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pflichtlektüre
1o2009 www.pflichtlektuere.com

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

Comeback fürs Diplom?
Professoren der Ruhrgebiets-Unis proben Aufstand gegen den Bachelor

Besser studieren in Maastricht
Kein Nachtleben, aber Mini-Seminare: Für wen sich der Wechsel lohnt

Auf geht‘s gen Osten

Die Kampagne „pack dein Studium“ lockt Studenten an Unis wie Freiberg

S02 VOR-SPIEL

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WAs geht
nerkennung suchen wir alle. Deshalb finden Bohlen und Co. auch immer wieder Menschen, die sich vor der Kamera der Lächerlichkeit preisgeben. Genau davon handelt Frank Abts Inszenierung „Superstars“, die am 31. Oktober im Bochumer Schauspielhaus Premiere hatte. Zu Beginn des Stücks stellen sich die Schauspieler wie in einer Castingshow per Videoaufnahmen vor. Sie alle haben einen Traum; sie wollen eine Band gründen und ein paar Wochen auf Tournee gehen. Allerdings gibt es ein kleines Problem: Ahnung von Musik hat nur einer - Torsten Kindermann. Die Anderen haben noch nie ein Instrument gespielt. Wieso die Fünf trotzdem als Musiker berühmt werden wollen? Abt zeigt es.

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Er inszeniert Monologe, basierend auf echten Interviews von Menschen, die alle eins gemeinsam haben: Sie suchen Anerkennung. Auf der Bühne sprechen die Schauspieler für die Interviewten. So verkörpert Jele Brückner zum Beispiel ein Mädchen, dass schon mit 16 für den Film entdeckt wurde. Ob es die Band letztendlich zu ihrem großen Auftritt schafft, ist noch bis zum 26. Dezember im Bochumer Schauspielhaus zu sehen. Alle Termine und wie Studenten günstig an Tickets kommen steht auf: www.pflichtlektuere.com tt/foto: Veranstalter

ls ich vor Jahren zum ersten Mal in Deutschland war, überraschte mich völlig, dass englische Filmtitel meist nicht übersetzt sind. Später hörte ich von der „Denglisch“-Erscheinung - also, dass die Deutschen in ihrer Sprache viele englische Wörter benutzen. Deshalb bedeutet das ungarische Wort „smink“, das bestimmt aus dem Deutschen kommt, wohl „Make-up“. Also dachte ich - wenn dir ein Wort auf Deutsch nicht einfällt, sag es einfach auf Englisch, man wird es kaum merken. Später wollte ich meine erste E-Mail nach Hause schreiben und setzte mich an einen PC in die Uni-Bibliothek. Doch schon das Einloggen machte Probleme. Ich versuchte es dreimal, bis ich merkte, dass auf der deutschen Tastatur „0“ nicht vor „1“ steht, „Ctrl“ „Strg“ heißt,

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Neulich iN DeutschlAND
und ganze ungarische Buchstaben fehlen. Da hatte ich die Idee, fürs nächste Mal den Brief bereits zu Hause zu schreiben und dann mitzubringen. So fragte ich den Mann an der Information, ob ich meinen „Pen Drive“ hier benutzen darf, wie wir auch im Ungarischen sagen. Er guckte jedoch verständnislos. Ich hatte leider keine Ahnung, was "Pen Drive" auf Deutsch heißt. Stimmt das mit dem Denglisch vielleicht doch nicht? „Ein kleines Gerät, man kann es in den Rechner einstecken und Dateien speichern“, versuchte ich zu erklären. „Ah, USB-Stick meinen Sie!“ foto: nm Judit revész kommt aus ungarn und studiert während ihres Auslandsemesters Journalistik in Dortmund.

WisseNs-Wert

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m Ruhrpott ist es grau und schmutzig. Heißt es. Dabei sind es gerade die alten Zechen und Industrieanlagen, auf denen sich die Natur breit macht. 10.000 Hektar im Ruhrgebiet sind Industriebrachen – Platz für Flora und Fauna. „Das Ruhrgebiet zählt zu den artenreichsten Gebieten in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt Peter Keil, Geschäftsführer der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. Denn der Boden ist kein natürlicher, sondern besteht aufgrund der industriellen Nutzung aus Schotter, Schlacken, Aschen und anderen Materialien. Diese Zusammensetzung lockt seltene Pflanzen und Tiere an, beispielsweise die Tigerspinne. Abgesehen von ihrer gelb-schwarzen

Zeichnung hat das maximal drei Zentimeter große Insekt jedoch wenig mit einem Raubtier gemeinsam. Genau wie der Klebrige Alant, welcher auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen steht, ist die Tigerspinne ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Von noch weiter her, aus Südafrika, stammt das Schmalblättrige Greiskraut. Auf den großen Industriebrachen wie der Zeche Zollverein in Essen oder dem Landschaftspark Duisburg-Nord sind bis zu 500 Pflanzenarten nachgewiesen. In fast jeder Stadt im Ruhrgebiet gibt es mittlerweile Flächen, wo es wächst und gedeiht. Hier finden auch spezielle Führungen statt. In Dortmund in der Kokerei Hansa (siehe Foto), in Bochum im Westpark. kas/foto:nm

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START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK

diesmal
Kommt das Diplom zurück? Es brodelt an den Unis.

Zur Ausgabe

S08
DUISBURG/ESSEN S04 S07 … Alles neu: Wohnheim an der Kammerstraße wird renoviert. … Gläubig durchs Studium: Lena-Maria Kühl im Porträt.

ls im Sommer 2008 der erste Bachelor-Jahrgang in die Lehrredaktion der pflichtlektüre kam, war ich geschockt: Die Studenten, die ab sofort während ihres Journalistik-Studiums diese Zeitung machen sollten, waren gestresst, bevor es überhaupt losging. Warum? Chaos, verschulter Stundenplan, viele Credit Points. Nun protestieren Professoren der TU Dortmund gegen das Bachelor-/ Master-System. Kaum einer, den wir während der Recherchen zu unserem Herz-Stück (Seiten 8 bis 12) fragten, unterstützt die neuen Studiengänge. Unisono heißt es: Früher war alles besser. Seit diesem Sommer ist der zweite B.A..-Jahrgang in der Redaktion. Das Chaos des ersten Mals hat sich gelegt. Einige Schwächen des Bachelors haben sich relativiert, andere haben sich manifestiert. Was eindeutig fehlt, ist Flexibilität. Die TU-Profs möchten deshalb das Diplom zurück und es parallel zum Bachelor und Master anbieten. Welche Erfolgsaussichten ihre Pläne haben: Seite 8.

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HERZ-STÜCK S10 … Erfolgreicher Kampf gegen den Bachelor: Greifswald macht‘s vor.

RUHR-BLICK S12 … Wenn Headhunter nach Holland locken: Ein Besuch in Maastricht.

DIENST-BAR S14 … Kabarrett, Kultur, Konzert: Wir schmeissen euch vom Sofa.
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S04 DUISBURG/ESSEN: MITTEN IM LEBEN

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Alles muss raus
Das Studentenwerk Duisburg-Essen erneuert Wohnheime, die es bitter nötig haben.

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ie Uni baut. Das Studentenwerk Duisburg-Essen renoviert außerdem Wohnheime, die es dringend nötig haben.

Dank des Konjunkturpakets II stehen dem Projekt „energetische Sanierung“ rund 15 Millionen Euro zur Verfügung. Damit lässt sich schon eine Menge bewegen: In Duisburg wurde kurzerhand das Wohnheim Kammerstraße geräumt. Jetzt wird es generalüberholt. Bis zum nächsten Wintersemester soll es in neuem Glanz erstrahlen. Außerdem soll es die Bewohner künftig besser vor den immer kälteren Wintern und den steigenden Heizpreisen schützen. Dazu wird die Schieferfassade entfernt und durch einen Wärmedämmputz ersetzt. Außerdem bekommt der Bau etwa 700 neue isolierverglaste Kunststofffenster. Auch die Dächer werden saniert. Die künftigen Bewohner brauchen sich also keine Sorgen mehr um ihre Heizkosten zu machen – ein den ehemaligen Mietern nicht unbekanntes Problem: „Das war ja alles über 20 Jahre alt – natürlich ließ die Isolierung einiges zu wünschen übrig“, sagt Clemens Wetzel, Tutor des TuDu-Teams der Wohnheime Duisburg und ebenfalls ehemaliger Bewohner. „Die Heizkosten stiegen jährlich.“ Auch soll es häufig Beschwerden über die Einrichtung und den Gesamtzustand der Wohnungen gegeben haben. Das wird sich künftig ändern: Die alten Möbel fliegen raus. Alles, was nicht mehr brauchbar ist, wird entsorgt. Anderes wird eingelagert oder auf die anderen Wohnheime des Studentenwerkes verteilt. Sascha, ein ehemaliger Bewohner des Wohnheims Kammerstraße, hilft beim Entrümpeln. „Die meisten Schreibtische sind noch gut zu gebrauchen“, erzählt er. „Sie wurden hauptsächlich in die Wohnheime mitgenommen, in die die Studenten umgezogen sind.“ Seit Anfang Oktober entfernt er gemeinsam mit anderen studentischen Hilfskräften das gesamte Mobiliar aus dem Wohnheim. Erst danach wird sich ein Bauunternehmen an die Arbeit machen. Dann werden auch die Böden herausgerissen, die Türen ausgetauscht und die Wand- und Bodenfliesen in Bädern und Küchen erneuert. Was nicht zu sehen sein wird, aber nicht minder wichtig ist: Auch die Leitungen für Wasser/Abwasser und Starkstrom werden saniert. Das Wohnheim Kammerstraße mit seinen über 280 Zimmern bekommt eine Rundum-Erneuerung, um schließlich bei seiner Fertigstellung den letzten Feinschliff verpasst zu bekommen – und mit neuen Möbeln ausgestattet zu werden. Über die Möglichkeit zur Veränderung freut sich auch Pressesprecherin Petra Karst. Als das Studentenwerk vor über 20 Jahren das Haus übernommen hat, weil dem ursprünglichen Bauherrn die Mittel ausgegangen waren, musste vieles so hingenommen werden, wie es war. „Jetzt konnten wir endlich die Chance ergreifen und alles nach unseren Wünschen gestalten“, freut sich

Karst. „Eine Sanierung war wirklich mehr als dringend.“ „Die Mittel aus dem Konjunkturpaket II müssen bis Ende 2010 verwendet worden sein“, erklärt sie weiter. Darum musste schnell gehandelt werden. Jeder der Beteiligten hätte es natürlich bevorzugt, wenn die drei Häuser der Kammerstraße nacheinander saniert und somit geschlossen worden wären – das war jedoch aufgrund der Kürze der Zeit nicht möglich. Und bei der Menge an Bauschutt, die eine Kernsanierung verursacht, blieb dem Studentenwerk nichts anderes übrig, als alle Bewohner kurzerhand auszuquartieren. Zum Glück lief der Prozess ziemlich reibungslos ab. „Im Mai haben wir ein Rundschreiben Hier wird saniert: Das Wohnheim in der Kammerstraße im heutigen Zustand. bekommen, in dem wir über das bevorstehende Projekt informiert wurden“, berichtet Sascha. „Wir konnten uns aussuchen, Jahre ein Wohnheimzimmer zusteht, greift nun ob wir in ein anderes Wohnheim oder ganz aus- wegen des erheblichen Platzmangels wieder. Alziehen wollten.“ Das habe auch gut geklappt. Je- les, was viel älter ist als 20 Jahre, fliegt eben raus. der, der ein Zimmer in einem anderen Wohnheim verlangte, bekam auch eines – die „Ausgesetzten“ text Bianca Beyer hatten dieses Jahr Priorität. Zwar mussten sich fotos Nadine Maaz / Bianca Beyer die Studenten um den Umzug selbst kümmern, dafür konnten sie sich jedoch ihr Wunschwohnheim im Vorfeld aussuchen. Wwer aufgrund von Urlaub oder Prüfungen in der Hauptumzugszeit nicht packen konnte, der durfte auch ein bisschen länger bleiben. Nur die Älteren hatten Pech: die bisher großzügig gehandhabte Regelung, dass nur Studenten bis 25

Extra
KURZ NOTIERT

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Informationen der Offensive „Hochschule ist Zukunft”

Hochschule Aktuell

DUISBURG/ESSEN

Einblicke in das Berufsfeld des Fluglotsen erhalten Komedia-Masterstudierende der Uni Duisburg-Essen bei einem Forschungsprojekt für das Eurocontrol Maastricht Upper Area Control Center. Sie sind eingebunden in ein internationales Programm, das die Arbeitsbedingungen von Fluglotsen weiter verbessern soll. Im Rahmen des Projektes werden Methoden entwickelt, die auch künftig für einen sicheren Flugverkehr sorgen sollen. www.uni-due.de

Studierende auf Kurs

DORTMUND

Fitness wird gefördert
Alle Studierenden können sich ab jetzt bei den Einführungskursen für das Fitnessförderwerk der TU Dortmund anmelden. Die wöchentlichen Kurse umfassen das Training an Geräten mit persönlicher Bewegungskorrektur sowie die Erstellung eines individuellen Trainingsplans. www.hs.tu-dortmund.de/ ffw/einstieg/einfuehrungskurse-1

Positiv sein. Wer sich richtig bewirbt und dabei Persönlichkeit zeigt, hat gute Chancen, den neuen Job zu bekommen.

Persönlichkeit gesucht
Experten-Tipps für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben

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BOCHUM

eLearning mit Moodle

Als Ergänzung zum Blackboard können Studierende an der Ruhr-Universität Bochum die zusätzliche Lernplattform Moodle als Testsystem nutzen. Damit erweitert die Universität die möglichen eLearningLehr- und Lernszenarien für alle Nutzerinnen und Nutzer. Informationen zur neuen Lernplattform bietet das RUBeL-Team. www.rubel.rub.de/elearning/rss.htm

ute Ratschläge für den richtigen Start in den Job bekommt man nie genug – insbesondere dann nicht, wenn sie aus erster Hand kommen. Wir haben Personalverantwortliche nach ihrem Idealbild des Jobeinsteigers befragt. Dabei kam heraus: Gefragt sind Persönlichkeiten mit klaren Vorstellungen – immer vorausgesetzt, die Basisqualifikationen stimmen.

Bloß nicht verbiegen
Karriere hin oder her: Jeder Jobeinsteiger sollte versuchen, sich selbst treu zu bleiben. „Schließlich bleibt man im Idealfall mehrere Jahre im Unternehmen, da muss es einfach passen”, erklärt Dr. Stefan Fischer, Personalleiter bei MAN Ferrostaal in Essen. Bei 1.000 Bewerbungen auf 20 Traineestellen muss der Bewerber durch eine persönliche Note, Engagement und Motivation auffallen. „Wir wollen Persönlichkeiten, keine stromlinienförmigen Mitarbeiter. Außerdem ist jedes Unternehmen anders, hat seine eigene Kultur. In das eine Unternehmen kann ein Absolvent hervorragend passen, in das andere überhaupt nicht. Diese Frage sollte sich übrigens jeder stellen: Passe ich überhaupt in das Unterneh-

Eine Informationsoffensive des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NordrheinWestfalen, der nordrheinwestfälischen Hochschulen und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit.

men?”, rät Fischer. Gute Noten allein sind auch bei Haniel kein Türöffner. Die Recruiter des Duisburger Konzerns setzen, neben dem Talent zur Führung, auf die Authentizität der Bewerber. „Zeigen Sie uns, wer Sie sind!” – lautet der Aufruf des Energieunternehmens E.ON. Hier zählen nicht nur Fähigkeiten und Stärken, sondern auch private Hobbys und Interessen. Vorrangig bewertet werden neben dem Hochschulabschluss die persönliche und soziale Kompetenz, die Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und die interkulturelle Ausrichtung der Absolventen. Auch bei Signal Iduna steht die Persönlichkeit des Bewerbers im Mittelpunkt. Absolventen, die beim Dortmunder Versicherungskonzern als Vertriebs-Trainees einsteigen wollen, sollten soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen mitbringen. Schließlich müssen sich die künftigen Versicherungsexperten in unterschiedlichsten Beratungssituationen in die Kunden hineinversetzen können.

gen schreiben als wahllos 100 Bewerbungen streuen. Auch Initiativbewerbungen können durchaus etwas bringen – wenn sie auf den Punkt formuliert sind.”

Gespräche üben
Die Bewerbung muss mitreißen und ein überzeugendes Bild des Bewerbers liefern. Klingt einfach. In der Praxis tun sich viele Jobeinsteiger zu Anfang schwer, ihre Stärken gekonnt herauszustellen. Fischer rät, sich Zeit für Bewerbungen zu nehmen und Bewerbungsgespräche zu üben: „Man sollte nicht gleich das erste Gespräch mit dem absoluten Wunschunternehmen führen.” Minuspunkte bringen ganz klar schlechte Vorbereitung und übersteigerte Ansprüche. „Manchmal gewinnen wir bei Gesprächen den Eindruck, der Bewerber weiß gar nicht genau, in welchem Unternehmen er gerade sitzt”, erzählt Fischer. „Das sind die schlechtesten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gespräch.”
i Starter-Tipps im Internet: www.abi.de www.hochschule-ist-zukunft.de

Erfolg haben. Das richtige Studium öffnet viele Türen.
hat also gute Chancen auf den Traumjob – vorausgesetzt, die Basisqualifikationen sind ebenso überzeugend. Ein möglichst gut abgeschlossenes Studium, Praktika und Auslandserfahrung sind das beste Rüstzeug für den Jobeinstieg. Ein erfolgreicher Jobstart hat auch viel mit Leidenschaft und sorgfältiger Planung zu tun. Konkrete Vorstellungen überzeugen Personalverantwortliche. Stefan Fischers Tipp: „Lieber zehn ausgewählte Top-Bewerbun-

Sorgfältig planen
Wer bei Bewerbungen die eigene Persönlichkeit gekonnt ins richtige Licht setzt,

Nützliche Infos im E-Journal: www.hochschule-ist-zukunft.de/ejournalaktuell

S06 DUISBURG/ESSEN: IM HÖRSAAL

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Der Osten lockt
Die Kampagne „Pack dein Studium“ wirbt für ein Studium im Osten - zum Beispiel in Freiberg

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ns tiefe Sachsen sollen Studenten aus dem Ruhrgebiet gelockt werden. „Unser Hochschulland ist erstklassig“, sagte Eva-Maria Stange, sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Mit der Kampagne „Pack dein Studium“ werben die Ostdeutschen zurzeit an allen Ruhrunis. Mit einem modernen Fächerangebot, kleinen Seminaren und kostenlosem Studium wirbt zum Beispiel die historische Technische Uni in Freiberg. An der Bergakademie, nur vierzig Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, hatte einst Alexander von Humboldt Bergbau und Minenwesen studiert. Anlass der ungewöhnlichen Werbeaktion ist der deutsche Hochschulpakt, der insgesamt drei Milliarden Euro bereitstellt, um Deutschlands Hochschulen wettbewerbsfähig zu machen. 27 Millionen Euro davon gehen an Sachsen. Aber nur, wenn der Freistaat bis 2010 die Zahl seiner Studienanfänger hält und sie sogar weiterhin steigert. Für das Sommersemester 2008 hatten sich zuletzt mehr als 20.000 Menschen neu an einer der sächsischen Hochschulen eingeschrieben. Doch zukünftig könnte diese Zahl sinken: Durch den demographischen Wandel gibt es in Sachsen mehr Studienplätze als Bewerber. Also müssen Studis aus dem Rest Deutschlands gewonnen werden. Vor einigen Monaten lief die Kampagne an. Schließlich ist der Hochschulpakt lukrativ: Das Geld fließt teilweise direkt an die Unis, die dafür neue Lehrkräfte einstellen. Tatsächlich haben die sächsischen Hochschulen ihren eigenen Charme. In der TU Freiberg finden die Vorlesungen in historischen Gebäuden statt, nur die Bibliothek und die Mensa passen nicht ganz in das historische Bild der Uni. Da Freiberg mit seinen 140.000 Einwohnern keine Großstadt ist, stammen die meisten Studenten nicht von hier. Viele von ihnen leben in WGs zusammen, Anschluss ist schnell gefunden. Wildes Partyleben spielt sich in der „alten Mensa“ oder eben in den Wohngemeinschaften ab. Ohnehin ist die Uni weniger anonym: In den Hörsälen tummelt sich eine überschaubare Anzahl von Studis. Trotzdem hat man als zugereister Student aus dem Ruhrpott so seine Schwierigkeiten. Das liegt nicht daran, dass einem die Freiberger unfreundlich begegnen würden. Es liegt eher daran, dass man kein halbes Hähnchen bestellen kann, ohne wie im Ausland mit dem Finger darauf zu zeigen. Der Grund dafür ist, dass der geliebte Gummiadler in Ostdeutschland „Broiler“ genannt wird.

In den Osten der Republik soll es laut der Kampagne „Pack dein Studium“ gehen.

Dieser kleine, aber feine Unterschied und der Dialekt, der in amerikanischen Kriegsfilmen als klassisch deutsch propagiert wird, machen die Vorlesungen zu einem kulturellen Hochgenuss. Da empfiehlt es sich, einen Platz in den vorderen Reihen zu belegen. Überhaupt ist Freiberg voller Geschichte. Auf dem Brunnen am zentralen Obermarkt thront Stadtgründer Markgraf Otto der Reiche, umgeben von vier Löwen. Auf ihnen zu reiten soll Glück bringen – das ist aber ausgerechnet strengstens verboten. Die Uni Duisburg-Essen wirkt dagegen nicht so beschaulich. Der Standort Essen mit seinen knapp 600.000 Einwohnern bietet andere Möglichkeiten: Abgesehen von dem großen Freizeit- und Kulturangebot sind in Essen viele renommierte Firmen ansässig, die Möglichkeiten für Praktika bieten. Die Universität ist sehr funktional gestaltet, alles ist sehr komprimiert: viele Seminarräume für viele Studenten. Die Räume sind nicht immer in einer optimalen Lage, teilweise haben sie nicht einmal Fenster. Unter Studenten heißen diese Seminarräume „Durchlauferhitzer“, weil sie im Sommer schon mal wie die Umkleidekabine

in einer Schule riechen kann. Von der kleinen Hörgemeinde in Sachsen sind die Veranstaltungen hier weit entfernt: Zu einer Vorlesung wie „Grundlagen der BWL“ werden um die 500 Studenten erwartet. Wer hier einen guten Platz haben möchte, sollte schon eine Stunde vor Beginn da sein. Oder die Plätze werden mit Mappen reserviert. Wer diesem Stress entgehen möchte, der kann die Vorlesung in zwei separaten Räumen auf dem Campus verfolgen. Dort wird die Vorlesung live aus dem Audimax per Online-Stream übertragen. Bei den Übungen und Tutorien muss man hingegen schon mal mit einem Platz auf dem Boden vorlieb nehmen. Das wäre im Osten undenkbar. Zahlen über die gewonnenen Wessis haben die Ost-Unis zwar noch nicht. Aber steigende Kosten und überfüllte Seminare werden wohl so manchen in den Osten locken.

text Jens Hülswitt foto Nadine Maaz

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DUISBURG/ESSEN: IM HÖRSAAL S07

Das religiöse Unikum
Mit Glauben an Gott durchs Studium: Lena Maria Kühl ist ein seltener Fall

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bwohl ein Tag nur 24 Stunden hat, schafft es Lena-Maria Kühl immer wieder, alles unter einem Hut zu packen. Ein gewöhnliches Semester hat bei der 21-jährigen Studentin zwischen 26 und 32 SWS – abgesehen von den Blockseminaren, die sie in der vorlesungsfreien Zeit absolviert. Das sind im Vergleich zum gewöhnlichen Durchschnittsstudenten etwa zwölf Stunden pro Woche mehr. Nebenbei gibt Lena Nachhilfestunden, treibt Sport, trifft Freunde und geht zur Bandprobe in ihrer Gemeinde. Doch wie schafft es die junge Frau mit dem langen, gelockten Haar, so viel Energie und Kraft dafür aufzubringen? „Der Glaube an Gott hilft mir dabei“, sagt die religiöse Lehramtsstudentin. „Auch wenn mir das Studium oft schwer fällt, weiß ich doch, dass es immer noch eine höhere Instanz über mir gibt, die mich führt und leitet und mich nicht alleine lässt.“ Lena-Maria Kühl ist ein Unikum an deutschen Unis. Eine Umfrage an der TU Dortmund beispielsweise hat ergeben, dass gerade mal 18 Prozent von 1228 Neustudenten, also nur

knapp jeder fünfte, an ein höheres Wesen glaubt, das „alles Seiende managt“. Mit viel Fleiß ist die lebhafte junge Dame voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres fertig mit dem Studium – nach nur sechs schnellen Semestern. Die sportliche Grundschullehrerin ist „nicht so der Fan vom Studieren“, daher das hartnäckige Tempo. Sie sieht das Studium kritisch: „Die Universität ist vollgestopft mit Menschen, unglaublich unpersönlich und oberflächlich.“ Nach dem Lernen will sie für einige Zeit in Südafrika an einer Schule arbeiten. „Dort, wo die Menschen Hoffnung brauchen“, sagt sie. Ihr eigenes Leben ist schon durchgeplant: „Ich wollte immer früh heiraten und früh Kinder bekommen, ein langes Studium steht dem nur im Weg.“
text Anne Murawski foto pflichtlektüre

Anders als viele Studenten: Lena Maria Kühl

pflichtlektüre empfiehlt
E-Book-Reader im Test
E-Book-Reader sind weiter auf dem Vormarsch. Zumindest gefühlt. Was die elektronischen Bücher den Studierenden im UniAlltag tatsächlich bringen, hat pflichtlektüre-Autor Tobias Fülbeck eine ganze Woche lang getestet. Sein Fazit ist durchwachsen – aber nicht vernichtend. Schließlich rüsten auch im Ruhrgebiet immer mehr Universitätsbibliotheken ihren Bestand an E-Books auf.

Das große DDR-Quiz
Ossis sind pessimistisch und im Wessiland gibt es nur Besserwisser: Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer. Vorurteile gibt es immer noch. Wir sprachen mit Studenten, die trotzdem die innerdeutsche Grenze übertraten. Außerdem wollten wir wissen, wie gut sich die unsere Generation mit der DDR auskennt: Wo verlief die Grenze zwischen den deutschen Staaten? Wie unterscheidet sich Nutella vom ostdeutschen Pendant? Sind die gängigen Ost-Songs bekannt?

In der Welt des Fetisch
Fetischisten kommen im Dortmunder Fetisch-Geschäft Demask voll auf ihre Kosten. Es steht auf dem ehemaligen Gelände des Ostbahnhofs. Die Geschäfts-Inhaber Jens und Tanja Vogt haben nur einen kleinen Kundenstamm. Denn: Obwohl die Akzeptanz in der Gesellschaft gewachsen ist, ganz offen über ihren Fetisch reden, können die Betroffenen immer noch nicht.

Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com

S08 HERZ-STÜCK

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Es riecht nach Revolution
Dortmunder Dekane fordern das Diplom zurück. Sie sprechen vielen Studenten und Professoren aus der Seele. Aber NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart mauert. TURektorin Gather sieht sich machtlos.

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ehn Jahre nach Beginn des Bolognaprozesses verschärft sich der Protest gegen das verschulte Studiensystem. Erstmals machen Professoren an den Universitäten des Ruhrgebiets massiv Front gegen die seit zwei Jahren endgültig geltenden Bachelor- und Masterstudiengänge. Vorreiter: die Dekane der TU Dortmund. Acht von insgesamt 16 fordern die Rückkehr zum Diplom in ausgewählten Studiengängen – und stoßen bei NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf taube Ohren.

HINTERGRUND
Entschließung der Fakultätskonferenz der TU Dortmund im Wortlaut:
„Die Fakultätskonferenz der TU Dortmund (Versammlung der Dekane) beobachtet aufmerksam verschiedene problematische Konsequenzen des Bologna-Prozesses für ein selbstbestimmtes Studium, das zu Fachkompetenz und Mündigkeit führen soll. Während die neuen gegliederten und weitgehend verschulten Studiengänge vielen Studierenden durchaus entgegenkommen mögen, werden andere dadurch oft unnötig eingeschränkt. Sofern der Bologna-Prozess größere Freiräume zulässt, als sie bislang genutzt worden sind, sollten sie bei einer Revision der neuen Studiengänge beachtet und ausgeschöpft werden. Darüber hinaus unterstützt die Fakultätskonferenz die Bemühungen von Fakultäten, die sich dies – ohne Mehrbelastungen für andere Fakultäten – zutrauen, im Rahmen eines Pilotprojekts parallel zu Bachelor/Master bewährte Studiengänge wie das Diplom mit den zugehörigen akademischen Qualitäten anzubieten. Sie schließt sich den einschlägigen Forderungen des Deutschen Hochschulverbandes an.“ Verabschiedet im Mai 2009. Anwesend: 15 der 16 Dekane, 8 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen.

Der Initiator des Professorenprotestes Walter Krämer sagt: „Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse, gesichtslos und nicht zu unterscheiden.“ Professor Krämer ist Dekan der Fakultät Statistik an der TU Dortmund. Ihn stört vor allem, dass die Studenten in Raster und Muster gezwängt werden. „Diese Zwangsbeglückung geht mir gegen den Strich.“ Nach Recherchen der pflichtlektüre ist der Unmut auch an den Universitäten Bochum und Duisburg-Essen groß: Viele Professoren klagen über komprimierte Studiengänge, unnötige Einschränkungen und mangelnde akademische Qualität. Die Dekane der TU Dortmund haben nun eine konkrete Forderung an NRWWissenschaftsminister Pinkwart gestellt (siehe Hintergrundkasten): Parallel zum Bachelor und Master soll das Diplom wieder eingeführt werden – mit den al„Psst! Schon gehört? Dortmunder Profs wollen ten Diplomstudienordnungen, die noch das Diplom wieder einführen.“ in der Schublade liegen. Studenten der teilnehmenden Fachbereiche könnten sich dann aussuchen, ob sie auf Bachelor/Master schulung des Bachelors. Sie führe dazu, dass die oder Diplom studieren möchten. Der entspreStudenten Scheuklappen aufgesetzt bekommen: chende Beschluss ist im Mai an der TU Dort„Ich sage den Firmen immer: Ihr werdet euch mund verabschiedet worden. Initiator Krämer noch wundern, was für Produkte auf euch zuist sich sicher, dass die Rückkehr zum Diplom in kommen.“ Das Diplom dagegen biete die Mögseinem Fachbereich Stalichkeit, „die Persönlichtistik mit geringem Verkeit reifen zu lassen, waltungsaufwand mögaußerhalb des Studiums lich ist: „Wir sind da sehr Engagement an den Tag flexibel, wir könnten zu legen und dadurch schon zum nächsten Sedie für den Beruf wichtimester loslegen.“ Er macht sich dafür stark, dass ge Selbstständigkeit zu erwerben.“ Bachelorstudierende in den Diplomstudiengang wechseln können: „Wir haben da schon VorkehBei vielen Studenten kommt die Initiative der rungen getroffen. Das könnten wir in zwei WoProfessoren gut an. Felix Bremer, Mitglied des chen regeln.“ ASta-Referates Hochschul- und Bildungspolitik an der Ruhr-Uni-Bochum (RUB) sagt: „Den DipDer Bochumer Volkswirtschafts-Professor Wim lomstudiengang wieder einzuführen, halte ich Kösters fordert sogar, dass das Diplom wieder für eine super Idee.“ Um jeden Preis zurück zum Regel-Abschluss werden soll: „Wer früher ausDiplom wollen aber nicht alle. Selbst mancher scheiden will, soll den BA erhalten – so kommt scharfe Kritiker des Bachelor-/Mastermodells jeder zu seinem Recht.“ Kösters, der zum Vorsieht keine realistische Chance für eine Renaisstand des Rheinisch-Westfälischen Instituts für sance des Diploms. Wolfgang Schünemann, DeWirtschaftsforschung (RWI) gehört und viele kan der Fakultät Wirtschafts- und SozialwissenKontakte zu Unternehmen hat, kritisiert die Ver- schaften an der TU Dortmund, hält sie in seiner

„Bachelor und Master sind Micky-Maus-Abschlüsse“

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Kultusbürokratie in Düsseldorf statt als ausführendes Organ der Hochschullehrer.“ Minister Andreas Pinkwart hat erst durch die pflichtlektüre vom Entschluss der Dortmunder Dekane erfahren. Der Liberale erteilt ihnen eine Absage: „Die Landeswissenschaftskonferenz der Rektorinnen und Rektoren der nordrhein-westfälischen Universitäten hat erst kürzlich einmütig festgestellt, dass wir beim Bologna-Prozess auf einem sehr guten Weg sind.“ Ohne das NRWHochschulgesetz zu ändern, sei es ohnehin nicht möglich, Diplomstudiengänge wieder einzuführen. Eine solche Gesetzesänderung sei ausgeschlossen, heißt es offiziell aus Pinkwarts Ministerium: „Für eine Wiedereinführung der Diplom- und Magisterstudiengänge gibt es keine Veranlassung; sie widerspräche auch der hochschulpolitischen

Zurück um jeden Preis? Da ziehen nicht alle mit
Verpflichtung, die Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Bologna-Prozesses eingegangen ist. Die Einführung von Bachelor und Master ist eine in der Kultusministerkonferenz sorgfältig erörterte Reform, die von allen Bundesländern getragen wird.“ Von allen Bundesländern? Knackpunkt ist das sogenannte Immatrikulationsverbot, das es Studenten untersagt, sich neu in einen Diplomstudiengang einzuschreiben. In NRW steht dieses Verbot im Hochschulgesetz, in anderen Bundesländern hingegen nicht. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch nicht einmal verbindliche Vorgaben, bis wann Bachelor und Master als einzige Studienabschlüsse eingeführt sein müssen. Das macht es möglich, dass Studenten an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern noch immer ein BWL-Studium auf Diplom beginnen können (siehe Interview auf der nächsten Seite). Im bayAuf Seite 10 geht es weiter

Fakultät schlicht für nicht machbar. „Jeweils unterschiedliche Studiengänge müssen vor allem prüfungstechnisch getrennt verwaltet werden.“ So wäre für jeden Studiengang ein eigener Prüfungsausschuss nötig. „Natürlich bräuchte man dafür auch neue personelle Ressourcen, für die aber schon die Räume und auch das Geld fehlen.“ Die Chance, dass Bachelor-Kritiker Krämer und seine Mitstreiter das Diplom schon bald zurückbekommen, ist ohnehin gering. Die Dortmunder Rektorin Ursula Gather hat den Entschluss der Dekane gar nicht erst an NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart weitergeleitet – obwohl die Professoren das von ihr gefordert hatten. Gather verteidigt ihre Entscheidung: „Die Dekane können natürlich grundsätzlich nichts beschließen, was der Gesetzeslage widerspricht. Ich bedaure es auch sehr, dass dieser Abschluss [Diplom, Anm. der Redaktion] als Markenzeichen deutscher Absolventen verschwunden ist – aber dennoch gibt es eine Gesetzeslage, und an die haben wir uns alle zu halten.“ Walter Krämer überrascht diese Antwort der Rektorin nicht: „Ich glaube, die Unispitze sieht sich da eher als verlängerter Arm der

MEINUNGEN
„In der SoWi kann man mit dem Bachelorabschluss direkt Hartz IV beantragen, ohne Master geht eh nix.“ Patrick Hinze von der Fachschaft für Sozialund Wirtschaftswissenschaften an der UDE „Den Diplomstudiengang wieder einzuführen - das wäre ganz einfach. Man muss nur die alte Diplomregelung wieder in Kraft setzen.“ Horst Pöttker, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften an der TU Dortmund „Wir würden uns über ein ,Zurück in die Zukunft freuen‘, sofern dieser Schritt fachintern und im Einzelfall geprüft wird.“ Daniel Lucas, ASta-Referent für Hochschulpolitik an der UDE „Das Diplom parallel zum Bachelor wieder einzuführen, stiftet zu viel Verwirrung. Man müsste einen neuen Stundenplan erstellen und sich ein neues Konzept für die Vergabe der Creditpoints überlegen.“ Andreas Czylwik, Abteilungsdekan für die Elektro- und Informationstechnik an der UDE

S10 HERZ-STÜCK

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erischen Hochschulgesetz heißt es zur Umstellung auf die neuen Abschlüsse nur, dass „die Aufnahme des Studiums in Bachelorstudiengängen ab dem WS 2009/2010 die Regel sein soll“. Solange sich die Gesetzeslage in NRW nicht ändert, sieht sich die Dortmunder Rektorin Ursula Gather jedenfalls machtlos. An die Adresse ihrer Dekane sagt sie: „Natürlich bleibt es jedem unbenommen, sich an die Politik, an die Parteien zu wenden.“ Der Initiator des Professorenprotestes, Walter Krämer, hofft auf Mai 2010, wenn in NRW Wahlen an-

stehen. „Es ist alles eine Frage der nächsten Landtagswahl“, sagt er: „Wenn danach ein Mutiger sagt: ,Wir machen das mal anders‘, und der Rest der Welt sieht, das ist ein Erfolg, dann machen‘s die anderen nach.“

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Weitere Informationen erhaltet ihr auf unserem Online-Portal www.pflichtlektuere.com. Dort könnt ihr auch abstimmen: Wollt ihr das Diplom zurück?
text Michael Klingemann co-autoren Ingo Hinz, Julia Hortig, Sarah Müller fotos Daniel Gehrmann, Florian Hückelheim

Fackelt nicht lange: Der Dortmunder Statistik-Dekan Walter Krämer zeigt, was er von Bachelor-Scheinen hält.

„Nur wer kämpft, kann siegen“
Der Greifswalder BWL-Professor Roland Rollberg wehrt sich erfolgreich gegen den Bachelor

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oland Rollberg hat eine Mission: Der Greifswalder BWL-Professor sträubt sich zusammen mit einigen Kollegen erfolgreich gegen die Einführung von Bachelor und Master. Im Gespräch mit pflichtlektüre erklärt er, warum viele Professoren in ihren Vorlesungen auch rote Zipfelmützen tragen würden – und fordert mehr Konfliktbereitschaft von Hochschullehrern. pflichtleküre: Herr Professor Rollberg, wie lange können Sie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald noch standhaft bleiben? Roland Rollberg: Bei uns ist es ja nicht so wie bei Ihnen in Nordrhein-Westfalen, wo es ein Immatrikulationsverbot für Diplomstudiengänge gibt. Und solange es das nicht gibt, werden wir standhaft bleiben. Den Sollvorschriften vom Rektorat, die besagen, dass der Bachelor im Fach BWL bis 2010 eingeführt werden soll, werden wir nur unter gesetzlichem Zwang folgen. Deshalb haben wir auch bewusst noch keinen Plan für den Fall der Fälle gemacht. Die Sache ist ja so: Wenn erst mal ein Plan in der Schublade liegt, steigt die Bereitschaft „umzufallen“ und ihn in die Tat umzusetzen. Und dieser Gefahr wollen wir uns gar nicht erst aussetzen. Wir werden wegen unserer Haltung gern als das „gallische Dorf“ bezeichnet, aber solange ich Obelix bin, ist das in Ordnung. pflichtlektüre: Gibt es an Ihrer Uni auch Kritiker, die Bachelor und Master bevorzugen? Auf welcher Seite steht das Rektorat? Rollberg: Man muss da differenzieren. Natürlich gibt es nicht nur Mitläufer, sondern auch Überzeugungstäter. Das Rektorat scheint mir von der Politik getrieben. Deshalb vertritt es auch die Devise, dass spätestens im nächsten Jahr alles umgestellt sein muss. Gleichwohl hat man aber Verständnis für unsere Position. Aber auf extremen Rückhalt in der Zukunft verließe ich mich nicht. Wir, die zurzeit zehn WiWi-Professoren, treten

nach außen hin geschlossen auf. Es gibt bei uns keine zwei Lager. Ob aber weiterhin alle gleich stark mitziehen werden, dazu wage ich keine Prognose. pflichtlektüre: Einige Professoren der TU Dortmund überlegen, Diplomstudiengänge wieder einzuführen. Was halten Sie davon? Rollberg: Das finde ich sehr gut! Man braucht nur einmal in die Fachzeitschriften wie beispielsweise die „Forschung & Lehre“ zu schauen. Die kritischen Artikel zu Bologna nehmen drastisch zu, da nun die fatalen Folgen der „Bolognarisierung“ belegt werden können. Bisher sind die Kritiker immer als Ewiggestrige verpönt worden. Mittlerweile ist aber auch ein Großteil der früher schweigenden Mitläufer zu Kritikern geworden. Deshalb darf die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Der Zug ist eben noch nicht abgefahren. Die Kritiker müssen nur bereit sein, für ihre Sache auch zu kämpfen. Nur wer kämpft, kann siegen! Ich finde den Vorstoß der Professoren daher großartig! Wenn so etwas gelänge, und dann noch in einem Bundesland, in dem das Diplom verboten wurde, wäre das ein Präzedenzfall, dem man sich anschließen könnte. pflichtlektüre: Sterben Bachelor und Master vielleicht doch irgendwann aus? Rollberg: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass

man mit der Zerstörung unseres Hochschulsystems fortfahren wird. Das liegt nicht zuletzt auch an der mangelnden Konfliktbereitschaft der Kollegen. Ich bin mir sicher, dass auch etliche Professoren rote Zipfelmützen in ihren Vorlesungen trügen, wenn die Politik dies nur mit genügend Nachdruck verlangte. Allerdings darf man die Hoffnung nicht aufgeben; denn vor 25 Jahren habe ich die Wiedervereinigung Deutschlands auch nicht für möglich gehalten. pflichtlektüre: Ist die Haltung, die die Professoren einnehmen, in Ihren Augen zu schwach? Rollberg: Ich bin vom Großteil der Kollegenschaft einfach nur enttäuscht. Wenn wir nicht offen zu unserer Meinung stehen und uns aus Angst vor

„Professoren tanzen nach der Pfeife der Politik“
Kürzungen in die Enge treiben lassen, dann steht auch die grundgesetzlich verbriefte Freiheit von Forschung und Lehre auf dem Spiel. Wir Professoren haben eigentlich niemanden zu fürchten außer Gott und sind nur der Wahrheit verpflichtet. Vom kleinen Mann, der seine fünfköpfige Familie zu versorgen hat und ruckzuck seinen Job verlieren kann, verlangen wir Zivilcourage. Aber die Professoren tanzen willfährig nach der Pfeife der Politik, obwohl sie letztlich existenziell nichts zu befürchten haben. Das deprimiert mich maßlos! Wir Professoren sind verpflichtet aufzubegehren, wenn unser Humboldtsches Universitätssystem in Gefahr ist – sonst sind wir unseren Professorentitel nicht wert.
interview Sarah Müller foto Uni Greifswald

Roland Rollberg wünscht sich mutige Hochschullehrer.

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HERZ-STÜCK S11

Bachelor adé? Matti Hesse hat bei Studenten der Ruhrgebiets-Unis nachgefragt.

Renaissance für das Diplom?

UMGEHÖRT

Vanessa Hensen, BWL (Bachelor), 1. Semester, UDE

Daniel Kegler, Raumplanung (Bachelor), 3. Semester, TU Do

Angela Ronge, Englisch und Kunst (Bachelor), 3. Semester, TU Do

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?
Nach meinen ersten Eindrücken an der Uni finde ich die Forderung sinnvoll. Das Studium beim Bachelor ist zu verschult. Aber auch den Ansatz, mehr sieben- oder achtsemestrige BachelorStudiengänge anzubieten, fände ich schon eine Verbesserung. Diplom wieder einführen? Das fände ich gut. Denn der deutsche Diplomingenieur hat immer noch einen guten Ruf in der Welt. Mein Bachelor-Studium wird dem vielleicht nicht mehr gerecht. Hände weg vom Bachelor. Ich finde, dass die Umstellung auf das Bachelor/ Master-System richtig war. Mit der internationalen Vergleichbarkeit wird vieles einfacher. Gerade als EnglischStudentin möchte ich ja vielleicht später mal im Ausland arbeiten.

Würdest du lieber auf Diplom studieren?
Ja. Zum Beispiel stören mich die Maluspunkte am Bachelor. Die maximale Punktzahl ist je nach Studienfach schnell erreicht. Dann darf man in Deutschland keinen Bachelor mehr studieren. So entsteht ein enormer Prüfungsdruck. Ja. Nach dem was ich von den Diplomstudenten gehörte habe, würde ich auf jeden Fall wechseln. Man kann einfach individueller studieren. Bei meinem Bachelor ist es eigentlich wie in der Schule: derselbe Stundenplan für alle. Nein. Ich studiere die Fächer, die mich interessieren. Zudem ist das BachelorSystem ein Ansporn, früh fertig zu werden. Auch das Creditpoint-System ist besser, als am Ende eine alles entscheidende Prüfung zu haben.

Björn Buth, Doktorand für Mathematik in Essen

Rafiq Delladji, Wirtschaftsmathe (Dipl.), 9. Semester, TU Do

Tobias Peuker, BWL (Dipl.), 14. Semester, UDE

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?
Von einer solchen Kehrtwende halte ich wenig, weil ich keinen wirklichen Grund dafür sehe, die Entscheidung für das Bachelor/Master-System jetzt wieder zurückzunehmen. Zudem würde eine solche Umstellung viel Zeit und unnötig Geld kosten. Ich verstehe absolut, warum das gefordert wird. Schließlich ist das deutsche Diplom wirklich anerkannt. Ich kann mir vorstellen, dass beim Vorstellungsgespräch viele Ältere mit dem Bachelor nichts anfangen können. Ich sitze mit vielen Bachelor-Studenten in Seminaren und da merkt man, dass deren Studium viel zu kurz ist. Deshalb finde ich eine solche Forderung „zurück zum Diplom“ gut.

Würdest du lieber auf Bachelor studieren?
Nein. Ich war mit meinem Diplomstudium glücklich, weil ich weniger Stress hatte. Mit Vorschriften, wie ich zu studieren habe, wurde ich weitgehend in Ruhe gelassen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der Bachelor schon Vorteile bietet, etwa eine kürzere Studienzeit und größere Praxisorientierung. Nein. Vom Diplom zu wechseln kommt für mich absolut nicht in Frage. Ich komme aus Dubai, da gibt es eigentlich nur Bachelor und Master. Die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, habe ich vor allem wegen des Diplomstudiums getroffen. Nein. Ich habe zwar mal vor der Überlegung gestanden, mich umzuschreiben, wirklich in Frage kam das für mich aber nicht. Denn das starr durchgeplante Studium und das enorme Prüfungspensum lassen keinen Raum dafür, dass man abseits des Studienfachs seinen Horizont erweitern kann.

S12 RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL

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Headhunter, Hollandräder und Hörsaalglück
Die Uni Maastricht überzeugt deutsche Studenten mit Miniseminaren und Luxusausstattung.

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ie tragen keine maßgeschneiderten Anzüge, sondern Jeans. Vor dem Eingang parken keine Limousinen, sondern Hollandräder. Und an der Rezeption nehmen sie nicht ihre Zimmerschlüssel, sondern die Studienbescheinigungen entgegen. Trotzdem werden die Studenten der „School of Business and Economics“ wie reiche Hotelgäste empfangen – Business as usual in Maastricht. An den Wänden des Designer-Instituts hängen

Plasmabildschirme, die den Weg weisen. Und in der Lounge, die mit weichen Sofas und Sesseln in lila und orange ausstaffiert ist, tippen Studenten konzentriert auf ihren Notebooks. Die deutsche Studentin Marieke Maatz studiert seit drei Jahren an der Hochschule; an den Hotelcharakter hat sie sich längst gewöhnt. „Nach dem Abi war ich ein Jahr in England und habe ich dann beschlossen, Betriebswirtschaftslehre zu

studieren. Von den deutschen Unis habe ich nur Schlechtes gehört, das kam also nicht in Frage“, sagt sie. Ihre Wahl fiel schließlich auf „International Business“ in Maastricht, einem international ausgerichteten BWL-Studiengang. Inzwischen macht Marieke ihren Master. So wie sie entscheiden sich viele Deutsche für Maastricht – knapp 3.800 Landsleute schrieben sich im vergangenen Jahr ein. Das Fach „International Business“, das auf den globalen Arbeitsmarkt vorbereiten soll, steht dabei weit oben auf der Wunschliste. Denn hier punktet die Maastrichter Uni mit einem speziellen Unterrichtsmodell: dem problemorientierten Lernen. Das findet nicht nur bei den Studenten Gefallen; die Hochschule belegt auch sehr gute Platzierungen in nationalen und internationalen Rankings. Dennoch verlangt sie keinen Numerus Clausus – für viele deutsche Studenten ein weiterer Pluspunkt.

In English, please

Zehn Studenten sitzen in einem Glaskasten, dem Tutorial Room. „And this is an example for which principle?”, fragt Masterstudentin Nadine Funcke, seit drei Jahren Tutorienleiterin. Sie geht an die Tafel und rechnet mit ihren Kommilitonen aus, wie ein fiktives Unternehmen seine Erlöse steigern könnte. Die Unterrichtssprache ist Englisch – und zwar extrem schnelles Business English. No problem. Scheinbar können alle Nadines Ausführungen folgen. Tutorien mit maximal 14 Studenten sind die typische Unterrichtsform an der Uni Maastricht. Vorlesungen, die lediglich als Grundlage dienen, gibt es selten. Dafür stehen kleine Seminare auf dem Stundenplan. Ein echter Unterschied zu Deutschland! Der hat allerdings seinen Preis: Jährlich 1.600 Euro Studiengebühren lassen sich die Studenten ihre persönliche Betreuung kosten. Hinzu kommt eine Menge Zeit, die hinter dem Schreibtisch verbracht wird, denn die komplexen Aufgaben, die Studenten im Tutorium zusammen lösen, bereiten sie zu Hause vor. „Es ist unglaublich, wie lange ich manchmal an einer Aufgabe tüfteln muss, mit zig aufgeklappten Büchern um mich herum. Aber das ist ein super Training für die Klausuren. Und im Job wird mir das später auch nützen“, ist sich Marieke sicher. Die Studenten simulieren das wahre Arbeitsleben. Später werden sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen und selbstständig arbeiten, aber auch im Team funktionieren müssen. Ger Brouns ist von diesem Konzept überzeugt. Er unterrichtet „Health Care Sciences“ in Maastricht und weiß, dass die Deutschen das problemorientierte Lernen mögen: „Es ist das, was sie an deutschen Unis

Die „School of Business and Economics“ lädt regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein. Ausländische Studierende sind hier sehr willkommen.

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RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL S13

Weiche Sofas, modernes Design – die Maastrichter Universität legt großen Wert auf das Wohlbefinden ihrer Studenten und auf eine außerordentliche Betreuung.

vermissen. Zudem ist das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten bei uns sehr gut. Wir sind studentenorientiert und das sagen wir nicht nur so daher.“ Für Brouns ist es selbstverständlich, E-Mails seiner Studenten innerhalb von 24 Stunden zu beantworten. „Dann muss ich sie erst gar nicht auf eine To-Do-Liste schreiben.“ Brouns, Vorsitzender des „Country Teams Germany“, bezeichnet sich selbst als Headhunter. Die Aufgabe seines Teams ist einfach: deutsche Studenten nach Maastricht holen. Die Gruppe geht offensiv vor, entwickelt Strategien, um Maastricht für Deutsche noch attraktiver zu machen, macht Werbung auf Messen. Auch in Asien, vor allem in China und Indien, streckt die Uni ihre Fühler aus. Denn das ist das vorrangige Ziel der Hochschule: international werden.

andere Ende der Welt, um Dinge zu sehen und zu erleben, die bei uns nicht alltäglich sind“, freut sich Bastian über diese Chance. Dazu zählt er auch die Party-Szene, die für ihn in Maastricht immer ein wenig zu kurz kommt. „In der Woche vor den Klausuren wird man in Maas-

tricht nur wenige Leute finden, die bereit sind, ihre Klausurergebnisse für einen durchzechten Abend zu ruinieren.“ Nicht so in Singapur. Nach einer langen Nacht fällt Bastian im großen Hörsaal gar nicht auf. Die Masse hat eben auch ihre Vorteile. Was in Singapur noch besser ist als in Maastricht? Die Mietpreise: Bastian konnte eine Wohnung auf dem Campus ergattern und zahlt im Monat gerade einmal 80 Euro Miete. Die Duschen und Toiletten muss er sich mit Kommilitonen teilen – doch das kennt er schon aus Holland, wo er allerdings im Schnitt 300 Euro Miete zahlt. „Die Gemeinschaftsduschen sind nicht generell dreckig. Aber hier findet man schon mal das ein oder andere Kilo Schamhaar im Abfluss.“ Da sehnt sich Bastian doch so manches Mal zurück ans Maastrichter Designer-Institut. Wo Bastian später arbeiten möchte, weiß er noch nicht genau. „Nach dem Bachelor würde ich mir gerne eine Auszeit für Praktika nehmen, denn so toll ein Studium auch sein kann, ohne praktische Erfahrung hat man kaum etwas davon.“ Bastian sieht seiner Zukunft selbstbewusst entgegen. Er kennt seine Vorteile genau: „ein sehr gutes Englisch und ausgeprägte internationale Erfahrung.“
Mehr Infos unter: www.maastrichtuniversity.nl text und fotos Sarah Müller, Miriam Sahli

Ans andere Ende der Welt

Zu dieser Außenpolitik passt es, dass der Studiengang „International Business“ ein verpflichtendes Auslandssemester eingebaut hat. „Husch, husch, raus mit euch“, das hören Studenten an deutschen Unis selten, weiß Marieke von Freunden in Deutschland: „Die erzählen mir immer, wie kompliziert es ist, ein Semester ins Ausland zu gehen. Da werden ihnen unnötig Steine in den Weg gelegt. Auch deshalb bin ich froh, hier zu studieren. Ich war ein halbes Jahr in Neuseeland.“ Auch Bastian Grundmann hat sich aus diesem Grund für Maastricht entschieden. „Ich habe eine Empfehlung von meiner Cousine bekommen, mir die Universität an einem der so genannten ‚Open Days’ angesehen und für gut befunden.“ Seit August ist Bastian in Singapur. „Ich wollte gerne ans

Ger Brouns, Dozent und Headhunter, lockt Deutsche nach Maastricht.

S14 DIENST-BAR

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Für alle Sinne
Von Lebensträumen über Spannendes für die Ohren bis hin zu 20 Bläsern. PROMI-TIPP: Prechts Lieblingsbuch
Guy Helminger „Morgen war schon“ Verlag: Suhrkamp Preis: 19,80 Euro Umfang: 331 Seiten

DIE CD:
Mit „4 Chords of the Apocalypse“ und „Ludlow St.“ schlägt Casablancas plötzlich Soul- und Country-Klängen an – und säuselt ins Mikro, als würde er seinen Herzschmerz an der Theke einer verrauchten Bar ersäufen. Erstaunlich auch der Ausklang des Albums: Während das beruhigende „Glass“ beinahe als Schlaflied durchginge, gibt es mit dem melancholischen „Tourist“ noch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg. Obwohl auf „Phrazes for the Young“ Parallen zu The Strokes durchgängig zu hören sind, liefert Casablancas ein eigenständiges wie spannendes Solo-Debüt. bb

„...ein ganz verrücktes, kurioses, aber auch sehr menschliches Buch. Es geht um junge Menschen und die Frage: Was ist aus ihren Lebensträumen geworden? Und es hat einen sehr ergreifenden, sehr traurigen und sehr bewegenden Schluss, der sicherlich zu den ganz schönen Stellen in der jüngeren deutschen Literatur gehört.“

Precht zum Buch:

Wetten auf der Pferderennbahn verloren und hegt Mordgedanken gegen nervige Fahrgäste. Als die beiden erfahren, dass Louise schwanger ist, kehrt für einen kurzen Moment das Glück zurück in ihren trostlosen Alltag – nur um dann durch eine Tragödie wieder zerstört zu werden. Richard David Precht landete mit seinem philosophischen Ratgeber „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ einen Bestseller. Sein neuestes Buch: „Liebe – ein unordentliches Gefühl!“ lea

Louise träumt von einer Reise nach Neuseeland, schafft es aber nicht einmal, sich einen Job zu suchen. Ihr Mann Fetzner fährt Taxi, hat sein ganzes Geld beim

Das neue Album von The Strokes erscheint erst im Frühjahr 2010 – der perfekte Grund für Fans die Zeit mit dem Solo-Debut von Sänger Julian Casablancas zu überbrücken. Der Bandleader beweist mit „Phrazes for the young“ ein breites musikalisches Repertoire. So kommen die ersten drei Songs im pastellfarbenen 80er-Gewand daher und sind von luftigen Synthesizern, treibenden Beats und Plastik-Gitarrensound geprägt.

Julian Casablancas „Phrazes for the young“ VÖ: bereits erschienen Label: Sony Music

EXIT RAFF DICH AUF, GEH RAUS!
11.11.09 – „Und von jetzt ab wird mit Bombe vergolten“ im Theater Duisburg Das Jugentheater-Projekt Spieltrieb wirft einen Blick in die dunkle Vergangenheit der NS-Zeit.
– Serdar Somuncu: „Hassprediger“ im Riff Bochum Kaberretist Serdar Somuncu analysiert Reden von Roland Koch bis Osama Bin Laden – garantiert so komisch wie schonungslos.

Moderator Waldemar Hartmann nun in ein zweistündiges Bühnenprogramm, das er am 19. November in der VIP-Lounge des SignalIduna-Parks präsentiert. Wer nicht selbst dabei sein kann, liest auf www.pflichtlektuere. com unseren Bericht – und erfährt, ob sich einer der weiteren NRW-Termine lohnt.

12.11.09

** Tipp 2!

16.11.09 – Walter Trout in der Kaue Gelsenkirchen Einer der größten Gitarristen des Blues-Rock kommt in den Pott. 21.11.09 – Billy Talent in der Westfalenhalle Dortmund Die neue CD gibt es seit Juli, jetzt folgt die ausgiebige Europa-Tour.

* Tipp 1!

Born to be Waldi 19.11.09 – Signal-Iduna-Park Dortmund Er ist „die bajuwarische Duzmaschine“ – und seit der Verbalattacke von Rudi Völler vor laufender Kamera („Du hast doch schon drei Weizen getrunken!“) eine Kultfigur in der deutschen Fernsehlandschaft. Die besten Erlebnisse seiner Laufbahn packt TV-

The BossHoss: Low Voltage 18.11.09 – Grugahalle Essen The BossHoss liefern seit 2005 eine rockigfrische Alternative zum deutschen CountryMief der Marke Truck Stop. Cover-Songs von Interpreten wie Britney Spears oder den Beastie Boys machten die Band auch außerhalb ihrer Heimat Berlin bekannt. In Essen präsentieren die Jungs nun eine Auswahl ihrer besten Stücke, ob Cover-Versionen oder Eigenkompositionen. Besonders spannend daran ist das „Low Voltage“-Konzept: The BossHoss spielen ihre Country-Songs in der Grugahalle unplugged und werden dabei von 20 Bläsern und Streichern unterstützt. bb / fotos pixelio A.R. & www.borntobewaldi.de

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Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481 Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU Dortmund, 44221 Dortmund E-Mail: post@pflichtlektuere.com Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni) Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neuendank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl Titelbild: Philipp Anft, Benjamin Blum und Johanna Fritz An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Bianca Beyer, Benjamin Blum (bb), Tobias Fülbeck (tf), Lea Grote (lea), Agnes Heitmann (ah), Ingo Hinz, Julia Hortig (juh), Jens Hülswitt, Julia Kämpken, Sarah Keller (sk), Michael Klingemann, Jonas Knoop (jk), Sarah Müller, Anne Murawski, Malina Opitz (mao), Siola Panke (sp), Judit Revész, Miriam Sahli (miri), Katrin Schmidt (ks), Fabian Schwane (fas), Kathrin Strehle (ks), Karina Strübbe (kas), Thomas Terhorst (tt), Natascha Tschernoster (nt), Anna-Lena Wagner (alwa), Barbara Wege (bw), Julian Weimer, Anja-Kristin Willner (awi) Verantwortlich für Anzeigen: Oliver Nothelfer, Anschrift wie Verlag, Kontakt: 0201/804-8944 Objektleiter: Wolfgang Ibel Verlag: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft , E.Brost & J. Funke GmbH u. Co.KG, Friedrichstr. 34-38, 45128 Essen Druck: Druckhaus WAZ GmbH & Co. Betriebs-KG, Anschrift wie Verlag. Kontakt: druckhaus@waz.de Erscheinungstermine: Wintersemester 2009: 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 19. Januar, 2. Februar.
Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227

Fabian Feldhoff und Laura Borgs sind die Gewinner unseres Bilderrätsels und haben am 7.11. mit Kettcar gerockt. Herzlichen Glückwunsch! foto: Dieter Schütz/pixelio

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Twilight-Fans aufgepasst! UCI KINOWELT zeigt die heißersehnte Verfilmung des zweiten Teils der romantischen Vampir-Saga bereits vor dem offiziellen Filmstart als Doublefreature nach Teil 1! Am 22.11.2009 ab 12 Uhr in Ihrer UCI KINOWELT!

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