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Er kann als Höhepunkt einer literarischen Fehde gelten, die mit mehreren Besprechungen von Meyerbeers "Prophet" in der

NZfM im Januar 1850 begann, in denen dem "vaterlandslosen Meyerbeer" ein "kosmopolitischer Musikstyl" vorgeworfen worden war. Wagner reagierte mit seinem Beitrag auf einen vorangegangenen Artikel, den sein Freund Theodor Uhlig in der Neuen Zeitschrift für Musikgeschrieben hatte und sich dabei über den „hebräischen Kunstgeschmack“ äußerte. Er hielt es, wie er selbst schreibt, für notwendig, diesen Gegenstand näher zu erörtern, um „ das unwillkürlich Abstoßende, welches die Persönlichkeit und das Wesen der Juden für uns hat, zu erklären, um diese instinktmäßige Abneigung zu rechtfertigen, von welcher wir doch deutlich erkennen, dass sie stärker und überwiegender ist, als unser bewusster Eifer, uns dieser Abneigung zu entledigen.“ Der Aufsatz fand zunächst keine große Beachtung, mit Ausnahme eines Protestes von elf Professoren des Leipziger Konservatoriums an Franz Brendel, den Herausgeber der „Neuen Zeitschrift für Musik“, die diesen zum Rücktritt aufforderten. Im Jahr 1869 veröffentlichte Wagner den Aufsatz erneut, und zwar als eigenständige Broschüre unter eigenem Namen mit einer Widmung sowie einem kurzen Vorwort und ausführlichen Nachwort an Marie von Mouchanoff-Kalergis. Diese hatte 1860 ein Defizit seiner Konzerte in Paris mit 10.000 Frs. gedeckt.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Broschüre von 1869

Nach einleitenden Betrachtungen über eine vermeintliche übergroße Machtfülle der Juden („... der ‚Gläubiger der Könige‘ zum Könige der Gläubigen geworden.“) vertritt Wagner in seinem Aufsatz die These, dass „der Jude“ an sich „unfähig“ sei, „durch seine äußere Erscheinung, seine Sprache, am allerwenigsten aber durch seinen Gesang, sich uns künstlerisch kundzugeben“, er könne „nur nachsprechen“ oder „nachkünsteln“. Zugleich konstatiert Wagner im öffentlichen Gespräch mit Juden in ihrem Reden „kalte Gleichgültigkeit“ sowie einen „Mangel rein menschlichen Ausdruckes“. Gleichwohl sei „der Jude“ in der Musik zur Beherrschung des öffentlichen Geschmacks gelangt. Er kritisiert das musikalische Schaffen jüdischer Komponisten seiner Zeit. Als gebildete Juden seien diese bestrebt, die „auffälligen Merkmale ihrer niederen Glaubensgenossen“ von sich abzustreifen.

Zur Zeit. unnötiger“ sei. und A. wie er am Beispiel Heinrich Heine ausführt: „Ich sagte oben. Im Jahr 1850 hatte Wagner den Aufsatz in der Absicht verfasst. „Offenes Billetdoux an Richard Wagner“. nicht sowohl mir zuführen. „den Einfluß der Juden auf unsere Musik mit Aussicht auf Erfolg noch zu bekämpfen“. dass nicht die Verdeckung der Schwierigkeiten dieser Assimilation. inwieweit der Antisemitismus Wagners mentale Voraussetzungen des Holocaust im nationalsozialistischen Deutschland vorwegnimmt. diese bodenlose Nüchternheit und jesuitische Heuchelei unsrer immer noch poetisch sich gebaren wollenden Dichterei mit hinreißendem Spotte aufzudecken. weil sein ganzer Trieb zur Kunst ja nur ein luxuriöser. nur kein wahrer Dichter mehr entsprießen wollte. Bei der Wiederveröffentlichung im Jahr 1869 sieht er sich als Unterlegenen einer angeblichen jüdischen Agitation (er spricht sogar von einer „umgekehrten Judenverfolgung“). deren unbewussten Ausdruck der wahre Musiker und Dichter zu deuten habe. Petersburg 1869. Soll dagegen dieses Element uns in der Weise assimiliert werden. Der Schriftsteller Gustav Freytag warf Wagner in einer Rezension der Schrift vor: „Im Sinne seiner Broschüre erscheint er selbst als der größte Jude“. Jacques Offenbach. ja Lüge sein. so Joseph Engel. “ Die Publikation von 1869 zog zahlreiche Repliken nach sich. dagegen erfährt in seiner öffentlich-musikalischen Gefälligkeit keinerlei Würdigung. Mit der erneuten Veröffentlichung unter eigenem Namen will er seine Position der eigenen Anhängerschaft gegenüber offenlegen. ist der folgende Textabschnitt im Nachwort der Publikation von 1869 aufschlussreich: „ Ob der Verfall unsrer Kultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elements aufgehalten werden könne. wissen wir allerdings von keinem dichtenden Juden: zu der Zeit aber. der Operetten-Komponist. Grundsätzlich spricht Wagner jüdischen Künstlern jede Form von Originalität ab. nicht fähig. „dass nur diese Offenheit auch Freunde im feindlichen Lager.“ als vollständiger Verriss seiner musikalischen Qualitäten nur am Rande in einem Satz Erwähnung. dass es mit uns gemeinschaftlich der höheren Ausbildung unsrer edleren menschlichen Anlagen zureife. das Judentum in Musik. weil hierzu Kräfte gehören müßten. das Ergebnis wird aber immer Täuschung. wo das Dichten bei uns zur Lüge wurde. „wenn er künstlerisch sich kundgeben“ wolle. dem schon Heine 1842 „mangelnde Naivität“ zugesprochen hatte. als zum eigenen Kampfe für ihre wahre Emanzipation stärken könne. vermag ich nicht zu beurteilen.M. die Juden hätten keinen wahren Dichter hervorgebracht. In seinem theoretischen Hauptwerk „ Oper und Drama“ von 1852 hatte Wagner die gleiche Kritik gegenüber Meyerbeer geäußert. eine Abwehr“. Das seinerzeitige Pseudonym habe „dem Feinde das strategische Mittel“ zu seiner . „Offener Brief an Richard Wagner“. E. diese Lüge. 1869. er findet unter „Jaques O. St. sondern nur die offenste Aufdeckung derselben hierzu förderlich sein kann. Im Hinblick auf die Frage. könne „nur das Gleichgültige und Triviale sein. da war es das Amt eines sehr begabten dichterischen Juden.Bekämpfung in die Hand gegeben. Wagner geht dabei insbesondere auf Mendelssohn Bartholdy ein. Truhart. Wir müssen nun hier Heinrich Heines erwähnen. so ist es ersichtlich.Wagners . deren Vorhandensein mir unbekannt ist. inwieweit sie die Interpretation und die ästhetische Beurteilung der musikdramatischen Werke Richard Wagners beeinflussen muss. Dresden 1869. „Richard Wagner. Auch seine . Sie mögen ihr Handwerk virtuos beherrschen. da Goethe und Schiller bei uns dichteten.“ Ein weiteres Thema der fortdauernden Auseinandersetzung mit der Schrift ist die Frage. Was „der gebildete Jude“ auszusprechen habe. unsrem gänzlich unpoetischen Lebenselemente alles Mögliche. Oettinger. Zugleich spricht er die Hoffnung an.Gerade dadurch aber seien sie zur „tiefen seelenvollen Sympathie mit einer großen gleichstrebenden Gemeinsamkeit“.

aber sie müssen eine entscheidende Vorbedingung erfüllen. Jahrhundert präformiert sehen wollten. die sich im Kern bereits 1843 bei Karl Marx in dessen Aufsatz Zur Judenfrage findet: „Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum. blühendster Mann ihrer machtvollen Verführung widerstehen würde. Auflösung. Wir sind jedoch gehalten.) Letztlich hätten – so Wagner – die Juden nur eine Möglichkeit.“ (S. wie sie sich in den ‚Regenerationsschriften‘ der Spätzeit und den oft zitierten Äußerungen in Cosimas Tagebüchern abbilden. S. ‚Selbstvernichtung‘ und ‚Erlösung‘ sind also bei Wagner nicht per se Vokabeln.31-32. in den Kreis der zivilisierten Menschheit zurückzukehren: mittels eines „durch Selbstvernichtung wiedergebärenden Erlösungswerks“. mit mörderischen Intentionen zu tun haben müssen. Juden zu sein. wie diese Erlösung nicht in Behagen und gleichgiltig kalter Bequemlichkeit erreicht werden kann. daß nur der Mann sie vernichtend erlösen könnte“ [Wagner. durch Selbstvernichtung wiedergebärenden Erlösungswerke theil. die in den Stichworten ‚Untergang‘ und ‚Selbstvernichtung‘ die Vernichtung des europäischen Judentums im 20. ward er rastlos vorwärtsgejagt. durch alle Illusionen moderner Selbstbelügung hindurch. – Er war das Gewissen des Judenthumes. wenn einst ein reinster. Noth. Fischer: „‚Vernichtung‘. Künstler sein zu wollen. Prosaentwurf zum Parsifal.“ Fischer führt aus. gänzliches Erlöschen ist ihr nur verheißen.“ Sein . Jahrhundert her bestimmt zu sein. August 1865]. […] Die Juden können an diesem Prozeß teilnehmen. indem sie aufhören. Er transponiert damit eine Denkfigur in die Begrifflichkeit seiner Erlösungsmetaphysik. den Text so zu lesen. Gemeinschaftlich mit uns Mensch werden. Jude zu sein. wo er nun selbst wieder sich zum Dichter log. daß er sie nur mit auch unsrer Erlösung zu wahrhaften Menschen finden können würde.32) Jens Malte Fischer (siehe Literatur. Aber gerade Börne lehrt auch. wie das Judenthum das üble Gewissen unsrer modernen Civilisation ist. bis auf den Punkt. […] sie fühlt. den Antipoden Heines: „Noch einen Juden haben wir zu nennen. wie uns. was verneinenswerth schien. Aus seiner Sonderstellung als Jude trat er Erlösung suchend unter uns: er fand sie nicht und mußte sich bewußt werden. keine Täuschung hielt bei ihm vor: von dem unerbittlichen Dämon des Verneinens Dessen. kursiv ist im Original gesperrt. Schweiß. hat es manche Mißdeutungen gegeben. eine AhasverFigur: „Erlösung. Nehmt rücksichtslos an diesem. Börne hatte dies erfüllt. die mit ‚Ausrottung‘. daß nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers. Die Schlußpassage der Wagnerschen Schrift spielt deutlich mit christlichen Erlösungsvorstellungen. Aengste und Fülle des Leidens und Schmerzes kostet." Als Beispiel hierfür führt Wagner im Schlussakkord seines Pamphlets von 1850 Ludwig Börne an. der unter uns als Schriftsteller auftrat. – der Untergang!“ (S. wie er uns aus dem Jahr 1850 entgegenblickt. Eine solche Interpretation scheint mir von den Konsequenzen des Antisemitismus im 20. zumindest von den Verschärfungen des Judenhasses beim späten Wagner. so sind wir einig und ununterschieden! Aber bedenkt. sondern daß sie.berühmten musikalischen Stammesgenossen geißelte er unbarmherzig für ihr Vorgeben. dass „Vernichtung“ und „Erlösung“ Grundbegriffe der mythengeleiteten Phantasie Wagners sind. und dafür auch seine gedichteten Lügen von unsren Componisten in Musik gesetzt erhielt. heißt für den Juden aber zu allernächst so viel als: aufhören. 85-87) schreibt zu diesem Ende: „Von diesem Schluß ausgehend. wie sich beispielhaft in der Kundry-Figur im Parsifal darstellt.

gegen deren Spruch es keine Berufung gibt – zur Schlechtigkeit verurteilt sei. etwa die Karikatur jüdischen Sprechens. daß das Judentum von der Geschichte – einer Instanz also. daß es bösartig sei. weil das Ressentiment unverhohlen ausbricht. sieht Carl Dahlhaus die „vergiftende Wirkung“ von Wagners Pamphlet: „Der Antisemit Wagner moralisiert nicht (und Intellektuelle mögen zunächst dazu neigen. daß sie zur Gewalt aufstachelten. man entscheidet nicht selbst (um dann die Konsequenzen der Entscheidung auf sich zu nehmen). sind in Wahrheit nicht die schlimmsten.“ [1] . Er macht es dem Judentum – der Allegorie. Der Haß maskiert sich als Objektivität. sich miserable Philosopheme. zu eigen zu machen. Die Passagen des Pamphlets. die sich durch Wagners Musik dazu verführen ließen. die bei flüchtigem Lesen als die abscheulichsten erscheinen. die in der Verdrängung von Moral durch Geschichtsphilosophie besteht. für die dann die realen Juden einstehen müssen – keineswegs zum Vorwurf. sondern läßt den Weltgeist oder das Gesetz der Geschichte für sich reden. ihm das zugute zu halten).“ In der Inhumanität. Nicht die Schlächter. sondern Intellektuelle. sondern behauptet mit gelassen-richterlicher Geste.Fazit: „Zwischen dem deutlichen Protorassismus des Textes und der pathetischapokalyptischen Wolkigkeit des Schlusses klafft ein unüberwindbarer logischer Abgrund. haben Das Judentum in der Musik gelesen. die den Antisemitismus vollstreckten. obwohl man sich vorstellen kann. die sie mit dem musikalischen Werk verknüpft glaubten.