflaec – [16] btrflaec – [17] Summe/gesamt Kategorien zur Gestaltung btrserie – [18] txtquell – [19] txtform – [20] btrrubri– [21] btrzwiti– [22] btrinfok– [23] btrendab– [24] bldform – [25] Summe/gesamt Kategorien zum Inhalt btrobthe – [26] btruthe – [27] btruuthe – [28] btrkultb – [29] btranlob – [30] btranlun – [31] btrfokob – [32] btrfokun – [33] Summe/gesamt C1 Lischka) 25 25 25 25 100 25 25 25 75 25 25 25 75 25 25 25 25 25 25 25 25 200 25 25 25 25 25 25 25 25 225 C2 (Kelkel) 25 25 25 25 100 25 25 25 75 25 25 25 75 25 25 25 25 25 25 25 25 200 25 25 25 25 25 25 25 25 225 Ü 25 25 25 25 100 25 25 25 75 22 25 22 69 25 25 22 25 25 25 25 23 195 24 22 21 22 20 20 21 19 196 CR 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,88 1 0,88 0,92 1 1 0,88 1 1 1 1 0,92 0,98 0,96 0,88 0,84 0,88 0,8 0,8 0,84 0,76 0,86

Anhang

A37

Tabellen
Tabelle 80: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets Naturwissenschaft 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
n = 33 cm² % 612 10,4 976 16,6 380 6,5 168 2,9 2523 43 845 14,4 150 209 5863 2,6 3,6 100

2000 (27.11.-2.12)
SZ par. Df.
n = 16 cm² % 240 9,4 66 2,6 1437 56,3 298 11,7 76 437 2554 3 17,1 100,1

SZ Slb.def.
n=1 cm² % 76 76 100 100

FAZ
n = 28 cm² % 4646 59,2 247 3,1 935 11,9 550 7 631 421 420 7850 8 5,4 5,4 100

SZ Slb.def.
n=1 cm² % 316 316 100 100

SZ par. Df.
n = 13 cm² % 700 24,9 778 27,7 316 112 906 2812 11,2 4 32,2 100

subspartenübergreifend Biologie / Gentechnologie Chemie Geowissenschaften Mathematik Medizin Physik Informatik / Informationstechnologie Nanotechnologie Astronomie / Raumfahrt Agrarwissenschaft Naturwissenschaft anders gesamt

Tabelle 81: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Themenfeldern an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ
Anlass aus dem Bereich ... ... populäre Kultur im engeren Sinn ... populäre Kultur im weiteren Sinn ... Hochkultur im engeren Sinn ... Hochkultur im weiteren Sinn ... Pop-& Hochkultur im engen Sinn ... außerhalb Kultur im weiteren Sin. nicht eindeutig zuzuordnen kein Anl. erkennbar gesamt n = 259 cm² % 9124 23964 21151 19774 3220 96 4746 82075 11,1 29,2 25,8 24,1 3,9 0,1 5,8 100

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
n = 261 cm² % 10094 22174 25783 27579 846 5055 91531 11 24,2 28,2 30,1 0,9 5,5 99,9

SZ Slb.def.
n = 95 cm² % 4667 2064 10036 7238 36 1685 25726 18,1 8 39 28,1 0,1 6,5 99,8

SZ par. Df.
n = 151 cm² % 7559 14026 10036 10496 36 4334 46487 16,3 30,2 21,6 22,6 0,1 9,3 100,1

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 5724 2278 8086 5588 3355 36 25067 22,8 9,1 32,3 22,3 13,4 0,1 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 6844 17093 8266 9031 3355 1220 45809 14,9 37,3 18 19,7 7,3 2,7 99,9

Anhang

A38

Tabelle 82: Flächenanteile ausgewählter Hauptanlasstypen zu ausgewählten Kulturbereichen nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ (%)
Beiträge mit Hauptoberthema... ... aus populärer Kultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt. wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen andere ... aus populärer Kultur im weiteren Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen akt. Beobachtung nichtaktuellen Objekts Diskussion / Debatte andere ... aus Hochkultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen andere ... aus Hochkultur im weiten Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen Diskussion/Debatte Auszeichnungen/Preise andere n = 251

2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%)
n = 254

SZ Slb.def.
(%) | n = 92

SZ par. Df.
(%) | n = 148

SZ Slb.def.
(%) | n = 86

SZ par. Df.
(%) | n = 140

59,4 9 14 31,6

82,4 17,6

71,8 28,2

91,8 5,1 3,1

94,1 2 3,9

92 1,7 6,3

77,1 9,3 13,6

21,7 8,6 42,4 5,2 22,1

68 7,2 13 0,9 10,9

81,3 4,1 3 11,6

1,5 22,3 40,2 19,1 16,9

55 1,1 23,6 5,4 7,4 7,5

73,2 18,5 8,3

58,8 28,3 12,9

58,8 28,3 12,9

65,7 8,4 25,9

63,3 0,5 11,2 25

64,1 0,5 10,9 24,5

21 32 18,6 4,2 0,4 23,8

18,5 1,8 22,3 16,8 28,9 11,7

12,2 8,4 25,7 13,8 18 21,9

17,7 11,3 23,5 25,7 0,8 21

10,7 7 35,1 26,6 10,4 10,2

10,7 21,2 25,6 20,6 5,8 16,1

14

darin: 26,7 % kein Anlass erkennbar | 3,4 % Jahres-/Todes-/Geburtstag | 1,2 aktuelle Beobachtung nicht aktuellen Gegenstands | 0,3 % Preisverleihung

Anhang

A39

Tabelle 83: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999 (22.-27.11.)
FAZ (%)
Beiträge mit Hauptoberthema... ... aus populärer Kultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus populärer Kultur im weiteren Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus Hochkultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus Hochkultur im weiten Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere n = 251

2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%)
n = 254

SZ Slb.def.
(%) | n = 92

SZ par. Df.
(%) | n = 148

SZ Slb.def.
(%) | n = 86

SZ par. Df.
(%) | n = 140

72,6 8,4 1,2 17,7 -

100 -

91,4 -

97,3 2,6 0,2 -

98 2 -

98,3 1,7 -

90,2 0,2 6 3,6 -

2,7 74 8,6 14,6 -

0,5 88,4 3,4 7,8 -

93,9 1,1 2,2 2,8 -

77,7 22,3

91,5 2,1 3,4 3

90,7 7 2,2 -

86,8 9,2 3,9 -

86,8 9,2 3,9 -

1,3 86,6 0 12,1 -

96 3,6 0,4 -

96,1 3,5 0,4 -

0,9 2,9 6,7 81,9 5,8 1,8

2,7 88,3 9,1 -

1,7 82,3 16 -

3,1 93,8 3,1 -

100 -

93,1 6,9 -

Tabelle 84: Flächenanteile des Themenuntergebiets Zeitgeschehen und untergeordneter Themen an Textfläche 2000/2001 nach Titel (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
Zeitgeschehen allgemein davon: Veranstaltungshinweise davon: Politik davon: Gesellschaft davon: Wirtschaft davon: Geschichte n = 27 cm² % 13870 100 722 4330 7700 294 824 5,2 31,2 55,5 2,1 5,9

2001 (26.11.-1.12)
n = 16

SZ Slb.def.
n = 16 cm² 5729 1764 3362 132 471 % 100 30,8 58,7 2,3 8,2

SZ par. Def.
cm² 5729 1764 3362 132 471 % 100 30,8 58,7 2,3 8,2

FAZ
n = 24 cm² % 10158 100 3360 3226 3266 33 31,8 32,2

SZ Slb.def.
n = 11 cm² 4864 2287 318 399 1860 % 100 47 6,5 8,2 38,2

SZ par. Def.
n = 19 cm² 7643 3552 1670 561 1860 % 100 46,5 21,9 7,3 24,3

Anhang

A40

Tabelle 85: Flächenanteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)

2000 (27.11.-2.12)
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
... insgesamt ... über Bruch populäre Kultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch populäre Kultur im weiteren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur im weiteren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 ... insgesamt ... über Bruch Hochkultur und populäre Kultur im engeren Sinn ... der Feuilletonaufmacher ... auf Feuilletonseite 1 ... auf Feuilletonseite 2 ... auf Feuilletonseite 3 ... auf Feuilletonseite 4 n. zuzuordnen ... über Bruch / Auf. / Seiten 1-4

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 323 12,2 8,6 15,2 12,9 30,9 7,3 21,1 27,5 31,4 0 1,6 4,5 0 10,7 21,1 21,9 16,5 26,8 28,2 32 31,1 33,6 32,7 68,3 49,3 36,1 49,6 37,2 5,3 5,4 9,4 6,6 4,7

FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 11,3 10,5 7,5 29,5 18,8 12,8 25,5 29,8 28,9 22,8 5,9 14,2 31,1 27,1 20,5 34,6 64,6 35,5 41,6 31,1 31,7 50,6 33,3 36,2 31,4 0,9 0,8 1,2 0 9,5 0,6 n = 100 20,5 21,7 15,6 16,5 15,5 28 13,8 15,2 20,8 13,5 6,2 15,8 29 31,9 31 22,7 47,3 51,4 3,6 17,2 15,1 65,1 35,8 10,4 16,6 16,7 17 14,1 12,4 19,5 0,7 39,4 n = 154 13,9 13,7 15,6 16,5 15,5 14 39,9 43,9 20,8 13,5 6,2 15,8 64,5 18,8 18,2 22,7 47,3 51,4 1,8 17,8 14,5 65,1 35,8 10,4 16,6 9,7 9,7 14,1 12,4 19,5 0,7 19,7 -

SZ Slb.def.
n = 106 17,8 19,3 21,2 16,2 22,3 7,9 15,7 16,3 0 1,8 13,6 6 28,6 26,5 35 12,3 50,3 27 27 22,8 100 42 32,4 13,8 30,9 10,9 15 39,1 28,2 -

SZ par. Df.
n = 195 12,5 13,7 21,2 16,2 22,3 6,9 29,1 33,2 0 1,8 13,6 7,7 19,5 17,2 35 12,3 50,3 23,6 29,4 23,2 100 42 32,4 13,8 34,2 9,5 12,7 39,1 27,6 -

Anhang

A41

Tabelle 86: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%)
Beiträge mit Hauptoberthema... ... aus populärer Kultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus populärer Kultur im weiteren Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus Hochkultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere ... aus Hochkultur im weiten Sinn davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche aus populärer Kultur im engeren S. aus populärer Kultur im weiteren S. aus Hochkultur im engeren Sinn aus Hochkultur im weiteren Sinn kein aktueller Anlass erkennbar andere n = 254

2001 (26.11.-1.12)
FAZ (%)
n = 307

SZ Slb.def.
(%) | n = 86

SZ par. Df.
(%) | n = 140

SZ Slb.def.
(%) | n = 98

SZ par. Df.
(%) | n = 185

97,3 2,6 0,2 -

98 2 -

98,3 1,7 -

79,7 0 0 9,6 10,6 -

100 -

100 -

93,9 1,1 2,2 2,8 -

77,7 22,3

91,5 2,1 3,4 3

84,5 4,3 11,2 -

63,3 10,2 26,5 -

87,2 5,8 7,0 -

1,3 86,6 0 12,1 -

96 3,6 0,4 -

96,1 3,5 0,4 -

1,2 95 2,6 1,2 -

92,6 3,5 3,9 -

91,4 4,1 4,6 -

3,1 93,8 3,1 -

100 -

93,1 6,9 -

2,1 96,3 1,6 -

78,9 21,1 -

85,7 11,3 3

Tabelle 87: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Themenfelder an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ
Anlass aus dem Bereich ... ... populäre Kultur im engeren Sinn ... populäre Kultur im weiteren Sinn ... Hochkultur im engeren Sinn ... Hochkultur im weiteren Sinn ... Pop-& Hochkultur im engen Sinn ... außerhalb Kultur im weiteren Sin. nicht eindeutig zuzuordnen kein Anl. erkennbar gesamt n = 261 cm² % 10094 11 22174 24,2 25783 28,2 27579 30,1 846 0,9 5055 5,5 91531 99,9

2001 (26.11.-1.12)
FAZ
n = 323 cm² % 10257 10 28441 27,6 20822 20,2 35600 34,6 4974 4,8 306 0,3 2574 2,9 102974 100,4

SZ Slb.def.
n = 100 cm² % 5724 22,8 2278 9,1 8086 32,3 5588 22,3 3355 13,4 36 0,1 25067 100

SZ par. Df.
n = 154 cm² % 6844 14,9 17093 37,3 8266 18 9031 19,7 3355 7,3 1220 2,7 45809 99,9

SZ Slb.def.
n = 106 cm² % 5407 17,2 2351 7,5 10168 32,4 9606 30,6 3895 12,4 31427 100,1

SZ par. Df.
n = 195 cm² % 7660 12,5 15532 25,4 11030 18 18348 30 4348 7,1 538 0,9 3734 6,1 61190 100

Anhang

A42

Tabelle 88: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)

2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%)
Beiträge mit Hauptoberthema... ... aus populärer Kultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt. wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen andere ... aus populärer Kultur im weiteren Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen akt. Beobachtung nichtaktuellen Objekts Diskussion / Debatte andere ... aus Hochkultur im engen Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen andere ... aus Hochkultur im weiten Sinn davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche neues Produkt wissenschaftliche Ergebnisse Institutionen Diskussion/Debatte Auszeichnungen/Preise andere n = 254

2001 (26.11.-1.12)
FAZ (%)
n = 307

SZ Slb.def.
(%) | n = 86

SZ par. Df.
(%) | n = 140

SZ Slb.def.
(%) | n = 98

SZ par. Df.
(%) | n = 185

91,8 5,1 3,1

94,1 2 3,9

92 1,7 6,3

74,2 1,4 5,4 15 18,9

65 7,2 16 27,8

71,2 5,1 23,7

81,3 4,1 3 11,6

1,5 22,3 40,2 19,1 16,9

55 1,1 23,6 5,4 7,4 7,5

70,9 0,6 10,4 9,1 7 2

33 5,1 8,4 21,8 31,7

73,6 12,3 2,8 3,7 7,6

65,7 8,4 25,9

63,3 0,5 11,2 25

64,1 0,5 10,9 24,5

68,7 21,8 9,5

77,3 0,7 6,2 15,8

71,7 0,6 10,9 16,8

17,7 11,3 23,5 25,7 0,8 21

10,7 7 35,1 26,6 10,4 10,2

10,7 21,2 25,6 20,6 5,8 16,1

21,6 29,4 30,7 7,5 5,7 5,1

23,3 7,6 30,3 7 0,4 17 31,4

13,8 17,7 36,5 6 0,2 25,8

Tabelle 89: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets Naturwissenschaft nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=33 n=1 subspartenübergreifend Biologie / Gentechnologie Chemie Geowissenschaften Mathematik Medizin Physik Informatik / Informationstechnologie Nanotechnologie Astronomie / Raumfahrt Agrarwissenschaft Naturwissenschaft anders gesamt 10,4 16,6 6,5 2,9 43 14,4 2,6 3,6 100 100 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =28 n=1 59,2 3,1 11,9 7 8 5,4 5,4 100 100 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=57 n=4 69,3 0 2,7 12,4 4,5 0,5 0,5 4,9 1,4 3,9 100 100 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=32 n=1 2,7 10,1 2,1 39,1 22 6,6 13,8 2,8 0,8 100 100 100

Gesamt
FAZ % n=150 2,2 47,3 1,1 2,2 0,5 22,3 9,9 3,2 4 4,2 1,3 1,7 99,9 SZ % n=7 62,1 16,9 21,1 101,1

15 16 17

kein Anlass erkennbar: 10,6% | Jahres-/Todes-/Geburtstag: 6,5% | Auszeichnung: 0,3% | Debatte: 1,4 Jahres-/Todes-/Geburtstag: 15,2% | Debatte: 11,6% | Auszeichnung: 1% | kein Anlass erkennbar: 21,1% | Jahres-/Todes-/Geburtstag: 5,5% | aktuelle Beobachtung nichtaktuellen Objekts: 4,8%

Anhang

A43

Tabelle 90: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets Naturwissenschaft nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=33 n=16 subspartenübergreifend Biologie / Gentechnologie Chemie Geowissenschaften Mathematik Medizin Physik Informatik / Informationstechnologie Nanotechnologie Astronomie / Raumfahrt Agrarwissenschaft Naturwissenschaft anders gesamt 10,4 16,6 6,5 2,9 43 14,4 2,6 3,6 100 9,4 2,6 56,3 11,7 3 17,1 100,1

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =28 n=13 59,2 3,1 11,9 7 8 5,4 5,4 100 24,9 27,7 11,2 4 32,2 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=57 n=25 69,3 2,7 12,4 4,5 0,5 0,5 4,9 1,4 3,9 100 10,8 38,3 7,4 10,6 18,7 -0 8,4 4,4 1,3 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=32 n=14 2,7 10,1 2,1 39,1 22 6,6 13,8 2,8 0,8 100 21,9 2 48,6 11,9 15,6 100

Gesamt
FAZ % n=150 2,2 47,3 1,1 2,2 0,5 22,3 9,9 3,2 4 4,2 1,3 1,7 99,9 SZ % n=68 4,3 26,6 2,9 0,9 30,3 12 2,5 7,7 8,8 3,9 99,9

Tabelle 91: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 Pop. Kultur i. engen Sinn Pop. Kultur i. weit. Sinn Hochkultur i. engen Sinn Hochkultur i. weit. Sinn P./H.-Kultur im eng. Sinn nicht klar zuzuordnen Gesamt 15 31,6 25,2 24,7 3,5 100 17,6 34,1 24,4 23,3 0,6 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 11,3 25,5 31,1 31,1 0,9 0,1 100 13,9 39,9 18,8 17,8 9,7 100,1

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 12,2 27,5 21,1 33,6 5,3 0,4 100,1 12,5 29,1 19,5 29,4 9,5 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 14,9 21,8 33,1 28,6 1,6 100 16,2 27,4 27,3 22,4 6,6 99,9

Gesamt
FAZ % n=1100 13,2 26,7 27,2 29,8 2,9 0,2 100 SZ % n=688 14,9 32,1 22,5 23,6 6,8 99,9

Tabelle 92: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 4,9 3 4,9 3,7 14 14,9 5,8 8,3 3,1 1,8 0,9 5,5 0,5 0,8 0 2,3 4 6,5 0,4 0,6 1,5 3,9 28,4 38,3 1,3 1,7 4,6 0,3 1,5 24,1 1,3 3 4,1 0,1 100,1 99,9

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 3,8 3,9 2,9 3,8 18,8 14,5 6,8 1,5 0,4 2,2 1,5 3,6 1,2 2 0 5 5,7 9,7 0,1 2,5 0,9 10 29,5 34,4 0,7 3,7 0,1 0,4 0,5 20,5 6,2 1,2 1,9 100 99,9

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 3,7 1,6 7,1 5,4 17,8 12,9 2,6 6,2 1,5 4,4 1,5 3,1 1,2 2,2 4,5 3,3 5,9 9,2 0,6 2,4 2 2,5 23,2 40,1 0,4 2,8 0,1 21,3 0,8 1,2 3,1 4,6 0,8 100 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 4,4 2,5 6,8 3,2 14,1 6,4 6,7 9,3 4,7 4,1 2,6 1,5 3,5 7,8 3,9 9 0,4 0,3 0,7 4,1 25,9 43,8 1,3 5,2 0,7 0,1 0,5 20,1 5,1 0,8 0,5 99,9 100,1

Gesamt
FAZ % n=1100 4,1 5,4 16,4 5,3 2,3 1,9 1,1 1,3 5 0,4 1,3 26,6 0,9 4 0,2 21,5 0,6 0,9 0,8 100 SZ % n=427 2,7 4 11,7 6,6 2 3,6 2,3 4,8 8,7 1,4 4,9 39,6 0,4 0,2 0,6 3,1 1,2 2,1 0,2 100,1

Meldung / Nachricht Bericht Hintergrundbericht Essay Reportage/Feature Portrait (außer Nachruf) Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Literatur Bildunterschrift Veranst.kal./Rundf.prg. Sammelrezension Rede sonstige Darstell.form Gesamt

Anhang

A44

Tabelle 93: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 Rubriktitel Zwischentitel Infokasten markanter Endabsatz ohne diese Gestaltungselemente 35 26,9 4,5 21,7 41,5 12 29,8 34,2 42,8

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 30,9 25,1 5,1 25 43,6 13,1 36,3 5,6 30,3 38,1

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 33,8 27,4 11,8 16,6 47,1 9,5 56,3 7,4 28,1 29,6

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 28,6 21 3,6 17,3 51,2 7,6 37,3 1,5 34,9 35

Gesamt
FAZ % n=1100 32,1 25,1 6,3 20,2 45,9 SZ % n=427 10,6 39,8 3,5 31,9 36,4

Tabelle 94: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 Rubriktitel Zwischentitel Infokasten markanter Endabsatz ohne diese Gestaltungselemente 35 26,9 4,5 21,7 41,5 8,8 49,5 17 18,9 32,4

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 30,9 25,1 5,1 25 43,6 10,8 51,1 20,5 20,3 31

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 33,8 27,4 11,8 16,6 47,1 8,6 56,1 16,9 24,3 27

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 28,6 21 3,6 17,3 51,2 6,3 46 16,3 23,8 33,3

Gesamt
FAZ % n=1100 32,1 25,1 6,3 20,2 45,9 SZ % n=688 8,63 50,68 17,68 21,83 30,93

Tabelle 95: Flächenanteile der Texte nach publizistischen Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 Eigenbeitrag Agenturbeitrag Gastautor (exkl.) Übernahme Rede Übernahme Buch Übernahme aus anderer Zeitung Gesamt 90,9 1,2 3,9 4 100 85 3 7,5 4,1 0,4 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 89,4 1,5 5,6 3,4 100 95,5 1,1 3,4 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 88,8 0,7 3,8 4,1 2,6 100 86,5 1 8 4,6 100,1

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 93,4 0,9 0,5 5,2 100 93,3 1,4 5,3 100

Gesamt
FAZ % n=1100 90,4 1,1 3,6 1,2 3,7 100 SZ % n=427 89,5 1,9 6,4 2,1 0,1 100

Tabelle 96: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 Eigenbeitrag Agenturbeitrag Gastautor (exkl.) Übernahme Rede Übernahme Buch Übernahme aus anderer Zeitung Gesamt 90,9 1,2 3,9 0 4 100 89 2,5 6 2,3 0,2 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 89,4 1,5 5,6 0 3,4 100 95,3 1,8 2,6 0 0,1 0,2 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 88,8 0,7 3,8 4,1 2,6 100 88 4,2 5,4 2,4 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 93,4 0,9 0,5 5,2 100 95,5 1,1 3,4 100

Gesamt
FAZ % n=1100 90,4 1,1 3,6 1,2 3,7 100 SZ % n=688 91,8 2,5 4,4 1,2 0 0,1 100

Anhang

A45

Tabelle 97: Anteile bestimmter Kulturbereiche an den Textflächen bestimmter Darstellungsformen und Quellen nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=58 n=23 Essays zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Kommentare zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Reportagen/Features zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Hintergrunderpichte zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn Gastautoren zu: populäre Kult. i. eng. Sinn populäre Kult. i. weit. Sinn Hochkultur i. eng. Sinn Hochkultur i. weit. Sinn 28,3 71,1 7,8 14,9 72,1 17,7 39,4 7,4 14,3 8,6 27,1 12,6 51,7 42,1 14,5 43,5 27,5 43,9 28,6 8,6 20,9 57,2 100 17,3 38,9 43,7 31,8 68,2

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =63 n=23 30,2 69,8 4,2 13,2 27 55,6 100 5,2 8,7 15,9 67,7 16,6 3,7 79,7 11,8 88,2 100 19,5 7,6 52,1 15,2 84,8

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=78 n=26 38,5 61,5 3,7 16 17 60,3 2 70,2 27,8 6,9 13,6 18,4 58 26,7 1,5 71,8 100 4,1 22,4 73,5 45,6 25,4 29,1 28,8 26,7 32,3 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=59 n=27 11,7 88,3 4,9 6,8 22,7 44,7 48,5 7,9 29,5 14,1 13,2 16,6 24,5 45,7 100 20,9 79,1 3,7 4,1 14,6 77,6 10,9 14,5 57,2 13,1 86,9

Gesamt
FAZ % n=264 8,6 17,3 74,1 3,3 12 20,6 58,5 27,3 29,5 15,3 21,1 7,9 15,4 17,6 57,4 25,7 8,4 65,9 SZ % n=99 7,5 21 66,8 5,1 2,7 14,4 75,6 26 37,6 19,8 16,6 7 13,2 23 44,9 8,1 5,7 86,1

Tabelle 98: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 59,3 47,7 7,9 0,8 14,7 0 3,7 0 1 1,9 3,7 1,4 5,8 100,2 0,5 9 19,4 0 3,9 1 5,8 0 6,1 0 6,5 99,9

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 57 52,5 3,6 1,5 12,5 0 8 0,1 8,9 1,2 1,3 0,4 5,5 100 1,4 4,8 18,7 1,3 5,6 1,7 7,7 5,7 0,6 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 53,2 47,5 10,2 2,5 19,7 0,2 2,6 0,2 6,2 0 2,5 0 2,9 100,2 2,5 5,1 17,9 5,9 0,4 7,4 3,3 9,9 99,9

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 56,5 58,6 6,2 0,8 15,7 5,7 7,4 1,4 0,7 5,6 100 0,1 1 13,4 7,3 2,3 9,8 4,3 0,4 0 2,6 99,8

Gesamt
FAZ % n=1100 56,4 7,1 1,5 15,8 0,1 4,9 0,1 6 1 2,1 0,1 5 100,1 SZ % n=427 52 1,1 4,6 17 0,3 5,8 1,4 7,9 1,3 3,5 5 99,9

neues Produkt Wissenschaftliche Ergebnisse Auszeichnung/Preis 18 Institutionen nicht-institutionalisierte Veranstalt. Jahres-/Todes-/ Geburtstag Äußerungen von Funktionsinhabern Diskussion/Debatte Trend Aktuelle Beobachtung nicht aktuellen Gegenstands anderer Anlass kein Anlass erkennbar gesamt

18

Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen

Anhang

A46

Tabelle 99: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=151 neues Produkt Wissenschaftliche Ergebnisse Auszeichnung/Preis 19 Institutionen nicht-institutionalisierte Veranstalt. Jahres-/Todes-/ Geburtstag Äußerungen von Funktionsinhabern Diskussion/Debatte Trend Aktuelle Beobachtung nicht aktuellen Gegenstands anderer Anlass kein Anlass erkennbar gesamt 59,3 7,9 0,8 14,7 3,7 0 1 1,9 3,7 1,4 5,8 100,2 53 1,9 5 15,4 3,8 0,6 4 0 5,3 1,6 9,3 99,9

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n =261 n=154 57 3,6 1,5 12,5 8 0,1 8,9 1,2 1,3 0,4 5,5 100 53,9 4,3 3,4 19,5 1,1 3,1 0,9 7,2 3,1 0,9 2,7 100,1

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=195 53,2 10,2 2,5 19,7 0,2 2,6 0,2 6,2 2,5 0 2,9 100,2 52,4 5,3 2,6 19,7 3,8 0,8 5,2 3,2 0,9 6,1 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=188 56,5 6,2 0,8 15,7 5,7 7,4 1,4 0,7 5,6 100 61,4 1,1 1,2 15,1 4,8 1,5 7,4 4,9 0,3 0 2,4 100,1

Gesamt
FAZ % n=1100 56,4 7,1 1,5 15,8 0,1 4,9 0,1 6 1 2,1 0,1 5 100,1 SZ % n=688 55,2 3,2 2,9 17,5 0,2 3,9 1 6 1,3 2,9 0,5 5,4 100

Tabelle 100: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=96 n=36 12,6 17,9 43,9 41,9 39,8 40 1,6 1,5 0,5 0,2 99,9 100

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=110 n=37 12,1 13,3 53,5 59,2 32,8 27,3 1,3 0,3 0,2 100 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=148 n=39 11,7 10,8 32,1 49,4 45,6 35,8 9,1 0,4 1,1 4,1 100 100,1

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=101 n=43 8 9,1 43,6 50,1 35,4 40,8 12,3 0,2 0,6 100,1 100

Gesamt
FAZ % n=455 11,1 42,5 38,9 0,3 5,8 0,8 0,7 100,1 SZ % n=155 11,8 51,2 35,7 1,3 100

Fotografie kult. Ereignis Reproduktionen Fotografie anders Karikatur Cartoon Informationsgrafik Bildelement anders gesamt

Tabelle 101: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)

1999
22.-27.11. FAZ % SZ % n=96 n=67 12,6 10,7 43,9 41,4 39,8 44,2 1,6 1,5 3,3 0,5 0,3 99,9 99,9

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=110 n=68 12,1 8,4 53,5 52,1 32,8 36,1 3,3 1,3 0,3 0,1 100 100

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=148 n=76 11,8 5,4 32,3 53,8 45,2 34,3 9,4 0 0,4 3,8 1,2 2,7 100,3 100

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=101 n=71 8 7,8 43,6 48,7 35,4 43,5 12,3 0,2 0,6 100,1 100

Gesamt
FAZ % n=455 11,1 42,5 38,9 0,3 5,8 0,8 0,7 100,1 SZ % n=282 7,8 48,6 40,1 0,7 1,8 0,9 99,9

Fotografie kult. Ereignis Reproduktionen Fotografie anders Karikatur Cartoon Informationsgrafik Bildelement anders gesamt

19

Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen

Anhang

A47

Tabelle 102: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)

1999
Fokus auf Kultur ... ... im engeren ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn 20 davon: Kulturprodukt davon: Kulturproduzenten davon: Kulturbetrieb davon: Kulturpolitik ... im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn davon: Neuigkeiten vermelden davon: Debatten / Diskussion davon: Hintergründe ohne Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe mit Expertenautorität zu Trend / Ereignis davon: Hintergründe zu Produkt davon: Hintergründe zu Person davon: Hintergründe z. Institution davon: Veranstaltungshinweise davon: anders ... Beziehung zwischen Kultur im engeren & im weiteren Sinn davon: Kulturproduzent äußert davon: Kultur als Hintergrund für Verständnis oder Spiegel davon: Auswirkung von Kultur im weiteren auf K. im engeren Sinn davon: Auswirkung von Kultur im engeren auf K. im weiteren Sinn davon: anders nicht eindeutig zu bestimmen gesamt 22.-27.11. FAZ % SZ % n=259 n=95 51,1 88,8 0,3 10,8 0 43,7 9,4 2,8 44,9 6,8 0,9 1,2 33,9 0,1 5,1 14,9 4,3 61,5 3,6 15,8 99,9 59,5 72,7 9,3 17,7 0,2 23,8 9,3 7,2 28,5 28,4 1,9 3,4 8,9 12,3 16,6 44,7 47,8 7,8 99,9

2000
27.11.-2.12. FAZ % SZ % n=261 n=100 46 82,2 3,4 14,4 52 7 0 41,9 12,4 12,3 1,2 25,1 2 30,2 69,8 0,1 100 99,9 3,5 67,4 32,6 69,6 65,4 17,3 17,3 26,8 1,9 78,2 19,9 -

2001
26.11.-1.12. FAZ % SZ % n=323 n=106 39,5 70,7 4,7 24,6 58,6 15 0,9 35,4 12,3 3,6 1 31,9 1,8 73,7 26,3 99,9 100 71,2 74,2 7,1 18,7 28,7 13,6 46,1 27,8 3,9 5,9 2,8 0,1 100 -

2002
25.11.-30.11. FAZ % SZ % n=257 n=126 49 69,4 12,5 18,1 47,6 19,8 1,3 28,3 6,4 4,7 4,6 34,9 3,4 33,2 66,8 100 100 62,3 75,9 10,2 14 27,4 3,9 6,9 61,9 18,5 6 2,8 10,3 69,7 30,3 -

Gesamt
FAZ % n=1100 45,9 78,1 5 16,9 51,1 12,7 1,1 37,6 10 5,6 1,8 31,1 0 3 6 28,3 57,9 1,4 6,4 0 100 SZ % n=427 65,6 72,4 10,7 16,8 0 26,9 7,7 3,6 54,5 23,3 1,1 4,2 1,7 1,7 2,4 7,6 29,2 40,7 26,5 3,6 100,1

Tabelle 103: Flächenanteile der Unterthemen an der Textfläche der Musikberichterstattung in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002 (parallelisierende der Feuilletons)
FAZ %| n=164 subspartenübergreifend Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts Weltmusik Rock (z.B. Grunge, Rockabilly Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz Pop Songwriter, Folk, Country Rap, HipHop Elektronik (House, Drum'n'Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal) andere Subsparte 10,6 37,3 5,7 16,1 11 8,8 3,4 0,9 0,4 5,8 SZ % | n=95 2,5 36,5 14,3 27,4 5,4 3,6 9 1,4

Tabelle 104: Flächenanteile der Unterthemen an der Textfläche der Berichterstattung zu darstellender Kunst in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002 (parallelisierende der Feuilletons)
FAZ % | n= subspartenübergreifend Schauspiel (Sprechtheater) Oper / Operette Tanztheater/Ballett Musical Kabarett 0,2 53,6 37,9 6,7 1,6 SZ % | n= 0,2 60,2 29,6 5,2 1,7 3

20

einschließlich Veranstaltungshinweisen

Anhang

A48

Tabelle 105: Flächenanteile verwendeter journalistischer Darstellungsformen an der Textfläche zu Themen aus Kultur im engeren Sinn in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)
Kultur im engeren Sinne
Meldung / Nachricht Bericht Hintergrundbericht Essay Reportage/Feature Portrait (außer Nachruf) Nachruf Interview Kommentar Glosse Feuilleton Rezension/Kritik Presseschau Literatur Bildunterschrift Veranstaltungskalender/Rundfunkprogramme Sammelrezension Rede sonstige Darstellungsform FAZ % | n=575 4,8 2,6 10,3 1,1 2,6 2,5 1,6 ,8 3,4 ,5 ,7 51,9 ,1 8,8 ,2 7,0 1,0 ,1 ,0 SZ % | n=364 3,3 3,8 9,2 1,0 1,2 4,3 2,3 5,9 2,4 1,6 2,1 51,9 ,3 ,5 6,6 1,5 1,6 ,2

Kultur im weiteren Sinne
FAZ % | n=525 3,6 7,6 21,1 8,6 2,0 1,6 ,7 1,7 6,2 ,3 1,8 7,3 1,5 ,0 ,2 32,6 ,3 1,6 1,2 SZ % | n=324 3,6 7,3 20,2 5,9 4,7 2,4 ,6 2,9 9,4 ,9 3,8 6,8 ,4 ,3 29,9 ,9 -

Anhang

A49

Agenturmaterial zur Recherche ereignisdominierter Wochen
1. Oktoberwoche
9.-14.10.2002 Buchmesse 8.-13.10.2003 Buchmesse

2. Oktoberwoche
13.-18.10.1999 Buchmesse 10.-15. 10.2001 Buchmesse

3. Oktoberwoche
18.-22.10.2000 Buchmesse

4. Oktoberwoche
1999 (25.-30.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3

28.10.99 Moskau (dpa) - Die Geiselnehmer im armenischen Parlament haben sich ergeben und ihre Geiseln freigelassen. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am donnerstag. dpa dh xx hm
Agenturen Kultur 1,2

Die Welt

2000 (23.-28.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

23.10.00 Berlin (dpa) - Der stellvertretende nordrhein-westfälische Landtagspräsident Laurenz Meyer wird Nachfolger von Ruprecht Polenz als neuer CDUGeneralsekretär. Das bestätigte am Montag der saarländische Ministerpräsident Peter Müller in Berlin
Agenturen Kultur 1,2,3

Die Welt

-

Anhang

A50

2001 (22.- 27.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3

Washington, 23. Oktober (AFP) - In einer Poststelle des Weißen Hauses sind Milzbrand-Erreger gefunden worden. Die Bakterien seien in einer Außenstelle gefunden worden, die für die gesamte Post des Weißen Hauses zuständig sei, teilte Regierungssprecher Ari Fleischer am Dienstagabend in Washington mit. 21.10.01 Berlin (dpa/bb) - Klarer Erfolg für die SPD, historische Niederlage für die CDU, die PDS in der Hauptstadt fast so stark wie die Christdemokraten: Nach der Berliner Wahl vom Sonntag kann der Regierende SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit ein Bündnis mit der PDS eingehen oder mit FDP und Grünen in einer Ampelkoalition mit knapper Mehrheit weiter regieren.
Agenturen Kultur 1,2,3

Die Welt

2002 (28.-2.11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3

31.10.02 Rom (dpa) - Bei dem schweren Erdbeben in Mittelitalien sind am Donnerstag vermutlich bis zu 100 Kinder und Lehrer unter den Trümmern einer Schule begraben worden. 30.10.02 PERES - ALLE MINISTER DER ARBEITSPARTEI ISRAELS REICHEN RÜCKTRITT EIN REUTERS Moskau, 29. Oktober (AFP) - 45 der 117 in Moskau gestorbenen Geiseln sind nach Angaben der Moskauer Staatsanwaltschaft durch Schüsse gestorben. Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Dienstagmorgen. Damit widersprach die Staatsanwaltschaft früheren amtlichen Angaben, wonach 115 Geiseln durch ein Spezialgas starben, das zu ihrer Befreiung eingesetzt worden sei.
Agenturen Kultur 1,2

Die Welt

2003 (27.-1.11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3

Moskau, 30. Okt (Reuters) - Russische Strafverfolger haben am Donnerstag die Beschlagnahme des größten Teils der Aktien des größten Ölkonzerns des Landes, Yukos, angeordnet. Moskau, 29. Oktober (AFP) - Rettungskräfte haben zwölf der 13 vermissten Bergleute im südrussischen Nowoschachtinsk lebend gefunden. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA-Nowosti am Mittwochmorgen. Die Kumpel wurden seit Donnerstag vermisst. Bagdad, 27. Oktober (AFP) - Vor dem Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad ist am Montagmorgen eine starke Autobombe explodiert. Das berichtete ein AFP-Reporter aus der irakischen Hauptstadt.

Anhang

A51

Agenturen Kultur 1,2

Die Welt

-

1. Novemberwoche
1999 (1.-6.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2 Agenturen Kultur 1,2,3 Die Welt

2000 (6.-11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

10.11.2000 Berlin (ddp). Der Bundestag hat das Gesetz zur so genannten Homo-Ehe gebilligt. Das Parlament verabschiedete die von der Koalition vorgelegten Gesetzentwürfe zur „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ gleichgeschlechtlicher Paare am Freitag in Berlin mit den Stimmen der Koalitio 10.11.2000 Berlin (AP) Der Bundesrat wird beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein Verbot der rechtsextremen NPD beantragen. Das beschloss die Länderkammer am Freitag in Berlin. 10.11.2000 Washington (dpa) - Der Ausgang der Präsidentenwahl in den USA ist weiter offen. Die Öffentlichkeit wird frühestens am 17. November das genaue Ergebnis in Florida erfahren, das über das Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore entscheidet. 8.11.2000 (AFP) - Die bei den US-Wahlen im Bundesstaat Florida abgegebenen Stimmen werden neu ausgezählt. Das sagte ein für die Wahl zuständiger Beamter des Bundesstaates am Mittwoch einem lokalen Fernsehsender. 8.11.2000 Washington (dpa) - Der Republikaner George W. Bush ist nach den Hochrechnungen der Fernsehsender zum 43. Präsidenten der USA gewählt worden. 7.11.2000 Bautzen (AP) Der flüchtige Sexualverbrecher Frank Schmökel ist gefasst. Dies teilte die Polizei in Bautzen mit. Er sei in der Nähe der sächsischen Stadt bei einer Autobahn entdeckt worden.
Agenturen Kultur 1,2,3

9.11.2000 Berlin (dpa) - Der Bund hat 200 Millionen Mark für einen längerfristig geplanten Ankauf der wertvollen Berggruen-Sammlung in Berlin bewilligt. 7.11.2000 Berlin (dpa) - Der Animationsfilm „Chicken Run“ und Lars von Triers neues Werk „Dancer in the Dark“ sind für den Europäischen Filmpreis 2000 nominiert.
Die Welt

8.11. Wahllokale made in USA - Wenn in den USA gewählt wird, ist Raum auch in der engsten Hütte 8.11. Amerika will seinen Präsidenten mögen - Das unmögliche Wahlsystem bringt vor allem Persönlichkeiten hervor 8.11. Amerika hat gewählt - Verändert das irgend etwas?

Anhang

A52

8.11. Zippert zappt - Die US-Wahl ist eine vollkommen unerklärliche Veranstaltung

2. Novemberwoche
1999 (8.-13.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

11.11.99 (AFP) - Das System des Finanzausgleichs zwischen den Bundesländern muss bis Ende 2002 grundlegend reformiert werden. Dieses Urteil verkündete am Donnerstag das Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe, das damit teilweise der Kritik der klagenden Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen am derzeitigen System folgte. 9.11.99 Bielefeld (AP) In einer Wohnung in Bielefeld sind am Dienstagabend nach Angaben der Polizei sechs Menschen ermordet worden. Wie ein Sprecher mitteilte, wurde die Polizei alarmiert, nachdem Schüsse gehört worden waren. 8.11.99 Leipzig (AP) Der letzte DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz und seine ehemaligen Politbürokollegen Günter Schabowski und Günther Kleiber müssen wegen der so genannten Mauertoten für mehrere Jahre ins Gefängnis
Kultur 1,2,3

12.11.99 Brüssel (dpa) - Der Buchhandel hat in Brüssel fristgerecht seine Vorschläge zum Ersatz der deutsch-österreichischen Buchpreisbindung vorgelegt und damit die Basis zu einer Lösung in dem Dauerstreit gelegt 11.11.99 New York (dpa) - Ein Gemälde Pablo Picassos von seiner Geliebten Dora Maar ist in New York für 49,5 Millionen Dollar (92,5 Millionen Mark) versteigert worden. 9.11.99 New York (dpa) - Erste Höhepunkte der New Yorker Herbst- Kunstauktionen: Das Gemälde „Nympheas“ des französischen Impressionisten Claude Monet wurde für 22,5 Millionen Dollar - umgerechnet 42,25 Millionen Mark - und Vincent van Goghs „Brücke von Trinquetaille“ für 15,4 Millionen Dollar (28,8 Millionen Mark) zugeschlagen, wie das Auktionshaus Christie’s am Dienstag mitteilte. 2000 (13.-18.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

13.11.2000 Trier (dpa) - Das Amtsgericht Trier hat am Montag einen Strafbefehl gegen Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) wegen Beihilfe zur Untreue erlassen. 15.11.2000 Düsseldorf (ddp). Der selbst ernannte „Kalif von Köln“, Muhammad Metin Kaplan, ist am Mittwochmorgen vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu vier Jahren Haft verurteilt worden. 15.11.2000 Tallahassee (AP) Der republikanische Präsidentschaftskandidat George W. Bush führt im wahlentscheidenden US-Staat Florida nach Aussage der Innenministerin Katherine Harris mit 300 Stimmen. Das wurde nach Ablauf der gesetzlichen Frist für die Stimmnachzählung bekannt gegeben.
Agenturen Kultur 1,2,3

14.11.00. Berlin (dpa) - Der Bund hat im Berliner Opernstreit für eine überraschende Wende gesorgt und dem Dirigenten Daniel Barenboim die Zahlung von zusätzlich 3,5 Millionen Mark für seine Staatskapelle im Jahr 2001 signalisiert.

Anhang

A53

16.11.00. Berlin (dpa) - Der Bundestag hat sich am Donnerstag in einer einstimmig angenommenen Entschließung zur Förderung der Hauptstadtkultur bekannt und dabei das besondere Interesse des Bundes an der Berliner Kulturlandschaft hervorgehoben.
Die Welt

Keine. Im Gegensatz zu 8.11.,da vier Artikel US-Wahl. Also davon auszugehen, dass Nachzählung in Florida nicht mehr so dominierendes Ereignis in Feuilletons. 2001 (12.-17.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

16.11.01 Islamadab (AP) Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar will Kandahar binnen 24 Stunden verlassen, wie die afghanische Nachrichtenagentur API berichtete. 16.11.01 Berlin (AFP) - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Vertrauensabstimmung im Bundestag für sich entschieden. Auf den Kanzler entfielen am Freitag 336 Stimmen und damit zwei mehr als erforderlich. Mit dem Votum beschloss der Bundestag auch die Bereitstellung von 3900 Bundeswehrsoldaten für den Kampf gegen den Terrorismus. 14.11.01 Gorleben (dpa/lni) - Der zweite Castor-Transport dieses Jahres ist am Mittwochmorgen im Zwischenlager Gorleben angekommen. Nach rund 70 Minuten Fahrt von der Verladestation Dannenberg aus erreichten die Speziallastwagen mit den sechs Atommüllbehältern um 7.05 Uhr ihr Ziel 13.11.01 Kabul (AP) Truppen der Nordallianz sind am frühen Dienstagmorgen in die afghanische Hauptstadt Kabul eingerückt. Das berichten Augenzeugen. Zuvor hatten die Taliban-Kämpfer die Stadt verlassen. 12.11.01 Washington (AFP) - Bei der über New York abgestürzten Maschine der American Airlines handelt es sich um einen Airbus A-300.
Agenturen Kultur 1,2,3 Welt Feuilleton

13.11.01 Zwei Artikel zu „Mythos der Entscheidungsschlacht“ (historisch) 15.11.01 Aufmacher: Nie lagen Berlin und Kabul näher beieinander als in diesen rotgrünen Schicksalstagen

Anhang

A54

2002 (11.-16.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2 Agenturen Kultur 1,2,3 Die Welt

2003 (10.-15.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2 Agenturen Kultur Kultur 1,2,3 Die Welt

3. Novemberwoche
1999 (15.-20.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2

19.11.99 London (dpa) - Die britische Mobilfunkfirma Vodafone Airtouch hat ihr feindliches Übernahmeangebot für Mannesmann vorgelegt. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben vom Freitag 79 Milliarden Pfund (237 Mrd DM) für Mannesmann. 17.11.99 Bonn (AFP) - Bei den Verhandlungen über die Entschädigung früherer NSZwangsarbeiter zeichnet sich ein Durchbruch ab. US-Anwalt Edward Fagan sagte am Rande der Gespräche am Mittwoch in Bonn, es habe einen „bedeutsamen Umschwung“ in den Verhandlungen gegeben. 15.11.99 Peking (dpa) - China und die USA haben nach einem Bericht der chinesischen Nachrichtenagentur China News Service einen Durchbruch in ihren Verhandlungen über eine Aufnahme der Volksrepublik in die Welthandelsorganisation erreicht. Die Einigung sei am Montag in Peking erreicht werden.
Agenturen Kultur 1,2,3

19.11.99 Berlin (dpa) - Der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, Christian Thielemann, wird seinen im Jahr 2001 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Seine Entscheidung hat der 40-jährige Thielemann dem Berliner Kultursenator Peter Radunski (CDU) in einem Schreiben mitgeteilt, bestätigte dessen Sprecher Burkhard Woelki am Freitag.
Die Welt

2000 (20.-25.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

24. November Bonn (AFP) - In Deutschland ist ein erster Fall von Rinderwahnsinn (BSE) entdeckt worden. Wie eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums am Freitag in Bonn mitteilte, trat bei einem Rind in Schleswig-Holstein BSE auf. Einzelheiten sollten am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Kiel bekannt gegeben werden. 23.11.00 Berlin (ddp). Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) verlässt das Bundeskabinett. Das bestätigte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Dies geschehe auf eigenen Wunsch.

Anhang

A55

22. November Washington (AFP) - Der republikanische Präsidentschaftskandidat George W. Bush will im Streit um die Präsidentschaftswahl vor den Obersten Gerichtshof der USA ziehen. Die Republikaner wollten die Einbeziehung der Handauszählungen im US-Bundesstaat Florida anfechten, berichtete am Mittwoch der Fernsehsender CNN. 22.11.00 München/Berlin (dpa) - Der Münchner Kulturreferent Julian Nida- Rümelin (SPD) wird Nachfolger von Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch aus sicherer Quelle. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird diesen Informationen zufolge am Donnerstag NidaRümelin in Berlin der Öffentlichkeit vorstellen. 22.11.00 Tallahassee (AP) Die Ergebnisse der umstrittenen Stimmennachzählungen in Florida müssen noch bis zum 26. November berücksichtigt werden. Das entschied der Oberste Gerichtshof des Staates am Dienstagabend Ortszeit.
Agenturen Kultur 1,2,3 Die Welt

24.11.00 Zur Zivilgesellschaft - Julian Nida-Rümelin über einen wieder in Mode gekommenen Begrif 24.11.00 Julian im Glück - Kommentar 24.11.00 Man muss über ihn reden wollen - Naumann geht, Nida-Rümelin kommt, die Debatte über nationale Kulturpolitik geht weiter – hoffentlich 24.11.00 Nicht um seine Person, sondern um die Sache sollte es gehen - Was Hans Zehetmair Nida-Rümelin rät 24.11.00 Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer verständlichen Wissenschaft Reemtsma kündigt grundlegende Neukonzeption der „Wehrmachtsausstellung“ an 24.11.00 Eine neue Generation tritt an - Die Hamburger Wehrmachtsausstellung soll von Grund auf neu konzipiert werden mehr 24.11.00 Rund 850 000 Besucher sahen die alte Schau - Erst 1999 fanden Kritiker der Wehrmachtsausstellung in Fachzeitschriften Gehör 25.11.00 „Ich hatte zu viel Vertrauen, zu wenig Kontrolle“ Institutsleiter Jan Philipp Reemtsma über die alte und neue Wehrmachtsausstellung 25.11.00 Einer, der die Kultiviertheit in sich trägt - Über dan Nachfolger von Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin 2001 (19.-24.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

21.11.01 Berlin (AP) Die Afghanistan-Konferenz der Vereinten Nationen findet vom Montag kommender Woche an auf dem Petersberg bei Bonn statt. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Mittwoch abend mit. 21.11.01 Washington (dpa) - Die in der nordafghanischen Stadt Kundus eingekesselten Taliban und ihre ausländischen Mitkämpfer wollen sich ergeben. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN am Mittwoch. 18.11.01 Talokan/Afghanistan (AP) Die Taliban-Kämpfer in der nordostafghanischen Stadt Kundus haben nach Angaben der Nordallianz ihre Kapitulation angeboten.

Anhang

A56

Agenturen Kultur 1,2 Die Welt

19.11. Versatzstücke ohne Gedächtnis - Die neue Realität des Krieges eignet sich nicht als Herausforderung für die Kunst 20.11.01 „Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch!“ - Der militärische Konflikt als Selbstbestätigung, als Selbstzweck hat Tradition unter deutschen Intellektuellen Karl-Heinz Bohrer setzt sie fort 20.11.01 Grau gewinnt - Der Philosoph Richard Rorty verteidigt den Krieg 22.11.01 Den ehrlichen Makler gibt es nicht - Ein Berliner Kongress soll den Orient befrieden. Wie heikel das ist, zeigt sein Vorgänger von 1878 24.11. Schöner als alle Kaiserkronen - Der Afghanistan-Kongress hat schon jetzt sein Symbol: Den Turban 2002 (18.-23.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2 Agenturen Kultur 1,2 Die Welt

2003 (17.-29.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2 Agenturen Kultur 1,2 Die Welt

4. Novemberwoche
1999 (22.-27.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

26.11.99 Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Glogowski (SPD) tritt zurück. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag von einem Regierungssprecher, nachdem zuvor die „Braunschweiger Zeitung“ einen ersten Hinweis erhalten hatte. Glogowski zog damit die Konsequenzen aus der ihm vorgeworfenen finanziellen Begünstigung durch Unternehmen in Niedersachsen 24.11.99 Frankfurt/Main (dpa) - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seine Initiative zur Rettung von Holzmann erfolgreich abgeschlossen. Der SPD-Politiker konnte am Mittwochabend die Gläubigerbanken des überschuldeten Baukonzerns für ein gemeinsames Sanierungspaket gewinnen, um das Insolvenzverfahren abzuwenden. 22.11.99 Frankfurt/Main (AP) Die Gläubigerbanken des schwer angeschlagenen Holzmann-Konzerns haben sich nicht auf ein Sanierungskonzept einigen können. Damit droht dem Unternehmen der Gang zum Konkursrichter.
Agenturen Kultur 1,2

26.11.99 Hamburg (dpa) - Die Hamburgische Staatsoper bekommt ein neues Führungsteam. Wie die Kulturbehörde am Freitagabend mitteilte, hat Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher seinen 2002 endenden Vertrag bis zum Jahr 2005 verlängert.

Anhang

A57

Die Welt

2000 (27.-2.12.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

02.12.00 Paris (dpa) - Der Film „Dancer In The Dark“ von dem dänischen Regisseur Lars von Trier hat als bester Film des Jahres den Europäischen Filmpreis 2000 gewonnen. Die Preisvergabe durch die Europäische Filmakademie fand am Samstagabend bei einer Galaveranstaltung in Paris in Abwesenheit des Regisseurs statt. Berlin, 1. Dezember (AFP) - Der Bundesrat hat am Freitag dem umfassenden Verbot von Tiermehl bei der Fütterung von Nutztieren zugestimmt. Damit kann das Verbot voraussichtlich am Samstag in Kraft treten. Berlin, 30. November (AFP) - Ab nächster Woche müssen alle über 30 Monate alten Schlachtrinder in Deutschland mit BSE-Schnelltests überprüft werden. Auf eine entsprechende Verordnung hätten sich Experten von Bund und Ländern geeinigt, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Donnerstag in Berlin. 27.11.00 Washington (dpa) - Der Republikaner George W. Bush ist am Sonntag offiziell zum Sieger der US-Präsidentenwahl im Staat Florida erklärt worden. Nach dem offiziellen Ende einer umstrittenen Nachzählung gewann Bush mit 537 Stimmen Vorsprung vor seinem demokratischen Gegner Al Gore.
Agenturen Kultur 1,2

02.12.00 Paris (dpa) - Die drei Publikumspreise des Europäischen Filmpreises 2000 gehen an die isländische Sängerin und Schauspielerin Björk, ihren Landsmann Ingvar E. Sigurdsson sowie an den dänischen Regisseur Lars von Trier. 29.11.00 London (dpa) - Als erster Deutscher hat der Fotograf Wolfgang Tillmans den Turner-Preis bekommen, die bedeutendste britische Auszeichnung für moderne Kunst.
Die Welt

2001 (26.-1.12.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

29.11.01 Königswinter (AP) Die beiden größten Delegationen der AfghanistanKonferenz bei Bonn haben sich am Donnerstag darauf geeinigt, einen gemeinsamen Übergangsrat mit 42 Mitgliedern zu bilden. Dies teilte ein Berater der Nordallianz der Nachrichtenagentur AP mit. 26.11.01 Islamabad, 26. November (AFP) - Ein Sprecher der internationalen Koalition gegen den Terrorismus hat am Montag den Einsatz von „mehr als tausend“ USSoldaten bei der südafghanischen Stadt Kandahar bestätigt. Bei den Soldaten handele es sich um Mitglieder von Spezialeinheiten.
Agenturen Kultur 1,2

1.12.01 Berlin (dpa/bb) - Die französische Filmromanze „Die fabelhafte Welt der Amelie“ von Jean-Pierre Jeunet ist der beste europäische Film des Jahres. Ihm wurde am Samstagabend bei einer Galaveranstaltung in Berlin der Europäische Filmpreis 2001 zuerkannt, teilte die Europäische Filmakademie mit

Anhang

A58

Die Welt

26.11 „Es geht nicht um Vergangenheitspolitik“ - Jan Philipp Reemtsma und Peter Klein über das Konzept der neuen Wehrmachtsausstellung 26.11 Der Streit um „Verbrechen der Wehrmacht“ Jan Philipp Reemtsma: „Die erste Ausstellung gliederte nach drei Kriegsschauplätzen. Die neue Ausstellung geht analytischer und deduktiver vor.“ 28.11 Wie Kriegsverbrechen möglich werden - Die Wehrmachtausstellung ist zurück. Ein neues Konzept forscht nach den Ursachen der Brutalität 2002 (25.-30.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2

28.11.02 Münster (dpa) - Das Oberverwaltungsgericht Münster hat den Weg zur flächendeckenden Einführung des Dosenpfands vom 1. Januar 2003 an freigemacht. In einer Eilentscheidung hob das Gericht am Donnerstag anders lautende Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Düsseldorf auf. Somit werde es keinen Sonderweg Nordrhein-Westfalens beim Dosenpfand geben, teilte das Gericht mit. 28.11.02 Mombasa (dpa) - Bei dem Bombenanschlag auf ein Touristenhotel in Kenia sind am Donnerstag mindestens acht Menschen gestorben, berichtete ein Polizeisprecher. Rund zehn weitere seien verletzt worden. Wie der Sprecher sagte, handelt es sich bei den Toten um Männer. 25.11.02 Berlin (dpa) - Das FDP-Präsidium hat am Montag den ehemaligen nordrheinwestfälischen Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann zum Parteiaustritt aufgefordert. Das geht aus einer Erklärung zum Beschluss der Führungsspitze der Liberalen hervor, der am Montag nach der Präsidiumssitzung verteilt wurde
Agenturen Kultur 1,2

Die Welt

-

Anhang

A59

Aussagen der Feuilleton-Ressortleiter
Andreas Zielcke (Ressortleiter Feuilleton, Süddeutsche Zeitung) E-Mail vom 3.11.2003
Subject: Antwort: Frage zu Ressortstruktur Feuilleton =?ISO-8859-1?Q?für_Diplomarbeit?= To: Konrad Lischka <kl@konrad-lischka.de> X-Mailer: Lotus Notes Release 5.0.8 June 18, 2001 Message-ID: <OF04191896.1E68A1C9-ONC1256DD3.004BE3BC@sueddeutsche.de> From: Andreas Zielcke <Andreas.Zielcke@sueddeutsche.de> Date: Mon, 3 Nov 2003 15:05:02 +0100

Lieber Herr Lischka, hier meine Antworten; die organisatorische und inhaltliche Zusammenfassung unter der Rubrik „Feuilleton“ ist in der SZ relativ klar geregelt. Die anderen von Ihnen aufgezählten Teile wie Jetzt.de oder Medien sind redaktionell vollkommen selbständig, leider auch das Politische Buch, das traditionell der Innenpolitik zugeordnet ist. In einem weiteren Sinn gehören alle diese Teile einschließlich der Wochenendbeilage gewiss zum Kultursegment der Zeitung (und sollten meiner Meinung nach auch unter einer Leitung stehen - in der FAZ steht dafür der für Kultur zuständige Herausgeber), sind aber eben untereinander autonom, wie übrigens auch die „Münchner Kultur“. Beste Grüße Ihres Andreas Zielcke
Konrad Lischka <lischka@gmxpro.de An: andreas.zielcke@sueddeutsche.de Thema: Frage zu Resso=rtstruktur Feuilleton für Diplomarbeit 30.10.2003 22:46

Sehr geehrter Herr Zielcke, ich studiere Journalistik an der Münchner Ludwig-Maximillians-Universität und schreibe derzeit dort am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung meine Diplomarbeit bei PD Dr. Thomas Knieper. Die Arbeit soll mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse die Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen und der Süddeutschen Zeitung im Zeitraum 1999-2002 vergleichen - jedes Ressort mit sich selbst im Zeitverlauf sowie beide miteinander. Bei der Stichprobenziehung stehe ich nun vor einem Problem, bei dem Sie mir mit wenigen Aussagen sehr helfen könnten: Ich muss bestimmen, welche redaktionellen Seiten ich zum Feuilleton zähle. Kriterien dafür sollen neben der regelmäßigen Platzierung im Feuilletonbuch die redaktionelle Verantwortlichkeit und vor allem die Wahrnehmung bestimmter Seiten als Angebot des Feuilletons durch die Ressortleiter sein. Ich habe dazu unten einige Fragen zusammengestellt. Es würde mich sehr, sehr freuen, wenn Sie Zeit zum Antworten finden. Gerne rufe ich Sie an, um Ihnen die Zeit fürs Tippen zu ersparen. Dazu brauche ich nur Zeitpunkt und Telefonnummer. Für Zeit und Mühe dankt Konrad Lischka

Anhang

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1. Welche redaktionellen Angebote sind organisatorisch der Feuilletonredaktion zugeordnet? Aufgelistet sind jene Seitentitel, die im Feuilletonbuch erscheinen. Bitte antworten Sie mit Ja oder Nein und ergänzen Sie gegebenenfalls die Aufzählung. Filmseite [ja] Jetzt.de [_] Medien [_] Kinder- und Jugendliteratur [ja] Leserbriefe [_] Literatur [ja] Das [Fernseh]Programm vom [Wochentag] Kunst & Preise [ja] Politisches Buch [_] ggf. andere: _____________________ [_] _____________________ [_]

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2. Welche dieser redaktionellen Angebote - und gegebenenfalls welche anderen - sehen Sie unabhängig von der organisatorischen Struktur als Teil des Feuilleton- Angebots? Aufgelistet sind jene Seitentitel, die im Feuilletonbuch erscheinen. Bitte antworten Sie mit Ja oder Nein, ergänzen Sie gegebenenfalls die Liste Einschätzung begründen Sie kurz Ihre Einschätzung. Das [Fernseh]Programm vom [Wochentag] [_], denn Filmseite [_], denn Jetzt.de [_], denn Kinder- und Jugendliteratur [_], denn Kunst & Preise [_], denn Leserbriefe [_], denn Literatur [_], denn Medien [_], denn Politisches Buch [_], denn ggf. andere: _____________________ [_], denn _____________________ [_], denn Grüße, Konrad Lischka

Patrick Bahners, (Ressortleiter Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung) E-Mail vom 3.11.2003
From: „Bahners, Patrick“ <p.bahners@faz.de> To: ‚Konrad Lischka’ <kl@konrad-lischka.de> Subject: =?iso-8859-1?Q?AW=3A_Frage_zu_Ressortstruktur_Feuilleton_für?= =?iso-8859-1?Q?_Diplomarbeit?= Date: Mon, 3 Nov 2003 19:09:32 +0100

Sehr geehrter Herr Lischka, alle von Ihnen aufgezählten Rubriken gehören redaktionell zum Feuilleton, mit Ausnahme der durch die Zeitung wandernden Leserbriefe, außerdem die Beilagen Natur und Wissenschaft/Geisteswissenschaften sowie Reiseblatt.

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Alles Gute für Ihre Arbeit, über deren Ergebnisse Sie uns vielleicht gelegentlich berichten möchten. Bei Rückfragen erreichen Sie mich unter 069/7591-1252. Mit besten Grüßen, Ihr P. Bahners -----Ursprüngliche Nachricht----Von: Konrad Lischka [SMTP:lischka@gmxpro.de] Gesendet am: Donnerstag, 30. Oktober 2003 20:33 An: Bahners, Patrick; Schirrmacher, Frank Betreff: Frage zu Ressortstruktur Feuilleton für Diplomarbeit

Sehr geehrter Herr Bahners, sehr geehrter Herr Schirrmacher, ich studiere Journalistik an der Münchner Ludwig-Maximillians-Universität und schreibe derzeit dort am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung meine Diplomarbeit bei PD Dr. Thomas Knieper. Die Arbeit soll mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse die Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen und der Süddeutschen Zeitung im Zeitraum 1999-2002 vergleichen – jedes Ressort mit sich selbst im Zeitverlauf sowie beide miteinander. Bei der Stichprobenziehung stehe ich nun vor einem Problem, bei dem Sie mir mit wenigen Aussagen sehr helfen könnten: Ich muss bestimmen, welche redaktionellen Seiten ich zum Feuilleton zähle. Kriterien dafür sollen neben der regelmäßigen Platzierung im Feuilletonbuch die redaktionelle Verantwortlichkeit und vor allem die Wahrnehmung bestimmter Seiten als Angebot des Feuilletons durch die Ressortleiter sein. Ich habe dazu unten einige Fragen zusammengestellt. Es würde mich sehr, sehr freuen, wenn Sie Zeit zum Antworten finden. Gerne rufe ich Sie an, um Ihnen die Zeit fürs Tippen zu ersparen. Dazu brauche ich nur Zeitpunkt und Telefonnummer. Für Zeit und Mühe dankt Konrad Lischka 1. Welche redaktionellen Angebote sind organisatorisch der Feuilletonredaktion zugeordnet? Aufgelistet sind jene Seitentitel, die im Feuilletonbuch erscheinen. Bitte antworten Sie mit Ja oder Nein und ergänzen Sie gegebenenfalls die Aufzählung. Bücher und Themen Briefe an die Herausgeber Kino [_] Medien [_] Stil [_] Veranstaltungen im [Monat] Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag] ggf. andere: _____________________ _____________________ [_] [_]

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2. Welche dieser redaktionellen Angebote - und gegebenenfalls welche anderen - sehen Sie unabhängig von der organisatorischen Struktur als Teil des Feuilleton-Angebots? Aufgelistet sind jene Seitentitel, die im Feuilletonbuch erscheinen. Bitte antworten Sie

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mit Ja oder Nein, ergänzen Sie gegebenenfalls die Liste Einschätzung begründen Sie kurz Ihre Einschätzung. Bücher und Themen [_], denn Kino [_], denn Medien [_], denn Stil [_], denn Veranstaltungen im [Monat] [_], denn Fernsehen am [Wochentag] [_], denn Hörfunk am [Wochentag] [_], denn ggf. andere: _____________________ [_], denn _____________________ [_], denn Grüße, Konrad Lischka

Patrick Bahners, (Ressortleiter Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung) E-Mail vom 4.11.2003
From: „Bahners, Patrick“ <p.bahners@faz.de> To: ‚Konrad Lischka’ <kl@konrad-lischka.de> Subject: =?iso-8859-1?Q?AW=3A_AW=3A_Frage_zu_Ressortstruktur_Feuilleton?=iso-8859-1?Q?_für_Diplomarbeit?= Date: Tue, 4 Nov 2003 12:10:44 +0100

Lieber Herr Lischka, aus redaktioneller Sicht gehören jedenfalls Natur und Wissenschaft und Geisteswissenschaften zum Kernprogramm, weil die Kollegen täglich an der Produktion des aktuellen Feuilletons beteiligt sind und entsprechende Themen regelmäßig im aktuellen Feuilleton behandelt werden. Diese Integration ist vielleicht ein Unterschied gegenüber der SZ. Dasselbe gilt für die Medienseite: Es ist Tradition der FAZ, daß Fernsehkritik bei uns nach den Maßstäben betrieben wird, die auch für Theater und Konzert gelten. Am ehesten eine Welt für sich ist noch das Reiseblatt. Mit besten Grüßen, Ihr P. Bahners -----Ursprüngliche Nachricht----Von: Konrad Lischka [SMTP:lischka@gmxpro.de] Gesendet am: Dienstag, 4. November 2003 11:26 An: Bahners, Patrick Betreff: Re: AW: Frage zu Ressortstruktur Feuilleton für Diplomarbeit

Sehr geehrter Herr Bahners, vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. BP> Alles Gute für Ihre Arbeit, über deren Ergebnisse Sie uns vielleicht BP> gelegentlich berichten möchten. Gerne. Wenn sie denn im März geschrieben sein wird, schicke ich Ihnen auch gern ein gedrucktes oder digitales Exemplar. Ich werde versuchen, Sie heute gegen 19 Uhr zu erreichen. Und zwar mit der Frage ist, ob Sie unabhängig von der Organisationsstruktur Beilagen wie Natur und Wissenschaft/Geisteswissenschaften, Reiseblatt und Rubriken wie Medien oder das

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Fernsehprogramm zum redaktionellen Kernangebot des Feuilletons zählen (würden, bei einer Inhaltsanalyse). Der Hintergrund: Rechne ich diese Seiten aufgrund der Redaktionsstruktur bei der FAZ zur Feuilleton-Stichprobe, bei der SZ hingegen thematisch ähnliche aber redaktionell komplett unabhängige Ressorts nicht, würden die Ergebnisse der Inhaltsanalysen allein deswegen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Frage ist, ob wegen tatsächlich unterschiedlicher Profile oder lediglich aufgrund eines systematisch verzerrenden Untersuchungsdesigns. Daher meine etwas schwammige Frage nach Ihrer Einschätzung der Seiten als Teil des Feuilleton-Kernangebots. Mich interessiert, ob ich aus Ihrer Sicht von einer Untersuchung des Feuilletonressorts der FAZ sprechen kann, wenn ich zum Beispiel Bücher und Themen Kino Medien Stil Veranstaltungen im [Monat] Fernsehen am [Wochentag] Hörfunk am [Wochentag] zur Feuilleton-Stichprobe zähle, nicht jedoch Natur und Wissenschaft/Geisteswissenschaften Reiseblatt Briefe an die Herausgeber. Bis bald, Konrad Lischka

Patrick Bahners, (Ressortleiter Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung) Gesprächsprotokoll des Telefongesprächs vom 19.11.2003
• Geisteswissenschaften eigentlich nicht von Feuilleton zu trennen. Beispiel: Heute Kaube in Beilage. Text hätte genauso in Feuilleton stehen können. Andere auch. Hier eher pragmatische Gründe ausschlaggebend, wo was erscheint. N&W ähnlich. Immer schon integraler Bestandteil des Feuilletons. Einzelne Leiter ja auch für Literatur, damit nicht zu argumentieren. Vor allem N&W immer Forschung im Kontext der Kultur gesehen. Anspruch, Erkenntnisse zu vermitteln. Konkret: Reintegration durch Rubrik im Feuilleton. Artikel die dort stehen, genauso gut auch in Beilage. Wenn Beilage ausgeschlossen, dann auch diese Rubrik. Aber: Ergebnisse wäre dann ja, dass Feuilleton verkleinert. Und das stimmt ja nicht.