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Logbuch zur Arbeit mit Klienten in der Sozialpsy-
chiatrie

Studieneinheit: Umgang mit Widerstand und Konflikten



Abb.: http://data.kratzberg.de/images/2011/06/30/3-4e0c6c7e353a1.jpg



Sophie Moser (145941)
Fachbereich Sozialwesen/ AMM
Saxion Enschede
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Arbeit mit Klienten in der Sozialpsychiatrie:
Umgang mit Konflikten, Krisen und Suizidalität






Sophie Moser (145941)
MSOPSA2
SPH
Dozentin: Julia Weilinghoff
Prüfungscode: T.AMM.38858
Fachbereich Sozialwesen/AMM
Saxion Enschede
Rosendahl, 11.02.2014



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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2.Übung: Konfliktsituation Absprachen 3
3.Übung: Klient unter Drogeneinfluss 7
4.Übung: Rufbereitschaft 9
5. Fazit 11
Quellenverzeichnis 11

















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1. EINLEITUNG
Im folgendem Bericht mit dem Titel "Umgang mit Widerstand und Konflikten" re-
flektiere ich drei Unterrichtseinheiten zu den Themen: Absprachen, Klient unter
Drogeneinfluss und Rufbereitschaft. Dazu berichte ich über die jeweilige Vorbe-
reitung auf eine Einheit und die Reflexion meiner Teilnahme im Unterricht. Hinzu
kommen meine eigenen Erfahrungen in Bezug auf Grenzen, Normen und Werte.
Mögliche Lernziele werden konkret benannt und Theorien oder Methoden zum
jeweiligen Thema dargestellt. Im Anschluss folgt eine Auseinandersetzung und
Verknüpfung mit den Berufskompetenzen 1-4 und 8: Arbeiten mit Klienten und
Klientensystemen und Arbeiten an der eigenen Professionalisierung. Abgerundet
wird der Bericht durch ein persönliches Fazit.

2. ÜBUNG: KONFLIKTSITUATION ABSPRACHEN
Vor der Unterrichtseinheit zum Thema "Absprachen", habe ich mir Gedanken ge-
macht, wie Absprachen mit dem Klienten bei mir in der Praxis ablaufen. Häufig
treffen wir persönlich oder per Telefon Absprachen mit dem Klienten. Dabei kann
es sich zum Beispiel um Arzttermine, Gesprächstreffen, Zimmerpflege oder die
Einhaltung von bestimmten Regeln innerhalb der Wohngruppe handeln. Wir ver-
suchen uns nach den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner zu richten. Da
das jedoch nicht immer möglich ist, werden dann schon mal Kompromisse ge-
schlossen, sodass beide Seiten zufrieden sind. Manche Absprachen sind jedoch
mit Konsequenzen verbunden. Beispielsweise haben wir einen Klienten, der ent-
gegen der Absprache mit der Mitarbeiterin als auch seiner Mitbewohnerin, im Ba-
dezimmer raucht. Regelmäßig kontrollieren wir, die Einhaltung der gemeinsam
festgelegten Regelung, da es ihm selbst sehr schwer fällt sich daran zu halten.
Alles in allem kommt es bei Absprachen darauf an, dass diese mit Respekt und
Wertschätzung vereinbart werden und nicht einfach von oben herab etwas ent-
schieden wird. Dies erwarten wir von den Mitarbeitern, ebenso wie von den Klien-
ten selbst, um die gemeinsame Arbeit und Beziehung zueinander nicht zu er-
schweren. An dieser Stelle möchte ich jedoch noch erwähnen, dass es manchmal
Situationen gibt, insbesondere wenn ein Klient in einer psychischen Krise ist, in
der wir Mitarbeiter entscheiden treffen müssen und dabei unsere „Macht ausspie-
len“, um die Situation in den Griff zu bekommen. Dies wäre zum Beispiel bei einer
Zwangseinweisung der Fall, wobei nie ein Mitarbeiter allein solche Entscheidun-
gen trifft, sondern immer gemeinsam im Team und in Rücksprache mit den Ärz-
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ten oder Betreuern. Solche Akutsituationen können dann im Nachhinein mit dem
Klienten reflektiert werden, um weiterhin eine stabile Beziehung zu fördern.
Im Unterricht haben wir zum Thema Absprachen ein Rollenspiel mit dem Titel
"Verrückte Position" durchgeführt. Hierbei sollten wir uns selbst in die Lage des
Klienten versetzen, während wir mit jemandem eine Absprache treffen und unser
Verhalten reflektieren. An dieser Stelle habe ich bereits eine gute Entwicklung
vollzogen. Ich mache den Klienten die Tatsache bewusst, dass sie selbst Ent-
scheidungen treffen können und gebe ihnen die Möglichkeit dazu. Dies äußert
sich unter anderem in Form von monatlichen Bewohnerversammlungen, in denen
die Klienten ihre Bedürfnisse und Anliegen innerhalb der Wohngruppe äußern
können. Es steht ihnen jedoch auch frei, sich zu enthalten. Dann haben die Be-
wohner die Möglichkeit Aktivitäten, die über den Wohnbereich hinausgehen, zu
planen, wie eine Fahrt mit dem Bus in den nächsten Ort zum Einkaufen oder ein
Besuch bei den Eltern am Wochenende. Dabei benötigen sie lediglich in der Pla-
nung Unterstützung. Zusätzlich haben die Klienten verschiedene Formen von
Wohnen und Arbeit zur Auswahl, welche im Einzelfall jedoch gut durchdacht und
geplant werden gemeinsam mit dem Klienten. Im täglichen Umgang haben die
Klienten an vielen Stellen die Möglichkeit ebenfalls kleine Entscheidungen zu tref-
fen, wenn es zum Beispiel um den Zeitpunkt der Zimmerpflege geht, das Kochen
am Wochenende oder den Einkauf von Lebensmitteln.
Insgesamt versuche ich den Klienten viel Entscheidungsfreiheit bei Absprachen zu
geben und wenn dies nicht möglich ist, Kompromisse zu finden. Besonders wich-
tig ist dabei, seine Gedanken, Meinungen und Gefühle gegenüber dem Klienten
zu äußern. So hat jeder das Recht, zu sagen wenn es ihm nicht gut geht oder er
gerade keine Zeit hat und somit eine Absprache zu einem anderen Zeitpunkt tref-
fen möchte. Hauptsache man bleibt regelmäßig in Kontakt und im Gespräch mit
dem Klienten und verliert die gemeinsamen Absprachen nicht aus den Augen.
Den Kontinuität und Verlässlichkeit ist gerade in der Beziehungsarbeit sehr wich-
tig für den Klienten. Denn nur wenn die Beziehung gut und vertrauensvoll zuei-
nander ist, können Absprachen im gegenseitigen Einvernehmen getroffen wer-
den.
Um den bereits erwähnten Begriff Macht noch ein Mal aufzugreifen, werde ich
diesen anhand der unten stehenden Abbildung 1 erläutern. Dazu hat Andreas
Knuf (2006) in seinem Buch "Empowerment in der psychiatrischen Arbeit" den
Begriff Macht mit einem Schaubild dargestellt.

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Abb.1: Teufelskreis "Gebot statt Angebot"

Die Annahme für dieses Schaubild ist ein Klient, hier bezeichnet als Betroffener,
der zu einem Medikament gedrängt wird. Dabei kann derjenige keine eigene Ent-
scheidung treffen und fügt sich der Anordnung des Arztes. Sobald er nicht mehr
unter Einfluss des Arztes steht, unter anderem nach der Entlassung aus einem
Krankenhaus, setzt der Betroffene das Medikament ab, da er sich besser fühlt. An
dieser Stelle entsteht eine hohe Krisengefahr, da der Betroffene möglicherweise
keine Unterstützung erhält, keine sozialen Kontakte oder Selbsthilfestrategien
besitzt. Kommt es dann zu einer erneuten Krise, vermittelt der behandelnde Arzt
ihm, dass er selbst schuld sei, er hätte die Medikamente nicht absetzen sollen.
Nun wird er erneut zu dem Medikament gedrängt und der sogenannte Teufels-
kreis beginnt von vorne. Zudem erhöhen sich die Hilflosigkeitserfahrungen und
die Abhängigkeit von Fremdhilfe steigt, wobei gleichzeitig das Selbstwirksam-
keitsgefühl, sowie das Selbstvertrauen sinken.
Um diesem Machtgefüge entgegen zu wirken, haben sich Psychiatrieerfahrene
verschiedenster Länder zusammengeschlossen. Diese Widerstandsbewegung
trägt den Namen "Recovery", was im deutschen für Begriffe wie Gesundung, Ge-
nesung, Erholung oder Wiedergewinnung steht. In Deutschland ist man gerade
dabei, dieses Handlungs- bzw. Haltungskonzept in verschiedenen Einrichtungen
und auf Seminaren vorzustellen. Recovery geht davon aus, dass es für Menschen
mit einer psychischen Erkrankung möglich ist, zu gesunden oder zumindest einen
Weg zu finden, besser damit umzugehen und ein selbstbestimmtes Leben zu
führen. Dabei spielen Partizipation und die Vermittlung von Hoffnung eine wichti-
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ge Rolle. Pat Deegan hat in einem Vortrag für: „Gesundung von psychiatrischen
Leiden: Anregungen für die Aus- und Weiterbildung von Psychiatriefachleuten“
am 10.Mai 1995 folgendes vorgetragen
Wenn es gilt, mit einer Person mit einer psychiatrischen Behinderung zu ar-
beiten, deren Herz hart geworden ist, die aufgegeben hat und die motiviert
ist, sich um nichts mehr zu kümmern, müssen wir verstehen, dass das eine
Person ist, die davon überzeugt ist, ohnmächtig zu sein. Die erfährt,
dass alle Macht in der Hand von Andern ist. Sie erfahren, was Psychologen
einen äußeren Verlust der Kontrolle nennen. Für solche Menschen ist es
dringend notwendig, dass eine Umgebung geschaffen wird, in der es Ent-
scheidungen zu treffen gibt. Ich rede hier nicht von erzwungenen Entschei-
dungen wie: “Entweder Sie schlucken Ihre Medikamente oder Sie gehen zu-
rück in die Klinik.“ – (das ist eher Zwang), sondern von richtigen Wahlmög-
lichkeiten. Ich rede hier von allen möglichen Alternativen, angefangen mit
kleinen Angelegenheiten wie z.B. „Welche Sorte Eis möchten Sie?“ weiter mit
„In welches Café möchten Sie gehen?“ bis zu „Welche berufliche Ziele möch-
ten Sie verfolgen?“ usw. (S.7-8).

Nach diesem Zitat wird deutlich, welche Rolle insbesondere die Haltung als „Pro-
fessioneller" in der Arbeit mit den Klienten spielt. Daraus ergibt sich eine Ver-
knüpfung mit der Kernqualifikation 8: Professionelle Entwicklung. In der gemein-
samen Arbeit mit den Klienten ist es wichtig, sich gerade bei Absprachen nicht
über den Klienten zu stellen oder sich über seinen Willen hinweg zu setzen. Da-
durch kann es zu einem Gefühl von Machtlosigkeit und Ohnmacht kommen, wel-
ches die Situation eines Klienten verschlechtern könnte. Vielmehr sollte ein Kon-
takt auf Augenhöhe stattfinden, wobei Wertschätzung, Respekt, Offenheit sowie
Ehrlichkeit an vorderster Stelle stehen. Dabei sollte man als Professional stets au-
thentisch sein und seine ehrliche Meinung äußern. Im Gegenzug sollte akzeptiert
werden, wenn jemand gerade mal nicht in der Lage ist eine Absprache zu treffen.
Dann versucht man es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal. Sollte ein Klient
längere Zeit nicht dazu in der Lage sein, z.B. aufgrund einer andauernden Krise,
dann ist ebenso wichtig, den Klienten nicht aufzugeben, sondern es immer wie-
der zu versuchen. Eine starke und unterstützende Beziehung zueinander kann
dabei hilfreich sein. Daher gehört die Beziehungsarbeit zu einer wichtigen Aufga-
be, welche wir in einem andauernden Prozess bewältigen und stärken. Für meine
eigene Praxis werde ich mir in bestimmten Situationen das Bild zum Machtver-
hältnis von Knuf vor Augen führen, um gelassener zu reagieren und nicht meine
angebliche Macht als Fachkraft auszunutzen.
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3. ÜBUNG: KLIENT UNTER DROGENEINFLUSS
Zur Vorbereitung auf die Unterrichtseinheit habe ich überlegt, inwieweit Drogen
in meiner Praxis eine Rolle spielen und welche Erfahrungen ich selbst schon mit
Personen unter Drogeneinfluss gemacht habe. In unserer Einrichtung sind viele
Klienten, die sogenannte trockene Alkoholiker sind oder mal durch Medikamen-
tenmissbrauch auffällig geworden sind. Von den ehemaligen Alkoholikern haben
wir einen Klienten, der ab und zu mal ein paar Bier trinkt, aber sich danach in sei-
nem Verhalten nur leicht auffällig zeigt. Man merkt ihm den Alkoholkonsum an,
er ist bisher jedoch nie negativ aufgefallen durch aggressives Verhalten oder ähn-
liches. In solchen Situationen suchen wir das Gespräch mit ihm und entsorgen
gemeinsam den restlichen Alkohol. Dabei erinnern wir in stets daran, dass er bei
der Aufnahme in der Einrichtung unterschrieben hat, auf Alkohol zu verzichten.
Wir bleiben regelmäßig im Gespräch mit ihm über das Thema. Dazu führen wir
eine detaillierte Dokumentation und beobachten den Klienten genau.
Im privaten Bereich habe ich in der Vergangenheit schon häufiger mit Personen
unter Drogeneinfluss z.B. durch Alkohol oder Cannabis zu tun gehabt. In den
meisten Fällen waren die Personen auf Hilfe angewiesen, da sie irgendwann nicht
mehr in der Lage waren für sich selbst zu sorgen. Beispielsweise hätten sie es
nicht geschafft allein nach Hause zu kommen. Dazu kamen oft auch aggressive
Tendenzen, wodurch im Einzelfall schon Schlägereien ausgelöst wurden. Meistens
erlebt ein Außenstehender solche Situationen mit einer gewissen Hilflosigkeit, da
es schwer ist, zu dem Betroffenen durchzudringen.
Während der Unterrichtseinheit haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine
Gruppe hatte schon Erfahrung mit Klienten unter Drogeneinfluss und sollte die
Verhaltensweisen darstellen, die andere Gruppe kam dann dazu und sollte schau-
en, wie die „Klienten" auf sie wirken. Ich gehörte zu denen, die noch nicht so viel
Erfahrung haben und lies das Schauspiel auf mich wirken. Als ich den Raum be-
trat kam sofort ein Mann sehr unkoordiniert auf mich zu gestürmt, sodass ich
ausweichen musste. Dadurch fühlte ich mich sehr überrumpelt, unwohl und
handlungsunfähig, wobei ich den vermeintlichen Klienten als unberechenbar
empfand. Als wir das Rollenspiel danach gemeinsam reflektierten, sagte der Stu-
dent , dass er so in seiner Rolle war, dass er nicht bemerkte mich fast um-
geschubst zu haben. Außerdem stellten wir fest, dass es gesellschaftlich akzep-
tabler ist, wenn jemand unter Drogeneinfluss in einer guten Stimmung ist als je-
mand der nur torkelt und hinfällt. Trotzdem ist es wichtig jeder Person, die glei-
che Aufmerksamkeit zu schenken, da die Wahrnehmung derjenigen stark einge-
schränkt ist wie beim Überqueren einer Straße. Egal was die Person genommen
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hat, darf die Gefahr nicht außer Acht gelassen werden. Dazu kommt noch, dass
sich das Verhalten nicht nach Symptomatik kategorisieren lässt, da jede Person
andere Symptome und Verhaltensweisen unter Drogeneinfluss zeigt.
Aus der Theorie gibt es ein Buch von Berne (2002) mit dem Titel „Spiele der Er-
wachsenen-Psychologie der menschlichen Beziehungen". Dort beschreibt er die
Transaktion, als Grundeinheit aller sozialen Beziehungen. Wenn zwei Menschen
sich begegnen, wird einer von beiden irgendwann eine Reaktion zeigen und der
Andere wird darauf reagieren. Die einfache Transaktionsanalyse versucht heraus
zu finden, welcher Ich-Zustand die Reaktion auslöst und welcher die Reaktion auf
die Transaktion vollzogen hat (S.37). Dabei wird zwischen Eltern-, Erwachsenen-
und Kindheits-Ich unterschieden. Ein Beispiel ist, das fieberkranke Kind bittet um
ein Glas Wasser und die pflegende Mutter gibt es ihm. In diesem Fall handelt es
sich um eine Komplementär-Transaktion, d.h., die Reaktion ist so, wie sie der
Situation angemessen ist und erwartet wird. Sie folgt der natürlichen Ordnung
gesunder zwischenmenschlicher Beziehungen (S.38). In dieser Form kann ein
Kommunikationsvorgang im Prinzip unbegrenzt andauern. Anders ist es dagegen
bei den Überkreuz-Transaktionen, welche in den Bereichen Ehe, Liebe, Freund-
schaft oder Berufsleben die meisten sozialen Komplikationen auslösen (S.39). Da-
bei reagiert dann ein anderer Ich-Zustand als erwartet, welcher nicht zur Situati-
on passt, wodurch es erst mal zu einem Stopp in der Kommunikation kommt,
welcher unterschiedlich lange andauern kann. Noch komplexer sind die soge-
nannten verdeckten Transaktionen, bei denen mehr als zwei Ich-Zustände gleich-
zeitig aktiv sind. Diese Kategorie bildet die Grundlage für die verschiedenen Spie-
le der Erwachsenen, welche Berne (2002) in dem oben genannten Buch be-
schreibt.
Eins dieser Spiele hat den treffenden Titel „Alkoholiker" und untersucht, was für
soziale Transaktionen mit derartigen Trinkexzessen verbunden sind. Dafür wer-
den 5 Rollen beschrieben. Als Hauptrolle, die des Alkoholikers, gefolgt von der
wichtigsten Nebenrolle des Nörglers, die normalerweise von einem Vertreter des
anderen Geschlechts, gewöhnlich von der eigenen Ehefrau gespielt wird. Die drit-
te Rolle ist die des Retters, häufig von einem Geschlechtsgenossen gespielt in der
Position eines guten Hausarztes oder ähnliches. Als vierte Rolle tritt ein stummer
Helfer auf, der dem Alkoholiker Kredit einräumt ohne ihm Vorwürfe zu machen.
Diese Rolle nimmt oft die Mutter des Betroffenen ein. Als letzte Rolle ist die des
Verbindungsmannes beschrieben. Dieser ist die direkte Versorgungsquelle, ver-
steht sich auf Gespräche unter Alkoholeinfluss und ist gewissermaßen die wich-
tigste Person im Leben jedes Süchtigen (Berne, 2002, S.104). Die unterschiedli-
chen Rollen können im Laufe des Spiels immer wieder neu besetzt werden, z.B.
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kann die Ehefrau zu verschiedenen Zeiten die Rollen des Nörglers, des Retters
oder die des stummen Helfers einnehmen (S.105).
Ich denke anhand dieses Musters wird sichtbar, dass wir in unserer Arbeit mit
einem Klienten unter Drogeneinfluss darauf achten, welche Rolle wir selbst even-
tuell einnehmen und welche Rollen in dem sozialen Umfeld des Betroffenen ver-
teilt sind. Nur mit diesem Wissen sind wir in der Lage, mit demjenigen zu arbeiten
und eingefahrene Verhaltensweisen zu durchbrechen. Für meine eigene Praxis
werde ich mir als Ziel setzen, meine eigene Rolle im sozialen Konstrukt des an-
fangs beschriebenen Bewohners mit einer Alkoholproblematik zu hinterfragen
und mir ebenso die sozialen Beziehungen des Bewohners genauer anschauen.
Dies hat auch wieder etwas mit der Kernqualifikation 8 „professionelle Entwick-
lung" zu tun, indem ich meine eigene Rolle und auch Haltung im Klientensystem
hinterfrage, reflektiere und gegebenenfalls anpasse, sodass sich sowohl der Kli-
ent als auch ich damit wohlfühlen. Ebenso entspricht es den Kernqualifikationen
1-4: Arbeiten mit Klienten und Klientensystemen, indem ich die Situation des Kli-
enten analysiere und aufgrund einer genauen Beobachtung einen Hilfeplan mit
Methoden und Vorgehensweisen erstelle und diesen in der Praxis umsetze. Im
Anschluss evaluiere ich den bisherigen Hilfeprozess und die Aktivitäten und pas-
se den Hilfeplan dementsprechend an. Dies ist ein fortwährender Prozess, den wir
mit all unseren Klienten regelmäßig durchlaufen. Vor allem ist es wichtig, dass wir
uns immer wieder neue Methoden, Techniken und theoretische Ansätze aneignen,
um sich stets weiterzubilden und dem Klienten neue Möglichkeiten mit seiner
Erkrankung umzugehen zu schaffen.

4. ÜBUNG: RUFBEREITSCHAFT
Rufbereitschaft bedeutet laut einem Artikel der Zeit Online von Weigelt (2012) ,
man muss zu einem vereinbarten Zeitpunkt, der außerhalb der Arbeitszeit liegt,
für den Arbeitgeber auf Abruf zur Verfügung stehen. Die Rufbereitschaft muss
jedoch nicht zwangsläufig am Arbeitsplatz absolviert werden. In den meisten Fäl-
len reicht es, wenn man ständig telefonisch erreichbar ist und sich in der näheren
Umgebung aufhält. Irrtümlicherweise sind viele Arbeitnehmer der Meinung, dass
die Rufbereitschaft Arbeitszeit ist. Dies ist nicht korrekt. Die Rufbereitschaft ist
laut § 5 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) Abschnitt 3 Ruhezeit vom Bundesministerium
für Justiz (1994) wie folgt beschrieben:
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"Abweichend von Absatz 1 können in Krankenhäusern und anderen Ein-
richtungen zur Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen Kürzungen
der Ruhezeit durch Inanspruchnahmen während der Rufbereitschaft, die
nicht mehr als die Hälfte der Ruhezeit betragen, zu anderen Zeiten ausge-
glichen werden. (S.2)"
Das heißt auch, erst ein tatsächlicher Einsatz (inklusive der Fahrtzeit) gilt als Ar-
beitszeit und muss entsprechend vergütet werden. Man ist allerdings nur zur
Rufbereitschaft verpflichtet, wenn der Arbeitgeber diese auch geregelt hat. Das
heißt, entsprechende Klauseln mit den Bedingungen dazu befinden sich in Ihrem
Tarif-, Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung (Weigelt, 2012).
Zum Thema Rufbereitschaft habe ich vorab überlegt, was mir dazu bekannt ist,
da ich selbst bisher in meiner Praxis keine Rufbereitschaft leisten musste. In un-
serer Einrichtung gab es bis vor einem Jahr einen Wohnbereich, auf dem immer
ein Mitarbeiter über Nacht einen Bereitschaftsdienst geleistet hat. Die Mitarbeiter
konnten dann in einem separaten Zimmer übernachten, sollten bei Bedarf jedoch
nachts im Wohnbereich zur Verfügung sein. Da dieser Wohnbereich umgezogen
ist, sind nun die zwei Nachtwachen vom Hauptgelände dafür zuständig. Ansons-
ten haben wir keine Rufbereitschaft in unserer Einrichtung. Für mein Verständnis
bedeutet Rufbereitschaft, dass man zu bestimmten Zeiten erreichbar und teilwei-
se auch verfügbar sein muss, um zum Beispiel kurzfristig in die Einrichtung zu
fahren bei Schwierigkeiten.
In der Unterrichtseinheit ging es speziell um die telefonische Rufbereitschaft in
der Nacht. Dazu fand ein Rollenspiel mit zwei Studierenden statt, wobei der eine
als Klient in einer Krisensituation nachts den Anderen als Sozialpädagogen ange-
rufen hat. Die restlichen Studenten notierten sich positive und negative Aspekte
der Situation. Dabei stellten wir fest, dass es am Telefon schwierig ist, seine Ge-
fühle zu vermitteln und die Situation des Klienten einzuschätzen. Dies erfordert
ein sehr genaues und aufmerksames Nachfragen als auch Zuhören. Im Gespräch
sind auch eine ruhige Stimme, Zustimmung, systemisches Fragen, paraphrasieren
und das entgegen bringen von Verständnis wichtig. Darüber hinaus erfordert es
viel Feingefühl und man muss die Verantwortung übernehmen, um richtig zu
handeln und eventuell auch Hilfe anfordern.
Schaut man sich die Kernkompetenzen an, so bewegen wir uns auf jeden Fall im
Bereich der professionellen Haltung, indem wir Verantwortung und Selbstständig-
keit zeigen sowie aktives zu Hören. Wertschätzung und Empathie sind gerade in
Krisensituation wichtig, wobei sie am Telefon schwerer zu vermitteln sind, da un-
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sere Mimik und Gestik dabei fehlt. Daher braucht es ein besonderes Feingefühl im
telefonischen Kontakt mit dem Klienten. Die Kernkompetenz für die Arbeit im
Team sollte ebenfalls kurz erwähnt werden. Das Team sollte sich in seinem Han-
del und in seiner Haltung einig sein, ebenso sollte Transparenz für die Klienten
sichtbar sein. Nur dann ist jeder Mitarbeiter zu jeder Zeit in der Lage, entspre-
chend auf die Bedürfnisse des Klienten einzugehen und sich in einer Krise auch
Hilfe von Kollegen zu holen. Regelmäßige Teamgespräche oder eine kollegiale
Beratung können dabei helfen.

5. FAZIT
Zum Schluss lässt sich festhalten, dass in allen genannten Bereichen unsere eige-
ne professionelle Haltung eine Rolle spielt. Nur wenn wir selbst wissen, wo unsere
Stärken und Schwächen liegen, können wir authentisch und ehrlich mit den Klien-
ten arbeiten und auf deren individuelle Bedürfnisse eingehen. Dabei spielt das
erlernen und üben von verschiedenen Methoden ein Rolle, ebenso wie regelmäßi-
ge Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.
Die Studieneinheit Umgang mit Widerstand und Konflikten hat mir insgesamt sehr
gut gefallen. Es wurden viele verschiedene Themen bearbeitet und man konnte
seine eigenen Fähigkeiten in Form von Rollenspielen erproben und schulen.
Ebenso der Austausch mit den anderen Studenten hat gut funktioniert und wir
konnten mit Fallbeispielen aus der Praxis voneinander profitieren.
Das Verfassen des Berichtes fiel mir nicht schwer. Da ich mir während der einzel-
nen Unterrichtseinheiten Notizen gemacht habe, konnte ich mich gut an die
Übungen erinnern und was ich davon für meine eigene professionelle Entwicklung
mitgenommen habe. Abschließend kann ich sagen, dass ich mit dem vorliegen-
den Bericht und mit meiner Teilnahme an der Studieneinheit zufrieden bin.

QUELLENVERZEICHNIS
Amering, A., & Schmolke, M. (2012). Das Ende der Unheilbarkeit. Bonn: Psychiat-
rie Verlag.
Berne, E. (2002). Spiele der Erwachsenen- Psychologie der menschlichen Bezie-
hungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
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Bundesministerium für Justiz (1994). Arbeitszeitgesetz. Erhalten unter
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbzg/gesamt.pdf
Deegan, P. (1995). Gesundung von psychiatrischen Leiden: Anregungen für die
Aus- und Weiterbildung von Psychiatriefachleuten. Gesundung als Reise des Her-
zens. Massachusette, USA.
Knuf, A. (2012). Basiswissen: Empowerment in der psychiatrischen Arbeit [Bro-
schiert]. Bonn: Psychiatrie Verlag
Weigelt, U. (2012). Gehört die Rufbereitschaft zur Arbeitszeit? Zeit Online. Erhal-
ten unter www.zeit.de/karriere/beruf/2012-02/arbeitsrecht-rufbereitschaft