Bezirksparteitag der Christlich-Sozialen Union

Oberbayern
16. Mai 2014
Antrag-Nr.
1
Beschluss:
! Zustimmung
! Ablehnung
! Überweisung
! Änderung
Antragsteller:
Martin Ehrenhuber (Bezirksvorsitzender AKE Oberbayern)
für den Arbeitskreis Energiewende (AKE) Oberbayern


Der Parteitag möge beschließen:

Die CSU Oberbayern fordert den CSU-Parteitag auf, die Kernposition des Arbeitskreis Ener-
giewende (AKE) Oberbayern einer optimal dezentralen Energiewende in Bayern und
Deutschland als Grundlage aller energiepolitischen Entscheidungen der CSU zu beschlie-
ßen.


Begründung:

Die Energiewende steht in ihrer Fortentwicklung an einem Scheideweg. Sind weiterhin die
Bürgerinnen und Bürger, Bürgergenossenschaften, Bürgerstiftungen, die Kommunen und
der Mittelstand mit der weiteren dezentralen Nutzung der regenerativen Energien die Trei-
ber der Energiewende oder kommt es bei der Gestaltung des künftigen Energiesystems zu
einer Rückwärtsrolle hin zu den alten zentralen Strukturen?

Der bisherige Erfolg der Energiewende ist vor allem den vielen und vielfältigen dezentral
agierenden Kräften zu verdanken. Dieser dezentrale Ansatz entspricht einem Kernwert der
CSU – der Subsidiarität. Es ist nur folgerichtig, die Grundsatzfrage der Energiewende nach
dezentraler oder zentraler Organisation ebenfalls an dem Leitprinzip der Subsidiarität zu
beantworten:

Die Energiewende in Bayern und Deutschland
muss optimal dezentral umgesetzt werden.

Die bisher eingesetzte zentrale Energieversorgung und hier insbesondere die Bereitstellung
von Strom durch Großkraftwerke sind durch den Einsatz von dezentralen, intelligenten
Energieversorgungssystemen soweit wie möglich zu ersetzen.

Vor diesem Hintergrund verweisen wir auf eine Studie des Reiner Lemoine Instituts im Auf-
trag der Haleakala-Stiftung, des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und der 100
prozent erneuerbar stiftung, die zentral und dezentral orientierte Ausbaupfade für eine re-
generative Stromversorgung hinsichtlich ihrer Kosten miteinander vergleicht. Die Studie
kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen dem zentralen und dezentralen Ansatz bei den Ge-
samtkosten keine nennenswerten Unterschiede entstehen.

Energiepolitisch kommt die Studie zu dem Schluss, dass die dezentralen Ausbaupfade, v.a.
bei der Stromversorgung, zu bevorzugen und die Energieerzeugung in der Nähe der Ver-
braucher aufzubauen sind, um die Stromnetze zu entlasten und zusätzliche Kosten zu ver-
meiden.
Diese Beurteilung stimmt mit der durch den AKE Oberbayern vertretenen Meinung überein,
die einen weiteren Ausbau einer dezentralen Energieversorgung und eine regional geprägte
Energiewende fordert. Die Forderung
1. stärkt die regionale Wertschöpfung und sichert die Partizipation für Bürger, Kommu-
nen, Handwerk und Mittelstand,
2. reduziert den Bedarf am Netzausbau und vermeidet den Neubau der ohnehin um-
strittenen Hochspannungsübertragungstrassen,
3. reduziert den umstrittenen Bedarf an großen Energiespeichern, wie z.B. Pumpspei-
chern,
4. senkt den Bedarf an großtechnischen Anlagen, die mit hohen Risiken (z.B. Investiti-
onsrisiko, Planungsrisiko, Juristisches Risiko, Betreiberrisiko, Finanzierungsrisiko, Haf-
tungsrisiko, Akzeptanzrisiko) verbunden sind,
5. ermöglicht eine schnellere Umsetzung der Energiewende und erhöht die Akzeptanz
bei den Bürgern/Innen,
6. bietet neuen Technologien (z.B. Redox Flow Speicher, Power-to-Heat, Power-to-Gas,
Blockheizkraftwerke, intelligent vernetzte Kraft-Wärme-Kopplung, u.v.a.) einen Inno-
vationsschub,
7. lässt eine Vielfalt von Akteuren, Technologien und Verfahren zu, die sich am Markt
bewähren können,
8. vermeidet eine zunehmende politische Abhängigkeit durch steigenden Import von
den wichtigsten fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Erdgas und
9. verringert das Aufkommen von Energie-Verlierer-Regionen und Monopolrenditen.

Mit diesem Ansatz wird die Energiewende zu einer tatsächlichen „Koalition mit den Bür-
ger/Innen“ und schafft die erforderlichen Rahmenbedingungen, um optimale, dezentrale
Versorgungsstrukturen in allen energiepolitischen Entscheidungen zu schaffen und die an-
gestrebten Ziele bei der Einsparung von Primärenergie, Reduktion der CO2-Emissionen und
Verringerung der Importabhängigkeit zu erreichen.