You are on page 1of 1

09_09_082_Lange-Reihe 25.08.

2009 14:54 Uhr Seite 82

lange reihe

Kylieklau
„Better the devil you know“ –besser das, was man
kennt, als sich auf etwas Unbekanntes einzulassen!
Welch passendes (bei Kylie Minogue geklautes) Single-
Debut der von Timm-TV gecasteten „Village Boys“:
Dave (Bauarbeiter mit außergewöhnlichem Safe-Sex-
Handschuh), Daniel (leichter Matrose), Pierre (animali-
sche Fellweste) und Valdimir (Verkehrspolizist). Zum ei-
nen sind da die langweiligen Kostüme (Bruce Darnell weint!),
für eine ordentliche Choreographie im ersten Video hat‘s bis
auf Augenzwinkern und laszives Lippenlecken auch nicht ge-
reicht (Detlef D. Soost würde ausrasten!). Und der Sound
ist olle 90er-High-Energy-Gay-Massendisco. Frontmann
Pierre überzeugt zwar mit kräftiger Stimme und Dave mit
seinem sympathischem Sixpack. Aber ob das die Boys
bis zur nächsten CSD-Saison rettet? Denn vorher will das
echt niemand sehen... BJÖ Foto: Universal

Der TOP!-Tipp im September von RICARDO M. Merkel hilft eine SPD, in
der die entscheidenden
Sehr verehrtes Publikum, herzlich willkommen im offiziellen RICARDO Männer alt, müde, zart
M.-Wahlstudio! Hier TOP!-aktuell die erste Wahl-Prognose der homose-
xuellen Wählerstimmen zur Bundestagswahl 2009: Partys 33,33 %, Sex oder schwul sind.
33,33% und das Thema Mode liegt ebenfalls bei 33,33 %. Sehr schön zu
Springers Allzweckwaffe Ulf Poschardt sinniert in der
sehen in diesem unerwarteten Wahlergebnis: die Ein-, oh hoppla, Dreifal- Welt über den unmännlichen Wahlkampf
tigkeit der Community. Spannend wie in jedem Jahr: die Koalitionsfrage.
Schaffen es „Mode“ und „Parties“ sich zu einer Ausgeburt an kulturel-
ler Vielfalt durchzusetzen oder gelingt der „Sex-Party“-Koalition
etwa genau das gleiche? Aus meinen TOP!-informierten Krei-

10
sen höre ich soeben, dass auf Antrag eines Homo-Begeh- Sekunden schneller als
rens die übliche Dreier-Koalition wie in den vergangenen ihre persönliche Bestzeit
Jahrzehnten weiter bestehen bleiben soll. Absoluter Kon- lief die 18-jährige Südafri-
trast dazu: meine Publikums-Recherche! Diese spricht kanerin Caster Semenya,
eine deutlich andere Sprache: hier tummeln sich hoch- als sie bei der Leichtathle-
interessierte junge Dinger neben TOP!-informierten und tik-WM in Berlin Gold über
Foto: rubenundcaroline.com journalistisch versierten BINGO!-Gewinnerinnen. Highlights 800 Meter holte. Der Welt-
auch immer wieder: die Sanges- und Tanzfreude attraktiver Gays jeden Alters. Gibt es also doch eine verband IAAF stutzte – und ordnete einen
Chance, die o.g. Dreier-Koalition zu verhindern? Ich setze auf Sie und gebe Ihnen meinen TOP!-Tipp: Geschlechtstest an um prüfen zu lassen, ob
seien Sie wählerisch am 27. September! Ihr RICARDO M. www.ricardo-m.com Semenya tatsächlich eine Frau ist.

Was den schwulen Hamburger bewegte
hinnerk, September 1998. „Die schwule Wählerschaft ist so etwas lichkeit geschafft und war erstmals wahlkampftauglich geworden.
wie eine neue Entdeckung“ sagte der Chef des Meinungsforschungs- Einzig die Union verteidigte mühsam ihr erzkonservatives Famili-
instituts Forsa vor der Bundestagswahl vom 27. September. Erst- enbild. So meinte Wolfgang Schäuble (CDU) damals etwas hilflos:
malig bemühten sich alle großen Parteien mit Ausnahme der Union „Der grundsätzliche Schutz von Ehe und Familie schließe nicht aus,
um schwule Stimmen: SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder im dass andere Formen menschlichen Zusammenlebens in unserer
hinnerk-Interview genauso wie Jürgen Trittin, Guido Westerwelle Freiheitsordnung respektiert werden könnten“. Und so resümierte
oder Gregor Gysi. Hauptargumente der Wahlkämpfer: die Homoehe hinnerk auf die Frage „Was servieren uns die Parteien?“ bei der
in unterschiedlicher Ausgestaltung und ein angestrebtes Antidis- Union: „Fetten Kohl mag es im Menü der Christdemokraten wohl
kriminierungsgesetz. Seit Mitte der Neunziger hatte die rechtliche Si- geben – aber nicht für Homos. Auf der Speisekarte stehen nur Fa-
tuation von Schwulen und Lesben in der bundesdeutschen Gesell- milienplatte und Seniorenteller...“ Nach der Wahl war fetter Kohl
schaft ihren Weg aus verborgenen Politzirkeln ins Licht der Öffent- dann von der bundesdeutschen Politspeisekarte abgesetzt. PEGE

82 hinnerk 09/09