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pflichtlektüre
1o2009 www.pflichtlektuere.com

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

Comeback fürs Diplom?
Professoren der Ruhrgebiets-Unis proben Aufstand gegen den Bachelor

Besser studieren in Maastricht
Kein Nachtleben, aber Mini-Seminare: Für wen sich der Wechsel lohnt

Die heimliche Königin der Mensa
Knapp 150 Studenten feiern Kassiererin Sandra Korff im StudiVZ

S02 VOR-SPIEL

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WAs geht
nerkennung suchen wir alle. Deshalb finden Bohlen und Co. auch immer wieder Menschen, die sich vor der Kamera der Lächerlichkeit preisgeben. Genau davon handelt Frank Abts Inszenierung „Superstars“, die am 31. Oktober im Bochumer Schauspielhaus Premiere hatte. Zu Beginn des Stücks stellen sich die Schauspieler wie in einer Castingshow per Videoaufnahmen vor. Sie alle haben einen Traum; sie wollen eine Band gründen und ein paar Wochen auf Tournee gehen. Allerdings gibt es ein kleines Problem: Ahnung von Musik hat nur einer - Torsten Kindermann. Die Anderen haben noch nie ein Instrument gespielt. Wieso die Fünf trotzdem als Musiker berühmt werden wollen? Abt zeigt es.

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Er inszeniert Monologe, basierend auf echten Interviews von Menschen, die alle eins gemeinsam haben: Sie suchen Anerkennung. Auf der Bühne sprechen die Schauspieler für die Interviewten. So verkörpert Jele Brückner zum Beispiel ein Mädchen, dass schon mit 16 für den Film entdeckt wurde. Ob es die Band letztendlich zu ihrem großen Auftritt schafft, ist noch bis zum 26. Dezember im Bochumer Schauspielhaus zu sehen. Alle Termine und wie Studenten günstig an Tickets kommen steht auf: www.pflichtlektuere.com tt/foto: Veranstalter

ls ich vor Jahren zum ersten Mal in Deutschland war, überraschte mich völlig, dass englische Filmtitel meist nicht übersetzt sind. Später hörte ich von der „Denglisch“-Erscheinung - also, dass die Deutschen in ihrer Sprache viele englische Wörter benutzen. Deshalb bedeutet das ungarische Wort „smink“, das bestimmt aus dem Deutschen kommt, wohl „Make-up“. Also dachte ich - wenn dir ein Wort auf Deutsch nicht einfällt, sag es einfach auf Englisch, man wird es kaum merken. Später wollte ich meine erste E-Mail nach Hause schreiben und setzte mich an einen PC in die Uni-Bibliothek. Doch schon das Einloggen machte Probleme. Ich versuchte es dreimal, bis ich merkte, dass auf der deutschen Tastatur „0“ nicht vor „1“ steht, „Ctrl“ „Strg“ heißt,

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Neulich iN DeutschlAND
und ganze ungarische Buchstaben fehlen. Da hatte ich die Idee, fürs nächste Mal den Brief bereits zu Hause zu schreiben und dann mitzubringen. So fragte ich den Mann an der Information, ob ich meinen „Pen Drive“ hier benutzen darf, wie wir auch im Ungarischen sagen. Er guckte jedoch verständnislos. Ich hatte leider keine Ahnung, was "Pen Drive" auf Deutsch heißt. Stimmt das mit dem Denglisch vielleicht doch nicht? „Ein kleines Gerät, man kann es in den Rechner einstecken und Dateien speichern“, versuchte ich zu erklären. „Ah, USB-Stick meinen Sie!“ foto: nm Judit revész kommt aus ungarn und studiert während ihres Auslandsemesters Journalistik in Dortmund.

WisseNs-Wert

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m Ruhrpott ist es grau und schmutzig. Heißt es. Dabei sind es gerade die alten Zechen und Industrieanlagen, auf denen sich die Natur breit macht. 10.000 Hektar im Ruhrgebiet sind Industriebrachen – Platz für Flora und Fauna. „Das Ruhrgebiet zählt zu den artenreichsten Gebieten in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt Peter Keil, Geschäftsführer der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. Denn der Boden ist kein natürlicher, sondern besteht aufgrund der industriellen Nutzung aus Schotter, Schlacken, Aschen und anderen Materialien. Diese Zusammensetzung lockt seltene Pflanzen und Tiere an, beispielsweise die Tigerspinne. Abgesehen von ihrer gelb-schwarzen

Zeichnung hat das maximal drei Zentimeter große Insekt jedoch wenig mit einem Raubtier gemeinsam. Genau wie der Klebrige Alant, welcher auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen steht, ist die Tigerspinne ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Von noch weiter her, aus Südafrika, stammt das Schmalblättrige Greiskraut. Auf den großen Industriebrachen wie der Zeche Zollverein in Essen oder dem Landschaftspark Duisburg-Nord sind bis zu 500 Pflanzenarten nachgewiesen. In fast jeder Stadt im Ruhrgebiet gibt es mittlerweile Flächen, wo es wächst und gedeiht. Hier finden auch spezielle Führungen statt. In Dortmund in der Kokerei Hansa (siehe Foto), in Bochum im Westpark. kas/foto:nm

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START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK

diesmal
Kommt das Diplom zurück? Es brodelt an den Unis.

Zur Ausgabe

S08
BOCHUM S04 S06 … Kultig: Eine Kassiererin in der RUB-Mensa sammelt Fans im StudiVZ. … Wenn der Wecker dreimal klingelt: Warum frühe Vorlesungen so nerven.

ls im Sommer 2008 der erste Bachelor-Jahrgang in die Lehrredaktion der pflichtlektüre kam, war ich geschockt: Die Studenten, die ab sofort während ihres Journalistik-Studiums diese Zeitung machen sollten, waren gestresst, bevor es überhaupt losging. Warum? Chaos, verschulter Stundenplan, viele Credit Points. Nun protestieren Professoren der TU Dortmund gegen das Bachelor-/ Master-System. Kaum einer, den wir während der Recherchen zu unserem Herz-Stück (Seiten 8 bis 12) fragten, unterstützt die neuen Studiengänge. Unisono heißt es: Früher war alles besser. Seit diesem Sommer ist der zweite B.A..-Jahrgang in der Redaktion. Das Chaos des ersten Mals hat sich gelegt. Einige Schwächen des Bachelors haben sich relativiert, andere haben sich manifestiert. Was eindeutig fehlt, ist Flexibilität. Die TU-Profs möchten deshalb das Diplom zurück und es parallel zum Bachelor und Master anbieten. Welche Erfolgsaussichten ihre Pläne haben: Seite 8.

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HERZ-STÜCK S10 … Erfolgreicher Kampf gegen den Bachelor: Greifswald macht‘s vor.

RUHR-BLICK S12 … Wenn Headhunter nach Holland locken: Ein Besuch in Maastricht.

DIENST-BAR S14 … Kabarrett, Kultur, Konzert: Wir schmeissen euch vom Sofa.
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S04 BOCHUM: MITTEN IM LEBEN

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Kult an der Kasse
Sandra Korff besticht durch ihren freundlichen Charme im tristen Unialltag. Im StudiVZ gestehen 150 Studenten der Kassiererin ihre Liebe.
werk AKAFÖ angestellt und arbeitet an der Kasse, seit 1987 zusätzlich in der Küche. Ab sechs Uhr morgens sortiert sie den Salat für das Buffet. Dabei trägt sie natürlich Plastikhandschuhe, ihren Kittel wechselt sie jeden Tag, denn in den 25 Jahren sind die Hygienevorschriften kontinuierlich gestiegen. Vierteljährlich steht eine unangemeldete Kontrolle an. „Hygienischer als hier geht es gar nicht“, sagt sie. Nach einer kurzen Mittagspause um neun geht es für die gelernte Friseurin an die Kasse. Ob sie ihre Arbeit monoton finde? Ganz und gar nicht, sagt sie: „Ich finde, hier ist es nicht so 0815 wie im Supermarkt.“ Sie kennt ihre Kunden, die Kunden kennen sie – und lieben sie.

Sandra Korff arbeitet seit 26 Jahren an der RUB. Nun hat sie ihre eigene StudiVZ-Gruppe.

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er Himmel über dem Bochumer Campus ist grau an diesem Herbsttag. Gestresste Studenten hetzen in die Mensa, schnappen sich ihr Tablett mit dem Tagesmenü und quetschen sich in die viel zu lange Warteschlange, um zu bezahlen. Doch an der Kasse gibt es ihn dann, den Aufheller des Tages: „Mahlzeit! 2,50 Euro bitte... danke! 50 Cent zurück! Danke, einen schööönen Tag noch!“, erklingt die angenehme Stimme der Kassiererin - Frau Korff in Aktion. Viele Bochumer Studenten lieben sie. In der eigens für sie gegründeten StudiVZ-Gruppe „Wir lieben Frau Korff von der Mensakasse“ heißt es: „Sie besticht durch ihr unglaublich freundliches Auftreten an der Kasse der Mensa, an der sie immer wieder die gleiche Strophe runterrattert, einen Lichtblick in das triste Unileben bringt und dabei nie müde wird.“ Fast 150 Studenten gestehen ihr hier ganz offiziell ihre Liebe.

zu einem Zopf zusammengebunden. Gleich fährt sie gemeinsam mit ihrem Mann, der das Mensaessen in umliegende Cafeterien und Mensen transportiert, ins münsterländische Olfen. Zurück aufs Dorf. Ja, erklärt sie stolz, dass sie bei StudiVZ einen Fanclub habe, wisse sie. „Ich habe mich riesig gefreut, als mir eine Studentin das erzählt hat“, erinnert sich die 45-Jährige. Sie lacht herzlich, ihre Wangen erröten. Dabei findet sie ihre Freundlichkeit eigentlich total normal, ihre Kolleginnen seien doch auch sehr nett. „Ich bin kein muffeliger Mensch. Das kommt von innen heraus“, sagt sie. Und außerdem mache es ihr ja auch Spaß mit den Studenten zwischendrin mal zu klönen. Ihr Credo: „Wie man’s in den Wald ruft, so schallt es heraus.“

Diana Gerdes gründete die Liebesgruppe im StudiVZ: „Frau Korff ist einfach die Beste. Sie ist mir schon direkt aufgefallen, als ich das erste Mal bei ihr an der Kasse stand.“ Während die anderen Kassiererinnen einen noch nicht mal angucken würden, sei Frau Korff immer super nett und bringe Sonne in den tristen Unialltag – vor allem im Wintersemester. „Ich wollte Frau Korff mit der Gruppe ein bisschen was zurückgeben, denn so eine echte Freundlichkeit tut heutzutage schon ganz gut.“

Echt freundlich

Leibgericht Sauerbraten

Uni-Urgestein

Eigene Fangruppe

Am Nachmittag sitzt Sandra Korff auf der Ledercouch im Bistro und wartet auf ihren Mann. Neun Stunden Arbeit hat sie zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Sie trägt über ihrem T-Shirt eine Jeansjacke, ihr lockiges blond-graues Haar hat sie

Als Urgestein der Uni hat sie schon viele Studenten kommen und gehen gesehen, da merkt sie auch schon mal, wenn jemand plötzlich nicht mehr da ist. Macht sie aber auch schon mal negative Erfahrungen an der Kasse der RUB-Mensa? „Es sind nur ein paar Momente, da denke ich mir: Oh mein Gott.“ Das seien aber die Ausnahmen. „Ich hab nie richtig schlechte Erfahrungen gemacht.“ Schon seit 1983 ist sie beim Studenten-

Was es in der Mensa mal wieder geben sollte? So ein Sauerbraten wäre mal was feines, findet die Kassiererin. Ihr Leibgericht kocht sie oft am Wochenende für ihren Mann und ihren 23-jährigen Sohn – wenn er denn zu Hause ist. Abends in der Woche bleibt für ausgiebiges Kochen meistens keine Zeit mehr. Dann strickt sie lieber, guckt ein wenig Fernsehen oder kümmert sich um die Fische im Gartenteich. Oder führt ihren Yorkshire Hund aus. Lucky heißt er. Wie auch sonst?

text Tobias Fülbeck, Anna-Lena Wagner foto Tobias Fülbeck

Extra
KURZ NOTIERT

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Informationen der Offensive „Hochschule ist Zukunft”

Hochschule Aktuell

DUISBURG/ESSEN

Einblicke in das Berufsfeld des Fluglotsen erhalten Komedia-Masterstudierende der Uni Duisburg-Essen bei einem Forschungsprojekt für das Eurocontrol Maastricht Upper Area Control Center. Sie sind eingebunden in ein internationales Programm, das die Arbeitsbedingungen von Fluglotsen weiter verbessern soll. Im Rahmen des Projektes werden Methoden entwickelt, die auch künftig für einen sicheren Flugverkehr sorgen sollen. www.uni-due.de

Studierende auf Kurs

DORTMUND

Fitness wird gefördert
Alle Studierenden können sich ab jetzt bei den Einführungskursen für das Fitnessförderwerk der TU Dortmund anmelden. Die wöchentlichen Kurse umfassen das Training an Geräten mit persönlicher Bewegungskorrektur sowie die Erstellung eines individuellen Trainingsplans. www.hs.tu-dortmund.de/ ffw/einstieg/einfuehrungskurse-1

Positiv sein. Wer sich richtig bewirbt und dabei Persönlichkeit zeigt, hat gute Chancen, den neuen Job zu bekommen.

Persönlichkeit gesucht
Experten-Tipps für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben

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BOCHUM

eLearning mit Moodle

Als Ergänzung zum Blackboard können Studierende an der Ruhr-Universität Bochum die zusätzliche Lernplattform Moodle als Testsystem nutzen. Damit erweitert die Universität die möglichen eLearningLehr- und Lernszenarien für alle Nutzerinnen und Nutzer. Informationen zur neuen Lernplattform bietet das RUBeL-Team. www.rubel.rub.de/elearning/rss.htm

ute Ratschläge für den richtigen Start in den Job bekommt man nie genug – insbesondere dann nicht, wenn sie aus erster Hand kommen. Wir haben Personalverantwortliche nach ihrem Idealbild des Jobeinsteigers befragt. Dabei kam heraus: Gefragt sind Persönlichkeiten mit klaren Vorstellungen – immer vorausgesetzt, die Basisqualifikationen stimmen.

Bloß nicht verbiegen
Karriere hin oder her: Jeder Jobeinsteiger sollte versuchen, sich selbst treu zu bleiben. „Schließlich bleibt man im Idealfall mehrere Jahre im Unternehmen, da muss es einfach passen”, erklärt Dr. Stefan Fischer, Personalleiter bei MAN Ferrostaal in Essen. Bei 1.000 Bewerbungen auf 20 Traineestellen muss der Bewerber durch eine persönliche Note, Engagement und Motivation auffallen. „Wir wollen Persönlichkeiten, keine stromlinienförmigen Mitarbeiter. Außerdem ist jedes Unternehmen anders, hat seine eigene Kultur. In das eine Unternehmen kann ein Absolvent hervorragend passen, in das andere überhaupt nicht. Diese Frage sollte sich übrigens jeder stellen: Passe ich überhaupt in das Unterneh-

Eine Informationsoffensive des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NordrheinWestfalen, der nordrheinwestfälischen Hochschulen und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit.

men?”, rät Fischer. Gute Noten allein sind auch bei Haniel kein Türöffner. Die Recruiter des Duisburger Konzerns setzen, neben dem Talent zur Führung, auf die Authentizität der Bewerber. „Zeigen Sie uns, wer Sie sind!” – lautet der Aufruf des Energieunternehmens E.ON. Hier zählen nicht nur Fähigkeiten und Stärken, sondern auch private Hobbys und Interessen. Vorrangig bewertet werden neben dem Hochschulabschluss die persönliche und soziale Kompetenz, die Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und die interkulturelle Ausrichtung der Absolventen. Auch bei Signal Iduna steht die Persönlichkeit des Bewerbers im Mittelpunkt. Absolventen, die beim Dortmunder Versicherungskonzern als Vertriebs-Trainees einsteigen wollen, sollten soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen mitbringen. Schließlich müssen sich die künftigen Versicherungsexperten in unterschiedlichsten Beratungssituationen in die Kunden hineinversetzen können.

gen schreiben als wahllos 100 Bewerbungen streuen. Auch Initiativbewerbungen können durchaus etwas bringen – wenn sie auf den Punkt formuliert sind.”

Gespräche üben
Die Bewerbung muss mitreißen und ein überzeugendes Bild des Bewerbers liefern. Klingt einfach. In der Praxis tun sich viele Jobeinsteiger zu Anfang schwer, ihre Stärken gekonnt herauszustellen. Fischer rät, sich Zeit für Bewerbungen zu nehmen und Bewerbungsgespräche zu üben: „Man sollte nicht gleich das erste Gespräch mit dem absoluten Wunschunternehmen führen.” Minuspunkte bringen ganz klar schlechte Vorbereitung und übersteigerte Ansprüche. „Manchmal gewinnen wir bei Gesprächen den Eindruck, der Bewerber weiß gar nicht genau, in welchem Unternehmen er gerade sitzt”, erzählt Fischer. „Das sind die schlechtesten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gespräch.”
i Starter-Tipps im Internet: www.abi.de www.hochschule-ist-zukunft.de

Erfolg haben. Das richtige Studium öffnet viele Türen.
hat also gute Chancen auf den Traumjob – vorausgesetzt, die Basisqualifikationen sind ebenso überzeugend. Ein möglichst gut abgeschlossenes Studium, Praktika und Auslandserfahrung sind das beste Rüstzeug für den Jobeinstieg. Ein erfolgreicher Jobstart hat auch viel mit Leidenschaft und sorgfältiger Planung zu tun. Konkrete Vorstellungen überzeugen Personalverantwortliche. Stefan Fischers Tipp: „Lieber zehn ausgewählte Top-Bewerbun-

Sorgfältig planen
Wer bei Bewerbungen die eigene Persönlichkeit gekonnt ins richtige Licht setzt,

Nützliche Infos im E-Journal: www.hochschule-ist-zukunft.de/ejournalaktuell

S06 BOCHUM: IM HÖRSAAL

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Mein Feind, der Wecker
Erst um Mitternacht topfit? Unsere Gene bestimmen, wann wir in Hochform sind. Trotzdem kann man frühes Aufstehen trainieren.
notypen. Er erklärt, welche Verhaltensmerkmale Menschen je nach Tagesphase zeigen: den Typen, der vor Konzentration und Motivation am Morgen nur so platzt und freiwillig die Frühschicht wählt. Oder den, der die Anwesenheitspflicht vor Mittag am Liebsten abschaffen und ein Fernstudium ab zehn Uhr abends absolvieren würde. Eine völlige Umerziehung ist unmöglich.

Tatendrang um Mitternacht

Für Eulen-Studis, die um viertel nach acht topfit sein müssen, kann das eine besondere Herausforderung sein. So geht es auch Paul. Der 24-Jährige studiert Umwelttechnik und Ressourcenmanagement (UTRM) im siebten Semester und ist ein klarer Nachtmensch: „Ich werde gegen acht Uhr abends total müde, wenn ich aber meinen toten Punkt überwunden habe, bin ich gegen Mitternacht oft voller Tatendrang.“ Wenn er morgens zum Seminar muss, ist er gerädert: „Dann quäle ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Uni. Wenn meine Veranstaltungen vorbei sind, gehe ich direkt schlafen.“ Seine Nachtaktivität wäre aber vorbei, wenn er nach seinem Studium einen Vollzeitjob antreten würde. Dabei könnte eine gute Vorbereitung am Abend das frühe Aufstehen für die Umstellung in ein Berufsleben erheblich erleichtern. Für Danny Adams, Motivationstrainer aus Köln, beginnt die Herausforderung nämlich vor dem Schlafengehen. Er erinnert daran, dass jeder Mensch sechs bis neun Stunden Schlaf braucht: „Die Disziplin liegt im frühen Schlafengehen! Daran scheitern die meisten.“ Auch die zweite Vorbereitung zum Aufstehen beginnt abends: „Setze dir abends ein Ziel für den nächsten Tag. Etwas Angenehmes“, sagt er. „Wer einen motivierenden Grund hat, regelmäßig die warme Decke hinter sich zu lassen, der wird sich besser überwinden können: Das kann in den ersten Wochen eine süße Belohnung, eine spannende Aufgabe oder die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches sein.“
Frühe Vorlesungen und Seminare sind nicht für jeden was.

Wasser macht munter
stimmen. Na, was bist du? Lerche oder Eule? Frühaufsteher oder Langschläfer? Und: Können morgenmuffelige Kauze etwas gegen ihre schlechte Laune und geringe Lernbereitschaft in der Frühe tun?

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s ist ein Phänomen, das vor allem zu Semesterbeginn auftritt: Studenten mutieren zu Eulen oder Lerchen. Die RuhrUniversität beheimatet dann eine große Population an Eulen – Nachtschwärmer, für die der Morgen erst gegen Mittag beginnt und die frühe Vorlesungen verfluchen. Diese Studierenden flattern dann vor allem in den frühen Morgenstunden unpünktlich in die Seminarräume, kauern sich still in dunkle Ecken. Von dort aus beobachten sie mit stillen, bösen Blicken die Frühaufsteher – die Lerchen, die in den ersten Reihen ihren hellwachen Gesang an-

Richtige Nachtmenschen brauchen für die Umstellung sicher einige Wochen Disziplin, bis sie sich eingewöhnt haben. Danny rät deswegen zu kleinen Schritten: „Mach es dir so leicht wie möglich. Das Schlimmste sind unrealistische Ziele, die überhaupt nicht zu deinem Verhalten passen. Anstatt auf einmal den Sprung von elf Uhr morgens auf sechs Uhr zu machen, wäre doch neun oder zehn Uhr ein erster Kompromiss.“ Ist nun der Geist willig, sollte auch das Fleisch für den Tag in Schwung gebracht werden. Dabei sollte man aber nicht zum Klassiker unter den Wachmachern, Käffchen mit Kippe, greifen, warnt Jens Lühmann. Der Sportwissenschaftler hat sich in seiner Abschlussarbeit mit gesunder Ernährung beschäftigt: „Da man im Laufe der Nacht auch

Der eigene Biorhythmus

Der Genpool hat die Frage nach dem Lerchenoder Eulentyp bereits beantwortet. Die Ausschüttung eines Hormons in der Zirbeldrüse des Zwischenhirns bestimmt den Biorhythmus jedes Menschen. Wann wie viel Melantonin zur Verfügung steht – das bestimmt den Chro-

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BOCHUM: IM HÖRSAAL S07

Flüssigkeit verliert, muss auf jeden Fall der Wasserhaushalt wieder ausgeglichen werden.“ Bei den Erwachsenen könnte es gerne auch eine Tasse Kaffee sein, aber da dieser dehydrierend wirkt, sollte man auf jeden Fall eine andere Flüssigkeit zum Ausgleich zu sich nehmen. Neben einem großen Glas Wasser braucht der Körper auch ein leichtes, aber sättigendes Frühstück. Jens empfiehlt vollwertige Kohlehydrate in Form von Brot oder Müsli, denn die machen auch über die erste Vorlesung hinaus satt. Frisches Obst oder Gemüse ist nicht nur gesund, sondern regt durch bunte Farben auch den Appetit an. Das gute Frühstück ist es auch, was Geschichtsstudent und Lerche Dennis täglich aus dem Bett treibt. Unter der Woche steht er nicht nur um sechs Uhr auf, mehr noch: „Ich komme eigentlich immer gut aus dem Bett, schließlich ist die nächste Aktion die Nahrungsaufnahme. Mein Trick: aufstehen, frühstücken, wieder für eine halbe Stunde ins Bett legen.“ Die Macht der Gewohnheit hat ihn zum Frühaufsteher gemacht: „Ich kann morgens besser arbeiten, und man hat mehr vom Tag.“ Gegen Mitternacht ist aber auch sein Arbeitstag beendet. Dennis hat nämlich gemerkt, dass es ihm nicht gut tut, in stressigen Phasen seines Studiums nur vier oder fünf Stunden Schlaf zu bekommen. Am Wochenende oder nach Partys schläft aber auch er aus – bis neun Uhr. Dann sind die Eulen wohl noch in ihrer Tiefschlafphase.
text Julia Kämpken foto Nadine Maaz

Max-Planck-Preisträger Ruhr-Uni gründet baut neue Einrichtungen eigene Stiftung für an der RUB auf Studenten
Der mit 750.000 Euro dotierte Max-Planck-Forschungspreis ging in diesem Jahr an den renommierten amerikanischen Philologen Prof. Dr. Karl Galinsky – und davon profitiert nun auch die RUB. Denn mit diesem Preisgeld wird der Philologe nun eine Nachwuchsforschergruppe zur Gedächtnisforschung und Religionsgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum aufbauen. „Mit diesem Preis gelingt es uns, einen hochrangigen Forscher zeitweise und zugleich nachhaltig an die Ruhr-Universität zu binden“, freut sich Prof. Dr. Reinhold F. Glei vom RUB-Seminar für Klassische Philologie. Glei hatte Galinsky für die Nominierung vorgeschlagen. „Wir erwarten davon entscheidende Impulse für die hiesige Forschungslandschaft.“ Galinsky betreut bereits Forschungsarbeiten in den USA, Argentinien, Griechenland und Deutschland. „Seine reichhaltigen Erfahrungen in neuen Methoden der Graduierten- und Postgraduiertenförderung sowie in der kooperativen Forschung lassen nur höchste Erwartungen zu“, sagt Glei weiter. Ab diesem Wintersemester und für einen Zeitraum verteilt auf drei Jahre wird Prof. Galinsky für mehrere Aufenthalte an die Ruhr-Uni kommen. In der Jury-Begründung heißt es, Galinsky sei „einer der vielseitigsten und innovativsten Köpfe in der Kulturschöpfung. Er stellt bedeutende Verbindungen zwischen der modernen Zivilisation und der Antike her.“ ks Verantwortung übernehmen und neue Ideen fördern – unter diesem Motto gründete die RuhrUniversität Bochum nun ihre eigene Stiftung. Diese soll Studenten und Nachwuchswissenschaftlern eine Werte- und Weiterbildung ermöglichen. Zu den Vorstandsmitgliedern gehören RUB-Rektor Prof. Elmar Weiler, Kanzler Gerhard Möller und Prorektorin für Lehre, Prof. Uta Wilkens. Ein erstes Ziel sei es, wissenschaftlichem Nachwuchs zu ermöglichen, an die besten Plätze der Welt, zu Konferenzen oder anderen Institutionen zu reisen. „Mit der Stiftung finden Spender ein seriöses und innovationsfreudiges Umfeld“, sagt Weiler. Die Ruhr-Uni baut ihre Stiftung zunächst aus eigenen Mitteln auf, das Stiftungsvermögen beträgt derzeit eine Million Euro. „Um auch zukünftige Herausforderungen zu meistern, ist der Stitungszweck in der Satzung sehr offen formuliert“, beschreibt Kanzler Möller. Das Ziel lautet im Allgemeinen, Forschung und Lehre, Bildung und Wissenschaft sowie künstlerische, kulturelle und sportliche Aktivitäten zu fördern. Vor allem sollen junge Menschen, so die Verantwortlichen, in Kontakt mit anderen Menschen, Kulturen und Netzwerken kommen und so ihren Horizont und ihr Verständnis der Zusammenhänge wirtschaftlichen, politischen und sozialen Handelns in internationalem Maßstab in einer globalisierten Gesellschaft zu erweitern. ks

E-Book-Reader im Test Das große DDR-Quiz
E-Book-Reader sind weiter auf dem Vormarsch. Zumindest gefühlt. Was die elektronischen Bücher den Studierenden im Uni-Alltag tatsächlich bringen, hat pflichtlektüre-Autor Tobias Fülbeck eine ganze Woche lang getestet. Sein Fazit ist durchwachsen – aber nicht vernichtend. Schließlich rüsten auch im Ruhrgebiet immer mehr Universitätsbibliotheken ihren Bestand an E-Books auf. Ossis sind pessimistisch und im Wessiland gibt es nur Besserwisser: Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer. Vorurteile gibt es immer noch. Wir sprachen mit Studenten, die trotzdem die innerdeutsche Grenze übertraten. Außerdem wollten wir wissen, wie gut sich unsere Generation mit der DDR auskennt: Wisst ihr, wo die Grenze zwischen den deutschen Staaten verlief? Könnt ihr Nutella vom ostdeutschen Pendant unterscheiden? Erkennt ihr die gängigen Ostsongs?

pflichtlektüre empfiehlt

In der Welt des Fetisch
Fetischisten kommen im Dortmunder Fetisch-Geschäft Demask voll auf ihre Kosten. Es steht auf dem ehemaligen Gelände des Ostbahnhofs. Die Geschäfts-Inhaber Jens und Tanja Vogt haben nur einen kleinen Kundenstamm. Denn: Obwohl die Akzeptanz in der Gesellschaft gewachsen ist, ganz offen über ihren Fetisch reden, können die Betroffenen immer noch nicht.

Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com

S08 HERZ-STÜCK

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Es riecht nach Revolution
Dortmunder Dekane fordern das Diplom zurück. Sie sprechen vielen Studenten und Professoren aus der Seele. Aber NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart mauert. TURektorin Gather sieht sich machtlos.

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ehn Jahre nach Beginn des Bolognaprozesses verschärft sich der Protest gegen das verschulte Studiensystem. Erstmals machen Professoren an den Universitäten des Ruhrgebiets massiv Front gegen die seit zwei Jahren endgültig geltenden Bachelor- und Masterstudiengänge. Vorreiter: die Dekane der TU Dortmund. Acht von insgesamt 16 fordern die Rückkehr zum Diplom in ausgewählten Studiengängen – und stoßen bei NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf taube Ohren.

HINTERGRUND
Entschließung der Fakultätskonferenz der TU Dortmund im Wortlaut:
„Die Fakultätskonferenz der TU Dortmund (Versammlung der Dekane) beobachtet aufmerksam verschiedene problematische Konsequenzen des Bologna-Prozesses für ein selbstbestimmtes Studium, das zu Fachkompetenz und Mündigkeit führen soll. Während die neuen gegliederten und weitgehend verschulten Studiengänge vielen Studierenden durchaus entgegenkommen mögen, werden andere dadurch oft unnötig eingeschränkt. Sofern der Bologna-Prozess größere Freiräume zulässt, als sie bislang genutzt worden sind, sollten sie bei einer Revision der neuen Studiengänge beachtet und ausgeschöpft werden. Darüber hinaus unterstützt die Fakultätskonferenz die Bemühungen von Fakultäten, die sich dies – ohne Mehrbelastungen für andere Fakultäten – zutrauen, im Rahmen eines Pilotprojekts parallel zu Bachelor/Master bewährte Studiengänge wie das Diplom mit den zugehörigen akademischen Qualitäten anzubieten. Sie schließt sich den einschlägigen Forderungen des Deutschen Hochschulverbandes an.“ Verabschiedet im Mai 2009. Anwesend: 15 der 16 Dekane, 8 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen.

Der Initiator des Professorenprotestes Walter Krämer sagt: „Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse, gesichtslos und nicht zu unterscheiden.“ Professor Krämer ist Dekan der Fakultät Statistik an der TU Dortmund. Ihn stört vor allem, dass die Studenten in Raster und Muster gezwängt werden. „Diese Zwangsbeglückung geht mir gegen den Strich.“ Nach Recherchen der pflichtlektüre ist der Unmut auch an den Universitäten Bochum und Duisburg-Essen groß: Viele Professoren klagen über komprimierte Studiengänge, unnötige Einschränkungen und mangelnde akademische Qualität. Die Dekane der TU Dortmund haben nun eine konkrete Forderung an NRWWissenschaftsminister Pinkwart gestellt (siehe Hintergrundkasten): Parallel zum Bachelor und Master soll das Diplom wieder eingeführt werden – mit den al„Psst! Schon gehört? Dortmunder Profs wollen ten Diplomstudienordnungen, die noch das Diplom wieder einführen.“ in der Schublade liegen. Studenten der teilnehmenden Fachbereiche könnten sich dann aussuchen, ob sie auf Bachelor/Master schulung des Bachelors. Sie führe dazu, dass die oder Diplom studieren möchten. Der entspreStudenten Scheuklappen aufgesetzt bekommen: chende Beschluss ist im Mai an der TU Dort„Ich sage den Firmen immer: Ihr werdet euch mund verabschiedet worden. Initiator Krämer noch wundern, was für Produkte auf euch zuist sich sicher, dass die Rückkehr zum Diplom in kommen.“ Das Diplom dagegen biete die Mögseinem Fachbereich Stalichkeit, „die Persönlichtistik mit geringem Verkeit reifen zu lassen, waltungsaufwand mögaußerhalb des Studiums lich ist: „Wir sind da sehr Engagement an den Tag flexibel, wir könnten zu legen und dadurch schon zum nächsten Sedie für den Beruf wichtimester loslegen.“ Er macht sich dafür stark, dass ge Selbstständigkeit zu erwerben.“ Bachelorstudierende in den Diplomstudiengang wechseln können: „Wir haben da schon VorkehBei vielen Studenten kommt die Initiative der rungen getroffen. Das könnten wir in zwei WoProfessoren gut an. Felix Bremer, Mitglied des chen regeln.“ ASta-Referates Hochschul- und Bildungspolitik an der Ruhr-Uni-Bochum (RUB) sagt: „Den DipDer Bochumer Volkswirtschafts-Professor Wim lomstudiengang wieder einzuführen, halte ich Kösters fordert sogar, dass das Diplom wieder für eine super Idee.“ Um jeden Preis zurück zum Regel-Abschluss werden soll: „Wer früher ausDiplom wollen aber nicht alle. Selbst mancher scheiden will, soll den BA erhalten – so kommt scharfe Kritiker des Bachelor-/Mastermodells jeder zu seinem Recht.“ Kösters, der zum Vorsieht keine realistische Chance für eine Renaisstand des Rheinisch-Westfälischen Instituts für sance des Diploms. Wolfgang Schünemann, DeWirtschaftsforschung (RWI) gehört und viele kan der Fakultät Wirtschafts- und SozialwissenKontakte zu Unternehmen hat, kritisiert die Ver- schaften an der TU Dortmund, hält sie in seiner

„Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse“

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Kultusbürokratie in Düsseldorf statt als ausführendes Organ der Hochschullehrer.“ Minister Andreas Pinkwart hat erst durch die pflichtlektüre vom Entschluss der Dortmunder Dekane erfahren. Der Liberale erteilt ihnen eine Absage: „Die Landeswissenschaftskonferenz der Rektorinnen und Rektoren der nordrhein-westfälischen Universitäten hat erst kürzlich einmütig festgestellt, dass wir beim Bologna-Prozess auf einem sehr guten Weg sind.“ Ohne das NRWHochschulgesetz zu ändern, sei es ohnehin nicht möglich, Diplomstudiengänge wieder einzuführen. Eine solche Gesetzesänderung sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus Pinkwarts Ministerium: „Für eine Wiedereinführung der Diplom- und Magisterstudiengänge gibt es keine Veranlassung; sie widerspräche auch der hochschulpolitischen

Zurück um jeden Preis? Da ziehen nicht alle mit
Verpflichtung, die Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Bologna-Prozesses eingegangen ist. Die Einführung von Bachelor und Master ist eine in der Kultusministerkonferenz sorgfältig erörterte Reform, die von allen Bundesländern getragen wird.“ Von allen Bundesländern? Knackpunkt ist das sogenannte Immatrikulationsverbot, das es Studenten untersagt, sich neu in einen Diplomstudiengang einzuschreiben. In NRW steht dieses Verbot im Hochschulgesetz, in anderen Bundesländern hingegen nicht. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch nicht einmal verbindliche Vorgaben, bis wann Bachelor und Master als einzige Studienabschlüsse eingeführt sein müssen. Das macht es möglich, dass Studenten an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern noch immer ein BWL-Studium auf Diplom beginnen können (siehe Interview auf der nächsten Seite). Im bayAuf Seite 10 geht es weiter

Fakultät schlicht für nicht machbar. „Jeweils unterschiedliche Studiengänge müssen vor allem prüfungstechnisch getrennt verwaltet werden.“ So wäre für jeden Studiengang ein eigener Prüfungsausschuss nötig. „Natürlich bräuchte man dafür auch neue personelle Ressourcen, für die aber schon die Räume und auch das Geld fehlen.“ Die Chance, dass Bachelor-Kritiker Krämer und seine Mitstreiter das Diplom schon bald zurückbekommen, ist ohnehin gering. Die Dortmunder Rektorin Ursula Gather hat den Entschluss der Dekane gar nicht erst an NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart weitergeleitet – obwohl die Professoren das von ihr gefordert hatten. Gather verteidigt ihre Entscheidung: „Die Dekane können natürlich grundsätzlich nichts beschließen, was der Gesetzeslage widerspricht. Ich bedaure es auch sehr, dass dieser Abschluss [Diplom, Anm. der Redaktion] als Markenzeichen deutscher Absolventen verschwunden ist – aber dennoch gibt es eine Gesetzeslage, und an die haben wir uns alle zu halten.“ Walter Krämer überrascht diese Antwort der Rektorin nicht: „Ich glaube, die Unispitze sieht sich da eher als verlängerter Arm der

MEINUNGEN
„In der SoWi kann man mit dem Bachelorabschluss direkt Hartz IV beantragen, ohne Master geht eh nix.“ Patrick Hinze von der Fachschaft für Sozialund Wirtschaftswissenschaften an der UDE „Den Diplomstudiengang wieder einzuführen - das wäre ganz einfach. Man muss nur die alte Diplomregelung wieder in Kraft setzen.“ Horst Pöttker, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften an der TU Dortmund „Wir würden uns über ein ,Zurück in die Zukunft freuen‘, sofern dieser Schritt fachintern und im Einzelfall geprüft wird.“ Daniel Lucas, ASta-Referent für Hochschulpolitik an der UDE „Das Diplom parallel zum Bachelor wieder einzuführen, stiftet zu viel Verwirrung. Man müsste einen neuen Stundenplan erstellen und sich ein neues Konzept für die Vergabe der Creditpoints überlegen.“ Andreas Czylwik, Abteilungsdekan für die Elektro- und Informationstechnik an der UDE

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erischen Hochschulgesetz heißt es zur Umstellung auf die neuen Abschlüsse nur, dass „die Aufnahme des Studiums in Bachelorstudiengängen ab dem WS 2009/2010 die Regel sein soll“. Solange sich die Gesetzeslage in NRW nicht ändert, sieht sich die Dortmunder Rektorin Ursula Gather jedenfalls machtlos. An die Adresse ihrer Dekane sagt sie: „Natürlich bleibt es jedem unbenommen, sich an die Politik, an die Parteien zu wenden.“ Der Initiator des Professorenprotestes, Walter Krämer, hofft auf Mai 2010, wenn in NRW Wahlen an-

stehen. „Es ist alles eine Frage der nächsten Landtagswahl“, sagt er: „Wenn danach ein Mutiger sagt: ,Wir machen das mal anders‘, und der Rest der Welt sieht, das ist ein Erfolg, dann machen‘s die anderen nach.“

Mehr zum Thema

Weitere Informationen erhaltet ihr auf unserem Online-Portal www.pflichtlektuere.com. Dort könnt ihr auch abstimmen: Wollt ihr das Diplom zurück?
text Michael Klingemann co-autoren Ingo Hinz, Julia Hortig, Sarah Müller fotos Daniel Gehrmann, Florian Hückelheim

Fackelt nicht lange: Der Dortmunder Statistik-Dekan Walter Krämer zeigt, was er von Bachelor-Scheinen hält.

„Nur wer kämpft, kann siegen“
Der Greifswalder BWL-Professor Roland Rollberg wehrt sich erfolgreich gegen den Bachelor

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oland Rollberg hat eine Mission: Der Greifswalder BWL-Professor sträubt sich zusammen mit einigen Kollegen erfolgreich gegen die Einführung von Bachelor und Master. Im Gespräch mit pflichtlektüre erklärt er, warum viele Professoren in ihren Vorlesungen auch rote Zipfelmützen tragen würden – und fordert mehr Konfliktbereitschaft von Hochschullehrern. pflichtleküre: Herr Professor Rollberg, wie lange können Sie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald noch standhaft bleiben? Roland Rollberg: Bei uns ist es ja nicht so wie bei Ihnen in Nordrhein-Westfalen, wo es ein Immatrikulationsverbot für Diplomstudiengänge gibt. Und solange es das nicht gibt, werden wir standhaft bleiben. Den Sollvorschriften vom Rektorat, die besagen, dass der Bachelor im Fach BWL bis 2010 eingeführt werden soll, werden wir nur unter gesetzlichem Zwang folgen. Deshalb haben wir auch bewusst noch keinen Plan für den Fall der Fälle gemacht. Die Sache ist ja so: Wenn erst mal ein Plan in der Schublade liegt, steigt die Bereitschaft „umzufallen“ und ihn in die Tat umzusetzen. Und dieser Gefahr wollen wir uns gar nicht erst aussetzen. Wir werden wegen unserer Haltung gern als das „gallische Dorf“ bezeichnet, aber solange ich Obelix bin, ist das in Ordnung. pflichtlektüre: Gibt es an Ihrer Uni auch Kritiker, die Bachelor und Master bevorzugen? Auf welcher Seite steht das Rektorat? Rollberg: Man muss da differenzieren. Natürlich gibt es nicht nur Mitläufer, sondern auch Überzeugungstäter. Das Rektorat scheint mir von der Politik getrieben. Deshalb vertritt es auch die Devise, dass spätestens im nächsten Jahr alles umgestellt sein muss. Gleichwohl hat man aber Verständnis für unsere Position. Aber auf extremen Rückhalt in der Zukunft verließe ich mich nicht. Wir, die zurzeit zehn WiWi-Professoren, treten

nach außen hin geschlossen auf. Es gibt bei uns keine zwei Lager. Ob aber weiterhin alle gleich stark mitziehen werden, dazu wage ich keine Prognose. pflichtlektüre: Einige Professoren der TU Dortmund überlegen, Diplomstudiengänge wieder einzuführen. Was halten Sie davon? Rollberg: Das finde ich sehr gut! Man braucht nur einmal in die Fachzeitschriften wie beispielsweise die „Forschung & Lehre“ zu schauen. Die kritischen Artikel zu Bologna nehmen drastisch zu, da nun die fatalen Folgen der „Bolognarisierung“ belegt werden können. Bisher sind die Kritiker immer als Ewiggestrige verpönt worden. Mittlerweile ist aber auch ein Großteil der früher schweigenden Mitläufer zu Kritikern geworden. Deshalb darf die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Der Zug ist eben noch nicht abgefahren. Die Kritiker müssen nur bereit sein, für ihre Sache auch zu kämpfen. Nur wer kämpft, kann siegen! Ich finde den Vorstoß der Professoren daher großartig! Wenn so etwas gelänge, und dann noch in einem Bundesland, in dem das Diplom verboten wurde, wäre das ein Präzedenzfall, dem man sich anschließen könnte. pflichtlektüre: Sterben Bachelor und Master vielleicht doch irgendwann aus? Rollberg: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass

man mit der Zerstörung unseres Hochschulsystems fortfahren wird. Das liegt nicht zuletzt auch an der mangelnden Konfliktbereitschaft der Kollegen. Ich bin mir sicher, dass auch etliche Professoren rote Zipfelmützen in ihren Vorlesungen trügen, wenn die Politik dies nur mit genügend Nachdruck verlangte. Allerdings darf man die Hoffnung nicht aufgeben; denn vor 25 Jahren habe ich die Wiedervereinigung Deutschlands auch nicht für möglich gehalten. pflichtlektüre: Ist die Haltung, die die Professoren einnehmen, in Ihren Augen zu schwach? Rollberg: Ich bin vom Großteil der Kollegenschaft einfach nur enttäuscht. Wenn wir nicht offen zu unserer Meinung stehen und uns aus Angst vor

„Professoren tanzen nach der Pfeife der Politik“
Kürzungen in die Enge treiben lassen, dann steht auch die grundgesetzlich verbriefte Freiheit von Forschung und Lehre auf dem Spiel. Wir Professoren haben eigentlich niemanden zu fürchten außer Gott und sind nur der Wahrheit verpflichtet. Vom kleinen Mann, der seine fünfköpfige Familie zu versorgen hat und ruckzuck seinen Job verlieren kann, verlangen wir Zivilcourage. Aber die Professoren tanzen willfährig nach der Pfeife der Politik, obwohl sie letztlich existenziell nichts zu befürchten haben. Das deprimiert mich maßlos! Wir Professoren sind verpflichtet aufzubegehren, wenn unser Humboldtsches Universitätssystem in Gefahr ist – sonst sind wir unseren Professorentitel nicht wert.
interview Sarah Müller foto Uni Greifswald

Roland Rollberg wünscht sich mutige Hochschullehrer.

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HERZ-STÜCK S11

Bachelor adé? Matti Hesse hat bei Studenten der Ruhrgebiets-Unis nachgefragt.

Renaissance für das Diplom?

UMGEHÖRT

Vanessa Hensen, BWL (Bachelor), 1. Semester, UDE

Daniel Kegler, Raumplanung (Bachelor), 3. Semester, TU Do

Angela Ronge, Englisch und Kunst (Bachelor), 3. Semester, TU Do

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?
Nach meinen ersten Eindrücken an der Uni finde ich die Forderung sinnvoll. Das Studium beim Bachelor ist zu verschult. Aber auch den Ansatz, mehr sieben- oder achtsemestrige BachelorStudiengänge anzubieten, fände ich schon eine Verbesserung. Diplom wieder einführen? Das fände ich gut. Denn der deutsche Diplomingenieur hat immer noch einen guten Ruf in der Welt. Mein Bachelor-Studium wird dem vielleicht nicht mehr gerecht. Hände weg vom Bachelor. Ich finde, dass die Umstellung auf das Bachelor/ Master-System richtig war. Mit der internationalen Vergleichbarkeit wird vieles einfacher. Gerade als EnglischStudentin möchte ich ja vielleicht später mal im Ausland arbeiten.

Würdest du lieber auf Diplom studieren?
Ja. Zum Beispiel stören mich die Maluspunkte am Bachelor. Die maximale Punktzahl ist je nach Studienfach schnell erreicht. Dann darf man in Deutschland keinen Bachelor mehr studieren. So entsteht ein enormer Prüfungsdruck. Ja. Nach dem was ich von den Diplomstudenten gehörte habe, würde ich auf jeden Fall wechseln. Man kann einfach individueller studieren. Bei meinem Bachelor ist es eigentlich wie in der Schule: derselbe Stundenplan für alle. Nein. Ich studiere die Fächer, die mich interessieren. Zudem ist das BachelorSystem ein Ansporn, früh fertig zu werden. Auch das Creditpoint-System ist besser, als am Ende eine alles entscheidende Prüfung zu haben.

Björn Buth, Doktorand für Mathematik in Essen

Rafiq Delladji, Wirtschaftsmathe (Dipl.), 9. Semester, TU Do

Tobias Peuker, BWL (Dipl.), 14. Semester, UDE

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?
Von einer solchen Kehrtwende halte ich wenig, weil ich keinen wirklichen Grund dafür sehe, die Entscheidung für das Bachelor/Master-System jetzt wieder zurückzunehmen. Zudem würde eine solche Umstellung viel Zeit und unnötig Geld kosten. Ich verstehe absolut, warum das gefordert wird. Schließlich ist das deutsche Diplom wirklich anerkannt. Ich kann mir vorstellen, dass beim Vorstellungsgespräch viele Ältere mit dem Bachelor nichts anfangen können. Ich sitze mit vielen Bachelor-Studenten in Seminaren und da merkt man, dass deren Studium viel zu kurz ist. Deshalb finde ich eine solche Forderung „zurück zum Diplom“ gut.

Würdest du lieber auf Bachelor studieren?
Nein. Ich war mit meinem Diplomstudium glücklich, weil ich weniger Stress hatte. Mit Vorschriften, wie ich zu studieren habe, wurde ich weitgehend in Ruhe gelassen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der Bachelor schon Vorteile bietet, etwa eine kürzere Studienzeit und größere Praxisorientierung. Nein. Vom Diplom zu wechseln kommt für mich absolut nicht in Frage. Ich komme aus Dubai, da gibt es eigentlich nur Bachelor und Master. Die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, habe ich vor allem wegen des Diplomstudiums getroffen. Nein. Ich habe zwar mal vor der Überlegung gestanden, mich umzuschreiben, wirklich in Frage kam das für mich aber nicht. Denn das starr durchgeplante Studium und das enorme Prüfungspensum lassen keinen Raum dafür, dass man abseits des Studienfachs seinen Horizont erweitern kann.

S12 RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL

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Headhunter, Hollandräder und Hörsaalglück
Die Uni Maastricht überzeugt deutsche Studenten mit Miniseminaren und Luxusausstattung.

S

ie tragen keine maßgeschneiderten Anzüge, sondern Jeans. Vor dem Eingang parken keine Limousinen, sondern Hollandräder. Und an der Rezeption nehmen sie nicht ihre Zimmerschlüssel, sondern die Studienbescheinigungen entgegen. Trotzdem werden die Studenten der „School of Business and Economics“ wie reiche Hotelgäste empfangen – Business as usual in Maastricht. An den Wänden des Designer-Instituts hängen

Plasmabildschirme, die den Weg weisen. Und in der Lounge, die mit weichen Sofas und Sesseln in lila und orange ausstaffiert ist, tippen Studenten konzentriert auf ihren Notebooks. Die deutsche Studentin Marieke Maatz studiert seit drei Jahren an der Hochschule; an den Hotelcharakter hat sie sich längst gewöhnt. „Nach dem Abi war ich ein Jahr in England und habe ich dann beschlossen, Betriebswirtschaftslehre zu

studieren. Von den deutschen Unis habe ich nur Schlechtes gehört, das kam also nicht in Frage“, sagt sie. Ihre Wahl fiel schließlich auf „International Business“ in Maastricht, einem international ausgerichteten BWL-Studiengang. Inzwischen macht Marieke ihren Master. So wie sie entscheiden sich viele Deutsche für Maastricht – knapp 3.800 Landsleute schrieben sich im vergangenen Jahr ein. Das Fach „International Business“, das auf den globalen Arbeitsmarkt vorbereiten soll, steht dabei weit oben auf der Wunschliste. Denn hier punktet die Maastrichter Uni mit einem speziellen Unterrichtsmodell: dem problemorientierten Lernen. Das findet nicht nur bei den Studenten Gefallen; die Hochschule belegt auch sehr gute Platzierungen in nationalen und internationalen Rankings. Dennoch verlangt sie keinen Numerus Clausus – für viele deutsche Studenten ein weiterer Pluspunkt.

In English, please

Zehn Studenten sitzen in einem Glaskasten, dem Tutorial Room. „And this is an example for which principle?”, fragt Masterstudentin Nadine Funcke, seit drei Jahren Tutorienleiterin. Sie geht an die Tafel und rechnet mit ihren Kommilitonen aus, wie ein fiktives Unternehmen seine Erlöse steigern könnte. Die Unterrichtssprache ist Englisch – und zwar extrem schnelles Business English. No problem. Scheinbar können alle Nadines Ausführungen folgen. Tutorien mit maximal 14 Studenten sind die typische Unterrichtsform an der Uni Maastricht. Vorlesungen, die lediglich als Grundlage dienen, gibt es selten. Dafür stehen kleine Seminare auf dem Stundenplan. Ein echter Unterschied zu Deutschland! Der hat allerdings seinen Preis: Jährlich 1.600 Euro Studiengebühren lassen sich die Studenten ihre persönliche Betreuung kosten. Hinzu kommt eine Menge Zeit, die hinter dem Schreibtisch verbracht wird, denn die komplexen Aufgaben, die Studenten im Tutorium zusammen lösen, bereiten sie zu Hause vor. „Es ist unglaublich, wie lange ich manchmal an einer Aufgabe tüfteln muss, mit zig aufgeklappten Büchern um mich herum. Aber das ist ein super Training für die Klausuren. Und im Job wird mir das später auch nützen“, ist sich Marieke sicher. Die Studenten simulieren das wahre Arbeitsleben. Später werden sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen und selbstständig arbeiten, aber auch im Team funktionieren müssen. Ger Brouns ist von diesem Konzept überzeugt. Er unterrichtet „Health Care Sciences“ in Maastricht und weiß, dass die Deutschen das problemorientierte Lernen mögen: „Es ist das, was sie an deutschen Unis

Die „School of Business and Economics“ lädt regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein. Ausländische Studierende sind hier sehr willkommen.

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RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL S13

Weiche Sofas, modernes Design – die Maastrichter Universität legt großen Wert auf das Wohlbefinden ihrer Studenten und auf eine außerordentliche Betreuung.

vermissen. Zudem ist das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten bei uns sehr gut. Wir sind studentenorientiert und das sagen wir nicht nur so daher.“ Für Brouns ist es selbstverständlich, E-Mails seiner Studenten innerhalb von 24 Stunden zu beantworten. „Dann muss ich sie erst gar nicht auf eine To-Do-Liste schreiben.“ Brouns, Vorsitzender des „Country Teams Germany“, bezeichnet sich selbst als Headhunter. Die Aufgabe seines Teams ist einfach: deutsche Studenten nach Maastricht holen. Die Gruppe geht offensiv vor, entwickelt Strategien, um Maastricht für Deutsche noch attraktiver zu machen, macht Werbung auf Messen. Auch in Asien, vor allem in China und Indien, streckt die Uni ihre Fühler aus. Denn das ist das vorrangige Ziel der Hochschule: international werden.

andere Ende der Welt, um Dinge zu sehen und zu erleben, die bei uns nicht alltäglich sind“, freut sich Bastian über diese Chance. Dazu zählt er auch die Party-Szene, die für ihn in Maastricht immer ein wenig zu kurz kommt. „In der Woche vor den Klausuren wird man in Maas-

tricht nur wenige Leute finden, die bereit sind, ihre Klausurergebnisse für einen durchzechten Abend zu ruinieren.“ Nicht so in Singapur. Nach einer langen Nacht fällt Bastian im großen Hörsaal gar nicht auf. Die Masse hat eben auch ihre Vorteile. Was in Singapur noch besser ist als in Maastricht? Die Mietpreise: Bastian konnte eine Wohnung auf dem Campus ergattern und zahlt im Monat gerade einmal 80 Euro Miete. Die Duschen und Toiletten muss er sich mit Kommilitonen teilen – doch das kennt er schon aus Holland, wo er allerdings im Schnitt 300 Euro Miete zahlt. „Die Gemeinschaftsduschen sind nicht generell dreckig. Aber hier findet man schon mal das ein oder andere Kilo Schamhaar im Abfluss.“ Da sehnt sich Bastian doch so manches Mal zurück ans Maastrichter Designer-Institut. Wo Bastian später arbeiten möchte, weiß er noch nicht genau. „Nach dem Bachelor würde ich mir gerne eine Auszeit für Praktika nehmen, denn so toll ein Studium auch sein kann, ohne praktische Erfahrung hat man kaum etwas davon.“ Bastian sieht seiner Zukunft selbstbewusst entgegen. Er kennt seine Vorteile genau: „ein sehr gutes Englisch und ausgeprägte internationale Erfahrung.“
Mehr Infos unter: www.maastrichtuniversity.nl text und fotos Sarah Müller, Miriam Sahli

Ans andere Ende der Welt

Zu dieser Außenpolitik passt es, dass der Studiengang „International Business“ ein verpflichtendes Auslandssemester eingebaut hat. „Husch, husch, raus mit euch“, das hören Studenten an deutschen Unis selten, weiß Marieke von Freunden in Deutschland: „Die erzählen mir immer, wie kompliziert es ist, ein Semester ins Ausland zu gehen. Da werden ihnen unnötig Steine in den Weg gelegt. Auch deshalb bin ich froh, hier zu studieren. Ich war ein halbes Jahr in Neuseeland.“ Auch Bastian Grundmann hat sich aus diesem Grund für Maastricht entschieden. „Ich habe eine Empfehlung von meiner Cousine bekommen, mir die Universität an einem der so genannten ‚Open Days’ angesehen und für gut befunden.“ Seit August ist Bastian in Singapur. „Ich wollte gerne ans

Ger Brouns, Dozent und Headhunter, lockt Deutsche nach Maastricht.

S14 DIENST-BAR

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Für alle Sinne
Von Lebensträumen über Spannendes für die Ohren bis hin zu 20 Bläsern. PROMI-TIPP: Prechts Lieblingsbuch
Guy Helminger „Morgen war schon“ Verlag: Suhrkamp Preis: 19,80 Euro Umfang: 331 Seiten

DIE CD:
Mit „4 Chords of the Apocalypse“ und „Ludlow St.“ schlägt Casablancas plötzlich Soul- und Country-Klängen an – und säuselt ins Mikro, als würde er seinen Herzschmerz an der Theke einer verrauchten Bar ersäufen. Erstaunlich auch der Ausklang des Albums: Während das beruhigende „Glass“ beinahe als Schlaflied durchginge, gibt es mit dem melancholischen „Tourist“ noch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg. Obwohl auf „Phrazes for the Young“ Parallen zu The Strokes durchgängig zu hören sind, liefert Casablancas ein eigenständiges wie spannendes Solo-Debüt. bb

„...ein ganz verrücktes, kurioses, aber auch sehr menschliches Buch. Es geht um junge Menschen und die Frage: Was ist aus ihren Lebensträumen geworden? Und es hat einen sehr ergreifenden, sehr traurigen und sehr bewegenden Schluss, der sicherlich zu den ganz schönen Stellen in der jüngeren deutschen Literatur gehört.“

Precht zum Buch:

Wetten auf der Pferderennbahn verloren und hegt Mordgedanken gegen nervige Fahrgäste. Als die beiden erfahren, dass Louise schwanger ist, kehrt für einen kurzen Moment das Glück zurück in ihren trostlosen Alltag – nur um dann durch eine Tragödie wieder zerstört zu werden. Richard David Precht landete mit seinem philosophischen Ratgeber „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ einen Bestseller. Sein neuestes Buch: „Liebe – ein unordentliches Gefühl!“ lea

Louise träumt von einer Reise nach Neuseeland, schafft es aber nicht einmal, sich einen Job zu suchen. Ihr Mann Fetzner fährt Taxi, hat sein ganzes Geld beim

Das neue Album von The Strokes erscheint erst im Frühjahr 2010 – der perfekte Grund für Fans die Zeit mit dem Solo-Debut von Sänger Julian Casablancas zu überbrücken. Der Bandleader beweist mit „Phrazes for the young“ ein breites musikalisches Repertoire. So kommen die ersten drei Songs im pastellfarbenen 80er-Gewand daher und sind von luftigen Synthesizern, treibenden Beats und Plastik-Gitarrensound geprägt.

Julian Casablancas „Phrazes for the young“ VÖ: bereits erschienen Label: Sony Music

EXIT RAFF DICH AUF, GEH RAUS!
11.11.09 – „Und von jetzt ab wird mit Bombe vergolten“ im Theater Duisburg Das Jugentheater-Projekt Spieltrieb wirft einen Blick in die dunkle Vergangenheit der NS-Zeit.
– Serdar Somuncu: „Hassprediger“ im Riff Bochum Kaberretist Serdar Somuncu analysiert Reden von Roland Koch bis Osama Bin Laden – garantiert so komisch wie schonungslos.

Moderator Waldemar Hartmann nun in ein zweistündiges Bühnenprogramm, das er am 19. November in der VIP-Lounge des SignalIduna-Parks präsentiert. Wer nicht selbst dabei sein kann, liest auf www.pflichtlektuere. com unseren Bericht – und erfährt, ob sich einer der weiteren NRW-Termine lohnt.

12.11.09

** Tipp 2!

16.11.09 – Walter Trout in der Kaue Gelsenkirchen Einer der größten Gitarristen des Blues-Rock kommt in den Pott. 21.11.09 – Billy Talent in der Westfalenhalle Dortmund Die neue CD gibt es seit Juli, jetzt folgt die ausgiebige Europa-Tour.

* Tipp 1!

Born to be Waldi 19.11.09 – Signal-Iduna-Park Dortmund Er ist „die bajuwarische Duzmaschine“ – und seit der Verbalattacke von Rudi Völler vor laufender Kamera („Du hast doch schon drei Weizen getrunken!“) eine Kultfigur in der deutschen Fernsehlandschaft. Die besten Erlebnisse seiner Laufbahn packt TV-

The BossHoss: Low Voltage 18.11.09 – Grugahalle Essen The BossHoss liefern seit 2005 eine rockigfrische Alternative zum deutschen CountryMief der Marke Truck Stop. Cover-Songs von Interpreten wie Britney Spears oder den Beastie Boys machten die Band auch außerhalb ihrer Heimat Berlin bekannt. In Essen präsentieren die Jungs nun eine Auswahl ihrer besten Stücke, ob Cover-Versionen oder Eigenkompositionen. Besonders spannend daran ist das „Low Voltage“-Konzept: The BossHoss spielen ihre Country-Songs in der Grugahalle unplugged und werden dabei von 20 Bläsern und Streichern unterstützt. bb / fotos pixelio A.R. & www.borntobewaldi.de

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04.11.09

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Für Fortgeschrittene: Pro Spalte, pro Reihe und pro drei mal drei Kästchen großem Quadrat dürfen die Zahlen 1 bis 9 nur jeweils einmal vorkommen.

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Impressum
Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481 Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU Dortmund, 44221 Dortmund E-Mail: post@pflichtlektuere.com Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni) Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neuendank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl Titelbild: Philipp Anft, Benjamin Blum und Johanna Fritz An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Bianca Beyer, Benjamin Blum (bb), Tobias Fülbeck (tf), Lea Grote (lea), Agnes Heitmann (ah), Ingo Hinz, Julia Hortig (juh), Jens Hülswitt, Julia Kämpken, Sarah Keller (sk), Michael Klingemann, Jonas Knoop (jk), Sarah Müller, Anne Murawski, Malina Opitz (mao), Siola Panke (sp), Judit Revész, Miriam Sahli (miri), Katrin Schmidt (ks), Fabian Schwane (fas), Kathrin Strehle (ks), Karina Strübbe (kas), Thomas Terhorst (tt), Natascha Tschernoster (nt), Anna-Lena Wagner (alwa), Barbara Wege (bw), Julian Weimer, Anja-Kristin Willner (awi) Verantwortlich für Anzeigen: Oliver Nothelfer, Anschrift wie Verlag, Kontakt: 0201/804-8944 Objektleiter: Wolfgang Ibel Verlag: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft , E.Brost & J. Funke GmbH u. Co.KG, Friedrichstr. 34-38, 45128 Essen Druck: Druckhaus WAZ GmbH & Co. Betriebs-KG, Anschrift wie Verlag. Kontakt: druckhaus@waz.de Erscheinungstermine: Wintersemester 2009: 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 19. Januar, 2. Februar.
Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227

Fabian Feldhoff und Laura Borgs sind die Gewinner unseres Bilderrätsels und haben am 7.11. mit Kettcar gerockt. Herzlichen Glückwunsch! foto: Dieter Schütz/pixelio

Die kommenden Top Highlights:
Hachiko
Bewegendes Drama von Lasse Hallström (Chocolat) mit Richard Gere und Joan Allen um die besondere Freundschaft zwischen einem Universitätsprofessor und seinem Hund. Ab dem 12.11.2009 in Ihrer UCI KINOWELT!

Doublefeature
Twilight-Fans aufgepasst! UCI KINOWELT zeigt die heißersehnte Verfilmung des zweiten Teils der romantischen Vampir-Saga bereits vor dem offiziellen Filmstart als Doublefreature nach Teil 1! Am 22.11.2009 ab 12 Uhr in Ihrer UCI KINOWELT!

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