Zn den griechischen Lyrikern.

Fortsetzung von Band XXIX S. 149 ff.
I. Neue Fragmente des Pin,dar.
In einem der letzten Hefte der Oomptes rendus de l'Academie
des Inscriptions et helles lettres (Paris 1877) befindet !lich ein
Aufsatz von Prof. E. Egger über einige neuerdings entdeckte Pa-
pyrusfragmente eines griechischen Lyrikers, wahrscheinlich ,des Pin-
dar, deren Studium Hr. Prof. E. dem Unterzeichneten, lLls sich der-
selbe im März d. J. in Paris befa.nd, mit liebenswürdigster Bereit-
willigkeit gestattete, Die Fragmente sind in Aegypten gefnnden
und von Hrn, Mariette-Bey nach Paris gesandt worden. Es sind
20 mehr oder weniger kleine Stücke, ohne Frage, zusammengehörig;
zwischen zweien hat man einen engeren Zusammenhang alsbald er-
kannt, so dass sich der Bestand a.uf 19 reduzirt. Die Sohrift ist
ziemlich gross, ohne Ligaturen; die senkrechten Striche wie des
M haben häufig am unteren Ende, einen kIemen wagerechten Strich,
ebenso die wagerechten wie des :: an heiden Enden einen ent-
sprechenden senkrechten. Buchstaben wie n r:: smd oft sehr
in die Breite gezogen, das A hat gewöhnlich die urllprüngliche
Form, mit geradem Querstrich in ,der Mitte. Aber die SCQlift ist
zum Thei! ausserordentlich verwischt, oder auf überdunklem Grunde
kaum erkennbar. Was ich entziffel't habe, lasse ioh zunäohst hier
folgen.
Frg. I. Unteres Ende einer Columne, Reste von 17 Zeilen.
Von Z. 6-11 ist der Anfang vorhanden, was sioh indess erst aus
aem Sinne erweist. Von Z. 1 und 2 ist nur ein geringer   ~ t da,
und auch von diesem nichts zu lesen. Ich bezeichne unsichere
Buchstaben mit einem Punkte darunter; das Ende der ZeHe, wäh-
rend noch freier Raum da, mit 11; also 11 ans ch EI i nEIn d Ende
der Zeile.
Zu den griechischen Lyrikern.
Z.3 .' .. U
N€ . T€n€AIPW odor M€· T€nEA. r W
5 OC€. KA .': '0€MIC . .:.-
A . OAAWi\U' M€N . e -
€ € : . T€I 11
€ 11 •
€   . rAYT -
10 € € iw
€ 11
. €YPVXMA' XAN
. ttiAC€TIKT€N 11
€<t>ON . (sie) TOÖ€nAP0€
15 . CArAAONM€AOC . (sio) '1.1'
0€NH . IAC . onoc . €YHP -
.. NTlrAPANA 11
Bemerkungen. Z. 5 las ich einmal: € . €0€MIC. Vor
.. .
o sind sohwaohl3 Reste mitten und oben in der Z., die nunT anf
€, abf,r auoh anf A deuten kanu; nach MIC nnten Rest eines
Bogens, was auf C, C, 0, q" 0 oder W (allenfalls auch K) weist.
Z. 6. Vom 0 Reste eines senkrechten und eines Querstrichs;
man denltt also eher noch an H als an 0, und € ist so gut mög-
lich als letzteres.
Z. 7. Der Ergänzung des el'sten I zu P steht nichts im
Wege. Naohher K oder N, € oder O.
Z. {l.Der Sohluss sehr unleserlich. Aus I' I Hesse sich ein
o machen (orttTo,), doch das folgende , sohwer nnterbringen. Zn-
erst las ioh . CAYT, aber das C filllt nicht; dann glaullt(l
ich ein M zu erkenne;l.·
Z. 12. M schien sich mir einmal in PO anfzulösen, N in
PI. ZU Anfang der Z. YC. (sie)?
Z. 13. Von CC nur die uutere!l Bogen. Vorher etwas wie
(\ (X?), oder wie ich einmal las 8. .
Z. 14. Von dem ersten € nur der untere Bogen da; 0 ist
dafür nicht wahrscheinlich, C möglich. Von dem letzten € nur
ll-el'lte zweier Querstriche oben uml in der 1

{itte der Z.; einmal
las ich dafm und davor €.
452 Zn den griechischen Lyrikern.
Frg. 11. Reste zweier Oolnmnen. Unten bei heiden Rand; ob oben
beJ deI' ersteren Colnmne, ist zweifelhaft; die Reste der zweiten 001.
beginnen erst bei V. 8 der ersten. DUTe}1 die Punkte bei Col. I
suche ich anzudeuten, in welcher Weise die Buchstaban unterein-
ander stehen; der Papyrus ist bald unmittelbar vor dem Lesbaren
abgebroel1en (wie Z. 1. 8. 9. 11), bald so dass noch unleserliohe
Reste dazwischenst,ehen (wie Z. 3).
a. b.
OVII
10 TV
20 0
(Ende d. Columne)
K(>a•
Ei
71(1(-'OS od.Hau
15 Oliv•
v
1l0IJa
{} (od. 0)
5
• .. .. sv'lI
.... · .. 11
• •••••••     (sio) 11
·...... ·1'1'
5 '" "li
, .• vslwpoll
·.. :11'
11
;00'11
10 :·,',.tU' x(>ltrStl' 11
• (>ltt1it 11
, • • otbtSt (sie) 11
.. ' .• ;':'11
...... vooll
15 ... , 11 (E. d. Z, vielleioht schon unter v)
... V.11 \I
• , EXOUj,(!SvtV •• , (0 od. E)
, ),(-'O'Gliwll (von ), nur Rest d. recht. Strioh,)
, :'upt},.7JO. (sie) 11
20 . :'
t1T
l1
tU
11
• • 1tt1TItVJl11X
O
• 11
··11 .
• -rEffJ
s
O"lI
11
25 OJlIl
• /-tat' 11
· Oat' /-t0v 11
Bei der gänzlichen Zerstörung der Zeilen zwischen b, 4, und
8 ist es mir nicht sicher, ob drei oder nur zwei Zeilen hier stan-
dell. Die Z, b, 17 (v) steht um etwas tiefer als VSflcU; (a, 24).
Frg. III untl iv, sogleich als zusammengehörig erkannt uM
entsprechend aufgeklebt. Anfang einer Oolumne, äussel'st unleser-
lich. Die Senkrechte in den Zeilen bezeichnet den Beginn von IV.
Zu den griechischen Lyrikern.
Z. 1 xa' fu; I . aÄoO':hiv -
roll • (sie) v I ILV'-
.op,. I X .
'zoHIt •O'u
5 yav(ll7
cn'
453
IW
Ei
ft(l,O' • EiL •• (I,:t
10 IUla' (J • {JeL
(J'lJ
aMO
Frg. V. Anfang einer' Oolumne: Z. 1 OeJli., 2 liVfI'(!CJ., 3 XUfL,
4: (}i!}'T:U, 5 XO(lli, 6 • CJ.VCJ., 7 'Um:, 8 .1I(1,C. -     VI (Anfang
001. ?): Z. 1 'l:O, 2 . x, 3 (JT:, 4:. O(J, 5 li:t. VII Z. 1 yliv,
2 anx, 3 rf1a: - Frg. VIII. Anfang 001.: 1Ht. Frg. ix:
0'V1', 2 eJ'   311m. Frg. X: -, 2 .:J(I,. Xi:1/:. •• Frg.· XI: (Juv
(unten Rand?). ...:- ·Frg. XII: . v., 2 OV. --.: Frg. XIII: . EIL, 2 .
- Fl'g. XIV: '" o:t., 2 . 1
'
••••, 3 SUrftOf1, 4: .1Jo'l:'YjO', 5' -, 6 . w.
XV: EllEI., voi'n unter der Z. R;ste der Pal'a,graphos, 2 'l:aluJI,
3 fllillO. - Frg: XVI oa. . Frg. XVII grosse ZUge, weite Ab:
Z.3 07:Wl'. - Frg. XVIII ähnliche Schrift, (l,IL zu erkennen.
Frg. XIX. Anfang von etw/l. 4 Zeilen, dooh statt Buohstaben
nur w/l.gerechte Striche und Schnörkel. Auch Frg. XX zeigt nichts
als solche.
Selbstverständlich habe ich mioh nach Kräften bemÜht, zwi-
schen den verschiedenen kleineren und grösseren Stücbn Anschlüsse
zu entdecken, indess ohne den geringsten Erfolg. Ftir die heiden
grössten StUcke ist sogar augenscheinlich gar keine Möglichkeit
der Vereinigung. Es mag sein, dass wir Reste von drei Colunmen
haben, von der ersten.in I und III, von der zweiten und dritten
in II sowie in den Fragmenten. Mit gleichem Misserfolge
suchte ich unter den bisher vorhandenen Lyrikerfragmenten nach
einem Zusammentreffen mit diesen neuqn. Denn wenn X& IcliyaÄo-
u:7cv[ III 1 an Kti ',A{J(tJI("la frg. adesp. 36 Bgk. er-
innert, BO ist dr.rauf vielleicht nicht mehl' zu geben, als auf die
Uebereiustimmung des amal11lvxo[C Ha 21 mit Soph.
1159: al! (Jli   naJlvvxoc. Jenes namenlose
Lyrikerfragment gehört wahrscheinlich deu) Alkman, aber bei den
neugefuudeuen ist an diesen als Vel'fasser gar nicht zu denken.
Vielmehr weist der Dialekt entschieden auf einen der späteren
454 Zu den. grieohischenLyrikern.
chorischen Dichter, und da ist es nun interessant, dass der von
diesen angew&nclte milde Dorismus in diesel' alten Handschrift
einige Spuren der Dods severior zeigt, nämlioh l1v:JarrsJ.w und
'OPXOP.filJW I 8. 10 und II a 19, allerdings neben lh]t;ljJWV
II a 8 und n@a7:liill, IIfPfit'; HalO. 24. Hierüber hat mir Hr. Prof.
H. L. AhrenB freundlichst die AUBkunft ertheilt, dass auch sonst
Belege vorhanden seien, wie solche FOl'men bei Pindar von alten
Grammatikern anerkanut und in alten Handschriften gelesen wur-
den. So Nem. III 10ovpcxll(U no'AvlJtirpsÄcx (Schot OV((al
I
W
!im rov oVf!alJof;), das. 24 iJnti(}6xwr; Schot Vet., 41 ljJtifJJflllOr; für
ljJtirpEJWor;. Ich gla.ube nun mit aller Sicherheit annehmen zu kön-
nen, dass gerade Pindar der Vel'faaaer .des vorliegenden Gecliohtes
ist. Denn wellll von vornherein' nach dem' Dialeide· und nach dem
ganz"en Charakter nur zwischen Pindar, Simonidcs und Bacchylides
(He "Wahl ist, so macht die Bestimmung für das böotische Orol1o-
menos (noÄw EI; 'O(!XOP.EVW oHo;mnov I 10 C.) aoch wohl auch die-
sem Zweifel ein Ende.
Um nun irgend etwas herzustellen nnd Anfklärnng über Art,
Inhalt und Versmass des Gedichtes zu gewinnen, müssen wir von
Frg. I ausgehen. Es ergiebt sich das. Z. 6 W. ohne Schwierigkeit:
'Anl'Alwn 3fEWV I &.11(( rlvO(}lVV 'EXti[Xp&].Einuuti, IIv:J-aYYBÄw I
(fT;ErprllJwp.a OLm;/' y' afJ.oii I 1l0Atv Ei; 'O(!XQf-l.EV(f) OUOI;L1lnOV. Die Zu'
sammen,atellung von Gott und Mensch wie in Olymp. II 2 f.: .llJa
:J'E6v rlv' .. .lila 0' 1f.vO(}fI, ; 'EXEX(i4u;t scheint
bestätigt werden dnrch II a 11 'EXE"]((rl.Et. Zu noÄLv 'O(}X. OHO-
St:1lnov vgl. Nem. VII 9: 1l0MV ya(l I[!LAop.oAnol
J
 
AialCtofiv, und Otw1;l.nv;ov lJ7:8tp&vwpa KVf/&Vat; Pyth. IX 4. Es fehlt
dem Sinne nach: C ich schicke dieses Lied', und dafür lässt sich
V. 2. 3 herstellen: v.41lJtn:' •••• 0;; EJv"Ua (Pyth. Dt 56) :Je- '
(-LHJ •••, so da.ss ... or; Rest eines bestimmenden Genetivs zu ifnEa, ffEJ-
; .. aber Anfang eines Epithetons zu 'Ano'J..wvt ist, z. B. (J.1Iti1:' SnEu
(natafIlJoi; tifJxUa I '.Arr:o'AAWlit ".8. Die Dative '.AnoAAWllt
und 'EXEJn(lLh:8t sind von IJv"Ua abhängig, n{/Atv nex. von rtvEtt, in·
I
' J ( " ) I , I h ." h C h' 1 '
(ern alJVEW aVEJt1J npor; n, snt 'U, auc eInlac .t, wo m ge angen
bedeutet, Soph. Trach. 654 n(l/,lJ ..dvos n(lQr;" nOALV avlJlJEJtE und oft.
Ist nun diese Herstellung richtig, sO haben wir hier den ,I1ufang
des Gedichtes, und dazu stimmt, dass die Z. 1 des Frg. I allem
Anschein nach ausnehmend kurz gewesen ist und somit wolll
nen Text, sondern einen Thai! vom Titel enthielt. Der Dichter
fährt fort Z. W. im Anschluss an 'OPXO/L8lJW: i!v:fa nOtE ...... Erf,.'
lITSV. Wer wen '( Ich glaube zu erkennen (Z. 12): (E;""
Zn ,den griechischen Lyrikel'1l,
455
lasse mich weder dadurch sehr behTen, dass
bei Hesiod Theog. 908 (vgI. Pausan. IX 35, 5) die Mutter der
Cbal'itel1 vielmehr heisst denn es bliebe Bchliesslich
immer die Annahme einer Corruptel in unserer Hdscht'. übrig -,
hocll dadurch, daasltuch bei Pausanias nichts davon steht, dass
die Chanten in Orchomenos geboren seien. Wir hätten dann 3U
Anfang von 12 etwa ein Epitheton' 3U EvqvXf1u, zu V. 13 am Anfang
ein solcheS zu zu ergän3en. Weiter' lese ich: hp]6IpOVW JE
naq @ilJttl arp' d], arAUQV plAor; I lJnOr; 6Vq(JO:mJ I
(J.aifo]v. D!I.S Imperfektum Eirllepovroist nicht minder richtig wie
oben; ;m(uw; vgI. Il. 5, 70: d' Ef(/6qJ6 Ötu @8UVW, nämlich
dan !on Pedaies getödteten Mages. €J1(J.t für €Jl/J-tn habe ich aus
nachbel' .3uentwickelnden Gründen der strophischen RespOIlsion ge-'
set!'lt; wir lesen hei Pindar kein Beispiel des Genetivs oder Dativs
des Eigennamens, aber Herodot bildet €JipUJt; (Il 50), und auch
Pindar €Jlnor;, vgI. Ahrens D. D. S. 282. Milor; 1t:a(/if8vrji:ur;
onor; ist gesagt 'wie avl6JIJ ft6'Aor; Pyth. XII 19 (1luf!9f.vor; aVAwv
tevXE' 1l!#Upwvov (J.IAot;). ·ßeziiglich der 'Sache ist das' Singen der
Chariten allbekannt: Theogn. v. 15, Pind. Olymp. XIV 3 aoLOt!wt
{Juf1i'AEtat X&(/nlir; "OeX.ofLEvoiJ, das. 13 ff. fPlA7Jul!wA1l11! EVlpf/owva•..
€JaAtu. te lpaut/J-oln6. Themis aber wohnte vor Alters in Delphi,
OrchomenoB benachbart, und sang da.selhst Orakel. Das unvoll-
ständige Schlussstück möchte ich zu dem Sinne ergänzen: was
kännteden Herrsoher ApolIon mehr erfreuen (als der Gesang der
Chariten)?also Tl rli(J   ••, oder ·rt yae, (f.vri" I ... Vgl. Frg.
V (Columnenanfang), welches sich wobl hier anschloss: Z. 2 mJfflf! . .,
d. i. eVlp(Jova :tijK8V oder E'lJrpqav8V oder was immer soust.
Wenden wir uns nun zu Frg. II, so ist die erste Frage, ob
sich antistrophische Responsion mit Frg. I entdecken lässt. Nach
den Zeichen bei II b, die doch jedenfalls zur strophischen Gliede-
l'ung dienten, bestand das dort vorliegende rhythmische System aus
15 oder 16 Kola. Wäre nun dasselbe Epode oder auch Strophe,
so müsste doch wohl am Schluss hez. zu Anfang ein besonderes
Zeichen stehen, um den Abschluss der ganzen kenntlich
3U machen; nehmen wir es somit als Antistrophe (oder als Strophe
schlechtweg, falls das Gedicht keine Epoden hatte). Es müssen
alsodle Kola mit denen von Frg. I, welches wir für den Anfang
sJes Gedichtes ansehen, übereinstimmen, und es zeigt sich nun fol-
gende Uebereinstimmung: I 16 n 15 (14)omJteQ .• ,
I 17 (J.aifo]v ri 11 16 (15) wiJu, I 15 drp' II 14 (13)
ifQuall, I 10 1l6AtV Er; II 9, (8) Jtv[ajttLt; oder Jvv[Ul"Or;. Hiernach
466 Zu den griechischen Lyrikern.
ist· aber die Strophe fünfzehnzeilig, und zwischen II b, 4, und 8
(7) nuI' zwei Zeilen als fehlend anzunehmen. Wiederum der Strophe
in Frg. I fehlt am Schluss nur eine Zeile zur Vollstäudigkeit. In
II a nun muss jedenfalls auch eine Strophe (Antistrophe) stecken,
und wir finden in der That ein Entspl'echcl1 mit I 16 (.• EVTf(!(XzUV)
in IIa 10: . . -rat l<(}a-rEiv; vgl. 11'7 T:t rat! ava II 11 'EXlix]patEt,
I 12 Xa(!t[-ra;; N II 6 venupo, I 9 r' atn:oii _ II 3 aaWI'; auch die
Übrigen Zeilen, die man l1:'u' nach der Länge beurtheilen kann,
stimmen soweit das zu ,verlangen ist. Hiemachergiebt sich m,m
Folgendes: II a Anfang fehlt 1 Z. der Strophe und 3 der Anti-
. strophe; letztere reicllt bis Z, 12 OUilIEb.Z, 13 bis etwa 25 Epode.
Z. 26. 27, und 13 Zeilen zu Anfang von nb .(bis V. 1 nac)! dem
jetzigen Zustande) Strophe II. Z.2-16 Antistl', II Rest zur Epo.;J.e
II. Zeilenzahl in Il a und II p (1 + 3 + 12 + 13 + 2,,13 +15 +3)
jedesmal 31. Es steht demnach nichts im Wege, das.s sich II a an
I unmittelbar anschloss, und nach dem früher Vermutheten wären
in Frg. V 5-8 die Anfänge zu 1I a 1-4 zu suchen.
Ich verhehle keineswegs das Unsichere dieser mit schwachen
Mitteln unternommenen Oonskuktion, an deren Stelle ich ursprüng-
lich eine ganz andere angefangen hatte, unter Gleichsetzung von
I 16 ., EVTf(!U;I:OV mit II a 21 atnUlJVVXOL, Aber diese letztere wal'
schlechterdings nicht hinauszuführeu. Bezüglich des
gieht sich aus Frg. II a, dass min.destens von V. 19 ab eine Apo-
strophe an ApolIon geschah: 19n (fIAij;; 'nqJtAliL;; Pytb. I 90),
20 Ä]tn[1;;' 24 aee-r&v tE VirtEI!;, 27 oat(-tQv, 23   Bei
•. at navvvxot 21 denkt man an eine von Jungfrauen gefeierte
nallvvxU;, bei den Hyperboreel'U (deren nU(litEvwlI Pyth. X 38)
oder anderswo; das .E PE(-tEti; wird sich aufdeu.delphischen
Agon beziehen. Hingegen im ersten Theile der Columnescheint
mehl' der Preis von Menschen gewesen zu sein: V. 8 av]slfItOv, 11

Deber das 3, Fragment lässt sich gar nichts sagen; dass
es, falls es mit I derselben Columlle angehört, mit diesem Gedichte
nichts zu thun hat. Da es 12 Z. hat, und Frg. I 17, so wäre
dazwischen immerhin für die das Ende bezeichnenden Schnörkel
des XIX. Frg. Platz genug.
Ich lege nun die leider geringen Reste Pindarischer Poesie,
die sich uns aus dem ersten Fragmente ergeben haben, mitsammt
meinen zum Thei! sehr fraglichen Ergänzungen hier "01'.
a..
,',   snliu, [nata-
griechischen Lyrikern. 457
V)O(; itsftW[X(1tovtt
"AntUom ftE}' it[fWll,
  &110@WIJ
5 natO/,. IIvffa1'yilw,
1J7:8rpdvWfW OUH:l y' all1;ov,
:nOAU' fG 'O({XOf-t81'W OHtl-
Gcn:nOI
I
, Eviht, 1WrS
•• EV({VIIQftU XUl?tllt,G
10 .... lfaxr8v'
lrq]Jrpovro OE EU[,w,
, , 7) '" "
arpa i; ayA(t,ov ft8AOC;
1Ht,(I]ffsvtjta(; onoc;
10:] ")
fU1.V 01" n ral? ava-
Xl •• ] .......
V. 2 thiftt(JJ(QJovn habe ich gesetzt, um die nach dem Obigeu
erfOl'derliche Respllnsion mit II a 27 herv.ustellen. V_ 9 und 10
müssen nach II b 11 f. mit kurzen Silben begiuuen, 12 auell wolJI
mit einem Vokal, damit koine Position entstehe, vgl. Il a 6 im-
J rpolpo/l] oder -'1101'].
Es bleibt die Frage, was für eine Art von Gedicht denu hier
vorliegt. Indem ich V. 1 f. ergän<lte, wollte ich keineswegs
für einen erklären, so wenig wie Frg. III wegen TOV
V. 2 für Hymnus. Ich ,meinte vielmehr, dass {He Dichter
nicht so. an die eigentliche Bedeutung dieser Worte gebunden seien
wie die Grammatiker, upd dass bei einemLiede auf Apollon immer-
hin die Bezeiehnung 1fUuXV von Pindar gebraucht sein könne, 9ouoh
wonu die Grammatiker das Gedicht in eine andere I{lasse hätten
setzen müsseu. Und ich glaube, dass dies gethan; denn dlts
f.ul1or; mi,(J:J'Evrjta(; 01tOr;, welches V. 12 f. deu Chal'it,en beigelegt wird,
enthält doch einen deutlichen Hinweis auf ein na({thV8tOl!, gerade
in dem Ausdl'uck na(lff8v1jtac;, der sonst recht ullmotivirt wäre. Die
nU(J:Jsvsia aber und ihre Uuterarten, wie die enthalten
nach Pl'Oklos Chrest. p. 247 W. zugleich dlts Lob von Göttel'll und
das von Meuschen, gerade wie hier der Preis einel'seits des Apol-
Ion, andrerseits des E0hekrates wird. An ein oarp'lJ1j-
rpO(l'xoP könueu wir übrigens nic\lt denken, da diese nach Proklos
l>ei der Prozession gesungen wurden; hier dagegen bietet ein fest-
liches Mahl die Gelegenheit (V. 9). Gerade für ein solches passt
ll.llch der Ausdruck nIXulv; s. Alkman Frg. 24; ({'olvate; rJi xal il!
3l.aaOtfltv •• 7q(EnEt 1tauxva Echekrates nun wird für ein
Fest des Apollon der MtTOV(JYOG gewesen sein, der zugleich ein
458 Zu den griechischen Lyrikern,
Festmahl gab und einen Chor dazu ausrüstete, und insofern war
es bei solchen naq:hl'Eia dann angemessen, dass auch der Gastgebel'
und Besteller einen Thei! des Lobes erhielt. Möglich, dass in
Frg, XV ein Theil des Titels erhalten ist: 1Ut(l3-]EIIEt[OIl •• mfLLp .,
'Oqxo],ct6l!o(",; doch suche icb letzteres Wort lieber in Frg. i 3 :
'O(JX]op,[I1VOV, oder 'OqXOlfLEv]ov.
indem ich nun die Fragmente zur weiteren hoffentlich noch
erfolgreicheren Bearheitung Andern übergebe, füge ich scbliesslich
noch einige WOl'te bezüglich einer seltsamen EigenthÜilllichkeit die-
ses Papyrns hinzu. Ich meine die Punkte am Ende 'und inmitten
der Zeilen, bald ohen bald unten, ·bald zwischen Wörtern, bald
zwischen Sylben, wie na(J:hvTj. UJ,t; I 16; cfut' [-lOl' U a 27. Sollen
sie den metrischen letus bezeichnen? die Versfüsse abgrenzen?
keine von diesen Annahmen lässt sich durchfiihren. Videant alii•
. 11. Vermischtes zu AIkidos, Stesichoros, Bacchylides.
1. Bergk Lyr. III 1335 macht auf eine Stelle der Vol. Her-
culan, (ed. Oxon. II 122) aufmerksam, die augenscheinlich ein Frag-
ment des Alkaios enthält. Die betreffende Rolle (DemetrioS1lEf//'
1lotf/ctawv) ist inzwischen in der italienischen Veröfi'entlichung (Coll.
alt. Vol. V) nochmals wiedergegeben, und wir können aus der Ver-
gleichung heider Ausgaben nun auch für die Herstellung jenes
Fragmentes manches gewinnen. Die Zeilen lauten:
Ed. Oxon. bei Bergk L c. Ed. Neapol.
- _. tcfaqUJ -' aptlr
- vA., •   • , • lIW 1'fLl1lIut •• l' .•
• • • OEXEVTJ (J1fE • • OI1KOJJf/ .: • • • • 01UJ
• • • • . • • OWt ••• . l:aIJ:hvoooVOt
5 xa1lW rap XECf!a u • . .
Aal' KU'l."tOX01;OI' ,FOIl lavKanox ' • 1:: • , r
ov
iJafLa :JvfLO'IJ m1::Ul-pliIlOt :J-u[-ta3-vfL{)l'at.WIIE
1l110U1lnOllI1Vat; l'O(fn;8 , aTovofLl1VUO
1::axE'l.'I'jWOOtlxrn mXEt " •
10 , E'lJ7tC • , • aL . • . • • •• '•• : • limo • • Cf. ••
1XllII:(.t!1; ••• AV.aKCUpV • •
Von dem mit einem Punkte bezeichneten a Z.2. 5. 11 ist
bloss der reohte Strioh in der Neap. sichtbar; man kann also auch
an 0, A, v, X denken. 1:: Z. 8 kann auch als 11 gelesen werden ;
von dem 7: Z. 9. 11 ist die obere Linie da. Weshalb (. öfters
Zu den griechischen Lyrikern. 459
unsicher ist, versteht sich leiollti () Z. 8 ist auffallend klein, so
dass man es für ein verstümmeltes 'f! halten könnte. Von 0 Z.10
und von 'iJ Z. 3 siebt man nur den Anfa,ng, .
Wir gewinnen nun Z. 5-8 mit aller Sioherheit den Vers:
lu.h:w rUf! XlifpaÄav ){(J;rlUXct, ,(;lJII Fell
l
3-a/-ta 3'ii/-tOV   Das
Metrum ist das von Alkaios in der Beschreibung seines Waffen-
saales, und SOllSt stichiach gebrauchte: _w._v_, __v __,
s. 15-17; 50-52. Von dem vorhergehenden Verse lässt
sich ebenfalls ein Stück erkennen:' &6KOIl1] v_\; 1U!(?i 'ff!baG
olvoG, oM' laTiltOr;. Wie weit das Citat zurÜcln'eicM, ob bis zum
Anfang der Columne, lässt sich nicht erkennen. Auf atna/-ISVOt;
folgt :7UJo(J:r(!vowJll{Xr; (?) 7:axtit •. rrroo' v E1Jn v ft v nw. Da.nn
ProSl1 des Demetrios: Kal 'WtdiJTa Kat • • . Den letzten
Vers des Dichters vermag ich nicht herzustellen; etwa nliOaT(lvO-
I d • , I >' , >\ .t I ? EI I .
pc1JQt; Ta KliV ""1j, . 1. "tliia"tliAOp6VQt; lirp Ql{; av uf!aO?J. esyc 110S
hat "t6'(;uWiAops/lor;, W;TIJ,OtWKO"tE110r;, und ftliiftl1ei;aav
/-uiWlIOtaV, woher M. Schmidt in der ersteren Glosse
.ändern möchte, welches mit nliOftOdJ!-tEVOr; confundirt sei. Im ersten
Verse rfE KOIl1] •• nE(!l rp@8var; olJJor;, für KO'Pl;'l; oder bOJJEt Vgl. bei
Hesychios: Kovli: bE(!rliZ, und über die Form Ahrene D. A. 139.144.
'IJ:rf!tQt; steUe ich mit IJW1:1/(ltOr; zusammen. Also:
v OE KO'll1] v - 1f8(?t oM' lar@tot; • I
Kand rd(J K8rpd.Aav XftTÜJXEt, 7:011 ,pO'll 3-d"ta :Ji!pov ..  
2. Alkaios Erg. 92 Bgk.: a(lralfiov ntivla Kdxov ltaXli1JJv, li.
ft1iya Oafmur; I AUov &"UI.XU1JU[, IJ1JV MSAIJ'$lf. Also Hexameter bei
Alkaios? Vielmehr:
"A(Jr&leov nsvta K(tlCOV {k;XE7:01', (), fdra
-...." l' '_t ,
Uft/-tvatr; laov al-tUX(XII 'lf avv ftuslrp81f,
im gleichen Metrum wie Erg. 93. 25. Im ersten Verse kann man
/-dra (cod. A) nnd I-drav (vulg.) unbeschadet des Metrums schreiben.
3. Stesichor. Erg. 7 Bgk. (aus der Geryoneis), bei Ath. XI
499 A:
:EKli7lrpEtOV OE AIIßdJ1l otfnar; lll-tftli7:(JOV {Ur; '(;(ltlarvvov
nl:lIEv S1ltlJXOft6110C;, 7:0 QtX ot na(JS:J"IlCli t1JOAOt; KE(Jarrar;.
Durch die Aufnahme von axlln(f!8tOv (Casaubon.) für aKvrplov oder
l1lf:Vrp8tOl' der Hdschr;, und von 7f.tV8V (Bgk.) für das überlieferte
nUl/l, n;;, ni ist die antistrophisclIe Responsion mit dem folgenden
Frg. (8) desselben Gedichtes zerstört. Wir haben daselbst V. 3 f.:
i1rplxot:7' t8(?fiC; nOTI, ßsv,{tlia 'II1
1
)(rOr;
no'(l, /-taT8(la xOV(JUjlftl
l
7:' ltloxov natOar; 7:li rpllovt;,
und genau in demselben Masse Frg. 7:
460 Zu den griechischen Lyrikern.
UX{,rpWIJ J..cxflwv EflfUi7:{fOV 7:{ftAarvVOV
I, > I I )i I < '0 m" I
11,1- Enlaxofu,vOt;, 7:0 lta 0/- na(!liv'rjKli W(JIl.0t;
Weder das Adjectiv awuqJEWt;, noch a"VnrpliWt;, noch oxvrpWt;, sind
anderweitig zu belegen.
4. Baccbylid. Frg. 13, aus den Paeancn, das bekannte Lob
des Fl'iedens, ist bisher noch nicht in Strophe und Antistroplle
aufgelöst worden, wiewohl auch Westphalletr. 11 673 hervorhebt,
dass darin der Umfang jeder audern daktyloepitritischen Strophe
übel'schl'ittel1 werde. Man könnte ja immerhin, mit Hartung, ein
Zerfallen in Epode und Strophe annehmen; aber doch nicllt eher,
als bis sich das Fehlen einer antistrophischen Responsion sicher
herausgestellt hat. Es ist aber im Gegentheile eine solche vor-
handen. Man vergleiche V. 9:
Xf!.AH6fiv 0' OVK Elm ocxl1TJrrul/I K.V:nOt;
mit V. 3 f.:
:J"EotOLV (J,Z:J'lio:JUt flowv mAori. ,
I r
Weiter 10. 4, f.:
OfJOE aVAuraL flliAlrp/!WV I i}n/lot; uno flA8rptlf!WIJ,
flij(!U illIlVr(!'xWv rli I rVfl'Vu(JÜtJII rE l'bot{;.
Das Entsprechen wird noch genauer, wenn man fl"1f!l' 8vr(}lxwlI 1:8
felnAWV schreibt; nämlich in der bei Stoh. vorliegenden Uebediefe-
l'Ullg: fl"lffVru.1t (fL"Iplr«ll) 8vl:(!lXwIJ ist offenhat' die Lesart fel"l!!l' liV1:(J.
ulit der ursprünglich übergeschriebenen illVV7:!,J, vereinigt, Bei den
folgenden Stücken ist eine grössere Verschiedenheit: V. 11 afelOP
:Jw.n6L Xl3(j,(J, dagegen 5: «VAflJl1 Tli x«t nWfelWIJ fedAlilJl. Aber
jener Vers ist nicht so überliefert, und aus dem JfWt; oder
der Hdschr. vielmehr   oder herzustellen, vgl. Eur. Rhes,
554 ff.: .:JeArEL 0' lJf/flflrOt; 80ffUV   ya(! 8flu
n(!Qt; «viit;, und Pind. Pyth. 9, 23 ff. Es folgt V. 12. 6 f.:
(fVttnOalWI' d" EffU'f(JjIJ flffl':JOI!l:' arvwi, I ilfUOLxol .:J' VfeLVOL rpAir
ovn
EV OE at.:Jii.v I iipaX'IIiiIJ lorOb nSAwl;aL.
Die Ungleichheit im zweiten Gliede lässt sich heben, wenn man
etwa an' vor apaxvii.v einschiebt (Hartung: al.:Jwv iipftXJliwv
Uebrig sind die StÜcke vor unsern Ausgangspunkten.
V. 2 f. 7:
nAovwv Kat fl8AtrAlOO(jWIJ aOteffiv IJ.v:J8all oald'aAsw'V T' inl, ßW/-lWV
Y , ' "l:' " , ll.!' ' (>' )
8YXlift 'C8 Aoyxwra strp8a 7: (J,/-UpaKfft I uU/-ll'IUaL liV/!ldt;.
V. 2 schon Boe;;kh: nAovrov fLliAcylw(f(JwlJ r', wodurch die
Kola alslJald gleicl} worden, E,V(!lut; fehlt bei Stobaeus überhaupt
und ist erst aus Plutarch (NUll. 20) hinzugefügt, der seinerseits
ganz ungenau citirt; aus der Responsioll ergiebt sich nun, das,s
Zu den griec1lischen, Lyrikern. 461
F. BI as s.
.:JaA1TH xsaf!.
&YVUtt,
zwischen oalrlvamt und sVflWe; noch ein daktylisches Wort felllt. Somit.
stände nur V. 1 <lxrlit &8 rli {hJamtOtp flsyaAa (fdyap) allsser-
halb der Responsion und wäre einer Epode zmmweisell, falls mall
nicht etwa die Lücke bei Ifa-flJ'antt zu dem Umrange VOll fast 1
1
/2
Kola ausdehnt und V. 7 EYXf:ifJ, •• rtfUPUXl:irl, mit 1 'r[XTSI •• fuJl'ltP
. respondiren lässt. Indess empfiehlt sich dies wenig, da auch Plu-
tarch, der his oaAreiyywp xrvnoe; citirt, nichts zur Ausfiilluug einer
so grossen Lücke bietet. Ich stelle also das Fragment so her:
(8n.) TlImit 118 TS .:Jvamlatv slflrJ.1'Il, flsyaAa
(aT.fl.) 1CAOVTOP flliAtYAwaowp .,; aoltfap
omoaUwp .' 8n/' fJwfUJ)V .
fJowv fJ!AOY/'
5 Ili/fla mpv7:/lixw1' rs (WII:l'li1xrfllx,wv "rs
YVllPWJlwv 1:8 V80le; aVAwv 1:8 xal xWlu;},' ItEASIV.
8V 08 (Jufafl0rf8TOle; n6f/na'gw al.:Ji'i1'
(
' ') , v .... C \ "
an ltf!axvav larOt ns"Ovwt'
(&1'7:.) J!rxsa rs AoyxwTa sUpsu T' afUpuxEu
10 oal';;arat s-lJf!w,;':'
xaAxsfiv 0' ovx SOrt aulrciyywv xrvnoe;,
oM8 m;')Jirm IISAtPflwV
vrevoe; ano &11;0e; 8c;
I   c. ,
aVflTCoOIWV ,U liflarw1' fJf!l8uvT'
15 nUlcftxot .:J' i'ln-Ot fJ!Asyorn.
IGel.
Der Herr Verfasser, dem alle Freunde griechischer Poesie für
seine sorgfältige Untersuchung und Mittheilullg jener lyrischen Re-
ste Dank wissen werden, hat mich aufgefordert zuzusetzen, was zur
Ergänzung seines Aufsatzes dienen könnte. Das Hauptstück hatte
ich mir vor mehreren Jahren aus den Sitzungsberichten der französi-
schen acac1emie des insCl'iptions Paris 1871 Mai S. 248 abgeschrieben,
welche Publication übrigens weder den Anspruch machte den Pa-
pyrus genau und vollständig wiederzugeben, noch jetzt wo die
Lesung des Hrn. Blass vorliegt, weit,eren Werth hat; auch hatte
ich damals zu OTfirpavwfUt. owr6e;, wie dort edirt ist, angemerkt
dassPindar fIUifJ!al'wllu so zu übertragen liebt, denn diesen vh-
mut,het ja wohl jeder sogleich als Verfasser des Lieds. Fiirden
Anfang möchte ich nach den jetzt vorliegenden Notizen etwa fol-
gende Ergänzung vorschlagen:
r' 8ns' aylß- ;mnov, ev:Ta n01s
1I0e; smcAtiii .:JS/-lte; Q,sflSlll rQsle; EVQvp6,lrt
'An6AAwJ1t It811 .:JliW1', 10 yAvxsiae; suxrsv,
araQ lh-oQ'll1' 'Exsxfla1lit b:flf.qtOJ1T.O ets .:Jso'ie;
5 nato/, IIv.:Jll,yysAw 'UJU; &yAaov IISAOe;
arsrpal/lÜflll, orume; Ixvn'J naf/8-81
I
'fJ/.ae; lnoe;
nOAtV 'OQXOll81IW &iv- rliaap' Tl yafl (lv a-
Wendung und Ausdruck der ersten Verse wie gleich in der ersten
Ode V. 103 EflS )tSl,IO)' l.1T.ns.ltp l!D/Mf!
462
Zu den griechisehen Lyrikern.
XQ1]; ebendort 119 EfJ.S Te im Gegensatz zum Sieger,
anderswo im Gegensatz, zum Gott oder Heros
7
überhaupt os,
all' EftS oder eine andere Form dieses Pronomens im Uebergang
gern vorangestellt
7
TO 0' EfJ.OP raqvEv 'tano .sm/pamv xlSo(;
n. a. Echekrates und Pythangelos als Namen von Böotern sind
in Benselers Onomastikon naobgewiesen, auch ein IIv:frivye}.Qr; Ka-
ptmev!; von Athen. Da.s den Agon verherrliohende Lied soll Kranz
und Krone des Festmahls dem Sieger selber sein, denn ain:w ist
auf alle Fälle berechtigt wegen der näohsten Beziehung des
ses zum Opfer und zum Gott {Pyth. 5, 79 Isthm. S, 79),wegen
der von oatT6(; unzel'trennlichen Festgenossensohaft; esscheillt mir
besser als aVT6:hv, woran man denken könnte, um das Ziel <nach
Orchomenos' schärfer heraustreten zu lassen. V. 11 .st(JECPOV7:0 nach
emn:EJI ist eine sichere Ergänzung von Hrn. Blass, welcher jeder
andere Vorschlag wie (Jl(1ErpOV7:0 1I:(Jf)(; fJ.81or; XO(lov weichen muss.
Aber eine neue Sage ü.ber die Erziehung der Chariten und den Na-
men der Themis hier einzuführen ist nicht rathsam; der irdischen
Geburtsstätte gegenüber genügte es die Göttlichkeit ihrer Kunst
im Allgemeinen zu bezeichnen oE; naf.! Ist hiermit
das Rechte getroffen, so lassen Umfang und Reste der Lücken in
Z. 12 und 14 wohl nur einen Relativsatz des Inhaltes zu, dass die
Chariten durch das Liedibrer jungfl'äulicben Stimme die Götter
erfreuten (01. 14, 11. Hesiod Theog. 64ff.). Wenigstens kann ich
kein pnssendes Wort für den Aufang von V.12 finden, wenn man
hpErpwro XBEtl' oder ähnlich schreiben wollte,. eine für den
Dichter gewiss erlaubte Ausdrucksweise, ,dll 7:p6rpEU; von nauJEiELv
in vielen Verbindungen nicht weit absticbt und Hornel' ör; fUV Eng7:E
xal E7:plirpl! 1I:iÜw. I'cV8U:tu.t Tewui zusammenstellt; es müsste denn
erlaubt sein das letzte Zeichen in V. 11 anders zu lesen, etwa
nuf.! :t(lOVfP du)!;. F. B.
Nachwort. I 6 trnirpavwp.a oat'/;l XA:V7:[r!, nach 01. 8,52
dcil.a xÄvn.(p? In II a B, welcher Vers mit diesem zu respondiren
scheint, ist (](iWv (:tEWP 1 f]cwv) ebenso möglich wie OUWll. -
V. 11 f.: llviht 11:07:8 I EV(lVVDita   eWCRJPf
Dass V. 12 z. Auf. 5 Buchstaben fehlen, ist sehr wohl möglich;
&.no:tEOWt; wie 1,xlimo!;, MnaUWt;; ano.l:teo:;Jut vom Aussetzen
der Kinder bekannt, geheim. Als rechtmässige Gemahlin
des Zens konnte Eurynome, wenn man. sie in Orchomenos gebären
liess, nicbt aufgefasst werden; sie erscheint auch bei Heaiod nicht
so. - Endlich glaube ich nicht 'zu irren, wenn ich II a 8, mit Be-
nutzung VOll Frg. VII.2 so ergänze: .. xJai uv]ii1/1WV, vgl.
Nem. VI 15 f.: .sll IIea'§,Loaitavrot; Mv nMa 11EilaJV1tftTeOna-
T0(10r; OfJ.€l.tidov. Hinter anx VII 2 ist noch ein Buchstabenrest,
der sehr wobl zu einem N gehören konnte.
F. Blass.

Related Interests

{itte der Z.; einmal
las ich dafm und davor €.
452 Zn den griechischen Lyrikern.
Frg. 11. Reste zweier Oolnmnen. Unten bei heiden Rand; ob oben
beJ deI' ersteren Colnmne, ist zweifelhaft; die Reste der zweiten 001.
beginnen erst bei V. 8 der ersten. DUTe}1 die Punkte bei Col. I
suche ich anzudeuten, in welcher Weise die Buchstaban unterein-
ander stehen; der Papyrus ist bald unmittelbar vor dem Lesbaren
abgebroel1en (wie Z. 1. 8. 9. 11), bald so dass noch unleserliohe
Reste dazwischenst,ehen (wie Z. 3).
a. b.
OVII
10 TV
20 0
(Ende d. Columne)
K(>a•
Ei
71(1(-'OS od.Hau
15 Oliv•
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{} (od. 0)
5
• .. .. sv'lI
.... · .. 11
• •••••••     (sio) 11
·...... ·1'1'
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, .• vslwpoll
·.. :11'
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10 :·,',.tU' x(>ltrStl' 11
• (>ltt1it 11
, • • otbtSt (sie) 11
.. ' .• ;':'11
...... vooll
15 ... , 11 (E. d. Z, vielleioht schon unter v)
... V.11 \I
• , EXOUj,(!SvtV •• , (0 od. E)
, ),(-'O'Gliwll (von ), nur Rest d. recht. Strioh,)
, :'upt},.7JO. (sie) 11
20 . :'
t1T
l1
tU
11
• • 1tt1TItVJl11X
O
• 11
··11 .
• -rEffJ
s
O"lI
11
25 OJlIl
• /-tat' 11
· Oat' /-t0v 11
Bei der gänzlichen Zerstörung der Zeilen zwischen b, 4, und
8 ist es mir nicht sicher, ob drei oder nur zwei Zeilen hier stan-
dell. Die Z, b, 17 (v) steht um etwas tiefer als VSflcU; (a, 24).
Frg. III untl iv, sogleich als zusammengehörig erkannt uM
entsprechend aufgeklebt. Anfang einer Oolumne, äussel'st unleser-
lich. Die Senkrechte in den Zeilen bezeichnet den Beginn von IV.
Zu den griechischen Lyrikern.
Z. 1 xa' fu; I . aÄoO':hiv -
roll • (sie) v I ILV'-
.op,. I X .
'zoHIt •O'u
5 yav(ll7
cn'
453
IW
Ei
ft(l,O' • EiL •• (I,:t
10 IUla' (J • {JeL
(J'lJ
aMO
Frg. V. Anfang einer' Oolumne: Z. 1 OeJli., 2 liVfI'(!CJ., 3 XUfL,
4: (}i!}'T:U, 5 XO(lli, 6 • CJ.VCJ., 7 'Um:, 8 .1I(1,C. -     VI (Anfang
001. ?): Z. 1 'l:O, 2 . x, 3 (JT:, 4:. O(J, 5 li:t. VII Z. 1 yliv,
2 anx, 3 rf1a: - Frg. VIII. Anfang 001.: 1Ht. Frg. ix:
0'V1', 2 eJ'   311m. Frg. X: -, 2 .:J(I,. Xi:1/:. •• Frg.· XI: (Juv
(unten Rand?). ...:- ·Frg. XII: . v., 2 OV. --.: Frg. XIII: . EIL, 2 .
- Fl'g. XIV: '" o:t., 2 . 1
'
••••, 3 SUrftOf1, 4: .1Jo'l:'YjO', 5' -, 6 . w.
XV: EllEI., voi'n unter der Z. R;ste der Pal'a,graphos, 2 'l:aluJI,
3 fllillO. - Frg: XVI oa. . Frg. XVII grosse ZUge, weite Ab:
Z.3 07:Wl'. - Frg. XVIII ähnliche Schrift, (l,IL zu erkennen.
Frg. XIX. Anfang von etw/l. 4 Zeilen, dooh statt Buohstaben
nur w/l.gerechte Striche und Schnörkel. Auch Frg. XX zeigt nichts
als solche.
Selbstverständlich habe ich mioh nach Kräften bemÜht, zwi-
schen den verschiedenen kleineren und grösseren Stücbn Anschlüsse
zu entdecken, indess ohne den geringsten Erfolg. Ftir die heiden
grössten StUcke ist sogar augenscheinlich gar keine Möglichkeit
der Vereinigung. Es mag sein, dass wir Reste von drei Colunmen
haben, von der ersten.in I und III, von der zweiten und dritten
in II sowie in den Fragmenten. Mit gleichem Misserfolge
suchte ich unter den bisher vorhandenen Lyrikerfragmenten nach
einem Zusammentreffen mit diesen neuqn. Denn wenn X& IcliyaÄo-
u:7cv[ III 1 an Kti ',A{J(tJI("la frg. adesp. 36 Bgk. er-
innert, BO ist dr.rauf vielleicht nicht mehl' zu geben, als auf die
Uebereiustimmung des amal11lvxo[C Ha 21 mit Soph.
1159: al! (Jli   naJlvvxoc. Jenes namenlose
Lyrikerfragment gehört wahrscheinlich deu) Alkman, aber bei den
neugefuudeuen ist an diesen als Vel'fasser gar nicht zu denken.
Vielmehr weist der Dialekt entschieden auf einen der späteren
454 Zu den. grieohischenLyrikern.
chorischen Dichter, und da ist es nun interessant, dass der von
diesen angew&nclte milde Dorismus in diesel' alten Handschrift
einige Spuren der Dods severior zeigt, nämlioh l1v:JarrsJ.w und
'OPXOP.filJW I 8. 10 und II a 19, allerdings neben lh]t;ljJWV
II a 8 und n@a7:liill, IIfPfit'; HalO. 24. Hierüber hat mir Hr. Prof.
H. L. AhrenB freundlichst die AUBkunft ertheilt, dass auch sonst
Belege vorhanden seien, wie solche FOl'men bei Pindar von alten
Grammatikern anerkanut und in alten Handschriften gelesen wur-
den. So Nem. III 10ovpcxll(U no'AvlJtirpsÄcx (Schot OV((al
I
W
!im rov oVf!alJof;), das. 24 iJnti(}6xwr; Schot Vet., 41 ljJtifJJflllOr; für
ljJtirpEJWor;. Ich gla.ube nun mit aller Sicherheit annehmen zu kön-
nen, dass gerade Pindar der Vel'faaaer .des vorliegenden Gecliohtes
ist. Denn wellll von vornherein' nach dem' Dialeide· und nach dem
ganz"en Charakter nur zwischen Pindar, Simonidcs und Bacchylides
(He "Wahl ist, so macht die Bestimmung für das böotische Orol1o-
menos (noÄw EI; 'O(!XOP.EVW oHo;mnov I 10 C.) aoch wohl auch die-
sem Zweifel ein Ende.
Um nun irgend etwas herzustellen nnd Anfklärnng über Art,
Inhalt und Versmass des Gedichtes zu gewinnen, müssen wir von
Frg. I ausgehen. Es ergiebt sich das. Z. 6 W. ohne Schwierigkeit:
'Anl'Alwn 3fEWV I &.11(( rlvO(}lVV 'EXti[Xp&].Einuuti, IIv:J-aYYBÄw I
(fT;ErprllJwp.a OLm;/' y' afJ.oii I 1l0Atv Ei; 'O(!XQf-l.EV(f) OUOI;L1lnOV. Die Zu'
sammen,atellung von Gott und Mensch wie in Olymp. II 2 f.: .llJa
:J'E6v rlv' .. .lila 0' 1f.vO(}fI, ; 'EXEX(i4u;t scheint
bestätigt werden dnrch II a 11 'EXE"]((rl.Et. Zu noÄLv 'O(}X. OHO-
St:1lnov vgl. Nem. VII 9: 1l0MV ya(l I[!LAop.oAnol
J
 
AialCtofiv, und Otw1;l.nv;ov lJ7:8tp&vwpa KVf/&Vat; Pyth. IX 4. Es fehlt
dem Sinne nach: C ich schicke dieses Lied', und dafür lässt sich
V. 2. 3 herstellen: v.41lJtn:' •••• 0;; EJv"Ua (Pyth. Dt 56) :Je- '
(-LHJ •••, so da.ss ... or; Rest eines bestimmenden Genetivs zu ifnEa, ffEJ-
; .. aber Anfang eines Epithetons zu 'Ano'J..wvt ist, z. B. (J.1Iti1:' SnEu
(natafIlJoi; tifJxUa I '.Arr:o'AAWlit ".8. Die Dative '.AnoAAWllt
und 'EXEJn(lLh:8t sind von IJv"Ua abhängig, n{/Atv nex. von rtvEtt, in·
I
' J ( " ) I , I h ." h C h' 1 '
(ern alJVEW aVEJt1J npor; n, snt 'U, auc eInlac .t, wo m ge angen
bedeutet, Soph. Trach. 654 n(l/,lJ ..dvos n(lQr;" nOALV avlJlJEJtE und oft.
Ist nun diese Herstellung richtig, sO haben wir hier den ,I1ufang
des Gedichtes, und dazu stimmt, dass die Z. 1 des Frg. I allem
Anschein nach ausnehmend kurz gewesen ist und somit wolll
nen Text, sondern einen Thai! vom Titel enthielt. Der Dichter
fährt fort Z. W. im Anschluss an 'OPXO/L8lJW: i!v:fa nOtE ...... Erf,.'
lITSV. Wer wen '( Ich glaube zu erkennen (Z. 12): (E;""
Zn ,den griechischen Lyrikel'1l,
455
lasse mich weder dadurch sehr behTen, dass
bei Hesiod Theog. 908 (vgI. Pausan. IX 35, 5) die Mutter der
Cbal'itel1 vielmehr heisst denn es bliebe Bchliesslich
immer die Annahme einer Corruptel in unserer Hdscht'. übrig -,
hocll dadurch, daasltuch bei Pausanias nichts davon steht, dass
die Chanten in Orchomenos geboren seien. Wir hätten dann 3U
Anfang von 12 etwa ein Epitheton' 3U EvqvXf1u, zu V. 13 am Anfang
ein solcheS zu zu ergän3en. Weiter' lese ich: hp]6IpOVW JE
naq @ilJttl arp' d], arAUQV plAor; I lJnOr; 6Vq(JO:mJ I
(J.aifo]v. D!I.S Imperfektum Eirllepovroist nicht minder richtig wie
oben; ;m(uw; vgI. Il. 5, 70: d' Ef(/6qJ6 Ötu @8UVW, nämlich
dan !on Pedaies getödteten Mages. €J1(J.t für €Jl/J-tn habe ich aus
nachbel' .3uentwickelnden Gründen der strophischen RespOIlsion ge-'
set!'lt; wir lesen hei Pindar kein Beispiel des Genetivs oder Dativs
des Eigennamens, aber Herodot bildet €JipUJt; (Il 50), und auch
Pindar €Jlnor;, vgI. Ahrens D. D. S. 282. Milor; 1t:a(/if8vrji:ur;
onor; ist gesagt 'wie avl6JIJ ft6'Aor; Pyth. XII 19 (1luf!9f.vor; aVAwv
tevXE' 1l!#Upwvov (J.IAot;). ·ßeziiglich der 'Sache ist das' Singen der
Chariten allbekannt: Theogn. v. 15, Pind. Olymp. XIV 3 aoLOt!wt
{Juf1i'AEtat X&(/nlir; "OeX.ofLEvoiJ, das. 13 ff. fPlA7Jul!wA1l11! EVlpf/owva•..
€JaAtu. te lpaut/J-oln6. Themis aber wohnte vor Alters in Delphi,
OrchomenoB benachbart, und sang da.selhst Orakel. Das unvoll-
ständige Schlussstück möchte ich zu dem Sinne ergänzen: was
kännteden Herrsoher ApolIon mehr erfreuen (als der Gesang der
Chariten)?also Tl rli(J   ••, oder ·rt yae, (f.vri" I ... Vgl. Frg.
V (Columnenanfang), welches sich wobl hier anschloss: Z. 2 mJfflf! . .,
d. i. eVlp(Jova :tijK8V oder E'lJrpqav8V oder was immer soust.
Wenden wir uns nun zu Frg. II, so ist die erste Frage, ob
sich antistrophische Responsion mit Frg. I entdecken lässt. Nach
den Zeichen bei II b, die doch jedenfalls zur strophischen Gliede-
l'ung dienten, bestand das dort vorliegende rhythmische System aus
15 oder 16 Kola. Wäre nun dasselbe Epode oder auch Strophe,
so müsste doch wohl am Schluss hez. zu Anfang ein besonderes
Zeichen stehen, um den Abschluss der ganzen kenntlich
3U machen; nehmen wir es somit als Antistrophe (oder als Strophe
schlechtweg, falls das Gedicht keine Epoden hatte). Es müssen
alsodle Kola mit denen von Frg. I, welches wir für den Anfang
sJes Gedichtes ansehen, übereinstimmen, und es zeigt sich nun fol-
gende Uebereinstimmung: I 16 n 15 (14)omJteQ .• ,
I 17 (J.aifo]v ri 11 16 (15) wiJu, I 15 drp' II 14 (13)
ifQuall, I 10 1l6AtV Er; II 9, (8) Jtv[ajttLt; oder Jvv[Ul"Or;. Hiernach
466 Zu den griechischen Lyrikern.
ist· aber die Strophe fünfzehnzeilig, und zwischen II b, 4, und 8
(7) nuI' zwei Zeilen als fehlend anzunehmen. Wiederum der Strophe
in Frg. I fehlt am Schluss nur eine Zeile zur Vollstäudigkeit. In
II a nun muss jedenfalls auch eine Strophe (Antistrophe) stecken,
und wir finden in der That ein Entspl'echcl1 mit I 16 (.• EVTf(!(XzUV)
in IIa 10: . . -rat l<(}a-rEiv; vgl. 11'7 T:t rat! ava II 11 'EXlix]patEt,
I 12 Xa(!t[-ra;; N II 6 venupo, I 9 r' atn:oii _ II 3 aaWI'; auch die
Übrigen Zeilen, die man l1:'u' nach der Länge beurtheilen kann,
stimmen soweit das zu ,verlangen ist. Hiemachergiebt sich m,m
Folgendes: II a Anfang fehlt 1 Z. der Strophe und 3 der Anti-
. strophe; letztere reicllt bis Z, 12 OUilIEb.Z, 13 bis etwa 25 Epode.
Z. 26. 27, und 13 Zeilen zu Anfang von nb .(bis V. 1 nac)! dem
jetzigen Zustande) Strophe II. Z.2-16 Antistl', II Rest zur Epo.;J.e
II. Zeilenzahl in Il a und II p (1 + 3 + 12 + 13 + 2,,13 +15 +3)
jedesmal 31. Es steht demnach nichts im Wege, das.s sich II a an
I unmittelbar anschloss, und nach dem früher Vermutheten wären
in Frg. V 5-8 die Anfänge zu 1I a 1-4 zu suchen.
Ich verhehle keineswegs das Unsichere dieser mit schwachen
Mitteln unternommenen Oonskuktion, an deren Stelle ich ursprüng-
lich eine ganz andere angefangen hatte, unter Gleichsetzung von
I 16 ., EVTf(!U;I:OV mit II a 21 atnUlJVVXOL, Aber diese letztere wal'
schlechterdings nicht hinauszuführeu. Bezüglich des
gieht sich aus Frg. II a, dass min.destens von V. 19 ab eine Apo-
strophe an ApolIon geschah: 19n (fIAij;; 'nqJtAliL;; Pytb. I 90),
20 Ä]tn[1;;' 24 aee-r&v tE VirtEI!;, 27 oat(-tQv, 23   Bei
•. at navvvxot 21 denkt man an eine von Jungfrauen gefeierte
nallvvxU;, bei den Hyperboreel'U (deren nU(litEvwlI Pyth. X 38)
oder anderswo; das .E PE(-tEti; wird sich aufdeu.delphischen
Agon beziehen. Hingegen im ersten Theile der Columnescheint
mehl' der Preis von Menschen gewesen zu sein: V. 8 av]slfItOv, 11

Deber das 3, Fragment lässt sich gar nichts sagen; dass
es, falls es mit I derselben Columlle angehört, mit diesem Gedichte
nichts zu thun hat. Da es 12 Z. hat, und Frg. I 17, so wäre
dazwischen immerhin für die das Ende bezeichnenden Schnörkel
des XIX. Frg. Platz genug.
Ich lege nun die leider geringen Reste Pindarischer Poesie,
die sich uns aus dem ersten Fragmente ergeben haben, mitsammt
meinen zum Thei! sehr fraglichen Ergänzungen hier "01'.
a..
,',   snliu, [nata-
griechischen Lyrikern. 457
V)O(; itsftW[X(1tovtt
"AntUom ftE}' it[fWll,
  &110@WIJ
5 natO/,. IIvffa1'yilw,
1J7:8rpdvWfW OUH:l y' all1;ov,
:nOAU' fG 'O({XOf-t81'W OHtl-
Gcn:nOI
I
, Eviht, 1WrS
•• EV({VIIQftU XUl?tllt,G
10 .... lfaxr8v'
lrq]Jrpovro OE EU[,w,
, , 7) '" "
arpa i; ayA(t,ov ft8AOC;
1Ht,(I]ffsvtjta(; onoc;
10:] ")
fU1.V 01" n ral? ava-
Xl •• ] .......
V. 2 thiftt(JJ(QJovn habe ich gesetzt, um die nach dem Obigeu
erfOl'derliche Respllnsion mit II a 27 herv.ustellen. V_ 9 und 10
müssen nach II b 11 f. mit kurzen Silben begiuuen, 12 auell wolJI
mit einem Vokal, damit koine Position entstehe, vgl. Il a 6 im-
J rpolpo/l] oder -'1101'].
Es bleibt die Frage, was für eine Art von Gedicht denu hier
vorliegt. Indem ich V. 1 f. ergän<lte, wollte ich keineswegs
für einen erklären, so wenig wie Frg. III wegen TOV
V. 2 für Hymnus. Ich ,meinte vielmehr, dass {He Dichter
nicht so. an die eigentliche Bedeutung dieser Worte gebunden seien
wie die Grammatiker, upd dass bei einemLiede auf Apollon immer-
hin die Bezeiehnung 1fUuXV von Pindar gebraucht sein könne, 9ouoh
wonu die Grammatiker das Gedicht in eine andere I{lasse hätten
setzen müsseu. Und ich glaube, dass dies gethan; denn dlts
f.ul1or; mi,(J:J'Evrjta(; 01tOr;, welches V. 12 f. deu Chal'it,en beigelegt wird,
enthält doch einen deutlichen Hinweis auf ein na({thV8tOl!, gerade
in dem Ausdl'uck na(lff8v1jtac;, der sonst recht ullmotivirt wäre. Die
nU(J:Jsvsia aber und ihre Uuterarten, wie die enthalten
nach Pl'Oklos Chrest. p. 247 W. zugleich dlts Lob von Göttel'll und
das von Meuschen, gerade wie hier der Preis einel'seits des Apol-
Ion, andrerseits des E0hekrates wird. An ein oarp'lJ1j-
rpO(l'xoP könueu wir übrigens nic\lt denken, da diese nach Proklos
l>ei der Prozession gesungen wurden; hier dagegen bietet ein fest-
liches Mahl die Gelegenheit (V. 9). Gerade für ein solches passt
ll.llch der Ausdruck nIXulv; s. Alkman Frg. 24; ({'olvate; rJi xal il!
3l.aaOtfltv •• 7q(EnEt 1tauxva Echekrates nun wird für ein
Fest des Apollon der MtTOV(JYOG gewesen sein, der zugleich ein
458 Zu den griechischen Lyrikern,
Festmahl gab und einen Chor dazu ausrüstete, und insofern war
es bei solchen naq:hl'Eia dann angemessen, dass auch der Gastgebel'
und Besteller einen Thei! des Lobes erhielt. Möglich, dass in
Frg, XV ein Theil des Titels erhalten ist: 1Ut(l3-]EIIEt[OIl •• mfLLp .,
'Oqxo],ct6l!o(",; doch suche icb letzteres Wort lieber in Frg. i 3 :
'O(JX]op,[I1VOV, oder 'OqXOlfLEv]ov.
indem ich nun die Fragmente zur weiteren hoffentlich noch
erfolgreicheren Bearheitung Andern übergebe, füge ich scbliesslich
noch einige WOl'te bezüglich einer seltsamen EigenthÜilllichkeit die-
ses Papyrns hinzu. Ich meine die Punkte am Ende 'und inmitten
der Zeilen, bald ohen bald unten, ·bald zwischen Wörtern, bald
zwischen Sylben, wie na(J:hvTj. UJ,t; I 16; cfut' [-lOl' U a 27. Sollen
sie den metrischen letus bezeichnen? die Versfüsse abgrenzen?
keine von diesen Annahmen lässt sich durchfiihren. Videant alii•
. 11. Vermischtes zu AIkidos, Stesichoros, Bacchylides.
1. Bergk Lyr. III 1335 macht auf eine Stelle der Vol. Her-
culan, (ed. Oxon. II 122) aufmerksam, die augenscheinlich ein Frag-
ment des Alkaios enthält. Die betreffende Rolle (DemetrioS1lEf//'
1lotf/ctawv) ist inzwischen in der italienischen Veröfi'entlichung (Coll.
alt. Vol. V) nochmals wiedergegeben, und wir können aus der Ver-
gleichung heider Ausgaben nun auch für die Herstellung jenes
Fragmentes manches gewinnen. Die Zeilen lauten:
Ed. Oxon. bei Bergk L c. Ed. Neapol.
- _. tcfaqUJ -' aptlr
- vA., •   • , • lIW 1'fLl1lIut •• l' .•
• • • OEXEVTJ (J1fE • • OI1KOJJf/ .: • • • • 01UJ
• • • • . • • OWt ••• . l:aIJ:hvoooVOt
5 xa1lW rap XECf!a u • . .
Aal' KU'l."tOX01;OI' ,FOIl lavKanox ' • 1:: • , r
ov
iJafLa :JvfLO'IJ m1::Ul-pliIlOt :J-u[-ta3-vfL{)l'at.WIIE
1l110U1lnOllI1Vat; l'O(fn;8 , aTovofLl1VUO
1::axE'l.'I'jWOOtlxrn mXEt " •
10 , E'lJ7tC • , • aL . • . • • •• '•• : • limo • • Cf. ••
1XllII:(.t!1; ••• AV.aKCUpV • •
Von dem mit einem Punkte bezeichneten a Z.2. 5. 11 ist
bloss der reohte Strioh in der Neap. sichtbar; man kann also auch
an 0, A, v, X denken. 1:: Z. 8 kann auch als 11 gelesen werden ;
von dem 7: Z. 9. 11 ist die obere Linie da. Weshalb (. öfters
Zu den griechischen Lyrikern. 459
unsicher ist, versteht sich leiollti () Z. 8 ist auffallend klein, so
dass man es für ein verstümmeltes 'f! halten könnte. Von 0 Z.10
und von 'iJ Z. 3 siebt man nur den Anfa,ng, .
Wir gewinnen nun Z. 5-8 mit aller Sioherheit den Vers:
lu.h:w rUf! XlifpaÄav ){(J;rlUXct, ,(;lJII Fell
l
3-a/-ta 3'ii/-tOV   Das
Metrum ist das von Alkaios in der Beschreibung seines Waffen-
saales, und SOllSt stichiach gebrauchte: _w._v_, __v __,
s. 15-17; 50-52. Von dem vorhergehenden Verse lässt
sich ebenfalls ein Stück erkennen:' &6KOIl1] v_\; 1U!(?i 'ff!baG
olvoG, oM' laTiltOr;. Wie weit das Citat zurÜcln'eicM, ob bis zum
Anfang der Columne, lässt sich nicht erkennen. Auf atna/-ISVOt;
folgt :7UJo(J:r(!vowJll{Xr; (?) 7:axtit •. rrroo' v E1Jn v ft v nw. Da.nn
ProSl1 des Demetrios: Kal 'WtdiJTa Kat • • . Den letzten
Vers des Dichters vermag ich nicht herzustellen; etwa nliOaT(lvO-
I d • , I >' , >\ .t I ? EI I .
pc1JQt; Ta KliV ""1j, . 1. "tliia"tliAOp6VQt; lirp Ql{; av uf!aO?J. esyc 110S
hat "t6'(;uWiAops/lor;, W;TIJ,OtWKO"tE110r;, und ftliiftl1ei;aav
/-uiWlIOtaV, woher M. Schmidt in der ersteren Glosse
.ändern möchte, welches mit nliOftOdJ!-tEVOr; confundirt sei. Im ersten
Verse rfE KOIl1] •• nE(!l rp@8var; olJJor;, für KO'Pl;'l; oder bOJJEt Vgl. bei
Hesychios: Kovli: bE(!rliZ, und über die Form Ahrene D. A. 139.144.
'IJ:rf!tQt; steUe ich mit IJW1:1/(ltOr; zusammen. Also:
v OE KO'll1] v - 1f8(?t oM' lar@tot; • I
Kand rd(J K8rpd.Aav XftTÜJXEt, 7:011 ,pO'll 3-d"ta :Ji!pov ..  
2. Alkaios Erg. 92 Bgk.: a(lralfiov ntivla Kdxov ltaXli1JJv, li.
ft1iya Oafmur; I AUov &"UI.XU1JU[, IJ1JV MSAIJ'$lf. Also Hexameter bei
Alkaios? Vielmehr:
"A(Jr&leov nsvta K(tlCOV {k;XE7:01', (), fdra
-...." l' '_t ,
Uft/-tvatr; laov al-tUX(XII 'lf avv ftuslrp81f,
im gleichen Metrum wie Erg. 93. 25. Im ersten Verse kann man
/-dra (cod. A) nnd I-drav (vulg.) unbeschadet des Metrums schreiben.
3. Stesichor. Erg. 7 Bgk. (aus der Geryoneis), bei Ath. XI
499 A:
:EKli7lrpEtOV OE AIIßdJ1l otfnar; lll-tftli7:(JOV {Ur; '(;(ltlarvvov
nl:lIEv S1ltlJXOft6110C;, 7:0 QtX ot na(JS:J"IlCli t1JOAOt; KE(Jarrar;.
Durch die Aufnahme von axlln(f!8tOv (Casaubon.) für aKvrplov oder
l1lf:Vrp8tOl' der Hdschr;, und von 7f.tV8V (Bgk.) für das überlieferte
nUl/l, n;;, ni ist die antistrophisclIe Responsion mit dem folgenden
Frg. (8) desselben Gedichtes zerstört. Wir haben daselbst V. 3 f.:
i1rplxot:7' t8(?fiC; nOTI, ßsv,{tlia 'II1
1
)(rOr;
no'(l, /-taT8(la xOV(JUjlftl
l
7:' ltloxov natOar; 7:li rpllovt;,
und genau in demselben Masse Frg. 7:
460 Zu den griechischen Lyrikern.
UX{,rpWIJ J..cxflwv EflfUi7:{fOV 7:{ftAarvVOV
I, > I I )i I < '0 m" I
11,1- Enlaxofu,vOt;, 7:0 lta 0/- na(!liv'rjKli W(JIl.0t;
Weder das Adjectiv awuqJEWt;, noch a"VnrpliWt;, noch oxvrpWt;, sind
anderweitig zu belegen.
4. Baccbylid. Frg. 13, aus den Paeancn, das bekannte Lob
des Fl'iedens, ist bisher noch nicht in Strophe und Antistroplle
aufgelöst worden, wiewohl auch Westphalletr. 11 673 hervorhebt,
dass darin der Umfang jeder audern daktyloepitritischen Strophe
übel'schl'ittel1 werde. Man könnte ja immerhin, mit Hartung, ein
Zerfallen in Epode und Strophe annehmen; aber doch nicllt eher,
als bis sich das Fehlen einer antistrophischen Responsion sicher
herausgestellt hat. Es ist aber im Gegentheile eine solche vor-
handen. Man vergleiche V. 9:
Xf!.AH6fiv 0' OVK Elm ocxl1TJrrul/I K.V:nOt;
mit V. 3 f.:
:J"EotOLV (J,Z:J'lio:JUt flowv mAori. ,
I r
Weiter 10. 4, f.:
OfJOE aVAuraL flliAlrp/!WV I i}n/lot; uno flA8rptlf!WIJ,
flij(!U illIlVr(!'xWv rli I rVfl'Vu(JÜtJII rE l'bot{;.
Das Entsprechen wird noch genauer, wenn man fl"1f!l' 8vr(}lxwlI 1:8
felnAWV schreibt; nämlich in der bei Stoh. vorliegenden Uebediefe-
l'Ullg: fl"lffVru.1t (fL"Iplr«ll) 8vl:(!lXwIJ ist offenhat' die Lesart fel"l!!l' liV1:(J.
ulit der ursprünglich übergeschriebenen illVV7:!,J, vereinigt, Bei den
folgenden Stücken ist eine grössere Verschiedenheit: V. 11 afelOP
:Jw.n6L Xl3(j,(J, dagegen 5: «VAflJl1 Tli x«t nWfelWIJ fedAlilJl. Aber
jener Vers ist nicht so überliefert, und aus dem JfWt; oder
der Hdschr. vielmehr   oder herzustellen, vgl. Eur. Rhes,
554 ff.: .:JeArEL 0' lJf/flflrOt; 80ffUV   ya(! 8flu
n(!Qt; «viit;, und Pind. Pyth. 9, 23 ff. Es folgt V. 12. 6 f.:
(fVttnOalWI' d" EffU'f(JjIJ flffl':JOI!l:' arvwi, I ilfUOLxol .:J' VfeLVOL rpAir
ovn
EV OE at.:Jii.v I iipaX'IIiiIJ lorOb nSAwl;aL.
Die Ungleichheit im zweiten Gliede lässt sich heben, wenn man
etwa an' vor apaxvii.v einschiebt (Hartung: al.:Jwv iipftXJliwv
Uebrig sind die StÜcke vor unsern Ausgangspunkten.
V. 2 f. 7:
nAovwv Kat fl8AtrAlOO(jWIJ aOteffiv IJ.v:J8all oald'aAsw'V T' inl, ßW/-lWV
Y , ' "l:' " , ll.!' ' (>' )
8YXlift 'C8 Aoyxwra strp8a 7: (J,/-UpaKfft I uU/-ll'IUaL liV/!ldt;.
V. 2 schon Boe;;kh: nAovrov fLliAcylw(f(JwlJ r', wodurch die
Kola alslJald gleicl} worden, E,V(!lut; fehlt bei Stobaeus überhaupt
und ist erst aus Plutarch (NUll. 20) hinzugefügt, der seinerseits
ganz ungenau citirt; aus der Responsioll ergiebt sich nun, das,s
Zu den griec1lischen, Lyrikern. 461
F. BI as s.
.:JaA1TH xsaf!.
&YVUtt,
zwischen oalrlvamt und sVflWe; noch ein daktylisches Wort felllt. Somit.
stände nur V. 1 <lxrlit &8 rli {hJamtOtp flsyaAa (fdyap) allsser-
halb der Responsion und wäre einer Epode zmmweisell, falls mall
nicht etwa die Lücke bei Ifa-flJ'antt zu dem Umrange VOll fast 1
1
/2
Kola ausdehnt und V. 7 EYXf:ifJ, •• rtfUPUXl:irl, mit 1 'r[XTSI •• fuJl'ltP
. respondiren lässt. Indess empfiehlt sich dies wenig, da auch Plu-
tarch, der his oaAreiyywp xrvnoe; citirt, nichts zur Ausfiilluug einer
so grossen Lücke bietet. Ich stelle also das Fragment so her:
(8n.) TlImit 118 TS .:Jvamlatv slflrJ.1'Il, flsyaAa
(aT.fl.) 1CAOVTOP flliAtYAwaowp .,; aoltfap
omoaUwp .' 8n/' fJwfUJ)V .
fJowv fJ!AOY/'
5 Ili/fla mpv7:/lixw1' rs (WII:l'li1xrfllx,wv "rs
YVllPWJlwv 1:8 V80le; aVAwv 1:8 xal xWlu;},' ItEASIV.
8V 08 (Jufafl0rf8TOle; n6f/na'gw al.:Ji'i1'
(
' ') , v .... C \ "
an ltf!axvav larOt ns"Ovwt'
(&1'7:.) J!rxsa rs AoyxwTa sUpsu T' afUpuxEu
10 oal';;arat s-lJf!w,;':'
xaAxsfiv 0' ovx SOrt aulrciyywv xrvnoe;,
oM8 m;')Jirm IISAtPflwV
vrevoe; ano &11;0e; 8c;
I   c. ,
aVflTCoOIWV ,U liflarw1' fJf!l8uvT'
15 nUlcftxot .:J' i'ln-Ot fJ!Asyorn.
IGel.
Der Herr Verfasser, dem alle Freunde griechischer Poesie für
seine sorgfältige Untersuchung und Mittheilullg jener lyrischen Re-
ste Dank wissen werden, hat mich aufgefordert zuzusetzen, was zur
Ergänzung seines Aufsatzes dienen könnte. Das Hauptstück hatte
ich mir vor mehreren Jahren aus den Sitzungsberichten der französi-
schen acac1emie des insCl'iptions Paris 1871 Mai S. 248 abgeschrieben,
welche Publication übrigens weder den Anspruch machte den Pa-
pyrus genau und vollständig wiederzugeben, noch jetzt wo die
Lesung des Hrn. Blass vorliegt, weit,eren Werth hat; auch hatte
ich damals zu OTfirpavwfUt. owr6e;, wie dort edirt ist, angemerkt
dassPindar fIUifJ!al'wllu so zu übertragen liebt, denn diesen vh-
mut,het ja wohl jeder sogleich als Verfasser des Lieds. Fiirden
Anfang möchte ich nach den jetzt vorliegenden Notizen etwa fol-
gende Ergänzung vorschlagen:
r' 8ns' aylß- ;mnov, ev:Ta n01s
1I0e; smcAtiii .:JS/-lte; Q,sflSlll rQsle; EVQvp6,lrt
'An6AAwJ1t It811 .:JliW1', 10 yAvxsiae; suxrsv,
araQ lh-oQ'll1' 'Exsxfla1lit b:flf.qtOJ1T.O ets .:Jso'ie;
5 nato/, IIv.:Jll,yysAw 'UJU; &yAaov IISAOe;
arsrpal/lÜflll, orume; Ixvn'J naf/8-81
I
'fJ/.ae; lnoe;
nOAtV 'OQXOll81IW &iv- rliaap' Tl yafl (lv a-
Wendung und Ausdruck der ersten Verse wie gleich in der ersten
Ode V. 103 EflS )tSl,IO)' l.1T.ns.ltp l!D/Mf!
462
Zu den griechisehen Lyrikern.
XQ1]; ebendort 119 EfJ.S Te im Gegensatz zum Sieger,
anderswo im Gegensatz, zum Gott oder Heros
7
überhaupt os,
all' EftS oder eine andere Form dieses Pronomens im Uebergang
gern vorangestellt
7
TO 0' EfJ.OP raqvEv 'tano .sm/pamv xlSo(;
n. a. Echekrates und Pythangelos als Namen von Böotern sind
in Benselers Onomastikon naobgewiesen, auch ein IIv:frivye}.Qr; Ka-
ptmev!; von Athen. Da.s den Agon verherrliohende Lied soll Kranz
und Krone des Festmahls dem Sieger selber sein, denn ain:w ist
auf alle Fälle berechtigt wegen der näohsten Beziehung des
ses zum Opfer und zum Gott {Pyth. 5, 79 Isthm. S, 79),wegen
der von oatT6(; unzel'trennlichen Festgenossensohaft; esscheillt mir
besser als aVT6:hv, woran man denken könnte, um das Ziel <nach
Orchomenos' schärfer heraustreten zu lassen. V. 11 .st(JECPOV7:0 nach
emn:EJI ist eine sichere Ergänzung von Hrn. Blass, welcher jeder
andere Vorschlag wie (Jl(1ErpOV7:0 1I:(Jf)(; fJ.81or; XO(lov weichen muss.
Aber eine neue Sage ü.ber die Erziehung der Chariten und den Na-
men der Themis hier einzuführen ist nicht rathsam; der irdischen
Geburtsstätte gegenüber genügte es die Göttlichkeit ihrer Kunst
im Allgemeinen zu bezeichnen oE; naf.! Ist hiermit
das Rechte getroffen, so lassen Umfang und Reste der Lücken in
Z. 12 und 14 wohl nur einen Relativsatz des Inhaltes zu, dass die
Chariten durch das Liedibrer jungfl'äulicben Stimme die Götter
erfreuten (01. 14, 11. Hesiod Theog. 64ff.). Wenigstens kann ich
kein pnssendes Wort für den Aufang von V.12 finden, wenn man
hpErpwro XBEtl' oder ähnlich schreiben wollte,. eine für den
Dichter gewiss erlaubte Ausdrucksweise, ,dll 7:p6rpEU; von nauJEiELv
in vielen Verbindungen nicht weit absticbt und Hornel' ör; fUV Eng7:E
xal E7:plirpl! 1I:iÜw. I'cV8U:tu.t Tewui zusammenstellt; es müsste denn
erlaubt sein das letzte Zeichen in V. 11 anders zu lesen, etwa
nuf.! :t(lOVfP du)!;. F. B.
Nachwort. I 6 trnirpavwp.a oat'/;l XA:V7:[r!, nach 01. 8,52
dcil.a xÄvn.(p? In II a B, welcher Vers mit diesem zu respondiren
scheint, ist (](iWv (:tEWP 1 f]cwv) ebenso möglich wie OUWll. -
V. 11 f.: llviht 11:07:8 I EV(lVVDita   eWCRJPf
Dass V. 12 z. Auf. 5 Buchstaben fehlen, ist sehr wohl möglich;
&.no:tEOWt; wie 1,xlimo!;, MnaUWt;; ano.l:teo:;Jut vom Aussetzen
der Kinder bekannt, geheim. Als rechtmässige Gemahlin
des Zens konnte Eurynome, wenn man. sie in Orchomenos gebären
liess, nicbt aufgefasst werden; sie erscheint auch bei Heaiod nicht
so. - Endlich glaube ich nicht 'zu irren, wenn ich II a 8, mit Be-
nutzung VOll Frg. VII.2 so ergänze: .. xJai uv]ii1/1WV, vgl.
Nem. VI 15 f.: .sll IIea'§,Loaitavrot; Mv nMa 11EilaJV1tftTeOna-
T0(10r; OfJ.€l.tidov. Hinter anx VII 2 ist noch ein Buchstabenrest,
der sehr wobl zu einem N gehören konnte.
F. Blass.

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