RUMEN IVANOV L I X A L E G I O N IS V M A C E D O N I C A E

AUS

OESCUS

aus: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 80 (1990) 131–136

© Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn

.

Bulgarien). Bulgarien).1 die im Jahre 106 vom Kaiser Traian in der Provinz Untermösien gegründet wurde. 2K. 37. Der Fortunatempel in der Colonia Ulpia Oescensium in Moesia Inferior (h. Ivanov. Stuttgart 1986. Strobel. 1T. . . 90-91. II. Ivanov. die in der Nähe des ständigen Lagers (castra) der Legio V Macedonica lag2 (s. R. I-IV siècle. Die Stadt Oescus ist beim Dorf Gigen im Bezirk Lowetsch in Nordbulgarien lokalisiert worden. 80th Anniversary of the First Archaeological Excavations at Ulpia Oescus. Bulgarian Historical Review 4. 1984.IAI. 1987. Untersuchungen zur Topographie und zur Stadtlage von Oescus in Untermösien (Bulgarien). Sofia. Sie ist aus einer Zivilsiedlung (vicus) entstanden.131 LIXA LEGIONIS V MACEDONICAE AUS OESCUS Colonia Ulpia Oescensium. liegt etwa 5 km südlich der Mündung des Flusses Oescus (heute Iskâr) in die Donau und 300-400 m östlich der neueren Korrektion (1930). Internationaler Limeskongreß (Aalen 1983). Studien zu den Militärgrenzen Roms. Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Köln 1977.R.Recherches sur la culture en Mésie inferior et en Thrace (Bulgarie). 498-503.13. Architekturschmuck des Forumkomplexes der Colonia Ulpia Oescensium in Untermösien (V.R. 339-350. Der genaue Ort des Lagers ist bis zum heutigen Tag nicht genau festgestellt worden. 109-112. Anhang). .. Bonn 1984. V. 7-60.

Ivanov Im Frühjahr des Jahres 1986 wurde in der östlichen Nekropole der römischen Stadt (in der Gegend "Prez livada") 1. in der zweiten . Die Nekropole liegt etwa 1. Die innere Fläche des Bogens ist mit einem reliefartigen Ornament aus Ästen und Früchten gefüllt. Das Ornament ist vom Steinmetz sehr stilisiert dargestellt worden (Taf.10-0. das es sich nicht um Militärpersonen handelt. um die Abkürzung einzugraben.1983.0. daß die Ziffer in der jetzt fehlenden 6. Hier ist eine Vielzahl von Gräbern aus der römischen Zeit gefunden worden (I-IV Jh. In der vierten Zeile ist das Wort Macedonica ausgelassen. Die fünfte Zeile endet mit der Ziffer L. IIIa). Der untere Teil der Platte ist beschriftet. Zeile).). Faus tus. die lixa ist. auch CIL III 11259.50 m unter der jetzigen Oberfläche des Geländes eine Grabplatte aus Kalk mit einer lateinischen Inschrift gefunden (z.25 m.46 m in der Breite und 0. die den Namen der Person trug. obwohl der Steinmetz Platz genug hatte.Mitteilungen der Museen in Nordwestbulgarien (Sofia) 9. Es ist anzunehmen. .63-81 (Bulg. Dies geschah. 5 vix(it) an(n)os L //////////////////////// //////////////////////// In der dritten Zeile ist der Buchstabe A im Wort lixa nach der Entdeckung des Grabsteins beschädigt worden.Kovatscheva.0.je 0. Von der lateinischen Inschrift sind die ersten fünf Zeilen erhalten. 4 Siehe CIL XIII 8732. es ist durchaus möglich.09 m (Taf. das Inschriftenfeld hat die Maße 0. Bei den zwei Militärs werden die Dienstjahre angegeben sowie die Lebensdauer.132 R.0. nur die Lebensdauer erwähnt ist. Die Höhe der Buchstaben beträgt: in der ersten Zeile -0. während bei der dritten Person.0. L(ucii) l(ibertus).3 Die Frontseite der Grabplatte hat die Form eines Rechtecks: die Höhe beträgt z.Z. im Museum Oescus bei den Ausgrabungen befindlich). Über die Frage der Nekropolen von Colonia Oescus. die lixiae gewesen waren. in der dritten .12 m.5 km östlich von der östlichen Erweiterung der Stadt (Oescus II) entfernt.4 3T. Vgl.105 m.60 m in der Höhe.11 m. 1.64 m. die (als Erbe?) das Grabmal aufstellen ließ. Zeile noch weiterging. daß wenigstens noch zwei Zeilen fehlen (6.Z. Die Inschrift lautet: L(ucius) Freius . und 7. die Dicke . IIIb). in der vierten und fünften . lixa leg(ionis) V (Macedonicae). wurde nur das Alter des Verstorbenen angegeben und es fehlen Angaben der Dienstjahre (stipendia). Die Grabplatte besteht aus zwei Teilen: 1. Bei Personen.). die Breite .11 m. das sich von selbst versteht. Der obere halbkreisförmige Teil hat einen bogenartigen Rahmen. . In dieser Inschrift werden drei Personen erwähnt.

Der Name Freius (oder Freia) ist nur an einigen Orten anzutreffen und zwar vor allem in Rom und Italien. apud Ferrentios). ist Freius ein seltener altertümlicher Name.6 A. Cagnat. Petrikovits. Paris 1904. 473 18Über "libertini" in Mösien.16 Freia(. siehe: B. Roma 1982. . The 6CIL VI 5903 7CIL I 1612 = CIL X 1153 8CIL X 4947 9CIL X 4146 10CIL IX 5932 11CIL IX 5692 12CIL XI 6825 13CIL IX 607890 14CIL XIII 3614 15CIL XIII 8396 16CIL XIII 8536 17AE 1977 n.18 läßt sich nicht sagen.7 Sex.DA. 2. Die Canabae legionis. Marketender.12 ein Tegulastempel .a. München 3. wandernder Schauspieler u. R. R.20 In den Legionen waren sie dem Lagerkommandanten unterstellt (dem praefectus castrorum). Lixa. . 29. (Bulg. Freius. Die Schriftquellen aus der Antike geben verschiedene Deutungen dem Terminus lixa.10 Freia (Cingulum). Neumann. 56 u.Der Kleine Pauly.I. in der man diesem Namen begegnet.8 Freia (Capua). Der Einfluß von Rom auf den Raum zwischen der Donau und dem Balkan-Gebirge. 1426 sq. 1926.. Mainz 1979. Freius Anteros (Roma). vor allem die Herkunft von Lucius Freius Faustus.134.11 Freia Euphemis (Bononia). 5Zum Cognomen Faustus siehe I. 1279.150 Jahre Deutsches Archäologisches Institut (1829-1979). 1027 sqq.v.v. 929-930.41. H. . 1964. De Ruggiero. . Petrikovits. Sofia 1949. Bäcker. Fakultät für Geschichte und Philosophie 45. .17 Näheres über die Person. P. Lixa. .Papers presented to the 12th International Congress of Roman Frontier Studies 1979 (BAR. Lixae begleiteten das römische Heer19 und wohnten außerhalb des Militärlagers in den sogenannten canabae. Lixa. Teil I: Von Augustus bis Hadrianus. Gerov. Funktionen des lixa. FREI. G. . Während Faustus5 oft in der lateinischen Epigraphik begegnet. Freius Sabinus (Venafrum). Koch.9 L. Freius (Abellinum).Jahrbuch der Sofioter Universität. Kajanto.B. 20H. Ableitungen von Freius sind bei einigen Inschriften außerhalb Italiens anzutreffen: Freiania (Colonia Agrippinensium). Latin Cognomina.: Q. z. Grosse. Dizionario Epigraphico 4.RE XIII. Prosopographie Der Verstorbene trägt die tria nomina .E. III.15 Freiannius (Mönchengladbach). Lixa.(al Massacio. International Series 71 III) 1980.. 699.Lixa Legionis V Macedonicae aus Oescus 133 1. der als Freigelassener (libertus) gestorben ist. 1979. 19R. A. die auf folgende Art und Weise zusammengefaßt werden können: Kleinhändler.). 1948/49. Freius und L..30. ff. Barbieri.13 Aus dem Gebiet der Tungrer (Ager Tungrorum) ist der Name Freio14 überliefert. Freius Saturninus (Ancona).Lucius Freius Faustus.272.) (Coscojuela de Fantoba in Spanien).72. . Handwerker. Lixae. Die hier angeführte Inschrift ist die erste in Bulgarien. 163sqq.

. Amsterdam 1984. wie lange der Verstorbene gelebt hat.. Ivanov Eine der ältesten Informationen über "Händler". Speidel. U. bezieht sich auf das Jahr 134 v. Im Jahre 1980 veröffentlichte M. datiert. Op. d.. In diesem Zusammenhang spreche ich Herrn Professor Michael Speidel meinen Dank für seine Hilfe aus. M. Op. In der Inschrift ist lediglich verzeichnet.O. Aus Carnuntum (Pannonia Superior) (h. 147. Die Forscher. Die Innenbauten römischer Legionslager während der Prinzipatszeit. Iug. nota 14. Speidel. coh(orte)/ III Thracum Syriac(a)./ vixit annos XL. d. quos galiarios vocant). . Grosse. Aus Colonia Ulpia Noviomagus (Germania Inferior) (h.23 Vegetius24 verwechselt die Begriffe lixae und galearii (lixas.cit. 24Vegetius. die dort lagerte und in der sein Vater Flavos diente. wie Sallust vermerkt. . M. Lixa of the Third Thracian Cohort in Syria. 204). Op. daß es sich eher um den Beruf lixa handelt. Lixae. die sich bis jetzt mit dem Problem beschäftigt haben..Chr.. Caius Aemilius war lixa in den canabae der damals in Carnuntum lagernden legio XV Apollinaris. Speidel. 2.. calones galearii und lixae. 28M... C(aius) Aemilius C(ai) f(ilius) Fab(ia) Pata(vio) Lixa an(norum) XXV h(ic) s(itus) e(st). Sallust. nota 8 (= M. hatte der Verstorbene kein Cognomen und die Inschrift kann auf die erste Hälfte des 1. Ähnliche Sorgen hatte auch Quintus Caecilius Metellus während des Krieges mit Jugurtha. E. 3.ZPE 42. 27CIL III 11259.Speidel. fassen das Wort Lixa als Cognomen auf. bezogen werden (vor dem Regierungsantritt des Kaisers Claudius). vixit 21Petrikovits a. 22 Petrikovits a. 25H. Jh. Speidel. richtigere Interpretation vor: "M(arcus) Titius lixa coh(ortis)/ III Thracum Syriac(ae). Jh.. 146-148.. er verstand Lixa als Cognomen. 1980. Bad Deutsch-Altenburg in Österreich)27: ". 1981 korrigierte aber Speidel29 seine frühere Auffassung und schlug eine neue. da sie einen demoralisierenden Einfluß auf die Legionen ausgeübt und die Offiziere mit ihrer Zudringlichkeit gereizt hätten. Das Fehlen der Dienstjahre zeigt seine Zugehörigkeit zur Zivilbevölkerung.E." Die Inschrift wird im allgemeinen ins 1.. 58.134 R. nr. Wir sind hingegen der Meinung. 1. nota 8. lixa ann(orum) XVIII. Opladen 1975. XLV 1f. ZPE 38.. 29M. als der Feldherr Publius Cornelius Scipio Africanus Numantinus21 deren Vertreibung aus dem Lager seines Heeres verfügte. Epit. Nijmegen in Holland)26: ".1981. Zivilinschriften aus Carnuntum. A New Inscription. 26CIL XIII 8732." Dieser war der legio X Gemina zugeordnet... die in Syrien gefunden wurde. daß die Händler (mercatores) außerhalb des Militärlagers und in der Nähe der "porta decumana" lebten..272 (= Roman Army Studies 206). Speidel schlug zunächst folgende Lesung vor: M(arcus) Titius Lixa. Wien 1980. 11. Roman Army Studies I. die dem Heer folgten. Aurelius Flavi f(ilius) Flavinus. Vorbeck.O. 23R. M..cit. Speidel28 eine neue lateinische Grabinschrift.22 Caesar erwähnt in seinem Traktat über den "Gallischen Krieg" (Bellum Gallicum). 1033.h.10. Addendum: Marcus Titius.. ders.cit. 147.25 In der Epigraphik des Römischen Reiches begegnet man nur wenigen Inschriften mit der Bezeichnung des Berufes lixa: 1..v. Petrikovits.h..

1-2. Denn da die Grabplatte von Oescus nach der Form zu den Fundstücken der Gruppe A. vermutlich aus dem Ende dieses Jahrhunderts.Dacia. Dimitrov. XXIX. 30M. nämlich in Armenien.. 1985. In unserer Inschrift fehlt diese Formel." Das Hauptargument des Autors für lixa als Beruf ist das Fehlen der Dienstjahre. Judäa. andererseits die legio V Macedonica seit 103 nicht mehr in Oescus garnisonierte. Zweifellos stammt die uns interessierende Inschrift aus dem 1. 33Die Publikation dieser Inschrift wurde in der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik in München. Die Grabstelen römischer Zeit in Nordbulgarien. Sofia 1942. auf Grabmälern der Provinz Untermösien anzutreffen ist.. die vom Anfang bis zur Mitte des II. n.33 Alexandrescu-Vianu.. Datierung der Inschrift von Oescus Die Angaben auf dem Grabmal sowie einige geschichtliche Fakten ermöglichen eine verhältnismäßig präzise Datierung. t.32 Zwischen 103 und 105 wurde die Legion nach Troesmis in der Norddobrudscha und von dort aus nach Potaissa in Dacia versetzt. 4. Jh. Wie vorhin erwähnt.S. M. N. .31 Die fünfte Makedonische Legion hatte als ständiges Lager Oescus beim heutigen Dorf Gigen und dies während des ganzen 1. um das Jahr 271 kehrte sie wieder nach Oescus zurück.).. 72ff.). Gruppe III nach der typologischen Tabelle von Alexandrescu-Vianu. muß sie gegen Ende des Jahrhunderts entstanden sein. Herrn Prof. Michael Wörrle und Herrn Prof Dieter Hennig bin ich für die mir erwiesene Aufmerksamkeit besonders dankbar. Herrn Prof. Jh.Chr. 13ff. (Bulg. Sie hat vier solcher Platten ausfindig gemacht. Bei diesen Platten stehen am Anfang die Worte: D(is) M(anibus). und die dort angegebenen Inschriften. 59-60. Ivanov. diese Legio lagerte dort etwa vom Jahr 10 bis zum 1. 31D.P. Dakerkrieg Traians. Edmund Buchner. ist der obere Teil unseres Grabmals halbkreisförmig und hat zwei Akroterien an den Enden. der Verzierungen und der epigraphischen Merkmale der Grabplatten gelang ihr eine Klassifizierung nach Gruppen und Klassen. Jh. datiert werden. 1986.Lixa Legionis V Macedonicae aus Oescus 135 annos XL/.. 32R.Sammelband für Militärgeschichte (Sofia) 6. die am frühesten gegen das Ende des 1. Diese Form gehört zur Klasse "A". III. und am Anfang des 2. Militärpersonen der V Makedonischen Legion auf dem Gebiet des heutigen Nordbulgarien (IIII Jh. wobei sie sich lediglich von 62 bis 71 anderwo befand. Auf Grund der Form. . Klasse III der Klassifikation von M. Jh. Alexandrescu-Vianu gehört. Die neuentdeckte Inschrift von Oescus. Les stèles funéraires de la Mésie inférieure. Alexandrien (in Ägypten) (s.Vianu30 hat die Grabstelen aus der Provinz Untermösien untersucht. Alexandrescu . Anlage I). in den Monaten Mai und Juni 1987 vorbereitet. .

136 R. Ivanov Anhang Dislokation der legio V Macedonica Jahr um das Jahr 10 62-71 Garnison Oescus Armenia Iudaea Alexandria Oescus Troesmis Potaissa Oescus Memphis (nach 295/296.vexillatio) 71-101/102 101/102-168 168-271 nach 271 Sofia Rumen Ivanov .

TAFEL III a) b) Grabplatte aus Oescus a) Der obere Teil der Grabplatte. b) Die lateinische Inschrift .