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Hipster
Eine posttraditionale Gemeinschaft?

Universität der Künste Berlin


Fakultät Gestaltung
Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation
Sommersemester 2009

Helge Peters
Email helge@udk-berlin.de

Inhalt

1. Einleitung S. 3

2. Posttraditionale Gemeinschaften und jugendliche Szenen

2.1 Posttraditionale Gemeinschaften S. 4

2.2 Jugendliche Szenen S. 5

2.3 Differenzierung S. 6

3. Hip and cool: Zum Hipster als Identitätsentwurf

3.1 Entstehung: The Hipster and the Organization Man S. 7

3.2 Popularisierung: Hip consumerism S. 9

3.3 Gegenwart: Hipsters never admit to being Hipsters S. 10

4. Hipster: Eine posttraditionale Gemeinschaft? S. 12

5. Zusammenfassung und Ausblick S. 15

6. Literaturverzeichnis S. 16

2

1. Einleitung

„The
 key
 to
 coolhunting
 is
 to
 look
 for
 cool
 people
 first
 and
 cool
 things

later
 and
 not
 the
 other
 way
 round;
 cool
 things
 come
 and
 go
 but
 cool

people,
 on
 the
 other
 hand,
 are
 a
 constant.“
 (Nancarrow
 &
 Nancarrow,

2007,
S.
139)


So
raten
es
die
Autoren
von
„Hunting
for
cool
tribes“
dem
Marketing,
dem
ein

immenses
Interesse
am
Verständnis
von
Coolness
attestiert
wird.
Nur
wer
sind

diese
coolen
Leute
und
wie
kann
man
sie
finden?
Und
wollen
sie
gefunden

werden?
Beispiele
gescheiterter
Versuche
eine
als
cool
ausgemachte
Zielgruppe

zu
adressieren
finden
sich
reichlich
(Moore,
2007).
Es
scheint
eine
geradezu

konstituierende
Eigenschaft
der
Coolness
zu
sein,
sich
ihrer
Kommodifizierung

zu
entziehen
und
immer
wieder
neu
dort
aufzutauchen,
wo
sie
nicht
erwartet

wird.
Andererseits
scheint
es
im
Alltagsverständnis
urbaner
Jugendlicher

durchaus
ein
mehr
oder
weniger
implizites
Wissen
darüber
zu
geben,
welche

Gruppen
und
Personen
gerade
cool
sind:
die
Rede
von
den
Hipstern
macht
die

Runde.
Auch
konsumkritische
Stimmen
haben
die
Hipster
schon
entdeckt.
So

titelte
das
Adbusters
Magazine
über
die
„Hipster:
The
Dead
End
of
Western

Civilization“
und
unterstellte
ihnen
nicht
weniger
als
die
Unterminierung

subversiver
Jugendkulturen
im
Sinne
einer
allgemeinen
Kommerzialisierung

(Haddow,
2008).
Bemerkenswert
ist,
dass
in
den
Beschreibungen
des

Phänomens
zwar
von
einer
Gemeinschaft
oder
gar
Subkultur
der
Hipster
die

Rede
ist,
eine
positive
Selbstidentifikation
als
Hipster
jedoch
nicht
aufzufinden

ist.
Eine
pejorative
bzw.
ironische
Verwendung
des
Begriffs
herrscht
vor,

dennoch
wird
eine
Gemeinschaft
unterstellt,
die
auf
den
ersten
Blick
Merkmale

einer
posttraditionalen
Gemeinschaft
bzw.
einer
jugendlichen
Szene
aufweist.

Daher
soll
diese
Arbeit
herausarbeiten,
inwiefern
es
sich
bei
den
Hipstern
um

eine
posttraditionale
Gemeinschaft
handelt
und
falls
dies
der
Fall
ist,
ob
sie
im

engeren
Sinne
als
jugendliche
Szene
identifiziert
und
abgegrenzt
werden

können.
Dazu
sollen
zunächst
die
Begriffe
posttraditionale
Gemeinschaft
und

jugendliche
Szene
entwickelt
werden,

anschließend
das
Phänomen
Hipster
von

seiner
Enstehung
bis
heute
beleuchtet
und
zuletzt
diskutiert
werden,
ob
die

entwickelten
Begriffe
das
Phänomen
Hipster
fassen
können.


3

2. Posttraditionale Gemeinschaften und jugendliche Szenen

2.1 Posttraditionale Gemeinschaften

Der
Begriff
der
posttraditionalen
Gemeinschaft
beschreibt
zeitgenössische

Gesellungsformen,
die
unter
den
Bedingungen
spätmoderner

Vergesellschaftung
Funktionen
der
Sinnsetzung
und
Sozialisation
erfüllen,
sich

jedoch
von
traditionellen
Gesellungsformen
wie
Kirche,
Verein,
Partei
etc.

dadurch
unterscheiden,
dass
sie
weniger
verbindlich
sind
und
stattdessen
auf

der
„Verführung
hochgradig
individualitätsbedachter
Einzelner
zur

(grundsätzlich
partiellen)
habituellen,
intellektuellen,
affektuellen
und
vor

allem
ästhetischen
Gesinnungsgenossenschaft
basieren“
(Hitzler,
Bucher
&


Niederbacher,
2005,
S.
18).
Individuen
entscheiden
sich
für
die
zeitweilige

Zugehörigkeit
zu
einer
posttraditionalen
Gemeinschaft
kontingent
und
freiwillig

aufgrund
der
Vermutung
einer
gemeinsamen
Interessenfokussierung,
wobei
sie

die
Intensität
dieser
Zugehörigkeit
selbst
bestimmen
(Hitzler,
Honer
&

Pfadenhauer,
2008,
S.
9f).



Dabei
kommt
eine
Gemeinschaftsauffassung
zum
Tragen,
die
auf
die

individuelle
Reproduktion
von
Gemeinschaft
und
vor
allem
die
Entscheidung

für
Teilhabe
an
einer
Gemeinschaft
unter
Abwägung
der
erheischten
Vorteile

verweist.
Einflussreich
auf
die
Bildung
des
Begriffs
der
posttraditionalen

Gemeinschaft
war
der
französische
Soziologe
Michel
Maffesoli,
der
mit
seinem

Konzept
der
postmodernen
Stammeskulturen
ausdrücklich
die
emotionale

Hingabe
und
kultische
Fokussierung
dieser
Art
von
Gemeinschaften
betonte,
die

mit
dem
Versprechen
efferveszenter
Erlebnisse
zur
Mitgliedschaft
immer

wieder
neu
verführen
müssen,
woraus
ihre
Unbeständigkeit
und
relative

Kurzlebigkeit
resultiert
(Hitzler
et.
al.,
2005).
Dabei
wird
die
„temporale

Begrenzung
[...]
durch
Intensivierung
kompensiert“
(Prisching,
2008,
S.
38).

Mitglied
in
einer
posttraditionalen
Gemeinschaft
ist,
wer
sich
zu
den
für
eine

spezifische
Gemeinschaft
„symptomatischen
Zeichen,
Symbolen
und
Ritualen“

(Hitzler
et.
al.,
2008,
S.
13)
bekennt
und
sich
damit
für
eine
Mitgliedschaft

entscheidet.
Posttraditionale
Gemeinschaften
finden
sich
nicht
völlig
beliebig

zusammen,
sondern
verfügen
typischerweise
über
einen
spezifischen



4

„Vergemeinschaftungs‐Content“
(Prisching
2008,
S.
43),
der
sich
in

unterschiedlichen
Intensitäten
abbilden
kann.

Zusammengefasst
lässt
sich

sagen,
dass
posttraditionale
Gemeinschaften
zwar
strukturell
labile
Gefäße

individueller
Neigungen
sind,
aber
für
ihre
Teilhabenden
eine
sozialintegrative

Funktion
haben,
die
durchaus
vergleichbar
mit
derer
eingelebter
Milieus
ist

(Hitzler
et.
al.,
2008,
S.
18).


2.2 Jugendliche Szenen

Eine
altersspezifische
Ausprägung
posttraditionaler
Gemeinschaften
sind

jugendliche
Szenen,
die
von
Hitzler,
Bucher
und
Niederbacher
(2005)
wie
folgt

definiert
werden:



„Thematisch
 fokussierte
 kulturelle
 Netzwerke
 von
 Personen,
 die



bestimmte
 materiale
 und/oder
 mentale
 Formen
 der
 kollektiven


Selbststilisierung
teilen
und
Gemeinsamkeiten
an
typischen
Orten
und
zu

typischen
Zeiten
interaktiv
stabilisieren
und
weiterentwickeln“
(Hitzler,

Bucher
&
Niederbacher,
2005,
S.
20)


Der
Szenebegriff
wird
von
den
Autoren
weiter
ausdifferenziert:
Szenegänger

teilen
das
zentrale
Thema
der
jeweiligen
Szene
und
konstituieren
sie

kommunikativ
in
Interaktionen.
Sie
verorten
sich
sozial
innerhalb
von
Szenen

und
eignen
sich
für
die
Szeneteilhabe
adäquate
kulturelle
Kompetenzen
an.

Dabei
ist
vor
allem
die
Stilisierung
wichtig,
das
nach
szenespezifischen

ästhetischen
Kriterien
selektierte
Verwenden
von
Zeichenarrangements
mit
der

Absicht,
einen
kulturell
kompetenten
und
zugleich
originellen
Eindruck
zu

machen.
In
der
Beherrschung
der
Stilisierung,
deren
Kriterien
diffus
und

implizit
bleiben,
drückt
sich
die
wahrgenommene
Authentizität
der

Szeneidentifikation
aus.
Der
typische
Szenegänger
verfügt
über
ein
langfristig

erworbenes
Wissen
und
Können,
identifiziert
sich
mit
der
Szenekultur,
handelt

wertrational
und
stilisierend
und
pflegt
einen
Lebensstil,
in
dem
das

Szeneengagement
dominiert.
In
Abrenzung
dazu
gruppiert
sich
um
die

Szenegänger
herum
ein
Publikum,
das
sich
für
das
Szenegeschehen
interessiert,


5

wobei
ein
Wechsel
vom
Publikumsteilnehmer
zum
Szenegänger
durch

intensivierte
Teilhabe
am
Szenegeschehen
erfolgen
kann.


Szenen
sind
durch
ihren
Teilzeitcharakter
bedingt
labile
Gebilde.
Sie
brauchen

typische
Treffpunkte,
interne
Medien
und
mehr
oder
weniger
aufwendig
und

professionell
organisierte
Events,
die
das
Wir‐Gefühl
aktualisieren
bzw.
erst

herstellen
und
intensivieren.
Diese
Events
und
Medien
werden
von

Organisationseliten
produziert,
um
die
sich
die
Szene
als
ein
Netzwerk
von

Gruppen
bildet.
Die
Organisationseliten
müssen
sich
dabei
auf
einen

dynamischen
Wechsel
prinzipiell
instabiler
Trends
und
Moden
innerhalb
der

Szene
einstellen.
Eine
trennscharfe
Abgrenzung
zwischen
einzelnen
Szenen
ist

oftmals
nicht
möglich:
Ihre
Ränder
bleiben
diffus
und
mehrere
Szenen
können

ineinander
verwoben
sein.
Dennoch
unterscheiden
Hitzler,
Bucher
und

Niederbacher
in
drei
verschiedene
Szene‐Typen:
Die
Selbstverwirklichungs‐
Szenen,
deren
Fokus
auf
der
Herausbildung
persönlichen
Könnens
liegt,
die

Aufklärungs‐Szenen,
die
von
einem
Willen
zur

Veränderung
der
Welt
geprägt

sind
und
die
hedonistischen
Szenen,
die
vor
allem
auf
den

Konsum

vergnüglicher
Erlebnisangebote
zielen.



2.3 Differenzierung

Hitzler,
Bucher
und
Niederbacher
gehen
davon
aus,
dass
„Szenen
ihre
Kohäsion

aus
ästhetisch‐stilistischen
Gemeinsamkeiten
im
Hinblick
auf
einen

gemeinsamen
Fokus
beziehen“
(Hitzler,
Bucher
&
Niederbacher,
2005,
S.
31).

Um
von
einer
Szene
als
wahrgenommener
Realität
für
ihre
Szenemitglieder

überhaupt
sprechen
zu
können,
müssen
diese
Gemeinsamkeiten
kommunikativ

und
interaktiv
in
Szene
gesetzt
werden.
Die
Autoren
untersuchen
dafür
Inhalte

von
Kommunikation
und
Interaktion
wie
thematischen
Fokus,
Einstellungen,

Motive,
Lebensstil,
Treffpunkte
und
Events,
Kleidung,
Musik
und
Medien.
Um

eine
jugendliche
Szene
im
Sinne
der
Autoren
identifizieren

zu
können,
müssen

bestimmte
personale
Eigenschaften
des
Szenegängers
identifizierbar
sein:
ein

langfristig
erworbenes
Wissen
oder
Können,
eine
Identifikation
mit
der
Szene,

ein
wertrational‐stilisierender
Handlungsmodus
und
ein
Lebensstil,
in
dem
das


6

Szeneengagement
dominiert.
Darüber
hinaus
muss
die
Lebenswelt
des

Szenegängers
durch
szenetypische
Treffpunkte,
Events
und
interne
Medien

strukturiert
sein
(Ebd.,
S.
220).



Der
Begriff
der
posttraditionalen
Gemeinschaft
ist
weiter
gefasst.
Darunter

können
so
unterschiedliche
Phänomene
wie
jugendliche
Szenen
und

„erwachsene“
Markengemeinschaften
wie
die
Apple‐
oder
Harley‐Davidson‐
Community,
aber
auch
situative
Event‐Gemeinschaften
wie
das
Public
Viewing

bei
Fußballweltmeisterschaften
oder
katholische
Weltjugendtage
gefasst

werden
(Hitzler,
Honer
&
Pfadenhauer,
2008,
S.
20ff).
Im
Vordergrund
steht

hier
die
mehr
oder
weniger
flüchtige
Vergemeinschaftung
durch
eine
geteilte

ästhetische
Erfahrung
mit
potentiell
efferveszenter
Qualität.
Die

posttraditionale
Gemeinschaft
kann
damit
als
Ober‐
und
die
jugendliche
Szene

als
Unterbegriff
angesehen
werden.


3. Hip and cool: Zum Hipster als Identitätsentwurf

3.1 Entstehung: The Hipster and the Organization Man

Der
Ursprung
des
Begriffs
hip
bzw.
Hipster
ist
umstritten
(Tolstad,
2006,
S.
3f),

wird
jedoch
mit
der
afroamerikanischen
Kultur
der
1950er
Jahre
in

Zusammenhang
gebracht.
Popularisiert
wurde
er
von
weißen
Intellektuellen

wie
Norman
Mailer
und
Jack
Kerouac,
die
in
der
Nachkriegszeit
den
als

konsumfokussiert
und
konform
empfundenen
Lebensstil
der
weißen

Mehrheitsgesellschaft
mit
einer
als
authentisch
imaginierten
Lebensweise
der

urbanen
Afroamerikaner
kontrastierten
(Ross,
1989,
S.68f).
Um
New
Yorker

Jazzclubs
gruppierten
sich
sogenannte
Hipster
und
Beatniks,
Weiße,
die
in
der

afroamerikanischen
Musik
eine
Folie
für
die
Aktualisierung
der
zentralen

Narrative
der
Bohème
fanden,
die
sich
bereits
im
frühen
neunzehnten

Jahrhundert
herausbildeten:
Rebellion,
Zurückweisung
ökonomischer

Sicherheit
der
Mittelschichten,
ein
Leben
in
Risiko,
Armut
und
konstanter

Transgression
gesellschaftlicher
Normen;
nicht
zuletzt
Exzess,
extreme

Erfahrungen
aller
Art
und
ein
kreativer
Entwurf
des
Selbst
(Wilson,
1999,
S.
13).


7

Eingebettet
war
dieses
kulturelle
Phänomen
in
einen
breit
rezipierten
Diskurs

um
Entfremdungsempfinden
und
Konformität
in
einer
konsum‐
und

arbeitsorientierten
Massenkultur,
deren
Protagonisten
im
von
William
H.

Whyte
beschriebenen
„Organization
Man“
‐
dem
Angestellten
einer
großen

Organisation,
der
graue
Flanellanzüge
trägt
und
täglich
von
Suburbia
zur
Arbeit

pendelt
‐
ihre
prototypische
Entsprechung
fanden
(Frank,
1997,
S.
10f).

Antithetisch
dazu
wurde
der
Hipster
konstruiert:
Ein
amerikanischer

Existentialist,
der
sich
von
der
Arbeitsethik
abgewandt
hat
und
für
den

unmittelbaren
Genuss
lebt,
seiner
Abscheu
gegen
die
Konformität
mit
Jazz,
Sex,

Drogen
und
schwarzem
Slang
Ausdruck
verleiht
und
dem
gesellschaftlichen

Anspruch
an
Anständigkeit
mit
seinem
Verlangen
nach
einem
„orgasm
more

apocalyptic
than
the
one
that
preceded
it“
(Norman
Mailer,
zitiert

nach
Frank,

1997,
S.
12)
begegnet.



Hip
und
cool
können
als
Synonyme
angesehen
werden
(Leland,
2004,
S.
11)
und

so
verwundert
es
nicht,
dass
vor
diesem
zeithistorischen
Hintergrund
das
bis

heute
wirkmächtige
Konzept
der
Coolness
ausdifferenziert
wurde.
Als
Strategie,

sich
gegen
die
Reizüberflutung
anonymisierter
Großstädte
zu
schützen
und

gleichzeitig
expressive
Individualität
zu
inszenieren,
wurde
sie
bereits
zur

Jahrhundertwende
in
Grundzügen
von
Georg
Simmel
beschrieben,
freilich
ohne

dies
explizit
Coolness
zu
nennen
(Düllo,
2005,
S.
55ff).
Das
„keep
cool“,
mit
dem

der
afroamerikanische
Aktivist
Marcus
Garvey
während
der
Haft
seine

Anhänger
beruhigte,
erweiterte
sich
zu
einer
strategischen
Praxis
rassistisch

Marginalisierter,
deren
Lakonie,
Stil
und
Distanzgebaren
von
den
Hipstern

bereitwillig
als
Distinktionsmittel
aufgegriffen
wurden
(Ebd.,
S.
61).
Cool
sein

hieß,
wissend
zu
sein,
nonchalant
und
selbstbewusst:
„unfazed
by
the
bullshit
of

life“
(Tolstad,
2006,
S.
4).
Als
Gleichzeitigkeit
von
Indifferenz
und
Interesse

sollte
sich
die
Coolness
von
einer
Strategie
der
marginalisierten
Afroamerikaner

um
auf
dem
Feld
der
sie
ausschließenden
weißen
Mehrheitsgesellschaft

navigieren
zu
können,
zum
attraktiven
Verhaltensmodell
der
individualisierten

Moderne
entwickeln
–
bis
zum
heutigen
Tage
(Düllo,
2005,
S.
60).
Dabei
ist
cool

keine
unveränderliche
Qualität
feststehender
Dinge.
Das
Distinktionsmittel

Coolness
bildet
kulturelles
Kapital
im
Bourdieuschen
Sinne
und
ist
als
solches

Gegenstand
ständiger
Neuverhandlungen
(Nancarrow
&
Nancarrow,
2007,
S.


8

131f).

Je
mehr
Menschen
an
diesem
Distinktionsmittel
teilhaben,
desto
weniger

distinktiv
wirkt
es,
so
dass
sich
die
konkreten
Zeichen
und
Praktiken,
in
denen

sich
Coolness
manifestiert,
ständig
verschieben
müssen,
um
erneut
Knappheit

zu
gewährleisten
(Tolstad,
2006,
S.
128f).



Die
Dynamik
dieser
Verschiebung
wird
dabei
deutlich
durch
die

Vermarktung

von
Coolness
beeinflusst,
deren
Entstehung
im
folgenden
Kapitel
skizziert
wird.


3.2 Popularisierung: Hip consumerism

Während
sich
Anfang
der
sechziger
Jahre
die
Hipster
und
Beatniks
zu
Hippies

und
anderen
Subkulturen
ausdifferenzierten,
begann
auch
die
Konsumkultur


cool
zu
werden.
Nicht
nur
wollte
ein
wachsender
Jugendmarkt
bedient
werden,

auch
ließen
sich
mit
den
Bildern
imaginierter
Rebellion
Waren
an
die

Mehrheitsgesellschaft
verkaufen,
die
durch
Life
und
Reader´s
Digest
vom
neuen

Geist
der
Zeit
erfahren
hatte
(Frank,
1997,
S.
14).
Nicht
zuletzt
spiegelte
das

Bemühen
der
Werbung,
einen
coolen
Ton
zu
treffen,
auch
einen
Wandel
in
der

Unternehmenskultur
der
Werbeagenturen
selbst
wieder,
die
sich
nach
dem

statistisch‐wissenschaftlichen
nun
vermehrt
einen
kreativ‐künstlerischen

Anspruch
setzten:
„One
day
in
1967
Madison
Avenue
Man
shed
his
gray
flannel

suit
and
leaped
headlong
into
youth
culture“
(Ebd.,
S.
106).



Beispielhaft
nutzte
die
Herrenmodebranche
die
Gegenkultur
mit
ihrer

Verachtung
gegenüber
Konformität
und
Massenkonsum
als
Vehikel
ihres

eigenen
Wandels:


„In
 1967,
 the
 menswear
 industry
 discovered
 the
 perfect
 symbol
 with

which
 to
 unite
 its
 fantasies
 of
 youth
 and
 rebellion:
 the
 counterculture.

Advertisers
 began
 to
 make
 heavy
 use
 of
 hip
 imagery
 to
 buttress
 the

revolutionary
claims
they
had
been
making
and
to
convince
retailers
of

their
products´
rebel
authenticity“
(Ebd.,
S.
215)



Dem
beschleunigten
Lebenszyklus
der
Modeprodukte
aufgrund
der

Inszenierung
von
modischer
und
cooler
Kleidung
als
Ausdruck
individueller

Persönlichkeit
wurde
eine
erhöhte
Profitträchtigkeit
bescheinigt
‐
was
insofern


9

ironisch
ist,
da
die
von
den
Hipstern
rezipierten
Kritiker
des
Massenkonsums

dessen
eingeplante
Obsoleszenz
ursprünglich
besonders
ablehnten
(Ebd.,
S.

197).



Diese
Aneignung
zunächst
oppositioneller
Zeichen
und
Praktiken
durch
die

Konsumkultur,
die
allerdings
im
Europa
des
neunzehnten
Jahrhunderts
in
der

Wechselwirkung
zwischen
bourgeoiser
Kultur
und
Bohème‐Kultur
schon
ihre

Vorläufer
hatte
(Wilson,
1999),
sollte
sich
bis
zum
heutigen
Tage
bei
der

Entstehung
neuer
Subkulturen
und

ihrer
Vermarktung
wiederholen
(Moore,

2007).
Die
Ablehnung
von
Konformität
und
die
Betonung
des
individuellen

Ausdrucks,
die
von
den
Hipstern
noch
in
Opposition
zum
Massenkonsum

entworfen
wurde,
veränderte
nicht
nur
die
Modebranche,
sondern
affizierte

weite
Teile
der
Konsumkultur,
die
sich
auf
eine
Weise
neu
erfand,
die
noch

heute
aktuell
ist:



„Not
only
does
hip
consumerism
recognize
the
alienation,
boredom
and

disgust
engendered
by
the
demands
of
modern
consumer
society,
but
it

makes
 of
 those
 sentiments
 powerful
 imperatives
 of
 brand
 loyalty
 and

accelerated
consumption“
(Frank,
1997,
S.
231)


Diese
Vermarktung
der
Coolness
sollte
für
das

Selbstverständnis
der
Hipster

unserer
Zeit
prägend
sein.


3.3 Gegenwart: Hipsters never admit to being Hipsters

Im
Jahr
2001
wurde
„The
Hipster
Handbook“
von
Robert
Lanham
(2002)
für

den
Margaret‐Mead‐Award
nominiert,
mit
dem
die
Society
for
Applied

Anthropology
junge
Wissenschaftler
auszeichnet,
die
anthropologische

Forschung
einem
breiten
Publikum
bekannt
machen
(Ebd.,
S.
2).
Weit
davon

entfernt
ein
akademischer
Text
zu
sein,
typologisiert
das
Buch
leichtfüßig
und

ironisch
die
Hipster
der
Jahrtausendwende
in
all
ihren
Erscheinungsformen,
mit

einem
räumlichen
Fokus
auf
den
Lebensmittelpunkt
des
Autors,
den
hippen
und

jungen
New
Yorker
Stadtteil
Williamsburg.
Lanham
kartographiert
das
Feld

zeitgenössischer
Coolness

zwischen
allerlei
Stilpräferenzen
für
Frisuren,


10

Barttrachten,
Zigaretten‐
und
Biermarken,
Kleidungsstilen,
Filme,
Bands,

Künstler
und
Dichter,
sowie
dem
typischen
Sprachgebrauch,
Verhaltensweisen

und
der
Lebensführung
der
Hipster
Nordamerikas.
Bemerkenswert
ist,
dass

sich
allein
bei
den
angeführten
Literaturvorlieben
mit
William
S.
Burroughs
und

Allen
Ginsberg
Bezüge
auf
die
historischen
Hipster
der
Beat‐Ära
finden
lassen

(Lanham,
2001,
S.
128).
So
unterscheiden
sich
die
Hipster
von
heute
denn
auch

in
(wenigstens)
drei
zentralen
Punkten
von
ihren
historischen
Vorläufern:
Ihre

stilistischen
Optionen
haben
sich
zu
einer
Palette
von
Zitaten
aus
diversen

Epochen
und
Subkulturen
erweitert,
die
in
ihrer
Unterschiedlichkeit
nur
davon

zusammengehalten
werden,
dass
sie
cool
sind.
Was
wiederum
cool
ist,
wird
in

einem
dynamischen
Prozess
der
Selbst‐
und
Fremdbeobachtung
ständig
neu

ausgehandelt
(Leland,
2004,
S.
8).
Zuletzt
hängt
damit
zusammen,
dass
die

Identitätszuschreibung
Hipster
von
den
Protagonisten
der
Coolness
nicht

angenommen
werden
darf,
um
im
Feld
der
Coolness
zu
bestehen,
gleichwohl

gemeinschaftsstiftende
Merkmale
offensichtlich
vorhanden
sind,
die
eine
solche

Identitätszuschreibung
nahelegen
würden:
„Hipsters
never
admit
to
being

Hipsters.
They
are
to
cool
to
broach
the
subject.“
(Ebd.,
S.
13).
Als
Gemeinschaft

der
Individualisten,
die
eifersüchtig
über
den
Zugang
zum
kulturellen
Kapital

Coolness
–
also
der
Kompetenz
zur
lakonischen
Differenzinszenierung
–
wachen

muss,
legen
die
Hipster
großen
Wert
darauf,
eben
keine
Gemeinschaft
zu
sein,

da
dies
implizieren

würde,
sie
suchten
die
Coolness
in
der
Gemeinschaft,

anstatt
sie
individuell
ganz

selbstverständlich
zu
besitzen:
„It
is
cool
to
be
on

the
inside,
but
it
is
not
considered
cool
to
want
to
be
on
the
inside
or
to
care

about
whether
you
are
on
the
inside
or
not“
(Tolstad,
2006,
S.
60).
Folgerichtig

lassen
sich
heute
zwei
Bedeutungen
des
Begriffs
Hipster
festhalten,
die
von
der

Sprechposition
bestimmt
werden:
einerseits
als
Beschreibung
der
Gemeinschaft

der
Coolen
durch
die
Uncoolen,
andererseits
als
abwertende
Beschreibung
der

Uncoolen,
die
danach
streben
cool
zu
sein,
durch
die
Coolen
(Ebd.,
S.
83).
Denn

Coolness
resultiert
nicht
allein
aus
der
souveränen
Anwendung
der
richtigen

Praktiken
und
Symbole,
es
muss
auch
der
Anschein
geweckt
werden,
diese

Anwendung
entspreche
einer
gleichsam
authentischen
inneren
Verfasstheit
des

Handelnden
(Ebd.,
S.
42).



11

Eine
Paradoxie
der
Gemeinschaftsbildung
spannt
sich
auf:
Hipster
begreifen

sich
als
Individuen
in
Opposition
zu
einer
Mainstream‐Kultur,
auf
deren
Feld
sie

mithilfe
der
Coolness
navigieren.
Die
geteilte
Erfahrung
einer,
letztlich
auf

eigener
Entscheidung
beruhenden,
Marginalisierung
bildet
die
Grundlage
ihrer

Vergemeinschaftung

‐
und
dafür,
Coolness
als
kulturelles
Kapital
verhandeln
zu

können,
das
allerdings
nur
im
Verhältnis
zu
einem
ausgeschlossenen
Anderen,

der
dieses
Kapital
zwar
anerkennt,
aber
nicht
kennt,
bestehen
kann
(Bourdieu,

1987,
S.
503ff).
Da
dieses
Kapital
allerdings,
wie
in
Kap.
3.2
ausgeführt

wurde,

von
relevanten
Teilen
der
Mainstream‐Kultur
aktiv
nachgefragt
und
der
Zugang

zu
den
Symbolen
und
Praktiken
der
Marginalisierten
einigermaßen

erfolgreich

vermarktet
wird,
muss
eine
Differenz
zu
dieser
Nachfrage
konstruiert
werden.

Daraus
resultiert
ein
dynamischer
Wandel
der
coolen
Praktiken
und
Symbole

und
vor
allem
die
aktive
Abwehr
weniger
der
Mainstream‐Kultur,
zu
der
sich

sowieso
in
Opposition
begriffen
wird,
als
vielmehr
der
Aspiranten
der
Coolness,

die
sich
offen
auf
eine
Gemeinschaft
der
Hipster
beziehen:

Gemeinschaftsbildung
durch
Negation
der
Gemeinschaft
ist
die
Folge
(Tolstad,

2006,
S.
58).




4. Hipster: Eine posttraditionale Gemeinschaft?

Wie
in
Kap.
3.3
gezeigt
wurde
ist
es
wenig
zielführend,
eine
Beschreibung
der

Stilpräferenzen
modischer,
musikalischer
oder
ähnlicher
Natur
der
Hipster
zu

unternehmen
–
sie
befinden
sich
in
einem
stetigen
Fluss.
So
beschreibt
Ingrid
M.

Tolstad
in
ihrer
anthropologischen
Feldforschung
inmitten
der
Hipster

Williamsburgs
den
Wandel
des
dominierenden
Motivs
eines
Post‐Punk
Revival

zum
New‐Folk
Revival,
eine
Rekontextualisierung
der
Zeichen
weist
neuen

Motiven
Coolness
zu,
während
die
alten
im
Mainstream
aufgehen;
die

Interaktionsmuster
bleiben
jedoch
dieselben
(Tolstad,
2006,
S.
99ff).
Aussagen

zu
quantifizierenden
Strukturdaten,
Szenedifferenzierungen
und
–

überschneidungen
sowie
Geschlechterrollen
würden
eine
empirische

Untersuchung
voraussetzen,
die
den
Rahmen
einer
Hausarbeit
übersteigt.

Dennoch
lassen
sich
in
den
Untersuchungen
von
Eriksson
und
Gretarsdottir


12

(2006)
sowie
der
bereits
genannten
Feldforschung
von
Tolstad
Hinweise
auf

szenenkonstituierende
Merkmale
finden,
die
eine
Beantwortung
der
Frage

unterstützen,
ob
es
sich
bei
Hipstern
um
eine
jugendliche
Szene
handelt.



Der
thematische
Fokus
der
Hipster
ist
der
kreative
Entwurf
und
die
als

authentisch
deklarierte
Anwendung
cooler
Praktiken
und
Symbole,
was
ein

langfristig
erworbenes
Wissen
und
Können
voraussetzt.
Die
Betonung

individueller
Kreativität
gegenüber
Konformität
findet
in
einem
wertrational‐
stilisierenden
Handlungsmodus
ihre
Entsprechung.
Massenhaft
produzierte
und

vermarktete
Konsumgüter
werden
abgelehnt,
was
mit
einer
hohen
Sensibilität

gegenüber
Marktingmaßnahmen
und
als
vorgefertigt
empfundenen
Trends

korrespondiert
(Eriksson
&
Gretarsdottir,
2006,
S.
9ff).
Ihr
Lebensstil
kreist
um

die
Ablehnung
eines
als
konform
empfundenen
Lebensvollzugs,
aus
dem
die

Arbeit
in
‐
zumindest
dem
Selbstverständnis
nach
–
nicht
vorrangig

kommerziell
orientierten
Kultur‐
und
Kunstprojekten
oft
als
Ausweg

empfunden
wird
(Tolstad,
2006,
S.
55ff,
59ff,
68ff).
Typische
Treffpunkte
sind

bestimmte
Plattenläden,
Bars
und
Cafés,
die
als
cool
angesehen
werden
(Ebd.,
S.

43ff).
Großen
Raum
nimmt
der
Besuch
von
Szeneevents
wie
Konzerten
und

Parties
ein,
für
die
über
szeneinterne
Medien
wie
Mailinglisten
und
Blogs

geworben
wird.
Dabei
haben
exklusive
Parties
einen
hohen
Stellenwert,
die
via

Mundpropaganda
kommuniziert
werden
und
von
denen
entsprechend
nur
der

Szenekern
Kenntnis
hat
(Tolstad,
2006,
S.
59f).
Besonderen
Wert
legen
die

Hipster
auf
einen
distinktiv
individuellen
Kleidungsstil,
dessen
Requisiten
in

Second
Hand
Shops
bzw.
Läden
erworben
werden,
die
mit
limitierten
Auflagen

noch
weitgehend
unbekannter
Designer
aufwarten
können.
Oft
wird
sich
dann

durch
Umnähen
und
kleinere
Veränderungen
die
Kleidung
individuell

angeeignet
(Eriksson
&
Gretarsdottir,
2006,
S.
29ff).
Insofern
sind
durchaus

Merkmale
vorhanden,
die
eine
Szene
als
„interaktives
Netzwerk
samt
einer

eigensinnigen
Kultur“
(Hitzler
et.al.,
2005,
S.
222)
konstituieren
–
bis
auf
die

Selbstidentifikation,
die
sich
aus
der
Betonung
von
Individualität
heraus
als
eine

paradoxe
Vergemeinschaftung
auf
der
Grundlage
einer
kollektiven
Negation

von
Gemeinschaft
abbildet.
Entsprechend
plädiere
ich
dafür,
Hipster
nicht
als

eine
jugendliche
Szene
ähnlich
den
von
Hitzler
et.
al.
untersuchten
Skatern,

Kletterern,
Antifas
etc.

sondern
als
„andere
soziale
Formation“
(Ebd.,
S.
219)
zu


13

bezeichnen,
da
bei
den
von
Hitzler
et.al.
beschriebenen
Szenegängern
eine

positive
Identifikation
mit
ihrer
jeweiligen
Szene
zentral
für
ihr

Selbstverständnis
ist.
Elemente
der
Hipster
‐
vor
allem
die
Orientierung
an

einem
distinguierten
und
exklusiven
Konsumverhalten,
dessen

Konstruktionsprinzipien
sich
für
Außenstehende
verbergen
‐
lassen
sich
zwar

in
den
von
Hitzler
und
Pfadenhauer
(2006)
beschriebenen
Urbanen
Stylern

wiederfinden,
einem
Konsumenten‐Typus,
der
bestrebt
ist
Trends
bereits
vor

der
breiten
Masse
zu
antizipieren,
wobei
hier
aber
das
Augenmerk
mehr
auf
der

Neuheit,
Limitierung
und
Hochpreisigkeit
der
konsumierten
Lifestyle‐Produkte

liegt.



Der
„Vergemeinschaftungs‐Content“
der
Hipster
ist
Coolness,
seine
konkreten

Überformungen
ändern
sich
jedoch
so
schnell
wie
ihre
Vermarktung
einsetzt.

Coolness
erweist
sich
dabei
als
paradoxe
Inszenierung,
braucht
sie
doch
als

dezidiert
eigenmotivierte
Aufführung
dennoch
eine
Bühne
um
als
solche

approbiert
werden
zu
können.
Diese
Bühne
bildet
einerseits
die
Gemeinschaft

der
Coolen
bzw.
eben
der
Hipster,
denen
die
Kompetenz
zur
Unterscheidung

zwischen
cooler
und
uncooler
Aufführung
unterstellt
wird,
und
andererseits

eine
Mainstream‐Kultur,
zu
der
Differenz
konstruiert
wird
(Tolstad,
2006,
S.

75f).
In
Anlehnung
an
Prisching
kann
also
festgehalten
werden,
dass
beim

Vergemeinschaftungserlebnis
der
Hipster
„nicht
die
Gemeinschaft,
sondern
der

Widerschein
der
Gemeinschaft
im
Individuum
das
Wichtige“
(Prisching,
2008,
S.

38)
ist.
In
der
Konzeption
von
Coolness,
die
einerseits
aktiv
und
im
Hinblick
auf

ein
Publikum
gestaltet
und
andererseits
als
wesenshaft
verankert
aufgeführt

wird,
spiegelt
sich
die
Konzeption
des
postmodernen
Individuums,
das
sich

selbst
als
Einzelstück
gestalten
und
andererseits
seinen
vorgefundenen
„wahren

Wesenskern
zum
Vorschein
bringen“
(Ebd.,
S
46)
muss.
Wie
gezeigt
wurde,

existiert
bei
den
Hipstern
trotz
der
expliziten
Zurückweisung

einer

Gemeinschaft,
die
auf
den
skizzierten
Verhandlungsbedingungen
von
Coolness

basiert,
eine
feststellbare
habituelle,
affektuelle
und
ästhetische

Gesinnungsgenossenschaft,
die
sich
in
sich
dynamisch
verändernden

symptomatischen
Zeichen,
Symbolen
und
Ritualen
ausdrückt
und
auf
Events

sinnlich
erfahrbar
wird.
Insofern
kann
durchaus
von
den
Hipstern
als
einer

posttraditionalen
Gemeinschaft
gesprochen
werden,
zu
deren
Idiosynkrasien
es


14

gehört,
sich
gerade
nicht
als
Gemeinschaft
zu
bezeichnen,
sondern
sich
nur
als

solche
zu
erfahren.



5. Zusammenfassung und Ausblick

Es
konnte
gezeigt
werden,
dass
Hipster
zwar
keine
jugendliche
Szene
im

engeren
Sinne
sind,
jedoch
als
posttraditionale
Gemeinschaft
im
weiteren
Sinne

bezeichnet
werden
können.
Es
bleibt
künftigen
Arbeiten
vorbehalten,
die


Attraktivität
des
offenen
und
dynamischen
Identitäts‐
und

Gemeinschaftsentwurfs
Hipster
gegenüber
anderen
Szenen,
Subkulturen
und

Gemeinschaften
vor
dem
Hintergrund
einer
postmodernen

Identitätskonzeption
herauszuarbeiten,
die
Kontingenz
und
Multioptionalität

bewältigen
muss.
Ertragreich
wäre
sicherlich
auch
eine
kritische
Betrachtung

der
Authentizitätskonstruktion
innerhalb
der
Inszenierung
von
Coolness

mithilfe
der
Beschreibung
von
Mode
als
Beobachtung
zweiter
Ordnung,
wie
sie

Elena
Esposito
(2004)
versucht.
Schließlich
und
zuletzt
gründet
sich
auch
die

Vergemeinschaftung
der
Hipster,
wiewohl
sie
sich
ganz
individualistisch
im

Gegensatz
zu
einer
als
konformistisch
empfundenen
Konsumkultur
entwirft,

zuvörderst
auf
Konsumentscheidungen,
was
kaum
im
Widerspruch
zum

herrschenden
Paradigma
der
Spätmoderne
steht:


Der
Individualismus
ist
in
der
Verbrauchergesellschaft
das,
was
die
Ware

in
 der
 Industriegesellschaft
 war:
 ein
 Fetisch
 –
 ein
 ganz
 und
 gar

menschliches
 Produkt,
 dem
 man
 übermenschliche
 Autorität
 zuspricht,

indem
 man
 seine
 allzumenschlichen
 Ursprünge
 und
 die
 menschlichen

Aktivitäten,
durch
die
es
hervorgebracht
wurde
(denn
wie
sollte
es
sonst

entstehen?)
 vergessen
 macht
 oder
 sie
 für
 irrelevant
 erklärt.
 [...]
 Die

Individualität
des
Verbrauchers
entsteht
aus
den
Entscheidungen,
die
er

beim
Einkaufen
trifft“
(Bauman,
2007,
S.
134)


Wie
distinktiv
diese
Entscheidungen
letztlich
tatsächlich
wirken,
hängt
davon

ab,
mit
welchem
Geschick
den
Bestrebungen
des
Marketings
zu
den
Symbolen

und
Praktiken
der
Coolness
aufzuschließen,
entgangen
werden
kann.



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