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KANZLEI NICKERT

WIR DENKEN SCHON MAL VOR.

Nadine Jablonski

Überstunden
Überstunden sind nach allgemeiner Definition Stunden, die über die vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Unter Mehrarbeit versteht man gemeinhin die Überschreitung einer tariflich/gesetzlich festgelegten Arbeitszeit. Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, ob Arbeitnehmer verpflichtet sind, Überstunden zu leisten, wie Überstunden vergütet bzw. ausgeglichen werden, welche Zuschläge hierfür zu bezahlen sind und wer letztlich beweisen muss, dass Überstunden geleistet wurden. Ein solcher Notfall zeichnet sich dadurch aus, dass er unvorhersehbar ist (z.B. Überschwemmung). Wenn aufgrund von dauernden Personalengpässen aber ein Bedarf besteht oder dieser Personalbedarf besteht, weil ein größerer Auftrag hereinkommt, der schnell abgearbeitet werden soll, dann stellt dies keine Notsituation dar. Hier besteht keine Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Leistung von Überstunden, wenn die Ableistung von Überstunden nicht vereinbart wurde.

1. Verpflichtung zur Leistung von Überstunden
a) Weisungsrecht
Der Arbeitgeber hat grundsätzlich ein Weisungsrecht hinsichtlich Inhalt, Ort und Zeit (§ 106 S. 1 GewO). Er kann dies gegenüber dem Arbeitnehmer also grundsätzlich bestimmen, muss aber die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen, da er nach „billigem Ermessen“ entscheiden darf . Der Arbeitgeber kann also z.B. bestimmen, dass von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr gearbeitet wird. Dieses Bestimmungsrecht gilt aber nicht für die zu leistenden Arbeitsstunden, also die Anordnung von Überstunden. Ist nichts vereinbart, muss der Arbeitnehmer keine Überstunden leisten. Soviel zur Theorie, denn in der Praxis wird dies zumeist anders gehandhabt.

c) Vereinbarung
Sinn kann daher eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer machen, dass Überstunden geleistet werden. So eine Vereinbarung kann schriftlich oder mündlich oder stillschweigend getroffen werden. Aus Beweisgründen ist eine schriftliche Vereinbarung anzuraten. Eine solche Vereinbarung kann in Form einer einzelvertraglichen Regelung (Arbeitsvertrag), in Form einer Betriebsvereinbarung oder auch im Rahmen des Tarifvertrags geregelt sein. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass eine Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat nicht das Einverständnis des Arbeitnehmers ersetzt. Selbst wenn also eine Betriebsvereinbarung besteht, ist eine Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer erforderlich. Es ist sinnvoll, in solchen Fällen eine Regelung in den Arbeitsvertrag aufzunehmen, dass der Arbeitgeber Überstunden anordnen kann.

b) Notfall
Doch keine Regel ohne Ausnahme: In Ausnahmefällen kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Dies betrifft Notfälle. Whitepaper – Überstunden – 13.2.2014 www.kanzlei-nickert.de

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d) Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats
Besteht ein Betriebsrat hat dieser ein Mitbestimmungsrecht, § 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG, denn er hat ein Mitbestimmungsrecht hinsichtlich der vorübergehenden Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit. Der Betriebsrat bestimmt also mit, ob, in welchem Umfang, wann und von welchem Arbeitnehmer Überstunden geleistet werden. Der Betriebsrat bestimmt auch dann mit, wenn der Arbeitnehmer Überstunden leisten will. Also unabhängig davon, ob z.B. im Arbeitsvertrag schon drin steht, dass Überstunden geleistet werden, ist die Mitbestimmung des Betriebsrats erforderlich.

Arbeitsvergütung nicht den vollen Gegenwert für die erbrachte Dienstleistung darstellt. Keine Vergütung für Überstunden ist hingegen dann geschuldet, wenn eine deutlich herausgehobene Tätigkeit geschuldet ist (Urteil des BAG vom 17.08.2011, AZ 5 AZR 406/10). Wenn kein Stundenlohn vereinbart ist, kann der Stundenlohn für die geleisteten Überstunden nach dieser Formel berechnet werden:

Monatsgehalt x 3 Monate 13 Wochen x Anzahl der Wochenarbeitsstunden

e) Arbeitszeitgesetz
Hinzu kommt, dass die Grenze des Arbeitszeitgesetzes zu beachten ist, denn das Arbeitszeitgesetz beschränkt die Dauer der zulässigen Arbeitszeit. Danach beträgt die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit 8 Stunden (§ 3 Abs. 1 S. 1 ArbZG), zu beachten ist dabei aber, dass Werktage auch Samstage sind. Gearbeitet werden dürfen täglich bis zu 10 Stunden, wenn innerhalb eines Ausgleichszeitraums von 6 Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt die 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Diesen errechneten Stundenlohn multipliziert man dann mit den angefallenen Überstunden. Um das zu verdeutlichen ein kleines Beispiel: Der Würstchenverkäufer Uli H. arbeitet in der Woche 40 Stunden auf dem Wochenmarkt, er bekommt im Monat dafür 2.000 €. Wie viel Geld bekommt er für seine 15 Überstunden? 2.000 € x 3 : 13 : 40 = 11,54 € x 15 Überstunden = 173,10 €.

Manche Arbeitgeber möchten umgehen, dass sie die Überstunden bezahlen müssen und vereinbaren daher z.B.

2. Vergütung bzw. Ausgleich von Überstunden
a) Lohn- oder Freizeitausgleich?
Wenn nichts anderes vereinbart ist müssen Überstunden wie normale Arbeitszeit vergütet werden. Der Anspruch ergibt sich aus § 612 Abs. 1 (Urteil des BAG vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09; Urteil des LAG Rheinland-Pfalz vom 28.10.2013, AZ 5 Sa 257/13). Eine Vergütung gilt auch dann als stillschweigend vereinbart, wenn die Whitepaper – Überstunden – 13.2.2014 www.kanzlei-nickert.de

„Geleistete Überstunden sind mit dem Festgehalt abgegolten“.

So eine Klausel ist jedoch nicht wirksam. Die Höchstzahl der Überstunden muss festgelegt werden, der Arbeitnehmer muss aus der Formulierung erkennen unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Überstunden angeordnet werden können (Urteil des BAG vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09; Urteil des BAG vom 17.08.2011, 5 AZR 406/10).

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Soll die zusätzliche Arbeitszeit in Freizeit ausgeglichen werden, dann muss man dies vereinbaren. Eine solche Vereinbarung kann man auch mündlich abschließen. Zu Beweiszwecken empfiehlt sich aber der schriftliche Abschluss.

Grundsätzlich gilt: Wurden die Überstunden nicht vom Arbeitgeber angeordnet und hat er auch nicht gewusst und geduldet, dass der Arbeitnehmer Überstunden leistet, dann muss der Arbeitnehmer zunächst einmal darlegen, an welchen Tagen er außerhalb der festgelegten Arbeitszeit zu welcher Tageszeit da war und dass er über die übliche Arbeitszeit hinaus gearbeitet hat (Urteil des BGH vom 16.05.2012, 5 AZR 347/11; Urteil des LAG Rheinland-Pfalz vom 28.10.2013, AZ 5 Sa 257/13). Die konkrete Darlegungs- und Beweislast hängt von den konkreten Umständen ab (Urteil des BAG vom 16.05.2012, 5 AZR 347/11). So muss z.B. ein Kraftfahrer, der eine bestimmte Tour zugewiesen bekommt, nur vortragen, an welchen Tagen er diese wann begonnen und wann beendet hat; der Arbeitgeber muss dann hingegen darlegen, aus welchen Gründen der Arbeitnehmer in geringerem zeitlichen Umfang tätig gewesen sein muss (Urteil des BAG vom 16.05.2012, 5 AZR 347/11). Generell ist es jedoch so, dass sich ein Beweis, wann welche Überstunden erbracht wurden und diese auch notwendig waren, schwer erbringen lässt. Werden Überstunden geltend gemacht, so ist auch zu prüfen, ob der Anspruch nicht wegen der Versäumnis einer Ausschlussfrist (z.B. im Arbeitsvertrag geregelt) oder wegen Verjährung verweigert (in der Regel drei Jahre) werden kann.

b) Zuschläge
Werden Überstunden in Geld bezahlt, so stellt sich auch die Frage nach Zuschlägen. Solche werden gelegentlich in Arbeitsverträgen, häufiger aber in Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen vereinbart. Wenn nichts vereinbart ist, müssen Zuschläge auch grundsätzlich nicht bezahlt werden (Urteil des BAG vom 11.01.2006, AZ 5 AZR 97/05). So ein Anspruch ergibt sich auch nicht aus § 11 Abs. 2 ArbZG, in welchem der Ausgleich für Sonnund Feiertagsbeschäftigung geregelt ist (Urteil des BAG vom 11.01.2006, AZ 5 AZR 97/05). Zuschläge sind teilweise steuerfrei, soweit es sich um Sonntags-, Feiertags- oder Nachtzuschläge handelt (§ 3b EStG). So sind z.B. Zuschläge steuerfrei für Nachtzuschläge, soweit diese 25% des Grundlohns nicht überschreiten Regelmäßig gezahlte Mehrarbeitsvergütungen sind jedoch normal zu versteuern als laufender Arbeitslohn.

3. Streit um Überstunden
Gibt es Streit darüber, ob Überstunden geleistet wurden oder nicht stellt sich die Frage, wer was beweisen muss. Für weitere Fragen zum Thema Überstunden sind wir sehr gerne für Sie da. Wir helfen Ihnen auch bei der Umsetzung. Sprechen Sie uns an.

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Über KANZLEI NICKERT, Offenburg: Die KANZLEI NICKERT ist eine Unternehmerkanzlei im besten Sinne: Sie bietet in den Bereichen Rechtsberatung, Steuerberatung und betriebswirtschaftliche Beratung all diejenigen Dienstleistungen an, die ein Unternehmen / Unternehmer klassischerweise benötigt. Branchenschwerpunkte sind dabei Industrie, Handel (B2B) und Bau. Rechtsanwälte, Fachanwälte für Steuerrecht und Steuerberater arbeiten dabei Hand in Hand. Mit ihren über 30 Mitarbeitern begleitet die Kanzlei Firmen von der Unternehmensgründung über Wachstumsfragen und Umstrukturierungsaufgaben bis hin zu Nachfolgethemen – stets getreu dem Motto: „Wir denken schon mal vor.“ Die KANZLEI NICKERT versteht sich dabei als Partner zur strategischen Unternehmensausrichtung. Mit ihren Experten aus Wirtschafts-, Rechts- und Steuerberatung berät die Kanzlei Firmen kompetent zur individuellen Unternehmenssituationen. Im Projektgeschäft bietet die Kanzlei Beratung in ihren Spezialgebieten an, insbesondere in der Sanierungsberatung, Unternehmensbewertung und beim Unternehmenskauf und -verkauf. Die KANZLEI NICKERT ist seit März 2009 zertifiziert nach ISO 9001:2008 und für die Steuerberatung zusätzlich nach dem DStV-Qualitätssiegel, dem Qualitätsstandard des Deutschen Steuerberaterverbandes. Für die Insolvenzverwaltung hat die Kanzlei seit 2013 zusätzlich das Zertifikat über die Einführung und Anwendung der „GOI Grundsätze ordnungsgemäßer Insolvenzverwaltung“.

KANZLEI NICKERT ist nach 2009 von FOCUS MONEY auch in 2011 als TOP Steuerberater (in der Kategorie
große Kanzleien) ausgezeichnet worden. Disclaimer: Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

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