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TV-Kritik: Anne Will

06.03.2014, 06:15 Uhr

Wie hilflos ist der Westen?
06.03.2014 · Ob der Westen machtlos sei, fragte Anne Will nach Putins Einnahme der Krim. Wahrscheinlich ist aber doch die Blindheit das Problem.
Von FRANK LÜBBERDING

Artikel

N

achrichtendienste sind bekanntlich nie da, wenn man sie braucht. So wäre es deren ureigene Aufgabe, jene Fragen zu klären, die auch gestern Abend bei Anne Will erneut diskutiert wurden. Etwa, wer auf dem Maidan in Kiew geschossen hat, oder ob es sich bei den Truppen auf der Krim um Wladimir Putins legendäre © REUTERS Mitglied der „Selbstverteidigungskräfte“ auf der Krim „Selbstverteidigungskräfte“ oder doch um oder ein russischer Soldat? Das konnte auch bei Anne reguläre Soldaten seiner eigenen Armee Will niemand wissen. handelt. Dann bräuchte man nicht Anna Rose fragen, die als DeutschlandKorrespondentin für russische Zeitungen arbeitet. Woher soll sie das wissen? Von ihrer Mutter? Oder den in Berlin sitzenden Russland-Experten Alexander Rahr. Dafür wusste die graue Eminenz der christdemokratischen Europapolitik, der CDUEuropaabgeordnete Elmar Brok, genau, dass es Putins Soldaten sind, die zur Zeit auf der Krim herumstehen. Er kann es sicher vom Talk-Show Sessel aus beurteilen. Fakten wären hilfreich Nur wäre es die Aufgabe der westlichen Dienste solche Fragen zu klären, um den politischen Führungen die informationellen Voraussetzungen (früher Fakten genannt) für ihr Handeln gegenüber Russland und der Ukraine zu verschaffen. Bei gesicherten Erkenntnissen finden solche Informationen anschließend ihren Weg in die Öffentlichkeit. Sie dienen zur Legitimierung des Regierungshandelns, manchmal als Desinformation der bloßen Propaganda. So ist es unvergessen, wie die Amerikaner 1962 während der Kubakrise im UN-Sicherheitsrat die Sowjetunion der Lüge überführten - und sie 2003 im gleichen Gremium selbst gelogen hatten. Die Vereinigten Staaten versuchten so, den Angriff auf und die spätere Besetzung des Irak zu legitimieren. Für diesen propagandistischen Irrsinn gab es gestern ein aktuelles Beispiel. Über den Sender „Russia today“ wurde ein abgehörtes Telefonat zwischen der Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Catherine Ashton, und dem estnischen Außenminister Urmas Paet veröffentlicht. Letzterer äußert dort Zweifel, ob der abgesetzte Präsident der Ukraine, Janukowitsch, für die Morde auf dem Maidan verantwortlich gemacht werden kann. Das von Geheimdiensten abgehörte Gespräch ist natürlich wertlos. Es dokumentiert nur einen momentanen Eindruck von Paet, inklusive seiner Zweifel an der Integrität von Teilen der Maidan-Bewegung, aber es ist kein Beweis für die Schuld oder Unschuld von irgendjemandem. Dieses Telefongespräch wird nicht das einzige gewesen sein, was wohl nicht nur von den

Was ihm nicht aufgefallen ist: Selbst mit der kommunistischen Nomenklatura in der früheren Sowjetunion ist man nicht auf diese Weise umgesprungen. Wo Außenpolitik zum Glauben wird Es ist daher nicht erstaunlich. Kornblum ist bisher nie durch seine Naivität aufgefallen. Wer . und andererseits in einem innenpolitischen Konflikt in der Ukraine aktiv Partei zu ergreifen. So agierte er in den Debatten über den NSA-Skandal als besonnener Vertreter einer Großmacht. Das Handelsabkommen der EU mit der Ukraine habe schließlich die „Freiheit bringen“ wollen.Russen abgehört worden ist. So ist China auf dem Weg zur Weltmacht und macht keine Anstalten. Nämlich einerseits die Interessen Deutschlands wie der EU in einer weltpolitisch heiklen Region zu vertreten. wenn sie der jeweiligen Seite nutzen. Die EU und die NATO wollten nur das Gute. Nur ist bekanntlich nicht jede politische Dummheit verboten. ist ihm bis heute nicht aufgefallen. Er wies unter anderem auf die Eigendynamik solcher Umstürze. John Kornblum. Fritz Pleitgen. der von Interessen und Machtkalkülen noch nie etwas gehört haben will. nannte die Politik der EU gegenüber Russland einen Fehler. Wo offenkundig die elementarsten Grundkenntnisse politischer Klugheit abhanden gekommen sind. Dass er sich in einem fatalen Rollenkonflikt befindet. die Welt mit anderen Augen zu sehen. der seit Monaten die Oppositionsbewegung in Kiew aktiv unterstützt. warum in diesen blutigen Tagen auf dem Maidan auch regierungstreue Polizisten erschossen worden sind? Ein Brok. Letztlich bemühte sich Kornblum um einen Beweis: Nämlich jedes Interesse Russlands an der Zukunft seines Nachbarn Ukraine zu delegitimieren und Russland als eine irrationale Macht zu diskreditieren. aber gleichzeitig in der EU einer der wichtigsten Akteure bei den Verhandlungen mit Kiew über das zukünftige Verhältnis der EU zur Ukraine gewesen ist. der im Präsidentenpalast „Polizisten mit langen Gewehren“ gesehen habe und daraus auf die Verantwortung von Janukowitsch schließt? Der sich nicht darüber wundert. so Kornblum. wie in der Ukraine hin. Der frühere WDR-Intendant und langjährige Russland-Korrespondent der ARD. was jetzt sogar Frau Ashton weiß. Maßgebliche Teile der westlichen Politik haben es schlicht verlernt. sich politisch dem westlichen Modell anzupassen. Sie finden ihren Weg in die Medien. Die eigenen gesellschaftspolitischen Ideen sind zur einzigen Richtschnur politischen Handelns geworden. Das Rollenverständnis des Elmar Brok Nur. Ansonsten wäre die Welt übrigens in einem Atomkrieg untergegangen. Brok warf ihm sogar „russische Propaganda“ vor. Er konnte sich den Widerstand Russlands lediglich mit deren Rückständigkeit erklären. Das verbietet zwar nicht das Völkerrecht. Zwar hat diese Idee des Exports westlicher Wertvorstellungen im Irak und Afghanistan katastrophalen Schiffbruch erlitten. aber dafür den Helden der Zivilgesellschaft namens Edward Snowden als Verräter vor Gericht stellen will. ein erschreckendes Beispiel. Es ist reine Propaganda. Kornblum sagte das tatsächlich. dass Rahr mit seinen Erklärungsversuchen der russischen Politik wie ein Rufer in der Wüste wirkte. das in der Ukraine angerichtet worden ist. Die seltsame Wandlung eines Diplomaten Aber Brok ist nur kennzeichnend für das Desaster. Großmächte spionieren. Aber dieser Glaube an die Überlegenheit des eigenen Modells macht blind für die Interessen anderer Akteure. Vielmehr hat man jenseits aller ideologischen und moralischen Differenzen die Sowjetunion als Verhandlungspartner ernst genommen. ist die Erkenntnis von Brok substantieller. Dafür war bei Frau Will der langjährige amerikanische Spitzendiplomat und frühere Botschafter in Bonn. Aber gestern Abend wurde der Spitzendiplomat unvermutet zu einem Vertreter der modernen Zivilgesellschaft. der den Gesprächsfaden zu seinen Verbündeten nicht abreißen lassen will.

Kornblum hielt das für „Blödsinn“. Ansonsten findet sich vielleicht noch ein Richard Nixon mit seinem außenpolitischen Sinn für Realitäten. ob man pro-westlich oder pro-russisch wäre. Brok hielt das einen Ausdruck für die „Äquidistanz“. um nur zwei amerikanische Interventionen zu erwähnen. Pro-westlich oder pro-russisch? Als Pleitgen auf andere Großmächte hinwies. dokumentiert den Ernst der Lage. wie man die desaströsen innenpolitischen Verhältnisse in Washington regelt? Vielleicht mit einem sogenannten „starken Mann“ wie Putin im Weißen Haus. Der amerikanische Präsident war 1972 zum Erzfeind nach China gereist. also nicht zwischen Diktatur und Freiheit zu unterscheiden. außer wenn man die Manipulierung der Öffentlichkeit über abgehörte Telefonate als Nutzen versteht. anstatt mit einem auf Ausgleich bedachten Präsidenten Obama? Die Republikaner verhöhnen bekanntlich Obama als Schwächling. Der Ausdruck stammt aus dem Kalten Krieg. wenn man sich die bisherigen Debatte ansieht. Das war durchaus gelungen. die wie jetzt Russland auf der Krim. Das ging bei Kornblum sogar so weit. Oder wie nennt man das sonst. nannte er den Einmarsch in Grenada im Jahr 1983. Diesen Wunsch aussprechen zu müssen. um die Schließung russischer Marinebasen zu verlangen? Wäre es nicht nachvollziehbar. wie sie in Russland vermieden werden soll. die Pleitgen schon immer gepflegt habe. Was Brok vergessen hatte zu erwähnen: Pleitgen argumentierte in Wirklichkeit wie ein Kalter Krieger namens Richard Nixon. der abgehörte Telefongespräche genauso betrifft wie die Darstellung der Russen als rückständige Tölpel. der er selbst zwei Jahre später mit seinem Rücktritt Tribut zollen musste. Die Konsequenz ist ein Propagandakrieg. Damit kennt sich dafür Putin seit seinen Lehrjahren beim KGB aus. Er war damals schon im Auswärtigen Amt in Washington beschäftigt. Oder will Kornblum wirklich die Ratschläge aus Moskau hören. den es für die jeweilige Seite haben kann. Russland eine „große Krise“ vorherzusagen. Quelle: FAZ.garantiere. Und die Geheimdienste? Sie beweisen offenkundig in diesen Tagen wieder ihre Nutzlosigkeit. Er wollte sich mit dem bisherigen Erzfeind im eigenen Interesse arrangieren. um sich mit einem Massenmörder namens Mao Tse-Tung zu treffen. aber nicht um jene amerikanische Verfassung einzuführen. Wobei Kornblum und Brok nichts gegen die Russen haben. was es ihn eigentlich angeht. so Pleitgen. Allerdings konnte er nicht erklären. ihrer Meinung zu sein. Er suggerierte zwischen dem kommunistischen Ostblock und dem Westen die gleiche Distanz zu halten. Suche nach Schuldigen Anne Will versuchte diese Widersprüche in der Sichtweise auf die Ukraine deutlich zu machen.NET Video-Empfehlungen . Kornblum müsste das wissen. Sie reduzierten sich auf die Frage. Alle Seiten suchten bisher nach Schuldigen anstatt nach Lösungen. dass nicht plötzlich die Maidan-Bewegung auf der Krim auftauche. wenn das Auftreten westlicher Politiker wie Brok auf dem Maidan in Russland Misstrauen erzeuge? Und diese Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine in Moskau letztlich als Angriff auf Russland interpretiert werde? Einmischung in die inneren Angelegenheiten? Dafür braucht man übrigens keine dunklen Mächte zu bemühen. Er hätte auch Panama (1990) oder den Irak (2003) erwähnen können. Dabei wurde jedes Ereignis nach dem Nutzen interpretiert. bisweilen ohne Rechtsgrundlage intervenierten. aber unter der Voraussetzung. wenn gestern etwa die NATO der Ukraine Unterstützung anbietet oder die EU viel Geld? Brüderliche Hilfe sicherlich nicht.NET Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben Themen zu diesem Beitrag: Anne Will | Berlin | CDU | Catherine Ashton | China | EU | Elmar Brok | Irak | Alle Themen Zur Homepage FAZ.

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