The Fear Economy - Die Angst-Wirtschaft

Paul Krugman, NYT , 26.Dezember 2013
( Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Tober ) Mehr als eine Million arbeitsloser Amerikaner werden bald ein sehr grausames “Geschenk zu !eihnachten bekommen" #hre Arbeitslosenunterstützung wird gestrichen werden" Sehen Sie$ die %e&ublikaner im 'ongress behau&ten$ dass$ wenn man nach Monaten der Arbeitssuche noch immer keinen (ob ge)unden hat$ man sich ein)ach nicht genug bemüht hat" Also braucht man einen zus*tzlichen Anreiz in +orm reiner ,erzwei-ung" Als +olge davon wird die Situation der Arbeitslosen$ die schon .etzt schlimm genug ist$ noch schlimmer" /atürlich geht es denen$ die (obs haben$ viel besser" Aber die )ortw*hrende Schw*che des Arbeitsmarktes wirkt sich auch au) sie aus" %eden wir also kurz über die Situation derer$ die .etzt Arbeit haben" Gewisse 0eute wollen #hnen weismachen$ 1esch*)tigungsverh*ltnisse seien dasselbe wie .ede andere Markttransaktion2 Arbeitnehmer haben etwas zu verkau)en$ Arbeitgeber wollen das kau)en$ und sie kommen zu einer Abmachung" Aber .eder$ der .e in der realen !elt einen (ob gehabt 3 oder auch nur einen 4ilbert35artoon gesehen 3 hat$ wei6$ dass dem nicht so ist" Tatsache ist$ dass .ede 1esch*)tigung normalerweise mit einem Machtverh*ltnis einhergeht7 Man hat einen 5he)$ der sagt$ was man tun soll$ und wenn man das nicht will$ wird man wom8glich ge)euert" 4as muss nicht unbedingt schlecht sein" !enn Arbeitgeber ihre 1elegscha)t sch*tzen$ werden sie keine unangemessenen An)orderungen stellen" Aber ein blo6er Gesch*)tsvorgang ist das nicht" Es gibt einen 5ountr93'lassiker mit dem Titel “ Take This (ob and Shove #t (Sie k8nnen sich diesen (ob an den :ut stecken") Einen Song “Stecken Sie sich dieses ,erbrauchsgut doch an den :ut gibt es nicht und wird es auch nie geben" Erwerbst*tigkeit ist also ein Machtverh*ltnis$ und die gro6e Arbeitslosigkeit hat die in diesem ,erh*ltnis ohnehin schon schwache Stellung der 1esch*)tigten noch weiter und stark geschw*cht" Man kann diese Schw*che ;uantitativ bestimmen$ wenn man sich die 'ündigungs;uote ansieht 3 den &rozentualen Anteil der 1esch*)tigten$ die monatlich )reiwillig ihren (ob au)geben (im <nterschied zu denen$ die )ristlos entlassen werden)" /atürlich gibt es viele Gründe da)ür$ dass ein Arbeitnehmer den (ob au)geben will" 4ie Au)gabe eines (obs ist allerdings risikobeha)tet2 !enn man noch keinen neuen (ob hat$ wei6 man nicht$ wie lange es dauert$ bis man einen =ndet$ oder wie gut der neue dann im ,ergleich zum alten (ob ist" <nd das %isiko der (obau)gabe ist bedeutend gr86er$ wenn die Arbeitslosigkeit gro6 ist und es sehr viel mehr Arbeitssuchende als o))ene Stellen gibt" 4eshalb sollte man ein Ansteigen der 'ündigungs;uote bei guter !irtscha)tslage erwarten und ein Sinken und bei schlechter 3 und so ist es auch" 'ündigungen sind w*hrend der %ezession von >??@3?A stark gesunken und danach nur schwach wieder angestiegen$ ein Abbild der Schw*che und <nzul*nglichkeit unserer wirtscha)tlichen Erholung" Man mache sich nun einmal klar$ was das )ür den ,erhandlungss&ielraum der Arbeitnehmer bedeutet" !enn die !irtscha)t stark ist$ haben Arbeitnehmer mehr Macht" Sie k8nnen weggehen$ wenn sie mit der Art und !eise ihrer 1ehandlung nicht zu)rieden sind$ und wenn sie entlassen werden$ wissen sie$ dass sie schnell einen neuen (ob =nden k8nnen" Aber wenn die !irtscha)t schwach ist$ haben Arbeitnehmer eine schlechte :and$ und Arbeitgeber sind in der 0age$ sie mehr arbeiten zu lassen$ schlechter zu bezahlen$ oder auch beides" Gibt es Anhalts&unkte da)ür$ dass gerade das .etzt geschiehtB <nd obC 4er wirtscha)tliche Au)schwung ist bisher$ wie schon gesagt$ schwach und unzureichend$ aber die gesamte 0ast dieser !irtscha)tsschw*che tragen die Arbeitnehmer" <nternehmensgewinne sanken in der

+inanzkrise$ aber sie erholten sich schnell und stiegen dann weiter an" Tats*chlich sind die Gewinne nach Abzug der Steuern zur Deit über E? Frozent h8her als im (ahr >??@ bei 1eginn der %ezession" Es ist schwer zu sagen$ in wieweit dieser Gewinnanstieg au) den Angst)aktor zurückge)ührt werden kann 3 au) die M8glichkeit$ Arbeitnehmer$ die nicht weggehen k8nnen$ unter 4ruck zu setzen" Aber zum Teil ist das wohl so" Tats*chlich ist es gut m8glich (wenngleich keineswegs sicher)$ dass den #nteressen der <nternehmen bei einer etwas geschw*chten !irtscha)t besser gedient ist$ als das bei ,ollbesch*)tigung der +all w*re" 4arüber hinaus erscheint der Gedanke nicht allzu abwegig$ diese Gegebenheiten k8nnten zu einer Erkl*rung da)ür beitragen$ warum unser &olitischer A&&arat den Arbeitslosen den %ücken kehrt" /ein$ ich glaube nicht$ dass es ein geheimes 'om&lott von +irmenche)s gibt mit dem Diel$ die !irtscha)t schwach zu halten" #ch denke aber$ einer der :au&tgründe da)ür$ dass die Senkung der Arbeitslosigkeit in der Folitik keine Friorit*t hat$ ist der$ dass die !irtscha)t .etzt zwar schlecht )ür die Arbeitnehmer ist$ dass es den amerikanischen <nternehmen .edoch richtig gut geht" ,ersteht man das erst mal$ dann sieht man auch$ warum es so wichtig ist$ diese Friorit*ten zu *ndern" <nter Frogressiven hat es in der letzten Deit eine etwas merkwürdige 4ebatte gegeben$ in der einige die Meinung vertraten$ 1ürgersn*he und eine ,erurteilung der <ngleichheit stellten doch nur eine Ablenkung dar$ und ,ollbesch*)tigung müsse stattdessen die h8chste Friorit*t haben" Aber wie von ein &aar )ührenden &rogressiven Gkonomen au)gezeigt$ ist ,ollbesch*)tigung selbst ein bürgernahes Thema7 Ein schwacher Arbeitsmarkt ist die :au&tursache da)ür$ dass Arbeitnehmer an 1oden verlieren$ und die überm*6ige St*rke der #ndustrie und der %eichen ist die :au&tursache da)ür$ dass wir uns nicht um Arbeits&l*tze kümmern" Du viele Amerikaner leben derzeit in einem 'lima wirtscha)tlicher Angst" Man kann viele Schritte unternehmen$ diesen Dustand zu *ndern$ der wichtigste aber ist der$ (obs wieder au) die Tagesordnung zu setzen"