Appell einer Libertären: Mehr Mut zu Recht und Freiheit!

Liebe Jungliberale, Liebe Interessierte, Ich möchte mich im Namen der Students for Liberty Heidelberg noch einmal ganz herzlich bei euch bedanken, dass ihr uns auf diesem Wege eine Plattform gebt. Wer sind wir? Wir sind eine Hochschulgruppe junger Studenten, die sich zusammengefunden haben, um in Heidelberg eine libertäre Kraft zu entwickeln, die gesellschaftlichen Wandel voranbringen möchte. Wir sehen uns klassisch-liberalen Idealen verschrieben, so wie sie Friedrich August von Hayek, sein Schüler Roland Baader oder der große Denkvater Ludwig von Mises vertraten. Aber wie kommt man dazu sich neben dem Studium einen solchen freiwilligen Full-time-Job auszusuchen? Als ich vor ca. anderthalb Jahren eine Gruppe namens Netzwerk Junge Libertäre bei Facebook gründete, hätte ich niemals gedacht, dass daraus ein solcher Erfolg werden könnte. Ich war damals schon sehr motiviert mich für libertäre Werte einzusetzen und sah mich nirgends wirklich repräsentiert. Über die Gruppe merkte ich, dass es deutschlandweit doch einige Einzelkämpfer der Ideen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gibt. Aber im Raum Heidelberg gab es bisher nichts Vergleichbares. Ich ging zur ersten European Students for Liberty Konferenz 2012 in München, die zugleich die erste in Deutschland war, und lernte die ersten Heidelberger kennen, die ich als Mitstreiter für die Idee einer eigenen Hochschulgruppe gewinnen konnte. Aber wir waren noch zu wenige und die Idee noch zu unkonkret. Der zündende Moment kam dann eigentlich bei dem ESFL Local Coordinator Retreat in Köln. Mittlerweile war ich Local Coordinator bei ESFL. ESFL ist sozusagen eine Anlaufstelle für europäische, liberale Studentengruppen, die sich vernetzen wollen und/oder noch Hilfe beim Aufbau benötigen. Das Treffen in Köln war ein briefing, wie man die Ideen der Freiheit am Besten vor Ort verbreiten kann und ganz konkret wie man eine eigene Hochschulgruppe gründet(!). Von da an war ich mir sicher, dass ich dieses Projekt in Angriff nehmen muss und bin schon heute sehr froh wie viel sich damit bewegt hat. Wir sind jetzt immerhin 12 Libertäre, die sich alle 2 Wochen treffen, Vorträge organisieren, viel diskutieren und jetzt auch einen Lesekreis etabliert haben. Viele fragen uns warum man sich für Libertarismus einsetzen sollte. Es gibt meiner Meinung nach zur Zeit drei dringende Gründe, die beim weiteren Ingnorieren verheerende Folgen nach sich ziehen werden. Als Erstes muss unser Geldsystem endlich verstanden werden. Die österreichischen Ökonomen, allen voran Hayek, erkannten, dass ein staatliches Zwangspapiergeld an der selben Unsteuerbarkeit von Märkten zugrunde gehen muss, wie der Sowjetkommunismus. Natürlich kann man von einer Euro- oder Dollarkrise sprechen, aber im Kern ist es eine Zentralbankenkrise. Der Euro wird nicht nur an den Zerreißkräften, die die unterschiedlich entwickelten Volkswirtschaften nach sich ziehen, zu Grunde gehen, sondern grundsätzlicher einfach daran, dass keine Zentralbank der Welt, die benötigte Geldmenge und den benötigten Geldpreis, den Zins, auf Dauer richtig erraten kann. Diese können nur durch einen Wettbewerbsmarkt zu einer gesunden und dauerhaften

Allokation der Ressourcen führen. Wir fordern deshalb eine Denationalisierung des Geldes nach Hayek. Dieser Fakt zieht sehr viele Folgerungen nach sich. Beispielsweise, dass viele Dinge, die heute am Wohlfahrtsstaat oder der Marktwirtschaft kritisiert werden, nur Symptome dieses falschen Geldsystems sind. Beseitigen wir dieses Grundübel nicht, sind alle weiteren Maßnahmen nur Schönheitskorrekturen eines kranken Systems. Der zweite Punkt, der mit dem ersten zusammen spielt, ist die zunehmende Zentralisierung und Kollektivierung Europas. Die Probleme, die mit diesem Geld einher gehen, werden heute versucht durch mehr Sozialismus auszugleichen. Durch Planwirtschaft hervorgerufene Probleme planwirtschaftlich zu lösen, hört sich nach keinem zukunftsfähigen Konzept an. Auf EU-Ebene regulierte Löhne, gleiche Rentensysteme, eine ungewählte EU-Kommision für 500 Millionen Bürger sind mit liberalen und rechtsstaatlichen Prinzipien unvereinbar. Mittlerweile 10.000 Bürokraten, die mehr verdienen als Angela Merkel und umweltfreundliche Glühbirnen verbieten. Rettungsschirme und Staatsfinanzierung durch Hintertüren. Die mir zur Verfügung stehenden Zeilen reichen nicht alle Verfehlungen aufzuführen. Da wird an der Spitze des Eisbergs schon klar, wie sehr wir uns in eine Sackgasse manövriert haben. Wir verteidigen ein liberales Europa. Ein Europa der vielfältigen und bunten Vaterländer, die in Einklang neben einander leben, ohne alles zusammen planen zu müssen. Ein Europa in dem nicht die Bürger vom Staat, sondern der Staat vom Bürger überwacht wird. Wo echte Marktwirtschaft statt Umverteilung an der Tagesordnung stehen. Diese schafft anstatt Gerechtigkeit nur Neidkultur, wie an der aktuellen Rettungspolitik wunderbar beobachtet werden kann. Der dritte Punkt ist natürlich die Philosophie des Liberalismus nicht nur auf die Weltpolitik zu beschränken, sondern den Individuen die Vorzüge eines freiheitlichen und selbstbestimmten Lebensstils näher zu bringen. Auch ohne EU wäre Deutschland größtenteils sozialistisch und damit unmoralisch organisiert. Wir können unser Schulsystem nicht frei wählen. Genauso wenig unser Rentensystem oder unsere Gesundheitsversorgung. Was das wichtigste ist: Es wird überall ein Scheinwettbewerb aufrechterhalten. Es gibt zwar private Kassen, aber kein Arzt kann mehr staatliche Patienten ohne Ausgleich durch private finanzieren. Sonst könnte er seine Miete nicht bezahlen. Dies stellt natürlich eine Subvention dar. Die viel zu teuren Privatkassen sind also Folge dieses Scheinwettbewerbs. Die Bürger müssen sich endlich darüber im klaren sein, dass es Ziel jedes Menschen sein sollte, nicht von dem Raub des Staates abhängig zu sein, sondern ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nur dann kann wirkliche Freiheit herrschen. Dies ist nicht nur auf Wirtschaftliches beschränkt. Wieso hat ein Kollektiv zu entscheiden, wer wen heiraten darf, wo und wie in den Wald gepinkelt wird, wer welche Autos fährt, wie viele Frauen in einem Betrieb arbeiten, wo geraucht, nicht geraucht oder nur halbgeraucht werden darf. Dies alles könnten die Individuen für sich alleine entscheiden. Dafür ist es unerlässlich, dass die richtige Literatur gelesen wird. Wir stehen allen Interessierten mit Rat und Tat zur Seite. Unser Appell an Euch ist, dass diese Themen herauszustellen in den Letzen Jahren verpasst wurde, um sich somit klar von anderen politischen Strömungen abgrenzen zu können. Die Liberalen

haben eigentlich ein starkes Profil und diesem muss wieder zu mehr Geltung verholfen werden. Für fundamental halte ich es, dass die aktuelle Finanzkrise nicht als Folge von Kapitalismus entstanden ist. Diese Klarstellung wird von den übrigen Liberalen unserer Meinung nach viel zu wenig betont. Die Bevölkerung denkt immer noch Bankenrettungen und Massenarbeitslosigkeit wären natürliche Erscheinungen einer Marktwirtschaft. Wir stellen ja in gewisser Weise einen radikalen, also konsequenten, Flügel dar. Aber auch jedem sozialliberalen sollte es zu denken geben, wenn ganze Staaten pleite gehen, der Interbankenmarkt eingefroren ist und jeder Bürger weltweit von der NSA ausspioniert wird. Lasst uns gemeinsam für mehr Freiheit einstehen und keine faulen Kompromisse gegen das Individuum schließen, wie die liberalen Kräfte es die letzten 20 Jahre gemacht haben. Wie Frank Schäffler es immer wieder betont:“Mehr Mut zu Recht und Freiheit!“ Ich hoffe wir sehen uns alle im März auf der nächsten European Students for Liberty Konferenz in Berlin, auf der mehr als 500 Studenten unterschiedlichster Nationen, Ethnien und Glaubensbekenntnissen erwartet werden. Zeigen wir, dass es sehr wohl eine gut informierte und schlagfertige Jugendbewegung gibt, die den angeblich alternativlosen Wegen der Sozialisten aller Parteien etwas entgegen zu stellen hat.