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Zurück zur Zukunft?

Eine inhaltsanalytische Betrachtung der Feuilletonteile von


FAZ und SZ im Zeitraum von 1999 bis 2002 unter
besonderer Berücksichtigung von Themen,
Darstellungsformen und Kulturbegriff.

Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades eines Diplom-Journalisten


(Dipl. Journ. Univ.) der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-
Universität München

Referent: PD Dr. Thomas Knieper


Eingereicht von: Konrad Lischka (Menzinger Str. 120, 80997 München,
kl (at-Zeichen) konrad-lischka.de)
München, den 18. März 2004
INHALT
1 Einleitung......................................................................................... 3
THEORETISCHER TEIL: FEUILLETON UND KULTUR ................................... 6
2 Begriffsdefinitionen ........................................................................ 6
2.1 Feuilleton................................................................................................................6
2.2 Kultur und Kunst ...................................................................................................8
2.3 Zwischenfazit: Systematisierung der Definition...............................................14
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung . 17
3.1 Vorläufer des Feuilletonressorts .......................................................................18
3.2 Institutionalisierung des Feuilletons im 19. Jahrhundert ................................19
3.3 Rezension und Räsonnement im Feuilleton um die Jahrhundertwende .......22
3.4 Der Erste Weltkrieg im Feuilleton ......................................................................24
3.5 Der weite Kulturbegriff deutscher Feuilletons in den zwanziger Jahren .......25
3.6 Vom Feuilleton zur Kulturpolitik im Dritten Reich............................................29
3.7 Feuilleton in der Nachkriegszeit in West- und Ostdeutschland......................31
3.8 Zwischenfazit: historische Feuilletonprofile.....................................................34
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton .. 37
4.1 Der erweiterte Kulturbegriff ................................................................................37
4.2 Aus dem erweiterten Kulturbegriff abgeleitete Kritik am Feuilleton ..............38
4.3 Zwischenfazit: Forderungen an das Feuilleton ................................................41
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach
Erweiterung des Kulturbegriffs ..................................................................... 43
5.1 Kommunikatorforschung....................................................................................43
5.2 Untersuchungen der Medieninhalte ..................................................................47
5.3 Rezipientenforschung .........................................................................................56
5.4 Zwischenfazit: Kultur und Feuilletons...............................................................64
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer
Konzepte ........................................................................................................ 65
6.1 Feuilletonkonzepte ..............................................................................................66
6.2 Feuilletonisten diskutieren Inhalt und Präsentation ........................................70
6.3 Feuilletonprofile von FAZ und SZ ......................................................................72
6.4 Zwischenfazit .......................................................................................................76
1 Einleitung 2

EMPIRISCHER TEIL: FEUILLETON VON FAZ UND SZ 1997 BIS 2003 ....... 78
7 Stand der Forschung und Forschungsziel ................................. 78
7.1 Forschungsstand ................................................................................................78
7.2 Forschungsziel ....................................................................................................79
7.3 Hypothesenbildung .............................................................................................80
8 Anlage der Untersuchung ............................................................ 85
8.1 Inhaltsanalyse als Methode der Untersuchung ................................................85
8.2 Auswahl des Untersuchungsmaterials / Stichprobenziehung........................87
8.3 Operationalisierung zum Kategoriensystem ....................................................93
8.4 Reliabilität und Validität ......................................................................................97
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der
Forschungsfragen ........................................................................................ 101
9.1 Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im Vergleich zu 1999 .......101
9.2 Entwicklung der FAZ und SZ nach dem Mitarbeiterwechsel im Juli 2001 und
Ankündigung neuer redaktioneller Angebote ......................................................................118
9.3 Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum................................135
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse .............. 146
10.1 Der Wandel der Feuilletons von FAZ und SZ..................................................146
10.2 Parallelen zu historischen Feuilletonprofilen .................................................151
10.3 Vergleich mit Kritik am Feuilleton infolge des erweiterten Kulturbegriffs...153
10.4 Fazit, Diskussion, Ausblick ..............................................................................157
Literaturverzeichnis ...................................................................................... 162
Ehrenwörtliche Erklärung ............................................................................ 175
Lebenslauf ..................................................................................................... 176
ANHANG ..........................................................................................................A1
Codebuch.........................................................................................................A1
Codierbögen ..................................................................................................A33
Ergebnisse des Pretests ..............................................................................A34
Tabellen .........................................................................................................A37
Agenturmaterial zur Recherche ereignisdominierter Wochen .................A49
Aussagen der Feuilleton-Ressortleiter .......................................................A59
1 Einleitung 3

1 Einleitung
Im Oktober 2003 lobte die Bild-Zeitung das FAZ-Feuilleton und dessen Herausgeber
Frank Schirrmacher mit einer Selbstverständlichkeit, die vor wenigen Jahren wohl kaum
möglich gewesen wäre. Kolumnist Franz-Josef Wagner preist als herausragende
Persönlichkeiten neben „Stoiber und Gewerkschaftsboss Sommer, weil sie miteinander
reden“, „Superminister Clement“ und „Rudi Völler“ auch „Frank Schirrmacher von der
FAZ, weil er das mutigste Feuilleton Deutschlands macht“ (WAGNER, 2003, S. 2).
Wagner erklärt den gut zwölf1 Millionen Lesern Deutschlands größter Kaufzeitung
nicht, wer Frank Schirrmacher, was das FAZ-Feuilleton und wo der Mut ist. Offenbar
sieht der Autor das als Allgemeinwissen an. Die Selbstverständlichkeit dieser Reihung
in diesem Medium ist durch eine von vielen Feuilleton- und Medienjournalisten
beschriebene „radikale Ausweitung des Feuilletons“ (STEINFELD, 2003) in den
vergangenen Jahren möglich geworden. In den Jahren 2000 und 2001 rückten
inhaltliche und personelle Veränderungen die Feuilletons von Frankfurter
Allgemeiner und Süddeutscher Zeitung stark in den Fokus der Medienseiten großer
Wochenmagazine und der Titelseiten journalistischer Fachzeitschriften. Den Abdruck
einer Sequenz des menschlichen Genoms im FAZ-Feuilleton feierten viele Medien. Und
vermutlich wurde durch die so kommunizierten „Paradigmenwechsel“,
„Distinktionsgewinne“ (SEIFERT, 2004) und Versuche, „eine Art von intellektueller
Alleinherrschaft zu etablieren“ (STEINFELD, 2003) Frank Schirrmacher samt FAZ-
Feuilleton prominent genug für BILD-Kolumnen.
Der viel beachtete thematische Wandel begann, als die FAZ am 6. Juni 2000 einen
Artikel des US-Computerunternehmers Bill Joy über neue Technologien unter dem
Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“ druckte. Es folgten weitere
Debattenbeiträge zu Themen aus angewandten Naturwissenschaften und die
Ankündigung eines neuen Feuilletonangebots unter dem Schlagwort der „dritten
Kultur“. Dem inhaltlichen Wandel folgte ein personeller. Im Februar 2001 wechselten
vier leitende FAZ-Feuilletonisten zur Süddeutschen Zeitung. In die andere Richtung
wanderten im März 2001 fünf Mitarbeiter des SZ-Feuilletons ab. Das SZ-Feuilleton
kündigte eine Erweiterung und Umgestaltung seines Angebots an und startete am 25.
September 2001 eine tägliche Literaturseite.
Während also Feuilletonpraktiker zwei der prestigeträchtigsten, überregionalen
deutschen Tageszeitungen sich offenbar einen Konkurrenzkampf lieferten, stand die
Feuilletonforschung so gut wie still. Still zumindest im Vergleich zu den vor
eineinhalb Jahrzehnten gestellten Ansprüchen: 1988 forderte der Münchner Philologe

1
laut MA 2/2003, vgl. http://www.mediapilot.de/cda/index.php?cn=1499&np=25&nt=3&v=0, Stand:
9.3.2004
1 Einleitung 4

Georg Jäger „eine Verbindung von bibliographischer Erschließung und empirischer


Forschung mit Mitteln der Statistik und Inhaltsanalyse“ (JÄGER, 1988, S. 70) zur
Erforschung historischer Feuilletons. Die historische Feuilletonforschung ist nicht zu
diesem „Großunternehmen“ (KAUFFMANN, 2000, S. 11) geworden. Doch Forschung
fehlt auch zu aktuellen Feuilletoninhalten. Literaturwissenschaftlicher wie Norbert
Bachleitner stellen fest, dass insbesondere „die Vertreter des Faches Publizistik und
Kommunikationswissenschaft in letzter Zeit wenig Interesse an der weiteren
Erforschung des Feuilletons zeigen, ...“ (BACHLEITNER, 2002). In der Tat stammen die
aktuellsten systematisch mit einem inhaltsanalytischen Instrument gewonnenen
Ergebnisse zu Feuilletoninhalten aus der Analyse von Medieninhalten einer Woche im
Jahr 1993 (STEGERT, 1998). Das bestätigt die Auffassung der mit dem Feuilleton
beschäftigten Forscher, dass ihr Feld bislang nur in wenigen, zeitlich und thematisch
eingeschränkten, oft historischen „Fallstudien“ beackert wurde (BACHLEITNER, 2002).
Dabei ist die Untersuchung gegenwärtiger Feuilletoninhalte für die
Kommunikationswissenschaft von besonderem Interesse. Denn seitdem Ende der
sechziger Jahre Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher erstmals einen auf Hochkultur
im engeren Sinne beschränkten Kulturbegriff und mangelnde Vielfalt ihrer Darstellung
in Feuilletonressorts kritisierten (GLOTZ / LANGENBUCHER, 1993), haben die wenigen
folgenden Arbeiten diese Kritik zum Teil bekräftigt, zum Teil revidiert. So stellte eine
Studie von Feuilletoninhalten aus dem Jahr 1988 fest, dass darin „Kultur im
Wesentlichen als Theater, Musik, bildende Kunst und Literatur“ definiert würde
(FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172). Andererseits entdeckten zwei
Untersuchungen (BITALA, 1993 / STEGERT, 1998) in Inhalten Anfang der neunziger
Jahre schwache Anzeichen für eine Erweiterung des Kulturbegriffs der Feuilletons.
Hier setzt die vorliegende Arbeit an. Sie soll zum einen erforschen, wie sich die
Feuilletonressorts von FAZ und SZ nach Beginn der Joy-Debatte 2000 und den
Ankündigungen inhaltlicher Veränderungen in beiden Feuilletonressorts 2001
entwickelt haben. Zum anderen soll sie diese Entwicklung in den Kontext bestehender
Kritik an Feuilletonressorts und vorliegender Erkenntnisse zu historischen
Feuilletonprofilen einordnen.
Als Basis dafür klärt Kapitel 2 (S. 6ff.) die in dieser Arbeit verwendeten Bedeutungen
der oft unterschiedlich gebrauchten und mit verschiedenen Wertungen verbundenen
Begriffe Feuilleton und Kultur. Denn nur auf Basis einer Klärung der Dimensionen von
Kultur kann die Arbeit etwaige Erweiterungen des Kulturbegriffs in Ressorts entdecken,
beschreiben und einordnen. Das dritte Kapitel umreißt (S. 17ff.) die historische
Vielfalt der Erscheinungsformen des Feuilletons als Ressort. Auf dieser Basis soll die
Arbeit Erkenntnisse zur Entwicklung der Inhalte von FAZ- und SZ-Feuilleton kontex-
tualisieren.
Kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen von Feuilletoninhalten beziehen
sich seit gut drei Jahrzehnten auf die zuerst von Glotz und Langenbucher formulierte
Kritik an Kulturbegriff und Darstellung von Kultur in Feuilletons. Diese Kritik und die
1 Einleitung 5

kulturelle Entwicklung der sechziger Jahre als ihren Hintergrund stellt Kapitel 4 dar (S.
37ff.). Auf dieser Basis soll geprüft werden, ob konkrete Kritikpunkte auch auf die
untersuchten Inhalte der FAZ- und SZ-Feuilletons zutreffen.
Die auf Glotz und Langenbuchers Kritik folgenden Untersuchungen beziehen sich zum
größten Teil auf ihre Kritik. Die – wenigen – Untersuchungen zu Kommunikatoren,
Inhalten und (potenziellen) Rezipienten der Feuilletons sind daher nicht nur als
Überprüfung der Aktualität der Kritik am Feuilleton aus den späten sechziger Jahren
interessant, sondern zugleich als Grundlage für eine mögliche Präzisierung und
Neuformulierung einzelner Kritikpunkte. Zu fragen ist in Kapitel 5 (S. 43ff.) also zum
Beispiel: Zeichnen sich in den Feuilletoninhalten neue Berichterstattungsmuster ab?
Und: In welchem Ausmaß nutzen Rezipienten Feuilletoninhalte? Lassen sich
Rezipienten entlang eines überwiegenden Interesses für Populärkultur einerseits und
Hochkultur andererseits teilen?
Während die Untersuchungen von Feuilletoninhalten mit Anfang der neunziger Jahre
enden, beginnen die Debatten unter Feuilletonkommunikatoren über neue Konzepte für
das Ressort in dieser Zeit. Die angekündigten personellen und inhaltlichen
Veränderungen in den Feuilletons von FAZ und SZ stehen bislang am Ende dieser in
Kapitel 6 (S. 65ff.) dargestellten Entwicklung. Umfassende wissenschaftliche Studien
dieser Konzepte fehlen bislang. Eine Darstellung der Kommunikatoraussagen zu diesen
Konzepten und der wenigen Untersuchungen dient jedoch dem Erkenntnisinteresse
dieser Arbeit. Denn zum einen begründen konkrete Veränderungen der Angebote
Untersuchungszeitraum und Untersuchungsobjekte der Arbeit. Zum anderen soll die
Arbeit die Inhalte der untersuchten Angebote nicht nur unter- und miteinander im Lauf
der Zeit vergleichen, sondern auch in die Debatte über Feuilletonprofile einordnen.
Basierend auf dem in den ersten Kapiteln erarbeiteten theoretischen Wissen formuliert
Kapitel 7 (S. 78ff.) den Forschungsbedarf, das Forschungsinteresse und konkrete
Forschungsfragen und Hypothesen dieser Arbeit. Die dafür verwendete Methode
diskutiert Kapitel 8 (S. 85ff.). Hier wird auch das Instrument entwickelt und geprüft.
Die damit gewonnenen Ergebnisse stellt Kapitel 9 (S. 101ff.) dar. Das abschließende
zehnte Kapitel (S. 146ff.) fasst die Ergebnisse zusammen, verknüpft sie mit den in
historischen Arbeiten erforschten Feuilletontraditionen und prüft, ob und in welchem
Ausmaß die erstmals Ende der 60er Jahre am Feuilleton geübte Kritik auf die
untersuchten Inhalte zutrifft. Ein Blick auf mögliche Anknüpfungspunkte für
Folgestudien in dieser Arbeit und die sich aus ihren Erkenntnissen ergebenden
Fragestellungen schließt die Arbeit ab.
Wichtige, den Inhalt der jeweiligen Abschnitte andeutende Textfragmente sind im
Fließtext sind zur besseren Orientierung beim Überfliegen der Arbeit gefettet. Zudem
fasst am Ende jedes Hauptkapitels ein Zwischenfazit die wichtigsten Erkenntnisse
zusammen.
2 Begriffsdefinitionen 6

THEORETISCHER TEIL: FEUILLETON UND


KULTUR

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Feuilleton
Mit dem Begriff Feuilleton meinen Sprecher und Schreiber immer schon gänzlich
Verschiedenes. Das Fehlen einer einheitlichen Begriffsbestimmung beklagt schon eine
der ersten Forschungsarbeiten zum Thema (ECKSTEIN, 1876, S. 5). Im Lauf der Zeit sind
jedoch drei wesentliche Bedeutungsebenen konstant geblieben, gleich, wie ihre
Bedeutung im Einzelnen bestimmt wurde: das Feuilleton als eine Darstellungsform,
als ein Stil und das Feuilleton als ein Ressort. (vgl. DOVIFAT, 1967, S. 60)
Die Beitragsform Feuilleton, auch „Kleine Form“ genannt, „schildert in betont
persönlicher Weise die Kleinigkeiten, ja Nebensächlichkeiten des Lebens“. (REUMANN,
1999, S. 114) Dies tut sie jedoch mit einem anderen Ziel als der reinen Beschreibung,
denn „dabei klingt Wesentliches an und wird Allgemeingültiges geistig wirksam.“
(PÜRER, 1996b, S. 202). So verstanden leitet also ein Feuilleton Thesen über größere
Zusammenhänge aus Beobachtungen kleinerer Sachverhalte ab. Für diese Arbeit ist ein
solcher Feuilletonbegriff nicht brauchbar. Es handelt sich um eine Form unter vielen
möglichen.
Als Stil verstanden, zeichnet sich das Feuilleton - beziehungsweise der Feuilletonismus
- durch den Gebrauch rhetorischer Figuren aus wie „Antithese, Klimax, Parallelismus,
...“ und dergleichen mehr, was bei Übertreibung dazu führt, dass „ein verschwommener,
bildhafter Stil (...) durch sprachliche Brillanz vom Sachlichen ablenkt und Ernstes und
Leichtes nivelliert.“ (REUMANN, 1999, S. 114) Diese Definition lehnt sich an Wilmont
Haackes Ausführungen über die „Anleihen des Journalismus bei der Literatur zugunsten
seiner Feuilletongestaltung“ (HAACKE, 1952, S. 133f.) an. Diese Anleihen bei
„vorhandenen literarischen Spielarten der dichterischen und schriftstellerischen
Schilderungsweisen“ dienten der „Anschaulichmachung erlebter, erdachter oder
erträumter Zusammenstöße von Welt und Geist“. (HAACKE, 1952, S. 133) Die blumige
Definition Haackes zeigt: So wie das Feuilleton als Beitragsform einen zu engen
Ausschnitt des Materials erfasst, ist der Feuilletonismus als Stil so weit gefasst, dass
sich darunter letztendlich die gesamte Presse fassen lässt. Ein Beispiel dafür sind die
Aussagen über den „Sieg des Feuilletons in allen Sparten“ (MEUNIER / JESSEN, 1931, S.
110), die Forscher und Praktiker in den zwanziger und dreißiger Jahren gern trafen. Mit
2 Begriffsdefinitionen 7

Feuilleton meinen diese Autoren stilistische Merkmale, deren Ursprung sie im


Feuilleton verorten: „Wenn die sensationelle Nachricht irgendwie geformt wird, wenn
also der trockene Bericht irgendwie künstlerisch gestaltet wird, dann sinkt in gewisser
Weise das Interesse an der Sensation selbst zugunsten des Interesses an dem Bericht
über die Sensation.“ (MEUNIER / JESSEN, 1931, S. 123) Dieser stilorientierten Tradition
folgend könnten die Inhalte des heute als Feuilleton bezeichneten Ressorts unter
Umständen gar nicht feuilletonistisch sein. Für das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit ist
ein solcher Feuilletonbegriff nicht geeignet. Bei der Betrachtung historischer
Feuilletonprofile müssen die Begrifflichkeiten mit äußerster Vorsicht geprüft werden.
Als geeignetste Bezugsebene des Begriffs Feuilleton scheint das so genannte Ressort,
das der Definition Reumanns nach „die kulturellen Nachrichten, Analysen und Kritiken
des kulturellen Lebens sowie Rezensionen und literarische Unterhaltung wie Roman
und Kurzgeschichte bringt.“ (REUMANN, 1999, S. 113) Diese Begriffsbestimmung steht
in einer langen Tradition, die das Feuilleton als ein spezielles Angebot sieht, das sich
vor allem mit besonderen kulturellen Manifestationen beschäftigt. Die etymologische
Herkunft des Begriffs Feuilleton stützt diese Verwendung. Als frühster in der Literatur
zu findender Zeitpunkt der Verwendung des Begriffs Feuilleton gilt das Jahr 1738.
(MATTAUCH, 1964, S. 273) In einer französischen Zeitschrift bezeichnet ein Autor
damit ein Projekt, in einem besonderen Teil einer Zeitschrift in regelmäßiger Folge
Bücher zu besprechen. Mattauch sieht es als erwiesen an, dass der 1738 erwähnte
Herausgeber in seiner Zeitschrift für das Feuilleton „eine ähnliche Unterteilung seines
Bogens, wie sie in formal-technischem Sinne für 1790 belegt ist“ (MATTAUCH, 1964, S.
273) plante. Durch diese Funktion als „Besprechungsteil für Bücher“ wird der Begriff in
einer Art verwendet, die „dem modernen Sprachgebrauch zwar nahe, für eine eindeutige
Gleichsetzung aber nicht nahe genug kommt“. (MATTAUCH, 1964, S. 273) Dieser
moderne Sprachgebrauch geht zurück auf die Einrichtung des Feuilletons als
eigenständiges Ressort an einem festen Platz in der französischen Zeitung „Journal des
Débats“ vom 19. Februar 1800 an.
Dieses Verständnis des Feuilletons als „Fachressort der Kritiker und Rezensenten,
zuständig für den Bereich der Veranstaltungskultur inkl. Belletristik“ (HALLER, 2002, S.
12) sowie als das Ressort, in dem Literatur veröffentlicht wird ergänzt Michael Haller
um die Funktion als „Bühne für Dichter und Denker, die Geistreich-Kritisches über
Kunst, Wissenschaft und Zivilisation publizieren und replizieren“ (HALLER, 2002, S.
12). Das Feuilleton hebt sich in dieser Tradition also durch eine thematische und
gestalterische Trennung vom restlichen redaktionellen Angebot einer Zeitung ab. Näher
zu definieren ist allerdings die vorrangige Zuständigkeit für ein Themenfeld, das mit
Begriffen wie Kultur, Kunst und Geistreich-Kritisches nur sehr vage umrissen ist.
Denn ohne diese Arbeit bleiben Definitionen des Feuilletons wie „die redaktionelle
Zuständigkeit für ‚das Kulturelle’“ (REUS, 1999, S. 7) problematisch. Denn: Ist dann
nicht auch ein Wissenschafts-, ein Medien- oder ein Gesellschaftsressort dem Feuilleton
zuzuordnen? Zu definieren ist also „das Kulturelle“.
2 Begriffsdefinitionen 8

2.2 Kultur und Kunst

2.2.1 Kultur
Wenn diese Arbeit eine Aussage über die Themen im Feuilleton als Ressort, das sich
vorrangig mit dem kulturellen Subsystem beschäftigt, treffen soll, muss zunächst der
Begriff Kultur und die Vielfalt der damit verbundenen Wertungen geklärt werden. Die
Menge an Büchern, Reden und Aufsätzen mit dem Titel „Was ist Kultur?“ (z.B.
NAUMANN, 2000; EAGLETON, 2001) zeugt von dem unbefriedigten Bedarf an
Definitionen. Resümierend hat die Soziologin Margaret S. Archer Kultur als einen der
am wenigsten ausgearbeiteten Begriffe ihres Fachs beschrieben (ARCHER, 1996, S. 1).
Ähnlich vieldeutig ist schon der alltägliche Gebrauch des Begriffs Kultur: Sprecher
bezeichnen damit einen gewissen, als gehoben wahrgenommenen Lebensstil innerhalb
einer Gesellschaft oder bestimmte Wertvorstellungen oder aber Kunst. In dieser Arbeit
wird der Begriff Kultur in seiner weitesten Bedeutung verwendet, die Hans
Matthias Kepplinger so definiert hat:
„Kultur ist die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung,
einschließlich der sie tragenden materiellen und immateriellen Werte. Zur Kultur in
diesem Sinne gehören die Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen der
Bevölkerung, die technischen, organisatorischen und institutionellen Einrichtungen,
mit deren Hilfe und in deren Rahmen sie angewandt und ausgeübt werden, sowie
die materiellen und immateriellen Produkte dieser manuellen und geistigen
Tätigkeiten.“ (KEPPLINGER, 1975, S. 13)
In der Feuilletonpraxis hilft eine so weite Definition wenig, das Themenfeld dieses
Ressorts abzustecken. Denn würden die Redakteure ihre Arbeit daran ausrichten,
unterschiede sich die thematische Ausrichtung des Feuilletons womöglich wenig von
der anderer Ressorts. Für diese Arbeit jedoch schafft der so weit gefasste Begriff eine
notwendige Klarheit: Andere Verwendungen des Begriffs Kultur bezeichnen lediglich
Ausschnitte, die aufgrund historischer Traditionen oder nicht immer transparent
gemachter Wertungen Kultur genannt werden. Dieses Ordnen, Kategorisieren und
Hierarchisieren nennt der Literaturwissenschaftler Siegfried Johannes Schmidt
„charakteristisch für das Programm Kultur“. Er meint damit, „..., daß es nicht nur die
Herstellung von kulturellen Manifestationen, sondern auch deren Beobachtungen und
Bewertungen steuert.“ (SCHMIDT, 1991, S. 37) Diese Beobachtung resultiert bei
Schmidt aus seiner konstruktivistisch inspirierten Definition von Kultur als „...
Gesamtprogramm (i.S. von Computersoftware) kommunikativer Thematisierungen des
Wirklichkeitsmodells einer Gesellschaft ...“ im Sinne von „... Legitimation,
Interpretation, Reflexion und Veränderung der Eckwerte des kategorialen Rahmens“
(SCHMIDT, 1991, S. 37). Oder kurz ohne Verweis auf die konstruktivistische Tradition
gefasst: „Kultur ist die Summe schöpferischen Handelns von Menschen. (...) Was sie
stiftet, ist ‚Sinn’.“ (REUS, 1999, S. 23)
2 Begriffsdefinitionen 9

Diese Definition grenzt den Gegenstandsbereich nicht wesentlich enger oder weiter ein
als die Kepplingers. Doch sie konkretisiert eine wesentliche Feststellung: Die Idee,
Kultur sei etwas Gegebenes, mit dem sich das Ressort Feuilleton zu beschäftigen habe,
kann als so wenig gesichert gelten, dass sie für diese Arbeit nicht brauchbar ist. Die
Bestimmung des Begriffs Kultur muss also Wertungsmuster aufzeigen und eine
Betrachtung historischer Feuilletonprofile die Tradition dieser Kulturbegriffe in
Feuilletons darlegen. So können Referenzpunkte für Analyse und Einordnung der
Ergebnisse geschaffen werden.

2.2.2 Kunst als Kultur im engeren Sinne


Der Begriff Kunst bezeichnet einen Teil der Kultur (vgl. HOFFMANN, 1985, S. 126)
Nicht wertend gebraucht, verweist der Begriff auf „jenes gesellschaftliche System (...),
das primär mit expressiven Symbolen ästhetische Synthesen hervorbringt.“ (SAXER,
1995, S. 5). Dieses gesellschaftliche Subsystem – häufig auch als Kulturbetrieb
bezeichnet - ist klar von anderen zu trennen. Es zeichnet sich aus durch: „relativ klare
Grenzen gegenüber anderen gesellschaftlichen Teilbereichen, interne
Ausdifferenzierung in kulturelle Teilsektoren, professionalisierte Rollen der
Kulturschaffenden usw.“ (WEIß, 1992, S. 734)
Die Betonung der Gestaltung nach bestimmten ästhetischen Prinzipien als Merkmal
der Kunst neben der klaren Abgrenzung zu anderen gesellschaftlichen Subsystemen
kann leicht in eine Wertung überschlagen. Meistens wird mit wertender oder auch
lediglich trennender Absicht Kunst im Wortsinn von Hochkultur verwendet. Anders in
dieser Arbeit: Der Begriff Kunst wird lediglich im Sinne der Definition Saxers und
Weiß’ synonym zu Kulturbetrieb zur Bezeichnung des beschriebenen gesellschaftlichen
Subsystems verwendet, Kunst wird hier also als Kultur im engeren Sinne – dem der
„ästhetischen Synthese“ mit „expressiven Symbolen“ (SAXER, 1995, S. 5) – verstanden.
Dieses Subsystem gilt weit stärker als eigentlicher Zuständigkeitsbereich des
Feuilletons als andere Teile der Kultur. So fordert etwa Dieter Hess in seinem
Lehrbuch, der Kulturjournalismus solle „... nicht mehr nach den trennenden E- und U-
Ordnungsmustern der orthodoxen Feuilletons“ eine Grundlage für die Entscheidung
liefern, „... welches Museum, welches Konzert, welches Buch und welcher Film aus
welchen Gründen in Frage kommen ...“ (HESS, 1992, S. 11).
Daraus folgt: Neben der begrifflichen Trennung zwischen Kultur im weiteren Sinn und
ihrem Teilbereichen der Kunst als Kultur im engeren Sinn ist eine weitere
Differenzierung nötig. Hier schafft eine Trennung von Populär- und Hochkultur– sofern
die Begriffe nicht wertend verwendet werden – zwei weitere Kategorien zur Analyse
von Kultur.

2.2.3 Hochkultur und Populärkultur


Eine klare, trennscharfe Definition der Begriffe Populär- und Hochkultur zu finden, ist
das Problem jeder Arbeit zum Kulturjournalismus oder zum Ressort Feuilleton. Leider
2 Begriffsdefinitionen 10

liegt eine vollends befriedigende Lösung bislang nicht vor. Die Vielfalt der
Herangehensweisen fasst der Kommunikationswissenschaftler Gunter Reus in einem
Satz zusammen: „Kunst kann Minderheiten ansprechen oder Mehrheiten suchen, sie
kann sich elitär oder populär geben, etabliert oder alternativ, steif oder albern. Profis
geben sich ihr hin und Laien.“ (REUS, 1999, S. 28) Reus entscheidet sich allerdings
nicht für eine Definition, was dazu führt, dass er mangelnde Vielfalt im Feuilleton
kritisiert, jedoch eine systematische Definition dieser Vielfalt jenseits von Einzelfällen
schuldig bleibt: „Themen wie Laientheater, Design oder Comics dagegen haben im
Feuilleton der Regionalzeitungen ausgesprochenen Seltenheitswert.“ (REUS, 1999, S.
28) Fehlt es nun im Feuilleton an bestimmten Formen kultureller Manifestationen wie
Comics? Oder sollen bestimmte Produzentengruppen öfters erwähnt werden, gleich was
und in welcher ästhetischen Qualität sie – aus Sicht der Feuilletonautoren - schaffen?
Aufgrund dieser Unklarheit folgt hier eine Definition von Hoch- und Populärkultur, die
umfangreicher ist als jene in den meisten Arbeiten zum Kulturjournalismus oder
Feuilleton. Denn nur, wenn das gesamte Feld der Kultur umrissen ist, kann analysiert
werden, welche Teilbereiche Feuilletons bearbeiten.
Die Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur ist seit dem 19. Jahrhundert die
wichtigste Grundlage für eine wertende Kategorisierung der Kultur. Der Ursprung
ist die Etablierung des Bürgertums im 18. Jahrhundert. Dessen Identitätsfindung und
politische Emanzipation war mit einem gemeinsamen Kulturverständnis verbunden. Die
Germanisten Werfelmeyer und Brackert nennen Kultur im Deutschland des 18. und 19.
Jahrhunderts „... ein bürgerliches Phänomen unter feudalaristokratischer Herrschaft ...“
und die eigentliche „Emanzipationssphäre des Bürgers. (BRACKERT / WERFELMEYER,
1984, S. 17). Die Kultur des Bürgers ist jedoch eine besondere. Zum einen definiert er
ihre Bedeutung nicht mehr nur durch den - fiktiven - Gegensatz zur Natur, sondern
trennt nun auch Kultur im Sinne von schöngeistigen Leistungen von wissenschaftlicher
Entwicklung. Zum anderen sieht der deutsche Bürger des 19. Jahrhunderts als Kultur
nur, was in einer der Idealisierung dienenden Distanz zu Volk, Körperlichkeit,
kapitalistischer Produktion und Verwertung, vor allem aber den Marktgesetzen
geschieht. Im Lexikon der Kunst wird dies im marxistisch angehauchten Sprachduktus
treffend als Beschränkung der Kultur im „bürgerlichen Sprachgebrauch“ auf die „...
geistige Kultur (...), die von ihrer materiellen Basis, dem Sein des Menschen losgelöst
betrachtet wurde.“ (OLBRICH / STRAUß, 1992, S. 102)
Kultur ist also diesem bürgerlichen Kulturbegriff nach eine von den Niederungen
der Welt gelöste Teilmenge künstlerischer Produktion. Gelöst auch vom Publikum,
was der Kunsthistoriker Dieter Daniels als eine wesentliche Eigenschaft des
klassischen, bürgerlichen Kulturbegriffs definiert. Dieser „... räumt der Partizipation des
Betrachters, Zuhörers oder Lesers nur einen niedrigen Stellenwert ein. Im Konzert, in
der Literatur oder der Malerei wird der kongeniale Nachvollzug des möglichst rein
erhaltenen Originals als oberste Maxime gesehen.“ (DANIELS, 2000, S. 145)
2 Begriffsdefinitionen 11

In dieser Verständnistradition entwickelten sich die Begriffe „Bildung“ und „Kultur“ im


Deutschland des 19. Jahrhunderts zum Symbol und Mittel einer „verschärften
Distinktion ‚nach unten’“ (BOLLENBECK, 1996, S. 246). Unten verortet der bürgerliche
Kulturbegriff des ausgehenden 19. Jahrhunderts die breite Volksmasse und seine als
billige Unterhaltung beargwöhnte Populärkultur. Als billige Unterhaltung galt ein Werk,
das voraussetzungslos jedem Rezipienten unmittelbares, nicht-sublimiertes Vergnügen
ermöglicht. Also zum Beispiel „Jahrmärkte, Tanzvergnügen, Karneval (...) derbe
Komödien“ (MATTHIESEN, 2000, S. 42) Solche aus bürgerlicher Sicht
verabscheuungswürdigen Momente von „Involviertsein, von naiver Verhaftung und
‚vulgärer Verfallenheit’ an leichte Verführung und kollektive Begeisterung“
(BOURDIEU, 2003, S. 69) kann und darf Hochkultur im bürgerlichen Verständnis nicht
bieten. Denn: „Distanziertheit, Interesselosigkeit, Gleichgültigkeit (...), sie allein
ermöglichten, das Kunstwerk als das zu erkennen, was es wahrhaft sei, nämlich
autonom, selbständig ...“ (BOURDIEU, 2003, S. 68)
Diese auf den bürgerlichen Kulturbegriff zurückgehende Zweiteilung wirkt noch heute
fort. Von der „... Arroganz derer, die sich mit anerkannten Bildungsgütern ausgerüstet
wußten ...“ sieht der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase die Geschichte der
Massenkultur durchzogen: „Den Nutzern von Massenkultur sprachen die ‚Gebildeten’
jegliche Kritikfähigkeit ab; so legitimierten sie ihr kulturelles Kapital und setzten sich
an die Spitze der geistigen Hierarchie.“ (MAASE, 2003a, S. 51)
Zu den Kriterien für diese Trennung kam im 19. Jahrhundert die wirtschaftliche
Verwertung kultureller Manifestationen hinzu. Diese Definition populärer Kultur
über ihre Bindung an kapitalistische Produktion wirkte in den Analysen Adornos
fort und schwingt heute noch immer in mancher Kritik an populärer Kultur mit. Zum
Beispiel, wenn der Leiter des Zeit-Feuilletons Jens Jessen die „Nobilitierung“ von
Produkten der Massenkultur angreift, weil diese „... freilich darüber aus dem Auge
verlieren muss, dass es sich um marktstrategisch und industriell, sozusagen von oben
erzeugte Produkte handelt, an deren Herstellung das Volk nicht im Geringsten beteiligt
ist.“ (JESSEN, 2002b) An dieser Kritik ist sicher die willkürliche einseitige Interpretation
der Wirkungsrichtung zu bemängeln. Doch sie ist zur Trennung von Hoch- und
Populärkultur ohnehin unbrauchbar und gilt als solche deshalb auch seit Jahrzehnten als
überholt. Denn: „Unsere Kultur ist eine Warenkultur, und es ist zwecklos, dagegen auf
der Grundlage zu argumentieren, daß Kultur und Profit einander wechselseitig
ausschließende Begriffe wären ...“ (FISKE, 2003, S. 17f.) Diese Feststellung betrifft
nicht nur die Interaktion von Kunstmarkt und Kunstproduktion, sondern auch andere
Bereiche des eingangs nach Kepplinger so weit definierten Kulturbegriffs. Werbung,
Marken, Images transportieren ja auch Teile „typischer Lebensformen einer
Bevölkerung“ sowie die sie „tragenden materiellen und immateriellen Werte“, teilweise
zumindest.
Der Einwurf Jessens bezieht sich auch auf eine zweite Definition der Grenze zwischen
Hoch- und Populärkultur: die Professionalität der Produzenten. Auf dieses
2 Begriffsdefinitionen 12

Kriterium greift zum Beispiel Michael Bitala in seiner Diplomarbeit beim Vergleich
lokaler Kulturseiten von Tageszeitungen mit den entsprechenden Feuilletons zurück. Er
sieht als einen Indikator für einen erweiterten Kulturbegriff die häufige
Berichterstattung über „Laien- oder Alternativkultur“, kontrastiert durch „etablierte
Kultur“ (BITALA, 1993, S. 97). Abgesehen von der Frage, ob eine Schulaufführung von
„Iphigenie auf Tauris“ nun von Laien in Szene gesetzte etablierte Kultur ist – solche
Ereignisse sind im Hinblick auf das gesamte kulturelle Angebot eine Randerscheinung.
Eine brauchbare Trennlinie zwischen populärer und Hochkultur lässt sich hier also nicht
ausmachen, es sei denn, man will basierend darauf Jerry Bruckheimer und Thomas
Mann und mit ihnen den Großteil rezipierter Kultur einer einzigen, extrem weiten und
dadurch erklärungsschwachen Kategorie zuordnen.
Als Merkmal zur Trennung von Populär- und Hochkultur reicht die Popularität eines
Werks im Sinne von Verkaufs-, Besucher oder sonstigen Nutzungszahlen ebenfalls
nicht aus. Denn dann müsste Goethe ob der immensen Gesamtauflage seiner Werke zur
populären Kultur gerechnet werden, ein miserabel verkauftes Computerspiel wie
„System Shock 2“ hingegen zur Hochkultur. Der Erfolg allein kann also kein Kriterium
sein, höchstens ein weiterer Indikator. Denn über die Ästhetik und ästhetische Tradition
einer spezifischen kulturellen Manifestation sagen solche Nutzungszahlen wenig aus.
Kritisch müssen auch die differenzierteren, meist kunstsoziologischen Versuche
gesehen werden, Populär- und Hochkultur über die demografische Struktur ihres
Publikums zu trennen. Eine Beziehung zwischen ästhetischen und sozialen Grundlagen
der Hochkultur und Populärkultur besteht gewiss. Pierre Bourdieu hat sie in „Die feinen
Unterschiede“ belegt, beschrieben und kritisiert (BOURDIEU, 2003). Er hat – wenn auch
nur für das Frankreich der sechziger und siebziger Jahre – gezeigt, dass kulturelle
Wertungssysteme der Ausfüllung, Darstellung und letztlich Bewertung bestimmter
sozialer Positionen dienen und beim Zugang zu den damit verbundenen Kulturgütern
bestimmte soziale Gruppen im Vorteil sind. Allerdings hat Bourdieu das empirische
Material zum größten Teil in den sechziger Jahren erhoben. Die erst in dieser Zeit
beginnende Vereinigung von bürgerlicher Hochkultur und populärer Gegenkultur
schlägt sich in diesen Daten nicht nieder. Aber sie bestimmt die heutigen kulturellen
und gesellschaftlichen Eliten. Ohnehin war schon das Bürgertum des 19. Jahrhunderts
damals als populär definierter Kultur nicht abgeneigt und rezipierte Komödien,
Operetten, das Varieté oder Salonmusik (vgl. MAASE, 2003a, S. 54). Somit scheitert die
Definition jenes Teils der Kultur, den gesellschaftliche Eliten bevorzugen, als
Hochkultur heute zum einen an mangelnden empirischen Daten. Zum anderen aber
kann eine Definition auf dieser Basis allein nicht überzeugen, weil sie die ästhetischen
Programme der entsprechenden Werke unzureichend berücksichtigt. Dennoch sind die
Definitionen Bourdieus auch vor dem heutigen empirischen Hintergrund
bedenkenswert. Die derzeit jüngste repräsentative Untersuchung der Kulturpräferenzen
in Deutschland beschränkt sich auf den Raum am Rhein zwischen Duisburg und Bonn.
(KEUCHEL, 2003, S. 298). Die Befragung Susanne Keuchels vom Bonner Zentrum für
Kulturforschung ergab, dass einerseits ein extrem auffallendes „Bildungsgefälle
2 Begriffsdefinitionen 13

zwischen den jungen Kulturinteressierten und Nicht-Kulturinteressierten“ (KEUCHEL,


2003, S. 123) besteht. Auch bei den Kulturinteressierten hängen bestimmte Präferenzen
mit dem Bildungsstand zusammen. (vgl. KEUCHEL, 2003, S. 107f.) Die Untersuchung
deutet auf zahlreiche weitere Einflussgrößen hin, doch eine Feststellung Bourdieus über
ästhetische Programme bleibt mit Einschränkungen gültig: „Die Fähigkeit des Sehens
bemißt sich am Wissen, (...) Von Bedeutung und Interesse ist Kunst einzig für den, der
die kulturelle Kompetenz, d.h. den angemessenen Code besitzt.“ (BOURDIEU, 2003, S.
19)
Bourdieu versteht hier Kunst im Sinne von Hochkultur. Es zeigt sich, dass die
demografische Struktur der Rezipienten durchaus ein Indikator für Hoch- und
Populärkultur sein kann. Allerdings reicht dies – zumal bei der spärlichen Datenlage –
nicht allein für eine Definition aus. Man muss die Werke betrachten.
Die Vielfalt an Abgrenzungsversuchen zeigt, dass nach wie vor zwischen Hoch- und
Populärkultur ein Unterschied besteht und auch unterschieden wird – oft allerdings nach
historischen und überholten Mustern. Fakt ist jedoch: „In unserer Kultur haben wir (...)
eine ästhetische und funktionale Trennung der beiden Bereiche.“ (HÜGEL, 2003b, S.
81). Hügel bietet die geeignetste Definition dieser Unterschiede an. Sie bewertet nicht,
geht nicht von Produktionsbedingungen, sehr wohl aber von ästhetischen Eigenschaften
der Kulturgüter aus:
„Wird Populäre Kultur als unterhaltende Kultur verstanden, erlaubt das, sie als
eigenständiges System und trotzdem im Zusammenhang mit der Gesamtkultur zu
begreifen, wenn Unterhaltung nicht jede Art von Amüsement ist, sondern als
Teilhabe an sowohl ästhetisch zweideutig produzierten als auch zweideutig
rezipierten, medial vermittelten (...) Ereignissen und Artefakten erfaßt wird.
Unterhaltung in diesem Sinn ist eine von anderen sozialen und kulturellen Zwecken
(etwa Belehrung und Information) geschiedene, selbständige Institution und
Funktion und verleiht als Zentralbegriff der Populären Kultur auch dieser selbst
institutionelle Selbständigkeit.“ (HÜGEL, 2003a, S. 17)
Die Zweideutigkeit als Eigenschaft populärer Kultur ist bei Hügel das Gegenteil der
Maxime vom kongenialen „... Nachvollzug des möglichst rein erhaltenen Originals“
(DANIELS, 2000, S. 145) in der Hochkultur, die Hügel auch mit dem Begriff Kunst
belegt: „Während Kunstrezeption ihrem Anspruch nach Unbedingtheit fordert, (...)
erlaubt die Unterhaltungsrezeption (fast) jedes Maß an Konzentration und Interesse.
Nicht ‚richtiges’ Verstehen, sondern Teilhabe ist wichtig, wenn wir uns unterhalten
wollen.“ (HÜGEL, 1993, S. 130, zit. nach HÜGEL, 2003b, S. 81) Teilhabe bedeutet
jedoch nicht, dass Werke sich nicht auf ästhetische Programme beziehen, sie
entwickeln oder kombinieren können, sondern, dass das Verstehen dieser Bezüge
nicht Voraussetzung für die Rezeption ist, was ja Bourdieu als Voraussetzung für das
Interesse und Vergnügen an Hochkultur formuliert.
Das Problem dieser Definition ist allerdings – wie Hügel selbst einräumt, dass „... wie
in allen hermeneutischen Studien, immer nur der implizite, nicht der tatsächliche
Rezipient erfaßt ...“ wird. (HÜGEL, 2003b, S. 81) Es fehlt bislang eine methodische
2 Begriffsdefinitionen 14

Ausarbeitung, um die tatsächliche Rezeption zu untersuchen. Diese Dimension ist für


diese Arbeit jedoch nicht notwendig. Denn für eine Analyse der Berichterstattung in
Feuilletons im Hinblick auf die dominierenden Kulturbereiche reicht die historische
Darstellung der verschiedenen Kulturbegriffe und der Vergleich anhand der
hermeneutisch vor allem in der Kulturwissenschaft erarbeiteten Definitionen und deren
konkreter Anwendung. Eine Aussage, welchen Ausschnitt der Kultur Feuilletons
präsentieren, ist auf dieser Basis möglich – eine Aussage über die Popularität dieses
Ausschnitts im herkömmlichen Sinne der breiten, tatsächlichen Rezeption aber nicht,
wie die Begriffsbestimmung gezeigt hat.

2.3 Zwischenfazit: Systematisierung der Definition


Die Bestimmung des Begriffs Kultur hat gezeigt, dass er in vielen Fällen wertend
gebraucht wird, um einen Teilbereich der Kultur zu bezeichnen und diesem zugleich die
Spitzenstellung in einer oft eher demografisch als ästhetisch begründeten
Kulturhierarchie zuzuweisen. Deshalb bezeichnet Kultur in dieser Arbeit „die
Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie
tragenden materiellen und immateriellen Werte“ (KEPPLINGER, 1975, S. 13).
Dieser weite Kulturbegriff soll die Analyse der eventuell in Feuilletons bevorzugten
Teilbereiche der Kultur ermöglichen. Um dies zu ermöglichen, wird auch der Begriff
Kunst in dieser Arbeit ähnlich wertfrei für „jenes gesellschaftliche System (...), das
primär mit expressiven Symbolen ästhetische Synthesen hervorbringt“ (SAXER, 1995, S.
5) verwendet. Denn die erwähnten kulturgeschichtlichen Arbeiten zeigen, wie zeit- und
interessenabhängig Kultur definiert wird. Und damit, „... wie problematisch für eine
Untersuchung die Bevorzugung eines einzigen ist“. (STEGERT, 1998, S. 10)
Die Begriffsdefinition zeigt, dass kulturelle Manifestationen sich in ein Schema mit
zwei Dimensionen einordnen lassen, welche allerdings in Debatten um einen
„erweiterten Kulturbegriff“ häufig vermischt werden:
Zum einen die Weite des Kulturbegriffs im Hinblick auf die Integration von
Kulturgebieten wie Wissenschaft oder Design als Gegensatz zur bloßen Gleichsetzung
von Kultur mit Kunst. Der Kommunikationswissenschaftler Weiß benennt diese beiden
Felder als „(Human-)Kultur“ und den Kulturbetrieb im Sinne eines stabilen
„kulturellen Subsystems“ (WEIß, 1992, S. 734).
Zum anderen die Weite des Kulturbegriffs im Hinblick auf die beiden Felder der
Kunst, nämlich populäre und Hochkultur im Gegensatz zur bloßen Gleichsetzung
von Kultur mit Hochkultur.
Diese Dimensionen hat der Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Weiß für eine
Untersuchung der Programmkategorien Kultur und Bildung (WEIß, 1992) zu einem
noch immer brauchbaren Schema zusammengefasst, das im Bereich der Kunst bei der
Trennung von Populär- und Hochkultur starke Überschneidungen mit anderen
Kategorieschemata, etwa dem HEILBRUNNS (1997, S. 32) aufweist. Es soll, ergänzt um
2 Begriffsdefinitionen 15

die Erkenntnisse aus der Kulturwissenschaft, auch in dieser Untersuchung


unterschiedliche kulturelle Manifestationen auf Spartenebene in Kategorien
systematisieren. Dabei werden allerdings die eingangs erarbeiteten Definitionen von
populärer und Hochkultur anstelle der zum Teil historischen bei Weiß verwendet.
Natürlich wäre im Prinzip für solche Urteile eine hermeneutische Analyse jedes
einzelnen Werkes notwendig. Doch vorliegende empirische und theoretische Arbeiten
zeigen, dass im Hinblick auf die Forschungsökonomie ein Vorgehen auf Spartenebene
zulässig und erkenntnisbringend ist. Das Schema ergibt vier Felder, die hier kurz
beschrieben werden:
Populäre Kultur im engeren Sinn: Unterhaltende Kultur, bei der Teilhabe und als
Folge Unterhaltung wichtiger sind als ein „richtiges“ Lesen des ästhetischen Programms
auf Basis notwendigen Vorwissens.
Populäre Kultur im weiteren Sinn: Anders als populäre Kultur im engeren Sinn ist
der primäre Zweck der Form nicht die „ästhetische Synthese“ mit „expressiven
Symbolen“ im Sinne Saxers (1995, S. 5), sondern das Schaffen eines Gebrauchswertes.
Dieser Nutzwert – dem durchaus ein ästhetisches Programm untergeordnet sein kann –
ist auch ohne spezielles Vorwissen zugänglich. So zum Beispiel bei Mode,
Einrichtungs- oder Autodesign, sowie allen kulturellen Phänomenen, die gewöhnlich
unter dem Begriff „Lifestyle“ zusammengefasst werden.
Hochkultur im engeren Sinn: Die „sogenannten schönen Künste“ (STOLTE, 1989, S.
205) zeichnen sich der erarbeiteten Definition nach dadurch aus, dass ihr ästhetisches
Programm bei der Rezeption den Nachvollzug auf Basis ästhetischen Vorwissens
verlangt anstatt auch Unterhaltung ohne besondere Voraussetzungen zu erlauben.
Hochkultur im weiteren Sinn umfasst „sowohl die ethisch-politische Kultur des
Handelns als auch die wissenschaftlich-technische Kultur des Machens“ (STOLTE, 1989,
S. 205; zit. nach WEIß, 1992, S. 734). Dieses Feld unterscheidet sich von Kultur im
engen Sinne, die eine ästhetische Synthese als Selbstzweck hat (vgl. S.9).
„Wissenschaft, Technik, Recht, Medizin und Religion“ (WEIß, 1992, S. 734) als
Hochkultur im weiteren Sinne unterscheiden sich von der populären Kultur im weiteren
Sinne dadurch, dass sie nicht auf die Teilhabe eines größtmöglichen Nutzerkreises
abzielen, sondern diese lediglich einem kleinen, wissenden Kreis vorbehalten bleibt.
Auf Basis dieser Definition werden im zu entwickelnden Analyseinstrument
Kultursparten diesen vier Feldern zugeordnet (vgl. S. 96f.) Die Differenzierung erlaubt
es nun, die Definition des Feuilletons als Ressort über seine thematische Ausrichtung
auf „das Kulturelle’“ (REUS, 1999, S. 7) zu definieren. Das Feuilleton ist zwar als
Ressort dem allgemeinen Verständnis nach für alle kulturelle Themen zuständig, jedoch
zeichnet es sich durch eine im Vergleich zu anderen Ressorts annähernd exklusive
Zuständigkeit für Hochkultur im engeren Sinn aus. Dieses Verständnis belegt etwa
die Selbstdarstellung des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung, das sich bestrebt nennt,
„seine gewissermaßen ‚klassischen’ Aufgaben wahrzunehmen und seine Leser aktuell
über alle relevanten kulturellen Ereignisse kompetent und kritisch zu informieren: von
2 Begriffsdefinitionen 16

Theater und Literatur über Malerei, Film, Tanz, Musik, Architektur und Fotografie.“
(SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003). Dieser Fokus hebt das Feuilleton von anderen Ressorts
ab. Jedoch ist es als Ressort in Deutschland keinesfalls auf diesen Themenbereich zu
reduzieren. Eine Besonderheit des deutschen Begriffs Feuilleton ist, dass er mehr als
Kulturjournalismus bezeichnet. Die Süddeutsche Zeitung verortet im Feuilleton
Themen, „die auf der Schnittstelle von Kultur, Politik und Gesellschaft angesiedelt sind
und deren Darstellung häufig Debatten anregt“. (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003) Die
Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht in einer Selbstdarstellung 1998 den
„Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa und die deutsche
Wiedervereinigung“ sowie die „europäische Einigung“ (FRANKFURTER ALLGEMEINE
ZEITUNG, 1998, S. 66) - auch - als Themen des Feuilletons. In Lehrbüchern schlägt sich
diese Bedeutung nieder. So zählt etwa Reus als eines der „anderen Gebiete der
Kulturkritik“ die „Politische Kultur“ (REUS, 1999, S. 5). Dieses Verständnis steht in der
Tradition des von Haller ausgemachten Feuilletons als „Bühne für Dichter und Denker“,
die dort eben über „Kunst, Wissenschaft und Zivilisation“ schreiben (HALLER, 2002, S.
12) Wie stark diese Anteile des weiten Feldes Kultur am Inhalt der zu untersuchenden
Feuilletons sind, muss der empirische Teil dieser Arbeit ergeben.
Fest steht jedoch, dass der Begriff „Feuilleton“ in dieser Arbeit das Ressort in seiner
spezifischen, noch darzustellenden deutschen Tradition, bezeichnet. Mit Feuilleton
ist nicht – es sei denn, dies wird so ausgeführt – eine Darstellungsform, ein Stil oder
Kulturjournalismus gemeint.
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 17

3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe


und Darstellung
Schon die Definition des Begriffs Feuilleton (S. 6) hat gezeigt, wie verschieden die
Erscheinungsformen des Feuilletons als Ressort sind. Diese historische Vielfalt muss in
dieser Arbeit umrissen werden, weil sie nicht nur die Vielfalt der Feuilletonressorts von
FAZ und SZ beschreiben, sondern diese auch in die Ressorttradition einordnen soll.
Der Forschungsstand zu den Inhalten historischer Feuilletons ist unbefriedigend. Noch
unbefriedigender ist die Menge an Arbeiten, welche diese Medieninhalte mit dem
Instrument der quantitativen Inhaltsanalyse erforschen.
Dies ist einer mehrerer Gründe, die bisherigen Erkenntnisse über historische
Feuilletonprofile nur vorsichtig zu generalisieren. Weil „die bibliographische und
inhaltliche Erschließung, die Überlegungen zu Form, Inhalt und Umfang (...) für die
Printmedien in Anfängen stecken“, warnt der Historiker und
Kommunikationswissenschaftler Bernd Sösemann davor, „eine literaturgeschichtliche
Epoche als ‚die Zeit’ oder ‚die große Zeit des Feuilletons’ zu deklarieren“ oder „eine
spezielle Charakterisierung mit großflächigen Begriffen aus der politischen, sozialen
oder medientechnischen Sphäre“ zu verallgemeinern. (SÖSEMANN, 2000, S. 40f.) Der
zweite Grund zur Vorsicht ist die nicht immer gegebene Übertragbarkeit von
Forschungsergebnissen zum Feuilleton aus anderen Disziplinen, die sich dem
Gegenstand aus womöglich völlig anderem Erkenntnisinteresse und mit entsprechend
anderen Methoden nähern. Die Literaturwissenschaftlerin Almut Todorow weist darauf
hin, dass vor allem ihre Disziplin das Feuilleton als Forschungsobjekt entdeckt hat „...,
wenn auch in der Regel im Dienst anderer, nicht dem Feuilleton gewidmeter
Fragestellungen ...“ (TODOROW, 1996b, S. 32). Der dritte Grund zur Vorsicht ist die
häufige Vermengung unterschiedlicher Feuilleton-Kategorien in der älteren
zeitungswissenschaftlichen Feuilletonforschung. Forscher wie Wilmont Haacke rechnen
oft rückwirkend bestimmte Inhalte dem Feuilleton zu, ohne diese Zuschreibung zu
problematisieren und das „Zusammenwachsen des Feuilletonteils aus unterschiedlichen
publizistischen Traditionen und literarischen Gattungen“ (JÄGER, 1988, S. 57) offen zu
legen. Diesen Fehler soll die vorliegende Arbeit vermeiden: Nicht alle Inhalte werden
unkritisch als Feuilleton verstanden, nur weil sie von Wissenschaftlern oder Praktikern
diesem Begriff untergeordnet wurden.
Trotz dieser Widrigkeiten sollte es möglich sein, zu verfolgen, wie im Lauf der Zeit ein
räumlich vom Rest der Zeitungen getrennter Teil entsteht, der sich durch die
Zuständigkeit für das Themenfeld der Kultur im engeren Sinn auszeichnet. Welche
anderen Themen darin ihren Platz haben, wie sie bearbeitet werden, welches Publikum
damit gewonnen werden soll – diese Fragen soll die Analyse historischer
Feuilletonprofile beantworten.
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 18

3.1 Vorläufer des Feuilletonressorts


Kultur im engeren Sinn war in den Zeitungen des 17. Jahrhunderts kein Thema,
zumindest nicht dem gegenwärtigen Forschungsstand nach. Thomas Schröder hat in
seiner Untersuchung der noch erhaltenen Ausgaben der Zeitungen „Aviso“ und
„Relation“ aus dem Jahrgang 1609 ein Klassifizierungssystem aus einer Analyse der
einzelnen Beiträge aufgebaut (vgl. SCHRÖDER, 1995, S. 115) – doch Kultur im engeren
Sinn ist dabei keiner der aus dem Material abgeleiteten „thematischen
Gegenstandsbereiche“ (SCHRÖDER, 1995, S. 115). Diese Beobachtung bestätigt Jürgen
Wilke, der „Zeitungen bestimmter Stichjahre vom 17. bis zum 20. Jahrhundert“
(WILKE, 1998, S. 91) auf Themen, die er der Kultur zurechnet, untersucht, nämlich:
„Kunst, Literatur, Musik, Theater, Wissenschaft, Sprache, Bildung, Entdeckungen,
Erfindungen, Technik“ (WILKE, 1998, S. 90f.). Sein Fazit: „Entsprechende Meldungen
fehlen so gut wie ganz oder sind doch sehr selten (...). Noch bis zum 18. Jahrhundert
scheint sich daran nichts geändert zu haben.“ (WILKE, 1998, S. 91) Abgesehen von
einer durch Wilke untersuchten Zeitung, dem ab 1712 erscheinenden „Schiffbecker
Hollsteynischen unpartheyischen Correspondenten“, beziehungsweise dem ab 1731
erscheinenden Schwesterblatt „Hamburgischer unpartheyischer Correspondent“.
Dieses Blatt kann „sich das Verdienst zurechnen, in Deutschland eine Kultur-Sparte
eingerichtet zu haben.“ (WILKE, 1998, S. 92). Diese gelehrten Artikel im vom Rest der
Zeitung optisch getrennten Angebot umfassen 1736 im „Hamburgischen
unpartheyischen Correspondenten“ ein Viertel des Zeilenumfangs aller Beiträge.
(WILKE, 1998, S. 92) Ihre Eigenart im Vergleich zum restlichen Angebot und die darauf
basierende Interpretation als „erste Verselbständigung einer ‚Feuilleton’-Sparte“
(WILKE, 1984, S. 128) definieren Wilke und andere Forscher über zwei Merkmale: Die
exklusive Bearbeitung bestimmter Themenfelder und die Verwendung spezifischer
Darstellungsformen. Die Themen sind: „die bisher in den politischen
Nachrichtenzeitungen fast unberücksichtigten Gebiete der wissenschaftlichen
Forschung und des literarischen Lebens“ (JESSEN /MEUNIER, 1931, S. 17),
„Buchbesprechungen, (...) wissenschaftliche und Kunst-Nachrichten, nur
gelegentlich andere Kritiken“ (WILKE, 1998, S. 92). Auffällig an dieser
Themenstruktur ist, dass die Sparten Theater, Belletristik und Malerei kaum vertreten
sind, umso stärker aber Kultur im weiteren Sinn, „vorwiegend wissenschaftliche
Themen“, mit „naturwissenschaftlichen Fragen“ an „der Spitze“ (JESSEN / MEUNIER,
1931, S. 28), weshalb Jessen und Meunier einräumen: „Von dem, was wir heute
Feuilleton nennen, ist nur wenig zu merken“ (JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 27).
Allerdings wird hier offenbar zum ersten Mal Kultur im engeren Sinn in einem
institutionalisierten Ressort behandelt, weshalb Jessen und Meunier bei allen
Zweifeln von einem Vorläufer des Feuilletons sprechen. Die Parallelen scheinen bei den
Darstellungsformen klarer zu sein: Als die wesentlichen nennt Wilke Besprechung und
Kritik, andere Autoren beziehen sich auf dasselbe, sprechen aber von „Kulturkritik“
(JESSEN /MEUNIER, 1931, S. 17) oder „Bücherrezensionen“ (LINDEMANN, 1988, S. 163).
Allein im Erscheinungsjahr 1730 werden knapp 1000 Bücher besprochen. (JESSEN /
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 19

MEUNIER, 1931, S. 22f.) Daneben scheint der Gastbeitrag eine ebenfalls


charakteristische Präsentationsform zu sein: „literarische Beiträge“ (LINDEMANN, 1988,
S. 163), also Primärtexte von als Künstlern und fachlich legitimierten Autoren.
Die Kritik als Darstellungsform verbindet diesen Zeitungsteil mit jenem Angebot, das
den Namen Feuilleton als Ressortbegriff etablierte: dem vom 2. März 1800 an durch
Julien Louis Geoffroy aufgebauten Feuilleton des Pariser „Journal des Débats“.
Anfangs war Feuilleton „eine neutrale buchbinderische Bezeichnung für ein Heftchen
von acht Seiten, das den Journalen als Beiblatt mitgegeben wurde“ (ROLLKA, 2000, S.
90). Darin bewarben Theater ihre Neuaufführungen. Geoffroy platzierte neben den
Anzeigen redaktionelle Kritiken der neuen Stücke, später auch „Betrachtungen über
Theater, Literatur, Kunst, Reise, Straße, Klatsch und Kleinigkeiten der Weltstadt“
(HAACKE, 1962, S. 76). Dieses Angebot verschob die Bedeutung des Begriffs Feuilleton
von der drucktechnischen Bezeichnung einer Beilagenform zum „publizistischen
Feuilleton-Begriff (...), der dann in der weiteren Entwicklung auch Literaturkritik,
Kunstberichte, den Feuilleton-Roman und Reisebeschreibungen in sich aufnahm“
(TODOROW, 1996b, S. 10). Auch diese Erscheinungsform des Ressorts definiert die
bisherige Forschung über die Auseinandersetzung mit Kultur im engeren Sinne, dabei
vor allem über die Bewertung von Kulturprodukten in Kritiken als Darstellungsform.

3.2 Institutionalisierung des Feuilletons im 19. Jahrhundert


In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt die bisherige Forschung für viele
deutsche Tageszeitungen fest, dass dem Feuilleton „mehr und mehr ein fester Platz“
(JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 71) zugewiesen wird – kurz: eine Institutionalisierung des
Feuilletons als Ressort. Zwar fehlt eine systematische Erforschung dieses Sachverhalts
über einzelne Medien hinaus, doch scheinen die einzelnen Ergebnisse die These zu
erlauben.
So verspricht 1802 der Kritiker Garlieb Merkel in der Spenerschen Zeitung ein
„Feuilleton als Entschädigung für fehlende politische Neuigkeiten“ (BECKER, 1938, S.
61). In Nürnberg kündigt der „Korrespondent von und für Deutschland“ in der ersten
Ausgabe 1812 das „unten angehängte Feuilleton“ (HEIDNER, 1944, S. 19) an. Die
Kölnische Zeitung bringt vom 1. Mai 1838 die schon seit 1816 wöchentlich in einem
Beiblatt erscheinenden Inhalte aus „Literatur, Kunst, Wissenschaft und
Unterhaltung“ (TODOROW, 1996b, S. 10) in einem eigenen Ressort – dem Feuilleton –
im Hauptblatt. Die Münchner Politische Zeitung startet 1844 ein „Feuilleton unter dem
Strich“. (MERKELBACH, 1941, S. 90). Und in der Frankfurter Zeitung erscheint „am 11.
Mai 1850 (...) erstmals ein Feuilleton (...) im Blatte selbst ‚unter dem Strich’“ (VERLAG
DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1032).

Stellenwert und Funktion dieser Angebote innerhalb der Medien sind wenig erforscht.
Einen Anhaltspunkt gibt Heinz Beckers zeitungskundliche Arbeit zum Feuilleton der
Berliner Tagespresse. Das Feuilleton nimmt in allen vier untersuchten Zeitungen
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 20

deutlich weniger Fläche ein als die Politik, und rangiert mit der Wirtschafts-
berichterstattung auf den unteren Plätzen in der Rangfolge nach Flächenanteilen.
Für mehr als eine grobe Orientierung kann Beckers Untersuchung nicht verwendet
werden, weil die Grundlage seiner Zuordnung der Medieninhalte zu bestimmten
Ressorts unklar bleibt. Denkbar ist, dass er Beiträge ihren Themen, nicht ihrer
Positionierung nach Ressorts zuschreibt. Wäre dies der Fall, könnte er theoretisch auch
politische Analyse aus dem Feuilletonressort einem anderen zugerechnet haben.

Tabelle 1: Flächenanteile der Ressorts am Gesamtumfang der Ausgaben der Vossischen ,


Spenerschen, National- und Kreuzzeitung im April 1852 in Prozent
Vossische Ztg. Spenersche Ztg. Nationalzeitung Kreuzzeitung
Feuilleton 6,3 7,8 6,5 15,8
Redaktioneller Teil gesamt 50 62,8 81,8 79,4
Anzeigenteil 50 37,7 18,2 20,6
Gesamt 100 100,5 100 100
Quelle: BECKER, 1938, S. 222f.

Die Themenstruktur der als Ressort etablierten Feuilletons erinnert an die der
Vorläufer: Kultur im engen Sinn, nun allerdings mehr Sparten umfassend, zudem
Wissenschaft. Das Theater, beziehungsweise die Rezension neuer Theaterstücke,
bezeichnet am 16. Oktober 1802 die Spenersche Zeitung in einem Artikel zum Start des
Feuilletonressorts als dessen Thema, überhaupt scheinen eher Kulturprodukte als Kultur
das Themenfeld dieses Ressorts zu sein: „‚bald eine Beurteilung neuer Schauspiele und
ihrer Darstellung auf dem Nationaltheater; bald kurze Rezensionen belletristischer
Werke; bald Auszüge von wichtigen Artikeln aus Journalen, gleich nach Erscheinen
derselben; ...“ (BECKER, 1938, S. 61). Eine ähnliche Etablierung der Rezension als
Berichterstattungsform in mehreren Kunstsparten konstatiert Heinz Merkelbach als
Fazit seiner Untersuchung sieben in München erscheinender Tageszeitungen zwischen
1815 und 1848: „Bis zum Ende des Jahres 1848 ist sowohl der Theaterbericht, der
Musikbericht, der Kunstbericht wie das Buchreferat ein Bestandteil der Tagespresse
geworden.“ (MERKELBACH, 1941, S. 87) Den Anteil der Kritik am Feuilleton
quantifiziert die schon erwähnte Analyse Beckers der Feuilletons vier Berliner
Tageszeitungen im April 1852. Zählt man die Flächenanteile der von ihm als
„kritisches Feuilleton“ bezeichneten Kategorien zusammen, umfassen sie je nach
Medium etwa ein Drittel bis zu der Hälfte der Feuilletonfläche – bei der
Kreuzzeitung sind alle Kritiken dem Ressort „Berliner Zuschauer“ zugeschlagen. Eine
genauere Auswertung ist nicht möglich, weil Beckers Kategorienschema Themen und
Darstellungsformen untransparent vermischt.
Dass die Wissenschaftsberichterstattung auf den ersten Blick nicht in Beckers
Untersuchung der Feuilletons auftaucht, kann also durchaus seinem Kategorienschema
zuzuschreiben sein, das entsprechende Beiträge womöglich als „Artikel-Feuilleton“
oder „Nachrichten-Feuilleton“ erfasst. Zumindest besagen andere Quellen, dass
wissenschaftliche Themen auch in den neuen Feuilletonressorts behandelt werden.
So zitiert Renate Heidner in ihrer Dissertation über Die Theaterkritik von 1815-1850
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 21

aus der Ankündigung des Feuilletons im „Nürnberger Korrespondenten von und für
Deutschland“ als Themenvorgabe:
„Literatur, Künste, Erfindungen, Gesundheits- und Gewerbekunde, Theater- und
Naturerscheinungen, Länder- und Völkerkunde, Mode usw. usw. Zur Abwechslung
erscheinen darin auch humoristische Aufsätze, Anekdoten, Charaden, usw. usw.“
(HEIDNER, 1954, S. 19).

Tabelle 2: Anteile von Unterthemen am Gesamtumfang des Feuilletonressorts in im April 1852


Vossische Ztg. Spenersche Ztg. Nationalzeitung Kreuzzeitung
Politisches Feuilleton 1,6 - 15,6 -
Artikel-Feuilleton 2,5 5,5 15,6 6
Krit. Feu.: Schauspiel 14,3 12,3 6,3 -
Krit. Feu.: Musik/Oper 34,2 15,1 18,7 -
Krit. Feu.: Kunst 4,7 1,4 15,6 -
Nachrichten-Feuilleton 27,9 57,5 1,6 -
Literarisches Feuilleton 14,8 1,4 12,5 -
Reisefeuilleton 0 6,8 14,1 -
Berliner Zuschauer - - - 88,2
Kunst-Feuilleton - - - 5,8
Gesamt 100 100 100 100
Quelle: BECKER, 1938, S. 222f.

Eine thematische Erweiterung im Vergleich zu den Vorläufern des Feuilletons ist das
von Becker auch quantifizierte „politische Feuilleton“. Leider bleibt er eine nähere
Definition schuldig. Doch auch andere Forscher sehen in den Feuilletons im 19.
Jahrhundert Themen, die dort zuvor nicht standen. Der Kommunikationswissenschaftler
Bodo Rollka erkennt im Angebot des Feuilletons in der Vossischen Zeitung 1848
Beiträge, die Politik und Kultur im engeren Sinne verbinden: Dort interpretierte „der
ebenso beliebte Theaterkritiker Friedrich Wilhelm Gubitz (...) das tagesaktuelle
Theaterangebot als Ruf nach Sicherheit und Ordnung“ (ROLLKA, 2000, S. 96). Den
Beginn einer Erweiterung des Kulturbegriffs hin zur Kultur im weiteren Sinne sieht
auch Sösemann 1848: „Das Feuilleton versucht, den Diskurs über aktuelle Themen
und über die Fragen, die von einer Elite diskutiert werden sollten, (...) zu organisieren“
(SÖSEMANN, 2000, S. 51). Diese Feststellungen stützt die Selbstdarstellung der
Frankfurter Zeitung, in der er es über die Zeit von 1866 bis 1879 heißt: „Eine
Eigentümlichkeit des Feuilletons war sein enger Anschluss an die Politik. Es zählte sehr
viele mehr oder weniger politische Artikel, ...“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG,
1911, S. 160f.).
Als weitere Neuerung druckten die Feuilletonressorts von Mitte des 19. Jahrhunderts an
Fortsetzungsromane. 1844 veröffentlichte die „Deutsche Allgemeinen Zeitung“ – laut
den Forschungsergebnissen des Germanisten Norbert Bachleitner (BACHLEITNER, 1999,
S. 35 – in Fortsetzung Eugène Sues „Le Juif errant“, als „ersten nachgewiesenen
Feuilletonroman (...) in der politischen Tagespresse“ Deutschlands. Es folgten 1850/51
Karl Gutzkows „Ritter vom Geiste“, doch insgesamt bürgerte sich nach 1848 „der
Feuilletonroman vorerst nur zögernd in deutschen Zeitungen ein (BACHLEITNER, 1999,
S. 37).
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 22

3.3 Rezension und Räsonnement im Feuilleton um die


Jahrhundertwende
Dem gegenwärtigen Stand der Forschung nach entwickelten sich in den
Feuilletonressorts des ausgehenden 19., beginnenden 20. Jahrhunderts in
Deutschland keine gänzlich neuen Angebotsformen. Eher scheinen die in den zum
Ressort institutionalisierten Feuilleton etablierten Themen und Darstellungsformen (vgl.
S. 19f.) weiter zu bestehen - mit Differenzierungen in einzelnen Gebieten.
Das Ressort ist den Untersuchungsergebnissen des Zeitungswissenschaftlers Otto Groth
nach im Angebot der Tageszeitungen fest etabliert: „Nach der Politik (...) beansprucht
das Feuilleton (...) in der Regel den größten Platz.“ (GROTH, 1928, S. 760). Die von
Groth berechneten Zeilenanteile beziehen sich auf die Ausgaben von Frankfurter
Zeitung und neun württembergischen Zeitungen im Zeitraum Juli 1911 bis Juni 1912.

Tabelle 3: Redaktioneller Teil der Frankfurter Zeitung und neun württembergischer Blätter von Juli
1911 bis Juni 1912 in Prozenten am gesamten redaktionellen Angebot
Schwäbischer

Schwäbische
Württemberg

wälder Bote

Beobachter

Reichspost
Frankfurter

Deutsches
Tagwacht

Volksblatt

Deutsche
Schwarz-
anzeiger

Tagblatt
Zeitung

Zeitung
Staats-
Merkur

Neues

Romane 2,03 4,37 - 6,62 8,54 8,99 9,64 6,35 9,29 11,69
kleines Feuilleton 2,61 0,86 0,26 3,41 3,36 6,22 1,99 1,79 0,58 2,45
Belehrende Aufsätze 7,09 4,35 6,6 5 8,75 13,99 5,37 6,04 2,2 16,73
Theater, Kunst und Wissenschaft 4,43 5,96 5,51 6,19 5,33 1,96 3,37 5,68 5,49 3,01
Miszellen (Humoristisches,
0,01 - 0,01 0,97 0,92 1,27 0,53 0,01 0,02 0,76
Denksprüche, Gedichte)
Feuilleton gesamt (nach Groth) 16,17 15,54 12,38 22,19 26,9 31,83 20,90 19,87 17,58 34,64
Buchbesprechungen 2,33 1,46 2,37 0,99 0,96 0,94 0,86 3,87 1 0,87
Feuilleton (mit Buchbesprech.) 18,5 17 14,75 23,18 27,86 32,77 21,76 23,74 18,58 35,51
Quelle: GROTH, 1928, S. 758

Groth stellt auf Basis seiner Ergebnisse einen – verglichen mit anderen Formen – hohen
Anteil so genannter „Belehrender Aufsätze“ am redaktionellen Teil fest: Zum Teil sind
diese Beiträge flächenmäßig der stärkste Angebotstyp des Feuilletonteils nach Groths
Auswertungsschema. Diese „Aufsätze aus den verschiedenen Wissensgebieten“
(GROTH, 1928, S. 760f.) scheinen jenem Beitragstyp zu entsprechen, den Sösemann wie
im Kapitel 3.2. (S. 19) dargelegt als Ort für „den Diskurs über aktuelle Themen und
über die Fragen, die von einer Elite diskutiert werden sollten“ bezeichnet. (SÖSEMANN,
2000, S. 51). Auch die Frankfurter Zeitung beschreibt in ihrer Selbstdarstellung diesen
Fokus auf Themen aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne. Zu erinnernswerten
Themen im FZ-Feuilleton der Jahre 1879 bis 1890 zählt die Zeitung unter anderem
Bilder „aus dem sozialen Großstadtleben Berlins“ ebenso wie „‚Spaltpilzforschung und
Seuchenbekämpfung’‚ ‚Traum und Hypnose’ und das damals neue Thema ‚Der
Verbrecher im Lichte der anthropologischen Forschung’“ (VERLAG DER FRANKFURTER
ZEITUNG, 1911, S. 160f.). Die Tradition solcher einem weiten Kulturbegriff
entsprechender Themen neben der Behandlung klassischer – der Kultur im engen Sinne
nach – Kultursparten fasst Michael Haller unter dem Schlagwort vom
„Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15) zusammen. Er sieht einen Dualismus von
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 23

Feuilleton als „Rezensionsfachressort“ und Feuilleton als „Bühne für Dichter und
Denker, die Geistreich-Kritisches über Kunst, Wissenschaft und Zivilisation publizieren
und replizieren“ (HALLER, 2002, S. 12). Dass solche „belehrenden Aufsätze“ in den
Feuilletonressorts platziert werden, zeigen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse Otto
Groths.
Hallers Begriff des Rezensionsfachressorts lässt sich mangels entsprechender
inhaltsanalytischer Untersuchungen nicht quantifizieren. Jedoch teilen andere
wissenschaftliche Arbeiten diese Einschätzung über die Darstellungsformen der
Beiträge zur Kultur im engeren Sinne. Jessen und Meunier beurteilen zum Beispiel die
Darstellung bestimmter Kultursparten im Tageszeitungsangebot bis 1918 so: „In der
Mitte stand die Theater-, Musik- und Kunstkritik der großen Zeitungen. (...) Kein
großes Theaterereignis, keine Musikaufführung, keine Kunstausstellung entging ihr.“
(JESSEN / MEUNIER, 1931, S. 94f.) Auch Haacke schätzt den Anteil von Rezensionen als
Darstellungsform von Kultur im engeren Sinn vor dem ersten Weltkrieg hoch ein: „In
Wirklichkeit wurde jedes Feuilleton unter dem Strich zwischen 1900 und 1914 von der
Theaterkritik beherrscht.“ Haacke zufolge fanden Leser „‚unter dem Strich’ im
wesentlichen die Besprechungen aktueller literarischer und künstlerischer Ereignisse,
...“ (HAACKE, 1962, S. 138). Diese Einschätzung bleiben allerdings empirische Belege
schuldig und sind daher nur mit Vorsicht und höchstens als Indizien zu behandeln. Auf
eine andere Präsentationsform von Kultur im engeren Sinn in den Feuilletons weist die
literaturwissenschaftliche Forschung hin. Norbert Bachleitner sieht in seiner Geschichte
des Feuilletonromans die siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts als die Zeit
„bis dahin undenkbarer Verbreitung“ (BACHLEITNER, 1999, S. 65) des Feuilletonromans.
Ein Teil dieses um die Jahrhundertwende auf einen Jahresbedarf von „20000 Romanen“
für deutsche Zeitungen (BACHLEITNER, 1999, S. 77) geschätzten Materials wurde mit
Sicherheit in Zeitungsbeilagen und anderweitig außerhalb der Zuständigkeit des
Feuilletonressorts gedruckt. Doch lobt sich beispielsweise die Frankfurter Zeitung 1911
rückblickend im Feuilleton „dem deutschen Publikum zum erstenmal den russischen
Dichter Anton Tschechow“ vorgestellt zu haben „in der von Joh. Treumann besorgten
Übersetzung von ‚Aus der russischen Geschichte’“ (VERLAG DER FRANKFURTER
ZEITUNG, 1911, S. 1032). Ein Anzeichen dafür, dass zumindest das FZ-Feuilleton auch
bei der Präsentation von Kultur im engen Sinn Wert auf Primärtexte von Gastautoren
legt.
Dieses Darstellungsmuster gilt jedoch primär für die „belehrenden Aufsätze“ über
Kultur im weiteren Sinn. In der FZ stand dem Feuilletonchef „ein Stab fester
Mitarbeiter aus allen Gebieten der Kunst, Wissenschaft und des öffentlichen Lebens (...)
zur Seite“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030). Die Redaktion
bemühte sich, Beiträge von „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911,
S. 1030) auf ihren Gebieten zu akquirieren. Solche Gastbeiträge ordnete die FZ auch
in thematischen Reihen zu Debatten: So schrieben zum Beispiel in den 1890er Jahren in
einer „Reihe von Feuilletons“ über die „Frauensache“ die Salzburger Frauenrechtlerin
Irma Troll-Borostyani zur „Erwerbstätigkeit der Frau“, die Schriftstellerin Johanna
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 24

Elberskirchen über „‚Frauenemancipation und Christentum“ und der Züricher Botanik-


Professor Arnold Dodel über das „Hochschulstudium der Frau“ (VERLAG DER
FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1034).
Viele Autoren versuchen, diese einen weiten Kulturbegriff spiegelnde Themenvielfalt
des Feuilletonressorts in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende, einem Leitmotiv
unterzuordnen. Haacke etwa nennt das Ressort und die „Popularisierung der
Schöngeisterei und Wissenschaft“ darin den „Spiegel einer bürgerlichen Kultur“
(HAACKE, 1962, S. 138). Solche Begriffe erklären wenig, solange eine Analyse des
Publikums fehlt oder auch nur der Vergleich der Angebote mit den Inhalten anderer, auf
ein anderes Zielpublikum reduzierbarer Feuilletons. Zulässiger scheint die Interpretation
des Literaturwissenschaftlers Bernhard Echte, der in der Verbindung von Form und
Inhalt das Anliegen erkennt, „die sich immer weiter ausdifferenzierenden Kenntnisse
über die natürliche Welt und das soziale, ökonomische und geistige Leben zu sammeln
und kommentiert zu vermitteln.“ (ECHTE, 1996, S. 136)

3.4 Der Erste Weltkrieg im Feuilleton


Die Feuilletonressorts – zumindest jene von den im vorigen Kapitel erwähnten Studien
untersuchten – haben in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg Themen aus Kultur im
weiteren Sinne bearbeitet. Ob diese Entwicklung auch für die Darstellung
außergewöhnlicher Großereignisse gilt, kann zum Beispiel anhand der
Feuilletoninhalte während des ersten Weltkriegs überprüft werden. Die Dissertation
Walter Ebels (EBEL, 1953) versucht dies – auch wenn sie nur das Feuilleton der
„Kölnischen Volkszeitung“ vom 1. Januar 1914 bis zum 31. Dezember 1918 untersucht.
Zunächst fällt auf, dass „die durch den Krieg bedingte Einschränkung des
Gesamtumfangs nicht auf Kosten des Feuilletons durchgeführt wurde“ (EBEL, 1953, S.
87).

Tabelle 4: Anteile des Feuilletonressorts am Gesamtumfang der Kölnischen Volkszeitung August


1914 - Dezember 1817
Anteil am Gesamtumfang %
Januar – Juni 1914 9,4
August 1914 – Juli 1915 10,2
August – Dezember 1915 13,2
Januar – Dezember 1916 9,5
Januar – Juli 1917 9
August 1917 – Oktober 1918 7,6
Quelle: EBEL, 1953, S. 14, S. 87, S. 219

Zumindest nicht stärker auf Kosten des Feuilletons als auf Kosten anderer Ressorts –
denn der relative Flächenanteil des Feuilletons steigt im zweiten gegenüber dem ersten
Untersuchungszeitraum sogar leicht an und sinkt erst im letzten Untersuchungsjahr
unter den Wert aus dem ersten, vor dem Krieg gelegenen Untersuchungszeitraum.
Offenbar ist das Feuilleton als Ressort soweit etabliert, dass außergewöhnliche
Ereignisse den Umfang nicht negativ beeinflussen. Wie aber entwickelt sich die
thematische Struktur des Ressorts im Umfeld solcher Ereignisse? Ebel findet neben der
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 25

Kulturkritik auch die Wissenschaft als Themenfeld- ein bereits in den


entsprechenden Ressorts im 19. Jahrhundert präsentes Thema -: Die von Ebel
untersuchten Beiträge zu Wissenschaftsthemen behandeln unterschiedlichste
Fachrichtungen: „Papyrusfunde, Ausgrabungen, Wiederentdeckungen von Kunstwerken
(...) drahtlose Telegraphie, Halbton-Verfahren, Kinematographie, Radium- und
Mesothoriumforschung“ (EBEL, 1953, S. 76). Neben diesen Themen macht Ebel in allen
Untersuchungszeiträumen im Feuilleton der Kölnischen Volkszeitung auch Beiträge
aus, die auf Kriegsereignisse Bezug nehmen. Themen sind „die Besetzung des
Baltikums durch deutsche Truppen“, „die Deutsch-Flämische Bewegung“, „Vorgänge
in Rußland“, die „Unabhängigkeitsbestrebungen Irlands“ (EBEL, 1953, S. 248).
Darstellungsformen sind einerseits die von Ebel so genannten Einzelberichte. Damit
meint er offenbar Beiträge, die vorrangig aktuelle Ereignisse schildern. Denn in
Kontrast dazu stellt Ebel andererseits so genannte „grundsätzliche Untersuchungen“
(EBEL, 1953, S. 248). Ein Beispiel dafür ist ein Feuilletonessay über Russland. Der
Autor „entwickelt aus den Schriften des Dichters Turgenjeff (...) die Notwendigkeit
einer Revolution in Rußland“, gibt Ebel wieder (EBEL, 1953, S. 249). Hier verbindet ein
Beitrag im Feuilleton Literatur als Teil der Kultur im engeren Sinn mit der politischen
Entwicklung in einem Staat als Teil der Kultur im weiteren Sinn. Der Autor leuchtet
anhand eines Kulturprodukte den Hintergrund aktueller politischer
Entwicklungen aus.
Ebel quantifiziert in seiner Arbeit die Flächenanteile solcher Beiträge nicht, doch seine
qualitative Untersuchung der Medieninhalte lässt zumindest den Schluss zu, dass im
Feuilleton der Weltkrieg durchaus thematisiert wurde - auch in der schon im 19.
Jahrhundert im Feuilleton erkennbaren Präsentationsgestus hintergründiger Darstellung
von Zusammenhängen.

3.5 Der weite Kulturbegriff deutscher Feuilletons in den


zwanziger Jahren
Die deutschen Feuilletonressorts der zwanziger Jahre faszinieren Zeitungs-, Literatur-
und Kommunikationswissenschaftler. Die „grande époque“ des Feuilletons nennt
Wilmont Haacke (1976, S. 291) diese Zeit, in der Almut Todorow im Feuilleton den
gesellschaftlichen und kulturräsonierenden Diskurs zu „einer eigenen Qualität
öffentlicher und tagespublizistischer Reflexion“ (TODOROW, 1996b, S. 263) ausgebildet
sieht. Michael Haller erkennt in der Arbeit von Feuilletonisten wie Siegfried Kracauer
„die über das Subjektive der Kulturbetrachtung weit hinausgehenden Möglichkeiten des
neuen Kulturjournalismus, soweit er den aktuellen Zustand der Gesellschaft zum Thema
nahm.“ (HALLER, 2003, S. 4)
Eines dieser Feuilletonressorts – das der Frankfurter Zeitung – hat Almut Todorow
untersucht. Jenes Feuilleton also, das oft synonym für die goldene Zeit des Feuilletons
in den zwanziger Jahren verwendet wird, etwa von Bachleitner: „Weithin berühmt war
die Frankfurter Zeitung für ihr Feuilleton, in dem sie auf die intellektuelle Elite der
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 26

Weimarer Republik zurückgriff.“ (BACHLEITNER, 1999, S. 115f.) Diese von Bachleitner


wahrgenommene enorme Wertschätzung des Feuilletons lässt sich zumindest nicht über
den Flächenanteil dieses Ressorts im Mutterblatt belegen. Dieser ist 1919 wie 1929 im
Vergleich zu anderen Ressorts nicht höher als in vorangehenden Untersuchungen. Auch
vom Wachstum des redaktionellen Anteils von 1919 zu 1929 profitiert das Feuilleton
weniger als andere Ressorts.

Tabelle 5: Anteile der Ressorts am Gesamtumfang der Frankfurter Zeitung 1919/1929


1919 % 1929%
Allgemeines 28,6 37,5
Feuilleton 7 12,5
Handel 14,4 25
Umfang redaktioneller Teil 50 75
Anzeigen 50 25
Quelle: TODOROW , 1996b, S. 122

Diese Werte sind nicht auffallend höher als die in vorigen Zeitabschnitten festgestellten
Anteile der Feuilletonressorts an den jeweiligen Angeboten (vgl. S. 19ff./ S. 22ff.).
Einen enormen Ausbau gegenüber anderen Ressorts kann zumindest diese
Untersuchung nicht bestätigen. Ähnliche Ergebnisse präsentiert Wilhelmine Döbl nach
ihrer Untersuchung der Münchner Neuesten Nachrichten im Mai 1918, 1920 und 1922:
Das Feuilletonressort umfasst hier acht bis neun Prozent des Gesamtumfangs der
Zeitung und steht damit hinter Politik-, Wirtschafts- und Lokalteil. Im Vergleich dazu
können Todorows Werte für die FZ nicht als Beleg für eine außerordentliche Bedeutung
des Feuilletons dem Flächenanteil nach interpretiert werden, ebenso wenig lassen beide
Untersuchungen diesen Schluss für das Feuilleton allgemein im Vergleich zur Vorzeit
zu. Doch dies sind lediglich entsprechend vorsichtig zu generalisierende Anzeichen aus
zwei Untersuchungen mit engem Rahmen und keineswegs identischem
Untersuchungsinstrumentarium.

Tabelle 6: Flächenanteile der Ressorts am Gesamtumfang der Münchner Neuesten Nachrichten im


Mai 1918, 1920, 1922
Mai 1918 % Mai 1920 % Mai 1922 %
Amtliches 2,7 2,3 1,5
Politik 21,4 21,5 18,1
Handel / Wirtschaft 7,6 12,1 13,3
Sport 0,6 3,5 3,2
Kulturteil 8,8 8,9 7,8
Lokales 9,1 9,4 10,2
Sonstiges 2,3 3,4 5,1
Redaktioneller Teil gesamt 52,5 61,1 59,2
Anzeigenteil 47,5 38,9 41
Gesamt 100 100,5 100,2
Quelle: DÖBL, 1950, Anhang

Doch beide Untersuchungen stützen, ebenso wie Aussagen damaliger Kommunikatoren,


zumindest das in den Aussagen Hallers (2003, S. 4.) enthaltene Urteil, dass die
Feuilletonressorts in den zwanziger Jahren einen weiten Kulturbegriff pflegten. So
beobachtet Döbl in den Münchner Neuesten Nachrichten zum Beispiel 1918 und 1920
einen Flächenanteil wissenschaftlicher Themen von über acht Prozent am Feuilleton.
Den Einbruch 1922 erklärt Döbl nicht. Der Wissenschaftsbegriff ist weit gefasst,
darunter fallen die „Wissensgebiete der Kunst, der Technik, der Medizin, der
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 27

Geschichte, der Biographie“ (DÖBL, 1950, S. 116). Die qualitative Untersuchung


einzelner Beiträge Döbls zeigt ein offenbar wiederkehrendes Präsentationsmuster,
nämlich die Nutzung von Wissenschaftlern als Gastautoren. So schreibt zum Beispiel
am 22. September 1919 Dr. Ludwig Staby „eine gemeinverständliche Darstellung über
das Wesen und die Aufgaben dieser neuen Wissenschaft, die den bezeichnenden Namen
Biotechnik führe und die eine Verbindung der Biologie mit der Technik sei“ (DÖBL,
1950, S. 121). Solche Fachautoren werden auch in thematischen Beitragsreihen
präsentiert, vergleichbar mit den in der FZ festgestellten Bestrebungen in den 1890er
Jahren, „Autoritäten“ in Beitragsreihen als Autoren zu präsentieren (vgl. S. 22). So ließ
das Feuilleton der Münchner Neuesten Nachrichten zum Beispiel Münchner
Physikprofessor Leo Graetz 1921 eine Aufsatzreihe über „Die moderne Optik“ (DÖBL,
1950, S. 121) schreiben.

Tabelle 7: Flächenanteile einzelner Themenbereiche am Gesamtangebot des


Kulturressorts der Münchner Neuesten Nachrichten im Mai 1918, 1920, 1922
Mai 1918 % Mai 1920 % Mai 1922 %
Schauspiel 5,1 4 10,2
Oper/Operette 5,2 4,2 5,4
Konzerte 6 9,9 4,7
Bildende Kunst 12,1 8,5 5,8
Literaturbesprechungen 4,3 7,3 11,6
Unterhaltungsfeuilleton 32,9 30,3 25,2
wissenschaftliches Feuilleton 8,6 8,4 3,8
Artikel-Feuilleton 7,4 6,3 12,8
Nachrichten-Feuilleton 12,1 15,6 10,8
Vermischtes 6,3 5,5 9,7
Gesamt 100 100 100
Quelle: Döbl, 1950, Anhang

Die Anteile von Wissenschaftsthemen in der Frankfurter Zeitung sind auf Basis der
Untersuchung Todorows nicht zu quantifizieren. Institutionalisiert wird diese
Berichterstattung 1928 in der Rubrik „Naturwissenschaftliche Berichte“, in der
„etwa einmal die Woche (...) namhafte Fachgelehrte mit allgemeinverständlichen und
ausführlichen Abhandlungen zu Stand und Problemen der jüngsten Forschung“
schreiben (TODOROW, 1996b, S. 127). Eine sehr ähnliche Präsentation wie in den
Münchner Neuesten Nachrichten also. Beide sind zudem vergleichbar mit der Tradition
der gelehrten Artikel im Feuilleton des 19. Jahrhunderts und Michael Hallers
Schlagwort vom „Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15). Auch in der FZ zählen
die Naturwissenschaften zur Wissenschaftsberichterstattung im Feuilleton, was
Todorow anhand eines redaktionellen Hinweises über „Die naturwissenschaftliche
Berichterstattung in der Tagespresse“ belegen kann. Die Redaktion hebt demnach „ihre
seit Jahren im Feuilleton platziere ‚naturwissenschaftliche Berichterstattung’“ als
modern hervor.
„Sie ist stolz darauf, gegenüber dem ‚fast erstaunlichen Konservatismus des
herkömmlichen künstlerisch, belletristisch und geisteswissenschaftlich
ausgerichteten Feuilletons im Einklang zu stehen ‚mit dem Zeitalter der
Naturwissenschaft und Technik’, und sie folgt dem öffentlichen Interesse daran.“
(TODOROW, 1996b, S. 161)
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 28

Als Thema aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne gehören im Feuilleton der
Frankfurter Zeitung in den 1920er Jahren auch Gesellschaftsreportage und politische
Themen. Todorow zitiert hierzu einen Beitrag des FZ-Feuilletonchefs Benno
Reifenberg vom 1. Juli 1929, in dem er schreibt, dass im Feuilleton „ins allgemeine
Bewußtsein gebracht“ wird, „wie die Substanzen unserer Gegenwart gelagert sind, nach
welchen Absichten sie sich ändern“ (TODOROW, 1988, S. 697). Ein sehr großer und
thematisch sehr weiter Anspruch, den laut Haller auch andere Feuilletonisten wie Benno
Reifenberg, Joseph Roth, Siegfried Kracauer und Kurt Tucholsky erheben, „deren Texte
‚das Gesicht der Zeit zeichnen’ (Joseph Roth) und deren politische Hintergründe
ausleuchten sollten ...“ (HALLER, 2003, S. 4). Konkret bedeutet diese thematische
Erweiterung zum Beispiel, dass im FZ-Feuilleton im Winter 1928/1929 Reportagen aus
Polen erscheinen. Auf den Vorwurf eines Lesers, der Autor Joseph Roth sei „ohne
inneren Zwang ins Politische abgeglitten“ (TODOROW, 1996b, S. 102), antwortet Roth,
dass
„ein im weitesten Sinne politischer Zwang meine Aufsätze über Polen diktiert hat, -
auch wenn sie ‚unter dem Strich’ erscheinen, der, nebenbei gesagt, schon längst
aufgehört hat, die Grenze zwischen dem ‚Politischen’ und dem ‚Unterhaltenden’ zu
sein.“ (TODOROW, 1996b, S. 102)
Bei der Berichterstattung zur Kultur im engeren Sinne sind Döbls Analyse zufolge im
Feuilleton der Münchner Neuesten Nachrichten die klassischen – dem bürgerlichen
Kulturbegriff nach - Sparten vertreten: Theater, Oper, Musik, Literatur und bildende
Kunst. Zumindest aus diesen Daten ist eine Erweiterung des Kulturbegriffs in der
Dimension Populär- vs. Hochkultur nicht abzulesen. Für die „Frankfurter Zeitung“
allerdings macht Haller eben diese Erweiterung an der Person Siegfried Kracauers –
seit 1921 für die FZ tätig - fest: Sein Interesse galt eben auch der „der Massenkultur,
die den orientierungslos gewordenen Subjekten Ablenkung (Unterhaltung) und
Entschädigung boten: die Operette und der Zirkus, das Varieté und der Sport – und das
neue Massenmedium Film“ (HALLER, 2002, S. 14). Eine Auswertung der
Berichterstattung zu diesen populären Sparten fehlt bislang. Hallers Urteil jedoch teilen
auch andere Forscher: Wilmont Haacke schreibt, dass in der FZ nach 1924: „neben der
Theaterkritik (...) endlich die Filmkritik Salonfähigkeit“ erhielt. (HAACKE, 1962, S. 140)

Das Feuilleton lässt beide Kulturfelder – die Kultur im weiteren und die im engeren
Sinne – nicht nur unverbunden nebeneinander stehen. Ähnlich wie in manchen
Beiträgen im Feuilleton der „Kölnischen Volkszeitung“ während des Ersten Weltkriegs
(vgl. S. 24f.) versuchen manche Feuilletonisten in ihren Beiträgen die Verbindung
zwischen Kultur im engen und Kultur im weiten Sinne zu fokussieren. Der
Feuilletonchef des Berliner Tageblattes Fred Hildenbrandt hat diesen Themenfokus an
seinem überspitzten Idealtypus des Feuilletonisten dargestellt,
„der die chemische Zusammensetzung des Coffëins, einen Satz aus den
Wahlverwandtschaften, irgend einen sinnvollen Spruch Hölderlins und etwa das
Gesetz der fallenden Lohnquote (...) ohne Bedenken in einem Feuilleton über die
neueste ‚Pelzmantel-Modeschöpfung’ anbringt.“ (BÖMER, 1928, S. 1194)
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 29

Neben solchen Feuilletons als Textform ist eine Ausprägung des verbindenden
Themenfokus die Äußerungen von Künstlern zu Ereignissen aus der Kultur im weiteren
Sinn. „Viele Intellektuelle bevorzugten aus gesellschaftspolitischen Gründen bewußt die
Publikation im Massenmedium Zeitung – sei es der wesentlich breiteren
Einflußmöglichkeiten wegen, sei es aufgrund des stark angewachsenen Bedürfnisses
nach öffentlicher Sinndeutung und intellektuellem Diskurs.“ (TODOROW, 1988, S. 698)
Hier zeigt sich, dass das FZ-Feuilleton bei der Darstellung von Themen aus der Kultur
im weiteren Sinn auch in den zwanziger Jahren prominente Autoritäten als Autoren
nutzt.

3.6 Vom Feuilleton zur Kulturpolitik im Dritten Reich


Dem heutigen Stand der Forschung nach verschwand der im vorigen Kapitel
beschriebene Feuilletontyp von 1933 an zunehmend. „Diesen hintergründigen
Kulturjournalismus hat der Nationalsozialismus zerstört.“ (HALLER, 2003, S. 4) Grund
dafür war eine bereits in der Weimarer Republik vorhandene Ablehnung des Feuilletons
– wobei Form und Ressort nicht getrennt wurden – „bei den ‚völkischen’ Gruppen als
‚jüdische’ oder doch entartete Form der Publizistik“. (HAGEMANN, 1948, S. 197) Die
setzte sich im Dritten Reich fort, was Haacke in seiner 1943 erstmals erschienenen
Habilitationsschrift - anders als in der 1951 erschienenen, bereinigten Ausgabe –
erklärt:
„Geltend war unmittelbar nach 1933 eine unverkennbare Gegnerschaft gegen das
Feuilleton, welche kurzsichtig auch dem Gattungsbegriff galt. Diese Ablehnung läßt
sich als gesunde Reaktion des Gefühls deutschgesinnter Männer auf Jahrzehnte
einer Verjudung des Feuilletons und auf die kaum mehr überbietbaren Frechheiten
der sich prononziert jüdisch gebenden und von 1918 bis 1933 verheerend
einflußreichen jüdischen Feuilletonisten nur zu gut erklären und verstehen.“
(HAACKE, 1943, S. 5)
Diese Ablehnung bedeutet nicht, dass Kulturjournalismus nicht mehr geduldet wurde.
Er sollte lediglich in anderen Formen, andere Themen zu einem anderen Zweck
behandeln. Diese Umgestaltung beschrieb und betrieb auf theoretischer Ebene Haacke,
als er einerseits für „die Herausschälung der Juden aus der Geschichte des deutschen
Feuilletons“ als „wichtigste Aufgabe einer heutigen Feuilletonkunde“ (HAACKE, 1943,
S. 9) plädierte und andererseits behauptete, dass eben jenes deutsche Feuilleton „im
gegenwärtigen Kriege (...) nunmehr wieder einen eher stärkeren Einfluß gewinnt“
(HAACKE, 1943, S. 9). Bei diesem Urteil ist nicht klar, ob Haacke das Feuilleton als
Form oder Ressort meint, zumindest sei Lob „der vorzüglichen, lebendigen, zumeist im
besten Sinne feuilletonistisch gehaltenen Kriegsberichterstattung durch die PK-Männer“
(HAACKE, 1943, S. 9) lässt auf den Formbegriff schließen.
Doch das Reichspropagandaministerium maß dem Feuilleton als Ressort genug
Bedeutung bei, um „eine rigorose Reglementierung des Feuilletons“ (HAACKE, 1969a,
S. 228) umzusetzen. Diese Veränderung begann offiziell am 18. Juli 1933 mit der
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 30

„Ersten Konferenz des deutschen Feuilletons“. Dort sprach der „Regierungsrat im


Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ (BADE, 1933, S. 3) Wilfrid
Bade über, „die Dinge der kulturpolitischen Front“ und zu schlagende „Schlachten“ auf
„dem Gebiete der künstlerischen Produktion“ (BADE, 1933, S. 17f.). Was bedeutete: aus
„dem liberalen und verspielten Feuilleton“ sollte „die resolute Sparte Kulturpolitik“
werden (HAACKE, 1969a, S. 230). Diese Umbenennung war äußeres Zeichen einer
Funktionsverschiebung: „Das ‚neue’ Feuilleton sollte politisch sein, und Dovifat
verlieh ihm den Titel des ‚dritten politischen Ressorts’“ (GROTH, 1961, S. 68). Dovifat
sieht als Aufgabe dieses neuen kulturpolitischen Teils, dass er:
„journalistische Formen wählt, die dem Leser zum Herzen sprechen, die ihn ganz
gewinnen und durch ihre persönliche Werbekraft sein Vertrauen in die Ztg stärken
und damit für deren politische Führung gewinnen. Das alte ‚unpolitische’ und ‚rein
unterhaltende’ F. ist damit überwunden. Die Stunde eines guten,
gesinnungsgebundenen Feuilletonismus hat wieder geschlagen.“ (DOVIFAT, 1940, S.
984)
Mit Kulturberichterstattung sollen also „die politisch uninteressierten, abseits stehenden
oder gar ablehnenden Leser herangezogen und für die totalitären Ideen gewonnen
werden.“ (GROTH, 1961, S. 68). Vor diesem Hintergrund wird die Reglementierung der
Arbeit im Kulturressort verständlich. Das „Reichsministerium für Volksaufklärung und
Propaganda“ bemühte sich, Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne zu
steuern. Im März 1936 wurde eine wöchentliche Kulturkonferenz eingerichtet, am 12.
Mai 1936 die so genannte Nachtkritik für Theater-, Musik und Filmaufführungen
verboten. Begründung: „die nächtlichen Kritiken seien ohne jeden Abstand geschrieben,
ohne Verarbeitung der Eindrücke, ohne Ehrfurcht vor dem Kunstwerk“ (KOSZYK, 1972,
S. 373) Die „Verordnung über das Verbot der Kunstkritik“ untersagte am 26. November
1936 „jegliche Bewertung und verlangte eine bloß referierende ‚Kunstbetrachtung“
(STEGERT, 2001, S. 1727). Als Ersatz sollten „Besprechung und Würdigung“ (KOSZYK,
1972, S. 373) dienen, die aber nicht von Journalisten, die jünger als dreißig Jahre waren,
geschrieben werden durften. Eine zentrale Themenagenda und Gewichtung lieferte
vom 1. April 1941 an der „Deutsche Kulturdienst“ des „Deutschen Nachrichtenbüros“
den Zeitungen (vgl. JÄGER, 1988, S. 60). Dessen Struktur beschreibt in einem Beitrag in
der „Zeitungswissenschaft“ Helmut Andres. Zumindest bei dieser Darstellung fällt ein
relativ enger Kulturbegriff auf. Wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen sind
nicht enthalten, stattdessen dominieren Beiträge mit Fokus auf neu erschienene
Kulturprodukte: „Oper und Musik“, „Bildende Kunst“, „Schauspiel“ und „Schrifttum“
nennt Andres als Rubriken (ANDRES, 1941, S. 534). Auffällig ist das Angebot zu
populärer Kultur im engen Sinn: „Der Teil ‚Film’ ist besonders vielseitig ausgebaut“,
konkret bedeutet das: „Hier begegnen wir neben der Reportage über entstehende Filme
dem kulturpolitischen Aufsatz, (...), der Filmbesprechung, den Nachrichten und der
Glosse.“ (ANDRES, 1941, S. 534)
Ob zunehmende Berichterstattung über populäre Kultur in den Kulturressorts aus
Propagandagründen politisch gewollt und durchgesetzt wurde, lässt sich auf der
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 31

bisherigen Basis der Feuilletonforschung nicht endgültig sagen. Doch zumindest gibt
die beschriebene Themenstruktur des Deutschen Kulturdienstes Hinweise darauf.
Ähnliches deuten Aussagen von Dovifat und Bade an, die als Ablehnung des
bürgerliche (Hoch)Kulturbegriffs zu verstehen sind. Dovifat sieht zum Beispiel
angesichts der politischen Aufgaben des neuen Kulturteils „jedes Versinken ins
Biedermeier, jedes Dahindämmern in den kulturfreien Bereichen einer holden
Gartenlaubenwelt“ als „unmöglich“ (DOVIFAT, 1940, S. 984). Bade verlangt vom neuen
Kulturteil „starke, kühne, klare, einfache und junge Kunst eindringlicher zu suchen, zu
fördern und zu schützen“ (BADE, 1933, S. 21) und „vollblütig, eindringlich und
verständniserweckend darzustellen.“ (BADE, 1933, S. 14f.)
Die verfügbaren Quellen deuten auf eine stärkere Beachtung populärer Kultur in den
Kulturressorts der Medien im Dritten Reich hin. Die Motive scheinen politisch –
Ablehnung bürgerlicher Kultur – und propagandistisch – „volksnahe“ Kunst als
Medium politischer Botschaften – zu sein. Auf Basis des bisherigen Forschungsstandes
kann zumindest mit Haller der Schluss gezogen werden, dass der sehr weite
Kulturbegriff der Feuilletons der zwanziger Jahre im Dritten Reich verschwand, die
Inhalte des Kulturressorts sowie Kultur im engen Sinn überhaupt aber sehr wohl
politischen Zwecken dienten.

3.7 Feuilleton in der Nachkriegszeit in West- und


Ostdeutschland
Die bisherige Forschung interpretiert die Entwicklung der Feuilletonressorts nach 1945
vor allem als Reaktion auf die politische und Selbststeuerung im Dritten Reich. So sieht
beispielsweise Peter Glotz die – westdeutschen – Feuilletons von der populären Kultur
abrücken. Der Grund ist für ihn die im Dritten Reich politisch gewollte Erweiterung der
Kulturressorts zu – einer bestimmten Form – populärer Kultur. Das im doppelten Sinne
enge Kulturverständnis – nämlich von Kultur als Kunst und von Kunst als Hochkultur
(vgl. zu Definitionen, S. 8f.) – wurde jedoch durch diese Steuerung Glotz zufolge
nachträglich gestärkt: „Der Nationalsozialismus hat all diese Tendenzen – gerade weil
er sie durch staatlich verordnete und terroristisch durchgesetzte ‚Volksverbundenheit’
unterdrückte - weiter gefördert“ (GLOTZ, 1968, S. 217). Konkret beobachtet Glotz in
den westdeutschen Feuilletons der Nachkriegszeit: „Nach 1945 zogen sich viele
Intellektuelle aufatmend in den Elfenbeinturm zurück; (...) Die Buchkritik unserer
Zeitungen ist immer noch geprägt von diesem Erlebnis.“ (GLOTZ, 1968, S. 217).
Ähnlich resümiert Haller die Entwicklung. Er macht deutlicher als Glotz eine Abkehr
vom weiteren Kulturbegriff der Feuilletonressorts in den 1920er Jahren (vgl. S.
25f.) aus. Stattdessen verengte das Feuilletonressort seinen Fokus auf Kultur im
engeren Sinne und dabei auf die Besprechung von Kulturprodukten. Das Feuilleton
„erneuerte die Pflege der Veranstaltungskultur nach dem Muster des Fachjournalisten,
der seine Kompetenz über den möglichst intensiven Gebrauch der Fachsprache zum
Ausdruck bringt.“ (HALLER, 2003, S. 4)
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 32

3.7.1 Bundesrepublik Deutschland


Diese Feststellung eines verengten Kulturbegriffs in den deutschen
Nachkriegsfeuilletons kann nicht an einer breiten Basis empirischer Ergebnisse geprüft
werden. Es existieren wenige Untersuchungen zum Feuilleton der Nachkriegszeit.
Zumindest für den Umfang der Kulturberichterstattung in überregionalen
Tageszeitungen liefert eine Untersuchung von Winfried Schulz Anhaltspunkte. Er hat
aus den im Zeitraum vom 13. Februar bis 5. März und vom 19. Juni bis zum 9. Juli
1967 erschienenen Ausgaben jeder Zeitung zwei künstliche Wochen gebildet und
untersucht (SCHULZ, 1970, S. 40). Die festgestellten Anteile des Feuilletons am
Gesamtangebot liegen im Bereich der von Becker für die Vossische, Spenersche und
Nationalzeitung 1852 (vgl. S. 19f.) und von Döbl für die Münchner Nachrichten zu
Beginn der 1920er Jahre (vgl. S. 25f.) festgestellten Werte, nach der Politik und wie bei
Döbl nach der Wirtschaft. Allerdings ist die Vergleichbarkeit nicht so leicht gegeben, da
Schulz Ressortzuordnungen auf Basis der Inhalte der Beiträge trifft. Die Platzierung in
einem bestimmten Ressort der Zeitung entscheidet nur im Zweifelsfall (SCHULZ, 1970,
S. 46). Demnach hat Schulz also eher die Anteile der Kulturberichterstattung als die des
Feuilletons gemessen. Beiträge zu politischen Themen im Feuilletonressort wurden
demnach als Politik erfasst, Artikel zu Kulturthemen in anderen Ressorts hingegen dem
Feuilleton zugeschlagen. Wie stark dadurch die Ergebnisse von den Ressortumfängen
abweichen, ist unklar. Zumindest aber lässt sich feststellen, dass Kultur dem
Umfanganteil nach an dritter Stelle in der Themengewichtung der untersuchten
Tageszeitungen liegt.

Tabelle 8: Ressortanteile am redaktionellen und am Gesamtumfang von FAZ und Die Welt 1967
unter Ausschluss des Anzeigen- und Lokalteils
Anteil am redaktionellen Umfang Anteil am Gesamtumfang von
von FAZ und Die Welt (%) FAZ und Die Welt (%)
Politik 30,1 16,8
Wirtschaft 22,8 12,7
Feuilleton (Kunst und Kultur) 18,7 10,4
darin: Naturwissenschaft / Technik 1,9 1,1
darin: Roman 1,7 0,9
Feuilleton (Unterhaltung und Hobbys) 1 0,6
Vermischtes (Gesellschaft) 5,4 3
Vermischtes (Unglücke, Verbrechen) 1,7 1
Sport 5,8 3,2
Sonstiges 14,5 8,1
Anzeigenteil - 44,2
Gesamt 100 100
Quelle: SCHULZ, 1970, S. 14; S. 16, S. 27

Über die Themen in den Feuilletonressorts lässt sich auf dieser Basis nichts sagen.
Kommunikatoraussagen wie die des SZ-Kritikers Joachim Kaiser lassen eine
Dominanz von Kultur im engen Sinne und hier insbesondere der Hochkultur
vermute. Kaiser sieht die Aufmerksamkeit der Feuilletons nach 1945 „wie eh und je, auf
die Kunst, aufs Theater, auf die schöne Literatur, auf Konzerte und Ausstellungen“
(KAISER, 1970, S. 35) gerichtet. Distanz zur populären Kultur deutet Kaisers Aussage
an, dass „natürlich (...) auch Filme besprochen wurden und diejenigen
Rundfunksendungen, die den ‚klassischen’ Objekten des Feuilletons ohnehin nah und
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 33

ähnlich waren“ (KAISER, 1970, S. 35) - also Rundfunkkonzerte. Eine nicht mehr im
Original auffindbare Magisterarbeit, aber bei Bitala zitierte Magisterarbeit Petra
Altmanns über „Die Entwicklung des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung (SZ) 1945-
1975“ stützt diese Vermutungen. Altmann zieht als Fazit ihrer Untersuchung – über
deren Methode, Stichprobe und Kategorienschema bei Bitala nichts bekannt wird -:
„Es zeigt sich, daß die sogenannten ‚klassischen’ Kategorien, die schon im 18.
Jahrhundert den Inhalt des Feuilletons ausmachten, auch im Feuilleton der SZ, über
die untersuchten 30 Jahre hinweg, den Inhalt des Feuilletons dominieren. Das
bedeutet darüber hinaus, daß auf soziale und kulturell-gesellschaftliche
Veränderungen nicht adäquat reagiert wird.“ (ALTMANN, 1977, S. 141, zit. nach.
BITALA, 1993, S. 21).
Vor allem populäre Kultur findet „keinen oder einen nur sehr
unterrepräsentierten Niederschlag im Feuilleton“ (ALTMANN, 1977, S. 140, zit. nach.
BITALA, 1993, S. 20). Diese Aussagen könnten als Belege für Hallers These gelten –
wenn mehr über die empirische Basis bekannt wäre. So gibt es zumindest Hinweise
dafür, dass „nach dem Untergang des Nationalsozialismus (..) eine tiefgreifende
Umorientierung – richtiger: eine massive Eingrenzung – des deutschen
Kulturjournalismus“ (HALLER, 2002, S. 15) stattfand und das Feuilleton sich zum
„Fachressort, dessen Kritiker und Rezensenten sich mit dem etablierten Kulturbetrieb
befassten“ (HALLER, 2002, S. 15) verwandelte.

3.7.2 Deutsche Demokratische Republik


Die Angebotsstruktur des Feuilletonressorts in der Deutschen Demokratische Republik
ist wenig erforscht. Überhaupt vermochte „auch die Presseforschung der DDR (...)
kaum neue Impulse für die Feuilletonforschung zu geben.“ (TODOROW, 1996b, S. 31)
Zumindest über die politisch definierten Aufgaben des Kulturjournalismus in der DDR
liegen Quellen vor. Günter Raue, damalige Journalistik Professor an der Leipziger Karl-
Marx-Universität, definiert in den achtziger Jahren als „Schwerpunkte
kulturjournalistischer Arbeit“,
„Werte, Ideen und Kenntnisse zu vermitteln, durch deren Aneignung die Menschen
in Gemeinschaft mit anderen zu fähigen, gebildeten und überzeugten Erbauern des
Sozialismus, zu wahrhaft sozialistischen Persönlichkeiten reifen.“ (RAUE, 1986, S.
203)
Noch deutlicher formuliert der Leipziger Journalistik-Professor Siegfried Schmidt
diesen Bildungsauftrag: „Journalistische Kritik“ hat „potentiell großen Masseneinfluss“
und daraus folgt „ihre Verantwortung, einen spezifischen Beitrag zur Bildung und zur
Freisetzung schöpferischer Fähigkeiten der Leser, Hörer und Zuschauer zu leisten“,
konkret: „bei der sozialistischen Persönlichkeitsbildung“ (SCHMIDT, 1984, S. 8).
Wie diese in Politik und sozialistischer Journalismustheorie formulierten Aufgaben in
der Praxis umgesetzt wurden, ist mangels inhaltsanalytischer Untersuchungen der
Feuilletoninhalte nicht mit absoluter Gewissheit zu bestimmen. Kommunikatoren wie
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 34

der Redakteur der „Wochenpost“ Heinz Knobloch sehen als Themen des Feuilletons
abhängig vom „Charakter der jeweiligen Zeitung (...) Buch-, Theater-, Musik-, und
Fernsehkritiken, kulturpolitische Artikel, Glossen und Nachrichten“ und auch den
„Roman in Fortsetzungen (...), Geschichten, Gedichte und Feuilletons“ (KNOBLOCH,
1962, S. 24). Diese beschriebene Mischung unterscheidet sich vom westdeutschen
Feuilletonprofil nach Kommunikatoraussagen (vgl. S. 32f.) durch die kulturpolitischen
Themen – Aufsätze zu Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, welche die Feuilletons
der zwanziger Jahre kennzeichnen – fehlen allerdings auch in Knoblochs
Profilbeschreibung. Inhaltsanalytische Untersuchungen der Medieninhalte, mit denen
dieser Befund Knoblochs zu vergleichen wäre, existieren kaum. Eine Analyse des
offiziellen Organs der sowjetischen Militäradministration „Tägliche Rundschau“ aus
dem Jahr 1945 stützt allerdings die Einschätzung Knoblochs. Die Zeitung
veröffentlichte „buchstäblich jeden Tag einen Beitrag zu kulturpolitischen Problemen,
oft auch mehrere“ (SCHMIDT, 1984, S. 17) und außerdem regelmäßig „Theater-, Film-,
und Musikrezensionen“ (SCHMIDT, 1984, S. 17). Kulturpolitische Themen waren zum
Beispiel Berichte „über die praktische Durchsetzung einer neuen Kulturpolitik“ sowie
Beiträge zur „Auseinandersetzung mit der Kulturbarbarei der Faschisten“ und
natürlich Beschreibungen „der sowjetischen und der Weltkultur“ (SCHMIDT, 1984, S.
17). Insgesamt also ein vielleicht weiterer Kulturbegriff als in den Feuilletons der
Bundesrepublik, wenn auch die Erweiterung aufgrund politischer Ziele erfolgte und
nicht mit dem Angebot der Feuilletons der 1920er Jahre zu vergleichen ist.

3.8 Zwischenfazit: historische Feuilletonprofile


Trotz der unbefriedigenden Forschungslage zu historischen Feuilletonprofilen lassen
sich einige über längere Zeiträume hinweg beobachtete Eigenschaften feststellen. So ist
beim Kulturbegriff der Feuilletons zu beobachten, dass zu jeder Zeit Hochkultur im
engen Sinn in diesem Ressort thematisiert wird. Die beginnt mit den von 1736 an im
„Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten“ erscheinenden Buchbesprech-
ungen, und Kunst-Nachrichten (vgl. S. 18f.) Zu Beginn des 19. Jahrhunderts etabliert
sich das Theater neben Literatur und Kunst in Feuilletonressorts, etwa dem der
Spenerschen Zeitung (vgl. S. 19ff.). Eine Erweiterung hin zur Populärkultur wird
allgemein erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausgemacht, als sich vor
allem der Film als Erscheinungsform der Populärkultur im engeren Sinne in den
Feuilletons etablierte (vgl. S. 25ff.). Populäre Kultur – konkret Film und Rundfunk –
scheint in den Kulturressorts im Dritten Reich ein politisch gewolltes, größeres Gewicht
gewonnen zu haben (vgl. S. 29ff.). In den westdeutschen Feuilletonressorts nach
Kriegsende wurde populäre Kultur im engeren Sinn hingegen wenig thematisiert, so
zumindest die Einschätzung von Wissenschaftlern und Kommunikatoren (vgl. S. 32f.).
Ein im anderen Sinne weiter – nämlich gegenüber gesellschaftlichen Subsystemen wie
Politik und Wissenschaft, also Kultur im weiteren Sinne – Kulturbegriff ist über
einen weit längeren Zeitraum hinweg in Feuilletonressorts zu beobachten. Die gelehrten
Artikel im 18. Jahrhundert thematisieren bereits Wissenschaft (vgl. S. 18ff.). Sie bleibt
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 35

auch im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Thema im Feuilleton. Politik
thematisieren Autoren im Feuilleton Mitte über eine Verbindung zwischen
Kulturprodukten im engen Sinne und politischen Ereignissen. So zum Beispiel 1848 bei
der politischen Interpretation von Theateraufführungen als Spiegel kulturelle
Entwicklungen im weiteren Sinn (vgl. S. 22ff.) oder während der Suche nach
Hintergründen aktueller politischer Entwicklungen in der Literatur eines Landes (vgl. S.
24ff.). In den 1920er Jahren brachte zumindest die Frankfurter Zeitung im Feuilleton
auch Reportagen und als Feuilleton geschriebene Alltagsbeobachtungen zu
gesellschaftlichen Themen (vgl. S. 25ff.) – dies scheint jedoch eine nur für diese Zeit,
vielleicht auch nur für diese Publikation typische Erscheinungsform zu sein.
Wissenschaftsberichterstattung hingegen war offenbar im gesamten 19. Jahrhundert
im Feuilleton zu finden, aber auch in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts
(vgl. S. 25ff..), als zum Beispiel das Feuilleton der Frankfurter Zeitung sich bemühte:
„den wissenschaftlichen Teil (...) den gewaltigen Leistungen unserer Zeit in
wissenschaftlichen und technischen Eroberungen entsprechend, weiter auszubauen“
(VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1093f.). Für einen vergleichbar weiten
Kulturbegriff fehlen nach 1945 Hinweise aus der Feuilletonforschung. Vielmehr
scheint das Ressort sich von dieser Tradition des frühen 20. und 19. Jahrhunderts hin zu
einem auf Hochkultur im engeren Sinne verengten Kulturbegriff entwickelt zu haben.
Bei den Darstellungsformen scheinen die Traditionen eng mit dem Kulturverständnis
der Feuilletons verbunden zu sein. So ist auf dem Feld der Kultur, insbesondere der
Hochkultur im engeren Sinne, schon früh die Rezension als dominierende
Darstellungsform zu beobachten. Der „Hamburgische unpartheyische Correspondent“
bespricht Bücher hauptsächlich (vgl. S. 18), ebenso kritisieren von Anfang des 19.
Jahrhunderts an Zeitungen neue Theateraufführungen hauptsächlich (vgl. S. 18ff.). Und
alle anderen Kunstsparten, die sich als Thema in den Feuilletons etablieren, werden
ebenfalls hauptsächlich rezensiert - zumindest Heinz Merkelbachs Ergebnissen zu
sieben in München erscheinenden Tageszeitungen zufolge (vgl. S. 19ff.). An diesem
Präsentationsgestus ändert sich im 20. Jahrhundert wenig – er verstärkt sich offenbar in
den Feuilletons der Bundesrepublik sogar.
Dem wahrscheinlichen Traditionsbruch beim Themenspektrum in den Feuilletonressorts
der Nachkriegszeit entspricht auch ein Traditionsbruch bei der Wahl der Darstellung.
Denn die Präsentation von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne ist im 19. und
frühen 20. Jahrhundert konstant – und konstant anders als die zu Kultur im engeren
Sinne. Für Artikel zu Wissenschaft, Technik oder anderen Themen aus der Kultur im
weiten Sinne engagierten die Feuilletonressorts durch Expertenwissen legitimierte
Gastautoren (vgl. S. 25ff.). Das Feuilleton der Frankfurter Zeitung rühmt sich zum
Beispiel: „Hunderte bedeutender Namen könnten hier als Mitarbeiter aufgeführt
werden, es mag für die Bedeutung des Feuilletons als einer liberalen Kanzel genügen,
daß mit Aufsätzen und anderen Beiträgen vertreten waren: ...“ (VERLAG DER
FRANKFURTER, 1911, S. 1093f.) Und es folgt eine Vielzahl an Namen, darunter Georg
3 Historische Feuilletonprofile: Kulturbegriffe und Darstellung 36

Simmel oder Dr. Hugo Edener, der Mitarbeiter Zeppelins – kurz: „Männer der gelehrten
Berufe wie Männer der Praxis“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1093).
Zusammenfassend lässt sich auf Basis der spärlichen Forschungsergebnisse zumindest
eine Tradition von Hochkultur im engen Sinn als Thema im Feuilleton und der
Rezension als auf diesem Feld dominierende Darstellungsform vom Anfang der
Kulturberichterstattung in Zeitungen bis ins 20. Jahrhundert ausmachen. Bei der
Darstellung von Kultur im weiteren Sinne ist „eine massive Eingrenzung (...) des
deutschen Kulturjournalismus“ (HALLER, 2002, S. 15) zu beobachten: Kultur im
weiteren Sinn wird zumindest im westdeutschen Feuilleton der Nachkriegszeit
durch Kultur – vor allem Hochkultur - im engen Sinne verdrängt.
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 37

4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung


an das Feuilleton
Kommunikationswissenschaftler problematisierten die Fokussierung der
westdeutschen Feuilletonressorts auf Hochkultur im engeren Sinne in der
Nachkriegszeit (vgl. S. 34f.) erst gegen Ende der sechziger Jahre. Die zuerst von Peter
Glotz und Wolfgang Langenbucher formulierte Kritik (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1973;
GLOTZ, 1968) an einem verengten Kulturbegriff muss vor dem Hintergrund der
kulturellen Entwicklung der sechziger Jahre gesehen werden. Die breite Etablierung
neuer Erscheinungsformen von Kultur im engeren Sinn in der Gesellschaft
verdeutlichte, dass in den Feuilletons nur ein kleiner, von wenigen Rezipienten
genutzter Ausschnitt des gesamten Kulturangebots thematisiert wurde.

4.1 Der erweiterte Kulturbegriff


Die Erweiterung des Kulturbegriffs in den 60er und 70er Jahren ist Teil eines größeren
sozialen Wandels. Bis dahin war im alltäglichen Sprachgebrauch Kultur „in der
bürgerlichen, spätbürgerlichen, spätestbürgerlichen Gesellschaft“ für „Arbeiter wie
Bürger - selbstverständlich Hochkultur“, wie der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase
feststellt (MAASE, 2002, S. IV). Noch 1960 war es aufgrund dieses engen
Kulturverständnisses undenkbar, „dass die führenden Feuilletons ernsthaft und
kompetent Rockkonzerte und Hollywood-Blockbuster, Fernsehshows und Bestseller
besprechen“ (MAASE, 2003b, S. 9). Doch der gesellschaftliche Wandel der sechziger
und siebziger Jahre änderte dies. Die „Beteiligung an Jugendstilen“ wurde „Teil der
Normalbiografie“, sodass bis Ende der siebziger Jahre „Populärkultur faktisch Kern
einer ‚Gemeinkultur’, an der fast alle unter 40 teilhatten“ geworden war (MAASE,
2003b, S. 15).
Aus dieser Entwicklung haben zwei sozialdemokratische Kulturpolitiker, Hermann
Glaser und Hilmar Hoffmann, das Schlagwort vom „erweiterten Kulturbegriff“
abstrahiert und damit konkrete kulturpolitische Ziele und Strategien verbunden. Sie
formulierten die kulturpolitischen Konsequenzen der kulturellen Entwicklung der
sechziger Jahre. Ihre Überlegungen erweitern den Kulturbegriff in beiden eingangs
dargestellten (vgl. S. 14f.) Dimensionen. Zum einen erkannten sie Kunst als einen
Teilbereich der Kultur statt als Äquivalent: „... alle ästhetischen Ausdruckformen von
der Musik über die Literatur (...) darstellenden Künsten (...) sind ein wichtiger Bereich
neben anderen“ (HOFFMANN, 1985, S. 126). Im Auge hatten sie dabei vor allem
„Soziokultur und Alternative Kultur“ und „die kulturellen Prozesse, die zwischen den
Menschen und Künsten, zwischen dem Publikum und den Künstlern und ihren
Institutionen ablaufen“ (HOFFMANN, 1985, S. 127). Diese Denkrichtung war eng
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 38

verbunden mit einem demokratischen Kulturverständnis in dem Sinne, dass allen


Menschen – abseits der Kategorien von Laien und Professionellen - die „Chance
kreativer Entfaltung“ (GLASER, 1974, S. 51) gleichermaßen gegeben werden sollte.
Doch abseits dieser wohl zeittypischen Emphase hat diese Erweiterung des
Kulturbegriffs – abstrakt formuliert –, den gesellschaftlichen Bezug ästhetischer
Symbolsysteme unterstrichen. Wenn Hoffmann zufolge „Kultur ist, wie der Mensch
lebt und sich zu seinesgleichen verhält“ (HOFFMANN, 1990, S. 58f.), ist das eine sehr
weite und dennoch wertvolle Definition, weil sie ähnlich wie die Kepplingers (vgl. S. 8)
zeigt, dass im Feuilleton als Kultur lediglich kleine Ausschnitte der Kultur behandelt
werden, gewählt aufgrund von historischen Traditionen und Wertungen.

Zum anderen betrachten Glaser und Hoffmann ausdrücklich Populärkultur als Teil der
Kultur im engeren Sinn: „die sogenannte ‚Unterhaltung’, die ‚leichte Muse’“, welche zu
Unrecht „Kulturpolitik und Feuilleton gern meiden“ (HOFFMANN, 1985, S. 143).
Hoffmann verlangt die Achtung populärkultureller „alternativer Kulturformen
außerhalb der Stammhäuser der Kultur“ (HOFFMANN, 1990, S. 64) wie zum Beispiel
Film, Zirkus, Kleinkunst, Jazz, Folk- und Popmusik durch die Kulturpolitik. Anstatt
Kunst mit Hochkultur gleichzusetzen, bezeichnet der erweiterte Kulturbegriff in diesem
Sinne das „Spektrum der ‚offenen Vielfalt der Künste’“ (HOFFMANN, 1985, S. 142).

4.2 Aus dem erweiterten Kulturbegriff abgeleitete Kritik am


Feuilleton
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung eines neuen, erweiterten Kulturbegriffs haben
Kommunikationswissenschaftlicher wie Peter Glotz und Wolfgang Langenbuch als
erste das Angebot der Feuilletons kritisch untersucht. So bemängelt Glotz in seiner
1968 veröffentlichten Untersuchung der „Buchkritik in deutschen Zeitungen“, dass „der
Komplex der ‚popular culture’, der ‚Massenkultur’, in der Feuilletonkunde als Problem
nicht wirklich auftauchte“ (GLOTZ, 1968, S. 22f.). Ähnlich wie Glaser und Hoffmann
ihre Forderung nach einem erweiterten Kulturbegriff (vgl. S. 37) verbindet Glotz seine
Kritik an den Feuilletonangeboten mit der Vorstellung einer Demokratisierung der
Kultur. Er beklagt eine Kluft zwischen Hoch- und Populärkultur: „die Produkte der
Elitekultur werden für die Mehrheit der Menschen immer unverständlicher, die
Produkte der Populärkultur werden von den Eliten immer leidenschaftlicher als seicht
und ungenießbar abgelehnt.“ (GLOTZ, 1968, S. 32f.). Diese Kluft soll das Feuilleton
überbrücken, fordern Glotz und Langenbucher in ihrer erstmals 1969 erschienen Kritik
der deutschen Presse:
„Gemeint ist, daß durch einen populären, mehr an den (exakt zu erforschenden)
Kommunikationsbedürfnissen orientierten Journalismus neue Leserschichten, die
von den Feuilletonteilen deutschen Zeitungen heute nicht erreicht werden,
gewonnen werden könnten. Was zu erreichen wäre: der Ausbruch der Literatur aus
dem Kultur-Ghetto der Eingeweihten.“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 95f.)
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 39

Kritisiert wird das Feuilleton als „Kultur-Ghetto“ also einerseits wegen fehlender
Inhalte und andererseits wegen fehlender Vermittlung vorhandener Inhalte. Glotz und
Langenbucher beziehen ihre Ausführungen zwar nur auf die Buchkritik, doch glauben
sie, dass sie auch für andere Bereiche gilt (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 100). Die
in dieser Untersuchung festgestellten Mängel lassen sich zu vier wesentlichen Punkten
zusammenfassen.

4.2.1 Weite des Kulturbegriffs


Glotz und Langenbucher fordern eine Erweiterung des Kulturbegriffs im Feuilleton
über Kultur im engen Sinne hinaus – denn Kultur umgreife „nicht nur den Bereich des
Musisch-Ästhetischen“ (GLOTZ, 1968, S. 46). Das Feuilleton soll also mehr
thematisieren als nur Kunst im Sinne eines Systems, das vorrangig ästhetische
Programme abarbeitet: „Die Repräsentativ-Kultur (...) umgreift die Produkte
theoretischen Forschens ebenso wie die religiösen Denkens oder künstlerischer
Gestaltung.“ (GLOTZ, 1968, S. 46) Glaser hat das Angebot der Feuilletonressorts mit
ähnlicher Zielrichtung kritisiert, als er beklagte, dass „Naturwissenschaft und
ähnliches weiterhin ein weißer Fleck“ (GLASER, 1974, S. 35) sind. Zur Kultur im
weiteren Sinne gehören neben allen wissenschaftlichen Disziplinen auch Politik,
Wirtschaft, Gesellschaft. Auch diese Themenfelder vermissen Glotz und Langenbucher
im Feuilleton. Sie beklagen, dass Journalisten sich die „Auseinandersetzung mit der
Literatur offenbar nur als literarisch-ästhetisches Fachgespräch vorstellen“
(GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 103f.). So würde ein Gegensatz zwischen Politik und
Kunst aufgebaut, den die Autoren als Widerspruch zu einer umfassenden
Kulturberichterstattung sehen.

4.2.2 Weite des Kunstbegriffs


Neben einer Erweiterung des Kulturbegriffs über die Kunst hinaus, verlangen die
Kritiker der Feuilletonressorts in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren eine
Öffnung des Kunstbegriffs gegenüber populärer Kultur im engen Sinn. Glotz sieht eine
„nicht-kommunikative, esoterische Haltung der musisch-ästhetischen Eliten“ (GLOTZ,
1968, S. 72) als Grund für die Distanz eines großen Publikumsteils gegenüber der
Hochkultur einerseits und andererseits für die Distanz dieser Eliten gegenüber der
Populärkultur im engen Sinne. Anders als Kulturwissenschaftler wie zum Beispiel
Maase (vgl. S. 37) argumentiert Glotz nicht mit der darzustellenden Bandbreite der
Kultur, sondern mit zu erfüllenden Rezipientenbedürfnissen. Diese würde der
Kulturjournalismus vernachlässigen, „weil er einsinnig-publizistisch von der Ästhetik
her denkt“ (GLOTZ, 1968, S. 84). Das Feuilleton kritisiert Glotz als dem Publikum
unangemessen, nicht als der Kultur unangemessen:
„Die Leser einer Zeitung haben ein legitimes Bedürfnis, zu erfahren, (...) was sie
unterhält, entspannt, informiert usw. Hier sind echte Kommunikationsbedürfnisse,
(...) die befriedigt werden wollen.“ (GLOTZ, 1968, S. 63)
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 40

Aus dieser Argumentation folgt, dass das Feuilleton einer Zeitung mit vor allem
hochkulturell interessierten Lesern nicht an diesem Anspruch zu messen ist. Zu
erforschen ist also – was Glotz auch ausdrücklich verlangt – das Kulturinteresse der
Rezipienten, um die Qualität eines Feuilletons im Sinne Glotz’ bewerten zu können.
Viele andere Kritiker der Feuilletonressorts bemängeln hingegen deren
Kulturangemessenheit. Glaser zum Beispiel kritisiert, „daß bestimmte Bereiche sehr
bevorzugt sind und andere Bereiche unterbelichtet bleiben“ (GLASER, 1975, S. 6593).
Die Feuilletonredaktionen bevorzugen „Theater, Bücher, Kunst, Musik, schöngeistige
und geisteswissenschaftliche Fragen“ (GLASER, 1975, S. 6593). Glaser beklagt
ausdrücklich, dass diese Angebotsprofile der Kultur nicht gerecht werden:
„Formalistisches Schubladendenken leistet einem Begriff von Kultur Vorschub, wie es
ihn nie gab und auch nicht geben sollte.“ (GLASER, 1975, S. 6593)

4.2.3 Vielfalt der Darstellungsformen


Glotz und Langenbucher beanstanden wie viele Kritiker nach ihnen nicht nur die
Themenstruktur in den Feuilletonressorts, sondern auch die gewählten
Präsentationsformen der vorhandenen Themen. Ihre Analyse der Darstellungsformen in
der Literaturberichterstattung haben Glotz und Langenbucher zum oft zitierten
Schlagwort von den „Rezensionsfriedhöfen“ verdichtet:
„Der Journalismus hat in einer langen Geschichte viele Darstellungsformen
geschaffen: die Rezension, das Interview, die Glosse das Feature, die Nachricht, die
Reportage, den Dialog etc. Die Journalisten bedienen sich dieser Formen – aber
kaum im Feuilleton. Unsere Literaturseiten sind häufig Rezensionsfriedhöfe.“
(GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104)
Diese Monokultur als Mangel erkannten auch andere Kritiker (GLASER, 1975, S. 6596).
Konkret vermisst Glotz „das Bild als Darstellungsmittel, die Buchreportage, das
Autoren-Interview, die Glosse (...) human-interest-stuff“ (GLOTZ, 1968, S. 91).

4.2.4 Erweiterter Fokus auf Kultur


Mit der Forderung nach einer größeren Vielfalt der Darstellungsformen ist eine andere
Forderung eng verbunden, die oft nicht klar genug davon getrennt wird. Glotz,
Langenbucher und andere Kritiker des Feuilletonangebots wollen nicht nur anteilsmäßig
weniger Rezensionen. Sie verbinden damit vielmehr auch eine Kritik an einem zu engen
Fokus des Feuilletonressorts auf Kultur als Menge einzelner, einzeln zu
behandelnder Kulturprodukte. Anstatt „Buch für Buch“ abzuhandeln, verlangen sie
einen Fokus auch auf den Kulturbetrieb statt nur auf das Produkt:
„Warum zeigt man nicht, wie Bücher verbreitet, geschrieben, hergestellt, vertrieben,
verkauft werden? Wo erfährt man etwas (...) über den letzten Skandal in der
Branche und die neueste Fusion im Verlagsgeschäft?“ (GLOTZ/LANGENBUCHER,
1993, S. 105)
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 41

Der Kulturjournalist und Schriftsteller Peter Hamm erkennt in diesen unterschiedlichen


Erkenntnisinteressen einen Gegensatz zwischen dem Glauben der „Älteren“ an „die
Autonomie der Kunst“ und der Überzeugung jüngerer Kritiker, „Geistiges nicht mehr
losgelöst von seinen materiellen Bedingungen“ zu betrachten (HAMM, 1970, S. 9). Die
jüngere Überzeugung verlangt Hamms Abstraktion zufolge, dass Feuilletonbeiträge die
Kultur im engeren Sinne in Verbindung mit Kultur im weiteren Sinne sehen und in
diese setzen: Statt die „Eigengesetzlichkeit der Kunst“ sollte Kritik „Marktgesetze“ und
der „Warencharakter auch der Kunst“ darstellen (HAMM, 1970, S. 9).

4.3 Zwischenfazit: Forderungen an das Feuilleton


Die Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auch von
Kommunikationswissenschaftlern formulierte Kritik am Feuilleton kann grundsätzlich
zwei Argumentationslinien zugeordnet werden: Peter Glotz und Wolfgang
Langenbucher kritisieren zum einen das Feuilleton als nicht den Interessen der
Lesermehrheit angemessen – dem Interesse an populärer Kultur zum Beispiel.
Kulturpolitiker wie Hermann Glaser oder Hilmar Hoffmann messen hingegen die
Themenvielfalt im Feuilleton mit der - von ihnen wahrgenommenen – Vielfalt der
Kultur. Doch beide Argumentationsrichtungen führen zu denselben Feststellungen und
Forderungen: Der Kulturbegriff des Feuilletons ist zu eng auf Kunst ausgerichtet. Das
Feuilleton sollte mehr Kultur im weiteren Sinne wie Wissenschaft oder Religion
thematisieren (vgl. S. 39). Dieses Themengebiet haben den bisherigen Forschungs-
ergebnissen zufolge die Feuilletonressorts im ausgehenden 19. und im ersten Drittel des
20. Jahrhunderts durchaus bearbeitet (vgl. S. 22ff.; S. 24f.; S. 25f.). Ihren Kulturbegriff
scheinen die Ressorts in Deutschland nach Ende des zweiten Weltkriegs auf die von
Glotz und Langenbucher kritisierte Dominanz der Hochkultur im engen Sinne
verengt (vgl. S. 31) zu haben. Ein anderes Feld – populäre Kultur im engeren Sinne -
sehen die Kritiker ebenfalls nicht von den Feuilletons abgedeckt (vgl. S. 39).
Insbesondere durch diesen Mangel sieht Glotz „echte Kommunikationsbedürfnisse“
(GLOTZ, 1968, S. 63) der Rezipienten vernachlässigt. Auch hier unterscheiden sich
offenbar die Angebote der von Glotz kritisierten Feuilletons von Profilen historischer
Vorgänger. So erklärte zum Beispiel das Feuilleton der Frankfurter Zeitung in den
zwanziger Jahren die Analyse populärer Kultur zu einer seiner Aufgaben (vgl. S. 25).
Die Präsentation der Themen, insbesondere die mangelnde Vielfalt journalistischer
Darstellungsformen ist der dritten Kritikpunkt (vgl. S. 40) Glotz’ und Langenbuchers:
Sie beanstanden, dass Feuilletons durch den übermäßigen Einsatz von Rezensionen zu
„Rezensionsfriedhöfen“ verkommen (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104). Sie
kritisiert ebenfalls eine mangelnde Kontextualisierung von Kultur (vgl. S. 40): Der
Fokus der Berichterstattung im Feuilleton liege vor allem auf Kulturprodukten, kaum
ein Beitrag würde hingegen wirtschaftliche, organisatorische oder politische Aspekte
des Kulturbetriebs behandeln. Hier ist der Vergleich mit Vorgängern der Ressorts nicht
einfach: Die Feuilletonressorts scheinen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – vor
allem aus Wissenschaft und Politik – in häufig von Gastautoren verfassten Essays und
4 Der erweiterte Kulturbegriff als Forderung an das Feuilleton 42

Reportagen behandelt zu haben (vgl. S. 22ff.; S. 25ff.) – während Kultur im engeren


Sinne eher in Rezensionen dargestellt wurde. Doch hat bislang keine Studie die Anteile
der Darstellungsformen so aufgeteilt untersucht.
Die vor allem rezipientenorientierte Begründung der Kritik von Glotz und
Langenbucher im Sinne einer Kategorisierung von Kulturprodukten und einem
darauf basierenden Abgleich mit Feuilletoninhalten ist problematisch. Das Problem der
Einordnung von Kulturprodukten zur Populär- oder Hochkultur allein auf Basis ihrer
Popularität im Sinne von Verkaufs- oder Nutzungszahlen wurde bereits eingangs in
dieser Arbeit dargestellt (vgl. S. 9): Eine ausschließlich auf Rezeptionshäufigkeit oder
Rezipientendemographie basierende Trennung von Populär- und Hochkultur ist
demnach nicht sinnvoll, weil sie das ästhetische Programm eines Werkes
vollkommen ignoriert und implizit behauptet, die Zugehörigkeit eines Kulturprodukts
zu einem Kulturfeld würde sich invariant, von anderen Faktoren unbeeinflusst auf den
Markterfolg auswirken. Diese problematische Definition wurde eingangs modifiziert
(vgl. S. 14f.), ohne sich jedoch radikal der Auffassung Glotz und Langenbucher
entgegenzustellen: Die von Glotz und Langenbucher erwähnte Unterhaltungsfunktion
wurde der kulturwissenschaftlichen Definition Hügels (HÜGEL, 2003a, S. 17) folgend
als spezifisches ästhetisches Programm definiert (vgl. S. 9), ohne dass das tatsächliche
Maß der Rezeption und des Unterhaltenwerdens als – problematische - Kriterien
einbezogen wurden. Insofern kann die Kritik von Glotz und Langenbucher als
Grundlage für den weiteren Untersuchungsverlauf dieser Arbeit verwendet werden.
Ebenso die mit der Vielfalt der Kultur begründete Kritik in der Argumentationstradition
Glasers und Hofmanns.
Soll im weiteren Verlauf der Arbeit Glotz’ und Langenbuchers Kritik am
Feuilletonressort mit aktuellen Feuilletonprofilen verglichen werden, ist eine
Einschränkung vorzunehmen und gegebenenfalls zu prüfen: Weil die Autoren von der
Rezipientenseite her argumentieren, kann ihre Kritik nicht für alle Medien –
angesichts möglicherweise unterschiedlicher Rezipientenstruktur – gleichermaßen
gelten. Glotz und Langenbucher umgehen diesen Punkt, indem sie nicht die einzelnen
Feuilletons, sondern das Gesamtangebot kritisieren. Sie kritisieren, dass eben in dieser
Vielfalt der Feuilletonangebote keines für die an Populärkultur interessierten
Rezipienten existiert (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 96f.). Wenn also im Verlauf
dieser Arbeit Glotz’ und Langenbuchers Kritik auf die Feuilletoninhalte ausgewählter
Medien – FAZ und SZ – bezogen werden soll, muss zuerst dieser problematische Bezug
thematisiert werden.
Ein Trugschluss muss aber mit aller Deutlichkeit – die bei Glotz und Langenbucher
fehlt – vermieden werden: Eine Aussage, dass mehr Populärkultur und weniger
Rezensionen im Feuilleton unmittelbar zu stärkerer oder verbreiteter Rezeption führen,
sind auf Basis der bisherigen Forschung nicht möglich. Denn die Verbindung
zwischen Feuilletonnutzung und Kulturinteresse an bestimmten Sparten ist eine –
wenn auch vielleicht plausible doch nicht belegte – Annahme.
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 43

5 Feuilletonforschung: Themen und


Darstellung nach Erweiterung des
Kulturbegriffs
Kommunikationswissenschaftler und Kulturpolitiker haben erstmals Ende der sechziger
Jahre eine Dominanz von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne in
westdeutschen Feuilletonressorts festgestellt (vgl. S. 39) – und als dem Publikum oder
der Kultur nicht angemessen kritisiert. Diese Kritik ist Grundlage eigentlich jeder der
folgenden wissenschaftlichen Untersuchungen der Kommunikatoren, der Inhalte, selten
allerdings der Rezipienten der Feuilletons. Alle diese Ansatzpunkte sind für eine
Prüfung und Aktualisierung der Kritik Glotz’ und Langenbuchers wichtig. Denn Glotz
selbst argumentiert ja mit Rezipienteninteressen, belegt seine Thesen mit einer
Kommunikatorbefragung sowie Copytests (GLOTZ, 1968, S. 216). Allerdings bleibt bei
Glotz und Langenbucher der populärkulturell interessierte Zeitungsleser, der das
Feuilleton wegen des dort herrschenden engen Kulturbegriffs nicht nutzt, ein
größtenteils implizierter. Die – wenigen – Untersuchungen zu Kommunikatoren,
Inhalten und (potenziellen) Rezipienten der Feuilletons sind daher nicht nur als
Überprüfung der Aktualität der Kritik am Feuilleton aus den späten sechziger
Jahren interessant, sondern zugleich als Grundlage für eine mögliche Präzisierung und
Neuformulierung einzelner Kritikpunkte. Zu fragen ist: Welchen Kulturbegriff
verfolgen Kommunikatoren im Feuilleton? Stützen die Erkenntnisse zur
Berufsauffassung der Feuilletonkommunikatoren die Kritik an ihrer angeblichen
Ignoranz gegenüber dem Publikum? Zeichnen sich in den Feuilletoninhalten nach der
Kritik Glotz’ und Langenbuchers neue Berichterstattungsmuster ab? Und: In welchem
Ausmaß nutzen Rezipienten Feuilletoninhalte? Lassen sich Rezipienten tatsächlich
entlang eines überwiegenden Interesses für Populär- oder Hochkultur in zwei Gruppen
aufteilen? Diese Fragen sollen hier beantwortet werden.

5.1 Kommunikatorforschung
Bis Mitte der neunziger Jahre waren über Kulturjournalisten nicht einmal grundlegende
Eckdaten bekannt, weil die älteren Kommunikatorstudien sich auf Teilmengen, nämlich
„leicht abgrenzbare Berufsbilder, wie Buch-, Theater, Musik- und Fernsehkritiker“
konzentrierten (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 308). Dies haben die
Kommunikationswissenschafter Gunter Reus, Beate Schneider und Klaus Schönbach
(1995, S. 309) mit ihrer Sonderauswertung einer Befragung 983 westdeutscher
Journalisten in den Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkunternehmen
und Nachrichtenagenturen aus dem Jahr 1992 geändert. Jene 105 davon, die als
Schwerpunkt ihrer journalistischen Tätigkeit Kultur angaben, zählten Forscher zur
ausgewerteten Teilmenge der Kulturjournalisten. „Elf Prozent der westdeutschen
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 44

Journalistinnen und Journalisten“ beschäftigen sich also nach Eigenaussage vorwiegend


mit Kultur (REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 309).

5.1.1 Verständnis der eigenen Berufsrolle


Glotz und Langenbucher kritisierten die fehlende Publikumsorientierung der
Feuilletonjournalisten hart. „Über den ‚kleinen Kreis’“, den sie erreichen, wollten die
Feuilletonredakteure „gar nicht hinaus“. Denn sie „kümmern sich zum Teil gar nicht um
ihr Publikum“ (GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 100f.). Diesen Befund leiten sie aus
einer Kommunikatorstudie (GLOTZ, 1968) Glotz’ ab. Er befragte 33 für Literaturseiten
verantwortliche Redakteure überregionaler Tages- und Wochenzeitungen, sowie von
Regionalzeitungen aus Bayern und dem Ruhrgebiet (vgl. GLOTZ, 1968, S. 94). Die
Ergebnisse sind also nicht auf die Kulturjournalisten insgesamt zu übertragen. Als
Ergebnis dieser individuellen Intensivinterviews mit halb strukturiertem Fragenablauf
(GLOTZ, 1968, S. 93) resümiert Glotz, dass die Journalisten in Kulturressorts
überregionaler Zeitungen „in der überwiegenden Mehrheit durchaus ‚publizistisch’
denken und handeln“ (GLOTZ, 1968, S. 115) während bei regionalen Zeitungen „die
Variante der ‚monologen’ Haltung weit seltener vertreten“ ist (GLOTZ, 1968, S. 128).
Monolog nennt Glotz eine Haltung, die Ziele, Aufgaben und Qualitätskriterien
journalistischer Arbeit eher aus ästhetischen Urteilen und Wertvorstellungen als aus
Kenntnissen über die Rezipienten ableitet:
„Buchkritik ist für sie nicht die je und je (nämlich je nach dem Gesprächskreis
verschiedene) Artikulation des Zeitgesprächs um ein Buch, sondern etwas
‚Objektives’, das auf einer ‚literarischen und beinahe wissenschaftlichen
Ansprüchen genügenden Ebene’ vor sich geht, ist vor allem Auseinandersetzung
mit der literarischen Form und daher von vornherein nur für einen sehr begrenzten
Kreis ‚interessant’.“ (GLOTZ, 1968, S. 125)
Zu diesem begrenzten Kreis rechnet Glotz zufolge die Mehrheit der von ihm befragten
Journalisten sich selbst und nur einen kleinen Teil der potenziellen Rezipienten. Das
Verständnis der eigenen Berufsrolle ist laut Glotz bei der Mehrheit der von ihm
befragten Verantwortlichen für Literaturseiten „nicht so sehr auf Popularisierung,
Vermittlung, Übersetzung gerichtet“, sondern „getragen vom energischen Willen zur
Mitsprache in den Eingeweihtenzirkeln“ (GLOTZ, 1968, S. 145f.).
Knapp anderthalb Jahrzehnte später kommt Petra Altmann in ihrer Dissertation, einer
Kommunikatorstudie der für Buchkritik verantwortlichen Redakteure, zu teilweise
abweichenden Ergebnissen. Anders als Glotz hat sie nur Redakteure bei Tageszeitungen
mit einer Auflage von mehr als 150000 Exemplaren (ALTMANN, 1983, S. 74) befragt.
Die meisten Redakteure sehen auf sich das Rollenbild des Buchkritikers als
„vermittelnder Informant“ am ehesten zutreffen. Das ist zumindest auf den ersten Blick
eine Abweichung zur von Glotz festgestellten Vermittlungsunwilligkeit. Allerdings lässt
die Typologie Altmanns die Frage offen, was und wem jene Kritiker vermitteln wollen.
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 45

Tabelle 9: Rollenauffassungen von Buchkritikern


Buchkritiker als ... % absolut
... vermittelnder Informant 40 14
... Vermittler von Orientierungsmaßstäben 20 7
Buchkritik als Hilfe für den interessierten Rezipienten 5,7 2
... Erzieher 8,6 3
... Produzent von Literatur 5,7 2
Buchkritik als Lernprozess für den Rezensenten 5,7 2
Keine bestimmte Rollenauffassung 14,3 5
Basis: N=35 | Quelle: ALTMANN, 1983, S. 164

Als Relativierung der Selbsteinschätzung können allerdings die von Altmann ebenfalls
abgefragten Selektionskriterien für zu besprechende Buchtitel interpretiert werden:
„Ganz eindeutig zeigte sich, daß die persönlicher Interessen der Buchkritiker in den
meisten Fällen die Auswahl bedingen. 29 der Befragten (=82,9%) nannten dies als
Auswahlkriterium.“ (ALTMANN, 1983, S. 109) Die starke Selbstwahrnehmung einer
vermittelnden Berufsrolle bei den von Altmann befragten Journalisten geht also
keineswegs mit einer zumindest angestrebten Orientierung an den Publikumsinteressen
einher. Unklar ist aber, ob diese Titelauswahl auf Basis persönlichen Interessen
tatsächlich der von Glotz kritisierten Ignoranz gegenüber dem Publikum entspringt oder
als Notbehelf Folge fehlender Informationen über Leserinteressen ist.
Eher für die erste Interpretation spricht die Sonderauswertung der
Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundespresseamts durch Reus, Schneider und
Schönbach. Sie ermöglicht einen Vergleich der Einstellungen von Kultur- und
hautsächlich auf anderen Themengebieten aktiven Journalisten. Dieser Vergleich ergibt,
dass Kulturjournalisten ihrem beruflichen Selbstverständnis nach „häufiger als andere
Journalisten Pädagogen, Erzieher sein“ wollen und sich seltener „als neutrale
Berichterstatter“ sehen (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 314).

Tabelle 10: Journalistisches Selbstverständnis von Kulturjournalisten und Journalisten allgemein


Antworten auf die Frage: „Wie sollte man als Journalist Ihrer Meinung nach seine Aufgabe verstehen, als was sollte man sich
als Journalist sehen? Sagen Sie mir bitte, ob Sie den folgenden Aussagen zustimmen oder nicht zustimmen.

Ein Journalist sollte sich sehen als (der) ... Kulturjournalisten % (n= 105) andere Journalist. % (n=878)
Kritiker an Missständen 92 95
Vermittler neuer Ideen 91 86
, der die Bevölkerung über ihre Rechte / Ansprüche informiert 82 91
Jemand, der die Leute unterhalten sollte 81 77
Neutraler Berichterstatter 78 90
Wächter der Demokratie 78 82
Anwalt der Benachteiligten in unserer Bevölkerung 71 74
Jemand, der den Leuten hilft, sie berät 61 65
Sprachrohr der Bevölkerung 56 65
, der Bevölkerung demokratische Prinzipien nahebringt 49 61
Pädagoge, Erzieher 22 12
, der der Bevölkerung Maßnahmen der Regierung nahebringt 18 34
Politiker mit anderen Mitteln 16 10
Quelle: REUS/ SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 315

Bei diesen Ergebnissen fällt die im Vergleich zu anderen Journalisten stärkere


Selbstwahrnehmung der Kulturjournalisten als „Vermittler neuer Ideen“ auf. Sie spricht
für ein eher pädagogisches Selbstverständnis:
„Kulturjournalisten wollen, was sie persönlich für bedeutend halten, auch gerne an
andere weiterreichen (‚Vermittler von Ideen’, ‚Pädagoge’, ‚Erzieher’), allerdings
weniger auf dem Gebiet des (politischen) Alltags und nicht unbedingt an
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 46

jedermann. An ‚die Bevölkerung’ denken sie deutlich weniger.“ (REUS/ SCHNEIDER/


SCHÖNBACH, 1995, S. 314)
Das steht der von Glotz geforderten Akzeptanz einer Vermittlerrolle nicht per se
entgegen. Doch scheinen Kulturjournalisten eher eigene Einschätzungen und eigene
Überzeugungen als auf Basis von Rezipienteninteressen gewählte Inhalte
vermitteln zu wollen. Das ist nicht eine zwangsläufige Folge des Arbeitsgegenstandes
und einer angeblich notwendigen Subjektivität der Kritik. Denn auch Rezensenten und
Kritiker haben „zunächst die Aufgabe, zu informieren“, weil „Aussagen über den
kulturellen Wert (...) nur über die Beschreibung ihrer Formen und Funktionen
nachvollziehbar“ werden. Nur „akzeptieren sie diese Rollenauffassung“ als neutraler
Berichterstatter „etwas weniger als andere Journalisten“ (REUS/ SCHNEIDER/
SCHÖNBACH, 1995, S. 317).

5.1.2 Publikumsbild
Glotz stellte bei seiner Kommunikatorstudie 1968 ein „Desinteresse an empirischer
Leserforschung“ fest, das er als bewusste Entscheidung der Kulturjournalisten
interpretiert, ihre Arbeit an – wie auch immer definierten – kulturellen Werten statt am
Publikum zu messen. Der Journalist, der sich in diesem Sinne als „ein objektiven
Maßstäben verpflichteter Kritiker (...) sieht, muß ‚das Schielen nach dem Publikum’ als
‚korrumpierendes Element’“ verstehen (GLOTZ, 1968, S. 132).
Zu einem differenzierteren Fazit kommen mehr als zwei Jahrzehnte später auf
wesentlich breiterer empirischer Basis Reus, Schneider und Schönbach. Sie vergleichen
die Ergebnisse der Publikumseinschätzung durch Kulturjournalisten mit denen anderer
Journalisten. Ihr Fazit:
„Kulturjournalisten mögen ihr Publikum – genauer gesagt: eine bestimmte Art von
Lesern, Hörer und Zuschauern, die sei beim Schreiben und Produzieren vor Augen
haben. Ihr Bild ist positiver als das Publikumsbild anderer Berufsgruppen.“
(REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312)
Diese positive Einschätzung leiten die Forscher daraus ab, dass Kulturjournalisten
ihrem Publikum von neun zu vergebenden positiven Eigenschaften, im Durchschnitt 4,3
zurechnen. Die auf andere Themenfelder fokussierten Journalisten schreiben ihrem
Publikum durchschnittlich nur 3,8 dieser neun Eigenschaften – zum Beispiel „kritisch“
– zu. Dieses Ergebnis interpretieren die Forscher ganz im Sinne der Kritik von Glotz:
Zwar interessieren sich Kulturjournalisten für ihr Publikum - doch offenbar haben sie
dabei ein anderes Publikum als die übrigen Journalisten vor Augen. Diese
Publikumseinschätzung interpretieren die Forscher als Ausrichtung der
Kulturjournalisten auf eine elitäre Minderheit. Kulturjournalisten würden sich bewusst
sein, dass „sie für ein eher kleines, privilegiertes Segment von Mediennutzern arbeiten“.
Und mit dieser Vorstellung „fühlen sie sich (...) wohl; an die Gesamtheit von Lesern,
Hörer und Zuschauern denken sie bei ihrer Arbeit kaum.“
(REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312f.)
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 47

Was für einen Kulturbegriff aber die Kommunikatoren im Feuilleton ihren Lesern
vermitteln wollen, hat keine der bislang vorliegenden Studien untersucht. Ebenso
wenig, in was für einem Koordinatennetz aus ästhetischen Kriterien sie die Gegenstände
ihrer täglichen Arbeiten verorten – wenn sie denn ihre Arbeit eher kunst- als
publikumsgerecht leisten wollen. Dass sie das tun, deuten zumindest einige der
Kommunikatorstudien an. Ein Ergebnis ist den Kommunikatoruntersuchungen gemein:
Die Kommunikatoren im Feuilleton sind vielleicht nicht ignorant gegenüber dem
Publikum, wie Glotz kritisierte – doch sie scheinen zumindest ignoranter als Kollegen
in anderen Ressorts zu sein.

5.2 Untersuchungen der Medieninhalte


Nach dem in den sechziger Jahren einsetzenden Kulturwandel (vgl. S. 37) und der
infolge dieses Wandels geäußerten Kritik an den Inhalten des Feuilletons (vgl. S. 38ff.)
wurden diese Inhalte erstaunlich wenig erforscht. Bei den vorliegenden Untersuchungen
ist ein Vergleich nur mit Einschränkungen möglich, da die Studien in
unterschiedlichen Medien zum Teil die Kulturberichterstattung aller Ressorts, zum
Teil aber auch ausschließlich Feuilletoninhalte untersuchten. Zudem unterscheiden sich
die als Untersuchungsinstrumente verwendeten Kategoriensysteme erheblich. Eine
systematische Langzeituntersuchung der Kulturberichterstattung, wie sie zum Beispiel
Ulrich Saxer für Printmedien im Kanton Zürich zwischen 1975 und 1991 vorgelegt
(SAXER, 1997) hat, existiert für deutsche Feuilletonressorts nicht. Die beiden bislang
umfassendsten Untersuchungen (MÜLLER-SACHSE, 1988; STEGERT, 1998) der
Kulturberichterstattung in deutschen Tageszeitungen beschäftigen sich mit
Medieninhalten aus den Jahren 1987 und 1993. Seitdem ist keine vergleichbar breit
angelegte Untersuchung erschienen. Die methodischen Besonderheiten beider Arbeiten
werden hier kurz geschildert, um anschließend die Ergebnisse mit gebührender Vorsicht
und so knapp wie möglich präsentieren zu können.

1988 veröffentlichte der Medienwissenschaftler Karl H Müller-Sachse eine


Untersuchung der Kulturberichterstattung in 14 deutschen Tages- und zwei
Wochenzeitungen. Frankfurter Allgemeine und Süddeutsche Zeitung waren dabei die
einzigen überregionalen Tageszeitungen. Untersucht hat Müller-Sachse die Ausgabe
einer natürlichen sowie einer künstlichen Woche im April 1987, bei den
Wochenzeitungen alle Ausgaben dieses Monats (vgl. MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 579).
Die Untersuchung betrachtet die Kulturberichterstattung aller Ressorts und fasst die
Ergebnisse sowohl zu regionalen und überregionalen Tages- als auch zu Wochen-
zeitungen undifferenziert zusammen. Zudem bestimmt der Forscher durch einen im
Voraus definierten Kulturbegriff einen Teil der Ergebnisse vor: So zählt
Geisteswissenschaft als Thema ebenso wenig wie Naturwissenschaft zur Kultur, wird
also weder codiert noch als Teil der Kulturberichterstattung präsentiert – selbst wenn
diese Themen im Feuilletonteil der untersuchten Medien zu finden wären.
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 48

Dieses Manko hat der Medienwissenschaftler Gernot Stegert bei seiner 1998
publizierten Untersuchung der Kulturberichterstattung in 19 Printmedien versucht zu
beheben. Er untersuchte ebenfalls überregionale und regionale Tages- sowie Boulevard-
und Wochenzeitungen und Magazine (vgl. STEGERT, 1998, S. 25). Untersuchungs-
zeitraum ist bei den Tageszeitungen einer natürlichen Woche im November, bei den
Wochenperiodika sechs Ausgaben zwischen dem 25.10 und 2.12.1993 (vgl. STEGERT,
1998, S. 35). Anders als Müller-Sache kategorisiert Stegert dabei die Inhalte der Medien
nicht nach einem von ihm vorab definierten Kulturbegriff, sondern entwickelte den
Kulturbegriff der untersuchten Medien „aus dem Material“ (STEGERT, 1998, S. 24).
Konkret bedeutet das: Im ersten Schritt untersuchte Stegert, welche Themen und
Kultursparten in den Kulturressorts stärker als in allen anderen erscheinen. Diese
Themen und Kultursparten definieren den Kulturbegriff. Im zweiten Schritt untersuchte
Stegert dann das Gesamtangebot der Medien auf diese Inhalte (vgl. STEGERT, 1998, S.
24), wobei er allerdings bei einigen Medien bestimmte Ressorts ausgeklammert hat –
zum Beispiel die lokalen Kulturseiten bei den überregionalen Zeitungen, die „in dieser
Untersuchung als Überregionale interessieren“ (STEGERT, 1998, S. 77). Anders als
Müller-Sachse macht Stegert auch transparent, wie viele der von ihm untersuchten
Beiträge im Feuilleton, beziehungsweise Kulturressort erschienen sind. Insgesamt
erschienen 51,5 Prozent der untersuchten Beiträge auf Feuilletonseiten, bei der
Süddeutschen Zeitung jedoch 78,9 und bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 91,8
Prozent (STEGERT, 1998, S. 107).

Beide Untersuchungen beziehen sich ebenso wie die übrigen Untersuchungen mit sehr
eingeschränktem Erkenntnisinteresse in vielen Punkten auf die Kritik von Glotz und
Langenbucher. Mit einer Ausnahme: Kultur im weiteren Sinn schließen Müller-Sachse
und Stegert zum größten Teil als Themen aus dem Untersuchungsmaterial aus, weil es
nicht in den a priori postulierten (bei Müller-Sachse) oder aus dem
Untersuchungsmaterial entwickelten Kulturbegriff passt. Wenn also auch die
Instrumente verschieden sind, versuchen die Arbeiten doch, ähnliche Aspekte zu
untersuchen und vergleichbare Fragen zu beantworten.

5.2.1 Weite des Kulturbegriffs, Gewicht der Kultursparten


Müller-Sachse schlüsselt in seiner Studie die Kulturberichterstattung der untersuchten
regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen nach Sparten und Themen
auf. Dabei verzeichnen die Sparten Literatur, Musik und Theater die größten Anteile –
jeweils 18 Prozent – an allen Artikeln bei allen untersuchten Medien. Den
Flächenanteilen nach dominieren die Programmseiten. Die nächst größten
Textflächenanteile beanspruchen die Sparten Theater, Musik und Kunst für sich. Beim
Angebot der Süddeutschen und Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind an den
Artikelhäufigkeiten ähnliche Präferenzen abzulesen, allerdings liegt bei der SZ der
Schwerpunkt der Kulturberichterstattung im Untersuchungszeitraum auf Theater (22
Prozent der Beiträge) und Musik (17 Prozent der Beiträge). Die FAZ hingegen legt
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 49

einen Schwerpunkt auf Literatur. Trotz dieser ausgeprägten Blattprofile fällt auf, dass
Kino in beiden Medien eine vergleichsweise wenig präsente Sparte ist. Allerdings
bringt die SZ anteilsmäßig doppelt so viele Beiträge zum Kino wie die FAZ – und liegt
damit auch über dem Durchschnitt aller ausgewerteten Tageszeitungen.

Tabelle 11: Das Kulturangebot der Tageszeitungen nach Sparten, Häufigkeits- und Flächenanteile
in Prozent, 1987
FAZ SZ ∅ Tageszeitungen ∅ Tageszeitungen
Häufigkeit % Häufigkeit % Häufigkeit % Flächenanteil %
Theater 13 22 18 12
Musik 5 17 18 12
Kunst 15 12 11 8
Literatur inkl. Fortsetzungsroman 43 13 18 17
Kino 4 9 7 6
Medien 8 4 5 3
Notizen/Termine - 6 7 4
Programmseiten 5 10 7 29
Sonstiges 9 8 9 12
Basis: Beiträge in 278 Tageszeitungsausgaben | MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 583/584/585

Angesichts dieser besonderen Blattprofile muss die Kritik Müller-Sachses an der


Kulturberichterstattung aller untersuchten Medien für FAZ und SZ differenziert werden.
Doch insgesamt trifft das Fazit des Forschers auch für diese zwei Medien zu: „Das
Spartenprofil der Berichterstattung definiert Kultur im Wesentlichen als Theater, Musik,
bildende Kunst und Literatur.“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172)
Offenbar sind in den untersuchten Medien Beiträge zu diesen Sparten eher in den
Kulturressorts platziert worden als andere Beiträge. Genauere Daten dazu gibt Müller-
Sachse nicht an. Er stellt lediglich fest, dass Beiträge zu „Kino, Massenmedien wie
Hörfunk und Fernsehen sowie alle sonstigen Kulturthemen in der Regel irgendwo
zwischen Politik, Lokalteil und Vermischten Nachrichten vagabundieren“ während
Beiträge zu „Theater, Literatur, Kunst und Musik“ basierend auf ihrer Platzierung
als „Inbegriff des Feuilletons“ gelten können (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 584).
Diese Ergebnisse interpretiert Müller-Sachse als Bestätigung für die von Glotz
kritisierte, auf Hochkultur im engen Sinne fixierte „nicht-kommunikative, esoterische
Haltung der musisch-ästhetischen Eliten“ (GLOTZ, 1968, S. 72). Müller-Sachse erkennt
in der Dominanz der Sparten Theater, Literatur, Kunst und Musik ein „Präferenzmuster,
das von einem verengten, bürgerlichen Kunstkultur-Begriff bestimmt wird“ (FRANK/
MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 172). Ob dieses Urteil allerdings nicht zum Teil
auch auf die Anlage der Untersuchung zurückgeht, muss zumindest überlegt werden.
Denn Themenfelder wie Naturwissenschaft oder Religion wurden per Definition nicht
als Kulturberichterstattung erfasst. Insofern ist der Anteil der Kultur im engen Sinne –
wie Theater, Literatur – natürlich hoch. Selbst wenn ein Medium einem weiten
Kulturbegriff folgend zum Beispiel die Wissenschaft als Thema der
Kulturberichterstattung begreift und entsprechend im Feuilletonressort platziert, wird
der Ansatz Müller-Sachses einen engen Kulturbegriff feststellen, weil der Untersuchung
ein in diesem Sinne enger Kulturbegriff zugrunde liegt. Allerdings gibt die
Untersuchung Müller-Sachses zumindest Anzeichen für eine Dominanz der
Hochkultur im engen Sinne gegenüber der Populärkultur im engen Sinne. So lässt sich
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 50

zumindest der geringe Anteil der Sparte Kino, aus der tendenziell viele Werke zur
Populärkultur im engen Sinne zählen, interpretieren (vgl. S. 52ff.)
Gernot Stegert bestätigt zumindest die Tendenz dieser Einschätzung für sein
Untersuchungsmaterial von 1993. Zwar stellt Stegert fest, dass einzelne Sparten wie
Kabarett und Popmusik sich im Vergleich zu Müller-Sachses Untersuchung in der
Kulturberichterstattung etabliert haben (STEGERT, 1998, S. 25). Doch führen den
Flächenanteilen nach wie bei Müller-Sachse Literatur, Musik und darstellende Kunst in
der Kulturberichterstattung. Die stark abweichenden Flächenanteile der Literatursparte
in beiden Untersuchungen können auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein: auf
Medienauswahl, Untersuchungszeitraum, das jeweils unterschiedliche Sparten
ausklammernde Analyseinstrument oder tatsächlich auf Veränderungen in der
Kulturberichterstattung.

Tabelle 12: Anteile von Kultursparten nach Zeilenumfang an der Kulturberichterstattung in


Printmedien 8.-14.11.1993
Zeilen %
Literatur 35,7
Musik 11,4
Bildende Kunst 9,5
Darstellende Kunst 13,4
Film (Kino/Video) 10,9
Allgemeines 6,1
Historisch-Kulturelles 3,5
Geistiges Leben 5,6
Kulturjournalismus 0,9
Architektur 2,3
Glossen/Feuilletons, etc zu Nichtkulturellem 0,6
Basis: n=3187 Beiträge | Quelle: STEGERT, 1998, S. 123

Aus seiner Analyse der Kulturberichterstattung nach Sparten schließt Stegert, dass „die
radikale Erweiterung des Kulturbegriffs in den 70er und 80er Jahren“ in den
deutschen Feuilletons „nur schwache Spuren“ hinterlassen hat (STEGERT, 1998, S.
251). Hier kritisiert Stegert vor allem, dass Kultur im weiteren Sinne – ob Populär- oder
Hochkultur – in der Kulturberichterstattung nicht behandelt wird:
„Formen der Alltagskultur werden in der journalistischen Praxis nicht als kulturelle
definiert, sondern finden sich in Wochenendbeilagen und Ressorts wie Modernes
Leben, Lifestyle oder Gesellschaft. Auch Medienthemen und Naturwissenschaften
haben keinen festen Platz im Feuilleton, weil für sie in den letzten Jahren bei immer
mehr Zeitungen eigene Seiten eingeführt worden sind.“ (STEGERT, 1998, S. 251f.)
Allerdings verschärft Stegert hier seine eigene Diagnose durch das verwendete
Untersuchungsinstrument. Anders als Müller-Sachse will Stegert zwar seinen
Kulturbegriff aus dem Untersuchungsmaterial ableiten. Allerdings schließt auch er mit
seiner gewiss transparenteren und weit weniger willkürlichen Methode bestimmte
Themen aus dem Feld der Kultur im weiteren Sinne von seiner Untersuchung aus. Zum
Beispiel Politik. Dabei räumt Stegert ein, dass im Feuilleton durchaus Texte zur Politik
erscheinen, zum Beispiel brachte die Süddeutschte Zeitung im Untersuchungszeitraum
„eine Serie über den Zustand der politischen Parteien in Deutschland im Feuilleton“
– doch Stegert schloss dennoch das Thema aus, denn dies hätte seinem
Untersuchungsaufbau folgend bedeutet, dass bei der Analyse des gesamten
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 51

redaktionellen Angebots „sämtliche Beiträge über Parteipolitik zum Kulturjournalismus


gezählt werden. Daß dies absurd wäre, ist evident“ (STEGERT, 1998, S. 92). Allerdings
ist der Titel von Stegerts Untersuchung „Feuilleton für alle“ vor diesem Hintergrund
irreführend: Beiträge zu politischen Themen im Feuilleton werden zum Beispiel nicht
erfasst, auch wenn ihre Funktion oder Präsentation vollkommen von der im
Politikressort abweicht und Teil eines eigenständigen Feuilletonprofils ist. Auf ähnliche
Art nivelliert Stegerts Instrument auch andere Themenprofile. So streicht er
beispielsweise Beiträge zu Medienthemen aus dem Sample, weil insgesamt mehr
Beiträge dazu außerhalb als in den Kulturressorts stehen. Allerdings verbergen sich hier
spezielle Feuilletonprofile, nämlich die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des
Spiegels, und der Abendzeitung, „die Medienthemen im Feuilleton platzieren“
(STEGERT, 1998, S. 107). Stegerts Ergebnisse sind also in Bezug auf Kultur im weiteren
Sinne mit Vorsicht zu verallgemeinern.
Ein anderes Analyseinstrument verwendet Michael Bitala in seiner Diplomarbeit. Er
vergleicht lokale Kulturseiten der Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeinen und
Süddeutschen Zeitung mit den entsprechenden Feuilletons. Bitala orientiert sich an den
Ressortgrenzen und untersucht darin jeweils alle Beiträge einer künstliche Woche aus
Ausgaben zwischen dem September 1991 und dem August 1992. Bei FAZ und SZ stellt
Bitala beim Verhältnis der Spartenanteile ähnlich Besonderheiten fest wie Müller-
Sachse – allerdings im Feuilleton, nicht in der gesamten Kulturberichterstattung: Die
SZ bietet einen höheren Anteil an Beiträgen zu Kino und Theater als die FAZ, die
FAZ misst hingegen der Literatur und der bildenden Kunst im Feuilleton mehr
Bedeutung bei – zumindest dem Anteil am Gesamtangebot nach.

Tabelle 13: Nach Umfang gewichtete Themen nach Ressort und Titel (Prozent von Beitragszahl)
Feuilleton FAZ % Feuilleton SZ %
Kultur - 6,9
Kunst 6,3 0
Musik 8,3 6,9
Theater 4,2 17,2
Literatur 16,7 10,3
Bildende Kunst 22,9 24,1
Geschichte 2,1 6,9
Architektur 14,6 3,4
Film 6,3 20,7
Massenmedien 4,2 -
Lifestyle - -
Soziales 2,1 -
Bildung 2,1 -
Politik 10,4 -
Religion 0 3,4
Recht - -
Wissenschaft 0 0
Basis: n=426 Beiträge | BITALA, 1993, S. 70

Anders als die Untersuchungen Müller-Sachses und Stegerts macht Bitala in der FAZ
ein auffälliges Angebot an Beiträgen zu Kultur im weiteren Sinne aus. Bitalas
Untersuchung zeigt, dass im Vergleich zu Frankfurter Rundschau und SZ „fast
ausschließlich im überregionalen Feuilleton der FAZ politische Themen besprochen
werden, die ansonsten – wenn überhaupt – im Politikteil einer Zeitung erscheinen.“
(BITALA, 1993, S. 72) Hätte Bitala wie Müller-Sachse und Stegert Beitrage zu
politischen Themen von seiner Untersuchung ausgeschlossen, wäre er nicht zu diesem
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 52

Ergebnis gekommen. Dies ist gerade im Hinblick auf Glotz’ und Langenbuchers Kritik
am zu engen Kulturbegriff der Feuilletons interessant. Offenbar trifft diese Kritik die
FAZ im Untersuchungszeitraum nicht vollkommen.

5.2.2 Populärkultur und Hochkultur


Die zweite Dimension des erweiterten Kulturbegriffs ist der Kontrast zwischen Hoch-
und Populärkultur. Schon in der Forderung nach mehr populärer Kultur im Feuilleton
bei Glotz war die Definition der populären Kultur nicht eindeutig (vgl. S. 41). Dieses
Definitionsproblem wirkt auch in den Untersuchungen der Medieninhalte fort. Müller-
Sachse definiert Populär- und Hochkultur anhand der Kultursparten. So gilt für ihn das
Kino als eher populäre kulturelle Erscheinungsform (vgl. S. 48). Diese Definition
differenziert er bei den erfassten Untersparten, hier allerdings vermischt seine
Definition der populären Kultur mehrere Aspekte: Ästhetik, Erscheinungskontext und
tatsächliche Rezeption. So stellt Müller-Sachse zur Theaterberichterstattung fest, dass
im Untersuchungsmaterial „eine klare Konzentration auf das Theater des ‚Kunst-
Kultur-Anspruchs’ (repräsentative Opern- und Schauspielereignisse an renommierten
Großstadtbühnen)“ vorliegt, hingegen „Boulevard, Komödie, Volkstheater,
Kindertheater, Kabarett sowie die gesamte freie Kleintheaterszene“ als „kulturell
minder relevante Unterhaltungspraxis diskriminiert werden“ (FRANK/ MALETZKE /
MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586). Hier stellt sich die Frage, ob etwa eine Inszenierung
von „Iphigenie auf Tauris“ tatsächlich zur populären Kultur wird, wenn ein Kleintheater
sie aufführt. Trotz dieser Bedenken zeigt Müller-Sachses Studie zumindest sehr klar,
dass die Feuilletons über einen kleinen Ausschnitt des gesamten Kulturangebots massiv
berichten: „Von je sechs Kritiken haben mindestens fünf den repräsentativen
Theaterbetrieb zum Gegenstand, und höchstens ein Bericht befaßt sich mit
Aufführungen, die als Unterhaltungstheater gelten.“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-
SACHSE, 1988, S. 586). In Bezug auf die Musikberichterstattung gelingt Müller-Sachse
eine einleuchtendere Differenzierung zwischen Hoch- und Populärkultur auf Basis der
Untersparten: Seinen Ergebnisse zufolge entfällt „auf Klassik, Avantgarde und
Sakralmusik (...) mehr als jedes zweite musikbezogene Berichterstattungsangebot“
während „die populären Genres wie Rock- und Popmusik, Folklore und sonstige
Unterhaltungsmusik (...) mit einem knappen Viertel des Spartenangebots“ in den von
Müller-Sachse untersuchten Medien insgesamt auskommen müssen (FRANK/ MALETZKE
/ MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 587).
Stegert hingegen stellt gegenüber Müller-Sachses Ergebnissen eine Zunahme
populärkultureller Angebote fest. Bei der Musik trennt er auf Basis ähnlicher
Untersparten (Klassik versus Pop und Rock) wie Müller-Sachse und kommt dabei zu
dem überraschenden Ergebnis, dass „populäre Musik insgesamt auffallend stark
vertreten“ ist. Das interpretiert er so: „Alte Schranken des Feuilletons sind zumindest
dem Umfang nach durchbrochen.“ (STEGERT, 1998, S. 131) Allerdings meint Stegert
hier mit Feuilleton die Kulturberichterstattung. Alle Sparten betrachtend resümiert der
Medienwissenschaftler, dass die Kulturberichterstattung in Printmedien sich – wenn
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 53

auch sehr behutsam – langsam gegenüber populärer Kultur öffnet. Denn: „neue und
populäre Kulturformen“ hätten „sehr wohl Eingang in die Kulturteile gefunden“
(STEGERT, 1998, S. 252f.). Das sind zum Beispiel: „Comic, Videokunst, Popmusik,
Kabarett etc.“. Doch haben sie als Subsparten „nicht in allen Organen das Gewicht
traditioneller Kulturformen. (...) Gerade Kabarett und Pop- bzw. Rockmusik erwiesen
sich im hier untersuchten Material als etabliert“ (STEGERT, 1998, S. 252f.).
Allerdings beruht diese Interpretation auf einem Vergleich mit den Daten Müller-
Sachses. Nur räumt Stegert selbst die zum Teil problematische Vergleichbarkeit ein:
„Fraglich ist, ob sich diese Diskrepanz der Befunde mehr auf die Zeitungsauswahl oder
mehr auf einen Wandel (...) zwischen 1988 und 1993 zurückführen läßt.“ (STEGERT,
1998, S. 131) Diese Einschränkung bezieht er zwar nur auf die Ergebnisse zu Anteilen
von Themen wie Fotografie, Performance, Installation, Video- und Computerkunst –
doch sie gilt für die gesamte Studie. Außerdem stellt Stegert die langsame Öffnung
gegenüber populärer Kultur im Gesamtmaterial fest und differenziert nicht nach
Magazinen, überregionalen und regionalen Tages- sowie Wochenzeitungen, wenn
schon nicht nach Titeln. Allein im Fazit bemerkt er, dass nur wenige Medien (Berliner
Zeitung, Tagesspiegel, tageszeitung, Stuttgarter Zeitung, Stern) der Populärkultur mehr
Fläche als der Hochkultur einräumen, während bei überregionalen Tageszeitungen die
Hochkultur dominiert (vgl. STEGERT, 1998, S. 264). Die von Stegert ausgemachte
Öffnung der Kulturberichterstattung zur Populärkultur treiben also nur wenige Medien
stark, die übrigen wohl bestenfalls zaghaft voran. Insgesamt sollte man eher von einer
schwachen Tendenz als von einem Trend zur Populärkultur im Feuilleton sprechen.

5.2.3 Vielfalt der Darstellungsformen


Mehr Vielfalt journalistischer Darstellungsformen hat Glotz im Feuilleton gefordert
(vgl. 4.2.3., 39) und Kommunikationswissenschaftler wie Reus (REUS, 1999, S. 30)
fordern sie noch immer. Festgestellt hat diese Vielfalt keine der bislang vorliegenden
Studien zu den Inhalten der Kulturberichterstattung oder der Feuilletonressorts. Müller-
Sachse beklagt „auf der Ebene der formalen Präsentation ebenso stereotype wie
unaufwendige Darstellungsformen“ (FRANK/ MALETZKE/ MÜLLER-SACHSE, 1991, S.
170) in den von ihm untersuchten Medien aus dem Jahr 1987. Konkret sind „über 90
Prozent des journalistischen Angebots (...) Routinegenres wie Meldungen, Berichte oder
Rezensionen“ während „Reportagen, Interviews, Kommentare, Essays, Glossen (...) die
seltene Ausnahme“ sind (FRANK/ MALETZKE/ MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 170f.). Stegert
kommt zum selben Befund, differenziert diesen aber nach Medientypen. Dabei bemerkt
er, „daß die Rezension bei den überregionalen Tageszeitungen die häufigste
Beitragsform ist“ (STEGERT, 1998, S. 153). Seine Untersuchung belegt dies für FAZ und
SZ: Hier sind 35, beziehungsweise bei der SZ sogar 38,5 Prozent der Beiträge
Rezensionen, während im Durchschnitt ein Viertel der von Stegert in allen Medien
untersuchten Beiträge Rezensionen sind.
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 54

Tabelle 14: Anteile der sechs häufigsten Beitragsformen (von 18) an Kulturberichterstattung von
2
FAZ, SZ und 17 weiterer Printmedien nach Anzahl der Beiträge 8.-14.11.1993
Rezension Meldung Bericht Redak. Hinweis Kommentar Essay
FAZ 35 27,9 15,9 7,1 3,3 2,7
SZ 38,5 25,7 10,1 7,3 6,4 2,8
Ø aller 19 Medien 24,8 29,5 9,2 1,9 1,9 1
Basis: n=292 Beiträge FAZ/SZ | n=3187 Beiträge insgesamt | Quelle: STEGERT, 1998, S. 150

5.2.4 Fokus auf Kultur


Als Glotz und Langenbucher einen anderen Fokus auf Kultur vom Feuilleton verlangten
(vgl. S. 40), beanstandeten sie vor allem die Gleichsetzung von Kritik zu
Kulturprodukten mit Kulturberichterstattung. Zur Analyse dieses Sachverhalts nutzt
jede bislang publizierte Untersuchung der Inhalte von Feuilletonressorts oder der
Kulturberichterstattung ein anderes Instrument. Müller-Sachse zum Beispiel leitet sein
Urteil über die im Kulturjournalismus dominierende Ereignisberichterstattung aus
den Beitragsanlässen ab. Für Berichte zum Theater stellt er zum Beispiel fest, dass „60
Prozent aller Einheiten (...) sich auf Aufführungen und andere Veranstaltungen“
(MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586) beziehen. Ähnliches gilt für die bildende Kunst, wo –
leider nicht weiter quantifiziert – das gesamte von Müller-Sachse analysierte
journalistische Angebot sich „in erster Linie auf aktuelle Ausstellungen“ (MÜLLER-
SACHSE, 1988, S. 586) bezieht. Auch in der Musiksparte erkennt Müller-Sachse in 60
Prozent der Beiträge neue Aufführungen als Anlass (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 586).
Ob allerdings diese Beiträge wirklich reine Ereignisberichterstattung sind, nur weil sie
sich auf ein Ereignis beziehen, ist fraglich. Denkbar sind ja durchaus
Hintergrundartikel, die lediglich ein neues Kulturprodukt als aktuellen Anlass
erwähnen, sich jedoch vorrangig mit langfristigen Entwicklungen und nicht dem aktuell
erschienenen Werk beschäftigen.
Stegert vermeidet diese problematische Zuschreibung, indem er statt mit Anlässen mit
der Darstellungsform argumentiert. Rezensionen rechnet er Artikel mit der Funktion
Kritik zu, Reportagen dem Funktionstyp Hintergrund, Feuilletons als Stilform dem
Funktionstyp Unterhaltung (vgl. STEGERT, 1998, S. 336f.) Diese Vorgehensweise liefert
aber keine Antwort auf die Frage, ob die Feuilletonressorts die Forderung Glotz’ und
Langenbuchers umgesetzt haben, nicht nur über Kulturprodukte, sondern auch über den
Hintergrund ihrer Produktion, über den Kulturbetrieb zu schreiben. Insofern ist Stegerts
Ansatz eine Ergänzung zu Müller-Sachses Vorgehen. Beide Methoden kombiniert mit
einem dritten Ansatz könnten erst die Frage beantworten, ob Autoren im Feuilleton
Hintergründiges über Kulturprodukte oder auch über den Kulturbetrieb schreiben und
wie wichtig dabei das Erscheinen neuer Kulturprodukte als Anlass ist. Stegert kommt
nach seiner Auswertung der Darstellungsformen zum Schluss, dass der
Kulturjournalismus „thematisch in sehr hohem Maße standardisiert“ (STEGERT, 1998, S.
146) ist. Im Gesamtangebot aller untersuchten Medien dominiert die Kritik als

2
Insgesamt: fünf überregionale, sechs regionale Tageszeitungen, zwei Boulevard- und zwei und
Wochenzeitungen, sowie je zwei Magazine und aktuelle Illustrierte. (vgl. STEGERT, 1998, S. 25)
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 55

Funktionstyp, in den überregionalen Tageszeitungen FAZ und SZ machen solche


Beiträge sogar mehr als 60 Prozent der Kulturberichterstattung aus.
Hintergrundberichte sind hier seltener als in allen von Stegert untersuchten Medien
zusammen.

Tabelle 15: Anteile der Funktionstypen an der gesamten Kulturberichterstattung von FAZ, SZ und
3
17 weiterer Printmedien nach Zeilenumfang im Zeitraum 8.-14.11.1993
Service Ereignis Hintergrund Kritik Unterhaltung sonstiges
FAZ 5,4 10,4 20,1 61,1 2,3 0,7
SZ 2,9 7,5 22,7 63,9 1,4 1,6
Ø aller 19 Medien 15,6 7,2 30,4 43,1 1,8 1,9
Basis: n=292 Beiträge FAZ/SZ | n=3187 Beiträge insgesamt | Quelle: STEGERT, 1998, S. 150

Für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung ergab die inhaltsanalytische
Untersuchung Michael Bitalas von sechs Zeitungsausgaben einer konstruierten Woche
zwischen September 1991 und August 1992 ein deutlich anderes Profil als für die
ebenfalls untersuchte Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung: 29 Prozent der
Beiträge im FAZ-Feuilleton hatten keinen oder einen anderen aktuellen Anlass als
Jahrestage, Veranstaltungen und ähnliches, was oft als Terminjournalismus bezeichnet
wird (BITALA, 1993, S. 84). Das FAZ-Feuilleton hebt sich hier deutlich vom
Rezensionsfeuilleton ab: „Somit nimmt die FAZ in ihrer Kulturberichterstattung sehr
häufig eine reflektierende Funktion wahr“ (BITALA, 1993, S. 84). Den mit 17 Prozent
im Vergleich zu FR und SZ hohen Anteil aktueller Themen außerhalb des kulturellen
Bereichs im engeren Sinne sieht Bitala als Indikator für ein besonderes Profil der FAZ:
„Insofern kann hier wiederum vermutet werden, daß sich die ‚anders aktuelle’
Berichterstattung des überregionalen Feuilletons der FAZ auf politische Berichte
bezieht, die bei anderen Zeitungen im Politikteil behandelt werden.“ (BITALA, 1993, S.
85)
Was Glotz und Langenbucher also am Feuilleton bemängelten, entdecken Studien der
Medieninhalte auch noch ein Vierteljahrhundert später in den entsprechenden
Angeboten – allerdings nicht in allen Medien mit gleicher Ausprägung. Die FAZ
scheint von diesem Profil abzuweichen. Dennoch bestätigen die Untersuchungen der
Medieninhalte weitgehend die Gültigkeit der Kritik Glotz’ und Langenbuchers in vielen
Punkten - aber nicht vollkommen. Abgeschwächt werden muss der Befund eines auf
Hochkultur im engen Sinne eingeschränkten Kulturbegriffs im Feuilleton. Die –
vereinzelten - Ergebnisse zu politischen Themen in den Feuilletonressorts von FAZ
und SZ deuten eine Erweiterung an. Auch scheinen die Feuilletonressorts bestimmte
Sparten, die eher populärkulturelle Werke hervorbringen, etwas mehr zu
beachten als vor einem Vierteljahrhundert – beziehungsweise überhaupt zu beachten.
Rezensionen dominieren auch weiterhin die Präsentation – vor allem in überregionalen
Tageszeitungen.

3
Insgesamt: fünf überregionale, sechs regionale Tageszeitungen, zwei Boulevard- und zwei und
Wochenzeitungen, sowie je zwei Magazine und aktuelle Illustrierte. (vgl. STEGERT, 1998, S. 25)
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 56

5.3 Rezipientenforschung
Glotz und Langenbucher haben das Angebot der Feuilletonressorts im Wesentlichen als
nicht den Rezipienteninteressen angemessen kritisiert und neben einer Veränderung der
Feuilletoninhalte eine genauere Erforschung der Rezipientenbedürfnisse gefordert. Die
Feuilletoninhalte haben sich seitdem zaghaft gewandelt, wie wissenschaftliche
Untersuchungen der Medieninhalte zeigen. Sehr zaghaft hat sich auch die Erforschung
der Rezipienteninteressen entwickelt. Was die Leser und Nicht-Leser des
Feuilletonressorts einer Zeitung eben dort vorrangig lesen, lesen würden oder
lesen wollen, hat bislang keine öffentlich zugängliche Studie erforscht. Allerdings
können die vorliegenden Ergebnisse andere Fragen zumindest ansatzweise beantworten
und so zumindest einige Koordinaten liefern, um das Angebot an Feuilletoninhalten
einzuordnen.
Die grundsätzlichste Frage ist, wie stark das Feuilleton – auch im Vergleich mit
anderen Ressorts – genutzt wird. Solche Daten können zumindest Hinweise auf die von
Glotz und Langenbucher verlangte Publikumsangemessenheit geben. Auch die
vorliegenden Daten über Kulturnutzung können, auch wenn sie nicht auf Nutzer
bestimmter Feuilletons bezogen sind, interessante Hinweise geben: Nutzen
Kulturrezipienten bestimmte Sparten exklusiv, was eine dominierende
Berichterstattung in Feuilleton rechtfertigen könnte? Lassen sich Rezipienten entlang
überwiegender Sparteninteressen teilen?
Diese Fragen soll die folgende Auswertung der bestehenden Rezipientenforschung
beantworten – zumindest in Ansätzen. Denn bei der Interpretation der vorliegenden
Daten ist Vorsicht geboten, weil die Studien mit unterschiedlichen Grundgesamtheiten
arbeiten und ihre Ergebnisse somit nur sehr bedingt vergleichbar sind.

5.3.1 Nutzung des Feuilletons und anderer Inhalte der Tageszeitung


Die Vermutung (vgl. S. 46f.) der Kommunikationswissenschaftler Reus, Schneider und
Schönbach, Kulturjournalisten würden für „ein eher kleines, privilegiertes Segment von
Mediennutzern arbeiten“ (REUS/SCHNEIDER/SCHÖNBACH, 1995, S. 312) belegen
Rezipientenbefragungen zumindest in einem Punkt: Den Selbstauskünften der –
potenziellen und tatsächlichen – Feuilletonnutzer nach ist das Publikum der
Kulturjournalisten tatsächlich klein, auf jeden Fall kleiner als das anderer Ressorts.
So antworteten bei der Erhebung für die Langzeituntersuchung Massenkommunikation
lediglich neun Prozent der befragten Zeitungsleser eines Stichtages in den alten und nur
fünf Prozent der Befragten in den neuen Bundesländern, sie hätten Beiträge im
Feuilletonressort gelesen.

Andere Daten zur Nutzung des Feuilletonressorts oder gar bestimmter Beiträge darin
sind selten. Lediglich die Tageszeitung Die Welt kann aktuelle Ergebnisse einer
Leserbefragung vorweisen. Es wurden 265 Leser im Alter zwischen 14 und 69 Jahren
befragt (am 20./21. September 2002).
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 57

Tabelle 16: Prozent von Zeitungslesern, die am Stichtag Beiträge in gewissen Zeitungsteilen lasen
Ressort Nutzung in %
West Ost
Lokalteil 78 79
Politische Nachrichten 65 56
Sportberichte 38 36
Wirtschafts- und Börsenberichte 22 10
Feuilleton 9 5
Berg/Ridder, 1996, S. 215

Die Frage zur Nutzung von Beiträgen aus bestimmten Ressorts und Segmenten der
Zeitung bezieht sich allerdings nicht auf einen konkreten Stichtag, sondern auf eine
unbestimmte Zeitspanne. Das könnte ein Grund für die im Vergleich zu den
Ergebnissen der Langzeituntersuchung Massenkommunikation hohe Feuilletonnutzung
sein. Ein anderer Grund ist vielleicht, dass hier die Leser einer überregionalen
Abonnementzeitung befragt wurden, nicht Zeitungsleser insgesamt – eine andere
Grundgesamtheit also.

Tabelle 17: Ressortnutzung durch Leser der Tageszeitung Die Welt (2002)
Frage: Ich lese Ihnen die einzelnen Teile bzw. Ressorts der Welt vor. Sagen Sie mir bitte jeweils anhand dieser Skala,
ob Sie diesen Teil/dieses Ressort immer, häufig, selten oder nie lesen.
Rangfolge % (Angabe immer/häufig von gesamt)
Titelseite 1 98
Politik 2 89
Aus aller Welt 3 88
Wirtschaft 4 87
Hauptstadt 5 82
Wissenschaft 6 68
Forum 7 67
Finanzen/Börsenteil 8 64
Sport 9 57
Feuilleton 10 45
Basis: n=265 Befragte | Quelle: Die Welt, 2002, S. 21

Obwohl also 45 Prozent der befragten Welt-Leser angeben immer, oder häufig Beiträge
im Feuilleton zu lesen – ein Vielfaches der von Berg und Kiefer ermittelten Werte für
Zeitungsleser – stimmt bei beiden Untersuchungen doch die Position des Feuilletons in
der Ressortreihenfolge nach Nutzung überein: Das Feuilleton steht unten.
Diese Daten stützen die Kritik am nicht den Lesern angemessenen Feuilleton, wie sie
Glotz, Langenbucher und in dieser Tradition auch Müller-Sachse äußern. Hinweise
darauf, warum so wenige Leser Beiträge im Feuilleton lesen, geben solche allgemeinen
Daten nicht. Feuilletonkritiker geben als Gründe einen zu engen Kulturbegriff,
insbesondere im Hinblick auf populäre Kultur, eine monotone Darstellung und einen
verengten Fokus auf Kulturprodukte an (vgl. S. 38ff.). Die Nutzung einzelner
Beiträge, auf die solche Kritik zutrifft oder nicht zutrifft, könnte Anzeichen für die
Stichhaltigkeit dieser Kritik sein. Solche Studien existieren nicht oder werden
zumindest nicht veröffentlicht. Verfügbar sind allein Auszüge eines Copytests der
Süddeutschen Zeitung zur Ausgabe vom 4. April 1991, die Bitala in seiner Arbeit
anführt. Er interpretiert die Ergebnisse als Belege für die Kritik am Feuilleton Müller-
Sachses, weil die Untersuchung zeige, „daß Themenbereiche und journalistische
Darstellungsformen, die bisher im Feuilleton zu kurz kommen, einen vergleichsweise
hohen Leseranteil erzielen.“ (BITALA, 1993, S. 25) So haben beispielsweise 22 Prozent
der Leser zumindest teilweise die Filmkritik im SZ-Feuilleton der untersuchten
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 58

Ausgabe gelesen, „während der Aufmacher an diesem Tage ‚Sangeskunst und


Reiselust’ über den 3. internationalen Chorwettbewerb in Budapest nur sechs Prozent
erreicht“ (BITALA, 1993, S. 25). Das weist zumindest auf eine breitere Rezeption von
Beiträgen zur Populärkultur hin. Aber natürlich kann in diesem Fall die Rezeption auch
auf andere Faktoren wie Präsentation des Beitrags oder dergleichen zurückgeführt
werden. Ähnlich vieldeutig sind alle von Bitala zitierten Einzelergebnisse zu konkreten
Beiträgen. Die These, dass sowohl Themen als auch Präsentation im Feuilleton Gründe
für dessen geringe Nutzung sind, stützt eine den von Bitala zitierten Copytest
flankierende Leserbefragung der Süddeutschen Zeitung. Darin kritisieren die meisten
der befragten SZ-Abonnenten die Verständlichkeit und Lesbarkeit des Feuilletons
als „weniger gut, beziehungsweise schlecht“ (vgl. BITALA, 1993, Anhang). Anders als
bei der Nutzung führt das Feuilleton in dieser Rangliste mit 15 Prozent.

5.3.2 Interesse an kulturellen und anderen Themen


Eine mögliche Erklärung für die im Vergleich zu anderen Ressorts geringe Nutzung des
Feuilletons könnte sein, dass Rezipienten ohnehin ein geringes Interesse an
Kulturberichterstattung haben. Tatsächlich entspricht die Rangfolge bei der Verteilung
des Interesses auf bestimmte Themenfelder ungefähr der in Rezipientenstudien
abgefragten Nutzungsrangfolge der thematisch zuzuordnenden Ressorts: Das Feuilleton
folgt bei der Ressortnutzung an letzter Stelle nach dem Wirtschaftsressort. Das Interesse
an Kultur im engeren Sinne – von Berg und Ridder als Themenfeld „Kunst, Literatur,
Theater“ abgefragt – ist in der Bevölkerung ebenfalls geringer als das am politischen
Geschehen oder Wirtschaft und Börse.
Das hohe – nach Selbstauskunft – Interesse am gesondert abfragten Themenfeld
„Medien“ zeigt: Es besteht durchaus ein vergleichsweise hohes Interesse an einem
Thema, das ohne weiteres der Kultur und damit der Kompetenz des Feuilletonressorts
zugerechnet werden könnte – und den Kritikern eines zu engen Kulturbegriffs im
Feuilleton zufolge auch diesem Ressort zugerechnet werden sollte. Deshalb sind diese
Umfrageergebnisse nicht als Bestätigung des bisherigen Feuilletonangebots zu
interpretieren, in dem Sinne, dass es ja ohnehin „aufgrund der Besonderheit des
Feuilletons und seines Gegenstandes, der Kunst“ (MAURUSCHAT, 2001, S. 20). Das hier
angedeutete geringe Interesse an Kulturberichterstattung kann nicht ohne weiteres
als Hinweis darauf interpretiert werden, dass das Feuilletonangebot nur aufgrund
eines externen Faktors so wenig genutzt wird - weil eben das Interesse an
Kulturberichterstattung gering ist. Denn was die befragten Rezipienten unter
Kulturberichterstattung in Medien verstehen, kann ja durchaus durch das mediale
Angebot bestimmt sein. Denkbar ist also: Das Interesse an Kultur ist hoch, das
Interesse an Kulturberichterstattung geringer, weil die Befragten aufgrund der
bisherigen Inhalte des Kulturjournalismus einen unbefriedigenden Unterschied
zwischen Kultur und Kulturjournalismus sehen. Deshalb ist eine Auswertung der
Studien zu Kulturinteresse, aber auch Kulturnutzung der Bevölkerung interessant.
Flankierende Ergebnisse zur Kulturnutzung sind besonders spannend, weil bei solchen
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 59

Fragen nach konkretem Verhalten die Möglichkeit, sozial erwünschte Antworten zu


geben, geringer ist als bei reinen Interessenbekundungen.

Tabelle 18: Themeninteressen der Bevölkerung 2000 – BRD gesamt, sehr/etwas interessiert (%)
Geschlecht Bildung4 Alter
Gesamt M F niedrig mittel hoch 14-29 30-49 50+
Medizin, Gesundheit, Ernährung 80 72 78 84 77 73 31 36 52
Politisches Geschehen 75 79 71 73 74 83 60 73 84
Medien 75 76 74 72 77 78 80 75 72
Ratgeber- und Verbraucherthemen 74 70 78 79 72 65 53 79 80
Arbeit, Beruf, Ausbildung 69 71 68 62 76 75 85 81 52
Kriminalität und Katastrophen 59 58 60 65 58 45 68 58 56
Wirtschaft und Börse 47 57 38 42 48 61 42 48 49
Kunst, Literatur, Theater 42 34 49 36 41 59 31 36 52
Berg/Ridder, 2002, S. 115

5.3.3 Interesse an und Nutzung von Kulturangeboten


Eine genauere Erforschung der Rezipientenbedürfnisse in Bezug auf Kultur und
Orientierung der Feuilletons an diesen Ergebnissen haben Glotz und Langenbucher vom
Kulturjournalismus gefordert (vgl. S. 38ff.). Die Forschungsergebnisse sind nicht
umfangreich, doch umfangreich genug, um erste Antworten zu liefern. Bei den Studien
zu den Inhalten der Feuilletons und der Kulturberichterstattung (vgl. S. 47ff.) sind zwei
Sachverhalte aufgefallen: Zum einen, dass vier Kultursparten - Theater, Musik, bildende
Kunst und Literatur - die Inhalte des Kulturjournalismus in den untersuchten
Printmedien, auch den Feuilletons von FAZ und SZ, dominieren. Zum anderen, dass
viele Details der Studien auf eine Dominanz von Hochkultur im engeren Sinne in der
Kulturberichterstattung, insbesondere der in den Feuilletonressorts, hindeuten. Es
stellen sich also die Fragen: Welche Kultursparten favorisiert die Bevölkerung wie
stark? Und: Wie groß sind Interesse an und Nutzung von Populär- und Hochkultur
im engeren Sinne im Vergleich? Eine dritte Frage resultiert aus der möglichen
Interpretation der Ergebnisse, dass Feuilletonressorts für eine Zielgruppe gemacht sind,
die sich ausschließlich oder zumindest überwiegend für Hochkultur im engeren Sinne
interessiert. Zu klären ist, ob so klar trennbare Rezipientengruppen existieren.
Wie die Interessen an bestimmten Kultursparten in der Bevölkerung verteilt sind, zeigt
in Ansätzen eine Befragung im Auftrag von ARD und ZDF. Befragt wurden im März
und April 1989 in der Bundesrepublik Deutschland 3000 zufällig ausgewählte Personen
über 14 Jahren (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 351). Die Kulturinteressen wurden nur
in den fünf Kultursparten „Theater, belletristische Literatur, Malerei/bildende Kunst,
Musik und Spielfilm“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 350) abgefragt. Die Forscher
differenzieren zwischen populär- und hochkulturellen Erscheinungsformen innerhalb
der Sparten. Als Basis für die Differenzierung haben die Forscher im Vorfeld Werk-
und Autorentypologien, aufgrund von Experteninterviews gebildet. Abhängig von dem

4
niedrig=Volks-/Grund-/Hauptschule; mittel=weiterführende Schule/Mittlere Reife;
hoch=Abitur/Hochschulreife/Studium
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 60

Wissen der Befragten über diese Werke und Kulturproduzenten sie Interessentypen
zugeordnet (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 351).
Bemerkenswert ist zunächst die Erkenntnis über das allgemeine, spartenübergreifende
Kulturinteresse der Befragten: Auf der Basis mehrerer Variabelausprägungen – etwa
zu kulturellem Interesse oder Nutzung von Kulturangeboten vor Ort – erstellte das
Forscherteam mittel Clusteranalyse eine Typologie mit vier Nutzergruppen (vgl.
ECKHARDT / HORN, 1991, S. 363f.). Demnach ist das Kernpublikum des Kulturbetriebs
mit 12,7 Prozent zwar gering. Doch das Interesse an Kultur ist weit größer – größer
auch als die Nutzung der Feuilletonressorts (vgl. S. 56ff.) oder das Interesse an
Kulturberichterstattung (vgl. S. 58ff.) vermuten lässt: ein Drittel (31,2 Prozent) der
Bevölkerung sind Gelegenheitsnutzer von Kulturangeboten, 45,1 Prozent die
Unterhaltungsorientierte. An Kulturangeboten im eigentlichen Wortsinn sind lediglich
11,1 Prozent so genannte „Kulturferne“ (vgl. ECKHARDT / HORN, 1991, S. 363)
vollkommen desinteressiert. Das übrige, große Interesse an Kultur verteilt sich sehr
unterschiedlich auf die einzelnen Sparten. Der Anteil der Desinteressierten ist bei
Theater und bildende Kunst mit jeweils ungefähr einem Drittel von allen Sparten am
höchsten. Die Gruppe der Zufallsinteressierten, beziehungsweise Ex-Leser ist ebenfalls
nicht „dem weitesten Besucherkreis“ (FRANK/ MALETZKE / MÜLLER-SACHSE, 1988, S.
223) – hier auf das Theater bezogen – zuzurechnen, weil sie zwar einmal mit diesen
Kultursparten in Berührung gekommen sind, aber ihre abgefragten Kenntnisse und
Erfahrungen kein Interesse verraten. Die wenigsten Desinteressierten weist das Kino
mit 17,2 Prozent der westdeutschen Bevölkerung im Jahre 1989 auf. Hier sind die
Anteile also genau umgekehrt zu den Flächenanteilen der einzelnen Sparten an der
Kulturberichterstattung, bei der das Kino weniger Anteil an der Gesamtbeitragsmenge
und -fläche hat als Theater, bildende Kunst und Literatur.

Tabelle 19: Interessentypen in den verschiedenen Kulturbereichen in Prozent der


Gesamtbevölkerung (Bundesrepublik, 1989)
Malerei/Bildende
Theater Belletristik E-Musik U-Musik Spielfilm/Kino
Kunst
Desinteressierte: Nichtleser: Desinteressierte: Desinteressierte: Desinteressierte: Desinteressierte:
34,4 19,5 33,7 28,6 30,2 17,2
Zufallsinteressiert.: Exleser: Zufallsinteressiert.: Populärinteressiert Populärinteressiert Zufallsinteressiert.:
34,4 32,9 33,8 33,4 22,6 27,0
Unterhaltungsleser Unterhaltungsorie.
16,3 25,8
Bildungsorientiert: Bildungsleser: Bildungsorientiert: Musikliebhaber: Liebhaber: Bildungsorientiert:
19,6 20,0 22,5 24,7 23,3 15,2
Theaterkenner: Literaturkenner: Kunstkenner: Musikkenner: Kenner: Cineasten:
11,6 11,3 10,0 13,4 23,7 14,1
Eckhardt / Horn, 1991, S. 352

Die tatsächliche Nutzung entsprich in etwa dem Verhältnis der Sparten untereinander
beim Kulturinteresse der Befragten: In den sechs Monaten vor der Befragung haben
20,2 Prozent der Befragten eine Theateraufführung besucht (ECKHARDT / HORN, 1991,
S. 351), 14,5 Prozent waren in einer Kunstausstellung.“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S.
356). Einen Roman, Erzählungs- oder Gedichtband haben in diesem Zeitraum 67,4
Prozent der Befragten gelesen (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Hier entspricht der
hohe Anteil zumindest der Literatursparte an der Kulturberichterstattung einer hohen
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 61

Nutzung. Überhaupt nicht stimmt dieses Verhältnis zwischen Nutzung und


Berichterstattung jedoch beim Film überein: 43 Prozent der erwachsenen
Bevölkerung waren in dem halben Jahr vor Befragung mindestens einmal im Kino
(ECKHARDT / HORN, 1991, S. 361).
Die zweite Frage nach dem Ausmaß des Interesses an Populär- und Hochkultur in der
Bevölkerung ist schwerer zu beantworten. Denn die Studie im Auftrag der ARD/ZDF-
Medienkommission trennt bei der Auswertung der Rezipientenbefragung nicht so
eindeutig zwischen Hoch- und Populärkultur wie zwischen den einzelnen Kultursparten.
Für einige Sparten liefern sie jedoch entsprechende Analyse. Auffällig ist
beispielsweise, dass bei der Theatersparte „eine Segmentierung des Publikums in
Nutzer der Hochkulturpraktiken und Nutzer von populären Angebotsformen
nicht festzustellen“ (FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 223) ist. Im
Gegenteil: Wer ein „besonders ausgeprägtes Interesse am institutionellen Theatersektor
bekundet“ gehört auch zu den häufigen Besuchern „von nicht-institutionellen oder
populären Theaterpraktiken“ (FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 223). In der
Belletristiksparte scheint eine Differenzierung zwischen populär- und hochkulturell
interessierten Leser hingegen möglich zu sein. Die Leser aktueller, anspruchsvoller
Literatur und der Klassik – 31 Prozent aller Leser – rechnen die Forscher zum „weiteren
Leserkreis jener Literatur, die in den Feuilletons der Zeitungen besprochen“
(FRANK/MALETZKE/MÜLLER-SACHSE, 1991, S. 248) wird. Für diese Einschätzung einer
Dominanz von Hochkultur im kulturjournalistischen Angebot liefern die oben zitierten
Studien zumindest Anzeichen. Es zeigt sich, dass diese Literatursparte tatsächlich nur
von einer Minderheit der an Belletristik im weitesten Sinne interessierten Bevölkerung
favorisiert wird. Eine vergleichbare Publikumspräferenz der populären Literaturgenres
stellt auch eine für die Bundesbevölkerung repräsentative Umfrage des Instituts für
Demoskopie Allensbach fest. Moderne, anspruchsvolle Literatur und Klassiker liest nur
ein Fünftel, beziehungsweise ein knappes Zehntel der Bevölkerung nach Selbstauskunft
„besonders gern“ (INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH, 2002, S. 404).

Tabelle 20: Lieblingsbücher (Februar 2002)


Frage: „Was für Bücher interessieren Sie ganz besonders, was lesen Sie besonders gern?“ (Zahlen in Prozent)
(Darstellung von 9 aus 20 Kategorien)
Bevölkerung insgesamt Rangfolge M F
Reiseführer 35 1 35 35
Krimis 34 2 32 36
Unterhaltungsromane, Liebesromane 32 3 12 51
Moderne, anspruchsvolle Literatur 20 12 14 26
Klassiker wie Goethe und Schiller 9 18 6 11
Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach, 2002, S. 404

Insgesamt zeigen diese vereinzelten Ergebnisse, dass zwar einerseits populäre Kultur
in vielen Fällen ein größeres Publikum hat als hochkulturelle Produkte.
Andererseits zählen die Nutzer von Hochkultur aber auch in manchen Sparten
häufig zum Publikum der populärkulturellen Angebote. Wenn also auch das
Interesse für Populärkultur größer ist, kann dieses Publikum nicht einfach von dem der
Hochkultur getrennt werden.
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 62

Das beantwortet die dritte Frage schon zum Teil: Gibt es bestimmte exklusive
Nutzergruppen einzelner Sparten oder hoch- beziehungsweise populärkultureller
Angebote? Es scheint weder das eine noch das andere zuzutreffen. Die ARD/ZDF-
Kulturstudie ergab, dass
„... eine Spezialisierung kulturellen Interesses eine rare Ausnahmeerscheinung
ist. Die entscheidende Dimension der Struktur kulturellen Interesses ist nicht der
Objektbezug, sondern die Intensität dieses Interesses.“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S.
366)
Diese Erkenntnis bestätigt eine räumlich auf ein Gebiet zwischen Bonn, Köln,
Düsseldorf, Duisburg und die angrenzenden Landkreise beschränkte Umfrage knapp
4500 zufällig ausgewählter Bürger über 14 Jahren zu Kulturnutzung und –interesse
(KEUCHEL, 2002, S. 1). Als Fazit zieht Susanne Keuchel vom Bonner Zentrum für Kul-
turforschung aus diesen „gebietsspezifischen Ergebnissen“ (KEUCHEL, 2003, S. 285):
„Kulturinteressierte neigen heute eher dazu, abends ein Theaterstück, am nächsten
Tag ein Kunstmuseum und in der nächsten Woche beispielsweise ein Jazzkonzert
zu besuchen. (...) So gibt es unter den kulturell aktiven Bürgern nur knapp 10 %, die
sich ausschließlich für eine Kultursparte interessieren.“ (KEUCHEL, 2003, S. 25)
Eine mögliche Begründung der bestehenden Feuilletoninhalte, insbesondere in
überregionalen Tageszeitungen, könnte sein, dass diese bewusst für eine kleine,
exklusiv oder zumindest vorrangig an Hochkultur interessierte Zielgruppe produziert
werden – eben für „ein eher kleines, privilegiertes Segment von Mediennutzern“ (REUS/
SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 312f.). Auch Glotz und Langenbucher räumen ein,
dass solche Angebote nicht zu kritisieren sind, solange im Gesamtangebot auch
Kulturjournalismus für vorrangig an Populärkultur interessierte Rezipienten vorhanden
ist. Doch existieren tatsächlich solche klar trennbaren Rezipientengruppen?
Kulturwissenschaftler wie Kaspar Maase beschreiben eine Nivellierung der Grenzen
zwischen Populär- und Hochkultur in der Jugendkultur der sechziger und siebziger
Jahre, als „Populärkultur Kern einer Gemeinkultur“ (MAASE, 2003b, S. 15) wurde.
Diese Vermischung beider Sphären beobachtet auch die Untersuchung zum
Kulturinteresse der Bevölkerung in der Rheinschiene. Diese Ergebnisse sind wegen der
regionalen Einschränkung der Grundgesamtheit nicht auf die gesamte
Bundesbevölkerung zu übertragen, können aber zumindest als Hinweise interpretiert
werden. Die Forscherin Susanne Keuchel differenziert die Beliebtheit kultureller
Sparten nach der Schulbildung der Befragten. Das liefert Belege für die These Maases
von einer Populärkultur als Gemeinkultur: So gehören Film ebenso wie Rock- oder
Popkonzerte in allen Bildungsgruppen zu den ersten sechs von 23 abgefragten Sparten.
Natürlich kann sich hinter diesen Angebote die Nutzung, Wertschätzung und Kenntnis
sehr unterschiedlicher Werke verbergen. Diese Differenzierung und Einschränkung der
Interpretation ist wichtig, entwertet aber nicht die Erkenntnis, dass diese Sparten in den
bislang untersuchten Feuilletoninhalten anteilsmäßig weniger vertreten waren als etwa
Theater, das lediglich ein knappes Fünftel bis hin zu einem knappen Drittel der
Befragten in allen Bildungsgruppen als bei ihnen beliebte Kultursparte angeben. Auch
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 63

Literatur ist in der bei dieser Befragung ermittelten Rangfolge der Beliebtheit kultureller
Sparten weit tiefer zu finden als in der Rangfolge nach Flächenanteilen in
Feuilletonressorts und Kulturberichterstattung (vgl. S. 48ff.): Dort führt Literatur oft,
bei den von Keuchel befragten Rezipienten kommt sie an Platz zwölf, sechzehn und
neun (KEUCHEL, 2003, S. 106).
Keuchels Ergebnisse sprechen auch gegen die Argumentation, das auf Hochkultur
im engen Sinne fokussierte Feuilleton hätte seine Berechtigung in überregionalen
Abonnementszeitungen, weil die Zielgruppe hier höher gebildete – und damit
angeblich vorrangig an Hochkultur interessierte – Leser sind. Denn zu den nach
Eigenaussage beliebten Kultursparten bei dieser Bildungsgruppe gehören Sparten wie
Musicals, Film oder Pop- und Rockkonzerte.

Tabelle 21: Ranking kultureller Sparten und Stilrichtungen nach Beliebtheit bei verschiedenen
Bildungsgruppen in der Region Rheinschiene (Auswahl der ersten zehn von 23 Kultursparten)
Rang Niedrige Schulbildung Mittlere Schulbildung Hohe Schulbildung
1. Schlager/Volksmusik: (31%) Film (46%) Film (50%)
2. Film (28%) Rock-/Popkonzerte (42%) Rock-/Popkonzerte (46%)
3. Museen/Ausstellungen (24%) Musical (35%) Museen/Ausstellungen (46%)
4. Klassische Musik (23%) Museen/Ausstellungen (30%) Musical (41%)
5. Musical (21%) Kabarett (26%) Klassische Musik (39%)
6. Rock-/Popkonzerte (17%) Klassische Musik (26%) Kabarett (36%)
7. (Kultur-/Geschichte (17%) Computer/Neue Medien (20%) Klassisches Theater (31%)
8. Klassisches Theater (17%) Kultur-/Geschichte (20%) Literatur (30%)
9. Kabarett (17%) HipHop, Techno (19%) Oper (28%)
10. Operette (17%) Klassisches Theater (19%) Computer/Neue Medien (27%)
Quelle: KEUCHEL, 2003, S. 106

Ähnliche Ergebnisse erzielten auch die Forscher bei der repräsentativen Befragung der
westdeutschen, erwachsenen Bevölkerung im Rahmen der ARD/ZDF-Kulturstudie
1989. Hier zeigte sich, dass die Nutzer von Hoch- und Populärkultur nicht auf Basis
dieses Merkmals in zwei Gruppen zu trennen sind. So besuchen „Theaterkenner (..)
häufig noch das Kino oder Rock- und Popkonzerte (...), also auch populärkulturelle
Angebote“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 354). Diese Aussage treffen die
Wissenschaftler auf Basis der abgefragten tatsächlichen Nutzung innerhalb der zwei
Wochen vor der Befragung. Vergleichbare Überschneidungen der Nutzung weisen
„Literaturkenner und Bildungsleser“ auf, die nicht nur häufig in Theater und Museen
gehen, sondern auch ins Kino (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Auch die
Kunstkenner gehen nicht nur besonders häufig ins Kino, sondern besuchen auch
vielfach „Rock/Popkonzerte sowie Kneipen mit Live-Musik“ (ECKHARDT / HORN,
1991, S. 357). Fazit der Befragung ist, dass die stark an Kultur interessierte und
Kulturangebote intensiv nutzende Gruppe des Kernpublikums „besonders intensiv die
Angebote der Hochkulturinstitutionen“ nutzt, aber „zugleich auch regen Gebrauch von
den populären Angebotsformen“ macht (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 365).
Anhand der vorliegenden Rezipientenstudien lassen sich die eingangs gestellten Fragen
so beantworten: Das Feuilleton wird weniger genutzt als andere Ressorts. Die im
Kulturjournalismus und den Feuilletonressorts von Untersuchungen der Medieninhalte
festgestellten (vgl. S. 47ff.) Anteile einzelner Kultursparten stimmen nicht mit dem in
Rezipientenstudien beobachteten Interesse an den Kultursparten überein. Auch bei den
– sich möglicherweise überschneidenden – Gruppen der Hochgebildeten und der
5 Feuilletonforschung: Themen und Darstellung nach Erweiterung des Kulturbegriffs 64

Hochkulturnutzer gibt es keine Hinweise auf eine vollkommene Deckungsgleichheit des


Angebotsprofils im Kulturjournalismus und der Rezipienteninteressen. Denn ein starkes
Interesse an Hochkultur im engen Sinne geht – so zumindest die Hinweise in
vorliegenden Untersuchungen – einher mit Nutzung von und Interesse an
populärkulturellen Sparten und Angeboten innerhalb dieser Sparten.

5.4 Zwischenfazit: Kultur und Feuilletons


Die vorliegenden Untersuchungen zu Kommunikatoren, Inhalten und Rezipienten des
Feuilletonressorts und der Kulturberichterstattung bestätigen die von Peter Glotz und
Wolfgang Langenbucher geäußerte Kritik (vgl. S. 41f.) am Feuilleton. Und sie
belegen deren Aktualität. Die Studien zeigen dass Kommunikatoren im
Kulturjournalismus überwiegend ein pädagogisches Verständnis ihrer Berufsrolle haben
(vgl. S. 44f.). Sie sehen sich als „Vermittler von Ideen“‚ als „Erzieher“ (REUS/
SCHNEIDER/ SCHÖNBACH, 1995, S. 314). Die Rollenauffassung als „neutraler
Berichterstatter“ akzeptieren Kulturjournalisten im Vergleich mit auf andere
Themengebiete spezialisierten Kollegen etwas seltener (REUS/ SCHNEIDER/
SCHÖNBACH, 1995, S. 317). Somit haben die bisherigen Studien zwar nicht inhaltlich
das Kulturverständnis der Kommunikatoren im Kulturjournalismus erfasst. Doch die
Forschungsergebnisse zeigen deutlich, woher Kulturjournalisten ihr Kulturverständnis
ableiten: nicht aus den Interessen und Bedürfnissen der Rezipienten, sondern aus der
eigenen Wahrnehmung der Kultur und der eigenen Einteilung dieser in bedeutende,
neue Ideen und weniger bedeutende Themen.
Wie dieser Kulturbegriff inhaltlich gefüllt wird, zeigen die Untersuchungen der
Medieninhalte. Hier zeichnen sich in den Inhalten des Kulturjournalismus und der
Feuilletonressorts zwar zaghafte Veränderungen in Richtung der Forderungen Glotz’
und Langenbuchers ab. So scheinen die 1988 und 1993 untersuchten Medien in der
Kulturberichterstattung nicht exklusiv auf Hochkultur im engen Sinne fokussiert zu
sein, was Glotz und Langenbucher bemängelten (vgl. S. 39). Die – vereinzelten –
Ergebnisse zu politischen Themen in den Feuilletonressorts von FAZ und SZ deuten
eine Erweiterung an (vgl. S. 48f.). Zudem tauchen in den Kulturressorts Sparten auf, die
eher populärkulturelle Werke hervorbringen, zum Beispiel Kabarett und Pop- bzw.
Rockmusik (vgl. S. 52f.). Mehr Populärkultur in Feuilletonressorts haben Glotz und
Langenbucher gefordert (vgl. S. 39f.). Allerdings dominieren den Flächenanteilen nach
die Kultursparten Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater weiterhin die
Kulturberichterstattung (vgl. S. 48f.). Als Darstellungsform überwiegt die Rezension,
wie von Glotz und Langenbucher kritisiert, auch weiterhin die Kulturberichterstattung
(vgl. S. 53f.) – insbesondere in überregionalen Tageszeitungen. Allerdings weicht das
Profil des FAZ-Feuilleton von diesem Muster ab – zumindest der Untersuchung Bitalas
zufolge (vgl. S. 54f.). Er stellt in der FAZ-Kulturberichterstattung „sehr häufig eine
reflektierende Funktion“ fest (BITALA, 1993, S. 84). Die so strukturierten Inhalte nutzen
weniger Rezipienten als zum Beispiel das Lokal- oder Politikressort (vgl. S. 56f.). Die
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 65

Ergebnisse von Untersuchungen zu Kulturinteressen und –nutzung deuten auch


mögliche Gründe für die geringe Feuilletonnutzung an: Die im Kulturjournalismus und
den Feuilletonressorts von Untersuchungen der Medieninhalte beobachteten Anteile
einzelner Kultursparten weichen deutlich vom in regionale und zeitlich eingeschränkt
Untersuchungen ermittelten Interesse bestimmter Rezipienten an Kultursparten ab. So
liegt zum Beispiel der Film bei den Interessen der Rezipienteninteressen auf den
vorderen Plätzen, nicht aber bei den Anteilen an der Kulturberichterstattung.
Die Kritik Glotz’ und Langenbuchers an nicht publikumsgerechten Feuilletoninhalten
untermauert die Rezipientenstudien im Hinblick auf die Trennung von populär- und
hochkulturellen Werken. Tatsächlich scheint die Mehrheit der Rezipienten an
populärkulturellen Werken und Sparten stärker als an hochkulturellen interessiert zu
sein. Das Übergewicht von Hochkultur im engeren Sinn im kulturjournalistischen
Angebot ist insofern nicht publikumsgerecht. Eine wichtige Entdeckung liefern die
Rezipientenuntersuchungen aber auch im Hinblick auf die Teilgruppe der an
Hochkultur Interessierten: Diese Rezipienten sind an Populärkultur keineswegs des-
sondern in bestimmten Sparten sogar stärker interessiert als andere Publikumsgruppen
(vgl. S. 59ff.) Deshalb entspricht eine auf Hochkultur im engeren Sinn festgelegte
Kulturberichterstattung auch nicht den Interessen des hochkulturell interessierten
Publikumssegments.
Angesichts dieser Ergebnisse aus vorliegenden Untersuchungen zu Medieninhalten und
Rezipienteninteressen müssten Feuilletonkommunikatoren eigentlich die von Glotz und
Langenbucher verlangte Erweiterung des Kulturbegriffs umsetzen. Reus hat das daraus
folgende Programm formuliert: „Gerade weil die Bedürfnisse des Publikums so
unterschiedlich sein können, müßte das Ethos der Kritiker Offenheit und Vielfalt heißen
…“ (REUS, 1999, S. 68). Betrachtet man allerdings die Ergebnisse der Kommunikator-
forschung, scheint eine solche Wende in den Feuilletonressorts sehr unwahrscheinlich.
Und doch haben Feuilletonjournalisten seit Anfang der neunziger Jahre neue Konzepte
für ihr Ressort erprobt und in einigen Debatten diskutiert.

6 Feuilletongegenwart: Diskussion und


Umsetzung neuer Konzepte
Seit Anfang der neunziger Jahre – größtenteils nach den Untersuchungszeiträumen
der vorliegenden empirischen Untersuchungen der Feuilletoninhalte (vgl. S. 47ff.) -
haben Feuilletonjournalisten in mehreren Debatten neue Konzepte für das Ressort
diskutiert und einige umgesetzt. Umfassende wissenschaftliche Studien dieser Konzepte
fehlen bislang, abgesehen von einer Untersuchung lokaler Kulturseiten. Eine
Darstellung der Kommunikatoraussagen zu diesen Konzepten und der wenigen
Untersuchungen dient dem Erkenntnisinteresse dieser Arbeit. Denn zum einen
begründen konkrete Veränderungen der Angebote Untersuchungszeitraum und
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 66

Untersuchungsobjekte der Arbeit. Zum anderen soll die Arbeit die Inhalte der
untersuchten Angebote nicht nur unter- und miteinander im Lauf der Zeit vergleichen,
sondern auch in die Debatte über Feuilletonprofile und einen möglichen
Wandlungsprozess einordnen.
Deshalb soll der folgende Abschnitt diese Fragen beantworten: Welche konkreten
Vorstellungen von Feuilletonprofilen lassen sich in den Debatten über das Feuilleton in
den vergangenen zehn Jahren beobachten? Wie äußern sich Feuilletonkommunikatoren
zu Kulturbegriff und Präsentation von Feuilletoninhalten? Wie verhalten sich diese
Positionen zur Feuilletonkritik Glotz’ und Langenbuchers? Welche konkreten
Veränderungen setzten Ressorts in jüngster Zeit um?

6.1 Feuilletonkonzepte
In den neunziger Jahren tauchen einige Ressortkonzepte als Schlagworte immer wieder
in den Debatten unter Feuilletonkommunikatoren über neue Konzepte für ihr Ressort
auf. Im Folgenden werden sie kurz dargestellt.

6.1.1 Politisches Feuilleton


Politische Themen griffen die deutschen Feuilletonressorts nachweislich während der
1910er (vgl. S. 24f.) und 1920er Jahre (vgl. S. 25ff.) auf. In den Feuilletonressorts der
Nachkriegszeit, aber auch der 60er und 70er Jahre sind solche Inhalte zumindest nicht
nachgewiesen. Anfang der neunziger Jahre jedoch stellt Michael Bitala in seiner
Untersuchung der Inhalte von Feuilletonressorts und lokaler Kulturseiten, vor allem auf
den Feuilletonseiten Themen aus Geschichte und Politik fest, „was jedoch in der
Analyse hauptsächlich auf die FAZ zurückgeführt werden konnte und somit die
Ausnahmerolle dieser Zeitung ein weiteres Mal bestätigte“ (BITALA, 1993, S. 82).
Tatsächlich scheint das politische Feuilleton zunächst eine Besonderheit des FAZ-
Feuilletons gewesen zu sein. Jens Jessen, ehemaliger Feuilletonredakteur der FAZ und
heute Feuilletonchef der Zeit, zufolge entstand das Konzept „im Kulturteil der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den späten achtziger Jahren“ (JESSEN, 2002a, S.
30). Damals begann das FAZ-Feuilleton, die Stasiverwicklungen von DDR-
Schriftstellern zu diskutieren. Diese Verbindung von Kultur im engeren und Kultur im
weiteren Sinn machen auch der Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung Claudius Seidl (SEIDL, 2000, S. 40f.) und der Leipziger Journalistik-
Professor Michael Haller als Beginn eines politischen Feuilletons in der FAZ. Haller
sieht die damalige Entwicklung positiv, das Feuilleton ergänzte seiner Meinung die
Lücken der Berichterstattung in den politischen Ressorts: „Die ersten hintergründig
geschriebenen Reportagen über die kulturellen Brüche und Verwerfungen im Prozess
der Wiedervereinigung standen nicht im Politikteil, sondern im Feuilleton.“ (HALLER,
2003, S. 3)
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 67

Die hintergründige Berichterstattung zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinn


scheinen auch andere überregionale Feuilletons zu bieten. Der Ressortchef Innenpolitik
bei der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl hält kommentierende Hintergrund-
artikel zu politischen Themen im Feuilleton für wichtig, „weil sie Parallelen
aufdecken, die im politischen Teil selten aufgedeckt werden: So wird Politik aus einem
anderen Fundus illustriert.“ (PRANTL, 2000, S. 37) Diesen Fokus auf den Hintergrund
von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne sieht auch Jessen als eine besondere
Eigenschaft der politischen Feuilletons: „Sie wurden Ressort für das Prinzipielle.“
(JESSEN, 2002a, S. 33) Das politische Feuilleton berichtet nicht nur über den
Hintergrund von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne. Manchmal verbinden
Beiträge die beiden Bereiche der Kultur im engen und im weiten Sinne. So beschreiben
zumindest Feuilletonkommunikatoren die Machart entsprechender Texte. Claudius
Seidl sieht Feuilletonjournalisten als Experten für die Analyse von
Politikinszenierungen an. Deshalb wären Themen wie der zweite Golfkrieg, die
Bürgerkriege im Balkan oder der Krieg der NATO im Kosovo im Feuilleton
gerechtfertigt: „Der Kritik der Politik muss die Kritik ihrer Inszenierung vorausgehen
...“ (SEIDL, 2000, S. 41) Auch der ehemalige SZ- und heutige FAZ-Kunstkritiker Maak
sieht in der ästhetischen Fachkenntnis der Feuilletonjournalisten eine Basis für
Gegenwartsanalysen: „Kunstkritik ist immer auch politisch – gerade dort, wo sich in
Plädoyers, Rezensionen, Portraits auf ästhetische Phänomene der Gegenwart Bezug zu
nehmen weiß.“ (MAAK, 1999, S. 365) Als Beispiele nennt Maak den neuen Berliner
Historismus, das Retrodesign, die Debatte um das Holocaust-Mahnmal – Themen
anhand derer „die ästhetische Kultur und ein Bild der Gegenwart definiert und debattiert
werden können“ (MAAK, 1999, S. 365). Ähnlich beschrieb auch Hellmuth Karasek als
kommissarischer Feuilletonchef des Berliner Tagesspiegels die Form des politischen
Feuilletons. Er habe „zum Beispiel unlängst im ‚Tagesspiegel’ den Geburtstag von Al
Capone featuren lassen, weil man an dieser Figur amerikanische
Gesellschaftsgeschichte beschreiben kann.“ (MERSCHMEIER/WILLE, 1997, S. 1)
Dieses Konzept haben offenbar neben der FAZ auch andere Medien aufgegriffen.
„Allen voran“ ist Jessen zufolge die Süddeutsche Zeitung „nachzogen“ (JESSEN,
2002a, S. 32). Zumindest als Beleg dafür, dass zuerst das FAZ-Feuilleton solche Inhalte
bot, kann das Ergebnis der Studie Bitalas (vgl. S. 51f.) gelten. Er sieht auf Basis seiner
Inhaltsanalyse „das häufige Aufgreifen von politischen Themen oder die Behandlung
eines kulturellen Bereichs unter politischen Aspekten“ als eine „eine Spezialität des
FAZ-Feuilletons“ an (BITALA, 1993, S. 100). Stegert entdeckt hingegen in seinem
knapp zwei Jahre nach Bitalas liegenden Untersuchungszeitraum im SZ-Feuilleton
„eine Serie über den Zustand der politischen Parteien in Deutschland“ (STEGERT, 1998,
S. 92). Das entspricht der allgemeinen Wahrnehmung, dass 1994 der neue SZ-
Feuilletonchef Johannes Willms ein politisches Feuilleton umsetzte (vgl. S. 74).
Dieses Konzept des politischen Feuilletons bedeutet eine Erweiterung des
Kulturbegriffs in einem Sinne Glotz’ und Langenbuchers (vgl. S. 39): Weg von der
Kunstdominanz, hin zu einem umfassenderen Kulturbegriff.
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 68

6.1.2 Debattenfeuilleton
Das Debattenfeuilleton taucht als Konzept für Feuilletoninhalte in reflektierender
Beiträgen von Kommunikatoren von Mitte der neunziger Jahre an auf. Im Kursbuch
heißt es 1996 über Kontroversen, die immer wieder in der FAZ und der Zeit
ausgetragen würden: „Schlagzeilen müssen her, auch im Feuilleton. Debatten werden
vom Zaun gebrochen und sind zwei Monate später vergessen.“ (MENCK, 1996, S. 54)
Dieses Konzept entstand vielen Kommunikatoren und Beobachter zufolge ähnlich wie
das des politischen Feuilletons (vgl. S. 66f.) „bei der Neukonstitution des deutschen
Nationalstaats“, wie Gustav Seibt urteilt (SEIBT, 1998, S. 731).
Andere Themen, die Feuilletons in den neunziger Jahren in Debatten behandelten,
zählt Kulturstaatsministerin Christina Weiss auf: die Walser-Bubis-Debatte, die
Auseinandersetzung um das Holocaust-Denkmal, die Folgen der Gen- und
Nanotechnologie, Kunst in Zeiten kommunistischer Diktatur – kurz: „die wesentlichen
intellektuellen Debatten des letzten Jahrzehnts“ (WEISS, 2003). Da eine umfassende
wissenschaftliche Studie dieses Phänomens fehlt, muss diese Darstellung genügen, um
die breite der Debattenthemen in Feuilletons zu zeigen. Die Themen kommen aus der
Kultur im weiteren und im engeren Sinne, oft auch aus Schnittflächen beider Sphären.
Zum Beispiel, wenn in der Debatte um Peter Handkes Werk „Gerechtigkeit für Serbien“
Kritiker und Schriftsteller „nur am Rande literarische und ästhetische Aspekte“
berühren, vor allem aber „die inhaltliche Frage der serbischen Kriegsschuld“ diskutieren
(GÖRTZ / HAGE / WITTSTOCK, 1997, S. 275). Diese Themen verbindet Michael Haller
zufolge ihre normative Fundierung. Das Feuilleton diene hier „als Forum, um die mit
diesen Problemfragen verbundenen Wertkonflikte öffentlich zu diskutieren“ (HALLER,
2003, S. 5). Auch Feuilletondebatten zu Themen aus der Kultur im engeren Sinn
scheinen normativ aufgeladen zu sein. So macht der Germanist Robert Weninger als
Kern des deutschdeutschen Literaturstreits die Fragen nach „Freiheit oder Unfreiheit der
Kunst“ und der moralischen Verantwortlichkeit von Künstlern aus (WENINGER, 1998, S.
218). Das Debattenfeuilleton ist somit nicht über eine exklusive Themenzuständigkeit
zu definieren, sondern eher über formale Besonderheiten. Zu dieser Definition kommt
Anja Mauruschat. In ihrer Diplomarbeit hat sie 50 Debattentexte zwischen dem 10.
Oktober 1989 und dem 31. Dezember 2000 aus den Feuilletons von SZ, FAZ, FR, taz,
Zeit und Spiegel zur „Feuilletondebatte um die deutschsprachige Gegenwartsliteratur“
(MAURUSCHAT, 2001, S. 92) analysiert. Sie definiert Debattenfeuilleton als „ein
journalistisches Konzept (...), das in Abgrenzung zum Rezensionsfeuilleton in der (sic!)
neunziger Jahren von einzelnen Kulturredaktionen vertreten wurde“ (MAURUSCHAT,
2001, S. 37). Die Form kennzeichnet zum einen, dass die Autoren der Debattenbeiträge
oft besondere fachliche Autorität besitzen.
Der Literaturkritiker und Essayist Lothar Baier erkennt es als Element des
Debattenfeuilletons, wenn „ein Intellektueller eine Polemik zu einem politischen Thema
verfasst“ (NIGGESCHMIDT, 2000, S. 48). In der Tat stellt Mauruschat fest, dass in der
von ihr untersuchten Literaturdebatte Schriftstellern die meisten Beiträge - 19 Texte
oder 38 Prozent - geschrieben haben, die Literaturredakteure lediglich 36 Prozent
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 69

(MAURUSCHAT, 2001, S. 96). Eine weitere formale Besonderheit solcher Debatten


scheint – zumindest auf Basis der von Mauruschat untersuchten Artikel – der Bezug auf
andere Texte zu sein, immerhin 58 Prozent der von Mauruschat untersuchten Beiträge
hatten einen solchen Bezug (vgl. MAURUSCHAT, 2001, S. 101). Solche über einen
längeren Zeitraum thematisch verbundenen Beitragsserien mit teilweise prominenten
Gastautoren erinnern an die formalen Besonderheiten der Debatten im Feuilleton der
Frankfurter Zeitung der 1890er Jahre (vgl. S. 22ff.), wo in „belehrenden Aufsätzen“ so
genannte „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 1030) zu ihren
Fachgebieten Gastbeiträge schrieben. Es ist also denkbar, dass die Präsentationsstrategie
der Feuilletondebatte der Kritik Glotz’ und Langenbuchers an der Monotonie der
Darstellungsformen in Feuilletonressorts (vgl. S. 40) und dem verengten Fokus auf neu
erscheinende Kulturprodukte (vgl. S. 40f.) begegnet.

6.1.3 Lokale Kulturseiten


Anfang der neunziger Jahre richteten einige überregionale Tageszeitungen zusätzlich
zu den Feuilletonressorts lokale Kulturseiten ein. Anfang 1990 erschien in der
Frankfurter Rundschau der Kulturspiegel, Mitte 1991 in der Süddeutschen Zeitung die
Münchner Kultur. Die FAZ startete schon 1987 ein solches Angebot im Rhein-Main-
Teil (vgl. BITALA, 1993, S. 34). Diese Ressorts scheinen die von Glotz, Langenbucher
(vgl. S. 38ff.) und in ihrer Folge Müller-Sachse (vgl. S. 47ff.) beklagten Mängel der
Kulturberichterstattung beheben zu wollen. So klingen zumindest die
Ankündigungen zum Beispiel von „mehr Journalismus“ und einer „Alternative zu
Großkritikern und dem Hundersten-Todestag-Geharfe des großen Feuilletons“
(MÖLLMANN, 1995, S. 43) in der Süddeutschen Zeitung, eines weitergefassten
Kulturbegriffs in der FAZ-Rhein-Main-Ausgabe oder von „Pop- und Alltagskultur“
im Kulturspiegel der Frankfurter Rundschau (MÖLLMANN, 1995, S. 43).
Allerdings scheinen die Ressorts diese Versprechen nicht eingelöst zu haben. Michael
Bitala hat für seine Diplomarbeit zu diesem Thema 426 Beiträge auf 64 Zeitungsseiten
einer künstlichen Woche aus dem Zeitraum zwischen September 1991 und August 1992
ausgewertet (BITALA, 1993, S. 53). Er konnte auf den lokalen Kulturseiten von FAZ, SZ
und FR weder eine größere Themenvielfalt noch ein breiteres Kulturverständnis als in
den Feuilletonressorts nachweisen (BITALA, 1993, S. 71). Allerdings haben „Kunst,
Literatur, Geschichte, Architektur, Film und Wissenschaft“ einen größeren Anteil am
Angebot der Feuilletonressorts, während die lokalen Kulturseiten anteilsmäßig mehr
Beiträge zu „Lifestyle, Massenmedien und Musik“ bieten (BITALA, 1993, S. 71).
Allerdings scheint der von Stegert für das überregionale Rezensionsfeuilleton beklagte
Terminjournalismus auf lokalen Kulturseiten zu dominieren. Zumindest in den von
Bitala untersuchten Ausgaben berichten „lokale Kulturseiten in 75 Prozent aller Fälle
über ‚einmalige’ bzw. ‚andauernde’ Veranstaltungen. Das Feuilleton hingegen lediglich
in 34 Prozent der Fälle“ (BITALA, 1993, S. 84). Und das, obwohl Bitala hier die
Veranstaltungshinweise bereits ausgeschlossen hat. Auch der hohe Anteil des
Themenaspektes Kulturkritik von 32 Prozent der Artikel auf lokalen Kulturseiten im
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 70

Vergleich zu 24 Prozent der Beiträge im Feuilleton (BITALA, 1993, S. 73), widerlegt die
Ankündigungen der Leiter lokaler Kulturseiten, dass sie den im Feuilleton typischen
„hohen Anteil der Rezensionen (...) verringern würden.“ (BITALA, 1993, S. 74) Es
kann also nicht behauptet werden, die untersuchten Zeitungen hätten populäre
Kulturberichterstattung im Sinne Glotz’ und Langenbuchers in ein eigenes Ressort
ausgelagert. Zwar sind Abweichungen der Themenprofile im Vergleich zu Feuilletons
festzustellen, doch die in Feuilletonressorts beobachtete Dominanz bestimmter
Kultursparten (vgl. S. 48ff.) und Darstellungsformen (vgl. S. 53) scheint insgesamt auch
bei lokalen Kulturseiten vorzuliegen. Sie sind also nicht ein Komplementärangebot, das
zusammen mit dem Feuilletonressort den festgestellten Sparteninteressen des
Publikums (vgl. S. 59ff.) vollkommen entspricht. Deshalb ist die Kritik Glotz’ und
Langenbuchers an der Kulturberichterstattung insgesamt und dem Feuilleton im
Besondern auch nach der Einführung lokaler Kulturseiten aktuell.

6.2 Feuilletonisten diskutieren Inhalt und Präsentation


Ende der neunziger Jahre diskutierten Feuilletonkommunikatoren und
Kommunikationswissenschaftler Inhalte und Präsentation dieses Ressort, zum Teil vor
und zum Teil nach den Ankündigungen eines Ausbaus der Feuilletons von Frankfurter
Allgemeiner und Süddeutscher Zeitung (vgl. S. 72ff.). Die dabei bezogenen Positionen
belegen die Aktualität der Kritik Glotz’ und Langenbuchers.

6.2.1 Kulturbegriff
Mehr Kultur im weiteren Sinne anstatt der Dominanz von Themen aus der Hochkultur
im engeren Sinne hatten Glotz’ und Langenbucher gefordert (vgl. S. 39) und die haben
alle bislang vorliegenden Inhaltsanalysen im Feuilleton selten gefunden (vgl. S. 48ff.).
Kommunikationswissenschaftler wie Gunter Reus fordern also weiter, dass
Feuilletonredakteure in der Praxis akzeptieren und umsetzen müssen, dass „sich die
Vorstellung von ‚Kultur’ gewandelt hat. Längst ordnet die Gesellschaft darunter mehr
ein als nur die Künste“ (REUS, 1998, S. 16). Nämlich auch „Alltags- und Massenkultur“
(REUS, 1998, S. 16). Aber auch Wissenschaft. Das Feuilleton könnte einem erweiterten
Kulturbegriff folgend Fragen „nach dem Sinn von Erkenntnis, dem Ziel
wissenschaftlichen Ergründens und Gestaltens vorrangig als seine Fragen begreifen“
(REUS, 1999, S. 172), außerdem von „Soziologen, Pädagogen, Ökonomen (...)
Forschungsergebnisse und Modelle zu Zeit- und Streitfragen“ (REUS, 1999, S. 174)
einholen und außerdem politische Analysen (vgl. REUS, 1999, S. 178) bieten. Ein so
weiter Kulturbegriff ist bei Feuilletonkommunikatoren umstritten. In Debatten hat zum
Beispiel Zeit-Feuilletonchef Jens Jessen ausdrücklich „eine Degenerationsstufe des
Feuilletons“ abgelehnt „in dem die Redakteure nicht mehr über die Dinge schreiben,
von denen sie etwas verstehen“ – zugleich aber eingeräumt, dass „dieses dilettantische
Sich-Hinwegsetzen über die Grenzen des Expertentums (...) durchaus seinen Sinn“ hat
(JESSEN, 2002a, S. 34). Peter Iden, ehemaliger Feuilletonchef der Frankfurter
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 71

Rundschau hingegen lehnt den erweiterten Kulturbegriff ab, „der gesellschaftliche,


kulturelle Praxis geworden ist“. Denn: „Daraus folgt für die praktische Kulturszene
zunächst einmal ein enormes Maß an Verfall.“ (IDEN, 1998, S. 9f.) Ausdrücklich warnt
hingegen SZ-Autor Burkhard Müller vor einer Selbstbeschränkung des Feuilletons auf
„die Besprechung von Premieren und Neuerscheinungen und höchstens noch ein
bisschen Kulturpolitik“ (MÜLLER, 2003). Die Debatte über den erweiterten
Kulturbegriff verläuft also mehr als drei Jahrzehnte nach der Kritik Glotz’ und
Langenbuchers noch immer entlang derselben Positionen.

6.2.2 Kunstbegriff
Eine Erweiterung des Kunstbegriffs hin zur Populärkultur im engeren Sinn fordern
heute noch immer Kommunikationswissenschaftler wie Reus (REUS, 1999, S. 81) von
den Feuilletonressorts. Offenbar zurecht, denn zumindest scheint die Diskrepanz
zwischen Rezipienteninteressen und Feuilletoninhalten Kommunikatoren nicht bekannt
zu sein. So lehnt zum Beispiel der SZ-Redakteur Gustav Seibt einen größeren Anteil
von Themen aus der Populärkultur im engeren Sinne im Feuilleton ab, obwohl er
offenbar abweichende Rezipientenbedürfnisse kennt: „Das Publikum und seine
Anwälte dürfen ihre Unterhaltungsbedürfnisse wieder ohne Angst vor der Blamage zur
Geltung bringen.“ (SEIBT, 1998, S. 735) Zeit-Feuilletonchef Jessen bedauert vor allem
den Grund dafür, nämlich, dass gesellschaftskritisches Denken inzwischen „selbst in
den Verdacht des Elitären, Ausgrenzerischen geraten“ ist, „auch insofern als es einen
Verdacht auf Manipulation gegen die Massenkultur enthält“ (JESSEN, 2002a, S. 37).
Jessens Argumentation stimmt nicht mit den vorliegenden Forschungsergebnissen zu
den Kulturinteressen der Rezipienten überein. Jessen sieht das einzige Handicap der
Feuilletons in der „fortschreitenden Segmentierung des Publikums“, wegen der er
eine Spezialisierung der Inhalte empfiehlt: Das Feuilleton solle sich von der Illusion
verabschieden, für ein „allgemeines Publikum zu schreiben“ sondern stattdessen „die
Segmentierung des Interesses in der Spreizung seiner Gegenstände selbst abbilden.“
Kurz: „Der Musikkritiker schreibt eben nicht für Filmfans; und damit basta.“ (JESSEN,
2002a, S. 38f.) Hier zeigt sich die von Glotz und Langenbucher kritisierte Ignoranz
gegenüber dem Publikum (vgl. S. 38) deutlich. Denn aktuelle Rezipientenstudien
haben ergeben, dass Spezialisten in einer Sparte im Allgemeinen ein
überdurchschnittliches starkes Interesse auch an anderen Sparten haben – und
dabei durchaus die Grenzen von Hoch- und Populärkultur überschreiten. Die empirische
Forschung liefert keinen Beleg für die von Jessen angeführte Segmentierung. Im
Gegenteil: Die regional beschränkte Rezipientenuntersuchung in der Rheinschiene stellt
fest, dass dort „unter den kulturell aktiven Bürgern nur knapp 10 %, (...) sich
ausschließlich für eine Kultursparte interessieren.“ (KEUCHEL, 2003, S. 25) (vgl. S.
59ff.) Die Ansicht Jessens vertrat auf einer Konferenz zur Zukunft des Feuilletons in
Halle im September 2003 auch der Feuilletonchef der Berliner Zeitung, Stephan
Speicher. Er forderte „die Rückkehr zum Kerngeschäft des Kritikers, zu ‚Singen,
Spielen, Tanzen’“ (AREND, 2003). Dieses Verständnis des Feuilletons als Fachressort
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 72

für die Rezension hochkultureller Produkte erinnert an die von Kommunikationswissen-


schaftlern kritisierten Medieninhalte und Kommunikatoraussagen (vgl. S. 43ff.).

6.2.3 Formen
Bei Eröffnung der Hallenser Konferenz über Gegenwart und Zukunft der Feuilleton-
ressorts forderte Kulturstaatsministerin Christina Weiss mehr Lesefreundlichkeit in
deutschen Feuilletonressorts, denn die habe „nachgelassen oder wird zu häufig
missachtet“ (WEISS, 2003). Offenbar scheint die Kritik erstmals vor drei Jahrzehnten am
Feuilleton geübte (vgl. S. 40) Kritik mit Einschränkungen noch immer aktuell. So
beobachtet der taz-Feuilletonchef Dirk Knipphals, dass den tagesgebundenen Kurzessay
„derzeit viele Feuilletons pflegen“, doch viele die Feuilletonisten wieder „am liebsten
zur ernsthaften Betrachtung von Kunstwerken zurück, zum Rezensionsfeuilleton“
wollen (KNIPPHALS, 2003, S. 15). In der Tat kritisierten auf der Hallenser Konferenz
kaum Kommunikatoren die Darstellungsformen der Feuilletonressorts. Allerdings
schlug SZ-Redakteur Lothar Müller vor, mehr Inhalte „in Porträts und
Hintergrundartikeln - gar in Recherchen“ zu präsentieren (CHERVEL / SEELIGER, 2003).
Auch bei diesem Thema ähneln die Positionen stark den aus früheren Debatten
über Feuilletoninhalte vertrauten (vgl. S. 40): Rezensionen mit Fokus auf das
Kulturprodukt einerseits, mehr Reportagen, Portraits und andere Darstellungsformen
mit Fokus auf Kulturbetrieb, Kulturproduzenten andererseits.

6.3 Feuilletonprofile von FAZ und SZ

6.3.1 Tradition und Neuausrichtung des FAZ-Feuilletons 2000 bis 2001


Die erste Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am 1. November
1949. Gestaltung und Selbstverständnis orientierten sich „am publizistischen Vorbild
der renommierten, 1943 von den Nazis eingestellten Frankfurter Zeitung.“
(FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, 2003, S. 3). Das Blatt erreichte im vierten
Quartal 2003 eine durchschnittliche, IVW-geprüfte verkaufte Auflage von 388507
Exemplaren zwischen Montag und Samstag. Pürer und Raabe zählen die FAZ zu den
überregionalen Tageszeitungen. Sie ordnen die „Tradition und konservativen Werten
verpflichtete, aber parteipolitisch unabhängige Zeitung“ im weltanschaulichen
Spektrum verglichen mit anderen überregionalen Titeln zwischen „‚Süddeutsche
Zeitung’ und ‚Die Welt’“ ein (PÜRER / RAABE, 1996, S. 168).
Das Feuilleton der FAZ soll von dieser politischen Grundlinie häufig geäußerten
Bewertungen (vgl. KORDA, 1980, S. 93) zufolge „Ende der sechziger, Anfang der
siebziger Jahre“ abgewichen sein. Verantwortlich dafür soll der damalige Literaturchef
Karl Heinz Bohrer gewesen sein. Er ließ sich „auf seine Weise von der antiautoritären
Revolte angesteckt“ von den Herausgebern „nicht davon abbringen, Namen ins Blatt zu
bringen, von Enzensberger bis Habermas, ...“ (BAIER, 1999, S. 250). Diese
wahrgenommene Differenz zwischen Feuilleton- und Politikressort nivellierte nach dem
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 73

Antritt von Joachim C. Fest als Feuilletonherausgeber 1973. Er löste Bohrer als
Literaturredakteur mit Marcel Reich-Ranicki ab und sorgte dafür, „daß politische
Themen und theoretischen Debatten der Zutritt zum Literaturblatt versperrt blieb“
(BAIER, 1999, S. 251). Allerdings zeichnet das FAZ-Feuilleton auch außerhalb dieses
Abschnitts ein weiter Kulturbegriff aus: Kommunikatoren wie Hellmuth Karasek
nennen es nicht nur „das weitaus beste“ Feuilleton in Deutschland, sondern auch das
„größte und umfangreichste“ (KARASEK, 1995, S. 99) und das „Kompetenteste (...) nach
Umfang seiner Information und nach Reichweite und Aktualität der behandelten
Probleme“ (KOCH, 1989, S. 31). Hermann Glaser, der als Kulturpolitiker neben Hilmar
Hoffmann das Schlagwort vom „erweiterten Kulturbegriff“ (vgl. S. 37) mitprägte, sieht
diese Forderung im FAZ-Feuilleton weiter als in anderen Feuilletons umgesetzt: Es
gebe „wohl sonst kein Blatt, das wie die FAZ seine Arbeit an einem ungemein breiten
Kulturbegriff orientiert“ (GLASER, 2000, S. 44). Ähnlich urteilte er bereits 26 Jahre
zuvor über das „verhältnismäßig weit gefächerte Themenspektrum“ (GLASER, 1974,
S. 36) des FAZ-Feuilletons. Auf einen solchen weiten Kulturbegriff des FAZ-
Feuilletons deuten auch Ergebnisse aus empirischen Studien der Medieninhalte
jüngeren Datums hin (vgl. S. 48ff.). Dieser erweiterte Kulturbegriff, der auch „die
zeitgeschichtlichen Debatten nach der Wiedervereinigung“ (KARASEK, 1995, S. 100)
umfasst, liegt auch dem zu Beginn der neunziger Jahre im FAZ-Feuilleton beobachteten
Konzept des politischen Feuilletons (vgl. S. 66ff.) zugrunde.
Im Jahr 2000 kündigte das FAZ-Feuilleton eine Erweiterung der Berichterstattung in
ein anderes Themenfeld aus der Kultur im weiteren Sinn an. Das Ressort druckte am 6.
Juni 2000 einen Artikel des Ingenieurs und IT-Unternehmers Bill Joy über Gentechnik,
Nanotechnik und Robotik und unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“.
Ihn ergänzte eine programmatische redaktionelle Ankündigung: Das Feuilleton der FAZ
sollte sich von da ab wandeln: „In den nächsten Monaten werden wir detailliert auf sie
(die neuen Technologien, Anm. d. Verf.) eingehen (...). Gleichzeitig werden
europäische Bioinformatiker, Hirnforscher und Genforscher die Thesen Joys und
ihre Weiterungen diskutieren.“ (FAZ, 2000, S. 49) Drei Wochen später druckte das
FAZ-Feuilleton am 27. Juni 2000 auf sechs Seiten die letzte Sequenz des
menschlichen Genoms ab. Der für das Feuilleton verantwortliche FAZ-Herausgeber
Schirrmacher stellte den Ausbau unter das Schlagwort der gerade beginnenden „dritten
industriellen Revolution“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9), initialisiert durch Fortschritte
in Nano-, Gen- und Computertechnologie. Deren Protagonisten sollten als Gastautoren
der „in der FAZ geführten Debatte“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9) zu Wort kommen
und aufgestellte Thesen diskutieren (FAZ, 2000, S. 49). Die Formulierungen lassen eine
Neuauflage der bekannten Konzepte eines Debattenfeuilletons (vgl. S. 68f.) vermuten
– nur mit anderem Gegenstand: „ein starkes wissenschaftliches Feuilleton, wie FAZ-
Herausgeber Frank Schirrmacher ankündigte“ (MILZ, 2001b, S. 25). Schirrmacher
äußerte sich entsprechend über die Bedeutung von Debatten im Feuilleton:
„Wochentags findet die Debatte aktuell statt.“ Eingerichtet wurde dafür eine „tägliche
Wissenschaftsrubrik“. Daneben gehören Schirrmacher zufolge auch „grundsätzliche
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 74

Beiträge über die moralische oder theologische Problematik“ in das Tagesfeuilleton


(MILZ, 2001b, S. 26).
Nach dieser angekündigten Erweiterung des redaktionellen Angebots im FAZ-
Feuilletons in gewissen naturwissenschaftlichen Disziplinen als Teil der Kultur im
weiteren Sinne wechselten im folgenden Jahr vier leitende Mitarbeiter des FAZ-
Feuilletons zur Süddeutschen Zeitung (vgl. S. 75) Nach dieser Ankündigung am 6.
Februar 2001 warb die FAZ ihrerseits im März 2001 fünf Mitarbeiter des SZ-
Feuilletons ab, die weithin als Vertreter des so genannten Popfeuilletons gesehen
wurden. Die „jüngeren Feuilleton-Redakteure“ (HÖBEL, 2001, S. 130) waren
Vizeressortchef Claudius Seidl, Popmusikredakteur Edo Reents, Filmkritiker Michael
Althen sowie Georg Diez und Niklas Maak, die bei der SZ vor allem über Theater und
bildende Kunst schrieben. Ein Grund für diese Auswahl könnte eine geplante
Erweiterung des FAZ-Feuilletons zur populären Kultur gewesen sein. Das deutet Frank
Schirrmachers Aussage über die Ziele der Personalveränderungen an. Das Feuilleton
der letzten zehn Jahre „mit seiner traditionellen Kulturberichterstattung durchmischt
von politischen Besinnungsaufsätzen“ (MILZ, 2001b, S. 24) entspreche nicht mehr
„unseren Bedürfnissen“, sagte er. Nach dem Personalwechsel aber habe die FAZ das
Glück, „dass für uns jetzt hervorragende Repräsentanten sowohl für ein klassisches,
populäres und wissenschaftliches Feuilleton arbeiten.“ (MILZ, 2001b, S. 24f.) Für
eine Öffnung des FAZ-Feuilletons gegenüber populärer Kultur und Kultur im weiteren
Sinne spricht die nach dem Personalwechsel am 1. September 2001 eingeführte neue
Feuilletonstruktur: Hinzu kam eine tägliche Rubrik für Berichte aus der
Naturwissenschaft, eine tägliche Medienseite sowie ein täglicher Comicstrip und eine
feste Rubrik für Porträts (vgl. SCHIRRMACHER, 2001b, S. 41).
Insgesamt sind also zumindest in den Ankündigungen der Kommunikatoren Anzeichen
für eine Schärfung des weiten Kulturbegriffs als Merkmal des FAZ-Feuilletons in den
Jahren 2000 und 2001 erkennbar: einerseits durch Ausbau oder zumindest
Neuakzentuierung der Wissenschaftsberichterstattung, andererseits durch Öffnung des
Feuilletonangebots gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne.

6.3.2 Tradition und Neuausrichtung SZ-Feuilletons 2001


Die am 6. Oktober 1945 gegründete Süddeutsche Zeitung erreichte im vierten Quartal
2003 eine verkaufte Auflage von 437077 Exemplaren zwischen Montag und Samstag.
Obwohl der größte Teil dieser Auflage in Oberbayern abgesetzt wird (PÜRER / RAABE,
1996, S. 167) zählen Pürer und Raabe das Medium zu den überregionalen deutschen
Tageszeitungen. Die Blattlinie lässt sich nur schwer einer konkreten politischen
Richtung zuordnen, doch ragt „das Merkmal der Liberalität am stärksten heraus“
(PÜRER / RAABE, 1996, S. 167). Konkret wird dies bei der als vergleichsweise hoch
wahrgenommenen potenziellen Binnenpluralität, also konkret an einem hohen Grad
„der Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit der jeweiligen Leitartikler wie der
einzelnen Ressorts“ (PÜRER / RAABE, 1996, S. 167).
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 75

Kommunikatoren und Kulturproduzenten zählen das SZ-Feuilleton nicht einhellig zu


den herausragenden Angeboten des Mediums. Zwar rechnet zum Beispiel Haacke das
Ressort 1976 zu den bedeutendsten und renommiertesten der Bundesrepublik (HAACKE,
1976, S. 290). Doch in derselben Zeit kritisiert Kulturpolitiker Hermann Glaser, dass
sich das Ressort im Gegensatz „wie viele Feuilletons von Regionalzeitungen (diese im
Niveau freilich provinzieller), (...) mit einer verhältnismäßig eintönigen Aufreihung
von Besprechungen und Kurznachrichten begnügt“ (GLASER, 1974, S. 36). Einige
empirische Untersuchungen der Medieninhalte stützen (vgl. S. 48ff.) diese
Einschätzung, dass SZ-Feuilleton verfolge einen engeren Kulturbegriff als das der
FAZ. Diese Auffassung teilen über die Jahre hinweg die meisten Einschätzungen des
SZ-Feuilletons. So erklärt Hellmuth Karasek rückblickend, lange Zeit habe die
Musikkritik das SZ-Feuilleton von der Konkurrenz abgehoben (KARASEK, 1995, S.
100). Der Journalist Alfred Dürr urteilt in einem Portrait des Blattes, über das Ressort,
dass „es fast ausschließlich ein reines Kritiker-Feuilleton ist. (...) Was fehlt, ist (...) der
Versuch, über die Tagesereignisse hinaus, geistige Strömungen festzuhalten, Strukturen,
große Zusammenhänge deutlich zu machen.“ (DÜRR, 1980, S. 75) Neben dieser Kritik
an einem beherrschenden Fokus auf Kulturprodukte bemängelt Dürr eine Dominanz
klassischer Kultursparten: „Besonders auffällig ist die Vernachlässigung der sich
alternativ entwickelnden Kulturformen, die dem etablierten Kulturbetrieb
gegenüberstehen.“ (DÜRR, 1980, S. 75)
Dieses Profil wollte der 1994 angetretene Feuilletonchef Johannes Willms ändern. Er
arbeitete daran, ein „agierendes und re-agierendes Feuilleton in neuer, das Politisch-
Historische stärker unterstreichender Mixtur zu disponieren“, wie der leitende SZ-
Redakteur Joachim Kaiser es ausdrückt (KAISER, 1995). Diese Umsetzung des bereits in
der FAZ erkennbaren Konzepts eines politischen Feuilletons (vgl. S. 66f.) erweiterte
den im SZ-Feuilleton praktizierten Kulturbegriff – den Aussagen der Kommunikatoren
zufolge allerdings nicht unbedingt zur Populärkultur im engeren Sinne. Dies änderte
sich der Wahrnehmung anderer Medien nach, als 1996 Claudius Seidl zum
Stellvertreter des Feuilletonchefs Willms berufen wurde. Seidl wollte eigenen Aussagen
zufolge nicht „Sachverwalter des kulturellen Kanons sein“ (SCHNIBBEN, 1999, S. 60).
Stattdessen setzte er „Aufsätze etwa über modernes Autodesign, Internet und Mode
ebenso wie über die Hintergründe des Justizkriegs gegen amerikanische Rapper“
(HÖBEL, 2001, S. 133) durch. Diese „Arbeit Seidls und seiner Mitstreiter“ scheint
„sowohl in der Gesamtredaktion als auch im Kulturressort“ (HÖBEL, 2001, S. 133)
umstritten gewesen zu sein. Mitarbeitern zufolge wurde auf Redaktionskonferenzen „an
jedem zweiten Tag (...) der Feuilletonteil (...) ‚abgewatscht’, (...) seine Beliebigkeit
angegriffen und die Spaßkultur gegeißelt“ (SCHNIBBEN, 1999, S. 60).
Der aktuelle Umbau des SZ-Feuilletons begann offiziell mit der Ankündigung der
Süddeutschen Zeitung am 6. Februar 2001, ihr Feuilleton in den kommenden Monaten
zu verstärken. Das Blatt meldete, dass drei Redakteure aus dem FAZ-Feuilleton –
Ressortleiter Ulrich Raulff, Literaturchef Thomas Steinfeld, Kulturkorrespondentin
Franziska Augstein – zur SZ wechseln. Als Ziel dieser Anwerbung nannte SZ-
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 76

Chefredakteur Hans Werner Kilz die Stärkung der Kompetenzen „auf Sektoren wie
Literatur und Geisteswissenschaft, in denen wir erkennbar schwächer waren als die
FAZ und die Zeit“ (MILZ, 2001a, S. 25). Kilz kritisiert die wahrgenommene Stärkung
von Themen aus der populären Kultur im SZ-Feuilleton und kündigt einen Fokus auf
Hochkultur im engeren Sinne an: „Feuilleton darf nicht nur aus Hollywood und Pop
bestehen. Unsere Leser gehen schließlich auch in die Oper, ins Konzert, lesen
Bücher.“ (MILZ, 2001a, S. 25) Konkrete Ergebnisse der Leserforschung zitiert Kilz
nicht, sie liegen zumindest dem Autor dieser Arbeit auch nicht vor. Allerdings scheint
Kilz die angekündigte Neuausrichtung des SZ-Feuilletons aus Rezipientenbedürfnissen
abzuleiten. Im Spiegel sagte er, dass ein „großer Teil“ der „kulturinteressierten
Leserschaft“ der SZ „eher konservativ ausgerichtet“ ist (HÖBEL, 2001, S. 133). Wobei
diese Aussage den veröffentlichten Ergebnissen der Rezipientenforschung zum
Kulturinteresse widerspricht (vgl. S. 59ff.), die kein ausschließliches Interesse an
Hochkultur im engeren Sinne bei den besonders kulturinteressierten Publikums-
segmenten feststellen.
Die Umgestaltung des SZ-Feuilletons kündigte das Blatt offiziell am 25. September
2001 an. Unter Leitung des ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfeld führte die
SZ eine tägliche Literaturseite ein. Laut Eigenaussage will sich das Feuilleton
„verstärkt der Literatur, dem literarischen Leben und dem Buchmarkt widmen“
(SÜDDEUTSCHE ZEITUNG GMBH, 2001, S. 2). Gemeint ist damit aber nicht nur
Belletristik, sondern auch das Sachbuch einschließlich wissenschaftlicher Literatur.
Außerdem kündigt Ressortleiter Andreas Zielcke an, dass das Feuilleton „von der
heutigen Ausgabe an regelmäßig seinen Umfang erweitert“ (ZIELCKE, 2001, S. 15).
Insgesamt weisen die angekündigten Veränderungen im SZ-Feuilleton auf eine
Einschränkung der Anteile von populärer Kultur im engeren Sinn und Kultur im
weiteren Sinne am Angebot des Feuilletons hin.

6.4 Zwischenfazit
In den seit Beginn der neunziger Jahre von Feuilletonjournalisten umgesetzten
Ressortkonzepten und über ihr Ressort geführten Diskussionen zeigt sich eine generelle
Bereitschaft, das Themenspektrum gegenüber Kultur im weiteren Sinn zu öffnen.
Politische, historische und zeitgeschichtliche Themen sind zum Beispiel Kern des
Politischen Feuilletons (vgl. S. 66ff.). Dieser Begriff bezeichnet Themen wie die
„kulturellen Brüche und Verwerfungen“ (HALLER, 2003, S. 3) nach der Wieder-
vereinigung, die das FAZ-Feuilleton thematisierte, aber auch die Mitte der neunziger
Jahre vom SZ-Feuilletonchef Johannes Willms angestrebte thematische Erweiterung
seines Ressorts (vgl. S. 74f.) um politische und historische Themen.
Kommunikatoren kritisierten diese Konzepte einer thematischen Erweiterung in
Debatten über Feuilletoninhalte immer wieder massiv (vgl. S. 71). Der Feuilletonchef
der Zeit Jens Jessen und der Leiter des Feuilletons der Berliner Zeitung Stephan
Speicher forderten in einer Debatte 2003 eine stärkere Fokussierung auf Hochkultur
6 Feuilletongegenwart: Diskussion und Umsetzung neuer Konzepte 77

im engeren Sinne (KNIPPHALS, 2003, S. 15). Nicht nur in diesem Punkt, sondern auch
bei der Frage nach der Darstellung von Inhalten verlief die Debatte über
Feuilletoninhalte 2003 (vgl. S. 70ff.) ähnlich wie frühere: Eine Seite sieht das Feuilleton
als Fachressort für die Rezension hochkultureller Produkte, die andere verlangt eine
Erweiterung des Themenspektrums gegenüber populärer Kultur.
Die im Jahr 2000 angekündigten Veränderungen des FAZ-Feuilletonressorts (vgl. S.
72ff.) deuten eine thematische Erweiterung oder zumindest Neuausrichtung auf
bestimmte naturwissenschaftliche Disziplinen als Teil der Kultur im weiteren Sinne
an. Die Übernahme von SZ-Mitarbeitern und Einführung neuer Rubriken im Feuilleton
2001 wurde allgemein als Bemühen um eine Öffnung gegenüber populärer Kultur im
engeren Sinne wahrgenommen (vgl. S. 74). Die 2001 angekündigten Veränderungen
des SZ-Feuilletons deuten hingegen eine Einschränkung von Themen aus der populären
Kultur und der Kultur im weiteren Sinne an. Die Debatten über Feuilletonkonzepte
und die angekündigten Veränderungen bei FAZ und SZ zeigen, dass die Positionen
sich noch immer in den von Glotz und Langenbucher dargestellten Punkten
unterscheiden: Weite des Kulturbegriffs zwischen Hoch- und Populärkultur, zwischen
Kunst als Kultur im engeren Sinne und Kultur insgesamt, Präsentation mit
Darstellungsformen jenseits der Rezension und mit einem Fokus über Kulturprodukte
hinaus. In der jüngsten Debatte kritisierten viele Kommunikatoren stark eine als
übertrieben wahrgenommene Erweiterung des Kulturbegriffs im Feuilletonangebot.
Doch zeugen die Inhalte der überregionalen Feuilletons um die Jahrtausendwende
tatsächlich von einem so radikal anderen Kulturbegriff als ihr Untersuchungen der
Medieninhalte 1993 und 1988 feststellten? Es existieren keine empirische Studien, die
aktuell genug sind, um hier Anhaltspunkte geben zu können. Ebenso fehlen
Untersuchungen zur Umsetzung der angekündigten Veränderungen in den Feuilletons
von FAZ und SZ. Diese Fragen sollen nun vor dem Hintergrund der dargestellten
Diskussionen, Ergebnisse und Feuilletonprofile empirisch untersucht werden.
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 78

EMPIRISCHER TEIL: FEUILLETON VON FAZ


UND SZ 1997 BIS 2003

7 Stand der Forschung und Forschungsziel


Im Folgenden wird der in den vorangegangenen Kapiteln erarbeitete Forschungsstand
zusammengefasst und darauf der Forschungsbedarf sowie das Forschungsinteresse und
konkrete Forschungsfragen dieser Arbeit entwickelt.

7.1 Forschungsstand
Die aktuellsten systematisch und empirisch gewonnenen Ergebnisse zu
Gesamtinhalten des Feuilletons stammen aus einem Zeitraum im Jahr 1993 (STEGERT,
1998). Das bestätigt die Auffassung der mit dem Feuilleton beschäftigten Forscher, dass
ihr Feld bislang nur wenigen, zeitlich und thematisch eingeschränkten, zudem oft
historischen „Fallstudien“ bearbeitet wurde, die den „entwickelten programmatischen
Perspektiven aber nur selten gerecht“ werden, wie der Germanist Norbert Bachleitner
feststellt (BACHLEITNER, 2002). Insbesondere die Publizistikwissenschaft habe weniger
als erhofft zur inhaltsanalytischen Erforschung beigetragen, stellt der
Literaturwissenschaftler Kai Kauffmann in seiner „ernüchternden Zwischenbilanz der
Feuilletonforschung“ (KAUFFMANN, 2000, S. 15) fest.
Die vorliegenden Fallstudien historischer Feuilletoninhalte in ausgewählten Medien
zeigen (vgl. S. 17ff.), dass Feuilletonressorts zwar zu jeder Zeit über Hochkultur im
engen Sinn berichtet haben, aber nur in wenigen Zeitabschnitten exklusiv auf dieses
Themenfeld begrenzt waren. Eine Erweiterung hin zur Populärkultur machen
Wissenschaftler und Kommunikatoren allgemein in den zwanziger Jahren des 20.
Jahrhunderts bei der Filmkritik aus (vgl. S. 25ff.). Von einem in anderem Sinne weiten
Kulturbegriff zeugen hingegen Wissenschaft und Politik als Themen untersuchter
Feuilletonressorts im 19. und frühen 20. Jahrhundert (vgl. S. 34ff.). Die Inhalte der
Feuilletonressorts in der Bundesrepublik nach 1945 zeugen nicht von einem ähnlich
weiten Kulturbegriff (vgl. S. 32ff.; S. 47ff.). Im Gegenteil: Feuilletonressorts scheinen
ihr Angebot weg von dieser Tradition des frühen 20. und 19. Jahrhunderts
entwickelt zu haben und sich auf Hochkultur im engeren Sinne zu konzentrieren.
Dieses Angebot haben vom Ende der sechziger Jahre an Kommunikations-
wissenschaftler, vor allem Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher, als nicht den
Interessen der Lesermehrheit angemessen kritisiert. Nicht angemessen etwa dem
Interesse an populärer Kultur. Ihre Einschätzung der Angebotsstruktur als von
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 79

Hochkultur im engeren Sinne dominiert bestätigen inhaltsanalytische Untersuchungen


(vgl. S. 47ff.) Dass diese Angebote von Rezipienten konstant wenig genutzt werden,
deuten vorliegende wissenschaftliche Studien an (vgl. S. 56ff) Außerdem zeigen
Rezipientenuntersuchungen, dass selbst an Hochkultur im engeren Sinne stark
interessierte Nutzergruppen Populärkultur keineswegs ablehnen, sondern an bestimmten
Sparten sogar stärker interessiert sind als andere Publikumssegmente (vgl. S. 59ff.).
Zu dieser Kritik und den ihr zugrunde liegenden Fakten haben Feuilleton-
kommunikatoren nicht direkt öffentlich Stellung bezogen. Allerdings machen
inhaltsanalytische Untersuchungen vereinzelt eine leichte Erweiterung des
Themenspektrums der Feuilletonressorts aus. So sind in den Kulturressorts Sparten
zu finden, die eher populärkulturelle Werke hervorbringen, zum Beispiel Kabarett und
Pop- bzw. Rockmusik (vgl. S. 52). Auch politische Themen als Teil der Kultur im
weiteren Sinne entdecken einzelne Studien zumindest in den Feuilletonressorts von
FAZ und SZ (vgl. S. 51f.). Der Mangel an Untersuchungen der Feuilletoninhalte
nach 1993 auf solche Veränderungen ist eklatant. Denn in den vergangenen Jahren
haben Feuilletonkommunikatoren neue Konzepte ihrer Ressorts mehrmals
diskutiert (vgl. S. 70f.). Vor allem die beiden auflagenstärksten überregionalen
Abonnementzeitungen Deutschlands, FAZ und SZ, haben in den Jahren 2000 und
2001 einen Wandel ihrer Feuilletonressorts angekündigt. (vgl. S. 72ff.) Einen
Wandel, der zum Beispiel bei der FAZ einen erweiterten Kulturbegriff verspricht,
während SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz eine Konzentration auf Hochkultur im
engen Sinne ankündigt. Diese angekündigten Veränderungen und vor allem Ergebnisse
zur tatsächlichen Umsetzung sind für die Kommunikationswissenschaft insbesondere
vor dem Hintergrund der erstmals Ende der sechziger Jahre von den
Kommunikationswissenschaftlern Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher geäußerten
Kritik (vgl. S. 38ff.) an Inhalt und Gestaltung dieses Ressorts interessant. Anspruch und
Wirklichkeit des Feuilletonwandels bei FAZ und SZ sind nicht erforscht – diese Arbeit
soll sie untersuchen.

7.2 Forschungsziel
Wie im theoretischen Teil der Arbeit festgestellt, haben wissenschaftliche
Untersuchungen die von Glotz und Langenbucher kritisierten Sachverhalte auch zu
Beginn der neunziger Jahre in den Medieninhalten beobachtet (vgl. S. 47ff.) – aber auch
Anzeichen eines Wandels, zum Beispiel die Präsenz politischer Themen und bestimmter
populärer Kultursparten in den Feuilletonressorts. Ob diese Tendenzen sich bei den
vollzogenen personellen und den von Kommunikatoren versprochenen – und sehr
öffentlichkeitswirksam angekündigten – inhaltlichen Veränderungen (vgl. S. 72ff.)
des FAZ- und SZ-Feuilletons in den Jahren 2000 und 2001 fortsetzen, soll diese Arbeit
untersuchen. Sie soll die inzwischen zehn Jahre alten empirischen Befunde zu
Themen und Darstellungsformen im Feuilleton um eine Untersuchung der Inhalte
der Feuilletons von FAZ und SZ vor und nach dem angekündigten Wandel der
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 80

Angebote ergänzen. Diese Analyse soll sich auf die im theoretischen Teil
ausgearbeiteten Positionen in den Debatten über Inhalte des Feuilletons beziehen.
Haben die Ressorts die von Glotz, Langenbucher und anderen Kommunikations-
wissenschaftlern geforderten Veränderungen (vgl. S. 38ff.) umgesetzt? Zum Beispiel in
Bezug auf die Weite des Kulturbegriffs, bei der Auswahl der Darstellungsformen und
beim Fokus der Berichterstattung auf den Gegenstand Kultur? Ist die aus den
Ergebnissen inhaltanalytischer Untersuchungen abgeleitete Kritik am Feuilleton für die
untersuchten Feuilletonteile heute noch gültig?
Drittens soll die Arbeit die Ergebnisse dieser empirischen Analyse auf die
vorliegenden Erkenntnisse zu historischen Feuilletonprofilen beziehen. Sind die
Konzepte der Praktiker aus der jüngsten Vergangenheit (vgl. S. 66ff.) wie das politische
Feuilleton und das Debattenfeuilleton heute erkennbar? Sind in den beobachteten
Themenstrukturen der untersuchten Feuilletonressorts Parallelen zu den Besonderheiten
bestimmter historischer Feuilletonprofile zu erkennen? Das allgemeine Forschungsziel
erfasst die generelle Forschungsfrage:
F1: Wie haben sich Inhalt und Umfang der Feuilletons von Frankfurter Allgemeiner und
Süddeutscher Zeitung nach Beginn der Joy-Debatte im Juni 2000 und der Ankündigung
inhaltlicher Veränderungen im September 2001 entwickelt?

7.3 Hypothesenbildung
Es scheint sinnvoller, anstelle einer geschlossenen Generalhypothese
Forschungsfragen zu formulieren, die anhand konkreter Subhypothesen beantwortet
werden können. Der Grund dafür ist, dass diese Arbeit die Profile der Feuilletons zweier
Zeitungen miteinander vergleichen und zudem ihre Veränderungen im Lauf der Zeit
aufzeigen soll. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen außerdem einen Vergleich mit
älteren empirischen Studien ermöglichen. Das Profil eines Ressorts setzt sich aus vielen
Aspekten zusammen. Ähnlich breit angelegt sind auch die bereits vorliegenden Arbeiten
zur Kulturberichterstattung, deren Ergebnisse mit Einschränkungen dem historischen
Vergleich dienen können. Die Forschungsfragen und Hypothesen werden gebildet auf
der Basis von Ergebnissen des theoretischen Teils dieser Arbeit hinsichtlich
wissenschaftlicher Darstellungen historischer Feuilletonprofile und der
Auseinandersetzung mit dem aktuellen Feuilleton sowie Design und Ergebnissen
bisheriger empirischer Untersuchungen von Feuilletoninhalten.
Nach Sichtung dieses Materials scheint es sinnvoll, die allgemeine Forschungsfrage F1
in drei zeitlich begründete Teilbereiche zu gliedern:
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 81

7.3.1 Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im Vergleich zu


1999
Beim Vergleich des FAZ-Feuilletons vor und nach dem Beginn der Joy-Debatte im Juni
2000 und der Gegenüberstellung mit dem SZ-Feuilleton im selben Zeitraum ist diese
Forschungsfrage zu beantworten:
F2: Hat sich das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im
Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 in Umfang, Themen, Darstellungsformen,
Gestaltung und Fokus der Berichterstattung im Vergleich zum Untersuchungszeitraum
davor verändert? Wie hat sich im selben Zeitraum das Feuilleton der Süddeutschen
Zeitung (SZ) entwickelt?
Diese Hypothesen soll die Untersuchung in Bezug auf die Teilforschungsfrage F2
testen:
H1: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der FAZ ist im
Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 größer als zuvor.
H2: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der SZ ist im
Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 ebenso groß wie zuvor.
H3: Das FAZ-Feuilleton ist in den Untersuchungszeiträumen vor wie nach dem Juni
2000 absolut und in Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ.
H4: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 einen
größeren Anteil wissenschaftlicher Themen an der Gesamttextfläche auf als im
Untersuchungszeitraum zuvor. Der Anteil der Unterthemen aus der Biologie und
Gentechnologie nimmt dabei zu. Wissenschaftsthemen sind im Untersuchungszeitraum
nach dem Juni 2000 prominenter platziert als im Untersuchungszeitraum davor. Bei
Kulturthemen im engeren Sinn dominiert nach wie vor Hochkultur im engeren Sinn.
H5: Im SZ-Feuilleton verändern sich die Anteile des Themenfeldes Wissenschaft an der
Gesamttextfläche zwischen den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 nicht
deutlich. Insgesamt dominieren in beiden Zeiträumen Themen aus der Kultur im
engeren Sinne, wobei Hochkultur im engeren Sinn einen höheren Textflächenanteil
Gesamt aufweist als populäre Kultur.
H6: Im FAZ-Feuilleton nehmen Themen aus dem Obergebiet Wissenschaft, Forschung,
Technologie nach dem Juni 2000 einen größeren Anteil der Textfläche ein als im SZ-
Feuilleton. Das SZ-Feuilleton weist hingegen einen größeren Textflächenanteil
populärer Kultur im engeren Sinne auf.
H7: Im FAZ-Feuilleton haben in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000
Rezensionen den größten Textflächenanteil aller Darstellungsformen. Von 1999 zu 2000
nimmt jedoch ihr Anteil ab. Der Anteil von Essays, Hintergrundberichten und
Kommentaren steigt jedoch. Ebenso nimmt der Anteil von Artikelserien und Beiträgen
von Gastautoren an der Textfläche zu. Analog zu dieser Entwicklung der textlichen
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 82

Darstellung sinkt der Anteil von Texten ohne portionierende Layout-Elemente wie
Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche.
H8: Im SZ-Feuilleton dominiert in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 die
Rezension als journalistische Darstellungsform. Der Anteil von Artikelserien und
Beiträgen von Gastautoren steigt nicht. Der Anteil von Texten ohne portionierende
Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an
der Textfläche sinkt nicht.
H9: Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung weist in den Untersuchungszeiträumen
1999 wie 2000 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als
das FAZ-Feuilleton. Die Gestaltung des SZ-Feuilletons weist mehr
Portionierungselemente im Textteil und einen größeren Bildanteil auf als das FAZ-
Feuilleton. Am Feuilleton der Süddeutschen Zeitung haben im Untersuchungszeitraum
nach dem Juni 2000 Artikelserien und Beiträge von Gastautoren einen geringeren
Anteil als an dem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
H10: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2000 einen größeren Anteil
von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn
auf als im vorangehenden Untersuchungszeitraum.
H11: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum 2000 anteilsmäßig nicht mehr
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als
im Untersuchungszeitraum zuvor.
H12: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2000 anteilsmäßig mehr
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf
als das SZ-Feuilleton.

7.3.2 Entwicklung der FAZ und SZ nach dem Mitarbeiterwechsel im Juli


2001 und Ankündigung neuer redaktioneller Angebote
Beim Vergleich des FAZ-Feuilletons vor und nach dem Beginn der Joy-Debatte im Juni
2000 und der Gegenüberstellung mit dem SZ-Feuilleton im selben Zeitraum ist diese
Forschungsfrage zu beantworten:
F3: Wie haben sich die Feuilletons der FAZ und SZ im Untersuchungszeitraum nach
dem Juli 2001 in Umfang, Themen, Darstellungsformen, Gestaltung und Fokus der
Berichterstattung im Vergleich zum im Untersuchungszeitraum davor entwickelt?
Diese Forschungsfrage lässt sich in diese Hypothesen unterteilen:
H13: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der FAZ und die absolute
Gesamtfläche des FAZ-Feuilletons sind im untersuchten Zeitraum 2001 größer als im
untersuchten Zeitraum 2000.
H14: Der Anteil des Feuilletonteils am Gesamtangebot der SZ und die absolute
Gesamtfläche des SZ-Feuilletons sind im Untersuchungszeitraum 2001 größer als im
untersuchten Zeitraum 2000.
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 83

H15: Das FAZ-Feuilleton ist im Untersuchungszeitraum nach dem Juli 2001 absolut und
in Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ.
H16: Im FAZ-Feuilleton ist im untersuchten Zeitraum 2001 der Anteil von Beiträgen zu
Medien- und Wissenschaftsthemen an der Gesamttextfläche höher als im
Untersuchungszeitraum 2000. Bei Kulturthemen im engeren Sinne nimmt der Anteil
populärer Kultur gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000 zu, der Anteil von
Hochkultur im engeren Sinne hingegen ab.
H17: Im SZ-Feuilleton nehmen Beiträge zum Themenfeld Literatur im
Untersuchungszeitraum 2001 einen größeren Anteil der Textfläche ein als im
untersuchten Zeitraum 2000. Der Anteil von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich
populärer Kultur im engeren Sinne an der Textfläche nimmt gegenüber dem
Untersuchungszeitraum 2000 ab.
H18: Themen aus dem Bereich der Hochkultur im weiteren Sinne nehmen im
Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Flächenanteil des SZ-Feuilletons ein als
entsprechende Angebote im FAZ-Feuilleton Der Anteil zur populären Kultur im
engeren Sinne gehörender Themen ist in der SZ im Untersuchungszeitraum 2001 kleiner
als in der FAZ.
H19: Im FAZ-Feuilleton haben in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001
Rezensionen den größten Textflächenanteil aller Darstellungsformen, allerdings sinkt
dieser Anteil von 2000 zu 2001. Der Anteil von Artikelserien und Beiträgen von
Gastautoren steigt. Der Anteil von Texten mit portionierenden Layout-Elemente wie
Zwischenüberschriften, Infokästen und markante Endabsätze an der Textfläche steigt.
H20: Im SZ-Feuilleton dominiert in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 die
Rezension als journalistische Darstellungsform die Textfläche. Der Anteil von Texten
mit portionierenden Layout-Elemente wie Zwischenüberschriften, Infokästen und
markante Endabsätze an der Textfläche steigt. Auch der Anteil von Bildern an der
gesamten Beitragsfläche steigt.
H21: Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung weist in den Untersuchungszeiträumen
2000 wie 2001 einen höheren Anteil an Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als
das FAZ-Feuilleton.
H22: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 einen höheren Anteil
von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf
als im Untersuchungszeitraum 2000.
H23: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn
als im Untersuchungszeitraum 2000.
H24: Das FAZ-Feuilleton weist im Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf
als das SZ-Feuilleton.
7 Stand der Forschung und Forschungsziel 84

7.3.3 Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum


Beim Vergleich beider Feuilletons miteinander und untereinander im Zeitverlauf ist
diese Forschungsfrage zu beantworten:
F4: Wie haben sich die Feuilletons der FAZ und SZ in allen in den
Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 hinsichtlich des Umfangs, der Themen
und der Darstellungsformen entwickelt?
Das Erkenntnisinteresse dieser Forschungsfrage kann man in diese Hypothesen teilen:
H25: Der Anteil der Feuilletonteile am Gesamtangebot sowohl der FAZ als auch der SZ
ist in den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 konstant gestiegen, ebenso der
absolute Umfang.
H26: Das FAZ-Feuilleton erweitert von 1999 bis 2002 sein Themenspektrum den
Flächenanteilen nach zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, insbesondere der
Naturwissenschaft. Das SZ-Feuilleton hingegen stärkt von 2001 an gegenüber den
vorherigen Untersuchungszeiträumen die Anteile von Themen und Sparten aus der
Kultur im engeren Sinne, insbesondere der Literatur.
H27: Der Flächenanteil von Rezensionen als Darstellungsform ist in den untersuchten
Feuilletons von FAZ und SZ konstant gesunken.
H28: In den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 wächst der Anteil von
Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn.
H29: In den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002 sinkt im FAZ- sowie im SZ-
Feuilleton der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte.
8 Anlage der Untersuchung 85

8 Anlage der Untersuchung

8.1 Inhaltsanalyse als Methode der Untersuchung


Zur Beantwortung der aufgestellten Forschungsfragen und zur Prüfung der formulierten
Hypothesen scheint die Inhaltsanalyse die geeignetste sozialwissenschaftliche
Methode zu sein. Denn Fragen und Hypothesen zielen auf eine Untersuchung der
formalen und inhaltlichen Merkmale von Zeitungsausgaben und Artikeln darin ab. Eine
Inhaltsanalyse hat in der Kommunikationsforschung in der Regel „das Anliegen,
formale und inhaltliche Merkmale großer Textmengen zu erfassen.“ (BROSIUS /
KOSCHEL 2003, S. 165) Aufgrund dieser Überlegung wurde als Methode die
Inhaltsanalyse im Sinne der Definition Frühs gewählt, als „empirische Methode zur
systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und
formaler Merkmale von Mitteilungen“. (FRÜH, 2001, S. 25)
Die von Früh aufgeführten Merkmale Systematik und intersubjektive
Nachvollziehbarkeit konkretisieren eigentlich die in der Definition eingangs getroffene
Klassifikation der Inhaltsanalyse als empirische Methode. Sie können als allgemeine
Eigenschaften wissenschaftlichen Arbeitens gelten, daher werden sie hier nicht als eine
Besonderheit der gewählten Methode quantitativer Inhaltsanalyse verstanden, wie auch
Früh einräumt (2001, S. 25). Systematik meint eine konsistente Forschungsstrategie,
deren Anlage ebenso wie ihre Durchführung vollkommen klar dokumentiert wird. Das
einmal festgelegte Prozedere muss bei allen Untersuchungsobjekten identisch
angewendet werden. Die Systematisierung und Dokumentation hilft bei der Erfüllung
der zweiten Anforderung an Inhaltsanalysen: der Reproduzierbarkeit. Das Optimum ist
erreicht, wenn ein anderer Forscher dieselben Forschungsfragen mit demselben Material
dank des intersubjektiv nachvollziehbar gemachten Vorgehens ebenso beantworten
kann wie der Autor der ursprünglichen Untersuchung. Auch wenn dies selten umgesetzt
wird, ist der dokumentierte Anspruch auf Transparenz dennoch das Mittel, mit dem
Leser das Vorgehen des Forschers intersubjektiv nachzuvollziehen und kritisieren
können, auch wenn sie das Design nicht reproduzieren.
Früh vermeidet in seiner Definition bewusst Elemente, welche die ursprüngliche
Begriffsbestimmung Berelsons enthielt: „objective“, „quantative descritpion“ und „of
the manifest content of communication“ (BERELSON, 1952, S. 18 zit. nach BROSIUS /
KOSCHEL, 2003, S. 163). Denn Früh glaubt, dass diese Elemente der Definition „... in
der Vergangenheit mehr Verwirrung gestiftet als zur Klärung beigetragen haben.“
(FRÜH, 2001, S. 25). Diese Einschätzung sieht Diekmann in seiner Zusammenfassung
des Methodenstreits als heute allgemein in der Forschung geteilt an: Objektivität und
Systematik seien „als Hauptmerkmale der Methode kaum umstritten“, jedoch habe sich
die Kritik „an den Definitionsmerkmalen ‚manifester Inhalt’ und ‚quantitative
8 Anlage der Untersuchung 86

Beschreibung’ entzündet.“ (DIEKMANN, 1999, S. 482) Die Zweiteilung in manifeste und


latente Inhalte scheint insofern problematisch, als dass die Basis für ein Urteil über die
Offenkundigkeit bei Berelson vage ist und heute noch vager erscheint. Brosius und
Koschel stützen ihre Kritik an Berelsons Definition mit dem Argument, dass der von
Berelson vorausgesetzte „common meaning ground, where understandig is simple and
direct“ (BROSIUS / KOSCHEL 2003, S. 164) kaum unbesehen als gegeben hingenommen
werden kann: „Kann man wirklich davon ausgehen, dass Informationen derart
allgemein verarbeitet werden, dass alle alles gleich verstehen? Dies gilt umso mehr,
wenn man historische Dimensionen anlegt.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 164) Die
Autoren schlussfolgern: „Möglicherweise sind Texte ohne ihren Zeitbezug, ohne die
Messung dessen, wie die Leser diese Texte verstehen bzw. verstanden haben,
inhaltsanalytisch nicht zu erfassen.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 165) Zumindest das
methodische Problem historischer Inhalte stellt sich beim Untersuchungszeitraum dieser
Arbeit in einem vernachlässigbaren Ausmaß.
Dennoch sollte bei der Entwicklung des Instruments die Kritik an der überholten
Zweiteilung latenter und manifester Inhalte und an der so strikten wie künstlichen
Trennung qualitativer und quantitativer Analyse bedacht werden. Diese Dichotomie
beurteilt Früh als irreführende Vereinfachung, denn „... jede Identifizierung eines
inhaltlichen Textmerkmals durch den Coder ist zunächst ein qualitativer Analyseakt,
dessen zählend quantifizierende Weiterverarbeitung diesen Charakter nicht aufhebt.“
(FRÜH, 2001, S. 130) Auch der quantifizierend arbeitende Forscher interessiert sich also
letztendlich auch für die Bedeutungen der ausgezählten Häufigkeiten oder andere
Werte, mit denen er arbeitet. Umgekehrt gilt bei qualitativen Inhaltsanalysen, dass zum
Beispiel mancher „... qualitative Interpret aus der Häufigkeit und Intensität der
Äußerungen, ...“ darauf schließt, dass „... es sich um das dringendst Problem der
Zielperson handelt.“ (FRÜH, 2001, S. 67)
Über die Menge des Untersuchungsmaterials unterscheiden Brosius und Koschel die
quantitative Inhaltsanalyse von anderen Methoden: „Die quantitative Inhaltsanalyse
versucht im Gegensatz dazu nicht einen singulären Text zu interpretieren, sondern
große Textmengen.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 165) Auch wenn bei dieser
Ausführung als andere Methode nicht explizit die qualitative Inhaltsanalyse sondern als
Begriff nur die Hermeneutik erwähnt wird, differenziert Früh ähnlich quantitative und
qualitative Inhaltsanalyse. Er spricht vom „Ziel der Einzelfallerklärung“ (FRÜH, 2001,
S. 70). Doch der eigentliche Unterschied ist für Früh das Erkenntnisinteresse. Dem sich
qualitativ nennenden Forscher sei es wichtiger, „... einige aussagekräftige Fälle in allen
Details zu beschreiben, um daraus dann informationsreiche Erkenntnisse zu gewinnen,
...“ (FRÜH, 2001, S. 71). Eine Methodenkontroverse sieht Früh daher nicht, die könnten
erst dann entstehen, „... wenn für die jeweiligen Forschungsinteressen nicht die
angemessenen Methoden eingesetzt werden.“ (FRÜH, 2001, S. 71). Da diese Arbeit
erkunden will, wie sich Themen und Darstellungsformen zweier Feuilletonteile in
einem konkreten Zeitraum entwickelt haben, scheint eine quantitative Inhaltsanalyse
dem Forschungsinteresse angemessen.
8 Anlage der Untersuchung 87

Doch ist Frühs Warnung vor der Verwechslung quantifizierter Indikatoren mit
unterstellten Bedeutungen zu beachten. Die Verbindung muss belegt, die qualitative
Leistung der Coder beim Messvorgang bei der Entwicklung des Instruments einbezogen
werden: Ohne optimale Anleitung werden unterschiedliche Coder oder derselbe Coder
zu unterschiedlichen Zeitpunkten dieselben Merkmale in einem nicht akzeptablen
Ausmaß anders codieren. Genau diese Abweichungen soll die Inhaltsanalyse
methodisch minimieren. Der Anspruch für diese Untersuchung ist also, ein so einfaches
und eindeutiges Kategoriensystem wie für die Reliabilität möglich und ein so
komplexes wie für die inhaltliche Beantwortung der Forschungsfragen nötig zu
entwickeln. Dieser Anspruch ist in der Literatur gerade wegen der Diskussion um
Definitionen der Methode und des fließenden Übergangs zwischen manifesten und
latenten Aussagen vergleichsweise unumstritten: „Im Unterschied zur subjektiven
Interpretation von Texten ist für die sozialwissenschaftliche Inhaltsanalyse Systematik
und intersubjektive Nachvollziehbarkeit kennzeichnend.“ (DIEKMANN, 1999, S. 482).
Weil die oben dargelegten Problempotenziale der Methode Inhaltsanalyse bei Teilen
des in dieser Untersuchung genutzten Kategoriensystems ohne Einschränkung bestehen,
wird dessen Güte mittels eines Reliabilitätstest geprüft werden, obwohl Forscher mit
einem großen Teil der Kategorien bereits erfolgreich in vergleichbaren Untersuchungen
gearbeitet haben. Denn ob durch Optimierung des Instruments die Manifestierung von
Bedeutungsinhalten gelungen ist, „... erschließt sich dann indirekt über die Reliabilität
des inhaltsanalytischen Messinstruments.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003, S. 167).

8.2 Auswahl des Untersuchungsmaterials /


Stichprobenziehung

8.2.1 Schlüsselereignisse
Die generelle Forschungsfrage nach Entwicklung von Inhalt und Umfang des FAZ- und
SZ-Feuilletons nach den angekündigten Veränderungen gibt Zeitraum und
Untersuchungsobjekt grob vor. Die Bestimmung der Untersuchungszeiträume und
damit der Stichprobe orientiert sich an Zeitpunkten, welche die untersuchten Medien
selbst als Momente der Veränderung definierten. Im Einzelnen sind das diese
Schlüsselereignisse: Die FAZ druckte am 6. Juni 2000 einen Artikel des Ingenieurs und
IT-Unternehmers Bill Joy über Gentechnik, Nanotechnik und Robotik und unter dem
Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“. Ihn ergänzte eine programmatische
redaktionelle Ankündigung: Das Feuilleton der FAZ soll sich von nun verstärkt
naturwissenschaftlichen Themen widmen und das Feuilleton neu gestalten (vgl. S.
72ff.). Am 1. September 2001 kommt ein täglicher, fester Platz für Berichte aus der
Naturwissenschaft auf der zweiten Feuilletonseite, eine tägliche Medienseite und ein
täglicher Comicstrip hinzu sowie ein fester Platz für Porträts. Die SZ kündigt eine
allgemeine Erweiterung des Feuilletonteils an (vgl. S. 74f.) und führt unter Leitung des
8 Anlage der Untersuchung 88

ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfeld am 25. September 2001 eine


tägliche Literaturseite ein.

8.2.2 Stichprobe
Drei Schlüsselereignisse gilt es also bei der Wahl der Stichprobe zu beachten: Die
redaktionelle Ankündigung neuer Themen im Zuge der Joy-Debatte im FAZ-Feuilleton
am 06.06.2000, die Einführung neuer Seiten und Rubriken im FAZ-Feuilleton am
01.09.2001 und die Erweiterung des SZ-Feuilletons um eine tägliche Literaturseite am
25.09.2001. Aufgrund dieser Fakten muss die Stichprobe so gewählt werden, dass
Material aus vier Untersuchungszeiträumen vergleichbar ist: Einer vor den
Schlüsselereignissen im Jahr 2000, einer in zeitlicher Nähe danach, einer in zeitlicher
Nähe nach dem Schlüsselereignis 2001 und ein letzter Untersuchungszeitraum nach den
Schlüsselereignissen im Jahr 2001.
Ziel der Auswahl ist die Erhebung für die Feuilletonberichterstattung repräsentativer
Zeitungsausgaben. Daher wurde zur Ermittlung der Auswahl ein dreistufiges
Verfahren gewählt. Zunächst werden Zeitintervalle festgelegt, über die eine Aussage
gemacht werden soll. Aus den so gewonnenen Zeitfenstern werden in der nächsten
Stufe alle von einem außergewöhnlichen Ereignis dominierten Wochen gestrichen.
Zuletzt wird aus den verbliebenen Wochen in jedem Zeitfenster eine natürliche Woche
gezogen. Eine natürliche Woche wurde einer künstlichen vorgezogen. Natürliche
Wochen schienen zweckdienlich, weil Redaktionen eine ausgewogene Verteilung von
Kultursparten und sonstigen Themen am Angebot auf Wochensicht anstreben. In jedem
untersuchten Jahr werden aus derselben, so ausgewählten Woche die Zeitungsausgaben
ausgewertet. Der Grund für diese Entscheidung: Die Wochen sollen plausibel denselben
jährlich wiederkehrenden thematischen Einflüssen ausgesetzt sein.
Zunächst werden Zeitintervalle ausgesucht, das diesen Anforderungen entspricht: Sie
müssen jeweils zeitlich nah genug an den drei Schlüsselereignissen liegen, damit
anhand der daraus gewählten Stichprobe die vorgenommenen Veränderungen erfasst
werden können, ohne dass mögliche nachfolgende Veränderungen das Ergebnis
verzerren. Um die langfristige Etablierung der Veränderungen beider Feuilletons zu
prüfen, werden Stichproben aus dem Vor- und Folgejahr 1999 und 2000 ausgewertet.
Die Zeitintervalle müssen zeitlich weit genug entfernt von den drei Schlüsselereignissen
sein, um Verzerrungen durch die Auswertung von den Medien möglicherweise für die
Zeit nach dem Start vorproduzierter Beiträge oder Serien zu vermeiden. Der Zeitraum
muss die Ziehung einer Woche ermöglichen, die in allen Jahren die Nutzung desselben
Untersuchungszeitraums ermöglicht.
Aufgrund dieser Anforderungen wurden als Intervalle die Zeiträume von der ersten
Oktoberwoche bis zur letzten Novemberwoche gewählt. Dieses Zeitintervall ist im
Jahr 2000 vergleichsweise weit entfernt von der programmatischen redaktionellen
Ankündigung im FAZ-Feuilleton am 6. Juni, verstärkt aus den Themenfeldern
Naturwissenschaft, Gen- und Nanotechnologie zu berichten. Allerdings relativiert
8 Anlage der Untersuchung 89

diesen Eindruck der von Frank Schirrmacher herausgegebene Sammelband, „der die
wichtigsten Artikel und Gespräche aus der in der FAZ geführten Debatte versammelt“
und damit den „Beginn der dritten industriellen Revolution diskutiert“.
(SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9). Der am spätesten im Jahr 2000 in der FAZ erschienene
für diesen Band ausgewählte Beitrag wurde am 20. November in der FAZ
veröffentlicht. Insofern scheint das gewählte Zeitintervall auch für das Jahr 2000 im
Hinblick auf die angekündigten Veränderungen in der FAZ vertretbar.
Im nächsten Schritt werden von einem außergewöhnlichen Ereignis dominierte
Wochen in den jeweiligen Intervallen eines Jahres markiert. Durch die Wahl des
Zeitintervalls ist bereits die Sommerpause in vielen Kultursparten ausgeschlossen, was
für diese Untersuchung eine ähnliche Annahme wie für Stegerts erlaubt, dass die
Ergebnisse zu Themen und Sparten nicht durch Sommer- (Juli bis September) und
Winterpause (Januar) und „Großereignisse wie (...)die Filmfestspiele in Berlin
(Februar), Cannes (Juni) und Venedig (September)“ (STEGERT, 1998, S. 35) verzerrt
werden. Auszuschließen sind als von einem Großereignis bestimmt noch jene Wochen,
in denen in den jeweiligen Jahren die Frankfurter Buchmesse stattgefunden hat. Die
verbleibenden Wochen werden markiert, wenn besondere, möglicherweise
dominierende Ereignisse in das gewählte Zeitintervall fallen. Dies wird anhand der
Meldungen in Nachrichtenagenturen geprüft. Gesucht wird im allgemeinen Dienst nach
Meldungen mit den Prioritätsstufen 1 und 2 sowie im Ressort Kultur nach Meldungen
mit den Prioritäten 1 und 2. Solche Themen wurden als besondere Ereignisse gezählt,
wenn der Kulturteil der Tageszeitung „Die Welt“ sie in mehreren Beiträgen
thematisierte. Die ersten Zeilen der Agenturtexte finden sich zur Übersicht im Anhang
der Arbeit (S. A49ff..

Tabelle 22: ereignisdominierte (grau hinterlegt) Wochen im ausgewählten Zeitintervall


1999 2000 2001 2002
1. Oktoberwoche 4.-9.10. 2.-7.10. 1.-6.10. 7.-12.10.
Buchmesse
2. Oktoberwoche 11.-16.10. 9.-14. 10. 8.-13.10. 14.-19.10.
Buchmesse Buchmesse
3. Oktoberwoche 18.-23.10. 16.-21.10. 15.-20.10. 21.-26.10.
Buchmesse
4. Oktoberwoche 25.10.-30.11 23.10.-28.11 22.10.-27.11 28.10.-2.11
1. Novemberwoche 1.11.-6.11. 6.-11.11. 5.-10.11. 4.-9.11.
US-Wahl
2. Novemberwoche 8.-13.11. 13.-18.11. 12.-17.11. 11.-16.11.
Afghanistan: Nordallianz in
Kabul
3. Novemberwoche 15.-20.11. 20.-25.11. 19.-24.11. 18.-23.11.
Amtsantritt Naumann / Afghanistan: Kämpfe,
Wehrmachtsausstellung Afghanistankonferenz
4. Novemberwoche 22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.

Die Zufallsauswahl einer natürlichen Woche im letzten Schritt fiel auf die vierte
Novemberwoche. Es ist klar, dass sich die auf dem so gewählten Stichprobenmaterial
basierenden Ergebnisse auf diese konkreten Zeitintervalle beziehen. Weil die ersten
beiden Schritte der Stichprobenziehung eine bewusste Auswahl sind und lediglich der
letzte Schritt randomisiert wurde, können die Untersuchungsergebnisse nicht absolut
verallgemeinert werden. Allerdings scheint es wegen der mehrstufigen, systematischen
Auswahl plausibel, dass die auf dieser Grundlage ermittelten Ergebnisse repräsentativ
8 Anlage der Untersuchung 90

sind für die Gesamtentwicklung der beiden Feuilletonressorts insgesamt zwischen den
ausgemachten Schlüsselereignissen. Als begründet kann diese Annahme und kann die
Gültigkeit der Ergebnisse über die Untersuchungszeiträume hinaus erst gelten, wenn die
Ergebnisse reproduziert werden konnten.

8.2.3 Umfang des Untersuchungsmaterials


Grundsätzlich gilt, dass aus Parallelisierungsgründen statt der Regional- die
Deutschlandausgaben beider Zeitungen ausgewertet werden. Die eingangs getroffene
Definition des Begriffs Feuilleton (vgl. S. 6ff.) ergab, dass sich in Deutschland das
Feuilleton als Ressort über seine weitgehend exklusive Zuständigkeit für Hochkultur im
engeren Sinn von anderen Ressorts der Tageszeitung abhebt. Doch das Ressort
Feuilleton ist in Deutschland – zumindest in überregionalen Zeitungen – nicht auf
dieses Themenfeld beschränkt, sondern auch Ort etwa für die „Debatte über die
kulturellen Grundwerte“ (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, 1998, S. 66)
oder für „Themen auf (...) der Schnittstelle von Kultur, Politik und Gesellschaft“
(SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 2003). Deshalb fällt die konkrete Abgrenzung schwer,
welches Material bei der Untersuchung zum Feuilleton zu rechnen ist. Die Orientierung
am Zeitungsbuch „Feuilleton“ ist nicht stichhaltig, da hier ressortfremde Seiten allein
als Ergebnis technischer Gegebenheiten abgedruckt werden können. Deshalb wurde der
Umfang des Untersuchungsmaterials in zwei Schritten bestimmt: Zunächst wurden die
Selbstdarstellungen der Medien und Medieninhalten5 gesichtet. Auf dieser Basis
wurden dann die Ressortleiter der Feuilletons beider Medien befragt.
Zunächst wurden jene Seiten mit einem abweichenden Seitentitel ausgeschlossen,
die zwar im Feuilletonbuch zu finden sind, aber entweder durch das Layout als eigenes
Ressort gekennzeichnet sind (durch einen Seitentitel in Größe der
Ressortaufmacherseiten) oder als Kleinressort nicht nur im Feuilletonbuch, sondern
auch in anderen Zeitungsteilen erscheinen6. Diese wurde mittels der CD-ROM-
Jahresausgaben überprüft, die eine Auflistung der Artikel nach Ressorts mit Angabe der
Seitenzahlen für das gesamte Jahr ermöglichen. Die Sichtung der Selbstdarstellungen
ergab weitere unklare Fälle: So zählt zum Beispiel die FAZ (FRANKFURTER
ALLGEMEINE ZEITUNG, 1998, S. 74) die wöchentlichen Beilagen „Reiseblatt“, „Natur
und Wissenschaft“ und „Geisteswissenschaften“ zum Feuilleton.

5
Zum einen die Ausgaben von FAZ und SZ vom 13 bis zum 18 Oktober 2003, zum anderen die CD-
Rom-Jahresausgaben 2000, 2001, 2002 von FAZ und SZ
6
Das sind in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Seiten „Briefe an die Herausgeber“ sowie „Jugend
und Umwelt“ und in der Süddeutschen Zeitung die Seiten „Leserbriefe“, „Medien“, „Politisches Buch“,
„Jetzt.de“, „Das Programm vom (Wochentag)“. Nur im Feuilletonbuch erscheinen hingegen in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung diese Seiten mit einem abweichenden Seitentitel: „Medien“, „Kino“,
„Stil“, „Veranstaltungen im (Monatsname)“, „Bücher und Themen“, „Schallplatten und Phono“ sowie
„Neue Sachbücher“. Nur im Feuilletonbuch der Süddeutschen Zeitung erscheinen hingegen die Seiten
„Schallplatte“, „Kinder- und Jugendliteratur“, „Film“ und „Literatur“.
8 Anlage der Untersuchung 91

Um diese Fälle zu klären und die Stichhaltigkeit der getroffenen Auswahl zu prüfen,
wurden die Ressortleiter der Feuilletons beider Tageszeitungen befragt. Zum einen
sollten sie angeben, welche redaktionellen Angebote organisatorisch der
Feuilletonredaktion zugeordnet sind. Zum anderen wurde danach gefragt, welche
anderen Angebote sie gegebenenfalls unabhängig von der organisatorischen Struktur als
Teil des Feuilletonangebots sehen. Um Ergänzungen über die aufgezählten Seitentitel
hinaus wurde ausdrücklich gebeten (vgl. Anhang, S. A61ff.) Die Antworten ergaben,
dass die Organisationsstruktur beider Tageszeitungen so unterschiedlich ist, dass eine
parallele Auswahl von auszuwertenden Ressortseiten auf dieser Basis nicht möglich ist.
So ist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Reiseblatt tatsächlich dem
Feuilletonherausgeber zugeordnet und gehört somit auch zur Feuilletonredaktion,
obgleich die Redaktionen ähnlich getrennt voneinander arbeiten wie bei der
Süddeutschen Zeitung. Abgesehen von diesen problematischen Fällen bestätigen die
Ressortleiter die getroffene Auswahl. SZ-Feuilletonleiter Andreas Zielcke:
„Teile wie Jetzt.de oder Medien sind redaktionell vollkommen selbstständig, leider
auch das Politische Buch, das traditionell der Innenpolitik zugeordnet ist. In einem
weiteren Sinn gehören alle diese Teile einschließlich der Wochenendbeilage gewiss
zum Kultursegment der Zeitung (und sollten meiner Meinung nach auch unter einer
Leitung stehen - in der FAZ steht dafür der für Kultur zuständige Herausgeber),
sind aber eben untereinander autonom, wie übrigens auch die ‚Münchner Kultur’.“
(Vgl. Anhang, S. A61)
Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ergänzte der Ressortleiter des Feuilletons
Patrick Bahners, die aufgezählten Seitentitel um die Beilage Natur und Wissenschaft
sowie Geisteswissenschaften. Diese müssten ebenso wie die Medienseite bei einer
Auswertung zum Feuilleton gerechnet werden. Denn die auf diesen Sonderseiten
behandelten Themen würden oft in derselben Form im Feuilletonbuch erscheinen, die
Platzierung würde vor allem von Erscheinungsterminen, verfügbarem Raum und der
Aktualität des Ereignisses abhängen. Bahners formuliert die Selbstdefinition des
Feuilletonressorts so:
„... aus redaktioneller Sicht gehören jedenfalls Natur und Wissenschaft und
Geisteswissenschaften zum Kernprogramm, weil die Kollegen täglich an der
Produktion des aktuellen Feuilletons beteiligt sind und entsprechende Themen
regelmäßig im aktuellen Feuilleton behandelt werden. Diese Integration ist
vielleicht ein Unterschied gegenüber der SZ. Dasselbe gilt für die Medienseite: Es
ist Tradition der FAZ, daß Fernsehkritik bei uns nach den Maßstäben betrieben
wird, die auch für Theater und Konzert gelten. Am ehesten eine Welt für sich ist
noch das Reiseblatt.“ (vgl. Anhang, S. A66)
Somit führt die Sichtung der Medieninhalte und die Befragung der
Kommunikatoren zu einer in zwei Punkten problematischen Auswahl: Während
dem FAZ-Feuilleton die Medienseite sowie die Beilagen „Natur und Wissenschaft“ und
„Geisteswissenschaften“ zugerechnet werden müssen, zählen sie bei der Süddeutschen
Zeitung ausgehend von der aus Medieninhalten und Kommunikatoraussagen
ersichtlichen Selbstdefinition nicht zum Feuilleton. Eine solche Auswahl lässt sich
8 Anlage der Untersuchung 92

einerseits vielleicht mit dem Argument begründen, dass die Untersuchung nicht das
gesamte im weiteren Sinne kulturelle Angebot der jeweiligen Tageszeitung untersuchen
soll, sondern allein das Gesamtangebot des Ressorts Feuilleton. Wenn also die
Frankfurter Allgemeine Zeitung die Medienberichterstattung und den gesamten
Wissenschaftsjournalismus anders als die Süddeutsche Zeitung als Bestandteil des
Feuilletons sieht und entsprechend in die tägliche Arbeit eingliedert, verzerrt eine
solche Auswahl des Materials nicht die Ergebnisse, sondern spiegelt die Struktur des
Angebotes wieder. Andererseits vergibt eine solche Auswahl von vornherein die
Chance, die thematisch parallelen - wenn auch nicht denselben Ressorts zugeordneten -
redaktionellen Angebote zu vergleichen. So kann nicht beantwortet werden, ob die SZ
die über mehrere Ressorts verteilte thematische Zuständigkeit anders redaktionell
umsetzt als die FAZ, wo nur ein Ressort für dasselbe breite Themenspektrum zuständig
ist. Bei einer solchen Auswahl bliebe ungeklärt, ob sich allein die organisatorischen
Zuordnungen bestimmter Inhalte die beiden Medien unterscheidet oder auch das
Angebot. Deshalb ist eine zu enge Auswahl des Untersuchungsmaterials auf einer solch
kleinen Grundlage ist problematisch.
Weil beide Argumentationen bedenkenswert sind, werden die zwei unterschiedliche
Stichproben untersucht: zum einen Material auf Basis der Selbstdefinition der
beiden Feuilletons durch die Struktur der Medieninhalte und die Aussagen der
Kommunikatoren. Zum anderen mit einer parallelisierenden Auswahl auf Basis der
größtmöglichen Definitionsmenge. Daraus folgen zwei verschiedene Stichproben im
Hinblick auf das Untersuchungsmaterial. In der parallelisierten Stichprobe wird bei der
Süddeutschen Zeitung die Medienseite ebenso zum Feuilleton gezählt wie das zur
Medienseite gehörende Rundfunkprogramm und die Beilage Umwelt, Wissenschaft,
Technik, beziehungsweise die dieser Beilage nachfolgende tägliche Seite Wissen. In
beiden Stichproben nicht zum Feuilleton gezählt werden hingegen die alle Beilagen und
Sonderseiten, die zum Feuilleton gezählt werden könnten, aber weder bei der
Materialsichtung noch bei der Befragung der Kommunikatoren als zwingend
auszuwerten eingestuft wurden - so zum Beispiel die Seiten Politische Bücher (FAZ)
beziehungsweise Politisches Buch (SZ).

Tabelle 23: Umfang des Untersuchungsmaterials auf Basis der Selbstdefinition der
Feuilletonressorts und auf Basis einer parallelisierenden Auswahl
FAZ SZ
Selbstdefinition des Beiträge auf Seiten mit Titel (n=1100 Beiträge): Beiträge auf Seiten mit Titel (n=427
Feuilletons Feuilleton | Medien | Medienforum | Kino | Stil | Veranstaltungen Beiträge):
im [Monat]; Bücher und Themen | Schallplatten und Phono; Neue Feuilleton | Film | Schallplatte | Kinder-
Sachbücher | Natur und Wissenschaft | Geisteswissenschaften | und Jugendliteratur
Fernsehen am [Wochentag] | Hörfunk am [Wochentag]

parallelisierende Beiträge auf Seiten mit Titel (n=1100 Beiträge): Beiträge auf Seiten mit Titel (n=688):
Feuilletondefinition Feuilleton | Medien | Medienforum | Kino | Stil | Veranstaltungen Feuilleton | Film | Schallplatte | Kinder-
im [Monat]; Bücher und Themen | Schallplatten und Phono; Neue und Jugendliteratur | Umwelt,
Sachbücher | Natur und Wissenschaft | Geisteswissenschaften | Wissenschaft, Technik Wissen | Medien |
Fernsehen am [Wochentag] | Hörfunk am [Wochentag] Das Programm vom (Wochentag)
8 Anlage der Untersuchung 93

8.3 Operationalisierung zum Kategoriensystem


Das Kategoriensystem wird sowohl theoriegeleitet als auch empiriegeleitet
entwickelt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der theoretischen Ableitung, basierend auf
dem theoretischen Teil, den formulierten Forschungsfragen und Hypothesen. Denn es
liegen bereits inhaltsanalytische Untersuchungen des Kulturjournalismus und der
Feuilletons im Besonderen vor, die ähnliche Fragestellungen wie diese Arbeit
verfolgen7. Die vorliegenden Instrumente wurden verglichen und in Details an die
Fragestellung dieser Arbeit angepasst. Dieses Vorgehen erschien sinnvoll, weil die
vorliegenden Kategoriensystemen bereits erprobt sind und insbesondere das von Stegert
entwickelte Instrument unumstrittenes Ergebnis einer kritischen Auseinandersetzung
mit den Werkzeugen älterer Untersuchungen ist. Auf diese Bewährtheit und die durch
die Übernahme eines erprobten Instruments eher gewährleistete Vergleichbarkeit sollte
die vorliegende Arbeit nicht leichtfertig verzichten.
Bei der Reliabilität geht es um die Messgenauigkeit, also die Zuverlässigkeit eines
Messinstrumentes. Das Codebuch bzw. das darin enthaltene Kategorienschema wurde
in Probecodierungen der Ausgaben der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“ vom
15. und 17.11.2003 erprobt, geringfügig verfeinert (vgl. S. 97) und danach anhand der
Ausgaben der Welt vom 18., 19. und 20. November 2003 auf Intracoder- und
Intercoderreliabilität (vgl. S. 97ff.) geprüft, und zwar mit den von Früh (2001, S. 177)
empfohlenen Koeffizienten zur Berechnung der prozentualen Übereinstimmung
zwischen Erst- und Zweitcodierung, bzw. -codierer - geprüft. Dafür wurde „Die Welt“
ausgesucht, weil sie weil sie wie FAZ und SZ eine überregionale Tageszeitung ist, aber
nicht zum zu untersuchenden Material gehört. Diese Auswahl erschien notwendig, weil
die Forschungsfragen zwar grundsätzlich unangetastet bleiben sollten, aber andererseits
Anregungen aus der Codiererfahrung während der Tests nicht von vornherein ignoriert
werden sollten. Um also etwaige Veränderungen der Forschungsfragen aufgrund
Kenntnis der Daten zu vermeiden, wurde „Die Welt“ für Probecodierungen und
Reliabilitätstest gewählt. Eine ausführliche Darstellung des Kategoriensystems bietet
das Codebuch im Anhang dieser Arbeit (vgl. S. A1ff.), hier wird nun vor allem der
Bezug zwischen Kategorienschema und Forschungsfragen dargelegt.

8.3.1 Umfang des Feuilletons


Die Kategorien zur Ermittlung der Ressortproportionen beziehen sich auf eine
Zeitungsausgabe als Untersuchungseinheit. Messeinheit ist eine Seite. Anders als
vorliegende Untersuchungen von Stegert und Müller-Sachse wird auf die Erfassung des
Anzeigenumfangs verzichtet. Der Grund dafür ist, dass die für eine so differenzierte
Erfassung nötige Zeit angesichts von 1788 auszuwertenden Beiträgen in einem nicht

7
STEGERT, 1998, S. 306-338; MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 581f.; FRANK / MALETZKE / MÜLLER-SACHSE,
1991, S. 164-184; SCHEER / STIFTEL, 1983, S. 180-183; III1-III9; BITALA, 1993, S. 112-118; SAXER,
1995, S. 89-118; MAURUSCHAT, 2001, S. A17-A42
8 Anlage der Untersuchung 94

angemessenen Verhältnis zum Erkenntnisgewinn steht. Die wichtigste Information


liefert auch eine Erfassung der Bruttoseiten: einen Vergleichswert für beide Medien, der
anders als die aus den Beitragsflächen gewonnenen Netto-Umfangsangaben je Ausgabe
die Entwicklung der Feuilletonumfänge in Kontext zur Entwicklung des gesamten
Mediums setzt.

Tabelle 24: Haupt- und Einzeldimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene


Hauptdimension Einzeldimension zu Hypothese
Kategorien zur 01 Identifikationsnummer [agidnr]
Identifikation 02 Erscheinungstag und –monat [agdatum]
03 Erscheinungsjahr [agjahr]
04 Medium [agmedium]
05 Gesamtseitenumfang brutto Ausgabe [agseitbr] H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25
06 Seitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach
H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25
Kategorien zum Umfang Selbstdefinition [asgfeusd]
07 Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach
H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25
parallelisierender Definition [asgfeupd]

8.3.2 Umfang und Platzierung der Beiträge


Die Beitragsfläche ist Grundlage für die Auswertung der Gesamtanteile einzelner
Themen und Kultursparten am redaktionellen Angebot. Über diese Anteile hinaus soll
die Untersuchung aber auch erfassen, welche Bedeutung das Feuilletonressort
bestimmten Themen beimisst. Darauf soll die Erfassung der Platzierung eines Beitrags
Aufschluss geben. Denn diese „sagt im weitesten Sinn etwas über die diesem Beitrag
zugeschriebene Relevanz aus. Dinge, die auf der ersten Seite stehen, hat die Redaktion
für wichtiger gehalten als eine Meldung im Blattinneren.“ (BROSIUS / KOSCHEL, 2003,
S. 181). Daher werden für jeden Beitrag die Seitenzahl, die etwaige Platzierung als
Aufmacher und die Platzierung über oder unter dem Zeitungsbruch codiert.

Tabelle 25: Haupt- und Einzeldimensionen zu Umfang und Platzierung auf Beitragsebene
Hauptdimension Einzeldimension zu Hypothese
08 Identifikationsnummer [btridnr]
Kategorien zur 09 Erscheinungstag und –monat [btrdatum]
Identifikation 10 Erscheinungsjahr [btrjahr]
11 Feuilletonsegment [btrfeusg]
12 Seitenzahl [seite] H4, H5, H6, H16, H18
13 Platzierung über oder unter Bruch [bruch] H4, H5, H6, H16, H18
Kategorien zu Umfang und 14 Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils [aufmach] H4, H5, H6, H16, H18
Platzierung 15 Textfläche [txtflaec] H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24
16 Fläche des Bildelements [aufmach] H7, H8, H9, H19, H20, H21
17 Gesamtfläche des Beitrags [btrflaec] H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Weil Bildelemente ein wesentliches Gestaltungselement eines Beitrags sind, werden


ihre Flächen einerseits gesondert erfasst, andererseits neben der Textfläche als zweiter
Teil der Gesamtbeitragsfläche gerechnet. Denn entsprechend den Ergebnissen der von
Pegie Stark Adam und Mario Garcia 1990 vorgelegten Studie „Eyes on the News“, sind
Fotos und Grafiken „sind die ersten Einstiegspunkte beim Blick auf die Zeitungsseite“.
Rezipienten steigen in die Zeitungsseite Seite „über das dominierende Foto ein, blicken
dann auf eine dominierende Überschrift oder auf ein weiteres Foto. Bilder werden – bis
auf wenige Ausnahmen – von mehr als 80 Prozent der Leser beachtet.“ (BLUM /
BUCHER, 1998, S. 66). Deswegen ist das Verhältnis von Text- und Bildfläche für die
Frage nach der Gestaltung beider Feuilletonressorts von Interesse.
8 Anlage der Untersuchung 95

8.3.3 Gestaltung
Gestaltung meint sowohl die textliche wie die grafische Umsetzung eines Beitrags. Die
Kategorien zur grafischen Gestaltung sind von Bitala (1993, S. 112) und Stegert (1998,
S. 338) übernommen. Gestaltungselemente wie Infokästen, markante Endabsätze und
Zwischentitel sind Portionierungselemente, die als optisches Äquivalent zur von Glotz
und Langenbucher geforderten (vgl. S. 38ff) Vielfalt textlicher Darstellungsformen
gesehen werden können. Blickaufzeichnungsuntersuchungen des Poynter Institute for
Media Studies zufolge nutzen „Leser Zwischentitel als Seiteneinstiege für längere
Beiträge (...) Zwischentitel sind deshalb mehr als nur optische Auflockerungen für
Langtexte ...“ (BLUM, 1998, S. 30). Wie stark bei der Gestaltung solche Portionier-
ungsmittel genutzt werden, sagt also etwas darüber aus, wie viel Wert ein Ressort auf
eine Gestaltung legt, die allgemein als leseranziehender gilt. Das gilt auch für
Rubrizierungen von Beiträgen, die mittels fester Kolumnenrubrik, oft auch mittels
gestalterischer Elemente wie Signets, bei wechselnden Autoren und Überschriften
Kontinuität signalisieren (vgl. MAST, 2000, S. 266). Die Frage nach dem
Gestaltungsparadigma beider Medien beantwortet zudem in Teilen auch die Codierung
des Typs der Bildelemente. Dominieren zum Beispiel Fotografien kultureller Ereignisse
die Bildberichterstattung, könnte ein Transfer der Kritik Glotz’, Langenbuchers und
anderer Kommunikationswissenschaftler an der Rezension als dominierender textlicher
Darstellungsform auf die grafische Darstellung überlegt werden.
Die Ausprägungen der Dimension Darstellungsform des Textelements sind abgesehen
von geringfügigen Zusammenfassungen aus Stegerts Untersuchungsinstrument
übernommen (STEGERT, 1998, S. 325). Die Erfassung der Anteile unterschiedlicher
Darstellungsformen am gesamten redaktionellen Textangebot soll die Gültigkeit der
bekannten Kritik an der textlichen Gestaltung (vgl. S. 40) im Feuilleton prüfen und
einen Vergleich mit den Ergebnissen vorheriger Untersuchungen ermöglichen.

Tabelle 26: Haupt- und Einzeldimensionen der Kategorien zur Gestaltung auf Beitragsebene
Hauptdimension Einzeldimension zu Hypothese
18 Beitrag Teil einer Serie [btrserie] H7, H8, H9, H19, H20, H21
19 publizistische Quelle des Textelements [txtquell] H7, H8, H9, H19, H20, H21
20 Journalistische Darstellungsform des Textelements [txtform] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27
21 Rubriktitel [btrrubri] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27
Kategorien zur Gestaltung
22 Zwischentitel [btrzwiti] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27
23 Infokasten [btrinfok] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27
24 markanter Endabsatz– [btrendab] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27
25 Form des Bildelements [bldform] H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Die publizistische Quelle des Textelements wird untersucht, weil die


Forschungsergebnisse Anja Mauruschats (vgl. S. 68) zum Debattenfeuilleton der 1990er
Jahre und das historische Feuilletonprofil der Frankfurter Zeitung der 1890er Jahre (vgl.
S. 22f.) eine hohe Bedeutung zumindest fachlich prominenter im Feuilleton nahe legen.
Deren Dominanz kritisierten einige Diskutanten in der jüngsten Debatte über Inhalte des
Feuilletonressorts im Jahr 2003. Der Autor Daniele Dell'Agli bemängelte, dass ein
„vielfacher Suhrkamp-Autor, Preisträger, Professor, Medienstar“ sich im Feuilleton
„auf seinem Denk- und Schreibniveau bewegen“ dürfte, Autoren „ohne diesen Status-
Dekor“ jedoch den Lesern wohl kaum „Zumutungen an das Zweimallesen, an das Mit-
8 Anlage der Untersuchung 96

und Selbstdenken“ präsentieren dürften (DELL’AGLI, 2003). Abgesehen von den


Mutmaßungen über die Darstellungsqualität zeigt sich hier eine wahrgenommene hohe
Bedeutung und Präsenz prominenter Gastautoren im Feuilleton. Deren Basis soll mit
der Kategorie der publizistischen Quelle erforscht werden.

8.3.4 Kategorien zum Inhalt


Als Themenfelder eines Beitrags werden nicht allein die klassischen Kultursparten
erfasst. Ein so beschränktes Kategorienschema würde die mögliche thematische Breite
als Besonderheit der Feuilletons von FAZ und SZ qua Anlage ungenügend erfassen.
Deshalb wurden ähnlich wie von Bitala (1993, S. 50) und Stegert (1998, S. 312f.) auch
Themengebiete aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. S. 14) aufgenommen. Die
Kultursparten als Oberkategorien und die Genres oder Gattungen als Unterkategorien
wurden zum größten Teil von Stegert (1998, S. 312f.) übernommen, jedoch
entsprechend dem Gegenstand und Ziel dieser Forschungsarbeit an einigen Stellen
gekürzt, an anderen ergänzt. Weil anders als bei Stegert Untersuchungsgegenstand
dieser Arbeit nicht die mediale Aufarbeitung des Kulturgeschehens im engeren Sinne
durch Zeitungen insgesamt ist, sonder das gesamte Angebot des Feuilletonressorts,
wurden die Kategorien zu Wissenschaft und Zeitgeschichte breiter ausgearbeitet.
Das Kategorienschema zum Beitragsthema ist – ähnlich wie das zu Anlass und Fokus –
sehr fein in bis zu drei thematische, immer konkreter werdende Ebenen unterteilt. Das
Ziel dieses Vorgehens ist zum einen die Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen der
Untersuchung Stegerts. Zum anderen verspricht dieses Vorgehen Schulz zufolge höhere
Chancen auf große Reliabilität. Er empfiehlt, „Kategorien für die Codierung zunächst
relativ fein aufzugliedern und dann bei der Auswertung die Aufgliederung auf einer
logisch höheren Ebene wieder rückgängig zu machen.“ Denn so „wird meist die
Praktikabilität und Verläßlichkeit der Codierung erhöht.“ (SCHULZ, 1999, S. 57).

Tabelle 27: Haupt- und Einzeldimensionen der Kategorien zum Inhalt auf Beitragsebene
Hauptdimension Einzeldimension zu Hypothese
26 Hauptoberthema des Beitrags [btrobthe] H4, H5, H6, H16, H17, H18, H26
27 Hauptunterthema des Beitrags [btruthe] H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26
28 Hauptunterunterthema des Beitrags [btruuthe] H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26
29 Kulturteilbereich des Hauptthemas [btrkultb] H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26
Kategorien zum Inhalt 30 Anlass des Beitrags Oberkategorie [btranlob] H10, H11, H12, H22, H23, H24
31 Anlass des Beitrags Unterkategorie [btranlun] H10, H11, H12, H22, H23, H24
32 Fokus des Beitrags Oberkategorie [btrfokob] H10, H11, H12, H22, H23, H24
33 Fokus des Beitrags Unterkategorie [btrfokun] H10, H11, H12, H22, H23, H24
34 Fokus des Beitrags Unterunterkategorie [btrfokuu] H10, H11, H12, H22, H23, H24

Die Codierung des Kulturteilbereichs des Hauptthemas eines Beitrags soll die aus den
Flächenanteilen der Hauptthemen gewonnen Erkenntnisse über den im jeweils
untersuchten Ressort dominierenden Kulturbegriff ergänzen. Die Ausprägungs-
möglichkeiten folgen den eingangs (vgl. S. 14ff.) in Anlehnung an das Kategorien-
schema der inhaltsanalytischen Untersuchung Weiß’ von Fernsehangeboten auf Kultur-
und Bildungsinhalte Volpers’ und Weiß’ (WEIß, 1992; VOLPERS/WEIß, 1992). Die
Zuordnung erfolgt auf Basis des festgestellten Hauptthemas, bei einigen Kultursparten
auf Basis weiterer Differenzierungen der Sparte. Als Anlass des Beitrags wird jene
8 Anlage der Untersuchung 97

Eigenschaft des Berichterstattungsobjekts verstanden, die den Grund liefert, den Beitrag
zum gegebenen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Hier soll vor allem die Gültigkeit der
Kritik untersucht werden, vor allem Premieren, Veröffentlichungen und
Preisverleihungen bestimmten die Agenda der Feuilletonressorts.
Die beiden Kategorien zum Fokus des Beitrags erfassen zwei Sachverhalte: zum einen,
ob Kulturbereiche getrennt betrachtet oder verbunden werden, zum anderen, wie breit
und tief die Beiträge das Thema darstellen. Beide Kategorien sind aufgrund von
Einschätzungen aktueller Feuilletonprofile entwickelt worden. Zum einen wegen häufig
getroffenen Aussagen (vgl. S. 66f.), Feuilletonressort würden Aspekte aus der Kultur im
engeren und aus der Kultur im weiteren Sinne aufeinander beziehen. Also zum Beispiel
in Aufsätzen analysieren, wie aktuelle Kulturprodukte gesellschaftliche Entwicklungen
widerspiegeln, im Sinne des Kunstkritikers Niklas Maak: „Kunstkritik ist immer auch
politisch ...“ (MAAK, 1999, S. 365). Ob Beiträge diese Verbindung tatsächlich leisten,
soll diese Kategorie zu prüfen helfen. Zum anderen soll untersucht werden, ob erstens
die Kritik für die untersuchten Ressorts berechtigt ist, Feuilletons würden einen zu
engen Fokus auf Kultur als Menge einzelner, einzeln zu behandelnder Kulturprodukte
richten (vgl. S. 40f.). Und zweitens soll die Kategorie ermitteln, ob das Feuilleton
Themen aus der Kultur im weiteren Sinne tatsächlich vor allem mit einem Fokus auf
den Hintergrund und größere Zusammenhänge darstellt (HALLER, 2003, S. 3; JESSEN,
2000, S. 34).

8.3.5 Modifikationen des Kategoriensystems nach Probecodierungen


Das oben dargelegte Kategoriensystem ist Ergebnis eines Verfahrens in mehreren
Schritten, bei dem mit der ersten Version des Codebuchs Probecodierungen
durchgeführt wurden. Ziel dieses Vorgehens war es, das „Kategoriensystem in seiner
bisherigen Form zu testen, operational noch exakter zu definieren und ggf. zu
modifizieren, ...“ (FRÜH, 2001, S. 152). Die Probecodierungen der Ausgaben der „Welt“
vom 15. und 17. November 2003 (vgl. S. 93). Die geringfügigen Präzisierungen im
Codebuch (S. A1) sind durch Unterstreichung markiert. Präzisiert wurde die Definition
des Essays in Anlehnung an Stegert (STEGERT, 1998, S. 326). Ebenfalls konkretisiert
wurden die Anweisungen zur Messung der Bildfläche, zum Beispiel bei freigestellten
Bildern. Kategorien wurden geringfügig ergänzt, zum Beispiel Literatur um die Unter-
rausprägung Kinder/Jugendliteratur und Medien um die Unterrausprägung Rundfunk.

8.4 Reliabilität und Validität

8.4.1 Intracoderreliabilität
Nach Abschluss der Entwicklung des Kategoriensystems empfiehlt Früh die Prüfung
der Reliabilität (2001, S. 177). Als „Maß für die Reproduzierbarkeit von
Meßergebnissen“ (DIEKMANN, 1999, S. 217) wurde für das Instrument sowohl die
Intracoderreliabilität als auch die Intercoderreliabilität nach den von Früh empfohlenen
8 Anlage der Untersuchung 98

Verfahren bestimmt. Zur Prüfung der Intracoderreliabilität codierte der Autor im


Abstand von einer Woche zweimal das Feuilleton derselben drei Ausgaben der
Tageszeitung „Die Welt“ vom 18., 19. und 20. November 2003. Dabei wurden 175
Beiträge erfasst. Die Reliabilität wurde anhand der von Früh empfohlenen Formel
(FRÜH, 2001, S. 179) bestimmt:

CR = Coder-Reliabilität | Ü = Anzahl der übereinstimmenden Codierungen | C1 = Anzahl der Codierungen von Coder zu
Zeitpunkt 1 | C2 = Anzahl der Codierungen von Coder zu Zeitpunkt 2

Nach dieser Formel wurde für jede Variable des Kategoriensystems der
Reliabilitätskoeffizient berechnet – abgesehen von Variable agmedium [04], da nur ein
Medium untersucht wurde. Dies ist jedoch zu vernachlässigen, da bei der späteren
Codierung des Untersuchungsmaterials zuverlässig zwischen FAZ und SZ
unterschieden werden dürfte. Für die Reliabilitätstests wurden die Definitionen und
Codierregeln für die Variablen asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07] und btrfeusg – [11]
geringfügig angepasst. Die Welt weist eine tägliche Medien- und Wissenschaftsseite
auf, die beide im Feuilletonbuch erscheinen, aber organisatorisch - ähnlich wie bei der
SZ - eigenständige und unabhängige Ressorts sind. Die Ergebnisse des Tests sind im
Anhang (S. A34) für jede Kategorie einzeln aufgeführt, hier werden wegen der
Übersichtlichkeit lediglich die Werte einzelner Kategoriengruppen aufgeführt.

Tabelle 28: CR-Wert für Intracoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Ausgabenebene


Hauptdimension CR-Wert
Kategorien zur Identifikation (agidnr – [01]; agdatum – [02]; agjahr – [03];) 1
Kategorien zum Umfang (agseitbr – [05]; asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07]) 1

Tabelle 29: CR-Wert für Intracoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Beitragsebene


Hauptdimension CR-Wert
Kategorien zur Identifikation | (btridnr – [08]; btrdatum – [09]; btrjahr – [10]; btrfeusg – [11]) 1
Kategorien zu Umfang und Platzierung | (btrseit – [12]; btrbruch – [13]; btraufma – [14]) 0,99
Textfläche (cm²) (txtflaec – [15]) 0,75
Fläche des Bildelements (cm²) (bldflaec – [16]) 0,91
Gesamtfläche des Beitrags (cm²) (btrflaec – [17]) 0,75
Kategorien zur Gestaltung | (btrserie – [18]; txtquell – [19]; txtform – [20]; btrrubri– [21]; btrzwiti– [22]; btrinfok– [23]; 0,95
btrendab– [24]; bldform – [25])
Kategorien zum Inhalt | (btrobthe – [26]; btruthe – [27]; btruuthe – [28]; btrkultb – [29]; btranlob – [30]; btranlun – [31]; 0,82
btrfokob – [32]; btrfokun – [33]; btrfokuu – [34])

Aufgrund der unterschiedlichen Bezüge der einzelnen Werte lässt sich, wie Früh
feststellt, „... keine fixe Richtgröße für die Höhe des Reliabilitätskoeffizienten
angeben.“ (FRÜH, 2001, S. 181). Als Orientierungswerte für unterschiedliche
Kategorietypen gibt Früh anhand eines Beispielsystems diese Reliabilitätskoeffizienten
als Zielgrößen an: „... bei der Variable ‚Themen’ dürfte ein Wert zwischen CR=.75 und
CR=.85 bei sorgfältiger Vorarbeit und intensiver Codierschulung erreichbar sein. Ein
solches Ergebnis ist als guter bis sehr guter Qualitätsstandard zu betrachten.“ (FRÜH,
2001, S. 181) In diesem Sinne sind die CR-Werte für Kategorien zu Inhalt und
Gestaltung absolut zufrieden stellend, ausgenommen drei Kategorien.
Problematisch ist der zu niedrige CR-Wert für die Kategorie Textfläche. Grund für
diese Unzuverlässigkeit ist ein systematischer Fehler: Die Breite der Artikel wurde
8 Anlage der Untersuchung 99

von Beitrag zu Beitrag neu ausgemessen, da eine entsprechende Angabe im Codebuch


fehlte. Anstatt die Spaltenbreite einmal exakt verbindlich abzumessen, vervielfachten
sich so durch ständig neue Messungen die Abweichungen von wenigen Millimetern
durch die Multiplikation zur Beitragsfläche. Zur Verbesserung der Reliabilität
wurden für den Test der Intercoderreliabilität ins Codebuch verbindliche
Spaltenbreiten der Welt, für die eigentliche Untersuchung feste Spaltenbreiten von
FAZ und SZ aufgenommen. Somit kann die gemessene Beitragsfläche nur noch
aufgrund unterschiedlicher Höhenausmessungen abweichen. Doch diese Abweichungen
können toleriert werden. Denn der ermittelte CR-Wert vor dem Hintergrund zu
betrachten, dass lediglich exakt übereinstimmende Flächenwerte als übereinstimmende
Codierung gewertet wurden.
Als problematisch erwiesen sich außerdem zwei Kategorien zum Inhalt eines
Beitrags: btranlun – [31] (Unterkategorie Beitragsanlass) mit einem CR-Wert von 0,74
sowie btrfokuu – [34] (Unterunterkategorie Beitragsfokus) mit einem CR-Wert von
0,73. Hier fällt auf, dass die Reliabilität der jeweiligen Oberkategorien weit besser
ausfällt mit 0,85 (btranlob – [30]), respektive 0,89 (btrfokob – [32]). In Auswertung
der sollte also lediglich der höhere Aggregatszustand verwendet werden. Und in der
Tat reichen die Oberkategorien zur Beantwortung der Hypothesen aus. Die unterste
Stufe des Beitragsfokus (btrfokuu – [34]) wurde gestrichen. Außerdem wurde die
Formulierung in der Codieranweisung der Oberkategorie zum Beitragsfokus präzisiert.

8.4.2 Intercoderreliabilität

Tabelle 30: CR-Wert für Intercoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Ausgabenebene


Hauptdimension CR-Wert
Kategorien zur Identifikation | (agidnr – [01]; agdatum – [02]; agjahr – [03];) 1
Kategorien zum Umfang | (agseitbr – [05]; asgfeusd – [06]; asgfeupb – [07]) 1

Tabelle 31: CR-Wert für Intercoderreliabilität bei Hauptdimensionen auf Beitragsebene


Hauptdimension CR-Wert
Kategorien zur Identifikation | (btridnr – [08]; btrdatum – [09]; btrjahr – [10]; btrfeusg – [11]) 1
Kategorien zu Umfang und Platzierung | (btrseit – [12]; btrbruch – [13]; btraufma – [14]) 1
Textfläche (cm²) (txtflaec – [15]) 0,88
Fläche des Bildelements (cm²) (bldflaec – [16]) 1
Gesamtfläche des Beitrags (cm²) (btrflaec – [17]) 0,88
Kategorien zur Gestaltung | (btrserie – [18]; txtquell – [19]; txtform – [20]; btrrubri– [21]; btrzwiti– [22]; btrinfok– [23]; 0,98
btrendab– [24]; bldform – [25])
Kategorien zum Inhalt | (btrobthe – [26]; btruthe – [27]; btruuthe – [28]; btrkultb – [29]; btranlob – [30]; btranlun – [31]; 0,86
btrfokob – [32]; btrfokun – [33])

Die Intercoderreliabilität wurde entsprechend Frühs Empfehlung (2001, S. 177f.)


überprüft. Der Autor der vorliegenden Arbeit und eine andere Codiererin erfassten
Ausgabe der Welt vom 19. November 2003. Dabei wurde das nach dem Test der
Intercoderreliabliltät angepasste Codebuch verwendet.
Der CR-Wert wurde entsprechend der von Früh empfohlenen Formen (2001, S. 179)
berechnet. Das Ergebnis ist absolut zufrieden stellend. Die Präzisierung der
Codieranweisungen zur Kategorie Textfläche (txtflaec – [15]) hat die Verlässlichkeit
deutlich verbessert, auch sonst bewegen sich die ermittelten Reliabilitätswerte bei
jeder Variablen im zufrieden stellenden Bereich.
8 Anlage der Untersuchung 100

8.4.3 Validität
Valide ist ein Messinstrument, wenn es misst, was es messen soll (DIEKMANN, 1999, S.
223). Bei der Validität eines Messinstrumentes geht es also um dessen Gültigkeit, nicht
nur die Zuverlässigkeit. Früh sieht ein Instrument als valide an, wenn „Codierer und
Forscher die Bedeutungen der Kategorien übereinstimmend definieren, nach denselben
Bedeutungen im Text suchen“ (2001, S. 184). Deshalb gibt Früh zufolge der Test auf
Intercoderreliabilität auch den Grad der Validität des verwendeten Instruments an, weil
hier die Ergebnisse von Fremdcodierern mit denen des Forschers verglichen
werden. Dem absolut zufrieden stellenden Ergebnis der Untersuchung auf
Intercoderreliabilität des entwickelten Kategorienschemas (vgl. S. 99) nach ist es also
valide. Hinzu kommt, dass diese Untersuchung ein vergleichbares
Erkenntnisinteresse verfolgt wie jene Untersuchungen, aus denen Elemente des
Kategoriensystems übernommen wurden (vgl. S. 93ff.). Weil insbesondere die
inhaltsanalytische Untersuchung Stegerts auf einer tief gehenden Auseinandersetzung
mit bereits angewandten Untersuchungsinstrumenten beruht und Stegerts Vorgehen
bislang wissenschaftlich unumstritten ist, kann zudem von einer gewissen Experten-
Validität ausgegangen werden. Deshalb kann Validität als Zusammenhang zwischen
Messinstrument und den in der Forschungsfrage bezeichneten theoretischen
Konstrukten als intersubjektiv gegeben angesehen werden – schließlich haben
verschiedene Forscher ihn in mehreren Untersuchungen erkannt. Hier gilt, was Brosius
und Koschel zur Validität von Instrumenten feststellen: „Je häufiger zum Beispiel ein
Gegenstand schon untersucht wurde, desto sicherer kann sich der Forscher sein, alle
relevanten Aspekte berücksichtigt zu haben.“ (BROSIUS / KOSCHEL 2003, S. 187) Hinzu
kommt, dass Stegert bei Konstruktion seines Instruments auf zahlreiche externe
Quellen zurückgriff: Bei der Bestimmung von Themenkategorien nutzte er
Typologisierungen von Branchenverbänden und aus Statistiken (vgl. STEGERT, 1998, S.
78 ff.). Analog dazu wurde das in dieser Arbeit genutzte Codebuch mit Hilfe von
Produktionsrichtlinien und Klassifizierungssysteme aus der journalistischen
Praxis – konkret mit Definitionen der Darstellungsformen aus journalistischen
Lehrbüchern – erstellt (vgl. Anhang, S. A1).
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 101

9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung
der Forschungsfragen
Die hier vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer Analyse von 1788 Beiträgen, die in
48 Ausgaben der FAZ und SZ in den Jahren 1999, 2000, 2001 und 2002 erschienen
sind (vgl. zur Auswahl S. 87ff.). Die Darstellung folgt inhaltlichen Struktur der
aufgestellten Hypothesen (vgl. S. 80ff.). Die SPSS-Datensätze stellt der Autor auf
Anfrage gerne zur Verfügung. Zusammengefasst und vor dem Hintergrund der
Feuilletontradition, Feuilletonforschung und Feuilletonkritik diskutiert werden die
Ergebnisse im letzten Abschnitt der Arbeit (vgl. 10., S. 145ff.) – im folgenden Teil gilt
es zunächst nur, die Hypothesen zu prüfen.

9.1 Entwicklung nach Beginn der Joy-Debatte 2000 im


Vergleich zu 1999

9.1.1 Umfänge der Feuilletons


Der Vergleich der Umfänge der Feuilletonressorts in den Untersuchungszeiträumen
1999 und 2000 bestätigt alle drei zum Umfang aufgestellten Hypothesen. Das
Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist im Untersuchungszeitraum 2000
sowohl absolut als auch in Relation zum Gesamtangebot der FAZ größer als im
Untersuchungszeitraum 1999 (H1). Der Anteil der Bruttoseiten des Feuilletonressorts
an den Bruttoseiten des Mediums insgesamt steigt von 18,6 Prozent im untersuchten
Zeitraum 1999 auf 20,5 Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 (vgl. Tabelle 32). Noch
erheblich deutlicher als die Bruttoseitenmenge ist steigt die Gesamtbeitragsfläche vom
untersuchten Zeitraum 1999 zu dem im Jahr 2000: um etwa 18,8 Prozent (vgl. Tabelle
33, S. 102). Der im FAZ-Feuilleton angekündigte Ausbau der Berichterstattung zu
naturwissenschaftlichen Themen geht also sowohl mit einem Zuwachs des absoluten
Feuilletonangebots als auch mit einer Erweiterung des Feuilletonanteils am FAZ-
Gesamtangebot einher.

Tabelle 32: Bruttoseiten und Anteile des Feuilletons am Brutto-Gesamtangebot nach Zeitungstiteln
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons) 1999/2000
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
Feuilleton Gesamt Feuilleton- Feuilleton Gesamt Feuilleton-
(Seiten) (Seiten) anteil (%) (Seiten) (Seiten) anteil (%)
FAZ | n = 12 Ausgaben 72 388 18,6 85 415 20,5
SZ Selbstdefinition | n = 12 Ausgaben 23 312 7,4 21 296 7,1
SZ parallelisierende Definition | n = 12 Ausg. 39 312 12,5 37 296 12,5

Die Entwicklung des Feuilletonumfangs bei der Süddeutschen Zeitung bestätigt


ebenfalls die entsprechende Hypothese (H2): Sowohl der Anteil des Feuilletonressorts
nach Bruttoseiten am Gesamtangebot der SZ (vgl. Tabelle 32) als auch die
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 102

Gesamtfläche der Beiträge ist im Untersuchungszeitraum 2000 in etwa ebenso groß


wie im untersuchten Zeitraum 1999. Das trifft sowohl auf das SZ-Feuilleton nach
Selbstdefinition als auch auf die nach der parallelisierenden Definition untersuchten
Inhalte zu. Weder der Umfang des SZ-Feuilletons noch jener der Ressortseiten zu
Medien und Wissenschaft hat sich im Untersuchungszeitraum 2000 verglichen mit dem
1999 gravierend verändert (vgl. Tabelle 33). Die Gesamtbeitragsfläche des SZ-
Feuilletons nach Selbstdefinition ist im Untersuchungszeitraum 2000 um knapp 0,5
Prozent kleiner als im Zeitraum 1999. Nach parallelisierender Definition beträgt die
Differenz knapp 0,7 Prozent der Beitragsfläche des Untersuchungszeitraums 1999.

Tabelle 33: Bild-, Text- und Gesamtbeitragsflächen im Feuilleton nach Titeln in cm² 1999/2000
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
Bild (cm²) Text (cm²) Beitrag (cm²) Bild (cm²) Text (cm²) Beitrag (cm²)
FAZ | n = 520 Beiträge 16531 82075 98608 25600 91531 117131
SZ Selbstdefinition | n = 195 Beiträge 6845 25726 32571 7347 25067 32414
SZ parallelisierende Def. | n = 305 Btr. 11420 46487 57907 11708 45809 57517

Der Vergleich der Umfänge der Feuilletonressorts von FAZ und SZ in beiden
Untersuchungszeiträumen bestätigt die Hypothese (H3), dass das FAZ-Feuilleton in
den untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000 absolut und in Relation zum
Gesamtangebot größer ist als das der SZ. Der Abstand vergrößert sich im
Untersuchungszeitraum 2000 gegenüber dem 1999 (vgl. Tabelle 33).

9.1.2 Themen im Feuilleton


Die im FAZ-Feuilleton im Juni 2000 angekündigte (vgl. S. 72ff.) verstärkte Bericht-
erstattung zu naturwissenschaftlichen Themen schlägt sich in den untersuchten
Medieninhalten nieder. Die Hypothese (H4) kann insgesamt als bestätigt gelten.

Tabelle 34: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999/2000
(Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
spartenübergreifend 1048 1,3 804 3,1 804 1,7 114 0,1 1248 5 1248 2,7
bildende Kunst 6395 7,8 3119 12,1 3119 6,7 9171 10 2786 11,1 2786 6,1
angewandte Kunst 2208 2,7 0 0 0 0 1469 1,6 38 0,2 38 0,1
darstellende Kunst 7984 9,7 4034 15,7 4034 8,7 5383 5,9 3273 13,1 3273 7,1
Literatur 9853 12 4091 15,9 4091 8,8 12046 13,2 4586 18,3 4586 10
Musik 3798 4,6 3110 12,1 3110 6,7 3548 3,9 1374 5,5 1374 3
Baukunst 2945 3,6 1193 4,6 1193 2,6 2763 3 622 2,5 622 1,4
Kino 2118 2,6 2236 8,7 2550 5,5 3005 3,3 4009 16 4009 8,8
andere Medien 23148 28,2 426 1,7 15899 34,2 22837 25 630 2,5 17476 38,1
darin Rundfunkprogramm 19741 24,1 - - 9296 20 15402 16,7 - - 7980 17,3
Wissenschaft, Forschung,
13987 17 646 2,5 4873 10,5 17325 18,9 772 3,1 4668 10,2
Technologie
Bildung und Erziehung - - - - - - - - - - - -
Zeitgeschehen 8591 10,5 6067 23,6 6814 14,7 13870 15,2 5729 22,9 5729 12,5
Gesamt 82075 100 25726 100 46487 100,1 91531 100,1 25067 100,2 45809 100

Der Anteil von Beiträgen zum Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie


an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons wächst von 17 Prozent im untersuchten
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 103

Zeitraum 1999 auf 18,9 Prozent im Folgejahr (vgl. Tabelle 34, S. 102). Diese
Veränderung ist jedoch keineswegs die stärkste. So steigt zum Beispiel im selben
Zeitraum der Anteil von Beiträgen zum Themengebiet Zeitgeschehen von 10,5 auf 15,2
Prozent an der gesamten Textfläche. Auch der Zuwachs an absoluter Textfläche ist
beim Themengebiet Zeitgeschehen größer als bei wissenschaftlichen Themen. Ver-
feinert man aber die Untersuchung, so zeigen sich deutlichere Unterschiede zwischen
den Inhalten des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000.

Tabelle 35: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der
Textfläche 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 54 n=3 n = 23 n = 52 n=2 n = 19
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
subspartenübergreifend - - - - 884 18,1 120 0,7 - - - -
Veranstaltungshinweise 684 4,9 - - - - - - - - - -
Sozialwissenschaften 1515 10,8 - - 609 12,5 2249 13 - - 341 7,3
Geisteswissenschaften 5925 42,4 570 88,2 570 11,7 5773 33,3 - - - -
Technik - - - - 256 5,3 1333 7,7 456 59,1 1515 32,5
Naturwissenschaft 5863 41,9 76 11,8 2554 52,4 7850 45,3 316 40,9 2812 60,2
gesamt 13987 100 646 100 4873 100 17325 100 772 100 4668 100

Die Untersuchung der untergeordneten Themenfelder des Obergebiets Wissenschaft,


Forschung, Technologie zeigt, dass sich die Ankündigung des FAZ-Feuilletons,
verstärkt über Robotik, Gen- und Nanotechnologie zu berichten, in den Medieninhalten
niederschlägt. So nimmt der Anteil der geisteswissenschaftlichen Themen an der
Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton von 42,1 Prozent auf 33,3 Prozent
im untersuchten Zeitraum 2000 ab. Zugleich steigen die Anteile
naturwissenschaftlicher (von 41,9 auf 45,3 Prozent) und technischer Themen (von 0
auf 7,7 Prozent) an der Textfläche des Themenfeldes Wissenschaft, Forschung,
Technologie (vgl. Tabelle 35). Auf der dritten, feisten Analyseebene der Themenfelder
zeigen sich die Veränderungen am deutlichsten: Im untersuchten Zeitraum 2000
nehmen Artikel zu Biologie und/oder Gentechnologie 59,2 Prozent der Fläche aller
naturwissenschaftliche Beiträge im FAZ-Feuilleton ein, im Untersuchungszeitraum
1999 waren es lediglich 16,6 Prozent.
Die zur Platzierung der Wissenschaftsbeiträge aufgestellte Hypothese (H4) wird
ebenfalls vom untersuchten Material bestätigt: In der Tat nehmen im
Untersuchungszeitraum 2000 im FAZ-Feuilleton Beiträge zu Wissenschaftsthemen
mehr prominente Plätze ein als im Untersuchungszeitraum 1999. So beschäftigen sich
zum Beispiel 19 Prozent der Textfläche auf der ersten Feuilletonseite und 32,4 Prozent
der Textfläche auf der dritten Feuilletonseite mit Themen aus dem Feld
Naturwissenschaft/Technik (vgl. Tabelle 36, S. 104). Auf beiden prominenten Seiten
tauchten diese Themen 1999 noch kaum auf.
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 104

Tabelle 36: Flächenanteile der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an der


Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 1999/2000 in Prozent (Selbst- und
parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ... n = 81 n = 17 n = 39 n = 79 n = 18 n = 35
... insgesamt 17 2,5 10,5 18,9 2,9 10,2
... über Bruch 11,3 2,6 7,8 19,2 2,3 8

Wissenschaft / ... der Feuilletonaufmacher 59,9 - - 41,4 - -


Forschung/ ... auf Feuilletonseite 1 5,5 1 1 19 4,2 4,2
Technologie
... auf Feuilletonseite 2 0,1 - - - - -
... auf Feuilletonseite 3 1,1 9,5 9,5 32,4 6,9 6,9
... auf Feuilletonseite 4 8,7 - - 14,1 - -
... insgesamt 10,5 23,6 14,7 15,2 21,7 12,5
... über Bruch 18,6 27,2 15,2 16 20,7 11,8
... der Feuilletonaufmacher 24 84,8 84,8 38,1 82 82
Zeitgeschehen ... auf Feuilletonseite 1 39,8 38,4 38,4 28,3 45,1 45,1
... auf Feuilletonseite 2 - 28,7 28,7 - 16,6 16,6
... auf Feuilletonseite 3 18,2 17,6 17,6 11,2 18,1 18,1
... auf Feuilletonseite 4 11,2 - - 17,3 - -

Alles in allem kann man von einer überdurchschnittlich prominenten Platzierung


von Wissenschaftsthemen im FAZ-Feuilleton im Jahr 2000 sprechen: Während
Beiträge zum Themenfeld Wissenschaft, Forschung, Technologie insgesamt einen
Anteil von 18,9 Prozent an der Textfläche einnehmen, machen sie 41,4 Prozent der
Textfläche von Feuilletonaufmacher und 32,4 Prozent der Textfläche auf den dritten
Feuilletonseiten aus. Diese Beobachtungen sprechen für eine Etablierung dieses
Themengebiets im FAZ-Feuilleton. Auch wenn die Textfläche insgesamt nicht weit
stärker als die anderer Themen steigt, so verändert sich doch die Platzierung dieser
Fläche im Medium. Wissenschaft ist im Untersuchungszeitraum 2000 eher ein Thema
für prominente Plätze auf den vorderen Ressortseiten als 1999, wo ein größerer Teil der
Wissenschaftsberichterstattung auf hinteren Feuilletonseiten und vermutlich in der
entsprechenden wöchentlichen Feuilletonbeilage platziert ist.
Insgesamt fällt an der Themenstruktur des FAZ-Feuilletons auf, dass den Anteilen an
der Textfläche nach Themenfelder dominieren, die nicht zur Kultur im engeren Sinne
gehören (vgl. Tabelle 34, S. 102). In beiden Untersuchungszeiträumen führt dem
Flächenanteil nach das Themenfeld „andere Medien“ (mit 28,2/25 Prozent der
Textfläche), wobei davon der allergrößte Teil auf das umfangreiche FAZ-
Rundfunkprogramm entfällt, nämlich 24,1 Prozent der gesamten Textfläche des FAZ-
Feuilletons 1999 und 16,7 Prozent im Untersuchungszeitraum 2000. Das anteilsmäßig
zweitstärkste Themengebiet ist in beiden Zeiträumen Wissenschaft, Forschung,
Technologie (17/18,9 Prozent), gefolgt von Zeitgeschehen (10,5/15,2 Prozent). Diese
Ergebnisse bestätigen für beide Untersuchungszeiträume den von Feuilleton-
kommunikatoren in Kommentaren und Wissenschaftlern in Vorgängeruntersuchungen
angeführten weiten Kulturbegriff des FAZ-Feuilletons (vgl. S. 48ff.). Bei den
Kultursparten im engeren Sinn hat im FAZ-Feuilleton in beiden Untersuchungs-
zeiträumen die Literatur den größten Anteil an der Gesamttextfläche (12/13,2 Prozent).
Kino (2,6/3,3 Prozent) und angewandte Kunst (2,7/1,6 Prozent) hingegen haben als eher
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 105

populäre Kultursparten die geringsten Anteile an der Gesamttextfläche. Die Weite des
Kulturbegriffs im FAZ-Feuilleton ergibt sich demnach nicht so sehr durch die
Erweiterung gegenüber populären Kultursparten im engeren Sinne als vielmehr
gegenüber Wissenschaft als Teil der Hochkultur im weiteren Sinne. Das Bild aus der
Verteilung der Themenanteile an der Gesamttextfläche verstärkt die Auswertung der
Anteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 37): Populäre Kultur
im engeren Sinne hat in beiden Untersuchungszeiträumen den geringsten Anteil aller
Kulturbereiche an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons. Kultur im engeren Sinn
dominiert dem Anteil an der Textfläche zufolge die Hochkultur im engeren Sinn mit
25,2 im untersuchten Zeitraum 1999 beziehungsweise 31,1 Prozent 2000. Der hohe
Anteil populärer Kultur im weiteren Sinne an der Gesamttextfläche ist im Wesentlichen
auf die große Fläche der Rundfunkprogramme zurückzuführen.

Tabelle 37: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln
1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
populäre Kultur im engeren
12313 15 4591 17,8 8189 17,6 10377 11,3 5235 20,9 6355 13,9
Sinn
populäre Kultur im weiteren
25930 31,6 2788 10,8 15866 34,1 23330 25,5 2481 9,9 18297 39,9
Sinn
Hochkultur im engeren Sinn 20714 25,2 11349 44,1 11349 24,4 28455 31,1 8422 33,6 8602 18,8
Hochkultur im weiteren Sinn 20273 24,7 6740 26,2 10825 23,3 28439 31,1 4508 18 8134 17,8
populäre und Hochkultur im
2845 3,5 258 1 258 0,6 810 0,9 4421 17,6 4421 9,7
engeren Sinn
nicht klar zuzuordnen - - - - - - 120 0,1 - - - -
Gesamt 82075 100 25726 100 46487 100 91531 100 25067 100 45809 100,1

Populäre Kultur im engeren Sinne scheint im FAZ-Feuilleton ein Nischendasein zu


führen – allerdings ein in seinen Grenzen etabliertes Nischendasein. Diese Interpretation
lässt zumindest die Verteilung der Textfläche zu bestimmten Kulturbereichen auf die
prominenten Plätze im Feuilletonressort zu. Kein FAZ-Feuilletonaufmacher in den
Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich mit einem Thema aus dem Bereich der
populären Kultur im engeren Sinne. Dieser Kulturbereich ist mit 3,3 Prozent der
Beitragsfläche auf der ersten Feuilletonseite (gegenüber 15 Prozent der Textfläche im
gesamten Ressort) im untersuchten Zeitraum 1999 ebenso unterrepräsentiert wie mit 7,5
Prozent 2000. Stärker vertreten als im gesamten Ressort sind hingegen Themen aus der
populären Kultur im engeren Sinne auf der zweiten Feuilletonseite in beiden
Untersuchungszeiträumen – offenbar ein bewusst für sie bestimmter Platz. Hochkultur
im engeren Sinne hingegen ist anteilsmäßig auf den ersten Feuilletonseiten stärker
vertreten als im gesamten FAZ-Feuilleton beider Zeiträume. Auffällig ist, dass Themen
aus dem Bereich der Kultur im engeren Sinne kaum als Feuilletonaufmacher platziert
werden. Diesen Platz beherrschen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne, vor allem
aus Themen aus Wissenschaft, Forschung, Technologie (vgl. Tabelle 36, S. 104).
Die erhobenen Daten bestätigten die Aussage der Hypothese (H5) zur Entwicklung der
Wissenschaftsthemen im SZ-Feuilleton zwischen den untersuchten Zeiträumen 1999
und 2000: Die Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft, Forschung,
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 106

Technologie verändern sich kaum. Im Untersuchungszeitraum 1999 nimmt dieses


Themengebiet 2,5 Prozent der Textfläche nach Selbstdefinition und 10,5 Prozent nach
parallelisierender Definition des Feuilletons ein. Im Folgejahr betragen die Anteile 3,1
beziehungsweise 10,2 Prozent (vgl. Tabelle 34, S. 102). Anders als im FAZ-Feuilletons
ist auch keine Etablierung dieses Themengebiets auf prominenteren Plätzen im
Feuilleton wie Aufmachern, ersten und dritten Ressortseiten zu beobachten (vgl.
Tabelle 36, S. 104).

Tabelle 38: Flächenanteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche prominent platzierter


Beiträge nach Titeln 1999/2000 in Prozent (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
... insgesamt 15 17,8 17,6 11,3 20,5 13,9
... über Bruch 11,5 18,8 18 10,5 21,7 13,7
... der Feuilletonaufmacher - - - - - -
populäre Kultur
im engeren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 3,3 19,3 19,3 7,5 15,6 15,6
... auf Feuilletonseite 2 71,3 18,2 18,2 29,5 16,5 16,5
... auf Feuilletonseite 3 3,7 17 17 18,8 15,5 15,5
... auf Feuilletonseite 4 18,6 16,2 26,5 12,8 28 14
... insgesamt 31,6 10,8 34,1 25,5 13,8 39,9
... über Bruch 33,5 12,4 37,7 29,8 15,2 43,9
... der Feuilletonaufmacher 15,8 48,5 48,5 28,9 20,8 20,8
populäre Kultur
im weiteren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 10 28,5 28,5 22,8 13,5 13,5
... auf Feuilletonseite 2 6,9 8,4 8,4 5,9 6,2 6,2
... auf Feuilletonseite 3 27,9 - - - 15,8 15,8
... auf Feuilletonseite 4 10,6 - 4,1 14,2 29 64,5
... insgesamt 25,2 44,1 24,4 31,1 31,9 18,8
... über Bruch 24,1 36,9 20,2 27,1 31 18,2
... der Feuilletonaufmacher 16,1 - - 20,5 - -
Hochkultur im
engeren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 42,2 23 23 34,6 22,7 22,7
... auf Feuilletonseite 2 17,3 50,1 50,1 64,6 47,3 47,3
... auf Feuilletonseite 3 46,7 48,4 48,4 35,5 51,4 51,4
... auf Feuilletonseite 4 50,7 63 52,2 41,6 3,6 1,8
... insgesamt 24,7 26,2 23,3 31,1 17,2 17,8
... über Bruch 27,2 30,7 23,4 31,7 15,1 14,5
... der Feuilletonaufmacher 68,1 51,5 51,5 50,6 65,1 65,1
Hochkultur im
weiteren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 41,4 28,7 28,7 33,3 35,8 35,8
... auf Feuilletonseite 2 4,5 20,2 20,2 - 10,4 10,4
... auf Feuilletonseite 3 12,6 34,6 34,6 36,2 16,6 16,6
... auf Feuilletonseite 4 - 20,8 17,3 31,4 - -
... insgesamt 3,5 1 0,6 0,9 16,7 9,7
... über Bruch 3,8 1,3 0,7 0,8 17 9,7
Hochkultur und ... der Feuilletonaufmacher - - - - 14,1 14,1
populäre Kultur ... auf Feuilletonseite 1 3 0,5 0,5 1,2 12,4 12,4
im engeren Sinn
... auf Feuilletonseite 2 - 3,1 3,1 0 19,5 19,5
... auf Feuilletonseite 3 9 - - 9,5 0,7 0,7
... auf Feuilletonseite 4 0,3 - - - 39,4 19,7
n. zuzuordnen ... auf Feuilletonseite 1 - - - 0,6 - -

An der Themenstruktur des SZ-Feuilletons fällt auf, dass das Themengebiet


Zeitgeschehen sowohl nach Selbst- als auch nach parallelisierender Feuilletondefinition
die Textfläche des SZ-Feuilletons dominiert. Diesen Anteil übertreffen allein die
Beiträge zum Themenobergebiet Medien, allerdings nur bei einer Auswertung nach
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 107

parallelisierender Feuilletondefinition, weil dann auch Medienseite und


Rundfunkprogramm zum Feuilletonressort gerechnet werden. Auch das
Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie hat nur nach der
Materialauswahl nach parallelisierender Feuilletondefinition den dritthöchsten Anteil an
der Textfläche in beiden Untersuchungszeiträumen. Hier zeigt sich, dass Wissenschaft
und Medien als Themen aus der Kultur im weiteren Sinne nicht zum Kernprogramm
des SZ-Feuilletons zählen, sondern von autonomen Ressorts behandelt werden. Anders
das Themenfeld Zeitgeschehen: Es ist den Flächenanteilen nach in beiden
Untersuchungszeiträumen ein wesentlicher Teil des SZ-Feuilletons. Dazu zählen als
Unterthemen den Flächenanteilen nach vor allem Gesellschaft, Politik und Geschichte
(vgl. Tabelle 39). Diese Besonderheit spricht dafür, dass nach wie vor im SZ-Feuilleton
das Mitte der neunziger Jahre von Johannes Willms umgesetzte Konzept eines
politischen Feuilletons (vgl. S. 74ff.) wirkt. Es fällt auf, dass zeitgeschichtliche
Themen in beiden Untersuchungszeiträumen die größte Fläche der Feuilletonaufmacher
(84,8 Prozent 1999, 82 Prozent 2000) und der ersten Feuilletonseiten (38,4 Prozent
1999, 45,1 Prozent 2000) einnehmen (vgl. Tabelle 36, S. 103). Ähnlich wie das
Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie in der FAZ dominiert in der SZ
das Themengebiet Zeitgeschehen die Aufmacher in den untersuchten Zeiträumen 1999
und 2000.

Tabelle 39: Flächenanteile des Themengebiets Zeitgeschehen und untergeordneter Themen an der
Textfläche 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 27 n = 14 n = 16 n = 27 n = 16 n = 16
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Zeitgeschehen allgemein 8591 10,5 6067 23,6 6814 14,7 13870 100 5729 100 5729 100
davon: Veranstaltungs-
- - - - - - 722 5,2 - - - -
hinweise
davon: Politik 2232 26 678 11,2 792 11,6 4330 31,2 1764 30,8 1764 30,8
davon: Gesellschaft 4153 48,3 2747 45,3 3380 49,6 7700 55,5 3362 58,7 3362 58,7
davon: Wirtschaft 617 7,2 456 7,5 456 6,7 294 2,1 132 2,3 132 2,3
davon: Geschichte 1589 18,5 2186 36 2186 32,1 824 5,9 471 8,2 471 8,2

Bei den Kultursparten dominiert im SZ-Feuilleton den Anteilen an der Textfläche


nach die Literatur in beiden Untersuchungszeiträumen (vgl. Tabelle 34, S. 102). Ihr
Anteil am Feuilleton nach Selbstdefinition vergrößert sich sogar von 15,9 Prozent im
untersuchten Zeitraum 1999 auf 18,3 Prozent 2000 (respektive von 8,8 auf 10 Prozent
nach parallelisierender Definition). Sehr auffällig sind im SZ-Feuilleton die
Veränderungen der Flächenanteile der Musik- und Kinothemen. Der Anteil der
Musikberichterstattung an der Gesamttextfläche halbiert in etwa vom untersuchten
Zeitraum 1999 zu dem 2000. Zugleich verdoppelt sich der Anteil wie auch die absolute
Fläche des Themengebietes Kino. Es ist im Untersuchungszeitraum 2000 mit 16
Prozent (respektive 8,8 Prozent nach parallelisierender Definition) der Textfläche die
stärkste Kultursparte im engeren Sinne nach der Literatur. 1999 stand im SZ-Feuilleton
an dieser Stelle der Rangfolge nach Flächenanteilen die darstellende Kunst (15,7/8,7
Prozent), gefolgt von bildender Kunst (12,1/6,7 Prozent) und Musik (12,1/6,7 Prozent).
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 108

Dieser Ausbau der Kinoberichterstattung schlägt sich auch in der Entwicklung der
Textflächenanteile einzelner Kulturbereiche nieder: Die SZ erweitert vom untersuchten
Zeitraum 1999 zu dem 2000 ihren Kulturbegriff hin zur populären Kultur im engeren
Sinne (vgl. Tabelle 37, S. 105). Deren Anteil an der Gesamttextfläche im Feuilleton
nach Selbstdefinition steigt von 17,8 Prozent 1999 auf 20,9 Prozent im Jahr 2000.
Dennoch dominiert in beiden Untersuchungszeiträumen Hochkultur im engeren Sinn
das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Allerdings nimmt im Jahr 2000 gegenüber
1999 der Anteil populäre Kultur im engeren Sinne an der Textfläche zu und übertrifft
die der Hochkultur im weiteren Sinne. Die Aussagen der Hypothese H5 über die Anteile
der Kulturbereiche an der Textfläche des SZ-Feuilletons können also nur eingeschränkt
bestätigt werden. Tatsächlich dominieren in beiden Zeiträumen Themen aus der Kultur
im engeren Sinne. Doch das trifft – erwartungsgemäß – nur auf das SZ-Feuilleton nach
Selbstdefinition zu. Und auch hier ist der Anteil von Hochkultur im weiteren Sinne,
vor allem gesellschaftlicher, politischer und historischer Themen, in etwa so hoch
wie der populärer Kultur im engeren Sinne (vgl. Tabelle 37, S. 105). Wertet man
entsprechend der parallelisierenden Feuilletondefinition Medien- und
Wissenschaftsressort der SZ ebenfalls aus, dominiert Kultur im engeren Sinne nicht das
SZ-Feuilleton.
Die Aussage der Hypothese H5, dass Hochkultur im engeren Sinn einen höheren
Anteil der Textfläche des SZ-Feuilletons einnimmt als populäre Kultur, ist hingegen
durch die Untersuchung bestätigt. Der Abstand der Flächenanteile verringert sich zwar
vom untersuchten Zeitraum 1999 zu dem 2000, doch nach wie vor steht einem Anteil
der Hochkultur im engeren Sinne an der Gesamttextfläche des SZ-Feuilletons nach
Selbstdefinition von 33,6 Prozent (respektive 20,9 bei parallelisierender Definition) ein
Anteil der populären Kultur im engeren Sinne an der Textfläche von lediglich 20,9
Prozent (13,9) gegenüber. Im SZ-Feuilleton sind Themen aus dem Gebiet der Kultur im
engeren Sinne auf prominenten Plätzen unterrepräsentiert. So beschäftigt sich zum
Beispiel kein SZ-Feuilletonaufmacher in beiden Untersuchungszeiträumen mit einem
Thema aus der Hoch- oder Populärkultur im engeren Sinn. Im SZ-Feuilleton nach
Selbstdefinition haben Themen aus diesem Kulturbereich 1999 einen Anteil von 44,1
Prozent an der Textfläche, auf der ersten Seite jedoch lediglich einen Anteil von 23
Prozent. 2000 ist die Differenz geringer: 31,9 Prozent stehen 22,7 gegenüber. Deutlich
überrepräsentiert im Vergleich mit ihrem Anteil an der Gesamttextfläche des SZ-
Feuilletons nach Selbstdefinition sind auf der ersten Feuilletonseite und den
Aufmacherplätzen Themen aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 38, S. 106).
Der Vergleich beider Feuilletons bestätigt die Hypothese H6: Selbst im Vergleich mit
dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition – also inklusive Wissen-
schaftsressort – bietet das FAZ-Feuilleton einen weit höheren Anteil von
Wissenschaftsthemen an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 34, S. 102): 17 Prozent
gegenüber 10,5 Prozent in der SZ 1999, im untersuchten Zeitraum 2000 dann 18,9
Prozent in der FAZ gegenüber 10,2 Prozent im SZ-Feuilleton nach parallelisierender
Definition. Diese Zahlen stützten die Wahrnehmung von Medienjournalisten und
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 109

Feuilletonkommunikatoren, dass das FAZ-Feuilleton sich durch eine starke


Wissenschaftsberichterstattung gegenüber anderen Feuilletonressorts profiliert.
Allerdings zeigen die Textflächenanteile, dass diese Stärke zumindest gegenüber der SZ
schon vor der Ankündigung eines Ausbaus im Juni 2000 vorhanden war – zumindest im
untersuchten Zeitraum 1999. Dass dies nicht so wahrgenommen wurde, könnte darauf
zurückzuführen sein, dass Wissenschaftsthemen nachweislich im untersuchten Zeitraum
2000 gegenüber dem 1999 prominenter im Feuilletonressort platziert sind.
Das SZ-Feuilleton weist – übereinstimmend mit Hypothese H6 - einen größeren
Textflächenanteil populärer Kultur im engeren Sinne auf: Im Untersuchungs-
zeitraum 1999 stehen einem Anteil von 17,6 Prozent an der Gesamttextfläche des SZ-
Feuilletons nach parallelisierender Definition in der FAZ 15 Prozent gegenüber (vgl.
Tabelle 37, S. 105). Die Differenz zwischen den Anteilen populärer Kultur im engeren
Sinne an der Gesamttextfläche zwischen dem FAZ und SZ-Feuilleton nach
parallelisierender Definition ist im Jahr 2000 ähnlich hoch. In der SZ stärker vertreten
ist als Kultursparte insbesondere das Kino. Das gilt sowohl für die Anteile an der
Gesamttextfläche als auch für die absolute Fläche. 5,5 Prozent Textflächenanteil
(absolut 2550 cm²) von Kinobeiträgen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender
Definition stehen im untersuchten Zeitraum 1999 im FAZ-Feuilleton nur 2,6 Prozent
(2118 cm² absolut) gegenüber. Noch deutlicher ist die Differenz im folgenden Zeitraum:
Während das SZ-Feuilleton einen Textflächenanteil von Kinobeiträgen von 8,8 Prozent
(4009 cm² absolut) bietet, weist das FAZ-Feuilleton lediglich 3,3 Prozent (3005 cm²)
auf (vgl. Tabelle 34). Dieses Ergebnis stützt die Wahrnehmung von Medienjournalisten,
dass SZ-Feuilleton sei unter dem Vizeressortchef Claudius Seidl stärker auf
Populärkultur fixiert gewesen als die FAZ (vgl. S. 74f.).
Vergleicht man die Themenprioritäten nach Textflächenanteilen (vgl. Tabelle 34, S.
102), fällt neben der besonderen Bedeutung, die Kinothemen im SZ-Feuilleton des
Untersuchungszeitraums 2000 einnehmen, auf, dass das Themenfeld Zeitgeschehen im
SZ-Feuilleton nach beiden Definitionen in beiden Untersuchungszeiträumen einen
höheren Flächenanteil aufweist als das Themengebiet Wissenschaft/ Forschung/
Technologie. Das SZ-Feuilleton scheint diesen Ergebnissen folgend stärker dem
Konzept des politischen Feuilletons zuzuordnen zu sein als das FAZ-Ressort. Dies gilt
umso mehr, als dass im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition Themen aus der
Wissenschaft und den Medien kaum Anteil an der Textfläche haben, das Obergebiet
Zeitgeschehen jedoch sehr wohl. Die FAZ hingegen bietet qua Anlage ein sehr breites
Themenspektrum, das auch Medienberichterstattung und Wissenschaft umfasst.
Beim Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition zeigt sich,
dass die FAZ anteilsmäßig mehr Wissenschaftsberichterstattung bietet. Die
Medienthemen haben allerdings 1999 und 2000 am FAZ-Feuilleton einen geringeren
Anteil (28,2 / 25 Prozent) als die am SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition
(34,2/38,1 Prozent). Hier fällt auf, dass der hohe Anteil von Medienthemen in der FAZ
stärker auf das Rundfunkprogramm (24,1 / 16,7 Prozent der Gesamttextfläche)
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 110

zurückzuführen ist als in der SZ nach parallelisierender Feuilletondefinition (20 / 17,3


Prozent).

9.1.3 Darstellungsformen und Gestaltung


Die Analyse der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H7 nur teilweise. Rezensionen
und Kritiken nehmen tatsächlich im untersuchten Zeitraum 1999 wie auch 2000 den
größten Teil der Textfläche des FAZ-Feuilletons ein (vgl. Tabelle 40): 28,4 be-
ziehungsweise 29,5 Prozent. Allerdings nimmt dieser Anteil nicht ab, sondern leicht zu.

Tabelle 40: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln


1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Meldung / Nachricht 4052 4,9 766 3 1806 3,9 3476 3,8 990 3,9 1506 3,3
Bericht 4016 4,9 942 3,7 2971 6,4 2629 2,9 953 3,8 2043 4,5
Hintergrundbericht 11495 14 3839 14,9 7042 15,1 17225 18,8 3629 14,5 7480 16,3
Essay 4763 5,8 2133 8,3 2133 4,6 6248 6,8 372 1,5 372 0,8
Reportage/Feature 2553 3,1 475 1,8 1643 3,5 399 0,4 554 2,2 2708 5,9
Portrait 767 0,9 1426 5,5 2132 4,6 1375 1,5 896 3,6 1772 3,9
Nachruf 409 0,5 210 0,8 210 0,5 1113 1,2 501 2 501 1,1
Interview - - 599 2,3 897 1,9 - - 1256 5 1550 3,4
Kommentar 3312 4 1668 6,5 2290 4,9 5192 5,7 2442 9,7 3462 7,6
Glosse 330 0,4 144 0,6 627 1,3 84 0,1 636 2,5 804 1,8
Feuilleton 1212 1,5 1008 3,9 1008 2,2 810 0,9 2510 10 2510 5,5
Rezension/Kritik 23299 28,4 9847 38,3 11763 25,3 27035 29,5 8616 34,4 11409 24,9
Presseschau 1026 1,3 450 1,7 450 1 640 0,7 - - - -
Literatur 3748 4,6 - - - - 3346 3,7 36 0,1 36 0,1
Bildunterschrift 270 0,3 389 1,5 389 0,8 335 0,4 113 0,5 36 0,2
Veranstaltungskalen
19741 24,1 - - 9296 20 18781 20,5 1563 6,2 9543 20,8
der/ Rundfunkpr.
Sammelrezension 1028 1,3 775 3 775 1,7 1073 1,2 - - - -
Dokumentierte Rede - - 1055 4,1 1055 2,3 1770 1,9 - - - -
sonstige 54 0,1 - - - - - - - - - -
Gesamt 82075 100,1 25726 99,9 46487 100 91531 100 25067 99,9 45809 100,1

Die Anteile hintergründiger textlicher Darstellungsformen wie Essay, Hintergrund-


bericht und Kommentar an der Textfläche des FAZ-Feuilletons sind im untersuchten
Zeitraum 2000 tatsächlich höher als 1999. Abgesehen vom Anstieg der Flächenanteile
der Hintergrundberichte – es ist die größte Veränderung bei allen Darstellungsformen –
sind die Veränderungen jedoch gering. Insgesamt fällt auf, dass Rezensionen und
Veranstaltungshinweise mehr als die Hälfte der Textfläche des FAZ-Feuilletons
ausmachen. Die Darstellungsform mit dem drittgrößten Flächenanteil ist in beiden
Untersuchungszeiträumen der Hintergrundbericht mit 14, beziehungsweise 18,8
Prozent. Die übrigen Darstellungsformen nehmen alle zusammen jeweils ungefähr nur
ein Drittel der Textfläche ein. Die größten Anteile haben hieran Essays, Meldungen,
Kommentare und Literaturabdrucke. Interviews bringt das FAZ-Feuilleton in den
untersuchten Zeiträumen überhaupt nicht, Portraits, Reportagen und Features nehmen
nur sehr geringe Flächenanteile ein.
Im FAZ-Feuilleton herrscht diesen Ergebnissen zufolge insgesamt keine
Formenarmut, doch wird das Repertoire der unterschiedlichen Darstellungsformen
offenbar sehr unterschiedlich genutzt. Eine Analyse der Anteile in bestimmten Formen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 111

dargestellter Kulturbereiche zeigt, dass die von Kritikern mangelnder


Darstellungsvielfalt im Feuilleton geforderten Essays, Kommentare, Reportagen und
Hintergrundberichte vor allem zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinne
geschrieben werden (vgl. Tabelle 41).

Tabelle 41: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen bestimmter Darstellungs-


formen und Quellen nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
% | n = 58 % | n = 23 % | n = 38 % | n = 69 % | n = 23 % | n = 44
Essays zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - 27,5 27,5 - - -
populärer Kultur im weiteren Sinn 28,3 43,9 43,9 30,2 - -
Hochkultur im engeren Sinn - - - - - -
Hochkultur im weiteren Sinn 71,1 28,6 28,6 69,8 - -
Kommentare zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - - - 4,2 11,8 8,3
populärer Kultur im weiteren Sinn 7,8 8,6 12,6 13,2 - 29,5
Hochkultur im engeren Sinn 14,9 20,9 15,2 27 - -
Hochkultur im weiteren Sinn 72,1 57,2 62,5 55,6 88,2 62,2
Reportagen/Features zu:
populärer Kultur im engeren Sinn 17,7 - - - - -
populärer Kultur im weiteren Sinn 39,4 - 71,1 - 100 63,6
Hochkultur im engeren Sinn 7,4 100 28,9 - - -
Hochkultur im weiteren Sinn 14,3 - - 100 - 36,4
Hintergrundberichte zu:
populärer Kultur im engeren Sinn 8,6 - 11,6 5,2 19,5 9,5
populärer Kultur im weiteren Sinn 27,1 17,3 27,4 8,7 - 27,6
Hochkultur im engeren Sinn 12,6 38,9 21,2 15,9 7,6 3,7
Hochkultur im weiteren Sinn 51,7 43,7 39,7 67,7 52,1 49,2
Gastautoren zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - - 17,4 - - -
populärer Kultur im weiteren Sinn 42,1 31,8 22,1 16,6 - -
Hochkultur im engeren Sinn 14,5 - - 3,7 15,2 15,2
Hochkultur im weiteren Sinn 43,5 68,2 60,5 79,7 84,8 84,4

So befassen sich zum Beispiel im FAZ-Feuilleton 71,1 Prozent der Essays im


untersuchten Zeitraum 1999 mit Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne, 2000
sind es 69,8 Prozent. Die Anteile von Essays, Kommentaren, Reportagen,
Hintergrundberichten und Beiträgen von Gastautoren, die sich mit Themen aus der
Kultur im engeren Sinne befassen, an der jeweiligen Gesamttextfläche dieser
Darstellungsformen ist in beiden Zeiträumen im FAZ-Feuilleton niedriger als der Anteil
dieser Kulturbereiche an der Gesamttextfläche (vgl. Tabelle 37, S. 105). Die
Differenzen sind zum Teil erheblich. So erschien im FAZ-Feuilleton der untersuchten
Zeiträume 1999 und 2000 kein Essay, der sich mit Populär- oder Hochkultur im engeren
Sinne beschäftigte (vgl. Tabelle 41).
Die Aussage der Hypothese H7 über die Entwicklung der Textflächenanteile von
Artikelserien in den untersuchten Zeiträumen ist widerlegt: Der Anteil sinkt von 5 auf
3,9 Prozent (vgl. Tabelle 43). Allerdings steigt der Anteil der von Gastautoren
verfassten Beiträge an der Gesamttextfläche des FAZ-Feuilletons, nämlich von 3,9
Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 auf 5,6 Prozent 2000. Weil diese Gastautoren
vor allem über Kultur im weiteren Sinne schreiben, erinnert diese Entwicklung an das
Feuilletonprofil der Frankfurter Zeitung Ende des 19. Jahrhunderts (vgl. S. 22ff.), wo
fachlich legitimierte Gastautoren in Artikelserien über Kultur im weiteren Sinne
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 112

schrieben. Ebenfalls mit dem FZ-Profil stimmt die Veröffentlichung von literarischen
Primärtexten im FAZ-Feuilleton überein. Wie die FZ Tschechow druckte (vgl. S.
22ff), druckt die FAZ in den Zeiträumen auf 4 (1999), beziehungsweise 3,4 Prozent
(2000) ihrer Textfläche Übernahmen aus Buchveröffentlichungen (vgl. Tabelle 43).

Tabelle 42: Flächenanteil von Beitragsserien an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000
(Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Teil einer Serie 4222 5 222 0,9 222 0,5 3559 3,9 1101 4,5 1101 2,4
nicht Teil e. Serie 77853 95 25504 99,1 46265 99,5 87972 96,1 23966 95,6 44708 97,6
Gesamt 82075 100 25726 100 46487 100 91531 100 25067 100 45809 100

Tabelle 43: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Eigenbeitrag 74628 90,9 21858 85 41386 89 81852 89,4 23129 92,3 43661 95,3
Agenturbeitrag 972 1,2 776 3 1162 2,5 1398 1,5 624 2,5 834 1,8
Gastautor (exkl.) 3202 3,9 1923 7,5 2770 6 5125 5,6 1182 4,7 1182 2,6
Übernahme Rede - - 1055 4,1 1055 2,3 - - - - - -
Übernahme Buch 3273 4 - - - - 3156 3,4 36 0,1 36 0,1
Übernahme aus
- - 114 0,4 114 0,2 - - 96 0,4 96 0,2
anderer Zeitung
Gesamt 82075 100 25726 100 46487 100 91531 100 25067 100 45809 100

Bei der optischen Gestaltung verändert sich das FAZ-Feuilleton nicht gravierend:
Es präsentiert 41,5 Prozent seiner Textfläche im untersuchten Zeitraum 1999 ohne eines
der gestalterischen Portionierungselemente wie Rubrizierung, Zwischentitel, Infokasten
oder markanter Endabsatz. Im untersuchten Zeitraum 2000 steigt dieser Anteil leicht auf
43,6 Prozent (vgl. Tabelle 44). Die Aussage der Hypothese H7, dass der Anteil der ohne
Portionierungselementen gestalteten Textfläche sinkt, ist somit widerlegt.

Tabelle 44: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an der Gesamttextfläche
nach Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Rubriktitel 28738 35 3089 12 4071 8,8 28261 30,9 3455 13,1 4998 10,8
Zwischentitel 22058 26,9 7698 29,8 23079 49,5 23070 25,1 9574 36,3 23473 51,1
Infokasten 3688 4,5 - - 7964 17 4778 5,1 1471 5,6 9456 20,5
markanter Endabsatz 17807 21,7 7806 34,2 8771 18,9 22932 25 7988 30,3 9293 20,3
ohne diese Gestaltungselemt. 34055 41,5 11009 42,8 15120 32,4 40021 43,6 10096 38,1 14223 31

Auffällig ist hingegen die Veränderung beim Verhältnis der Anteile von Text und
Bild an der Gesamtbeitragfläche. Deckten im untersuchten Zeitraum 1999 Bilder nur
16,8 Prozent der Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons ab, sind es im
Folgezeitraum 21,9 Prozent (vgl. Tabelle 45, S. 113). Als Bildform dominiert im FAZ-
Feuilleton in beiden Zeiträumen die Reproduktion von Kunstwerken die Bildfläche
mit 43,9, beziehungsweise 53,5 Prozent Bildflächenanteil. An zweiter Stelle kommen
dem Flächenanteil folgend Fotografien, an dritter Stelle Fotografien kultureller
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 113

Ereignisse wie von Theateraufführungen und Konzerten. Informationsgrafiken und


Karikaturen werden zwar genutzt, jedoch in sehr geringem Ausmaß. Diese Verteilung
der Bildformen kann als Analogie zur Dominanz der Rezension bei den textlichen
Darstellungsformen interpretiert werden: Die Darstellungsweise ist sehr auf
Kulturprodukte fokussiert, abstrahiert Informationen wenig und verlässt bei der
Darstellung kaum den Kontext des Kulturbetriebes, zum Beispiel mittels Fotografien
abseits von Reproduktionen und Aufnahmen von Aufführungen.

Tabelle 45: Flächenanteil von Bild- und Textflächen an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln
1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
Bild (%) Text (%) Bild (%) Text (%)
FAZ | n = 520 Beiträge 16,8 83,2 21,9 78,1
SZ Selbstdefinition | n = 195 Beiträge 21 79 22,7 77,3
SZ parallelisierende Def. | n = 305 Beiträge 19,7 80,3 20,4 79,6

Tabelle 46: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst-
und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 96 n = 36 n = 67 n = 110 n = 37 n = 68
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Fotografie von kult. Ereignis 2085 12,6 1227 17,9 1227 10,7 3088 12,1 979 13,3 979 8,4
Reproduktionen 7262 43,9 2866 41,9 4733 41,4 13689 53,5 4350 59,2 6102 52,1
Fotografie anders 6581 39,8 2740 40 5050 44,2 8390 32,8 2006 27,3 4231 36,1
Karikatur 266 1,6 - - - - - - - - 384 3,3
Cartoon - - - - - - - - - - - -
Informationsgrafik 247 1,5 - - 374 3,3 345 1,3 - - - -
Bildelement anders 90 0,5 12 0,2 36 0,3 88 0,3 12 0,2 12 0,1
gesamt 16531 99,9 6845 100 11420 99,9 25600 100 7347 100 11708 100

Die Hypothese H8 ist weitgehend bestätigt. Im SZ-Feuilleton dominiert als


journalistische Darstellungsform sowohl im Untersuchungszeitraum 1999 als auch 2000
die Rezension. Ihr Anteil liegt bei 38,3 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach
Selbstdefinition 1999, im Folgezeitraum sind es 34,4 Prozent (vgl. Tabelle 40, S. 110).
Veranstaltungskalender spielen nur eine Rolle, wenn zum SZ-Feuilleton der
parallelisierenden Definition folgend auch die Medienseite samt Rundfunkprogramm
gezählt werden. Von den übrigen Darstellungsformen nimmt der Hintergrundbericht
wie bei der FAZ den höchsten Anteil der Textfläche ein (14,9 Prozent 1999, 14,5
Prozent 2000 nach Selbstdefinition). Bei den sonstigen Darstellungsformen fällt der
hohe Anteil des Feuilletons als Darstellungsform an der Textfläche 2000 auf: Mit 10
Prozent Textflächenanteil am SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition ist es nach Rezension
und Hintergrundbericht die anteilsmäßig drittgrößte Darstellungsform. 1999 nahm diese
Stelle noch der Essay ein. Auffällig ist auch die Kommentierfreude des SZ-Feuilletons:
6,5 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition nehmen
Kommentare 1999 ein, im Folgezeitraum besetzen sie 9,7 Prozent.
Ähnlich wie im FAZ-Feuilleton stellt auch das SZ-Feuilleton vor allem Themen aus
der Kultur im weiteren Sinne mit den von Feuilletonkritikern verlangten Formen wie
Essay und Kommentar dar (vgl. Tabelle 41, S. 111). Selbst der Anteil von Themen
aus der Hochkultur im engeren Sinne an der Gesamtfläche der Hintergrundberichte im
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 114

SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition 1999 ist mit 38,1 Prozent noch immer geringer als
der Anteil solcher Themen an der Gesamttextfläche im selben Zeitraum von 44,1
Prozent. Die Aussage der Hypothese H8 über den Anteil von Artikelserien und
Beiträgen von Gastautoren am SZ-Feuilleton ist teilweise widerlegt: Der Anteil von in
einer Serie erscheinenden Artikel am SZ-Feuilleton ist im Untersuchungszeitraum 2000
deutlich höher als 1999: Er steigt von 0,9 auf 4,5 Prozent der Textfläche im Feuilleton
nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 42, S. 112). Der Anteil von Gastbeiträgen an der
Textfläche des SZ-Feuilletons hingegen steigt nicht, sondern sinkt. Eine Entwicklung in
die andere Richtung als bei der FAZ.
Die Aussagen zur optischen Gestaltung des SZ-Feuilletons in Hypothese H8 sind
bestätigt. Der Anteil von Texten, die mit Layout-Elementen wie Zwischenüberschriften
und Infokästen gestaltet sind, an der Gesamttextfläche des SZ-Feuilletons steigt nicht
(vgl. Tabelle 44, S. 112). Im Gegenteil: Er sinkt von 42,8 auf 38,1 Prozent. Ähnlich wie
im FAZ-Feuilleton dominieren Reproduktionen die Bildfläche: Sie machen 41,9
Prozent im untersuchten Zeitraum 1999 und 59,2 Prozent 2000 aus.
Informationsgrafiken, Karikaturen und Cartoons nutzt das SZ-Feuilleton nicht in der
Bildberichterstattung. Der Anteil von Fotografien, die nicht kulturelle Ereignisse
darstellen oder Kulturprodukte reproduzieren, ist mit 17,9 beziehungsweise 13,3
Prozent der Gesamtbildfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition konstant gering
(vgl. Tabelle 46, S. 113).
Der Vergleich beider Ressorts bestätigt die Hypothese H9. Das SZ-Feuilleton weist
tatsächlich in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 einen höheren Anteil an
Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton. Allerdings gilt
dies nur für das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 40, S. 110). Zählt
man hingegen gemäß der parallelisierenden Definition Medien- und
Wissenschaftsressort zum SZ-Feuilleton, so ist der Anteil von Rezensionen an der
Gesamttextfläche geringer als in der FAZ (25,3 gegenüber 28,4 Prozent 1999; 24,9
gegenüber 29,5 Prozent 2000). Insofern zeigt sich hier ein ähnliches Bild wie bei der
thematischen Struktur: Das FAZ-Feuilleton verfolgt qua Anlage einen weiteren
Kulturbegriff in anderen Darstellungsformen als das SZ-Feuilleton ohne die dort
ausgegliederten Seiten zu Wissenschaft und Medien. Parallelisiert man jedoch die
Angebote, so dominiert in beiden die Rezension als Darstellungsform in etwa
gleichem Ausmaß die Präsentation. Dennoch unterscheidet sich die Darstellung
durchaus. Im SZ-Feuilleton haben Feuilletons, Kommentare und Glossen in beiden
Untersuchungszeiträumen einen höheren Anteil an der Gesamttextfläche als im FAZ-
Feuilleton. Das entspricht der allgemeinen Wahrnehmung des Profils der Süddeutschen
Zeitung als auf diesem Gebiet profiliertes Blatt. Ausschließlich im SZ-Feuilleton
nutzten Redakteure das Interview als Darstellungsform. Im FAZ-Feuilleton hingegen
haben Essays in beiden Zeiträumen einen höheren Anteil als im SZ-Feuilleton nach
Selbstdefinition. Im untersuchten Zeitraum 2000 vergrößert sich die Differenz, sodass
einem Essayanteil an der Textfläche von 6,8 Prozent in der FAZ 1,5 Prozent im SZ-
Feuilleton nach Selbst- und lediglich 0,8 nach parallelisierender Definition
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 115

gegenüberstehen. Literarische Primärtexte druckt ausschließlich das FAZ-Feuilleton, im


SZ-Feuilleton findet sich allein im Zeitraum 2000 lediglich ein Zitat aus einem
literarischen Text als eigenständiger Kurzbeitrag. Bei der optischen Gestaltung sind die
Unterschiede zwischen beiden Feuilletons deutlich: Das FAZ-Feuilleton präsentiert
1999 wie 2000 deutlich mehr Textfläche ohne gestalterische Portionierungselemente
wie Zwischenüberschriften, Infokästen oder markante Endabsätze (vgl. Tabelle 44, S.
112). Schließt man allerdings bei der Auswertung entsprechend der Feuilleton-
Selbstdefinition die SZ-Medien- und Wissenschaftsseiten aus, zeigt sich, dass im SZ-
Feuilleton der Anteil der Beiträge ohne solche Gestaltungselemente höher ist, im
untersuchten Zeitraum 1999 sogar etwas höher als in der FAZ. Offenbar nutzen die
verantwortlichen Redakteure im SZ-Feuilleton deutlich seltener portionierende
Gestaltungselemente als die Redakteure in den SZ-Ressorts Medien und Wissenschaft.
Widerlegt ist die Aussage der Hypothese H10 über den Bildanteil des SZ-Feuilletons im
Vergleich zur FAZ: 1999 nehmen im SZ-Feuilleton Bilder tatsächlich einen weit
größeren Anteil der Gesamtbeitragsfläche ein als im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 45, S.
113). Doch aufgrund eines starken Anstiegs des Bildanteils im FAZ-Feuilleton ist die
Differenz im Zeitraum 2000 zumindest beim Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach
parallelisierender Definition nicht mehr vorhanden (vgl. Tabelle 46, S. 113).

9.1.4 Beitragsfokus
Die Auswertung der Inhalte des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999
und 2000 bestätigt Hypothese H10. In der Tat haben im FAZ-Feuilleton 2000 Beiträge
mit Fokus auf Kultur im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinn einen
größeren Anteil an der Textfläche als 1999. Der Anteil steigt von 43,7 Prozent im
untersuchten Zeitraum 1999 auf 52 Prozent 2000 (vgl. Tabelle 47, S. 116). Wie von
Kommunikationswissenschaftlern wie Michael Haller und Feuilletonkommunikatoren
wie Jens Jessen behauptet (vgl. S. 66f.) nimmt hintergründige Berichterstattung
tatsächlich den größten Anteil der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne ein. Solche
Beiträge mit einem Fokus auf Hintergründe machen in beiden Zeiträumen etwas mehr
als die Hälfte der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne aus. Dabei steigt von 1999 zu
2000 der Anteil der Hintergrundtexte mit Expertenautorität des Verfassers, und zwar
von 6,8 auf 12,4 Prozent der Textfläche zu Kultur im weiteren Sinne. Hier bestätigt sich
das schon bei der Analyse der Darstellungsformen skizzierte Bild, dass abstrahierende
Darstellungsformen wie Essays, Hintergrundberichte und Kommentare vor allem für
Kultur im weiteren Sinne genutzt werden.
Das vorliegende Material lässt die Interpretation zu, dass Berichterstattung zu Themen
aus dem Bereich der Kultur im engeren Sinne vor allem Kulturprodukte fokussiert.
Diese Feststellung entspricht der Kritik von Kommunikationswissenschaftler wie Glotz
und Langenbucher (vgl. S. 40f.), Feuilletonressorts würden Kultur auf eine Menge
einzelner, einzeln abzuhandelnder Kulturprodukte reduzieren. In der Tat fokussieren im
FAZ-Feuilleton 1999 der Textfläche nach 88,8 Prozent der Beiträge zu Kultur im
engeren Sinne Kulturprodukte. Im Untersuchungszeitraum 2000 liegt dieser Anteil bei
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 116

82,2 Prozent (vgl. Tabelle 47, S. 116). Kulturbetrieb, Kulturpolitik und


Kulturproduzenten als Personen fokussiert nur ein geringer Anteil der Textfläche zu
Kultur im engeren Sinn. Diese Interpretation der Ergebnisse bestätigt die Analyse der
Beitragsanlässe. Der beherrschende Anlasstyp ist in den Untersuchungszeiträumen 1999
wie 2000 im FAZ-Feuilleton den Flächenanteilen nach das Erscheinen neuer Produkte
mit einem Anteil von 59,3 beziehungsweise 57 Prozent (vgl. Tabelle 48, S. 117).

Tabelle 47: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
Fokus auf Kultur ... cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
... im engeren ohne Bezug zu
41978 51,1 15313 59,5 18911 40,7 42110 46 17456 69,6 19296 42,1
Kultur im weiteren Sinn
8
davon: Kulturprodukt 37298 88,8 11139 72,7 13871 73,3 34611 82,2 11410 65,4 13058 67,7
davon: Kulturproduzenten 132 0,3 1421 9,3 1421 7,5 1434 3,4 3024 17,3 3024 15,7
davon: Kulturbetrieb 4548 10,8 2717 17,7 3583 18,9 6065 14,4 3022 17,3 3214 16,7
davon: Kulturpolitik - - 36 0,2 36 0,2 - - - - - -
... im weiteren ohne Bezug zu
35892 43,7 6134 23,8 23297 50,1 47564 52 6728 26,8 25630 55,9
Kultur im engeren Sinn
davon: Neuigkeiten vermelden 3372 9,4 570 9,3 2383 10,2 3300 7 126 1,9 1588 6,2
davon: Debatten / Diskussion 1009 2,8 444 7,2 1078 4,6 - - - - - -
davon: Hintergründe ohne Ex-
16104 44,9 1751 28,5 4535 19,5 19941 41,9 5264 78,2 13031 50,8
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe mit Ex-
2439 6,8 1742 28,4 2006 8,6 5908 12,4 1338 19,9 1338 5,2
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe zu Produkt 335 0,9 114 1,9 783 3,4 5853 12,3 - - 2805 10,9
davon: Hintergründe zu Person 438 1,2 210 3,4 210 0,9 583 1,2 - - 188 0,7
davon: Hintergründe z. Institution - - 547 8,9 1607 6,9 - - - - - -
davon: Veranstaltungshinweise 12171 33,9 - - 9296 39,9 11949 25,1 - - 6680 26,1
davon: anders 24 0,1 756 12,3 1389 6 - - - - - -
... Beziehung zwischen Kultur im
4187 5,1 4279 16,6 4279 9,2 1797 2 883 3,5 883 1,9
engeren & im weiteren Sinn
davon: Kulturproduzent äußert 622 14,9 - - - - - - - - - -
davon: Kultur als Hintergrund für
180 4,3 1911 44,7 1911 44,7 542 30,2 595 67,4 595 67,4
Verständnis oder Spiegel
davon: Auswirkung von Kultur im
2573 61,5 2044 47,8 2044 47,8 1255 69,8 288 32,6 288 32,6
weiteren auf K. im engeren Sinn
davon: Auswirkung von Kultur im
150 3,6 - - - - - - - - - -
engeren auf K. im weiteren Sinn
davon: anders 662 15,8 324 7,8 324 7,6 - - - - - -
nicht eindeutig zu bestimmen - - - - - - 60 0,1 - - - -
gesamt 82075 99,9 25726 99,9 46487 100 91471 100 25067 99,9 45809 99,9

Überraschend niedrig ist im FAZ-Feuilleton der Textflächenanteil von Beiträgen, die


Kultur im weiteren mit Kultur im engeren Sinne verbinden: Solche Texte nehmen in
beiden Untersuchungszeiträumen geringe Anteile der Textflächen (5,1 / 2 Prozent) ein.
Das FAZ-Feuilleton scheint beide Kulturbereiche relativ unverbunden nebeneinander zu
präsentieren, wobei die verwendeten Darstellungsformen sich deutlich unterscheiden
(vgl. S. 110ff.).
Die Analyse der Inhalte des SZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und
2000 widerlegt Hypothese H11. Tatsächlich stehen im SZ-Feuilleton im
Untersuchungszeitraum 2000 mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten
ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als 1999. Die Veränderung des Anteils von 23,8

8
einschließlich Veranstaltungshinweisen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 117

auf 26,8 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition ist jedoch bei
weitem nicht so stark wie der Anstieg bei der FAZ im selben Zeitraum und
wahrscheinlich in leichten Anstiegen von Medien und Wissenschaftsthemen im
Feuilletonteil nach Selbstdefinition begründet. Ähnlich wie im FAZ-Feuilleton
dominieren Beiträge mit einem Fokus auf den Hintergrund von Ereignissen oder Trend
die Berichterstattung des SZ-Feuilletons zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren
Sinne. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Untersuchung der Inhalte des SZ-
Feuilletons nach Selbstdefinition ohne Medien- und Wissenschaftsseiten: 68,1 Prozent
der Textfläche zu diesen Kulturbereichen im Untersuchungszeitraum 1999 fokussieren
Hintergründe (vgl. Tabelle 47, S. 116), im Zeitraum 2000 entfallen sogar 98,1 Prozent
der Textfläche zu Themen aus Kultur im engeren Sinne auf Beiträge mit einem Fokus
auf Hintergründe von Ereignissen und Trends, mit und ohne Expertenautorität der
Verfasser.

Tabelle 48: Flächenanteile der Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999/2000 (Selbst-
und parallelisierende Definition des Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
Anlass aus dem Bereich ... cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
neues Produkt 48702 59,3 12271 47,7 24625 53 52213 57 13151 52,5 24675 53,9
Wissenschaftliche Ergebnisse 6492 7,9 120 0,5 905 1,9 3279 3,6 358 1,4 1973 4,3
Auszeichnung/Preis 636 0,8 2321 9 2321 5 1335 1,5 1196 4,8 1546 3,4
9
Institutionen 11993 14,7 4985 19,4 7174 15,4 11387 12,5 4675 18,7 8928 19,5
nicht-institutionalisierte Veranst. - - - - - - - - 336 1,3 498 1,1
Jahres-/Todes-/ Geburtstag 3001 3,7 1016 3,9 1755 3,8 7309 8 1398 5,6 1398 3,1
Äußerungen v. Funktionsinhaber - - 247 1 295 0,6 120 0,1 417 1,7 417 0,9
Diskussion/Debatte 852 1 1503 5,8 1867 4 8178 8,9 1939 7,7 3299 7,2
Trend 1530 1,9 - - - - 1085 1,2 - - - -
Aktuelle Beobachtung nicht
3003 3,7 1578 6,1 2451 5,3 1171 1,3 1441 5,7 1441 3,1
aktuellen Gegenstands
anderer Anlass 1120 1,4 - - 760 1,6 399 0,4 - - 414 0,9
kein Anlass erkennbar 4746 5,8 1685 6,5 4334 9,3 5055 5,5 156 0,6 1220 2,7
gesamt 82075 100,2 25726 99,9 46487 99,9 91531 100 25067 100 45809 100,1

Kultur im engeren Sinne ist auch im SZ-Feuilleton vor allem mit einem Fokus auf
Kulturprodukte verbunden. Allerdings nimmt der Anteil solcher Beiträge an der
Textfläche zu Themen aus Kulturbereichen im engeren Sinne im untersuchten Zeitraum
gegenüber 1999 ab: von 72,7 auf 65,4 Prozent (vgl. Tabelle 47, S. 116). Das SZ-
Feuilleton nach Selbstdefinition fokussiert 2000 in textflächenanteilig mehr Beiträgen
Kulturproduzenten als 1999: Von 9,3 auf 17,3 Prozent steigt der Anteil solcher Beiträge
an der Textfläche von Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne. Hier
trifft das Urteil der Feuilletonkritiker das SZ-Feuilleton weniger hart als 1999 und als
die FAZ. Bei den Beitragsanlässen dominiert auch im SZ-Feuilleton das Erscheinen
neuer Produkte. 47,7 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition
1999 haben diesen Anlass, im Untersuchungszeitraum 2000 sind es 52,2 Prozent (vgl.
Tabelle 47, S. 116).

9
Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in
Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus
Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 118

Der Vergleich beider Medien widerlegt Hypothese H12 teilweise. So bietet das FAZ-
Feuilleton im Untersuchungszeitraum nach dem Juni 2000 anteilsmäßig nicht mehr
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn als
das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung – zumindest wenn man die Inhalte der
parallelisierenden Definition folgend untersucht. Im Gegenteil: Hier haben Beiträge mit
einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ohne Bezug zu Kultur im engeren Sinne ein
Anteil von 50,1 / 55,9 Prozent (1999/2000) an der Textfläche des SZ-Feuilletons (vgl.
Tabelle 47, S. 116). Ganz anders sieht es bei einer Auswertung des SZ-Feuilletons
nach Selbstdefinition, also ohne Medien- und Wissenschaftsseiten aus: Der
Flächenanteil ist hier mit 23,8 / 26,8 Prozent (1999/2000) jeweils nur etwa halb so groß
wie im FAZ-Feuilleton. Der Grund für dieses überraschende Ergebnis ist offensichtlich
die flächenmäßig starke Medienberichterstattung der SZ. Bei der Untersuchung der
Themenanteile zeigte sich bereits, dass das SZ-Feuilleton nach parallelisierender
Definition einen weit höheren Anteil an Medienthemen enthielt als das der FAZ (vgl.
Tabelle 34, S. 102). Das FAZ-Feuilleton bietet zwar ein tägliches Rundfunkprogramm,
nicht aber über eine institutionalisierte tägliche Medienseite.
Insgesamt zeigt sich, dass das SZ-Feuilleton ähnlich wie das der FAZ Kultur im
engeren Sinne vor allem in Form von Produkten anlässlich ihren Erscheinens
fokussiert und in Rezensionen darstellt, bei Kultur im weiteren Sinne hingegen
Hintergründe in entsprechenden Darstellungsformen wie Essay, Kommentar oder
Hintergrundbericht fokussiert. Allerdings ist im SZ-Feuilleton der Anteil von Beiträgen,
die auf dem Gebiet der Kultur im engeren Sinne Kulturproduzenten oder den
Kulturbetrieb fokussieren, höher als im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 47, S. 116).

9.2 Entwicklung der FAZ und SZ nach dem


Mitarbeiterwechsel im Juli 2001 und Ankündigung neuer
redaktioneller Angebote

9.2.1 Umfänge der Feuilletons


Die Untersuchung der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H13. Der Anteil des
Feuilletonteils am Gesamtangebot der FAZ und die absolute Gesamtfläche des FAZ-
Feuilletons sind im untersuchten Zeitraum 2001 größer als im untersuchten Zeitraum
2000. Der Anteil der Bruttoseiten steigt von 20,5 auf 22,2 Prozent (vgl. Tabelle 49, S.
119). Die absolute Beitragsfläche steigt um 18108 cm² (vgl. Tabelle 50, S. 119) - gut 15
Prozent der Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2000.
Diese Entwicklung entspricht der Ankündigung eines erweiterten Feuilletonangebotes
in der FAZ, nachdem im Frühjahr 2001 neue Mitarbeiter aus dem SZ-Feuilleton
abgeworben wurden und das FAZ-Ressort am 1. September 2001 eine neue
Angebotsstruktur einführte (vgl. S. 72ff.).
Auch Hypothese H14 ist bestätigt: Das SZ-Feuilleton vergrößert im untersuchten
Zeitraum 2001 gegenüber 2000 sowohl seine absolute Gesamtfläche als auch den
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 119

Anteil am Gesamtangebot der SZ. Die getrennt nach parallelisierender und


Selbstdefinition des SZ-Feuilletons erhobenen Daten zeigen, dass sowohl das
Feuilletonressort als auch die Medien- und Wissenschaftsseiten ihren Umfang
vergrößert haben. So steigt die absolute Beitragsfläche des SZ-Feuilletons nach
Selbstdefinition vom untersuchten Zeitraum 2000 zu den 2001 um 8853 cm², was 27,2
Prozent der Gesamtfläche 2000 entspricht. Die Fläche des SZ-Feuilletons nach
parallelisierender Definition, also mit Medien- und Wissenschaftsressort wächst um
19864 cm², also um 34,4 Prozent der Gesamtbeitragsfläche 2000. Alle drei Ressorts
wachsen stärker als der Rest des SZ-Angebots – das legen die steigenden Anteile ihrer
Bruttoseiten am Gesamtangebot nahe (vgl. Tabelle 49).
Die Untersuchung der Umfänge des FAZ- und SZ-Feuilletons bestätigt auch Hypothese
H15: Das FAZ-Feuilleton ist in beiden Untersuchungszeiträumen absolut und in
Relation zum Gesamtangebot größer als das der SZ. Diese Feststellung trifft sowohl
für das SZ-Feuilleton nach Selbst- als auch das SZ-Feuilleton nach parallelisierender
Definition zu. Der Abstand zwischen den Feuilletonumfängen beider Medien sinkt
jedoch. Beträgt die Differenz beim Anteil der Feuilletons nach parallelisierender
Definition an der Gesamtbruttoseitenmenge 2000 noch acht Prozentpunkte, so sinkt sie
2001 auf 6,6 Prozentpunkte. Dasselbe Bild zeichnen die Gesamtbeitragsflächen:
Übertrifft die Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten Zeitraum
2000 die des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition um etwa 105,5 Prozent
der SZ-Beitragsfläche, so liegt dieser Wert 2001 bei 74,8 Prozent. Der Abstand
schrumpft – auf sehr hohem Niveau.

Tabelle 49: Bruttoseiten und Anteile des Feuilletons am Brutto-Gesamtangebot nach Zeitungstiteln
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons) 2000/2001
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
Feuilleton Gesamt Feuilleton- Feuilleton Gesamt Feuilleton-
(Seiten) (Seiten) anteil (%) (Seiten) (Seiten) anteil (%)
FAZ | n = 12 Ausgaben 85 415 20,5 87 390 22,2
SZ Selbstdefinition | n = 12 Ausgaben 21 296 7,1 31 312 9,8
SZ parallelisierende Definition | n = 12 Ausg. 37 296 12,5 49 312 15,6

Tabelle 50: Bild-, Text- und Gesamtbeitragsflächen im Feuilleton nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und
parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
Bild (cm²) Text (cm²) Beitrag (cm²) Bild (cm²) Text (cm²) Beitrag (cm²)
FAZ | n = 584 Beiträge 25600 91531 117131 32265 102974 135239
SZ Selbstdefinition | n = 206 Beiträge 7347 25067 32414 9840 31427 41267
SZ parallelisierende Def. | n = 349 Btr. 11708 45809 57517 16191 61190 77381

9.2.2 Themen im Feuilleton


Die inhaltsanalytische Untersuchung des FAZ-Feuilletons belegt die Gültigkeit der
Hypothese H16. Tatsächlich nimmt im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber dem 2000
der Anteil der Themenobergebiete andere Medien und Wissenschaft an der Textfläche
des FAZ-Feuilletons zu. Die Differenz ist beim Themengebiet Wissenschaft,
Forschung, Technologie wesentlich deutlicher: Der Textflächenanteil steigt von 18,9
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 120

Prozent im untersuchten Zeitraum 2000 auf 26 Prozent 2001. Bei Medienthemen fällt
der Anstieg mit 2,6 Prozentpunkten, wovon eine Erweiterung des Rundfunkprogramms
einen Prozentpunkt ausmacht, wesentlich geringer aus (vgl. Tabelle 51). Neben diesem
auffälligen Anstieg des Anteils von Wissenschaftsthemen sticht vor allem der sinkende
Textflächenanteil der Themenfelder bildende Kunst und Zeitgeschehen hervor.
Insgesamt zeigt sich, dass nach der Etablierung des Themenfeldes Wissenschaft im
Feuilleton 2000 nun auch der Flächenanteil dieses Themengebietes auffällig erweitert
wird, während klassische Kultursparten in etwa dieselben Flächenanteile halten,
beziehungsweise in Einzelfällen verlieren.

Tabelle 51: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 2000/2001
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
spartenübergreifend 114 0,1 1248 5 1248 2,7 252 0,2 1164 3,7 1164 1,9
bildende Kunst 9171 10 2786 11,1 2786 6,1 6858 6,7 3143 10 4976 8,1
angewandte Kunst 1469 1,6 38 0,2 38 0,1 361 0,4 42 0,1 42 0,1
darstellende Kunst 5383 5,9 3273 13,1 3273 7,1 6117 5,9 4164 13,2 4362 7,1
Literatur 12046 13,2 4586 18,3 4586 10 12361 12 6829 21,7 7305 11,9
Musik 3548 3,9 1374 5,5 1374 3 6369 6,2 2889 9,2 3986 6,5
Baukunst 2763 3 622 2,5 622 1,4 1937 1,9 1618 5,1 2298 3,8
Kino 3005 3,3 4009 16 4009 8,8 3358 3,3 2241 7,1 2433 4
andere Medien 22837 25 630 2,5 17476 38,1 28418 27,6 513 1,6 16461 26,9
darin Rundfunkprogramm 15402 16,7 - - 7980 17,3 18352 17,7 - - 8051 13,2
Wissenschaft, Forschung,
17325 18,9 772 3,1 4668 10,2 26785 26 3960 12,6 10520 17,2
Technologie
Bildung und Erziehung - - - - - - - - - - - -
Zeitgeschehen 13870 15,2 5729 22,9 5729 12,5 10158 9,9 4864 15,5 7643 12,5
Gesamt 91531 100,1 25067 100,2 45809 100 102974 100,1 31427 99,8 61190 100

Am stärksten sinkt der Anteil von Themen aus dem Obergebiet Zeitgeschehen. Dies
lässt die Interpretation zu, dass offenbar das so genannte Wissenschaftsfeuilleton die
Themenelemente des Konzepts eines politischen Feuilletons ablöst. Dies entspricht den
Äußerungen des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, der während des Umbaus des
FAZ-Ressorts im Jahr 2001 sagte, das Feuilleton der letzten zehn Jahre „mit seiner
traditionellen Kulturberichterstattung durchmischt von politischen
Besinnungsaufsätzen“ entspreche nicht mehr „unseren Bedürfnissen“ (MILZ, 2001b, S.
24) (vgl. S. 72). Die Entwicklung der Themenanteile im FAZ-Feuilleton spricht für eine
Umsetzung dieser Aussage bei der Blattgestaltung.

Tabelle 52: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der
Textfläche 2000/2001 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 52 n=2 n = 19 n = 86 n = 14 n = 43
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
subspartenübergreifend 120 0,7 - - - - 2445 9,1 250 6,3 592 5,7
Veranstaltungshinweise - - - - - - 72 0,3 - - - -
Sozialwissenschaften 2249 13 - - 341 7,3 621 2,3 - - 54 0,5
Geisteswissenschaften 5773 33,3 - - - - 7832 29,2 2546 64,3 3083 29,3
Technik 1333 7,7 456 59,1 1515 32,5 849 3,2 - - 1638 15,6
Naturwissenschaft 7850 45,3 316 40,9 2812 60,2 14966 55,9 1164 29,4 5153 49
gesamt 17325 100 772 100 4668 100 26785 100 3960 100 10520 100,1
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 121

Wie die Ankündigungen eines Wandels im FAZ-Feuilleton in den Jahren 2000 und
2001 (vgl. S. 72ff.) vermuten ließen, nehmen Naturwissenschaften den größten Teil
der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton ein. Ihr Anteil an der
Gesamttextfläche des Obergebiets Wissenschaft, Forschung, Technik steigt abermals,
von 45,3 Prozent auf 55,9 Prozent (vgl. Tabelle 52, S. 120), während der Anteil
geisteswissenschaftlicher Themen sinkt. Wie aus den Ankündigungen zur Entwicklung
des FAZ-Feuilletons zu erwarten, nehmen als thematisches Untergebiet tatsächlich
Berichte zum Themenfeld Biologie/Gentechnologie den größten Flächenanteil der FAZ-
Naturwissenschaftsberichterstattung ein. Dieser Anteil steigt sogar, von 59,2 Prozent im
untersuchten Zeitraum 2000 auf 69,3 Prozent 2001 (vgl. Tabelle 90, Anhang, S. A43).
Der beim Vergleich der Untersuchungszeiträume 1999 und 2000 festgestellte Trend zu
einer Etablierung von Wissenschaftsthemen auf den prominenteren Plätzen im FAZ-
Feuilleton – Aufmachern und den ersten Seiten der Feuilletonbücher – setzt sich auch
im Jahr 2001 fort. Der Anteil des Themenobergebiets Wissenschaft, Forschung und
Technik an den Textflächen der zweiten (36,1%), dritten (43,2%) und vierten (37,2%)
Seiten des FAZ-Feuilletonressorts liegt im Untersuchungszeitraum 2001 deutlich über
dem Anteil dieses Themengebiets an der Gesamttextfläche des Feuilletons (26%) (vgl.
Tabelle 53).

Tabelle 53: Flächenanteile der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an der


Gesamttextfläche prominent platzierter Beiträge nach Titeln 2000/2001 in Prozent (Selbst- und
parallelisierende Feuilletondefinition)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ... n = 79 n = 18 n = 35 n = 110 n = 25 n = 62
... insgesamt 18,9 2,9 10,2 26 11,1 17,2
... über Bruch 19,2 2,3 8 24,1 10,8 13,9

Wissenschaft / ... der Feuilletonaufmacher 41,4 - - 10,6 41,3 41,3


Forschung ... auf Feuilletonseite 1 19 4,2 4,2 20,4 13,9 13,9
Technologie
... auf Feuilletonseite 2 - - - 36,1 12,9 12,9
... auf Feuilletonseite 3 32,4 6,9 6,9 43,2 8,5 8,5
... auf Feuilletonseite 4 14,1 - - 37,2 3,7 10,2
... insgesamt 15,2 21,7 12,5 9,9 13,7 12,5
... über Bruch 16 20,7 11,8 11,2 13,1 12,9
... der Feuilletonaufmacher 38,1 82 82 57,7 58,7 58,7
Zeitgeschehen ... auf Feuilletonseite 1 28,3 45,1 45,1 29,8 29,9 29,9
... auf Feuilletonseite 2 - 16,6 16,6 - 22,4 22,4
... auf Feuilletonseite 3 11,2 18,1 18,1 11 14 14
... auf Feuilletonseite 4 17,3 - - 10,7 - -

Diese Anteile sind alle höher als im untersuchten Zeitraum 2000. Allein an der
Titelseite des Feuilletons (20,4%) und insbesondere der Feuilletonaufmacher (10,6%)
hat das Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung und Technik im
Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Anteil als an der gesamten Textfläche
des FAZ-Feuilletons und als im Untersuchungszeitraum 2000 an den jeweiligen Plätzen.
Diese Entwicklung lässt sich als eine Normalisierung der Wissenschaftsbericht-
erstattung im FAZ-Feuilleton interpretieren. Während im Untersuchungszeitraum 2000
der Flächenanteil dieses Themengebiets vor allem an der sehr prominenten Titelseite
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 122

und an den Aufmachern des Feuilletonbuchs überdurchschnittlich hoch war, wird das
Themenfeld inzwischen auf allen der vorderen Feuilletonseiten behandelt. Offenbar ist
auf der zweiten Feuilletonseite eine neue Rubrik geschaffen worden, da hier 2000 das
Themenfeld überhaupt nicht, im Untersuchungszeitraum 2001 jedoch
überdurchschnittlich oft auftaucht.
Im FAZ-Feuilleton nimmt, wie in Hypothese H17 vermutet, im Untersuchungszeitraum
2001 gegenüber 2000 der Anteil von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich der
populären Kultur im engeren Sinne leicht zu: von 11,3 auf 12,2 Prozent. Hingegen
fällt der Flächenanteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne stark von 31,1
auf 21,1 Prozent (vgl. Tabelle 54), während die Anteile der übrigen Kulturbereiche
steigen. Dies entspricht dem Bild, das die Spartenanteile zeichnen: Am stärksten sank
von allen Kultursparten im engeren Sinne der Flächenanteil der tendenziell eher der
Hochkultur zuzuordnende Anteil der bildenden Kunst (vgl. Tabelle 51, S. 120).

Tabelle 54: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln
2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
populäre Kultur im engeren
10377 11,3 5235 20,9 6355 13,9 12528 12,2 5407 17,2 7660 12,5
Sinn
populäre Kultur im weiteren
23330 25,5 2481 9,9 18297 39,9 28279 27,5 2351 7,5 17811 29,1
Sinn
Hochkultur im engeren Sinn 28455 31,1 8422 33,6 8602 18,8 21711 21,1 10168 32,4 11909 19,5
Hochkultur im weiteren Sinn 28439 31,1 4508 18 8134 17,8 34594 33,6 9606 30,6 18019 29,4
populäre und Hochkultur im
810 0,9 4421 17,6 4421 9,7 5418 5,3 3895 12,4 5791 9,5
engeren Sinn
nicht klar zuzuordnen 120 0,1 - - - - 444 0,4 - - - -
Gesamt 91531 100 25067 100 45809 100,1 102974 100,1 31427 100,1 61190 100

Die Analyse der Medieninhalte bestätigt die Hypothese H17: Im Untersuchungszeitraum


2001 steigt im SZ-Feuilleton der Anteil der Kultursparte Literatur gegenüber dem
Untersuchungszeitraum 2000, und zwar um 3,4 Prozentpunkte auf 21,7 Prozent der
Textfläche des Feuilletonressorts nach Selbstdefinition. Damit steht Literatur in der
Reihenfolge der klassischen Kultursparten im engeren Sinne gemessen am
Flächenanteil im SZ-Feuilleton weiterhin an erster Stelle. Auffällig ist der Veränderung
des Flächenanteils der Beiträge zum Kino: Er sinkt von 16 auf lediglich 7,1 Prozent der
Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition. Weil die anderen Kultursparten im
engeren Sinne nicht Flächenanteile verlieren - sondern zum Teil sogar gewinnen -, sinkt
der am Flächenanteil festgemachte Stellenwert der Kinoberichterstattung hinter die
konstant starken Themenfelder darstellende und bildende Kunst (vgl. Tabelle 52, S.
120). Der Anteil der Wissenschaftsberichterstattung am SZ-Feuilleton nach
Selbstdefinition – also ohne Auswertung der Wissenschaftsseiten – wächst massiv von
3,1 auf 12,6 Prozent. Hier etabliert sich offenbar das Themengebiet im SZ-
Feuilletonressort ähnlich, wie es bei der FAZ im Untersuchungszeitraum 2000 zu
beobachten war. Doch die Analyse der Themenuntergebiete (vgl. Tabelle 52, S. 120)
zeigt einen wesentlichen Unterschied: Von der Gesamttextfläche des
Themenobergebiets Wissenschaft, Forschung, Technik nehmen Geisteswissenschaften
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 123

als Unterthema den größten Flächenanteil ein: 64,3 Prozent. Allerdings steigt auch die
absolute Fläche naturwissenschaftlicher Themen im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition
stark an: von lediglich 316 cm² im untersuchten Zeitraum 2000 auf 1164 cm² 2001.
Diese Textfläche beansprucht vollkommen das Themenfeld Biologie/Gentechnologie.
Hier ist also neben einem im Vergleich zu FAZ und der vorangehenden Entwicklung
des SZ-Feuilletons einzigartigen Anteil geisteswissenschaftlicher Themen auch eine
Etablierung des Themenfeldes Biologie/Gentechnologie im SZ-Feuilleton zu
beobachten, wie sie im Untersuchungszeitraum 2000 das FAZ-Feuilleton aufwies. Und
tatsächlich präsentiert das SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 dieses
Themengebiet ähnlich wie FAZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2000: Mit einem
überdurchschnittlich (im Vergleich zum Anteil an der Gesamtfläche von 11,1%) hohen
Anteil von Wissenschaftsthemen an der Textfläche der Feuilletonaufmacher (41,3%)
und der Feuilletontitelseiten (13,9%) (vgl. Tabelle 53, S. 121). Die Daten legen nahe,
dass bei dieser Etablierung wissenschaftlicher Themen auf prominenten
Feuilletonplätzen das SZ-Feuilleton dem FAZ-Angebot folgt.
Wie die Entwicklung der Kultursparten andeutet, sinkt im SZ-Feuilleton der Anteil
von Beiträgen zu Themen aus dem Bereich populärer Kultur im engeren Sinne an der
Textfläche gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2000 (vgl. Tabelle 54, S. 122),
nämlich von 20,9 auf 17,2 Prozent der Textfläche des Feuilletons nach Selbstdefinition.
Hingegen erweitert das SZ-Feuilleton den inhaltlich praktizierten Kulturbegriff im
Untersuchungszeitraum 2001 deutlich zur Hochkultur im weiteren Sinne, die nun 30,6
statt wie 2000 18 Prozent der Textfläche einnimmt.
Der Vergleich beider Feuilletons bestätigt eine Aussage der Hypothese H18 und
widerlegt eine andere. Tatsächlich nehmen Themen aus dem Bereich der Hochkultur
im weiteren Sinne im Untersuchungszeitraum 2001 einen geringeren Flächenanteil
des SZ-Feuilletons ein als entsprechende Angebote im FAZ-Feuilleton. Allerdings hat
sich die Differenz zwischen beiden Feuilletons im untersuchten Zeitraum 2001
gegenüber dem 2000 erheblich verringert, weil das SZ-Feuilleton den Anteil dieses
Kulturbereich erheblich ausgebaut hat (vgl. Tabelle 54, S. 122). Die FAZ pflegt also
auch weiterhin einen zur Kultur im weiteren Sinne stärker erweiterten Kulturbegriff als
das SZ-Feuilleton – allerdings hat die SZ hier im Zeitraum 2001 erheblich aufgeholt.
Das ist unter anderem auf die deutlich erweiterte Wissenschaftsberichterstattung um
SZ-Feuilleton zurückzuführen. Auch die FAZ hat deren Anteil an der
Feuilletontextfläche erheblich vergrößert. Allerdings sank dabei der Anteil von
Beitragen aus dem Themenfeld Zeitgeschehen am FAZ-Feuilleton stärker als bei der SZ
(vgl. Tabelle 51, S. 120). Im untersuchten Zeitraum 2001 bietet das SZ-Feuilleton einen
größeren Textanteil (12,5 % nach parallelisierender Definition) solcher Themen als das
FAZ-Feuilleton (9,9%). Diese Entwicklung lässt sich dahingehend interpretieren, dass
das SZ-Feuilleton das Konzept eines politischen Feuilletons, womit es sich in den
untersuchten Zeiträumen 1999 und 2000 vom FAZ-Feuilleton abhob, nicht aufgibt.
Anders die FAZ: Der Herausgeber kündigt nicht nur an, dass so genannte politische
Besinnungsaufsätze nicht mehr zeitgemäß sind, sondern der Anteil des entsprechenden
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 124

Themenfeldes Zeitgeschehen geht auch deutlich zurück. Ein wesentlicher Unterschied


zwischen beiden Feuilletons ist die Art der Wissenschaftsberichterstattung: Im FAZ-
Feuilleton dominiert Naturwissenschaft die gesamte Wissenschaftsberichterstattung,
entsprechende Themen nehmen im untersuchten Zeitraum 2001 55,9 Prozent der
Textfläche zu Wissenschaftsthemen ein. Im SZ-Feuilleton hingegen bringen die
Feuilletonseiten nach Selbstdefinition des Ressorts vor allem geisteswissenschaftliche
Themen (64,3 Prozent der Wissenschaftsberichterstattung dort). Erst, wenn man das SZ-
Wissenschaftsressort der parallelisierenden Definition entsprechend mit auswertet,
nehmen naturwissenschaftliche Themen den größten Flächenanteil (49%) ein (vgl.
Tabelle 52, S. 120). Da Geisteswissenschaften im SZ-Feuilleton im untersuchten
Zeitraum 2000 überhaupt nicht und 1999 in sehr geringer absoluter Textfläche (570
cm²) auftauchten, ist der von SZ-Chefredakteur als Innovation angekündigte
Feuilletonfokus auf Geisteswissenschaften (vgl. S. 74) tatsächlich umgesetzt.
Allerdings bot dieses Profil bereits die FAZ in den Untersuchungszeiträumen 1999 und
2000. Dort waren geisteswissenschaftliche Themen mit einem Anteil von 42,4 Prozent
(5925 cm²) an der Textfläche des Oberthemas Wissenschaft 1999 und mit 33,3 Prozent
(5773 cm²) ein etabliertes Feld der Wissenschaftsberichterstattung im Feuilleton.
Bei den Kultursparten im engeren Sinn fällt beim Vergleich beider Ressorts in den
Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 auf, dass das SZ-Feuilleton den hohen
Flächenanteil der Kinoberichterstattung als wesentliches Unterscheidungsmerkmal
gegenüber dem FAZ-Feuilleton aufgibt. Der Flächenanteil nach parallelisierender
Definition ist mit 4 Prozent der SZ-Feuilletontextfläche zwar noch immer geringfügig
höher als die 3,3 Prozent der FAZ, der Abstand ist aber im Vergleich zu 2000 erheblich
geschrumpft. Eine andere auffällige Veränderung ist der im SZ-Feuilleton – anders als
bei der FAZ – gestiegene Textflächenanteil bildender Kunst: Auch hier bietet das SZ-
Feuilleton nach parallelisierender Definition im Untersuchungszeitraum 2001 einen
höheren Anteil (8,1%) als das FAZ-Feuilleton (6,7%). Wie im Untersuchungszeitraum
2000 bietet das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition anteilsmäßig mehr
Beiträge zur darstellenden Kunst (7,1%) als das FAZ-Feuilleton (5,9). Diese
Themenstruktur lässt vermuten, dass das SZ-Feuilleton die Berichterstattung zu
populärer Kultur im engeren Sinne anteilsmäßig so weit eingeschränkt hat, dass das
Angebot den Flächenanteilen nach geringer ist als im FAZ-Feuilleton. Diese Aussage in
Hypothese H18 wurde durch Äußerungen des SZ-Chefredakteurs Kilz gestützt, der einen
zu hohen Anteil der Populärkultur im SZ-Feuilleton kritisierte (vgl. 6.3.2., S. 74).
Tatsächlich sinkt der Anteil populärer Kultur im engeren Sinne an der Gesamttextfläche
des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition von 13,9 Prozent im untersuchten
Zeitraum 2000 auf 12,5 Prozent 2001. Das ist aber anders als in Hypothese H18
formuliert noch immer geringfügig mehr als das FAZ-Feuilleton 2001 anteilsmäßig an
populärer Kultur im engeren Sinn bietet (12,2%) – doch die Differenz ist gegenüber
2000 geschrumpft. So gesehen nähert sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung
über Kultur im engeren Sinne dem früheren Profil der FAZ an, indem es Hochkultur im
engeren Sinne stärker fokussiert als populäre Kultur im engeren Sinne. Ebenso gleicht
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 125

sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung zu Geisteswissenschaften dem Profil


des FAZ-Feuilletons in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 an. Das FAZ-
Feuilleton hingegen integriert die Wissenschaftsberichterstattung stärker an
prominenten Plätzen im Feuilleton und baut auch ihren Anteil aus. Es erweitert
ebenfalls geringfügig die Anteile populärer Kultur im engeren Sinne an der Textfläche
und verringert anders als das SZ-Feuilleton den Anteil von Hochkultur im engeren
Sinne am Feuilletonangebot.

9.2.3 Darstellungsformen und Gestaltung


Die Analyse der Feuilletoninhalte bestätigt die Aussage der Hypothese H19 über die
Anteile der journalistischen Darstellungsformen. In der Tat haben am FAZ-Feuilleton
in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 Rezensionen den größten
Textflächenanteil aller Darstellungsformen. Allerdings sinkt dieser Anteil vom
Untersuchungszeitraum 2000 (29,5%) zu dem 2001 (23,2%) (vgl. Tabelle 55).

Tabelle 55: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln


2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Meldung / Nachricht 3476 3,8 990 3,9 1506 3,3 3762 3,7 516 1,6 2140 3,5
Bericht 2629 2,9 953 3,8 2043 4,5 7345 7,1 1712 5,4 4307 7
Hintergrundbericht 17225 18,8 3629 14,5 7480 16,3 18313 17,8 4040 12,9 11015 18
Essay 6248 6,8 372 1,5 372 0,8 2660 2,6 1944 6,2 1944 3,2
Reportage/Feature 399 0,4 554 2,2 2708 5,9 1512 1,5 1372 4,4 1867 3,1
Portrait 1375 1,5 896 3,6 1772 3,9 1558 1,5 972 3,1 1406 2,3
Nachruf 1113 1,2 501 2 501 1,1 1214 1,2 686 2,2 838 1,4
Interview - - 1256 5 1550 3,4 4628 4,5 1044 3,3 2718 4,4
Kommentar 5192 5,7 2442 9,7 3462 7,6 6055 5,9 2906 9,2 4123 6,7
Glosse 84 0,1 636 2,5 804 1,8 666 0,6 756 2,4 756 1,2
Feuilleton 810 0,9 2510 10 2510 5,5 2082 2 780 2,5 1320 2,2
Rezension/Kritik 27035 29,5 8616 34,4 11409 24,9 23859 23,2 12609 40,1 15983 26,1
Presseschau 640 0,7 - - - - 432 0,4 - - - -
Literatur 3346 3,7 36 0,1 36 0,1 2916 2,8 - - - -
Bildunterschrift 335 0,4 113 0,5 36 0,2 38 0 25 0,1 25 0
Veranstaltungskalen
18781 20,5 1563 6,2 9543 20,8 21898 21,3 250 0,8 10933 17,9
der/ Rundfunkpr.
Sammelrezension 1073 1,2 - - - - - - 372 1,2 372 0,6
Dokumentierte Rede 1770 1,9 - - - - 3193 3,1 1443 4,6 1443 2,4
sonstige - - - - - - 843 0,8 - - - -
Gesamt 91531 100 25067 99,9 45809 100,1 102974 100 31427 100 61190 100

Am stärksten steigt der Textflächenanteil von Interviews. Nutzte das FAZ-Feuilleton


diese Darstellungsform in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 überhaupt
nicht, nimmt sie nun 4,5 Prozent der Textfläche ein. Der Anteil von Reportagen und
Features steigt, wenn auch auf niedrigem Niveau. Ähnlich stark wächst der Anteil des
Feuilletons als Darstellungsform von 0,9 auf 2 Prozent der Textfläche. Insgesamt nimmt
die oft kritisierte Dominanz der Rezension als journalistische Darstellungsform im
FAZ-Feuilleton vom untersuchten Zeitraum 2000 zu dem 2001 ab. Die
Gesamtentwicklung kann als wachsende Vielfalt der Darstellungsformen im FAZ-
Feuilleton interpretiert werden. Presseschau und literarische Primärtexte haben
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 126

weiterhin einen - wenn auch niedrigen – stabilen Anteil, der ein Alleinstellungsmerkmal
des FAZ-Feuilletons gegenüber dem der SZ in den untersuchten Zeiträumen ist.
Analysiert man jedoch die Verteilung der Anteile einzelner Kulturbereiche an der
Gesamtfläche von Darstellungsformen wie Essays, Kommentaren, Reportagen/
Features und Hintergrundberichten in den untersuchten Zeiträumen 2000 und 2001,
fällt auf, dass die entsprechenden Beiträge vor allem Kultur im weiteren Sinne,
insbesondere Hochkultur im weiteren Sinne darstellen (vgl. Tabelle 56). Im
untersuchten Zeitraum 2001 stellen Autoren auf 61,5 Prozent der von Essays
eingenommenen Textfläche Themen aus der Hochkultur im weiteren Sinne dar.
Populäre Kultur im engeren Sinne nimmt an der Textfläche all dieser
Darstellungsformen im untersuchten Zeitraum 2001 den jeweils geringsten Anteil ein.
Hochkultur im engeren Sinne bedeckt einen geringeren Anteil der Fläche dieser
Darstellungsformen als der gesamten Textfläche des FAZ-Feuilletons im untersuchten
Zeitraum 2001 (21,1%). Diese Ergebnisse bestätigen auch im Untersuchungszeitraum
2001 eine Zweiteilung der Präsentation von Kulturthemen: Kultur im weiteren Sinn
nimmt einen im Vergleich zu ihrem Gesamtanteil überdurchschnittlich hohen Anteil der
Textfläche der von Feuilletonkritikern vermissten Darstellungsformen ein. Die
geforderten Veränderungen der Präsentation sind also vor allem bei der von
Feuilletonkritikern ebenfalls verlangten stärkeren Darstellung von Kulturthemen im
weiteren Sinn zu beobachten.

Tabelle 56: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen ausgewählter Darstellungs-


formen und Quellen nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
% | n = 69 % | n = 23 % | n = 44 % | n = 78 % | n = 26 % | n = 49
Essays zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - - - 38,5 - -
populärer Kultur im weiteren Sinn 30,2 - - - - -
Hochkultur im engeren Sinn - - - - - -
Hochkultur im weiteren Sinn 69,8 - - 61,5 100 100
Kommentare zu:
populärer Kultur im engeren Sinn 4,2 11,8 8,3 3,7 4,1 2,9
populärer Kultur im weiteren Sinn 13,2 - 29,5 16 - 2,6
Hochkultur im engeren Sinn 27 - - 17 22,4 15,8
Hochkultur im weiteren Sinn 55,6 88,2 62,2 60,3 73,5 78,7
Reportagen/Features zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - - - 2 45,6 33,5
populärer Kultur im weiteren Sinn - 100 63,6 70,2 25,4 45,2
Hochkultur im engeren Sinn - - - - - -
Hochkultur im weiteren Sinn 100 - 36,4 27,8 29,1 21,4
Hintergrundberichte zu:
populärer Kultur im engeren Sinn 5,2 19,5 9,5 6,9 - 2,2
populärer Kultur im weiteren Sinn 8,7 - 27,6 13,6 28,8 31,2
Hochkultur im engeren Sinn 15,9 7,6 3,7 18,4 26,7 14,4
Hochkultur im weiteren Sinn 67,7 52,1 49,2 58 32,3 47,7
Gastautoren zu:
populärer Kultur im engeren Sinn - - - - - -
populärer Kultur im weiteren Sinn 16,6 - - 26,7 - -
Hochkultur im engeren Sinn 3,7 15,2 15,2 1,5 - -
Hochkultur im weiteren Sinn 79,7 84,8 84,4 71,8 100 100

Die Untersuchung der Feuilletoninhalte widerlegt die Aussage der Hypothese H19 zum
Anteil von Gastbeiträgen und Artikelserien an der Textfläche: Dieser Anteil sinkt leicht
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 127

bei Artikelserien (vgl. Tabelle 57), stark bei Gastbeiträgen (vgl. Tabelle 58). Der stark
sinkende Anteil von Gastautoren spricht für Normalisierung der
Wissenschaftsberichterstattung. 1999 lag dieser Anteil bei 3,9 Prozent, stieg im
untersuchten Zeitraum 2000 auf 5,6 Prozent. In diesem Zeitraum nahm das Hauptthema
Biologie/Gentechnologie 50,6 Prozent der gesamten Gastbeitragsfläche im FAZ-
Feuilleton 2000 ein. 2001 jedoch sinkt der Anteil von Gastbeiträgen an der
Feuilletontextfläche auf 3,8 Prozent - Biologie/Gentechnologie bedeckt nur noch 26,1
Prozent dieser Fläche. Diese Entwicklung verläuft analog zu dem anderen Indiz für eine
Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung: Die Positionierung von
Wissenschaftsthemen als Feuilletonaufmacher und auf Feuilletontitelseiten sinkt im
Untersuchungszeitraum 2001 nach den vorherigen, hohen Werten.

Tabelle 57: Flächenanteil von Beitragsserien an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001
(Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Teil einer Serie 3559 3,9 1101 4,5 1101 2,4 3153 3,1 1179 3,8 1993 3,3
nicht Teil e. Serie 87972 96,1 23966 95,6 44708 97,6 99821 96,9 30248 96,2 59197 96,7
Gesamt 91531 100 25067 100 45809 100 102974 100 31427 100 61190 100

Tabelle 58: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Eigenbeitrag 81852 89,4 23129 92,3 43661 95,3 91443 88,8 27180 86,5 53867 88
Agenturbeitrag 1398 1,5 624 2,5 834 1,8 756 0,7 300 1 2573 4,2
Gastautor (exkl.) 5125 5,6 1182 4,7 1182 2,6 3924 3,8 2504 8 3307 5,4
Übernahme Rede - - - - - - 4187 4,1 1443 4,6 1443 2,4
Übernahme Buch 3156 3,4 36 0,1 36 0,1 2664 2,6 - - - -
Übernahme aus
- - 96 0,4 96 0,2 - - - - - -
anderer Zeitung
Gesamt 91531 100 25067 100 45809 100 102974 100 31427 100,1 61190 100

Dieser vielfältigeren Gestaltung der textlichen Darstellung steht eine uneinheitliche


Entwicklung bei der optischen Darstellung gegenüber. Das FAZ-Feuilleton präsentiert
im untersuchten Zeitraum 2001 mehr Textfläche (47,1%) als 2000 (43,6%) ohne
jegliche Portionierungselemente (vgl. Tabelle 59).

Tabelle 59: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an der Gesamttextfläche
nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Rubriktitel 28261 30,9 3455 13,1 4998 10,8 34799 33,8 3387 9,5 5275 8,6
Zwischentitel 23070 25,1 9574 36,3 23473 51,1 28179 27,4 20038 56,3 34307 56,1
Infokasten 4778 5,1 1471 5,6 9456 20,5 12121 11,8 2632 7,4 10311 16,9
markanter Endabsatz 22932 25 7988 30,3 9293 20,3 17145 16,6 9995 28,1 14848 24,3
ohne diese Gestaltungselemt. 40021 43,6 10096 38,1 14223 31 48623 47,1 10522 29,6 16517 27

Hingegen steigert das FAZ-Feuilleton wie bereits von 1999 zu 2000 auch im
untersuchten Zeitraum 2001 den Bildanteil: von 21,9 auf 23,9 Prozent (vgl. Tabelle 60).
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 128

Tabelle 60: Flächenanteil von Bild- und Textflächen an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln
2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition des Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
Bild (%) Text (%) Bild (%) Text (%)
FAZ | n = 584 Beiträge 21,9 78,1 23,9 76,1
SZ Selbstdefinition | n = 206 Beiträge 22,7 77,3 23,8 76,2
SZ parallelisierende Def. | n = 349 Beiträge 20,4 79,6 21 79

Dabei wächst die Bandbreite der genutzten Bildtypen: Deutlich steigt der Anteil von
Fotografien, die nicht kulturelle Ereignisse abbilden oder Kunstprodukte
reproduzieren, nämlich von 32,8 auf 45,6 Prozent der Gesamtbildfläche. Insbesondere
der Anteil der Reproduktionen geht zurück (vgl. Tabelle 61). Neu hinzu kommt als
Bildform der Cartoon.

Tabelle 61: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst-
und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 110 n = 37 n = 68 n = 148 n = 39 n = 76
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Fotografie von kult. Ereignis 3088 12,1 979 13,3 979 8,4 3729 11,7 1058 10,8 800 5,4
Reproduktionen 13689 53,5 4350 59,2 6102 52,1 10219 32,1 4860 49,4 7978 53,8
Fotografie anders 8390 32,8 2006 27,3 4231 36,1 14314 45,6 3523 35,8 5081 34,3
Karikatur - - - - 384 3,3 - - - - - -
Cartoon - - - - - - 2886 9,1 - - - -
Informationsgrafik 345 1,3 - - - - 120 0,4 - - 564 3,8
Bildelement anders 88 0,3 12 0,2 12 0,1 366 1,1 399 4,1 399 2,7
gesamt 25600 100 7347 100 11708 100 31634 100 9840 100,1 14822 100

Die inhaltsanalytische Untersuchung bestätigt Hypothese H20: Im SZ-Feuilleton


dominiert im Untersuchungszeitraum 2001 wie schon 2000 die Rezension als
journalistische Darstellungsform. Ihr Anteil ist mit 40,1 Prozent der Textfläche des SZ-
Feuilletons nach Selbstdefinition höher als in den Untersuchungszeiträumen 1999
(38,3%) und 2000 (34,4%; vgl. Tabelle 55, S. 125). Erstmals bietet das SZ-Feuilleton
im Untersuchungszeitraum 2001 auch Sammelrezensionen (1,2 Prozent der Textfläche).
Diese Darstellungsform ist nicht den klassischen Rezensionen zuzurechnen, da hier
mehrere Kulturprodukte zu einem Thema vergleichen werden, während bei klassischen
Rezensionen eines Kulturproduktes eben dieses im Mittelpunkt steht. Der gegenüber
klassischen Rezensionen geringe Flächenanteil der Sammelrezensionen verbietet es
allerdings, hier von einem starken Wandel der Berichterstattung über Kultur im engeren
Sinne zu sprechen. Eher lässt sich die Entwicklung des Anteils von Rezensionen am
SZ-Feuilleton als eine Tendenz der Darstellung zum oft kritisierten
Rezensionsfeuilleton interpretieren. Diese Auslegung stützt auch der stark sinkende
Flächenanteil des Feuilletons als Darstellungsform von 10 Prozent der Textfläche des
SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 2000 auf nur 2,5 Prozent 2001.
Allerdings steigen andererseits die Anteile von für das Rezensionsfeuilleton
untypischen Darstellungsformen wie dokumentierten Reden (Anteil 2001: 4,6%),
Reportagen (4,4%) und Essays (6,2%). Allein: Diese Darstellungsformen widmen sich
kaum den Inhalten des Rezensionsfeuilletons, nämlich Kultur im engeren Sinne. Diese
Zweiteilung zwischen der Darstellung von Kultur im weiteren und Kultur im engeren
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 129

Sinne ist auch im SZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 zu beobachten. Alle


im SZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2001 erschienenen Essays beschäftigen sich
mit Hochkultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 56, S. 126). Das Gleiche gilt für Texte
von Gastautoren. Keine der veröffentlichten Reportagen thematisiert Hochkultur im
engeren Sinne, allerdings erzielt Populärkultur im engeren Sinne einen
überdurchschnittlichen Flächenanteil. Stark wächst der Anteil von Themen aus der
Hochkultur im engeren Sinne an der Textfläche der Hintergrundberichte, allerdings ist
er mit 26,7 Prozent noch immer geringer als der Anteil dieses Kulturfeldes an der
gesamten Textfläche von 32,4 Prozent. Insgesamt zeigt sich, dass auch im
Untersuchungszeitraum 2001 im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition Themen aus der
Hochkultur im engeren Sinne am Flächenanteil gemessen unterdurchschnittlich mit den
journalistischen Textformen bearbeitet werden, deren verstärkten Einsatz
Feuilletonkritiker forderten. Zu Schlagworten verkürzt entwickeln sich im SZ-
Feuilleton Räsonier- und Rezensionsfeuilleton parallel und voneinander unberührt.
Die Analyse der optischen Gestaltung des SZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum
2001 bestätigt die Aussagen der Hypothese H20 darüber: In der Tat steigt der Anteil von
Texten mit portionierenden Layout-Elementen wie Zwischenüberschriften, Infokästen
oder markanten Endabsätze an der Textfläche. Nur noch 29,6 Prozent der Textfläche
präsentiert die Redaktion ohne zumindest eines dieser Gestaltungsmittel. Im
Voruntersuchungszeitraum 2000 waren es noch 38,1 Prozent der Textfläche des SZ-
Feuilletons nach Selbstdefinition. Vor allem Zwischentitel in Beiträgen gliedern
wesentlich mehr Textfläche als im vorangehenden Untersuchungszeitraum. Auch der
Anteil von Bildern an der gesamten Beitragsfläche des SZ-Feuilletons nach
Selbstdefinition steigt, allerdings nicht so stark wie bei der FAZ. Das SZ-Feuilleton
baut den Anteil von Kunstreproduktionen an der Gesamtbildfläche (vgl. Tabelle 63, S.
133) ab (49,4%), zugunsten von Fotografien, die nicht Kulturprodukte oder -ereignisse
darstellen (35,8% gegenüber 27,3% 2000). Allerdings verzichtet das SZ-Feuilleton auch
im Untersuchungszeitraum 2001 völlig auf Karikaturen, Cartoons oder
Informationsgrafiken. Erst wenn man der parallelisierenden Definition folgend auch
Medien- und Wissenschaftsseiten hinzurechnet, nehmen Informationsgrafiken
zumindest 3,8 Prozent der Bildfläche ein. Eine Erweiterung der Bandbreite der
bildlichen Darstellungsformen ist daher im SZ-Feuilleton nicht zu erkennen. Allein die
starke Nähe der bildlichen Gestaltung zu Kulturprodukten und -ereignissen lässt nach.
Der Vergleich beider Feuilletonressorts bestätigt Hypothese H21: Das SZ-Feuilleton
weist in den Untersuchungszeiträumen 2000 wie 2001 einen höheren Anteil an
Rezensionen an der Gesamttextfläche auf als das FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 55, S.
125). Während Rezensionen im FAZ-Feuilleton 2001 23,2 Prozent der Textfläche
einnehmen, sind es bei der SZ 40,1 Prozent nach Selbstdefinition, respektive 26,1
Prozent des SZ-Feuilletons nach parallelisierender Definition. Das Verhältnis hat sich
somit gegenüber den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 verkehrt, weil die FAZ
ihren Rezensionsanteil reduzierte, die SZ jedoch ausbaute. Bei den übrigen
Darstellungsformen behält die FAZ literarische Primärtexte (2,8%) und Presseschauen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 130

(0,4%) als Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem SZ-Feuilleton. Das SZ-Feuilleton


hingegen hat seinen starken Anteil von Feuilletons als Alleinstellungsmerkmal
gegenüber dem FAZ-Ressort verloren: Nach parallelisierender Definition liegen hier
beide Medien im Untersuchungszeitraum 2001 in etwa gleich auf. Anders als 2000
dokumentiert das SZ-Feuilleton im untersuchten Zeitraum 2001 Reden, in nur leicht
geringerem Anteil an Gesamttextfläche als das FAZ-Feuilleton. Anders als in vorigen
Untersuchungszeiträumen bietet die FAZ 2001 auch Interviews, in einem ähnlichen
Ausmaß (4,5%) wie das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition (4,4%).
Insgesamt nähert sich das SZ-Feuilleton in seiner Darstellung im untersuchten
Zeitraum 2001 dem Profil des FAZ-Feuilletons des Untersuchungszeitraums 2000 an:
Mehr Rezensionen, dokumentierte Reden und Essays und weniger Feuilletons. Das
FAZ-Feuilleton nähert sich im Untersuchungszeitraum 2001 durch einen steigenden
Anteil von Interviews und einen sinkenden von Rezensionen an der Gesamttextfläche
dem Darstellungsprofil des SZ-Ressorts im Untersuchungszeitraum 2000 an. In beiden
Ressorts sind nach wie vor Darstellungsformen wie Essay, Hintergrundbericht und
Kommentar weitgehend an Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinne gebunden.
Bei der optischen Darstellung vertauschen sich ähnlich wie beim Anteil der Rezension
die Rollen beider Ressorts vom Untersuchungszeitraum 2000 zu dem 2001. Das FAZ-
Feuilleton vergrößert abermals den Bildanteil an der Beitragsfläche stärker als das SZ-
Feuilleton und übertrifft so im Untersuchungsjahr 2001 nicht nur den Bildanteil am SZ-
Feuilleton nach parallelisierender Definition, sondern auch knapp den an der
Gesamtbeitragsfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition (vgl. Tabelle 60, S. 128).
Die Bandbreite der Bildformen ist im FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum
2001 größer als im SZ-Feuilleton. Über die Untersuchungszeiträume hinweg hat das
FAZ-Ressort stärker als das der SZ den Anteil von Kunstreproduktionen und
Fotografien kultureller Ereignisse stärker zugunsten anderer Fotografien gesenkt. 2001
steht einem Bildflächenanteil der Reproduktionen im FAZ-Feuilleton von 32,1 Prozent
ein Anteil von 53,8 Prozent am SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition
gegenüber. Konstant bleibt bei der optischen Gestaltung allein die führende Rolle des
SZ-Feuilletons bei der Gliederung der Textfläche durch Portionierungselemente wie
Zwischentitel, markante Endabsätze und ähnliches. Nur 27 Prozent der Textfläche
präsentiert das SZ-Feuilleton ohne solche Navigationshilfen, im FAZ-Feuilleton sind es
im untersuchten Zeitraum 2001 47,1 Prozent.

9.2.4 Beitragsfokus
Die inhaltsanalytische Untersuchung der Feuilletoninhalte der FAZ im
Untersuchungszeitraum 2001 bestätigt Hypothese H22: Das FAZ-Feuilleton weist im
Untersuchungszeitraum 2001 einen höheren Anteil (58,6%) von Beiträgen mit Fokus
auf Kultur im weiteren ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn auf als im
Untersuchungszeitraum 2000 (52%). Diese Entwicklung entspricht der Ankündigung
des FAZ-Herausgebers, eine feste Rubrik für naturwissenschaftliche Themen im FAZ-
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 131

Feuilleton einzurichten. Besonders der stark gestiegene Anteil naturwissenschaftlicher


Themen am FAZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 gegenüber 2000 zeigt,
dass die FAZ-Feuilletonredaktion den von Frank Schirrmacher geäußerten Willen zur
weitergehenden inhaltlichen Erweiterung des Ressorts gegenüber Kultur im weiteren
Sinne umsetzt. Die bereits bei der Platzierung und Darstellung festgestellten Indizien
für eine Normalisierung des 2001 weiter ausgebauten des Themenfeldes Wissenschaft,
Forschung, Technologie ergänzt die Analyse der Themenfokusse um ein weiteres: Im
FAZ-Feuilleton verdoppelt sich im Untersuchungszeitraum 2001 der Textflächenanteil
von Beiträgen mit einem Fokus auf das Vermelden von Neuigkeiten aus der Kultur im
weiteren Sinne: Solche Beiträge nehmen 15 Prozent der Textfläche aller Beiträge mit
einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ein.

Tabelle 62: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
Fokus auf Kultur ... cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
... im engeren ohne Bezug zu
42110 46 17456 69,6 19296 42,1 40714 39,5 22370 71,2 29823 48,7
Kultur im weiteren Sinn
10
davon: Kulturprodukt 34611 82,2 11410 65,4 13058 67,7 28800 70,7 16592 74,2 21807 73,1
davon: Kulturproduzenten 1434 3,4 3024 17,3 3024 15,7 1910 4,7 1595 7,1 2649 8,9
davon: Kulturbetrieb 6065 14,4 3022 17,3 3214 16,7 10004 24,6 4183 18,7 5367 18
davon: Kulturpolitik - - - - - - - - - - - -
... im weiteren ohne Bezug zu
47564 52 6728 26,8 25630 55,9 60390 58,6 9021 28,7 30618 50
Kultur im engeren Sinn
davon: Neuigkeiten vermelden 3330 7 126 1,9 1588 6,2 9042 15 1230 13,6 4869 15,9
davon: Debatten / Diskussion - - - - - - 553 0,9 - - - -
davon: Hintergründe ohne Ex-
19941 41,9 5264 78,2 13031 50,8 21356 35,4 4161 46,1 10771 35,2
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe mit Ex-
5908 12,4 1338 19,9 1338 5,2 7399 12,3 2504 27,8 2900 9,5
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe zu Produkt 5853 12,3 - - 2805 10,9 2170 3,6 348 3,9 5071 16,6
davon: Hintergründe zu Person 583 1,2 - - 188 0,7 600 1 528 5,9 528 1,7
davon: Hintergründe z. Institution - - - - - - - - - - 889 2,9
davon: Veranstaltungshinweise 11949 25,1 - - 6680 26,1 19270 31,9 250 2,8 5482 17,9
davon: anders - - - - - - - - - - 108 0,4
... Beziehung zwischen Kultur im
1797 2 883 3,5 883 1,9 1870 1,8 36 0,1 749 1,2
engeren & im weiteren Sinn
davon: Kulturproduzent äußert - - - - - - - - - - - -
davon: Kultur als Hintergrund für
542 30,2 595 67,4 595 67,4 1379 73,7 - - 713 95,2
Verständnis oder Spiegel
davon: Auswirkung von Kultur im
1255 69,8 288 32,6 288 32,6 491 26,3 36 100 36 4,8
weiteren auf K. im engeren Sinn
davon: Auswirkung von Kultur im
- - - - - - - - - - - -
engeren auf K. im weiteren Sinn
davon: anders - - - - - - - - - - - -
nicht eindeutig zu bestimmen 60 0,1 - - - - - - - - - -
gesamt 91471 100 25067 99,9 45809 99,9 102974 99,9 31427 100 61190 99,9

Zurück geht hingegen 2001 der Anteil von Beiträgen, die den Hintergrund von
Ereignissen aus der Kultur im weiteren Sinne fokussieren (von 41,9% auf 35,4%). Hier
führt die Tendenz das FAZ-Feuilleton weg vom oft für Themen aus der Kultur im
weiteren Sinne im Feuilleton als zwingend geltend erklärten (vgl. 6.1.1., S. 65)
Darstellungsschema: Analyse, Hintergrund, grundsätzliche Betrachtung. Das

10
einschließlich Veranstaltungshinweisen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 132

vorliegende Material lässt die Interpretation gültig erscheinen, dass Kultur im weiteren
Sinne im FAZ-Feuilleton des Untersuchungszeitraums 2001 nicht mehr so stark als
grundsätzlich zu behandelndes Großereignis dargestellt wird, sondern zunehmend auch
Neuigkeiten für sich, ohne Einbettung in eine übergreifende Debatte wichtig genug
erscheinen, um vor allem sie zu fokussieren. Kurz: weniger Räsonnierfeuilleton.
Zugleich sinkt bei den Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne der
Flächenanteil von Beiträgen, die sich auf Kulturprodukte konzentrieren, auf 70,7
Prozent (vgl. Tabelle 62, S. 131). Zugleich steigt der Anteil an Beiträgen, die den
Kulturbetrieb in der Kultur im engeren Sinne fokussieren von 14,4 auf 24,6 Prozent der
Textfläche aller auf Kultur im engeren Sinne konzentrierten Beiträge. Obgleich also
Kulturprodukte noch immer im Zentrum des Interesses des FAZ-Feuilletons stehen,
kann diese Entwicklung als eine leichte Abkehr vom Rezensionsfeuilleton, das Kultur
allein als Werke und Produkte begreift, interpretiert werden.
Auch die Analyse der Textflächenanteile der Anlasstypen stützt die Interpretation einer
Normalisierung der Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton des
Untersuchungszeitraums 2001. Denn hier nehmen Beiträge mit der Veröffentlichung
wissenschaftlicher Ergebnissen als Anlass einen weit größeren Anteil der Textfläche
(10,2 Prozent, vgl. Tabelle 63, S. 133) ein als im Untersuchungszeitraum 2000 (3,6
Prozent). Hingegen sinkt der Flächenanteil von Beiträgen, deren Autoren sich auf eine
Debatte als aktuellen Anlass berufen. Die Bedeutung von neu erscheinenden
Kulturprodukten als Anlass für Beiträge nimmt im FAZ-Feuilleton 2001 gegenüber dem
untersuchten Zeitraum 2000 ab. Der Anteil so als aktuell begründeter Beiträge an der
Textfläche sinkt von 57 Prozent 2000 auf 53,2 Prozent 2001. Diese Entwicklung stützt
die Interpretation der Ergebnisse zu Darstellung und Fokus der Beiträge als behutsame
Abkehr vom klassischen Rezensionsfeuilleton.
Die Analyse der Inhalte des SZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2001 bestätigt
die Hypothese H23 weitgehend: Im SZ-Feuilleton stehen im Untersuchungszeitraum
2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu
Kultur im engeren Sinn als im Untersuchungszeitraum 2000. Das trifft allerdings nur für
das Feuilleton nach Selbstdefinition zu: Hier steigt der Flächenanteil solcher Beiträge
von 26,8 Prozent im Untersuchungszeitraum 2000 auf 28,7 Prozent 2001. Ebenfalls
leicht steigt der Anteil von Beiträgen, die Kultur im engeren Sinn fokussieren (von
69,6% auf 71,2% der Textfläche). Hingegen fällt der 2000 ohnehin geringe
Textflächenanteil von Beiträgen, die beide Kulturbereiche verbinden (von 3,5 auf 0,1
Prozent). Diese Entwicklung könnte mit dem Weggang des stellvertretenden
Feuilletonchefs Claudius Seidl zusammenhängen, der in den Debatten über Inhalte des
Feuilletons eine Verknüpfung beider Kulturbereiche als Stärke und Aufgabe des
Feuilletons darstellte (vgl. 6.1.1., S. 65). Auffällig ist eine starke Zunahme von
Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte aus dem Bereich der Kultur im
engeren Sinne auf 74,1 Prozent im Untersuchungszeitraum 2001. Diese Entwicklung
kann als Annäherung der Präsentation von Kultur im engeren Sinne an das Profil des
Rezensionsfeuilletons interpretiert werden: Kulturprodukte, nicht Kontexte, stehen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 133

im Mittelpunkt. Allerdings kann eine solche Entwicklung nur eingeschränkt aus dem
vorliegenden Material abgeleitet werden. Denn im SZ-Feuilleton sinkt der Anteil von
Produktneuerscheinungen als Beitragsanlass an der Textfläche: von 52,5 Prozent der
Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition 2001 auf 47,5 Prozent 2001.

Tabelle 63: Flächenanteile der Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach Titeln 2000/2001 (Selbst-
und parallelisierende Definition des Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
neues Produkt 52213 57 13151 52,5 24675 53,9 54925 53,2 14942 47,5 32037 52,4
Wissenschaftliche Ergebnisse 3279 3,6 358 1,4 1973 4,3 10516 10,2 798 2,5 3266 5,3
Auszeichnung/Preis 1335 1,5 1196 4,8 1546 3,4 2711 2,5 1605 5,1 1605 2,6
11
Institutionen 11387 12,5 4675 18,7 8928 19,5 20409 19,7 5636 17,9 12039 19,7
nicht-institutionalisierte Veranst. - - 336 1,3 498 1,1 210 0,2 - - - -
Jahres-/Todes-/ Geburtstag 7309 8 1398 5,6 1398 3,1 2632 2,6 1844 5,9 2344 3,8
Äußerungen v. Funktionsinhaber 120 0,1 417 1,7 417 0,9 174 0,2 120 0,4 498 0,8
Diskussion/Debatte 8178 8,9 1939 7,7 3299 7,2 6446 6,2 2323 7,4 3185 5,2
Trend 1085 1,2 - - - - - - - - - -
Aktuelle Beobachtung nicht
1171 1,3 1441 5,7 1441 3,1 2566 2,5 1041 3,3 1944 3,2
aktuellen Gegenstands
anderer Anlass 399 0,4 - - 414 0,9 - - - - 538 0,9
kein Anlass erkennbar 5055 5,5 156 0,6 1220 2,7 2574 2,9 3118 9,9 3734 6,1
gesamt 91531 100 25067 100 45809 100,1 102974 100,2 31427 99,9 61190 100

Der Vergleich der Entwicklung beider Feuilletonressorts in den Untersuchungs-


zeiträumen 2000 und 2001 bestätigt Hypothese H24: Das FAZ-Feuilleton weist im
Untersuchungszeitraum 2001 anteilsmäßig mehr Beiträge mit einem Fokus auf Kultur
im weiten ohne Bezug zu Kultur im engen Sinn (58,6%) auf als das SZ-Feuilleton (50%
nach parallelisierender Definition). Anders als im Untersuchungszeitraum 2000 trifft
das auch im Vergleich mit dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition zu.
Diese Entwicklung ist aber nicht als Verengung des Kulturbegriffs im SZ-Feuilleton zu
interpretieren, weil sie nur bei einer Materialauswahl nach parallelisierender Definition
auftritt. Im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition jedoch steigt der Flächenanteil von
Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne sowohl vom
Untersuchungszeitraum 1999 (23,8%) zu dem 2000 (26,8%) als auch zu dem 2001
(28,7%). Dieselbe Wachstumstendenz ist im FAZ-Feuilleton zu beobachten – in
stärkerer Ausprägung und von einem höheren Niveau aus. Beide Feuilletons erweitern
also den im Fokus der Beiträge praktizierten Kulturbegriff.
Unterschiede bestehen dennoch. So kehrt sich vom Untersuchungszeitraum 2000 zu
dem 2001 das Verhältnis von SZ und FAZ-Feuilleton beim Anteil von vor allem
Kulturprodukte im engeren Sinne fokussierender Beiträgen um. 2000 übertraf der
Anteil von Beiträgen mit solchem Fokus im FAZ-Feuilleton (82,2%) den im SZ-
Feuilleton nach Selbst- (65,4%) und parallelisierender Definition (67,7%). 2001 jedoch
stehen einem Flächenanteil solcher Beiträge von 70,7 Prozent im FAZ-Feuilleton 74,2

11
Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in
Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus
Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 134

im SZ-Feuilleton nach Selbst- und 73,1 Prozent nach parallelisierender Definition


gegenüber. Während also das FAZ-Feuilleton bei Kultur im engeren Sinne im
untersuchten Zeitraum 2001 weniger Kulturprodukte und mehr Produzenten und den
Kulturbetrieb fokussiert, konzentriert sich das Feuilleton stärker auf Kulturprodukte als
es das zuvor tat (vgl. Tabelle 62, S. 131). Diese Entwicklung im Untersuchungsmaterial
legt die Interpretation nahe, dass das Angebot des SZ-Feuilletons zu Themen aus der
Kultur im engeren Sinne im untersuchten Zeitraum 2001 verstärkt Eigenschaften des
häufig kritisierten Rezensionsfeuilletons aufweist, während im FAZ-Feuilleton die
Tendenz in die umgekehrte Richtung weist.
Bei Beiträgen mit einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne ist in beiden Feuilletons
hingegen eine auf den ersten Blick ähnliche leichte Tendenz weg von Eigenschaften
des Räsonierfeuilletons zu beobachten. So sinken sowohl im FAZ- als auch im SZ-
Feuilleton die Anteile von Beiträgen, die sich vor allem auf Hintergründe von
Ereignissen aus der Kultur im weiteren Sinne konzentrieren. Hingegen steigt in beiden
Ressorts der Flächenanteil von Beiträgen, die vor allem Neuigkeiten aus der Kultur im
weiteren Sinne ohne solche Einbettung fokussieren. Diese Entwicklung in der FAZ legt
eine Interpretation als Entfernung von der Darstellungstradition des Räsonier-feuilletons
bei naturwissenschaftlichen Themen nahe. Denn in der Tat beschäftigen sich im
Untersuchungszeitraum 2001 59,8 Prozent der Textfläche mit Fokus auf Neuigkeiten
aus der Kultur im weiteren Sinne mit naturwissenschaftlichen Themen. 2000 betrug der
Anteil lediglich 48,6 Prozent – von einer absoluten Textfläche, die nur ein gutes Drittel
(3330 cm²) jener des Untersuchungszeitraums 2001 (9042 cm²) beträgt. Das FAZ-
Feuilleton fokussiert also beim Themenfeld Naturwissenschaft 2001 nicht mehr so stark
wie in den Zeiträumen zuvor Hintergründe, was als Eigenschaft des Räsonierfeuilletons
gilt, sondern stellt bei einem wachsenden Anteil von Beiträgen das Melden von
Neuigkeiten in den Mittelpunkt.

Eine ähnliche Entwicklung ist im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition im


Untersuchungszeitraum 2001 zu beobachten: Auch hier steigt der Flächenanteil von
Beiträgen mit einem Fokus auf Neuigkeiten aus der Kultur im weiteren Sinne, von
1,9 auf 13,6 Prozent der auf Kultur im weiteren Sinne fokussierten Textfläche (vgl.
Tabelle 62, S. 131). Der Unterschied zum FAZ-Feuilleton ist der thematische
Schwerpunkt: 73,8 Prozent dieser Beitragsfläche beschäftigt sich mit
geisteswissenschaftlichen Themen. Diese Ergebnisse decken sich mit dem bei der
Themenanalyse beobachteten hohen Anteil geisteswissenschaftlicher Themen an der
erweiterten Wissenschaftsberichterstattung im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition.
Auch das SZ-Feuilleton entfernt sich also bei der Darstellung von Themen aus der
Kultur im weiteren Sinne vom ausschließlichen Fokus des Räsonierfeuilletons auf die
Hintergründe bei solchen Themen.
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 135

9.3 Die Entwicklung im gesamten Untersuchungszeitraum

9.3.1 Umfänge der Feuilletons


Die Untersuchung der Feuilletoninhalte in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2002
widerlegt Hypothese H25. Die Feuilletons von SZ und FAZ wachsen nicht
kontinuierlich von 1999 bis 2002, sondern in jeweils unterschiedlichen Perioden in
diesem Zeitraum.
Das FAZ-Feuilleton ist in den Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 größer als in
den jeweils vorangegangen – sowohl beim Anteil der Feuilletonbruttoseiten am
Gesamtbruttoangebot (vgl. Tabelle 64) als auch bei der Gesamtbeitragsfläche (vgl.
Tabelle 65, S. 136). Im untersuchten Zeitraum 2002 jedoch sinkt die
Gesamtbeitragsfläche des FAZ-Feuilletons sogar leicht unter den im untersuchten
Zeitraum 1999 festgestellten Wert. Zwar liegt der Anteil der Feuilletonbruttoseiten am
Gesamtbruttoangebot (20,1%) des Feuilletons über dem entsprechenden Wert von 1999
(18,6%). Doch im Vergleich zu 2001 nimmt die Zahl der Feuilleton-Bruttoseiten
anteilsmäßig stärker ab – um 32,17 Prozent der Bruttoseiten 2001 – als die der
restlichen Ressorts, deren Fläche lediglich um 23,1 Prozent schrumpft (vgl. Tabelle 64).
Dem kontinuierlichen Ausbau des FAZ-Feuilletons folgt also 2002 ein starker Abbau.
Der Ausbau 2000 und 2001 stimmt mit der Selbstdarstellung des Mediums überein (vgl.
S. 72ff.). Die im Untersuchungsmaterial festgestellte gegenläufige Entwicklung 2002
deckt sich mit der Einschätzung des ehemaligen FAZ-Literaturchefs Thomas Steinfelds,
der „Boom“ des Feuilletons sei im Jahr 2001 geendet (STEINFELD, 2003).

Tabelle 64: Bruttoseiten des Feuilletons, der Gesamtausgabe und Anteile der Feuilletonseiten am
Gesamtbruttoangebot nach Titeln 1999-2002 und im gesamten Untersuchungszeitraum
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12) 2002 (25.11.-30.11) Ges
Feu Ges % Feu Ges % Feu Ges % Feu Ges % %
Seiten Seiten F/Gs Seiten Seiten F/Gs Seiten Seiten F/Gs Seiten Seiten F/Gs F/Gs
FAZ | n = 24 Ausgaben 72 388 18,6 85 415 20,5 87 390 22,2 59 292 20,1 20,4
SZ Selbstdefinition
23 312 7,4 21 296 7,1 31 312 9,8 26 249 10,3 8,5
n = 24 Ausgaben
SZ parallelisierende Def.
39 312 12,5 37 296 12,5 49 312 15,6 42 249 16,9 14,3
n = 24 Ausgaben

Anders entwickelt sich das SZ-Feuilleton: Der Anteil seiner Feuilletonbruttoseiten am


Gesamtbruttoangebot (vgl. Tabelle 64) und die Gesamtbeitragsfläche (vgl. Tabelle 65,
S. 136) verringern sich im Untersuchungszeitraum 2000 gegenüber dem 1999, während
die FAZ ihr Feuilleton in diesem Zeitfenster ankündigungsgemäß ausbaut. In den
folgenden Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 jedoch steigert die SZ sowohl
den Anteil ihrer Feuilletonbruttoseiten am Gesamtbruttoangebot als auch die absoluten
Feuilletonbeitragsflächen nach Selbstdefinition. Dies entspricht der Ankündigung 2001,
das Feuilleton von nun an auszubauen (vgl. S. 74ff.). Es fällt dabei auf, dass der Ausbau
– anders als bei der FAZ – auch gegen eine allgemeine Blattentwicklung
weitergetrieben wird. So lassen sich die vorliegenden Ergebnisse aus dem
Untersuchungszeitraum 2002 interpretieren: Der Vergleich der Beitragsfläche des
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 136

Feuilletons nach Selbstdefinition – sie steigt um 615 cm² – mit der des Feuilletons nach
parallelisierender Definition – diese fällt von 2001 zu 2002 um 1396 cm² – zeigt:
Während andere SZ-Ressorts wie Medien und Wissenschaft Beitragsfläche verlieren,
baut das SZ-Feuilleton seine Fläche auch im untersuchten Zeitraum 2002 in der SZ
weiterhin aus. So ist auch der steigende Bruttoseitenanteil (von 9,8% 2001 auf 10,3%
2002) bei zugleich sinkender absoluter Bruttoseitenanzahl des Feuilletons (von 31 auf
26 Seiten) zu erklären: Die SZ setzt eine klare Priorität bei der Entwicklung des
Feuilletons, andere Ressorts sind von Flächenkürzungen stärker betroffen, das SZ-
Feuilleton kann seine absolute Beitragsfläche sogar leicht ausbauen. Der Verlust an
Bruttoseiten 2002 ist daher wohl eher auf einen Verlust von Anzeigen zurückzuführen.

Tabelle 65: Durchschnittliche Gesamtbeitragsflächen einer Feuilletonausgabe nach Titeln 1999-


2002 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Ges/4
22.-27.11. | cm² 27.11.-2.12. | cm² 26.11.-1.12. | cm² 25.11.-30.11. | cm² cm²
FAZ | n = 1100 Beiträge 16435 19522 22540 15993 18623
SZ Selbstdefinition | n = 427 Beitr. 5429 5401 6878 7493 6299
SZ parallelisierende Definition
9650 9585 12897 11501 10909
n = 688 Beiträge

Dennoch kommt der Vergleich beider Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2002 zum


selben Fazit wie 1999: Das FAZ-Feuilleton übertrifft das der SZ sowohl der
absoluten Beitragsfläche als auch dem Anteil der Feuilletonbruttoseiten am
Gesamtbruttoangebot nach. Allerdings schrumpft die Differenz vom Höchststand im
Jahre 2000. Nahm das FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2000 noch das mehr
als 3,6-fache der Fläche des SZ-Feuilletons ein, so bedeckt es 2002 nur die gut 2,1-
fache Fläche. 2002 nähern sich beide Feuilletons einander an. Denn die FAZ baut
Feuilleton ab, während die SZ ihres ausbaut.

9.3.2 Themen im Feuilleton


Die vorliegenden Medieninhalte stützten die Aussagen der Hypothese H26 in weiten
Teilen – allerdings nicht für den Untersuchungszeitraum 2002: In den untersuchten
Zeiträumen 1999 bis 2001 erweitert das FAZ-Feuilleton tatsächlich sein
Themenspektrum den Flächenanteilen nach zu Themen aus der Kultur im weiteren
Sinne, insbesondere der Wissenschaft. Den größten Flächenanteil des FAZ-Feuilletons
nehmen in allen Untersuchungszeiträumen Medienthemen (Rundfunk, Print) ein.
Allerdings entfällt hiervon die größte Fläche auf das in FAZ-Feuilleton integrierte
Rundfunkprogramm (vgl. gesonderte Ausweisung in Tabelle 66, S. 137). Die
Einführung einer Medienseite 2001 verändert dieses Verhältnis von Programmservice
und sonstiger Medienberichterstattung nicht gravierend. Offenbar bündelt die
Medienseite also ein bereits zuvor vorhandenes Angebot. Anders verhält es sich bei den
2001 neu institutionalisierten naturwissenschaftlichen Rubriken im FAZ-Feuilleton, mit
deren Etablierung eine deutliche Ausweitung des Themenanteils Wissenschaft,
Forschung, Technologie an der Gesamtfläche einhergeht. Die Flächenanteile dieses
Themengebiets steigen in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2001. Im Jahr 2001
2001 ist das Maximum erreicht: 26 Prozent der Textfläche des FAZ-Feuilletons
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 137

beschäftigen sich mit Wissenschaftsthemen. Im Folgezeitraum 2002 halbiert sich dieser


Anteil auf 13 Prozent – ein noch niedrigerer Wert als im untersuchten Zeitraum 1999.

Tabelle 66: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 und
im gesamten Untersuchungszeitraum (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
spartenübergreifend 1,3 3,1 0,1 5 0,2 3,7 1 1,1 0,6 3,1
Bildende Kunst 7,8 12,1 10 11,1 6,7 10 7,5 12 8 11,3
angewandte Kunst 2,7 - 1,6 0,2 0,4 0,1 0 0,5 1,1 0,2
darstellende Kunst 9,7 15,7 5,9 13,1 5,9 13,2 5,9 9,1 6,8 12,5
Literatur 12 15,9 13,2 18,3 12 21,7 17 26,4 13,4 21,2
Musik 4,6 12,1 3,9 5,5 6,2 9,2 5,4 4,7 5 7,7
Baukunst 3,6 4,6 3 2,5 1,9 5,1 3,6 2,5 2,9 3,7
Kino 2,6 8,7 3,3 16 3,3 7,1 7,2 11,1 4 10,6
andere Medien 28,2 1,7 25 2,5 27,6 1,6 26,1 - 26,7 1,3
darin Rundfunkprogramm 19,8 0 16,7 - 17,7 - 17,3 - 17,6 -
Wissenschaft,
17 2,5 18,9 3,1 26 12,6 13 5,8 19,3 6,3
Forschung, Technologie
Bildung und Erziehung - - - - - - 2,1 0,3 0,4 0,1
Zeitgeschehen 10,5 23,6 15,2 22,9 9,9 15,5 11,2 26,5 11,7 22,2
Gesamt 100 100 100,1 100,2 100,1 99,8 100 100 99,9 100,2

Die Ausweitung der Wissenschaftsberichterstattung ist tatsächlich eine naturwissen-


schaftlicher Themen: Von 1999 bis 2002 wächst ihr Anteil an der Gesamtfläche der
Wissenschaftsberichterstattung, während der Anteil geisteswissenschaftlicher Themen
sinkt. Nahmen 1999 naturwissenschaftliche Themen 41,9 Prozent der Fläche der
Wissenschaftsberichterstattung im FAZ-Feuilleton ein, so sind es 2002 66,8 Prozent
(vgl. Tabelle 67). Diese Entwicklung stimmt mit der Selbstdarstellung des FAZ-
Feuilletons überein.

Tabelle 67: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der
Textfläche nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=54 n=3 n =52 n=2 n=86 n=14 n=44 n=7 n=236 n=26
subspartenübergreifend - - 0,7 - 9,1 6,3 5 - 4,5 3,3
Veranstaltungshinweise 4,9 - - - 0,3 - - - 1,1 -
Sozialwissenschaften 10,8 - 13 - 2,3 - 0,5 21,4 6,5 6
Geisteswissenschaften 42,4 88,2 33,3 - 29,2 64,3 27,8 63,5 32,8 59,5
Technik - - 7,7 59,1 3,2 - - - 3,2 6,1
Naturwissenschaft 41,9 11,8 45,3 40,9 55,9 29,4 66,8 15,2 51,9 25,1
gesamt 100 100 100 100 100,1 6,3 100 100 100 100

Ebenfalls mit den Äußerungen des FAZ-Herausgebers Schirrmacher deckt sich der
sinkende Flächenanteil von Themen aus dem Obergebiet Zeitgeschehen im
Untersuchungszeitraum 2001: Offenbar ging die enorm verstärkte Wissen-
schaftsberichterstattung in diesem Untersuchungszeitraum auch auf Kosten politischer,
wirtschaftlicher und historischer Themen, deren exponierte Stellung in
Feuilletonressorts Schirrmacher in Interviews angesichts der naturwissenschaftlichen
Entwicklung als überholt einschätzte (vgl. S. 72).
Bei der Gewichtung der Flächenanteile klassischer Kultursparten zeigt das FAZ-
Feuilleton Kontinuität: Literatur führt hier dem Flächenanteil nach in allen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 138

untersuchten Zeiträumen vor anderen klassischen Kultursparten. Ein Einbruch dieses


Anteils ist im von der Naturwissenschaft dominierten Jahr 2001 nicht festzustellen. Das
FAZ-Feuilleton baut 2002 den Flächenanteil von Literaturthemen sogar auf bis dahin
nicht erreichte 17 Prozent aus. Diesen Ausbau der Literaturberichterstattung
kündigte die FAZ 2002 nicht an, der Anstieg könnte jedoch als Reaktion auf die 2001
im SZ-Feuilleton eingeführte Literaturseite und damit verbundene verstärkte
Literaturberichterstattung interpretiert werden. Bei den sonstigen klassischen
Kunstsparten sind in den Untersuchungszeiträumen keine stark auffälligen
Veränderungen zu beobachten. Die Flächenanteile von Themen aus der bildenden Kunst
und Baukunst brechen im untersuchten Zeitraum 2001 gegenüber den übrigen
Zeiträumen ein, was mit der stark erweiterten Wissenschaftsberichterstattung in diesem
Zeitraum zusammenhängen könnte. Ansonsten sind bei darstellender Kunst und Musik
keine starken Schwankungen zu beobachten, doch die waren aufgrund der
Kommunikatoraussagen auch nicht zu erwarten. Das Wissenschaftsfeuilleton etabliert
sich also eher auf Kosten des politischen Feuilletons als der klassischen
Kulturberichterstattung. Auffällig ist allein der enorme Zuwachs des Flächenanteils der
Kinoberichterstattung am FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2002
gegenüber den Vorangehenden von 3,3 Prozent 2000 und 2001 auf 7,2 Prozent der
Textfläche des FAZ-Feuilletons 2002. Diese Entwicklung kann als eine Umsetzung der
von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher angekündigten Popularisierung (vgl. S.
72) interpretiert werden – zumal zu den abgeworbenen SZ-Redakteuren 2001 der
Filmkritiker Michael Althen gehörte.

Tabelle 68: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln
1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
Pop. Kultur i. engen Sinn 15 17,8 11,3 20,9 12,2 17,2 14,9 17,8 13,2 18,3
Pop. Kultur i. weit. Sinn 31,6 10,8 25,5 9,9 27,5 7,5 21,8 6,1 26,7 8,3
Hochkultur i. engen Sinn 25,2 44,1 31,1 33,6 21,1 32,4 33,1 42,4 27,2 38,2
Hochkultur i. weit. Sinn 24,7 26,2 31,1 18 33,6 30,6 28,6 27,1 29,8 25,9
P./H.-Kultur im eng. Sinn 3,5 1 0,9 17,6 5,3 12,4 1,6 6,6 2,9 9,3
nicht klar zuzuordnen - - 0,1 - 0,4 - - - 0,2 -
Gesamt 100 100 100 100 100,1 100,1 100 100 100 100

Diese Interpretation als Popularisierung wird allerdings nicht durch die Entwicklung der
Flächenanteile der einzelnen Kulturfelder gestützt. Zwar steigt der Flächenanteil von
Themen aus der populären Kultur im engeren Sinn am FAZ-Feuilleton im untersuchten
Zeitraum 2002 gegenüber dem 2001 – allerdings nur knapp auf das Niveau von 1999
(vgl. Tabelle 68). Eine Erweiterung des Themenspektrums des FAZ-Feuilletons ist in
der Tat den Flächenanteilen nach gegenüber Themen aus der Kultur im weiteren Sinne
– insbesondere der Wissenschaft – festzustellen. Der Anteil von Themen aus der
Hochkultur im weiteren Sinne ist im Untersuchungszeitraum 2002 in der Tat höher
(28,6%) als im untersuchten Zeitraum 1999 (24,7%). Allerdings geht diese Erweiterung
nicht – wie vielleicht zu erwarten wäre – mit einem sinkenden Flächenanteil von
Themen aus dem Feld der Kultur im engeren Sinne einher. Diese Tendenz ist zwar im
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 139

untersuchten Zeitraum 2001 zu beobachten, 2002 jedoch bedecken Themen aus der
Hochkultur im engeren Sinne einen größeren Textflächenanteil als 1999, der Anteil von
Populärkultur im engeren Sinne liegt nach leichten Einbrüchen 2000 und 2001 im
untersuchten Zeitraum 2002 fast gleichauf mit 1999.
Die Entwicklung der Flächenanteile einzelner Themen- und Kulturfelder am FAZ-
Feuilleton in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002 lässt sich also nur
eingeschränkt als Erweiterung gegenüber Themen aus der Kultur im weiteren Sinne,
insbesondere der Wissenschaft interpretieren. In den untersuchten Zeiträumen 2000 und
2001 deckt sich diese Auslegung mit den untersuchten Inhalten: Die Flächenanteile von
Themen aus der Wissenschaft steigen, ebenso der von Themen aus der Hochkultur im
weiteren Sinne eingenommene Textflächenanteil. Doch im untersuchten Zeitraum 2002
sinkt der Flächenanteil von Wissenschaftsthemen und Themen aus der Hochkultur im
engeren Sinne unter den Wert im gesamten Zeitraum (vgl. Tabelle 68, S. 138), der
Flächenanteil von Themen aus der Hochkultur im engeren Sinne steigt wieder, sogar
über den Wert im untersuchten Zeitraum 1999. Von einer dauerhaften Erweiterung des
Kulturbegriffs des FAZ-Feuilletons gegenüber Kultur im weiteren Sinne kann also
nicht die Rede sein, betrug doch im Untersuchungszeitraum 1999 der Flächenanteil von
Themen aus der Kultur im engeren Sinne 43,7 Prozent, im untersuchten Zeitraum 2002
jedoch 49,6 Prozent. Statt von einer Erweiterung des Kulturbegriffs muss von einer
Etablierung von Wissenschaftsthemen als Kulturthemen im weiteren Sinne auf
prominenteren Feuilletonplätzen gesprochen werden (vgl. S. 102ff.; S. 119ff.).

Tabelle 69: Flächenanteile von Themenobergebieten an der Textfläche nach Titeln 1999-2002 und
im gesamten Untersuchungszeitraum (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
spartenübergreifend 1,3 1,7 0,1 2,7 0,2 1,9 1 0,7 0,6 1,7
Bildende Kunst 7,8 6,7 10 6,1 6,7 8,1 7,5 7,8 8 7,3
angewandte Kunst 2,7 0 1,6 0,1 0,4 0,1 0 0,3 1,1 0,1
darstellende Kunst 9,7 8,7 5,9 7,1 5,9 7,1 5,9 5,9 6,8 7,1
Literatur 12 8,8 13,2 10 12 11,9 17 17 13,4 12,2
Musik 4,6 6,7 3,9 3 6,2 6,5 5,4 3 5 4,8
Baukunst 3,6 2,6 3 1,4 1,9 3,8 3,6 1,6 2,9 2,4
Kino 2,6 5,5 3,3 8,8 3,3 4 7,2 7,3 4 6,2
andere Medien 28,2 34,2 25 38,1 27,6 26,9 26,1 30,5 26,7 31,9
darin Rundfunkprogramm 19,8 20 16,7 17,3 17,7 13,2 17,3 19,4 17,6 17
Wissenschaft,
17 10,5 18,9 10,2 26 17,2 13 7,8 19,3 11,7
Forschung, Technologie
Bildung und Erziehung - - - - - - 2,1 0,2 0,4 0,1
Zeitgeschehen 10,5 14,7 15,2 12,5 9,9 12,5 11,2 17,9 11,7 14,4
Gesamt 100 100,1 100,1 100 100,1 100 100 100 99,9 99,9

Bei der Süddeutschen Zeitung bestätigt die Analyse der Medieninhalte die Aussagen
von Hypothese H26, dass das SZ-Feuilleton von 2001 an gegenüber den vorherigen
Untersuchungszeiträumen die Flächenanteile der Literaturberichterstattung stärkt. In
der Tat wächst der Flächenanteil von Literaturthemen am Feuilleton nach
Selbstdefinition von 15,9 Prozent im Untersuchungszeitraum 1999 auf 26,4 Prozent
2002. Hochkultur im engeren Sinne nimmt 2002 42,4 Prozent der Textfläche des SZ-
Feuilletons ein. Dieser Wert entspricht fast dem von 1999, nicht allerdings dem von
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 140

2000. Insgesamt kann also nicht von einer deutlichen Erweiterung des Kulturbegriffs im
SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition gesprochen werden. Ähnlich wie bei der FAZ zeigt
das Material im Untersuchungszeitraum 2001 eine solche Erweiterung zur Hochkultur
im weiteren Sinne an. Sie fällt im Folgezeitraum leicht ab, liegt aber noch immer 2,4
Prozentpunkte über dem Wert von 1999. Literatur ist im Untersuchungszeitraum 2002
fast so flächenstark wie das führende Themenfeld Zeitgeschehen (26,5%). Diese
Entwicklung entspricht den Ankündigungen der Kommunikatoren im Jahre 2001 (vgl.
S. 74ff.), das SZ-Feuilleton stärker auf Kultur im engeren Sinne zu fokussieren.
Allerdings geht der Anstieg der Flächenanteile des Themengebiets Literatur nicht mit
sinkenden Anteilen etwa des Themenfeldes Zeitgeschehen einher, wie vielleicht zu
erwarten wäre. Im Gegenteil: Der Flächenanteil des Themenfeldes Zeitgeschehen sinkt
lediglich im Untersuchungszeitraum 2001 überraschend stark gegenüber den anderen
ab. Der Grund dafür ist vermutlich, dass in diesem Untersuchungszeitraum das
Themengebiet Wissenschaft als Teil der Kultur im weiteren Sinne den höchsten
Flächenanteil am SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition in allen untersuchten Zeiträumen
erzielt. Im Folgezeitraum 2002 jedoch nehmen Themen aus den Gebiet Zeitgeschehen
den größten Anteil des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition von allen untersuchten
Zeiträumen ein. Diese Daten zeigen, dass sich das SZ-Feuilleton von 2001 an lediglich
auf bestimmte Bereiche der Kultur im engeren Sinne – sprich: Literatur – stärker
fokussiert als zuvor.
Insgesamt ist weder eine gravierende Verengung noch Erweiterung des Kulturbegriffs
zu beobachten: Themen aus der Hoch- und Populärkultur nehmen im untersuchten
Zeitraum 2002 60,2 Prozent der Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition
ein. 1999 waren es 61,9 Prozent. Vor allem verschieben sich im Zeitverlauf die Anteile
innerhalb der klassischen Kultursparten. Der Flächenanteil darstellender Kunst an der
Textfläche des SZ-Feuilletons nach Selbstdefinition liegt im Untersuchungszeitraum
2002 hinter bildender Kunst und Kino bei 9,1 Prozent, statt vor diesen Sparten bei 15,7
Prozent wie im untersuchten Zeitraum 1999. Auch Musik nimmt im untersuchten
Zeitraum 2002 den geringsten Flächenanteil des Feuilletons (4,7%) in allen
untersuchten Zeiträumen ein. Das SZ-Feuilleton baut also nicht die
Literaturberichterstattung auf Kosten des Themengebiets Zeitgeschehen aus, sondern
eher auf Kosten anderer Kultursparten aus dem Gebiet der Kultur im engeren Sinne.
Beim Vergleich beider Medien fällt auf, dass im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition der
Anteil des Themengebiets Wissenschaft im untersuchten Zeitraum 2001 auf 12,6
Prozent ausreist, dann 2002 auf 5,8 Prozent sinkt. Ein denkbarer Zusammenhang mit
der 2000 vom FAZ-Feuilleton angekündigten verstärkten Berichterstattung über
Naturwissenschaft im Feuilleton erhärtet sich nicht bei der Analyse der untergeordneten
Themengebiete (vgl. Tabelle 70, S. 141). Wertet man das SZ-Wissenschaftsressort der
parallelisierenden Feuilletondefinition folgend mit aus, überwiegt zwar auch in der SZ
der Anteil naturwissenschaftlicher Themen – doch der vor allem im Feuilleton
ausgebaute Anteil der Geisteswissenschaften ist auch hier deutlich erkennbar. Das
Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie nimmt in allen
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 141

Untersuchungszeiträumen einen weit größeren Flächenanteil des FAZ-Feuilletons ein


als im SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition. Der Abstand bleibt relativ stabil bei mehr als
sieben Prozentpunkten, trotz eines Ausbaus der Anteile im SZ-Feuilleton 2001. Der
Abstand verringert sich erst im Untersuchungszeitraum 2002, weil das FAZ-Feuilleton
den Flächenanteil des Themenobergebiets stärker senkt als das SZ-Feuilleton. Dennoch
bleibt das FAZ-Feuilleton dem SZ-Ressort auch nach parallelisierender Definition bei
den Flächenanteilen des Themenfelds Wissenschaft überlegen (vgl. Tabelle 69, S. 139).

Tabelle 70: Flächenanteile des Themengebiets Wissenschaft und untergeordneter Themen an der
Textfläche nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=54 n= n =52 n=2 n=86 n=43 n=44 n=22 n=236 n=107
subspartenübergreifend - 18,1 0,7 - 9,1 5,7 5 - 4,5 6
Veranstaltungshinweise 4,9 - - - 0,3 - - - 1,1 -
Sozialwissenschaften 10,8 12,5 13 7,3 2,3 0,5 0,5 14,9 6,5 6,8
Geisteswissenschaften 42,4 11,7 33,3 - 29,2 29,3 27,8 31,5 32,8 20,6
Technik - 5,3 7,7 32,5 3,2 15,6 - - 3,2 13,9
Naturwissenschaft 41,9 52,4 45,3 60,2 55,9 49 66,8 53,6 51,9 52,6
gesamt 100 100 100 100 100,1 99,9 100 100 100 99,9

Erstaunlich ist dabei, dass die Anteile des Untergebiets Geisteswissenschaften an der
Wissenschaftsfläche in beiden Medien von 2001 an etwa auf gleichem Niveau liegen.
Grund dafür ist ein Anstieg der entsprechenden Fläche im SZ-Feuilleton und ein
sinkender Flächenanteil im FAZ-Feuilleton (vgl. Tabelle 70).
Bei dem anderen den Flächenanteilen nach bedeutenden Themenfeld aus der Kultur im
weiteren Sinne ergibt sich ein ähnliches Bild unter umgekehrten Vorzeichen: Das
Themengebiet Zeitgeschehen hat im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition
einen abgesehen vom Untersuchungszeitraum 2000 durchweg höheren Flächenanteil
als im FAZ-Feuilleton. Dieses Ergebnis spricht dafür, dass im SZ-Feuilleton noch
immer das Mitte der neunziger Jahre geschärfte Profil eines politischen Feuilletons
(vgl. S. 74ff.) wirkt, während das FAZ-Feuilleton sich den Aussagen des Herausgebers
Frank Schirrmacher folgend tatsächlich stärker die Naturwissenschaft als
Themengebiet aus der Kultur im weiteren Sinne fokussiert – durch eine prominenter
platzierte und zeitweilig im Untersuchungszeitraum 2001 auch in der Fläche größere
Berichterstattung. Die Integration von Medienthemen in das FAZ-Feuilleton überrascht
nicht, da sie seit jeher zum Profil des Ressorts zählt. Überraschend ist allerdings das
Ergebnis, dass Medienthemen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition auch
nach dem Untersuchungszeitraum 2001 den größeren Anteil an der Textfläche
einnehmen als im FAZ-Feuilleton. Hier fällt vor allem auf, dass in SZ dieser höhere
Anteil auf Medienberichterstattung abseits der Rundfunkprogramme zurückzuführen ist.
Hier hat die 2001 im FAZ-Feuilleton institutionalisierte Medienseite keine Spuren
hinterlassen, sondern offenbar einem bereits bestehenden Angebot Form verliehen.
Vergleicht man beide Feuilletonressorts, so fällt auf, dass nach parallelisierender
Definition das SZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2001 den Anteil von
Literaturthemen im FAZ-Feuilleton erreicht. Zuvor war die FAZ hier dem SZ-
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 142

Feuilleton überlegen. Erstaunlicherweise liegen auch im Folgezeitraum 2002 beide


Medien gleichauf – und steigern dabei ihr Angebot an Literaturthemen um jeweils fünf
Prozentpunkte gegenüber 2001. Hier hat sich das SZ-Feuilleton dem bis 2001 relativ
stabilen Literaturanteil im FAZ-Feuilleton angeglichen. Ob die Steigerung in beiden
Medien 2002 auf den im Vorjahr einsetzenden Ausbau des SZ-Feuilletons um mehr
Literaturberichterstattung zurückzuführen ist, kann das vorliegende Material nicht
endgültig beantworten. Es legt diese Interpretation allerdings nahe.
Als wesentliche Veränderungen zwischen beiden Medien bei den übrigen klassischen
Kultursparten sticht vor allem die Entwicklung des Flächenanteils von Kinothemen
hervor: Hier liegen erst 2002 die Flächenanteile in beiden Ressorts nach
parallelisierender Definition etwa gleichauf. Bis dahin überwog der Anteil am SZ-
Feuilleton. Die Entwicklung deckt sich mit den Ankündigungen der Kommunikatoren
beider Medien im Jahr 2001. Nämlich im SZ-Feuilleton Populärkultur zumindest nicht
stärker zu gewichten als bislang und das FAZ-Feuilleton nicht allein gegenüber
Hochkultur im weiteren Sinne, sondern auch gegenüber populärer Kultur im engeren
Sinne zu öffnen (vgl. S. 74ff.).

9.3.3 Darstellungsformen und Gestaltung


Die Analyse der Medieninhalte widerlegt Hypothese H27: Der Flächenanteil von
Rezensionen als Darstellungsform ist in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ
nicht konstant gesunken.

Tabelle 71: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln


1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
Meldung / Nachricht 4,9 3,9 3,8 3,3 3,7 3,5 4,4 3,4 4,1 3,5
Bericht 4,9 6,4 2,9 4,5 7,1 7 6,8 4,9 5,4 5,8
Hintergrundbericht 14 15,1 18,8 16,3 17,8 18 14,1 11,9 16,4 15,4
Essay 5,8 4,6 6,8 0,8 2,6 3,2 6,7 6 5,3 3,7
Reportage/Feature 3,1 3,5 0,4 5,9 1,5 3,1 4,7 0,7 2,3 3,2
Portrait (außer Nachruf) 0,9 4,6 1,5 3,9 1,5 2,3 4,1 2,7 1,9 3,2
Nachruf 0,5 0,5 1,2 1,1 1,2 1,4 1,5 2,3 1,1 1,3
Interview - 1,9 - 3,4 4,5 4,4 - 6,7 1,3 4,3
Kommentar 4 4,9 5,7 7,6 5,9 6,7 3,9 6 5 6,3
Glosse 0,4 1,3 0,1 1,8 0,6 1,2 0,4 0,8 0,4 1,2
Feuilleton 1,5 2,2 0,9 5,5 2 2,2 0,7 2,8 1,3 3
Rezension/Kritik 28,4 25,3 29,5 24,9 23,2 26,1 25,9 30,2 26,6 26,8
Presseschau 1,3 1 0,7 - 0,4 - 1,3 - 0,9 0,2
Literatur 4,6 - 3,7 0,1 2,8 - 5,2 0,4 4 0,1
Bildunterschrift 0,3 0,8 0,4 0,2 - 0 0,1 0,5 0,2 0,4
Veranst.kal./Rundf.prg. 24,1 20 20,5 20,8 21,3 17,9 20,1 20,1 21,5 19,6
Sammelrezension 1,3 1,7 1,2 - - 0,6 - 0,5 0,6 0,7
Rede - 2,3 1,9 - 3,1 2,4 - - 0,9 1,2
sonstige Darstell.form 0,1 - - - 0,8 - - 0,3 0,8 -
Gesamt 100,1 100 100 100,1 100 100 99,9 100,2 100 100

Im Gegenteil: Im SZ-Feuilleton nimmt der Anteil von Rezensionen an der Textfläche


vom untersuchten Zeitraum 2001 an zu. In der FAZ sinkt er 2001 stark, steigt aber 2002
wieder leicht. Doch diese Tendenzen genügen für eine Umkehr der Verhältnisse:
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 143

Wies in den Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 das FAZ-Feuilleton den größeren
Rezensionsanteil auf, wird es nun vom SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition
übertroffen. Der Ausbau der Literaturberichterstattung im SZ-Feuilleton geht also
einher mit einem Ausbau für das so genannte Rezensionsfeuilleton typischer
Darstellungsformen.
Bei den Flächenanteilen der übrigen Darstellungsformen sticht beim Vergleich beider
Feuilletons nach parallelisierender Definition nur noch die Entwicklung der
Essayanteile heraus: Hier liegt das FAZ-Feuilleton den Flächenanteilen nach 1999 und
2000 vor dem SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition. Das Verhältnis kehrt
sich 2001 um: Das SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition führt. Das ist im
untersuchten Zeitraum 2002 zwar nicht mehr der Fall, doch zeigt der alle anderen
Untersuchungszeiträume übertreffende Anteil am SZ-Feuilleton hier, dass der
Rezensionsanteil im SZ-Feuilleton neben – statt auf Kosten von – Essays als Element
des Debattenfeuilletons wächst. Das SZ-Feuilleton bewahrt in allen Untersuchungs-
zeiträumen den höheren Anteil von Feuilletons als Alleinstellungsmerkmal gegenüber
der FAZ. Literarische Primärtexte sind hingegen die Domäne des FAZ-Feuilletons. In
diesen Punkten wandeln sich die Feuilletonprofile trotz Neuausrichtungen nicht.
In beiden Medien fällt eine konstante Bindung bestimmter Darstellungsformen an
gewisse Kulturbereiche auf: In allen Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich die
größte Fläche der veröffentlichten Essays, Kommentare, Reportage/Features,
Hintergrundberichte und Gastbeiträge mit Themen aus der Kultur im weiteren Sinne.

Tabelle 72: Anteile ausgewählter Kulturbereiche an den Textflächen ausgewählter


Darstellungsformen und Quellen nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=58 n=38 n =63 n=44 n=78 n=49 n=59 n=43 n=264 n=174
Essays zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - 27,5 - - 38,5 - 11,7 - 8,6 7,5
populäre Kult. i. weit. Sinn 28,3 43,9 30,2 - - - - 20,9 17,3 21
Hochkultur i. eng. Sinn - - - - - - - - - -
Hochkultur i. weit. Sinn 71,1 28,6 69,8 - 61,5 100 88,3 79,1 74,1 66,8
Kommentare zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - - 4,2 8,3 3,7 2,9 4,9 3,6 3,3 4
populäre Kult. i. weit. Sinn 7,8 12,6 13,2 29,5 16 2,6 6,8 3,9 12 11,7
Hochkultur i. eng. Sinn 14,9 15,2 27 - 17 15,8 22,7 14,9 20,6 11,1
Hochkultur i. weit. Sinn 72,1 62,5 55,6 62,2 60,3 78,7 44,7 78,4 58,5 71,5
Reportagen/Features zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn 17,7 - - - 2 33,5 48,5 - 27,3 9,4
populäre Kult. i. weit. Sinn 39,4 71,1 - 63,6 70,2 45,2 7,9 100 29,5 62,5
Hochkultur i. eng. Sinn 7,4 28,9 - - - - 29,5 - 15,3 7,2
Hochkultur i. weit. Sinn 14,3 - 100 36,4 27,8 21,4 14,1 - 21,1 20,9
Hintergrundberichte zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn 8,6 11,6 5,2 9,5 6,9 2,2 13,2 21,9 7,9 10
populäre Kult. i. weit. Sinn 27,1 27,4 8,7 27,6 13,6 31,2 16,6 32,9 15,4 29,9
Hochkultur i. eng. Sinn 12,6 21,2 15,9 3,7 18,4 14,4 24,5 5 17,6 11,5
Hochkultur i. weit. Sinn 51,7 39,7 67,7 49,2 58 47,7 45,7 34,1 57,4 43,5
Gastautoren zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - 17,4 - - - - - - - 5,3
populäre Kult. i. weit. Sinn 42,1 22,1 16,6 - 26,7 - - - 25,7 6,7
Hochkultur i. eng. Sinn 14,5 - 3,7 15,2 1,5 100 100 13,1 8,4 4,7
Hochkultur i. weit. Sinn 43,5 60,5 79,7 84,4 71,8 - - 86,9 65,9 83,4
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 144

So thematisiert kein einziger Essay in den untersuchten Feuilletons einen Gegenstand


aus der Hochkultur im engeren Sinne (vgl. Tabelle 72, S. 143). Hingegen beschäftigen
sich 54,5 Prozent der Gesamtfläche der Rezensionen in den untersuchten SZ-Feuilletons
mit Hochkultur und 30,9 Prozent mit Populärkultur im engeren Sinne. In der FAZ
liegen die Werte bei 55,6 Prozent, beziehungsweise 28 Prozent. In Rezensionen wird
also vor allem Kultur im engeren Sinne dargestellt, während Essays, Reportagen,
Kommentare und dergleichen für Feuilletonautoren ein Instrument zur Darstellung von
Kultur im weiteren Sinne sind.
Beim Bildanteil ist im untersuchten Material eine ähnliche Umkehr des Verhältnisses
von FAZ und SZ wie bei den Anteilen der Rezensionsfläche zu beobachten: In den
Untersuchungszeiträumen 1999 weist das SZ-Feuilleton nach parallelisierender und
Selbstdefinition, 2000 das SZ-Feuilleton nach Selbstdefinition einen höheren Bildanteil
als das FAZ-Feuilleton auf (vgl. Tabelle 73). 2001 und 2002 jedoch übertrifft das FAZ-
Feuilleton den Bildanteil des SZ-Ressorts nach beiderlei Materialauswahl. Das SZ-
Feuilleton erzielt im untersuchten Zeitraum 2002 nach parallelisierender wie nach
Selbstdefinition einen niedrigeren Bildanteil als 1999. In den Kommunikatoraussagen
zu den jeweiligen Neustrukturierungen der Feuilletonressorts finden sich keine
Hinweise auf diese Entwicklung, die grafische Gestaltung wird überhaupt nicht
erwähnt.

Tabelle 73: Flächenanteil von Bild und Text an der Gesamtbeitragsfläche nach Titeln 1999-2002
(Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 22.-27.11. 2000 27.11.-2.12 2001 26.11.-1.12 2002 25.11.-30.11 Gesamt
Bild % Text % Bild % Text % Bild % Text % Bild % Text % Bild % Text %
FAZ n = 1100 Beiträge 16,8 83,2 21,9 78,1 23,9 76,1 21,9 78,1 21,5 78,5
SZ Selbstdefinition
21 79 22,7 77,3 23,8 76,2 19,4 80,6 21,8 78,2
n = 427 Beiträge
SZ parallelisierende Def.
19,7 80,3 20,4 79,6 21 79 18,7 81,3 21,9 80,1
n = 688 Beitr.

9.3.4 Beitragsfokus
Die Untersuchung der Medieninhalte bestätigt Hypothese H28 zum größten Teil: Der
Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im weiten ohne Bezug zu Kultur im engeren
Sinn wächst tatsächlich in den untersuchten Zeiträumen in beiden Medien - allerdings
nur von 1999 bis 2001. 2002 sinkt er sowohl im FAZ- als auch im SZ-Feuilleton nach
beiden Definitionen (vgl. Tabelle 74, S. 145; Tabelle 102, Anhang, S. A47). Dabei ist
ein interessanter Wechsel des Verhältnisses beider Medien zueinander zu
beobachten: Bis 2001 überwiegt im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition
flächenanteilig der Fokus auf Kultur im weiteren Sinne. In den untersuchten
Zeiträumen 2001 und 2002 jedoch bietet das FAZ-Feuilleton einen größeren
Textflächenanteil mit Fokus auf Kultur im weiteren Sinne.
Auch Hypothese H29 wird vom vorliegenden Material zum größten Teil gestützt: In der
Tat sinkt im FAZ-Feuilleton in den Untersuchungszeiträumen von 1999 bis 2002
konstant der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte an den
9 Untersuchungsergebnisse / Beantwortung der Forschungsfragen 145

Beiträgen mit einem Fokus aus Kultur im engeren Sinne. Im SZ-Feuilleton nach
parallelisierender Definition jedoch steigt er in den untersuchten Zeiträumen 2001 und
2002. Diese Entwicklung im SZ-Feuilleton lässt sich als Annäherung an
Darstellungsweisen des Rezensionsfeuilletons – bei der Darstellung von Kultur im
engeren Sinn - interpretieren. Bei diesem Wert verkehrt sich das Verhältnis von FAZ-
und SZ-Feuilleton wie schon beim Anteil von Rezensionen an der Textfläche: In
den untersuchten Zeiträumen 2001 und 2002 fokussiert das SZ-Feuilleton nach
parallelisierender Definition in flächenanteilig mehr Beiträgen Kulturprodukte als das
FAZ-Feuilleton. 1999 und 2000 war das Verhältnis umgekehrt. Bei der Darstellung von
Themen aus der Kultur im engeren Sinne greift das SZ-Feuilleton also verstärkt auf
Präsentationsroutinen des so genannten Rezensionsfeuilletons zurück.

Tabelle 74: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002 und
im Gesamtzeitraum (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
Fokus auf Kultur ... n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
... im engeren ohne Bezug zu
51,1 40,7 46 42,1 39,5 48,7 49 47 45,9 45
Kultur im weiteren Sinn
12
davon: Kulturprodukt 88,8 73,3 82,2 67,7 70,7 73,1 69,4 76,5 78,1 73
davon: Kulturproduzenten 0,3 7,5 3,4 15,7 4,7 8,9 12,5 8,7 5 9,9
davon: Kulturbetrieb 10,8 18,9 14,4 16,7 24,6 18 18,1 14,8 16,9 17
davon: Kulturpolitik 0 0,2 0 0 0 0 - - - 0
... im weiteren ohne Bezug zu
43,7 50,1 52 55,9 58,6 50 47,6 46,6 51,1 50,4
Kultur im engeren Sinn
davon: Neuigkeiten vermelden 9,4 10,2 7 6,2 15 15,9 19,8 11,3 12,7 12,3
davon: Debatten / Diskussion 2,8 4,6 0 0 0,9 0 1,3 2,6 1,1 1,7
davon: Hintergründe ohne Ex-
44,9 19,5 41,9 50,8 35,4 35,2 28,3 42,4 37,6 37,3
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe mit Ex-
6,8 8,6 12,4 5,2 12,3 9,5 6,4 7,1 10 7,7
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe zu Produkt 0,9 3,4 12,3 10,9 3,6 16,6 4,7 - 5,6 8,1
davon: Hintergründe zu Person 1,2 0,9 1,2 0,7 1 1,7 4,6 9,6 1,8 3,2
davon: Hintergründe z. Institution 0 6,9 0 0 0 2,9 - - - 2,4
davon: Veranstaltungshinweise 33,9 39,9 25,1 26,1 31,9 17,9 34,9 27 31,1 27
davon: anders 0,1 6 0 0 0 0,4 - - 0 1,4
... Beziehung zwischen Kultur
5,1 9,2 2 1,9 1,8 1,2 3,4 6,7 3 4,6
im engeren & im weiteren Sinn
davon: Kulturproduzent äußert 14,9 - - - - - - 69,7 6 27
davon: Kultur als Hintergrund für
4,3 44,7 30,2 67,4 73,7 95,2 33,2 30,3 28,3 45,1
Verständnis oder Spiegel
davon: Auswirkung von Kultur im
61,5 47,8 69,8 32,6 26,3 4,8 66,8 - 57,9 24,5
weiteren auf K. im engeren Sinn
davon: Auswirkung von Kultur im
3,6 - - - - - - - 1,4 -
engeren auf K. im weiteren Sinn
davon: anders 15,8 7,6 - - - - - - 6,4 3,4
nicht eindeutig zu bestimmen - - 0,1 - - - - - 0 -
gesamt 99,9 100 100 99,9 99,9 99,9 100 100 100 100

12
einschließlich Veranstaltungshinweisen
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 146

10 Zusammenfassung und Diskussion der


Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit sollte zum einen erforschen (vgl. S. 79ff.), wie sich die
Feuilletonressorts von FAZ und SZ nach Beginn der Joy-Debatte über
Computerindustrie, Nano- und Gentechnologie (vgl. SCHIRRMACHER, 2001, S. 9) im
FAZ-Feuilleton im Juni 2000 und der Ankündigung inhaltlicher Veränderungen in
beiden Feuilletonressorts im September 2001 (vgl. S. 87f.) entwickelt haben. Die
auffälligsten Veränderungen werden im Folgenden zusammengefasst. Ziel der Arbeit
war es auch, die Ergebnisse in den Kontext vorliegender Erkenntnisse über das
Feuilleton einzuordnen. Die Verknüpfung zwischen den in historischen Arbeiten
erforschten Feuilletontraditionen (vgl. S. 17ff.) und den Ergebnissen der
inhaltsanalytischen Untersuchung zieht Abschnitt 10.2. (S. 151ff.). Anhand der
gewonnenen Forschungsergebnisse prüft Abschnitt 10.3. (S. 153ff.), ob und in welchem
Ausmaß die erstmals Ende der 60er Jahre am Feuilleton geübte Kritik (vgl. S. 38ff.) auf
die untersuchten Inhalte zutrifft und wie sich die Erkenntnisse in das Bild aus Arbeiten
zu Kommunikatoren, Inhalten und Publikum der Feuilletons nach Erweiterung des
Kulturbegriffs in den 60er und 70er Jahren (vgl. S. 43ff.) fügen.

10.1 Der Wandel der Feuilletons von FAZ und SZ


Grundsätzlich legen die Schwankungen des relativen und absoluten Umfangs der
Feuilletonressorts in den untersuchten Zeiträumen nahe, dass sie sich sowohl in der
FAZ als auch in der SZ in den Zeiträumen 2000 bis 2002 in einem Wandlungsprozess
befinden. Von einem „Boom“ der Feuilletons, der im Jahr 2001 endete, sprach auf der
Hallenser Konferenz über Gegenwart und Zukunft der Feuilletonressorts 2003 der SZ-
Literaturchefs Thomas Steinfeld (STEINFELD, 2003). In der Tat endete den Ergebnissen
dieser Untersuchung nach im Jahr 2001 ein Boom – der des FAZ-Feuilletons. Das
Ressort wuchs in den Untersuchungs-zeiträumen 2000 und 2001 jeweils stark im
Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen– sowohl beim Anteil der Feuilletonbruttoseiten
am Gesamtbruttoangebot als auch bei der Gesamtbeitragsfläche. Die absolute
Beitragsfläche war im untersuchten Zeitraum 2001 fast 40 Prozent größer als 1999 (vgl.
Tabelle 65, S. 136). Im untersuchten Zeitraum 2002 aber sank die Gesamtbeitragsfläche
des FAZ-Feuilletons sogar leicht unter den 1999 festgestellten Wert. Dem starken
Ausbau des FAZ-Feuilletons folgt also 2002 ein starker Abbau. Beim SZ-Feuilleton
hingegen ist ein Boom ohne Abbau auszumachen, allerdings erst von 2001 an und von
einem weit niedrigeren Niveau startend: In den Untersuchungszeiträumen 2001 und
2002 steigert die SZ sowohl den Anteil der Feuilletonbruttoseiten am
Gesamtbruttoangebot als auch die absoluten Feuilletonbeitragsflächen nach
Selbstdefinition (vgl. 9.3.1., S. 135ff.). Also anders als bei der FAZ ein Ausbau ohne
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 147

Abbau im Untersuchungszeitraum 2002. Hier entwickelt sich das SZ-Feuilleton anders


als etwa das Medien- und das Wissenschaftsressort der SZ, die der parallelisierenden
Feuilletondefinition folgend zum Feuilleton gezählt werden. Beide Ressorts belegen im
untersuchten Zeitraum 2002 weniger Beitragsfläche als in den
Untersuchungszeiträumen 2001, 2000 und 1999 (vgl. S. 135ff.). Offensichtlich misst die
SZ ihrem Feuilleton mehr Bedeutung bei als diesen Ressorts, wenn man als Indikator
dafür die Flächenanteile und absoluten Flächenwerte interpretiert.
Doch trotz dieses Ausbaus bei der SZ während eines Abbaus bei der FAZ hat das
Frankfurter Feuilleton auch im untersuchten Zeitraum 2002 den Flächenanteilen sowie
der absoluten Beitragsfläche nach mehr Gewicht als das SZ-Feuilleton (vgl. S. 135).
Lediglich die Differenzen sind geschrumpft, weil die SZ ihr Feuilleton im untersuchten
Zeitraum 2002 aus- die FAZ hingegen abbaute.
Einen Wandel – konkreter: einen Boom – hat es im untersuchten Gesamtzeitraum also
gegeben. Wie schlägt sich der inhaltlich nieder? Die auffälligsten Veränderungen in der
Themenstruktur der untersuchten Ressorts deuten darauf hin, dass die Redaktionen
sowohl zuvor beim jeweiligen Konkurrenzfeuilleton beobachtete Eigenschaften
übernommen als auch eigene Alleinstellungsmerkmale ausgebaut haben.
Im FAZ-Feuilleton ist in den untersuchten Zeiträumen 2000 und 2001 ein Ausbau des
für Wissenschaftsthemen genutzten Textflächenanteils zu beobachten. Damit baut das
Medium ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem SZ-Feuilleton erheblich aus. Der
Höhepunkt ist 2001 erreicht (vgl. S. 120): 26 Prozent der Textfläche des FAZ-
Feuilletons beschäftigen sich mit Themen aus Wissenschaft, Forschung und
Technologie. Allerdings halbiert sich der Anteil 2002 (vgl. S. 137). Mit dem Boom geht
eine wachsende Bedeutung der Naturwissenschaft als Unterthema einher, die auch
2002 anhält: Verglichen mit dem Untersuchungszeitraum 1999 wächst ihr Anteil an der
Textfläche zu Wissenschaftsthemen (41,9%) kontinuierlich bis zum untersuchten
Zeitraum 2002 (66,8%). Diese Entwicklung stimmt mit den Ankündigungen (vgl. S.
72ff.) des für das Feuilleton verantwortlichen FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher
überein, „ein starkes wissenschaftliches Feuilleton“ (MILZ, 2001b, S. 25) zu schaffen.
Allerdings bot das FAZ-Feuilleton bereits im Untersuchungszeitraum 1999 ein, den
Flächenanteilen der Themen nach, deutlich stärkeres wissenschaftliches Feuilleton als
die SZ – selbst wenn man die SZ-Wissenschaftsseiten mit auswertet (vgl. S. 102).
Dennoch ist der von den Kommunikatoren angekündigte Wandel durchaus im Material
zu erkennen: Im Untersuchungszeitraum 2000 platzierten die verantwortlichen
Redakteure Wissenschaftsthemen im FAZ-Feuilleton überdurchschnittlich stark an
prominenten Orten: nämlich auf Feuilletonaufmacherplätzen sowie ersten und dritten
Feuilletonseiten (vgl. S. 104f.). Dies war 1999 nicht so. Diese Entwicklung im Material
legt nahe, dass sich das Themengebiet Wissenschaft, Forschung, Technologie im FAZ-
Feuilleton etabliert hat. Es wird nicht mehr so stark wie 1999 auf hinteren
Feuilletonseiten und dort vermutlich in der entsprechenden wöchentlichen
Feuilletonbeilage platziert (vgl. S. 121). Die Entwicklung im Untersuchungszeitraum
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 148

2001 lässt sich als weitergehende Etablierung der Wissenschaftsberichterstattung im


FAZ-Feuilleton und zugleich als Normalisierung interpretieren: Während im
untersuchten Zeitraum 2001 dieses Themengebiet vor allem große Anteile der sehr
prominenten Titelseite und insbesondere des Feuilletonaufmacherplatzes einnahm, wird
Wissenschaft, Forschung, Technologie 2001 auf allen der vorderen vier FAZ-
Feuilletonseiten behandelt (vgl. S. 121). Auch im Untersuchungszeitraum 2002 sind
Wissenschaftsthemen trotz der Halbierung ihres Textflächenanteils gegenüber 2001
noch immer überdurchschnittlich stark auf Feuilletontitelseiten (14,8% der Fläche) und
den zweiten Seiten (23,6%) vertreten. Die Etablierung hat also auch nach dem Boom
Bestand. Die Erweiterung des Flächenanteils nicht.
Als zweite Veränderung innerhalb des untersuchten Materials sticht im FAZ-Feuilleton
ein starkes Wachstum des Flächenanteils der Kinoberichterstattung – von 3,3 Prozent
2001 auf 7,2 Prozent 2002 – am FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum 2002
hervor (vgl. S. 138). Hier nähert sich der Stellenwert der Filmberichterstattung im FAZ-
Feuilleton deutlich dem im SZ-Feuilleton an (vgl. S. 139). Vergleicht man FAZ- und
SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition, ist Kino im Frankfurter Medium nach
dem starken Ausbau im Untersuchungszeitraum 2002 ebenso stark vertreten wie im SZ-
Feuilleton (vgl. S. 138). Diese Entwicklung könnte als eine Umsetzung der von FAZ-
Herausgeber Frank Schirrmacher angedeuteten Popularisierung (vgl. S. 74ff.)
interpretiert werden. In der Tat nimmt im FAZ-Feuilleton der Flächenanteil von
Themen aus der populären Kultur im engeren Sinn 2002 gegenüber dem untersuchten
Zeitraum 2001 zu. Allerdings steigt er nur knapp auf das Niveau von 1999 (vgl. S. 138).
Eine Erweiterung des FAZ-Feuilletons gegenüber populärer Kultur im engeren Sinne,
wie sie Frank Schirrmachers Aussagen nahe legen, ist in den untersuchten Zeiträumen
nicht auszumachen. Allerdings ist die starke Erweiterung der Kinoberichterstattung ein
Hinweis auf Veränderungen bei der Rangfolge der Kultursparten im engeren Sinne
innerhalb des FAZ-Feuilletons. Insgesamt kann aber aus dem untersuchten Material für
keine dauerhafte Erweiterung des Kulturbegriffs des FAZ-Feuilletons gegenüber
Populärkultur im engeren Sinne geschlossen werden. Sehr wohl öffnet sich das FAZ-
Feuilleton gegenüber Hochkultur im weiteren Sinne (vgl. S. 145). Insbesondere
Wissenschaftsthemen etablieren sich als Kulturthemen im weiteren Sinne auf
prominenteren Feuilletonplätzen.
Im SZ-Feuilleton fällt 2001 gegenüber den vorangehenden Untersuchungszeiträumen
eine starke Zunahme der Beitragsfläche wissenschaftlicher – und darin insbesondere
geisteswissenschaftlicher – Themen im Feuilletonressort nach Selbstdefinition auf. In
den Untersuchungszeiträumen zuvor behandelte das SZ-Feuilleton dieses Themengebiet
kaum (vgl. S. 103, S. 120, S. 137). Die absolute Fläche von Beiträgen zu geisteswissen-
schaftlichen Themen verfünffacht sich 2001 gegenüber 1999 und ist auch 2002 knapp
dreimal so hoch. In diesem Punkt nähert sich das SZ-Feuilleton dem 1999 beobachteten
FAZ-Profil an: Das Frankfurter Feuilleton bot seinen Lesern 1999 dem Flächenanteil
nach mehr Beiträge zu Wissenschaftsthemen (17%) als zu irgendeiner Kultursparte im
engeren Sinne (vgl. S. 102), sieht man vom Rundfunkprogramm ab. An diesem
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 149

Angebot hatten Geistes- einen größeren Anteil als Natur- und Sozialwissenschaften.
Während die FAZ dieses Merkmal nach dem Untersuchungszeitraum 1999 zunehmend
verliert, gleicht sich das SZ-Feuilleton bei der Berichterstattung zu
Geisteswissenschaften dem Profil des FAZ-Feuilletons in den
Untersuchungszeiträumen 1999 und 2000 an.
Auch bei dem Stellenwert der Kultursparte Literatur, festgemacht am Flächenanteil,
nähert sich das SZ-Feuilleton dem Profil der FAZ an. Dort führt im
Untersuchungszeitraum 1999 Literatur mit einem klaren Abstand (12%) vor den
Textflächenanteilen anderen klassischer Kultursparten wie darstellender (9,7) oder
bildender Kunst (7,8) (vgl. S. 139). In der SZ hingegen nahm Literaturberichterstattung
in diesen Zeiträumen etwa denselben Flächenanteil ein, wie Berichte zur darstellenden
Kunst und war nach parallelisierender Definition weit schwächer am Gesamtangebot
beteiligt (8,8% Textflächenanteil) als in der FAZ. Das SZ-Feuilleton baut jedoch in den
Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 den Literaturanteil so stark aus, dass dieses
Themenfeld 2002 einen mit Abstand größeren Flächenanteil am SZ-Feuilleton als alle
übrigen Kultursparten im engeren Sinne bedeckt. Vergleicht man FAZ- und SZ-
Feuilleton nach parallelisierender Definition, ist Literatur im Münchner Medium nach
dem starken Ausbau im Untersuchungszeitraum 2002 ebenso stark vertreten wie im
FAZ-Feuilleton (vgl. S. 139). So gesehen nähert sich das SZ-Feuilleton bei der
Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne dem früheren Profil der FAZ an, indem
es Literatur massiv in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung zu Kultursparten im
engeren Sinn stellt.
Bei der Darstellung wandeln sich beide Feuilletons im Vergleich miteinander und
Zeitverlauf in entgegen gesetzte Richtungen: In den untersuchten Zeiträumen 1999 und
2000 bot das FAZ-Feuilleton einen größeren Anteil von Rezensionen an der Textfläche
als das Feuilleton der SZ nach parallelisierender Definition. In den
Untersuchungszeiträumen 2001 und 2002 jedoch nehmen im SZ-Feuilleton
Rezensionen als Darstellungsformen einen größeren Flächenanteil ein. Demnach geht
der 2001 angekündigte Ausbau der Literaturberichterstattung im SZ-Feuilleton einher
mit einer Steigerung für das Rezensionsfeuilleton typischer Darstellungsformen (vgl. S.
142).
Den Eindruck, dass sich das SZ-Feuilleton von 2001 an im Vergleich zur FAZ
stärker auf eine produktorientierte Berichterstattung über Kultur im engeren Sinn,
stützt auch die Analyse der Beitragsfokusse. In den untersuchten Zeiträumen 1999,
2000 und 2001 belegen im SZ-Feuilleton nach parallelisierender Definition Beiträge mit
einem Fokus auf Kultur im weiteren Sinne einen größeren Anteil der Textfläche als
Beiträge mit einem Fokus auf Kultur im engeren Sinne. Der Abstand sinkt jedoch
kontinuierlich (vgl. S. 145). Hingegen steigt, insbesondere im untersuchten Zeitraum
2001, der Anteil von Beiträgen mit Fokus auf Kultur im engen Sinne stark. 2002 hat
sich das Verhältnis beide Kulturbereiche umgekehrt: Im SZ-Feuilleton stehen anteilig
mehr Beiträge mit Fokus auf Kultur im engeren Sinne als mit Fokus auf Kultur im
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 150

weiteren Sinne. Und mehr Beiträge davon als in einem Untersuchungszeitraum zuvor
konzentrieren sich auf Kulturprodukte. Diese Entwicklung muss vor dem Hintergrund
betrachtet werden, dass das SZ-Feuilleton anders als das der FAZ im
Untersuchungszeitraum 2002 nicht massiv an Umfang verliert (vgl. S. 135) – sondern
das Feuilleton nach Selbstdefinition sogar ausbaut. Der verstärkte Fokus auf Kultur,
insbesondere Kulturprodukte, im engeren Sinne lässt sich also nicht als Besinnung auf
eine vermeintliche Kernaufgabe des Ressorts infolge eines Spardrucks interpretieren.
Im Gegenteil: Die Entwicklung spricht für eine bewusste Neuausrichtung des Ressorts
aus publizistischen eher als aus ökonomischen Gründen. Diese Interpretation stützen die
Aussagen des SZ-Chefredakteurs Hans Werner Kilz, der als Ziele des 2001
angekündigten Feuilletonausbaus die Stärkung der Berichterstattung zu „Literatur und
Geisteswissenschaft“ nannte (vgl. S. 72).
Im FAZ-Feuilleton steigt der Flächenanteil von Rezensionen und Beiträgen mit Fokus
auf Kultur im engeren Sinne im Untersuchungszeitraum 2002 verglichen mit 2001
parallel zu einem massiven Abbau an Feuilletongesamtfläche (vgl. S. 136). Diese
Entwicklung muss im Zusammenhang mit dem 2001 endenden „Boom“ (vgl.
STEINFELD, 2003) des FAZ-Feuilletons gesehen werden. Hier scheint eine Entwicklung
einzutreten, die Peter Glotz infolge der Zeitungskrise befürchtete. Nämlich, „dass die
radikale Ausweitung der Feuilletons in den überregionalen Zeitungen, die mit dem
Historikerstreit begonnen hat, schlicht zurückgenommen wird.“ Kurz: „Die
Rückentwicklung des Feuilletons zur dürren Spartenkritik ...“ (GLOTZ, 2003). Doch
ganz so weit ist die Entwicklung des FAZ-Feuilletons im Untersuchungszeitraum 2002
keineswegs vorangeschritten. Im Gegenteil: Anders als das SZ-Feuilleton bietet das der
FAZ auch im Untersuchungszeitraum 2002 dem Flächenanteil nach weniger
Rezensionen und Beiträge mit Fokus auf Kultur und Kulturprodukte im engeren Sinne
als im Untersuchungszeitraum 1999 – stattdessen mehr Textfläche mit Fokus auf Kultur
im weiteren Sinne und dabei insbesondere auf Hintergründe zu Ereignissen (vgl. S.
145).
Der von Glotz befürchtete gewaltige „Verlust an zeitdiagnostischem Raisonnement“
(GLOTZ, 2003) in Feuilletons infolge der Zeitungskrise ist bei der FAZ im untersuchten
Zeitraum 2002 also nicht zu beobachten. Ebenso wenig im SZ-Feuilleton: Der
Textflächenanteil des Themengebiet Zeitgeschehen am SZ-Feuilleton ist im
untersuchten Zeitraum 2002 sogar höher als 1999 – und auch bei einem Vergleich des
nach parallelisierender Feuilletondefinition ausgewählten Materials höher als im FAZ-
Feuilleton (vgl. S. 138). Wie schon in vorigen Untersuchungszeiträumen (vgl. S. 106)
nehmen auch 2002 vor allem die Unterthemen Politik (40,1%), Gesellschaft (30,1%)
und Geschichte (23,4%) die Textfläche zum Obergebiet Zeitgeschehen ein. Das SZ-
Feuilleton konzentriert sich also zwar bei der Berichterstattung zu Kultur im engeren
Sinne verstärkt auf Literatur als Thema und Kulturprodukte als fokussiertes Objekt.
Doch dabei gibt das SZ-Feuilleton nicht das Mitte der neunziger Jahre von Johannes
Willms etablierte Konzept eines politischen Feuilletons (vgl. S. 74ff.) auf.
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 151

10.2 Parallelen zu historischen Feuilletonprofilen


Den größten Anteil der Textfläche sowohl des FAZ- als auch des SZ-Feuilletons
nehmen als Themenfelder in den Untersuchungszeiträumen 1999 bis 2002 nicht
Kultursparten im engeren Sinne ein, sondern von Kunst weit entfernte Themengebiete:
Zeitgeschehen (vor allem die Unterthemen Politik, Gesellschaft, Zeitgeschehen) im SZ-
Feuilleton (mit 22,2% der Textfläche nach Selbstdefinition, vgl. S. 137) und
Wissenschaft, Forschung, Technologie im Feuilleton der FAZ (19,3%), wenn man die
vom Rundfunkprogramm eingenommene Textfläche nicht beachtet.
Diese deutlichen Ergebnisse überraschen beim ersten Vergleich mit den Befunden der
Forschung zu Inhalten der Kulturberichterstattung jüngeren Datums (vgl. S.
47ff.). Hatten doch insbesondere die Forscher Müller-Sachse und Stegert (vgl. S. 47ff.)
in ihren inhaltsanalytischen Studien von Feuilletonressorts Ende der achtziger, Anfang
der neunziger Jahre festgestellt, dass den Flächenanteilen nach vor allem Kultursparten
im engen Sinne wie Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater die
Kulturbericht-erstattung dominierten. Zwar sind diese Ergebnisse auch auf die Designs
der Studien zurückzuführen, da sowohl Müller-Sachse als auch Stegert Beiträge zu
vielen Kulturbereichen im weiteren Sinne von der Untersuchung ausschlossen und so
durch ihren Kulturbegriff, den in den Feuilletons festgestellten Kulturbegriff zum Teil
determinierten (vgl. S. 47). Allerdings kommt auch Michael Bitala, dessen
Diplomarbeit sich allein an Ressort- nicht an Kulturbegriffsgrenzen orientiert (vgl. S.
51), für die Feuilletons von FAZ und SZ im Zeitraum 1991/1992 zum Ergebnis, dass
klassische Kultursparten sie thematisch dominieren. Allein im FAZ- Feuilleton macht
Bitala einen ungewöhnlich hohen Anteil (10,4%) politischer Themen aus, der aber von
bildender Kunst und Literatur weit übertroffen wird. Dieses Ergebnis legt nahe, dass die
von Stegert und Müller-Sachse beobachtete thematische Dominanz von Kultursparten
im engeren Sinne nicht nur auf ihre Untersuchungsinstrumente, sondern auch auf die
Themenanteile am Gesamtangebot der von ihnen – anders als von Bitala – nicht
komplett untersuchten Feuilletonressorts zurückzuführen ist.
Somit erinnert der große Anteil der Themenfelder Wissenschaft und Zeitgeschehen an
den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ weniger an die von der Forschung
herausgearbeiteten Ressortprofile der 1980er und 1990er Jahre als vielmehr an die
in historischen Arbeiten dargestellten Profile deutscher Feuilletonressorts des
ausgehenden neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts.
Die vom FAZ-Feuilleton im Untersuchungszeitraum ausgebaute Darstellung
naturwissenschaftlicher Themen ist vielleicht nicht in den Feuilletons der 1980er,
wohl aber in denen der 1880er Jahren zu beobachten, als die Frankfurter Zeitung in
ihrem Feuilleton auch über „‚Spaltpilzforschung und Seuchenbekämpfung’‚ oder
‚Traum und Hypnose’ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.) berichtete
(vgl. S. 22). Naturwissenschaftliche Themen waren auch Teil des von Ebel untersuchten
Feuilletons der „Kölnischen Volkszeitung“, das in den 1910er Jahren unter anderem
über: „drahtlose Telegraphie, Halbton-Verfahren, Kinematographie, Radium- und
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 152

Mesothoriumforschung“ (EBEL, 1953, S. 76) schrieb (vgl. S. 25). Am Feuilleton der


Münchener Neusten Nachrichten hatten der inhaltsanalytischen Untersuchung zufolge
wissenschaftliche Themen einen Anteil von gut acht Prozent im Mai 1918 und 1920
(vgl. S. 26). Das Ressort ließ zum Beispiel einen Münchner Physikprofessor eine
Aufsatzreihe über „Die moderne Optik“ (DÖBL, 1950, S. 121) schreiben, die Frankfurter
Zeitung brachte von 1928 an in einer festen Rubrik „Naturwissenschaftliche Berichte“
(TODOROW, 1996b, S. 127). Die damalige Begründung (vgl. S. 35) der FZ-Redaktion
für diese Ausweitung, das Feuilleton „den wissenschaftlichen Teil (...) den gewaltigen
Leistungen unserer Zeit in wissenschaftlichen und technischen Eroberungen
entsprechend, weiter auszubauen“ (VERLAG DER FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S.
1093f.) erinnert stark an die Aussagen Frank Schirrmachers von einer beginnenden
„dritten industriellen Revolution“ (SCHIRRMACHER, 2001a, S. 9), über die das FAZ-
Feuilleton zu berichten habe (vgl. S. 74).
Das FAZ-Feuilleton kehrt tatsächlich zur Zukunft als ein Themengebiet zurück –
zumindest zu der Zukunft angewandter Naturwissenschaften, wie sie die Feuilletons
der Frankfurter Zeitung, der Münchner Neuesten Nachrichten und der Kölnischen
Volkszeitung ihren Lesern im ersten Fünftel des zwanzigsten Jahrhunderts
präsentierten.
Auch das im SZ-Feuilleton in den untersuchten Zeiträumen intensiv gepflegte (vgl. S.
139f.) Themengebiet Zeitgeschehen war Teil deutscher Feuilletonressorts des
ausgehenden 19ten, frühen 20sten Jahrhunderts. Insbesondere die Feuilletonredaktion
der Frankfurter Zeitung stellte in Selbstdarstellungen der 1920er Jahre ihre thematische
Breite und darin insbesondere gesellschaftliche und politische Themen in den
Vordergrund (vgl. S. 28f.). So erschienen im FZ-Feuilleton 1928 und 1929 Reportagen
Joseph Roths aus Polen, die dem Autor zufolge „ein im weitesten Sinne politischer
Zwang (...) diktiert hat, – auch wenn sie ‚unter dem Strich’ erscheinen“ (TODOROW,
1996b, S. 102). Die historische Feuilletonforschung hat bislang den Anteil solcher
Themen nicht quantifiziert. Doch legen einzelne Arbeiten nahe, dass Zeitgeschehen ein
bedeutenderer Teil historischer Feuilletonprofilen war als im deutschen
Feuilletonangebot der Nachkriegszeit (vgl. S. 31ff.; S. 47ff.). Hinweise darauf gibt die
Studie Ebels über das politische Essays enthaltende Feuilleton der „Kölnischen
Volkszeitung“ während des ersten Weltkriegs (vgl. S. 24f.), gibt Todorows
Untersuchung der Frankfurter Zeitung der 1920er Jahre (vgl. S. 25ff.), gibt die
Selbstdarstellung der Frankfurter Zeitung, die als „Eigentümlichkeit“ ihres Feuilletons
von 1866 bis 1879 „sehr viele mehr oder weniger politische Artikel“ (VERLAG DER
FRANKFURTER ZEITUNG, 1911, S. 160f.) anführt.
Diese Parallele zwischen den Kulturbereichen im weiteren Sinn, die in den untersuchten
Feuilletons von FAZ und SZ anteilsmäßig die größte Erweiterung des Kulturbegriffs
über klassische Hochkultursparten im engeren Sinne hinaus darstellen und den
besonderen Profilen historischen Feuilletonressorts hebt eine Tatsache hervor: Die
Erweiterung des Kulturbegriffs (vgl. S. 37f.) um populäre Kultur im engeren Sinne in
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 153

den 1960er und 70er Jahren, die ein Hauptgrund für die von Glotz und Langenbucher
artikulierte Feuilletonkritik (vgl. S. 38ff.) war, steht nicht im Kern der Wandlung der
Feuilletonressorts in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002. Wie sich die
untersuchten Feuilletons insgesamt zur Kritik von Glotz und Langenbucher verhalten,
wird im Folgenden zusammengefasst.

10.3 Vergleich mit Kritik am Feuilleton infolge des erweiterten


Kulturbegriffs
Die Kritik (vgl. S. 39) Glotz’ und Langenbuchers an einem zu engen, auf den
„Bereich des Musisch-Ästhetischen“ (GLOTZ, 1968, S. 46) beschränkten Kulturbegriff
der Feuilletonressorts trifft die untersuchten Inhalte kaum. Das FAZ-Feuilleton hat den
Flächenanteil von Wissenschaftsthemen zwar von 26 Prozent im untersuchten Zeitraum
2001 auf nur 13 Prozent 2002 halbiert – doch auch dieser Wert ist weit mehr als
vorangehende Untersuchungen ergaben (vgl. S. 47ff.). Fast ein Fünftel (19,3%) der
zwischen 1999 und 2002 untersuchten Textfläche des FAZ-Feuilletons widmet die
Redaktion dem Themenobergebiet Wissenschaft, Forschung und Technologie,
immerhin 11,7 Prozent dem Zeitgeschehen (vgl. Tabelle 69, S. 139f.). Zumindest die
von Glaser formulierte Kritik am begrenzten Angebot der Feuilletonressorts, dass
„Naturwissenschaft und ähnliches weiterhin ein weißer Fleck“ (GLASER, 1974, S. 35)
sei, ist in Bezug auf die untersuchten Inhalte hinfällig. Ähnliches gilt für das SZ-
Feuilleton. Das Blatt setzt nur andere Prioritäten bei der Berichterstattung über Kultur
im weiteren Sinne als der Frankfurter Wettbewerber: 22,2 Prozent der Feuilletonfläche
nach Selbstdefinition räumen die Münchner Feuilletonisten in den untersuchten
Zeiträumen dem Themenobergebiet Zeitgeschehen ein (vgl. Tabelle 66, S. 137).
Hier setzt sich offensichtlich eine Entwicklung fort, die Michael Bitala zu Beginn der
1990er im FAZ-Feuilleton feststellte. Er beobachtete ein auffällig starkes Angebot an
Beiträgen zu Kultur im weiteren Sinne im FAZ-Feuilleton: Gut ein Zehntel (gewichtet
nach Umfang) der Beiträge im FAZ-Feuilleton befasste sich mit politischen Themen
(vgl. S. S. 51). Das SZ-Feuilleton hat sein hier in den untersuchten Zeiträumen starkes
Profil offenbar erst nach Bitalas Untersuchung, Mitte der neunziger Jahre unter dem
Feuilletonleiter Johannes Willms (vgl. S. 74) ausgebaut.
Doch die Feuilletonkritik der sechziger und siebziger Jahre entzündete sich
insbesondere an der Vernachlässigung populärer Kultursparten im engeren Sinne
(vgl. S. 39). Neben einer Erweiterung des Kulturbegriffs über die Kunst hinaus
verlangen die Kritiker der Feuilletonressorts eine Öffnung des Kunstbegriffs gegenüber
populärer Kultur im engen Sinn. Feuilletonredaktionen sollten nicht mehr „Theater,
Bücher, Kunst, Musik, schöngeistige und geisteswissenschaftliche Fragen“ (GLASER,
1975, S. 6593) bevorzugen.
Doch bei Kultursparten im engeren Sinne tun die untersuchten Feuilletonressorts genau
das: Sowohl das FAZ- als auch das SZ-Feuilleton räumen von allen Kultursparten im
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 154

engeren Sinne der Literatur den größten Anteil an ihrer Gesamttextfläche in den
untersuchten Zeiträumen ein. Die Prioritätenfolge deckt sich weitgehend mit den
Ergebnissen Müller-Sachses zu den Prioritäten von Tageszeitungsfeuilletons 1987 (vgl.
Müller-Sachse schlüsselt in seiner Studie die Kulturberichterstattung der untersuchten
regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen nach Sparten und Themen
auf. Dabei verzeichnen die Sparten Literatur, Musik und Theater die größten Anteile –
jeweils 18 Prozent – an allen Artikeln bei allen untersuchten Medien. Den
Flächenanteilen nach dominieren die Programmseiten. Die nächst größten
Textflächenanteile beanspruchen die Sparten Theater, Musik und Kunst für sich. Beim
Angebot der Süddeutschen und Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind an den
Artikelhäufigkeiten ähnliche Präferenzen abzulesen, allerdings liegt bei der SZ der
Schwerpunkt der Kulturberichterstattung im Untersuchungszeitraum auf Theater (22
Prozent der Beiträge) und Musik (17 Prozent der Beiträge). Die FAZ hingegen legt
einen Schwerpunkt auf Literatur. Trotz dieser ausgeprägten Blattprofile fällt auf, dass
Kino in beiden Medien eine vergleichsweise wenig präsente Sparte ist. Allerdings
bringt die SZ anteilsmäßig doppelt so viele Beiträge zum Kino wie die FAZ – und liegt
damit auch über dem Durchschnitt aller ausgewerteten Tageszeitungen.
Tabelle 11, S. 48). Auch Stegert beobachtete 1993 eine Dominanz der Literatur unter
den Kultursparten im engeren Sinne (vgl. Tabelle 12, S. 50). Diese Dominanz ist auch
im untersuchten Feuilletonmaterial der Zeiträume 1999 bis 2002 gegeben: In den
Feuilletons der FAZ und SZ nehmen Beiträge zu Literaturthemen den größten Teil der
Textflächen zu Kultur im engeren Sinne ein (27% in das FAZ; 27,4% in der SZ). In den
Ranglisten folgen darstellende Kunst (20%/21,7%), bildende Kunst (17,4%/18,9%) und
an letzter Stelle das Kino (7,9%/8,9%).
Diese Prioritäten stehen in der Kontinuität der in den 80er und 90er Jahren
beobachteten Spartenprofile der Kulturberichterstattung (vgl. S. 47ff.). Sie entsprechen
aber nicht den in Rezipientenuntersuchungen ermittelten Kulturinteressen (vgl. S. 58ff.).
Die ausgewerteten bisherigen Untersuchungen ergaben, dass „... die entscheidende
Dimension der Struktur kulturellen Interesses (...) nicht der Objektbezug, sondern die
Intensität dieses Interesses“ (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 366) ist. Sprich: Die Gruppe
der „Literaturkenner und Bildungsleser“ zum Beispiel liest nicht nur viel, sondern geht
auch häufig ins Kino (ECKHARDT / HORN, 1991, S. 355). Die sehr ungleiche
Gewichtung der Sparten Literatur und Film in den Feuilletons von FAZ und SZ
steht nicht im Einklang mit diesen Ergebnissen. Sie widerspricht den Ergebnissen einer
aktuellen Untersuchung der Forscherin Susanne Keuchel vom Bonner Zentrum für
Kulturforschung (vgl. S. 62ff.), die in der Rheinregion die Beliebtheit einzelner
Kultursparten bei 4500 zufällig ausgewählten Bürgern über 14 Jahren abfragte. Film
und Rock- oder Popkonzerte gab der größte, beziehungsweise zweigrößte Anteil der
Befragten mit hoher und mittlerer Schulbildung als beliebtes Kulturangebot an (vgl.
Tabelle 21, S. 63). Diese Sparten sind in den untersuchten Feuilletonangeboten von
FAZ und SZ anteilsmäßig weit weniger vertreten sind als andere.
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 155

Eine Erweiterung des Kunstbegriffs der von ihm untersuchten Feuilletons stellte Anfang
der neunziger Jahre Gernot Stegert fest (vgl. S. 52). Seine Interpretation, „alte
Schranken des Feuilletons“ seien „zumindest dem Umfang nach durchbrochen“
(STEGERT, 1998, S. 131) gründete er auf einer Untersuchung der Anteile bestimmter
Untersparten am Feuilletonangebot zu einzelnen Kultursparten. Neben Klassik fand er
in den von ihm untersuchten Feuilletons auch Pop und Rock und stellte auf dieser Basis
fest, dass „populäre Musik insgesamt auffallend stark vertreten“ ist. Das trifft auch für
die untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ zu: In beiden macht klassische Musik
zwar den größten Teil der Musikberichterstattung aus (37,3% FAZ; 36,5% SZ), doch
Rock, Pop und Jazz als Subsparten zusammengenommen erreichen in etwa denselben
Anteil (vgl. Tabelle 103, S. A47).
Stegerts Feststellung, dass Kabarett erweise sich in dem von ihm 1993 untersuchten
Material „als etabliert“ (STEGERT, 1998, S. 252f.) kann hingegen nicht bestätigt werden.
Darstellende Kunst ist sowohl in FAZ als auch in der SZ vor allem Sprechtheater und
Oper. Dem Musical schenkt allein das SZ-Feuilleton 1,7 Prozent seiner Textfläche zur
darstellenden Kunst in den untersuchten Zeiträumen 1999 bis 2002 (vgl. Tabelle 104, S.
A47).), Kabarett ist die FAZ (1,6%) ebenso ein Randthema wie für die SZ (3%).
Insgesamt ist Populärkultur im engeren Sinne der am wenigsten präsente
Kulturbereich in den untersuchten Feuilletons. Themen und Sparten aus diesem Gebiet
nehmen 13,2 Prozent der Textfläche des FAZ-Feuilletons ein, und 18,3 Prozent des SZ-
Feuilletons nach Selbst- und 14,9 Prozent nach parallelisierender Definition (vgl.
Tabelle 68, S. 138; Tabelle 91, S. A43). Hochkultur im engeren Sinne nimmt in beiden
Medien weit größere Flächenanteile ein. Zudem steigt der Anteil von Themen aus der
Hochkultur im engeren Sinne am im letzten Untersuchungszeitraum 2002 in beiden
Feuilletons sehr deutlich gegenüber dem jeweiligen Vorjahreswert an. Bei
Populärkultur im engeren Sinne ist hingegen keine derartige Tendenz zu beobachten.
Ihr Anteil schwankt auf niedrigem Niveau weniger als der anderer Kulturbereiche. Die
Veränderungen in den Feuilletons von FAZ und SZ in den Untersuchungszeiträumen
2000 und 2001 haben also offenbar auf anderen Gebieten stattgefunden – was die
Analyse der Themenfelder ja bereits (vgl. S. 146ff.) zeigte: Wissenschaft,
Zeitgeschehen und Literatur. Besonders stark war sie 2001 ausgeprägt.
Von einem Boom der Populärkultur im engeren Sinne in den Feuilletonangeboten,
wie er etwa auf der Hallenser Feuilletonkonferenz angedeutet wurde (vgl. S. 71), kann
in den untersuchten Feuilletons also nicht die Rede sein. Die Aussage des SZ-
Chefredakteurs Kilz: „Feuilleton darf nicht nur aus Hollywood und Pop bestehen.
Unsere Leser gehen schließlich auch in die Oper, ins Konzert, lesen Bücher“ (MILZ,
2001a, S. 25), aus der er den Reformbedarf für das Feuilletonressort ableitet (vgl. S.
76), deckt sich also nicht mit den Inhalten dieses Ressorts in den untersuchten
Zeiträumen.
Die von Glotz, Langenbucher und späteren Feuilletonkritiker geforderte Vielfalt der
Darstellungsformen (vgl. S. 40) anstelle der Feuilletons als „Rezensionsfriedhöfen“
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 156

(GLOTZ/LANGENBUCHER, 1993, S. 104) ist in den untersuchten Feuilletons in Teilen


umgesetzt. Rezensionen nehmen zwar als Darstellungsform im Feuilletonangebot
sowohl der FAZ als auch der SZ aller untersuchten Zeiträume den größten Anteil – ein
gutes Viertel bei parallelisierender Feuilletondefinition (vgl. Tabelle 71, S. 142) - der
Textfläche ein. Doch neben den mit jeweils etwa einem Fünftel der Textfläche sehr
starken Veranstaltungskalendern und Rundfunkprogrammen nutzten die Feuilleton-
redaktionen auch hintergründige journalistische Darstellungsformen wie Hintergrund-
berichte, Kommentare und Essays in durchaus beachtlichem Anteil (zusammen jeweils
gut ein Viertel der Textfläche, vgl. Tabelle 71, S. 142) am Gesamtangebot.
Hinter diesen auf den ersten Blick durchaus nicht als Rezensionsfriedhöfe zu
bezeichnenden Darstellungsprofilen verbergen sich jedoch sowohl im FAZ- als auch im
SZ-Feuilleton je zwei ganz unterschiedliche Präsentationsprofile. In beiden Medien sind
bestimmte Darstellungsformen an bestimmte Kulturbereiche gebunden: In allen
Untersuchungszeiträumen beschäftigt sich der weitaus größte Teil der veröffentlichten
Essays, Kommentare, Reportage/Features, Hintergrundberichte und Gastbeiträge
mit Themen aus der Kultur im weiteren Sinne (vgl. Tabelle 72, S. 143). Analysiert
man den Anteil einzelner Darstellungsformen an der Textfläche zu Kultur im engeren
und weiteren Sinne, zeigt sich dasselbe Bild: Essays machen in beiden Feuilletons etwa
1 Prozent der Textfläche zu Themengebieten aus der Kultur im engeren Sinne, jedoch
8,6 (FAZ), beziehungsweise 5,9 Prozent (SZ-Feuilleton nach parallelisierender
Definition) der Textfläche zu Themen aus der Kultur im weiteren Sinne aus (vgl.
Tabelle 105, S. A48). Rezensionen nehmen in beiden Feuilletonressorts in den
untersuchten Zeiträumen 51,9 Prozent der Textfläche zur Kultur im engeren Sinne ein.
Insofern ist trifft die Kritik Glotz’, Langenbuchers und anderer an der
Darstellungsmonotonie der Feuilletons auch Teile der untersuchten Feuilletons. Denn
die Berichterstattung über Kultur im engeren Sinne hat im untersuchten Angebot
durchaus Züge des Rezensionsfeuilletons. In beiden Feuilletons nimmt der Anteil von
Rezensionen an der gesamten Textfläche im Untersuchungszeitraum 2002 zu.
Allerdings verkehren sich die Verhältnisse zwischen beiden Medien: Wies 1999 und
2000 das FAZ-Feuilleton den größeren Rezensionsanteil auf, wird es 2002 vom SZ-
Feuilleton nach parallelisierender Definition übertroffen (vgl. Tabelle 71, S. 142). Die
2001 angekündigte Veränderungen des SZ-Feuilletons mit einem Ausbau eines für das
Rezensionsfeuilleton typischen Präsentationsprofils einher.
Die Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne – ablesbar am
vergleichsweise hohen Anteil des Themengebiets an der Textfläche der Essays,
Kommentare und Gastbeiträge (vgl. Tabelle 72, S. 143) erinnert ähnlich wie die
thematischen Schwerpunkte Wissenschaft und Zeitgeschehen (vgl. S. 151) an
historische Feuilletonprofile. Insbesondere das Schlagwort Hallers vom
„Räsonnierfeuilleton“ (HALLER, 2002, S. 15) mit „Sinndeutung und intellektuellem
Diskurs“ (TODOROW, 1988, S. 698) erinnert an das im untersuchten Angebot der FAZ-
und SZ-Feuilletons beobachtete Darstellungsprofil von Kultur im weiteren Sinne.
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 157

Besonders deutlich macht das neben der ungleichen Verteilung bestimmter


Darstellungsformen wie Essays und Gastbeiträgen auf die Kulturbereiche eine Analyse
der Beitragsfokusse. Den größten Anteil an der Textfläche von Beiträgen mit Fokus auf
Kultur im weiteren Sinne haben Texte mit einem Fokus auf Hintergründe von
Ereignissen oder Trends: 37,6 Prozent im FAZ-, 37,3 Prozent im SZ-Feuilleton nach
parallelisierter Definition (vgl. Tabelle 74, S. 145). Ein knappes weiteres Zehntel der
Textfläche verknüpft ein solches Erkenntnisinteresse mit einer im Beitrag
ausgewiesenen Expertenautorität des Verfassers. Dieses Detail erinnert an das
Feuilleton der Frankfurter Zeitung, das Todorow (1988, S. 698) zufolge in den
zwanziger Jahren bei der Darstellung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinn
prominente Autoritäten als Autoren nutzte. Das FZ-Feuilleton profilierte sich auch um
die Jahrhundertwende damit, Beiträge von „Autoritäten“ (VERLAG DER FRANKFURTER
ZEITUNG, 1911, S. 1030) auf ihren Gebieten zu akquirieren (vgl. S. 23f.).
Während die untersuchten Feuilletons bei Kultur im weiteren Sinne mehr Hintergründe
von Ereignissen als Neuigkeiten, Produkte oder Personen fokussieren, steigt im SZ-
Feuilleton (vgl. Tabelle 74, S. 145; Tabelle 102, S. A47) in den untersuchten Zeit-
räumen 2001 und 2002 der Anteil von Beiträgen mit einem Fokus auf Kulturprodukte
an den Beiträgen mit einem Fokus aus Kultur im engeren Sinne. Diese Entwicklung des
SZ-Feuilletons lässt sich zusammengenommen mit dem Anstieg von Rezensionen als
Annäherung an Darstellung und Erkenntnisinteresse des Rezensionsfeuilletons – bei der
Darstellung von Kultur im engeren Sinn - interpretieren. Hier dreht sich das Verhältnis
von FAZ- und SZ-Feuilleton wie auch beim Rezensionsanteil um: In den untersuchten
Zeiträumen 2001 und 2002 fokussiert das SZ-Feuilleton in flächenanteilig mehr
Beiträgen Kulturprodukte als das FAZ-Feuilleton. 1999 und 2000 ist es umgekehrt. Bei
der Darstellung von Themen aus der Kultur im engeren Sinne greift das SZ-Feuilleton
also verstärkt auf Präsentationsroutinen des so genannten Rezensionsfeuilletons zurück.
Insgesamt präsentieren die Feuilletons von FAZ und SZ Kultur im engeren Sinne
anders als Kultur im weiteren Sinne. Die Forderungen der Feuilletonkritiker nach
anderer Darstellung und anderem Fokus (vgl. S. 40f.) erfüllen beide Ressorts vor allem
bei ihren Angeboten zu Themen aus Kulturbereichen im weiteren Sinn. Die
Zweiteilung wird thematisch kaum überwunden: Der Anteil von Beiträgen, die ihren
Fokus auf eine Verknüpfung von Kultur im engen mit Kultur im weiten Sinne richten,
ist in beiden Ressorts gering (vgl. S. Tabelle 74, S. 145). Er ist weit geringer, als es die
Äußerungen von Feuilletonkommunikatoren (vgl. S. 66ff.) über die große Bedeutung
von Themen, anhand derer „die ästhetische Kultur und ein Bild der Gegenwart definiert
und debattiert werden können“ (MAAK, 1999, S. 365) es vermuten ließen.

10.4 Fazit, Diskussion, Ausblick


In den untersuchten Feuilletons sind Kultur im engen und Kultur im weiten Sinne,
Rezension und Räsonnement klar getrennt: Kultur im engeren Sinne wird meist
rezensiert, über Kultur im weiteren Sinne wird räsoniert. Eine Erweiterung des
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 158

Kulturbegriffs ist im Vergleich zu früheren Untersuchungen in den ausgewerteten


Ressortangeboten durchaus zu beobachten. Allerdings haben sie ihren Kulturbegriff vor
allem gegenüber bestimmten Themengebieten aus der Hochkultur im weiteren
Sinne geöffnet – gegenüber einigen Wissenschaftsdisziplinen und dem Themengebiet
Zeitgeschehen. Populäre Kultur im engeren Sinne ist zwar sowohl im FAZ-
Feuilleton als auch in dem der SZ etabliert – allerdings auf verglichen mit anderen
Kulturbereichen niedrigem Niveau. Beim Aus- und Umbau der Ressorts in den
Untersuchungszeiträumen 2000 und 2001 spielte populäre Kultur kaum eine Rolle. Die
erstmals von Glotz und Langenbucher formulierte und seitdem von vielen Forschern
erneuerte Kritik am Feuilletonangebot trifft also auch Teile der untersuchten
Feuilletons: Die Darstellung von Kultur im engeren Sinne ist zum großen Teil auf
Hochkultur und auf Kulturprodukte fixiert. Die untersuchten Feuilletons beachten
deutlich weniger populäre Kultur im engeren Sinne als Thema und den Kulturbetrieb
oder Kulturproduzenten als Untersuchungsobjekte. Insbesondere hier trifft alte Kritik
neue Angebote wie das SZ-Feuilleton nach Einrichtung einer neuen Literaturseite.
Die gewählte Methode und das entwickelte Instrument waren zu Beantwortung der
Forschungsfragen geeignet. Die untersuchten Inhalte der Feuilletons von FAZ und SZ
konnten mit den Aussagen von Kommunikatoren über inhaltliche Veränderungen,
untereinander, im Zeitverlauf miteinander (vgl. S. 101ff.), ansatzweise auch mit
früheren Feuilletonprofilen (vgl. S. 151ff.) und kommunikationswissenschaftlicher
Kritik (vgl. S. 153ff.) am Feuilletonangebot verglichen werden. Auf Basis der
Auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen Annäherungen an Kulturbegriffe (vgl.
S. 8ff.) und der – oft literaturwissenschaftlichen - Erforschung historischer Feuilleton-
profile (vgl. S. 17ff.) konnte die Arbeit die thematische und damit verbundene
präsentatorische Teilung der untersuchten Feuilletons entlang der Trennlinie zwischen
Kultur im engen und im weiten Sinne (vgl. S. 8ff.) herausarbeiten. So war es möglich,
die Aktualität der Kritik Glotz’ und Langenbuchers an Feuilletoninhalten auf bestimmte
Elemente der untersuchten Inhalte einzugrenzen.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass in vielen Bereichen weiterer
Forschungsbedarf besteht. Im Bereich der Rezipienten liegen insgesamt wenige
Erkenntnisse vor. Ein Zusammenhang zwischen inhaltlichen Merkmalen und
Publikumsakzeptanz kann nicht als gegeben angesehen werden. Aber zumindest zeigt
der Vergleich der Erkenntnisse dieser Arbeit zu den Feuilletoninhalten mit jüngeren
Rezipientenstudien (vgl. S. 56ff.), dass ein starkes Interesse an Hochkultur im engen
Sinne einhergeht mit Nutzung von und Interesse an populärkulturellen Sparten.
Populärkulturelle Sparten wie etwa Rock- und Popmusik thematisiert das
Feuilletonangebot aber deutlich weniger als klassische, eher hochkulturelle Sparten.
Rezipientenuntersuchungen zufolge beliebte Sparten wie Kino haben sehr geringen
Anteil am Feuilletonangebot.
Diesen Hinweisen könnten weitere Studien nachgehen, indem sie Untersuchung von
Medieninhalten und Rezipienten verknüpfen. Diese Verknüpfung ist befriedigend
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 159

gewiss nur in größeren Arbeiten zu leisten. Ein brauchbares Instrumentarium und zum
Vergleich verfügbare Ergebnisse für den Bereich der Medieninhalte bietet die hier
vorliegende Arbeit. Zu untersuchen wäre die Akzeptanz bei Nutzern, Nicht-Nutzern und
die Verbindung dieses Verhaltens mit Medieninhalten und Kulturinteressen. Solche
Verbindungen zwischen Inhalts- und Rezipientenforschung hat bislang keine
vorliegende Arbeit befriedigend erforscht. Die Aussagen Müller-Sachses über solche
Zusammenhänge sind lediglich Vermutungen – auch wenn der Forscher sie „begründete
Vermutung“ (MÜLLER-SACHSE, 1988, S. 588) nennt. Die Akzeptanz der in dieser Arbeit
analysierten Veränderungen des Feuilletons von FAZ und SZ bei Rezipienten ist
unerforscht, überhaupt ist das Interesse von Rezipienten an Themen aus der Kultur im
weiteren Sinne – zum Beispiele politischen Essays – im Feuilleton völlig unbekannt.
Erheblicher Forschungsbedarf besteht auch bei der Untersuchung der
Medieninhalte. Diese Arbeit hat gezeigt, dass der Vergleich aktueller mit historischen
Feuilletonprofilen neue Erkenntnisse bringen kann. Doch bislang sind solche
Vergleiche nur sehr eingeschränkt möglich. Denn es fehlt an Arbeiten, die historische
Medieninhalte mit Werkzeugen quantitativer Inhaltsanalyse erforschen.
Insbesondere bei der Auswertung der literaturwissenschaftlichen Arbeiten zu den
Feuilletoninhalten der zwanziger Jahre stößt man bei
kommunikationswissenschaftlicher Erforschung gegenwärtiger Angebote schnell an die
Grenzen der Vergleichbarkeit. Viel Erkenntnispotenzial bleibt so ungenutzt.
Auch die Arbeit mit medien- und kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen
der Inhalte aktueller Feuilletonressorts leidet an der Vielfalt des jeweiligen
Vorgehens: Vergleiche sind nur mit Einschränkungen möglich, weil die Studien in
unterschiedlichen Medien zum Teil die Kulturberichterstattung aller Ressorts, zum Teil
aber auch ausschließlich Feuilletoninhalte untersuchten. Zudem unterscheiden sich die
als Untersuchungsinstrumente verwendeten Kategoriensysteme. Systematische
Langzeituntersuchungen fehlen. Auf dem Gebiet sind einige, auch mit den begrenzten
Ressourcen von Diplom- und Magisterarbeiten umsetzbare Fragestellungen denkbar.
Ein interessanter Ansatz wäre die Erforschung der Feuilletoninhalte im Umfeld
ausgewählter politischer und anderer nicht im engen Sinne kultureller
Großereignisse. Hier könnte über einen großen Zeitraum untersucht werden, ob und
wie Feuilletons auf solche Ereignisse reagieren. Dem bisherigen – mangelhaften –
Forschungsstand nach wäre zu erwarten, dass die deutschen Nachkriegsfeuilletons
solche Ereignisse gar nicht aufgriffen, die Feuilletonressorts überregionaler deutscher
Tageszeitungen vom Historikerstreit Mitte der achtziger Jahre an hingegen schon,
ebenso wie das Feuilleton etwa der Frankfurter Zeitung in den 1920er Jahren.
Ebenfalls neue Erkenntnisse könnte eine vergleichende Fallstudie der Feuilletons und
Kulturressorts in ausgewählten deutschen und ausländischen Tageszeitungen im
zeitlichen Umfeld politischer sowie internationaler kultureller Großereignisse – wie
etwa Oscarverleihung oder Literaturnobelpreis – sein. Der Hintergrund ist die oft
behauptete, doch bislang unerforschte Alleinstellung des deutschen Feuilletons: „Diese
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 160

spezielle Mischung aus Ausstellungsberichterstattung, Theaterkritik, dann aber wieder


Hintergrundbetrachtung und einer anderen Form von Leitartikel“ (NIGGESCHMIDT,
2000, S. 48) existiere nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, behauptet zum
Beispiel der Literaturkritiker und Essayist Lothar Baier. In Frankreich würde
Kulturjournalismus zum Beispiel vor allem als über aktuelle Ereignisse berichtender
Journalismus verstanden und praktiziert, während für Debattenbeiträge von
Intellektuellen die als eigene Ressorts institutionalisierten Debattenseiten verfügbar
wären. Ist die Platzierung von Themen aus der Kultur im weiteren Sinne im Feuilleton
überregionaler Tageszeitungen tatsächlich ein deutsches Phänomen? Ebenso der
essayistische Beitrag prominenter Gastautoren? Ist populäre Kultur im Kulturteil etwa
der New York Times tatsächlich etablierter als in deutschen Feuilletons, was eine
Untersuchung Heilbruns nahe legt, der behauptet, popular culture habe bereits 1993
mehr Textfläche des „Arts & Leisure“ Ressorts der Sunday New York Times
eingenommen als high culture (HEILBRUN, 1997, S. 29)?
Ein anderes, ebenfalls im Gegensatz zur Verknüpfung von Rezipienten- und
Inhaltsforschung gut für Diplom- und Magisterarbeiten einschränkbares
Forschungsprojekt wäre die Fortsetzung der hier vorliegenden Untersuchung in den
Jahren 2003, 2004 und folgenden Zeiträumen. Die folgenden Zeitabschnitte sind
wegen der auch auf der Hallenser Feuilletonkonferenz diskutierten Zeitungs- und
Anzeigenkrise interessant. Bereits in der vorliegenden Arbeit zeichnet sich im
Untersuchungszeitraum 2002 in der FAZ ein deutlicher Verlust des Feuilletonumfangs
und des Anteils der zuvor massiv ausgebauten Wissenschaftsberichterstattung im
Feuilleton ab (vgl. S. Tabelle 66, S. 137). Setzt sich diese Entwicklung fort? Die Anteile
welcher Kulturteile verändern sich wie?
Peter Glotz fürchtet einen Verlust der auch in dieser Arbeit festgestellten Erweiterung
des Kulturbegriffs in überregionalen deutschen Feuilletonressorts. Es bestehe die
Gefahr, „dass die radikale Ausweitung der Feuilletons in den überregionalen Zeitungen,
die mit dem Historikerstreit begonnen hat, schlicht zurückgenommen wird“ (GLOTZ,
2003). Ob dieser gewaltige „Verlust an zeitdiagnostischem Raisonnement“ (GLOTZ,
2003) tatsächlich – und das nur wenige Jahre nach den Erweiterungen in den Feuilletons
von FAZ und SZ 2001 – eintritt, wäre eine spannende Frage für die weitere Forschung.
Und nicht nur für die Forschung. Denn wenn die Feuilletons Kultur im weiteren Sinne
nicht mehr im in dieser Arbeit erforschten Ausmaß thematisieren, verlieren sie die
auffälligste Erweiterung des praktizierten Kulturbegriffs gegenüber den kritisierten
Ressortprofilen aus den 1960er, 1980er und frühen 1990er Jahren. Welche
Rezipientengruppe ein solcher Verlust wie beeinflussen würde, ist zu erforschen. Glotz
vermutet:
„Die Frage aber, ob die Kommunikationsbedürfnisse dieser kleinen „Infoelite“ in
Deutschland befriedigt werden oder nicht, macht den Unterschied aus zwischen
einer führenden oder mitlaufenden ‚Kulturnation’.“ (GLOTZ, 2003)
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 161

Man kann also auf die weitere Forschung gespannt sein – wenn auch nicht unbedingt
freudig.
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Z
ZIELCKE, Andreas (2001): „Gedankenlesen“. In: Süddeutsche Zeitung, 25.09, S. 15.
Ehrenwörtliche Erklärung 175

Ehrenwörtliche Erklärung
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig ohne fremde
Hilfe angefertigt habe.

Konrad Lischka
München, 15.März 2004
Lebenslauf 176

Lebenslauf

persönliche Angaben
geboren am 26.10.1979 in Katowice
ledig
Staatsangehörigkeit: deutsch

Ausbildung

08/1990 - Maria-Wächtler-Schule Essen, englisch-bilingualer Unterricht.


05/1999

27.05.1999 Abitur. Notendurchschnitt: 2,1. Fächer: Geschichte, Deutsch, Englisch,


Mathematik.

09/1999 – Deutsche Journalistenschule München (DJS). Redakteursaubildung in


03/2003 Kombination mit Journalistikstudium.

11/1999 - Ludwig-Maximilians-Universität München. Studium der Journalistik.


heute Nebenfächer Politologie, Soziologie, Kunstgeschichte

11.10.2001 Diplom-Vorprüfung. Gesamtnote: gut. Kommunikationstheorie: 1,3;


Kommunikationspraxis: 1,0. Medienstruktur: 1,0. Politische
Wissenschaft: 2,0. Soziologie: 3,0.

Journalistische Tätigkeit

01/1998 - 04/1999 Konzeption und Realisierung des Jugendmagazins epos der


Essener Jugendpresse e.V.

10/1998 Praktikum in der Essener Stadtredaktion der Westdeutschen


Allgemeinen Zeitung, danach freie Mitarbeit..

10/1998 - 03/1999 Pauschalist bei taz-Ruhr, Bochum

01/1999 - 06/1999 freie Mitarbeit bei der Wochenzeitung im Bistum, Essen


Ruhrwort.
Lebenslauf 177

06/1999 Praktikum bei BILD-NRW, Essen, anschließend freie Mitarbeit.

07/1999 - heute als freier Journalist tätig u.a. für Financial Times Deutschland,
Frankfurter Rundschau, Neue Züricher Zeitung, Die Presse, taz.

02/2001 - 04/2001 Praktikum im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, München.

2002 Veröffentlichung des Buch Spielplatz Computer - Kultur,


Geschichte und Ästhetik des Computerspiels im Verlag Heinz
Heise.

04/2003 - 06/2003 Praktikum bei der IBM Software Group

ehrenamtliche Tätigkeit

05/1998 - stellvertretender Vorsitzender der Essener Jugendpresse e.V..


05/1999
Anhang A1

ANHANG

Codebuch

Zum Forschungsprojekt
Die vergleichsweise wenigen wissenschaftlichen Arbeiten zum Ressort Feuilleton
thematisieren meist die Themenwahl und Vermittlung dort vor dem Hintergrund der
Feuilleton-Dauerkrise niedriger Nutzungszahlen im Vergleich zu anderen Ressorts.
Inhaltsanalytische Arbeiten - die aktuellste repräsentative Inhaltsanalyse regionaler und
überregionaler Feuilletonteile in Printmedien befasst sich mit Veröffentlichungen aus
dem Jahr 1993 - haben Mängel wie Vielfaltarmut bei Beitragsformen und einen engen,
elitären Kulturbegriff in überregionalen Feuilletons festgestellt.
Für die knappen Ressourcen dieses Forschungsprojekts bietet der inhaltliche und
personelle Wandel des Feuilletons von FAZ und SZ in der jüngsten Vergangenheit ein
ideales Feld für die exemplarische Erforschung. Entwicklung und Forschungsobjekte
sind gut eingrenzbar: Die FAZ druckte am 6. Juni 2000 einen Artikel des
Computerunternehmers Bill Joy über neue Technologien wie Nanotechnik, Gentechnik
und Robotik unter dem Titel: „Warum uns die Zukunft nicht braucht“. Am 27. Juni
2000 folgte auf sechs Seiten die letzte Sequenz des menschlichen Genoms. Der für das
Feuilleton verantwortliche FAZ-Herausgeber stellte den Ausbau unter das Schlagwort
der „dritten Kultur“, eine Kombination von Geistes- und Naturwissenschaft. In der
folgenden Zeit erweiterte die FAZ ihr Feuilleton. Am 1. September 2001 kam
schließlich ein täglicher, fester Platz für Berichte aus der Naturwissenschaft auf der
zweiten Feuilletonseite, eine tägliche Medienseite und täglicher Comicstrip hinzu sowie
ein fester Platz für Porträts.
Im Februar 2001 wechselten dann vier führender FAZ-Feuilletonisten wie Ressortleiter
Ulrich Raulff zur Süddeutschen Zeitung. Unter Leitung des ehemaligen FAZ-
Literaturchefs Thomas Steinfeld führte die SZ am 25. September 2001 eine tägliche
Literaturseite ein, laut Ressortleiter Andreas Zielcke, um sich von der
„Beschleunigungs- und Überholsucht" der Feuilletondiskurse abzuheben. Diesen
Diskurs trieb das FAZ-Feuilleton vom Jahr 2000 in einigen Debatten - über Martin
Walser, ein Bundesland Preußen, die dritte Kultur - voran. Im März 2001 warb Frank
Schirrmacher fünf Mitarbeiter des SZ-Feuilletons ab, die weithin als Vertreter des so
genannten Popfeuilletons bei der SZ gesehen wurden.
Anhang A2

Diese Entwicklung ist nicht nur zeitlich gut auf den Zeitraum 2000 bis 2003
einzugrenzen, sondern die inhaltliche Entwicklung des Feuilleton-Profils bei beiden
Medien zudem auch durch Aussagen der verantwortlichen Redakteure belegt. Man kann
bei beiden Medien - zwei auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen mit
überregionalem Profil - von einer bewussten Entwicklung des inhaltlichen Profils des
Feuilletons ausgehen. Daher können die Ergebnisse der Inhaltsanalyse gut als
Annäherung an aktuelle Strategien des Feuilleton-Journalismus interpretiert und also
solche auf die Positionen in der Diskussion um die Qualität des Feuilletons bezogen
werden.

Fragestellung
Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse sollen zum einen die inzwischen zehn Jahre alten
empirischen Befunde zu Themen und Darstellungsformen im Feuilleton aktualisieren:
Welchem Umfang hat das Feuilleton in SZ und FAZ? Welche Kultursparten werden
wie stark bearbeitet? Welche Darstellungsformen nutzen die Redakteure wie häufig?
Die Ergebnisse sollen zudem einen Vergleich der Medieninhalte mit den in Debatten
und Forschungsarbeiten von Praktikern und Wissenschaftlern beanstandeten Zuständen
und erhobenen Forderungen ermöglichen. Ist die aus den Ergebnissen inhaltanalytischer
Untersuchungen abgeleitete Kritik am Feuilleton für die untersuchten Feuilletonteile
heute noch gültig? Welche von Wissenschaftler formulierten Empfehlungen scheinen in
der Praxis genutzt zu werden? Sind die Konzepte der Praktiker aus der jüngsten
Vergangenheit - etwa das politische Feuilleton oder das Popfeuilleton – in den Medien
erkennbar? Oder lassen sich anhand der beobachteten Themenstrukturen Anzeichen für
neue Formen des alten Feuilleton-Konzepts einer thematischen Öffnung (zum Beispiel
das Konzept des „politischen Feuilletons" aus den späten achtziger, frühen neunziger
Jahren) ausmachen, zum Beispiel die von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher
propagierte Naturwissenschaft im Feuilleton?

Untersuchungsmaterial
Untersucht werden die überregionalen Ausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(Deutschlandausgabe) und der Süddeutschen Zeitung (Fernausgabe) von diesen
Erscheinungstagen:

• 22.-27.1999
• 27.-2.12.2000
• 26.-1.12.2001
• 25.-30.2002
Anhang A3

Merkmalsträger

Analyseeinheit 1: Ebene der Zeitungsausgaben


Auf der Ebene der gesamten Zeitungsausgabe werden die Ressortumfänge nach Seiten
untersucht, um neben absoluten auch relative Werte für den Umfang des Feuilletons zu
ermitteln.

Zum Feuilleton – das gilt auch für die Codierung auf Beitragsebene auf Ausgabenebene
- werden auch Seiten mit einem abweichenden Seitentitel im Feuilletonbuch gezählt, die
jedoch regelmäßig an dieser Stelle erscheinen und in Selbstdarstellungen der Ressorts
als integraler Bestandteil erwähnt werden (vgl. 1. und 4.4.) Das sind zum Beispiel:

Tabelle 75: Umfang Untersuchungsmaterials auf Basis der Selbstdefinition der Feuilletonressorts
und auf Basis der parallelisierenden Auswahl
FAZ SZ
Selbstdefinition alle Seiten mit Seitentitel: alle Seiten mit Seitentitel:
der Ressorts Feuilleton Feuilleton
Medien Film
Kino Literatur
Stil Schallplatte
Veranstaltungen im (Monatsname) Kinder- und Jugendliteratur
Bücher und Themen
Schallplatten und Phono
Neue Sachbücher
Natur und Wissenschaft
Geisteswissenschaften
Fernsehen am [Wochentag]
Hörfunk am [Wochentag]

Parallelisierende alle Seiten mit Seitentitel: alle Seiten mit Seitentitel:


Feuilleton Feuilleton
Definition
Medien Seitentitel Film
Kino Literatur
Stil Schallplatte
Veranstaltungen im (Monatsname) Kinder- und Jugendliteratur
Bücher und Themen Umwelt, Wissenschaft, Technik
Schallplatten und Phono Wissen
Neue Sachbücher Medien
Natur und Wissenschaft Das Programm vom (Wochentag)
Geisteswissenschaften
Fernsehen am [Wochentag]
Hörfunk am [Wochentag]

Analyseeinheit 2: Ebene der Beiträge


Als ein Beitrag gilt:
• Eine Kombination aus Artikelfließtext, Überschrift, Infokasten, Servicedaten,
Wertungszeichen und Bildelementen wie Fotografie, Karikatur, Illustration,
Infografik samt Bildunterschrift.
• Ein Artikel ohne zugehörige Bildelemente.
• Eine Fotografie oder sonstiges Bildelement ohne zugehörigen Artikel
• ein Veranstaltungskalender / Fernsehprogramm / Hörfunkprogramm
Anhang A4

• Meldungsrubriken, die unter einem Rubriktitel mehrere Meldungen


zusammenfassen. Hierbei werden die Merkmale des an der Gesamtfläche
anteilig größten Elements codiert.
Nicht ausgewertet werden
• Orientierungselemente innerhalb der Zeitung wie zum Beispiel
Inhaltsverzeichnisse oder Kopfzeilen

Allgemeine Codieranweisungen

Reihenfolge der Auswertung


Die einzelnen Zeitungsausgaben werden hintereinander, jeweils auf allen
Analyseebenen komplett codiert. So ist sicher gestellt, dass bei den
Identifikationsnummern der Beiträge und Ausgaben die fortlaufenden Nummern für die
Zeitungsausgabe übereinstimmen.

Kategoriensystem 1: Ausgabenebene

Kategorien zur Identifikation

agidnr – [01] – Identifikationsnummer – ordinales Skalenniveau


Definition: Jede Zeitungsausgabe erhält eine zweistellige, fortlaufende
Identifikationsnummer.
Kodierregel: Die Zeitungsausgaben werden in Reihenfolge der Auswertung
nummeriert. Die Nummer wird immer zweistellig eingegeben, also zum Beispiel 02 für
die zweite ausgewertete Zeitungsausgabe.

agdatum – [02] – Erscheinungstag und -monat – metrisches Skalenniveau


Definition: Einzutragen sind Erscheinungstag und -monat.

Kodierregel und operationale Definition: Bei Ausgaben an Wochenenden oder


Feiertagen wird das jeweils erste im Seitenkopf angegebene Erscheinungsdatum codiert.
Die Nummer für Tag und Monat wird in dieser Reihenfolge zweistellig eingegeben.

Beispiel: 2. März = 0203

agjahr – [03] – Erscheinungsjahr - metrisches Skalenniveau


Definition: Einzutragen ist das Erscheinungsjahr.

Kodierregel und operationale Definition: Die Jahreszahl wird vierstellig eingetragen.


Bei einem Jahreswechsel wird die Jahreszahl des ersten im Seitenkopf angegebenen
Erscheinungsdatums codiert.
Anhang A5

agmedium – [04] – Medium – nominales Skalenniveau

Definition: Es wird codiert, die Ausgabe welcher Zeitung ausgewertet wird.

operationale Definition: Die Skalierung ist nominal. Die Kategorie umfasst diese
Merkmalsausprägungen:

1. = Frankfurter Allgemeine Zeitung


2. = Süddeutsche Zeitung

Kategorien zum Umfang

agseitbr – [05] – Gesamtseitenumfang brutto der Ausgabe – metrisches Skalenniveau


zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Seiten der ausgewerteten Zeitungsausgabe.
Hierzu zählen sowohl Anzeigen- als auch redaktionelle Seiten aller Zeitungsbücher.
Ausnahme: Nicht gezählt werden diese Zeitungsbücher:
• Verlagsbeilagen / Verlagssonderveröffentlichungen
• Amtliche Bekanntmachungen
• Immobilien-Markt / Mietmarkt / Kaufmarkt (einschließlich der redaktionellen
Titelseiten dieser Bücher mit Titeln wie „Immobilienseiten“, „Immobilien-
Markt“)
• Stellen-Angebote / Stellenmarkt (einschließlich der redaktionellen Titelseiten
dieser Bücher wie „Beruf & Chance“, „Bildung & Beruf“
• Automarkt / Auto & Mobil / Auto & Verkehr (einschließlich der redaktionellen
Titelseiten dieser Bücher wie „Motormarkt“, „Mobiles Leben”)
Kodierregel: Die Gesamtseitenzahl wird zweistellig eingetragen.

asgfeusd – [06] – Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach


Selbstdefinition – metrisches Skalenniveau
zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Gesamtseiten des Feuilletonressorts einer
Zeitungsausgabe. Zum Feuilleton werden Seiten mit diesen Seitentiteln gezählt:
Anhang A6

FAZ SZ
alle Seiten mit Seitentitel: alle Seiten mit Seitentitel:
Feuilleton Feuilleton
Medien / Medienforum Film
Kino Literatur
Stil Schallplatte
Veranstaltungen im (Monatsname) Kinder- und Jugendliteratur
Bücher und Themen
Schallplatten und Phono
Neue Sachbücher
Natur und Wissenschaft
Geisteswissenschaften
Fernsehen am [Wochentag]
Hörfunk am [Wochentag]

Kodierregel:. Abgesehen von den ausgeschlossenen redaktionellen Seiten (siehe


Merkmalsträger, S. A3) werden alle übrigen Anzeigen- und redaktionellen Seiten im
Feuilletonbuch zum Feuilleton gezählt.

asgfeupd – [07] – Gesamtseitenumfang brutto des Feuilletons einer Ausgabe nach


parallelisierender Definition– metrisches Skalenniveau
zu: H1, H2, H3, H13, H14, H15; H25

Definition: Gezählt wird die Anzahl der Gesamtseiten des Feuilletonressorts einer
Zeitungsausgabe. Zum Feuilleton werden Seiten mit diesen Seitentiteln gezählt:
FAZ SZ
alle Seiten mit Seitentitel: alle Seiten mit Seitentitel:
Feuilleton Feuilleton
Medien / Medienforum Seitentitel Film
Kino Literatur
Stil Schallplatte
Veranstaltungen im (Monatsname) Kinder- und Jugendliteratur
Bücher und Themen Umwelt, Wissenschaft, Technik
Schallplatten und Phono Wissen
Neue Sachbücher Medien
Natur und Wissenschaft Das Programm vom (Wochentag
Geisteswissenschaften
Fernsehen am [Wochentag]
Hörfunk am [Wochentag]

Kodierregel: Sowohl Anzeigen- als auch redaktionellen Seiten der Feuilletonbeilage


werden gezählt.

Kategoriensystem 2: Beitragsebene

Kategorien zur Identifikation

btridnr – [08] – Identifikationsnummer des Beitrags – ordinales Skalenniveau


Definition: Jeder Beitrag erhält eine vierstellige Identifikationsnummer. Als ein Beitrag
gelten:
• Eine Kombination aus Artikelfließtext, Überschrift, Infokasten, Servicedaten,
Wertungszeichen und Bildelementen wie Fotografie, Karikatur, Illustration,
Infografik samt Bildunterschrift.
• Ein Artikel ohne zugehörige Bildelemente.
Anhang A7

• Eine Fotografie oder sonstiges Bildelement ohne zugehörigen Artikel.


Die Identifikationsnummer setzt sich zusammen aus einer Beispiel:
fortlaufenden Nummer für die Zeitungsausgabe und einer
innerhalb der Ausgabe fortlaufenden Nummer für die Beiträge.
Diese Nummer erleichtert das rasche Wiederfinden von
Beiträgen.
Kodierregel: Die Zeitungsausgaben werden in Reihenfolge der
Auswertung nummeriert. Die Nummer wird immer zweistellig
eingegeben, also zum Beispiel 02 für die zweite ausgewertete
Zeitungsausgabe. Die Beiträge werden von der ersten bis zur
letzten Seite des Feuilleton-Buchs horizontal von links nach
rechts und vertikal von oben nach unten auf je einer
Zeitungsseite durchgezählt. Hierbei zählen auch zu einem
Beitrag gehörende Bildelemente, es ist nicht also nicht die
Position der Überschrift entscheidend.

btrdatum – [09] – Erscheinungstag und -monat – metrisches Skalenniveau


Definition: Einzutragen sind Erscheinungstag und -monat.

Kodierregel: Bei Ausgaben an Wochenenden oder Feiertagen wird das jeweils erste im
Seitenkopf angegebene Erscheinungsdatum codiert. Die Nummer für Tag und Monat
wird in dieser Reihenfolge zweistellig eingegeben.

Beispiel: 2. März = 0203.

btrjahr – [10] – Erscheinungsjahr – metrisches Skalenniveau


Definition: Einzutragen ist das Erscheinungsjahr.

Kodierregel und operationale Definition: Die Jahreszahl wird vierstellig eingetragen.


Bei einem Jahreswechsel wird die Jahreszahl des ersten im Seitenkopf angegebenen
Erscheinungsdatums codiert.

btrmedi – Medium – nominales Skalenniveau


Definition: Einzutragen ist das Medium, in welchem der Beitrag erschien.

Kodierregel und operationale Definition:

1. = FAZ

2. = SZ
Anhang A8

btrfeusg – [11] – Feuilletonsegment – nominales Skalenniveau

Definition: Zu codieren ist, ob der Beitrag auf einer bestimmten Seite der
Zeitungsausgabe erschienen ist. Diese Angabe ermöglicht es unter anderem, Beiträge zu
unterscheiden, die zum Feuilleton nach Selbstdefinition oder zum Feuilleton nach
parallelisierender Definition gehören.

Kodierregel und operationale Definition: Die Kategorien sind exklusiv.

1. = Beitrag auf einer Seite der Süddeutschen Zeitung mit Seitentitel


• Umwelt, Wissenschaft, Technik
• Wissen
• Medien
• Das Programm vom (Wochentag)
2. = Beitrag auf einer Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit
Seitentitel
• Natur und Wissenschaft
• Geisteswissenschaften
3. = Beitrag auf einer Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit
Seitentitel
• Medien / Medienforum
• Fernsehen am [Wochentag]
• Hörfunk am [Wochentag]
4. = Beitrag auf einer sonstigen Seite

Kategorien zu Umfang und Platzierung

btrseit – [12] – Seitenzahl – ordinales Skalenniveau


zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Hier wird die Seitenzahl eingetragen, auf welcher der ausgewertete Beitrag
im Feuilleton steht. Dadurch soll es möglich sein, neben den Umfängen auch die
Platzierungen bestimmter Themen, Sparten und Formen im Ressort auszuwerten.

Kodierregel und operationale Definition: Es werden nicht die Seitenzahlen der Zeitung
eingetragen, sondern die ausgewerteten Seiten des Feuilletonbuchs von 01 beginnend
durchgezählt.

Nicht mitgezählt werden dabei jene Seiten im Feuilletonbuch, die nach Ausführungen
zu den Analyseeinheiten ausgeschlossen wurden (vgl. 10.1.3.).

Die Seitenzahlen von gegebenenfalls Feuilleton gezählten Seiten wie Medien, Wissen
oder Natur und Wissenschaft werden weiterlaufend von der letzten Feuilletonseite an
gezählt. Stehen solche Seiten in der jeweiligen Zeitungsausgabe vor dem Feuilletonbuch
werden sie dennoch bei der Seitenzählung an das Feuilletonbuch angehängt.
Anhang A9

Zum Beispiel: Ist die letzte Seite des Feuilletonbuchs als Seite acht gezählt, so wird die
Seite Wissen, die zuvorderst im Politikbuch steht, als Seite neun gezählt. Befindet sich
in derselben Ausgabe zum Beispiel eine Medienseite, die im Wirtschaftsbuch platziert
ist, wird sie als Seite zehn gezählt.

Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die Position auf der ersten Seite
codiert.

btrbruch – [13] – Platzierung eines Beitrags über oder unter Bruch – nominales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Bruch ist der horizontale Knick in der Mitte der Zeitung. Die Platzierung
soll neben der Auswertung der Beitragsumfänge zusätzlich Auskunft über das Gewicht
der Kultursparten geben.

Kodierregel und operationale Definition: Ist ein Beitrag – dazu zählt sowohl ein
mögliches Bildelement als auch die Überschrift eines Artikels – zumindest teilweise -
oberhalb des Bruchs gedruckt, wird der Artikel als über dem Bruch platziert codiert.
Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die Position auf der ersten Seite
codiert.

1. = über dem Bruch


2. = unter dem Bruch

btraufma – [14] – Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils – nominales Skalenniveau
zu: H4, H5, H6, H16, H18

Definition: Als Aufmacher wird der größte Beitrag, links oberhalb des Bruchs platzierte
Beitrag auf der ersten Seite des Feuilletonbuch verstanden.

Kodierregel und operationale Definition:

1. = Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils


2. = nicht Aufmacher auf der Titelseite des Feuilletonteils

txtflaec – [15] – Textfläche – metrisches Skalenniveau


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Definition: Der Codierer erfasst die Größe des Textanteils eines Beitrags in cm².
Gemessen wird die Fläche des gesamten Fließtexts einschließlich der Haupt- und
Unterzeile (=Überschrift), etwaiger Rubrikzeilen, Vorspänne, Zwischenüberschriften,
Verfasserzeilen und beigestellter Textbausteine wie zum Beispiel Infokästen.
Bildunterschriften werden nur gemessen, wenn sie mehr als ein bis drei Zeilen umfassen
und als einziges Textelement neben einem Bild stehen. In diesem Fall wird die Fläche
des Textelemente als Ausprägungen der Kategorie txtflaec gemessen.
Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer misst vom linken bis zum
rechten Spaltenrand, von der Oberlänge der obersten Zeile bis zur Unterlänge der
Anhang A10

untersten Zeile. Zeilenbruchstücke und Leerräume innerhalb des Textes werden


mitgemessen. Es gelten folgende Spaltenbreiten:

• 1 Spalte = 6 cm

• 2 Spalten = 12 cm

• 3 Spalten = 19 cm

• 4 Spalten = 25 cm

• 5 Spalten = 31 cm

• 6 Spalten = 37 cm

Freigestellte Bilder im Text werden entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als
Viereck ausgemessen und von der Textfläche abgezogen.
Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird
die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche
gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der
Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert.

Die Längen werden in cm auf eine Nachkommastelle genau gemessen, auf eine ganze
Zahl gerundet und dann zur Flächegröße multipliziert. Die Skalierung ist metrisch
(Verhältnisskala). Wenn ein Beitrag über mehr als eine Seite läuft, wird die
Gesamtfläche codiert.

bldflaec – [16] – Fläche des Bildelements – metrisches Skalenniveau


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Der Codierer erfasst die Fläche des Bildelements eines Beitrags in cm².
Kodierregel und operationale Definition: Freigestellte Bilder im Text werden
entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als Viereck ausgemessen und von der
Textfläche abgezogen.
Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird
die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche
gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der
Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert.

Die Längen werden in cm auf eine Nachkommastelle genau gemessen, auf eine ganze
Zahl gerundet und dann zur Flächengröße multipliziert. Die Skalierung ist metrisch
(Verhältnisskala). Die cm²-Menge wird auf eine ganze Zahl gerundet.

Es gelten folgende Spaltenbreiten:

• 1 Spalte = 6 cm

• 2 Spalten = 12 cm
Anhang A11

• 3 Spalten = 19 cm

• 4 Spalten = 25 cm

• 5 Spalten = 31 cm

• 6 Spalten = 37 cm

Wenn ein Beitrag mehr als ein Bild enthält, werden die Flächen addiert, analog zum
Verfahren bei dem Fließtext eines Artikels beigestellten Infokästen.

Freigestellte Bilder werden entsprechend der jeweils größten Ausdehnung als Viereck
ausgemessen.

btrflaec – [17] – Gesamtfläche des Beitrags – metrisches Skalenniveau


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H22, H23, H24

Definition: Der Codierer addiert die Ausprägungen der Merkmale bldflaec und bldflaec
des Beitrags.
Sind Bildelemente innerhalb einer Textfläche platziert und vom Text umflossen, wird
die Text- und Beitragsfläche so ausgemessen: Zunächst wird die gesamte Beitragsfläche
gemessen. Dann wird die Bildfläche gemessen. Die Bildfläche wird von der
Beitragsfläche abgezogen. Das Ergebnis wird als Textfläche codiert.

Kategorien zur Gestaltung des Beitrags

btrserie – [18] – Beitrag Teil einer Serie – nominales Skalenniveau


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Codiert wird, ob der ausgewertete Beitrag Teil einer gekennzeichneten


Reihe oder ein Einzelbeitrag ist.

Kodierregel und operationale Definition:

1. = Teil einer Serie


2. = Einzelbeitrag

txtquell – [19] – publizistische Quelle des Textelements – nominales Skalenniveau


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21

Definition: Dieses Merkmal soll Auskunft geben, wie groß die Anteile von Eigen-,
Agentur- und Gastbeiträgen im Textteil des Feuilletons sind.

• Namentlich gekennzeichnete Beiträge ohne zusätzliche Informationen über den


Autor werden als Eigenbeiträge gezählt – gleich ob ein fest angestellter Redakteur
oder freien Mitarbeiter sie verfasst hat. Als Eigenbeiträge wertet der Codierer auch
mit dem Zeitungskürzel (FAZ, beziehungsweise SZ) gekennzeichnete Texte.
Anhang A12

• Steht in der Spitzmarke oder am Fuß des Beitrags ein Agenturkürzel (zum Beispiel
ap, afp, ddp, dpa, epd, rtr)
• Der Codierer erfasst einen Artikel als Beitrag eines Gastautors, wenn in einem Vor-
oder Nachspann Informationen über die Person enthält (zum Beispiel „Der Autor
lehrt Soziologie an der Universität Göttingen.“)
• Als Übernahme gilt ein Beitrag – auch der eines Gastautors -, wenn der Leser über
eine anderweitige Veröffentlichung informiert wird. So zum Beispiel bei
Vorabdrucken von Prosa durch den Hinweis auf Verlag und Erscheinungsjahr, bei
Nachdrucken von Zeitschriftenbeiträgen durch den Hinweis auf das Medium, bei
dokumentierten Reden durch einen Hinweis auf Ort, Anlass und Zeitpunkt der
gesprochenen Rede.
Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich
1. = Eigenbeitrag
2. = Agenturbeitrag
3. = Beitrag eines Gastautors (exklusiv)
4. = Übernahme / Dokumentation Rede
5. = Übernahme / Vorabdruck Buchpublikation
6. = Übernahme aus anderer Zeitung oder Zeitschrift
99. = Beitrag enthält kein Textelement

txtform – [20] – Journalistische Darstellungsform des Textelements – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Zur Erfassung von Textlängen, Textthemen und Textanlässen existieren


eigene Kategorien. Sie können nur in wenigen – unten aufgeführten - Fällen als
zusätzliche Indikatoren für die Darstellungsform genutzt werden. Die Darstellungsform
des Textelements bestimmt der Codierer vor allem anhand der „funktionalen Bausteine“
(STEGERT, 1998, S. 325), die hier für jede codierbare Darstellungsform13 aufgeführt
sind:
Meldung/Nachricht = Meldungen im harten Nachrichtenstil informieren
„... unpersönlich und sachlich über die vier Ws im Zusammenhang mit dem Ereignis:
über den Vorgang selbst (Was), über die daran beteiligten Personen (Wer), über den
Zeitpunk (Wann) und den Ort (Wo). (REUMANN, 1999, S. 95). Diese Informationen
ordnet der Autor nach einem festen Schema: „Im ersten, obersten Segment sind alle
wichtigen Inhalte der Nachricht zusammengefasst. In den weiteren Segmenten folgen
die Details, die der für das Thema interessierte Leser gewiss durchstudieren wird,

13
Für die Bestimmung der nichtformalen Kategorien wurden die gedruckten Ausgaben von FAZ und SZ
vom September 2003 durchgesehen, sowie die tägliche Feuilletonschau auf www.perlentaucher.de.
Anhang A13

während sie der am Thema nicht so interessierte Leser einfach auslassen kann.“
(CSOKLICH, 1996, S. 52). Dieser Aufbau wird im Feuilleton nicht immer durchgehalten,
jedoch ist er durchaus ein Indikator, da Materialsichtung und Pretest das von Stegert
festgestellte Fehlen dieses Schemas in Feuilletonmeldungen nicht bestätigt haben.
Abzugrenzen von der Meldung sind Ereignisbericht und Hintergrundbericht (s.u.).
Ereignisbericht = Der Ereignisbericht unterscheidet sich von der Meldung
vor allem durch die Länge, das weniger streng eingehaltene Schema und oft auch durch
den Verfassertyp. Bei beiden Formen dominiert als sprachliche Handlung „das
Mitteilen, dass (etwas der Fall ist)“ (Stegert, 1998, S. 325). Wie Stegert codiert der
Codierer dieser Untersuchung Texte mit diesem Sprachgestus bei einer Länge von
weniger als 40 Druckzeilen als Meldung, bei mehr als 40 Druckzeilen als
Ereignisbericht. Durch diesen zusätzlichen Raum in Ereignisberichten können die
Autoren – meist Mitarbeiter der Zeitung nicht Agenturen – sich etwas vom klassischen
nachrichtlichen Aufbau entfernen, Details schildern und Protagonisten oder Betroffene
in direkter Rede zu Wort kommen lassen.
Hintergrundbericht = Was beim Ereignisbericht die Faktenschilderung ergänzt,
steht im Mittelpunkt des Hintergrundberichts: „nicht nur die vier unerläßlichen W’s,
sondern auch das Wie und das Warum“ (Reumann, 1999, S. 98). Der Autor beschreibt
Hintergründe, Zusammenhänge, Vorgeschichte und mögliche Folgen eines aktuellen
Ereignisses nicht nur vereinzelt sondern im gesamten Text weit umfassender als das
aktuelle Ereignis. Er weicht dabei stärker als in jeder anderen berichtenden
Darstellungsform vom schematischen Prinzip des Aufbaus einer Nachricht nach
abnehmender Wichtigkeit ab. Obgleich jede Analyse auch wertet, enthält der
Hintergrundbericht keine direkte Kommentierung. Der Autor konzentriert sich auf das
„Einordnen und Vergleichen, das Erläutern und Erklären, auch das Analysieren und
Deutschen, nicht das Bewerten“ (Stegert, 1998, S. 326).
Essay = Die Darstellungsform Essay wird hier weiter als gemeinhin verstanden.
Die Definition folgt weitgehend der Stegerts (STEGERT, 1998, S. 326). Als Essay wird
ein Text codiert, in dessen Mittelpunkt nicht ein Kunstprodukt oder ein Ereignis steht,
sondern ein nicht an Aktualität gebundenes Thema. Kunstwerke und Nachrichten
können aber durchaus aktueller Anlass sein. Der Autor eines Essays analysiert größere
Entwicklungen und Zusammenhänge: „Der Essay konzentriert sich zwar auf ein Thema,
doch er behandelt es, als wäre es die Welt.“ (REUMANN, 1999, S. 112) Anders als im
Hintergrundbericht jedoch können die Schlussfolgerungen spekulativer sein. Im Essay
stellt der Autor stärkere Thesen auf als in Hintergrundberichten. Das Ziel ist es, den
Leser nicht mit Details zu ersticken, sondern ein Raster für die Einordnung zu ziehen,
„... eine für natürliche Prozessoren – d.h. für bürgerliche Leser - faßbare
Darstellungsebene ...“ (SLOTERDIJK, 1994, S. 57). Als Quelle der Thesen reicht im
Essay auch allein die Person des Autors, während in Hintergrundberichten die Autoren
oft Vertreter verschiedener Ansichten als Sprecher bemühen oder die Ansichten
zumindest bestimmten überindividuellen Gruppierungen zuschreiben. Der Verfasser
Anhang A14

eines Essays hingegen verfährt „... gerne assoziativ und anschauungsbildend, er


unterhält seinen fiktiven Partner, den Leser oder Hörer, im geistigen Gespräch und
versucht, dessen Bildung, Denken und Phantasie erlebnishaft einzusetzen.“ (PÜRER,
1996b, S. 202) Abgesehen von diesen Kennzeichen der essayistischen Argumentation,
beziehungsweise Thesendarlegung, sind sonstige Stilmerkmale oder gar die Textlänge
nicht als entscheidende Indikatoren für einen Essay anzusehen. Denn: „... Aussagen
über den literarischen Charakter des Essays und stilistische Forderungen definieren
nicht die Beitragsform, sondern formulieren lediglich Qualitätskriterien.“ (STEGERT,
1998, S. 327)
Reportage/Feature = Die Reportage beschreibt und erzählt ein Geschehen. Der
Autor verfolgt mit Dramaturgie, Perspektive und szenischer Beschreibung die Erfüllung
dieser Funktion: „... Leser am Geschehen geistig und emotional teilhaben, sie
miterleben lassen durch die authentische Erzählung.“ (HALLER, 1995, S. 62). Die
Reportage ist somit ein „... tatsachenbetonter, aber persönlich gefärbter
Erlebnisbericht.“ (REUMANN, 1999, S. 102).
Das Feature wählt oft einen ähnlich engen Fokus auf das Geschehen, jedoch, um eine
andere Funktion zu erfüllen als die Reportage: „Es gibt hier gar kein einmaliges und
besonderes Geschehnis, an dem der Leser teilhaben könnte; der Artikel soll vielmehr
das Thema (...) an einem exemplarischen ‚Fall’ anschaulich und zugleich das mit dem
Thema verbundene Problem durchsichtig machen: die abstrakt-allgemeine und eine
konkret sinnliche Ebene werden miteinander verknüpft.“ (HALLER, 1995, S. 75)
Portrait = Wichtigster Indikator für die Darstellungsform Portrait ist das
zentrale Thema: Eine Person, kleine Gruppe von Menschen oder bisweilen auch eine
Institution wird vorgestellt, beschrieben, charakterisiert und dabei in eigenen
Äußerungen wiedergegeben (vgl. STEGERT, 1998, S. 332). Ähnlich wie in einem
Hintergrundbericht wählt der Autor auch hier durch eigene Analyseleistung bestimmte
Fakten aus, an denen er beispielhaft den Portraitierten beschreibt. Im Mittelpunkt des
Portraits stehen deshalb „... jene Teile der Biographie, die beispielhaft sind – im
positiven wie im negativen Sinne.“ (PÜRER, 1996b, S. 201)
Nachruf = Nachrufe sind eine besondere Form des Portraits. „Sie markieren
Daten, Lebenslauf, Lebenssituationen, Skizzen und Deutungen des Werdegangs und
wägen Leistungen oder auch Mißerfolge ab.“ (PÜRER, 1996b, S. 201) Der Nachruf ist
also ein Portrait aus weit höherer Perspektive.
Interview/Gespräch = Wesentliches Merkmal eines Interviews ist die Struktur
des Wechsels von Fragen (des Interviewers) und Antworten (des Interviewten). Von
Journalisten moderierte Gespräche werden ebenfalls als Interview codiert, da auch hier
Personen in direkter, dialogischer Rede zu Wort kommen. Die Funktion – den
Interviewten seine Position zu bestimmten Sachfragen entlocken oder seine
Persönlichkeit in direkter rede darstellen (lassen) – bleibt ähnlich, die Wege dorthin sind
jedoch andere.
Anhang A15

Kommentar = „Der Kommentar interpretiert und bewertet aktuelle Ereignisse


und Meinungsäußerungen. (...) Er argumentiert, indem er Tatsachen in Zusammenhänge
stellt, das Entstehen von Meinungen untersucht und deren Bedeutung diskutiert.“
(REUMANN, 1999, S. 110) Hierin kann der Kommentar einem Hintergrundbericht
ähneln, doch die Funktion der Analyse ist eine andere: „Der analysierende Kommentar
(...) argumentiert, wägt Argumente ab, erklärt, zieht logische Schlussfolgerungen und
baut darauf seine Meinung auf.“ (MAUERER, 1996, S. 179) Diese eindeutige
Meinungsäußerung als Schlussfolgerung der Argumentation ist unabdingbares Element
eines Kommentars.
Glosse = Eine Glosse ist kein kurzer Kommentar. Indikator für die
Darstellungsform Glosse ist auch nicht eine Positionierung am Seitenrand. Vielmehr ist
die Glosse ein „kurzer pointiert geschriebener Meinungsbeitrag, der sich satirischer
Mittel bedient, der in der Sprache feuilletonistisch und in der Sache universell ist.“
(CAMEN, 1984, S. 219, zit. Nach STEGERT, 1998, S. 327). Kennzeichen sind: Ironie und
Satire als Stilmittel, ungewöhnliche, originelle Wörter auch aus der Umgangssprache
und Dialekten (REUMANN, 1999, S. 112). Kurz: Die Glosse wird heute in der Regel als
„... ironischer Kurzkommentar zu einem politischen oder kulturellen Sachverhalt ...“
(ROHMER, 1996, S. 1012) verstanden.
Feuilleton = Hier wird das Feuilleton als Form codiert. „In einem Feuilleton
werden in der Regel also (kleine) Einzelheiten und Zufälligkeiten des Tages in sehr
subjektiver, sehr persönlicher und menschlicher Betrachtung dargestellt, dabei klingt
Wesentliches an und wird Allgemeingültiges geistig wirksam.“ (PÜRER, 1996b, S. 202).
Rezension/Kritik = Auch wenn beide Begriffe in Deutschland oft synonym –
anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten (vgl. TITCHENER, 1988, S. 2 ff.)-
verwendet werden, ist eine Differenzierung nötig: „Die Rezension ist eine Beitragsform,
die Kritik zunächst einmal eine sprachliche Handlung, die Teil des Rezensierens sein
kann, ...“ (STEGERT, 1997, S. 99f.) Wichtig ist auch die thematische Einschränkung, im
Sinne, dass der Ausdruck Rezension „nur für Texte über kulturelle Ereignisse
verwendet“ (STEGERT, 2001, S. 1725) wird.
Rezension ist daher differenziert zu definieren als „Beitrag in einem öffentlichen
Medium (...), mit dem ein Journalist für möglichst viele Leser ein rezipiertes
Kulturereignis (...) unter anderem beschreibt, erklärt, einordnet, deutet und/oder
bewertet. Denn dies sind konstitutive Handlungen des Rezensierens. Auswahl und
Anordnung sind weder regelhaft noch prototypisch. Nicht konstitutiv, aber
charakteristisch für die Rezension ist, daß sie offen ist für vielfältige sprachliche
Handlungen (...), auch für solche, die in anderen journalistischen Textsorten unüblich
oder sogar ausgeschlossen sind, etwa das Empfehlen oder Abraten ...“ (STEGERT, 1997,
S. 103) Die Rezension beschreibt in jedem Fall das entsprechende Kulturprodukt,
bezieht zum Teil auch als Hintergrund Informationen über den Kulturproduzenten und
die Kultursparte, Stilrichtung ein. Ähnlich wie im Kommentar greifen in einer Kritik
Analyse und Bewertung ineinander: „Kritik und Rezension bewegen sich inhaltlich
Anhang A16

zwischen Tatsachenbericht und fachlicher, jedoch persönlich-subjektiv gefärbter


Betrachtung und Interpretation. In der Regel steht am Beginn der Rezension die
Darstellung von Fakten, also die Wiedergabe des Inhaltes eines Theaterstücks, einer
Oper, (...). Mit dieser eher sachorientierten Informationen soll der Zeitungsleser (...) die
Grundlagen für das Verständnis der nachfolgenden kritischen Betrachtung erhalten.“
(PÜRER, 1996b, S. 202).
Presseschau = Diese Beitragsform beschränkt sich lediglich auf – freilich
sortierende und in Beziehung setzende – Zusammenfassungen verschiedener Beiträge in
nationalen wie internationalen Fachzeitschriften und der Publikumspresse. Oft wählt der
Verfasser Beiträge unterschiedlicher Organe zu einem Thema aus, die er vergleicht und
so zu einem Gesamtbild komponiert. Eigene Aussagen über das Thema wie auch
explizite Wertungen der Qualität der Beiträge kommen nicht vor.
Redaktionelle Hinweise = Inhaltsverzeichnis, Verweise auf Beiträge in
kommenden Ausgaben, sonstige Hinweise zum redaktionellen Angebot
Literatur = Kurzgeschichten, Lyrik, in Fortsetzungen abgedruckte Romane,
Autobiografien, Erinnerungen, Briefe
Bildunterschrift = Als Bildunterschrift zählen die häufig den für sich als
Beitrag stehenden Bildelementen beigestellten Kurztexte. Wichtigstes Merkmal: Das
Layout mit meistens nur einer kleinen Hauptzeile ohne Unterzeile in der Überschrift
weist sie als nichteigenständige Artikel aus. Der Text bezieht sich meist direkt auf das
Bild, zudem sind am Textende meist Urheberinformationen zum Bildelement
verzeichnet.
Termindokumentation = Veranstaltungskalender, Rundfunkprogramm,
Übersicht der Neuerscheinungen. Wesentliches Merkmal: Sammlung von
Ankündigungen mit dem Ziel zu informieren, wann und was stattfindet. Bewertung,
Einordnung sind nicht Funktionen solcher Ankündigungen.
Sammelrezension = Der Autor bezieht zwei oder mehr kulturelle
Manifestationen in einem Text aufeinander. „In Sammelrezensionen besonders viel
verglichen, eingeordnet und aneinander gemessen.“ (STEGERT, 1997, S. 100)
Rede = Eine dokumentierte Rede.
Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich.
Sofern ein Beitrag aus mehr als einem Textelement – meist einem zusätzlich dem
Fließtext beigestellten Infokasten – besteht, so wird hier allein das größere Textelement
codiert.
01. = Meldung / Nachricht
02. = (Ereignis-)Bericht
03. = Hintergrundbericht
04. = Essay
Anhang A17

05. = Reportage/Feature
06. = Portrait (außer Nachruf)
07. = Nachruf
08. = Interview
09. = Kommentar
10. = Glosse
11. = Feuilleton
12. = Rezension/Kritik
13. = Presseschau
14. = Redaktionelle Hinweise
15. = Literatur / Lyrik (Abdrucke / Exlusivveröffentlichungen von
Kurzgeschichten, Romanen, Biographien, Autobiographien und ähnlichem)
16. = Bildunterschrift
17. = Veranstaltungskalender/Rundfunkprogramme
18. = Sammelrezension
19. = Rede
98. = sonstige Darstellungsform
99. = Beitrag enthält kein Textelement

btrrubri– [21] – Rubriktitel – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Rubriktitel ordnen Artikel bei wechselnden Autoren, Themen und


Überschriften in ein bestimmtes Themengebiet, bisweilen auch eine bestimmte
Darstellungsform ein. Ein Rubriktitel steht meist über dem Titel (Schlagzeile und
Unterzeile) des Artikels, oft als Dachzeile. So zum Beispiel „Star-Album“ in der
Süddeutschen Zeitung oder „Natur und Wissenschaft“ und „Literatur“ in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Sonderfall der Rubrik ist die Kolumne als ein
festes Format für Glossen und Kommentare codiert, das den Lesern durch eine feste
Kolumnenrubrik und oft auch gestalterische Elemente wie ein Signet bei wechselnden
Autoren (vgl. MAST, 2000, S. 266) und Überschriften Kontinuität signalisiert. So zum
Beispiel „Zwischenzeit“ in der Süddeutschen Zeitung, „Update“ oder „Sitzplatz“ in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Erfassung solcher Objekte soll Anhaltspunkte für
das Bemühen des Mediums um eine leserfreundliche grafische Aufbereitung der
Informationen geben.
Kodierregel und operationale Definition:
Anhang A18

01. = Beitrag mit Rubriktitel


02. = Beitrag ohne Rubriktitel

btrzwiti– [22] – Zwischentitel – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Zwischentitel lockern als optisch hervorgehobene Zwischenüberschriften im


Fließtext einen Beitrag nicht nur auf, sondern können ihn auch für den Leser beim
Überfliegen erkennbar gliedern und ähnlich, wie Überschriften zum Einsteigen in den
Text verleiten.
Kodierregel und operationale Definition:

01. = Beitrag mit Zwischentitel


02. = Beitrag ohne Zwischentitel

btrinfok– [23] – Infokasten – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Als Infokasten zählt der Codierer optisch vom Fließtext getrennte, gebündelt
präsentierte Informationen zu einem Beitrag. Zum Beispiel: die Lebensdaten eines
Protagonisten, eine knappe Chronologie der im Beitrag dargestellten Ereignisse, eine
Auflistung der Preisträger bei einer Oscarverleihung oder Informationen zu einem
besprochenen Kulturprodukt.
Kodierregel und operationale Definition:

01. = Beitrag mit Infokasten


02. = Beitrag ohne Infokasten

btrendab– [24] – markanter Endabsatz – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition:. Der letzte Absatz des Fließtextes, optisch meist durch kursive oder fette
Schrift hervorgehoben. Zudem oft durch eine Leerzeile vom Fließtext getrennt. Enthält
bisweilen Informationen über den Verfasser des Beitrags, meist den fachlichen /
beruflichen Hintergrund oder aber die Position innerhalb einer Debatte betreffend.
Ebenfalls oft in dieser Form vom Fließtext abgehoben sind Servicedaten zu einem
Kulturprodukt, die dem Leser den Zugang erleichtern sollen. Das sind zum Beispiel bei
einem Buch: Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Verlag, Preis.
Kodierregel und operationale Definition:

01. = Beitrag mit markantem Endabsatz


02. = Beitrag ohne markanten Endabsatz
Anhang A19

bldform – [25] – Form des Bildelements – nominale Skalierung


zu: H7, H8, H9, H19, H20, H21 H27

Definition: Dieses Merkmal soll Aufschluss über die Vielfalt des Bildmaterials im
Feuilleton geben. Eine Auswertung der Urheber ist aus forschungsökonomischen
Gründen leider nicht möglich. Die Vorauswertung ergab, dass im Bildnachweis oft
allein der Name des Fotografen angegeben ist, dieser jedoch nicht im Auftrag der
Zeitung sondern zum Beispiel für die veranstaltenden Theater arbeitet. Der
Rechercheaufwand hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt.
Kodierregel und operationale Definition: Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich.
Wenn ein Beitrag mehr als ein Bild enthält, wird hier allein das flächenmäßig größere
Bildelement codiert, analog zum Verfahren bei dem Fließtext eines Artikels
beigestellten Infokästen.

01. = Fotografie eines kulturellen Ereignisses (Theateraufführung, Konzert,


Performance)
02. = Reproduktionen (von Gemälden, Zeichnungen, Kunstfotografien,
Filmausschnitt)
03. = Fotografie anders
04. = Karikatur
05. = Cartoon
06. = Informationsgrafik
98. = anderes Bildelement
99. = Beitrag enthält kein Bildelement

Kategorien zum Inhalt des Beitrags

btrobthe – [26] – Hauptoberthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Als Themenfelder werden nicht allein die klassischen Kultursparten erfasst.
Ein so beschränktes Kategorienschema würde die mögliche thematische Breite als
Besonderheit der Feuilletons von FAZ und SZ qua Anlage ungenügend erfassen. Um
solche Beiträge zu erfassen, wurde das Kategorieschema um Oberbegriffe wie „Politik,
Zeitgeschehen, Gesellschaft“ und „Wissenschaft, Forschung, Technologie“ ergänzt.
Die Kultursparten als Oberkategorien und die Genres oder Gattungen als
Unterkategorien wurden zum Teil von Stegert (STEGERT, 1998, S. 312f.) übernommen,
jedoch entsprechend dem Gegenstand und Ziel dieser Forschungsarbeit an einigen
Stellen gekürzt, an anderen ergänzt.
Sachbücher werden nicht nach Kultursparten und sonstigen Themenfeldern getrennt
codiert. Der Grund: Verfährt man so, ist eine ähnliche Differenzierung beim
Dokumentarfilm, der Fernsehkritik, auch der Belletristik im Bereich der bildenden
Anhang A20

Kunst nicht stichhaltig abzulehnen. Denn alle Kulturprodukte thematisieren mehr als
sich selbst. Eine Analyse dieser Ebene in nur einem Bereich würde die Ergebnisse der
Untersuchung verzerren – so wünschenswert diese Differenzierung in allen
Kulturbereichen wäre, so wenig ist mit den beschränkten zeitlichen Ressourcen im
Rahmen einer Diplomarbeit zu leisten.
Das gewählte Kategorieschema erlaubt auch so eine systematische Auswertung
thematischer Schwerpunkte. So würde zum Beispiel das Hauptthema einer Glosse über
die jungen, virilen Alten im Kunstbetrieb und anderswo als Oberkategorie
Zeitgeschehen und Unterkategorie Gesellschaft codiert werden, auch wenn der
Glossenverfasser als aktuellen Aufhänger ein neu erschienenes Sachbuch zum
Generationenkonflikt aufführt und konkrete Beispiele für seine Thesen aus dem
Kunstbetrieb schöpft. Denn das Hauptthema muss – und kann dank des verwendeten
Kategorieschemas – vom aktuellen Anlass und vom Fokus des Beitrags getrennt
werden. Aktueller Anlass wäre beim gegebenen Beispiel „Erscheinen neuer
Kulturprodukte > Buchveröffentlichung“ und als Fokus des Beitrags würde der
Codierer „Kultur und Gesellschaft > Analyse aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen
und ihrer Spiegelung in der Kulturproduktion“ erfassen.

Abdrucke von literarischen Text – also etwa Kurzgeschichten oder


Fortsetzungsromanen – sowie von Lyrik werden als Ausprägungen „Literatur >
Belletristik“, beziehungsweise „Literatur > Lyrik“ codiert. Der Grund: Diese Texte, ihre
Themen und deren Gestaltung werden nicht von der Redaktion in Auftrag gegeben.
Auch die Auswahl folgt anderen Grundsätzen als die tagesaktuelle
Feuilletonproduktion. Bei dokumentierte Reden hingegen wird das Thema codiert.

Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Oberkategorie (Spalte 1), und zwar zweistellig.

Die Kategorien sind exklusiv. So ist also zum Beispiel ein Nachruf auf den Theater- und
Filmregisseur Elia Kazan thematisch als „Film > Spielfilm“ zu codieren, wenn Kazans
Filme im Mittelpunkt des Beitrags stehen, auch wenn daneben Kazans Theaterarbeit
und politische Rolle in der McCarthy-Ära thematisiert werden. Sollte tatsächlich
mehrere Kultursparten oder Themenfelder den Beitrag gleich stark dominieren, so steht
die Oberkategorie „Allgemeines, Sparten übergreifendes“ für die Codierung zur
Verfügung.
Anhang A21

btrobthe – [26] btruthe – [27] btruuthe – [28]


01 Allgemeines, Sparten 0101 Veranstaltungen (Tagungen, Ausstellungen, Auszeichnungen
übergreifendes 0102 Institutionen (Institutionen, Verbände, Unternehmen, kulturpolitische Gremien)
0103 Veranstaltungshinweise
0104 Personen
0105 Kulturpolitik
0198 anders spartenübergreifend
02 Bildende Kunst 0200 Bildende Kunst subspartenübergreifend
0201 Bildende Kunst Veranstaltungshinweise
0202 Malerei / künstlerische Druckgraphiken / Radierungen / Fresken
0203 Bildhauerei
0204 Karikatur
0205 Installationen / Videokunst
0206 Computer-/Netzkunst
0207 Computer- und Videospiel
0208 Fotografie
0209 Comic / Cartoon
0298 Bildende Kunst andere Subsparte
03 angewandte Kunst 0300 angewandte Kunst subspartenübergreifend
0301 angewandte Kunst Veranstaltungshinweise
0302 Mode
0303 Design (Autos, Computer, Möbel)
0304 Kunsthandwerk
0305 Werbegestaltung
0398 angewandte Kunst andere Subsparte
04 darstellende Kunst 0400 darstellende Kunst subspartenübergreifend
0401 darstellende Kunst Veranstaltungshinweise
0402 Schauspiel (Sprechtheater)
0403 Oper / Operette
0404 Musical
0405 Tanztheater/Ballett
0406 Kabarett
0407 Kindertheater
0498 darstellende Kunst andere Subsparte
05 Literatur 0500 Literatur subspartenübergreifend
0501 Literatur Veranstaltungshinweise
0502 Belletristik
0503 Lyrik
0504 Sachbücher
0505 Biografien
0506 Autobiografien / Tagebücher / Briefe
0507 Kinder-/Jugendliteratur
0598 Literatur andere Subsparte
06 Musik 0600 Musik subspartenübergreifend
0601 Musik Veranstaltungshinweise
0602 Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts
0603 Weltmusik
0604 Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz)
0605 Songwriter, Folk, Country
0606 Rock (z.B. Grunge, Rockabilly)
0607 Pop
0608 Alternative (Gothic, Punk, Industrial)
0609 Rap, HipHop
0610 R&B, Soul
0611 Reggae, Ska, Dub
0612 Elektronik (House, Drum’n’Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat)
0613 Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal)
0698 Musik andere Subsparte
07 Baukunst 0700 Baukunst subspartenübergreifend
0701 Baukunst Veranstaltungshinweise
Anhang A22

0702 repräsentative staatliche / privatwirtschaftliche Bauten (Museen, staatliche


Gebäude, Bürogebäude)
0703 Nutzbauten mit geringerer Repräsentationsfunktion (Flughäfen, Brücken,
Wohnhäuser)
0704 Denkmäler, Mahnmale
0705 Städtebau, Stadtplanung
0706 Denkmalschutz und –pflege, Baudenkmäler
0798 Baukunst andere Subsparte
08 Kino 0800 Kino subspartenübergreifend
0801 Kino Veranstaltungshinweise
0802 Spielfilm
0803 Kurzfilm
0804 Dokumentarfilm
0898 andere Subsparte
09 andere Medien 0900 andere Medien
subspartenübergreifend
0901 andere Medien
Veranstaltungshinweise
0902 Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen)
0903 nur Hörfunk
0904 nur Fernsehen (auch Kinofilme im
TV)
0905 Presse
0906 Internet
0907 Werbung
0998 andere Subsparte
10 Wissenschaft / Forschung 1001 Wissenschaft / Forschung /
100100 subspartenübergreifend
/ Technologie Technologie subspartenübergreifend
1002 Wissenschaft / Forschung /
100200 Veranstaltungshinweise
Technologie Veranstaltungshinweise
1003 Naturwissenschaft / Technik 100300 Naturwissenschaft
subspartenübergreifend
100301 Biologie / Gentechnologie
100302 Chemie
100303 Geowissenschaften
100304 Mathematik
100305 Medizin
100306 Physik
100307 Informatik /
Informationstechnologie
100308 Nanotechnologie
100309 Astronomie / Raumfahrt
100310 Agrarwissenschaft
100398 Naturwissenschaft anders
1004 Sozialwissenschaften 100400 Sozialwissenschaften
subspartenübergreifend
100401 Politische Wissenschaft
100402 Soziologie
100403 Kommunikationswissenschaft
100404 Psychologie
100405 Pädagogik
100498 Sozialwissenschaften anders

1005 Geisteswissenschaften 100500 Geisteswissenschaften


subspartenübergreifend
100501 Kulturwissenschaften
100502 Sprach- und
Literaturwissenschaften
100503 Philosophie
100504 Religionswissenschaft
100505 Geschichtswissenschaft
Anhang A23

100506 Archäologie
100507 Kunstgeschichte /
Kunstwissenschaft
100508 Ethnologie
100509 Musikwissenschaft
100598 Geisteswissenschaft anders
1006 Technik (Automobile, Bahntechnik,
Mobiltelefone, Satellitennavigation)
1098 Wissenschaft / Forschung / 109800 Wissenschaft / Forschung /
Technologie anders Technologie anders
11 Bildung und Erziehung 1101 Bildung und Erziehung subspartenübergreifend
1102 Bildung und Erziehung Veranstaltungshinweise
1103 allgemein bildende Schulen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium,
Sonderschule, etc.)
1104 berufliche Schulen (Berufsschule, Fachoberschule, etc.)
1105 Hochschulen
1106 Erwachsenenbildung
1198 Bildung und Erziehung anders
12 Zeitgeschehen 1201 Zeitgeschehen 120100 Zeitgeschehen subspartenübergreifend
subspartenübergreifend 120200 Zeitgeschehen Veranstaltungshinweise
1202 Zeitgeschehen
Veranstaltungshinweise
1203 Politik 120301 Internationale Politik
120302 Innenpolitik Deutschlands
120303 Innenpolitik anderer Staaten
120304 politische Kultur
120398 Politik anders
1204 Gesellschaft 120401 demografische Entwicklung
120402 Religion
120403 Alltagsbeobachtungen / Trends
120404 Sexualität / sexuelle Diskriminierung
120405 Minderheiten
120406 Sprache
120407 Justiz
120408 Umwelt
120498 Gesellschaft anders
1205 Wirtschaft 120500 Wirtschaft
1206 Geschichte 120600 Geschichte subspartenübergreifend
120601 bis 1871 und heutiger Umgang mit der Zeit
120602 1871 bis 1933 und heutiger Umgang mit der
Zeit
120603 1933 bis 1945 und heutiger Umgang mit der
Zeit
120604 ab 1945 und heutiger Umgang mit der Zeit
120698 Geschichte anders
1207 Naturkatastrophe/Unglück 120700 Naturkatastrophe/Unglück
1208 Sport 120800 Sport

1298 Zeitgeschehen anders 129800 Zeitgeschehen anders

99 kein Textelement 9900 kein Textelement 990000 kein Textelement

btruthe – [27] – Hauptunterthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26
Anhang A24

Definition: Hier wird das Hauptunterthema des Beitrags gemäß des zu Variable btrobthe
– [26] dargelegten Schemas und Vorgehens codiert.

Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Unterkategorie (Spalte 2 im Schema zu Variable btrobthe – [26]), und zwar vierstellig.
Die Kategorien sind exklusiv.

btruuthe – [28] – Hauptunterunterthema des Beitrags im Textelement – nominale Skalierung


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Hier wird das Hauptunterunterthema des Beitrags gemäß des zu Variable
btrobthe – [26] dargelegten Schemas und Vorgehens codiert.

Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Unterunterkategorie (Spalte 3 im Schema zu Variable btrobthe – [26]), und zwar
sechsstellig. Ist keine Unterunterkategorie für die codierte Ober- und Unterkategorie
vorhanden, wird an die bereits für die Unterkategorie ermittelte Ziffern der Wert 00
angehängt. Die Kategorien sind exklusiv.

btrkultb – [29] – Kulturteilbereich des Hauptthemas im Textelement – nominales Skalenniveau


zu: H4, H5, H6, H16, H17, H18 H26

Definition: Dieses Merkmal soll Aufschluss über die Zugehörigkeit des Hauptthemas
des ausgewerteten Beitrags zu einem der eingangs definierten Kulturbereiche geben.
Der Codierer orientiert sich bei der Einordnung im wesentlichen nach den bereits
codierten Kultursparten. Lediglich in bestimmten Sparten, bei denen eine pauschale
Einordnung nicht vertretbar ist, orientiert sich der Codierer an den über die kulturelle
Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen, um es anhand der allgemeinen
Definitionen der einzelnen Kulturbereiche einem von ihnen zuzuordnen.
Zu populärer Kultur im engeren Sinn zählt unterhaltende Kultur, bei der Teilhabe
und als Folge Unterhaltung wichtiger sind als ein „richtiges“ Lesen des ästhetischen
Programms auf Basis notwendigen Vorwissens.

Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:


02 Bildende Kunst 0205 Karikatur
0208 Computer- und Videospiel
0210 Comic / Cartoon
04 Darstellende Kunst 0405 Musical
0407 Kabarett
0408 Kindertheater
06 Musik 0604 Weltmusik
0605 Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz)
0606 Songwriter, Folk, Country
0607 Rock (z.B. Grunge, Rockabilly)
0608 Pop
0609 Alternative (Gothic, Punk, Industrial)
0610 Rap, HipHop
0611 R&B, Soul
0612 Reggae, Ska, Dub
0613 Elektronik (House, Drum’n’Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat)
Anhang A25

0614 Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal)

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der
populären Kultur im engeren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem
weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle
Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der
allgemeinen Definitionen der populären Kultur im engeren Sinn ihr zuzuordnen oder
nicht:
02 Bildende Kunst 0209 Fotografie

04 Darstellende Kunst 0498 darstellende Kunst andere Subsparte

05 Literatur 0501 subspartenübergreifend


0503 Belletristik
0505 Sachbücher
0506 Biografien
0507 Autobiografien / Tagebücher / Briefe
0598 Literatur andere Subsparte
06 Musik 0601 subspartenübergreifend
0698 Musik andere Subsparte

08 Kino 0801 subspartenübergreifend


0802 Veranstaltungshinweise
0803 Spielfilm
0804 Kurzfilm
0805 Dokumentarfilm
0898 andere Subsparte

Populäre Kultur im weiteren Sinn Anders als Populäre Kultur im engeren Sinn ist der
primäre Zweck der Form nicht zwangsläufig die „ästhetische Synthese“ mit
„expressiven Symbolen“ im Sinne Saxers (1995, S. 5, sondern auch ein anderer – eher
auf unterhaltende Teilhabe als richtige, voraussetzungsvolle Lesart abzielender -
Nutzwert. So zum Beispiel bei Mode, Einrichtungs- oder Autodesign. Außerdem
umfasst dieses Feld zum Beispiel auch bestimmte Verhaltensweisen wie zum Beispiel
Flashmobbing, die gewöhnlich unter dem Begriff „Lifestyle“ zusammengefasst werden

Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:


03 angewandte Kunst 0301 subspartenübergreifend
0402 Veranstaltungshinweise
0303 Mode
0304 Design (Autos, Computer, Möbel)
0305 Kunsthandwerk
0398 angewandte Kunst andere Subsparte
07 Baukunst 0704 Nutzbauten mit geringerer Repräsentationsfunktion (Flughäfen,
Brücken, Wohnhäuser)
0706 Städtebau, Stadtplanung
09 andere Medien 0901 subspartenübergreifend
0902 Veranstaltungshinweise
0903 Hörfunk
0904 Fernsehen (auch Kinofilme im TV)
0905 Presse
0906 Internet
0907 Werbung
0998 andere Subsparte
Anhang A26

12 Zeitgeschehen 120403 Alltagsbeobachtungen /


1204 Gesellschaft
Trends
1207 Naturkatastrophe/Unglück

1208 Sport

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der
populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem
weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle
Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der
allgemeinen Definitionen der populären Kultur im weiteren Sinn ihr zuzuordnen oder
nicht:
07 Baukunst 0798 Baukunst andere Subsparte

12 Zeitgeschehen 1204 Gesellschaft 120498 Gesellschaft anders


1298 Zeitgeschehen anders

Hochkultur im engeren Sinn Die „sogenannten schönen Künste“ (STOLTE, 1989, S.


205) zeichnen sich der erarbeiteten Definition nach dadurch aus, dass ihr ästhetisches
Programm sie bei der Rezeption den Nachvollzug verlangt anstatt auch Unterhaltung
ohne besondere Voraussetzungen zu erlauben (vgl. genauere Definition in 2.1.2.3).

Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:


02 Bildende Kunst 0203 Malerei
0204 Bildhauerei
0206 Installationen / Videokunst
0207 Computer-/Netzkunst
04 Darstellende Kunst 0403 Schauspiel (Sprechtheater)
0404 Oper / Operette
0406 Tanztheater/Ballett
05 Literatur 0504 Lyrik
06 Musik 0603 Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts

07 Baukunst 0703 repräsentative staatliche / privatwirtschaftliche Bauten (Museen,


staatliche Gebäude, Bürogebäude)
0705 Denkmäler, Mahnmale
0707 Denkmalschutz und –pflege, Baudenkmäler
10 Wissenschaft / Forschung 100501 Kulturwissenschaften
/ Technologie 100502 Sprach- und
Literaturwissenschaften
1005 Geisteswissenschaften 100503 Philosophie
100504 Religionswissenschaft
100505 Geschichtswissenschaft
100598 Geisteswissenschaft anders
12 Zeitgeschehen 1206 Geschichte 120601 bis 1871
120602 1871 bis 1933
120603 1933 bis 1945
120604 ab 1945

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der
populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem
weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle
Anhang A27

Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der


allgemeinen Definitionen der Hochkultur im engeren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
02 Bildende Kunst 0209 Fotografie

04 Darstellende Kunst 0498 darstellende Kunst andere Subsparte


05 Literatur 0501 subspartenübergreifend
0503 Belletristik
0505 Sachbücher
0506 Biografien
0507 Autobiografien / Tagebücher / Briefe
0598 Literatur andere Subsparte
06 Musik 0601 subspartenübergreifend
0698 Musik andere Subsparte
07 Baukunst 0701 subspartenübergreifend
0798 Baukunst andere Subsparte

Hochkultur im weiteren Sinn umfasst „sowohl die ethisch-politische Kultur des


Handelns als auch die wissenschaftlich-technische Kultur des Machens“ (STOLTE, 1989,
S. 205; zit. nach WEIß, 1992, S. 734). Dieses Feld überschneidet sich wenig mit dem
Kulturbetrieb (vgl. 2.1.2.2). Ebenso wenig sind „Wissenschaft, Technik, Recht, Medizin
und Religion“ (WEIß, 1992, S. 734) der populären Kultur zuzuordnen, wenn man als ihr
Merkmal ein ästhetisches Programm der Unterhaltung als Teilhabe sucht. Auch die
Geisteswissenschaften, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Werken der Hochkultur
im engeren Sinne zum Beispiel in der Kunstgeschichte, sind also Hochkultur im
weiteren Sinne.

Als codierte Kultursparten zählen dazu zwingend:


10 Wissenschaft / 1003 Naturwissenschaft 100301 Biologie / Gentechnologie
Forschung / Technologie 100302 Chemie
100303 Geowissenschaften
100304 Mathematik
100305 Medizin
100306 Physik
100307 Informatik /
Informationstechnologie
100308 Nanotechnologie
100398 Naturwissenschaft anders
1004 Sozialwissenschaften 100401 Politische Wissenschaft
100402 Soziologie
100403 Kommunikationswissenschaft
100404 Psychologie
100405 Pädagogik
100498 Sozialwissenschaften anders
11 Bildung und 1101 subspartenübergreifend
Erziehung 1102 Veranstaltungshinweise
1103 allgemein bildende Schulen
(Grundschule, Hauptschule,
Realschule, Gymnasium,
Sonderschule, etc.)
1104 berufliche Schulen
(Berufsschule, Fachoberschule, etc.)
1105 Hochschulen
1106 Erwachsenenbildung
1198 Bildung und Erziehung anders
Anhang A28

12 Zeitgeschehen 1203 Politik 120301 Internationale Politik


120302 Innenpolitik Deutschlands
120303 Innenpolitik anderer Staaten
120304 politische Kultur
120398 Politik anders
1204 Gesellschaft 120401 demografische Entwicklung
120402 Religion
1205 Wirtschaft

Bei diesen codierten Kultursparten kann die thematisierte kulturelle Manifestation der
populären Kultur im weiteren Sinn zugeordnet werden, aber auch mindestens einem
weiteren Kulturbereich. Der Codierer muss sich an den über die kulturelle
Manifestation im Artikel getroffenen Aussagen orientiert, um sie anhand der
allgemeinen Definitionen der Hochkultur im weiteren Sinn ihr zuzuordnen oder nicht:
10 Wissenschaft / Forschung / Technologie 1098 Wissenschaft / Forschung / Technologie anders
12 Zeitgeschehen 1204 Gesellschaft 120498 Gesellschaft anders
1298 Zeitgeschehen anders

Kodierregel und operationale Definition: Die Kategorien sind exklusiv. Der Codierer
codiert die Kategorie als zweistellige Ziffer.

01. = populäre Kultur im engeren Sinn


02. = populäre Kultur im weiteren Sinn
03. = Hochkultur im engeren Sinn
04. = Hochkultur im weiteren Sinn
05. = populäre Kultur und Hochkultur im engeren Sinn
06. = populäre Kultur und Hochkultur im weiteren Sinn
98. = nicht klar zuzuordnen (z.B. bei gemischten Veranstaltungshinweisen)
99. = Beitrag enthält kein Textelement

btranlob – [30] –Anlass des Textelements Oberkategorie – nominales Skalenniveau


zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: Als Anlass wird der aktuelle Bezug des Beitrags, der Grund, warum er
gerade zu diesem Datum erscheint, verstanden. Der Text muss keineswegs das
Themenfeld bestellen, das durch den Anlass umgepflügt wurde. Ein Kinofilm über den
Drogenhandel kann zum aktuellen Aufhänger eines Textes über die Pharmaindustrie
gemacht werden, die Diskussion über die Pendlerpauschale Ausgangspunkt eines
Essays über Stadtentwicklung. Deshalb ist die getrennte Erfassung nötig. So kann
analysiert werden, welche aktuellen Ereignisse das Feuilleton für welche Verarbeitung
aufgreift.
Anhang A29

Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Oberkategorie und zwar zweistellig.

Eine Mehrfachcodierung ist nicht möglich.

01 Anlass aus dem Bereich populärer Kultur im engeren Sinn


02 Anlass aus dem Bereich populärer Kultur im weiteren Sinn
03 Anlass aus dem Bereich Hochkultur im engeren Sinn
04 Anlass aus dem Bereich Hochkultur im weiteren Sinn
05 Anlass außerhalb der Kultur im weitesten Sinn
06 nicht eindeutig zuzuordnen
07 populäre und Hochkultur im engen Sinne
08 populäre und Hochkultur im weiten Sinne
98 kein aktueller Anlass erkennbar
99 kein Textelement

btranlun – [31] –Anlass des Textelements Unterkategorie – nominales Skalenniveau


zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: vgl. btranlob – [30]


Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Unterkategorie, und zwar zweistellig. Die Kategorien sind exklusiv. Für alle
Oberkategorien kann aus derselben Menge an Ausprägungen als Unterkategorie gewählt
werden.
01 neues Produkt erscheint (auch Ausstellungseröffnung / Theaterpremiere / Filmstart /
Konzert)
02 Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse
03 Auszeichnung/Preisverleihung
04 Organisatorische Veränderung in Institutionen (neues Personal, Gründung,
Abwicklung, Wahlen, Arbeitskampf)
05 Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen (Gespräche, Verträge, Aufträge,
Gesetze, Prozesse)
06 Wirtschaftliche Nachrichten aus Institutionen (Bilanzen, Besucherzahlen)
07 institutionalisierte Veranstaltungen (Kongresse, Konferenzen, Jahrestagungen)
08 nicht-institutionalisierte Veranstaltungen (Demonstrationen)
09 Jahrestag / Todestag / Geburtstag / Jubiläum / Tod
10 Äußerungen von Funktionsinhabern / Künstlern / anderen Protagonisten, wenn diese
selbst Anlass sind und sich nicht auf solchen beziehen
11 Diskussion / Debatte über Thema allgemein als Anlass ohne konkrete neue
Ereignisse
Anhang A30

12 Trend (wenn im Beitrag behauptet und nicht auf z.B. wissenschaftliche


Veröffentlichung gestützt)
13 aktuelle Beobachtung eines nicht-aktuellen Gegenstand durch Verfasser
97 anderer Anlass
98 kein Anlass erkennbar
99 kein Textelement

btrfokob – [32] – Fokus des Textelements Oberkategorie – nominale Skalierung


zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: Der Fokus eines Beitrags ist mehr als das beackerte Themenfeld – es ist die
Vorgehensweise des Autors dabei. Merkmale wie aktueller Anlass, Themenfeld und
Darstellungsform können bestenfalls nur Indikatoren für die Strategie des vorliegenden
Textes sein. Zum Beispiel: Ein Essay thematisiert den Wandel der gesellschaftlichen
Rollen von Frauen, konkret Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und bei der
statistischen Lebenserwartung. Aktueller Aufhänger ist eine Studie über den Umgang
von Grundschullehrerinnen mit Schülern und Schülerinnen. Als Themenfeld erfasst der
Codierer also „Zeitgeschehen > Gesellschaft > demografische Entwicklung“ und als
aktuellen Anlass „Aktuelles Ereignis außerhalb des Kulturbetriebs > Veröffentlichung
der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die sich nicht mit Kulturprodukten /
Kulturproduktion beschäftigt“.
Damit ist aber ein Erkenntnisinteresse noch nicht befriedigt: Knüpft der vorliegende
Essay sein gesellschaftliches Hauptthema an Kulturthemen an? Der Autor könnte zum
Beispiel auf die Darstellung von Frauen in jüngeren Filmen, Theaterstücken und
Prosatexten verweisen, um seine Thesen zu illustrieren und zu veranschaulichen. Oder
der Beitrag bearbeitet sein Hauptthema ohne solche Brückenschläge auf Basis
soziologischer Untersuchungen. Den Unterschied erfasst der Codierer mit dem
Merkmal „Fokus des Beitrags“.
Zu beachten ist, dass diese mögliche Verknüpfung der Kultur im engeren mit der Kultur
im weiteren Sinne vom Autor im Beitrags selbst geleistet werden muss. Eine Kritik, die
etwa lediglich den historischen Bezug eines Theaterstücks aufzählt, sich ansonsten
jedoch hauptsächlich die Inszenierung bewertet, wird als den Kulturbetrieb im engeren
Sinne fokussierend codiert. Schildert jedoch der Autor selbst historische Parallelen und
macht deren Einordnung zu einem wesentlichen Element des Beitrags, wird der Artikel
als die Verknüpfung von Kultur im engeren mit der Kultur im weiteren Sinne
fokussierend codiert. Beiträge über Kulturinstitutionen und unmittelbar auf sie
bezogene Ereignisse in deren Umfeld – also Sponsoringverträge,
Personalentscheidungen staatlicher Träger und ähnliches, werden als Fokus auf Kultur
im engeren Sinne mit der Unterausprägung Kulturbetrieb codiert. Erst wenn Ereignisse
außerhalb der Kultur im engeren Sinn nicht so exklusiv auf sie bezogen sind – zum
Beispiel die Folge der Konjunktur auf Sponsoringbereitschaft von Unternehmen – wird
eine Verknüpfung von Kultur im engen mit Kultur im weiten Sinne codiert – wenn sie
denn der Artikel so ausarbeitet.
Anhang A31

Zudem liefert die Auszählung der Merkmalsausprägungen in dieser Kategorie genauere


Erkenntnisse über die thematische Vielfalt des Feuilletons, als es die Auswertung der
Darstellungsformen und Hauptthemen allein kann. So ist zum Beispiel ein Unterschied,
ob als Hauptthema „Literatur > Belletristik“ ausschließlich bei Beiträgen codiert wurde,
die Belletristik als Kulturprodukt fokussieren, oder auch bei Texten, die Schriftsteller
als Personen oder wirtschaftlichen Mechanismen des Buchmarkts ins Zentrum rücken.
Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert Ober- und
Unterkategorie als vier-, beziehungsweise bei einer weiteren Unterkategorie
sechsstellige Ziffer. Sie setzt sich aus der zweistelligen Ober-, der zweistelligen
Unterkategorienziffer und in einigen Fällen einer weiteren zweistelligen
Unterunterkategorienziffer zusammen.

Die Kategorien sind exklusiv.


Anhang A32

btrfokob – [32] btrfokun – [33]

01 Fokus auf Kultur im engeren Sinn 0101 Kulturprodukt


ohne Bezug zu Kultur im weiteren Sinn
0102 Kulturproduzenten
0103 Kulturbetrieb
0104 Kulturpolitik
0198 anderer Fokus auf kulturelle Entwicklungen im engeren Sinn
0201 Vermeldung von Neuigkeiten
02 Fokus auf Kultur im weiteren Sinn
ohne Bezug zu kulturellen
0202 Debatten / Diskussion
Entwicklungen im engeren Sinn
0203 Hintergründe / Zusammenhänge ohne Experten-Autorität des Autors zu
Trend oder Ereignis
0204 Hintergründe / Zusammenhänge mit Experten-Autorität des Autors zu
Trend oder Ereignis
0205 Hintergründe / Zusammenhänge zu Produkte

0206 Hintergründe / Zusammenhänge zu Person


0207 Hintergründe / Zusammenhänge zu Institution
0208 Veranstaltungshinweise / Programmübersichten

0298 anderer Fokus auf gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche


Entwicklungen ohne Bezug zu klassischen Kultursparten
03 Fokus auf Beziehung zwischen
0301 Kulturproduzent (im engeren Sinn) äußert sich zu gesellschaftlichen
Kultur im engeren und Kultur im
Entwicklungen
weiteren Sinn
0302 Kultur als Hintergrund für Verständnis von oder Spiegel für
Entwicklung in Kultur im weiteren Sinn
0303 Auswirkungen von Entwicklung in Kultur im weiteren Sinn auf
Kulturbereiche im engeren Sinn
0304 Auswirkungen von Entwicklung in Kultur im engeren Sinn auf
Kulturbereiche im weiteren Sinn
0398 sonstiger Fokus auf Beziehung von Kultur im engeren und Kultur im
weiteren Sinn
98 nicht eindeutig zu bestimmen 9800 nicht eindeutig zu bestimmen

99 kein Textelement 9900 kein Textelement

btrfokun – [33] – Fokus des Textelements Unterkategorie – nominale Skalierung


zu: H10, H11, H12, H22, H23, H24

Definition: vgl. btrfokob – [32]


Kodierregel und operationale Definition: Der Codierer codiert hier allein die
Unterkategorie (Spalte 2 im Schema zu Variable btrfokob – [32], und zwar vierstellig.
Die Kategorien sind exklusiv.
Anhang A33

Codierbögen
Anhang A34

Ergebnisse des Pretests

Intracoderreliabilität

Tabelle 76: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene


Hauptdimension: C1 (21./22.11.) C2 (28./29.11.) Ü CR
Kategorien zur Identifikation
agidnr – [01] 3 3 3 1
agdatum – [02] 3 3 3 1
agjahr – [03] 3 3 3 1
Kategorien zum Umfang
agseitbr – [05] 3 3 3 1
asgfeusd – [06] 3 3 3 1
asgfeupb – [07] 3 3 3 1
Anhang A35

Tabelle 77: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Beitragsebene


Hauptdimension C1 C2 Ü CR
Kategorien zur Identifikation
btridnr – [08] 88 88 88 1
btrdatum – [09] 88 88 88 1
btrjahr – [10] 88 88 88 1
btrfeusg – [11] 88 88 88 1
Summe/gesamt 352 352 352 1
Kategorien zu Umfang und Platzierung
btrseit – [12] 88 88 88 1
btrbruch – [13 88 88 87 0,99
btraufma – [14] 88 88 88 1
Summe/gesamt 264 264 263 0,99
txtflaec – [15] 88 88 67 0,75
bldflaec – [16] 88 88 81 0,91
btrflaec – [17] 88 88 66 0,75
Summe/gesamt 264 264 214 0,80
Kategorien zur Gestaltung
btrserie – [18] 88 88 87 0,99
txtquell – [19] 88 88 87 0,99
txtform – [20] 88 88 77 0,88
btrrubri– [21] 88 88 87 0,99
btrzwiti– [22] 88 88 80 0,91
btrinfok– [23] 88 88 87 0,99
btrendab– [24] 88 88 85 0,97
bldform – [25] 88 88 86 0,98
Summe/gesamt 704 704 676 0,95
Kategorien zum Inhalt
btrobthe – [26] 88 88 85 0,97
btruthe – [27] 88 88 72 0,82
btruuthe – [28] 88 88 70 0,79
btrkultb – [29] 88 88 80 0,91
btranlob – [30] 88 88 76 0,85
btranlun – [31] 88 88 65 0,74
btrfokob – [32] 88 88 79 0,89
btrfokun – [33] 88 88 68 0,76
btrfokuu – [34] 88 88 64 0,73
Summe/gesamt 792 792 659 0,82

Intercoderreliabilität

Tabelle 78: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Ausgabenebene


Hauptdimension: C1 (Lischka) C2 (Kelkel) Ü CR
Kategorien zur
Identifikation
agidnr – [01] 1 1 1 1
agdatum – [02] 1 1 1 1
agjahr – [03] 1 1 1 1
Kategorien zum Umfang
agseitbr – [05] 1 1 1 1
asgfeusd – [06] 1 1 1 1
asgfeupb – [07] 1 1 1 1
Anhang A36

Tabelle 79: CR-Wert für Hauptdimensionen des Kategoriensystems auf Beitragsebene


Hauptdimension C1 Lischka) C2 (Kelkel) Ü CR
Kategorien zur Identifikation
btridnr – [08] 25 25 25 1
btrdatum – [09] 25 25 25 1
btrjahr – [10] 25 25 25 1
btrfeusg – [11] 25 25 25 1
Summe/gesamt 100 100 100 1
Kategorien zu Umfang und Platzierung
btrseit – [12] 25 25 25 1
btrbruch – [13 25 25 25 1
btraufma – [14] 25 25 25 1
Summe/gesamt 75 75 75 1
txtflaec – [15] 25 25 22 0,88
bldflaec – [16] 25 25 25 1
btrflaec – [17] 25 25 22 0,88
Summe/gesamt 75 75 69 0,92
Kategorien zur Gestaltung
btrserie – [18] 25 25 25 1
txtquell – [19] 25 25 25 1
txtform – [20] 25 25 22 0,88
btrrubri– [21] 25 25 25 1
btrzwiti– [22] 25 25 25 1
btrinfok– [23] 25 25 25 1
btrendab– [24] 25 25 25 1
bldform – [25] 25 25 23 0,92
Summe/gesamt 200 200 195 0,98
Kategorien zum Inhalt
btrobthe – [26] 25 25 24 0,96
btruthe – [27] 25 25 22 0,88
btruuthe – [28] 25 25 21 0,84
btrkultb – [29] 25 25 22 0,88
btranlob – [30] 25 25 20 0,8
btranlun – [31] 25 25 20 0,8
btrfokob – [32] 25 25 21 0,84
btrfokun – [33] 25 25 19 0,76
Summe/gesamt 225 225 196 0,86
Anhang A37

Tabellen

Tabelle 80: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets


Naturwissenschaft 1999/2000 nach Titeln (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 33 n=1 n = 16 n = 28 n=1 n = 13
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
subspartenübergreifend 612 10,4 - - - - - - - - - -
Biologie / Gentechnologie 976 16,6 - - 240 9,4 4646 59,2 - - 700 24,9
Chemie - - - - - - 247 3,1 - - - -
Geowissenschaften 380 6,5 - - 66 2,6 - - - - - -
Mathematik 168 2,9 - - - - - - - - - -
Medizin 2523 43 - - 1437 56,3 935 11,9 - - 778 27,7
Physik 845 14,4 - - 298 11,7 550 7 - - - -
Informatik /
- - - - - - 631 8 - - - -
Informationstechnologie
Nanotechnologie - - - - - - 421 5,4 316 100 316 11,2
Astronomie / Raumfahrt 150 2,6 76 100 - - 420 5,4 - - 112 4
Agrarwissenschaft 209 3,6 - - 76 3 - - - - 906 32,2
Naturwissenschaft anders - - - - 437 17,1 - - - - - -
gesamt 5863 100 76 100 2554 100,1 7850 100 316 100 2812 100

Tabelle 81: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Themenfeldern an der Gesamttextfläche nach
Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 259 n = 95 n = 151 n = 261 n = 100 n = 154
Anlass aus dem Bereich ... cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
... populäre Kultur im engeren Sinn 9124 11,1 4667 18,1 7559 16,3 10094 11 5724 22,8 6844 14,9
... populäre Kultur im weiteren Sinn 23964 29,2 2064 8 14026 30,2 22174 24,2 2278 9,1 17093 37,3
... Hochkultur im engeren Sinn 21151 25,8 10036 39 10036 21,6 25783 28,2 8086 32,3 8266 18
... Hochkultur im weiteren Sinn 19774 24,1 7238 28,1 10496 22,6 27579 30,1 5588 22,3 9031 19,7
... Pop-& Hochkultur im engen Sinn 3220 3,9 36 0,1 36 0,1 - - 3355 13,4 3355 7,3
... außerhalb Kultur im weiteren Sin. 96 0,1 - - - - 846 0,9 - - - -
nicht eindeutig zuzuordnen - - - - - - - - - - - -
kein Anl. erkennbar 4746 5,8 1685 6,5 4334 9,3 5055 5,5 36 0,1 1220 2,7
gesamt 82075 100 25726 99,8 46487 100,1 91531 99,9 25067 100 45809 99,9
Anhang A38

Tabelle 82: Flächenanteile ausgewählter Hauptanlasstypen zu ausgewählten Kulturbereichen nach


Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df.
Beiträge mit Hauptoberthema... n = 251 (%) | n = 92 (%) | n = 148 n = 254 (%) | n = 86 (%) | n = 140
... aus populärer Kultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt. 59,4 82,4 71,8 91,8 94,1 92
wissenschaftliche Ergebnisse - - - - - -
Institutionen 9 - - 5,1 2 1,7
14
andere 31,6 17,6 28,2 3,1 3,9 6,3
... aus populärer Kultur im weiteren Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 77,1 21,7 68 81,3 1,5 55
wissenschaftliche Ergebnisse - - - - - 1,1
Institutionen 9,3 8,6 7,2 4,1 22,3 23,6
akt. Beobachtung nichtaktuellen Objekts - 42,4 13 3 40,2 5,4
Diskussion / Debatte - 5,2 0,9 - 19,1 7,4
andere 13,6 22,1 10,9 11,6 16,9 7,5
... aus Hochkultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 73,2 58,8 58,8 65,7 63,3 64,1
wissenschaftliche Ergebnisse - - - - 0,5 0,5
Institutionen 18,5 28,3 28,3 8,4 11,2 10,9
andere 8,3 12,9 12,9 25,9 25 24,5
... aus Hochkultur im weiten Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 21 18,5 12,2 17,7 10,7 10,7
wissenschaftliche Ergebnisse 32 1,8 8,4 11,3 7 21,2
Institutionen 18,6 22,3 25,7 23,5 35,1 25,6
Diskussion/Debatte 4,2 16,8 13,8 25,7 26,6 20,6
Auszeichnungen/Preise 0,4 28,9 18 0,8 10,4 5,8
andere 23,8 11,7 21,9 21 10,2 16,1

14
darin: 26,7 % kein Anlass erkennbar | 3,4 % Jahres-/Todes-/Geburtstag | 1,2 aktuelle Beobachtung nicht
aktuellen Gegenstands | 0,3 % Preisverleihung
Anhang A39

Tabelle 83: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach
Titeln 1999/2000 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 (22.-27.11.) 2000 (27.11.-2.12)
FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df.
Beiträge mit Hauptoberthema... n = 251 (%) | n = 92 (%) | n = 148 n = 254 (%) | n = 86 (%) | n = 140
... aus populärer Kultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. 72,6 100 91,4 97,3 98 98,3
aus populärer Kultur im weiteren S. - - - 2,6 - -
aus Hochkultur im engeren Sinn 8,4 - - 0,2 - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn 1,2 - - - 2 1,7
kein aktueller Anlass erkennbar 17,7 - - - - -
andere - - - - -
... aus populärer Kultur im weiteren Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. - 2,7 0,5 - - -
aus populärer Kultur im weiteren S. 90,2 74 88,4 93,9 77,7 91,5
aus Hochkultur im engeren Sinn 0,2 - - 1,1 - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn 6 8,6 3,4 2,2 - 2,1
kein aktueller Anlass erkennbar 3,6 14,6 7,8 2,8 - 3,4
andere - - - - 22,3 3
... aus Hochkultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. - - - - - -
aus populärer Kultur im weiteren S. - - - 1,3 - -
aus Hochkultur im engeren Sinn 90,7 86,8 86,8 86,6 96 96,1
aus Hochkultur im weiteren Sinn 7 9,2 9,2 0 3,6 3,5
kein aktueller Anlass erkennbar 2,2 3,9 3,9 12,1 0,4 0,4
andere - - - - - -
... aus Hochkultur im weiten Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. 0,9 - - 3,1 - -
aus populärer Kultur im weiteren S. 2,9 - - - - -
aus Hochkultur im engeren Sinn 6,7 2,7 1,7 - - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn 81,9 88,3 82,3 93,8 100 93,1
kein aktueller Anlass erkennbar 5,8 9,1 16 3,1 - 6,9
andere 1,8 - - - - -

Tabelle 84: Flächenanteile des Themenuntergebiets Zeitgeschehen und untergeordneter Themen


an Textfläche 2000/2001 nach Titel (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Def.
n = 27 n = 16 n = 16 n = 24 n = 11 n = 19
cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
Zeitgeschehen allgemein 13870 100 5729 100 5729 100 10158 100 4864 100 7643 100
davon: Veranstaltungs-
722 5,2 - - - - - - - - - -
hinweise
davon: Politik 4330 31,2 1764 30,8 1764 30,8 3360 33 2287 47 3552 46,5
davon: Gesellschaft 7700 55,5 3362 58,7 3362 58,7 3226 31,8 318 6,5 1670 21,9
davon: Wirtschaft 294 2,1 132 2,3 132 2,3 - - 399 8,2 561 7,3
davon: Geschichte 824 5,9 471 8,2 471 8,2 3266 32,2 1860 38,2 1860 24,3
Anhang A40

Tabelle 85: Flächenanteile der Kulturbereiche an der Gesamttextfläche prominent platzierter


Beiträge nach Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Feuilletondefinition)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
Kulturbereich Anteil an der Textfläche ...
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
... insgesamt 11,3 20,5 13,9 12,2 17,8 12,5
... über Bruch 10,5 21,7 13,7 8,6 19,3 13,7
... der Feuilletonaufmacher - - - 15,2 - -
populäre Kultur
im engeren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 7,5 15,6 15,6 12,9 21,2 21,2
... auf Feuilletonseite 2 29,5 16,5 16,5 30,9 16,2 16,2
... auf Feuilletonseite 3 18,8 15,5 15,5 7,3 22,3 22,3
... auf Feuilletonseite 4 12,8 28 14 21,1 7,9 6,9
... insgesamt 25,5 13,8 39,9 27,5 15,7 29,1
... über Bruch 29,8 15,2 43,9 31,4 16,3 33,2
... der Feuilletonaufmacher 28,9 20,8 20,8 0 0 0
populäre Kultur
im weiteren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 22,8 13,5 13,5 1,6 1,8 1,8
... auf Feuilletonseite 2 5,9 6,2 6,2 4,5 - -
... auf Feuilletonseite 3 - 15,8 15,8 0 13,6 13,6
... auf Feuilletonseite 4 14,2 29 64,5 10,7 6 7,7
... insgesamt 31,1 31,9 18,8 21,1 28,6 19,5
... über Bruch 27,1 31 18,2 21,9 26,5 17,2
... der Feuilletonaufmacher 20,5 - - 16,5 - -
Hochkultur im
engeren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 34,6 22,7 22,7 26,8 35 35
... auf Feuilletonseite 2 64,6 47,3 47,3 28,2 12,3 12,3
... auf Feuilletonseite 3 35,5 51,4 51,4 32 50,3 50,3
... auf Feuilletonseite 4 41,6 3,6 1,8 31,1 27 23,6
... insgesamt 31,1 17,2 17,8 33,6 27 29,4
... über Bruch 31,7 15,1 14,5 32,7 22,8 23,2
... der Feuilletonaufmacher 50,6 65,1 65,1 68,3 100 100
Hochkultur im
weiteren Sinn ... auf Feuilletonseite 1 33,3 35,8 35,8 49,3 42 42
... auf Feuilletonseite 2 - 10,4 10,4 36,1 32,4 32,4
... auf Feuilletonseite 3 36,2 16,6 16,6 49,6 13,8 13,8
... auf Feuilletonseite 4 31,4 - - 37,2 30,9 34,2
... insgesamt 0,9 16,7 9,7 5,3 10,9 9,5
... über Bruch 0,8 17 9,7 5,4 15 12,7
Hochkultur und ... der Feuilletonaufmacher - 14,1 14,1 - - -
populäre Kultur ... auf Feuilletonseite 1 1,2 12,4 12,4 9,4 - -
im engeren Sinn
... auf Feuilletonseite 2 0 19,5 19,5 - 39,1 39,1
... auf Feuilletonseite 3 9,5 0,7 0,7 6,6 - -
... auf Feuilletonseite 4 - 39,4 19,7 - 28,2 27,6
n. zuzuordnen ... über Bruch / Auf. / Seiten 1-4 0,6 - - 4,7 - -
Anhang A41

Tabelle 86: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach
Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df.
Beiträge mit Hauptoberthema... n = 254 (%) | n = 86 (%) | n = 140 n = 307 (%) | n = 98 (%) | n = 185
... aus populärer Kultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. 97,3 98 98,3 79,7 100 100
aus populärer Kultur im weiteren S. 2,6 - - 0 - -
aus Hochkultur im engeren Sinn 0,2 - - 0 - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn - 2 1,7 9,6 - -
kein aktueller Anlass erkennbar - - - 10,6 - -
andere - - - - - -
... aus populärer Kultur im weiteren Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. - - - - - -
aus populärer Kultur im weiteren S. 93,9 77,7 91,5 84,5 63,3 87,2
aus Hochkultur im engeren Sinn 1,1 - - - - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn 2,2 - 2,1 4,3 10,2 5,8
kein aktueller Anlass erkennbar 2,8 - 3,4 11,2 26,5 7,0
andere - 22,3 3 - - -
... aus Hochkultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. - - - 1,2 - -
aus populärer Kultur im weiteren S. 1,3 - - - - -
aus Hochkultur im engeren Sinn 86,6 96 96,1 95 92,6 91,4
aus Hochkultur im weiteren Sinn 0 3,6 3,5 2,6 3,5 4,1
kein aktueller Anlass erkennbar 12,1 0,4 0,4 1,2 3,9 4,6
andere - - - - - -
... aus Hochkultur im weiten Sinn
davon: Hauptanlass (Kulturfeld) nach Fläche
aus populärer Kultur im engeren S. 3,1 - - - - -
aus populärer Kultur im weiteren S. - - - 2,1 - -
aus Hochkultur im engeren Sinn - - - - - -
aus Hochkultur im weiteren Sinn 93,8 100 93,1 96,3 78,9 85,7
kein aktueller Anlass erkennbar 3,1 - 6,9 1,6 21,1 11,3
andere - - - - - 3

Tabelle 87: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Themenfelder an der Gesamttextfläche nach
Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ SZ Slb.def. SZ par. Df.
n = 261 n = 100 n = 154 n = 323 n = 106 n = 195
Anlass aus dem Bereich ... cm² % cm² % cm² % cm² % cm² % cm² %
... populäre Kultur im engeren Sinn 10094 11 5724 22,8 6844 14,9 10257 10 5407 17,2 7660 12,5
... populäre Kultur im weiteren Sinn 22174 24,2 2278 9,1 17093 37,3 28441 27,6 2351 7,5 15532 25,4
... Hochkultur im engeren Sinn 25783 28,2 8086 32,3 8266 18 20822 20,2 10168 32,4 11030 18
... Hochkultur im weiteren Sinn 27579 30,1 5588 22,3 9031 19,7 35600 34,6 9606 30,6 18348 30
... Pop-& Hochkultur im engen Sinn - - 3355 13,4 3355 7,3 4974 4,8 3895 12,4 4348 7,1
... außerhalb Kultur im weiteren Sin. 846 0,9 - - - - 306 0,3 - - 538 0,9
nicht eindeutig zuzuordnen - - - - - - - - - - - -
kein Anl. erkennbar 5055 5,5 36 0,1 1220 2,7 2574 2,9 - - 3734 6,1
gesamt 91531 99,9 25067 100 45809 99,9 102974 100,4 31427 100,1 61190 100
Anhang A42

Tabelle 88: Flächenanteile der Anlasstypen von Artikeln zu ausgewählten Kulturbereichen nach
Titeln 2000/2001 (Selbst- und parallelisierende Definition der Feuilletons)
2000 (27.11.-2.12) 2001 (26.11.-1.12)
FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df. FAZ (%) SZ Slb.def. SZ par. Df.
Beiträge mit Hauptoberthema... n = 254 (%) | n = 86 (%) | n = 140 n = 307 (%) | n = 98 (%) | n = 185
... aus populärer Kultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt. 91,8 94,1 92 74,2 65 71,2
wissenschaftliche Ergebnisse - - - 1,4 - -
Institutionen 5,1 2 1,7 5,4 7,2 5,1
15 16
andere 3,1 3,9 6,3 18,9 27,8 23,7
... aus populärer Kultur im weiteren Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 81,3 1,5 55 70,9 33 73,6
wissenschaftliche Ergebnisse - - 1,1 0,6 - -
Institutionen 4,1 22,3 23,6 10,4 5,1 12,3
akt. Beobachtung nichtaktuellen Objekts 3 40,2 5,4 9,1 8,4 2,8
Diskussion / Debatte - 19,1 7,4 7 21,8 3,7
andere 11,6 16,9 7,5 2 31,7 7,6
... aus Hochkultur im engen Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 65,7 63,3 64,1 68,7 77,3 71,7
wissenschaftliche Ergebnisse - 0,5 0,5 - 0,7 0,6
Institutionen 8,4 11,2 10,9 21,8 6,2 10,9
andere 25,9 25 24,5 9,5 15,8 16,8
... aus Hochkultur im weiten Sinn
davon: Hauptanlass (Typ) nach Fläche
neues Produkt 17,7 10,7 10,7 21,6 23,3 13,8
wissenschaftliche Ergebnisse 11,3 7 21,2 29,4 7,6 17,7
Institutionen 23,5 35,1 25,6 30,7 30,3 36,5
Diskussion/Debatte 25,7 26,6 20,6 7,5 7 6
Auszeichnungen/Preise 0,8 10,4 5,8 5,7 0,4 0,2
17
andere 21 10,2 16,1 5,1 31,4 25,8

Tabelle 89: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets


Naturwissenschaft nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=33 n=1 n =28 n=1 n=57 n=4 n=32 n=1 n=150 n=7
subspartenübergreifend 10,4 - - - - - 2,7 - 2,2 -
Biologie /
16,6 - 59,2 - 69,3 100 10,1 - 47,3 62,1
Gentechnologie
Chemie - - 3,1 - 0 - 2,1 - 1,1 -
Geowissenschaften 6,5 - - - 2,7 - - - 2,2 -
Mathematik 2,9 - - - - - - - 0,5 -
Medizin 43 - 11,9 - 12,4 - 39,1 - 22,3 -
Physik 14,4 - 7 - 4,5 - 22 - 9,9 -
Informatik /
- - 8 - 0,5 - 6,6 - 3,2 -
Informationstechnologie
Nanotechnologie - - 5,4 100 0,5 - 13,8 - 4 16,9
Astronomie / Raumfahrt 2,6 100 5,4 - 4,9 - 2,8 100 4,2 21,1
Agrarwissenschaft 3,6 - - - 1,4 - 0,8 - 1,3 -
Naturwissenschaft
- - - - 3,9 - - - 1,7 -
anders
gesamt 100 100 100 100 100 100 100 100 99,9 101,1

15
kein Anlass erkennbar: 10,6% | Jahres-/Todes-/Geburtstag: 6,5% | Auszeichnung: 0,3% | Debatte: 1,4
16
Jahres-/Todes-/Geburtstag: 15,2% | Debatte: 11,6% | Auszeichnung: 1% |
17
kein Anlass erkennbar: 21,1% | Jahres-/Todes-/Geburtstag: 5,5% | aktuelle Beobachtung nichtaktuellen
Objekts: 4,8%
Anhang A43

Tabelle 90: Flächenanteile untergeordneter Themen an der Gesamtfläche des Themengebiets


Naturwissenschaft nach Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=33 n=16 n =28 n=13 n=57 n=25 n=32 n=14 n=150 n=68
subspartenübergreifend 10,4 - - - - 10,8 2,7 - 2,2 4,3
Biologie /
16,6 9,4 59,2 24,9 69,3 38,3 10,1 21,9 47,3 26,6
Gentechnologie
Chemie - - 3,1 - - 7,4 2,1 - 1,1 2,9
Geowissenschaften 6,5 2,6 - - 2,7 - - 2 2,2 0,9
Mathematik 2,9 - - - - - - - 0,5 -
Medizin 43 56,3 11,9 27,7 12,4 10,6 39,1 48,6 22,3 30,3
Physik 14,4 11,7 7 - 4,5 18,7 22 11,9 9,9 12
Informatik /
- - 8 - 0,5 -0 6,6 - 3,2 -
Informationstechnologie
Nanotechnologie - - 5,4 11,2 0,5 - 13,8 - 4 2,5
Astronomie / Raumfahrt 2,6 - 5,4 4 4,9 8,4 2,8 15,6 4,2 7,7
Agrarwissenschaft 3,6 3 - 32,2 1,4 4,4 0,8 - 1,3 8,8
Naturwissenschaft
- 17,1 - - 3,9 1,3 - - 1,7 3,9
anders
gesamt 100 100,1 100 100 100 100 100 100 99,9 99,9

Tabelle 91: Flächenanteile der thematisierten Kulturbereiche an der Gesamttextfläche nach Titeln
1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
Pop. Kultur i. engen Sinn 15 17,6 11,3 13,9 12,2 12,5 14,9 16,2 13,2 14,9
Pop. Kultur i. weit. Sinn 31,6 34,1 25,5 39,9 27,5 29,1 21,8 27,4 26,7 32,1
Hochkultur i. engen Sinn 25,2 24,4 31,1 18,8 21,1 19,5 33,1 27,3 27,2 22,5
Hochkultur i. weit. Sinn 24,7 23,3 31,1 17,8 33,6 29,4 28,6 22,4 29,8 23,6
P./H.-Kultur im eng. Sinn 3,5 0,6 0,9 9,7 5,3 9,5 1,6 6,6 2,9 6,8
nicht klar zuzuordnen - - 0,1 - 0,4 - - - 0,2 -
Gesamt 100 100 100 100,1 100,1 100 100 99,9 100 99,9

Tabelle 92: Flächenanteile verschiedener Darstellungsformen an der Gesamttextfläche nach Titeln


1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
Meldung / Nachricht 4,9 3 3,8 3,9 3,7 1,6 4,4 2,5 4,1 2,7
Bericht 4,9 3,7 2,9 3,8 7,1 5,4 6,8 3,2 5,4 4
Hintergrundbericht 14 14,9 18,8 14,5 17,8 12,9 14,1 6,4 16,4 11,7
Essay 5,8 8,3 6,8 1,5 2,6 6,2 6,7 9,3 5,3 6,6
Reportage/Feature 3,1 1,8 0,4 2,2 1,5 4,4 4,7 - 2,3 2
Portrait (außer Nachruf) 0,9 5,5 1,5 3,6 1,5 3,1 4,1 2,6 1,9 3,6
Nachruf 0,5 0,8 1,2 2 1,2 2,2 1,5 3,5 1,1 2,3
Interview 0 2,3 0 5 4,5 3,3 - 7,8 1,3 4,8
Kommentar 4 6,5 5,7 9,7 5,9 9,2 3,9 9 5 8,7
Glosse 0,4 0,6 0,1 2,5 0,6 2,4 0,4 0,3 0,4 1,4
Feuilleton 1,5 3,9 0,9 10 2 2,5 0,7 4,1 1,3 4,9
Rezension/Kritik 28,4 38,3 29,5 34,4 23,2 40,1 25,9 43,8 26,6 39,6
Presseschau 1,3 1,7 0,7 - 0,4 - 1,3 - 0,9 0,4
Literatur 4,6 - 3,7 0,1 2,8 - 5,2 0,7 4 0,2
Bildunterschrift 0,3 1,5 0,4 0,5 - 0,1 0,1 0,5 0,2 0,6
Veranst.kal./Rundf.prg. 24,1 - 20,5 6,2 21,3 0,8 20,1 5,1 21,5 3,1
Sammelrezension 1,3 3 1,2 - - 1,2 - 0,8 0,6 1,2
Rede - 4,1 1,9 - 3,1 4,6 - - 0,9 2,1
sonstige Darstell.form 0,1 - - - 0,8 - - 0,5 0,8 0,2
Gesamt 100,1 99,9 100 99,9 100 100 99,9 100,1 100 100,1
Anhang A44

Tabelle 93: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an Gesamttextfläche nach
Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
Rubriktitel 35 12 30,9 13,1 33,8 9,5 28,6 7,6 32,1 10,6
Zwischentitel 26,9 29,8 25,1 36,3 27,4 56,3 21 37,3 25,1 39,8
Infokasten 4,5 - 5,1 5,6 11,8 7,4 3,6 1,5 6,3 3,5
markanter Endabsatz 21,7 34,2 25 30,3 16,6 28,1 17,3 34,9 20,2 31,9
ohne diese
41,5 42,8 43,6 38,1 47,1 29,6 51,2 35 45,9 36,4
Gestaltungselemente

Tabelle 94: Anteile von Beiträgen mit bestimmten Gestaltungselementen an Gesamttextfläche nach
Titeln 1999-2002 (parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
Rubriktitel 35 8,8 30,9 10,8 33,8 8,6 28,6 6,3 32,1 8,63
Zwischentitel 26,9 49,5 25,1 51,1 27,4 56,1 21 46 25,1 50,68
Infokasten 4,5 17 5,1 20,5 11,8 16,9 3,6 16,3 6,3 17,68
markanter Endabsatz 21,7 18,9 25 20,3 16,6 24,3 17,3 23,8 20,2 21,83
ohne diese
41,5 32,4 43,6 31 47,1 27 51,2 33,3 45,9 30,93
Gestaltungselemente

Tabelle 95: Flächenanteile der Texte nach publizistischen Quellen an der Gesamttextfläche nach
Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
Eigenbeitrag 90,9 85 89,4 95,5 88,8 86,5 93,4 93,3 90,4 89,5
Agenturbeitrag 1,2 3 1,5 1,1 0,7 1 0,9 1,4 1,1 1,9
Gastautor (exkl.) 3,9 7,5 5,6 3,4 3,8 8 0,5 5,3 3,6 6,4
Übernahme Rede - 4,1 - - 4,1 4,6 - - 1,2 2,1
Übernahme Buch 4 - 3,4 - 2,6 - 5,2 - 3,7 -
Übernahme aus anderer
- 0,4 - - - - - - - 0,1
Zeitung
Gesamt 100 100 100 100 100 100,1 100 100 100 100

Tabelle 96: Flächenanteile publizistischer Quellen an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002
(parallelisierende Definition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
Eigenbeitrag 90,9 89 89,4 95,3 88,8 88 93,4 95,5 90,4 91,8
Agenturbeitrag 1,2 2,5 1,5 1,8 0,7 4,2 0,9 1,1 1,1 2,5
Gastautor (exkl.) 3,9 6 5,6 2,6 3,8 5,4 0,5 3,4 3,6 4,4
Übernahme Rede 0 2,3 0 0 4,1 2,4 - - 1,2 1,2
Übernahme Buch 4 - 3,4 0,1 2,6 - 5,2 - 3,7 0
Übernahme aus anderer
- 0,2 - 0,2 - - - - - 0,1
Zeitung
Gesamt 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100
Anhang A45

Tabelle 97: Anteile bestimmter Kulturbereiche an den Textflächen bestimmter Darstellungsformen


und Quellen nach Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=58 n=23 n =63 n=23 n=78 n=26 n=59 n=27 n=264 n=99
Essays zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - 27,5 - - 38,5 - 11,7 20,9 8,6 7,5
populäre Kult. i. weit. Sinn 28,3 43,9 30,2 - - - - - 17,3 21
Hochkultur i. eng. Sinn - - - - - - - - - -
Hochkultur i. weit. Sinn 71,1 28,6 69,8 - 61,5 100 88,3 79,1 74,1 66,8
Kommentare zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - - 4,2 11,8 3,7 4,1 4,9 3,7 3,3 5,1
populäre Kult. i. weit. Sinn 7,8 8,6 13,2 - 16 - 6,8 4,1 12 2,7
Hochkultur i. eng. Sinn 14,9 20,9 27 - 17 22,4 22,7 14,6 20,6 14,4
Hochkultur i. weit. Sinn 72,1 57,2 55,6 88,2 60,3 73,5 44,7 77,6 58,5 75,6
Reportagen/Features zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn 17,7 - - - 2 45,6 48,5 - 27,3 26
populäre Kult. i. weit. Sinn 39,4 - - 100 70,2 25,4 7,9 - 29,5 37,6
Hochkultur i. eng. Sinn 7,4 100 - - - - 29,5 - 15,3 19,8
Hochkultur i. weit. Sinn 14,3 - 100 - 27,8 29,1 14,1 - 21,1 16,6
Hintergrunderpichte zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn 8,6 - 5,2 19,5 6,9 - 13,2 10,9 7,9 7
populäre Kult. i. weit. Sinn 27,1 17,3 8,7 - 13,6 28,8 16,6 - 15,4 13,2
Hochkultur i. eng. Sinn 12,6 38,9 15,9 7,6 18,4 26,7 24,5 14,5 17,6 23
Hochkultur i. weit. Sinn 51,7 43,7 67,7 52,1 58 32,3 45,7 57,2 57,4 44,9
Gastautoren zu:
populäre Kult. i. eng. Sinn - - - - - - - - - -
populäre Kult. i. weit. Sinn 42,1 31,8 16,6 - 26,7 - - - 25,7 8,1
Hochkultur i. eng. Sinn 14,5 - 3,7 15,2 1,5 - 100 13,1 8,4 5,7
Hochkultur i. weit. Sinn 43,5 68,2 79,7 84,8 71,8 100 - 86,9 65,9 86,1

Tabelle 98: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach
Titeln 1999-2002 (Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
neues Produkt 59,3 47,7 57 52,5 53,2 47,5 56,5 58,6 56,4 52
Wissenschaftliche
7,9 0,5 3,6 1,4 10,2 2,5 6,2 0,1 7,1 1,1
Ergebnisse
Auszeichnung/Preis 0,8 9 1,5 4,8 2,5 5,1 0,8 1 1,5 4,6
18
Institutionen 14,7 19,4 12,5 18,7 19,7 17,9 15,7 13,4 15,8 17
nicht-institutionalisierte
0 0 0 1,3 0,2 - - - 0,1 0,3
Veranstalt.
Jahres-/Todes-/ Geburtstag 3,7 3,9 8 5,6 2,6 5,9 5,7 7,3 4,9 5,8
Äußerungen von
0 1 0,1 1,7 0,2 0,4 - 2,3 0,1 1,4
Funktionsinhabern
Diskussion/Debatte 1 5,8 8,9 7,7 6,2 7,4 7,4 9,8 6 7,9
Trend 1,9 0 1,2 - 0 - 1,4 4,3 1 1,3
Aktuelle Beobachtung nicht
3,7 6,1 1,3 5,7 2,5 3,3 0,7 0,4 2,1 3,5
aktuellen Gegenstands
anderer Anlass 1,4 0 0,4 - 0 - - 0 0,1 -
kein Anlass erkennbar 5,8 6,5 5,5 0,6 2,9 9,9 5,6 2,6 5 5
gesamt 100,2 99,9 100 100 100,2 99,9 100 99,8 100,1 99,9

18
Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in
Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus
Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen
Anhang A46

Tabelle 99: Flächenanteile der Beitragsanlässe nach Anlasstypen an der Gesamttextfläche nach
Titeln 1999-2002 (parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=259 n=151 n =261 n=154 n=323 n=195 n=257 n=188 n=1100 n=688
neues Produkt 59,3 53 57 53,9 53,2 52,4 56,5 61,4 56,4 55,2
Wissenschaftliche
7,9 1,9 3,6 4,3 10,2 5,3 6,2 1,1 7,1 3,2
Ergebnisse
Auszeichnung/Preis 0,8 5 1,5 3,4 2,5 2,6 0,8 1,2 1,5 2,9
19
Institutionen 14,7 15,4 12,5 19,5 19,7 19,7 15,7 15,1 15,8 17,5
nicht-institutionalisierte
- - - 1,1 0,2 - - - 0,1 0,2
Veranstalt.
Jahres-/Todes-/ Geburtstag 3,7 3,8 8 3,1 2,6 3,8 5,7 4,8 4,9 3,9
Äußerungen von
0 0,6 0,1 0,9 0,2 0,8 - 1,5 0,1 1
Funktionsinhabern
Diskussion/Debatte 1 4 8,9 7,2 6,2 5,2 7,4 7,4 6 6
Trend 1,9 0 1,2 - - - 1,4 4,9 1 1,3
Aktuelle Beobachtung nicht
3,7 5,3 1,3 3,1 2,5 3,2 0,7 0,3 2,1 2,9
aktuellen Gegenstands
anderer Anlass 1,4 1,6 0,4 0,9 0 0,9 - 0 0,1 0,5
kein Anlass erkennbar 5,8 9,3 5,5 2,7 2,9 6,1 5,6 2,4 5 5,4
gesamt 100,2 99,9 100 100,1 100,2 100 100 100,1 100,1 100

Tabelle 100: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999-2002
(Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=96 n=36 n=110 n=37 n=148 n=39 n=101 n=43 n=455 n=155
Fotografie kult. Ereignis 12,6 17,9 12,1 13,3 11,7 10,8 8 9,1 11,1 11,8
Reproduktionen 43,9 41,9 53,5 59,2 32,1 49,4 43,6 50,1 42,5 51,2
Fotografie anders 39,8 40 32,8 27,3 45,6 35,8 35,4 40,8 38,9 35,7
Karikatur 1,6 - - - - - - - 0,3 1,3
Cartoon - - - - 9,1 - 12,3 - 5,8 -
Informationsgrafik 1,5 - 1,3 - 0,4 - 0,2 - 0,8 -
Bildelement anders 0,5 0,2 0,3 0,2 1,1 4,1 0,6 - 0,7 -
gesamt 99,9 100 100 100 100 100,1 100,1 100 100,1 100

Tabelle 101: Flächenanteile der Bildformen an der Gesamtbildfläche nach Titeln 1999-2002
(parallelisierende Feuilletondefinition)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
n=96 n=67 n=110 n=68 n=148 n=76 n=101 n=71 n=455 n=282
Fotografie kult. Ereignis 12,6 10,7 12,1 8,4 11,8 5,4 8 7,8 11,1 7,8
Reproduktionen 43,9 41,4 53,5 52,1 32,3 53,8 43,6 48,7 42,5 48,6
Fotografie anders 39,8 44,2 32,8 36,1 45,2 34,3 35,4 43,5 38,9 40,1
Karikatur 1,6 - - 3,3 - - - - 0,3 0,7
Cartoon - - - - 9,4 0 12,3 - 5,8 -
Informationsgrafik 1,5 3,3 1,3 - 0,4 3,8 0,2 - 0,8 1,8
Bildelement anders 0,5 0,3 0,3 0,1 1,2 2,7 0,6 - 0,7 0,9
gesamt 99,9 99,9 100 100 100,3 100 100,1 100 100,1 99,9

19
Zur Kategorie Institutionen wurden diese Anlässe zusammengefasst: Organisatorische Veränderung in
Institutionen / Von Institutionen neu geschaffene Tatsachen / Wirtschaftliche Nachrichten aus
Institutionen / institutionalisierte Veranstaltungen
Anhang A47

Tabelle 102: Flächenanteile der Themenfokusse an der Gesamttextfläche nach Titeln 1999-2002
(Selbstdefinition der Feuilletons)
1999 2000 2001 2002 Gesamt
22.-27.11. 27.11.-2.12. 26.11.-1.12. 25.11.-30.11.
FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ % FAZ % SZ %
Fokus auf Kultur ... n=259 n=95 n=261 n=100 n=323 n=106 n=257 n=126 n=1100 n=427
... im engeren ohne Bezug zu
51,1 59,5 46 69,6 39,5 71,2 49 62,3 45,9 65,6
Kultur im weiteren Sinn
20
davon: Kulturprodukt 88,8 72,7 82,2 65,4 70,7 74,2 69,4 75,9 78,1 72,4
davon: Kulturproduzenten 0,3 9,3 3,4 17,3 4,7 7,1 12,5 10,2 5 10,7
davon: Kulturbetrieb 10,8 17,7 14,4 17,3 24,6 18,7 18,1 14 16,9 16,8
davon: Kulturpolitik 0 0,2 - - - - - - - 0
... im weiteren ohne Bezug zu
43,7 23,8 52 26,8 58,6 28,7 47,6 27,4 51,1 26,9
Kultur im engeren Sinn
davon: Neuigkeiten vermelden 9,4 9,3 7 1,9 15 13,6 19,8 3,9 12,7 7,7
davon: Debatten / Diskussion 2,8 7,2 0 - 0,9 - 1,3 6,9 1,1 3,6
davon: Hintergründe ohne Ex-
44,9 28,5 41,9 78,2 35,4 46,1 28,3 61,9 37,6 54,5
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe mit Ex-
6,8 28,4 12,4 19,9 12,3 27,8 6,4 18,5 10 23,3
pertenautorität zu Trend / Ereignis
davon: Hintergründe zu Produkt 0,9 1,9 12,3 - 3,6 3,9 4,7 6 5,6 1,1
davon: Hintergründe zu Person 1,2 3,4 1,2 - 1 5,9 4,6 - 1,8 4,2
davon: Hintergründe z. Institution - 8,9 - - - - - - - 1,7
davon: Veranstaltungshinweise 33,9 - 25,1 - 31,9 2,8 34,9 2,8 31,1 1,7
davon: anders 0,1 12,3 - - - - - - 0 2,4
... Beziehung zwischen Kultur
5,1 16,6 2 3,5 1,8 0,1 3,4 10,3 3 7,6
im engeren & im weiteren Sinn
davon: Kulturproduzent äußert 14,9 - - - - - - 69,7 6 29,2
davon: Kultur als Hintergrund für
4,3 44,7 30,2 67,4 73,7 - 33,2 30,3 28,3 40,7
Verständnis oder Spiegel
davon: Auswirkung von Kultur im
61,5 47,8 69,8 32,6 26,3 100 66,8 - 57,9 26,5
weiteren auf K. im engeren Sinn
davon: Auswirkung von Kultur im
3,6 - - - - - - - 1,4 -
engeren auf K. im weiteren Sinn
davon: anders 15,8 7,8 - - - - - - 6,4 3,6
nicht eindeutig zu bestimmen - - 0,1 - - - - - 0 -
gesamt 99,9 99,9 100 99,9 99,9 100 100 100 100 100,1

Tabelle 103: Flächenanteile der Unterthemen an der Textfläche der Musikberichterstattung in den
untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002 (parallelisierende der Feuilletons)
FAZ %| n=164 SZ % | n=95
subspartenübergreifend 10,6 2,5
Klassische Musik bis Moderne des 20. Jahrhunderts 37,3 36,5
Weltmusik 5,7 -
Rock (z.B. Grunge, Rockabilly 16,1 14,3
Jazz, Blues (Swing, Vocal Jazz, Latin, Acid, Modern Jazz 11 -
Pop 8,8 27,4
Songwriter, Folk, Country 3,4 -
Rap, HipHop 0,9 5,4
Elektronik (House, Drum'n'Bass, Trip Hop, Trance, Big Beat 0,4 3,6
Metal (z.B. Black Metal, Speed Metal) - 9
andere Subsparte 5,8 1,4

Tabelle 104: Flächenanteile der Unterthemen an der Textfläche der Berichterstattung zu


darstellender Kunst in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002 (parallelisierende
der Feuilletons)
FAZ % | n= SZ % | n=
subspartenübergreifend 0,2 0,2
Schauspiel (Sprechtheater) 53,6 60,2
Oper / Operette 37,9 29,6
Tanztheater/Ballett 6,7 5,2
Musical - 1,7
Kabarett 1,6 3

20
einschließlich Veranstaltungshinweisen
Anhang A48

Tabelle 105: Flächenanteile verwendeter journalistischer Darstellungsformen an der Textfläche zu


Themen aus Kultur im engeren Sinn in den untersuchten Feuilletons von FAZ und SZ 1999-2002
(parallelisierende Feuilletondefinition)
Kultur im engeren Sinne Kultur im weiteren Sinne
FAZ % | n=575 SZ % | n=364 FAZ % | n=525 SZ % | n=324
Meldung / Nachricht 4,8 3,3 3,6 3,6
Bericht 2,6 3,8 7,6 7,3
Hintergrundbericht 10,3 9,2 21,1 20,2
Essay 1,1 1,0 8,6 5,9
Reportage/Feature 2,6 1,2 2,0 4,7
Portrait (außer Nachruf) 2,5 4,3 1,6 2,4
Nachruf 1,6 2,3 ,7 ,6
Interview ,8 5,9 1,7 2,9
Kommentar 3,4 2,4 6,2 9,4
Glosse ,5 1,6 ,3 ,9
Feuilleton ,7 2,1 1,8 3,8
Rezension/Kritik 51,9 51,9 7,3 6,8
Presseschau ,1 - 1,5 ,4
Literatur 8,8 ,3 ,0 -
Bildunterschrift ,2 ,5 ,2 ,3
Veranstaltungskalender/Rundfunkprogramme 7,0 6,6 32,6 29,9
Sammelrezension 1,0 1,5 ,3 -
Rede ,1 1,6 1,6 ,9
sonstige Darstellungsform ,0 ,2 1,2 -
Anhang A49

Agenturmaterial zur Recherche


ereignisdominierter Wochen

1. Oktoberwoche
9.-14.10.2002 Buchmesse
8.-13.10.2003 Buchmesse

2. Oktoberwoche
13.-18.10.1999 Buchmesse
10.-15. 10.2001 Buchmesse

3. Oktoberwoche
18.-22.10.2000 Buchmesse

4. Oktoberwoche

1999 (25.-30.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3
28.10.99 Moskau (dpa) - Die Geiselnehmer im armenischen Parlament haben sich
ergeben und ihre Geiseln freigelassen. Das meldete die russische Nachrichtenagentur
Interfax am donnerstag. dpa dh xx hm
Agenturen Kultur 1,2
-
Die Welt
-

2000 (23.-28.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
23.10.00 Berlin (dpa) - Der stellvertretende nordrhein-westfälische Landtagspräsident
Laurenz Meyer wird Nachfolger von Ruprecht Polenz als neuer CDU-
Generalsekretär. Das bestätigte am Montag der saarländische Ministerpräsident Peter
Müller in Berlin
Agenturen Kultur 1,2,3
-
Die Welt
-
Anhang A50

2001 (22.- 27.)


Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3
Washington, 23. Oktober (AFP) - In einer Poststelle des Weißen Hauses sind
Milzbrand-Erreger gefunden worden. Die Bakterien seien in einer Außenstelle
gefunden worden, die für die gesamte Post des Weißen Hauses zuständig sei, teilte
Regierungssprecher Ari Fleischer am Dienstagabend in Washington mit.
21.10.01 Berlin (dpa/bb) - Klarer Erfolg für die SPD, historische Niederlage für die
CDU, die PDS in der Hauptstadt fast so stark wie die Christdemokraten: Nach der
Berliner Wahl vom Sonntag kann der Regierende SPD-Bürgermeister Klaus
Wowereit ein Bündnis mit der PDS eingehen oder mit FDP und Grünen in einer
Ampelkoalition mit knapper Mehrheit weiter regieren.
Agenturen Kultur 1,2,3
-
Die Welt
-

2002 (28.-2.11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3
31.10.02 Rom (dpa) - Bei dem schweren Erdbeben in Mittelitalien sind am Donnerstag
vermutlich bis zu 100 Kinder und Lehrer unter den Trümmern einer Schule begraben
worden.
30.10.02 PERES - ALLE MINISTER DER ARBEITSPARTEI ISRAELS REICHEN
RÜCKTRITT EIN REUTERS
Moskau, 29. Oktober (AFP) - 45 der 117 in Moskau gestorbenen Geiseln sind nach
Angaben der Moskauer Staatsanwaltschaft durch Schüsse gestorben. Das meldete die
Nachrichtenagentur Interfax am Dienstagmorgen. Damit widersprach die
Staatsanwaltschaft früheren amtlichen Angaben, wonach 115 Geiseln durch ein
Spezialgas starben, das zu ihrer Befreiung eingesetzt worden sei.
Agenturen Kultur 1,2
-
Die Welt
-

2003 (27.-1.11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2,3
Moskau, 30. Okt (Reuters) - Russische Strafverfolger haben am Donnerstag die
Beschlagnahme des größten Teils der Aktien des größten Ölkonzerns des Landes,
Yukos, angeordnet.
Moskau, 29. Oktober (AFP) - Rettungskräfte haben zwölf der 13 vermissten Bergleute
im südrussischen Nowoschachtinsk lebend gefunden. Das berichtete die russische
Nachrichtenagentur RIA-Nowosti am Mittwochmorgen. Die Kumpel wurden seit
Donnerstag vermisst.
Bagdad, 27. Oktober (AFP) - Vor dem Sitz des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz (IKRK) in Bagdad ist am Montagmorgen eine starke Autobombe explodiert.
Das berichtete ein AFP-Reporter aus der irakischen Hauptstadt.
Anhang A51

Agenturen Kultur 1,2


-
Die Welt
-

1. Novemberwoche

1999 (1.-6.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
Agenturen Kultur 1,2,3
Die Welt

2000 (6.-11.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
10.11.2000 Berlin (ddp). Der Bundestag hat das Gesetz zur so genannten Homo-Ehe
gebilligt. Das Parlament verabschiedete die von der Koalition vorgelegten
Gesetzentwürfe zur „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ gleichgeschlechtlicher
Paare am Freitag in Berlin mit den Stimmen der Koalitio
10.11.2000 Berlin (AP) Der Bundesrat wird beim Bundesverfassungsgericht in
Karlsruhe ein Verbot der rechtsextremen NPD beantragen. Das beschloss die
Länderkammer am Freitag in Berlin.
10.11.2000 Washington (dpa) - Der Ausgang der Präsidentenwahl in den USA ist weiter
offen. Die Öffentlichkeit wird frühestens am 17. November das genaue Ergebnis in
Florida erfahren, das über das Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush
und dem Demokraten Al Gore entscheidet.
8.11.2000 (AFP) - Die bei den US-Wahlen im Bundesstaat Florida abgegebenen
Stimmen werden neu ausgezählt. Das sagte ein für die Wahl zuständiger Beamter des
Bundesstaates am Mittwoch einem lokalen Fernsehsender.
8.11.2000 Washington (dpa) - Der Republikaner George W. Bush ist nach den
Hochrechnungen der Fernsehsender zum 43. Präsidenten der USA gewählt worden.
7.11.2000 Bautzen (AP) Der flüchtige Sexualverbrecher Frank Schmökel ist gefasst.
Dies teilte die Polizei in Bautzen mit. Er sei in der Nähe der sächsischen Stadt bei
einer Autobahn entdeckt worden.
Agenturen Kultur 1,2,3
9.11.2000 Berlin (dpa) - Der Bund hat 200 Millionen Mark für einen längerfristig
geplanten Ankauf der wertvollen Berggruen-Sammlung in Berlin bewilligt.
7.11.2000 Berlin (dpa) - Der Animationsfilm „Chicken Run“ und Lars von Triers neues
Werk „Dancer in the Dark“ sind für den Europäischen Filmpreis 2000 nominiert.
Die Welt
8.11. Wahllokale made in USA - Wenn in den USA gewählt wird, ist Raum auch in der
engsten Hütte
8.11. Amerika will seinen Präsidenten mögen - Das unmögliche Wahlsystem bringt vor
allem Persönlichkeiten hervor
8.11. Amerika hat gewählt - Verändert das irgend etwas?
Anhang A52

8.11. Zippert zappt - Die US-Wahl ist eine vollkommen unerklärliche Veranstaltung

2. Novemberwoche

1999 (8.-13.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
11.11.99 (AFP) - Das System des Finanzausgleichs zwischen den Bundesländern muss
bis Ende 2002 grundlegend reformiert werden. Dieses Urteil verkündete am
Donnerstag das Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe, das damit teilweise
der Kritik der klagenden Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen am
derzeitigen System folgte.
9.11.99 Bielefeld (AP) In einer Wohnung in Bielefeld sind am Dienstagabend nach
Angaben der Polizei sechs Menschen ermordet worden. Wie ein Sprecher mitteilte,
wurde die Polizei alarmiert, nachdem Schüsse gehört worden waren.
8.11.99 Leipzig (AP) Der letzte DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz und seine
ehemaligen Politbürokollegen Günter Schabowski und Günther Kleiber müssen
wegen der so genannten Mauertoten für mehrere Jahre ins Gefängnis
Kultur 1,2,3
12.11.99 Brüssel (dpa) - Der Buchhandel hat in Brüssel fristgerecht seine Vorschläge
zum Ersatz der deutsch-österreichischen Buchpreisbindung vorgelegt und damit die
Basis zu einer Lösung in dem Dauerstreit gelegt
11.11.99 New York (dpa) - Ein Gemälde Pablo Picassos von seiner Geliebten Dora
Maar ist in New York für 49,5 Millionen Dollar (92,5 Millionen Mark) versteigert
worden.
9.11.99 New York (dpa) - Erste Höhepunkte der New Yorker Herbst- Kunstauktionen:
Das Gemälde „Nympheas“ des französischen Impressionisten Claude Monet wurde
für 22,5 Millionen Dollar - umgerechnet 42,25 Millionen Mark - und Vincent van
Goghs „Brücke von Trinquetaille“ für 15,4 Millionen Dollar (28,8 Millionen Mark)
zugeschlagen, wie das Auktionshaus Christie’s am Dienstag mitteilte.

2000 (13.-18.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
13.11.2000 Trier (dpa) - Das Amtsgericht Trier hat am Montag einen Strafbefehl gegen
Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) wegen Beihilfe zur Untreue
erlassen.
15.11.2000 Düsseldorf (ddp). Der selbst ernannte „Kalif von Köln“, Muhammad Metin
Kaplan, ist am Mittwochmorgen vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu vier Jahren
Haft verurteilt worden.
15.11.2000 Tallahassee (AP) Der republikanische Präsidentschaftskandidat George W.
Bush führt im wahlentscheidenden US-Staat Florida nach Aussage der
Innenministerin Katherine Harris mit 300 Stimmen. Das wurde nach Ablauf der
gesetzlichen Frist für die Stimmnachzählung bekannt gegeben.
Agenturen Kultur 1,2,3
14.11.00. Berlin (dpa) - Der Bund hat im Berliner Opernstreit für eine überraschende
Wende gesorgt und dem Dirigenten Daniel Barenboim die Zahlung von zusätzlich
3,5 Millionen Mark für seine Staatskapelle im Jahr 2001 signalisiert.
Anhang A53

16.11.00. Berlin (dpa) - Der Bundestag hat sich am Donnerstag in einer einstimmig
angenommenen Entschließung zur Förderung der Hauptstadtkultur bekannt und
dabei das besondere Interesse des Bundes an der Berliner Kulturlandschaft
hervorgehoben.
Die Welt
Keine. Im Gegensatz zu 8.11.,da vier Artikel US-Wahl. Also davon auszugehen, dass
Nachzählung in Florida nicht mehr so dominierendes Ereignis in Feuilletons.

2001 (12.-17.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
16.11.01 Islamadab (AP) Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar will Kandahar
binnen 24 Stunden verlassen, wie die afghanische Nachrichtenagentur API
berichtete.
16.11.01 Berlin (AFP) - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die
Vertrauensabstimmung im Bundestag für sich entschieden. Auf den Kanzler
entfielen am Freitag 336 Stimmen und damit zwei mehr als erforderlich. Mit dem
Votum beschloss der Bundestag auch die Bereitstellung von 3900
Bundeswehrsoldaten für den Kampf gegen den Terrorismus.
14.11.01 Gorleben (dpa/lni) - Der zweite Castor-Transport dieses Jahres ist am
Mittwochmorgen im Zwischenlager Gorleben angekommen. Nach rund 70 Minuten
Fahrt von der Verladestation Dannenberg aus erreichten die Speziallastwagen mit
den sechs Atommüllbehältern um 7.05 Uhr ihr Ziel
13.11.01 Kabul (AP) Truppen der Nordallianz sind am frühen Dienstagmorgen in die
afghanische Hauptstadt Kabul eingerückt. Das berichten Augenzeugen. Zuvor hatten
die Taliban-Kämpfer die Stadt verlassen.
12.11.01 Washington (AFP) - Bei der über New York abgestürzten Maschine der
American Airlines handelt es sich um einen Airbus A-300.
Agenturen Kultur 1,2,3
Welt Feuilleton
13.11.01 Zwei Artikel zu „Mythos der Entscheidungsschlacht“ (historisch)
15.11.01 Aufmacher: Nie lagen Berlin und Kabul näher beieinander als in diesen rot-
grünen Schicksalstagen
Anhang A54

2002 (11.-16.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
Agenturen Kultur 1,2,3
Die Welt

2003 (10.-15.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
Agenturen Kultur Kultur 1,2,3
Die Welt

3. Novemberwoche

1999 (15.-20.)
Agenturen alle Ressorts Priorität 1,2
19.11.99 London (dpa) - Die britische Mobilfunkfirma Vodafone Airtouch hat ihr
feindliches Übernahmeangebot für Mannesmann vorgelegt. Das Unternehmen bietet
nach eigenen Angaben vom Freitag 79 Milliarden Pfund (237 Mrd DM) für
Mannesmann.
17.11.99 Bonn (AFP) - Bei den Verhandlungen über die Entschädigung früherer NS-
Zwangsarbeiter zeichnet sich ein Durchbruch ab. US-Anwalt Edward Fagan sagte am
Rande der Gespräche am Mittwoch in Bonn, es habe einen „bedeutsamen
Umschwung“ in den Verhandlungen gegeben.
15.11.99 Peking (dpa) - China und die USA haben nach einem Bericht der chinesischen
Nachrichtenagentur China News Service einen Durchbruch in ihren Verhandlungen
über eine Aufnahme der Volksrepublik in die Welthandelsorganisation erreicht. Die
Einigung sei am Montag in Peking erreicht werden.
Agenturen Kultur 1,2,3
19.11.99 Berlin (dpa) - Der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, Christian
Thielemann, wird seinen im Jahr 2001 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Seine
Entscheidung hat der 40-jährige Thielemann dem Berliner Kultursenator Peter
Radunski (CDU) in einem Schreiben mitgeteilt, bestätigte dessen Sprecher Burkhard
Woelki am Freitag.
Die Welt

2000 (20.-25.)
Agenturen Allgemein Priorität 1,2
24. November Bonn (AFP) - In Deutschland ist ein erster Fall von Rinderwahnsinn
(BSE) entdeckt worden. Wie eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums am
Freitag in Bonn mitteilte, trat bei einem Rind in Schleswig-Holstein BSE auf.
Einzelheiten sollten am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Kiel bekannt
gegeben werden.
23.11.00 Berlin (ddp). Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) verlässt das
Bundeskabinett. Das bestätigte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am
Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Dies geschehe auf eigenen Wunsch.
Anhang A55

22. November Washington (AFP) - Der republikanische Präsidentschaftskandidat


George W. Bush will im Streit um die Präsidentschaftswahl vor den Obersten
Gerichtshof der USA ziehen. Die Republikaner wollten die Einbeziehung der
Handauszählungen im US-Bundesstaat Florida anfechten, berichtete am Mittwoch