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Pfeil, Johann Gottlob Benjamin

Lucie Woodvil
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Johann Gottlob Benjamin Pfeil

Lucie Woodvil
Ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Handlungen

Personen des Stücks.
Willhelm Southwell, Ritter, Vater von Karl Southwell. Karl Southwell, Liebhaber der Lucie Woodvil. Lucie Woodvil. Amalie, Freundin der Lucie. Robert, Amaliens Vater und Freund des Sir Willhelms. Betty, Bediente der Lucie Woodvil. Jakob, Bedienter von Karl Southwell. Einige Bediente. Der Schauplatz ist auf dem Schlosse des Ritters Willhelm Southwell.

ROBERT. Sprich vielmehr. Dieser Eifer. ist verschwunden. Wie? der Name derjenigen. wieviel Personen ich. Warum erheben sie doch meine . seitdem ich sie aus der Aufsicht der unglücklichen Frau Norris in mein Haus genommen habe. was für ein armseliges Opfer wäre sie immer noch für die Verbrechen. das Laster. tadle diese Betrübnis nicht. mit der die Welt nur gar zu oft Leute erhebet. wenn sie mit allen ihren einnehmenden Liebkosungen mir für die Proben der Liebe und Freundlichkeit schmeichelt. WILLHELM. Welche Stiche fühlt mein Herz. auch ohne daß ich sie kenne. bereits zu Verbrechern gemachet habe oder noch machen werde? Kann ich bei allen diesen Vorstellungen eine Freude zu empfinden fähig sein? ROBERT. mit denen mich die Unwissenheit meiner Freunde und Bekannten erhebet. die bei allem ihrem äußerlichen Glanze Laster sind. Sie sind mir ein neuer Beweis von der Blindheit und Torheit. vor der ganzen Welt und ihren eigenen Augen. Sieh auf angenehmere Szenen deines Lebens: Auf die Unglücklichen. daß du es verbirgst. raubt mir die Verbergung dieses Geheimnisses auf der einen Seite! und mit wieviel neuen Martern quält sie mich von der andern! Kein Augenblick. da ich nicht. Und selbst dies. welcher der Welt einen vernünftigen Mann verspricht: Auf Lucien – WILLHELM. die sie meiner Güte und Menschenliebe zuschreibt. unaussprechliche Freuden. Nenne mir diesen Namen nicht. Mich beruhigen? Kennst du mein Herz nicht? Wieviel Freuden. kann dich beruhigen. die mich verabscheuen müßte. die mich hassen. mit der sie Handlungen als Tugenden preist. denen du in deinen weisern Jahren die Zähre des Elends abgetrocknet hast: Auf deinen Sohn. und die sie – ach Freund! wem? – dem Laster zu danken hat. WILLHELM. zu verbergen. hat dich bereits mit Gott und dem tugendhaften Teile der Welt wegen dieser Beleidigungen ausgesöhnet. Deine guten Handlungen haben nunmehr deine bösen ungeschehen gemachet. außer vor den deinigen. mit welchem dein Herz wieder zu der Tugend zurückgekehret ist. erzittere. daß er in seiner Jugend ein Bösewicht war? Wer weiß. so oft ich sie sehe. die sie nicht kennet. mit welchem ich sie beleidiget habe. wenn ich mich nicht bemühete. die alle deine Liebe besitzt? die dir ebensoviel Liebe wieder zurückgibt? WILLHELM. verwandeln sich in meiner Seele in ebensoviel Spöttereien. mit welchen ich in meinen jüngeren Jahren Gott und die Welt beleidiget habe? ROBERT. ROBERT. Und wenn sie noch größer sein könnte. Er ist ein Dolch in meiner Seele.Die erste Handlung Der erste Auftritt Sir Willhelm und Sir Robert. Nein. WILLHELM. Robert. Was sind diese guten Handlungen? Können sie einem elenden Greise das traurige Andenken rauben. von wie vielen künftigen Lastern ich noch die elende Ursache bin? Wer weiß. Alle Lobsprüche.

als ich schon bin. und die ihr ein heimlicher Zeuge ihrer Verbrechen wird. der die gemeinsten Reden an ihn begleitet. Wie beantwortet sie Sir Karl? WILLHELM. der ich die Liebe aus der unglücklichen Erfahrung kenne. Robert. können wir wissen. der es fühlt. dieser einzige Fehler. eine vielleicht strafbare Träne von ihren Wangen. dem Verderben und dem Mitleid andrer war überlassen worden? Wüßten sie. daß sie ihn nur bloß deswegen lobet. WILLHELM. Deinen Sohn. wenn sie auch alle gegründet wären. Was ist menschliche Tugend. . warum sie mich loben. sondern das Werk der Pflicht sind. wenn sie liebet. die oft schmachtend auf die seinigen geheftet sind. Freund! was für eine quälende Entdeckung für mich habe ich gemachet! Ihr Auge verrät seit einiger Zeit einen heimlichen Gram. Freund. welcher Unterschied zwischen einem Manne. Erinnre dich an Luciens Tugend. diese Schamröte. daß ich darüber entzückt bin. mit der sie diese Nachricht aufnehmen wird. als meinen Sohn? ROBERT. den die Welt lobet und dem sein Herz saget. sie noch tugendhaft in meine Arme schließen! Sie kömmt. und ich wundere mich. Wen könnte sie sonst lieben. wenn sie vielleicht glauben. was können diese weiter zu bedeuten haben? ROBERT. das von ihren Eltern weggesetzet. Aber. die meine ganze Seele erschüttern. Dieser heutige Tag soll mich lehren. scheint bisweilen gänzlich aus ihren Mienen verbannet zu sein. ROBERT. daß er dies Lob verdienet. Aber ach! wie kurz kann er vielleicht dauern. daß alle diese Gütigkeiten nicht das Werk der Menschenliebe. den es entbehren könnte. wie lange fremde noch blühen wird? Ich will Lucien nicht durch diese Rede beleidigen. Ich vergieße heimlich Tränen über ihren lärmenden Beifall. Robert! Wir. Bisher habe ich ihr Herz noch jederzeit edel gefunden. und zwar einer Pflicht. ob ich noch unglücklicher werden kann. sie würden mich ebendeswegen verachten. zumal wenn Amaliens Sprödigkeit noch länger währet. Mit Kaltsinnigkeit. Was können diese öftern Seufzer in seiner Gegenwart. soll mir ihre ganze Seele aufklären. durch welche sie sich in das Herz einschleicht und zuerst wieder ausbricht. Gott! ich zittere für die Tugend der Lucie. diese Augen. Ich habe ihr gesaget. die wir oft nicht wissen. Konnte mir. daß sie nicht schon hier ist. Ich. Ich will ihr die unter uns verabredete Verbindung meines Sohnes mit deiner Amalie entdecken. Wie leicht kann Karl wankend werden. und dem. wie erschreckest du mich? WILLHELM.Menschenliebe. dieser Ton der Zärtlichkeit. Dein allzu zärtliches Herz überläßt sich einem Kummer. Ach! sie wischt eine Träne. mit welcher ich mich eines unglücklichen Mädchens annehme. Willhelm. Laß mich allein mit ihr. der ich sie mehr als mich selbst liebe. Dies ist noch der einzige Trost. Sie hat gewisse Ahndungen in mir rege gemachet. daß ich sie hier erwarte. dieser Gram unbemerket bleiben? Selbst dieser ihr so natürliche Stolz. den mein Herz dabei empfindet. Gott! schütze Luciens Tugend wider ihr eigenes Herz und laß mich dereinst. Sie allein könnte dir die Empfindung aller deiner Schmerzen rauben. weiß alle die verborgenen Krümmen. wenn ich sterbe. lieber Freund. weil sie seine Schande nicht weiß. zu scheitern. mit der sie ihn anblickt. den ich an ihr zu verbessern suche. die aus dem niedrigsten Laster entspringt. Die Miene. daß unsre eigne bereits in Gefahr ist. Freund.

Verschwenden Sie solche nicht länger. Sie haben mit mir. wenn Sie mir verzeihen sollen. da sie jede Minute ihres Lebens der Freude und dem Danke für Sie aufopfern sollte. Der zweite Auftritt Willhelm Southwell. Elende Tugend! Zu Southwell. haben Sie wenigstens nicht einige Mutmaßungen. was das Herz Ihres Southwells. meine Lucie. damit ich Sie nicht beleidigen möchte. sich zu verbergen. Wieviel Qual hat mich nicht schon dieser Gram. Sie haben mir zwar oft gesaget. gekostet! Können Sie empfinden. was das Leben eines Frauenzimmers nützlich und angenehm machen kann. daß Sie dieselben nicht wissen. Was kann er anders sein.ROBERT. Sie irren sich. wer sie waren? So grausam sie . dem Elende und der Dürftigkeit ohne Sie zum Opfer geworden sein würde. Ich empfinde. Ich verberge mein Herz nicht länger vor Ihnen. War es nicht eine Träne. und war es ja eine. und demungeachtet bin ich eine Undankbare gegen Sie. die mich Ihre Sorgfalt und Ihre Zärtlichkeit. die ich. Sie durch die Hilfe Ihrer Tugend und seines Trostes weniger traurig zu sehen. den ich seit einiger Zeit in Ihrem Gesichte lese. Eine Undankbare. Mitleiden gehabt. wenn es möglich wäre. die. meine Eltern zu kennen. WILLHELM. gezwungen habe. zu vergießen nötigte. WILLHELM. daß ich die wenigsten Proben Ihrer Liebe verdiene. wenn Sie aus meinem Geständnisse lernen. Aber ich weiß. Sie würden sonst Ihren Schmerz in seinen freundschaftlichen Busen ausschütten. womit Sie Ihre arme verlassene Lucie überhäufen. Der Himmel segne deine und Luciens Tugend und lasse deinen Argwohn vergeblich sein! Geht ab. wenn es den Quell dieser Traurigkeit wissen wird. als das Verlangen. und da ich es nur ohnedies. der Sie noch mehr als ein Vater seine Tochter lieben würde. von meinen Eltern verlassen. Lucie Woodvil. die ich Sie diesen Augenblick von Ihren Wangen abtrocknen sah? Verbergen Sie das Geheimnis dieser Träne vor Ihrem Southwell nicht. Er würde Sie sodann trösten und vielleicht die Freude genüßen. so war es eine Träne der Freude. WILLHELM. Sie verschwenden sie an einer Unwürdigen. Sir Willhelm. Täuschen Sie mein Herz nicht. jeden Augenblick einen neuen Beweis Ihrer Zärtlichkeit. Sie haben mich bei der Frau Norris in allem demjenigen. Es weiß die Tränen der Freude und des Grams voneinander zu unterscheiden. erziehen lassen. mit Ihnen wenigstens klagen zu dürfen? LUCIE. Ihnen dafür zu danken. Ihr gütiges Herz verzeihet mir. An einer Unwürdigen. als er wirklich ist. Vergeben Sie also meiner Schwachheit. LUCIE. Sie haben mir Gütigkeiten erwiesen. bei Ihren Leiden fühlen muß? Können Sie es empfinden. Ihre Zärtlichkeit für mich läßt Ihnen vielleicht meinen Gram heftiger mutmaßen. Warum rauben Sie doch Ihrem besten Freunde das elende Vergnügen. da meine Lucie tugendhaft ist? LUCIE beiseite. sie sehr oft dem Grame und der Traurigkeit widmet. Sie töten mein Herz durch Ihre Gütigkeit. seitdem ich in Ihrem Hause bin. ehe noch meine Lippen fähig gewesen. Sie würden ihn in Ihre ganze Seele hineinschauen lassen. da Sie es befehlen. Lucie? Ohnmöglich können Sie es.

mich ihre Tochter zu nennen? WILLHELM. Was kann ich Unglückliche wohl fühlen. sehen Sie mich unterdessen als Ihren Vater an. da sie mich dem Elende und dem Mangel überlassen mußten. meine Lucie. wenn Sie ihn an Ihr väterliches Herz drücken. gütiger Southwell. wenn ich seine Liebkosungen sehe. Sie sind Vater. . ich erröte über diesen Gedanken. die Natur hat auch ihre Rechte. Ihnen eine Sache zu entdecken. Erlauben Sie dieser Wachsamkeit eine Vermahnung. LUCIE. was Ihr Sohn empfinden muß. so bin ich doch ihr Kind und bin ihnen meine Liebe schuldig. Lucie. die zween gefährlichsten Feinde Ihres Geschlechts erfodern ein beständig wachsames Herz von Ihnen.auch mit mir umgegangen sind. Auch dann oft. die ich Ihnen nicht entdecken kann. wie ich noch zärtlicher gegen Sie sein kann. was ich entbehre. da sie nicht mehr sind. seine Eltern umarmen zu können. diese Eltern zu wissen? Oder waren ihre Laster die Ursache. War dieser Gedanke nicht das Werk eines kleinen Stolzes? Lassen Sie mich. Stolz und Liebe. Sie waren notwendig aus einem schlechten niedrigen Stande. wenn sich die strengste weibliche Tugend schmeichelt. Der Stand Ihrer Eltern sei. dies ist das einzige Mittel. was für einen Sturm haben Sie auf meine Seele getan! Mein Herz hat bei jedem Ihrer Worte blutige Tränen geweinet. aus der sie mir den Schmerz ersparen wollen. also auch in der Wachsamkeit für Ihre Tugend Vater sein. wer er sei: Ihr Herz allein kann Sie entweder über diesen Stand emporheben oder unter denselben erniedrigen. an meine Brust drücken und an die ihrige voll kindlicher Entzückung hinsinken kann. Doch vielleicht seufze ich nach ihnen. Sie sind mein andrer Vater. er war unedel. als ich schon bin. Umarmen Sie mich. daß ich Sie weggesetzet auf einem meiner Güter gefunden habe. und ich ihr Angesicht nie sehen werde. aber daß ich vermute. Ich habe Ihnen oft gesaget. Sie sind selbst Sohn gewesen. Sie weinen. die vielleicht ebensosehr nach mir seufzet als ich nach ihr. und Sie wissen also. Ich lobe Ihre Tugend. Warum quälen Sie mich. und selbst mein Leben soll Ihre Wünsche befriedigen. vielleicht zwang sie die Not. Sie kennen die Natur. daß sie mir selbst fremd sind. Nennen Sie mir meine Eltern. da ich mich nicht zu ihren Füßen werfen und um ihren Segen bitten kann. sie besiegt zu haben. Lucie. Doch vergeben Sie mir. Sie schweigen und vergießen Tränen? Können Sie mir diese einzige Bitte abschlagen? Verdiene ich vielleicht nicht. zu viel Gütigkeit! Hätten diese unbarmherzigen Eltern doch nur den geringsten Teil derselben empfunden. so grausam gegen mich zu sein. Aber vergeben Sie. da ich nicht diese zärtliche Mutter. der aber die Freude hatte. daß Sie von gutem Stande sind. Zu viel. grausam gegen mich zu sein! Vielleicht zerfloß ihr blutendes Herz in dem Gefühle ihrer Schmerzen. ohne ebendiese Liebkosungen meinem Vater erweisen zu dürfen? Ich weiß. einen Blick voll Vaterliebe und Erbarmung auf mich zu werfen. Ach. den der Mangel einer edeln Seele und das Laster fähig gemachet haben. WILLHELM. herrschen sie schon über dieselbe. so wie in der Zärtlichkeit für Sie. meinen Gram zu befriedigen. menschenfreundlicher Sir Willhelm. da ich nicht diesen vielleicht allzu harten Vater durch meine Tränen erweichen kann. Urteilen Sie. mit der Sie Ihre eigne Schwachheiten verdammen. Wollen Sie nicht meine Tochter sein? Sagen Sie mir.

WILLHELM. würde Ihnen ebenso gern die Hälfte meiner Freuden mitteilen. Herr Betterton. die ihn nicht unterdrücken kann. den Sie mir zu entdecken hatten? LUCIE. Sie vergießen sie wirklich? Wie rühmlich ist sie Ihnen! Ich will hin zu meinem armen Freunde gehen. WILLHELM. wenn ich in der Gegenwart einer Traurigen fröhlich sein könnte. nicht wiedergeliebt zu werden. Ich hoffe. dein Unglück ist in seinem ganzen Umfange gewiß. Ich. WILLHELM. Es ist eine von den kleinen Folgen meines vielleicht unnötigen Grams – Nun ist sie vorbei – Ihren Sohn glücklich zu sehen. Es schmerzt mich. Aber weiß es Ihr Sohn schon. Er war es. LUCIE. Werde ich Sie ruhiger bei meiner Zurückkunft umfangen können? LUCIE. wie glücklich wird er sein. wenn Sie sich auf eine so edle Art selbst tadeln.LUCIE. Aber ich würde Sie beleidigen. Gott! wie erschrecken Sie mich. Aber war dies Ihr ganzer Gram. Aber nur Ihre elende Lucie wird immerfort unglücklich sein. WILLHELM beiseite. Er verlangt Sie noch diesen Augenblick vor seinem Ende zu sprechen. Unseliger Southwell. Ihr Freund. indem er weggeht. BETTY zum Sir Willhelm. wenn er in den Armen seiner Gemahlin ihr sagen wird. daß ich Sie traurig sehe. das ihren gütigen Southwell fröhlich machen kann? WILLHELM. die ein Vater zu empfinden fähig ist. – Was fehlt Ihnen? Sie werden blaß. Sie können mich nie beleidigen. Sie seufzet. Sie seufzen. und wenn er höret. aus welchem mich noch immer dieser quälende Gram schrecket. Wie? könnte Lucie fähig sein. Meine Verwegenheit hat Sie beleidiget! WILLHELM. daß er geliebt wird. wird jederzeit unter der Last ihrer Schmerzen den Verlust – ihrer Eltern beseufzen müssen. LUCIE. heitern Sie unterdessen Ihr Gesicht auf. meinen Sohn bald durch eine tugendhafte Gemahlin glücklich zu sehen. Ich hoffe es. Lucie! Er liebte Sie ehemals. ob er gleich das Unglück hatte. sageten Sie? Welche Freude für Sie! Welche Freude muß es nicht also auch für mich sein! Ja. Der unglückliche Freund! Schenken Sie ihm eine Zähre. hat vor einer Stunde das Unglück gehabt. der ich so gern die halbe Last Ihrer Schmerzen auf mich nehme. einen gefährlichen Fall mit dem Pferde zu tun. So hören Sie denn die größte Freude. Fürchten Sie nichts. daß er glücklich sein soll? Nennen Sie mir doch – Der dritte Auftritt Die Vorigen und Betty. Verzeihen Sie diesen Seufzer der Natur. Der vierte Auftritt . daß er sie liebet. bei all ihrem Grame ein Glück nicht zu empfinden. Lucie? LUCIE.

die ich dich beleidiget habe! BETTY. mitten in diesen glücklichen Zeiten der Liebe und des Vergnügens. wird dieser eine andere als Sie annehmen? Kann der Vater diesem Sohne etwas abschlagen? Sie wissen. Karls Zärtlichkeit nimmt bereits nach demjenigen Grade ab. nach welchem die meinige zunimmt. was Sie Ihre Schande nennen und was ich. Betty. die Ihnen eine abgeschmackte Auferziehung eingepräget hat. BETTY. daß ich ihm meine Ehre. die ich sonst alle Menschen glücklich zu sehen wünschte? Haben nicht deine Verführungen die verdammten Schmeicheleien des Bösewichts (welcher Name für den. das einzige. aber ein verächtliches Mitleiden. LUCIE. LUCIE. die ich so oft von Ihnen höre. Er will dasjenige. haben sie nicht Karl Southwell unterstützt. der alte Southwell will seinem Sohne eine Gemahlin geben. Kann ich es ausstehen? Mich verachtet. Vermehre ihn nicht noch durch deine Reden. mein eignes unseliges Herz ist es. wenn ich Lucie wäre. Wie schwach ist eine Liebe. Gott! was wird Lucie werden! Die Welt wird meine Schande erfahren. mir. Betty. Ich fürchte. LUCIE. was mein war. Können Sie mehr fodern? LUCIE. nicht du.Lucie. Betty. Ich habe diese schröckliche Zeitung diesen Augenblick aus dem Munde seines Vaters. welche nicht von der Hochachtung unterstützet wird! Und welche Liebe kann von der Hochachtung unterstützet werden. Wie glücklich würden Sie sein. sondern weil ich mein Laster habe bekanntwerden lassen. Sie lieben Karln mit eben der Zärtlichkeit. Alle meine Kräfte sind erschöpft – O Tugend! Tugend. nicht Southwell. Bist du es nicht. ausrotten könnten! Was für lächerliche Begriffe verstehen Sie unter der Aufopferung Ihrer Ehre! Leute von Stande würden über Ihre Klagen lachen. meine Glückseligkeit nennen würde. Karl wird vielleicht in den Armen seiner neuen Gemahlin über mich spotten. Wenn werden Sie doch. wie schrecklich rächst du dich an mir. Mit Ihrer ewigen Tugend! Werden Sie denn nie Ihre Sittensprüche vergessen? . in kurzer Zeit durch eine Vermählung mit Ihnen in den Augen des Pöbels ehrwürdig machen. Du weißt mein Unglück nur halb. Elende Betty! Dein Anblick allein ist mir schon Abscheu genug. Er wird mich verlassen. Fräulein. das mich unglücklich gemachet hat. aufgeopfert habe? Doch nein. mit der er Sie wiederliebet. wenn Sie einige elende Grundsätze. die ich bereits von ihm schwanger bin. als ich mich selbst verfluche: ich. wie zärtlich Karl Sie liebet. Sie wird mich verachten. auf ewig geraubt. nicht weil ich lasterhaft bin. Er hat eine Gemahlin für ihn bestimmt. welche nicht auf die Tugend gegründet ist? BETTY. Mit was für fürchterlichen Geschöpfen der Einbildung kämpfen Sie! Gesetzt. Unterstütze mich. Werde ich mein Gesicht gegen seinen Vater aufheben können? Ich werde zwar Mitleiden in seinem Auge lesen. die ich noch eher verfluchen muß. den ich liebe!). die unnötigen Seufzer vergessen. Sie dauern mich. Karl Southwell ist mir geraubt. mich verspottet und von Vater und Sohne nicht länger geliebt zu sehen? BETTY.

machen Sie meine Ahndungen eitel. Kaltsinn! Lucie – LUCIE. Beschleunigen Sie den Tag. Lucien in der feierlichen Ernsthaftigkeit. KARL beiseite. – Betty! da kömmt der Mörder meiner Glückseligkeit. Ich befürchtete. Bin ich nicht schon aus einer Sklavin meiner Leidenschaften eine Heuchlerin geworden? War ich es nicht erst nur vor wenigen Augenblicken gegen den alten Southwell selbst. indem er eine Bewegung machet. die ich seit einiger Zeit höre. da ich noch auf mein Herz stolz sein konnte. unter der heiligsten Pflicht der Natur versteckte? Sah er nicht meine Träne der Verzweiflung für eine Träne der Menschenliebe an? Verberge ich nicht noch geschickt genug meine eigne Häßlichkeit vor den Augen meiner bessern Freunde als ich. Welch feindseliges Schicksal läßt mich Lucien finden! LUCIE. Reue! Ich vergesse. törichtes Herz! Kein Klagen! Lucie kann sich von keiner Seele verachtet sehen. Ach Betty! daß doch meine Seele so lasterhaft wäre als die deinige! Schrecklicher Wunsch! Aber meine Ruhe erzwingt ihn. Der Sturm. Schrecken und Abscheu ist? Glückliche Zeiten! da Tugend und Unschuld meine Gespielinnen waren. da ich die Schmach und den Stolz. als ob er zurückgehen wollte. Wie? Karl. der sich über mein Haupt aufzieht.LUCIE. Diese unzeitigen Klagen. Wohl nicht so sehr als Ihr Kaltsinn das meinige. zu stören. Ich beschwöre Sie um unsrer Liebe – oder wenn ich so muß. in der ich sie erblickete. mich die Ihrige zu nennen: ein Recht. wenn Sie keinen Dolch in das Herz eines zärtlichen Geliebten stoßen wollen. Es wird dir gelingen. wenn es möglich ist. einer Tugend. in welche schreckliche Finsternis seid ihr dahingeflohen! – Nichts mehr. die nicht mehr mein ist. ich muß es sein. KARL. ja wahrhaftig mehr als ihre eigene Seele liebt. . und die jetzund für mich Nacht. unter der Larve einer verstellten Tugend. auch von sich selbst nicht! Stirb. die Sie mehr als ihre eigene Seele. daß ich glücklich. wie sehr haben sie nicht schon mein Herz gekränkt! LUCIE. Dämpfe die Martern des geringern Lasters in der Ausübung des größern. die ehedessen meine Tage heiter wie die Tage des Frühlings machete. Lucie! schreite kühn von einem Laster zu dem andern fort. immer lasterhafter zu werden. sehen Sie Ihre Lucie nicht? KARL. Frisch. LUCIE. Dies ist der einzige Weg. Wird er auch so zärtlich gegen mich sein als mein Unglück verdient? BETTY. dich zu beruhigen. welches Ihnen leider mein allzu leichtgläubiges Herz bereits erteilet hat. Ich will. den ich doch für alle seine Grausamkeiten noch lieben muß. muß Ihnen bekannt sein. die mich quälen. daß ich tugendhaft gewesen bin. Der fünfte Auftritt Die Vorigen und Karl Southwell. um Ihres und meines Stolzes willen. Verbergen Sie diese Miene voll Verzweiflung. ebenso lasterhaft als du und noch lasterhafter. Sie könnten mich stören? Welche Antwort für einen zärtlichen Liebhaber? Verdienet sie diejenige. der Ihnen vor der Welt das Recht gibt. KARL.

die ich dabei empfinde. aus meinem Gesichte. daß ich mein Herz seiner und meiner Lucie schenken darf. Sie wissen den unglücklichen Vorschlag. Setzen Sie. das ich fürchten kann. Es wird etwas sein. Und wie? wenn Ihr Vater nicht in unsre Verbindung willigen sollte? Ein Mädchen von einer unbekannten Geburt. LUCIE. das mir begegnen könnte. Warum reden Sie dunkel? Sie verlangen. Ich sehe. daß ich die Liebkosungen einer andern Gemahlin erdulden und verfluchen müßte. so oft ich daran gedenke. LUCIE. Was will meine Lucie? Kann sie noch stärkere Proben von meiner Zärtlichkeit verlangen? Empfing ich sie nicht ebenso überzeugend von der Ihrigen? Kann Lucie heftiger als ich nach dem Tage seufzen. die nicht geschehen wird. Ach! Lucie. wenn Sie allein mich nicht glücklich machen wollten. was würden Sie tun? KARL. Hier würden wir einander mehr als eine ganze Welt selbst sein. das ihn abziehen kann. Ihre Mätresse zu sein. daß wir noch glücklicher werden können! Aber Sie wissen. Sie würden es können. der zugleich Ihrentwegen leiden würde. Setzen Sie das Grausamste. ungetröstet seufzen lassen? Wollten Sie ihm nicht erlauben. LUCIE. Karl. Reden Sie. Meine Bitten werden das Herz des gütigsten Vaters rühren. einige wenige Tage sind nicht zureichend. KARL. Keine Ausflüchte! Anworten Sie mir. alles desjenigen beraubt. Antworten Sie mir auf das. Sie fragen wegen einer Sache. der mein Herz von dem Zwange entfesseln wird. LUCIE. zu erröten. die sich meinen Wünschen widersetzen. ohnfehlbar noch eher als mir selbst entdecket. Elend sein. mein Herz kann sie nicht ausdrücken. KARL. Ich verstehe Sie. wollten Sie wohl Ihren Southwell. LUCIE. Gönnen Sie mir Zeit. Wie glücklich werden wir dann sein. und darf und kann ich es sagen? nur ehedessen durch einen geringen Anteil der Tugend vielleicht nicht ganz eine verächtliche Kreatur. daß er bisweilen aus seinen täglichen Qualen in Ihre beglückenden Arme eilen dürfte? Eine vertrauliche Einsamkeit würde uns vor dem scharfsichtigsten Auge der Welt verbergen. KARL. Welche fürchterliche Umstände für mich! Was würden Sie tun. daß ich unter der Tyrannei eines Vaters unterliegen. den mir mein Vater von einer Verbindung getan hat. dieses auszuführen. Jeder Verzug eines Tages ist eine Vergrößerung meiner Gefahr. Würde ich Sie sodann glücklich machen können? KARL. was in den Augen der Welt Hochachtung verdienet. was ich frage. und Karl Southwell würde sich nur in den einzigen wenigen Minuten glücklich sehen. . diesen Sturm austoben zu lassen. wenn es möglich ist.Der Mund Ihres Vater hat Ihnen das Äußerste. wenn seine Lucie einen ganzen Strom von Freuden über seine Seele ausgießen würde. Sie wissen – zwingen Sie mich nicht. meine Liebe gegen sie vor den Augen der tadelsüchtigen Welt zu unterdrücken? Wie oft verfluche ich die Hindernisse. Lesen Sie die Qual. Er wird erlauben. ich soll die Rechte Ihrer Gemahlin gegen die Ehre. Ich verstehe Sie nicht. wenn nichts Ihren Vater von der mich bedrohenden Verbindung abziehen kann? KARL. Ich verabscheue mich. LUCIE.

Lucien einen dergleichen Vortrag tun? KARL. Lucie. Erinnern Sie sich. für welche deine ganze Seele Zärtlichkeit sei. Ich wünsche sogar. der das unselige Werkzeug war. welches allein Lucien dieser Verachtung schuldig machen konnte. ehe du mich unterbrichst. die ich an einen Unwürdigen verschwendete. die niemals geschehen wird? LUCIE. Schämen Sie sich. Zur Betty. ebendiese Gemahlin. und mit ihm höre sie sodann über deine Liebe spotten und über deine Verzweiflung selbst frohlocken. liebe diese Gemahlin. Ich muß zu meinem Vater gehen. Verlassen Sie mich. der schon lange meine Einwilligung zu seinem Vorschlage erwartet. bleiben Sie hier. Sie erlaubet dir's. Ihr Vertrauen zu Luciens Zärtlichkeit hat Sie zu einem Fehler verleitet. den Sie so leicht nicht werden verbessern können. und Ihre Schmähungen werden mich gegen den Willen meines Vaters Gehorsam lehren. Undankbarer? Sind nicht – KARL. Meine niederträchtige Wegwerfung für Sie gibt Ihnen das Recht. LUCIE. Strafen Sie mich für das schrecklichste Verbrechen. mich auf das schrecklichste zu rächen. mich zu rächen. die ich Ihnen aufopferte. denn sie verdienet es. eine erzürnte Liebe gebiert leicht Haß. mich zu verachten. Barbar! Ich verabscheue Sie. Soll sie sich in Ihrer Gegenwart selbst verachtet sehen? Und von wem? Von dem. Ich habe nicht Zeit. Bemühen Sie sich nicht.vertauschen. Wollen Sie mir diese einzige. Lucie. auf neue Beschimpfungen zu denken. KARL. Sieh sodann. diese letzte Bitte noch abschlagen? KARL. mit der dich ehemals eine Unglückliche (du kennst sie. Ich bekenne meine Verbrechen. Betty! ich bin verloren. die ich in den deinigen lese. ebendie Verachtung. Ich kann nicht – LUCIE. Keine Entschuldigung! Ich lasse Ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Höre noch meine Verwünschungen. Beleidigungen sind nicht – LUCIE. Spotte in den Armen deiner neuen Gemahlin über die elende Lucie. Zum Southwell. So bleiben Sie denn hier. für die Leichtgläubigkeit. Strafen Sie mich durch diese Blicke voll Verachtung und Hohn für die Zärtlichkeiten. Ihrer eigenen . sie anzuhören. Sir Karl. Dürfen sie dir diesen Gehorsam erst lehren. Barbar) lieben konnte. strafen Sie mich für die Tugend. BETTY heimlich zum Southwell. Aber warum zwangen Sie mich von einer Sache zu reden. mit der ich die Ihrigen empfing. KARL. konnten Sie. so wenig sie es zu sein Ursache hat. ohne zu erröten. Sieh dieselbe sich in die Arme deines besten Freundes werfen. Verzweifle unter den Martern einer unvergoltnen und verachteten Liebe. Elender! quälen Sie mich nicht länger durch Ihren Anblick. Laut. untreu. und Lucie wird sich sodann über dich freuen. Lies in ihren Augen ebenden Kaltsinn. liebe sie mit eben der zärtlichen Heftigkeit. mit der ich Sie Ihrem Schicksale überlasse. Rechnen Sie die Gleichgültigkeit. Grausamer Southwell! warum erblickete ich doch nicht deine schwarze Seele einige Monate eher in aller ihrer Abscheulichkeit? Lucie würde sodann noch von der äußersten Höhe ihres Stolzes mit ihrer ehemaligen Größe auf eine so verächtliche Kreatur herabsehen können. Aber Lucie ist stolz.

LUCIE. Was für Unruhe haben Sie mir gemachet! meine liebe Lucie. der besser als sie ist. Kann er ohne Qual empfinden. was für eine zärtliche Gemahlin für Ihren Karl – LUCIE. Mit wieviel Angst habe ich Sie seit der Zeit gesuchet. Meine Seele wird eine Art von Erleichterung fühlen. ich hasse mich selbst! Meine Kräfte reichen nicht zu. Ihre ausschweifende Hitze! Oh. AMALIE. und die Rache des Himmels und meine Flüche werden dich auf jedem deiner Wege zu begleiten wissen! BETTY. wenn Sie ihn wissen. soll doch mein Herz noch über Ihre Betrübnis seufzen müssen! LUCIE. Karl ist undankbar. ein Bösewicht! Ich hasse ihn. eine neue Gemahlin von der Hand seines Vaters anzunehmen. meine teure Freundin. Sie haben die Schwäche meines Herzens entdecket. sich mit Ihnen zu vergleichen. Erinnere mich nicht an das. Verachten. zu der Höhe hinauf sehen. Amalie? Ihre Liebe vermehret meine Martern. AMALIE. ob ich es tun soll. Diese letzte Gewogenheit bitte ich von Ihnen. ich. Der sechste Auftritt Die Vorigen und Amalie. Den neuen Gegenstand seiner Liebe allein weiß ich nicht. was ich bin. Soll ich mich vor demjenigen bücken. Ich will sie um Rache wider den Bösewicht anflehen. Lucie. Sie sind zu heftig. ohne Ihre Liebe nicht zu leben wünschet. wenn Sie Sir Karl verläßt. Fräulein. was Sie sind.Heftigkeit zu. Ihre Vielleicht sind vergeblich. da Sie sich so voll Schmerz aus meinen Armen losrissen. diejenige. ein erniedrigendes Mitleiden ist? Wie will meine Seele diesen Gedanken ausstehen! Treten Sie zu meinen Feinden. hassen Sie mich. Er verläßt mich und ist bereit. AMALIE. Aber mit was für vermehrterer Qual in Ihrem Gesichte finde ich Sie wieder. sondern Mitleiden. als Sie wirklich gesehen haben? LUCIE. meine Vernunft selbst. Wahrhaftig. LUCIE. meine Tugend. Ihre plötzliche. Wenn sie gerecht ist. Geh! Bösewicht. Kann ich aus der Tiefe. Der Bösewicht und der Mund seines Vaters. daß Sie dieselbe bändigen könnten! Was für eine liebenswürdige Freundin würden Sie für Ihre Amalie. alles ist dahin. Lucie zu den Füßen ihrer Nebenbuhlerin. der mich verachtet und doch am wenigsten Recht darzu hat? Und doch kann ich mich fragen. daß Sie nunmehr über diese Vergleichung erhaben sind? Daß diese Liebe vielleicht nicht mehr Freundschaft. auf der ich Sie erblicke? Mein Stolz durfte es sonst wagen. die sonst ohne Ihre Freundschaft. wird . Ich will mich zu den Füßen seiner neuen Geliebten werfen. beide haben mir mein Unglück bekräftiget. Nennen Sie mir ihn. Erwägen Sie Ihren Zustand! Erwägen Sie. Wie lange. die ich nichts weiter als dieses zu tun übrig habe? Betty! mein Stolz. Ihnen mein Unglück zu erzählen. Vielleicht hat Ihre Zärtlichkeit Ihnen mehr Gegenstände zur Verzweiflung vorgestellet. Warum lieben Sie mich doch. Geht ab. wenn sie von niemand mehr geliebet wird. worein ich gesunken bin. um seine Gnade flehen. Nichts von Karln! Er ist ein Betrüger. bittet Sie darum. Verachten Sie mich mit ihnen.

und Ihre Amalie wird die Freude haben. nur aus Mitleiden. ebenso zärtlich. diesen von meiner redlichen Liebe erborgten Klagen. selbst diesen tückischen Eidschwüren eines Verführers aufgeopfert? Kannte ich sein Geschlecht nicht. Ich verstehe Sie. an diesem eignen Herzen muß ich mich rächen. als ich verdiene!« Ach. Was ist ihr Stolz. Zu Lucien. Meine Schmähungen haben den noch übrigen Funken seiner Liebe völlig ersticket. Kränken Sie mich nicht durch Ihre Entdeckung. mit ihrer Demütigung. ihn wieder in Ihre Arme zu führen. zu wünschen. Unglückliche Freundin! du siehst sie hier vor dich.sie mir dieselbe versagen können? AMALIE beiseite. Ihre Erinnerung ist gerecht. meine Freundin. Wird er ein Barbar sein und sich verhärten können? »Karl«. Sein Vater wird seine Einwilligung in Ihre Verbindung geben. auch selbst bei . Ich vergesse meine Rache wider ihn. Habe ich mich nicht selbst allen diesen falschen Blicken der Zärtlichkeit. als ich das Ihrige mitten unter den Vorwürfen. will ich gegen ihn seufzen. Sie haben in sein Innerstes hineingeschaut. Weibliches Herz! warum kann ich doch deine Schwachheiten nicht verbergen. was konnte er weniger sein als ein Betrüger? AMALIE. daß Sie mich gedemütiget haben. Ja. Sie beleidigen sowohl das männliche Geschlecht überhaupt als Ihren Liebhaber insonderheit. »erbarmen Sie sich über Ihre verstoßne. Die von allen verlassene Lucie mag vor ihm niederknien. die ihr sonst an seiner Brust zu verschwinden pflegten. LUCIE. Sie erfüllen meine Seele mit Schauer und Schrecken. Elende Schwachheit! warum erlaubest du mir nicht. wenn Sie nicht können. Er verachtet mich! Ich liebe ihn! und von seiner Verachtung gequält. darf sie noch welchen haben? Sie mag ihn mit ihren Tränen. diesen betrüglichen Tränen. ach! auch allzu teuer erkauften Minuten erinnern. Verachten Sie mich in Ihrem Herzen und nicht äußerlich. muß ich verzweifeln! AMALIE. Sie mag ihn an alle die zärtlichen. Amalie. das nur uns unglücklich zu machen geschaffen zu sein scheint? Wußte ich nicht. Ich hoffe noch immer sein Herz zärtlich zu sehen. dies Geschlecht. Sie sollen Karln ebenso zärtlich als sonst wieder umarmen. womit Sie ihn belegen. selbst aus Stolz. Ich verspreche es Ihnen. erblicke. nein. Lernen Sie doch dies allzu hitzige Herz bändigen. ihn auszurotten? Warum zwingst du mich. Nur einen verstellten Blick voll Zärtlichkeit! und er wird mehr sein. daß es alle seine Reizungen nur alsdenn glänzen läßt. führen Sie ihn her. welche schreckliche Minute der Erniedrigung wird dieses für mich sein! AMALIE. über Ihre unwürdige Lucie. Vergessen Sie alle Rache wider Karln – LUCIE. mit ihrer Verzweiflung selbst bestürmen. An mir. Sie erblicken nur allzu gewiß in demselben das Bild – wessen? meines ärgsten Feindes – von mir geliebt. Erbarmen Sie sich nicht aus Liebe. Verschonen Sie doch Ihre Einbildung mit allen den fürchterlichen Einfällen! Die weibliche Zärtlichkeit für die Ehre muß niemals. ihn zärtlich zu sehen? Warum nennest du meine gerechten Vorwürfe Beleidigungen? Doch ich habe ihn verloren. wenn es das unsrige zu betrügen suchet? Mußte ich Törin seine Triumphe über unsre Tränen vermehren helfen? Wäre Karl der beste unter dem männlichen Geschlechte. LUCIE. daß ich die Gewißheit derselben empfinde. aber auch. Es ist genug. Ihre Hitze verführet Sie.

dem männlichen Geschlechte preisgegeben werden. Seine Seufzer. LUCIE. welche er Lucien aufgelegt hat? Gott! schütze die Tugend deiner Amalie (deiner kann ich vielleicht noch sagen). Weiß mein Vater und Karls Vater. Stolz. Betty würde sie längst vergessen haben. lerne Karln vergessen. Karls Hand anzunehmen. Sollte es möglich sein. Verzeihe mir diesen Stolz. er selbst ist deiner unwürdig. Der siebente Auftritt Amalie allein. Die unglückselige Seele! bat sie nicht selbst ihre Nebenbuhlerin darum? Ich weiß. Schmeicheln Sie mir nicht mit zuviel Hoffnung.unsern Fehlern. ihn zu Lucien zurückzuführen. wenn sie Lucie wäre. Ich befürchte. Aber wer hat ihn undankbar gemachet? Warst du es nicht. wie hoch er der armen Lucie zu stehen kömmt? Wäre es möglich. Ich muß sie gänzlich aus seinem Herzen ausrotten. laß uns versuchen. es möchte Sie jemand hier in dieser Zerstreuung überfallen. Suchen Sie sich indessen in Ihrem Kabinette wieder zu beruhigen. Gedenke. nur die Hoffnung zu mir machet ihn wankend. sie würden mich nicht länger nötigen. Ich will sie nutzen. Doch dies Geheimnis muß vor ihnen. Der elende Mensch! was für eine Genugtuung ist alle seine Zärtlichkeit gegen die Schande. der er zuvor war. Sie werden ihm denn erlauben. meine Freundin. AMALIE. Was für ein elendes Geschöpfe bin ich! BETTY. Betty. o Herz? Die unglückliche Lucie! Meine ganze Seele zerfließt in Mitleiden gegen sie! Ihr Herz war edel. wie kostbar sie ihn sich erkauft hat. Boshaftes Herz! welcher niedriger Gedanke für dich. wenn du Lucie gewesen wärest? Karl ist wirklich undankbar gegen sie. daß er eben der glückliche und bald vollkommen mit Ihnen zu vereinigende Liebhaber sein darf. Nachsicht gegen diese Hitze beförderten ihren Fall – Tadelsüchtiges Herz! würdest du nicht gefallen sein. daß sie es wissen dürften. Karl soll Sie auf das demütigste und zärtlichste um Verzeihung bitten. Trauen Sie meinen Versprechungen. daß sie niemals nach einer so elenden Genugtuung seufzen darf! Die zweite Handlung . Sieh auf die Tränen der armen Lucie und lerne deine Pflicht. Kannst du endlich einmal deine Tränen unbemerkt fließen lassen. Ich glaube. ob ich meine Schmerzen in der schmeichelhaften Vorstellung der Hoffnung auf einen Augenblick vergessen kann. sein und mein Vater bitten. daß ich Gewalt über Karls Herz habe. Amalie? Er liebet mich. verborgen bleiben. ihn wiederzulieben. so lange es sein kann. würdest du ihr ihn rauben können? Nein! wahrhaftig. Hitze der Leidenschaften. obgleich wider deinen Willen. und darf ich es sagen? mein eigen Herz dringt mich. Karl liebt sie. daß ich noch glücklich werden könnte? Und Ihnen würde ich sodann diese Glückseligkeit zu danken haben? Warum kann ich doch nicht ebenso hochachtungswürdig als Sie sein? Komm.

der ich vor wenigen Minuten nur Kaltsinn empfand. dich zu beruhigen. zugleich zärtlich zu scheinen und doch untreu zu sein. Aber ihre Seele? Wird sie nicht so oft von diesem Stolze. die mich liebet. liebe vielleicht Lucien noch heftiger. so vollkommen erreichet haben. ich entdecke dir mein beunruhigtes Herz. jederzeit liebenswürdig? Aber welche gerechte Vorwürfe wird mir Luciens Herz machen. Liebe! elende Liebe! Mit was für grausamen Freuden quälst du deine Vasallen. Setze dich in die Martern deines Herrn und sage mir. Tyranne! Was hat nicht schon mein törichtes Herz unter deinen Martern gelitten? Habe ich nicht bisweilen in einem meiner vernünftigen Augenblicke deine Fesseln verfluchet. der ich ihr selbst mit Gleichgültigkeit begegnen konnte. und mein geruhiges Auge sollte ihre Verzweiflung ansehen können? Jakob.Der erste Auftritt Karl Southwell. Als ein Frauenzimmer alle diese überredende Reizungen nicht überwinden wird. von ihr zuerst verlassen zu werden. von dieser Hitze und von diesem Zorne. Diesen Zorn. Jakob? daß ich Lucien verlieren würde? JAKOB. die mich vor weniger Zeit mit Verachtung und Schmähungen überhäufte? Allein ich Undankbarer. Daß Sie solche vielleicht bereits verloren haben. verzeihen Sie einem redlichen Diener). zu lieben. wie es von dem Sturme einer geteilten Liebe hin und her getrieben wird. und noch weniger zu einer Zeit (Herr. der nicht selten in Mut ausartet. als du glaubst. und ich. empfinde mehr als nur Furcht des Stolzes. Jakob. Was ist Lucie gegen Amalien? Ihre Schönheit ist vorzüglicher. da Sie den höchsten Grad in der Geschicklichkeit. Was sagst du. Ich würde entweder alle Empfindung der Dankbarkeit gegen eine Person. KARL. Mißbrauche meine Freiheit nicht. JAKOB. aus meinem Herzen ausrotten. Daß Ihr Herr Vater seine äußerste Mühe anwendet. da du mir die Hochachtung gegen dich geraubet hast. in welchen ich soviel meiner schönsten Tage töricht und geduldig genug dahineilen sehe? JAKOB. ihr sein ganzes wichtiges Vermögen zu hinterlassen. sie seine Gemahlin zu nennen und niemals wieder eine andere Vermählung einzugehen. KARL. jetzt. wenn du Karl Southwell wärest. Und daß Lucie? – JAKOB. KARL. Elender. und wird sie das meinige fühllos ertragen können? Sie wird verzweifeln. Ich würde Luciens gute Eigenschaften vergessen . was du tun würdest. als ich selbst weiß. daß Herr Betterton sich erbietet. da mir ihr Verlust wirklich nahe sein kann. Doch weg! Zärtlichkeit! Sprichst du nicht für diese Lucie. sie zu bewegen – KARL. Mein Herz leidet mehr bei dieser verstellten Zärtlichkeit. sich selbst unähnlich gemachet? Und ist Amaliens ihre nicht jederzeit sich selbst gleich. die ich dir zugestehe. Ich würde einen doppelten Weg vor mir sehen. verdiente ich nicht diese und noch ärgre? Ach Lucie! mein Herz kann dir unmöglich mehr als den andern Platz einräumen! Du selbst hast dir den ersten geraubet. wofern sie ihm nur noch vor seinem Ende die Freude schenken will. Ich. diese Vorwürfe gegen die Liebe hätte ich nicht so leicht von Ihnen vermutet.

Geh und ermüde meine Geduld nicht. ob Lucie dem Betterton ihre Hand geben will. Ich wünsche sie Ihrentwegen Amalien in ebendem Grade. erblicken. Denken Sie. glaube ich. Tor! es ist nicht Liebe. KARL. Was kann Ihrer Gleichgültigkeit gegen Lucien diese Nachricht nützen? Ein andrer als Ihr Jakob würde den Liebhaber daraus schließen. über eine ganze seufzende Welt zu triumphieren. Warum verlangten Sie meinen Rat? Habe ich nur ein einzigesmal Ihren Beifall damit verdienen können? KARL. Sei elend. und dann würde ich glauben. soll meine Liebe ihre Opfer niederlegen! Durch dich soll sie sich an Lucien rächen. ihre Hitze ebenso zu verbessern suchen. Ich bewundre die Größe Ihrer kindlichen Pflicht. Suche zu erfahren. Wer weiß. es ist Neubegierde. gibt sie nicht diesen Augenblick ihre falsche Hand einem schon längst durch mich vergeblich um sie winselnden Betterton? Zu deinen Füßen. Rühmliche Tapferkeit. Ich verglich Sie mit Alexandern. mit der mich Lucie liebet. zween der besten Väter und der vertrautesten Freunde glücklich zu machen? JAKOB. Nichtswürdiger Bube. So hieß der. Ich würde Dankbarkeit fühlen. Was sagest du? JAKOB. der die Ehre hatte. welches mich mit einer Härte verworfen hat. Ich würde mich zu den Füßen des Vaters hinwerfen. An mir würde ich lauter Vollkommenheiten erblicken. KARL. der Überwinder der Tugend der weiblichen Welt zu sein! KARL. daß Lucie meiner unwürdig sei. Schweig! Bin ich nicht Karl Southwell? Ist sie nicht ein Frauenzimmer? Welches Frauenzimmer ist jemals gegen mich und ihre Neigungen unüberwindlich gewesen? JAKOB beiseite. wenn Sie Amalien fehlen sollte! Lucien hätte sie verlassen. mit deinem Geschwätze! Soll ich zu den Füßen eines Mädchens niederfallen. KARL. Mit Lucien würde ich sodann glücklich leben und meinen treuen Jakob von der Furcht und den Sorgen befreien. Und Ihre Neubegierde erlaubet also. JAKOB. Dein und mein Vater und mehr als sie beide mein Herz wünschen diese Verbindung. Schweig! mit deinen Possen und geh zur Betty. Nein. Oder ich würde den andern Weg wählen. Lucie! mein männliches Herz zerbricht deine stolzen Fesseln. Ich würde sodann Luciens Stolz. Von ihm würde ich mir Lucien zum Geschenk ausbitten. Ich würde die Heftigkeit. in welchen er jetzund leben muß. der jederzeit eine Vermählung meiner eignen Wahl überlassen hat. daß ich Ihnen eine bejahende Antwort zurückbringen darf? KARL. da sein Eifer meiner Liebe gegen Lucien so treu dienet und hundert Gefährlichkeiten würde ausstehen müssen. wenn mein Vater seine unzeitige Dienstgeflissenheit entdecken würde. Jakob geht ab. wie ich meine Wankelmut und einige andre kleine Fehler verbessern würde. KARL.und mir ihre bösen allein beständig vorstellen. Kann ich noch einen Augenblick zweifeln. liebenswürdige Amalie. JAKOB. die man der Sprödigkeit der reinsten Tugend kaum nachsehen würde? JAKOB. Lucie! . Zu ihren Klagen würde ich sodann lachen und über ihre Verzweiflung spotten können. Ich bewunderte die Größe Ihres Ruhms.

Was können sie alle von mir erzwingen als das Äußerste. hat schon oft Ihre Stirn eisern genug gemachet.Seufze über mich. Sie wissen es nicht. Lucie! Seufze über mich. Amalie! Seufze über mich. von Liebe vorzureden. Klagen Sie nicht mein Herz an. wenn Reichtümer eine beleidigte Tugend unbeleidiget machen könnten. lauter Güte. – Himmel! Amalien! Der zweite Auftritt Amalie. Karl sieht deine Zähren. als ein Sieger die Zähren und Flüche seines überwundnen Sklaven. mit welchem eine unglückliche Tugend die Verachtung des Urhebers ihres Unglücks empfinden muß. Wählen Sie meinen Abscheu. Ihre Frechheit und die Nachsicht. verzeihen Sie diese übereilten Ausdrücke einer von Lucien beleidigten Liebe. ohne Schamröte mir. Ich sah Amalien. Habe ich noch weiter etwas von dir zu wünschen? Amalie kömmt. ich weiß es: Sie hat Ihnen den Schmerz gezeigt. Sie dereinst sagen zu hören: Sei elend. Sie wissen die einzige Bedingung. Ich liebete Lucien. die ich Ihre eignen und Luciens Verfassungen weiß. die Sie bei einigen meines Geschlechts gegen diese Frechheit gefunden haben. bald ihren lieben Karl Southwell nennt. als ein Sieger die Zähren und Flüche seines überwundnen Sklaven. verfluche mich! Karl sieht deine Zähren. Wollen Sie die Freude zwener hoffenden Väter vergeblich sein lassen? Wollen Sie den zärtlichsten. unter welcher ich Ihnen die letztere überlassen kann. Sie ersparen mir vielleicht die Qual. AMALIE. Klagen Sie sich selbst an. höret deine Flüche. aber auch den elendesten Liebhaber zu Ihren Füßen verzweifeln sehen? Göttliches Geschöpf! Sie. einer Freundin von Lucien. daß sie ihn bald einen Bösewicht. Aber glauben Sie. Hochachtung und Mitleiden für Lucien. Habe ich noch weiter etwas von dir zu wünschen? – Ich danke Ihnen für diese Reden. ohne Lucien zu vergessen? AMALIE. Ich weiß. Aber ich weiß auch. verfluche mich. Ja. welche ihr Herz beruhigen würden. höret deine Flüche. daß sie bald um Rache wider ihn. Sei elend. ob ich sie gleich Ihrentwegen verabscheuen muß. sie hat mich mit den härtesten Schmähungen verworfen. daß sie diesen würdigen Herrn Betterton mit allen seinen Reichtümern ausgeschlagen hat. ich habe Ihnen nur eine doppelte Wahl vorzuschlagen. auf das Bildnis eines Barbaren ihre Tränen fließen läßt. daß ihre Vernunft und ihr Herz durch einen Undankbaren erschüttert sind. wählen Sie meine Freundschaft. daß Sie in Ihrem Zimmer. Karl Southwell. lauter . Quälen Sie mein Herz nicht mit diesen kläglichen Bildern. KARL. bald um seine Zärtlichkeit seufzt. Fragen Sie nicht nach der Ursache. höret deine Flüche. ein würdigerer Liebhaber als Sie. von einem gerechten Hasse und einer gekränkten Liebe bestürmt. als ein Sieger die Zähren und Flüche seines überwundnen Sklaven. Der Herr Betterton. Betterton hat – AMALIE. Allzustrenge Amalie. verfluche mich! Karl sieht deine Zähren. KARL. Habe ich weiter etwas von dir zu hoffen? KARL. Karl. hat ihr unter gewissen Bedingungen Reichtümer angeboten. Konnte ich die Liebenswürdigste ihres Geschlechtes sehen.

die ich wider die Glückseligkeit eines Menschen ausstoße. Grausame – AMALIE. Was für ein Gemisch von Verstellung. AMALIE. warum wollen Sie. deren Bild Sie in allen übrigen Stücken sind. daß ich allein unglücklich sein soll? Ahmen Sie die Gottheit. Nichts mehr. dann verlassen Sie mich. Meineidiger. und lassen Sie mich noch hinzusetzen. in Ihren entweihenden Mund nehmen. ohne vor ihr zu zittern? KARL. alle Menschen glücklich zu machen. Ihre vollkommene Tugend nachahmen. Karl geht ab. Erbarmen – AMALIE. und ich werde Sie sodann als die Schöpferin meiner Glückseligkeit anbeten müssen. Niedriger Schmeichler! meine Seele ist über Ihr kriechendes Lob erhaben. Mein Vater kömmt. . KARL. Lassen Sie Lucien Gerechtigkeit widerfahren. die ersten. Ihre Vergehungen zu vergessen und Sie zu segnen. Ich verlange Gehorsam. Gütigkeit. und zittern Sie vor der Rache. Nur ein einziges Wort noch. von der Gerechtigkeit des Himmels über Ihr Haupt rufen werden. lauter Verlangen. Fahren Sie in Ihrer Untreue fort.Sanftmut. diese Ihre schreckliche Feindin. voll Liebe. und ich bin Ihre Freundin und werde als diese den Himmel anflehen. Lehren Sie mich Ihre Tugend. Es ist Schande für mich. Schenken Sie mir ein Herz voll Verzeihung. Heuchelei und Unsinn waschen Sie mir da vor! Können Sie die Gottheit. auch gegen mich nach. ich erwarte meinen Vater hier. die Luciens und meine eigenen Seufzer.

AMALIE indem sie ihrem Vater entgegengeht. Wäre ich wert. die ich dir wegen einer Verbindung mit Sir Karln. und laß meine ganze Seele in deiner Umarmung den glücklichen Vater empfinden. wenn ich so gottlos sein und dies tun könnte? ROBERT. Warum wollten Sie mich aus Ihrem Angesichte. die ich meinem Schöpfer schuldig bin. AMALIE. Sir! ROBERT. ROBERT. Sollte ich es über das Herz einer tugendhaften Tochter sein? Zwar leune ich nicht. zu einer andern Zeit mehr Gefälligkeit für Karln in Amaliens Blicken zu lesen als heute. so muß seine Wahl jederzeit edel sein. Aber üben Sie nicht diese göttlichen Tugenden gegen alle Menschen aus? Hat nicht oft der segnende Beifall derer. Umarme mich. meine Tochter. AMALIE. Ach. wie liebreich sind Sie! Wodurch verdienet es Ihre unwürdige Tochter. daß ein Vater der Tyrann über das Herz seines Kindes sein dürfte. als sie mein Herz tragen kann. mein Kind. Kann nach denjenigen Pflichten. die Freude meines Freundes. Aber ach! diese Vermählung – ROBERT. Aber gleichwohl glaubete ich. der alle Menschen liebet. Amalie. gütigster unter den Vätern. die Vorschläge. wenn es dein Herz zugleich mit mir gewünschet hätte. daß Sie es sind. Und ich bin stolz auf meine Tochter. einzige wahre Freude meines Alters. getan habe. Ich habe deinem Herzen die freie Wahl gelassen. wodurch sie diese väterliche Zärtlichkeit Ihres Herzens verdienet? ROBERT. Du weißt. die Sie glücklich gemachet haben. die Bitten seines Sohnes und meine eigene Hoffnung deiner Glückseligkeit würden mich haben wünschen lassen. Ich hasse ihn nicht. Wenn Vernunft und Tugend das Herz eines Frauenzimmers lenken. Ein Seufzer! Verrät er nicht ein Geheimnis? Meine Tochter pflegte sonst alle ihre Geheimnisse in meine väterliche Brust zu verschließen. AMALIE.Der dritte Auftritt Robert. die Tochter desjenigen Mannes zu sein. Ist sie nicht dem Wunsche meiner Amalie gemäß? Ich habe nie geglaubt. Der Wunsch und die Sorge für deine Glückseligkeit haben mich diese Unterredung mit dir wünschen lassen. ich kann keinen einzigen Menschen hassen. Segnen Sie. dem Sohn meines besten Freundes. Ich hoffe. Gott segne dich. segnen Sie Ihre glückliche Amalie. Ihre Last ist ohnedies schwerer. Aber warum haßt meine Amalie Karln? AMALIE. Was für eine elende Kreatur müßte ich sein. Wie gütig. daß du es dermaleinst noch lange ohne sie sein wirst. meine beste Tochter. Ich höre die Sprache der Tugend. die glückliche Tochter des Sir Roberts stolz gemachet? Darf sie also noch fragen. wenn ich dem Beispiele des besten Vaters nicht nachzuahmen suchen wollte. . daß ich von ihr keine andre Wahl vermuten kann. aus Ihren Umarmungen verbannen? Würde ich jemals ohne diese glücklich sein können? ROBERT. Häufen Sie nicht meine Verbindlichkeiten durch mein Lob. ein einiger Gedanke meine Seele mehr einnehmen als das Glück meiner Amalie? AMALIE.

Erlauben Sie mir.AMALIE vor sich. Zu Robert. und liebe Karln. Lucie hat kein Recht auf sein Herz. Ich freue mich. er muß sie lieben. Sie liebete ihn. Das . Kann er gegen so viele Liebe unempfindlich sein? ROBERT. seine Verbrechen zu gestehen. Er liebet sie also nicht? Dies gibt meiner Seele einen Trost wieder. Soll ich sie. Und liebet sie Karl? AMALIE vor sich. unglücklich machen? Nimmermehr! Sie soll. ihre Freundin. welche Person war dies Opfer von dir zu fordern berechtiget? AMALIE. Karl wußte die Kunst. Meine Amalie errötet. gegen Lucien allein es vergessen? Nimmermehr. eh ich ihn sah. als ihn ein zärtliches Herz lieben kann. und ich überwand es. soll ich meine eigne Schwachheit verraten? Soll ich gegen den gütigsten Vater das erstemal zurückhaltend sein? ROBERT. gütigster Vater. Karls Herz kann nimmermehr mein sein. der niemals sein Herz über seine Pflichten triumphieren ließ. daß ich dies Opfer der Menschenliebe. ja die Tugend selbst? Karl wird dein sein. der Gerechtigkeit selbst bringen darf. Verzeihen Sie. und Amalie. Das Laster würde dasjenige. Lucie. Erinnern Sie sich. es ist eine Errötung der Tugend. Karln zu vergessen. Ich denke. meinem Herzen nicht gleichgültig zu machen. Aber itzt? AMALIE. Lesen Sie in meiner Seele. nur Mitleiden gegen eine unglückliche Schwachheit empfinden. Sein Sie gütig gegen sie. nein. Wie? mein Vater! Lucie sollte Tränen vergießen. was es sich zu sagen scheute. unter der Frechheit einer unerrötenden Stirne verstecken. Diese Wünsche erregten die meinigen. ROBERT. Was für Dunkelheit. daß sie ein weibliches. unüberwindliche Hindernisse. der Freundschaft. die arme Lucie – ROBERT. ROBERT. ein leicht zu rührendes Herz hat. Beleidigte nicht ihre Schwachheit die Bescheidenheit ihres Geschlechts. meine Tochter. glücklich zu sein. Aber meine Liebe fand Hindernisse. Es ward meine Pflicht. daß ich die Tochter eines Mannes war. Ich weiß. das so oft wider seine Pflichten murret. Lucie! AMALIE. Sie hat ältere Rechte auf Karln. Ich erinnerte mich. Sie liebet ihn so stark. ROBERT. unterließ es auch hier nicht. Warum seufzt' ich Törin doch? Soll ich Luciens und Karls Schande. AMALIE. Ich hörte Ihre und seines Vaters Wünsche. sie waren rein. sie zu bekennen. sollte die Ursache dieser Tränen sein? Southwells Liebe ist Qual für mich. wenn ich Lucien soll meinentwegen leiden sehen? Können Sie. Lesen Sie meine eigene Schwachheit darinne. er wird. Aber er wird es nicht länger sein können. Was soll ich sagen? Der Bösewicht! Die Menschenliebe verbietet mir. daß ich nur einen Augenblick gezögert habe. und Vernunft und Tugend werden Lucien die Herrschaft über ihr Herz lehren. und meine Tugend hat also niemals über dieselben erröten dürfen. offenherzig zu sein. da wir uns auf den Gütern seines Vaters befinden. Sie können nicht Zorn. meine Tochter! Welche Pflicht. der Sie nie die Zähre eines Unglücklichen sahen. wenn er nichts weiter von mir zu hoffen hat. Ich schäme mich nicht. Folge deiner Neigung. AMALIE. sie muß Karls Herz erhalten. meine Freundin. Ist er ungerührt gegen den Wert ihres Herzens. Dies Herz. ohne diese Zähre in Segen für eine Wohltat zu verwandeln. sich seit der Zeit.

WILLHELM. Haben Sie dieser Tochter jemals eine billige Bitte abgeschlagen? Vor sich. ROBERT. sie verlangt Mitleiden. Das sich verstellende Herz meiner Amalie selbst hat es mir entdecket. das sie niemals erlangen kann. so oft es strafbar war. Willhelm. mein Freund! WILLHELM. ehe Amalie die Hand deines Sohnes annehmen wird. Freund! ist es der Mühe wert. Amalie liebet ihn? und Karl gegen sie allein zärtlich? Freude komm' dann noch einmal zurück in mein seufzendes Herz! O Robert. Willhelm. Ich suche meinen Freund. Edelmütige Freundschaft! Was für ein Glück ist es für Roberten. Entehre das Herz eines Mannes nicht durch eine verzagte Kleinmütigkeit. Traue deinem Freunde. Laß uns durch Vernunft. und freue dich mit mir. Bitten Sie für Lucien. Luciens Ruhe und Amaliens Glückseligkeit zu befördern. Der vierte Auftritt Robert. ein Mensch und ohne Hoffnung zu sein? WILLHELM. und was für Gewalt hat ein redlicher Freund über das Herz seines ebenso redlichen Freundes. Welches glückliche Schicksal führt dich deinem suchenden Freunde entgegen? Immer noch betrübt? Vergiß deiner Betrübnis und sei glücklich. AMALIE. Laß unsere Freude durch keine Seufzer entweihet werden! O . Sie werden es tun. Amalie liebet ihn. Welche schwere Bedingung! Die Stärke von Luciens Leidenschaft machet mir Qual. Geh zu deiner Freundin und bekämpfe ihre Leidenschaft durch die Lehren. solange Lucie – ROBERT. Ich allein verdiene sie! ROBERT. Dein Sohn ist für meine Amalie allein zärtlich. Liebe und Tugend die Seele der Lucie heilen. o Gott! Vergib dem Herzen der Lucie. Segne diese Hoffnung. Hat sie nicht alle Gütigkeit des großmütigen Bettertons ausgeschlagen? ROBERT. Hoffe! ein glücklicher Strahl wird diese Wolke über deinem Haupte zerteilen. Ich glücklich? Verdien' ich es zu sein? Werde ich es jemals sein können. Sie sind sein Freund. Sie geht ab. Der alte Southwell wird nie seine Einwilligung zu dieser Verbindung geben. Vater zu sein. berauscht deine freundschaftliche Seele mich nicht vielleicht mit einem falschen Vergnügen? ROBERT. O daß ich ihm die ganze Größe von dem Unglücke der armen Lucie entdecken dürfte! ROBERT. ROBERT. Southwell. Luciens Leidenschaft verlangt keinen Kampf. AMALIE. Tun Sie es um Ihrer Tochter willen. Lucie seufzt vergeblich nach etwas. Luciens Brust muß erst beruhiget werden.Herz des Sir Roberts muß gegen jedermann Mitleiden empfinden. Laß diese Strafe auf mein schuldiges Haupt fallen. ROBERT indem er seinem Freunde begegnet. WILLHELM. die dir deine Tugend eingeben wird. Allein ihre ganze Seele ist Freundschaft und Mitleiden.

als er mir ist. Ihre Schönheit und ihr Herz verdienten das deinige. WILLHELM. Verzeihen Sie dieselbe dem Grade meiner Freude. umarmen! Wie sie von uns. er weiß. Karl? KARL. Du wirst Amalien besitzen. wenn du diese Belohnung verdienst. Er fordert Liebe! KARL. Was soll diese Erstaunung. ihren durch sie ebenso glücklichen Vätern. Wie geteilt ist zärtliche Liebe jederzeit zwischen Furcht und Hoffnung! Hoffen Sie ohne Furcht. KARL. Ach! warum. mein Vater! WILLHELM. Sie verstehen Ihren Vater falsch. Hoffe noch mehr. Willhelm? Der fünfte Auftritt Die Vorigen. mein Sohn! Diese Hitze. diese Gefährtin der Jugend. Karl Southwell. Freue dich. Vergebung. daß Ihr ganzes Herz meiner Amalie ist. glücklich durch ihre Zärtlichkeit. Ihr Vater weiß. WILLHELM. wenn er alles weiß. ich bin verloren. Aber das verwundete Herz der armen Lucie muß noch . KARL vor sich. die meiner Dankbarkeit gefühlvoller bei Amalien verschwinden würden? WILLHELM. KARL. daß Sie Lucien nicht wieder lieben. WILLHELM. umarmt und an die schon mattschlagende Brust gedrücket werden! Sieh deinen Sohn. zu einer Zeit. daß Lucie Sie liebet. Geduld. beunruhigst du sein zärtliches Herz durch deine Umschweife. Und was raubet mir noch meine Verzögerung diese kostbare Minuten. unsere Kinder zu sehen. Ihre ganze Aufführung verdienet seinen Beifall. kann bei dieser Gelegenheit allein vielleicht löblich sein. Luciens Seufzer verlangen zuvor Ruhe für Luciens Herz. Willhelm. welch entzückende Szene würde es sein. du wirst die Belohnung der Tugend erhalten.Freund. meine Leidenschaft gegen Lucien meinem Vater zu entdecken. mein Vater! ROBERT. Kindliche Pflicht hat dasjenige nicht vor mir verborgen gehalten. da Mitleid und Amalie fast mein Herz wankend gemachet hatten. Amalien und diese Gütigkeit zu verdienen? Aber mitten in seiner Glückseligkeit seufzt das stets zweifelnde Herz. was weibliche Sittsamkeit für Sie zu einem Geheimnisse gemachet hatte. Amalie nicht unempfindlich gegen mich? Welcher plötzliche Streich für Lucien! Zu einer Zeit. Nein! Southwell. da ich bereits im Begriff war. KARL. Danke dem besten Vater und Freund für seine Einwilligung. Ach. Der Grad ihres Unglücks fordert mehr als Mitleiden. Kann sie sich anders ausdrücken? Wer hat je eine größere empfunden? Sir Robert! So werde ich dann den gütigsten Mann als meinen Vater umarmen dürfen? Wird jede noch übrige Minute meines Lebens genug sein. Ist nicht meine Hoffnung ein Traum! War nicht nur noch vor wenig Minuten Amaliens Auge nichts als Verachtung gegen mich? ROBERT. KARL vor sich. Hören Sie mich. wie sie sich. mein Sohn. Himmel. Ich kann – ich kann nur Mitleiden – WILLHELM. Luciens Gram kann dir nicht fremder sein. Amalie ist nicht unempfindlich gegen dich.

des glückseligsten Menschen von der Welt. WILLHELM. Der Bediente des Herrn Betterton verlangt Sie zu sprechen. Lassen Sie mich Lucien zu unserm gemeinschaftlichen Freunde Atkins und seiner Schwester begleiten. einige Minuten meines Lebens der nützlichsten Kunst in deiner Gesellschaft zu widmen. Luciens und deine Glückseligkeit sind die einzigen Wünsche meines Alters. Er ist fähig. o Robert! Dann erst. Jakob. rede. das Herz eines Frauenzimmers zu rühren. KARL. Es ist nichts als freundschaftliche Liebe. Laß uns die Tage der Zukunft der Vorsehung überlassen und die gegenwärtigen freudig und tugendhaft genießen. glückselig zu leben. wenn ich sie erkaufen könnte? Selbst die meinige. als Sie sein können? . JAKOB. Der sechste Auftritt Die Vorigen und Jakob. Rede. wieviel Augenblicke Sie noch die erstere werden entbehren können? KARL. der Kunst. Traurige Pflicht! Wenn werde ich so glücklich sein und sie von dir fordern dürfen. Die Entfernung und Atkins werden mein Bild aus ihrem Herzen auslöschen. Willhelm. KARL. Ohnfehlbar seinen sterbenden Lippen den letzten Kuß der freundschaftlichen Liebe aufzudrücken. wenn eine wäre. Jakob. ROBERT. Karl. die ich mein nennen dürfte. Der siebente Auftritt Karl Southwell. wenn ich durch Leiden der Tugend dieses Glückes würdig geworden bin. Laß sie ihre Kunst zu sterben lernen. die er für Lucien verlangt. zu leben. geschweige denn einer Lucie versagen.vor der Verbindung mit meiner Tochter geheilet werden. der glückliche Karl versteht die bessere Kunst. Aber kann ich Lucien von mir lassen? Doch fodert es nicht ihre eigene Glückseligkeit? Was würde ich ihr nicht aufopfern. Und nie. Lucien zu beruhigen? WILLHELM. Sterben zu lernen. Sein Rat ist gut. und der Sohn des Sir Willhelm Southwell muß sie keinem einzigen Unglücklichen. mein Sohn. zu seufzen? JAKOB. bei der Freude deines Herrn. JAKOB. laß uns ihm folgen. Kann er mehr für sie tun? Aber wie lange wird ihre flüchtige Leidenschaft dauern können? Dürfte ich einen Vorschlag tun. KARL. nie wird er ihr diese Freundschaft versagen. ROBERT. O Herr! daß Sie doch die erstere nicht gar über der letztern vergessen möchten! Wissen Sie wohl. WILLHELM. Haben Sie sich mit dem Himmel und Lucien versöhnt und sind so glücklich geworden. Ich will sie daselbst allein lassen. und wir alle werden glücklich sein können. Ich begleite dich zu dem Lager deines Freundes. Tor! mit deinem Geschwätze! Darfst du dich wohl unterstehen.

Sagete ich nicht. Schweig. Aber es ging alles gut. . Mußte sie ihn nicht vergessen? Saget nicht selbst die stolze Miene ihres Geschlechts jederzeit dem unsrigen: Ihre Dienerin ersuchet Sie. Entweihe die Einsamkeit der Liebe nicht durch deine Gegenwart. Verzeihen Sie. Schilt meine Gerechtigkeit. laß uns die Anordnungen zu unserer Reise zu meinem Freund Atkins machen. wer kann dich ergründen? Komm! Jakob. damit er sich nicht dabei an Ihre Verbrechen erinnern möge. Sie zu sprechen. Verziehen Sie aus Ehrgeiz. LUCIE. Betty kömmt. KARL. Aber du so gleichgültig. daß ich Sieger sein würde? Jakob! Ja. Jakob. BETTY. Ich danke Ihnen für Ihren Befehl. Ich weiß. Aber Amalie. Amalie kömmt. Er soll Lucien ihre Ruhe wiedergeben. Nur noch eine kleine Zeit. Er riß mich aus einer Unruhe voll Verzweiflung. Rufen Sie nicht den Himmel. Lucie kömmt. Nichtswürdige Kreatur! Er will weggehen. Southwell. Ich will dir es zu einer andern Zeit erzählen. Der neunte Auftritt Karl Southwell. Der achte Auftritt Die Vorigen. Aber der ehrliche Sir Robert! Jakob. JAKOB. Narr! der Überfluß meiner Freude allein verzeiht deiner Unverschämtheit. auf ihren Karl Southwell stolz sein.KARL. so grausam gegen sie zu sein. wenn du kannst. KARL. so wird sie auf ihren Gemahl. als sie sich gegen ihn zu sein stellt. Lucie hält ihn zurück. Betty. er verdienet meine ganze Dankbarkeit. indem er Lucien erblicket. was kann weiblicher Stolz und weibliche Tugend wider mich? Besaß nicht Lucie beides? Himmel! Sieh die Größe meiner Freude und beneide mich! JAKOB. Würde sie nicht auch jedweden außer mich völlig betrogen haben? So ernsthaft. Sie besitzen ihn. Amalie! mich zu sprechen? himmlische Gütigkeit! Zurück. wenn ich ruhiger bin. Verziehen Sie. Amalie liebet mich. Predige. predige. Jetzt bin ich lauter Freude. Wisse. die tugendhafte Amalie konnte die Pflicht gegen Lucien vergessen? Warum vergaß sie ihren Stolz gegen Sir Karln? KARL. alter Sirach. eifrig für ihre Freundin! Unerforschliche Tiefe der weiblichen Verstellung. ehrlicher Jakob. KARL zur Betty. Herr! Er ist eine Wohltat für mich. so närrisch traurig? JAKOB. Verschonen Sie mich mit Ihrer Freude: Ich bin nicht von einem so feinen Gefühle wie Sie. Bald hätte mein Vater durch meine Unvorsichtigkeit meine ganze Liebe mit Lucien erfahren. ja nicht so stolz. Ich kann mich heute über meinen ärgsten Feind nicht erzürnen. Geht ab. Ihre Freude zu sehen. Aber mein einfältiges Herz hätte sich bald durch ihre verstellte Sprödigkeit betrügen lassen. Sie sollen Ihren Triumph über Lucien sehen.

die meine ganze Glückseligkeit war? Ich beleidigte die Tugend. verzeihen Sie mir diese List. Lassen Sie mich weggehen. Sie seufzen? Seufzen Sie nicht! Rauben Sie mir nicht noch den elenden Zrost. die ehemals aus Zärtlichkeit mehr als eine von ihren Wangen herabschleichen fühlte? Eitle Einbildung! Nein! vielleicht weinte sie die Natur über den unschuldigen Zeugen. Verzeihen Sie mir noch. Lucie! LUCIE. ihre Rächerin. Ich komme nicht. Ich drückte Sie an meine Brust. sie seufzen hören. Ich war glücklich. noch ein einziges Mal mit Ihnen zu sprechen. nein! ich komme. Spotten Sie meiner. Sie den Grausamsten zu nennen. und ich fürchtete nie. Undankbarer. die Ihre gebrochne Eidschwüre strafen werde. und ich würde sodann weniger Recht haben. Ihre Seufzer würden Mitleiden verraten. Ich liebete Sie. Fürchten Sie keine Gerechtigkeit des Himmels. da ich noch mein Karl Southwell sagen konnte. Herz! elendes Herz! verdammt sei deine Unruhe! LUCIE. Ach. um alle Ihre Wünsche in demselben zu lesen? Und wenn las ich einen einzigen Wunsch in diesem Auge. damit Sie die Wollust empfinden können. wovor ich zu zittern Ursache hatte. noch für ihre eigenen Verbrechen die Strafe dieses beleidigten Himmels fürchten darf. ich vergaß alles. damit mein Herz noch vielleicht die elende Linderung seiner Qual fühlen möge. warum rauben Sie mir dieselben? Barbar! wenn habe ich Ihnen eine einzige Zärtlichkeit nicht durch eine noch größere vergolten? Wenn war mein Auge nicht auf das Ihrige geheftet. ehe ich Sie liebete.KARL. den ihre ganze Seele liebet. Sie sollen Sie klagen. Durch diese Liebe unglücklich zu werden. daß ich es unter keinem andern als Amaliens Namen erlangen würde. zu ewigen Tränen verdammen! mich? die ich Sie bei allen Ihren Grausamkeiten nicht vergessen kann. erblicken. Ihnen Vorwürfe. Es ist zuviel! Lucie! Meine Seele kann dies nicht ertragen. so würde ich Sie jetzund verachten können. ich beschwöre Sie bei diesem noch ungebornen . herannahen. als die letzte Probe Ihrer – wie soll ich es nennen? – Ihrer Herablassung. Glückselige Minuten! Da unsere Seelen in dem gemeinschaftlichen Gefühle ihrer Zärtlichkeit zerflossen. Ich wußte. mich über Sie zu beklagen. und ich vergaß Tugend. daß ich durch Ihre Liebe unglücklich werden könnte. Sie sollen mich demütig. KARL. über ihre Seufzer zu frohlocken. LUCIE die ihn zurückhält. aber zeigen Sie ihr. Ihre Freude vollkommen zu machen. ich vergaß Schande. damit sie weder die schrecklichste Rache an demjenigen. das du mich zu lieben verdammtest? – KARL. KARL. daß Karl Southwell dieses Herzens völlig unwürdig war. soll ich sagen. ohne ihn zu erfüllen? Oh! daß ich sie nie erfüllt hätte. Warum ließen Sie mir doch diese Minuten empfinden? oder da Sie mir solche empfinden ließen. Lucien zum ersten Male demütig sehen. Und doch. da Sie noch meine Lucie sageten. Eine Zähre von den Wangen Karl Southwells! Verlor er sie vielleicht um diese Lucie. ich sah die Schande. Barbarische Natur! warum gabest du mir ein zärtlicheres Herz als dasjenige. Nein! Sie sei nicht! Sie sei nicht! Lucie wünschet es mit Ihnen. Meine verdammte Leichtgläubigkeit! LUCIE. vergessen Sie seine unglückliche Mutter. welchen Lohn meiner Liebe geben Sie mir? Daß Sie mich zu Tränen. unserer Liebe oder unserer Verbrechen? Ja.

weil ich sie keiner Laster beschuldigen kann. Wissen Sie. Weg mit diesem Gedanken! Mich nach der tiefsten Erniedrigung. BETTY. Ich habe das Herz des Barbaren gerührt. wenn sie Lucie wäre? LUCIE. die Sie in ihm rege gemachet haben. außer wenn ich es quälen kann. Ich will mit diesem verräterischen Geschlechte nichts weiter zu tun haben. nachdem ich weggeworfen genug um seine Liebe gefleht habe. ohne ihm zugleich erkennen zu lassen. wenn ich Lucie bin. wenn er es täte? Sollte er und ich noch den äußersten Grad . BETTY. LUCIE. Ersticken Sie es in dem Blute seiner ermordeten Mutter. Neid und Verzweiflung verzehret? Aus Stolz sei er mein Gemahl. Sie fällt vor ihm nieder. Es würde doch nie den Namen Vater aussprechen können. Und was würde Sie hindern. Sage mir diese Rache. Hören Sie meine letzte Bitte. nicht aus Liebe soll Karl mein Gemahl werden. nicht eine Amalie über mich triumphieren zu sehen. wie ich es lehren soll. das sich selbst durch Haß. Was geht die Liebe. LUCIE. die er dir schuldig war? Karl! wenn wird meine Seele fähig sein. Fräulein. Sie kennen das wahre Geheimnis der Liebe noch nicht. mich sodann noch zu achten? Und wie. Genug! Mein Stolz verwirft alle deine Vorschläge. wenn sie grausam genug ist. LUCIE. wie sie es seinen Vater soll kennen lehren. Fräulein. Um sodann ebenso geschwind wieder von diesem vergessen zu werden? BETTY. dafür Rache an dir auszuüben? Doch sie wird es dereinst sein. daß dieser Vater ein Bösewicht war. Ich versichere Sie. ihn zuerst in den Armen des dritten zu vergessen? Fräulein. BETTY. zeigen Sie ihr. diese sanfte Leidenschaft. Der zehnte Auftritt Lucie und Betty. den wir beide verfluchen sollten. mich der Schande zu entreißen.Pfande. einem Herzen an. Befreien Sie sich von einer Last noch zukünftiger Verbrechen. wie verächtlich bist du dir selbst? Welche Erniedrigung! du hast dich vor einem elenden Karl Southwell gedemütiget. Barbarische Liebe! sind dies deine Glückseligkeiten? Geht ab. Grausame Betty! was für Vergnügen findest du in meiner Qual. daß er die Empfindungen. wie sich Betty an Karl Southwelln rächen würde. Grausamer und süßer als alle andre Arten. Southwell hat bei aller dieser Hitze weniger von Ihrer Rache zu befürchten. diesen Vater zu lieben. meinen Abgott gekostet. ohne Ihr Haupt mit einem neuen Verbrechen zu beschweren. Sagen Sie. Eine elende und ekle Einförmigkeit – LUCIE. mich der Finsternis meiner Geburt zu entziehen und meinen Ehrgeiz zu sättigen. Lucie. als er von Ihrer Zärtlichkeit zu hoffen hat. nicht vergessen möge. Ich würde Sir Karln in den Armen eines bessern Liebhabers vergessen. die ich hasse. Lassen Sie mich Ihrentwegen wünschen. ihm eine Gerechtigkeit abzuzwingen. Aber schrecklicher Sieg! Er hat mir meinen Stolz. Betty. Selbst aus Stolz. die mir droht. KARL indem er sie aufhebt.

meiner Schande überleben? Wahrlich! weder er noch ich sollten ihn überleben. Schicksal. Ausschweifungen. KARL. Aber ich schwöre Ihnen. was Sie doch mit einem gewissen Scheine von Tugend der Liebe leisten könnten. Ungerechter Southwell. und ich will Lucien lieben. AMALIE. Wohlan! dies beängstigte Herz soll noch hoffen. o Rache. Die dritte Handlung Der erste Auftritt Amalie. dem rechtschaffenen Manne zu entdecken. Sie ist großmütig. wenn nicht Amalie seine Verführerin geworden wäre. Wollen Sie diese? KARL. BETTY. nichts als Freundschaft. Er wird Sie sodann zwingen. ich empfand von dem Augenblicke an. Ich habe Ihnen die Gründe gesaget. Verachten Sie ihn. da ich Ihre und meine Pflichten kennenlernete. und bin ich nicht daher zu dem schrecklichsten fähig genug? Ja. wenn ich Sie nicht sogleich verlassen soll. Betty. soviel Hoffnung aufzugeben. als ich es werden kann. Ich will noch einen Versuch auf Amalien tun. wenn die Demütigung nichts ausrichten sollte. Wenige Minuten werden mein Schicksal entscheiden: Ob ich so glücklich. Nennen Sie mir dies Wort nicht mehr. Sagen Sie mehr. Hören Sie die Tugend. wenn sie ihn nicht auf ewig verlieren wollte. und meine Verbindung mit Ihnen möglich sei. wenn du deine Freude an meiner Qual findest. Fräulein! Kommen Sie und lassen Sie uns unsern Sieg wider Karln fortsetzen. Ihr Herr Vater selbst erweckte sie in mir. Ich wiederhole ohne Errötung mein Geständnis gegen meinen Vater vor Ihnen selbst. wollen Sie mich zu einer Mitgenossin Ihrer Verbrechen machen? Doch es ist die Gewohnheit Ihres Geschlechts. KARL. Aber dir schwöre ich. AMALIE. ohne noch andere mehr neben sich unglücklich zu machen. Die Wut wird noch aufgehoben. wenn der Sieg mißlingt. Seine Unwissenheit wegen Luciens Schicksale ließ ihm glauben. daß Luciens Liebe überwindlich. aufzubürden. Habe ich nicht bereits ein Verbrechen begangen. welche meinen Vater zu seinem Irrtum verleiteten. was er für einen Bösewicht zum Sohne hat. die das Ihrige selbst beging. sagen Sie Liebe. dasjenige der Gerechtigkeit zu geben. Es sei dies letztere. oder ewig unglücklich sein soll. und Sie werden beides tun können. Ich beschwöre Sie weder bei derjenigen Gerechtigkeit. Sie waren meinem Herzen nicht gleichgültig. Lucie soll nicht unglücklich werden. dem unsrigen alle die Fehler. AMALIE. KARL. die noch kein Verbrechen . Ich biete Ihnen heute diese Freundschaft noch einmal an. Meine stolze Seele mußte sich zu dieser Tiefe herablassen. Es ist schwer. Karl Southwell. LUCIE. AMALIE. Mein Herz würde diesen Zwang nicht nötig haben. Lehren Sie mich Amalien vergessen. Karl hat mich gedemütiget gesehen und um Erbarmung flehen gehöret. Alle zärtliche Sorgfalt für die Ehre meiner Freundin wird mich sodann nicht abhalten.

Zu Karln. die Glückseligkeit nicht zu sehen. weder bei Ihrer Pflicht. schenke ich Ihnen. die weiter keine Glückseligkeit als Sie verlangt. »Nach allen den Grausamkeiten von Sir Karln. Hören Sie. das durch diese Pflichten die Glückseligkeit seines Nächsten befördert sieht. da Sie sich dabei an die Zärtlichkeiten der armen Lucie erinnern müssen? Wird ein einziger Ihrer Träume von den Schrecken des Bildes der Lucie frei sein? Fürchten Sie diese Ruhe. Eigenliebe und Wankelmut (verzeihen Sie einer weiblichen Offenherzigkeit) wird er leicht in dem Umgange mit einer würdigen Gemahlin vergessen lernen. diese Wollust empfinden zu lernen. Umarmen Sie Ihre Freundin. Es ist ein Ruhm für Ihr Herz. so trete ich alle meine Rechte an Sie ab. die sie den Bemühungen ihrer Freundin schuldig ist? AMALIE. Ich unempfindlich? mein Herz. Alles. Wodurch wird sich Lucie von der Last ihrer Verbindlichkeiten befreien. BETTY zu Amalie. wenn Sie Lucien ihre alten Rechte wieder einräumen. die alle Ihre Wünsche übertreffen wird. Sie wird verschwinden wie ein Traum. die Ihnen diese Wollust geraubet hat. daß sein Herz unedel sein könnte. fühle ich Elende noch. Der zweite Auftritt Die Vorigen und Betty. Warum ist doch Ihr Auge so blöde. Eine gewisse Leichtsinnigkeit. Sir! Sie würden sie ohne Tränen nicht sehen können. AMALIE. Betty von weitem. Würde er nicht in meinen Armen ohne Amalien ewig unglücklich sein? Und ich. Nunmehr sind Sie mein Freund. Diese Bemühungen sind überflüßig belohnet. die auf eine kurze Zeit Ihre Sinne berauschen wird. KARL. das seine Pflichten sein Gesetz sein läßt. erhabene Amalie. an Ihrer und meiner Freundin Glückseligkeit gearbeitet zu haben? Oh! kennten Sie die Wollust. KARL. Ich will versuchen. diese erhabene Wollust. die Ihrer in Luciens Armen erwartet? Eine Gemahlin. daß es leidet. Sie würden die Verzögerung verfluchen. und Schrecken werden Ihre Nächte und Verzweiflung Ihre Tage sein. ich beschwöre Sie bei Ihrer Glückseligkeit selbst. Lucie leidet mehr als das deinige! AMALIE. Ich habe niemals von dem Sohne des Sir Willhelm Southwells geglaubet. ich sollte denjenigen durch mich unglücklich sehen. unter welchen meine Seele seufzet. die Sie vielleicht beide nicht genugsam kennen. Wenn Sie der ärgste Barbar wären. und weil ich ihn denn lieben muß. die ein Herz fühlt. lieben Sie Lucien. Führen Sie mich. was Ihnen mein Herz einräumen kann. AMALIE nachdem sie gelesen hat. Werde ich nicht sodann das Vergnügen empfinden. jede Minute auf eine neue .ungerochen gelassen hat. für den ich jederzeit. daß ich ihn ewig lieben werde. ob mein Herz noch unverderbt genug ist. die Sie und Ihren Vater zugleich glücklich machen wird! Können Sie ein Mensch und gegen dies alles unempfindlich sein? KARL. was Lucie schreibt. Ich habe Ihnen hier einen Brief von der Fräulein zu übergeben. noch bei dieser Tugend. und sein Herz wird sodann mit dem edelsten Herzen um den Vorzug streiten können. Wie können Sie in dem Arme einer jeden andern Gemahlin eine einzige Zärtlichkeit empfinden.

Glückseligkeit sann? Nein. damit sie nicht meine Schande lesen und über mich frohlocken kann. der seiner Prinzessin untreu ward. Ich habe es diesen Augenblick aus dem Mund ihres eigenen Vaters gehöret. War es nicht Ihr Befehl. Meine Nebenbuhlerin einen Brief. Ich fliehe zu einer Einsamkeit. welches vielleicht Lucie nie verdiente. als sie mein eignes Geständnis las. daß Sie in einem weit philosophischen Zeitalter in Ansehung der Liebe leben. würde das größte meiner Leiden sein. LUCIE. Sie hat ihm bereits ihre Hand versprochen. weniger Zwang einer äußerlichen Tugend würden dich an einem untreuen Liebhaber und einer falschen Freundin rächen. Betty! strafe es durch die Erzählung von dem Triumphe meiner Nebenbuhlerin. Wut. meine elende List ist Ursache. das ich in meinem eigenen Glücke auf mein ganzes übriges Leben vergebens suchen werde. Ja. Der Gedanke. Fräulein? LUCIE. Wie lange wollen Sie sich doch durch Ihre heroische Liebe lächerlich machen? Die Zeit. Amalie liebt Karln. Es ist zu spät. Amalie hat ihn gelesen. Einfältige Lucie! die Zuflucht zu der Großmut einer Nebenbuhlerin. LUCIE. BETTY. Gib den unglücklichen Brief zurück. weniger Zärtlichkeit. mußtest du eilen – BETTY. und ehe ein Monat vergeht. Erinnern Sie sich doch. meine Nebenbuhlerin durch ihre Großmut zu überwinden. damit es ihn nie quälen möge. Betty. Arme Fräulein! weniger Stolz. in Amaliens und Southwells Glückseligkeit ein Vergnügen zu finden. Gib den Brief zurück. Lucie. Fräulein. Löschen Sie mein Bild aus seinem Herzen aus. die mich lehren soll. da der meineidige Ritter den Tod verdiente. Alle List ist vergeblich. BETTY. daß sie besser als ich sei. genießen Sie an Ihres Southwells Brust das Glück.« Gefällt Ihnen dieser Inhalt? Was soll dieser Seufzer. lassen Sie uns diesen Brief beantworten. Hören Sie denn: Sie empfing . können Sie sich von allen zwölfen gerächet sehen. BETTY. in dem ich mich selbst unter sie erniedrige? Aus dem sie die ganze Größe meines Verlustes sehen kann? Soll sie über mich frohlocken? Über Lucien? Nichtswürdige Betty. Mehr als zwölf liebenswürdige Herren bieten Ihnen Ihre Rache wider Karl Southwell an. zu nehmen? Kenne ich die menschlichen Tugenden nicht? War es mir fremd. daß sie nichts mehr sind als die Decke des Lasters? Strafe mein Herz. Sage mir. Sie gehen ab. BETTY. mit was für Mienen Amalie den Brief empfangen hat. und wenn es auch eine Amalie selbst ist. LUCIE. meine törichte Hoffnung. Unglückliche Neubegierde! was wird sie Ihnen helfen. diese traurige Stellung? Kommen Sie fort. als Ihre Verzweiflung verstärken? Doch Sie wollen es. Wut ist allein noch für Lucien übrig. ist vergangen. daß ich ihn quälen sollte. Dein unsinniges Geschwätz hat mich schon mehr als einmal verdrießlich gemachet. Wo ist er? Gib ihn zurück. Der dritte Auftritt Betty.

lassen Sie uns nur an die zukünftigen gedenken. Freue dich deines Sieges. las ihn Sir Karln vor. als in dem ersten Augenblicke. das Sie suchen zu Ihren Füßen. Lucie hat Ihnen noch nicht das Recht zugestanden. aber zittern Sie. Lucie! die Opfer deiner Rache sind bereit. lächelte. Rache von Ihnen zu fodern? Ja. LUCIE. Sie mich lieben? KARL. Doch vielleicht spottet sie jetzt in dem Genusse der Zärtlichkeiten einer ebenso niederträchtigen Seele als die ihrige meiner Qual. wie sie über mich frohlocken soll. die meine Untreue verdienet. Für Lucien. LUCIE. Wohin. der Verzeihung von Ihnen verlangt und ohne diese Verzeihung unglücklich sein wird. Vertilgen Sie diese unglücklichen Minuten aus Ihrem Gedächtnisse. Und wissen Sie. vielleicht aus einer verstellten Höflichkeit. was ich Ihnen sagen kann. und der ungerechteste Bösewicht. Sie besitzen das Recht. die Sie verachten? KARL. Unbillige Freundin. und Lucie zu kraftlos. weil du niederträchtiger als ich bist. Ich haßte dich ehemals. Liebe und Freundschaft zugleich zu beleidigen. dies ist alles. Töten Sie es und lassen Sie sich sodann sagen.Ihren Brief wie eine Person. Amalie und Karl vor meinen Augen. und jetzt freue ich mich. grausame Lucie? Sehen Sie dies Opfer. daß Sie den zärtlichsten Liebhaber getötet haben. daß es Amalie war. LUCIE. die unserm Leben ein ewiger . Freue dich noch einmal über ihre Qual. KARL. den der ebenso ungerechte Himmel leben läßt. überlassen Sie mich der Verzweiflung. da ich sie zu lieben anfing. Auf. Er seufzte einmal. AMALIE die sie zurückhält. Wohlan! versagen Sie mir Ihre Verzeihung. die ich anbete. Amalie und Karl Southwell. KARL. Amalie verwies ihm seinen Seufzer. die ich mehr als meine Seele liebe. aber zittere vor Luciens Rache. LUCIE. und doch soll jeder künftiger Augenblick ein Beweis meiner Zärtlichkeit für Sie sein. Mehr. daß ich dich hassen kann. Sehen Sie. die diese Pflichten zuerst wieder in mir lebendig gemachet hat. LUCIE. lehrt sie in seinen Armen. weil er den Wert desselben noch nicht recht kannte. die mit starken Schritten auf dich loseilet. über Lucien zu spotten. Sie will weggehen. Sieh diese Qual. Gib ihnen den tödlichen Streich. die unsern feinen Geschmack in der Liebe besitzt. Herrlicher Ruhm für Lucien! Es gibt noch jemand. mit der ihre treulose Seele von ihnen flieht. AMALIE. Hören Sie doch auf. sehen Sie Ihren Southwell. schlang den Arm um ihn und führte ihn fort. der Ihr Herz nicht verdienet. sich ungerochen spotten zu lassen. ich war noch der notwendigste Zeuge. weil du besser als ich warst. verzweifle sodann und stirb. meine Feindin. Ein Beweis Ihrer Zärtlichkeit für Lucien. Gütigste Lucie! verzeihen Sie einem verblendeten Liebhaber. der Ihnen zu Ihrem Triumphe über mich mangelte. der niederträchtiger als sie ist. Der vierte Auftritt Die Vorigen. Sie las ihn. KARL. wenn es möglich ist.

Törichtes Herz! Läßt du dich nicht vielleicht zu geschwind von deiner Hoffnung betrügen? So werde ich denn noch einmal ebenden zärtlichen Liebhaber an meine klopfende Brust drücken. Lassen Sie uns in meinem Zimmer es zu stärken suchen. können Sie dem Munde des Sir Roberts mehr glauben als dem Munde des zärtlichsten Liebhabers und der redlichsten Freundin. Und Lucie viel ruhiger als vor wenigen Augenblicken in Amaliens und Karls Gesellschaft? Sollte wohl Karln ein Mittel gelungen sein. muß ich es danken. Sie gehen ab. Ich eile. Und Ihnen. Ich schließe aus der ruhigen Gelassenheit meiner armen Fräulein. AMALIE. Sir Robert. LUCIE. die Ihre Zunge noch nie durch eine Falschheit entweihet hat? LUCIE. Können Sie mir verzeihen? Nimmermehr können Sie es. Doch Betty verliert nichts. ist ein Verbrechen wider die Liebe. Ich setze Sie noch heute in alle Rechte meiner Gemahlin. Närrische Liebe. LUCIE. Warum muß doch Lucie jederzeit kleiner als Sie sein? Jederzeit sehen Sie von Ihrer Höhe auf Ihre im Staube kriechende Freundin herab. Und ist nicht Karl Southwell freigebiger als alle andere? Der fünfte Auftritt Betty. ROBERT. die ich durch die niedrigsten Ausschweifungen der Eifersucht beleidiget habe. LUCIE. seine Pflichten ganz zu vergessen. Wie wird sein väterliches Herz in Freuden überfließen. Mindern Sie Ihre Freundschaft. AMALIE. den gütigsten Vater um Erlaubnis zu bitten. wenn es hören wird. Amalie. BETTY. Nichts mehr hiervon! Jede Minute. Ach! Lucie. Lucien zu beruhigen? BETTY. außer wenn Lucie keinen freigebigen Liebhaber hat. Amalie. lieber Southwell? KARL. die nicht ebenso geschwind wieder vergessen werden kann. meine Lucie. Ach! diese Zärtlichkeit. deucht sie mir nicht immer noch ein Traum? Habe ich nicht aus dem Munde des Sir Roberts selbst die Neigung seiner Tochter gegen Karln gehöret? KARL. wenn mein Herz nicht unter seinen gewaltsamen Bewegungen erliegen soll. die ich mit Karln und meiner Tochter über den Saal gehen sah. Seine Kräfte werden bereits zu schwach. seine Freuden zu empfinden. Das Glück seiner Lucie und seines Sohnes sind seine vornehmsten Gedanken. den ich ehemals in meine Arme schließen konnte. daß unsere Seelen einander zu beglücken geschaffen wurden. die Sie der Zärtlichkeit rauben. Betty. Sie haben es niemand als bloß dem Herzen Ihres Karls selbst zu danken. War es nicht deine Fräulein. Sir Robert. Ich Ihnen verzeihen? Haben Sie mich beleidiget? LUCIE. als sie empfunden wurde! Es waren Zeiten. daß ich ihn an dieses Herz drücken kann? AMALIE. daß . da Betty weiser zu lieben wußte als Lucie. BETTY vor sich. das niemals so unedel sein kann. ROBERT.Lenz sein werden. Sie waren es. So werden Sie denn wirklich meine sein. Ewig der Ihrige.

Der sechste Auftritt Sir Robert. Willhelm ist verdammt. Jakob? JAKOB. Es ist lauter Wut wegen seiner fehlgeschlagenen Neigung. den sie hassen soll. als daß ich es hoffen kann.er so glücklich gewesen ist. Bei Lucien. wir sind die glücklichsten Väter. Sollte Lucie die Herrschaft über ihre Vernunft wieder erhalten haben? ROBERT. durch diejenigen unglücklich zu sein. verhüllt! Glaube mir. so glücklich und vergnügt. Freund! soll es möglich sein. als daß sie dem Sir Willhelm unbekannt bleiben sollte. Wo ist er. Und Lucie? JAKOB. WILLHELM. Eile. der unzertrennliche Gewährte des gemeinen Alters. Zweifelst du noch. einen Mann von deiner Erfahrung? Soll ich vielleicht meinen eigenen Augen nicht glauben? Findest du Haß in den Mienen einer Person. die gelebet haben. WILLHELM. Sir Willhelm. Sie ist vollkommen ruhig. als es seine geliebteste Wünsche wieder vergißt? Glaube mir. die ihn glücklich machen sollten. ROBERT. so unverstellt! Luciens Stirne nur noch durch einige kleine Wolken der Traurigkeit. Betty. mit ebender Heftigkeit. Ihr Herr Sohn bittet um Erlaubnis. und rufe Karln hierher zu seinem Vater. Deine Seele überläßt sich der Hoffnung allzu übereilt. und Amalie teilet ihre Freude mit ihrer Freundin und Ihrem Sohne. Willhelm. Was für einen reizenden Anblick hast du versäumt. ROBERT. Laß mich zweifeln. Willhelm? WILLHELM. du würdest der fröhlichste Zeuge deiner eigenen Glückseligkeit gewesen sein. Ich sehe durch alle Hüllen seiner Verstellung hindurch. Diese Neuigkeit ist zu wichtig. Kennst du das weibliche Herz nicht? Wünschet es nicht mit ebender Hitze. JAKOB. als er jemals gewesen ist. Ach. Ich habe Lucien in Amaliens und deines Sohnes Gesellschaft gesehen. Betty geht ab. mein Glück ist zu groß. WILLHELM. ROBERT. Nein! Robert. der natürliche Hang ihres Geschlechts zu veränderten Gegenständen würde in dem Herzen der Lucie das allein möglich machen. daß ich noch eine wirkliche . schmeichle mir mit nichts. Geziemet dieses Mißtrauen. Willhelm! Wärest du wenige Minuten eher hier gewesen. die sich bald zerstreuen werden. Ihnen aufzuwarten. Ich habe Luciens Herz gegen Karln erforschet. welche sich freundschaftlich an den Armen desjenigen. was die Vernunft ihm noch überdies einschärfen wird. Alle drei so freundschaftlich! Die Freude in Amaliens und Karls Augen so rein. ROBERT. Der siebente Auftritt Die Vorigen und Jakob. anhängt und gegen ihn lächelt? WILLHELM.

daß es ein Schatten. Jakob geht ab. WILLHELM. ist Lucie ruhig? Ist sie es wirklich? KARL. Derjenige. ROBERT. Du verdienest dir zur Strafe. Ihnen die Bedingungen. Willhelm soll seinen Sohn. eine Erdichtung sein möge. daß es seine Absicht ist. WILLHELM. Nun. Nie warst du es. Ihr Sohn zu heißen. Nein! Robert. mein Sohn. der Menschlichkeit durch dein Mitleid Ehre zu machen. Sollte ich sie nicht bloß deswegen lieben. KARL. Dein Vater würde sich kränken. beide glücklich in seine Arme schließen! Soviel Glück! Verdient er dasselbe? Nein! Robert. WILLHELM. WILLHELM. Wer kann es nicht wollen. den die Natur jemals gegeben hat. sie ist so glücklich als ihr Karl Southwell der Glücklichste auf dem ganzen Erdboden. daß ich sie liebe? WILLHELM. KARL. Sie sind alle eingestanden. sie ist ein Schatten. Rede. welche sie wollen. oder bist du ein neuer Beweis. unter welchen er ihr dieselbe wiedergegeben hat. wenn ich sie nicht lieben sollte? Gütigster Sir! Ich liebe sie. Eile. nicht zu kränken? WILLHELM. ist meiner Erfahrung noch die Falschheit des menschlichen Glücks fremd. wie hast du meiner Lucien ihre Ruhe wiedergeben können? JAKOB. Sie mögen sein. dadurch du dich rächest? Wie wird meine Seele ihre Freude ausdauern können? KARL. seine Lucie. den besten Vater. lieber Karl. mein Herz fürchtet noch immer. soviel Zärtlichkeit! Kann ich es ausdrücken. o Herz. ROBERT. zu entdecken. Lucie und mein Sohn glücklich! Gütiger Himmel! So sind denn deine Wohltaten die Strafen. der das Unglück nie sieht. Der achte Auftritt Die Vorigen und Karl Southwell. mein Sohn. Bester.Glückseligkeit hoffen dürfte? Karln und Amalien glücklich und Lucien ruhig zu wissen! Alle deine Wünsche. verdienet der Sohn eines jeden rechtschaffenen Mannes zu sein. Lieber. Und Sie wollen es also. sie ist Erdichtung. Willhelm. meine ganze Seele ist Ungeduld. wie oft der kurzsichtige Mensch noch dann über sein Unglück seufzt. ROBERT. Bloß dein Mitleiden gegen Lucien verdienet schon diesen Namen. Nichts ist mir zu kostbar für Luciens Glückseligkeit. Vollkommen edel! Ich erkenne und umarme meinen Sohn. ohne ein Feind der Tugend zu sein? Selbst Amalie wird deinem Herzen ihren Beifall – . Zweifle an deiner Glückseligkeit. Sie ist es und noch mehr. Ich glaube. ohne ihm sein Mitleid und seine Träne zu schenken. wenn du sie nicht lieben solltest. Tue noch mehr! Liebe Lucien. Fahre fort. mein Glück ist ein Schatten! Es ist Erdichtung. Mein Vater würde sich kränken. gütigster Vater! Soviel Liebe. wenn er über seine Glückseligkeit frohlocken sollte? WILLHELM. sind erhört. was mein Herz fühlet? Wie konnte doch Karl nur einen einzigen Augenblick unwürdig sein.

Ich sehe. WILLHELM. Nunmehr. ohne sie zu hassen? Und wenn ward ich von Ihnen gelehrt. ohne dafür Verzeihung zu erhalten. dadurch Sie so oft sich über andere Menschen erhoben haben. und die Sie selbst nur noch vor wenig Augenblicken so sehnlich glücklich zu sehen wünscheten. und die schwersten Pflichten sollen mir leicht sein. und dein Gehorsam allein wird mir meinen Sohn wiederschenken. WILLHELM. Heute noch! Weniger Gütigkeit. Amalie. Mein Vater und sein Freund. Ja. ihr diese gemeinschaftliche Leidenschaft sehen zu lassen. WILLHELM. Sie wissen noch nicht. es ist diese Lucie. und die ich nach Ihnen mehr als alle Welt liebe! WILLHELM. Ich habe Ihnen meine Neigung für Lucien verborgen. diese Tränen in Ihren Augen! Was verkündigen sie mir? Daß Ihr Sohn unglücklich und durch den zärtlichsten Vater selbst unglücklich sein soll? Vergessen Sie. sie allein ist es. ohne es zu verdienen. Sie wissen es also. nunmehr suchet er ebendiese Verzeihung und die Einwilligung dieser Verbindung zu den Füßen eines Vaters. sobald ich sie sah. wenn ich mein Glück überleben soll. daß ich Ihnen die Vergehung Ihres Sohnes gestehe. Wie. KARL. KARL. Lehren Sie mich. beide vor Schrecken sprachlos! Und dies. Unterdrücken Sie Mitleid und Verzeihung. daß ich glücklich bin? Wer hat es Ihnen entdecket? Eitler Verzug! Lassen Sie mich Lucien holen. der noch niemals die Verzweiflung seines Sohnes gewollt hat. nicht zum erstenmal gegen Ihren Sohn. KARL. Erlauben Sie. da er von der zärtlichen Lucie Verzeihung erhalten hat. daß ich strafbar war. du bist glücklich. die sich vor der Strengigkeit einer erhabenen Tugend fürchteten. diese Lucie. Ich liebete sie. Ich will. und du bist es durch Amalien. Wie kann ich sie vergessen. Sir.KARL. mein Vater. die Sie mir diesen Augenblick zu lieben befohlen haben. diese Eigenschaften. Wen? Lucien als deine Gemahlin? KARL. Heute noch sollen alle deine Wünsche gekrönet werden. Dies ist der einzige Weg. die erhabene Amalie hat mir diesen Beifall bereits erteilet. der Ihnen noch nie eine gestand. Vergiß Lucien. wie ich meinen Fehler verbessern kann. können Sie selbst dies wollen? Unmöglich können Sie es. – Aber ach! Nicht eine Silbe von Ihnen? Dieser schweigende Gram. da ihn diese vortreffliche Amalie wieder zu seiner Pflicht zurückgeführet und alle ihre Rechte an Lucien abgetreten hat. da ihn der Anblick der liebenswürdigen Amalie wankend machete. Sie erstaunen? Ja. durch die ich glücklich bin. Gott! Lucien vergessen? Kann ich. und mein Herz hatte das Glück. Verzeihen Sie es der Zärtlichkeit zweier Herzen. Wie hätte Ihr unwürdiger Sohn nur den Beifall dieser Tugend bitten können. Aber nimmermehr. und der ihm also diese Einwilligung nicht abschlagen kann. ich weiß. ihn zu verbessern. wieder geliebet zu werden. Fürchtete mein Herz vergeblich. wie glücklich ich bin. Erinnern Sie sich. weil ich Lucien liebe? Ach wie sehr betrog mich meine Einbildung. gütigster Vater. die ohne mich ewig unglücklich sein wird. einen einzigen Menschen zu hassen? . Robert? KARL. daß ich mich mit ihr zu Ihren Füßen werfen und sie von Ihrer Hand als meine Gemahlin erhalten kann – WILLHELM.

sieh dir endlich den letzten Trost selbst geraubet. Liebe sie als deine Freundin und Amalien als deine Gemahlin. den sie verschonen soll? Nein. wenn du das recht fühlen willst. Kannst du deinem Vater ohne Errötung die Wankelmut gestehen. da ich für dich zu empfinden anfange. Der neunte Auftritt Willhelm. Wird sodann das größte Unglück unüberwindlich gegen dich sein können? WILLHELM. keine Ermahnung. Keinen Trost. Sie werden es ihr niemals entreißen können. da der Schmerz und die Traurigkeit sein einziges Erbteil sind. wenn sie mit ebendieser heitern. die er seinem Unglücke entgegenstellen muß. Verlaß mich und hoffe nie. Noch weniger als ein Schatten ist sie. dieser gleichgültigen Miene auf ihre größten Leiden herabsteht. räche dich. ihn zu seiner Pflicht . Bilde dir ein. diese menschliche Glückseligkeit. WILLHELM. WILLHELM. Finde in ihrer Glückseligkeit den einzigen Trost und die einzige Freude eines von tausend Mühseligkeiten geplagten Lebens. daß ich Stärke genug besitzen würde. Lucien als deine Gemahlin zu umarmen. daß sie nur alsdenn eine wahre Tugend ist. Robert. und jetzt. Himmel. KARL. seine Pflichten vergessen und sich einem Verbrechen überlassen. beide haben sie mir verziehen. aber räche dich an mir allein. zur Empfindung der Glückseligkeit selbst fähig. daß die Prüfungen allein die Tugend groß machen können. bin ich elend. ohne das ihrige und das meine zugleich mit den tödlichsten Martern zu zerreißen. die Amaliens Seele mit Verachtung gegen dich erfüllen muß. was er fühlet. Freund. wenn du kannst. Gott! warum schufst du das Herz des Menschen zur Freude. Ach! du mußt Willhelm selbst sein. sollten Sie weniger gütig sein können? Mein Herz verdienet Amalien nicht. ROBERT. Hoffen Sie nie. rühme sie mir. solange ich lasterhaft war. Sieh trotz aller deiner Wünsche und deiner Bemühungen diese Lucie unglücklich und sei selbst die unschuldige Ursache ihres Unglücks. Männlicher Mut und eine herzhafte Tugend sind es. wie du dich trösten willst? ROBERT. das er hier zu hoffen hat? Doch ich alter Bösewicht! Will ich durch meine Klagen meinem schon schwachen Rücken noch eine Last mehr an Verbrechen aufbürden? Wenn ließ die Gerechtigkeit des Himmels je einen Verbrecher ungestraft? Und will ich der einzige sein. Unnütze Tugend. Lucie und Amalie. daß Karl Southwell eine andere Gemahlin wird umarmen können. Lassen Sie es der armen Lucie.WILLHELM. Freund! Nur um eine einzige mitleidige Zähre bitte ich deine Freundschaft. Rühme sie mir. und töricht ist das Herz. zur Hoffnung. und seine Seufzer vergessen kann. Sieh diesen Sohn. Dadurch. mit der sie in ruhigern Tagen auf ihr Glück herabzusehen gewohnt war. KARL. auf dessen Tugend du stolz warst. Luciens und meines Sohnes Vater zu sein. Klagen entehren das Herz eines Sir Willhelms. du vergißt. dessen Abscheulichkeit ihm noch selbst fremd ist. und sage mir sodann. Southwell. das sie nur einen einzigen Augenblick zu empfinden glaubt. ich war glücklich.

daß man sich nie schämen dürfe. sie darf das unglückliche Geheimnis aus keinem als meinem eigenen Munde erfahren. ohne in seinem Herzen tausend Martern zu fühlen. Dich auf einen Augenblick zu erniedrigen oder Lucien unglücklich und zur Verbrecherin zu machen. Der arme Betterton! Er hat nie eine würdigere Handlung ausüben können. Stören Sie doch die Freude Ihrer Amalie. diejenigen großmütig gegen sich zu sehen. Bedenken Sie. ohne über ihn zu erröten. ein Verbrechen zu sein. Willhelm. das diese Verbindung mit deinem Sohne unmöglich machet. und doch seufzen Sie noch? LUCIE. in ihrer Gegenwart zu erröten. Betterton ist wirklich großmütig. dieser alte Willhelm.zu zwingen. Nein. daß mein Mund dir die Scham. Ihr Stolz hat mehr als einmal. und du wirst sodann nicht ein einzigesmal mehr zu seufzen nötig haben. Lucie. so wie er keinen einzigen Blick auf Sie werfen kann. Ihnen zuerst diese gute Nachricht gebracht zu haben. als daß er durch das Vermächtnis seiner Güter Ihnen noch den Besitz des einzigen Glücks gegeben hat. LUCIE. dein Stillschweigen gegen Lucien machet dich wegen ihrer eigenen Verbrechen strafbar. Ich will versuchen. was kann es mehr tun als seufzen? . wie vollkommen glücklich! Einen Überfluß an allen den Gütern. ersparen darf. ob ich mein Herz überzeugen kann. daß noch eine einzige lebende Seele mehr ihre und meine Schande weiß. Wie kann ich mein eigner Ankläger werden? ROBERT. wird die Leidenschaften einer hitzigen Jugend bald zu bändigen wissen. Freund. gegen die sie undankbar gewesen ist. Sie wissen es selbst. meine Lucie. nicht durch Ihren Verdruß. WILLHELM. das Ihnen mangelte. Entdecke ihr das Hindernis. Er hat Sie durch seine Laster unglücklich gemachet. die Qual empfunden. Robert. Wähle zwischen zwei Übeln. Die vierte Handlung Der erste Auftritt Amalie und Lucie. was Neid wäre. wenn sie wüßte. Ein bereutes Verbrechen höret auf. ein Laster zu gestehen. Sie können ihn in Zukunft nie ansehen. WILLHELM. aber seine Großmut erniedriget zugleich Lucien. AMALIE. der ihnen diese Tugend so oft vorprediget. Schärfe. Ein mit sich unzufriedenes Herz auf dem höchsten Gipfel seiner Glückseligkeit. WILLHELM. Leerer Trost! Kann ich gegen Lucien sagen: Sehen Sie. Amalie. das da fühlt. und ihr Stolz würde ihr ein Recht mehr geben. der ein so eifriger Freund der Tugend zu sein scheint. Sie besitzt Stolz. Noch mehr. Erlaube mir. ROBERT. welche dem Pöbel nur den Schein und einem edlen Herzen den wahren Besitz einer Glückseligkeit geben! Von dem tugendhaften Sir Willhelm geliebt und von dem zärtlichen Karl angebetet! Sie allein würde Amalie beneiden. daß es dieselbe nicht seiner Würdigkeit zu danken hat. Ja. Sie darf nicht wissen. ist ein Bösewicht. mich zu verachten. das man sich nicht geschämet hat auszuüben.

wird es ihm ebenso geschwind gesaget haben. Wollen Sie Ihre neue Glückseligkeit nicht Ihrem Liebhaber entdecken? Doch er wird es bereits wissen. das ich zu fürchten habe? AMALIE. Sie möchte sonst versuchen. Bei dem ersten Zeugen Ihrer Liebe muß ich Pate sein. daß sie nicht ebenso erhaben als sie sein kann. was ich seiner Mutter schuldig bin. Vielleicht hat er es auch bereits nebst der Einwilligung in die zärtlichste Liebe aus dem Munde seines Vaters selbst gehöret. meine Freundin. kann den alten Vater abgehalten haben. ob sie Amalien hassen könnte. Nein! Lucie kann mich niemals hassen. Sie hat ihre Lucie an ihm gerächet. seiner Geliebten die Großmut eines würdigen Freundes zu hinterbringen.AMALIE. der er alle und jede Notwendigkeiten des Lebens geschenket hatte. Hüten Sie sich. als insoweit es mir eine Hoffnung mehr zu Sir Willhelms Einwilligung gibt. ich will den mutwilligen Verbrecher noch einmal herführen. wie Sie es möglich machen wollen. Lassen Sie uns diesen Wettstreit vergessen. LUCIE. Aber ich beschwöre Sie. etwas mehr als seine Schwachheit. daß er es Ihnen nicht schon selbst hinterbracht hat. Er muß mir jederzeit nachteilig sein. was ich tun will. und ihm will ich sodann dasjenige wiedergeben. daß ich ihn an meine Brust gedrücket habe. meine liebe Freundin. Amalie geht ab. AMALIE. der es von der Person gehöret hat. Aber wissen Sie. Mein Herz ist jetzund nicht fähig. Sein getreuer Jakob. AMALIE. Darf ich endlich frei Atem schöpfen? Bin ich von dieser . Es fürchtet töricht genug. Bedenken Sie es unterdessen. dessen ganze Glückseligkeit das Werk seiner Hände war. Drei ganze Stunden! welche lange Ewigkeit für ein zärtliches Herz wie das Ihrige! Erlauben Sie mir. Southwells und seines Vaters Zärtlichkeit und Liebe zeigen Ihnen lauter Hoffnung. Was kann Amalie weiter damit anfangen als Handlungen unternehmen. als er es ihm selbst entdecket hat. um sich zu rächen. Ich zittre vor seiner Wankelmut ebensosehr als vor der Widersetzung seines Vaters gegen unsere Verbindung. LUCIE. die Ihnen Betterton bei aller seiner Großmut entzogen und mir vermachet hat? LUCIE. Nur die Zärtlichkeit. was ich mit der Summe anfangen will. LUCIE. Bedauern Sie mich. seine Liebe zu empfinden. sie würde es sonst der Fehler wegen tun. Sir Karln alle Augenblicke zu verlieren. recht grausam gegen ihn. Sie um Gnade zu bitten. indem sie ihm eine von seinen Freuden geraubet hat. LUCIE allein. sein Sie grausam. Lucie. Aber Amalie ist weniger gütig gegen ihren Liebhaber gewesen. die ihre große Seele zeigen? AMALIE. seinem Sohne die Freude zu gönnen. die sie alle Augenblicke an mir wahrnimmt. Schon drei ganze Stunden ist es. Lassen Sie Lucien einen Fehler an Ihnen finden. auch noch seinen Sohn geschenket haben? Doch ach! dies war nicht das einzige. daß ich ihm den ersten Verweis für seine Nachlässigkeit geben darf. Würde er wohl einem Mädchen. Nichts haben Sie zu fürchten. Sein Sie weniger großmütig. Verbannen Sie doch endlich diese philosophische Melancholie. die das Testament aufsetzen mußte. Bettertons großmütiges Geschenk ist mir nicht weiter angenehm. Warten Sie hier. Schmeichlerin! hören Sie zur Strafe.

da ich alle um mich herum tugendhaft erblicke. eine Undankbare. wenn sie mir eine von meinen Qualen verschweigen sollte. damit es durch seine Laster eine Tugend quälen möchte. Mein Vater widersetzet sich auf das heftigste unserer Vermählung. wie verabscheue ich sie! So edel. Karl der zärtlichste Liebhaber und Amalie die liebenswürdigste Freundin gegen mich. ich habe niemals vergeblich geflehet. Und wer ist Lucie gegen sie alle? Das verächtlichste Geschöpfe. oder erlauben Sie mir. Karl ist untreu. Betty. Niemand darf Luciens Häßlichkeit kennen. Eine Elende voll Stolz ohne Ehre.beschwerlichen Freundin erlöst? Wie hasse ich. Wie. Ich werde denn. Jetzt. Barbarischer Zwang! Kann ich es ausstehen. Und ebendeswegen lesen Sie ihn. welches gelebet hat. Das Laster errötet niemals vor seinesgleichen. um nicht der Abscheu ihrer bessern Freunde zu werden. Still! Es kömmt jemand. die sich unter der Maske der Tugend verbergen muß. Sir Willhelm der gütigste Vater. LUCIE. Meine Liebe triumphieret über meinen Gehorsam. Ich werde jemanden mehr verfluchen können als mich selbst. lesen Sie diesen Brief. Aber wieviel wird es nicht meinem Herzen kosten! Nimm den unseligen Brief zurücke. Ich fühle bereits alles. Doch nein! Es ist Betty. ob Sie gerecht sind. Es ist alles zu einem Mittel bereit. daß ich ihn lesen darf. man wird nicht auf einmal der große Bösewicht. ohne es selbst zu sein? Daß sie doch alle so lasterhaft wären als ich. war es nicht genug. daß ich jemanden mehr als mich anklagen konnte. Betterton ist großmütig. Deine grausame Seele würde eine Freude verlieren. zu seufzen. Damals besaß ich wenigstens noch den elenden Trost. Er ist von Sir Karln. Laß mich wieder von Karl Southwelln verlassen und der Schande und der Verachtung meiner Freunde nahe sein. BETTY. Der andere Auftritt Lucie. unter die Maske deiner alten Verstellung. Oder daß mein Herz noch dreimal böser wäre. Vielleicht können Sie noch einmal Ihre Begierde. sind meine Wünsche schon erhört? Grausamer Himmel! Ja. Fräulein. wenn ich dich um mein Unglück gebeten habe. so kriechend gegen sie! Ungerechter Himmel. Hier. BETTY. aber man wird es nach und nach. Betty liest. Urteilen Sie. Stoß mich wieder in mein erstes Elend zurück. daß du mich durch meine Leiden gestraft hast? Warum quälst du mich noch jetzt durch deine Wohltaten? Ich verfluche sie selbst in dem Augenblicke. BETTY. Zurück. Lies ihn dann. so weit erhaben über mich! Und ich so klein. die ihm alle Augenblicke Vorwürfe machet! Hoffe. als es wirklich ist. »Die Rache des Himmels verfolget meine Treulosigkeit gegen Sie. Herz. wie ich gewünschet habe. Sein Inhalt kann meinem Grame nichts hinzusetzen. außer sie selbst. wieder elend sein. LUCIE. andere neben mir tugendhaft zu sehen. Begeben Sie sich sogleich auf dasjenige . welches uns auch wider seinen Willen glücklich machen soll. Herz. eine Heuchlerin. befriedigen. da mein törichtes Herz nach ihnen seufzet. habe ich niemand weiter anzuklagen als mich.

wir wissen weiser. Betty. Sie schlummert. einige Minuten die Ruhe zu empfinden. daß alle Mühe um die Tugend unnütze verschwendet ist. ich höre jemanden. mit ihr zu sprechen. welche dem Laster durch die äußerliche Miene der Tugend die Freiheit erwirbt. Jede verzögerte Minute kann ein unwiederbringlicher Verlust sein für ihren zärtlichsten Karl Southwell. BETTY. Betty. Ach. was sie dieser Tugend schuldig ist. wenn Sie nicht die grausamste Feindin von sich selbst sein wollen. Zurück unter das Joch der glücklichen Heuchelei. außer diejenige nicht. mit deiner verwegenen Miene. Dies ist die Gewohnheit aller der kleinen Seelen. LUCIE. die sich noch nicht von den eingepflanzten Vorurteilen der Kindheit losgerissen haben. wieviel heimliche Tränen ich über die Schmerzen geweinet habe. LUCIE. Sind Sie noch hier? Ewige Verzögerung! Mich deucht schon. da uns oft die strengste Tugend nicht die Hälfte dieser Mühe würde gekostet haben! Geht ab. Betty? BETTY. sie hat mir schon in wenig Stunden manchen Seufzer gekostet. o Gott! Zeig ihr in ihrem Traume die Tugend in aller ihrer liebenswürdigsten Vollkommenheit und lasse sie nie vergessen. Ich hätte gerne gewünschet. Er ist da. Was will aus mir werden? Werde ich nicht – BETTY.einsame Zimmer. Der dritte Auftritt Sir Willhelm Southwell. Lassen Sie sich weder von ihr noch von jemand sonst sehen. Bist du nicht bei deiner Fräulein. die dir schon so viele erwünschte Stunden in diesem Hause gegeben hat. Herz! zu was für neuen Unruhen wirst du eilen? O mit wieviel Mühe erkaufen wir unsere Laster und die Strafen derselben. Ungestüme Betty. Eilen Sie.« LUCIE. Aber ihr Schlummer ist mir zu heilig. Ich habe sie einen Augenblick allein gelassen. seufze. Heute nur habe ich erst die unglückliche Ursache derselben erfahren. Einen Augenblick eher wäre er zu der allerunbequemsten Zeit in meinem Leben gekommen. das so oft der verschwiegne Zeuge unserer Glückseligkeit gewesen ist. Zieh dein Gesicht in seine gewöhnlichen Falten. Amalie weiß von allem nichts. die wir über alle diese engen Begriffe weg sind. die sie schon so lange entbehret hat. WILLHELM. wenn es möglich ist. Betty. desto sicherer lasterhaft sein zu können. Es ist der Gang unsers alten Herrns. Nichts sage ich Ihnen. Eilen Sie. Aber wir großen Geister. Wie hat sich doch diese elende Leidenschaft in ihr reines und tugendhaftes Herz einschleichen können? Sah sie nicht das unsträfliche . Mein Fräulein muß alle ihre Seufzer mit einer Moral beschließen. als ob ich jemand kommen hörte. sage mir wenigstens – BETTY. Weg. Keine Klagen! Schieben Sie dieselbe eine einzige Stunde noch auf. WILLHELM. die ich sie einige Zeit daher habe ausstehen sehen. Doch still. Die arme Fräulein! Der Himmel weiß es. Laß ihren Schlummer gesegnet sein. Hernach klagen und weinen Sie sich satt. Sind meine Ahndungen vergeblich gewesen? Sir Willhelm widersetzet sich unserer Vermählung. als daß ich ihn stören sollte. BETTY.

daß ich sie in meinem Zimmer erwarte. Das edelste Herz kann sich verirren. Das frömmste. selbst bei den Fehlern Ihres Nächsten. tugendhaft zu sein. in Ihren Diensten zu sein. Betty. daß sie meine Bemühung mit einem Seufzer für die Tugend vergilt. Geh! ich sehe meinen Freund kommen. Dein Eifer für Lucien verdienet Lob. so sage ihr. Jetzt lese ich ihr etwas aus einem geistlichen. als sie das edle Herz eines Sir Willhelms empfinden muß! Würde sie diese einzige Freude für alle Freuden. Wäre ich wert. die ihr die ganze Welt anbieten könnte. Betty geht ab. Fahre fort. Gütigster Sir! Wie sind Sie doch jederzeit. Wisse. Betty.Beispiel eines Sir Willhelms vor ihren Augen. . WILLHELM. mit ebender Zärtlichkeit erwarten als sonst. unverfälscht empfinden wird. gute Betty. Bald erzähle ich ihr eine Geschichte. und wenn sie erwachet. Hoffe. in der sie die Tugend in ihrer erhabensten Glückseligkeit und das Laster in seinem niedrigsten Elende erblicken kann. BETTY. Schilt sie nicht. ist mehr Ruhm als eine Krone auf sein Haupt zu erwerben. lauter Liebe. WILLHELM. Wird daher unerfahrne Jugend jederzeit diese gefährliche Klippe vermeiden können? BETTY. Sie werden sie doch mit ebender Liebe. wenn ich es nicht täte? Ist es nicht meine Pflicht? Hundert kleine Listen erfinde ich täglich. Wahrhaftig. lauter verzeihende Nachsicht. Unterstütze ihre wankende Tugend durch deine Lehren und dein Beispiel. und jederzeit habe ich das Vergnügen. ihr die Reizungen der Tugend zu zeigen. Doch verdienet nicht ihr Fehler von der strengsten Tugend Verzeihung? Wie sollte ihn das gütige Herz eines Sir Willhelms nicht verzeihen können? WILLHELM. und erwarte die Belohnung des Himmels. daß sie noch einmal die Freude. ein irrendes Herz zur Tugend zurückgeführt zu haben. göttlich groß sein! O daß doch Lucie nur eine einzige Freude der Tugend so vollkommen empfinden könnte. vertauschen wollen? WILLHELM. Aber Sir. BETTY. aber es wird sogleich wieder auf den rechten Weg zurückekehren. der noch keine löbliche Bemühung unvergolten gelassen hat. Kehre jetzund zu deiner Fräulein zurück. jetzt aus einem moralischen Schriftsteller vor. sobald es seine Verirrungen merken wird. dies heißt groß. das erfahrenste Herz ist oft an dieser Klippe gescheitert.

ROBERT. um in der Entfernung zu versuchen. daß ich den würdigsten Vater sich und seinen Sohn möge glücklich machen sehen. meine Seele hat noch nie einen ungerechten Wunsch getan! Lassen Sie mich wünschen. ließ er mir sagen. daß seine Pflicht über seine Leidenschaft triumphieren möge. Sir Willhelm. Ja. er muß sich mir aufopfern! Wieviel wird sein Herz leiden müssen! AMALIE. wenn sie Ahndungen ihres Unglücks empfindet! Wie soll ich ihr ihr neues Unglück entdecken. ob er sein Herz gegen den besten Vater Gehorsam lehren kann. Deine Verzögerung wird dir noch weit mehr Seufzer kosten als alle das Vorhergehende. WILLHELM. daß er Ihnen gehorsam sein möge. wenn Sie Lucien jemals aufrichtig geliebet haben? Betty hat mir gesaget. Ach. seufzen Sie? Wer war es. Wie schrecklich müssen ihre Träume sein. Wiederholen Sie mir es noch einmal. Sie würden sonst weniger ungerecht sein. seinem Herzen Gehorsam gegen seinen Vater zu lehren. Willhelm. Nein. ohne sie zu töten? WILLHELM.Der vierte Auftritt Willhelm Southwell und Sir Robert. Suchen Sie mit mir meinen Sohn und Ihre Freundin von dieser . AMALIE. WILLHELM. Robert. meine liebe Amalie. welche Grausamkeit! Hätte ich sie wohl in einem Herzen wie das Ihrige denken können? Der arme Karl! Die unglückliche Lucie! Wissen Sie bereits. daß es falsch wäre! Was für einen rührenden Wettstreit zwischen einer verzweifelnden Liebe und der kindlichen Pflicht muß nicht sein Herz fühlen! Er muß sich seinem Vater aufopfern. da es sich selbst in Luciens Gegenwart verdammen soll. Noch nicht. O müßt' ich doch nicht wünschen. das ohnedies kaum mehr weiß. ROBERT. Nun. AMALIE. worzu ihn Ihre Grausamkeit getrieben hat? Ich habe es diesen Augenblick erst durch seinen Bedienten erfahren. was Sie wünschen. sagen Sie? Ist es gewiß? Täuschen Sie mich nicht. Wünschen Sie mit mir zur Beruhigung eines unglücklichen Vaters. Sie wissen nicht. was Ruhe ist! Der fünfte Auftritt Die Vorigen und Amalie. daß sie schläft. WILLHELM. Wieviel wird er nicht leiden müssen. und mein Herz muß noch einige Augenblicke länger vor der Minute erzittern. Ja. der ihm diese Leiden verursachete? Wird Lucie weniger leiden? WILLHELM. AMALIE. Karl hat sich entfernet. soll ich den Schlummer eines geängstigten Herzens stören. können Sie wohl wünschen. Grausamer Freund. noch spricht eine schwache Stimme der Pflicht in seiner Seele. Sie schläft. hast du den Sieg über deine unnütze Scham und Luciens Herz davongetragen? WILLHELM. Er ist Ihre und Luciens Gegenwart geflohen.

Sir Willhelm. so wie ich sie ohne diese Tugend selbst mit einer Krone achten würde. Was kann in dem erstern Falle Lucie für die Verbrechen ihrer Eltern? Verdienet sie unglücklich zu sein.Krankheit zu heilen. Ehe ich in eine Verbindung meines Sohnes mit Lucien willige. für die ich bitte. und sie würde es gewiß sein. AMALIE. Ich? Rechte auf sein Herz? Nein! mein Vater. WILLHELM. daß sie sich beide unversöhnlich hassen mögen. Können Sie beide ohne Tränen sehen? Amalie kann es nicht. Sie soll sie in der Stille ausweinen. Bettertons großmütiges Vermächtnis kann bei dem Sir Willhelm allein keinen Eindruck machen. die ihr Herz nach einem Glücke zu seufzen anreizte. wenn Sie nicht selbst ein Verbrechen begehen wollen. mein Vater. meine Tochter! Niemand als du hat weiter Rechte auf Karls Herz. warum ich keine haben kann. was ich fürchten kann. ich habe Ihnen bereits gesaget. Entweder die Schande oder ein allzu niedriger Stand erlauben also die Verbindung mit Ihrer Familie nicht. AMALIE. würde von mir einer Prinzessin vorgezogen werden. Warum entrissen Sie dieselbe ihrer Niedrigkeit? Warum gaben Sie ihr eine Auferziehung. WILLHELM. Genug. Ich würde bei einer jeden weniger edeln Seele als die Ihrige noch den Bewegungsgrund gebrauchen. was die Welt Glück nennet. Sollten Sie mir solche aufzwingen wollen? Nimmermehr! Sie haben noch nie gewünschet. daß Sie diesen Wunsch aus dem Munde des Sir Willhelms gehöret hat! ROBERT. Geben Sie ihm eine Gemahlin mit noch doppelt soviel Verdiensten. das sie sich sonst niemals zu hoffen erkühnet haben würde? Ach. Es ist die Geburt meiner unglücklichen Freundin. Sir Karl und Lucie. Ihre Eltern konnten so grausam sein. weil diese Eltern lasterhaft waren? Ein niedriger Stand kann Sie von dieser Verbindung nicht abhalten. ja sogar ihrer Freundin erkaufen müßte. Sir Robert. Verzweiflung und Zärtlichkeit auf ihren Gesichten. wären es. meinen Sohn in den Armen einer Gemahlin nur mit halb soviel Verdiensten als die Ihrigen glücklich zu sehen. Amalie soll vergessen. Sie geht ab. Wäre dies das einzige Hindernis. wenn sie sich dieser Rechte anmaßen könnte. wir alle. das noch übrig ist. selbst in dem Besitze der größten Glückseligkeit. Ihre Tochter unglücklich zu sehen. beraubet. würden die niedriggesinnte Amalie verachten müssen. daß es nicht mehr die von allen Glücksgütern völlig entblößte Lucie ist. AMALIE. Lucie mit einem Herzen voll Tugend und alles des übrigen. Der sechste Auftritt Sir Willhelm. . AMALIE. eher wünsche ich das Ärgste. sie wegzusetzen. Daß ich doch nur noch leben möchte. wenn Sie dieselbe durch die Tränen ihres Nächsten. Ich kenne das wichtigste Hindernis. geben Sie ihm Lucien. die wir hier glücklich zu sein seufzen. als ihrem gütigen Auge an mir zu finden beliebet. wenn Sie Ihrer Tugend Ehre machen wollen. Karl und Sie selbst. sehen Sie Lucien und Ihren Sohn.

Es war nicht genug. dies ist der entscheidende Augenblick. da ich jetzt durch dieselbe unglücklich geworden bin – KARL. wenn Sie ehedessen Ihren damals noch glücklichen Sohn und Ihre Lucie in Ihre Arme schlossen und den Himmel baten. Ich lese die Bekümmernis. Ich ward von der Natur verdammt. Und Ihr Sohn wird ewig ohne den Besitz seiner Lucie ebenso unglücklich sein. der mich verstieß. Ach. an ihm die Seufzer rächen. Senden Sie mich zu dem unnatürlichen Vater zurück. Können Sie die Natur selbst verleugnen? Sollen. was du zu tun hast. LUCIE. die den Mann verfluchen müssen. die ich Ihnen verursache. wenn meine Seele nicht unter ihren Leiden erliegen soll. Aber verdienet eine Undankbare. die ich in Ihrer Person der Tugend selbst gekostet habe. warum ward ich von dir durch ein Leben bestraft. Sehen Sie eine Verbrecherin zu Ihren Füßen. den alle die übrigen Menschen segnen? Ach! mein Vater. meine Seele selbst zittert vor dem Gedanken. in Ihrem Stillschweigen. die ihr Herz einer unglücklichen Leidenschaft preisgegeben hat.WILLHELM zu Robert. und die ihre Verbrechen dadurch noch vermehret. Ich will dadurch. daß der Himmel ihn vielleicht schwerer verzeihen möchte. wenn sie anders bei dem Überflusse ihrer Unschuld unglücklich sein konnte? Es ist eine Unwürdige. Unterstütze mich. in dem Sie mich fanden? Ohne Ihre Liebe wäre ich glücklich gewesen. dem Sie mich entrissen haben. LUCIE die sich zu des Sir Willhelms Füßen werfen will. daß ich es für diejenigen war. und den Zorn. die Qual meiner Nebenmenschen zu sein. um das ich dich nie gebeten habe? WILLHELM. der meinen Zorn verdiente. den ich Ihnen für Ihre Wohltaten zurückgeben muß. sie glücklich zu machen? Können diese Bitten Ihr Ernst gewesen sein? Und sind gleichwohl einem Herzen voll Liebe andre möglich gewesen? ROBERT sachte zu Sir Willhelm. die unter der Furcht der grausamsten Ihrer Strafen und der Hoffnung Ihres Mitleidens zittert. Vergebliche Umschweife! Lucie. vergeben Sie. der sie aber zurückhält. Nur der ausschweifenden Hitze kann das zärtlich gesinnteste Herz gegen Sie denselben verzeihen. Ungütige Natur. Lucie! Lucie! Dieser Seufzer ist der erste von Ihnen. was du der . Warum empfanden Sie doch einen einzigen Trieb des Mitleides und der Menschenliebe gegen mich? Warum waren Sie nicht ebenso grausam als meine barbarischen Eltern und ließen mich in dem Mangel umkommen. die nie von einer Tugend wie die Ihrige geliebet zu werden verdienete. Du weißt. Schmerz ist der Dank. Rächen Sie sich und geben Sie mich dem Elende wieder. Willst du alles vergessen. Ihre Geburt – WILLHELM sachte zu Sir Robert. könnte ich Sie glücklich machen! Mein Blut – ROBERT. den tugendhaftesten Mann als den Urheber ihrer Verbrechen anklaget. die mich gebaren. Ich mußte auch noch die Ihrige werden. welche Ihr Auge verriet. Willhelm. sollen Lucie und Ihr Sohn die einzigen sein. daß sie den gütigsten. den ich verdiene. Fürchten Sie. die bloß durch den Mangel unglücklich war. eine Heuchlerin einen einzigen Blick ihres Mitleidens? Ist es etwan noch die Lucie. die sich selbst noch mehr durch das Geständnis dieser Leidenschaft erniedriget. daß ich ihn durch meine Gegenwart quäle. wo ist die Wollust hin.

und Sie sollen mein ganzes Herz sehen. höre den letzten Befehl eines gütigen Vaters. Nein! meine Lucie. Fodern Sie alles von mir. wenn Sie nicht noch alle Empfindungen der Tugend verloren haben. daß du der Mörder deines Vaters geworden bist. Lucie. ROBERT zu Sir Willhelm. . Könnten Sie mein Herz sehen. Ungerechter Vater. WILLHELM der sie mit Gewalt aus den Armen seines Sohnes herausnimmt. Sir Willhelm. daß die Rache ihren Donner bereits wider dich aufgehaben hat. den Himmel anzuflehen. die sie Ihnen durch mich gemachet haben? Doch ich weiß. Wir haben die wenigen Augenblicke genutzt. nur meinen Sohn nicht. Ich bin sie unfehlbar einem Verbrechen schuldig. meine liebe Gemahlin (süßer Name!). Ja. KARL. reden Sie fort. Wie konnte sich Stolz und Unsinn in Lucien so weit vergessen. Sie sind großmütig. die sie verdienen. Ich bin diesen Augenblick mit ihr vermählet. daß er denenselben die Strafen dieser Rache. Er will sie wegführen. was mir diese Hoffnung raubet. so vieler Hoffnung erkühnen durfte? Aber gleichwohl ist diese Geburt das einzige. Wohin? Bösewicht! Geh allein aus meinem Gesichte. der die Ursache ist. daß ich dasjenige nunmehr durch die Gerechtigkeit von Ihnen erzwingen will. so weit dich die Rache des Himmels gehen läßt. Und weder Sie noch der Himmel selbst sollen sie aus meinen Armen reißen. WILLHELM. Lucie! Sie würden mich mehr bedauern. hier ist kein Mitleiden zu hoffen. Sie kennen alle meine Gebrechen. Ihr Beispiel selbst wird mich lehren. Sie sind weder der Scham noch der Behutsamkeit etwas schuldig. Bösewicht. Karl. Mit dem Blute seines Vaters muß er Ihren Besitz erkaufen. wollen Sie mir meine Gemahlin rauben? Wissen Sie. daß ich unglücklich bin! Wie oft will es diese Mutter wegen ihres Verbrechens anklagen! Verdienen diese Eltern nicht bloß die Rache des Himmels wegen der Schmerzen. was ich durch Liebe vergeblich von Ihnen zu erhalten gesuchet habe. lassen Sie uns einen grausamen Vater fliehen und in der einsamen Glückseligkeit der Liebe seine Drohungen vergessen. WILLHELM. die uns Ihre Nachlässigkeit erlaubet hat. Bleiben Sie hier. Wie oft empört sich dies Herz wider seine heiligste Pflicht. Zittere. List und Liebe haben alle Ihre Grausamkeiten hintergangen. das rechtmäßige Hindernis. Rauben Sie mir noch Lucien. und nimm den Ruhm mit dir. Nie kann ich Ihnen meine Einwilligung zu einer Vermählung mit ihm geben. ich weiß. Kommen Sie. daß Sie der Liebe einen Fehltritt verzeihen würden. wenn Sie können? Ich bereue nichts als das unnütze Vertrauen. meine Geburt ist das unglückliche. meinen Stolz. KARL. Nein! Sir Robert. schenken möge. die ich dich empfinden sehe. welches eine durch ihre Leidenschaften unglückliche Person mehr in die Welt gesetzet hat.Scham und Behutsamkeit schuldig bist? LUCIE. Du aber. als Sie Mitleiden von mir verlangen. das ewig unter einer unverdienten Schande zu seufzen bestimmt war. Wie oft will es diesen Vater einen Bösewicht nennen. Deine Verzögerung verdienet alle die Qual. Man lasse mich allein mit Ihnen. Nimmermehr sollst du Lucien als deine Gemahlin umarmen dürfen. meine Hitze. daß sich dies Herz. das ich zu Ihrer Gütigkeit gehabt habe. kommen Sie.

Sie haben mich geliebet. eile ihm nach und versuche. WILLHELM. Gott! der schreckliche Augenblick nahet heran. was es auch für eines sei. Lucie. Gehen Sie. das ich sonst noch lange in meiner Brust würde verborgen haben. über den unbilligen Zorn eines Vaters lachen können. geliebet zu werden. Ich bin strafbarer als Sie – Der Tod meiner Frau – LUCIE. könnten Sie doch in meiner Seelen lesen. Was für ein quälender Gedanke für mich. WILLHELM. LUCIE. die Sie – LUCIE. meine Gemahlin. ich weiß. das ich an Lucien strafen will. meine Verzweiflung schuldig. ich habe Sie geliebet. die Sie meinen Wohltaten schuldig sind. wenn ich bitten darf. Ich bin ihnen nichts als meine Leiden. dringen mir ein Geheimnis ab. den Verlornen aus dem Abgrunde zu retten. solange ich es verdienete. WILLHELM. Sir! Mein umhergetriebenes Herz ist in diesem schwarzen Augenblicke lauter Wut. daß ich nicht noch mehr Lästerungen ausstoßen muß. Ich sollte Sie hassen? Meine ganze Seele ist Liebe für Sie. Meine verdammte Leichtgläubigkeit! Warum hoffte ich doch von Ihnen Vergebung zu erhalten? Hätte ich mich mit meiner Gemahlin gleich in Sicherheit begeben. Der siebente Auftritt Sir Willhelm Southwell. Ich will sie besitzen. Behalten Sie es. Doch Sie sollen mir Lucien nicht länger mehr zurückehalten. WILLHELM. da ich mich selbst als ein Verbrecher wegen eines Lasters anklagen soll. wenn Sie meine Liebe mit Haß belohnen . Die Umstände. ob noch ein Mittel übrig ist. in denen ich Sie und mich sehe. und folgen Sie mir. Wünsche. Lucie. Ja. Robert. WILLHELM. Breitete die erste finstere Wolke über Ihr heiteres Gesicht aus. WILLHELM vor sich. ich verfluche mich selbst. daß ich Ihnen Ihren Sohn geraubet habe? WILLHELM. Erinnern Sie sich an die Pflichten. Nichts von diesen Eltern. ohne daß ich reden dürfte? LUCIE. Ich will hier indessen Lucien zu beruhigen suchen. da Sie sich einer gewissen verlassenen Kreatur erbarmeten und sie von der Frau Norris zu sich nahmen. Erinnern Sie sich an die Gelübde. Müssen Sie mich nicht schon genug hassen. KARL. Meine Seele ist jetzt nicht fähig. ohne den Himmel zu beleidigen. LUCIE. Zu Lucie. gehen Sie. daß sie der Himmel nicht gehöret haben möge. Sie verstehen mich nicht. Lassen Sie mich in Ihren Augen nicht noch abscheulicher werden. in den er sich stürzen will. und wenn ich mir Ihren Besitz durch meiner Seelen Seligkeit erkaufen soll. Geht voll Mut ab. als ich schon bin. Ich muß – ich muß Ihnen sagen – Diese Eltern. Sie müssen es – Mein törichtes Herz! welche Bewegungen! – Sie wissen. Karl. Ich muß diese Eltern in ihm verabscheuen. ich würde nunmehr. – Ach. die Sie mir diesen Augenblick in dem Angesichte des Himmels getan haben. es anzuhören.KARL. Ich verfluche Ihre Wohltaten. so sehr ich mich selbst dafür strafe. Es war um diesen unglücklichen Zeitpunkt herum.

BETTY. Weniger Liebe und mehr Mut. – Warum sind doch meine Umarmungen. Er wird den Augenblick bei Ihnen sein. KARL. Sein Selbstmord war das herrlichste Werk meines eigenen Witzes. ein neues Mittel erfunden. aber keinen Haß zurückgeben. was ich empfinde – Ein – Unselige Betty! welcher böse Engel hat dich in dem unglücklichsten Augenblicke hergesandt? Der achte Auftritt Die Vorigen und Betty. liebste meiner Seelen. Es wird noch ein edleres Herz sein. Nein! mein Vater. Kommen Sie geschwind. erlauben Sie mir einmal diesen Namen. Mißgönnst du mir noch das Glück. Sind Sie es wirklich? Sie. Sir Karl lebt. und vor wenigen Minuten hat Heinrich Ihren Sohn wütend mit einem Pistol in der Hand in den Garten gehen sehen. Ich hatte schon voraus im Notfall. Ist dies alle die Belohnung meiner Dienste? Hören Sie doch. Sir Robert hat sich mit Zittern nach der Gegend des Schusses begeben. daß ich Sie notwendig habe erschrecken müssen. Vergessen Sie diesen unwürdigen Gemahl. LUCIE. Unglücklicher Vater. ihm nachzufolgen. Betty. BETTY. ohne von dir gequält zu werden? BETTY. lieber Southwell. Die hereingebrochene Dunkelheit wird Ihrer Flucht günstig sein. Karl hat sein Pistol so wenig tödlich für sich losgeschossen. seinen Vater und alle Bedienten vom Hause zu entfernen und Sir Karls Flucht mit Ihnen zu befördern. und er weiß nicht. Fräulein! Der neunte Auftritt Die Vorigen und Sir Karl. Unterstützen Sie mich. Fräulein. den Sir Robert. LUCIE. Er wird Sie dem zärtlichsten Gemahl in die Arme liefern. hilf Lucien! Sir Willhelm geht ab. Sein getreuer Heinrich hält schon Pferde an einem verborgenen Orte bereit. Fräulein. BETTY. Ihnen zu entdecken. Sehen Sie Sir Karln. Es war das bequemste Mittel. Es sind die kostbarsten . WILLHELM. Fräulein. den ich nach so vielen Gefahren in meinen Armen halte? Meine Füße zittern unter den Bewegungen Ihres Herzens. daß er Sie gleich selbst abholen wird. Vergeben Sie mir. meine Küsse. auch ohne seine Einwilligung Ihr Glück zu befördern. der den Tod seines Sohnes fast als eine Glückseligkeit wünschen muß. Glückseligster Augenblick. Lucie muß Ihnen leider für Ihre Wohltaten Undank. Der Vater meines Gemahls – WILLHELM. zu sterben.sollten? Würden Sie nicht Ihren Vater hassen? LUCIE. ob er Sie soll bitten lassen. Ach Sir! Man hat diesen Augenblick in dem großen Garten einen Schuß gehöret. ich habe einiges Recht darzu. das Sie glücklich machen kann. wenn der alte Herr nicht einwilligen wollte. werden Sie keine Märtyrerin der Liebe. selbst meine Seufzer und mein zitterndes Herz zu schwach.

Freude. Hoffnung. Geht ab. Betty. und er erwartet seine Strafe. Sir Karl! Retten Sie Ihre Gemahlin. Diese elenden Rechte sollen bald aufgehaben sein. Sie umarmen und küssen einander. Fürchten Sie nichts. Hören Sie. WILLHELM. und . WILLHELM. Erniedrigung und Verzweiflung haben es alle seine Martern fühlen lassen. ob Sie selbst mehr als das äußerliche Blendwerk dieser Tugend kennen? Würden Sie mir sonst meinen Gemahl rauben wollen? Zu Sir Karln. Anstalten hierzu zu treffen. und du. Sir Willhelm hat meine Verstellung entdecket. daß ich der Heuchelei weit weniger verzeihe als jedem andern Laster. ungerechter Vater. wenn mein Herz noch einen Augenblick Liebe für dich fühlen soll. dürft ihr – Sie führen ihn mit Gewalt ab. Und bald die glücklichsten. unsere Seelen sollen einander lieben. Ich wünsche lieber mit Ihrem Sohne lasterhaft als mit seinem Vater tugendhaft zu sein. Schmerz. Die Gnade des Himmels hat mich deinen gottlosen Heinrich finden lassen. und Sie. Eine geschwinde Reise auf einige Jahre zu meinem Bruder nach Amerika soll dieses Feuer schon auslöschen. vollenden Sie Ihre Grausamkeiten – Doch geh nur. Sie wollen sie hinwegführen. es soll. Betty. BETTY. ihn oder mich vor dem unglücklichen Augenblicke zu zerschmettern? WILLHELM. WILLHELM. wisse. barbarischer Southwell. Nein! mein lieber Karl. werden noch folgende Worte gesprochen. Lucie. und wenn uns die ganze Welt deswegen hassen sollte. Verlaß sie. meine Rache soll dich ereilen. LUCIE. Und Sie selbst. Friedrich.Minuten Ihres Lebens. sollen mir alsdann danken. Gott! du siehst es. umarmen ihn noch? Wo ist Ihre Tugend? LUCIE. Der Haß eines grausamen Vaters ist Ruhm für mich. Halt! Bösewicht! KARL. Wie ist es doch noch zu empfinden fähig! Sieh es jetzt unglücklicher als jemals. KARL. ohne sie und mich selbst zu vertilgen? Verwegene! Euer Vater wird euch Gehorsam zu lehren wissen. Himmel! war kein Donner mehr übrig. Jakob. Lucie. Wer weiß. Besitze ich nicht die heiligsten Rechte? Und ich will diese Rechte wider Sie und alle Welt und Gott selbst behaupten. es muß glücklich werden! Das Glück der Betty selbst verlanget es. Sir. Indem Sir Willhelm Lucien aus seines Sohnes Armen reißt und die Bedienten auf das Theater treten. KARL. Der zehnte Auftritt Die Vorigen und Willhelm. Zittern Sie vor einer beleidigten und rasenden Liebe – Die Bedienten bemächtigen sich seiner. Ich mag diese Tugend nicht. Ich gehe sogleich. WILLHELM der ihnen begegnet. Er hat alles gestehen müssen. Behalten Sie diese Liebe. Elende. Gewalt. Ich weiß alle deine verdammten Anschläge. daß ich Sie wider Ihren Willen glücklich gemachet habe. KARL der auf Willhelm zuläuft. vollzieht meine Befehle. LUCIE. was für Stürme von Abwechselungen hat mein Herz in wenigen Minuten ausgestanden.

einen neuen Anschlag zu Ihrer Glückseligkeit erfunden hat? Sir Karl ist noch einmal der Ihrige. es zu beweisen? BETTY. Nennen Sie es lieber den einzigen Weg zu Ihrer Glückseligkeit. seine Küsse waren voll von einem gewissen Feuer. Deine Ankunft unterbrach ihn. Seine Reden lauter Dunkelheit. die Sie anklagen. Wissen Sie wohl. war lauter Verwirrung. Nur der Tod kann mich von ihm befreien. daß diese Betty. Sollte seine Liebe gegen mich mit seines Sohnes Liebe aus einerlei Quelle fließen? Sollte mich seine Hartnäckigkeit seinem Sohne bloß deswegen versagen. weil sie mich zu einem Opfer für sich selbst bestimmet hat? Aber würde er nicht sodann ein Bösewicht sein? Und seine Tugend – Doch was Tugend? Ist sie mehr als ein leerer Name. wenn Sie Mut genug haben.ich weiß. Keine Hoffnung! Sie ist völlig tot in meiner Seele. Bald wird mich die Schande der Verachtung der Welt preisgeben. stockend und von Seufzern unterbrochen. Sir Willhelm ist alt. und jedes seiner Glieder zitterte. Er versprach mir einen würdigern Liebhaber als Karln. wenn unsere Umstände weniger gefährlich wären. Er umarmte mich. Seine Hartnäckigkeit ist unüberwindlich. Urteile selbst. die ich vor deiner Ankunft mit ihm gehabt habe. wenn sie in ihrem größten Glanze schimmert? Bewies es nicht Lucie bei allem ihrem Stolze selbst. Sein Gesichte glühete vor einer errötenden Scham. LUCIE. nicht. Wie soll meine Seele alle diese Rätsel auflösen? Sollte Torheit und Laster über sein Alter triumphieret haben. Ich. Er sprach mit einer Art von Enthusiasterei von seiner Liebe gegen mich. sein Herz klopfete. BETTY. Und doch blieb es ein Fels für mich. ich würde lachen müssen. Mut genug? ohnfehlbar zu einem neuen und größern Laster? Denn Betty kann zu nichts weiter Mut von mir verlangen. Suchen Sie sich durch eine verstellte Liebe und Gelassenheit noch einmal seine Zärtlichkeit zu erwerben. die ein ihm unanständiges Geheimnis zu verraten schien. Vergessen Sie Ihre alte Gewohnheit. LUCIE. Aber sie sind die gefährlichsten. LUCIE. mein Unglück ist vollkommen. ihn zu erwarten. mich. Die Unterredung. dem sonst seine Tugend bei allen Umständen die Miene eines gesetzten Mannes zu geben wußte. unzusammenhängend. ich werde wider seinen Zorn keinen Schutz als in Ihrer vollzogenen Verbindung mit seinem Sohne finden. Dieser Southwell. Ich habe bereits das Herz des Barbaren von seiner empfindlichsten Seite. und er wird sich sodann Ihrer Verbindung mit seinem Sohne nicht mehr . Meiner Seele schauert vor gewissen Ahndungen. und ich verwünsche meine Zagheit. wenn sie richtig sind. hat sie in mein Herz eingepflanzet. auch dann. Der alte Southwell? in Sie verliebet? Wirklich. die ich sonst alle Welt außer mir zu verachten pflegte. Vergessen Sie diese Blicke voll Erbitterung gegen Sir Willhelm. Die Welt kann ihn entbehren. durch die Tränen und Bitten einer reuigen Tugend. Haben sie mir ihn nicht schon geraubet? Ja. Wenige Stunden können Ihnen Sir Karln auf ewig rauben. Ach wie grausam rächet diese Schande die flüchtigen Minuten einer durch Laster erkauften Glückseligkeit an mir! Ungerechter Himmel! warum quälst du mich allein? War Betty weniger strafbar als ich? BETTY. zu seufzen. die ihn verzögert. zu rühren gesuchet. Fräulein. und sollte der elende Southwell weniger fähig sein.

widersetzen können! Verstehen Sie mich, Fräulein? LUCIE. Ich verstehe dich, Ungeheuer, und ich sehe, daß der Teufel selbst in deiner Seele wohnen muß, der sich wie du freuet, den elenden Menschen von einem verfluchten Verbrechen zu einem noch verfluchtern fortzureißen. War es zu wenig Ruhm für dich, mich durch deine Künste als eine ehrlose, weggeworfene Kreatur zu sehen? Mußtest du mich noch als eine Mörderin sehen wollen? BETTY. Wollten Sie es nicht diesen Augenblick an sich selbst, und ich weiß nicht, an wem noch mehr sein? Leben Sie wohl! Seufzen Sie mit Ihrem guten Sir Willhelm. Lieben Sie ihn sogar, wenn es Ihnen gefällt. Betty hat alles für Sie getan, was sie hat tun können. Sie muß nunmehr für ihre eigene Sicherheit sorgen. LUCIE. Bleib, Betty, bleib. Vergiß meine Hitze. Ich bildete mir ein, noch die ehemals mit Recht stolze Lucie zu sein. Nein, ich bin die lasterhafte Lucie, und was ist's, ob ich es in einem Grade mehr oder weniger bin? Ich soll Karln besitzen? Und welch Laster kann für meinen Stolz zu groß sein, ihn zu erlangen? Ja, der alte Southwell soll sterben! Stirbt er als ein Bösewicht, so ist mir die Welt Dank schuldig, daß ich sie von einem Heuchler befreie. Stirbt er tugendhaft, wohl, so will ich mich durch den Tod eines Tugendhaften an dieser verhaßten Tugend und an dem Himmel selbst rächen. Aber was für neue Martern werden auf mein Herz in dem Besitze einer Glückseligkeit warten, die ich dem abscheulichsten Verbrechen schuldig bin? Törin! ruhig, glückselig wird dies Herz sein. Dann nur werde ich die Heiterkeit der größten Bösewichte, die ich jetzund so oft an ihnen beineide, besitzen, wann ich ihnen gleich geworden bin. Komm, Betty, lehre mich lasterhaft und mitten im Laster ruhig wie du sein.

Die fünfte Handlung
Der erste Auftritt Lucie und Betty. BETTY. Nunmehr, da alles bereit ist, da Sie in einem Augenblicke so glücklich sein können, als Sie es wünschen, fangen Sie Ihre ewigen Klagen von einer verlornen Tugend, und ich weiß nicht, von was für Grillen mehr von neuem an. Glauben Sie mir, ich bin müde, sie anzuhören. LUCIE. Klage nicht mich, klage die grausame Natur an, daß sie, selbst mich noch mehr zu quälen, mir ein weniger unempfindliches Herz gegeben hat. Bedenke, es ist der Southwell, der mir so oft in seinen Armen eine fast väterliche Zärtlichkeit und Liebe hat sehen lassen, der alle Tage auf eine neue Freude und Wohltat für mich sann – BETTY. Ja, es ist der Southwell, der Sie mit dieser väterlichen Zärtlichkeit und Liebe in seine Arme schloß, weil er seine zukünftige Gemahlin zu umarmen glaubete. Der Southwell ist es, der Ihnen vielleicht Wohltaten erwies, um den Ruhm zu besitzen, sie erwiesen zu haben; der bei alle Ihrer Freude mit einem gewissen Stolze auf Sie herabsah, daß Sie seiner Wohltaten

nötig hatten; der Ihnen ebenso wie die übrige Welt mit ebensoviel Verachtung, als er Ihnen vorher Zärtlichkeit erwies, begegnen wird, wenn Sie Ihre Schande nicht länger werden verbergen können. LUCIE. Fahre fort, alle Wut meiner Rache rege zu machen, und ich, ich werde fähig sein, ihm nicht nur das Gift selbst zu überreichen, sondern auch mit einer geheimen Wollust alle die kleinen Martern zu bemerken, mit denen er den Tod fühlen wird. Ist er nicht die Ursache meines Unglückes, und habe ich ihn nicht schon zu lange ungestraft leben lassen? BETTY. Diese Stunde ist die einzige, in der Sie noch zwischen der Schande und der Glückseligkeit wählen können. Jetzt ist Ihr Liebhaber noch in England, und der Tod seines Vaters wird ihn in wenig Augenblicken wieder zu Ihnen zurückebringen. Selbst nur heute noch kann Ihnen Betty nützlich sein. Sie wissen, der alte Southwell hat mich harte genug aus seinen Diensten gejaget, weil ich Ihr Glück dem meinigen vorgezogen habe. Ich werde alle meine List nötig haben, mich noch heute in seinem Hause aufzuhalten. Lassen Sie diesen Tag vorbeistreichen, so werden Sie keine einige Seele mehr zur Gesellschafterin bei Ihren Klagen haben. LUCIE. Nein! das Opfer soll keinen Augenblick länger aufgeschoben werden! Du aber, o Rache, laß mich nicht mehr die ehemalige Zärtlichkeit, laß mich Stolz, laß mich Verachtung in seinem Auge lesen, damit sich mein Herz nie an sein törichtes Mitleiden erinnern möge. Wer empfindet dies Mitleiden gegen Lucien, und wer verdienet es also, daß sie es gegen ihn fühlet? Aber ich zittere, Betty, wie? wenn die Welt mein neues Verbrechen – BETTY. Fürchten Sie doch nichts! Ist das möglich, daß sie etwas davon erfahren kann? LUCIE. Sir Willhelm kömmt! Ich kann unmöglich seine Gegenwart ausstehen. Alle Standhaftigkeit meiner Rache wanket! Befestige sie noch einige Augenblicke, du bist die einzige, die es tun kann. Der zweite Auftritt Sir Willhelm und Sir Robert. WILLHELM. War das nicht Lucie? Sie flieht mich unfehlbar aus Haß. Nichts fehlte noch als dieser Haß und die Verachtung meines eignen Sohnes, mein Unglück vollkommen zu machen. Und diese letztere, Robert, habe leider deiner voreiligen Freundschaft zu danken. ROBERT. Gewiß! du tadelst mich unbillig. Ich habe dadurch, daß ich deinem Sohne noch vor seiner Abreise die Ursache entdecket, welche seine Verbindung mit Lucien unmöglich machet, das einzige Mittel gewählet, ihn von dem Untergange zu retten. Mit was für Wut und Haß gegen seinen Vater würde er abgereiset sein, da er nunmehr diesen Haß, diesen Abscheu gegen sich wenden muß. Ich bin nur unwillig auf dich, daß deine unzeitige Darzwischenkunft und Eilfertigkeit mir die Gelegenheit geraubet hat, ihm noch alle Umstände der Sache zu entdecken. WILLHELM. Aber hast du mich nicht auch zugleich durch die Entdeckung dieses Geheimnisses, das ich so sorgfältig zu verbergen gesuchet habe, in den

Augen meines eigenen Sohnes verächtlich gemachet? Wie würde ich in seiner Gegenwart die Miene eines Vaters annehmen können? Ist es nicht noch die einzige Glückseligkeit für mich, daß ich ihn vielleicht sobald nicht wiedersehen werde? Konntest du dich nicht erinnern, was für ein elendes Geschöpf ein Vater ist, dessen Verbrechen seinen eigenen Kindern bewußt sind? ROBERT. Aber Willhelm, diese gefährliche Krankheit erfoderte ein ebenso gefährliches Gegenmittel. Folge mir und entdecke die Unmöglichkeit dieser Verbindung Lucien ebenso, wie ich sie deinem Sohne entdecket habe. Kannst du so grausam sein und ihr den einen Gegenstand ihrer Liebe rauben, ohne ihr einen andern wiederzugeben, den sie noch zärtlicher lieben würde. WILLHELM. Schilt mich nicht grausam. Es ist die blutigste Rache gegen mich, daß ich sie seufzen lassen muß. Doch nimmermehr kann ich mich in ihrer Gegenwart selbst verdammen. Nein! Karls Abwesenheit, der Rest ihrer eigenen Tugend, meine verdoppelte Sorgfalt und mehr als alles die Hilfe des Himmels werden mir vielleicht auch ohne die Entdeckung meiner Schande das Vergnügen schenken, Lucien zu ihrer ersten Tugend wieder zurückekehren zu sehen. Hat sich nicht schon diese Wut, dieser wilde Haß aus ihrem Auge verloren? Meine Liebe soll ihre noch zurückhaltende Zärtlichkeit für mich bald wieder in ihre ehemalige offenherzige verwandeln. Ich will sie durch neue Gütigkeiten gewinnen. Mein Testament, das ich dir gegeben habe, soll der Anfang hierzu sein. Hätte ich doch Lucien mehr in demselben vermachen können als die Hälfte meines Vermögens, könnte ich ihr durch dasselbe eine unschuldige, eine unbeleidigte Tugend wiedergeben! Aber ach! wie könnte ich ihr etwas geben, das ich selbst nicht besitze! Hebe es auf, vielleicht ist der Tag bald nah, da du deinem Freunde in der Vollziehung desselben die letzte Liebe erweisen kannst. ROBERT. Noch spät sei er! Lebe noch, Lucien und deinen Sohn glücklich und tugendhaft zu sehen, und dann, wann du kein Glück weiter hier zu erleben hast, erwarte das vollkommenste, das dir keine Tugend verdienen kann. WILLHELM. Nein, Robert, diese Welt, die auch sonst für den Weisen ihre Freuden hat, hat für mich keine mehr. Damals hatte sie einige für mich, da ich auf einen Sohn stolz war, von dem ich glaubete, daß er meine Sorgfalt durch seinen Gehorsam belohnete, da ich mich von einer zärtlichen, von einer tugendhaften Lucie geliebet erblickete. Aber jetzt, da selbst mein Stolz in die Schande hinabgesunken, da mein Sohn durch seinen Ungehorsam ein Bösewicht geworden ist, da diese Lucie von einem unseligen Feuer brennt, welches ein Herz, voll von der zärtlichsten Liebe gegen sie, mit Abscheu erfüllt, jetzund ist der Tag der glücklichste für mich, welcher der letzte eines elenden Lebens sein wird. Zwar oft wünsche ich noch so lange zu leben, bis ich Karln und Lucien wieder tugendhaft sehen möchte. Aber wie, wenn sie diese erste Tugend nie wiederfinden sollten; und wie schwer findet sie das Herz, das sie einmal vergessen hat, wieder? Müßte nicht der mein Feind sein, der mir sodann die geringste Verlängerung meines Lebens und meiner Schmerzen wünschen könnte? O Freund! was wäre der Elende ohne die Hoffnung, daß jeder Augenblick der letzte seiner Klagen sein kann?

aber jetzt zittert mein Herz. was ich dich bitte. meine Lucie. ich habe noch eine Nachricht für Sie. ROBERT.Der dritte Auftritt Die Vorigen. Nein! Jakob muß sich verborgen halten. läßt fragen. Sie würden sehen. Sie gehen ab. die selbst meine eigene Grausamkeiten nicht mit ansehen konnten! Verstockung und Frechheit. ist es Verzweiflung. Welche lasterhafte Seele hat dir jemals vergeblich darum geflehet? Verflucht sei seine Liebe. Rühme dich deines Siegs. die schon auf mich hereinstürzet? Meine törichten Augen. entgegeneilten? Sie zittern? Ist es Abscheu für den Mann. der Barbar! Er wird mich durch neue Zärtlichkeiten martern und in meiner Unruhe und Verzweiflung alle meine Schandtaten lesen. Sir Willhelm Southwell kömmt. Sir. Nein. DER BEDIENTE zu Sir Willhelm. bis er ihn nach Amerika an den Bruder des Sir Willhelms eingeschifft sähe. Jakob ist voll Schrecken über die Ausschweifungen. mein Freund darf in seinen jetzigen Umständen nichts wissen. dessen ganze Seele jederzeit aus ungeduldiger Freude zitterte. ob er seinem Herrn diese verdrießliche Nachricht entdecken soll oder nicht. ich will indessen meine Amalie besuchen. ob es Ihnen gefällig ist. WILLHELM. Der vierte Auftritt Lucie. Er weiß nicht. Jakob. Ein Bedienter. die er in der Raserei begehen kann. Hölle! dies ist das einzige. Die Fräulein. wo ich ihn sprechen kann. ist es Rache. Warum fliehen Sie diese Umarmungen. zurückgeeilt. denen Sie sonst mit so vieler Freude. Was für Freude war mir sonst jeder Augenblick. Verzeihen Sie. sie zu sehen. Wo ist Jakob? Führe mich an einen sichern Ort. seine Zärtlichkeit. daß meine Grausamkeit Liebe ist. der den jungen Herrn Southwell nicht ehender verlassen sollte. DER BEDIENTE zu Sir Robert. nicht grausam in dem Augenblicke. seine Lucie glücklich zu sehen? Wenn haben Sie sich über einen einzigen meiner Blicke bis auf diesen unglücklichen Zeitpunkt beklagen dürfen? O könnten Sie in meiner Seele lesen. so oft ich mich ihr nahen soll. wenn du kannst. Rufen Sie doch diese erhabene Tugend in Ihr . LUCIE. Doch du zitterst: ist es Mitleiden. Herz! gottloses Herz! Es ist geschehen. Ihren gewöhnlichen medizinischen Trank zu nehmen? WILLHELM. Der junge Herr hat in der Finsternis der Nacht Gelegenheit zu fliehen gefunden. die Sir Willhelm nicht wissen darf. Ihren Southwell zu beglücken. da er den tödlichen Trank aus meiner Hand empfing? Er verfolget mich. ROBERT. Erwarte mich hier. Warum war er nicht stolz. das seine Betrübnis vermehren würde. ist zurückgekommen. Sir Willhelm geht ab.

die ich über Ihre Vergehung empfand. Sein Sie es. Sie sind das quälende Geschenk. so erhaben. wollten Sie mich noch voll Haß sterben sehen? Er schließt ihre Hand in die seinige. mich zu lieben.Herz zurück. erleichtern? Gott! wie wird mir? Mein Freund Robert hat auf allen Fall meinen letzten Willen. nehmen Sie Ihre Liebe zurück. WILLHELM. Nein! dieses ermüdete Alter war schon längst reif zum Tode. LUCIE. ist Ruhe für meine Seele. WILLHELM. Lucie will voll Bewegung weggehen. Meine Knie wanken. Sie würden sich doch weniger grausam an mir rächen. WILLHELM. so glücklich sein. Sie waren mit der Hoffnung verknüpft. Zuviel haben Sie getan! Nehmen Sie Ihr Vermächtnis. Reichen Sie mir einen Stuhl. konnten nie meiner Gesundheit schädlich sein. das durch seine Tugend allein jeden seiner Augenblicke heiter machen kann? LUCIE. und das edelste Herz ist dieser Versuchung ausgesetzet. und Sie werden ebenso groß. zu dessen Erhaltung sie das ihrige hätte aufopfern sollen. die ich verloren habe? WILLHELM. selbst von der eifrigsten Tugend. Sie verdienen nichts als Mitleiden. wenn mein sterbendes Herz noch meine Kinder tugendhaft . die sonst meine Seele mit so vielem Stolze erfüllete. Sehen Sie Ihre Mörderin! Sie hat ein Leben verkürzt. daß Sie glücklich sein wollen. meine tugendhafte Lucie wiederzuschenken. Beruhigen Sie sich. Ihr Herz durch den Sieg über sich selbst noch größer zu erblicken – Ihre Reue. Die Schmerzen. WILLHELM. Wollen Sie mich verlassen? Wie. so würde er sich eher an der ganzen übrigen Welt als an Lucien rächen können. väterliche Liebe – Welche ungewöhnliche Bewegungen! Es überfällt mich eine Schwachheit. Ihr Haß. sich zu rächen. Unmensch. Er bestimmet Ihnen die Hälfte meines Vermögens. Wollen Sie mir nicht solche durch das Versprechen. das selbst der strengste Tyranne über seine Leidenschaften ist. meine liebe Tochter. Sie kennen mich nicht. Lucie. über die Sie sich emporgehoben hatten. Nein! Sie haben sie nicht verloren. Gott! wie süß wird mir der Tod selbst sein. Sir Willhelm setzt sich. Hätte ich mehr tun können – LUCIE. Entschlüßen Sie sich nur. was quälen Sie mich durch die Erinnerung an eine Tugend. Ihre Verachtung ist Trost. Southwell soll Sie auf seinen Knien mit seinen Tränen darum bitten. welche Zeiten! da Sie in dem Besitze derselben die ganze übrige Welt verachten konnten! Da Sie die Freude meines Herzens. Ihre Tränen lehren mich. Nur Liebe. als Sie es jederzeit gewesen sind. wenn es meine letzten Augenblicke wären. mir meine erste. Darf er Ihnen erst die Glückseligkeit eines Herzens schildern. Und wenn Sie mein Herz einen tausendfachen Tod empfinden ließen. und wenn er sie auch hätte. Welche Pein wütet in meinen Gliedern. daß ich recht gehofft habe. das Sie mir machen können. die Ermunterung Ihrer Nachbarinnen und der Neid derer waren. Southwell hat keine Ursache. Ich will sie nicht. Wie leicht fehlt ein menschliches Herz. da man mich wegen Ihres Besitzes und Sie wegen Ihres eignen Herzens glücklich pries – LUCIE. Sie sind einen einzigen Schritt von ihr gewichen.

Lucie. BETTY. meine Tochter an meine Brust zu drücken? Umarme deinen Vater. Lucie! mit einem Gesichte. meine wahre Tochter! – Ach. Ach. haben Sie Ihren armen Freund schon besuchet? Wissen Sie den neuen Schmerz schon. Wäre der alte Narr weniger verliebt in sie. wenn Sie Ihrem sterbenden Freunde noch die letzte Pflicht Ihrer Liebe erzeigen wollen. Meine Seele ist vor Zorn und Schrecken über das törichte Geschwätz ganz außer sich. sie fließen zu sehen. Betty. die sie nicht länger zu besitzen verdienete. BETTY. Wie unvollkommen ist die menschliche Freude! Muß ich schon wieder Tränen und Seufzer hervorsuchen? Sir Robert kömmt. Vielleicht hat bereits der Tod der Welt eine Tugend geraubet. Und Betty wird sich an dem Sir Willhelm gerächet und von seinem Sohne durch die Vollziehung dieser Vermählung die versprochenen zweihundert Guineen verdienet haben. die von weitem zugehöret hat. Sie werden ihn in dem Kabinette in den Armen der Lucie finden. Wieviel Tränen wird mir selbst seine Glückseligkeit kosten! Geht ab. hernach wird alles gut sein. Eilen Sie. wenn es möglich ist. der Schmerz dringt näher an mein Herz und erlaubet mir meine letzte Freude nicht. Dieser arglistige Robert hat meiner Heuchelei manche Sorgen und Angst abgezwungen. die Freude. Den besten Herrn. der jemals gelebet hat. BETTY. welchem von euch soll ich mehr fluchen! Sie führet ihn hinweg. In mein Kabinett. Ist es möglich? Habe ich nicht nur vor wenigen Augenblicken ihn hier gesund verlassen? Gott! solltest du seine Tugend so bald glücklich gemachet haben. Der fünfte Auftritt Betty. Und mein Herz wird sich freuen. Ströme von Flüchen und Verwünschungen zu hören. Was gibt es? Ist Sir Karl zurückegekommen? Oder sollte Lucie das Haus des Sir Willhelms haben verlassen können? BETTY. Ha. Die einfältige Lucie! Was für ein verzagtes Geschöpfe! Nicht einmal ohne Zittern die Welt von der Last eines alten Mannes befreien zu können. so bald zu verlieren! ROBERT.segnen kann. meine einzige. auf dem alle Furien abgeschildert sind! Bereite dich. Doch nun wird es dem Herzen des alten Mannes noch ein paar Stöße und Lucien noch ein paar Seufzer kosten. Warum raube ich mir noch die vollkommenste Freude. LUCIE vor sich. O Laster und Tugend. . der dieser unglücklichen Familie drohet? Warum muß doch Lucie zu beständigen Tränen verbannet sein? ROBERT. er hätte durch ihren Unsinn unsere ganze Bosheit entdecket. Sir.

Ich will Ihre Undankbarkeit gegen mich nicht noch dadurch vermehren. seiner Mörderin. Verlaß mich in dem entsetzlichsten Zustande. Ach diese fürchterliche Szene! Nie wird sie aus meinen Gedanken kommen. unvermeidlich war? LUCIE. die meine Seele ängstigen. aber sein Auge ließ mich desto stärker die Sprache väterlicher Empfindungen entdecken. gib sie mir selbst. die du mir geraubet hast. der herannahenden Rache frech und unerrötend zu trotzen. du hättest eine Zähre verloren. Tyranne! gib mir die Unschuld wieder. Robert . sei dem Teufel in allen Stücken ähnlich. Der mich aber auch wie ein Vater seine Tochter liebete. die er fühlete. die ich ihm verursachete. daß ich Sie durch meine Gegenwart zu neuen Verwünschungen aufmuntere. wenn es möglich ist. Bei jeder Zückung.Der sechste Auftritt Lucie und Betty.« Warum hieß er mich doch seine Tochter? Mußte er noch durch diesen Namen mein Laster und meine Schmerzen vermehren? Er verlor die Sprache. da er mich durch alle seine Zärtlichkeiten marterte. in den du mich selbst gestürzet hast. segne meine Tochter! Waren sie strafbar. fühlest sie nicht? Ist der Himmel gerecht? Nimmermehr ist er es! BETTY. O hättest du mein Herz in dem schrecklichen Augenblicke gesehen. die Ihnen widerfahren konnte. Ja. LUCIE. Warum vergessen Sie diese kindische Begriffe von Laster und Tugend nicht? Was ist Laster und Tugend. so vergib ihnen und laß ihre Verbrechen die meinigen sein. hättest du mein Herz sehen können. Wo ist Ihr Stolz? Wollen Sie ewig verächtlich von sich sprechen? Was haben Sie denn nun Abscheuliches getan? Einen alten Mann zur Ruhe gebracht. und wenn es die erste in deinem ganzen Leben gewesen wäre. wie er mit tränendem Auge und mit einer Inbrunst voll Liebe und Zärtlichkeit betet: »Gott! segne meinen Sohn. die Martern zu bändigen. hätte er sagen sollen. der in seinen letzten Augenblicken lauter Liebe und Zärtlichkeit war. der Sie auf das grausamste beleidigte. wieder. Betty. Fräulein? Leben Sie wohl. Vollende dein unseliges Werk und lehre mich noch ein größeres Laster. die ärgste. eine Erleichterung seiner Qual finden wollte. in den Umarmungen seiner Tochter. der vielleicht der Welt ebenso müde war als diese Welt seiner. Und ich allein sollte mir zur Qual lasterhaft geworden sein? BETTY. Sind Sie fertig. Kann wohl deine harte Seele eine Art von Mitleiden jemals zu empfinden fähig sein. LUCIE. Und ich allein fühle sie! Und du. warf er einen Blick auf mich. Schröckliche Minuten! Können die Strafen der Höllen empfindlicher sein? Ich empfinde sie voraus. wie er aus meinen zitternden Armen auf seine schon wankenden Knie sinkt. da er sich auf meinen Arm stützte und mitten unter den unaussprechlichsten Martern. so wie sie von dem Laster der Wollust geschändet war. gegen die ich die Tugend selbst bin. Gib mir wenigstens die Unempfindlichkeit. Stelle dir ihn in seinem Kabinett vor. der mich um Erbarmung anzuflehen schien und mich eine ganze Hölle von Martern fühlen ließ. Erfindungen des Eigennutzes und des Aberglaubens. So viele Bösewichte leben und sind glücklich. ohne dessen Tod Ihre Schande.

Führe ihn her. um diese Gleichgültigkeit mitten unter den gröbsten Verbrechen. Selbst der Schrecken.und seine Tochter haben mich endlich von diesem für mich so abscheulichen Auftritte befreiet. sind meine Verbrechen nicht schon entdecket? Verbirg mich. Und dann. Sie hielten meine Verzweiflung für die Wehmut der Zärtlichkeit. wer ich bin. wirst du sodann noch für uns übrig haben können? BETTY. wie ich die seinige sein werde. Er wird Ihnen diesen Trost. daß ich dich um ein Laster. beneiden muß. Trost? Erleichterung? welche Einsamkeit? welche ganze Welt? welche künftige Ewigkeit selbst – Ewigkeit. Ich kenne es. Zu den Zeiten der Helden würde Ihre stürmische Tugend eine rechte bewegliche Rolle gespielet haben. Lassen Sie Ihr Herz ausstürmen. je ruhiger wird es hernach. Tugend und Seligkeit selbst aufgeopfert habe. LUCIE. Sein Sie doch barmherziger. Der elende Bösewicht! daß ich weder ihn noch dich. wenn wir gemeinschaftlich verzweifeln werden. die über mich schreiet! Ja. welcher Gedanke! kann sie mir geben? BETTY. mitzuteilen fähig sein. Je stärker es brauset. Du hast recht. o Ewigkeit. erinnere mich an alle meine Niederträchtigkeiten. LUCIE. Betty. damit ich. und da Sie alle Ihre Seufzer ebenso geschwind in seinen Armen vergaßen. Er wird meine Qual sein. wenn ich nicht der Spott und die Verachtung selbst derjenigen würde. Erinnern Sie sich an eine gewisse Gelegenheit. Laß mich deine Rache ganz fühlen. Fürchterliches Gewissen! Welche Angst! BETTY. wird es ihn lehren. daß ich Sie mitten unter Ihren künftigen Freuden an Ihre ehemalige Verzweiflung erinnere. Höre die Rache. sehen Sie Sir Karln. LUCIE. die ich nicht hoffen darf. dem ich Glück. Wer kömmt? Wer weiß. Fräulein. . da Ihre arme Betty ebensoviel Verwünschungen als jetzt ausstehen mußte. daß du sie hörest. Solltest du zulassen. o Himmel! Sie wäre unvollkommen. Sehen Sie ein Wunderwerk. daß du selbst mich elend gemachet hast. wie sie sageten. unverschämter Teufel. ein unwiderstehliches Gefühl voll Zittern und Angst saget mir. in der Einsamkeit Trost und Erleichterung meiner Schmerzen suchen könnte. als Sie in diesen Armen die jetzigen vergessen werden. Karl selbst wird aus meiner Verzweiflung entdecken. mit dem mich das Bild seines Vaters aus den gräßlichsten Träumen an seiner Seite erwecken wird. wenn du mich strafen sollst. Der arme Karl! Er ist diese Grausamkeit nicht von Ihnen gewohnt. die mich vielleicht schon verfolget. verbirg mich vor der Rache. Vergessen Sie Sir Karln nicht. auf sie stolz zu sein. Sie sind das Werk deiner Hände. ihn. daß er die Mörderin seines Vaters als seine Gemahlin umarmen dürfte? Nein! nein! dann bist du gerecht. und laß mich zur grausamsten Strafe für meine Verbrechen Verachtung und Haß in seinen Blicken lesen. diese Erleichterung oder wie es Ihre Tugend zu nennen beliebet. Sie nahmen mich aus seinen mich umschlingenden Armen. So weit ist mein Stolz heruntergesetzet. gesehen hätte! BETTY. Ja. Spotte nicht über mich. wenn wir uns gemeinschaftlich anklagen. sein unseliges Werkzeug. die mich lasterhaft gemachet haben. Aber erlauben Sie mir auch hernach die kleine Rache. Ich gebe Ihnen mein Wort. was für größere Qualen.

bis sie sich gefaßt hat. den zärtlichsten Segen über uns aussprach? Daß diese Lucie – Verlassen Sie mich. Ihr Herz und Ihr Kopf scheinen in gleicher Unordnung zu . LUCIE. die grausamen Anschläge. Ja! die Rache des Himmels hat Sie zu der bequemsten Zeit zurückgeführet. Ich will Ihre Mühe damit belohnen. Wie können Sie den zärtlichsten Liebhaber mit Ihrem Geschwätze quälen? Kommen Sie. in seinen letzten Augenblicken mit dem Munde. daß der Feind unserer Glückseligkeit tot ist. mit Ihnen zuerst die Freude unserer Wiedervereinigung zu fühlen. daß dieser Vater. Sie würden sonst die wenigen Minuten. Glauben Sie doch seinem Betruge nicht. da Sie mich mit Ihrer Zärtlichkeit quälen.Der siebente Auftritt Die Vorigen und Sir Karl. Fräulein. meine Lucie an einem ungerechten Vater und an seinem boshaften Freunde zu rächen. Aus keinem Munde als dem Ihrigen kann sie mit mehrerm Rechte gehöret werden. und wenn Sie nicht selbst mit mir zugleich alles Schreckliche derselben fühlen wollen. sie hat jederzeit viel Neigung für den Sir Willhelm gehabt. Southwell. Ihr Vater tot? und sein Sohn hier bei Lucien? – KARL. einen Vater zu rächen. wenn ich eine Erleichterung meiner Martern fühlen soll. Wie? Sie entreißen sich den Armen des zärtlichen Liebhabers? Mit Zittern? mit Abscheu? Himmel. sich unserer Liebe zu widersetzen. Aber wie hätte ich eine so schmerzliche Empfangung vermuten können? Wen beklagen Sie? War es nicht der Feind Ihrer und meiner Glückseligkeit? Gütiges Herz! Sehen Sie. Ja. mit Flüchen über mich zugebracht haben. Sehen Sie seine eigennützige Absicht nicht ein? LUCIE. Meine Lucie! meine Gemahlin! endlich können sich unsere Seelen auf ewig miteinander vereinigen. BETTY. den Sie noch nicht zu wissen scheinen. Was wollen Sie mit dem Sir Robert? Von was für Betruge reden Sie? Haben Sie noch eine Qual mehr für Lucien? Sagen Sie solche. Pflicht und Betrübnis würden mich zuerst zu seinem Leichname geführet haben. Verlassen Sie die Fräulein. daß Sie Lästerungen wider den Himmel reden? Sollen Sie ihn zu dem Urheber des schrecklichsten Lasters machen? Wissen Sie wohl. Ich habe diesen Augenblick bei meiner Ankunft gehöret. den Sie Undankbarer ungerecht nennen. Diese Liebe und Rache haben mich List genug gelehret. ich sehe Lucien wieder. Sie wissen. den ich Ihnen geraubet habe. Er erlaubet ihm nicht länger. daß ich Ihre Seele einen neuen Schmerz empfinden lasse. zu vernichten. LUCIE. Aber ach! soll ich sie mit Abscheu oder mit der ehemaligen Zärtlichkeit wiedersehen? Der verdammte Robert! Hätte er meine Brust durch einen grausamern Zweifel foltern können? Nein! seine Betrügerei ist zu klar. KARL in einiger Entfernung. der Himmel ist gerecht. Bösewicht! wissen Sie wohl. wenn mich nicht seine Grausamkeit und meine Liebe gezwungen hätten. ich bin verloren! Der barbarische Robert ist nicht zufrieden gewesen. BETTY. Sir. Liebe und Rache haben mich zurügeführet. mit dem er den fürchterlichen Fluch hätte auf uns legen sollen. mich allein zu martern. die man wegen unserer Trennung gemachet hat. KARL.

Ich zitterte vor der Schande und dem Laster – LUCIE. Es wird sich sodann seiner eigenen Schwachheit schämen. meine Schande schreien also bereits laut wider mich? Und ich Elende verzögere noch einen einzigen Augenblick ein Leben. Liebenswürdige Zärtlichkeit! Ach! Betty. soll ich mich vor Ihnen und Sie mit mir zugleich selbst anklagen? Immer noch stolz mitten in der niedrigsten Gottlosigkeit. daß Ihr Laster Einbildung ist. die wir verdienen. den man in mir zu erregen suchete. mein Herz. der Abscheu und der Fluch der Welt geworden ist? Welche stumme. Gott muß ihn mit Abscheu hören und die Strafe beschleunigen. wie gottlos Sie selbst sind? KARL. Die Fräulein hat sich den schwärmerischen Einfall in den Kopf gesetzet.sein. Barbar. Betty. welche leblose Zeugen sind die Ankläger meiner Schandtaten geworden? KARL. wenn Sie meine Bitte nicht hören wollen. soviel Glückseligkeit ich Törin auch sonst darinnen zu finden glaubete. so alt waren ungefähr die Bekümmernisse des Sir Willhelms. Vergessen Sie doch. Sie verdienen es in einem noch höhern Grade zu sein als ich. Er ist jetzund mehr als die Hölle selbst für mich. deine List ist vergeblich. Zittern Sie vor dem. LUCIE. daß sie durch die dem Sir Willhelm verursachten Bekümmernisse ihm das Leben verkürzet habe. Robert – LUCIE. meine liebste Gemahlin – LUCIE. Meine Brust hat im Anfange ebensoviel gelitten als die Ihrige. Besinnen Sie sich doch. welches der Spott. lassen Sie mich Ihnen in zwei Worten den Grund von dieser ausschweifenden Hitze entdecken. war zu grausam. KARL. Nicht Gemahlin! Sprechen Sie diesen Namen nicht aus. mit der Sie mich kämpfen sehen. Ruchloser! Sie wissen meine Laster. man hat mein Herz nicht allein mit dem niederträchtigsten Betruge zu verwunden gesuchet. und sie werden finden. Nein. Ach! meine teuerste Lucie. in meiner Verzweiflung. Sie geht heimlich ab. Ich will dieses Feuer nicht länger in meinen Gliedern allein wüten lassen. Vereinigen Sie doch alle Umstände. es hat sich noch niemand in vierundzwanzig Stunden. KARL. Beruhigen Sie sich doch. Verdiente ich's allein. wie gottlos ich. entdecken? Saget Ihnen Ihr eignes Herz nicht. Sie kennen indessen Ihr ungestümes Herz. widersetzet sich mein Herz. die Sie durch Ihre verfluchte Liebe zu einer Wohnung der schwärzesten Laster und der Qual dieser Laster gemachet haben. unglücklich zu sein? Nein. Stoßen Sie den Dolch in diese Brust. Sir Karl. Sie sollen. Der Verdacht. Einbildung? Wissen Sie bereits. LUCIE. was ich bin? Wer hat es Ihnen gesaget? Meine Verbrechen. Sie wissen. Betty. Sie müssen es mit mir sein. Überlassen Sie es einige Stunden sich selbst. meine Schande. was ich Ihnen sagen will. Hören Sie die Stimme Ihres Vaters. Mein Laster. meine Schande zu nennen! Können Sie dann nicht dieselbe in meinem Abscheu. und Sie verdoppeln noch die Ihrigen durch Ihre Zärtlichkeiten? Was zögern Sie? Tun Sie die einzige gute Tat. die Sie an mir ausgeübet . Warten Sie. Sir. Southwell. Und nun. Nur unter dieser einzigen Bedingung verzeihe ich Ihnen die Grausamkeiten. BETTY vor sich. ich sehe. diese Stimme. als daß er mich nicht hätte quälen sollen. zu Tode gegrämet. die Rache wider mich verlanget. die Sie in Ihrem Leben können getan haben. ich fürchte nur. nun ist es Zeit.

Sie sind hier und haben die traurigste. Fürchterliche Dunkelheit! Bald soll sie sich aufklären. Doch wie? ist es nicht ein Traum? ist es nicht Einbildung? Bin ich es wirklich? Das giftigste Gewürme. daß es der Eigennutz und der niederträchtigste Neid sind. sagen sie mir nicht. Unsere Liebe – LUCIE. wenn es Wahrheit wäre? Unsinnige Furcht! sie kann. Er will sie umarmen. diese Vorboten noch größerer Qualen. bei welcher mein Herz für Betrübnis blutet. Selbst diese Wehmut hat für eine gefühlvolle Seele wie die Ihrige mitten in der Betrübnis ihre Annehmlichkeiten. Verfluchter Robert! welche Marter ist ungerecht für dich. Sagen Sie mir. wenn sie möglich sind. daß ich alle Wehmut der Zärtlichkeit in Ihnen erneuere. Ein schwacher Strahl blitzet durch sie hindurch! Aber wie schrecklich ist er. mit einem noch schrecklichern Namen zu nennen. Konnten Sie wohl beide ein einfältigeres Märchen erfinden. die unsere Liebe des abscheulichsten Lasters beschuldigen. Meine Lucie. noch einmal Ihren Namen auszusprechen! Sein schon geschlossenes Auge öffnete sich noch . diese Verzweiflung. LUCIE. LUCIE. ihren Endzweck zu erreichen? Wenn hat mein Vater jemals eine Tochter. Ein einziger ruhiger Augenblick würde Sie dieser ungegründeten Verzweiflung. Der Verleumder! der Bösewicht! Er soll meine Rache für die Schmerzen empfinden. Lucie. Wo ist Robert? KARL. die er mir und Ihnen verursachet hat. Southwells Tochter selbst will ich sein. Amalie. diese Peiniger. ja nur ein einziges Kind außer mir gehabt? Wie habe ich also jemals in Lucien meine eigene Schwester lieben können? LUCIE. was ich bin? Hölle! sieh deinen Raub! was verziehst du? KARL. deine eigene Henkerin und das größte Ungeheuer. AMALIE. das jemals die Erde ernähret hat? Ja. Nichts! die Mörderin deines Vaters. Sie mit einem Schmerze zu beunruhigen. Laß mich! Unmensch! Meine Seele zittert. KARL. entreißen können. den Sie nicht wußten. mir meine Gemahlin zu rauben. Erklären Sie sich deutlicher. Ich fodere die ganze Welt auf. Besinnen Sie sich doch. Ihre Schwester! Ha! Lucie selbst weiß ihre Laster noch nicht alle. sie soll es nicht sein. Lassen Sie uns diesen elenden Betrug der Vergessenheit und Verachtung aufopfern. das entsetzliche Wort noch einmal auszusprechen. Ich bin unfähig. meine einzige Freude meines Lebens sollen Sie aller Welt und dem Himmel zum Trotz selbst sein.haben. aber auch die heiligste Pflicht Ihres Lebens vergessen? – Ach. wenn es Bosheit ist? Aber wie. dich mit einem andern. erlauben Sie mir. meine Gemahlin. Warum bin ich doch so unvorsichtig gewesen. Wie zärtlich suchete Sie nicht seine schon sterbende Blicke in der Minute. Barbar! martern Sie mich nicht durch Ungewißheit. Southwell. die er verdienet. Was für eine elende Erfindung! Der achte Auftritt Die Vorigen. da er Sie vermißte! Wie eifrig bemühete er sich. wer ich bin! KARL. KARL. diese Angst. Wie? Sir Karl.

wenn Sie ihn noch einige Augenblicke vor der Rache verbergen wollen. Lucie. und sodann schloß es sich auf ewig. es ist der Freund des Sir Willhelms. du begehrest eine strafbare Gefälligkeit von . ROBERT. Unsinniger! Das Maß Ihrer Verbrechen ist bereits voll! Sie haben keine weiter nötig. Er wird gleich hier sein. wer ich bin. Sir Karl. Lucie. Der neunte Auftritt Die Vorigen und Sir Robert. nicht ein Wort mehr! lassen Sie diese schreckliche Begebenheit in der Dunkelheit. ROBERT. Mein Herz soll nicht länger unter dieser Ungewißheit schmachten. ROBERT. Unglückliche Dunkelheit! Was wollen Sie von meinem Vater. KARL.einmal. welches diese Liebe trennen kann. Aber diese stumme Raserei. den die Welt verloren hat. Sie sind des Sir Willhelms leibliche Tochter. Ich tadle die sprachlosen Schrecken nicht. Es sammlete von der stärksten väterlichen Liebe und Empfindung neue Kräfte. Warten Sie nur wenige Minuten. in welcher sie ist. Es warf noch den beredtesten. KARL. die ihm gegenüber hingen. auch wenn Sie mich nicht gefraget hätten. Lucie? Womit kann Sie der Freund des Ihrigen beleidiget haben. sobald er die ersten Tränen über seinen Freund wird abgetrocknet haben. den Sie niemals ohne das abscheulichste Laster als Ihren Gemahl lieben können. wollen Sie die Bosheit gänzlich über Ihren Verstand triumphieren lassen? AMALIE. Wiederholen Sie mir. und er hat mir gesaget. die mich der Einsamkeit und der Pflicht. Lieben Sie denjenigen als Ihren Bruder. daß Sie würdig waren. meine liebe Freundin. meinen Freund zu beweinen. mein Vater. der er gewiß nicht entfliehen soll. Wie rühmlich ist es für Sie und für mich! Er zeigt. die ich erblicke. beide in der äußersten Bestürzung. geliebet zu werden. treten Sie näher. von dem tugendhaftesten Manne. Ich weiß Ihre und Sir Karls Liebe. Nein. Halten Sie ein. und Sie werden sich Ihrer Vorwürfe schämen. Rufen Sie ihn nicht. der dich diese Sprache gelehret hat. Lucie und Amalie. Amalie. Alter Bösewicht! – LUCIE. LUCIE. Es ist dies die einzige Absicht. KARL. Unverschämter! Ich kenne den Eigennutz. Er weiß Ihre Ankunft. Sir Robert. entrissen hat. daß er mit Ihnen sprechen muß. den beweglichsten Blick auf die Gemälde seines Sohnes und seiner Lucie. zwingt mich zu zittern. meine Tochter. ich weiß. wenn ich nur noch einen Augenblick das einzige Mittel verzögerte. was Sie Sir Karln vor kurzer Zeit gesaget haben. Erklären Sie mir doch diesen fürchterlichen Traum. Sie wissen es. So ist er denn tot? und Lucie lebt noch? Doch was ist ihr Leben? Ist es nicht elender als der Tod selbst? Rufen Sie mir Ihren Vater. Ach. Sir. in denen ich Sie erblicke. Ich würde ebenso strafbar als Sie selbst sein. Ich würde es Ihnen gesaget haben. – Himmel! mein Vater! Erinnern Sie sich. Sagen Sie mir in zwei Worten. AMALIE.

welches nicht ein Lob für ihn wäre. Möchte diese unselige Frucht der Unzucht und Schande. Ihr Vater selbst ließ Sie unter dem Scheine eines Kindes. Warten Sie. Selbst lasterhafter als du. daß er zweien der abscheulichsten Ungeheuer das Leben gegeben hat. eine gewisse Jungfer Wills kennen. Sie geht ab. daß die Frau Norris Ihre Auferziehung selbst besorgen konnte. wenn ich dich ebenso wie mich gepeiniget sehe. Urteilen Sie von seinem Schmerze. Meine Seele kann ihn nicht länger ausstehen. daß auch das beste Herz seine Minuten hat. Ich kenne die Hand des – Sie liest. da er seine größte Freude. Ihre Mutter heiratete bald darauf den Herrn Norris. als Vater zu umarmen. Er war ein Beweis. mit der er sich seinen Vergehungen entrissen und den Himmel durch die strengste und erhabenste Tugend versöhnet hat. daß Sie ebenso rühmlich als er über Ihr Herz triumphieren können. sobald sie es genossen hatten. die bald nach Ihrer Geburt starb. Unglückliche Lucie! elender Karl! o daß mein Herz mehr für euch tun könnte als seufzen! Dieser Anblick von Schrecken und Abscheu ist zu stark für mich. und die Ungleichheit des Standes bestritt ihre Liebe. Zeigen Sie mir die Schrift. Doch selbst diese Größe. in welchen es schwach ist. Ich will durch ihren Mord noch ein Verbrechen und durch dies Verbrechen noch eine Qual mehr auf dein unschuldiges Haupt häufen. mich an ihm zu rächen.mir. nicht genüßen konnte. die ebensoviel gelitten hatte. Ich. Bösewicht! Erkenne hier deine Buhlerin. Er nahm Sie wieder von der Frau Norris weg. um ebenso der Mörder eines gottlosen Vaters zu werden. die mich erwarten. erziehen. Eine übertriebene Zärtlichkeit und Schamhaftigkeit hat meinem seligen Freunde das Vergnügen geraubet. waren die Frucht dieser unglücklichen Liebe. Vielleicht würde er sich noch überwunden haben. als daß ich es bei einer jeden andern Gelegenheit als der jetzigen durch ein einziges Wort entehren sollte. Du hast mich so lasterhaft sein lassen. das von seinen Eltern weggesetzet worden wäre. Er lernete einige Zeit nach Ihrer Mutter. eins zu sein. Sie kennen doch die Hand Ihres Vaters. Sie. von Ihnen als Vater umarmet zu werden. doch vielmehr. Mitten unter den entsetzlichsten Foltern. will ich mich freuen. Sir Karl? AMALIE. Lucie. diese unselige Verbindung zu beschleunigen. Ihr Vater konnte seine Lucie nicht länger entbehren. Ahmen Sie beide das Beispiel des würdigsten Vater nach und zeigen Sie. Sie. und es fand sich nach einiger Zeit eine Gelegenheit. Amalie. welches aufhörte. als ich es zu sein verlanget habe. als er selbst litte. Sie erkauften durch Übereilung allzu teuer ein eingebildetes Vergnügen. die ich sonst jeden Augenblick auf ein neues Vergnügen für dich sann. möchte sie geboren werden und leben. deine Schwester und noch mehr. LUCIE. da er sich notwendig Ihrer Vermählung widersetzen mußte. Sir Karl. Sie kennen mich noch nicht in meiner schrecklichsten Gestalt. Ja. in welchem er Sie nebst einem ansehnlichen Vermächtnisse für seine Tochter erkennet. die sich bereits unter meinem Herzen reget. Lesen Sie hier sein eigenes Testament. dieser Eifer der Seelen. wie ich die Mörderin des unsrigen geworden bin! Doch ich will sie in ihrem Blute ersticken. Himmel! du hast meine Flüche gehöret. die Mörderin deines und ihres eigenen Vaters! Von meiner Hand hat er Gift empfangen. wenn ihn der Tod nicht übereilet hätte. Lucie. Sie liebeten sich. Sein Andenken ist mir zu heilig. ist der glänzendste Ruhm für sein Herz. will jede Minute auf eine Qual für dich .

ROBERT. mich noch mehr zu martern. Oh. alter Bösewicht. Fühle meine Martern. oder dein Leben soll dir nicht länger geschenket sein. trat sie in mein Zimmer! Ich wollte sie an meine Brust . und verzweifle wie ich. Lucie? Warum versammeln Sie diese Gespenster des Schreckens und der Verzweiflung um mich herum? Alles ist vor mir Nacht und Entsetzen! Törichtes Herz. Geht ab. AMALIE. Der Himmel verlanget eine geschwinde Buße. Sir. Sammeln Sie alle Ihre Vernunft. Du hast sie verborgen. es Ihnen zu wiederholen? Betty und die unglückliche Lucie. Amalie. Vielleicht hat die göttliche Gerechtigkeit noch kläglichere Szenen des Unglücks zubereitet. Lassen Sie uns weggehen. diesen harten Streich auszustehen. wird nicht der Gott gegen die Tugend sein. Ich will sie wieder als meine Gemahlin umarmen. Willst du mir nicht sagen. der kurzsichtige Mensch deine Gerechtigkeit tadeln? Wie gerecht. beide liegen in ihrem Blute. Wohin? wollen Sie noch dem Untergange entgegeneilen? Gott! welche finstere Tage des Elends hast du mich noch erleben lassen. aus dem du ehemals nichts als Zärtlichkeit gehöret hast. Er geht wütend ab. wie wird Ihre Amalie diesen fürchterlichen Anblick eine einzige Minute vergessen können? ROBERT. Flüche über dich sollen aus dem Munde hervorströmen. Gib sie mir wieder. Ach mein Vater! welches entsetzliche. ROBERT. Gott! wie gerecht und streng sind deine Gerichte über die Strafbaren! Armer unglücklicher Freund! Erwachen Sie aus Ihrer Betäubung. die schrecklichsten. KARL.denken. welches die Rache dieser Gerechtigkeit aufhalten kann. ich bitte Sie um Ihrer ewigen Glückseligkeit willen. Gott! darf der Mensch. und dann soll keine Marter so schmerzlich sein. welches blutige Trauerspiel! Werde ich wohl die Gewalt haben. In was für einem bejammernswürdigen Zustand erblicke ich Sie. Mit einem Gesichte. Der zehnte Auftritt Sir Robert. Ich will sie wegen deiner närrischen Träume beruhigen. Amalie. ROBERT. die ich dich nicht empfinden lassen will. Ja. wenn Sie ihn versöhnen wollen. war er nicht ein Barbar? Nein. Sie müssen mich – Ha! wo ist Lucie? Verräter! du hast mir sie geraubet. wo sie ist? Trotz aller deiner List. Tränen und Reue sind das einzige Mittel. Was Buße? ist der Himmel oder ich ungerecht? Doch welcher Donner. ich will eine Gemahlin in Ihnen besitzen. was bebest du? Nichts. trage diese Flüche deiner Schwester und deiner Frau. Lucie! Ich will keine Schwester. der es in einem so hohen Grade gegen das Laster ist? AMALIE. KARL. welcher schreckliche Donner schallt noch vor meinen Ohren? Lucie meine Schwester und schwanger von mir? Lucie die Mörderin meines und ihres Vaters? Elendes Gewebe von Unsinn und Bosheit! Warum quälen Sie mich. auf welchem alle ihre Wut und Verzweiflung abgeschildert war. Selbst als die Mörderin meines Vaters will ich Sie lieben. will ich sie finden. Unmensch. welche die Rache hat. Ich ängstige mich für Lucien.

Lucie. des Sir Karls. Er fand den toten Körper der Lucie. Ja. die Hölle selbst mit allen ihren Martern brennet in dem Innersten meiner Seelen. Wer mehr als sie hat ein Recht.drücken und trösten. der schrecklichste. Wir haben alles vor ihm verborgen. welche Drohungen blitzen in ihrem Auge! Verbirg mich. Er ist in einem Zustande. Ach Sir. um mit jeder Minute meine Martern und meine Verzweigung zu häufen. welcher der Raserei sehr nahe ist. Er kniet vor Amalien nieder. Doch verdiene ich nicht alle diese Qual? Bin ich nicht ein Bösewicht. mich zu quälen? Und wie schrecklich quälen sie mich? Ein unauslöschliches Feuer. ermordet. Ich habe diesen Vater. erbarmen Sie sich meines armen Herrns. Rächen Sie sich. verbirg mich! Sei gütiger als die Menschen. KARL. fassen Sie sich. Sie eilte in ihr eigenes Zimmer. denken Sie nicht mehr an Lucien. Rächen Sie sich an Ihrem Verführer. ihres eigenen Vaters und des Himmels selbst. an einem Meineidigen. Was für Flüche strömten aus seinem Munde hervor! Ich und die andern Bedienten haben ihn mit Gewalt von demselben weggezogen. die mein Mund auszusprechen unvermögend ist. Sir Robert. Sie starb unter den bittersten Verwünschungen der Betty. die mich verfolgen. Ach. – Elende Schwester. die sie als die Urheberin ihres Unglücks anklagete. Mehr als einmal hat er sich schon aus unsern Händen losgerissen. wodurch er seinem Leben schädlich sein könnte. durchstoß das Herz deines abscheulichen Gemahls! AMALIE. Lucie bemächtigte sich heimlich eines Messers! Sie stieß es in das Herz dieser elenden Kreatur und ebenso geschwind in das ihrige. der jemals die Erde entheiliget. Die unglückliche Betty war in demselben. Warum bricht diese Erde nicht unter meinen Füßen? Himmel! wo sind deine Blitze? Doch laß mich leben. Erde. diese unausstehliche Qual länger fühlen muß? Nur Gott. Kommen Sie – Gott! Hier ist er selbst! Wer kann ihn sehen. Bist du es nicht. durchstoß. Sie stieß mich mit Grimm von sich. Sie wiederholte mir kurz ihre Verbrechen. JAKOB. der mich so zärtlich liebete. KARL. Ha! Sind noch neue Martern für mich übrig? Ist dies nicht der Geist meines Vaters? der Geist Luciens? Welche Rache. ohne zu zittern? Der letzte Auftritt Die Vorigen und Sir Karl. und ich folgete ihr selbst mit Zittern und Furcht vor ihr Leben. diese Lucie. meinen Vater und Lucien allein habe ich beleidiget. ich will nicht mehr an dich denken. Was für fürchterliche Folgen hat die unerlaubte Liebe des Sir Willhelms und seines Sohnes gehabt! Der eilfte Auftritt Die Vorigen und Jakob. Er stürzte sich auf denselben. an Ihrem Mörder selbst. die mir alles aufopferte. Wütriche! Was habe ich euch getan. daß ich noch dies Leben. Ungeheuer. die . Verbrechen.

sind wir geboren worden. der sich nicht scheut. Sei elend. laß uns mit einer stillen Ehrfurcht vor dieser Gerechtigkeit zittern. Deine Verbrechen zu strafen. göttliche Lucie.mich in den Abgrund hinabstürzet. lasterhaft zu sein. Du. der sich zu meinen Füßen öffnet? Bist du es nicht. Höre die Flüche deines Sohnes und deiner Tochter. die auch die geringsten Verbrechen nicht ungerochen läßt. und trage mit denen Bedienten Sorgfalt für seine Sicherheit. das Leben an dir zu rächen. Jakob. sei ewig elend wie sie. AMALIE. Ich und du können beide unschuldig und unverdienet elend unsere Häupter emporheben. das allergeringste auszuüben. den zärtlichsten Vater geraubet hat? Was für Foltern sind mir die niederträchtigen Gefälligkeiten geworden. Quäle sie. Blutdürstige. Karl ist unschuldig. Laß uns aus Karls und Luciens unglücklichem Beispiele lernen. Sie nur ist strafbar. den wir anklagen müssen. verzeihe einem Unsinnigen. – Welche Verwirrung. Himmel! erröte. Gott! höre seine neuen Beleidigungen nicht. quäle sie. die mir den besten. Geh. Er leidet. Hölle. ROBERT. das du ihnen gegeben hast. ohne es zu verdienen. . die du mir erwiesen hast! Eine jede derselben sei nunmehr soviel Pein für dich. Komm. Barbarischer Vater! du allein bist es. Er geht ab. daß du ihn gezwungen hast. meine Amalie. welche Finsternis umnebelt meine Vernunft! Verzeihe. seine Vernunft ist nicht in seiner Gewalt. als sie ehemals Glückseligkeit für mich war. daß demjenigen das größte Laster nicht weiter zu abscheulich ist.