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GESELLSCHAFT BLITZMARATHON

252

Röddenau Allendorf

Frankenberg 253

Burgwald

Bottenwald

252

236

Ernsthausen

Bitte recht freundlich!
Unglaubliche 14 stationäre Blitzer auf nur 23 Kilometer Bundesstraße: Was nach Überwachungsstaat klingt, findet sich tatsächlich auf einer Bundesstraße in Mittelhessen. Die dortigen Kämmerer freut’s – ob die Anlagen aber überall der Verkehrssicherheit dienen, ist fraglich. // TEXT // AXEL VOM SCHEMM

Münchhausen

Simtshausen

D
Göttingen

Todenhausen

Wetter

252

Niederwetter

em Onlineportal www.blitzer.de sind für Deutschland 112.602 mobile Radarfallen, Polizeikontrollen und fest installierte Blitzer gemeldet. Vor allem für die meist klammen Kommunen lohnt es sich, Anlagen zu installieren, da die Einnahmen direkt in den städtischen Haushalt fließen – und zwar zur freien Verfügung des Kämmerers. Nun mag man argumentieren, dass sich Autofahrer ja nur an die vorgeschriebenen Tempolimits halten müssten, um ungeblitzt von A nach B zu kommen. Außerdem dienten die Anlagen der Verkehrssicherheit und senkten die

Großfelden Sterzhausen

62
Caldern Werda

Cölbe

62

2 KM

Marburg

Unfallzahlen, heißt es aus den Amtsstuben. Der Wildwuchs, der sich auf einem 23 Kilometer langen Teilabschnitt der B252 zwischen LahntalGöttingen und Burgwald-Bottendorf entwickelt hat, sucht allerdings seinesgleichen. 14 fest installierte Anlagen überwachen dort 23 Kilometer Fahrstrecke. Statistisch gesehen bedeutet das alle 1,6 Kilometer einen Blitzer – oder bei konstant 50 Kilometern pro Stunde alle zwei Minuten. Da das Tempolimit knapp 40-mal zwischen 100 und bis zu 30 Kilometern pro Stunde wechselt, ist auch von zurückhaltenden Autofahrern höchste Konzentration gefordert. Zugegeben: Ihren ursprünglichen Zweck haben die Blitzer teilweise erfüllt – in einigen Gemeinden wird zumindest deutlich seltener zu schnell gefahren. Doch für das Gros der Strecke bezweifeln selbst Einheimische und ortskundige Polizisten den Sicherheitsaspekt angesichts vieler ungefährlicher, aber dennoch überwachter Stellen. Der Widerstand wächst: in den Rathäusern stapeln sich die bösen Briefe, die Sachbeschädigungen an den Anlagen nehmen zu. So lange es aber in den Kassen der Kämmerer klingelt – in der Summe liegen die Einnahmen im niedrigen einstelligen Millionenbereich –, wird es wohl weiterhin heißen: „Bitte recht freundlich!“ ●

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2.2014 liberal

Foto: Styleuneed