Sachverhalt E vermietete seit 2001 für jeden Rosenmontag seine an der X-Straße in KStadt gelegene Eigentumswohnung für 100

EUR an A aus D-Stadt, der alljährlich den auch die X-Straße entlang ziehenden Rosenmontagszug betrachten wollte. Im November 2005 erhielt E einen Brief der Stadt K, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass der Rosenmontagszug künftig nicht mehr durch die X-Straße, sondern durch deren Parallelstraße, die von der Eigentumswohnung des E aus nicht einzusehen ist, entlangziehen werde. E, in der Hoffnung, dass A von der Änderung der Route nichts erfahren hat, vermietete im Januar 2006 die Wohnung erneut an A für den darauf folgenden Rosenmontag, den 27.02.2006. A fand sich am 27.02.2006 morgens in der Wohnung ein und konnte einige Zeit später dem Karnevalslärm entnehmen, dass der Rosenmontagszug gerade durch die Parallelstraße zog. Er teilte daraufhin dem E am nächsten Tag mit, er nehme „von dem Vertrag Abstand“; eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft behalte er sich vor. Nach Erhalt dieses Schreibens forderte E dennoch Zahlung von 100 EUR. Zu Recht? Lösungsvorschlag E könnte einen Anspruch auf Zahlung von 100 EUR gegen A nach § 535 Abs. 2 BGB haben. Dies wäre dann der Fall, wenn zwischen E und A ein Mietvertrag über die Wohnung an der X-Straße zustande gekommen ist. Ein Vertrag kommt durch zwei übereinstimmende, in Bezug aufeinander abgegebene Willenserklärungen, das Angebot und die Annahme, zustande. Es ist nicht deutlich zu erkennen, wer das Angebot abgegeben hat, E und A waren sich jedoch darüber einig, dass E die Wohnung an der X-Starße wie in den Vorjahren von A für den Rosenmontag für 100 EUR mietet. Die bei einem Mietvertrag wesentlichen Vertragsbestandteile nach § 535 Abs. 1 Satz 1 BGB Mietsache, Mietdauer, Mietzins und Vertragsparteien wurden vereinbart. Es kam somit ein Mietvertrag zwischen E und A zustande. A könnte seine Willenserklärung auf Abschluss des Mietvertrages jedoch angefochten haben. Dies wäre der Fall, wenn er einen Anfechtungsgrund gehabt hätte und die Anfechtung fristgerecht erklärt hat. Ein Anfechtungsgrund für A könnte sich aus § 119 Abs. 2 BGB ergeben. Er hätte hiernach einen Anfechtungsgrund, wenn er bei seiner Willenserklärung über verkehrswesentliche Eigenschaften der Person oder der Sache geirrt hat. Es könnte ein Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften der Wohnung vorliegen.
Anspruchsgrundlage Sachverhalt

Mietvertrag

Anfechtung

Eigenschaftsirrtum

A ging davon aus, dass er von der Wohnung wie in den Vorjahren den Rosenmontagszug betrachten könne. Tatsächlich war dies nicht möglich, da die Route des Zuges geändert wurde. Fraglich ist, ob die Tauglichkeit der Wohnung, einen Blick auf den Rosenmontagszug zu ermöglichen, eine verkehrswesentliche Eigenschaft ist. Verkehrswesentliche Eigenschaften einer Sache sind alle auf Dauer wertbildenden Faktoren, die nach der Verkehrsanschauung ausschlaggebend für das konkrete Rechtsgeschäft sind. Bei einer Wohnung sind dies insbesondere Lage, Alter, Ausstattung und Größe. Der Rosenmontagszug findet einmal jährlich statt. Die Route des Zuges könnte jederzeit geändert werden. Die Tauglichkeit der Wohnung, von ihr aus den Zug anschauen zu können, kann somit nicht auf Dauer ein Faktor für den Mietzins sein. Dass A davon ausging, den Rosenmontagszug wie gewohnt betrachten zu können, ist ein unbeachtlicher Motivirrtum. Er irrte aber nicht über eine verkehrswesentliche Eigenschaft und kann seine Willenserklärung nicht nach § 119 Abs. 2 BGB anfechten. Ihm könnte jedoch ein Anfechtungsgrund nach § 123 Abs. 1 Alt. 1 BGB zustehen. Ein solcher wäre gegeben, wenn er durch arglistige Täuschung bestimmt wurde, seine auf Abschluss des Mietvertrages gerichtete Willenserklärung abzugeben. Dazu müsste zunächst eine Täuschungshandlung vorliegen. Eine solche könnte der E begangen haben. Täuschung ist die Erregung, Verstärkung oder Aufrechterhaltung einer Fehlvorstellung eines anderen. A glaubte, der Karnevalszug führe über dieselbe Route wie in den letzten Jahren, E, der es besser wusste, klärte ihn aber nicht auf. Somit hat E die Fehlvorstellung des A über die Route aufrechterhalten. Eine Handlung ist jedes aktive Tun oder pflichtwidriges Unterlassen. E hat A gegenüber nicht erklärt, dass die Route des Rosenmontagszuges wie gewohnt verlaufen würde. Ein aktives Tun liegt nicht vor. Fraglich ist, ob E verpflichtet war, den A über die wirkliche Strecke des Zuges aufzuklären. Dies beurteilt sich nach Treu und Glauben (§ 242 BGB). Eine Pflicht zur Aufklärung könnte sich aus der mehrjährigen Beziehung zwischen A und E ergeben. E war bekannt, dass A die Wohnung jährlich mietete, um sich den Rosenmontagszug anzusehen. Er wusste, dass A kein Interesse hatte, die Wohnung an anderen Tagen außer Rosenmontag zu mieten. Ebenso musste E klar sein, dass A die Wohnung nicht mehr mieten will, wenn er von ihr aus den Zug nicht mehr sehen kann. Da E über die Beweggründe des A Kenntnis hatte und zwischen beiden eine mehrjährige vertragliche Beziehung bestand, hätte E den A informieren müssen, dass sich die Route des Zuges geändert hat. Obwohl E eine Aufklärungspflicht oblag, hat er die Änderung der Strecke dem A gegenüber verheimlicht. Er beging damit eine Täuschungshandlung durch pflichtwidriges Unterlassen einer gebotenen Handlung. Aufgrund dessen wurde der Irrtum des A über die Route des Zuges aufrecht erhalten.

Irrtum

Verkehrswesentliche Eigenschaft

Arglistige Täuschung

Täuschung

Handlung

Aufklärungspfllicht

Irrtum

Zwischen der Täuschung des E und der Abgabe der Willenserklärung des A muss ein ursächlicher Zusammenhang bestehen. Wie dargestellt wollte A unbedingt den Rosenmontagszug sehen. Es muss davon ausgegangen werden, dass er bei Kenntnis der wirklichen Strecke die Wohnung nicht angemietet hätte. Die Täuschung war damit ursächlich für Abgabe seiner Willenserklärung. E müsste auch arglistig gehandelt haben. Dies wäre der Fall, wenn er in Kenntnis der wahren Tatsachen in dem Bewusstsein handelt, den A durch die Täuschung zum Abschluss des Mietvertrages zu bewegen. E wusste von der Streckenänderung des Zuges und fürchtete, dass A die Wohnung nun nicht mehr mieten wollte. Er hoffte aber, dass dieser von der Änderung nicht erfahren hatte, verheimlichte dies selbst und schloss mit A den Mietvertrag. E handelte somit arglistig. A kann seine auf Abschluss des Mietvertrages gerichtete Willenserklärung daher nach § 123 Abs. 1 BGB anfechten. Die Anfechtungserklärung muss nach §124 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 124 Abs. 2 Satz 1 Alt. 1 BGB innerhalb eines Jahres nach Entdeckung der Täuschung erfolgen. A erklärte am Tag nach Rosenmontag, er nehme vom Vertrag Abstand, die Frist zur Anfechtung ist somit gewahrt. Nach § 143 Abs. 1 BGB muss die Anfechtungserklärung dem Anfechtungsgegner gegenüber erfolgen. Dieser ist nach § 143 Abs. 2 BGB bei Verträgen der Vertragspartner. A schloss mit E den Mietvertrag, er muss also diesem gegenüber die Anfechtung erklären. Dies hat er getan, A hat somit die Anfechtung fristgerecht dem Anfechtungsgegner gegenüber erklärt. Die Anfechtung des A hat nach § 142 Abs. 1 BGB zur Folge, dass der Mietvertrag von Anfang an als nichtig anzusehen ist. E kann folglich nicht die Zahlung von 100 EUR von A nach § 535 Abs. 2 BGB verlangen.

Kausalität

Arglist

Anfechtungserklärung/ Anfechtungsfrist

Anfechtungsgegner

Wirkung der Anfechtung