Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien

Alltagsdeutsch
Jägerlatein Zur Strecke bringen, Beute machen, auf der falschen Fährte sein – überall, wo gejagt wird, haben die Menschen rund um diese Tätigkeit Wörter erfunden. Viele deutsche Redewendungen kommen aus der Jägersprache. Sprecher: Mehr als 300.000 Männer und Frauen jagen in Deutschland. Für die einen ist es nur Hobby, andere verbinden eine Leidenschaft damit, nennen sich passionierte Jäger. Sie verbringen jede freie Minute in der Natur und pflegen Wald und Tiere. Deutschland ist Jagdland, über Nachwuchs muss sich die so genannte grüne Zunft keine Sorgen machen. Jedes Jahr legen 8.000 Deutsche die Jägerprüfung ab und erwerben so die Erlaubnis zur Jagd. Seitdem der Mensch aufrecht geht, ist seine Geschichte auch Jagdgeschichte. Grund genug also, sich heute einmal in den Wald aufzumachen. Sprecherin: Ein Häuflein Männer hat sich im westfälischen Bielefeld versammelt um zu jagen. Es ist früh am Morgen, und die meisten reiben sich noch den letzten Schlaf aus den Augen. Nur die Hunde sind hellwach, ahnen, was kommen wird. Dreizehn Jäger haben sich im Jagdrevier des Bauern Reinhard Henrichsmeier versammelt, um Hasen, Fasanen und Enten zu erlegen. Ein Jäger: "So, und nun auf zur Jagd, ich wünsche allen einen guten Anlauf und Weidmannsheil." Alle Jäger: "Weidmannsdank." Sprecherin: Ganz traditionell und schön schief blasen die Jäger in ihre Hörner und signalisieren so den Beginn der Jagd. Kalt und grau ist es an diesem Morgen. Der Atem der Männer und der Hunde steigt in kleinen Wölkchen gen Himmel. Doch es wird keinen Regen geben, das Gläschen Schnaps zum Aufwärmen hat schon seine Wirkung getan, und so sind alle Weidmänner guter Stimmung. Sprecher: Ein Weidmann ist ein Jäger. Das ist ein sehr alter Begriff, bestimmt so alt wie das Jagen selbst. Die Silbe "weid" stammt aus dem Indogermanischen, das die Grundlage für die deutsche Sprache bildete, und bedeutet so viel wie Nahrung suchen, jagen. Das Wort verweist also auf die Zeit, in der die Menschen auf die Jagd angewiesen waren, um zu überleben. Einige der Rituale und Redewendungen erinnern noch daran, wie es einmal
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wie eine Treibjagd funktioniert: Georg Westerhoff: "Dieses ganze Gebiet ist jetzt umstellt. Das nächste Dorf ist nicht weit. Sprecherin: Kathrin Rottmann ist mit dem Jägerdeutsch aufgewachsen. und man lässt die Hunde nun rein. Also ein gefasster Dieb zum Beispiel. Für den Bauern ist die Jagd auf seinem 75 Hektar großen Hof im Westfälischen jedes Mal auch ein bisschen Nervensache. dass der Bock so stand." Sprecher: Schon fallen die ersten Hasen getroffen zu Boden. Aber auch im alltäglichen Gebrauch ist dieser Jägerausdruck üblich. Sie alle werden am Schluss die Strecke bilden. Zu diesem Zweck tragen alle Jäger ihre Beute zusammen. Und ich habe dann das Glück gehabt. Die Tiere werden dann in einer bestimmten Reihenfolge nebeneinander auf der Erde ausgestreckt. Und er war dann auch sofort tot. Nachdem sie das erste Feld erreicht haben. Kaninchen. aber Fasanen und Hasen sind hier. hingelegt. und dass das Tier sofort Ihr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. auch wenn er seine Pistole nicht wirklich auf den Boden legt. und deswegen ist die Erinnerung an ihren ersten richtigen Schuss auf einen jungen Rehbock noch ganz frisch. dass der Schuss saß. der nun keinen Schaden mehr anrichten kann. Geantwortet wird darauf prompt mit "Weidmannsdank". also das nötige Jagdglück.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch war. etwa wenn jemand unschädlich gemacht worden ist. wenn sie einen Braten essen wollen. gibt er auf. genauso wie auf dem Schießstand auch. Zum Jagen ist kaum noch Platz. mit kniekurzen Hosen und Gummistiefeln. als gute Jäger hoch angesehen waren. Kathrin Rottmann: "Ich habe visiert. Überall wimmelt es von Spaziergängern – die Jäger müssen vorsichtig sein. Wenn der seine Waffen streckt.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 2 von 7 . Sie hat gerade ihre Prüfung bestanden. Das wird sicherlich 'ne Strecke geben heute. und nun wollen wir mal sehen. Wie zum Beispiel der Jägergruß "Weidmannsheil". was da rauskommt. Auch die Redewendung "zur Strecke bringen" ist davon abgeleitet und bedeutet: töten. Das war also ziemlich wichtig für mich. Damit wünschen sich die Männer ein gutes Gelingen. verteilen sie sich gleichmäßig. Hasen. Der Tierarzt Georg Westerhoff erklärt. dass ich ihn also sofort mit einem Blattschuss erlegen konnte. Sein Revier liegt eingezwängt zwischen Umgehungsstraße und Friedhof. Und dann hab' ich den Bock schießen können. denn heutzutage gehen die Menschen zum Fleischer. Sprecherin: Nach so vielen guten Wünschen stapfen die Jäger tatendurstig in Richtung Feld – alle im traditionellen Grün. Kaninchen sind wenig da.

Und man sollte sich bemühen halt auch als Frau. so schallt es heraus. dass das Tier noch vielleicht hätte weglaufen können. weil mein Vater ist bei uns der Jagdpächter." Sprecher: Der kleine Bock hatte Pech. einen Begehungsschein von ihm haben. sind sie mir deshalb auch wohl gesonnen. Aber es muss auch an ihr liegen. in unserem Jagdkreis also sehr herzlich aufgenommen worden bin.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch damit fiel und nicht. wie man es in den Wald hineinruft. Und diejenigen. die mich insofern auch noch mit aufnehmen konnten. Genau das meint die Redewendung: "Wie man es in den Wald hineinruft. Selbstverständlich stammt diese Redewendung auch aus der Jägersprache. sie hatte ihren ersten Bock geschossen. hat einen Fehler gemacht. Wer – quasi ohne Waffe – einen Bock schießt. zu dem ist man auch nicht freundlich. obwohl doch immerhin 25 Prozent Frauen an den Jagdscheinkursen teilnehmen. dem wird auch freundlich begegnet. die also einen Begehungsschein bei uns haben. meint Kathrin. dass die Jagdfreunde ihres Vaters. als man sonst ist. dass ich also als Frau. Dabei hat sie noch Glück gehabt. Kathrin Glück – der Schuss saß. sie ja eigentlich als Frau mit Waffe akzeptieren müssen. so schallt es heraus". Und insofern denke ich mir. die eine Berechtigung zur Jagd. Frauen müssen sich in dieser Männerwelt unterordnen. Aber andererseits denk ich auch. ist. Sie hatte das Schulterblatt des Tieres getroffen. Kathrin Rottmann: "Bei uns zu Hause ist es so. Jägerinnen sind eine Minderheit in Deutschland. Wird diese Redewendung allerdings außerhalb des Jagdgeschehens gebraucht." Sprecher: Was Kathrin meint. Wahrscheinlich ist es auch nicht repräsentativ. sind Leute. Und zwar kein Ihr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. nicht plötzlich anders zu sein. Auch die Jäger im Revier von Bauer Henrichsmeier verwenden ihre ganz eigene Sprache und sind sich dessen bewusst. wenn man dann mit der Flinte unterwegs ist. Schließlich werden bei den Jagdscheinprüfungen auch Vokabeln abgefragt. Der Bock – in diesem Fall ein Holzgestell auf vier Beinen – war früher der Trostpreis für den schlechtesten Schützen bei Wettbewerben. Wer freundlich ist. hat sie eine ganz andere Bedeutung. Sprecherin: Zurück zur kleinen Treibjagd im westfälischen Bielefeld. sag' ich jetzt mal. und dass man hätte noch mal nachschießen müssen. Ihr Vater ist Landwirt – und natürlich auch Jäger. daher der Ausdruck "Blattschuss". Sprecherin: Obwohl sie gut schießt. Kathrins Schuss dagegen saß. wird Kathrin nicht so häufig zur Jagd eingeladen wie ihre männlichen Jagdfreunde. Und wer nicht freundlich ist.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 3 von 7 .

Die Konsequenz. in der Landwirtschaft. sondern echte Fachausdrücke. nicht von selbst verjüngen. Die Jägersprache soll wohl auch über die Tatsache hinwegtäuschen. dass noch mehr erlegt werden. Besonders denen. dass er mit seinen Ansichten im Mittelpunkt der Kritik steht. für jedes Kind. Natürlich wird keiner der Tierschützer wirklich auf ihn schießen. "Zur Strecke bringen" oder "erlegen" hört sich vielleicht nicht ganz so grausam an. Andreas Krug: "Das ist in gewisser Weise ein Paradox. Sie sind der Meinung. sich rasch vermehrt und beim Abschuss groß und gesund ist. vom Töten zu sprechen. so kritisieren Naturschützer wie Andreas Krug vom B. geboren werden.D. Sprecherin: Den Jägern bei der Treibjagd von Bauer Henrichsmeier ist diese Kritik nur allzu bekannt. für jeden Erwachsenen ein tägliches Erlebnis. vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. dass sich die Jäger in Deutschland nur um die Pflege ihrer Reviere kümmern. vergehen und Tod war auf den Höfen. kleinen Tierchen ab'. weil viele Menschen so wenig Beziehungen heute zum Tod überhaupt haben. die stolze Jäger über Größe und Beschaffenheit des geschossenen Wildes erzählen. Das sieht ja grausam aus. Wer sich nicht im Jägerdeutsch unterhalten kann. Ich kann die Leute verstehen. Das liegt aber vielleicht meines Erachtens daran. weil Jäger ja oftmals in der Bevölkerung damit zu tun haben: 'Sie schießen arme Tiere ab'.N. unter Beschuss zu geraten. aus der wir ja alle mehr oder weniger stammen. auf einen Hasen zu schießen?' Und dann sieht das fürchterlich blutig hinterher aus.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 4 von 7 .. meine ich. Der Wald könne sich. damit das Wild genug zu fressen findet. der nicht begreifbar ist. gehört nicht dazu. was wollt ihr denn? Ihr Naturschützer wollt ja noch mehr Tiere abschießen. so Krug. wachsen. wie die erfundenen Geschichten heißen. sind abgefressene Bäume. sind Jäger generell ein Dorn im Auge. Für einen Unbeteiligten ist das ein Anblick. und die Jäger schießen ja schon die armen. also töten.U. so dass man an sich als Naturschützer auch noch unter Beschuss kommen könnte der Bevölkerung: 'Ja. der sich nicht scheut. Gemeint ist mit dieser Redewendung vielmehr. Er fordert sogar. Jäger: "Für mich ist das Problem Töten an sich das größte Problem. Deswegen hat er Angst. Und wir sagen gerade: 'Schießt mehr arme Tiere ab'. Die Landbevölkerung. die den Schutz des Waldes in den Vordergrund ihres Engagements gestellt haben. Der Tod wird verdrängt heute von den meisten Menschen.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch Jägerlatein. dass die Jäger Tieren das Leben nehmen. Das TöIhr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. Gebären. die hat früher dem Tod unmittelbar gegenüber gelebt." Sprecher: Leid tun dem Naturschützer die erlegten Rehe und Hasen nicht. die sagen: 'Wie kommen die dazu. Nur einer ist beim Essen nach der Jagd dabei.

Auch wenn der Ausdruck "Beute machen" heute einen oft ganz harmlosen Charakter hat. horrido.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 5 von 7 . wird aber auch für menschliche Taten verwendet. ein Kaninchen. Natürlich muss es in korrektem Deutsch "die Majestät" heißen. Das ist diesmal nicht anders. hat man wohl den Artikel an das Geschlecht des Jagdkönigs angepasst. selbst wenn der Ertrag ganz unblutig zustande kam.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch ten an sich. hat auch das Ende einer Jagd seine Rituale. tat dies häufig. Prost." Sprecher: Der Begriff Beute hatte einmal einen ganz und gar unblutigen Sinn. Auf Majestät und Vize-Majestät. wie etwa wenn jemand besonders billig eingekauft hat. raubten und plünderten. Er war ein Ausdruck des mittelalterlichen Handels. Ein dreifach kräftiges Horrido. etwas für angemessen erklären. weil er für seinen Hund geradestehen muss. Nur wenige Jäger billigen sich das zu. Wer Beute machte. einen Fasanenhahn. Jäger: "Ich bitte jetzt Herrn König. Für ein dreifach kräftiges Horrido. die hoffentlich nicht angezweifelt wird. Dazu müssen wir uns bekennen. Nach meiner Buchführung. hat Herbert Klemme zwei Hasen. in den Krieg. Ihr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. also gestehen es sich ein. das tun wir. die Beute machen wollten. also eigentlich auf die Füße. Doch bevor die dampfenden Schüsseln auf den Tisch kommen. das müssen wir uns zubilligen. Heute ist die Redewendung vor allem in der Tierwelt gebräuchlich. Der Begriff "billig" bedeutete ursprünglich so viel wie angemessen. der ihm zugeschrieben wird. um sich zu bereichern. Es gibt keinen Rehbraten. Es gibt reichlich zu trinken und zu essen. "Billigen" oder "zubilligen" heißt also. Sprecherin: In Bielefeld haben die Jäger mittlerweile die Gummistiefel ausgezogen und sich in einer langen Reihe an den Tisch gesetzt. Erst später zogen die. sondern – ganz unweidmännisch – Schweinebraten mit Salzkartoffeln. bezeichnete den Tausch oder Wechsel. diesen Begriff zu verwenden. Prost. Donnerwetter! Ich bitte alle auf die Läufe. denn Läufe sind in der Jägersprache die Hasenbeine. und wir machen Beute. horrido. Die Strecke ." Sprecher: Genau wie der Auftakt. müssen noch die Formalitäten erledigt werden. springt alles auf die Läufe. eine Ente und den Fuchs.ein Fuchs. zunächst erstmal einmal den Majestät festzustellen und den Vize-Majestät. zwei Fasanenhähne und neun Enten – ist schon mit ein paar Gläschen Schnaps gefeiert worden. und der Majestät und sein Vize halten stundenlange Reden. den Jägergruß. acht Hasen. aber da die meisten Jagdgesellschaften nur aus männlichen Teilnehmern bestehen. Viele Jäger scheuen sich davor.

mittlerweile aber einen ganz eigenständigen Platz in der deutschen Sprache haben. Überall. In Deutschland ist sie die älteste Sondersprache. Bettina Schmieding Ihr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. Heute besteht sie aus etwa 3. Sie ist Bestandteil der meisten Sprachen dieser Welt. Jahrhundert gebräuchlich und hat mit den ersten großen königlichen Jagden begonnen. Mit einigen Beispielen haben wir Sie heute vielleicht auf die richtige Fährte gesetzt. haben die Menschen rund um diese Tätigkeit Wörter erfunden.500 Wörtern. dass viele Redewendungen und Begriffe zwar aus der Jagdsprache stammen.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch Sprecherin: Nach diesem Ausflug in die Welt der Weidmänner können Sie jetzt vielleicht ein bisschen mitreden in der Jägersprache. wo gejagt wird. Sie ist seit dem 7.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 6 von 7 . Diese Spur führt hoffentlich zu der Erkenntnis.

Sammeln Sie Argumente in Ihrer Gruppe und führen Sie anschließend eine Diskussion. eine Beleidigung für Jäger. sagen die anderen. 3. Wenn man jemanden zur Strecke bringt. … 1. der von allen Seiten kritisiert wird. tötet man ihn/sie. Teilen Sie sich in zwei Gruppen auf. bringt man ihn/sie ins Bett. steht sprichwörtlich unter Beschuss. sagen die einen.DE/alltagsdeutsch © Deutsche Welle Seite 7 von 7 . gratuliert man ihm/ihr. schießt einen Bock. dann … 1. ist auf der falschen Fährte. Jemand. 3. 2. "Jagen ist grausam und unnötig". Arbeitsauftrag "Jagen ist wichtig für den Wald". 2. Eine Gruppe befürwortet das Jagen. ein Jägergruß. 3. Ihr Deutsch ist unser Auftrag! DW-WORLD. ein Kompliment für gute Jäger. die andere ist dagegen.Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien Alltagsdeutsch Fragen zum Text Weidmannsheil ist … 1. 2.