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Egoistische Vorteilsuche und überlegtes Abwägen von
Kosten und Nutzen stehen bei einer Heirat im Vordergrund.
Niemand heiratet, wenn die Nachteile überwiegen. Jeder
weiß das. Darum hat man den Begriff „Liebe“ erfunden.









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Übersicht


Erstes Kapitel Heiratsgedanken
Zweites Kapitel Mordgedanken
Drittes Kapitel Philosophisches Ehekonzept
Zum Autor
Kontakt und Feedback


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Heiratsgedanken

„Eine Sexual- und Eherevolution ist im Anzuge. Es ist nahe liegend,
dass der dadurch aufgerollte sehr verwickelte Fragenkomplex sowohl
die Frauen wie auch die Jugend besonders beschäftigt. Sie leidet wie
jene ganz besonders schwer unter den heutigen sexuellen
Missständen. Sie rebelliert mit dem vollen Ungestüm ihrer Jahre
dagegen. Das begreift sich. Nichts wäre falscher, als der Jugend und
den Frauen mönchische Askese zu predigen und die Heiligkeit der
schmutzigen bürgerlichen Moral.“
Wladimir Iljitsch Lenin
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Gestählt durch Ehen und allerlei eheähnliche
Beziehungen habe ich es irgendwie geahnt. Die Frau
ist von ihrer Natur her zum Gehorchen bestimmt.
Ihr ist das Glücklich machen des Mannes von der

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Natur aufgegeben.
Liebe und verehrte Leserin, ich höre Ihren
empörten Aufschrei. Bitte bleiben Sie besonnen.
Gewalt ist keine Lösung. Man wird zwar so alt wie
eine Kuh, aber man lernt immer noch dazu, wie
schon Goethe (oder Schiller, wer es war ist mir
momentan entfallen) einmal gesagt hat. Es ist nicht
so wie Sie denken und noch weigere ich mich, in der
Tradition altdeutscher Geistesgrößen zu denken.
Obwohl, manchmal befallen auch mich die
Zweifel. Die Zeiten ändern sich nun mal. Auch ich
muss das Umdenken lernen, um Neues und
Ungewohntes erfolgreich zu lehren. Darum halten
wir der Ordnung halber und mit kühlem Kopf die
von mir ermittelten Fakten fest. Unumstößliche

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Tatsache ist, dass das Ergebnis meiner langjährigen
Feldforschungen nur eine Erkenntnis zulässt. Selbst
vollkommen unabhängige und selbstbewusste
Frauen schließen sich ohne lange Nachzudenken
irgendeinem Mann an, von dem sie sich lenken und
beherrschen lassen. Sie heiraten überlegt nach
oben, und sie entsorgen geistig und finanziell
Unterbemitteltes gewissenlos und ohne Rücksicht
auf die Regeln der Genfer Konventionen. Die
Ursachen für dieses egoistische Verhalten sind noch
nicht erforscht. Nach der allgemeinen Lehrmeinung
mag es darin zu suchen sein, dass Frauen einfach
eine Art Meister brauchen. Entweder als Ehemann,
Liebhaber, oder als eine Art Beichtvater. Dem
möchte ich mich anschließen, und darum musste

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das auch in aller Deutlichkeit und ohne falsche
Scham geschrieben werden. Leider ist diese
lebensnahe, aber weitgehend vergessene
Erkenntnis auch nicht von mir. Sie wurde von mir
nur etwas griffiger für den sogenannten Gender-
Mainstream umformuliert, ist aber dem Sinn nach
von dem von mir sehr geschätzten Arthur
Schopenhauer, der diese zeitlosen Sätze in Parerga
und Paralipomena II (Über die Weiber) ausführlich,
aber etwas sperrig formuliert hat.
Die weitere Lektüre des Schopenhauerschen
Textes möchte ich meinen geschätzten Leserinnen
und Lesern ersparen, denn ich kann seine
Richtigkeit durch meine Langzeitstudien mit meiner
derzeit zweitbesten Freundin und Muse Viola

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sozusagen repräsentativ beweisen.

Wie meine engeren Freunde, und auch die
treuen Leserinnen meiner Fachpublikationen
vielleicht noch wissen, ist Viola eine vollkommen
unabhängige Frau im mittleren Alter, so wie
unzählige andere Frauen auch. Sie hat vor etwa
sieben Jahren Werner geheiratet, um heute
selbstbewusst mit beiden (sehr schönen und auch
gut schließenden) Beinen mitten im Leben zu
stehen, und als aktive Projektmanagerin das
gemeinsame Leben zu meistern. Oder wie eine
bekannte Staubsauger-Firma behauptet: „Sehr
erfolgreich ein kleines Familienunternehmen zu
führen.“

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Ich weiß es, aber Sie wissen nicht, wie es
hinter den zugezogenen Gardinen der
gutbürgerlichen Villa zugeht. Tatsache ist, dass Viola
und Werner eine wunderbare Ehe der
gegenseitigen Akzeptanz als notwendiges Übel zur
Erhaltung eines gehobenen Lebensstandards
führen. Mit Gucci-Schuhen aus Schlangenleder und
mehreren Prada-Täschchen gut versorgt, ist sich
Viola in ihrem verflachenden Eheleben der
psychologischen, aber auch der pragmatisch
bedingten Vermengung todfeindlicher Werte nicht
bewusst. Ich behaupte sogar, dass sie es sich auch
nicht bewusst machen will. Zu meinem großen
Bedauern ist auch dieser prägnante und durchaus
erwähnenswerte Satz auch nicht von mir, sondern

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von dem bekannten Philosophen und Autor
„Unbekannte Quelle.“
Dagegen hat Werner (Violas Ehemann, mein
bester Kumpel und Steuerberater in Personalunion)
durch sein Kapital als gutverdienender
Steuerberater und Zahlenmensch ein Monopol
geschaffen, dem sich Viola gezwungenermaßen
unterordnet. Ob die Unterordnung freiwillig, durch
psychologischen Zwang, oder aus
Verstandesgründen erfolgt, weiß ich nicht. Wichtig
ist zu wissen, dass Werner über die Macht verfügt,
und Viola die großzügig zugeteilten,
wirtschaftlichen Privilegien genießt. Intuitiv ahnt
Viola die möglichen Konsequenzen, die aus der
aktiven Forderung nach Klassenkampf und Freiheit

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vom schweren Joch der ehelichen Unterdrückung
entstehen können. Mit billigen Deichmann-Latschen
an den Füßen und dazu einem kleinen Hunger im
Bauch, ist es schwer, auf der freien Wildbahn der
gnadenlosen Eitelkeiten, im Spannungsfeld von
fortschreitendem Alter und steigenden Ansprüchen,
überleben zu müssen.
Aus der Perspektive versklavter Völker sind die
Herrschenden immer die Blöden. Das weiß Viola
und Werner auch, weil ich es ihm gesagt habe. Aus
diesem und keinem anderen Grund bekommt
Werner von Viola zwar nicht direkt, aber
Unterschwellig die der Kapitalistensau zustehende
Verachtung zu spüren.
Andrerseits verhält sich Viola konsequent nach

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dem in Insiderkreisen bekannten und bewährten
Sklavenfreiheitssyndrom. Das Verhaltensmuster ist
wissenschaftlich weitgehend erforscht, aber im
zwischenmenschlichen Mann-Frau-Bereich kaum
bekannt. Es lautet in Kurzfassung: „Futter mit
Peitsche erzeugt Hingabe und Demut“, und in der
erklärenden Langfassung: „Wenn man Sklaven in
die Freiheit entlässt, kommen die meisten
ehemaligen Leibeigenen nach kurzer Zeit zu ihren
Unterdrückern zurück, denn da gibt es zwar hin und
wieder Peitschenhiebe, aber auch Futter und
Arbeit, was ja ganz so schlecht nicht ist.“
Nun bekommt Viola zwar nach meinem
Wissenstand keine heftigen Peitschenhiebe, aber
wenn man Züchtigungen mit ehelichem Stress

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gleichsetzt, dann kommt das auf das Gleiche raus.
Dass Viola hin und wieder aufmuckt stört Werner
nicht sehr, denn er kennt seine Macht und das ist
gut so – jedenfalls für Werner und auch für mich,
denn ich bin der Villa der offiziell anerkannte
Kriegsberichterstatter.

Verehrte Leserin, lieber Freund und
Leidensgenosse, ich weiß, dass mein authentischer
Lagebericht kompliziert wird. Damit wir den
Überblick nicht verlieren, fassen wir aus Gründen
der chronologischen Übersicht, Violas und Werner
Ehe- und Beziehungskonstellation gerafft
zusammen: Als ehemalige und durchaus fanatische
Revoluzzerin gegen vage definierte

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Ungerechtigkeiten in weit entfernten Ländern, mit
immer offenem Ohr für die Nöte der Arbeiterklasse
in nie betretenen Fabriken, bunt gemischt mit
konsequente Engagement für den Schutz großer,
möglichst knuffiger Tiere mit unschuldigen Augen,
ist Viola gezwungen, als Sklavin des Kapitals ihre
Individualwürde und ihren zeitgeistigen Anspruch
auf eine halbwegs menschenwürdige Existenz in
Champagner zu ersäufen. Das sagte schon
sinngemäß Wladimir Iljitsch Lenin, ein verstorbener
sowjetischer Politiker. Wladi war ein begnadeter
Visionär, aber anzunehmen ist, dass er wie ein
Brummkreisel in seinem Mausoleum rotieren
würde, wenn er von der heuchlerischen Dekadenz
des 21. Jahrhunderts erfahren würde. Darum

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decken wir auch den blickdichten Mantel der
Verschwiegenheit über die modische Fahrrad- und
Biolädchenfolklore, der sich Viola neuerdings
verschrieben hat, wenn sie aus Imagegründen nicht
ihr schnittiges Mercedes-Cabrio der SLK-
Volllederausstattung zum Bio-Wochenmarkt in
Sindelfingen ausfährt.
Sie liebe Leserin, aber auch du mein Freund
wirst mir zustimmen, dass Violas Ehe-Schicksal ein
schreckliches Schicksal ist. Meine auf meiner
vorläufigen Hitparade derzeit zweitbeste und nicht
zu dünne Freundin Viola muss bei vollem
Bewusstsein das schwere Joch der Ehe tragen. Aber
wie es im Leben so und nicht anders ist. Der Besitz
von Geld bestimmt nun mal den Grad der Macht

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und andererseits das Spektrum des zu leistenden
Gehorsams. Ehe ist und bleibt eine Institution, die
nach einem einfachen Kosten-Nutzen-Merksatz
funktioniert. Er lautet: „Die Vorteile müssen größer
sein, als die Nachteile.“
Für Viola zahlt es sich aus, sich nicht zu sehr zu
mucksen, damit die ehelichen Vorteile die sie
genießt, von Werner nicht bemerkt werden, denn
neuerdings liebäugelt Werner mit der hübschen
Praktikantin, und die ist nicht ohne, rein figürlich
gesehen und dazu auch noch zweiundzwanzig Jahre
jünger als Werner - und die Praktikantin ist mit
hübschen Blumen glücklich, weil sie noch an die
große Liebe und solche Sachen glaubt. Das gibt zu
denken, denn der Unterhalt einer blitzgescheiten

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Praktikantin ist billiger, als die Finanzierung einer
anspruchsvollen Ehefrau. Man muss nur an den
sprichwörtlichen Esel denken, dem an einer Stange
eine Mohrrübe vor der Nase schaukelt, die er aber
nie erreichen kann, und trotzdem mit hungrigem
Magen Kilometer um Kilometer schwere Lasten
zieht, nur um seinem Herrn und Meister
gewissenhaft zu dienen.
Um das Thema mit einer kurzen Rast an einem
weiteren, literarischen Milestone etwas
aufzuhellen, bleibt mir an dieser Verschnaufstelle
nur die Feststellung, dass der Traum von einer
Liebesheirat nur ein Wolkenkuckucksheim ist, in
dem sich die Lerche und die Nachtigall um den
besten Platz streiten. Nach meiner Erfahrung kann

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in der realen Welt eine Ehe nur funktionieren, wenn
sie durch Regeln und Riegel wie ein
schwerbewachtes Haus gegen mögliche Ein- und
Ausbrüche abgesichert wird. Doch bevor ich den
sprichwörtlichen „roten Faden“ meines Vortrags
endgültig verliere und im literarischen
Niemandsland aufschlage, kommen wir zu Violas
und Werners Ehe zurück.

Violas und Werners heiliger Bund war, wie
könnte es anders sein, eine Liebesheirat. Ich kann
mich noch ziemlich deutlich an das feierliche
Ereignis erinnern. Am Vorabend ihrer Hochzeit
saßen Viola und ich zusammen und wir freuten uns
giggelnd wie die Kinder auf den nächsten Tag. Ich

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auf das reichhaltige Essen und die Abwechslung
vom grauen Singleleben zum verordneten
Fröhlichsein, und Viola auf die fette Beute, aber das
sagte sie natürlich nicht. Jedenfalls nicht so
deutlich, denn mit vollem Mund ist nicht gut zu
sprechen.
Ich fand und finde es auch heute noch mental
ergreifend, wenn sich zwei liebende Menschen
unter so eindeutig definierten Bedingungen
zusammenfinden, um zuerst vor dem Notar, dann
vor der Gesellschaft, und zum Schluss vor der
Geistlichkeit, in Anwesenheit der verfressenen
Mischpoke, eine immerwährende Gemeinschaft
einzugehen. Dieser dreifach abgesicherte Vorgang
verspricht Gefühlssicherheit und mit den Ringen

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wird die egoistische Rechtesicherung besiegelt.
Anfangs nur nebenbei erwähnt wurde der Umstand,
dass Viola am Morgen ihres letzten Tages in Freiheit
einen Ehevertrag in Liebe und Vertrauen
unterschrieben hatte.
„Es ist nur eine Formalität, wegen den Steuern
und so …“, sagte mir Viola beiläufig, aber ich habe
es sofort erkannt. Es waren Werners kluge Worte
aus Violas schönem Mund.
Hätte ich ihr das so deutlich sagen sollen?
Viola war an diesem Abend in bester
Vorheiratslaune und trotz zweier Fehlstarts noch
nicht zu sehr eheverseucht. Endlich, nach zwei
gescheiterten Ehen, war sie wieder Braut, und es
sollte eine Liebesheirat mit allem Drum und Dran

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und einem kapitalen Goldfisch am Angelhaken
werden. Anzumerken ist, dass gefangene Fische
durch einen kräftigen Schlag mit einem Holzknüppel
betäubt werden, damit sie nicht mehr zappeln und
bald verenden. Werner dachte vermutlich ähnlich.
Aber wie ich ihn kenne, nicht an ein
Schlagwerkzeug, sondern an eine Fußkette um
Violas schlanke Fesseln und mit einem genau
berechneten Aktionsradius zwischen Küche,
Waschmaschine und Bett, was aus Sicht des
kapitalen Goldfisches durchaus legitim ist.
Viola befand sich an diesem Tag, auch am
Abend, und auch noch vor dem Standesbeamten
auf einer rosaroten Gefühlswolke. Treu und brav
wie es sich für eine liebende Frau gehört, hatte sie

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der Gütertrennung und dazu dem Verzicht auf
Zugewinn- und Versorgungsausgleich zugestimmt.
Viola und Werner waren sich einig, denn es war ja
nur eine unwesentliche Formsache, dass Viola auch
auf nachehelichen Unterhalt (außer für die Zeit der
Kinderbetreuung) verzichten sollte. Auch an später
hatte Werner der Grundgute gedacht. Falls die Ehe
scheitern würde, was einen Tag vor der Hochzeit
undenkbar erschien, sollte Viola eine Abfindung von
sensationellen 30.000 Euro erhalten. Frühestens
aber nach einer zehnjährigen Ehe und keinesfalls
vorher, oder bei einer kürzeren Ehedauer als genau
abgezählten dreitausendsechshundertundfünfzig
Tagen.
Zwar weiß ich, und jeder einigermaßen klar

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denkende Mensch auch, dass solche Eheverträge
nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München
(Aktenzeichen 4 UF 7/02) unwirksam sind, aber das
wusste Viola nicht. Dabei sagt das Urteil eindeutig,
dass so ein Ehevertrag einer „gleichberechtigten
Lebenspartnerschaft" widerspreche, denn er
begünstig den Mann. Die Frau müsse auch nach der
Scheidung ihren durch die Ehe rechtmäßig
erworbenen Lebensstandard beibehalten können.
Die Richter sahen es in dem erwähnten Fall als
erwiesen an, dass der Mann bei Unterschrift des
Vertrags „seine dominante Lage" ausgespielt habe.
Werner war besser informiert und hatte
andere Vorstellungen von einem durch seine
Arbeitskraft finanzierten Lebensstandard einer Ex-

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Ehefrau. Er hatte in den Ehevertrag eine kleine
Klausel aufgenommen, dass Viola den Ehevertrag in
„freier Willensentscheidung" akzeptiert habe, und
vermutlich mit dem weiteren Zusatz, dass sie bei
Unterschrift auch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte
gewesen wäre, was sie nachweislich nicht war und
oft auch nicht ist. Zur Belohnung für so viel
Wohlverhalten durfte Viola ihre rostrote Uralt-VW
Prollschüssel aus der Pink-Floyd Serie gegen ein
neues SLK Modell mit Stern und geschmackvoll
nuanciertem Leder an gemasertem Echtholz
vertauschen, das Werner günstig und für seine
Firma steuermindernd für erst mal drei lange
Ehejahre geleast hatte. „Danach sieht man weiter“
sagte mir Werner, und ich musste ihm zustimmen,

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denn wie bereits erwähnt ist er mein bester
Kumpel.
Werner wusste natürlich, und das dürfen wir
ihm auch nicht übelnehmen, dass das Timing und
die Umstände für Vertragsabschlüsse eminent
wichtig sind. Eigentlich weiß das jedes Kind, das
zuerst mit Bonbons gelockt wird, und vorher, in
Aussicht der noch nicht greifbaren Süßigkeiten, das
Versprechen abgepresste bekommt, endlich brav zu
sein.
Und was war mit Viola und ihrem Verstand?
Viola hat ihrer geistigen Tugend gefrönt, wie andere
dem Rauchen. Nur darum hatte sie keine
Alternative. Der Ehevertrag war ein Angebot, dass
sie nicht ablehnen konnte. Werner wollte ihre

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Unterschrift auf dem Vertrag und dazu ihr
schwaches Gehirn.

Da Viola in meinem vorliegenden Buch als
Frau Mustermann herhalten muss, ist an dieser
Stelle ein kleiner Zwischenstopp notwendig.
Angeblich blenden drei von vier Frauen das Thema
Finanzen aus den verschiedensten Gründen aus.
Das geht aus der Commerzbank-Studie „Die
Psychologie des Geldes" hervor. Viele Frauen
agierten in Geldfragen weniger selbstständig als
Männer. Die Mehrzahl der Frauen verdrängt die
Zahlen, Daten und Fakten der ehelichen
Unternehmung regelrecht, und sie bürden dem
Mann die schwere Last der Finanzverwaltung und

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 27
damit auch die gerechte Zuteilung der Kohlen auf.
Oder wie ein bundesdeutscher Außenminister gern
sagt: „Auf einem Schiff das dampft und segelt,
braucht´s immer einen der das regelt.“ Das
bedeutet, dass der Mann der Kapitän des Eheschiffs
ist, und Viola, stellvertretend für die Mehrzahl der
verheirateten Frauen, die Heizerin, die ein bisschen
die zugeteilten Kohlen hin und her schaufeln darf.
Das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, aber wie
wir aus der Geschichte der Seefahrt wissen, können
Heizer auch ziemlich rabiat werden. Sie neigen zur
Streitsucht, zur Revolution und verlassen wie die
klugen Ratten auch gern mal vorzeitig das Schiff,
wenn nicht mehr genug Kohlen zum schaufeln da
sind - um dann auf einem Dampfer mit mehr Kohlen

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anzuheuern – metaphorisch gesprochen.
Da Viola eindeutig zur Mehrheit gehört, gab es
für seine keine diskutierbare Alternative, denn ihr
Gehirn hatte ja bei der Planung von strategisch
platzierten Streu-Engelchen, Tischordnung mit
Rosen und unschuldig, weißem Hochzeitskleid mit
Myrtenkränzchen (geschlossen) schon ausgesetzt.

Nach dieser kleinen Vorgeschichte und zur
Feier des kommenden Tages, gab es für mich nur
noch die Entscheidung zwischen Johnnie (Walker)
und Jim (dem guten alten Kumpel Beam aus dem
schönen Kentucky). Mein Glaube und meine
Hoffnung auf eine bessere Welt brauchten dringend
spirituose Hilfe. Ich beschloss die Dinge lustiger zu

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nehmen als sie sind, denn ich hatte sie zu lange
ernster genommen, als sie es verdienten.

Es war, wie es sich für eine Liebeshochzeit
gehört, im schönen Mai. Die Frühlingsluft war an
diesem Vorabend besonders sämig. Schon das
Zusammentreffen dieser Faktoren hätte mir als
Warnung vor der göttlichen Hinterlist erscheinen
müssen. Denn aus Erfahrung weiß ich, dass der
liebe Gott, wenn er es gut meint, ein ziemlich
nachtragender Scherzkeks sein kann. Zumindest
sind seine göttlichen Wege unergründlich, während
der Mensch denkt, dass er um einiges ausgekochter
ist.
An sich ist nichts einzuwenden, wenn sich zwei

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Menschen zusammenfinden, um eine gewisse Zeit
gemeinsam zu leben. Aber wer sich nur auf
weltlichen Versprechungen verlässt, der schließt
nur einen unzulänglichen Vertrag. Eine doppelte
oder noch besser, eine dreifache Absicherung ist
von Vorteil. Jeder weiß, dass Versprechungen nichts
bedeuten und nach Belieben gebrochen werden.
Zur vollkommenen Selbstaufgabe gehört mehr. Und
zwar die Dienstleistung des Glockengeläuts und des
Absegnens durch den weltlichen und sichtbaren
Vertreter des unsichtbaren Beherrschers der
himmlischen Liebesmacht.
Auch Viola und Werner wollten auf Nummer
Sicher gehen und fanden sich nach dem
Notartermin und dem standesamtlichen Ritual bei

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einem bei einer weltlichen Institution angestellten
Großmeister der den Neigungen entsprechenden
Glaubensrichtung ein. Es war ein feierlicher
Vorgang, der nicht nur die Seele mit rituellen
Formeln angenehm ruhigstellte. Es war auch ein
Vorgang des Abschieds und den Neubeginns. Der
unbeschwerte Lebensabschnitt der
Unzuverlässigkeit neigte sich dem Ende zu, und der
neue Lebensabschnitt der geordneten Verhältnisse
sollte nun für Viola beginnen. Angenehm an diesem
Anlass war, dass man zu dieser Gelegenheit den
Freunden, Verwandten und Bekannten mal so
richtig zeigen konnte, dass man es sich noch leisten
kann, das Opferlamm schön geschmückt zur
Schlachtbank zu führen.

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Zwar bin ich nicht sehr religiös motiviert, aber
ich mache mir hin und wieder so meine spirituellen
Gedanken. Ich dachte an „erlöse mich von dem
Übel …“, und dass Ehen angeblich im Himmel
geschlossen werden, wie der Dichter sagt, wenn ihn
die Muse abbusselt. Blitz und Donner führen im
Himmel eine ideale Ehe, auch das ist seit vielen
Jahren bekannt. Dennoch drängten sich mir
misstrauische Fragen förmlich auf. Eine immer noch
unbeantwortete Frage bewegt mich besonders. Auf
der realen Mutter Erde leiten Blitzableiter die
kritische, vom Himmel kommende Energie ab. Die
irdische Kirche und der allwissende Herrgott im
Himmel gehören untrennbar zusammen. Aber

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warum haben Kirchtürme und Kirchen Blitzableiter?
Trauen die Kirchenbesitzer dem Partner in den
Wolken nicht über den Weg? Solche Gedanken
gingen mir durch den Kopf, als ich Viola im
schneeweißen Hochzeitskleid sah.

Liebe und verehrte Leserin. Ich gehe davon
aus, dass Sie moralisch gefestigt und im Vollbesitz
Ihrer geistigen Kräfte sind. Darum möchte ich Ihnen
die besonderen Ereignisse dieser ergreifenden
Zeremonie nicht vorenthalten. Falls Sie so eine
Feierlichkeit vor sich haben, sollten Sie zu Ihrer
eigenen Sicherheit an anderer Stelle weiterlesen.
Wenn Sie so etwas lebend überstanden haben,
sollten Sie mir von Ihren Erfahrungen berichten.

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Ich war ganz dicht, sozusagen hautnah dabei.
Es war ein feierlicher Moment, und ich muss
zugeben, auch ich durfte erfolgreich gegen die
Tränen der Rührung ankämpfen. Meine dreilagigen
Papiertaschentücher gaben mir noch weniger
Auslaufschutz als eine zweiflügelige Slipeinlage, und
ich zerknüllte zwei Taschentücher mit tempo, und
ein weiteres sotto voce, aber mit nervösen Händen.
Zwar hatte ich beim Gang in die Kirche eine
kleine Heidenangst, denn das Bezweifelbare ist und
bleibt das Ungewisse. Als bekennender Atheist und
Frevler, der vor langer Zeit auf einer Sindelfinger
Kirchenbank (siebte Reihe links) von einer Böblinger
Uschi (Marion M.) einen erstklassigen Hand-Job mit

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 35
nassem Mösengriff genossen hatte, bewegte ich
mich sozusagen auf feindlichem Territorium. Darum
hielt ich beim Betreten der heiligen Stätte zuerst
einmal sehr vorsichtig einen Finger in das
Weihwasserbecken – etwa so, wie man eine
glasklare Flüssigkeit prüft, ob es sich um Salzsäure
oder Quellwasser handelt. Aber mir geschah nichts
Böses. Das Kirchendach stürzte trotz meines
Vorteils beim kommenden Wandel nicht ein, und
ich dachte im Schritt etwas ermattet, an den Vortag
und an schwingende Glocken.
Ius primae noctis
1
war nicht nur aus
traditionell motivierten Gründen das mir

1
Mit ius primae noctis (lateinisch „Recht der ersten Nacht“) wird das Recht eines Herrn bezeichnet, bei
der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstehen, die erste Nacht mit der Braut verbringen zu
dürfen.


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Seite 36 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
zustehende Recht an meiner Freundin Viola, das ich
seit Jahren auch ausgiebig in Anspruch genommen
hatte. Auch in Zukunft und nach Violas
entscheidendem „Ja, ich will“ wollte ich aus
Gewohnheitsgründen nicht darauf verzichten. Denn
wie bereits erwähnt, ist Viola meine zweitbeste
Freundin und unkompliziert im Handling. Außerdem
hatte ich als neutraler Berater, die feinen, die
unschuldig weißen Spitzendessous mit ausgesucht
und den perfekten Sitz fachmännische begutachtet.
Liebe Leserin, Sie müssen nicht schockiert
sein. Ich darf das, denn ich bin Violas Vertrauer für
alle Gelegenheiten. Doch etwas hatte ich nicht
bedacht. Eigentlich traf mich die Hauptschuld an
dem absehbaren Desaster. Denn ich hatte die Kuh

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geschmückt, damit ein anderer, und zwar mein
bester Freund sie zur Schlachtbank führen konnte.

Bitte liebe Leserin, verurteilen Sie mich nicht.
Ich bin nicht so mutig, dass ich eine Märtyrerin, die
im festen Glauben an das Gute und Reine ihre
fanatischen Taten vollbringt, von ihrer Entscheidung
abbringen kann. Immerhin, und das müssen Sie mir
zugutehalten, habe ich Viola zuerst mit schönen
Worten, dann mit deftigen Ausdrücken, und zum
Schluss durch langsames zuschnüren ihres
reizvollen Korsetts zu verstehen gegeben, dass eine
Heirat schon immer ein Vorgang war, der nur mit
der Erwartung verknüpft wird, dass sich der
Besitzstand oder die Vorteile vergrößern. Wer geht

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Seite 38 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
schon bewusst das Risiko ein, sich durch eine Ehe zu
verschlechtern. Niemand mit klarem Verstand
heiratet freiwillig, wenn dauerhafte Nachteile zu
erwarten sind. Alle anderen Gründe sind nur
hübsche Schleifchen auf bunter Verpackung um
einen eigentlich sehr banalen Inhalt fürs latent
schlechte Gewissen aufzupimpen.
An dieser Stelle muss ich unwillkürlich an die
alten Zeiten denken. Früher war irgendwie alles
besser. Heiraten war eine rein materielle
Angelegenheit, bei der handfeste Vorteile eine
entscheidende Rolle gespielt haben. In den guten
alten Zeiten wäre kaum jemand auf die Idee
gekommen „aus Liebe“ zu heiraten. Auch wenn uns
die Beschreibungen der klassischen Liebespaare

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 39
aller Epochen etwas anderes weismachen wollen.
Es mag ja sein, dass hin und wieder tiefe
Liebesgefühle vorhanden waren. Aber letztendlich
stand der brutale Vorteil im Vordergrund der
Paarungsentscheidung, der dann als „Liebe“,
sozusagen nachträglich geschichtsverfälscht wurde.
Liebe entstand durch die Vermehrung des
Besitzstandes, zum Beispiel durch die
Zusammenlegung von Äckern und Höfen zweier
Familien. Auch die Verbindung von Stammes- oder
Fürstenhäusern war eine beliebte Variante um den
Frieden zu sichern und Länder zu vereinen. Die
Liebe hat sich im Laufe des Zusammenlebens dann
schon irgendwo und irgendwann eingefunden. Aber
solche banale Heiratsgründe sind für die klassische

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Seite 40 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Literatur wenig geeignet. Schmelzende Herzen
brauchen Storys, die sich am Romeo-und-Julia
Prinzip orientieren, und ohne Umwege das
zerebrale Gemütszentrum der weiblichen
Bevölkerung paralysieren.
Aus Inspirationsgründen habe ich vor einiger
Zeit in meinem Lieblingsbuch aus der einschlägigen,
spirituellen Literatur geschmökert. In der Bibel kann
man über den legendären König Salomon lesen, wie
er klug und besonnen seinen Besitz verwaltet hat.
Über 700 Ehe- und 300 Nebenfrauen wurden von
kastrierten Haremswächtern bewacht.
Mohammed ist Eheangelegenheiten anders,
und zwar behutsamer vorgegangen. Er wollte sich
und seinen Anhängern diesen Verwaltungsaufwand

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 41
nicht antun, und begrenzte die Zahl der Ehefrauen.
Pro Mann waren von nun an höchstens vier
Ehefrauen gestattet. Sich selbst gestand er jedoch
einen etwas größeren Harem von zehn Ehefrauen
und zwei Konkubinen zu, und für seinen ganz
persönlichen Hausgebrauch war er auf die ganz,
also die wirklich ganz jungen Mädelz spezialisiert.
Im alten China wurden den Frauen die Füße so
lange bandagiert, bis sie mit ihren anmutig kleinen
Füßen das Haus kaum noch verlassen konnten.
Anzunehmen ist, dass Werner an das nicht gedacht
hat. Bewusst war und ist ihm aber, dass eine Ehe
eine Vereinbarung über eine wechselseitige
Dienstleistung mit gegenseitiger
Bedürfnisbefriedigungsabsicht ist. Erst mit dem

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gegenseitigen Versprechen, die Bedürfnisse nach
dem Grad ihrer Wichtigkeit zu befriedigen, entsteht
eine ungeschriebene Übereinkunft, die das zeitlich
begrenzte Zusammenleben regelt.
Damit meine präzise und auf historischen
Fakten begründete Beschreibung nicht zu
ernüchternd klingt, wird die Ursache einer
Eheschließung mit dem Begriff „Liebe“
ausgeschmückt. Oder haben Sie etwa geheiratet,
weil Sie nur Nachteile aus der Verbindung zu
erwarten hatten?
Bei Viola muss es reine und wahre Liebe
gewesen sein, denn erst im Nachhinein entschied
sich Viola für das Denken. Nicht vor ihrer Ehe,
sondern in ihrer Ehe, und da war es zu spät.

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Mordgedanken

Menschen sind nicht treu, weil sie es versprechen. Wer kann von sich
behaupten, alle Versprechen einzuhalten? Wer hat noch nie gelogen?
Wer hat noch nie eine Regel gebrochen? Falls es so einen Menschen
gibt, schreibt mir. Besser noch, meldet euch bei einem Zoo, damit
dieser Mensch als Unikum dort ausgestellt wird.
Es ist eine bittere Wahrheit: Liebes- und Treueschwüre sind nichts
anderes, als Versprechen ohne werthaltige Garantien. Darum plane
kein Haus auf Liebes- und Treueschwüre.
Keine Bank gibt dir darauf einen Kredit.

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Bei Violas Blick musste ich spontan an Alfred
Hitchcock denken, der einmal gesagt haben soll,
dass sich der wahre Horror nur aus der Realität der
Ehe entwickeln kann. Das fängt mit Mord an und

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Seite 44 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
geht über Betrug und Trunksucht bis zum Rauchen.
Viola zog nervös an ihrer Zigarette, und vor ihr
stand ein leeres Longdrink-Glas.
„Du weißt ja, mit Werner läuft es die letzte
Zeit nicht mehr so gut. Eigentlich kann ich ihn nicht
mehr sehen. Ich überleg schon, ob ich den blöden
Arsch nicht umbringe.“
Das reale Leben hält doch immer wieder neue
Überraschungen bereit. Ich sehe Viola an und
bekomme das unschuldigste Lächeln der
Frauenwelt und dazu einen Blick zurück, der mir
sagen soll: „Das ist doch nur so dahergeredet, das
ist nicht ernst gemeint.“
Mir schießen alle möglichen Gedanken durch
den Kopf. Ist das nun ein besonderer Versprecher

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 45
nach bewährter Freudscher Tradition, oder ein
hundsgemein-hinterhältiger Test, um zu prüfen, wie
ich darauf reagiere. Versucht meine beste Freundin
für alle Fälle, Grenzen zu überschreiten und weiß
noch nicht, ob sie jetzt mit Vorwürfen
„beschossen“, oder mit freudig ausgebreiteten
Armen empfangen wird. Ich muss mich zumindest
verbal etwas wehren, um nicht zum Komplizen ihrer
Gedanken zu werden. Mein schwach-hilfloser
Einwand: „Wie kommst du denn darauf, so etwas
denkt man nicht einmal ...“, wird von Viola wie
erwartet beantwortet: „Das war doch nur ein
Scherz.“
Ich lächle gequält. Um die makabre Situation
zu entspannen, erzähle ich Viola einen Witz, den ich

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Seite 46 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
in einer älteren Ausgabe des Playboy gelesen habe:
Nach gerade mal vier Wochen Ehe ruft die junge
Braut schluchzend bei ihrer Mutter an. „Mutti, wir
hatten heute unseren ersten Ehekrach.“
Die Mutter versucht die weinende Tochter zu
beruhigen. „Das kommt doch in jeder guten Ehe
vor.“
„Ja, aber ich weiß nicht, wohin mit der
Leiche.“
Das herzliche Lachen steht Viola gut. Ihre
weißen Zähne blitzen und die Atmosphäre an dem
kleinen runden Tisch im Bellini, unserem
Lieblingsbistro, ist entspannt, aber Viola spürt, dass
ich nachdenklich geworden bin, denn sie spendiert
mir ausnahmsweise ein kaltes Pils, was in

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 47
Sindelfingen ein Bier und nicht empfehlenswert ist.
„Hoffentlich denkst du jetzt nicht schlecht
über mich?“
Ich versuche, nichts Schlechtes über Viola zu
denken, und leere mit dem wehmütigen Gedanken
an ein gut gezapftes Ruhrgebietspils mein Glas.
„Du weißt, dass ich so etwas niemals tun
würde“ ist Violas liebenswürdige Antwort. Ihre
Nasenflügel beben etwas und sie senkt wie die
heilige Hildegard von Bingen demütig den Blick. Ich
kenne zwar Frau von Bingen nicht persönlich, aber
ich spüre es überdeutlich. Violas impulsiver
Ausspruch war kein Scherz. Das war ein verbaler
Testballon, um festzustellen ob und wie ich
reagiere.

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 48 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Ich reagiere nicht, denn ich weiß, und dazu
muss man kein Wissenschaftler sein, sondern nur
mal einen beliebigen Friedhof besuchen und die
Inschriften auf den Grabsteinen studieren, dass das
gesundheitliche Risiko in einer Ehe nicht zu
unterschätzen ist.
Verheiratete Männer gehen hohe Risiken ein.
Sie sterben doppelt so oft und früher als
unverheiratete Männer, wenn sie mit einer
emotional unausgeglichenen Frau zusammen sind.
Ehemänner von gestressten und verärgerten
Ehefrauen gehen ein zweifach höheres Risiko ein,
an Herzerkrankungen zu sterben als unverheiratete
Männer. Verheiratete Männer sind zwar oft
Nichtraucher, denn irgendwo muss ja gespart

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 49
werden, dennoch sind sie tendenziell dicker, haben
schlechtere Blutwerte und höhere Cholesterinwerte
als Singlemänner.
Es ist eindeutig und unübersehbar: Jede Form
der Ehe schadet der Figur und der Gesundheit.
Leidensfähigkeit und Geduld sind die
offensichtlichen Grundvoraussetzungen einer guten
Ehe.

Viola kennt meine Gedanken nicht, und das ist
gut so. Sie saugt an ihrem Strohhalm. Ihr Glas ist
leer und das saugende Geräusch ist die
unausgesprochene Aufforderung, mich zur
revanchierenden Tat zu bewegen. Ich kümmere
mich um frische Getränke und winke dem Kellner.

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Seite 50 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Sie schweigt, ich schweige. Der Kellner kommt,
notiert und geht wieder. Wir schweigen immer
noch und warten auf Getränke.
Plötzlich sprudeln die Worte, etwas zu schnell
gesprochen, um die Anspannung vollkommen zu
verbergen, aus ihrem Mund.
„Aber wenn ich an seine alten grünen
Jogginghosen denke, kommt mir das große Kotzen.
Der hat sie immer bis unter die Arme hochgezogen
und das Hemd reingestopft. Und jeden Abend das
gleiche Ritual. Der kommt nach Hause, streichelt
seinen blöden Hund, öffnet seine Post an, holt eine
Flasche Bier aus dem Kühlschrank, setzt sich vor den
Fernseher und sagt dann endlich guten Abend. Und
Sex! Ich glaube der weiß gar nicht mehr was das ist.

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 51
Vielleicht treibt er es ja mit seiner Töle. Na ja
eigentlich ist es ja ganz praktisch, er lässt mich in
Ruhe.“
„Armes Schätzchen, du hast es wirklich
schwer“ ist meine mitfühlende Antwort, die ich
wirkungsvoll mit etwas abgesenkter Stimme und
meiner körperlichen Zuwendung verstärke. Meine
Hand liegt auf ihrem Unterarm, den sie nicht
wegzieht, und ich spüre die Hitze ihres Körpers und
denke spontan an Frenzy von Hitchcock, den
Meistermeuchler.
Trotz aller Sympathie für Violas Situation
werde ich mich hüten, meine ehrliche Meinung zu
sagen. Eigentlich finde ich das Verhalten von
Werner ganz praktisch und durchaus akzeptabel. Ich

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 52 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
begrüße meinen Geschirrspüler und meinen
Fernseher ja auch nicht, wenn ich müde von der
Maloche nach Hause komme. Denn eines ist klar,
und man kann es sich nicht oft genug ins
Bewusstsein zurück rufen: Die Dinger hätten ohne
mich keine Existenzberechtigung und würden
nutzlos in der Ecke, oder noch schlimmer beim
Händler verstauben, wenn ich mich nicht jeden Tag
abplagen würde, um dem Stromlieferanten mein
mühsam Angeschafftes zu geben. Aber das ist wohl
typisch männliches Denken, und nicht für die
sensiblen Ohren meiner angebeteten Viola
bestimmt.
„Sag mal, du bist doch nächstes Wochenende
auf diesem Seminar, brauchst du da deine

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 53
Wohnung? Ich muss mal zu mir selber finden und
Ruhe haben ...“ ist die Frage, die das baldige Ende
unseres Zusammenseins ankündigt. Nicht das ich da
etwas dagegen hätte. Ich verleihe meine Wohnung
gern zur allgemeinen Nutzung für außereheliche
Eskapaden. Ich freue mich auch, wenn ich nach
stundenlangen, nächtlichen Spaziergängen im
Regen, endlich in meine verqualmte Bude
zurückkehren, und erst mal die überquellenden
Aschenbecher leeren darf. Das ist eine
Beschäftigung, die einem Nichtraucher wie mir
besondere Freude bereitet. Vielleicht sollte ich ihr
meine Wohnung mal probeweise „zum
nutzbringenden sich mal selber finden“ überlassen.


[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 54 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Mir gehen edle Phantasien durch den Kopf.
Vielleicht sitzt Viola stundenlang strickend, oder mit
einer anderen schönen Handarbeit beschäftigt auf
meinem Sofa und hängt ihren Gedanken zur
spurlosen Beseitigung meines besten Freundes
nach, während sie nach und nach meine
Sektvorräte dezimiert. Oder sie macht mal was ganz
Perverses. Ich wage ja gar nicht daran zu denken.
Meine Wohnung müsste mal wieder richtig sauber
gemacht werden, und auch meine Fenster. Und
wenn sie in ganz abartiger Stimmung ist, dann putzt
sie auch meine Küche.
Ich schließe die Augen und in meiner
Phantasie sehe ich sie auf den Knien den Fußboden
schruppen. Es wäre vom ästhetisch-visuellen

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 55
Standpunkt betrachtet meine ganz private Rocky-
Horror-Küchen-Show, oder die Emanzipation einer
Sklavin aus der Unterdrückung durch einen Anderen
in die Unterdrückung durch sich selbst.
Ich muss mich beherrschen, dass ich nicht zu
viel sage und durch ein verräterisches Grinsen
meine Phantasie von der optischen Leine lasse. Ein
kurzes, verklärtes Lächeln und die Zuflucht in den
Rat der Bibel müssen reichen.
„Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern
unter, wie es sich im Herrn geziemt.“
Ich lächle immer noch und Viola versteht nicht
was ich ihr mit meiner Mimik sagen will, und das ist
gut so.
Spontan muss ich an Katharina in Berlin

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 56 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
denken, mit der ich gestern ausgiebig telefoniert
hatte. Sie hat sich jetzt einen Putzsklaven zugelegt.
Anscheinend gibt es in den spezialisierten
Chatrooms im Internet eine Vielzahl williger Objekte
für alle Zwecke. Mir stellt sich die Frage, die ich
noch nie öffentlich zu stellen wagte: Warum gibt es
nur männliche, bekennende Putzsklaven? Ich hab
noch nie von Frauen gehört, die im superkurzen
Lackmini, mit Netzstrümpfen und ohne Slip devote
Fußboden- und Toilettenreinigungsarbeiten
durchführen. Irgendwie schade. Aber solche
wichtigen Fragen werden wohl wieder als typisch
männlich-chauvinistische Phantasie diffamiert,
obwohl eine wissenschaftliche Untersuchung von
der Mehrzahl der erwachsenen Menschheit

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 57
händeringend gewünscht wird.
Liebe Leserin, vielleicht verstehen Sie nun,
warum ich unter dem Druck der Ereignisse
gezwungen war, mein bereits vor Jahren
entwickeltes Konzept zur Neugestaltung der Ehe
(„EHE2100“) zu überarbeiten und in einer
modernen Form zu veröffentlichen. Bitte verlassen
Sie mich nicht. Lesen Sie auf den nächsten Seiten
weiter.



[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 58 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Philosophisches Ehekonzept

„Gebt mir alles. Macht mir eine Freude.
Nehmen ist viel schöner als Geben.“
Sina Sidonius
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„Entweder es überzeugt, oder es überzeugt
nicht.“ Dem Argument von Gabriele Pauli, der
ehemaligen, leider erfolglosen und inzwischen
weitgehend vergessenen Kandidatin für den CSU-
Vorsitz, kann ich mich vorbehaltlos anschließen.
Sie erinnern sich nicht? Sie haben keinen
blassen Schimmer wer Frau Pauli ist? Das ist die mit
den schwarzen Handschuhen bis zu den Ellbogen
und dem verruchten Domina-Blick. Na klingelt es im

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 59
Kleinhirn? Frau Paulis vor einigen Jahren provokant
vorgetragener Vorschlag, die Ehe auf sieben Jahre
zu begrenzen, war zwar einleuchtend und entsprach
dem Zeitgeist um das Jahr 2005 herum, doch
verkrustete Strukturen in politisch-konservativen
Kreisen verhinderten damals die Umsetzung. Für die
erzkonservative CSU war der Vorschlag „völlig
absurd“, und eine verheiratete, dafür aber
stellvertretende Parteivorsitzende ließ sich zu dem
Ausspruch hinreißen: „Sie (Frau Paulis Idee) ist für
die CSU indiskutabel und widerspricht diametral
unserem Grundgesetz.“ Diese unqualifizierte
Bewertung einer durchaus diskutablen Idee konnte
sich der Ehemann der Stellvertreterin nicht
anschließen, denn er saß vermutlich gramgebeugt

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 60 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
auf einer harten Holzbank im Hofbräuhaus, seinen
Gedanken über einem mit gelblichem Getränk
gefüllten Bierkrug nachhängend.
Auch die Kirchen, allen voran die katholische
in Bayern, waren mit klerikalem „Senf“ schnell
dabei und warnten vor einem „Zerreden“ der
Institution Ehe mit dem volksnahen Argument:
„Niemand geht eine Ehe ein, um sich eines Tages
wieder zu trennen.“
Das ist eine klare Ansage, das ist wahr und das
kirchliche Wort überzeugt auch den am Hungertuch
nagenden, weil geschiedenen Zweifler. Doch die
Zeiten ändern sich schnell und die harte Realität
überrollt die politische und religiöse Theorie.


[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 61
Allerorts kann man es beobachten. Jobs sind
in Gefahr und die Unternehmen bauen Stellen ab.
Nur der Beruf des Standesbeamten ist krisenfest. In
und vor den Kirchen drängeln sich Familien,
Freunde und Bekannte, um den Brautpaaren
zuzujubeln und zu gratulierten. Die Kirchenglocken
läuten und im Angesicht des Herrn wird lebenslange
Treue, manchmal sogar bis in den Tod geschworen.
Madonna ist von Guy Ritchie geschieden, und ein
teurer Streit um Geld und Immobilien ist
klammheimlich weil karriereschädigend mit
größeren Zahlungen begraben worden. Vor nicht
allzu langer Zeit ist der Rentner Paul McCartney
noch einmal mit einem millionenteuren, blauen
Auge davon gekommen, und Heather Mills muss

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 62 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
nach kurzer Ehe nie wieder in ihrem Leben arbeiten,
wenn sie mit Geld umgehen kann, was nach
unbestätigten Gerüchten aus High-Society-Kreisen
nicht der Fall ist. Prominente Vorzeigepaare,
wahllos erwähnt mahnen zur Vorsicht, denn der
erfahrene Bürger weiß schon lange, dass man auf
„all you need ist love“ keine Häuser bauen kann.
Vor dem Gang zum Standesamt und zur Kirche steht
immer öfter das Gespräch mit dem Notar. Für das
Leben „danach“ wird dem schwächeren Partner ein
möglichst „wasserdichter“ Ehevertrag präsentiert,
um die eigentlich undenkbare Auflösung der
Verbindung fürs Leben auch rechtlich abzusichern.
Ist der Grund für die vertragliche Betonierung einer
Liebesangelegenheit die banale Einsicht, dass die

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 63
Hälfte aller Ehen geschieden, und die zweite Hälfte
früher oder später nur durch Geld und Besitz
zusammen gehalten wird? Ist der heilige Stand der
Ehe zu einem Produkt von Gebrauch und Verbrauch
verkommen?

Die Ehe als eine nur durch den Tod
aufzulösende Institution der Liebe und
vertrauensvollen Partnerschaft befindet sich im
Umbruch. Während im Jahr 1960 mehr als 500.000
Paare voller Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft
den Gang zum Standesamt wagten und 44.391 Ehen
scheiterten, sieht es heutzutage vollkommen anders
aus. Über 380.000 Ehen wurden im letzten Jahr
geschieden. Der unerbittliche Schwur, gesprochen

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 64 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
im Angesicht des Herrn und im Bewusstsein der
möglichen Folgen: „Ich will dich lieben und ehren, in
guten und in bösen Tagen …“, wird schnell
vergessen, wenn man mit der intelligenten Kollegin
am Arbeitsplatz mehr gemeinsame Zeit verbringt,
als mit der windelwechselnden Ehefrau, oder der
gutverdienende Traummann mit wenigen Klicks in
einer Partnerbörse im Internet wartet.
Zwar ist es für die Scheidung inzwischen
irrelevant, wer wen zuerst betrogen hat, denn seit
1977 gilt in der Bundesrepublik Deutschland das
Zerrüttungsprinzip. Haupttrennungsgrund ist nach
wie vor die sogenannte Untreue, der Seitensprung,
oder die Affäre, die zwar oft zähneknirschend und
zur Sicherung des Besitzstands vorübergehend

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 65
verziehen, aber nicht selten unvergessen bleibt, um
sich gegenseitig die Pest an den Hals zu wünschen.
Sie wissen es, ich weiß es, wir wissen es. Mann
und Frau streben nun mal nach Neuem und
Menschen sind nur in seltenen Fällen monogam
veranlagt. Der (Liebes-)Traum vom untrennbaren
Zusammenhalt in guten und in schlechten Zeiten
scheint nur noch eine schillernde Seifenblase, und
der Ehe-Albtraum die Realität zu sein. Zweitausend
Jahre griesgrämige Gängelei und klerikale
Vorschriften sind zu viel. Die Institution Ehe
befindet sich auf der Vorstufe zum Chaos. Fast
scheint es so, als ob die Institution Ehe nur noch für
Träumer und Idealisten eine erstrebende
Lebensform ist. Für die Ausgeschlafenen ist es

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 66 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
offensichtlich: Die angebotenen, traditionellen
Leistungen entsprechen nicht mehr den
Erwartungen. Oder anders, etwas nüchterner
ausgedrückt: Die Investitionen entsprechen nicht
mehr den dauerhaften Erträgen.
Die vor Jahrzehnten noch unverrückbar
erscheinenden Lebenszyklen – Geburt, Jugendjahre,
beim weiblichen Lebewesen die Entwicklung vom
Fräulein zur Frau, beim Jungmann nach der Zeit des
fröhlichen „Hörner Abstoßens“ die Metamorphose
zum gestandenen Mann, mündeten zwangsläufig in
der Heirat, dem sicheren Ehehafen auf Lebenszeit.
Früher bedeute der Entschluss zum Bund fürs Leben
für die Frau den frühen Übergang von der Mutter in
den geachteten Stand der Witwe, und beim Mann

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 67
vom schwer malochenden Ernährer zum baldigen
Tod. Sie glauben das nicht? Dann schauen Sie sich
auf den Straßen um. Alleinstehende, ältere Damen
mit Gehhilfen sind in der Überzahl.
Früher, als verheiratet sein für das Fräulein
eher mehr, und für den Jungmann weniger, noch
das einzige erstrebenswerte Lebensziel war, gab es
einleuchtende Gründe für eine Heirat. Nur der
Mann konnte ein Interesse daran haben, dass
„seine“ Frau, also die Frau auf die er durch seinen
eingeschränkten Aktions- und Bewegungsradius
Zugriff hatte, sich ausschließlich mit ihm paare,
damit er sich sicher sein konnte, dass der
Nachwuchs auch von ihm ist.
Für die mit ebenfalls eingeschränktem

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Seite 68 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Aktionsradius gehandikapte Frau gab es nur einen
harten, ökonomischen Grund für eine Bindung. Sie
musste ihm „treu“ sein, wenn sie von ihm ernährt
werden wollte. Das Ergebnis war ein Konstrukt, das
unter dem Begriff „Ehe“ mit dem idealisierten
Überbegriff „Liebe“ legitimiert wurde, weil
„Nutzen“ damals und auch heutzutage zu
ernüchternd klingt. Angeblich waren in den
fünfziger Jahre bis zu 40 Prozent der jungen
Ehefrauen beim Gang zum Standesamt und zur
Kirche in gesegneten Umständen. Ich denke, dass es
sich um ein Märchen aus grauer Vorzeit handelt,
denn der Vollzug des Liebesakts war damals ja nur
in der Ehe erlaubt, und wer durch Willkür die
Weckung neuen Lebens verhinderte, verstieß gegen

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 69
das Gesetz Gottes und der Natur, und die solches
tun beflecken bekanntlich ihr Gewissen mit
schwerer Schuld.
Knaus-Ognio war von den Kirchen auch nicht
gern gesehen, außerdem mangels Aufklärung über
die korrekte Anwendung ziemlich riskant. Kondome
gab es beim Friseur oder mussten über Chiffre-
Anzeigen bestellt werden. Die junge Beate
(Beischlaf) Uhse war noch mit einem
Vertreterköfferchen unterwegs um fachkundig
selbst Hand anzulegen.
Der Anspruch, dass Frau gezwungenermaßen
unter- und ausgehalten werden muss, und nur auf
Nutzen und Vorteil durch die Ehe aus ist, ist
widerlegt und nicht mehr zeitgemäß. Die Frauen

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Seite 70 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
können aufatmen, und der Mann beruhigt seine
Wahl treffen. Unwiederbringlich vorbei sind die
unseligen Zeiten, in denen Frauen, vom männlichen
Einkommen abhängig, eine Ehe lebenslang ertragen
mussten. In einer modernen, gleichberechtigten
Gesellschaft, können Frauen und Männer jeden
Beruf ergreifen. Männer dürfen sich endlich ihrer
Verantwortung als Hausmann besinnen, während
ihre selbstständigen Frauen sich um sichere und gut
bezahlte Jobs im Straßen-, Hoch- oder Tiefbau, oder
bei der Stadtreinigung reißen, um ordentlich Geld
für den Unterhalt und das Wachsen des kleinen,
sehr erfolgreichen Familienunternehmens zu
verdienen.
Doch ohne ein gesetzlich verankertes,

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 71
vollkommen neues Ehemodell wird der
unerbittliche Schwur im Angesicht des
Stellvertreters des Allmächtigen: „Ich will dich
lieben und ehren, in guten und in bösen Tagen, bis
der Tod uns scheidet...“ zur nostalgischen
Makulatur in einer schnelllebigen Zeit, die von
brutalem Nutzen mit gleichzeitigem und Ge- und
Verbrauch bestimmt wird.
Nicht nur die überholte Verpflichtung zur
Liebe und Verehrung bis in den Tod, lässt das
Modell der konventionellen (monogamen) Ehe zum
Ladenhüter verkommen. Wenn die Ehe, wie ein
berühmter Schauspieler einmal sagte: „Der
garantierte Tod jeder schönen Beziehung ist“, sind
es trostlose Aussichten für zukünftige

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Seite 72 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Generationen. Aber ich bin mir sicher, dass die
dramatischen, gesellschaftlichen Veränderungen
auch eine belebende Wirkung auf unsere
angeschlagene Wirtschaft haben müssen.
Sie glauben mir das nicht? Es ist doch logisch:
Durch kürzere Ehezyklen werden sich mittelfristig
die Umsätze der Anbieter von recyclebaren
Verlobungs- und Eheringen, wiederverwendbaren
Brautausstattungen,
Lebensversicherungsgesellschaften und
Eheberatungsunternehmen nachdrücklich erhöhen.
Mein Insider-Tipp: Konsequent in Branchen
investieren, die mit den menschlichen
Leidenschaften zu tun haben. Auch lukrative
Geschäftsideen und ganze Wirtschaftszweige

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 73
können aus diesem Trend entstehen. Ein mobiler
Beratungsdienst von qualifizierten
Scheidungsspezialisten, oder
Beerdigungsunternehmen mit Spezialisierung auf
schnelle Einäscherung vor den Standesämtern
etabliert, erscheinen mir als zukunftsweisende
Geschäftsideen.
Doch kommen wir zurück zur Politik. Tatsache
ist, dass Frau Paulis Idee so neu nicht ist, weil
schamlos von mir und meinem urheberrechtlich
geschützten Grundkonzept abgekupfert. Schon vor
einigen Jahren, und zwar vor Frau Paulis
Wahlpolemik habe ich in mühevoller Arbeit ein
ausgereiftes und gerechtes Ehesystem für das dritte
Jahrtausend entwickelt. Dies vorausgeschickt,

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 74 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
denke ich, dass es an der Zeit ist, hier und jetzt mein
revolutionäres Gedankengut einer breiten,
aufgeschlossenen Bevölkerung nahe zu bringen.

Der Kernsatz meiner Erfindung ist, wie bei
allen großen Schöpfungen, überraschend einfach. Er
lautet: „Funktionierende Ehen müssen sich am
Lebensalter orientieren, und nicht die Menschen an
den Ehen.“
Dieser revolutionäre Satz steht nicht in der
Bibel, sondern ist von mir. Darum bin ich mir sicher,
dass meine sensationelle Entdeckung geradezu
bahnbrechende Auswirkungen auf die
gesellschaftliche Entwicklung haben wird.
Ich weiß, Sie sind aus begreiflicher Not heraus

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 75
neugierig und möchten erfahren, wie man meine
These in der harten Beziehungsrealität umsetzen
kann. Vielleicht stellen Sie sich auch die Frage, ob
meine bahnbrechende Entdeckung den Alltagstest
dauerhaft bestehen wird? Ich kann Sie beruhigen,
ich habe, wie es sich für ein Qualitätsprodukt
gehört, eine ausführliche Bedienungsanleitung
entwickelt.
Ich stelle Ihnen jetzt eine faszinierende, nein
eine phänomenalen Geschäftsidee vor. Hoffentlich
vergesse ich nicht, gleich morgen früh einen Kosten-
Nutzen Plan zu erstellen und meine Bank um ein
größeres Investitionsdarlehen zwecks baldiger
Markteinführung und Verbreitung anzugehen.


[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 76 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
In der ersten Stufe sollten Männer im Alter bis
Dreißig, ausschließlich zehn Jahre ältere Frauen
heiraten. Das hat für Frau und Mann gleichermaßen
existenzielle Vorteile. Die ältere Frau kann den
jüngeren Mann mit ihrer Erfahrung vor vielen
Alltagsgefahren beschützen, und ihm für seinen
Karrierestart die notwendige Motivation geben. Das
erfordert für die Frau keine besondere Umstellung
ihres Gefühlslebens, denn der weibliche Drang zum
jungen Mann ist genetisch bedingt und bricht in
diesem Alter besonders stark durch. Man kann es in
bekannten Urlaubsorten, zum Beispiel auf Jamaica,
oder in der Dominikanischen Republik anschaulich
beobachten. Hier ist der Rat meines vor
Jahrzehnten verstorbenen Großvaters angebracht,

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 77
der mir, dem damaligen Jungmann Folgendes ans
Herz gelegt hat: „Junge, denk immer dran. Auf alten
Gäulen lernt man reiten, und alte Hütten brennen
schnell.“ Auch heutzutage ist dieses Phänomen im
Verkehr anschaulich zu beobachten. Der junge
Fahranfänger bekommt eine zwar verkehrssichere,
aber nicht mehr ganz taufrische Rostschüssel zum
üben. Später, wenn er erfahren und ein guter
Fahrer geworden ist, kann er sich ein schickes
Sportmodell leisten.
Damit die Kosten und der Nutzen für Frau und
Mann in einem ausgeglichenen Verhältnis
zueinander stehen, bekommt die ältere Frau die
ästhetischen Reize des jüngeren Mannes, sozusagen
kostenlos und frei Haus. Auch die Gefühle sollen

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 78 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
nicht zu kurz kommen, sollten aber durch
behutsame Anleitung in die richtige Richtung
gelenkt werden. Warnen möchte ich den jüngeren,
männlichen Partner. Da er altersbedingt moralisch
noch nicht gefestigt ist, besteht die Gefahr, dass er
auf illegale Ideen kommt. Um die Verbindung zu
festigen, ist das gegenseitige Versprechen auf
unendliche Liebe für zehn Jahre, und das Verbot der
Lust auf fremde Haut notwendig. Es ist in dieser
Lebensphase noch nicht schwer, aus der Not der
jugendlichen Treue eine moralische Tugend zu
machen. Sofern die Medien aufklärerisch tätig
werden, kann man davon ausgehen, dass der
jüngere Partner noch an seine Ideale glaubt und
sich an den Treuschwur hält, was der älteren Frau

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt Seite 79
sicher entgegen kommt.
Um die Ehe in dem von mir mit „Phase 1“
bezeichneten Zeitraum auf feste, rechtliche
Grundmauern zu stellen, müssen auch die
gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden.
Verantwortungsbewusste Standesbeamte
werden auf einen rechtsgültigen Ehevertrag mit
unwiderruflichen Aufhebungs- und
Ausgleichsklauseln bestehen. Eine verbindliche
Vereinbarung, dass am Ende des
neunundzwanzigsten Jahres des Mannes die Ehe
endet, und das gemeinsame Vermögen gerecht
geteilt wird, damit dem Mann sein gewohnter
Lebensstandard erhalten bleibt, gehört somit in
jeden seriösen Ehevertrag.

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 80 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
Die zweite Phase meines Ehemodells beginnt
im Mannesalter von Dreißig bis Vierzig. Es ist
unumgänglich, dass der jetzt geschiedene Mann
eine intelligente, gleichaltrige Frau heiratet, die
seinen Geist inspiriert und ihn vorwärts bringt. Auch
hier müssen gesetzliche Rahmenbedingungen
geschaffen werden, damit sich die Frau in dieser für
sie schwieriger werdenden Lebensphase nur mit
einem gleichaltrigen Mann verbindet. Mir ist
bewusst, dass der Gesetzgeber die Vorteile sieht
und die notwendigen Gesetze noch in dieser
Legislaturperiode ohne größeres, parteipolitisches
Gezänk verabschiedet wird.
Mann und Frau haben in dieser Lebensphase
die besten Voraussetzungen, um ihre Lebensziele zu

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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erreichen. Die Partner können sich zwar auf
lebenslange Treue einigen, und die Umsetzung des
Partnerschaftsmodells auch versuchen, aber es
sollten hin und wieder gut versteckte
Ausbruchsversuche, zum Beispiel wenn die
Gelegenheiten günstig und das Risiko der
Entdeckung gering ist, toleriert werden. Damit wird
ein hoher Bindungsgrad, in Verbindung mit einem
geringen Freiheitsdrang erreicht.
Am Ende des neununddreißigsten Lebensjahrs
des Mannes sollte auch diese Ehe aufgelöst werden,
denn für die Frau ab Vierzig beginnt jetzt die Phase
von Sein und Sinn. Sie könnte die Rolle der
geschlechtslosen Freundin und Beraterin des
Mannes übernehmen. Man könnte zum Beispiel

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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auch vertraglich vereinbaren, dass für sie und ihren
Lebensunterhalt gesorgt ist. Denkbar, aber nicht
realistisch ist, dass sie als Beraterin die
Verantwortung für das gemeinsame Vermögen
übernimmt, aber sinnvoll wäre die
Verantwortlichkeit für den Haushalt und die
Erziehung der gemeinsamen Kinder. Das hätte viele
Vorteile, denn die Frau ab Vierzig könnte sich jetzt
voll und ganz ihren Hobbys widmen.
Vielleicht wird sie die Muse küssen und skurril
verschwurpelte Gedichte abfassen und im Internet
die Allgemeinheit damit pesten, oder wie meine
liebe Freundin Sara Maria als Schriftstellerin
dilettieren und als Traumfängerin irgendwo
zwischen den Welten wandeln.

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Die juristischen und steuerlichen Details sind
noch zu klären, aber ich gehe davon aus, dass sich
Heerscharen von Juristen wie ausgehungerte
Löwen, die monatelang nur von Salatblättern
ernährt wurden auf die Materie stürzen. Der Tipp
mit den Löwen ist übrigens nicht von mir, sondern
nach meiner Erinnerung von Asterix und Obelix,
aus: „Asterix und Obelix als Gladiatoren.“
Veröffentlicht im EHAPA Verlag Stuttgart.
Ab dem vierzigsten Lebensjahr des Mannes
beginnt Phase 3. Für den Mann muss es zur
gesellschaftlich akzeptierten Pflicht werden, eine
junge Frau zu heiraten, die höchstens
fünfundzwanzig Jahre alt sein darf. Das hat für den
Mann den Vorteil, dass die jüngere Frau für die

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allfälligen Alltagstätigkeiten im Haus noch formbar
ist, und dazu den optischen Ansprüchen seines
gehobenen Lebensstils genügt. Wissenschaftlich
erwiesen ist, dass in diesem Alter junge Frauen
noch anschmiegsam sind. Ich zitiere: „Sie wollen
sich ganz in den Schutz der Herrlichkeit des älteren
Mannes geben, sich darin geborgen fühlen dürfen.
Dagegen ist das Wesen des Mannes von vielen
Stunden konzentrierter Arbeit, schöpferischen
Denkens und wissensdurstigem Forschen erfüllt.“
An dieser Stelle möchte dich den Urhebern
dieser Erkenntnisse, Herrn Karlheinz Graudenz und
Frau Erica Pappritz danken und das wertvolle Buch
„Etikette neu“ der gleichnamigen Autoren
empfehlen.

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Trotz einleuchtender Vorteile sind einige
altersbedingte Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.
Der Mann muss strikt darauf achten, dass die
geistigen Fähigkeiten seiner jungen Frau, also von
einem niedrigen Level ausgehend,
entwicklungsfähig bleiben. Außerdem muss er
verpflichtet werden, seine Lebenserfahrung an
seine junge Frau weiterzugeben. Dazu gehört unter
anderem die konsequente Einhaltung moralischer
Regeln, denn sonst läuft er Gefahr, dass die junge
Frau sein enthusiastisches Engagement ausnützt.
Mit dem vierundsechzigsten Lebensjahr des
Mannes muss auch diese Ehe unwiderruflich enden.
Männer und Frauen sollten ihr fünfundsechzigstes
Lebensjahr mit einem großen Fest dem Anlass

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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entsprechend feiern. Ab diesem Lebensjahr, im
letzten Lebensdrittel, sollten sich nur gleichaltrige
Frauen und Männer zusammen tun. Aber eine
Heirat nach klassischem Vorbild sollte gesetzlich
untersagt sein.
Ich weiß, die Rentenversicherungsträger
befinden sich in einer schweren, finanziellen Krise.
Aber darauf kann meine Erfindung keine Rücksicht
nehmen. Darum empfehle ich für eine Verbindung
ab dem fünfundsechzigsten Lebensjahr eine
Gesellschaftsform, wie sie auch in der freien
Wirtschaft bekannt ist. Denkbar ist die Rechtsform
einer GmbH (Gehst-du-mit-bist-du-Hin) mit einem
beliebigen Partner, die bis zum biologischen Ende
halten soll. Ausnahmegenehmigungen in

[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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begründeten Fällen und nach Vorlage eines Attestes
sollten für vitale Männer möglich sein.

Weitere Informationen zu diesem Thema
versende ich an ernsthaft Interessierte gegen eine
Vorab-Schutzgebühr in Höhe von 65,19 Euro
zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.
Falls Sie mit meiner bahnbrechenden
Erfindung nicht einverstanden sind, oder das
Bedürfnis verspüren, mich als realitätsfernes
Macho- oder Chauvi-Schwein zu beschimpfen, muss
ich jegliche Anfeindung empört zurückweisen. Die
Anregung zu diesem Text bekam ich von den Herren
Lenin, Aristoteles und Friedrich Nietzsche. Das
Originalzitat des Letzteren (Auszug) lautet: „Die Ehe

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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Seite 88 dieser Text ist urheberrechtlich geschützt
ist für die zwanziger Jahre ein nöthiges, für die
dreißiger ein nützliches, aber nicht nöthiges Institut:
für das spätere Leben wird sie oft schädlich und
fördert die geistige Rückbildung des Mannes.“
Für Beschimpfungen wenden Sie sich
vorzugsweise an Herrn Nietzsche. Aber ich möchte
Sie warnen: Möchten Sie sich wirklich mit einem der
ganz großen, deutschen Philosophen und Denker
anlegen?


[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Nachsätze

Verehrte Leserin, lieber Freund. Was ich hier,
auf diesen wenigen Seiten geschrieben habe,
stammt aus meiner privaten Schreib-Werkstatt. Ich
habe es mir in langen, einsamen Nächten, im Schein
einer Glühlampe, oft frierend, hungrig und durstig,
ausgedacht.
Vielleicht denkst du: „Das ist doch alles
dummes Zeug. Das stimmt doch nicht. Das kann
doch niemals so geschehen sein, was der da
geschrieben hat ...“
Ich muss dir zustimmen. Es stimmt nicht und
es kann nicht stimmen. Obwohl, manches ist
tatsächlich so geschehen. Darum schüttle nicht

[STRATEGISCHE KOSTEN-NUTZEN HEIRAT]
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gleich mit dem Kopf, wenn es bei dir anders ist. Oft
ist das ist nur eine Laune des Zufalls. Wenn du aber
sagst: „Das ist es. Das muss ich Werner (oder wem
auch immer) schicken, dem Blödmann!“ dann fühle
ich mich reichlich belohnt ...

Übrigens: Falls du es noch nicht bemerkt hast, das Zitat ist frei
nach Kurt Tucholksky


Du möchtest mehr lesen?
Dann besuche meine Website
www.raoulyannik.de



[Aus „Männer in schwierigen Zeiten“]
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Geboren im Oktober 1950 in der ehemals beschaulichen,
schwäbischen Kleinstadt Sindelfingen. Nach Abitur und Ausbildung
schloss sich ein längeres, aus heutiger Sicht ziemlich nutzloses
Studium in Berlin an. Heute, nach einer kurzen Ehe und anderen
Missgeschicken lebe ich aus Lebens- und Liebesgründen in Essen. Ich
schreibe für mich über die Abgründe der Seele, über das was sein
könnte und was ist, wenn wir es sehen können.



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Meine Schutz- und Nutzungsrechte
Ich bitte meine Leserinnen und Leser um Verständnis für die folgenden
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Tonträger (zum Beispiel Hörbücher) zu speichern. Es ist nicht gestattet, deutsch-
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