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Diejenigen Antisemiten, welche ihrer Judenhetze ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen, behandeln die Judenfrage mit Vorliebe als

Rassenfrage und bekämpfen dann die Juden als eine den Germanen gegenüber niedere Rasse, welche durch ihre innige Berührung mit dem deutschen Volke das sittliche Niveau desselben herabdrückt. Will man bei der Debatte hierüber den festen Boden der Tatsachen nicht unter den Füßen verlieren, so darf man natürlich nur diejenigen Erscheinungen des Gesellschaftslebens in Betracht ziehen, die sich konkret greifen lassen. Nichts aber ist schwankender als der Begriff des sittlichen Niveaus und der Begriff der Moral überhaupt; das fühlen auch die Antisemiten und sie spielen deshalb die ganze Frage darauf hinaus, in welchem Gegensatze die Juden zu den kodifizierten Moralanschauungen des Volkes, zu den Strafgesetzen stehen, und die Frage lautet dann so: „Sind die Juden eine kriminellere Rasse als die Germanen?“ „Die Juden als Verbrecher“ — das ist das Schlagwort einer ganzen Reihe von Zeitungsartikeln in der antisemitischen Presse, von Hetzreden und Broschüren. Das antisemitische ABC-Buch, aus welchem die Antisemiten ihr geistiges Rüstzeug holen, legt auf diese Frage ihr Schwergewicht und erst kürzlich ist im Verlage von Fr. W. Grunow in Leipzig eine Broschüre erschienen*), welche sich ausgesprochenermaßen die Aufgabe stellt, die Verschiedenheit oder vielmehr die niedere Artung des jüdischen Volkscharakters gegenüber dem germanischen aus der Kriminalstatistik abzuleiten. *) W. Giese, die Juden und die deutsche Kriminalstatistik; Leipzig, Fr. W. Grunow, 1893.

Inhaltsverzeichnis
1. Die deutsche Kriminalstatistik und Strafliste 2. Verurteilungen in Bezug auf Sozialistengesetz, fahrlässige Köperverletzung 3. Vergehen gegen die Gewerbeordnung 4. Das Verbrechen der aktiven Bestechung 5. Beleidigungs-Delikte 6. Sittlichkeitsverbrechen, Kuppelei 7. Glücksspiel, Unterschlagungen, Betrug 8. Verbrecherischer Bankrott, Konkurs, Betrug 9. Eigentumsdelikte 10. Hehlereidelikte 11. Lebensmittelverfälschung 12. Der Meineid und verwandte Delikte 13. Schlussbetrachtung Wir wollen den Pfaden dieser Untersuchung hier nachgehen, aber wir müssen dazu, um unseren Standpunkt zu präzisieren, eine allgemeine Bemerkung vorausschicken:

Das Proletariat rückt immer weiter aus dem Kreise heraus. Das sind die einfachsten Beziehungen zwischen Gesellschaftsform und Verbrechen. Diejenigen. der von den Juristen aller Schulen über das Wesen des Verbrechens gebreitet worden ist. der Mensch erscheint uns vielmehr als das Produkt seines Milieus. die immer mehr alle Gebiete wissenschaftlicher Forschung revolutioniert. — . wo man in den Mittelpunkt der Geschichtsbetrachtung die einzelne Person stellte.Die Zeit ist noch nicht ganz vorüber. als ein Verbrechen bezeichnen. Von diesem Standpunkte aus stellt sich die menschliche Willensbetätigung nur als das Resultat der Vorgänge in der Außenwelt dar. Unter diesem Gesichtswinkel sind alle menschlichen Erscheinungen zu betrachten. und von diesem Gesichtspunkte aus lüftet sich auch sofort der metaphysische Schleier. dass überall in der modernen Gesellschaft die kriminellste Klasse das Proletariat ist. In einer auf dem Privateigentum basierten Gesellschaft wird natürlich als Verbrechen par excellence jeder Eingriff in das Privateigentum angesehen werden müssen und in zweiter Linie jeder Angriff auf diejenigen Institutionen. sondern eine soziale Erscheinung — oder wie Frz. was die im Besitze der Macht Befindlichen. je stärker die Besitzlosen. die Entrechteten selbst werden. werben auch Zahl und Art der Verbrechen sich im wesentlichen nicht ändern. Die materialistische Geschichtsauffassung. — und dieser Ansturm ist eben das. wenn wir uns nicht in dem Irrgarten doktrinärer Spekulation verlaufen wollen. um welche sich der Gang der Ereignisse dreht. die Tatsache der Besitzlosigkeit und relativen Rechtlosigkeit genügt. der durch die spontan entstandene und bewusst ausgebaute Rechtsordnung für die Besitzenden eingehegt ist. sondern als die Resultante aus diesen individuellen Eigenschaften und dem sozialen Milieu. legendäre Anschauung in ihren geraden Gegensatz umgekehrt. Der ganze Entwicklungsvorgang ist sehr einfach. die sich aber immer mehr komplizieren. die zur Sicherung der Macht das Recht dekretieren. in welchem sich der Verbrecher befindet. das sich mit Notwendigkeit ändern muss. Das Verbrechen ist nicht eine individuelle. hat diese alte. die Besitzlosen zu einem stetem Ansturm gegen das einzig die kraft ihres Bestes Stärkeren schälende Recht zu veranlassen. Wird das als richtig zugegeben — und ernstliche Einwände können dagegen nicht erhoben werben so kann es nicht überraschen. der ganzen Summe von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zuständen. Und uns erscheint nicht mehr die einzelne Person als die Angel. v. wenn das Milieu eine andere Gestalt annimmt. Liszt in prägnanter Weise sich ausdrückt: „Die Mikrobe des Verbrechens gedeiht nur in der Nährflüssigkeit der Gesellschaft“ Und so lange die im Gesellschaftsleben wirksamen fräste dieselben bleiben. die ihn umgeben. als eine Rechtsverletzung. wo man in den persönlichen Eigenschaften des Menschen den Schlüssel für die geschichtlichen Ereignisse suchte. welche zum Schule des Privateigentums sich heranbildeten. Das Verbrechen erscheint im Sichte der materialistischen Geschichtsauffassung nicht mehr als der Ausfluss individueller Eigenschaften des Verbrechers.

was die Kriminalisten der älteren Schule „verbrecherischen Sinn“ nennen. abgesehen von pathologischen Fällen.Es ist klar. . Von diesem Gesichtspunkte aus soll die Kriminalität der jüdischen Rasse untersucht werden. dass in diesem System für das. kein Raum ist. Sehr wohl aber können besondere Charaktereigenschaften. Rasseneigentümlichkeiten. gesellschaftliche Gewohnheiten der einen oder anderen Gesellschaftsklasse eine Änderung in der Art der Verbrechen ausüben.