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Es ist ein Trugschluss zu glauben, Tierversuche würden nur für die Entwicklung neuer Medikamente gemacht werden.

Häufig wird – wie im obigen Beispiel - an Tieren nachvollzogen, was beim Menschen längst im Einsatz ist. Das hier beschriebene Experiment wurde durchgeführt, weil es noch keine tierexperimentelle Bestätigung der klinischen Beobachtung in der Humanchirurgie gab. Wie fast immer bei Versuchen an Schweinen werden hier zudem Ferkel als „Modell“ für die meist älteren Patienten verwendet, so dass die Ergebnisse von vornherein wertlos sind.

Für eine bessere Medizin
Tierversuche und eine ethisch vertretbare Medizin und Wissenschaft schließen sich aus. Achtung und Ehrfurcht vor dem Leben müssen das höchste Gebot menschlichen und insbesondere auch ärztlichen und wissenschaftlichen Handelns sein. Ein Ende der Tierversuche bedeutet nicht ein Ende der medizinischen Forschung. Im Gegenteil. Ohne Tierversuche wäre die Medizin schon viel weiter, denn Tierversuche halten, wegen ihrer falschen Ergebnisse, den medizinischen Fortschritt nur auf. Eine Vielzahl tierversuchsfreier Verfahren, die mit menschlichen Zell- und Gewebekulturen oder komplexen Computermodellen arbeiten, liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse. Viele Krankheiten könnten zudem durch Veränderung unserer Lebensweise verhindert werden. Tierversuche müssen abgeschafft werden, um den Weg frei zu machen für eine moderne, ethisch vertretbare Forschung, bei der die Beseitigung der krankmachenden Ursachen in Ernährung, Lebensweise und Umwelt im Vordergrund steht. Nur so lässt sich ein Fortschritt in der Medizin erzielen. Die genannten Tierversuche aus Jena und mehrere Tausend weitere, in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführte Tierexperimente, sind in der Internet-Datenbank (www. datenbank-tierversuche.de) dokumentiert. Quellen:
1 Anna Kleinman et al.: Glucocorticoid receptor dimerization is required for survival in septic shock via suppression of interleukin-1 in macrophages. The FASEB Journal 2012: 26; 722-729 2 Matthias W. Sieber et al.: Attenuated inflammatory response in aged mice brains following stroke. PLoS ONE 2011: 6(10); e26288 3 Michael Heise et al.: Comparison of straight and Venaflo-type cuffed arteriovenous ePTFE grafts in an animal study. Journal of Vascular Surgery 2011: 53; 1661-1667 4 Eva Terzibasi et al.: Effects of dietary restriction on mortality and age-related phenotypes in the shortlived fish Nothobranchius furzeri. Aging Cell 2009: 8, 88-99

Tierversuche im Brennpunkt:
Teil 19

Jena

Warum Tierversuche?
Tierversuche werden nicht zum Wohle des Menschen durchgeführt, sondern weil einflussreiche Interessengruppen davon profitieren. Experimentatoren, Universitäten, Pharma- und chemische Industrie, Auftragslabors, Versuchstierhändler, Firmen, die Zubehör herstellen – sie alle wollen, dass Tierversuche beibehalten werden. Die Qualität der Forschung wird nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl der Publikationen in Fachzeitschriften. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig. Diese werden für neue Studien verwendet. Etwas Sinnvolles für kranke Menschen kommt dabei nicht heraus. Leibniz-Institut für Altersforschung, Fritz-Lipmann-Institut, Beutenbergstr. 11, 07745 Jena Es ist bekannt, dass verminderte Nahrungszufuhr bei verschiedenen Tierarten (z.B. Ratten, Mäusen und Affen) lebensverlängernd wirkt. Afrikanische Prachtgrundkärpflinge, die natürlicherweise nur wenige Wochen bis Monate leben, sollen als „Modell“ für die Altersforschung dienen. Eine Gruppe Fische erhält ihr ganzes Leben lang nur jeden zweiten Tag Futter. Eine zweite Gruppe wird jeden Tag gefüttert. Dann werden Lern-Tests durchgeführt. Ein Fisch wird in ein Becken gesetzt, das in der Mitte durch eine Wand mit einem Loch geteilt ist. Nach Aufleuchten einer roten Lampe wird das Wasser der Hälfte, in der sich der Fisch befindet, umgerührt. Der Fisch reagiert mit Flucht in das andere Abteil. Dort wird das Experiment wiederholt, insgesamt 50 Mal. Der Fisch soll lernen, bei Erscheinen des roten Lichts gleich durch das Loch in das andere Abteil zu schwimmen, bevor sein Wasser umgerührt wird.4

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Menschen, aber schädlich für Meerschweinchen. Arsen ist tödlich für Menschen, für Schafe nicht. Asbest verursacht bei Menschen Krebs, bei Ratten nicht. Beim Süßstoff Saccharin ist es umgekehrt. Die Ergebnisse von Tierversuchen sind deshalb nicht mit der nötigen Zuverlässigkeit auf den Menschen übertragbar.

Tödliche Nebenwirkungen
Regelmäßig berichten Wissenschaftler und Medien über angebliche Erfolge im Kampf gegen Krebs, Alzheimer, Parkinson und andere Krankheiten. Doch die Hoffnungen der betroffenen Patienten werden so gut wie immer enttäuscht. Von den angeblichen Wundermitteln hört man nie wieder etwas, Denn: Was beim Tier funktioniert, klappt beim Menschen noch lange nicht. Im Gegenteil: Viele im Tierversuch geprüfte Pharmaprodukte richten schwere Schäden an. Jüngste Beispiele: Gentech-Medikament TGN1412, Blutfettsenker Lipobay®, Rheumamittel Vioxx® und das Herzmedikament Trasylol® – alle waren im Tierversuch für sicher befunden worden, riefen aber beim Menschen schwerste, oft sogar tödliche Nebenwirkungen hervor. Allein in Deutschland gehen Hochrechnungen zufolge jährlich 58.000 Todesfälle auf das Konto von Nebenwirkungen tierversuchserprobter Arzneimittel. Tierversuche machen also unsere Arzneimittel nicht sicher.

Halsarterie wird aufgesucht und durch einen Schnitt wird ein Nylonfaden eingefädelt, der bis zur mittleren Hirnarterie vorgeschoben wird. Dort ist das Blutgefäß so eng, dass es durch den Faden verschlossen wird. Der Gewebebereich dahinter wird nicht mehr durchblutet. So soll ein Schlaganfall simuliert werden. Nach 30 Minuten wird der Faden herausgezogen, so dass das Gewebe wieder normal mit Blut versorgt wird. Die Tiere erwachen aus der Narkose. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten (zwischen 2 Stunden und 7 Tagen nach dem künstlichen Schlaganfall) werden jeweils einige Mäuse aus jeder Gruppe getötet, um das Hirngewebe auf das Vorhandensein verschiedener Entzündungsbotenstoffe zu untersuchen. Viele Mäuse (in der Gruppe der ältesten Tiere sind es 39 %) sterben vorzeitig.2 „Tiermodelle“ sind nicht mit der komplexen Situation beim menschlichen Patienten vergleichbar. Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebensgewohnheiten, schädliche Umwelteinflüsse sowie psychische und soziale Faktoren werden bei dieser Art der Forschung nicht berücksichtigt. Die künstlich geschädigten „Tiermodelle“ haben mit der menschlichen Erkrankung und ihren ursächlichen Faktoren nichts gemein. Die Ursachen beispielsweise des Schlaganfalls beim Menschen sind dank Bevölkerungsstudien bekannt: Übergewicht, zu fett- und fleischreiche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Tierversuche sind nicht geeignet, die Krankheiten des Menschen zu erforschen und zu heilen. Allgemeine, Viszerale und Gefäßchirurgie, Friedrich-SchillerUniversität Jena, Erlanger Allee 101, 07743 Jena Bei 16 Ferkeln im Alter von 10-16 Wochen wird unter Narkose der Bauch aufgeschnitten. Im Beckenbereich werden die Beckenvene und –arterie abgebunden und chirurgisch durch einen Kunststoffschlauch miteinander verbunden. Bei jeweils acht Schweinen werden zwei verschiedene Sorten Schläuche verwendet, die beide in der Humanmedizin im Einsatz sind. Der Bauch wird zugenäht. Einmal wöchentlich wird per Ultraschall untersucht, ob die Schläuche noch durchgängig sind, d. h., ob noch Blut durchfließt. Sechs Wochen nach der Operation werden die Tiere getötet.3
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Leibniz-Institut für Altersforschung, Fritz-Lipmann-Institut, Beutenbergstr. 11, 07745 Jena Um die Abläufe im Körper bei einer Blutvergiftung (Sepsis) zu studieren, werden genmanipulierten und normalen Mäusen Bakterienbestandteile in die Bauchhöhle injiziert. Bei weiteren Gruppen von Mäusen wird unter Narkose der Bauch aufgeschnitten. Der Blinddarm wird abgebunden, und es wird ein Loch hinein gestochen, so dass etwas Darminhalt in die Bauchhöhle fließt. Die Bauchdecke wird wieder zugenäht. Bei den Mäusen beider Gruppen kommt es zu einer Blutvergiftung mit hohem Fieber. Einige Mäuse erhalten eine Testsubstanz gespritzt. Die Todesrate der Tiere ist je nach Gruppe unterschiedlich. Vor allem die genveränderten Mäuse sterben innerhalb von drei Tagen. Überlebende Mäuse werden getötet.1

Künstlich krank gemacht
Das tierexperimentelle System beruht auf einem falschen methodischen Ansatz. Im Tierversuch werden die Krankheiten des Menschen auf Symptome reduziert und bei Tieren in sogenannten „Tiermodellen“ künstlich hervorgerufen. Krebs und Alzheimer werden bei Mäusen durch Genmanipulation ausgelöst, Arterienverkalkung wird durch elektrische Reize in Blutgefäßen von Kaninchen nachgeahmt, ein Herzinfarkt durch Zuziehen einer Schlinge um ein Herzkranzgefäß bei Hunden, Diabetes durch Injektion eines zellzerstörenden Giftes bei Ratten, ein Schlaganfall durch Verschluss einer Hirnarterie bei Ratten oder Mäusen. Hans-Berger-Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena, Erlanger Allee 101, 07747 Jena Um Auswirkungen eines künstlichen Schlaganfalls bei Mäusen unterschiedlichen Alters zu vergleichen, werden Mäuse im Alter von 2, 9 und 15-24 Monaten verwendet. Bei den Tieren wird unter Narkose ein Schnitt in die Halshaut gemacht. Die

Millionenfaches Leid
Das Beispiel zeigt, wie grausam Tierversuche sind. Rund drei Millionen Mäuse, Ratten, Affen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Tiere werden jedes Jahr in deutschen Laboratorien gequält und getötet. Im Tierversuch werden Tiere wie Messinstrumente behandelt und nach Gebrauch weggeworfen. Doch Tiere sind fühlende, leidensfähige Mitgeschöpfe, die Freude und Angst empfinden, Schmerz und Qualen erleiden, genau wie wir.

Völlig unterschiedlich
Tiere und Menschen unterscheiden sich in Körperbau, Organfunktionen und Stoffwechsel wesentlich voneinander. Ein und dieselbe Substanz kann bei Tier und Mensch zu völlig unterschiedlichen Reaktionen führen. So ist zum Beispiel Penicillin gut verträglich für
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