Schöne Reise

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, die nächste Reise per Wohnmobil anzutreten, haben wir ein paar wichtige Tipps für Sie. Ralf Gréus, Autor von Wohn mobil Reiseführern, hat einiges zusammengetragen. Seite 3

Schönes Spiel
Heino Ferch gehört zu Deutsch lands beliebtesten Schauspie lern. Vor allem als Kämpfer für das Gute begeisterte er oft die Zuschauer. In der Rolle des lini entreuen DDR Bürgers Kaiser bricht er nun Klischees. Seite 4

Schöne Seiten
In dem Buch „Mannheim, wo es am schönsten ist“ blättern 55 pro minente Autoren der Region zu sammen mit RNZ Journalisten die schönsten Seiten der Quadra testadt auf. Der Texte erschienen zuerst als RNZ Serie. Seite 6

Rhein-Neckar-Zeitung Ausgabe Nr. 22 – Samstag/Sonntag, 26./27. Januar 2008

Des Weidmanns Heil
Hinterher gibt’s Vesper und Jägerlatein; davor sitzt er an und lauert auf Bachen und Frischlinge: Der Jäger ist ein Mensch, der zum Zwecke der Gewinnung von Lebensmitteln Tiere erlegt und sich der Hege zu widmen hat. RNZ-Autor Matthias Mangold hat sich des Weidmanns Heils angenommen.
Ganz langsam fuhren wir mit dem Gelän dewagen den engen, steilen Waldweg run ter, weitab von den normalen Verkehrs wegen. Beim Aussteigen schlugen wir die Türen nicht zu, sondern drückten sie vorsichtig zu. Ab sofort galt es, keinen unnötigen Lärm zu verursachen. Früher Winter ist es, und als wir, zunächst auf dem Pfad, später durchs Gehölz, uns un serem Ziel nähern, achten wir darauf, knackende Äste zu vermeiden. Dennoch sind wir nicht leise genug. Nicht allzu weit entfernt lässt sich ein Vogel verneh men, der die vermeintliche Lautlosigkeit dieses späten Nachmittages durchbricht. „Wir werden angekündigt“, flüstert Georg, den ich begleite. „Ein Eichelhä her.“ Von Waldesseite her kommen wir an eine Lichtung, an deren Rand ein Hoch sitz steht. Nicht das, was man landläu fig unter einem Hochsitz versteht, son dern eher eine regelrechte Hütte, fünf Meter über dem Erdboden. Wir klettern hinauf, Georg schließt leise wie ein Ein brecher das Vorhängeschloss auf, und wir treten hinein. Ein schlichter Raum mit einem Bett, zwei Stühlen und einer eher breiten als hohen Fensterfront mit nach innen vorgelagertem Fensterbrett. Das Fenster hängen wir aus und haben freie Sicht auf die Lichtung. Wir sind nicht wegen der schönen Aus sicht hier, sondern wegen Wild. Georg ist Jäger und hat mich für diesen Abend in sein Revier eingeladen. Gleich vorweg je doch mit einer großen Einschränkung: „Wer wilde Tiere sehen will, sollte lieber in den Zoo gehen!“ Er nimmt sein Ge wehr aus der Umhängetasche, lädt es mit vier Patronen, stellt es in die Ecke und reicht mir aus dem Rucksack einen Oh renschutz. „Falls ich schießen muss, setzt Du das auf; es wird laut.“ Jeder von uns mit einem Fernglas ausgestattet, grasen wir mit den Augen die Umgebung ab. Es ist sehr dunstig, die Feuchtigkeit wabert in der Kühle wie ein Schleier über den Bo den. Wir sind mucksmäuschenstill, ganz Ohr für die Außenwelt, den Wald. Es pas siert – nichts. Zwei lange Stunden bereits sitzen wir an. Es ist irgendwie wunder bar, eine höchst meditative Angelegen heit. Man sitzt hier und lauscht Lichtjah re vom Alltagsstress entfernt den bana len Geräuschen des Lebens. Sogar der ei gene Puls pocht auf Verständlichkeit. Ich muss einen zufriedenen Gesichtsaus druck aufgesetzt haben, denn Georg sieht mich an, lächelt und haucht mir ein „Schön, gell?!“ entgegen. Da plötzlich ein Knacken, keine hundert Meter fast ge radeaus von uns entfernt, dort, wo die Lichtung wieder vom Wald verschluckt wird. Das Knacken wird stärker. Wir neh men die Gläser hoch und sehen – nichts. Irgendwas ist da, für mindestens 20 Minu ten hören wir ein Tier (und kein kleines!). Doch blicken lässt es sich nicht. Inzwischen ist es nach annähernd vier Stunden dunkel geworden. Weiter erbarmungslos verfolgt. Es wird in Frage gestellt, ob Jagd tatsächlich angewandter Naturschutz sei, ob das Wild ohne Beja gung wirklich überhand nehmen würde, ja selbst die Historie des Menschen als Jä ger wird negiert. Organisationen wie et wa der „Arbeitskreis für humanen Tier schutz e.V.“ in Franken sprechen den Jä gern jegliche Existenzberechtigung ab und verweisen dabei auf modernste Er kenntnisse: „Wissenschaftliche Studien zeigen: Jagd schadet unserer Natur und schädigt das ökologische Gleichgewicht in unseren Wäldern.“ Ihre Homepage ver weist in der Argumentation auf zahlrei che Ärzte, Professoren und Wissenschaft ler, die sich gegen die Jagd aussprechen. Dass viele Jäger ihrem Hobby durch aus aus Eigeninteresse nachgehen, dürfte unbestritten sein, doch zu Antworten oder Lösungen zu manchen der gestellten Fragen könnte es nur kommen, wenn bei de Seiten sich auf die rein sachliche Ebe ne begeben würden. Was nicht oder nur zu selten passiert. Gerd Volkland kommt aus der Praxis. Im Hauptberuf ist er seit Jahrzehnten Förster im Schwetzinger Hardtwald. „Jagd“, so Volkland, „ist Teil der Ausbil dung zum Förster, damals wie heute. In erster Linie geht es um Jagdschutz – also Kontrolle der anderen Jäger, Erkennen von Wildkrankheiten, Wilderei nachge hen und so weiter –, doch lernt man durch den langwierigen und zeitintensi ven Erwerb des Jagdscheins auch sehr viel über Bäume, Pflanzen und die Tiere im Wald allgemein.“ Für ihn sind die Standpunkte der Jagdgegner „nicht zu Ende gedacht“, zudem sei es auch überzo gener und völlig unstimmiger Tier schutz. „Was soll sich denn beim Wild in unserer zersiedelten Welt noch natürlich regulieren? Ein Totalschutz, wie bei Greifvögeln mal angedacht, funktioniert nicht. Im Gegenteil: Es gibt massenhaft Probleme etwa mit Wildschweinrotten mitten in Berlin, mit Mardern oder Füch sen allerorten. Da wird man dann bei Schäden von Leuten zur Hilfe gerufen, die mehrere Hunde haben, gegen die Jagd sind, aber beim Spaziergang im Wald keineswegs darauf achten, dass ih re Hunde vielleicht bodenbrütende Vö gel und anderes Getier stören könnten.“ Nach seiner Erfahrung sind Jäger natür lich zunächst an der Jagd als solcher inte ressiert – doch verantwortungsloses Han deln kommt ihm allenfalls „genauso oft unter wie in jedem anderen Gesell schaftsbereich auch.“ Eine persönliche Charakterfrage. Auch Harald Külps hat große Schwie rigkeiten damit, sich mit der Rolle eines schwarzen Peters der Gesellschaft abzu finden. Dafür nimmt es der Südpfälzer aus Edesheim mit den Inhalten dessen, was Jagd für ihn bedeutet, viel zu genau. Seit dem Ablegen seiner Jägerprüfung 1991 widmete er sich in verstärktem Ma ße der Ausbildung der Jungjäger. „Natur schutz, Artenschutz und das Handwerk als solches stehen zwar weit vorne,“ so Külps, „doch mir ist es ein Anliegen, die Jungjäger oder Jägeraspiranten in den Umgang mit der Waffe als ein sehr heik les Thema gut und fundiert heranzufüh ren.“ Und weiter: „Das Privileg, heute noch mit einer Waffe in der Hand durch Wald oder Flur laufen zu dürfen, muss ei ne Sicherheit an der Waffe bedingen und ein großes Wissen um die Diffizilität, die Gefahr dessen, was daraus entstehen kann.“ Külps würde ein Leistungsschießen mit jährlichem Nachweis der persönli chen Fähigkeiten jedes Einzelnen durch aus begrüßen, was natürlich insbesonde re auf ältere Jäger abzielt, die oft aus wel chen Gründen auch immer nicht mehr so zielsicher sind wie in jüngeren Jahren. „Genau das ist aber erforderlich, um bei der Jagd einem Tier kein langes Leiden zuzumuten“, sagt Külps, der bei den jähr lichen Treffen seines Hegeringes immer wieder Referenten einlädt, um die Jäger in Sachen Gesetzgebung, Unfallverhü tung oder Fleischhygiene zu schulen bzw. vorhandenes Wissen aufzufrischen und auf den neusten Stand zu bringen. > Fortsetzung auf der folgenden Seite

Aufbruch zur Jagd. Foto: Björn Iversen anzusitzen würde keinen Sinn machen, denn selbst wenn nun Wildschweine oder Rehe tatsächlich herauskämen, so wäre mangels Sicht ans Schießen nicht mal zu denken. „Macht gar nichts“, so Georg, als wir leise unsere Sachen zu sammenpacken, die Leiter wieder hi nabsteigen und uns ebenso still wieder verabschieden, wie wir gekommen wa ren, was für die gesamte Wegstrecke gilt. „Fünf von zehn Mal siehst Du viel leicht ein Stück Wild, und eines von zehn Mal kannst Du tatsächlich das Ge wehr anlegen.“ Das hatte ich mir eigentlich etwas an ders vorgestellt. Jagd ist für mich nichts komplett Neues; bereits als kleiner Junge durfte ich meinen Onkel oder meinen Nachbarn begleiten, und ich erinnere mich an eine eigentlich recht gute Aus beute. Hasenpfeffer, Rehrücken oder Wildragout waren zwar Festtagsessen, aber nicht ungewöhnlich damals. Heute hängt den Jägern ein sehr zwie spältiges Image an. Die Beschimpfungen ihrer Gegner reichen von Mörder, Tier schlächter und waffengeilen Ballermän nern bis hin zu herrenhaften Sadisten. Das arme Bambi habe keine Chance zu überleben, wenn ein waffenstarrender, von Urtrieben besessener Jäger es aufge spürt habe. Lässt man mal die ganze Emotionalität weg, taucht ein ganz anderes Problem auf. Viele Kritiker der Jagd, insbesondere aus dem Bereich des Tierschutzes, fokus sieren sich ausschließlich auf die negati ven Aspekte, argumentieren mit Extrem positionen. Der Jäger wird dämonisiert als jemand, der das natürliche Gleichge wicht der Natur durcheinanderbringt, Tieren als Geschöpfe Gottes enorme Schmerzen zufügt, selbst auf der roten Liste gefährdeter Arten stehende Tiere wie Auerhahn oder Baummarder würden

Rhein-Neckar-Zeitung Magazin / Seite 2

REPORTAGE

Samstag/Sonntag, 26./27. Januar 2008

Des Weidmanns Heil
Konfrontiert mit dem Vorwurf, Jäger wür den Tiere zum Spaß umbringen, oder die Jagd sei nicht mehr zeitgemäß, muss er ein paarmal schlucken, und schildert dann seinen Umgang mit solcherlei Atta cken: „Ich versuche, jede Meinung zu res pektieren, zumal dann, wenn sie schlüs sig erscheint. Doch ist jeder Metzger auch ein Mörder? Wie konsequent sind Menschen, die Fleisch essen, Ledergürtel, schuhe und jacken tragen, sich aber dann gegen die Jagd stellen? Auch Wild ist ein Lebensmittel, und wenn ich in die Situation komme, dass ich mein Gewehr anlegen kann und ein Stück Wild schie ßen darf, weil ich es kann, dann weiß ich, dass dieses Tier im Wald bis dahin ein we sentlich schöneres Leben gehabt hat, als ein Zuchttier im Stall, welches nur für den Zweck geboren wurde, geschlachtet zu werden.“ Dass ein aus dem Nichts heraus erleg tes Wildtier auch keine Stresshormone ins Fleisch absondert, sollte in diesem Zu sammenhang vielleicht nicht unerwähnt bleiben. Szenenwechsel. Es ist Anfang Novem ber, und der Hegering Nord hat zur gro ßen Hubertusjagd eingeladen. Der heili ge Hubertus, geboren um 655 in Tou louse, wird als Schutzpatron der Jagd, der Natur und Umwelt, der Schützen, der Kürschner, Metzger, der Metallbearbei ter, Büchsenmacher, Optiker und der Her steller von mathematischen Geräten an gesehen. Um den Hubertustag herum, den 3. November, finden zu seinen Ehren so genannte Treib oder Drückjagden statt. Etwas mehr als 80 Jäger und an die 20 Treiber versammeln sich um 9 Uhr morgens am Waldparkplatz von Frank weiler. Ein bunter Haufen, man kennt sich, begrüßt sich, plauscht miteinander bei Kaffee, Kuchen und belegten Bröt chen. Alkohol ist tabu vor solch einer Jagd. Es werden die Jagdscheine kontrol liert, ebenso die Hundescheine für diejeni gen, die ihren treuen Vierbeiner mit da bei haben. Jeder Jäger bekommt eine far bige Karte zugeteilt, die er sich sichtbar an den Hut steckt und die seine spätere Gruppenzugehörigkeit signalisiert.

Die Gelegenheit zur Flucht genutzt – die Wutz war zu schnell für den Jäger. Fotos: Björn Iversen von uns eine Wutz quer über den Hang, kläffend verfolgt von einem Hund. Georg, über den ich zu dieser Jagd gekom men bin, legt an, doch die Sau ist zu schnell, als dass ein gezielter Abschuss möglich gewesen wäre. Nach einer Weile ziehen die Treiber vorbei mit ihren lär menden „Hoooopp“ Rufen, doch die nächsten Stunden bestehen in Herumste hen, Warten, Hoffen. Ab und zu ertönt in der Ferne ein Schuss. Kurz vor dem festgelegten Ende der Jagd um 14 Uhr haben wir doch tatsäch lich Anblick auf eine komplette Rotte mit zwei alten Bachen, einigen Überläufern und mehreren Frischlingen, doch das Schwarzwild sieht uns, wechselt die Rich tung und entkommt. „Die Tiere haben im mer eine Möglichkeit zur Flucht“, sagt Georg, „das gehört auch zum Respekt ih nen gegenüber." Wie auch beim stillen An sitzen wird den Wildschweinen hier zuge standen, dass sie als extrem schlaue und lernfähige Tiere sehr wohl Situationen einschätzen und ihnen im Bedarfsfall ent gehen können. Die so genannte „Strecke“ fiel be scheiden aus. Ein junger Keiler, drei Überläufer und drei Frischlinge werden im Beisein der Jungjäger (Harald Külps: „Ein wichtiger Lerneffekt“) fachgerecht aufgebrochen, d.h. die Innereine werden entnommen. Danach werden die Tiere res pektvoll auf Tannenreisig ausgelegt, das Geviert mit Fackeln bestückt. Die Bläser stimmen das Signal an für „Schwarzwild tot“. Es gibt Vesper, Wein und jede Menge Gesprächsstoff, wer nun welche Wutz tat sächlich erlegte. 28 Schüsse insgesamt bei sieben getroffenen Tieren. Eine Nach suche mit Blutspürhunden ergab keine weiteren verwundete Wildscheine. Der letzte, für manche zentrale Punkt des Tages war die übliche „Schüssel jagd“, Essen, Trinken und gemeinschaftli ches Beisammensein in einem nahen Lo kal. Mit jedem Schoppen wurden die Wut zen immer größer, die Jagderfolge der Ver gangenheit glorifizierter – Jägerlatein eben.

„Aufbruch zur Jagd“ – die Jäger geben das Signal. Viele der Treiber sind Jagdanwärter, die in wenigen Monaten ihre Prüfung ab legen werden. Die Jagd als solche ist ein gesellschaftliches Ereignis mit Gästen aus Immenstadt, Solingen und Neu Ulm. Es folgt das geblasene Signal „Auf bruch zu Jagd“. Mit den Autos geht es hoch ins eigentliche Revier, 800 Hektar groß. Die einzelnen Gruppenleiter vertei len die Jäger auf ihre jeweiligen Stand plätze. Tagelang wurden diese Plätze aus gearbeitet, feinsäuberlich nach takti schen und sicherheitsrelevanten Erforder nissen. Alles muss exakt organisiert sein, damit einerseits das Wild in geregelte Bahnen getrieben werden kann, anderer seits jedoch kein Jäger den anderen behin dert oder gar gefährdet. „Hier stellt ihr euch hin“, sagt unser Gruppenleiter, „und euer Schießwinkel ist nur hier hi nunter; seht ihr in einem anderen Winkel eine Wildsau, lasst ihr sie in jedem Fall ge hen!“ Exakt um 11 Uhr wird angeblasen – es geht los! Noch keine zehn Minuten sind vergangen, da stürmt etwa 70 Meter

Feierliches Aufblasen
Alle haben wir grelle Jacken und/oder Bänder um – Schutz vor Verwechslung mit Wild. Nach mehr als einer Stunde dann das feierliche Aufblasen als Zei chen dafür, dass es nun bald beginnt. Win zer und Jäger Bertram Lidy, in dessen Re vier gejagt wird, begrüßt die versammel te Schar und macht sie vertraut mit den Regularien des Tages: Gruppeneintei lung, Beachten der Hunde, Wege freihal ten zum Abtransport und Bergen des Wil des, Koordination der Nachsuche bei an geschossenem, aber nicht tödlich getroffe nem Wild. Information über das spätere Aufbrechen an zentraler Stelle usw. Ge schossen werden dürfen heute ausschließ lich Wildschweine, und auch diese nur als Frischlinge oder Überläufer bis maxi mal 50 Kilo. Es soll unbedingt verhindert werden, dass Mutterschweine erlegt wer den, die in der Rotte für Ordnung sorgen.

Da sitzt er und wartet, dass sich ein Wildschwein zeigt.

FRAGEN DES ALLTAGS
Warum haben Zebras Streifen?
Lange Zeit haben Tierforscher ge rätselt, wieso Zebras ihr so ins Auge stechendes Streifenmuster entwi ckelt haben – wo doch das Fell ihrer Verwandten, etwa der Wildpferde, auffällig unauffällig gefärbt ist. Lange Zeit war die vorherrschende Meinung, dass das Streifenmuster die Kontur der Tiere in der hitze flimmernden afrikanischen Savan ne verschwimmen ließe und sie vor ihren Hauptfeinden, den Löwen, schütze. Doch diese Theorie kann nicht stimmen; Löwen finden ihre Beute eher nach Geruch. Inzwischen weiß man: Gerade das auffällige Streifenmuster eine Tarn farbe – so ungewöhnlich das auch klingt. Es schützt die Zebras vor Feinden. Allerdings solchen, die viel kleiner und dennoch viel gefähr licher sind als Löwen: den Tsetseflie gen. Es gibt einen sehr guten Grund, sich vor diesen winzigen In sekten zu schützen. Sie saugen Blut und übertragen dabei gefährliche Krankheiten – etwa die Nagana Seuche, für die Pferde und Zebras besonders anfällig sind. Man hat ih re Erreger im Blut mehrerer afrika nischer Säugetierarten gefunden, aber nur selten bei Zebras. Dabei deckt sich das Gebiet, in dem die ge streiften Tiere leben, auffällig mit dem Verbreitungsgebiet der Tsetse fliege. Außerhalb dieses Gebiets sind die Zebraverwandten nicht ge streift. Tatsächlich zeigen Experi reichste Spezies bei der Besiedlung der Welt. Die wahren Weltmeister in Sachen Populationsdichte sind eher die Sechsbei ner. Schätzungen über die Zahl der leben den Insekten Einzeltiere sind naturgemäß sehr vage. Bis heute kennt man noch nicht einmal sämtliche Arten. Trotzdem geht man davon aus, dass es auf der Erde rund zehn Trilliarden Insekten gibt, eine Zahl mit 22 Nullen. Grob gerechnet kommen heute auf jeden Menschen gut zwei Milliar den Insekten. Aus: Rainer Köthe „Küssen müssen wir noch lernen und Hummer haben blaues Blut“, Hirzel Verlag, ISBN 3 7776 1258 8. rücktransportieren. Dabei wärmt das wärmere Blut aus den Arterien das kältere Blut in den Venen auf, so dass der Pinguin seine Körper kerntemperatur von 40 Grad inklu sive warmen Füßen ohne weiteres halten kann. Aus: Mick O’Hara, „Wunderbare Alltagsrätsel“, Piper Verlag, ISBN 3 492 24577 3.

Kann ein Stier rot sehen?
stek. Eindeutig nein. Wie viele ande re Säugetiere auch, können Rinder Farben nur eingeschränkt wahrneh men. Sie „leiden“ unter einer rot grün Farbenblindheit. Auch ein Stier in der Arena stört sich nicht an dem roten Tuch. Was ihn dage gen ganz sicher nervt ist das nervö se Herumgezappel des Toreros. Eine Ausnahme in Sachen Farbensehen sind Primaten und Menschen. Dank bestimmter lichtempfindlicher Stof fe in der Netzhaut können wir die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau, und damit eine ziemlich bun te Welt wahrnehmen. Den Pflanzen fressern hilft ihre „Sehschwäche“, da dadurch frisches Grün leicht röt lich erscheint und gut von älterem Grün unterschieden werden kann. Aus: Rainer Köthe „Küssen müssen wir noch lernen“, Hirzel Verlag, ISBN 3 7776 1258 8. Berichtigung: In der Ausgabe der vergangenen Woche ist uns ein Feh ler unterlaufen: Der Mond ist nicht der nächstgelegene Planet der Erde, sondern ein Satellit.

Haben Pinguine kalte Füße?
stek. Den ganzen Tag haben arktische Pin guine Kontakt mit Eis und das bei Tempe raturen bis Minus 40 Grad. Dabei stellen Füße ein besonderes Problem dar, da sie nicht mit einer Isolierschicht aus Federn oder Speck bedeckt werden können und ei ne relativ große Oberfläche haben. Damit sie trotzdem keine Erfrierung erleiden ha ben die Pinguine zwei Mechanismen entwi ckelt: Erstens können sie die Durchblu tung ihrer Füße steuern, indem sie den Durchmesser der Arterien verändern. Bei Kälte wird der Blutstrom verringert, so dass sich das Blut nicht insgesamt massiv abkühlt. Doch darüber hinaus besitzen die arktischen Bewohner auch noch eine zwei te Strategie, um kalten Füssen vorzubeu gen. Mit einer Art Gegenstrom Wärmetau scher können die Pinguine ihre Füße ge zielt mit warmem Blut versorgen. Am obe ren Ende der Beine befinden sich Arterien, die fein verzweigt mit Venen verbunden sind, die das kältere Blut aus den Füßen zu

mente, dass die Insekten ein Streifenmus ter mit einer bestimmten Breite der schwar zen und weißen Streifen nicht gut erken nen können. Und die Streifen der Zebras entsprechen diesem Muster ziemlich ge nau. Aus: Rainer Köthe „Warum Liebe durch die Nase geht und weitere 222 Kuriositä ten aus der Natur“, Ullstein Taschenbuch, ISBN 10:3 548 36878 6. Foto: Corinna Streng

Was heißt hier Überbevölkerung?
stek. Die Statistiker lassen ihre Computer heiß laufen, um zu berechnen wie viele Menschen auf der Welt leben und wie viele es wohl in 50 oder 100 Jahren sein mögen. Zur Zeit sind es knapp über sechs Milliar den und bis Mitte des Jahrhunderts rech net man mit einer Weltbevölkerung nah an der Neun Milliarden Grenze. Trotzdem sind wir damit bei weitem nicht die erfolg

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