Sprachbar

Begleitmaterialien

Perlenschimmer Sie ist wertvoll, klein, rund oder tropfenförmig und ziert nicht nur Menschen: die Perle. Die „Mutter der Perle“ ist das Perlmutt. Zu schade ist es jedoch, Perlen vor die Säue zu werfen – ein Rat, der an manchem abperlt. Der römische Schriftsteller Plinius hat sich ihre Entstehung so vorgestellt: In eine sich langsam öffnende Muschel fällt ein Tautropfen, der in ihr zur Perle wird. Bis auf den Tautropfen ist das richtig. Es ist ein Fremdkörper – das kann sogar ein Parasit sein –, der tief im Wasser in die Muschel gelangt. Ein versteinerter Tautropfen? Dort wird er von hauchdünnen Schichten der Schale, dem Perlmutt, umhüllt und wächst in etwa zehn bis 15 Jahren zu einer Perle heran. Die Vorstellung von runden, perlengleichen Tautropfen hat sich übrigens in dem Verb perlen erhalten. Perlt beispielsweise Wasser an der Kleidung ab, läuft es daran tropfenförmig herunter, weil die Kleidung wasserdicht ist. Perlt im übertragenen Sinn etwas an jemandem ab, dann fühlt sich die Person von etwas nicht berührt, beispielsweise wenn sie kritisiert wird. Zurück zur Geschichte der Perle. Was die Worte von Plinius beweisen ist, dass Perlen schon in der Antike bekannt waren und man um ihre Kostbarkeit wusste. Sie kamen damals hauptsächlich aus den Gewässern vor Indien und den Randgewässern des Persischen Golfes. Perlen als Beutestücke Im Mittelalter dienten sie neben den bekannten Edelsteinen in der Kirche zur Verzierung von Kruzifixen und Kelchen, sie schmückten aber auch die Gewänder der Priester. Auch Könige und Kaiser trugen als Statussymbol perlenbestickte aufwändige Gewänder und mit Perlen verzierte Kronen. Die Perlen aus dem Orient waren zu jener Zeit fast ausschließlich Beutestücke, die als Folge der Kreuzzüge ihren Weg nach Europa gefunden haben. Wenig bekannt ist, dass es auch in Europa viele Perlen gab – zum Beispiel in Schottland, in Schlesien, dem heutigen Bayern und in den Flüssen Estlands und Litauens. Heutzutage findet man sie nur noch in nördlichen Ländern der Erdhalbkugel, denn Flussperlen können nur in absolut sauberem, kalkarmem Wasser entstehen. Es muss damals ziemlich viele Perlen gegeben haben, da Dokumente aus dem 17. und 18. Jahrhundert belegen, dass es mit dem Schwedischen Königshof und den russischen Zaren einen lebhaften Perlenhandel gab. Sprachliche Perlen Auch die Sprachgeschichte weist darauf hin, dass den Menschen die Existenz von Perlen schon vor Jahrtausenden bekannt war. Margarites im Griechischen, margarita im Lateinischen, war die Bezeichnung für „Perle“. In den indogermanischen Sprachen entstanden dann so seltsame Worte wie meregrot oder merigrita, aber auch der weibliche
Seite 1/4

Deutsch zum Mitnehmen www.dw.de/sprachbar  Deutsche Welle

die Muschel habe die Perle „geboren“.und Mittelhochdeutschen ein eigenes Wort für Perle gab. Jahrhundert zeigen wollten. für die Chinesen sind sie Ausdruck von Reichtum. eigentlich heißt es Perlmutter und ist eine verkürzte Ableitung des lateinischen Wortes mater pelarum. etwa wenn eine Frau mit einer Perle verglichen wird. Das hat sich über die Jahrhunderte weitgehend so gehalten. trugen eine Perlenkette oder ein Perlencollier um den Hals – und vielleicht noch ein passendes Perlenarmband. die aus dem gleichen Material besteht wie die Perle selbst.Sprachbar Begleitmaterialien Vorname Margaret(h)e.dw. Wenn also eine Frau alle guten Charaktereigenschaften in sich vereint. Wer schon mal die innere Schalenschicht einer Perlauster gesehen hat. weil das Mondlicht einen Tautropfen verwandelt. sollte sie allerdings nicht im Schmuckkasten liegen lassen. ist das mehr wert als eine besonders schöne Perle. Wer eine besitzt. die vielleicht ein Erbstück der Großmutter oder der Mutter ist. sondern sie sich getreu dem Spruch „Perlen wollen getragen werden“ um den Hals legen. Und Frauen. Damals stellte man sich vor. die ist viel edler denn die köstlichsten Perlen“. trocknen sie aus und verlieren ihren Glanz. Ähnliche Ableitungen gibt es auch in weiteren Sprachen. was sie aussagen. nämlich dass die Perle entsteht. Perlmutt – die „Mutter der Perle“ Und was hat „Perlmutt“ sprachlich mit der „Perle“ zu tun? Nun. Den Griechen galten sie als Sinnbild der Liebe. bedeutet „Perle“. werden auch im übertragenen Sinn verwendet. In den Sprüchen des israelitischen Königs Salomo heißt es: „Wem ein tugendsam Weib bescheret ist. nämlich perala beziehungsweise perle. Im Persischen heißt das Wort morvarid genau übersetzt „Kind des Lichts“. dass sie zum gehobenen Bürgertum gehören. also wörtlich übersetzt „Mutter der Perle“. In der Mythologie wurde damit die Vorstellung von Plinius aufgegriffen. warum Perlmutt so gerne beispielsweise als Schmuckstück oder in Kunstgegenständen verarbeitet wird. wird wissen. Nicht unerwähnt bleiben soll. Erst später wurde das Wort „Perlmutt“ für die Innenseite der Muschelschale gebraucht. Weibliche „Perlen“ Perlen und das. sie entstehe in ihr selbst. Seite 2/4 Deutsch zum Mitnehmen www.de/sprachbar  Deutsche Welle . Zu besonderen Anlässen zieht auch heutzutage manche Frau „ihre“ Perlenkette an. Im Licht schimmert und schillert es in mehreren Farbtönen. dass es im Alt. mit oder ohne „h“ geschrieben. in Japan von Glück und in Indien von Kinderreichtum. die im 19. Denn kommen sie nicht in Kontakt mit der Haut. „Perlen wollen getragen werden“ Perlen hatten und haben in vielen Kulturen eine symbolische Bedeutung.

“ Seite 3/4 Deutsch zum Mitnehmen www.dw. Perlen dürfen nicht vor die Säue geworfen werden Und zum Schluss geben wir eins zu bedenken: Mit Perlen aller Art sollte man sorgfältig umgehen.Sprachbar Begleitmaterialien Und was das Lob weiblicher Schönheit angeht. Ob diese auch so genannt werden möchte. und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen.“ Spricht jemand allerdings von „seiner“ oder „ihrer“ Perle daheim. so kann man beispielsweise bei Joseph von Eichendorff lesen: „Ihre perlweißen Zähne schimmerten zwischen den roten Lippen hindurch. sie pfleglich behandeln.de/sprachbar  Deutsche Welle . ist eine besondere Frau gemeint: die perfekte Haushaltshilfe. lassen wir dahingestellt. Denn wie heißt es schon im Matthäusevangelium der Bibel: „Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben.

Anschließend tauschen die Gruppen die einzelnen Rätsel untereinander aus und lösen sie. Die Bedeutung der Redewendung Perlen vor die Säue werfen trifft zu für … 1. kommen nur im Meer vor. der falsche Perlen vor echte Säue wirft. 3. die in Verbindung mit dem Stichwort „Perle“ stehen und erstellt mit ihnen ein Kreuzworträtsel. 3. 2. 2. entstehen in jeder Muschel.de/sprachbar  Deutsche Welle . bevor sie „geerntet“ werden können.Sprachbar Begleitmaterialien Fragen zum Text Was stimmt? Perlen … 1. der sein Gemälde unter Wert verkauft. eine Haushaltshilfe. 3. Was kann im übertragenen Sinn nicht an jemandem abperlen? … 1. 2. brauchen viele Jahre. Arbeitsauftrag Teilt eure Lerngruppe in Zweiergruppen auf.dw. Komplimente. einen Bauern. einen Künstler. Autor: Michael Utz Redaktion: Beatrice Warken Seite 4/4 Deutsch zum Mitnehmen www. Jede Gruppe sucht sich zwölf Begriffe aus dem Text. Regen. die einen angemessenen Lohn erhält. Tadel.

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful