You are on page 1of 203

1957

28. 07. 1957 In Cosio d'Arroscia gründen mehrere Intellektuellen- und


Künstlergruppen die Situationistische Internationale, deren
Zentrum sich in Paris befindet und die sich aus Sektionen in
Italien, der Bundesrepublik, den Niederlanden, Belgiens
und Skandinaviens zusammensetzt. In der ersten Nummer
ihrer gleichnamigen Zeitschrift fordern sie, „endlich mit der
Verwirklichung des Kommunismus in der Revolutionierung
des Alltagslebens anzufangen“.

02.09.1957 Der Gouverneur von Arizona, Orval Faubus, postiert am Abend vor
Schulbeginn in Little Rock Truppen seine Nationalgarde vor
der örtlichen High School, um neun schwarze Schüler
(„ HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Little_Rock_Nine" \t "_blank" Little Rock Nine") am Betreten
der Schule für Weiße zu hindern.
1958
25.03.1958 Im Bundestag wird die atomare Aufrüstung der
Bundeswehr beschlossen.

25.03.1958 In Berlin findet ein Schweigemarsch von 5000 StudentInnen


gegen die geplante Atombewaffnung der Bundeswehr statt.

17.04.1958 100.000 HamburgerInnen von mehreren Großbetrieben


demonstrieren gegen die geplante Atombewaffnung.
1959
03. – 04.01.1959 An der Freien Universität Berlin findet ein
„StudentInnenkongress gegen Atomrüstung“ statt. An
dem Kongress beteiligen sich
Bundestagsabgeordnete, Professoren, Schriftsteller
und Gruppen von AtomwaffengegnerInnen aus der
gesamten Bundesrepublik.

04.01.1959 Fidel Castro und Che Guevara ziehen nach mehr als
zweijährigem Partisanenkampf in der Sierra Maestra
in der kubanischen Hauptstadt Havanna ein.

23. – 24.05.1959 In Frankfurt findet ein Kongress des SDS für Demokratie -
gegen Restauration und Militarismus, statt, auf dem
ein sofortiger Rüstungsstopp in der Bundesrepublik
und die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht
gefordert wird.
1960
01.02.1960 In der amerikanischen Stadt Greensboro halten erstmals farbige
Studenten ein Sit-in ab, um gegen die
Rassentrennung in Kaufhausrestaurants zu
protestieren. Bald darauf werden sie in fast allen
Woolworth-Kaufhäusern der USA nachgeahmt und
zu regelrechten Besetzungen weitergeführt.

21.03.1960 15.000 Schwarze demonstrieren in Sharpville gegen die


Passgesetze, die verlangen, dass alle Farbigen, ständig einen Pass bei sich zu
tragen haben. Darin müssen passierte Kontrollstellen [Zollkontrollstellen] und
Arbeitgeber eingetragen sein.
Ohne Arbeit keine Erlaubnis, sich in der Nähe der Weißen aufzuhalten. Hat ein
schwarzer Südafrikaner keinen Ausweis mit den geforderten Eintragungen,
kann ihn die Polizei verhaften und einem weißen Farmer übergeben, als Sklave
auf Zeit. Als auf die Demonstrationen immer mehr Menschen kommen,
schießen die Polizisten in die Menge, 69 Schwarze werden getötet, 180 sind
verletzt.

08.04.1960 Verbot des ANC in Südafrika

26.04.1960 Massendemonstrationen gegen die manipulierte Wiederwahl


des südkoreanischen Diktators Syng-man Rhee. Die Polizei schießt auf die
DemonstrantInnen. 2000 StudentInnen der am Stadtrand Seouls gelegenen
Korea-Universität durchbrechen daraufhin die Bannmeile des Parlaments,
indem sie die kilometerlange Strecke in einem dreiviertelstündigem Dauerlauf
zurücklegen. Auf dem Rückweg werden sie von zivilen Beamten
zusammengeschlagen. Daraufhin findet am folgenden Tag eine Demonstration
von 20000 StudentInnen statt. Die Polizei eröffnet sofort das Feuer, tötet über
100 StudentInnen und verletzt 750 von ihnen schwer. Die Folge ist eine
ungeahnte Solidarisierungswelle im ganzen Land, in deren Verlauf das Haus
des Vizepräsidenten angezündet wird. Am 26. 4. muss Diktator Rhee
schließlich auf Rat seiner Militärs und der Amerikaner zurücktreten.

04.05.1960 8000 DemonstrantInnen besetzen In den USA ein Büro für die
Verfolgung von Bürgern, die „unamerikanischer Umtriebe“ bezichtigt werden.
Als starke Polizeikräfte das Gebäude räumen und 68 StudentInnen dabei
verhaften, bilden sich an zahlreichen Universitäten Unterstützungskomitees für
die Ziele der DemonstrantInnen

30.06.1960 Die Republik Kongo erklärt ihre Unabhängigkeit von der


belgischen Kolonialmacht.

11.07.1960 In Katanga wird die Gründung einer Separatistenregierung unter


Tschombe bekanntgegeben, die vor allem eine Wirtschaftsunion dieses
Industriegebietes mit Konzernen der alten Kolonialmacht anstrebt. Daraufhin
bricht der kongolesische Ministerpräsident Lumumba - am 14. 7. - die
diplomatischen Beziehungen zu Belgien ab.

17.07.1960 Lumumba wird verschleppt und unter ungeklärten Umständen


ermordet

14.09.1960 Im HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/


Demokratische_Republik_Kongo" \o "Demokratische Republik Kongo" Kongo
ergreift HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph-Désiré_Mobutu" \o
"Joseph-Désiré Mobutu" Joseph-Désiré Mobutu in einem von der HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/CIA" \o "CIA" CIA und der ehemaligen
Kolonialmacht Belgien veranlassten Putsch die Macht.

20.12.1960 Gründung der Nationalen Befreiungsfront (FNL,


Vietkong)
in Südvietnam.
1961
1961 In Nicaragua wird die Nationale Sandinistische
Befreiungsfront (FSLN) gegründet.

03. – 04.04.1961 Sternmärsche von rund 10000 AtomwaffengegnerInnen in


der BRD. Die Vorstände von SPD und DGB hatten
zuvor ihren Mitgliedern die Teilnahme untersagt.

05.04.1961 Protestaktion von SDS-Mitglieder vor dem „Maison de France“ in


Berlin gegen den französischen Kolonialkrieg in Algerien. Fünf
FlugblattverteilerInnen werden vorübergehend festgenommen.

15.04.1961 B-26 Bomber der USA fliegen am 15. April einen Angriff gegen die
kubanische Luftwaffe und vernichtet diese. Am 16. April landen bei der Playa
Giron (Schweinebucht) 1 500 von der CIA ausgebildete und bewaffnete
exilkubanische Söldner. Nach drei Tagen sind die Invasoren von kubanischen
Frauen und Männern vernichtend geschlagen.
08.07.1961 Demonstration gegen einen Empfang, den der spanische
Generalkonsul in Berlin zum 25. Jahrestag des
faschistischen Putsches gegen die gewählte
Regierung der Republik Spaniens gibt. Nach einem
Gummiknüppeleinsatz der Polizei werden dreißig
DemonstrantInnen auf Einsatzwagen verladen und in
eine entlegene Gegend im Grunewald gefahren.

18.09.1961 Sitzstreik von Tausenden von AtomkraftgegnerInnen In London


unter der Leitung eines von dem Philosophen
Bertrand Russell gegründeten Komitees vor dem
britischen Verteidigungsministerium. Die Polizei
deportiert sie daraufhin in ein nahegelegenes
Amtsgericht, wo sie in einem Massenprozess
abgeurteilt werden.
1962
21. – 23.04.1962 Ostermarsch der AtomwaffengegnerInnen gegen die
geplante nukleare Bewaffnung der Bundeswehr.

22. – 26.06.1962 Schwabinger Krawalle Nach dem Versuch der


„Ordnungskräfte“, zwei Gitarrenspieler wegen ruhestörenden Lärms
festzunehmen, entwickeln sich an mehreren Tagen stundenlange
Straßenschlachten, in deren Verlauf die erbitterten Jugendlichen systematisch
von der Polizei zusammengeschlagen werden. Von den rund 200
festgenommenen StudentInnen, SchülerInnen und JungarbeiterInnen werden
acht in Haft behalten.

Die sogenannte „Spiegel-Affäre“: Wegen des Verdachts, in einem Artikel über


das NATO-Manöver „Fallex 2“ Staatsgeheimnisse verraten zu haben, lässt die
Bundesanwaltschaft in einer nächtlichen Aktion den Spiegel-Herausgeber
Rudolf Augstein verhaften. Als schließlich bekannt wird, dass ein Redakteur nur
auf Betreiben des Bundesverteidigungsministers Strauß in Spanien verhaftet
wurde, drohen die FDP-Minister mit Rücktritt aus der Bundesregierung,
woraufhin es zu einer Kabinettsumbildung kommt, in der Strauß nicht mehr
berücksichtigt wird. Nachdem es schon - am 31.10. - in Berlin zu einer
Solidaritätsdemonstration mit dem Spiegel gekommen war, folgen ihr - am 12.
11. - weitere Demonstrationen in nahezu allen bundesrepublikanischen
Universitätsstädten. Obwohl gegen Augstein ein Hauptverfahren wegen
Beweismangels niemals eingeleitet worden ist, wird er dennoch bis zum 7.
2.1963 in Haft behalten.

14. - 28.10.1962: Kuba-Krise. Als amerikanische Aufklärer sowjetische


Anlagen zum Abschussrampenbau für
Mittelstreckenraketen auf Kuba entdecken, reagiert
Kennedy mit einer Wirtschaftsblockade
(Seeblockade). Die Konfrontation zwischen den USA
und der Sowjetunion führt dicht an den 3. Weltkrieg
heran.
1963
12.04.1963 An elf Ostermärschen nehmen mehr als 30000 DemonstrantInnen
teil. 52 britische AtomwaffengegnerInnen, die in Düsseldorf auf Anweisung des
Bundesinnenministeriums am Betreten deutschen Bodens gehindert werden,
verbarrikadieren sich in ihrem Flugzeug.

Juni 1963 Beim Besuch des Präsidenten John F. Kennedy in Berlin gibt es
eine der ersten Flugblattaktionen gegen den Besuch von Kennedy und die
Kriegspolitik der USA in Vietnam.

01.12.1963 Nach einem von den USA lancierten Militärputsch, in dessen


Verlauf Diktator Diem ermordet wurde, erhöht das Pentagon
die Zahl der „militärischen Berater“ in Vietnam auf 16000.
Amerikanische Piloten beginnen damit, sogenannte
„Vietcongdörfer“ zu bombardieren.

20.12. 1963 In Frankfurt wird die Hauptverhandlung gegen 21 ehemalige


Angehörige des SS-Bewachungspersonals im
Konzentrationslager Auschwitz eröffnet.
1964
31.03.1964 Die CIA unterstützt in Brasilien einen Militärputsch. Der
linksgerichtete Präsident HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/João_Goulart" \o "João
Goulart" João Goulart (1918–1976) wird gestürzt. Es
erfolgt die Errichtung einer von den Vereinigten
Staaten favorisierten Militärdiktatur, die bis 1982 das
Land beherrscht.

01.06.1964 Die US-Luftwaffe beginnt mit dem Flächenbombardement auf


Südvietnam.

11. 06. 1964 Demonstration gegen die Wiederkandidatur des KZ-Baumeisters


Lübke zum Amt des Bundespräsidenten Dabei
werden in Berlin sechs StudentInnen verhaftet.

28. 07.1964 Tonking-Affäre, Im Golf von Tonking ist der US-Zerstörer „Maddox“
- amerikanischen Berichten zufolge - in
internationalen Gewässern von nordvietnamesischen
Torpedobooten angegriffen worden. Daraufhin
ordnet der Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson
als amerikanischer Präsident Luftangriffe auf das
Gebiet Nordvietnams an, die als
„Vergeltungsschläge“ durch den Kongress
genehmigt und praktisch mit der Operation
„Rollender Donner“ - im Februar 1965 - umgesetzt
werden. Die begründeten Zweifel an der
amerikanischen Darstellung der „Tonking-Affäre“
können erst 1971 mit der Veröffentlichung der
„Pentagon-Papiere“ erhärtet werden. Aus ihnen geht
unmissverständlich hervor, dass nur eine „Strategie
der Provokation“ die USA vor einem Zusammenbruch
ihrer militärischen Positionen bewahrte, die eine
„sorgfältig abgestimmte und geplante Bombardierung
Nordvietnams“ zur Folge habe.

14.09.- 08.12.1964 Als MalcolmX auf dem Campus der kalifornischen


Universitätsstadt Berkeley Redeverbot erhält und sämtlichen
Studentengruppen ein Versammlungsverbot erteilt wird, organisieren sich die
betroffenen Studenten zu einer „Free Speech Movement“. Als - am 2.10. - ein
Student aus Protest das Verbot übertritt, wird er von der Campus-Polizei
verhaftet. Beim Versuch, ihn abzutransportieren wird jedoch der Einsatzwagen
von 3000 StudentInnen eingekesselt und - das Dach als Rednertribüne
benutzend - über 36 Stunden auf dem Campus festgehalten. Als dann - am
2.12. - ein Disziplinarverfahren gegen vier StudentInnen eröffnet werden soll,
besetzen 6000 StudentInnen unter Anführung des Philosophiestudenten Mario
Savio und der Folksängerin Joan Baez das Verwaltungsgebäude der
Universität und funktionieren es in eine „Free University of California“ um. Als
daraufhin die Staatspolizei das Gebäude in einer nächtlichen Aktion räumt und
annähernd tausend BesetzerInnen verhaftet, wird am Morgen des 3. 12. auf
dem Campus der Generalstreik ausgerufen, der - am 8. 12. - schließlich mit der
Erfüllung aller studentischen Forderungen und einer Generalamnestie aller
Beschuldigten endet.
Dezember 1964 Die Berliner und die Münchner Sektion des SDS verfassen
gemeinsam ein Flugblatt zum Tschombé-Besuch in Berlin. Tschombé ist seit
dem 10.7.1964 Ministerpräsident des Kongo, später Zaire. Nach der Ermordung
von Lumumba (am 12.2.1961) errichtete er eine Diktatur. Anlässlich des
Besuches von Tschombé kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Anfang der antiautoritären StudentInnen- und Jugendbewegung in Berlin.
1965
07.02.1965 Wegen eines Vietcong-Angriffs auf Pleiku fordert US-Präsident
Johnson „Vergeltung“ und lässt Nordvietnam bombardieren. Daraufhin
protestieren - am 9. 2. - Tausende von StudentInnen der Moskauer Lumumba-
Universität gegen die Luftangriffe und demolieren mit Tintenfässern und
Steinen die Hausfront der amerikanischen Botschaft. Am 4.3. schließlich greifen
2000 StudentInnen der Lumumba-Universität nochmals das amerikanische
Botschaftsgebäude an. Dabei durchbrechen sie mehrmals die Absperrungen
der sowjetischen Volksmiliz. Mehrere Polizisten und DemonstrantInnen werden
dabei verletzt, sieben StudentInnen verhaftet.

21. 02.1965: In Harlem (USA) wird Malcolm X, Führer der militanten


Schwarzen-Bewegung, ermordet.

01.03.1965 Hunderte indonesischer StudentInnen dringen in Djakarta in die


Wohnung des US-amerikanischen Botschafters ein und
bekleben die Wände mit Plakaten gegen die US-
Intervention.

24. 03. 1965 Zur Vorbereitung des ersten Marsches auf Washington
nehmen an der Universität von Michigan 3000
StudentInnen und ProfessorInnen an einer Veranstaltung
gegen den Vietnamkrieg teil, die erstmals als Teach-in
bezeichnet wird.
01.05.1965 Während der Maikundgebung am Berliner Reichstag, zu der über
300000 ZuhörerInnen erschienen sind, greifen DGB-Ordner SDS-Mitglieder an
und zerstören ihre Transparente, auf denen die Verhinderung der
Notstandsgesetze gefordert wird.
07.05.1965 Eine für das Auditorium maximum geplante Podiumsdiskussion
mit dem Titel „Restauration oder Neubeginn - die
Bundesrepublik 20 Jahre danach“ muss in ein
Studentenhaus verlegt werden, weil gegen den als Redner
auftretenden Journalisten Erich Kuby ein vom Rektor
verhängtes Hausverbot nicht aufgehoben wird. Kuby hatte
in einer Rede auf die antithetische Bindung des Namens
Freie Universität an die Humboldt-Universität in Ost-Berlin
aufmerksam gemacht und war deshalb schon 1960 mit
dieser Sanktion belegt worden. Als Folge dieses
universitären Redeverbots wird - vom 10. bis 15. 5. - eine
„Picketing line“ mit Protestplakaten um das FU-Gebäude
gebildet und am 18. 5. im Otto-Suhr-Institut der Politologen
ein befristeter Streik durchgeführt, mit dem für einen Tag
alle Vorlesungen und Seminare boykottiert werden.

30.05.1965 In Bonn findet der vom SDS und anderen Gruppen organisierte
Kongress „Demokratie vor dem Notstand“ statt, als Protest
gegen die geplanten Notstandgesetze

04.08.1965 1 000 Luftangriffe der USA auf Ziele in Nordvietnam.

15.09.1965 Straßenschlacht in Berlin nach einem Konzert der englischen


Rockgruppe „The Rolling Stones“ auf der Berliner
Waldbühne. 85 Jugendliche werden festgenommen und 87
verletzt. Der Sachschaden - 17 S-Bahn-Züge sind
demoliert, zum Teil umgestürzt - beträgt fast eine halbe
Million DM.

15.-16.10.1965 Vietnam Day in den USA mit über 100 000 Studentinnen In
über dreißig amerikanischen Universitäten und Colleges. In
Berkeley gehen dabei 1000 Polizisten und 700
Nationalgardisten mit aufgepflanzten Bajonetten gegen
10.000 StudentInnen vor, die am Militärstützpunkt Oakland
die weitere Verschickung von amerikanischen Truppen
nach Südvietnam zu verhindern versuchen.

27.11.1965 Am zweiten „Marsch auf Washington“ nehmen über 40000


GegnerInnen des Vietnam-Krieges aus allen Teilen der
Vereinigten Staaten teil.
1966
05.02.1966 2.500 StudentInnen demonstrieren in West-Berlin gegen den
Vietnamkrieg - eine der ersten Demonstrationen gegen den
Vietnamkrieg. Sie legen zeitweise den Verkehr in der
Innenstadt lahm. Anschließend zieht ein Teil von ihnen vor
das Amerikahaus in der Hardenbergstraße und bewirft es
mit Tomaten und Eiern.

08.02.1966 Berliner CDU, die Junge Union Berlin und RCDS rufen zu einer
‚Sympathiekundgebung' gegen die ‚antiamerikanischen
Ausschreitungen einiger linksorientierter StudentInnen auf..
Ungefähr 600 CDU-Mitglieder, SympathisantInnen und
StudentInnen aus schlagenden Verbindungen nahmen mit
Fackeln an der Kundgebung teil. Mehrere Jugendliche mit
langen Haaren, die sich dort in der Nähe aufhielten, wurden
von den KundgebungsteilnehmerInnen unter
Gewaltanwendung und mit der Parole ‚Gammler raus' in
den S-Bahnhof Zoo gedrängt und gezwungen, eine
Fahrkarte nach Friederichstraße (damaliges DDR-Gebiet)
zu lösen. Anschließend wurden die Jugendlichen auf den
Bahnsteig geschleift. Amrehns Ausführungen über die
‚geistige Knochenerweichung' der akademischen Jugend
waren typisch für die Pogromstimmung an jenem Abend.
Die Mehrheit der Mitglieder zeigte sich damals davon
überrascht, welches ‚faschistische Potential' in Westberlin
noch existiert und wie kurzfristig dieses mobilisierbar war.“

26.03.1966 Demonstration in New York am „Internationalen Tag des Protests“


gegen den Vietnamkrieg, an der sich 100.000
DemonstrantInnen beteiligen. Zur gleichen Zeit finden in
zahlreichen anderen nordamerikanischen und kanadischen
Städten weitere Demonstrationen statt. Auch in Rom
demonstrieren 20 000 gegen den Krieg in Vietnam.

28.04.1966 15.000 StudentInnen und 200 ProfessorInnen treten in einen


politischen Streik, nachdem die spanische Regierung die
Universitäten in Barcelona geschlossen hat

22.05.1966 SDS-Kongress an der Frankfurter Universität „Vietnam - Analyse


eines Exempels“, an dem über 2000 StudentInnen,
ProfessorInnen und GewerkschafterInnen teilnehmen.

19.06.1966 Nachdem schon am Vortag 17000 GewerkschafterInnen gegen


den in Karlsruhe stattfindenden 2. Bundesparteitag der
NPD protestiert hatten, formieren sich 2000 SchülerInnen
und StudentInnen zu einem Sitzstreik „gegen
Neofaschismus und Neonazis“.

22.-23.06.1966 Über 3000 StudentInnen protestieren an der FU mit einem


zehnstündigen Sit-in gegen das Raumverbot für politische
Veranstaltungen und diskutieren in einem improvisierten
Teach-in mit mehreren ProfessorInnen über eine
demokratische Hochschulreform, an dessen Ende eine
Resolution verabschiedet wird, in der zum erstenmal der
gesellschaftliche Bezug der Universität zu definieren
versucht wird. Kurz darauf hebt der Akademische Senat
seinen Beschluss über das Raumverbot - vom 16. 2. -
wieder auf.

08.07.1966 Bei einer Vietnam-Demonstration von 2000 FU-StudentInnen vor


dem Henry-Ford-Bau in Berlin kommt es zu Schlägereien
mit Mitgliedern des CDU-nahen RCDS.

01.10.1966 In Frankfurt erscheint der 1965 in den USA herausgegebene


Essay Herbert Marcuses Repressive Toleranz zum
erstenmal in deutscher Sprache. Die darin enthaltene
Sentenz, dass es für unterdrückte und überwältigte
Minderheiten ein „Naturrecht auf Widerstand gibt,
außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die
gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben“,
beeinflusst das Selbstverständnis des SDS nachdrücklich.

06.10. 1966 In der kalifornischen Stadt Oakland gründen Huey Newton und
Bobby Seale die Black Panther Party. Diese militante
Organisation der Farbigen betrachtet die Großstadtgettos
als innere Kolonien der USA und will deren
EinwohnerInnen mit Waffengewalt gegen Übergriffe
schützen, um dadurch das Selbstbewusstsein der Farbigen
zu wecken.

Ende Okt. 1966: Kongress gegen die Notstandsgesetze unter dem Motto:
Notstand der Demokratie. Trotz einer breiten Bewegung von
SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen bis zur Oppositionellen der Neuen
Linken, die mit Sternmärschen, Demonstrationen und anderen Protestformen
die Notstandsgesetze zu verhindern versuchen, werden sie 1968
verabschiedet. Die BRD schafft sich ein Instrumentarium, um sich für eine noch
zu erwartende innenpolitische Auseinandersetzung zu wappnen. Die
Notstandsgesetze ermöglichen den Einsatz von Polizei, BGS und Bundeswehr
unter Umgehung des Parlaments durch die Bundesregierung, sowie die
Einschränkung der Grundrechte im sog. Notstandfall, weiterhin die Ausstattung
der Geheimdienste mit exekutiven Befugnissen, evtl. sogar Ausrufung des
Notstandes durch Lageberichte der Geheimdienste. In den später
hinzukommenden Durchführungsbestimmungen vom 21.11.1968 wird zudem
die Zusammenarbeit der Geheimdienste mit den Strafvollstreckungsbehörden,
der Einsatz der Sicherungsgruppe Bonn als bundesweite Ermittlungsorgane für
Staatsschutzdelikte, sowie die monatliche Beratung des Staatssekretär-
Ausschusses für Sicherheitsfragen präzisiert.

03. – 10.12.1966 Im Verlauf einer von mehreren Hochschulgruppen


durchgeführten Vietnam-Woche in Berlin kommt es- am
6.12. - bei einer Parallelveranstaltung des RCDS mit dem
südvietnamesischen Botschafter zu Tumulten, in deren
Verlauf der Botschafter schließlich den Saal fluchtartig
verlassen muss. Auf der Abschlusskundgebung der
Vietnam-Woche - am 10.12. - fordert das SDS-Mitglied Rudi
Dutschke die 2000 DemonstrantInnen zur Bildung einer
„Außerparlamentarischen Opposition“ auf. Als
Kommunarden im Anschluss daran ein
weihnachtspolitisches Happening veranstalten, auf dem
unter den Klängen deutscher Weihnachtslieder die
Pappmache-Köpfe von Lyndon B. Johnson und Walter
Ulbricht verbrannt werden, greift die Polizei ein und
verhaftet mehrere DemonstrantInnen.

18.12.1966 Gegen die Taktik des Innensenators Heinrich Albertz,


Demonstrationen in menschenleere Stadtteile zu verlegen, führen mehrere
hundert StudentInnen eine „Spaziergänger-Demonstration“ auf den
Bürgersteigen des Berliner Kurfürstendamms durch. Daraufhin verhaftet die
Polizei insgesamt 90 von den PassantInnen, unter denen sich auch
Hausfrauen, Journalisten und Rudi Dutschke, mit einem Weihnachtspaket unter
dem Arm, befinden.
1967
01.01.1967 Jane Adams, Mitglied des amerikanischen SDS, prägt in einem
Aufsatz der Zeitschrift New Left Notes mit dem Titel Für die
Gleichberechtigung der Frau das Schlagwort vom male
chauvinism, dem männlich-sexistischen Chauvinismus.

13.01.1967 In Barcelona rufen StudentInnenvertreter den „Jahrestag des


Protests gegen politische Unterdrückung“ aus. 1000
StudentInnen stürmen nach dem Teach-in das Gebäude
der korrupten, offiziellen Studentengewerkschaft,
zertrümmern die Büroräume und werfen das Mobiliar zum
Fenster hinaus.

26.01.1967 Vier DemonstrantInnen werden auf dem Berliner Kurfürstendamm


verhaftet, als sie gegen eine Kranzniederlegung
Bundeskanzler Kiesingers in der nationalsozialistischen
Hinrichtungsstätte Plötzensee demonstrieren. Kiesinger war
im Dritten Reich Mitarbeiter von Goebbels im
Propagandaministerium.

27.01.-03. 02.1967 Illegale spanische StudentInnenorganisationen führen


einen Demonstrationszug durch, in dessen Verlauf 700
Madrider StudentInnen vom Campus geprügelt werden. Als
daraufhin sich am Abend 100.000 ArbeiterInnen mit den
StudentInnen solidarisieren, werden 200 DemonstrantInnen
bei den anschließenden Kämpfen mit der Polizei verhaftet.
Auch im übrigen Spanien bricht eine Verhaftungswelle aus,
bei der über 500 weitere politische AktivistInnen inhaftiert
werden. Die StudentInnen reagieren mit Vorlesungsstreiks,
Demonstrationen und illegalen Versammlungen an nahezu
allen spanischen Universitäten. In Valencia legen aus
Solidarität 60.000 Industriearbeiter und 2300 Eisenbahner
ihre Arbeit nieder

01. – 11.02.1967 In Italien wird an allen Universitäten ein Generalstreik zur


Durchführung einer umfassenden Studienreform
durchgeführt. Die 10000 DozentInnen streiken - bis zum 4.
2. -, die 400000 StudentInnen jedoch bleiben mit ihren
AssistentInnen zusammen - bis zum 11. 2. - dem
Vorlesungsbetrieb fern

11.02.1967 In Frankfurt demonstrieren 800 StudentInnen gegen den Vietnam-


Krieg. Als berittene Polizei gegen einen Sitzstreik vor dem
amerikanischen Generalkonsulat eingesetzt wird, ziehen
die DemonstrantInnen ins Stadtzentrum und blockieren den
Verkehr.

26.03.1967 Beim erstmals in Berlin veranstalteten Ostermarsch der Kampagne


für Abrüstung ziehen 3000 DemonstrantInnen durch die
Stadt. Als 150 von ihnen nach der Schlusskundgebung mit
einer Vietcong-Fahne zum Amerikahaus ziehen und die
Fassade mit roten Farbbeuteln bewerfen, werden drei
Studenten festgenommen.

05.04.1967 In West Berlin verhaftet die Polizei Kommunarden, die ein


„Puddingattentat“ auf den US amerikanischen
Vizepräsidenten Humphrey geplant hatten. 2000
StudentInnen demonstrieren gegen seinen Besuch in der
Stadt.

21.04.1967 In Griechenland findet unter Anführung des Obersten


Papadopoulos ein Militärputsch statt,. Die
parlamentarischen Institutionen werden außer Kraft gesetzt,
die Massenmedien unter Kontrolle genommen und mehrere
Tausend politischer Gefangener auf Inseln in
Konzentrationslagern festgehalten.

02.05.1967 Die Black Panther rufen zur Bewaffnung der schwarzen


Bevölkerung im Kampf gegen Rassismus und Kapitalismus auf.

02.06.1967: 2000 StudentInnen und SchülerInnen demonstrieren vor dem


Schöneberger Rathaus. Als beim Eintreffen des Schahs Rauchkerzen und Eier
fliegen, prügeln schahfreundliche „Jubelperser“ mit Stahlrohren auf die
Demonstranten ein. Bei einer zweiten Manifestation am Abend vor der
Deutschen Oper kommt es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei,
die mit zivilen Greiftrupps flüchtende StudentInnen einzufangen versucht. Dabei
wird der 26-jährige Student Benno Ohnesorg auf einem Parkhof von dem
Kriminalobermeister Kurras von hinten erschossen. Der Tod Benno Ohnesorgs
hat eine Welle der Empörung an allen bundesdeutschen Universitäten
ausgelöst; fast überall werden Solidaritäts-Resolutionen verfasst und
Trauerkundgebungen veranstaltet.

05.-10.06.1967 Der dritte israelisch-arabische Krieg endet mit der


Besetzung der Sinai-Halbinsel und Teilen von Jordanien -
unter anderem der Altstadt Jerusalems - durch die Israelis.

12.-17.07.1967 Nachdem es schon in den beiden vorhergehenden


Sommern zu vereinzelten Aufständen in den Gettos von Los
Angeles und Cleveland gekommen war, löst eine
massenhafte Revolte in Newark, bei der es durch den
Einsatz von 4000 Polizisten und Nationalgardisten zu 27
Todesopfern und 1100 Verletzten kommt, eine wahre
Kettenreaktion in mehr als 100 amerikanischen Städten
aus. Als sich daraufhin - vom 20. bis 24. 7. - über 1000
Delegierte zu einer Black Power-Konferenz in Newark
treffen, um Boykott- und Widerstandsmaßnahmen zu
beschließen, bricht am letzten Tag der Konferenz erneut
eine schwere Revolte - diesmal in der Automobilstadt
Detroit - aus. Unter dem Einsatz von Rauchbomben,
Nervengas, Panzern und Hubschrauberstaffeln schlagen
16.000 Uniformierte den mehrtägigen Aufstand nieder. 41
Farbige werden getötet, 2000 verletzt und über 4000
verhaftet; der Sachschaden wird über 2 Milliarden DM
geschätzt. Trotz einer aussichtslosen militärischen Lage
haben in Newark und Detroit zum erstenmal organisierte
Stadtguerilla-Gruppen der Black Panther in den Kampf
eingegriffen

19.08.1967 Während einer amerikanischen Militärparade in Berlin werden


StudentInnen, die gegen den Vietnam-Krieg protestieren,
von Zuschauern verprügelt.

Herbst 1967 Beginn der StudentInnenbewegung in Italien. In Trient besetzen


die StudentInnen die Universität. Sie lehnen die
akademischen Hierarchien ab und proben nicht
traditionelle Seminarformen. (Negative Universität). Die
StudentInnen lehnen die gesellschaftliche Funktion der
Universität ab, sie weisen ihre Ausbildung zu Fachkräften
der kapitalistischen Gesellschaft zurück und arbeiten
Alternativen für die Politisierung und den revolutionären
Gebrauch von Kultur und Wissen aus.

09.10.1967 Ernesto Che Guevara wird in Bolivien nach seiner


Gefangennahme ermordet.

21.10.1967 In Washington belagern 250.000 DemonstrantInnen aus Protest


gegen den Vietnam-Krieg das Pentagon. Die Regierung
setzt gegen sie rund 10000 Polizisten, Nationalgardisten
und Fallschirmjäger ein, die über 600 DemonstrantInnen
verhaften. Auch in London, Paris, Berlin, Rom, Oslo,
Amsterdam und Tokio kommt es zu
Massendemonstrationen gegen den Vietnam-Krieg.

09.11.1967 Bei der feierlichen Rektoratsübergabe in Hamburg kommt es zu


Zwischenfällen, während denen ein Transparent mit der
Aufschrift „Unter den Talaren - Muff von tausend Jahren“
entrollt wird, um gegen die Ordinarienuniversität zu
protestieren. Zu ähnlichen Zwischenfällen kommt es noch
während des ganzen Monats Oktober in den Universitäten
von Heidelberg, Tübingen, Marburg und an der Berliner TU.

23.11.1967 Der Mörder von Benno Ohnesorg, Kriminalobermeister Kurras,


wird in Berlin von der Anklage der fahrlässigen Tötung
freigesprochen
1968
1968 Explosion der Arbeitskämpfe in Italien. In den Fabriken von Mailand und
Turin entstehen Basisgruppen, die aus dem Rahmen der
Gewerkschaften ausbrechen, die Politik von
Vollversammlungen durchsetzen, zur direkten Wahl von
RepräsentantInnen übergehen und daneben gleichzeitig zu
radikalen Mitteln greifen.

17.-18.01.1968 In der japanischen Hafenstadt Sasebo, wo der US-


Flugzeugträger „Enterprise“ aus dem Golf von Tonking vor
Vietnam erwartet wird, greifen etwa 1000 mit Helmen und
Stöcken ausgerüstete Zengakuren-Studenten eine
Barrikade der Polizei an. Obwohl sie unablässig mit
Tränengasbomben beschossen werden, gelingt es ihnen,
die auf einer Brücke stehende Barrikade hinunterzuwerfen.
Nun werden sie von mehreren Spezialtruppen der Polizei
unter dem Einsatz von Panzerfahrzeugen eingezingelt und
Schritt für Schritt bis zur Bewusstlosigkeit
zusammengeschlagen. Daraufhin solidarisiert sich die
anfänglich reservierte Bevölkerung von Sasebo mit den
Studenten und bewirft bei der Ankunft der „Enterprise“ - am
19. 01. - eigenhändig die Polizeisperren mit Steinen.

30.01.1968 Beginn der Tet-Offensive der FNL (Tet = Vietnamesisches


Neujahrsfest). Der Vietcong beginnt eine Offensive gegen das
südvietnamesische Militärregime, die zu einem großen Erfolg wird. Große Teile
des Landes werden unter Kontrolle der FNL gebracht.

04. 02.1968 Während eines go-in im Bonner Rektorat wird ins Goldene Buch
der Universität der Unterschrift von Bundespräsident
Heinrich Lübke die Bezeichnung „KZ-Baumeister“
beigefügt. Lübke hatte im Dritten Reich als Architekt Pläne
zum Bau von Konzentrationslagern ausgearbeitet.

10.02.1968 12.000 Menschen auf der Anti-Vietnam-Kriegs-Demo in


Berlin.

17./18.02.1968 Vietnam-Kongress. An der TU in Berlin findet der


Internationale Vietnam-Kongress statt, der Höhepunkt der Vietnam-Kampagne,
an der sich zahlreiche ausländische Delegationen beteiligen. Nach Aufhebung
eines vom Senat erlassenen Demonstrationsverbotes nehmen über 12 000
Menschen an der Abschlussdemonstration teil.

21.02.1968 Nachdem das Verbot der Vietnam-Demonstration vom Berliner


Senat nicht aufrechterhalten werden konnte, mobilisiert er zusammen mit dem
DGB und dem Springer-Konzern zu einer Gegenkundgebung vor dem
Schöneberger Rathaus. Nach dem Motto „Berlin darf nicht Saigon werden!“
formieren sich etwa 80.000 BerlinerInnen in planmäßigen Marschsäulen. Die
Behörden hatten ihren MitarbeiterInnen schon Stunden vorher frei gegeben.
Während dieses obrigkeitsstaatlich verordneten Demonstrationszuges kommt
die von Springer-Zeitungen systematisch angeheizte Pogromstimmung
gegenüber StudentInnen, Langhaarigen, Intellektuellen usw. voll zum
Ausbruch. Über vierzig „Verdächtige“ wurden zusammengeschlagen, drei von
ihnen müssen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

16.03.1968 Massaker von My-Lai (Südvietnam), alle 500 BewohnerInnen des


Dorfes werden von Einheiten der US-Armee ermordet.

02.04.1968: Zusammen mit Gudrun Ensslin beteiligt sich Andreas Baader an


Brandanschlägen auf zwei Frankfurter Kaufhäuser. Baader
und Ensslin werden daraufhin festgenommen. Nach
eigenen Angaben wollten sie mit den Anschlägen gegen
die Gleichgültigkeit protestieren, mit der die Menschen in
der Bundesrepublik den Krieg in Vietnam hinnehmen.
Drei Tage später werden Thorwald Proll, Gudrun Ensslin,
Andreas Baader und Horst Söhnlein festgenommen und im
Oktober zu je drei Jahren Haft verurteilt.

04.04.1968 In der amerikanischen Stadt Memphis wird der Repräsentant der


gewaltlosen, passiven Widerstandsbewegung der Schwarzen, Martin Luther
King, erschossen. Daraufhin kommt es in 125 Großstädten zu spontanen
Aufständen der farbigen Gettobevölkerung. In tagelangen
bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit 22.000 Polizisten und
34.000 Nationalgardisten werden 46 Aufständische getötet, 2600 verletzt und
über 21.000 verhaftet.

11.04.1968 Rudi Dutschke wird in West-Berlin von Josef Bachmann, der


rechtsradikalen Kreisen nahestand, durch eine Kopfschuss lebensgefährlich
verletzt. Unmittelbar nach dem Attentat kommt es in der BRD und West-Berlin
zu den bisher größten und militantesten Demonstrationen (Osterunruhen).
Unter dem Motto BILD hat mitgeschossen wird die Auslieferung der Springer-
Presse verhindert (Springer Blockade). Es kommt zu tagelangen
Straßenschlachten mit der Polizei. Beginn der „Enteignet Springer“-Kampagne.

Pariser Mai 1968: Ausgangspunkt der Unruhen ist die Besetzung der Pariser
Universitäten. Am 3. Mai 1968 wird in Paris die Sorbonne von der Polizei
geräumt, was zu einer Straßenschlacht im Quartier Latin führt. Nach militanten
Kämpfen an den Universitäten solidarisieren sich Millionen von ArbeiterInnen
mit einem Generalstreik und gemeinsamen Demonstrationen. Im Juni 1968
werden die Renaultwerke bei Flins besetzt und am 11. Juni 1968 kommt es
zum Aufstand bei Peugeot-Montbéliard. Im Morgengrauen fällt die CRS
(Republikanische Kompanie für Sicherheit) in die Fabrik von Peugeot-
Monbéliard ein. Ein Arbeiter wird von einem Polizisten erschossen und vier
Kollegen werden schwer verletzt. Daraufhin kommt es zu schweren
Auseinandersetzungen, in deren Verlauf 11 Polizisten der CRS getötet werden.
Im besetzten Pariser Odeon-Theater wird permanent über die Möglichkeit einer
Kulturrevolution diskutiert. Frankreichs Staatspräsident De Gaulle löst am 30.
Mai 1968 als Reaktion auf den Pariser Mai das Parlament auf und ordnet zum
10. Juni vorgezogene Neuwahlen an. Einige Tage davor flüchtet er jedoch zu
seinen Panzertruppen ins Saarland und setzt diese in Marsch auf Paris.
Daraufhin distanziert sich die Kommunistische Partei Frankreichs (KPF) von
dem Aufstand und sorgt dafür, dass die ArbeiterInnen wieder in die Betriebe
gehen.
Im September 1968 gründet sich in Frankreich die Gauche Prolétarienne als
selbstständige Organisation aus der Mai-Bewegung.

11. 05.1968: 70 000 Menschen demonstrieren in Bonn gegen die


Notstandsgesetze, die dann am 30. Mai 1968 von der Großen Koalition
verabschiedet werden. Diese ermöglichen im Spannungs- oder Kriegsfall
Einschränkungen des Streikrechts, des Post- und Fernmeldegeheimnisses und
der Freizügigkeit von Personen. Außerdem werden die Geheimdienste mit
exekutiven Befugnissen ausgestattet, sowie der Einsatz von Polizei, BGS und
BW durch die Bundesregierung unter Umgehung des Parlaments ermöglicht.

31.05.1968 In Zürich kommt es im Anschluss an ein Konzert von HYPERLINK


"http://de.wikipedia.org/wiki/Jimi_Hendrix" \o "Jimi Hendrix"
Jimi Hendrix im und vor dem Hallenstadion zu massiven
Ausschreitungen zwischen Konzertbesuchern und der
Polizei, die in Erinnerung an das Rolling-Stones-Konzert im
Vorjahr mit einem Grossaufgebot angerückt war. Die FASS
kritisierte den harten Polizeieinsatz heftig. Im leerstehenden
Globus-Provisorium organisierte die FASS darauf ein
zweitägiges Fest, das mit einer illegalen Besetzung der
Liegenschaft endete. Sie sollte als „ HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Autonomes_Jugendzentrum" \o
"Autonomes Jugendzentrum" Autonomes Jugendzentrum“
der Jugend der Stadt den nötigen Raum für eine alternative
Kulturentwicklung bieten und solange besetzt bleiben, bis
die Stadtbehörden ein geeigneteres Lokal für
Großveranstaltungen bereitstellen würden.

Juni 1968 Die Frankfurter Kaufhausbrandstifter erhalten bis zur


Entscheidung über die Revision Haftverschonung

26.06.1968 In Zürich kommt es zu mehrtägigen Straßenschlachten zwischen


Polizei und DemonstrantInnen, den sogenannten
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Globuskrawalle&action=edit" \o "Globuskrawalle"
Globuskrawallen, in denen die Polizei mit massivem
Gewalteinsatz die Jugendbewegung zu zerschlagen
suchte.

21. 8. 1968 Nach dem Scheitern von drei kurzfristig angesetzten


Ostblockkonferenzen über den Reformkurs der KP der
CSSR und den daraufhin angesetzten Manövern der
Warschauer Pakt-Truppen entlang der
tschechoslowakischen Grenzen besetzen in der Nacht zum
21. 8. Truppen der Sowjetunion, der DDR, Ungarns, Polens
und Bulgariens die CSSR. Obwohl große Teile der
Bevölkerung der Okkupation passiven Widerstand
entgegensetzen, sind Staatspräsident Svoboda (zu
deutsch: Freiheit) und Parteichef Alexander Dubcek dazu
gezwungen, sich die Bedingungen eines sogenannten
„Truppenstationierungsvertrages“ von 200000 Soldaten des
Warschauer Pakts - am 16.10. - oktroyieren zu lassen.

September 1968 Auf der 23. Delegierten Konferenz des SDS in Frankfurt
interveniert der Berliner Aktionsrat für die Befreiung der
Frau. Seine Sprecherin Helke Sanders wirft den
antiautoritären SDS-Autoritäten vor, in der Organisation
würden Frauen genauso unterdrückt wie sonst in der
Gesellschaft. Als Hans Jürgen Krahl, der nächste Redner,
auf diesen Beitrag nicht eingeht, wird er von den Frauen mit
Tomaten beworfen. Das Private ist Politisch! Diese Initiative
ist einer der Auslöser für die Neue Frauenbewegung.
Überall in der BRD werden Weiberräte gegründet.

02.10.1968 Nachdem es in Mexiko schon in den Sommermonaten zu


erbitterten Straßenschlachten mit der Polizei gekommen
war, bei denen es Todesopfer und Hunderte von Verletzten
gegeben hatte, verschärft sich die Lage in Anbetracht der
bevorstehenden Olympischen Spiele immer mehr. Als die
Massendemonstrationen der SchülerInnen und
StudentInnen auf dem Paseo de Reforma, der Prachtstraße
in Mexico City, bis auf eine Zahl von einer halben Million
anschwillt, lässt das Regime, das einen internationalen
Prestigeverlust befürchtet, reguläre Armee-Einheiten in die
Hauptstadt einmarschieren und die Universitäten und
Hochschulen besetzen. Nach tagelangen Abwehrgefechten
kommt es in der Nähe des Polytechnikums zum Blutbad des
„mexikanischen Herbstes“. Nach einem dreistündigen
Blutbad, in dessen Verlauf über 5000 Soldaten mit mehr als
300 Panzern und zwei Hubschraubern gegen die
wehrlosen Studenten eingesetzt werden, ist der
Kundgebungsplatz mit Toten und Verwundeten übersät. Bei
der Eröffnung der XIX. Olympischen Sommerspiele am 12.
10. erinnern außer einigen Militärposten nur noch
Blutspuren an die 500 Toten und über 2000 Verhafteten,
die das Massaker „zur Herstellung von Ruhe und Ordnung
für die olympische Begegnung der Jugend aus aller Welt“
gekostet hat.

24.10.1968 Die beiden Farbigen Tommie Smith und John Carlos, die
Gewinner der Gold- und Bronzemedaille im 200-m-Lauf,
demonstrieren bei der Siegerehrung für die Black-Power-
Bewegung, indem sie schwarze Handschuhe tragen, dem
Sternenbanner den Rücken zukehren und während des
Abspielens der Nationalhymne die geballte Faust zum
Himmel strecken. Daraufhin werden sie auf der Stelle aus
der US-Mannschaft ausgeschlossen.

04.11.1968 Die Schlacht am Tegeler Weg. In einer bis dato nicht gekannten
organisierten Militanz gehen die DemonstrantInnen gegen die Einsatzkräfte
vor. Es ist die letzte Demonstration, bei der Einsatzkräfte noch die alten
Tschakos tragen. Danach wird in Berlin eine neue Polizei-Einsatzgruppe mit
Helmen eingesetzt. Nach der Schlacht am Tegeler Weg gibt es vor allem
innerhalb des SDS heftige Diskussionen über Gewalt und
Gesellschaftsveränderung. Der SDS spaltet sich in den darauffolgenden
Auseinandersetzungen.

08.11.1968 Beate Klarsfeld ohrfeigt den damaligen Bundeskanzler Kiesinger


und ruft: Faschist!. Lübke (damaliger Bundespräsident) und Kiesinger hatten
bereits unter den Nazis Karriere gemacht. Kiesingers Tätigkeit als
Verbindungsmann des Außenministeriums zum NS-Propagandaministerium ist
für Beate Klarsfeld Anlass, die Tätigkeit ehemaliger Nazis in hohen öffentlichen
Ämtern in der BRD zu thematisieren. Beate Klarsfeld wird noch am selben Tag
in einem Schnellgerichtsverfahren zu einem Jahr Haft verurteilt.
Der Mann, der Rudi Dutschke mit einer Krücke blutig
geschlagen hatte, war zu 200 DM Geldstrafe verurteilt
worden.
1969
1969 Einhergehend mit der Auflösung des SDS bilden sich in der BRD diverse
kommunistische Parteien, die sogenannten K-Gruppen. Bei Smoke-Ins im
Tiergarten gründet sich unter anderem als Antwort auf die vielen studentischen
Parteigrüppchengründungen der Zentralrat der Umherschweifenden
Haschrebellen.

19.01.1969 Nach zweitägigen erbitterten Kämpfen, bei denen sich die


Belagerten mit einem Hagel von Steinen und Molotow-
Cocktails verteidigten, gelingt es 8000 japanischen
Polizisten, die letzte Bastion der von Zengakuren besetzten
Tokioer Universität zu räumen. Erst unter dem massiven
Einsatz von Hubschrauberstaffeln, Tränengasbomben und
Schneidbrennern geben die StudentInnen den seit Juni
vergangenen Jahres besetzten Turm des
Auditoriumsgebäudes auf.

24.01.1969 Nach StudentInnenunruhen in Spanien verhängt Franco den


Ausnahmezustand.

18.04.1969 Straßenschlachten in Derry in Nordirland. Die IRA nimmt den


bewaffneten Kampf wieder auf.

01.06.1969: Die Verkehrsbetriebe in Hannover erhöhen die Fahrpreise.


Daraufhin werden sie wochenlang bestreikt und lahmgelegt. Es findet die erste
Rote-Punkt-Aktion statt. Durch das Ankleben eines roten Punktes an der
Frontscheibe ihres Pkws signalisieren FahrerInnen, dass sie bereit sind, Leute
mitzunehmen. Es wird die Rücknahme der Fahrpreiserhöhung erreicht.

27.06.1969: In einer Bar in der Christopher Street in New York wehren sich
Schwule militant gegen eine der üblichen Razzien.

02. – 06.09.1969 Streik bei Fiat, 8.000 Arbeiter der Hallen 32 und 33 des
Hauptwerkes der FIAT im Turiner Stadtteil Mirafiori gelingt
es , innerhalb von 4 Tagen die gesamte Produktion von
normalerweise 4.500 Autos pro Tag lahmzulegen,

25.09.1969 Generalstreik in Italien mit einer am 25. September 1969 mit


600.000 Metallarbeitern durchgeführten Demonstration in
Turin

08.10.1969 Die US-Gruppe Weatherman sprengen als erstes in Chicago ein


Mahnmal in die Luft, das den Opfern unter der Polizei bei
den HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Haymarket_Riot" \o "Haymarket Riot" Haymarket Riots 1886
gewidmet ist. Daraufhin bricht in Chicago der Aufstand
„Days of Rage” aus, der 4 Tage andauert, während deren
287 Weatherman verhaftet werden und einer getötet wird.

15.10.1969 In Washington demonstrieren 250.000 Menschen gegen den


Vietnamkrieg

05.12.1969 Im Morgengrauen werden zwei Mitglieder der Black Panther Party


in ihren Betten von der Chicagoer Polizei erschossen; unter
ihnen Fred Hampton, der Führer der Chicagoer Gruppe
06.12.1969 Mehrere Fahrzeuge der Chicagoer Polizei auf dem
Polizeiparkplatz in 3600 North Halsted Street, werden
zerbombt. Die Weather Untergrundorganisation (WUO)
nannten später in ihrem Buch Prairie Fire als Grund, dass
sie gegen die Erschießung der HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Black_Panther_Party" \o "Black
Panther Party" Black Panther Party Führer HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Fred_Hampton" \o "Fred
Hampton" Fred Hampton und HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Mark_Clark" \o "Mark Clark" Mark
Clark durch Polizisten zwei Tage zuvor protestierten.

12.12.1969 Als die Massenbewegung der StudentInnen und ArbeiterInnen


ihren Höhepunkt erreicht, explodiert in der
Landwirtschaftsbank Mailands eine Bombe, die 16
Menschen tötet und 84 verletzt. Die Bombe soll den Linken
in die Schuhe geschoben werden und im Rahmen der
Ermittlungen kommt es zum „zufälligen Tod eines
Anarchisten“ (Titel des Theaterstückes von Dario Fo) als
Giuseppe Pinelli während einer Einvernahme durch die
Polizei aus dem Fenster „fällt“. Tatsächlich ging der
Anschlag auf das Konto der italienischen Faschisten,
gedeckt vom Staatsapparat.
1970
1970 Gründung der GAP (Gruppi die Azione Partigiana) unter maßgeblicher
Beteiligung des Mailänder Verlegers Giangiacomo
Feltrinelli. Sie waren von der Ideologie der Resistenza
beeinflusst, aber auch von dem Beispiel Che Guevaras und
anderen bewaffneten Kämpfen im Trikont.

04.02.1970 Gnadengesuch wird abgelehnt. Andreas Baader und


Gudrun Ensslin kommen der Aufforderung, ihre
Strafe
anzutreten, nicht nach

12.02.1970 In Heidelberg wird von dem Assistenzarzt Dr. Wolfgang Huber das
Sozialistisches Patientenkollektiv (SPK) gegründet. Das
SPK ist eine Selbsthilfeorganisation und thematisiert die
krankmachende Gesellschaft, hat ca. 500 Mitglieder und
proklamiert „Aus der Krankheit eine Waffe machen.“

21.03.1970 Der SDS löst sich in Frankfurt auf. Die letzte noch existierende
Gruppe Heidelberg wird nach einer militanten Demo am
24.6.1970 vom Baden-Württembergischen Innenminister
verboten.

04.04.1970 Andreas Baader wird bei einer Verkehrskontrolle in West-Berlin


verhaftet.

04. 05.1970 Die Bundesregierung gibt eine begrenzte Amnestie für


„Demonstrationsstraftäter“ bekannt.

14.05.1970 Befreiung von Andreas Baader. Seine Befreiung findet während


eines Aufenthaltes im Institut für Soziale Fragen statt. Mit
der Gefangenenbefreiung proklamiert sich die Rote Armee
Fraktion (RAF).

22.05.1970 In der Zeitschrift agit 883 erscheint die erste öffentliche Erklärung
der RAF unter dem Titel „Die Rote Armee aufbauen“.

11.06.1970 In Berlin wird ein Gesetz verabschiedet, das die Polizei mit
Maschinenpistolen und Handgranaten ausrüstet.

Juli 1970 Faschistisches Attentat auf den Zug von Rom nach Messina mit 6
Todesopfern und 100 Verwundeten

August 1970 Gründung der Brigate Rosse in Italien unter Führung von
Renato Curcio, Alberto Franceschini und Mara Cagol.
07. 08.1970 In den USA scheitert die Befreiung von George Jackson. Sein
Bruder Jonathan, zwei weitere Gefangene sowie ein Richter sterben im
Kugelhagel des FBI. Die kommunistische Journalistin Angela Davis wird
daraufhin beschuldigt, die Waffen für diese Aktion geschmuggelt zu haben.
Eine jahrelange internationale Kampagne für ihre Freilassung beginnt. George
Jackson war mit 15 Jahren zum ersten Mal im Jugendgefängnis und mit 18
wegen angeblichen Raubes von 760 Dollar zu einem Jahr bis lebenslänglich
verurteilt, wobei sein Entlassungstermin abhängig war von der Entscheidung
einer Kommission über seine gute Führung. In der Haft beginnt er sich vor
allem für den schwarzen Befreiungskampf zu engagieren, gründet mit anderen
schwarzen Gefangenen die Soledad Brothers und wird später Mitglied der
Black Panther Party. Jackson ist wichtiges Bindeglied zwischen der
afroamerikanischen, der hispanischen und der weißen Gefangenenbewegung.
26.08.1970 Die Schwarze Front Tupamaro verübt einen Sprengstoffanschlag
auf das Haus des Direktors von Linhoff und auf dessen PKW in Berlin.
04.09.1970 Salvador Allende gewinnt mit knapper Mehrheit die Wahlen
17.09.1970 Erste Aktion der Roten Brigaden in Italien: Brandanschlag auf das
Auto des SIT-Siemens-Managers Giuseppe Leoni und die
anschließende Verteilung einer Liste von Spitzeln und Capi
(Vorarbeiter, Meister).
19.09.1970 Erste Hausbesetzung in der BRD in Frankfurt/Main
08. 10.1970 Bombenanschlag auf das Marin County Gerichtsgebäude in den
USA als Vergeltung für die Ermordung der schwarzen
Aktivisten Jonathan Jackson, William Christmas und James
McClain

08.10.1970 Horst Mahler, Irene Goergens, Ingrid Schubert, Brigitte Asdonk


und Monika Berberich werden in West-Berlin wegen
Verdachts der Mitgliedschaft in der RAF sowie der Baader-
Befreiung festgenommen.

05.11.1970 Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein „Sofortprogramm zur


Modernisierung und Intensivierung der
Verbrechensbekämpfung“, das v.a. eine materielle und
personelle Stärkung des BKA sowie die Erweiterung seiner
zentralen Befugnisse vorsieht.

27.11.1970 Anschlag der Roten Brigaden auf das Auto des Chefs des
Sicherheitsdienstes von Pirelli, Pellegrini.
1971
1971 Die Knastrevolte von Attica (USA), hauptsächlich getragen von
afroamerikanischen und puertoricanischen Gefangenen, wird nach vier Tagen
blutig niedergeschlagen; 32 Gefangene werden getötet, über 300 schwer
verletzt, viele durch Schüsse in den Rücken.

25.01.1971 Brandanschläge der BR auf Pirelli LKW’s, um den padroni die


Rechnungen für immer mehr Entlassungen,
Denunziationen und individuellen
Einschüchterungsaktionen zu präsentieren.

April 1971 Die RAF-Schrift „Rote Armee Fraktion: Das Konzept Stadtguerilla“
erscheint.

Juli 1971 Nach 14 Monaten Untersuchungshaft beginnt 1971 der Prozeß


gegen Georg von Rauch, Bommi Baumann und Thomas Weissbecker. Die drei
werden wegen Nötigung, Körperverletzung und versuchten schweren Raubes
angeklagt, weil sie einen Quick-Reporter verprügelt hatten. Nach Bekanntgabe
der Haftverschonung für Bommi Baumann und Thomas Weissbecker kommt es
im Gerichtssaal zu einem Verwechslungs-go-out. Anstelle des haftverschonten
Thomas Weissbecker verlässt Georg von Rauch den Gerichtssaal. Als
festgestellt wird, dass eine Verwechslung vorlag, wird auch Thomas
Weissbecker sofort freigelassen. Er wird am darauffolgenden Tag wegen
Gefangenenbefreiung zur Fahndung ausgeschrieben. Georg von Rauch lebt
fortan im Untergrund.

15.07.1971 In Hamburg wird im Zuge der ersten Großfahndung nach der RAF,
der Großaktion „Kora“, Petra Schelm durch einen Schuss
aus der Maschinenpistole getötet. Werner Hoppe wird
festgenommen. Ein Ermittlungsverfahren gegen den
Schützen wird von der Hamburger Staatsanwaltschaft Ende
Juli 1971 eingestellt. Der Beamte habe in Notwehr
gehandelt

21.07.1971 Unter Anwendung des § 129 wird das SPK aufgelöst. 7 Mitglieder
werden verhaftet, einige gehen in den Untergrund und
schließen sich der RAF an.

21.08.1971 George Jackson wird im Gefängnis San Quentin


ermordet.

01.09.1971 Horst Herold wird Chef des Bundeskriminalamtes (BKA).

22.10.1971 Bei der Festnahme Margrit Schillers wird ein Polizeibeamter


erschossen. Der vermutliche Schütze G. Müller wird später
„Kronzeuge“ der Bundesanwaltschaft, die Ermittlungen
gegen ihn betreffend den Tod des Polizisten werden dafür
niedergeschlagen.

November 1971 Als erster Häftling der RAF Astrid Proll in den Toten Trakt
verlegt, einen völlig abgeschiedenen Teil des Gefängnisses
Köln-Ossendorf

04.12.1971 In Westberlin erschießen Polizisten in Zivil im Rahmen der


Fahndung „Trabrennen“ Georg von Rauch. Bei einer
Fahrzeugkontrolle waren Georg von Rauch und zwei
Begleiter aufgefordert worden, sich mit erhobenen Händen
und dem Gesicht zur Wand an eine Hauswand zu stellen.
Er wurde erfolglos nach Waffen durchsucht. Als Georg von
Rauch zur Seite blickt, trifft ihn die Kugel aus einem Meter
Entfernung. Die Oberstaatsanwaltschaft Westberlin stellt
das Ermittlungsverfahren gegen „unbekannte Bedienstete“
Ende Mai ein.

08.12.1971 Das Schwesternwohnheim des leerstehenden


Bethanienkrankenhauses am Berliner Mariannenplatz wird
von 600 Jugendlichen besetzt und in Georg v. Rauchhaus
umbenannt.
1972
1972 Nach Aufständen und Massenfluchten aus Erziehungsheimen gibt der
Berliner Senat eine öffentliche Bankrotterklärung zur Jugendpolitik ab. Es
sollen viele Jugendeinrichtungen (Heime, Treffpunkte, Zentren) geschlossen
werden, die daraufhin aber von den Jugendlichen besetzt und selbstverwaltet
werden. Am 25. Februar 1972 wird in der Belzigerstraße in Berlin-Schöneberg
ein ehemaliges städtisches Jugendzentrum von ca. 200 Jugendlichen besetzt.
Das SJSZ (Sozialistische Jungarbeiter- und Schülerzentrum) ist das erste
selbstverwaltete Jugendzentrum und das einzige, dem es gelingt, die
Selbstverwaltung gegenüber dem Senat vertraglich abzusichern. Weitere
Besetzungen folgen.

Januar 1972 Zum Jahreswechsel findet ein erstes Treffen verschiedener


militanter Gruppen (Tupamaros Westberlin, Haschrebellen, Rote Ruhr Armee
u.a.) statt. Sie diskutieren und organisieren den darauffolgenden
Zusammenschluss unter dem Namen Bewegung 2. Juni.

28.01.1972 Die Regierungschefs des Bundes (Brandt, SPD) und der Länder
fassen den „Extremistenbeschluss“: „... darf in das
Beamtenverhältnis nur berufen werden, wer die Gewähr
bietet, - dass er jederzeit für die freiheitliche demokratische
Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt ...“ Der
NRW-Ministerpräsident Kühn (SPD) erklärt: „Ulrike Meinhof
als Lehrerin oder Andreas Baader bei der Polizei
beschäftigt, das geht nicht.“ In den folgenden 3 Jahren
werden über 300.000 Gesinnungsüberprüfungen
durchgeführt.

30.01.1972 Bloody Sunday. An diesem Tag fand eine


Bürgerrechtsdemonstration in Derry statt, an der ehr viele Menschen
teilnahmen, die alle unbewaffnet waren. Die Demonstration wurde von
britischen Truppen angehalten und plötzlich feuerten Fallschirmjäger in die
Menge. 13 Menschen waren sofort tot, viele wurden verwundet. Die Regierung
von England setzte eine „Untersuchungskommission“ ein, die die
Fallschirmjäger völlig freisprach.

02.02.1972 Bei einem Anschlag auf einen britischen Jachtclub durch die
Bewegung 2. Juni mit Bezug auf den „Bloody Sunday“ stirbt
der Bootsbauer Erwin Beelitz. Er hatte eine gefundene
Bombe in einen Schraubstock gespannt und wollte sie
selber entschärfen.

02.03.1972 Thomas Weißbecker wird in Augsburg von einem polizeilichen


Sonderkommando aus 2 m Entfernung erschossen. Das
Ermittlungsverfahren wird Ende August eingestellt. - Am
gleichen Tag wird bei der Verhaftung von Manfred Grashof
und Wolfgang Grundmann in Frankfurt ein Polizist
erschossen. Manfred Grashof wird schwer verletzt (Schüsse
in Kopf und Brust) nach wenigen Tagen in eine Haftzelle
gesperrt.

03.03.1972 Nach der Erschießung von Thomas Weissbecker verübt die


Bewegung 2. Juni einen Sprengstoffanschlag auf das Landeskriminalamt
Berlin. Auf ihrem kurzen Flugblatt Jetzt reicht's! beziehen sie sich mit dieser
Aktion auch auf die Ermordeten Petra Schelm und Georg von Rauch.

03.03.1972 Erste politische Entführung der Roten Brigaden. Sie traf Idalgo
Macchiarini, Spitzenmanager von SIT-Siemens, zuständig
für die Arbeitsorganisation, also die Geschwindigkeit der
Fließbänder. Nachdem sie ihn 20 Minuten in einem kleinen
Lieferwagen festgehalten hatten, ließen sie ihn am Fabriktor
raus, mit einem Schild der BR um den Hals.

14.03.1972 Tod von Feltrinelli, der beim Anbringen einer Sprengladung an


einen Hochspannungsmast ums Leben kam. Sein Tod
markierte auch das Ende der GAP. Ein Teil von ihnen
schloss sich den Roten Brigaden an.

22.03.1972 Die sozialliberale Bundesregierung verabschiedet das


„Schwerpunktprogramm Innere Sicherheit“„. Im Zentrum
steht der Ausbau des Bundeskriminalamtes. Das Amt wird
personell von 933 Stellen (1969) auf 2062 Stellen (1973)
(1981: 3536 Beamte und Angestellte) ausgebaut. Finanziell
sind das 1969: 22,4 Mio. DM, 1973: 122 Mio. DM (1981:
290 Mio. DM).
Die Bereitschaftspolizeien der Länder, im „Sofortprogramm
von 1970“ (siehe oben) noch nicht einmal erwähnt,
gewinnen an Bedeutung als „ein wichtiger Ordnungsfaktor
der inneren Sicherheit“. Von 18000 Mann soll die
Truppenstärke auf 22300 Mann aufgestockt werden. Die
Ausrüstung soll auf Kosten des Bundes modernisiert und
ergänzt werden um Fernmeldegerät, Kraftfahrzeuge und
sonstiges polizeitaktisches-technisches Gerät. Die
Bewaffnung soll Handgranaten und MG's einbeziehen.
Der Bundesgrenzschutz soll zu einem „zusätzlichen,
jederzeit abrufbaren Sicherheitspotential“ werden.
Vorgesehen wird der personelle Ausbau von 20000 Stellen
1969 auf 22159 Stellen im Jahre 1973. Zur Verbesserung
der Einsatzfähigkeit sollen u.a. Hubschrauberstaffeln
aufgestellt werden.
Schwerpunkt des Ausbaus des Bundesamtes für
Verfassungsschutz ist die bessere Ausstattung mit
Observationsgruppen. Der Stellenplan wird von 1016
(1969) auf 1409 Stellen im Jahre 1973 aufgestockt.

April 1972 Die RAF-Schrift „Rote Armee Fraktion - Stadtguerilla und


Klassenkampf“ erscheint.

April 1972 Nach der Ausrufung des Inneren Notstandes durch das
Militärregime in Uruguay werden die dort inhaftierten Kader der MLN-
Tupamaros als Geiseln gehalten. Ende 1972 sind die Tupamaros weitgehend
zerschlagen.

Mai 1972 Im Zuge der Eskalation des Krieges gegen Nordvietnam verhängt
US-Präsident Nixon eine Seeblockade und ordnet die Verminung der
nordvietnamesischen Häfen an; gleichzeitig finden die Pariser Verhandlungen
statt. Es kommt zu weltweiten Protesten. In der BRD gehen rund 100 000
Menschen auf die Straße

05.05.1972 Aus Protest gegen die Justiz verübt die Bewegung 2. Juni einen
Brandanschlag auf die juristische Fakultät. Diese Aktion bezog sich vor allem
auf die Tatsache, dass die Verfahren gegen Polizeibeamte, die Todesschützen
der Terroristenfahnder, eingestellt werden.

11.05.1972 Im Hauptquartier des V. US-Corps in Frankfurt gehen drei Bomben


hoch. Ein Offizier wird getötet, 13 Soldaten werden verletzt.
Das RAF-Kommando Petra Schelm gibt eine Erklärung ab

12.05.1972 Bombenanschläge auf die Polizeihauptquartiere in Augsburg und


München. Dabei wird niemand verletzt

16.05.1972 Sprengstoffanschlag auf Buddenberg, BGH-Richter in Karlsruhe,


bei dem dessen Frau verletzt wird. Das RAF-Kommando
Manfred Grashof macht Buddenberg für einen Mordversuch
an dem RAF-Gefangenen Grashof, für die
Zwangsnarkotisierung gegen die RAF-Gefangene Carmen
Roll und für die Isolationshaftbedingungen verantwortlich.

19.05.1972 Zwei Bomben explodieren in Hamburg im Springer-Hochhaus.


Trotz rechtzeitiger und dreimaliger Warnung vorher lässt
Springer nicht räumen. 17 Arbeiter werden verletzt. Die RAF
übt Selbstkritik und schreibt: „Wir haben Springer nicht als
das Schwein eingeschätzt, das er tatsächlich ist.“

24.05.1972 Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Armee in Europa


in Heidelberg, wo der Zentralcomputer installiert ist, mit dem
die US-Flugeinsätze über Nordvietnam koordiniert werden.
Drei Soldaten werden getötet. Das RAF-Kommando 15. Juli
übernimmt mit der Kommandoerklärung vom 25.5.72 die
Verantwortung:

28.05.1972 Bei dpa in Hamburg geht eine Meldung ein, derzufolge am 2. Juni
in der Stuttgarter Innenstadt drei mit Sprengstoff beladene
Autos explodieren sollen. Die Meldung ist mit RAF
unterzeichnet. Zu dieser Zeit steht die Garage in Frankfurt,
in der sich ein Sprengstofflager der RAF befindet, bereits
seit neun Tagen unter Beobachtung durch die
Sicherungsgruppe Bonn. In einem Brief an dpa, der mit dem
Fingerabdruck von Andreas Baader unterzeichnet ist,
dementiert die RAF am 30. Mai die Stuttgarter
Bombendrohung. Der Brief, der vom 28. Mai datiert ist, wird
in keiner Zeitung abgedruckt.

31.05.1972 Unter Oberbefehl des Bundeskriminalamtes findet die „Aktion


Wasserschlag“ statt, an der die gesamte Polizei beteiligt ist.
Mit allen verfügbaren Hubschraubern des öffentlichen
Dienstes werden den ganzen Tag über Autobahn-Auf- und
Abfahrten gesperrt und Personenkontrollen durchgeführt.

01.06.1972 Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe werden bei
einer Großaktion der Sicherungsgruppe Bonn mit 300
Polizisten (bewaffnet mit Maschinenpistolen) und mit
Einsatz eines Panzerwagens in der Frankfurter Garage
verhaftet. Andreas Baader wird von einem Scharfschützen
angeschossen und verletzt.

07.06.1972 Gudrun Ensslin wird in Hamburg verhaftet.

09.06.1972 Festnahme von Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Braun in Berlin.

15.06.1972 Ulrike Meinhof und Gerhard Müller werden in Hannover von


einem Quartiergeber verraten und verhaftet. Ulrike wird im
„Toten Trakt“ von Köln-Ossendorf besonders schweren
Haftbedingungen unterworfen. Müller stellt sich später als
Kronzeuge der Anklage zur Verfügung.

22.06.1972 In dritter Lesung verabschiedet der Bundestag das


Verfassungsschutzgesetz (veröffentlicht am 07.08.1972),
das die Überwachungsmöglichkeiten für den
Verfassungsschutz ausdehnt und die wechselseitige
Amtshilfe zwischen Gerichten und Behörden und dem
Bundesverfassungsschutz einführt.
Am gleichen Tag verabschiedet der Bundestag das
Bundesgrenzschutzgesetz (veröffentlicht am 18.08.1972).
Damit erhält der BGS umfassende polizeiliche Befugnisse
für das Landesinnere. Als besondere Aufgabe legt das
Gesetz fest: Grenzschutz, Einsatz im Notstands- und
Verteidigungsfall, Schutz von Bundesorganen, Sicherung
eigener Einrichtungen, Bundesgrenzschutz auf hoher See,
Unterstützung der Polizei der Länder, Aufgaben im
Zusammenhang mit dem Ausländergesetz, dem
Passgesetz, dem Waffengesetz, dem Sprengstoffgesetz etc

25.06.1972 Im Rahmen einer Fahndungsaktion gegen die RAF wird in


Stuttgart Ian Mac Leod erschossen. In den frühen
Morgenstunden stürmen Kriminalbeamte die Wohnung des
schottischen Geschäftsmannes. Dieser öffnet unbekleidet
seine Schlafzimmertür und schließt sie sofort wieder. Im
gleichen Moment schießt ein Kriminalobermeister mit einer
Maschinenpistole durch die geschlossene Tür. McLeod ist
sofort tot. Ein Verfahren gegen den Kriminalobermeister
wird nicht eröffnet, der Beamte, so die Stuttgarter
Staatsanwaltschaft, habe sich in Putativ-Notwehr
(„Vermeintlicher Notwehr“) befunden

29.06.1972 Katharina Hammerschmidt stellt sich in Begleitung ihres


Rechtsanwaltes Otto Schily der Polizei.

09.07.1972 Klaus Jünschke und Irmgard Möller werden in Offenbach


festgenommen.

05.09.1972 In den frühen Morgenstunden greifen acht Mitglieder der Gruppe


„Schwarzer September“ (der Name bezieht sich auf das
Massaker der jordanischen Armee an den Palästinensern
in Jordanien im September 1970) die israelische
Olympiamannschaft im Olympischen Dorf in München an
und nehmen neun israelische Sportler als Geiseln, zwei
israelische Sportler finden den Tod. Die Gruppe fordert die
Freilassung von 200 namentlich genannten Arabern, die
von Israel gefangen gehalten werden. Bundesinnenminister
Genscher führt die Verhandlungen in Absprache mit
Kanzler Brandt. Sie vereinbaren mit der Gruppe „Schwarzer
September“, dass sie am Abend ausfliegen könne.
Stattdessen wird das Kommando nicht, wie von
Innenminister Genscher zugesagt, mit Hubschraubern zum
Zivilflughafen geflogen, sondern zum Militärflughafen
Fürstenfeldbruck. Die Mitglieder des Kommandos und die
Geiseln werden mit Scheinwerfern geblendet. Fünf
Scharfschützen eröffnen das Feuer gegen zwei Mitglieder
des Kommandos, die gerade das Flugzeug betreten. Die
deutschen Scharfschützen richten ihr Feuer auch auf einen
Hubschrauber, der daraufhin explodiert. Bei dem Überfall
kommen alle neun israelischen Geiseln, fünf Mitglieder der
Gruppe „schwarzer September“ und ein Polizist ums Leben.
Die überlebenden Mitglieder des Kommandos „Schwarzer
September“ erklären, dass sie weder auf die Gefangenen
gezielt haben noch entsprechende Anweisung dazu gehabt
hätten. Genscher und Strauß sind in unmittelbarem
Sichtkontakt beim Überfall dabei.
Am 7. September erklärt ein Sprecher der ägyptischen
Regierung, die westdeutschen Behörden seien für die
Tragödie voll verantwortlich, weil sie ihr Versprechen nicht
gehalten hätten, die arabischen Guerillas und ihre
israelischen Geiseln in eine arabische Hauptstadt fliegen
zu lassen. Auf die Vorwürfe Brandts und Heinemanns,
arabische Regierungen seien mitverantwortlich, droht
Ägypten mit dem Auszug der arabischen Mannschaften von
den Olympischen Spielen.
In einem Kommunique der Organisation „Schwarzer
September“ fordert diese den Ausschluss Israels von den
Olympischen Spielen. Der Münchener Polizeipräsident und
Sicherheitsbeauftragte für die Olympischen Spiele, Dr.
Manfred Schreiber, erklärt: „Die Tendenz dieser Spiele war
es, dass sich Deutschland anders präsentieren sollte, als es
1936 der Fall war: heiterer, gelassener, liberaler.“
Die Aktion des „Schwarzen September“ ist unter den
arabischen Staaten und Organisationen - auch innerhalb
der PLO - umstritten.
Am 7. September bombardiert Israel Flüchtlingslager im
Libanon und tötet 200 Zivilisten

13.09.1972 Auf Anregung von Bundesinnenminister Genscher beschließt die


Innenministerkonferenz auf Bundes- und Länderebene die
Aufstellung von Spezialeinheiten zur
„Terrorismusbekämpfung“. Am 21. September genehmigt
der Haushaltsausschuss des Bundestags einstimmig 188
Planstellen für den Aufbau einer Sondereinheit des BGS.
Mit Erlass vom 26. September ordnet Bundesinnenminister
Genscher die Aufstellung des Sonderverbandes GSG9 mit
sofortiger Wirkung an. Im Konzept der
Innenministerkonferenz vom 15. Februar 1974 wird der
„Auftrag“ der GSG9 so formuliert: „Die GSG9 ist zur
Erfüllung polizeilicher Aufgaben in Fällen von besonderer
Bedeutung vorgesehen. Sie kann vor allem dann eingesetzt
werden, wenn die Lage ein geschlossenes Vorgehen -
offen oder verdeckt - unter Anwendung unmittelbaren
Zwangs gegen Gewalttäter erfordert. Dies ist insbesondere
der Fall, wenn bandenmäßig organisierte Terroristen in
größerem Umfang tätig werden.“

29.10.1972 Entführung einer Lufthansamaschine in Beirut. Im Austausch für


die Geiseln werden die drei überlebenden, in Deutschland
inhaftierten Attentätern des „Schwarzen September“
freigelassen.

November 1972 Die RAF-Schrift „Die Aktion des Schwarzen September in


München - Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes“
erscheint.
1973
11.01.1973 Überfall der BR auf das Büro der faschistischen Gewerkschaft
CISNAL.

15.01.1973 Überfall der BR auf den Mailänder Sitz der UCID, einer
Nebenorganisation der DC, die christdemokratische
Führungskräfte vor allem für FIAT organisierte. Sie nahmen
Unterlagen mit, um damit zu beweisen, wie sehr die DC mit
der Spitze der Unternehmens-Führungskräfte und des
Repressionsapparates in den Fabriken verbunden war. Die
Aktion markierte den Beginn der Angriffe auf die DC.

17.01.1973 40 politische Gefangene treten in den Hungerstreik. Sie fordern


die Aufhebung der Isolation und insbesondere, dass Ulrike
Meinhof aus dem Toten Trakt in Köln-Ossendorf
herauskommt. Mit dem Hungerstreik, den die Justiz
zeitweilig mit Wasserentzug bei verschiedenen
Hungerstreikenden beantwortet, erreichen die Gefangenen,
dass Ulrike Meinhof am 9.2.73 aus dem Toten Trakt in eine
Einzelzelle der Männerabteilung des Gefängnisses Köln-
Ossendorf verlegt wird. Daraufhin brechen sie den
Hungerstreik am 12.2. ab.
Die Dokumente zum Toten Trakt machen deutlich: Die
Staatsschutzbehörden haben der systematischen Isolation
aller politischen Gefangenen bei Ulrike Meinhof und Astrid
Proll in einem - auch akustisch isolierten - toten
Gefängnistrakt eine Komponente hinzugefügt, die auf den
neuesten Ergebnissen der Forschung beruht. Die
vollständige Isolation ist schmerzhaft und zerstörerisch.

Febr - Okt 1973 Bundesweit finden wilde Streiks von mehreren


zehntausend Arbeitern in der Auto- und Stahlindustrie statt; in einigen
Betrieben werden die Streiks in einer konzertierten Aktion von Polizei und
Werkschutz (z.T. mit Billigung der Gewerkschaft) niedergeschlagen.

12.02.1973 Entführung von Bruno Labate, Provinzsekretär der CISNAL. Durch


das Verhör von Labate erhielten die BR genaue
Informationen über Struktur, Ausmaß und Träger des
Spitzelsystems bei FIAT: Nach vierstündiger
Gefangennahme wurde Labate an einem Werksausgang
festgebunden.

27.02.1973 Bewaffnete AktivistInnen des AIM (American Indian Movement)


besetzten für 72 Tage Wounded Knee.
März 1973 Besetzung von FIAT Mirafiori.

März 1973 Eskalation im Frankfurter Häuserkampf. Nach der Räumung eines


besetzten Hauses kommt es zu militanten Demonstrationen mit bis zu 5 000
TeilnehmerInnen.

April 1973 In mehreren Städten bilden sich „Komitees gegen Folter an


politischen Gefangenen in der BRD und West-Berlin“.

10.04.1973 Eine Aktionseinheit von KPD-AO, KPD-ML und KBW besetzt


während des Besuchs des südvietnamesischen Diktators
Thieu das Bonner Rathaus und zerstört im Kampf mit
Polizeieinheiten Teile der Einrichtung.

08.05.1973 80 politische Gefangene treten in den Hungerstreik für die


Forderungen: „Gleichstellung der politischen Gefangenen
mit allen anderen Gefangenen!“ und „Freie politische
Information für alle Gefangenen - auch aus
außerparlamentarischen Medien!“ (Aus der Erklärung)
Erneut versucht die Justiz, den Hungerstreik zu brechen,
u.a. durch Wasserentzug bei Andreas Baader. Als Gerichte
bei zwei Gefangenen die Aufhebung der Isolation
anordnen, wird der Hungerstreik am 29.6.1973 beendet.

23.05.1973 Erstmals werden in Hamburg die neugebildeten MEKs der Polizei


eingesetzt. 2 MEKs, verstärkt durch 500 PolizistInnen, räumen in der
Eckhofstraße ein besetztes Haus.

20.06.1973 Ausbruch von Inge Viett (noch Bewegung 2. Juni) aus dem
Frauengefängnis in Berlin-Moabit.

28.06.1973 Das neue BKA-Gesetz erweitert die Kompetenzen des


Bundeskriminalamtes, das zu einer „Zentralstelle für
elektronischen Datenverbund zwischen Bund und Ländern
wird“ und das damit beauftragt wird, die Länderpolizeien in
der „Vorbeugearbeit zur Verbrechensbekämpfung“ zu
unterstützen. Es erhält die Zuständigkeit für eine Reihe von
Straftatbeständen und für die Verfolgung die gleichen
Freiheiten wie der BGS, wobei §6 des Gesetzes feststellt:
„Die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Art. 2
Abs. 2, Satz 1 GG), der Freiheit der Person (Art. 2, Abs. 2,
Satz 2 GG), der Freizügigkeit (Art. 11, Abs.1 GG), der
Unverletzlichkeit der Wohnungen (Art. 13 GG) werden nach
Maßgabe dieser Vorschriften eingeschränkt.“

28.06.1973 Entführung des Alfa Romeo Ingenieurs Michele Mincuzzi, Die


BR verhörte ihn und ließ in nach wenigen Stunden frei. Im
Bekennerschreiben beschuldigte die BR Mincuzzi, der bei Alfa zuständig
war für die Arbeitsorganisation, der „Sklaventreiber im weißen Hemd“ zu
sein.

11.09.1973 Militärputsch in Chile unter General Pinochet gegen die


demokratisch gewählte Regierung Salvador Allendes. Maßgeblich beteiligt sind
neben dem CIA das Unternehmen ITT. Auslösende Gründe sind neben der
Nationalisierung der Schwerindustrie (Kupferbergbau) die Agrarreform sowie
der unter der Allende-Regierung erfolgte Aufbau neuer sozialer Strukturen
(poder popular). Der MIR (Movimiento de la Izquierda Revolucionaria
Bewegung der revolutionären Linken), eine unter Allende legale linksradikale
Organisation, die sich u.a. an Landbesetzungen beteiligte um den
Umstrukturierungsprozess zu beschleunigen, wird nach dem Militärputsch
illegalisiert. Zehntausende Linke werden von den Militärs verhaftet und zum
Teil in Fußballstadien gefangen gehalten. Tausende werden gefoltert und
ermordet.

06.10.1973 Beginn des Jom-Kippur-Krieges. Ägypten und Syrien greifen auf


den Golanhöhen und am Suezkanal die israelische Front
an. Der Krieg endet am 24. Oktober mit einem vom
Sicherheitsrat erzwungenen Waffenstillstand.

16./17. 11.1973 Erste Anschläge der Revolutionären Zellen. Ziel sind die
Niederlassungen der Firma ITT, die mitverantwortlich für den Putsch in Chile ist.

17.11.1973 In Griechenland wird der Aufstand der StudentInnen des


Athener Polytechnikums gegen die Nato-gestützte Militärdiktatur blutig
niedergeschlagen.

10.12.1973 Entführung von Ettore Amerio, dem Personalchef von Fiat


durch die BR

20.12.1973 Die ETA (Euskadi Ta Askatasuna Baskenland und seine Freiheit),


verübt einen Anschlag auf Carrero Blanco, rechte Hand des spanischen
Diktators Franco. Die Explosion ist so gewaltig, dass der Personenwagen
Carrero Blancos mehrer Stockwerke hoch geschleudert wird, was Blanco nicht
überlebt.
1974
Anfang 1974In Italien entstehen die NAP (Nuclei Armati Proletari, bewaffnete
proletarische Kerne). Sie umfassten die Gruppierungen, die
bisher an den Kampfbewegungen in den Knästen
teilgenommen hatten. Diese Kämpfe wurden seit 1970 zum
großen Teil von den Gefangenen selbst getragen, und zwar
nicht nur von den politischen, sondern auch von den
sozialen Gefangenen. Das theoretische Konzept der NAP
schrieb dem Kampf gegen die Gefängnisse eine
revolutionäre Schlüsselrolle zu. Die NAP lösten sich 1977
nach zahlreichen Festnahmen und dem Übertritt eines
größeren Teils ihrer Mitglieder zu den BR auf.

Januar 1974 Der Prozeß gegen Katharina Hammerschmidt wird abgebrochen,


nach 17 monatiger Haft wird sie wegen einer
Krebserkrankung entlassen, die notwendige ärztliche
Behandlung wurde von den verantwortlichen Ärzten der
Strafanstalt, trotz Proteste der Anwälte, nicht durchgeführt.

02.01.1974 Erkämpfung des ersten autonomen Frauenhauses durch


Besetzung in Heidelberg

04.02.1974 In Hamburg werden Helmut Pohl, Ilse Stachowiak, Christa Eckes


und Rechtsanwalt Eberhard Becker verhaftet; in Frankfurt
werden Margit Schiller, Kai-Werner Allnach und Wolfgang
Beer festgenommen; in Amsterdam ein paar Tage später
Axel Acherrath und Ekkehard Blenk. In Hamburg und
Frankfurt werden dabei Waffen, Sprengstoff und Papiere
sichergestellt.

15.02.1974 Die Innenministerkonferenz beschließt die überarbeitete und


erweiterte Fassung des „Programms für die innere
Sicherheit der BRD“ (siehe oben). Die bereits 1972
verabschiedeten Teile I bis IV sind Bestandteile dieses
Programms. Schwerpunkte der Abschnitte V bis XI
betreffen: spezielle polizeiliche Sicherheitsprobleme bei
„Ereignissen mit politischem Charakter“; die Koordinierung
der Verfassungsschutzbehörden und deren
Zusammenwirken mit anderen Nachrichtendiensten, Polizei
usw.; die Zusammenarbeit im EG-Bereich.
Im Einzelnen geht es um einheitliches Verhalten der Polizei
bei Demonstrationen und anderen Ereignissen mit
politischem Charakter, die Gewährleistung von
„funktionsfähigen Lagezentren“ durch die Innenministerien
und die Einsatzbereitschaft der Mobilen Einsatzkommandos
der Länder, deren Stärke auf 1500 Beamte beziffert wird, in
Verbindung mit der Grenzschutzgruppe 9.
Für die Zusammenarbeit von Verfassungsschutzbehörden,
Bundesnachrichtendienst, Militärischem Abschirmdienst,
der Polizei und den Strafverfolgungsbehörden in
Staatsschutzangelegenheiten wird die Bedeutung des
„Nachrichtendienstlichen Verbundsystems“ (NADIS)
hervorgehoben.

02.03.1974 Salvador Puig Antich, militanter Libertärer, wird in Franco-Spanien


mit der Garotte erdrosselt. Staatlich angeordneter und ausgeführter Mord!

07.03.1974 Weather Underground bombardiert staatliche Büros in San


Francisco

18.04.1974 Entführung des Staatsanwaltes Mario Sossi, der wegen seiner


repressiven Arbeit berüchtigt und insbesondere in Genua in weiten Teilen
der Arbeiterklasse verhasst ist. Diese Aktion findet im Rahmen der neuen
Strategie, des Angriffs auf das Herz des Staates statt. Damit wollen die BR
aus der fabrikbezogenen Dynamik herauskommen, die bisher ihr
Kennzeichen war.
Sossi hatte unter anderem den Prozess gegen die Gruppe 2. Oktober
(klandestine Genueser Gruppe, die sich 1971 mit der GAP vereinigt hatte)
geleitet. Die BR fordert nun die Freilassung der 8 Gruppenmitglieder. Sossi
wird nach 36 Entführungstagen auf freien Fuß gesetzt, nachdem das
Appellationsgericht in Genua im Widerspruch zur Regierung die acht
Gefangenen des 22. Oktober auf Bewährung freigelassen hatte.

24.04.1974 Im April 1974 findet ein Putsch linker Militärs gegen die seit 1926
andauernde Diktatur unter Salazar/Caetano statt („Revolution der Nelken“;
„Bewegung der Streitkräfte“ (MFA) unter Generaloberst Otelo de Carvalho.)
Damit enden auch die Kolonialkriege Portugals in Angola, Mozambique und
Guinea Bissau.
1975 spaltet sich die „Bewegung der Streitkräfte“. Unter Mithilfe der
Sozialistischen Internationalen entsteht ein sozialdemokratischer Flügel;
Kreditsperren und militärische Drohgebärden der NATO helfen, die Integration
nach Westeuropa zu forcieren und die innenpolitischen Prozesse
(Verstaatlichungen, Landverteilungen) schrittweise rückgängig zu machen.
Mai 1974 In Frankfurt finden unter dem Motto „Nulltarif und Fahrzeit =
Arbeitszeit“ heftige Straßenkämpfe gegen den neu
eingeführten Frankfurter Verkehrsverbund statt.

01.05.1974 Angriff der RZ auf den Bundesverband der deutschen Industrie


(BDI), den Bundesverband der deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA), die Industrie- und
Handelskammer in Mainz und Ludwigshafen und die
Ausländerpolizei in Westberlin und Brandanschlag der RZ
auf das Auto von Peter Sötje in Berlin. Sötje ist für den
Abriss des Jugendzentrums Putte mitverantwortlich.
21.05.1974 Im Zuge der „Terroristenfahndung“ wird der Taxifahrer Günter
Jendrian um 3 Uhr früh in seiner Wohnung erschossen.
Auch hier wird das Verfahren gegen den Polizeibeamten
mit der Begründung der „Notwehr“ eingestellt. - Insgesamt
sind von 1971 bis 1978 über 146 Tote durch polizeiliche
Todesschüsse dokumentiert: 16 im Zusammenhang mit der
sogenannten Terroristenjagd; 52 in Verfolgung von - meist
einfachen - Kriminellen; 13 in Verfolgung von
Verkehrssündern; die übrigen im Zuge allgemeiner
Hysterie.

28.05.1974 Während einer antifaschistischen Demonstration explodiert in


Brescia eine Bombe die 9 Tote und 90 Verletzte
zurücklässt.

04.06.1974 In Westberlin wird Ulrich Schmücker, vormals Bewegung 2. Juni,


erschossen. Die Staatsschutzbehörden machen die
Bewegung 2. Juni verantwortlich. Tatsächlich jedoch spielt
der Verfassungsschutz sowohl beim Tode Ulrich
Schmückers wie bei den Ermittlungen - er selbst legt die
Spur zu den Angeklagten - wie im Prozeß - der „Kronzeuge“
entpuppt sich als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes -
eine höchst trübe und bis heute unaufgeklärte Rolle.
Trotzdem werden 1986 in einem dritten Prozeß Ilse
Schwipper wiederum zu lebenslänglicher und ihre
Mitangeklagten zu jeweils mehreren Jahren Haft verurteilt.
Die Verurteilungen 1976 und 1979 waren vom
Bundesgerichtshof aufgehoben worden mit der
Begründung, dass die Verbindungen des „Kronzeugen“
zum Verfassungsschutz nicht genügend aufgeklärt worden
seien. Mehr als 13 Jahre nach Schmückers Tod muss der
BGH zum dritten Mal über eine Revision entscheiden

14.06.1974 Anschlag der Revolutionären Zellen auf das während der


Fußballweltmeisterschaft stark bewachte Generalkonsulat
von Chile in Westberlin

14.06.1974 Pinochet gründet formal den chilenischen Geheimdienst DINA, der


direkt der Militärjunta unterstand. Die DINA ist die für ihre
Menschenrechtsverletzungen berüchtigtste Agentur in
Chile, sie operiert in verschiedenen geheimen Haft- und
Folterzentren und nimmt an Verbrechen außerhalb des
Landes teil, wie die Ermordung Orlando Leteliers in
Washington und vom Ehepaar C. Pratts in Argentinien.

17.06.1974 Überfall der BR auf den Sitz der faschistischen MIR in Padua.
Zwei Faschisten, die sich im Gebäude befinden, leisten Widerstand und
werden bei der Schießerei getötet. Das ist das erste Mal, dass es bei einer
Aktion der BR Tote gibt.

23. 07.1974 Ende der Militärdiktatur unter Papadopulus und Pattakos im Juli
1974. Vorausgegangen waren die Unruhen in Athen am 4.11.1973, die vom
dortigen Polytechnikum ausgingen, das aus Protest gegen die Militärjunta
besetzt wurde.
04. 08.1974 Im Schnellzug Florenz-Bologna explodiert eine Bombe die 12 Tote
und 48 Verletzte fordert. Das Ziel dieser faschistischen
Aktionen war es, den Ruf nach einer starken Regierung laut
werden zu lassen. Parallel zu den Anschlägen häuften sich
die Putschdrohungen aus den Kasernen.
13.09.1974 Die politischen Gefangenen beginnen den dritten Hungerstreik,
der fast fünf Monate, bis zum 5.2.1975, andauert. Sie
wenden sich damit „gegen Sonderbehandlung, gegen die
Vernichtungshaft an politischen Gefangenen in den
Gefängnissen der Bundesrepublik und Westberlins, gegen
die Counterinsurgency-Programme der imperialistischen
Vollzugsmaschinen, der Bundesanwaltschaft, der
Sicherungsgruppe Bonn - Abteilung Staatsschutz des
Bundeskriminalamts zur Vernichtung gefangener
Revolutionäre und von Gefangenen, die im Gefängnis
angefangen haben, sich zu organisieren und zu kämpfen“.

09.11.1974 Holger Meins stirbt nach achtwöchigem Hungerstreik in der


Strafanstalt Wittlich/Eifel. Kurz vor dem Tod von Holger
Meins schreibt sein Anwalt Siegfried Haag an den
zuständigen Richter Dr. Prinzing: „Sie sind für seinen Tod
verantwortlich, denn die Bedingungen der Haft bestimmen
Sie.“
In vielen Städten der BRD und Westberlin kommt es zu
spontanen Protestdemonstrationen.

10.11.1974 In Westberlin wird der Kammergerichtspräsident Günther von


Drenckmann von einem Kommando der Bewegung 2. Juni
erschossen als Antwort auf den Tod von Holger Meins.

21.11.1974 Bei Bombenexplosionen kommen in zwei Pubs in Birmingham 21


Menschen ums Leben. Sechs Iren werden festgenommen
und der Tat angeklagt. Während des Verlaufs des
Wiederaufnahmeverfahrens Jahre später bekennt sich die
IRA zu dem Anschlag. Die Birmingham Six- werden erst
1991, nach 17 Jahren, als Opfer eines Justizirrtums
freigelassen

07.12.1974 In einem Schließfach des Bremer Hauptbahnhofs explodiert eine


Bombe, die fünf Verletzte fordert. Die RAF distanziert sich in
einer Erklärung vom 9. Dezember, in der es heißt: „Die
Bomben der RAF sind nie gegen das Volk gerichtet.“

18.12.1974 Der Bundestag verabschiedet das Gesetz zur Ergänzung des


Ersten Gesetzes zur Reform des Strafverfahrensrechts. Es
begrenzt die Höchstzahl der Wahlverteidiger, regelt das
Verbot der Mehrfachverteidigung und den
Verteidigerausschluss, ermöglicht, die Hauptverhandlung
ohne Angeklagte bei verschuldeter
Verhandlungsunfähigkeit durchzuführen, und verschärft die
Ordnungsstrafgewalt in der Hauptverhandlung. Der
Berichterstatter des Rechtsausschusses des Bundestages
Gnädinger, SPD, wird 18 Monate später erklären: „Jedem
Eingeweihten ist klar, dass z. B. ohne die bereits
beschlossenen Änderungen der Strafprozessordnung der
Prozeß in Stammheim gegen die Baader/Meinhof-
Terroristen in noch größere Schwierigkeiten geraten wäre,
ja unter Umständen hätte abgebrochen werden
müssen.“ (Deutscher Bundestag, 24.7.1976, Protokolle S.
17990)

27.12.1974 Ein sandinistisches Kommando nimmt mehrere Diplomaten und


Repräsentanten, welche sich zu einem Empfang im Haus
von Chema Castillo versammelt haben, als Geiseln. Damit
erreichen sie die Freilassung aller politischen Gefangenen.
Diese Aktion hat großen Widerhall in Nicaragua wie im
Ausland. Somoza antwortet mit dem Standrecht und einer
blutigen Repression
1975
20.01.1975 Der „Spiegel“ veröffentlicht ein Interview mit den Stammheimer
Gefangenen. In dem dokumentierten Auszug äußern sich
die Gefangenen zur Rolle der BRD und zur Rolle der
Metropolenguerilla im Entwicklungsprozess der
Weltrevolution.

18.02.1975 Erste Bauplatzbesetzung der Anti-AKW-Bewegung in Wyhl

20.02.1975 Räumung des von 20 000 Menschen besetzten Baugeländes für


das AKW in Wyhl. Massiver Polizeieinsatz, viele Verhaftungen und
Strafverfahren

21.02.1975 20.000 besetzen trotz Wasserwerfer und Polizei das Wyhler


Gelände ein zweites Mal

23.02.1975 Zweite Räumung des von 20.000 Menschen wiederbesetzten


AKW-Baugeländes in Wyhl.

27.02.1975 Beginn der Lorenz-Entführung. Der Westberliner CDU-


Vorsitzende und Bürgermeisterkandidat Lorenz wird zwei
Tage vor den Wahlen von der Bewegung 2. Juni entführt.
Sie verlangt die Freilassung von sechs inhaftierten
politischen Gefangenen: Rolf Pohle, Verena Becker, Rolf
Heißler, Gabi Kröcher-Tiedemann, Horst Mahler, Ingrid
Siepmann. Die Gefangenen außer Horst Mahler, der nicht
ausgetauscht werden will, werden freigelassen, Lorenz wird
freigelassen.

03.03.1975 Brandanschlag der Revolutionären Zellen auf den Bamberger


Dom wegen der schmutzigen Rolle der Kirche bei der
Unterdrückung der Frauen.

04. 03.1975 Zehn Tage nach Ablehnung der Fristenlösung bei


Schwangerschaftsabbruch durch das Bundesverfassungsgericht verüben
Frauen der RZ einen Anschlag auf das Gericht in Karlsruhe. In Bonn findet eine
der größten Demonstrationen gegen den § 218 statt.

11.04.1975 Die Innenministerkonferenz in Bonn beschließt eine weitere


Zentralisierung der Fahndungskompetenzen beim BKA. Zu
dem bisherigen Sonderkommando „Sicherungsgruppe
Bonn“ und „Staatsschutz“ erhält das BKA eine Abteilung „T“
(Terrorismus), die bereits im Juni mit 180 Mann und einem
Budget für 1976 von 7 Mio. DM einsatzbereit sein soll.
24.04.1975 Kurz vor Mittag besetzt das „Kommando Holger Meins“ der RAF
die Botschaft der BRD in Stockholm und nimmt zwölf
Botschaftsangehörige als Geiseln. Das Kommando fordert
die Freilassung von 26 politischen Gefangenen. Die Polizei
stürmt das Gebäude. Ein Angehöriger des Kommandos,
Ulrich Wessel, und zwei Botschaftsangehörige kommen zu
Tode. Ein Angehöriger des Kommandos, Siegfried
Hausner, wird durch Gewehrkolbenschläge der
Polizeibeamten schwer verletzt; er erleidet mehrere
Schädelbrüche. Obwohl schwedische Ärzte ihn für
transportunfähig erklären, verfügt die Bundesregierung
seinen Transport in die BRD. Dort wird er nicht in ein
Krankenhaus, sondern in die Intensivstation des
Stammheimer Gefängnisses verlegt; er stirbt am 4. Mai an
den Folgen der Misshandlungen.

30.04.1975 Anschlag der Revolutionären Zellen auf das Gebäude der


Landesvertretungen von BDI, BDA, IHK in Mainz zum 1.
Mai.

30.04.1975 Eroberung Saigons durch den Vietcong. Der Krieg der USA in
Vietnam endet mit einer militärischen Niederlage der USA, die fluchtartig das
Land verlassen. In diesem Krieg starben ca. 1,5 Millionen VietnamesInnen und
50000 US-Soldaten. Das Land bleibt jahrzehntelang von chemischen
Kampfstoffen vergiftet.

09.05.1975 In Köln erschießt Polizei auf einem Parkplatz Philipp Werner


Sauber und verletzt Karl-Heinz Roth schwer. Über dem am
Boden liegenden Werner Sauber schießt ein Polizist sein
ganzes Magazin leer. Karl-Heinz Roth erhält einen
Bauchschuss. Ein Polizist wird erschossen. Karl-Heinz Roth
und Roland Otto werden nach mehrjähriger
Untersuchungshaft von der Anklage des versuchten Mordes
freigesprochen.

10.05.1975 Rechtsanwalt Haag wird kurzzeitig festgenommen und seine


Verteidigungsunterlagen beschlagnahmt. Am Tag darauf
lässt er durch seine Kanzlei mitteilen, dass er in die
Illegalität gegangen sei.

21,05.1975 In Stuttgart beginnt das Stammheim-Verfahren gegen die RAF.


Wenige Wochen vor Prozeßbeginn werden die drei
Hauptverteidiger Croissant, Groenewold und Ströbele aus
dem Verfahren ausgeschlossen mit der Begründung, sie
würden den organisatorischen Zusammenhalt einer
kriminellen Vereinigung (RAF) betreiben. Am 23. Juni
werden Croissant und Ströbele verhaftet und zahlreiche
Prozessunterlagen beschlagnahmt.

06.06.1975 In Westberlin wird Till Meyer (Bewegung 2. Juni) bei seiner


Festnahme angeschossen.

18.06.1975 Andreas Baader verliest vor Gericht eine Erklärung der


Stammheimer Gefangenen betreffend Isolationshaft und
Folter. Anlass ist der Antrag der Verteidiger auf Anhörung
medizinischer Sachverständiger und - damit
zusammenhängend - Einstellung des Verfahrens wegen
Verhandlungsunfähigkeit der Angeklagten infolge der
Isolationshaft. Inhalt der Erklärung, deren Verlesung durch
das Gericht 17-mal unterbrochen wird: Folter - kein
revolutionärer Kampfbegriff; Aufklärung über Folter ist
letztlich gegen die Gefangenen gerichtet, wenn sie nicht mit
der Propaganda des bewaffneten Kampfes verbunden wird.

29.06.1975 Katharina Hammerschmidt (RAF) stirbt in einem Krankenhaus in


Westberlin an einem Tumor. Ihr war in U-Haft die
rechtzeitige Behandlung verweigert worden.

Juli 1975 Flugblätter der Revolutionären Zellen und 120.000 gefälschte


Sammelfahrscheine der BVG im Wert von 360 000 DM werden durch eine
organisierte Verteilerstruktur unter die Leute gebracht. Fahrpreisautomaten
werden lahmgelegt und Schwarzfahrertipps verteilt.

Juli 1975 Bei einer Serie von Banküberfällen in West-Berlin durch die
Bewegung 2. Juni werden an die anwesenden Kunden und
Angestellten Schokoküsse ausgeteilt.

09.09.1975 Ralf Reinders, Inge Viett und Juliane Plambeck werden in einer
Ladenwohnung in Berlin-Steglitz verhaftet, wenige Tage später auch Fritz
Teufel und Gabriele Rollnik

13.09.1975 Bombenanschlag im Hamburger Hauptbahnhof. RAF, Bewegung


2. Juni und Revolutionäre Zellen distanzieren sich. Die RAF
veröffentlicht dazu am 23.9.1975 eine Erklärung:

27.09.1975 In einer Erklärung von Monika Berberich für die Gefangenen der
RAF wird Horst Mahler aus der RAF ausgeschlossen.
Mahler hatte sich kurz vorher der maoistischen KPD
angeschlossen

08.10.1975 Die RZ zerstören mit Brandsätzen Fahrscheinautomaten. Auf


überall in Frankfurt verteilten Flugblättern wurden
außerdem Tipps gegeben, wie man auch mit einfacheren
Mitteln die Automaten zumindest kurzfristig lahmlegen
kann.

22.10.1975 Das Bundesverfassungsgericht erklärt Isolationshaft für rechtens

16./24. Dez. 1975 Bundesweite Aktion gegen politische Buchläden, Verlage,


Druckereien und Wohngemeinschaften. Die ganze Aktion wird noch mit dem §
131 (Verherrlichung von Gewalt) legitimiert, bietet jedoch eine Vorschau auf
das folgende Maulkorbgesetz § 130a (Anleitung zu Straftaten) und den
Staatsschutzparagraphen § 88a (Verfassungsfeindliche Befürwortung von
Straftaten).

21. 12.1975 Die OPEC-Konferenz in Wien wird von einem palästinensischen


Kommando besetzt. Rund 70 Konferenzteilnehmer werden als Geiseln
genommen. Dabei kommen ein österreichischer Kriminalbeamter, ein
irakischer Sicherheitsbeamter und ein OPEC-Angestellter ums Leben. Das
Kommando erzwingt die Ausreise mit den OPEC-Ministern.

1976
13.01.1976 Die RAF-Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike
Meinhof und Jan Raspe verlesen im Prozeß eine ca. 200
Seiten lange „Erklärung zur Sache“. Aus dem Manuskript zu
dieser politischen Erklärung werden zwei Auszüge
dokumentiert: „BRD/Sozialdemokratie - Dritte Welt“ Ein
weiterer Teil der „Erklärung zur Sache“ befasst sich mit der
Geschichte der BRD

16.01.1976 Der Bundestag verabschiedet das 14.


Strafrechtsänderungsgesetz, das am 1.5.1976 in Kraft tritt. Es führt die §§ 88a
und 130a ein, die die Verbreitung oder auch nur den Besitz von Schriften, die
Gewalt befürworten unter eine Gefängnisstrafe von bis zu 3 Jahren stellen.

26.01.1976 Das Hochschulrahmengesetz bedeutet die Liquidierung der


verfassten StudentInnenschaft, die Festlegung der
Studieninhalte auf die FDGO und, um Gegenaktionen von
Seiten der StudentInnen vorzubeugen, kann jede(r)
StudentIn, der/die den Universitätsablauf „stört“, relegiert
werden.

24.03.1976 Militärputsch in Argentinien. Der General HYPERLINK "http://


de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Rafael_Videla" \o "Jorge
R a fa e l Vi d e l a " J or ge R a fa e l Vide la ko mmt mi t
Unterstützung der CIA an die Macht. Während der
Militärdiktatur werden 30.000 Menschen ermordet. Die
Militärdiktatur dauert bis Dezember 1983.

Ostern 1976 verteilen die RZ in Berliner Obdachlosenheimen gefälschte


Gutscheine für Lebensmittel. Mindestens 180 bis 200
Familien machen von der Möglichkeit Gebrauch und
tauschen die Gutscheine in Lebensmittelgeschäften und
Supermärkten ein. Im Mai 1977 verüben die RZ zwei
Brandanschläge auf zwei Berliner Staatsanwälte, diese
hatten zwei Obdachlose herausgegriffen und sie zu 800 DM
Geldstrafe verurteilt.

24.04.1976 Das von den gesetzgebenden Körperschaften verabschiedete 14.


Strafrechtsänderungsgesetz wird im Bundesgesetzblatt
veröffentlicht. Es stellt die „verfassungsfeindliche
Befürwortung“ von Gewalttaten und die „Anleitung“ dazu
unter Strafe (u.a. §§ 88a, 130a).

08.05.1976 Ulrike Meinhof wird bei Aufschluss der Zelle tot aufgefunden.
Bei einer Demonstration zum Tod von Ulrike Meinhof und gegen die
Haftbedingungen der anderen RAF-Gefangenen kommt es in der Frankfurter
Innenstadt zu Straßenschlachten

Juni 1976 Anschlag der RZ auf den Offiziersclub der US- Army,
Frankfurt

08.06.1976 Die BR unternehmen zum ersten Mal ein tödliches Attentat, es


richtet sich gegen den Staatsanwalt Francesco Coco in
Genua.

10.06.1976 Die Innenministerkonferenz beschließt einen Musterentwurf für ein


einheitliches Polizeigesetz, das u.a. den polizeilichen
Todesschuss legalisiert. Der rheinland-pfälzische
Innenminister Schwarz beschreibt die damit verbundenen
Absichten deutlich: „Aber es gibt Fälle, in denen sie (die
Handgranaten, d. Red.) angewandt werden müssen, z. B. in
einer vorrevolutionären Situation. Es muss doch die
Chance bestehen, eine bewaffnete Revolution
niederzuschlagen ... Die Polizei handelt in konkreten
Situationen so, wie sie es für ihren Fahndungserfolg für
richtig hält. Je unbestimmter das beschrieben ist, desto
größer der Spielraum.“

16.06.1976 In Südafrika beginnt der mehrwöchige Aufstand schwarzer


SchülerInnen gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache. Die
Sicherheitskräfte eröffnen das Feuer gegen die DemonstrantInnen. Mindestens
350 SchülerInnen kommen ums Leben, über 200 werden verletzt. Der
Widerstand in Soweto wird zum Symbol des Kampfes gegen das rassistische
Apartheidsregime.

24.06.1976 Das „Anti-Terror-Gesetz“ wird im Bundestag von SPD und FDP


verabschiedet (Gesetz zur Änderung des
Strafgesetzbuches, der Strafprozessordnung, des
Gerichtsverfassungsgesetzes, der
Bundesrechtsanwaltsordnung und des
Strafvollzugsgesetzes, veröffentlicht am 18. August 1976).
Die CDU stimmt dem Gesetz am 29. Juli im Bundesrat zu.
Das Gesetzespaket schafft zahlreiche neue Bestimmungen,
insbesondere den Straftatbestand der „Bildung einer
terroristischen Vereinigung“ und die Möglichkeit, den
Schriftverkehr zwischen Verteidigern und politischen
Gefangenen zu überwachen

27.06.1976 Ein palästinensisches Kommando entführt ein Flugzeug der Air-


France nach Entebbe. Unter den Entführern befinden sich
auch Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann (Revolutionäre
Zellen). Das Kommando fordert die Freilassung von 53
politischen Gefangenen aus Israel, Frankreich, der
Schweiz, Kenia und von Mitgliedern der RAF u.a. aus der
BRD.
Am 4. Juli überfällt eine israelische Elite-Einheit Entebbe,
stürmt das Flugzeug und tötet alle sieben Personen des
Kommandos

07.07.1976 Vier politische Gefangene, Monika Berberich, Juliane Plambeck,


Gabriele Rollnick und Inge Viett brechen aus der Haftanstalt
Lehrter Straße in Westberlin aus.
10.07.1976 Sevesounglück, in der chemischen HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Fabrik" \o "Fabrik" Fabrik HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Icmesa" \o "Icmesa" Icmesa
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/S.p.A" \o "S.p.A"
S.p.A (Tochterunternehmen von HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Givaudan" \o "Givaudan" Givaudan,
wiederum eine Tochter von HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Hoffmann-La_Roche" \o "Hoffmann-
La Roche" Roche) in HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/
wiki/Meda_(Lombardei)" \o "Meda (Lombardei)" Meda, 20
Kilometer nördlich von HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Mailand" \o "Mailand" Mailand. Es ist
der bisher größte HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Chemiekatastrophe" \o "Chemiekatastrophe" Chemieunfall
Europas.. Das Firmengelände berührt das Gebiet von vier
Gemeinden, unter ihnen HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Seveso" \o "Seveso" Seveso, das
Namensgeber des Unglücks wurde. Dabei werden große
Mengen des hochgiftigen HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Dioxine" \o "Dioxine" Dioxins
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/2,3,7,8-
Tetrachlordibenzodioxin" \o "2,3,7,8-
Tetrachlordibenzodioxin" TCDD freigesetzt. Bis Sommer
1976 wird die Produktion von HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Trichlorphenol" \o "Trichlorphenol"
Trichlorphenol (TCP), einem Vorprodukt für das
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Desinfektion" \o
"Desinfektion" Desinfektionsmittel Hexachlorophen,
gesteigert, obwohl einige Anwohner über
Geruchsbelästigungen und gesundheitliche Beschwerden
klagen. Eine Modernisierung der Produktion findet nicht
statt. Die Arbeitsbedingungen in der TCP-Produktion sind
schlecht. Die Arbeiter sind hohen gesundheitlichen Risiken
ausgesetzt und verfügen über eine unzureichende
Ausbildung. Die chemische Kettenreaktion beginnt gegen
12:30 Uhr zunächst langsam, dann mit schnellem Druck-
und Temperaturanstieg, und endet schließlich in einer
Explosion. Dabei werden ein bis drei Kilogramm der
hochgiftigen Substanz TCDD, zehntausendmal giftiger als
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Zyankali" \o
"Zyankali" Zyankali, in die Umgebung freigesetzt. Die sich
ausbreitende Giftwolke treibt in südöstliche Richtung,
verseucht ein 1 mal 6 km großes dicht bevölkertes Gebiet
der Gemeinden HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Seveso" \o "Seveso" Seveso, Meda, Desio und Cesano
Maderno. Erst um 13:45 Uhr trifft fachkundiges Personal ein
und kann den Reaktor auf eine unkritische Temperatur
herunterfahren. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 1800
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Ar_(FlÃ
¤chenmaß)" \o "Ar (Flächenmaß)" Hektar Land auf Jahre
verseucht. Am Montag wird im Werk weiter gearbeitet, nur
Abteilung B steht still. In den folgenden Tagen welken und
verdorren die Blätter von Bäumen und Sträuchern in der
Umgebung, 3300 Tierkadaver werden aufgefunden. Am
Mittwoch schließen die Behörden das Schwimmbad von
Seveso. Den Anwohnern wird gesagt, sie sollen in ihren
Gärten alles Obst und Gemüse vernichten – weshalb, sagt
man ihnen nicht. Insgesamt erkranken 200 Menschen an
schwerer Chlorakne. Am Samstag, dem sechsten Tag nach
dem Unfall, beginnen die Icmesa-Arbeiter einen wilden
Streik, der öffentliche Druck wächst. Die Behörden
reagieren spät und schließen die Fabrik erst zum 17. Juli.
Obwohl die Werksleitung schon am ersten Tag nach dem
Unfall weiß, dass Dioxin freigesetzt wurde, gibt sie es erst
acht Tage später offiziell bekannt, wie der technische
Direktor später vor der Untersuchungskommission
aussagte. Am 26. Juli verlassen zunächst 208 Bewohner
das verseuchte Gebiet. Die Zwangsräumung wird
behördlich angeordnet und das gefährdete Gebiet
militärisch abgesperrt. Bewaffnete Soldaten mit zum Teil
schweren Schutzanzügen und HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Gasmaske" \o "Gasmaske"
Gasmasken patrouillieren in den Straßen. Weitere 500
Personen werden am 2. August evakuiert, nachdem noch
schockierendere Analysenergebnisse eingetroffen waren.
Die Gesundheitsbehörden raten Schwangeren zu einer
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Abtreibung" \o
"Abtreibung" Abtreibung.
18.08.1976 In Bochum, Essen, Hamburg, Heidelberg, Köln, München,
Tübingen und Westberlin werden auf Grundlage der neuen
„Maulkorbgesetze“ §88a und §130a Buchläden und
Verlage wegen des Verdachts der Unterstützung einer
kriminellen Vereinigung von Beamten der LKAs und des
BKA durchsucht.

Herbst 1976 In den Großstädten des reichen Nordens, in Mailand, Turin und
Bologna, aber bald auch in Rom findet die
Jugendbewegung großen Zulauf. Man überfällt Kinos und
verlangt gratis Einlass oder plündert die
Lebensmittelabteilungen der Kaufhäuser, stürmt
Kaffeehäuser.
September 1976 Aktion der RZ gegen den Spekulanten Kaußen, Köln und
Brandanschlag auf die Schwarzfahrerkartei des Frankfurter
Verkehrsverbundes

02.09.1976 In Athen vertagt die höchste Rechtsinstanz Griechenlands ihre


Entscheidung über die Auslieferung von Rolf Pohle an die
BRD auf unbestimmte Zeit, um „weitere Auskünfte“ aus der
BRD einzuholen. Zuvor hat Bundeskanzler Schmidt in
einem persönlichen Brief Ministerpräsident Karamanlis
„schwerwiegende Konsequenzen“ für den Fall einer
Nichtauslieferung angedroht. In Sorge um den EG-Beitritt
liefert Griechenland Rolf Pohle trotz heftiger
Protestkundgebungen am 1. Oktober an die BRD aus.

21.9.1976 Orlando Letelier, Ex-Botschafter der Regierung Allende in den


USA und Kritiker Pinochets, und Ronnie Moffit fallen einem
Autobomben-Attentat in Washington zum Opfer

30.10.1976 Erste Bauplatzbesetzung in Brokdorf mit ca. 8 000


Menschen.

13./14.11.1976 40 000 Menschen versuchen erneut die Besetzung des


Bauplatzes in Brokdorf. Es kommt zu einer brutalen Räumung und
Auseinandersetzungen mit der Polizei mit 1 000 zum Teil lebensgefährlich
verletzten DemonstrantInnen.

30.11.1976 An der Autobahn bei Butzbach werden Siegfried Haag und


Roland Mayer festgenommen.

Dezember 1976 Anschlag der RZ auf das US- Offizierskasino, Frankfurt


07.12.1976 Nachdem einige Wochen erfolgreich die Kinos gestürmt wurden,
kommt es zur großen Machtprobe bei der Premiere des
„Othello“ in der Mailänder Scala. Mehrere Tausend
Jugendliche ziehen von verschiedenen Punkten der Stadt
zur Scala, die jedoch von der Polizei abgeriegelt ist (offiziell
4500 PolizistInnen). Als klar wird, dass die Scala nicht zu
stürmen ist, kommt es zum „spesa proletaria“: Verschiedene
Luxusgeschäfte in der Innenstadt werden geplündert.
1977
Januar 1977 Brandanschlag der RZ auf mehrere Kinos gegen die Vorführung
d e s „En te b b e “-Fi l ms u n d An sch l a g a u f d a s U S-
Offizierskasino, Frankfurt

01.01.1977 Das europäische Übereinkommen über die Auslieferung und


Rechtshilfe tritt für die BRD in Kraft, so dass im Bereich der
Auslieferung mit 14 Staaten und der Rechtshilfe in
Strafsachen mit 13 Staaten eine im wesentlichen
gleichartige Rechtsgrundlage besteht. Weitere
Zusatzverträge mit Österreich und der Schweiz folgen
Anfang 1977. Die BRD hat ein wichtiges Ziel erreicht: In
Zukunft können Staaten die Auslieferung an die BRD nicht
mehr verweigern

01.02.1977 Ein Jungfaschisten-Kommando überfällt die Vollversammlung in


einer römischen Universität und erschießt den linken
Studenten Guido Bellachioma.

02.02.1977 Tausende marschieren zum Parteilokal der faschistischen


Jugendbewegung „Fronte della Gioventù“. Auf der Piazza
Indipendenza wird der Demonstrationszug von der Polizei
mit Schüssen aus Pistolen und Maschinenpistolen
angegriffen. Erstmals machen Demonstranten von der
Schusswaffe Gebrauch. Zwei Studierende und ein
Zivilpolizist tragen schwere Verletzungen davon.

Februar 1977 Brandanschlag der RZ auf das Auto gegen den im


Düsseldorfer Prozess gegen das Kommando Holger Meins
beigeordneten Zwangsverteidiger Heinz Peters

19.02.1977 Bislang größte Demo gegen das AKW-Brokdorf mit 50.000 Anti-
AKW-GegnerInnen

28.02.1977 Der Spiegel deckt eine Lauschaktion des


Verfassungsschutzes
gegen Dr. Klaus Traube auf. Die Aufdeckung der Aktion
sorgt für einen politischen Skandal. Der Spiegel stellt die
Frage: „Atomstaat oder Rechtsstaat?“ Als Traube ins Visier
des VS gerät, ist er Geschäftsführer der Firma Interatom,
einer Tochterfirma der Siemens AG, deren Aufgabe es ist,
den vor allem für die militärische Nutzung interessanten
Brutreaktor SNR 300 zu entwickeln und dessen Bau in
Kalkar voran zu treiben. In keinem der ihm zugänglichen
Kraftwerkstypen ist radioaktiver Brennstoff eingesetzt, was
wiederum bedeutet, dass eine „Sabotage mit nuklearen
Folgen“ auszuschließen ist. Traube, der sich selbst als
Sozialdemokrat beschreibt und sich „mit unserem Staat, so
wie er durch die Verfassung definiert ist“ identifiziert, hat
sporadischen Kontakt zur linken Frankfurter Rechtsanwältin
Ingrid Hornischer, die wiederum zeitweilig mit dem später
zu den RZ gehörenden Hans-Joachim Klein liiert gewesen
ist. Er und Hornischer stehen beim VS „im Verdacht mit
Terroristen zu sympathisieren“ und werden überwacht.
Aufgrund des „Umgangs mit verdächtigen Personen aus
der Anarcho-Szene“, des
abweichenden Lebensstils, früherer KP-Mitgliedschaften
und aufgrund seines Berufes wird Traube 1976 über
Monate hinweg zunächst beobachtet und beschattet, sein
Telefon wird abgehört und seine Post geöffnet. Neben der
erfolglosen Observation
wird der durch den rechtfertigenden Notstand legitimierte
Lauschangriff befohlen und er wird in den folgenden zwei
Monaten abgehört. In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar
1976 brechen Beamte von VS und BND in das Privathaus
Traubes ein, fotografieren die Wohnung und alle frei
zugänglichen Gegenstände wie z. B. private Notizbücher,
und legen eine Wanze. Während der gesamten
Observierung Traubes ist dessen Arbeitgeber informiert.
Nach Beendigung der Überwachung wird Traube zwar
offiziell rehabilitiert, trotzdem verliert er aufgrund der
Ermittlungen des VS seinen Arbeitsplatz. Unmittelbar nach
der Entlassung fordert Traube über seinen RA von der BAW
Aufklärung und eine Vernehmung, um Vorwürfe, die er
gegen sich vermutet, ausräumen zu können. Noch nach
Aufdeckung der Lausch-Affäre belastet
Bundesinnenminister Maihofer Traube weiterhin schwer.
Auch auf einer Bundespressekonferenz am 1. März 1977,
schildert Maihofer wider besseres Wissen Traubes „enge
Beziehungen zu Terroristen und deren Sympathisanten“.
Auch ein gegen Ingrid Hornischer eingeleitetes Verfahren
wegen des Verdachts der Unterstützung einer kriminellen
Vereinigung wird im November 1976 offiziell eingestellt. Zur
Begründung des Lauschangriffs wird im nachhinein § 34
StGB, der rechtfertigende Notstand, bemüht, da die VS-
Aktionen sonst illegal gewesen wären. Dem Fall Traube
wird vor allem deshalb in den Medien so viel
Aufmerksamkeit geschenkt, weil sich herausstellt, dass
Bundesinnenminister Maihofer über die genauen
Umstände des Lauschangriffs überhaupt nicht informiert
worden ist.
28.02.1977 In El Salvador wurde 1977 der dem reaktionärsten Flügel der
Streitkräfte zugerechnete General Carlos Humberto
Romero Präsidentschaftskandidat der PCN. Doch nur durch
erneuten Wahlbetrug gelangte er in das höchste Amt.
Politisch bedeutete die „Wahl" Romeros die Rückkehr des
rechten Flügels der Oligarchie an die Herrschaft. Die
reformorientierte Fraktion war gescheitert. 10.000
Menschen protestieren gegen den Wahlbetrug. Die Armee
wird eingesetzt und tötet mehr als 200 Zivilisten. Dieses
Massaker motiviert eine wachsende Radikalisierung und
Organisierung der Bevölkerung, bei der zwei Stränge zu
beobachten sind: die Volksorganisation und die Guerilla.
Sie sollten sich in den nächsten Jahren mehr und mehr
verbinden.
März 1977 Sprengstoffanschlag der RZ gegen die Anwaltskammer
Frankfurt

11.03.1977 Bei einem Polizeieinsatz im Uni-Viertel in Bologna wird der


Student Francesco Lorusso von einem Carabiniere
erschossen. Wie von zahlreichen Augenzeugen bestätigt
wird, handelte es sich dabei um eine Exekution. Die
Nachricht verbreitet sich - vor allem über Radio Alice - wie
ein Lauffeuer; an der Uni werden Barrikaden errichtet;
wenige Stunden später formiert sich ein Demonstrationszug
von rund 8000 Personen. In den Prachtstrassen der
Innenstadt gehen Schaufensterscheiben der Banken zu
Bruch, Luxusgeschäfte werden durch Molotow-Cocktails in
Brand gesetzt, da und dort wird eine „spesa proletaria“
gemacht. Bei den Konfrontationen verteidigen sich einige
DemonstrantInnen mit Schusswaffen. In einer Versammlung
am späten Abend sind sich praktisch alle darüber einig,
dass die von der Bewegung praktizierte Militanz die
angemessene Antwort auf die Provokation der Polizei war.
Die PCI hatte sich darauf beschränkt, das brutale Vorgehen
der Polizei zu kritisieren, den Tod des Studenten zu
bedauern und zu fordern, dass die Verantwortlichen zur
Rechenschaft gezogen werden. Gleichzeitig verurteilte sie
die „Provokation“ der Linksradikalen. In der Nacht werden
zahlreiche Verhaftungen und Hausdurchsuchungen
vorgenommen.

12.03.1977 20.000 demonstrieren in Gorleben gegen die Atompolitik der


Regierung.

17.03.1977 Die baden-württembergischen Justiz- und InnenministerInnen


geben vor der Presse zu, dass in Stammheim Gespräche
zwischen Angeklagten und VerteidigerInnen abgehört
wurden.

19.03.1977 Vor dem Bauplatz des AKW Grohnde an der Weser entwickelt sich
die bis dahin militanteste Großaktion der Bewegung. Mehr
als 20.000 DemonstrantInnen durchbrechen die
Polizeisperren und liefern sich mit mehr als 5.000
eingesetzten Polizisten harte Auseinandersetzungen.

29.03.1977 Beginn des vierten Hungerstreiks (bis 30.4.77). Die Gefangenen


fordern u.a.: „Für die Gefangenen aus den
antiimperialistischen Widerstandsgruppen, die in der
Bundesrepublik kämpfen, eine Behandlung, die den
Mindestgarantien der Genfer Konvention von 1949
entspricht“; „die Abschaffung der Isolation und der
Gruppenisolation in den Gefängnissen der Bundesrepublik
und die Auflösung der besonderen Isolationstrakte ... was
für die politischen Gefangenen ... bedeuten würde, dass sie
nach den Forderungen aller von den Gerichten in den
Prozessen gegen die RAF bestellten Gutachter zu
interaktionsfähigen Gruppen von mindestens 15
Gefangenen zusammengefasst werden.“ Innerhalb weniger
Tagen befinden sich zunächst 35, dann ca. 100 Gefangene
im Hungerstreik. Mit der Forderung nach Zusammenlegung,
die erstmals im Laufe des dritten Hungerstreiks 1975
aufgestellt und seit 1977 systematisch entwickelt und
begründet wird, tragen die Gefangenen den Erfahrungen
mit dem Tode Ulrike Meinhofs Rechnung; sie stützen sich
auf die medizinischen Sachverständigen-Gutachten, die die
gesundheitsschädigenden Auswirkungen der Isolationshaft
bestätigt und die „Ermöglichung größerer sozialer
Interaktion“ dringend empfohlen haben.

07.04.1977 Generalbundesanwalt Buback wird von einem RAF-Kommando


Ulrike Meinhof erschossen.

28.04.1977 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe werden in


allen Anklagepunkten - gemeinschaftliches Begehen von
sechs Bombenanschlägen in Tateinheit mit vier Morden
und 34 Mordversuchen, des Begehens von Mordversuchen
in Tateinheit mit der Gründung einer „kriminellen
Vereinigung“ - für schuldig befunden und zu lebenslangem
Gefängnis verurteilt. Das war der größte politische Prozeß
der Nachkriegsgeschichte in der BRD, bei dem die
verfassungsmäßigen Grundlagen des Strafverfahrens
selbst auf dem Spiel standen, schreibt Pieter Bakker Schut
zehn Jahre später in seinem Buch „Stammheim“.

28.04.1977 RZ-Anschlag auf die Bundesärztekammer in Köln

03.05.1977 Günter Sonnenberg wird bei seiner Festnahme (zusammen mit


Verena Becker) durch Kopfschuss schwer verletzt.

04. 05.1977 In einer Göttinger Studentenzeitung wird unter der Überschrift


Buback ein Nachruf ein Artikel zu dem Anschlag auf den damaligen
Generalbundesanwalt veröffentlicht. Der Beitrag formulierte eine deutliche Kritik
an der Stadtguerilla-Politik, aufgrund der Aussage der klammheimlichen
Freude über das Ableben Bubacks setzt die Staatsmacht in den folgenden
Wochen jedoch ihren Repressionsapparat ein. Aus Solidarität mit den
verfolgten Redakteuren der Zeitschrift und dem ASTA wurde daraufhin der
Nachruf in vielen Alternativ-, Studenten- und Schülerzeitungen nachgedruckt.
Auch gegen diese Publikationen kommt es wieder zu einer Welle von
Ermittlungsverfahren. Gegen die Einschränkung der Pressefreiheit
unterschreiben daraufhin 177 Hochschullehrer im September 1977 eine
Solidaritätserklärung. Nach eingeleiteten Disziplinarverfahren ziehen die
meisten jedoch ihre Unterschrift zurück.

Rom: Zum dritten Jahrestag des Referendums für die Ehescheidung und zur
Unterstützung der laufenden Kampagne wollen die die Kampagne tragenden
Gruppen eine Kundgebung auf der Piazza Navona abhalten. Bereits vor
Beginn der Veranstaltung schreitet die Polizei ein, indem sie den ganzen Platz
abriegelt und die VeranstalterInnen mit Knüppeln traktiert: Während der
folgenden Straßenschlachten setzt die Polizei Schusswaffen ein. Alle
staatstragenden Parteien, einschließlich der PCI, stellen sich hinter den
Polizeieinsatz.

Juni 1977 Brandanschlag der RZ auf die Schwarzfahrerkartei Berlin

02.06.1977 In Kaiserslautern werden Manfred Grashof und Klaus Jünschke zu


lebenslänglich und Wolfgang Grundmann zu vier Jahren
verurteilt.

09.07.1977 Gegen Peter Brückner, Professor für Psychologie, fordert die


„Welt“: „Distanzieren Sie sich oder gehen Sie.“ Gemeint ist
die Distanzierung von der Nachveröffentlichung des sog.
„Mescalero-Nachrufs“. Im Mescalero-Nachruf auf
Generalbundesanwalt Buback hatte ein „Stadtindianer“ in
einem „inneren Monolog“, der darlegt, warum „Gewalt“ für
den Autor des Nachrufs nichts sei, gleichzeitig ein Gefühl
der „klammheimlichen Freude“ erwähnt. Gegen die
Kriminalisierung und Illegalisierung einer solchen
Veröffentlichung hatten sich mehrere Hochschullehrer -
darunter Peter Brückner - durch eine Nachveröffentlichung
gewandt. Obwohl es nicht einmal einen sachlichen Grund
für eine „Distanzierung“ von angeblicher Befürwortung von
„Gewalt“ gibt, wie Peter Brückner von Anfang an festhält,
distanzieren sich außer Brückner unter dem Druck
reaktionärer Propaganda und disziplinarischer Drohungen
alle Herausgeber von der Nachveröffentlichung. Am
17.9.1977 veröffentlichen 177 Hochschullehrer eine
Anzeige in der „Frankfurter Rundschau“, in der sie erklären,
sie wollten von nun an immer jeglichen „Bestrebungen“
nach „klammheimlicher Freude“ und der „erschreckenden
Gleichgültigkeit“ entgegentreten.
Brückners Positionen und ihre wissenschaftliche
Begründung verfolgen Ministerpräsident Albrecht und das
niedersächsische Innenministerium durch
Disziplinarverfahren mit Suspendierung vom Dienst und - in
zweiter Instanz - Kürzung der Bezüge. In diesen
Auseinandersetzungen vertritt Brückner u.a.: „Ihr
Gewaltmonopol haben die modernen Staaten historisch
errungen, indem sie feudale, lokale, private
Gewaltförmigkeit beseitigt haben, also gewaltförmig.“ „Das
heißt also, das alte Spiel, wer hat angefangen, ist hier sehr
einfach zu beantworten. Ich meine, der erste Terrorismus,
dem die Protestbewegung begegnete, war ein Terrorismus
des Staates und seiner Administration, seiner Exekutive, ich
glaube, da ist kein Zweifel.“ Und: „Der Vorwurf, die RAF sei
als Provokateur objektiv konterrevolutionär, ist entweder
von Angst diktiert oder töricht - wenn nicht schlicht
Parteiengezänk.“.
Die Suspendierung vom Dienst wird mit der Verurteilung
zur Kürzung der Bezüge in erster Instanz aufgehoben.
Seine Stelle kann Brückner wegen der Verschlechterung
seines Herzleidens nicht mehr antreten. Im April 1981 stirbt
Peter Brückner im Alter von 59 Jahren. Er war ein Drittel
seiner Dienstzeit als Hochschullehrer vom Dienst
ausgeschlossen. Zuerst wegen Verdachts der
Unterstützung der Roten-Armee-Fraktion, weil er Ulrike
Meinhof 1970 beherbergt hatte, dann wegen
staatsfeindlicher Äußerungen und fehlender Mäßigung als
Beamter.

11.07.1977 Rechtsanwalt Croissant, dessen Haftbefehl wegen Unterstützung


einer kriminellen Vereinigung gegen Kaution und Auflagen
ausgesetzt ist, verlässt die BRD und sucht in Frankreich um
politisches Asyl nach.
14.07.1977 Unter dem Motto „Kein AKW im Baskenland" demonstrieren
700.000 in Bilbao.

20.07.1977 Karl-Heinz Dellwo, Hanna Krabbe, Bernhard Rössner und Lutz


Taufer werden zu jeweils zweimal lebenslänglichen
Gefängnisstrafen im „Stockholm-Prozess“ verurteilt.

30.07.1977 Der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, wird


bei einem missglückten Entführungsversuch der RAF
getötet.

31.07.1977 Bei einer internationalen Großdemonstration in Malville/


Frankreich gegen den „Superphenix“ wird der AKW-
Gegner Michel Vitalon bei heftigen Auseinandersetzungen
mit der französischen Spezialeinheit CRS getötet.

10.08.1977 Auf die Verschärfung der Isolation antworten die politischen


Gefangenen mit einem neuerlichen Hungerstreik, der am 2.
September abgebrochen wird.

22.08.1977 Anschlag der RZ gegen MAN in Nürnberg

25.08.1977 In Karlsruhe entdeckt man eine auf das Gebäude der


Bundesanwaltschaft gerichtete Raketenabschussanlage,
deren Zeitautomatik nicht funktioniert hat.

30.08.1977 Anschlag der RZ auf Klein, Schanzlin & Becker AG, Frankenthal,
Zulieferfirma für Atomkraftwerke

05.09.1977 Entführung des Präsidenten von BDI und BDA (Bundesverband


der Deutschen Industrie und Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände) und Vorstandsmitglieds
von Daimler Benz, Hanns Martin Schleyer, durch das RAF-
Kommando Siegfried Hausner. Drei Sicherheitsbeamte und
der Fahrer Schleyers werden getötet. Das Kommando
fordert die Freilassung von Gefangenen aus der RAF:
Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe, Verena
Becker, Werner Hoppe, Karl-Heinz Dellwo, Hanna Krabbe,
Bernd Rössner, Ingrid Schubert, Irmgard Möller und Günter
Sonnenberg.
Die Bundesregierung richtet Krisenstäbe ein. Die „Kleine
Lage“ tagt mehrfach täglich mit Bundeskanzler Schmidt und
seinen engsten Beratern: Bundesinnenminister Maihofer,
Justizminister Vogel, Außenminister Genscher (z.T.
vertreten durch Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff),
Staatsminister Wischnewski und Staatssekretär Schüler,
Regierungssprecher Bölling, BKA-Präsident Herold und
Generalbundesanwalt Rebmann. Dem „Großen
Krisenstab“, der ein- bis zweimal wöchentlich
zusammentritt, gehören neben den Mitgliedern der „Kleinen
Lage“ an: Brandt, Kohl, Strauß, Wehner, Mischnik,
Zimmermann und die vier Regierungschefs der Länder, in
deren Gewahrsam sich RAF-Häftlinge befinden: Filbinger,
Goppel, Kühn, Klose.
Beide Krisenstäbe sind in der Verfassung nicht vorgesehen.
Die Situation komme einem „nationalen Notstand“ gleich,
erklärt der baden-württembergische Ministerpräsident
Filbinger. Die „Kleine Lage“ tritt an Stelle der Regierung, die
Legislative, das Parlament, wird ausgeschaltet.
Ausdrücklich wird beschlossen, in den „Krisenstäben“
keinerlei Protokoll zu führen. - Der „Große Krisenstab“
verhängt eine totale Nachrichtensperre für alle Medien. Die
Inlandspresse hält sich daran, die Auslandspresse kritisiert
die Entscheidung und berichtet über den laufenden Stand
der Entführung.
Der „Große Krisenstab“ leitet ohne Rücksicht auf Gesetze
eine totale Fahndung ein, die auch nach Auffassung
bürgerlicher Kräfte gegen das Rechtsstaats- und
Verhältnismäßigkeitsprinzip verstößt. So werden z.B. an
wichtigen Verkehrsknotenpunkten Datenfunkstationen
aufgestellt, über die alle vorbeifahrenden Kraftfahrer im
Alter zwischen ca. 20 und 35 über Interpol abgefragt
werden, so erzwingt das BKA Vertragsdurchschläge von
allen in der BRD gekauften PKW, so wird in Köln damit
begonnen, alle Stromabnehmer auf ihre polizeiliche
Meldung hin zu überprüfen u.ä.m.

06.09.1977 Die Justizverwaltungen der Länder, angewiesen von


Bundesjustizminister Vogel (SPD), verhängen gegen alle
aufgrund des §129 verfolgten Gefangenen eine
Kontaktsperre, die jeglichen Kontakt untereinander und zur
Außenwelt abschneidet - ausgenommen die staatlichen
Behörden, denen die Gefangenen um so schutzloser
ausgeliefert sind. Entscheidungen von Gerichten, dass die
Verteidiger von der Besuchssperre auszunehmen seien,
werden missachtet. Die Bundesregierung beruft sich bei der
Zwangsmaßnahme der Kontaktsperre, für die es keine
Rechtsgrundlage gibt, auf den „übergesetzlichen Notstand“.

September 77 Während die der Kontaktsperre unterliegenden politischen


Gefangenen von jeglicher Wahrnehmung abgeschlossen,
von allen Kontakten, selbst ihren Verteidigern,
abgeschnitten sind, während sie damit zugleich den
Staatsbehörden vollständig ausgeliefert sind, die freien,
extensiven Zugang zu den Gefangenen haben, lassen sich
die Politiker und öffentlichen Meinungsmacher freien Lauf.
Ihre Denkausschweifungen sehen vor: Todesstrafe,
standrechtliche Erschießung von Gefangenen,
Bundeswehreinsatz u.a. Vieles, was sie öffentlich erwägen,
schon nach der Erschießung Bubacks öffentlich zu
diskutieren begonnen haben, bleibt, auch das zeigt der
Pressespiegel“, nicht nur Erwägung.

08.09.1977 Der DGB-Vorsitzende Vetter versichert der Regierung seiner


Unterstützung. Kritiklos begrüßt er die staatliche
Kriegsführung. Zusammen mit den Kapitalistenverbänden
organisiert der DGB später eine Schweigeminute für den
früheren NS-Funktionär und jetzigen BDI- und BDA-Chef,
der sich allen Kämpfen und fortschrittlichen Bestrebungen
der Arbeiterbewegung stets in den Weg gestellt hat

12.09.1977 Am 12. September stirbt Steve Biko [Anführer der Demonstration


von Soweto] in Polizeihaft. Biko ist ein Führer der Black-
Consciousness-Bewegung. Biko sei, behauptet der Anwalt
der Polizisten, ein gewisser Retief van Rooyen, hart mit
dem Kopf gegen eine Wand gestoßen. Ein Richter kommt
zum Schluss, ein Verschulden der Polizei sei nicht
feststellbar, im Gegenteil hätten die Polizisten alles
versucht, Biko nach seinem Unfall ärztlich zu versorgen. 20
Jahre später, Januar 1997, werden die beteiligten Beamten
vor der südafrikanischen Kommission für Wahrheitsfindung
und Versöhnung aussagen - und sich damit Straffreiheit
einhandeln - sie hätten Biko in Port Elizabeth geschlagen,
gefoltert und in seiner Zelle liegen gelassen, tagelang,
dann habe man den Bewusstlosen nackt auf die Ladefläche
eines Landrovers geworfen und ihn nach Pretoria gefahren,
1500 Kilometer weit, wo er schließlich gestorben sei

22.09.1977 In Utrecht wird der der Beteiligung am Buback-Attentat verdächtige


Knut Folkerts nach einer Schießerei, bei der ein
niederländischer Polizist stirbt, gefasst. Am 20. Dezember
wird er wegen Mordes zu 20 Jahren verurteilt, später an die
Bundesrepublik ausgeliefert.

24.09.1977 Internationale Anti-AKW-Demonstration in Kalkar. Mit


Hubschraubern werden Eisenbahnzüge angehalten, Buskonvois dürfen ihre
Städte nicht verlassen, ca. 70000 Menschen erreichen nach vielen Städten den
Demonstrationsort.

02.10.1977 Mit dem Inkrafttreten des Kontaktsperregesetzes erhält der illegale


Zustand, in dem die politischen Gefangenen gehalten
werden, Gesetzesgrundlage. Das Kontaktsperregesetz wird
unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - Steuerung der
RAF-Aktion aus den Zellen - am 29.9. in zweiter und dritter
Lesung durchs Parlament gepeitscht, nachdem die freilich
zaghafte Opposition innerhalb der SPD-Fraktion zuvor fast
gänzlich niedergemacht worden ist. Nur drei SPD-
Fraktionsmitglieder stimmen gegen das Gesetz, einige
enthalten sich.
Auf die Frage des italienischen Fernsehens, ob die
Schleyer-Entführung aus den Zellen heraus gesteuert
worden sei, wird Vogel 1978 im Gegensatz zu seiner
Begründung vor dem Bundesverfassungsgericht am
15.9.1977 sagen: „Nein. Das haben wir seinerzeit schon
nicht angenommen, und es hat sich auch keine Bestätigung
dafür gefunden ... Eine Planung oder überhaupt eine
Steuerung im Detail aus den Zellen heraus, dafür gibt es
keine Beweise.“

13.10.1977 Über dem Mittelmeer wird ein Lufthansa-Jet von der


palästinensischen Kommandoeinheit „Martyr Halimeh“ der
Operation Kofre Kaddum im Zusammenhang mit der
Schleyer-Entführung gekapert. An Bord befinden sich
Mallorca-Urlauber. Der Kapitän der „Landshut“ wird im
weiteren Verlauf erschossen

16.10.1977 Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Freilassung der


vom RAF-Kommando benannten Gefangenen. Das BVerfG
lehnt den Antrag des Schleyer-Sohnes auf Einstweilige
Anordnung gegen die Bundesregierung und vier
Bundesländer ab, die genannten Gefangenen freizulassen.
Bürgerliche Kritiker des Urteils stellen fest, dass das BVerfG
mit seiner Begründung die Staatsräson als Kriterium zur
qualitativen Gewichtung des Wertes von Leben einführt.

18.10.1977 Sturmangriff der GSG9 unter Beteiligung des britischen SAS auf
die Lufthansa-Maschine in Mogadischu, Somalia. Nur ein
Mitglied des Kommandos überlebt den Angriff schwer
verletzt.

18.10.1977 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Raspe kommen im


Gewahrsam der Justiz zu Tode. Irmgard Möller überlebt
schwer verletzt. Alle Gefangenen sind seit dem 6.9. von
allen Kontakten sowohl untereinander wie mit Dritten
abgeschnitten, während hingegen die staatlichen Behörden
ungehinderten, unkontrollierten Zugang zu den
Gefangenen im 7. Stock des Stammheimer Traktes haben.
Die staatliche Selbstmordversion hinterlässt zahlreiche
unauflösliche Widersprüche.

19.10.1977 Schleyer wird tot im Kofferraum eines Audi 100 in Mülhausen,


Frankreich, gefunden.

20.10.1977 Justizminister Vogel teilt mit, dass die Kontaktsperre für die
politischen Gefangenen aufgehoben sei. Bei einigen
Gefangenen besteht sie noch einige Tage länger.

25.10.1977 Staatsakt für Schleyer. Bundespräsident Scheel erklärt den Krieg


der BRD gegen die RAF zum Kampf der Zivilisation gegen
die Barbarei.

28.10.1977 Der Bundestag berät in erster Lesung ein weiteres Anti-Terror-


Gesetzespaket, das am 13.4.1978 in Kraft tritt. Die
staatstragenden Parteien schreiten zur Abrechnung mit den
„geistig-politischen Ursachen des Terrorismus“, als die sie
bezeichnen: Angriff auf den Staat, Angriff auf das Vertrauen
der Bürger in den Staat, Angriff auf die Wertordnung,
maßlose Gesellschaftskritik, Marxismus, falsche
Vergangenheitsbewältigung. Die Propaganda des
„Zusammenrückens“ wird ergänzt durch Angriffe auf „anti-
deutsche“ Kritiken im Ausland.

Oktober 1977 In einer Kampagne gegen die Herstellung von


Raubdrucken und gegen mehrere Spontiblätter, vor allem gegen das Berliner
Infobug gibt es erstmalig Prozesse und Festnahmen gegen Hersteller, Drucker
und Verteiler linker Schriften. Später folgt die Festnahme und der Prozeß gegen
die agit-drucker.

09.11.1977 Walter Michael Palmers wird vor seinem Haus in Wien von einem
Kommando der Bewegung 2. Juni entführt.

11.11.1977 In Amsterdam werden nach einer Schießerei mit der Polizei


Christoph Wackernagel und Gert Schneider festgenommen
und ein knappes Jahr später ausgeliefert.

12.11.1977 Ingrid Schubert kommt in Stadelheim im Gewahrsam der Justiz zu


Tode.

13.11.1977 Massendemonstration gegen das AKW in Brokdorf


13.11.1977 Palmers wird nach Übergabe von 30,5 Millionen Schilling
Lösegeld freigelassen

17.11.1977 Rechtsanwalt Croissant, der im August 1977 um politisches Asyl in


Frankreich nachgesucht hat, wird an die BRD ausgeliefert
und in Stammheim inhaftiert.
1978
21.01.1978 Bei der Festnahme von Christine Kuby in Hamburg kommt es zu
einer Schießerei, bei der sie und ein Polizeibeamter verletzt
werden.

27.01.-29.01.1978 Tunix-Kongress mit 15-20.000 Teilnehmern in der


HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Westberlin" \o
"Westberlin" Westberliner HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/TU_Berlin" \o "TU Berlin" TU Berlin
Der Tunix-Kongress wurde unmittelbar nach dem
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Herbst"
\o "Deutscher Herbst" Deutschen Herbst und als Reaktion
hierauf von der HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Sponti" \o "Sponti" Sponti-Bewegung ins Leben gerufen.
Der Kongress war der organisatorische Beginn der
Alternativbewegung in Berlin. Alternative Zeitungsprojekte,
unter anderen das der späteren HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Die_tageszeitung" \o "Die
tageszeitung" TAZ, wurden vorgestellt, auch das Konzept
einer bundesweiten Ökologie-Partei HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Bündnis_90/Die_Grünen" \o
"Bündnis 90/Die Grünen" Die Grünen. Die schwul-
lesbischen HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Christopher_Street_Day" \o "Christopher Street Day"
Christopher-Street-Day-Paraden ab 1979 und sowie die
homosexuelle Entsprechung des Tunix-Kongresses, der
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Homolulu-Kongress&action=edit" \o "Homolulu-
Kongress" Homolulu-Kongress, und das HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Netzwerk_Selbsthilfe" \o
"Netzwerk Selbsthilfe" Netzwerk Selbsthilfe wurden hier
initiiert.

März 1978 Mitglieder von FECCAS (Christliche Förderation der


salvadorianischen Bauern) besetzen die Botschaften von
Costa Rica, Panama, der Schweiz und Venezuela. Die
Aktion richtet sich gegen die Menschenrechtsverletzungen,
die Freilassung der politischen Gefangenen wird gefordert.

10.03.1978 Sechster Hungerstreik der politischen Gefangenen, mit dem sie


gegen die Einzel- und Kleingruppenisolation protestieren.
Er wird am 20.04 beendet.

12.03.1978 150.000 demonstrieren im Baskenland gegen das AKW Lemoniz


16.03.1978 Am 16. März 1978 überfällt ein Kommando „Brigate Rosse“ (BR)
den Fahrzeugkonvoi des DC-Generalsekretärs in der Via Mario Fani im
Nordwesten Roms. Vier Leibwächter und der Fahrer werden durch Schüsse
aus Maschinenpistolen sofort getötet, der unverletzt gebliebene Moro in einem
Fluchtwagen abtransportiert. Am Tag der Entführung findet im italienischen
Abgeordnetenhaus die Vertrauensabstimmung zur Bildung einer neuen
Regierung unter dem christdemokratischen Ministerpräsidenten Giulio
Andreotti statt. Erstmals wird in die Regierungsmehrheit auch die in der Praxis
schon längst sozialdemokratisch ausgerichtete Kommunistische Partei Italiens,
die bei den letzten Wahlen 34,6 % erhalten hatte, einbezogen, ohne das diese
eigene Minister stellte. Als Architekten dieses „historischen Kompromisses“
gelten der Vorsitzende der KPI Enrico Berlinguer sowie Aldo Moro. Die
Erfahrung des blutigen Putsches gegen die chilenische Volksfrontregierung
unter Salvador Allende hatte Berlinguer zu der Erkenntnis kommen lassen,
dass in Italien nur die Einbeziehung weiter Teile des Bürgertums und seiner
politischen Vertretung, der Democrazia Cristiana, ein Reformprojekt
ermöglichte. Als Beweis kommunistischer Regierungsfähigkeit hatte er im
Dezember 1977 eine Erklärung unterzeichnet, wonach NATO und EG
„tragende Pfeiler“ der italienischen Politik bleiben sollten. Durch die
Hinzuziehung der Kommunisten als Tolerierungspartner hoffte Moro, eine
stabile Regierungsmehrheit zu erreichen. Einmal in die Verantwortung
genommen würde die KPI zudem schnell wieder an Wählerstimmen verlieren.
Regierungschef Andreotti schloss jegliche Verhandlungen mit den Entführern
kategorisch aus. Auch die Kommunisten – aus Angst, ihren neu gewonnenen
Einfluss wieder zu verlieren – unterstützten diese Linie der „fermezza“ und die
massive Einschränkungen demokratischer Rechte unter dem Vorwand der
Terrorismusbekämpfung. Die BR fordern die Freilassung von 13 inhaftierten
Genossen. Mitte der 1990er Jahre erklärt Mario Moretti, der die tödlichen
Schüsse auf Moro abgegeben hatte, in einem Interview mit der Journalistin
Rossana Rossanda, die BR hätte Moro schon freigelassen, wenn die
Regierung nur signalisiert hätte, dass sie die Gefangenen als „politische
Gefangene“ anerkenne. Doch durch die unnachgiebige Härte des Staates
hätten die BR keine andere Wahl gehabt, als ihren Gefangenen „hinzurichten“,
um ihr Gesicht zu wahren. Im „comunicato n.9“ kündigten die BR am 5. Mai den
baldigen „Vollzug der Exekution“ an. Beigelegt war ein Abschiedsbrief Moros
an seine Frau. Moros Familie, die zuvor mit der DC gebrochen hatte, setzte
durch, dass der letzte Wille des Toten respektiert wurde und an seiner
Beerdigung keine Vertreter des Staates teilnahmen.
Am 9. Mai 1978 wurde im Kofferraum eines Wagens in Rom
die Leiche des italienischen Spitzenpolitikers Aldo Moro
entdeckt. Symbolträchtig parkte der Wagen mit dem
erschossenen Vorsitzenden der christdemokratischen
Partei Italiens in der Via Caetani auf halber Strecke
zwischen den Parteizentralen der Democrazia Cristiana
(DC) und der Kommunistischen Partei Italiens (PCI).
25.03–04.04.1978 III. Internationales Russell-Tribunal in Frankfurt zur
Situation der Menschenrechte in der BRD, zu den Fragen Berufsverbote,
Isolationshaft, polizeiliche Aufrüstung und Grundrechtseinschränkungen.

10.04.1978 In Berlin beginnt vor dem Kammergericht der Lorenz-Drenkmann-


Prozess gegen Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper, Till Meyer, Ralf Reinders, Fritz
Teufel und Andreas Vogel. Der Beginn des Prozesses wird von
Auseinandersetzungen über die Zwangsverteidiger bestimmt. Daraufhin
übernehmen die Revolutionären Zellen die Verantwortung für zwei Aktionen
gegen die Zwangsverteidiger: Einem wird ins Bein geschossen und ein zweiter
findet eine Bombe unterm Auto

26.04.1978 Günter Sonnenberg wird in Stuttgart zu zweimal lebenslänglich


verurteilt.

11.05.1978 In Jugoslawien werden Sieglinde Hofmann, Rolf-Clemens


Wagner, Brigitte Mohnhaupt und Peter-Jürgen Boock
verhaftet. Für die Auslieferung an Bonn fordert Jugoslawien
den Austausch von acht Exilkroaten, was die
Bundesregierung ablehnt;
Am 17. November können die RAF-Mitglieder in ein Land
ihrer Wahl fliegen.

12.05.1978 In Paris wird Stefan Wisniewski verhaftet.

27.05.1978 Till Meyer wird von zwei Genossinnen vom Kommando Nabil Harb
aus dem Knast (Moabit) befreit. Die ebenfalls beabsichtigte Befreiung von
Andreas Vogel scheitert.

Juni 1978 Anschlag der RZ gegen die Ausländerbehörde Frankfurt und


gegen den Sozialdezernenten Delorme, Mainz, der für den Abriss von
Wohnungen verantwortlich ist.

Juni 1978 Aktion der RZ in Frankfurt gegen die Israelische Import-


Gesellschaft Agrexco als größter Importeur für israelisches
Obst in ganz Europa

Juni 1978 Anschlag der RZ auf das US- Offizierscasino, Wiesbaden

01.06.1978 Die Trennscheibe für Rechtsanwälte und Besucher im Knast wird


per Gesetz eingeführt.

17.06.1978 Deutschlandtreffen der NPD in Frankfurt. Der geplante


Kundgebunngsort, der Römer, wird von über 10.000 AntifaschistInnen
besetzt. Der damalige SPD-Polizeipräsident Müller beschließt die
gewaltsame Räumung und löst damit eine stundenlange Straßenschlacht
aus.

21.06.1978 Till Meyer wird zusammen mit Gabriele Rollnick, Gudrun Stürmer
und Angelika Goder in Bulgarien festgenommen und an die BRD ausgeliefert.

10.07.1978 Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Hamburg verurteilt


Rechtsanwalt Groenewold „wegen Unterstützung einer
kriminellen Vereinigung in einem besonders schweren Fall“
zu zwei Jahren Gefängnis mit Bewährung.
Rechtsanwalt Croissant wird nach einem fast einjährigen
Verfahren am 16. Februar 1979 zu zweieinhalb Jahren
Gefängnis ohne Bewährung und vier Jahren Berufsverbot
verurteilt.
Die Rechtsanwälte Arndt Müller und Armin Newerla werden
am 31. Januar 1980 wegen Unterstützung und Werbung für
eine kriminelle Vereinigung vom OLG Stuttgart verurteilt.
Müller: 4 Jahre/8 Monate und 5 Jahre Berufsverbot;
Newerla: 3 Jahre/6 Monate und 5 Jahre Berufsverbot.
Der Rechtsanwalt Jörg Lang, der 1972 etwa fünf Monate in
Untersuchungshaft gesessen hatte und 1974 für einige
Jahre untertauchte, wird nach längeren
Auseinandersetzungen und ersten Ablehnungen 1986 vom
Bundesgerichtshof wieder als Rechtsanwalt zugelassen.
Der Rechtsanwalt Siegfried Haag, damals der letzte noch
verbliebene Vertrauensanwalt von Andreas Baader, war am
11.5.1975 nach einer vorläufigen Festnahme untergetaucht.
Er wurde am 30.11.1976 festgenommen und später zu 15
Jahren Gefängnis verurteilt.

21.07.1978 Brandanschlag der RZ gegen die Nordwestdeutschen Kraftwerke,


Lübeck

25.07.1978 Der niedersächsische Ministerpräsident Albrecht (CDU) lässt mit


direkter Unterstützung der sozialliberalen Bundesregierung
von einem gemischten Kommando des niedersächsischen
Verfassungsschutzes und der GSG9 einen
Sprengstoffanschlag auf die Außenmauer der Haftanstalt
Celle durchführen. Die Operation soll wie ein
„Befreiungsversuch“ für den dort inhaftierten RAF-
Gefangenen Sigurd Debus aussehen und auf diese Weise
zwei „glaubwürdige V-Leute“ („Bombenleger“) zwecks
Infiltration der RAF produzieren.
Knapp drei Wochen vor dem Anschlag, am 7.7.1978, hatte
Albrecht in der Bundesratssitzung den CDU/CSU-Vorschlag
einer Sicherheitsverwahrung für politische Gefangene aus
RAF und verwandten Bewegungen begründet: „Er könne
nachweisen, dass es Terroristen gebe, die freigelassen
werden müssten und bei denen man heute schon wisse,
„welches die Mordpläne sind, die sie aushecken. Das
können wir auf den Heller genau - würde ich sagen -
nachweisen. Wir können sogar Namen von Leuten nennen,
die ermordet werden sollen.“ ...“ (dpa Bonn/Hannover,
2.8.78) Der selbstinszenierte Sprengstoffanschlag ist ein
Glied in Albrechts „Beweis“kette. Er dient zugleich dazu, die
Haftbedingungen für den in Celle einsitzenden politischen
Gefangenen Sigurd Debus zu verschärfen.
Ende April 1986, nach Bekanntwerden der Urheberschaft
und Inszenierung des Sprengstoffanschlags, zieht
Ministerpräsident Albrecht das, was mit dem Anschlag
„bewiesen“ werden sollte - ein Ausbruchsversuch von
Sigurd Debus -, als „Beweis“ für die Legitimität eines
solchen selbstinszenierten Anschlages heran. In einer
Regierungserklärung sagt er, einer der beiden V-Leute
habe „dazu beigetragen, dass ein Ausbruch von
Gefangenen in Celle, den der damals einsitzende Terrorist
Debus geplant habe, ebenso wie ein vorgesehener Mord
an einem Vollzugsbeamten verhindert worden sei“.
(Hannoversche Allgemeine Zeitung, 26./27.4.86)
Das Bekanntwerden des Sachverhalts hat für die
Verantwortlichen keine Folgen, im Gegenteil: Die
staatstragende Bombe wird dem Instrumentarium des
Rechtsstaats einverleibt.

01.08.1978 Das Bundesverfassungsgericht erklärt das Kontaktsperregesetz


für verfassungskonform: Damit wird für den gegebenen Fall
die totale Isolation von Gefangenen für gerechtfertigt erklärt,
die ihre verfassungsfeindlichen Zielvorstellungen in der
Haft nicht aufgeben.

22.08.1978 Im Nationalpalast in Managua werden 600 Geiseln genommen,


welche gegen politische Gefangene und 500 000 Dollar
ausgetauscht werden

Se p te mb e r 7 8 An sch l a g d e r R Z a u f d a s i m Ba u b e fin d l i ch e
Kasernengelände in Garlstedt

06.09.1978 Willi Peter Stoll wird in einem Düsseldorfer Restaurant beim Essen
erschossen.,.

09.09.1978 In mehreren Städten in Nicaragua kommt es zu Aufständen. Die


Nationalgarde massakriert Zivilisten, bombardiert und
brennt Städte nieder.

17.09.1978 Rahmenabkommen zwischen Israel und Ägypten. Mit einer Reise


nach Israel nimmt der ägyptische Staatspräsident Sadat im
November 1977 Friedensverhandlungen mit Israel auf, die
unter der Schirmherrschaft des amerikanischen
Präsidenten Carter im September 1978 in Camp David,
USA, fortgesetzt werden. Dieses separate Abkommen
zwischen Ägypten und Israel wird von der PLO und den
arabischen Staaten scharf angegriffen, Ägypten aus der
arabischen Liga ausgeschlossen, alle arabischen
Botschafter werden vorläufig aus Ägypten abgezogen.

25.09.1978 In Dortmund kommt es bei der Festnahme von Angelika Speitel


und Michael Knoll zu einer Schießerei, bei dem der Polizist
Hans-Wilhelm Hansen erschossen und Michael Knoll so
schwer verletzt wird, dass er zwei Wochen später stirbt.

06.11.1978 DPA-Besetzung in Frankfurt zur Veröffentlichung von


Informationen über die Haftbedingungen von politischen
Gefangenen. Acht Personen bleiben bis zu zehn Monate in
Haft.

25.11.1978 Bei einer militanten Demonstration von über 10.000


TeilnehmerInnen gegen das Schah-Regime im Iran
scheitert der Sturm auf das US-amerikanische
Generalkonsulat in Frankfurt nur knapp.

14.12.1978 Volker Speitel und Hans-Joachim Dellwo, die mit der


Anklagebehörde zusammengearbeitet haben, erhalten in
Stuttgart geringe Haftstrafen und sind kurze Zeit später frei.

Winter 1978/1979 In Frankreich geben sich Linke aus verschiedenen


Strömungen den Namen Action Directe und beginnen mit
„Aktionen bewaffneter Propaganda“. Im September 1980
werden zehn Mitglieder von AD verhaftet, darunter Jean-
Marc Rouillan und Nathalie Méningon. Nach der Wahl von
Mitterand 1981 zum Staatspräsidenten kommen sie im
Rahmen einer Amnestie frei. Nach unterschiedlichen
Spaltungen setzt AD den bewaffneten Kampf fort und
beschließt später mit der RAF den „Aufbau einer
antiimperialistischen europäischen Guerilla“.
1979
16.01.1979 Der Schah von Persien flüchtet aus dem Iran.

16.02.1979 Rechtsanwalt Croissant erhält 2 ½ Jahre Haft und 4 Jahre


Berufsverbot für den Aufbau eines Informationssystems zwischen
Inhaftierten und im Untergrund lebenden RAF-Mitgliedern.

28.03.1979 Im AKW Harrisburg (USA) kommt es zu einem schweren


„Störfall“. Eine radioaktive Wolke entweicht aus dem Reaktorgehäuse.
200.000 Menschen werden evakuiert. Nur knapp wird ein Super-GAU
vermieden.

07.04.1979 In Italien endet eine umfangreiche Polizeioperation mit der


Verhaftung von 70 Personen, einen großen Teil der Führung von Prima Linea
und verschiedenen autonomen Gruppen. Bei dieser Razzia wurde Toni Negri
verhaftet, ein Theoretiker der Autonomia, dem die Staatsanwaltschaft die
Verantwortung für die gesamten bewaffneten Aktionen in Italien anhängen
wollte. Negri kam nach vier Jahren Knast, ohne dass es bis dahin einen
Prozess gab, als gewählter Kandidat auf der Liste der Partito Radicale am
26.06.1983 frei. Drei Monate später ging Negri wegen der bevorstehenden
Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität nach Frankreich ins Exil.

20.04-20.06.1979 Siebter Hungerstreik der politischen Gefangenen mit der


Forderung nach Abschaffung der Isolationstrakte, Haftbedingungen, die den
Mindestanforderungen der Genfer Konvention entsprechen sowie nach
Freilassung von Günter Sonnenberg.

30.04.1979 100 000 demonstrieren gegen die Wiederaufbereitungsanlage in


Gorleben.

02.05.1979 Christine Kuby erhält in Hamburg eine lebenslange


Haftstrafe.

04. Mai 1979 Elisabeth von Dyck wird beim Betreten einer Wohnung in
Nürnberg erschossen. In der Wohnung befanden sich drei
Polizisten, Elisabeth von Dyck war allein.

27.05.1979 Die FSLN in Nicaragua ruft zu einem Generalstreik auf, der total
befolgt wird

Juni 1979 Aktion der RZ gegen die Import- Firma Hameico Frankfurt eines
Vertriebsmonopolisten für israelische Früchte und Gemüse

09.06.1979 Rolf Heissler wird in Frankfurt ohne Warnung angeschossen und


schwer verletzt
17.06.1979 45.000 Menschen demonstrieren trotz Demoverbot gegen das
Deutschlandtreffen der NPD. Es kommt zu heftigen
Auseinandersetzungen mit der Polizei.
25.06.1979 Gescheiterter Sprengstoffanschlag auf den NATO-General Haig;
durch ein RAF-Kommando Andreas Baader.
17.07.1979 Somoza flieht mit Geld und den Särgen seines Vaters und seines
Bruders nach Miami

19.07.1979 Am 19. Juli erreichen die sandinistischen Managua und


übernehmen die Kontrolle über das Land. Seit 45 Jahren
hatte der Somoza-Clan, der mächtigste Großgrundbesitzer
des Landes, die Volksmassen brutal unterdrückt und
ausgebeutet. Die Guardia Nacional läuft auseinander. Zu
den ersten Maßnahmen der neuen Regierung gehören die
Enteignung des Besitzes der Familie Somoza, die
Verstaatlichung der Banken und Minen, die Abschaffung
der Todesstrafe, die Garantie der Meinungsfreiheit,
umfangreiche Reformen im Gesundheits- und
Bildungswesen und eine Agrarreform zu Gunsten landloser
Bauern. Der Name der siegreichen Sandinistischen
Befreiungsfront Nicaraguas geht auf Augusto Cesar
Sandino zurück, der 1927 bis 1933 in einem Guerillakrieg
die US-Besatzungsarmee aus Nicaragua vertrieben hatte,
1934 wurde er ermordet.
August 1979 Im August wird Lord Mountbatten, ein enger Verwandter
der Königin, auf seinem Boot durch ein Bombenattentat der IRA getötet.
In Italien erschießen die Roten Brigaden Guildo Rosa, ein PCI-
Gewerkschafter, der einen Rotbrigadisten bei der Polizei
denunziert hatte.

15.10.1979 Putsch reformorientierter Offiziere gegen General Romero, den


amtierenden Präsidenten El Salvadors. Bildung einer
Regierungsjunta aus Militärs und Zivilisten

November 1979 Anschlag der RZ auf den Wetterturm Ahaus und gegen die
Fa. Seeland, Hamburg
04.11.1979 Etwa 400 iranische Studenten, die sich „Studenten, die der Linie
des Imam folgen“ (Danshjuyane Khate Emam) nannten,
besetzten die US- HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Botschaft_(Diplomatie)" \o "Botschaft (Diplomatie)"
Botschaft. Vor der Botschaft versammeln sich einige
Tausend Demonstranten. Man setzte die 90 Bewohner der
Botschaft fest und erklärte die 66 Amerikaner zu
Gefangenen.
19.11.1979 In Zürich wird nach einem Banküberfall, bei dem eine unbeteiligte
Frau ums Leben kommt, Rolf-Clemens Wagner
festgenommen.

15.12.1979 Verabschiedung des Pentiti-Gesetzes in Italien, das


Strafreduzierung im Austausch gegen Kollaboration mit der
Polizei anbietet. Unter den Pentiti ist besonders Patrizio
Peci zu erwähnen, Mitglied der strategischen Leitung der
BR und Verantwortlicher für die Turiner Kolonne. Er
arbeitete aktiv mit der Polizei zusammen und ermöglichte
dadurch die Verhaftung der Turiner, Genueser und Römer
Kolonne. Als Vergeltung bringen die BR einen seiner
Brüder 1981 um.

24.12.1979 Rudi Dutschke ertrinkt in der Badewanne infolge eines


epileptischen Anfalls, an denen er seit dem Attentat auf ihn
leidet.
1980
1980 Die TAZ organisiert die Spendenkampagne mit dem Aufruf „Waffen für El
Salvador“, um die FMLN in ihrem revolutionären Kampf zu
unterstützen. Ergebnis nach zwölf Jahren: 4.737.755 Mark
und 10 Pfennige

Anfang 1980In Italien sitzen 4000 politische Gefangene in den italienischen


Knästen, gegen die wegen Beteiligung oder Unterstützung
an bewaffneten Aktionen ermittelt wird. Viele sind auf der
Flucht oder im Exil, gegen ca. 20.000 laufen
Ermittlungsverfahren.

Anfang 1980Rücktritt aller zivilen Minister in El Salvador, da die


Reformvorhaben gegen die rechten Militärs und die
Großgrundbesitzer nicht durchzusetzen sind. Den
wachsenden Protesten der Bevölkerung begegnen Militär
und Polizei mit massiver Repression

Januar 1981 Anschlag der RZ gegen die Bundesanstalt für Arbeit,


Nürnberg

22.01.1980 In Hamburg wird Peter-Jürgen Boock festgenommen.

22.01.1980 In El Salvador findet eine der größten Manifestationen in der


Geschichte El Salvadors statt. 250.000 Menschen nehmen
daran teil. Als die friedliche Demonstration von Armee und
Polizei unter Beschuss genommen wird, verwandelt sie sich
in eines der größten Massaker, dass es in El Salvador
bisher gegeben hat. Ungezählte Demonstranten werden
ermordet.

24.01.1980 Die Roten Brigaden erschießen in Mestre den Vize-Direktor des


Petrolchimico, Sergio Gori. Wenige Monate später den Chef
der Antiterroreinheit in Venedig, Kommissar Alfredo
Albanese.

31.01.1980 In Guatemala besetzen Bauern aus Protest gegen die im Land


herrschende Unterdrückung die spanische Botschaft in
Guatemala-Stadt. Die friedliche Besetzung endete am 31.
Januar 1980 gewaltsam mit der Erstürmung der Botschaft
durch das Militär. Dabei wurde das Gebäude in Brand
gesetzt, und 39 Menschen starben in den Flammen.
05.02.1980 Ein Kommando der Organisation Prima Linea tötet den Ingenieur
Paolo Paletti, Produktionsleiter von Icmesa, der
Chemiefabrik von Seveso.

05.02.1980 In San Salvador wird die spanische Botschaft durch die Guerilla
besetzt, um Gefangene freizubekommen. Die Forderungen
werden zum Teil erfüllt.

29.02.1980 Straßenschlachten in Amsterdam zwischen Kraakern und Bullen,


die sich über mehrere Tage hinwegziehen. Ausgangspunkt
war die Besetzung eines Hauses in der Vondelstraat. Der
Versuch der Bullen, das Gebäude zu räumen, scheitert am
Widerstand der BesetzerInnen.

März 1980 Anschlag der RZ gegen das Bundesarbeitsgericht, Kassel

03.03.1980 Nach der Räumung in der Vondelstraat kommt es zu erneuten


Krawallen.

17.03.1980 Generalstreik in El Salvador, an dem sich 400.000 Menschen


beteiligen, die das Land vollständig lahmlegten

18.03.1980 Action Directe verübt einen Anschlag auf das Ministerium für
wirtschaftliche Kooperation. Der Anschlag richtet sich
gegen die französischen Militärinterventionen in Afrika.

18.03.1980 In Salerno wird ein Staatsanwalt von den Roten Brigaden


erschossen.

23.03.1980 Auf das BAG Kassel wird ein Sprengstoffanschlag verübt, zu dem
sich die „Revolutionären Zellen in der IG Metall“ bekennen.
Er gilt der bevorstehenden Verhandlung über die
Aussperrung. Im Juni erklärt das Gericht diese mit
Einschränkungen für rechtmäßig.

23.03.1980 In El Salvador wird Erzbischof Oscar Arnulfo Romero, der sich


gegen die seit 1979 herrschende Militärjunta gestellt hatte,
während eines Gottesdienstes von Rechtsextremisten
ermordet.

05.04.1980 Action Directe verüben Anschlag auf den Philips-Konzern in


Toulouse

15.04.1980 Action Directe beschießt das französische Verkehrsministerium mit


Raketenwerfern.
18.04.1980 Rhodesien wird unabhängig und heißt ab sofort Simbabwe

25.04.1980 Die Militäraktion HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/


Operation_Eagle_Claw" \o "Operation Eagle Claw"
Operation Eagle Claw der Vereinigten Staaten zur
Befreiung der amerikanischen HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Teheran" \o
"Geiselnahme von Teheran" Geiseln in der besetzten US-
Botschaft in HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Teheran" \o "Teheran" Teheran scheitert.

Mai 1980 Zusammenschluss oppositioneller Kräfte zur Demokratisch


Revolutionären Front (FDR) in El Salvador

03.05.1980 Errichtung einer Hütte auf dem geplanten Baugelände für die
Startbahn-West, im Flörsheimer Wald. Die Hütte dient
zunächst als Informations- und Treffpunkt für alle
interessierten gegen den Ausbau.

03.05.1980 Rund 5.000 Atomkraftgegner besetzen das Gelände der


Tiefbohrstelle 3 bei Gorleben, errichten ein Hüttendorf und
rufen die freie Republik Wendland aus. Nach einer Woche
geht das Radio „Freies Wendland“ auf Sendung. 300 - 500
Menschen sind ständig anwesend.

05.05.1980 In Paris werden Sieglinde Hofmann und vier Frauen aus der
Bewegung 2. Juni festgenommen.

06.05.1980 Bremen/Göttingen/Hildesheim/Hannover/Stuttgart: Bei einer


Rekrutenvereidigung im Bremer Weserstadion kommt es zu
stundenlangen Straßenschlachten. In den folgen Monaten
finden mehrere Demonstrationen gegen Vereidigungen
und Nato statt. Im August in Göttingen demonstrieren 500
und im September in Hildesheim 2000 Menschen gegen
Nato-Manöver. Im September kommt es in Hannover und
Stuttgart zu Demos und Randale bei
Rekrutenvereidigungen.
30.05.1980 In Zürich kommt es zu ersten Krawallen anlässlich eines
Volksfestes am 30. Mai 1980, an dem für eine Zustimmung
zu einer 61 Millionen-Franken-Subvention für die
Renovation des HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Opernhaus_Zürich" \o "Opernhaus Zürich" Zürcher
Opernhauses geworben werden sollte. Die Proteste
richteten sich dagegen, dass Millionen für „etablierte“, aber
nichts für die „alternative“ Kunst ausgegeben werde. Das
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Marley" \o
"Bob Marley" Bob-Marley-Konzert am selben Tag heizte die
Stimmung zusätzlich an. Im Unterschied zu den 68er-
Unruhen waren nicht Akademiker die Träger des Protests,
sondern eine „Jugendbewegung“, wie sie sich selbst
nannte. Nach mehreren Wochen anhaltender
Straßenschlachten („Züri brännt“) gab der Stadtrat am 28.
Juni 1980 nach und übergab eine leerstehende Fabrik an
der Limmatstrasse (beim heutigen Carparkplatz) als
Autonomes Jugendzentrum (AJZ) an die Jugendbewegung.

02.06.1980 2. Juni: Ein Teil der Bewegung 2. Juni erklärt seine HYPERLINK
"http://autox.nadir.org/archiv/div/80_2juni_1.html" Auflösung
und den Übertritt zur RAF
02.06.1980 Der ANC greift eine Ölraffinerie des staatlichen Konzerns SASOL
an. Dabei entsteht ein Sachschaden von ca. 66 Millionen
Rand

04.06.1980 Die sogenannte Freie Republik Wendland wird von 6.000 Polizei-
und BGS-Beamten geräumt. Die rund 3.000 BesetzerInnen
leisten zumeist passiven Widerstand.

09.06.1980 In Freiburg kommt es nach der Räumung von mehreren Häusern


zu Krawallen.

25.07.1980 Die RAF-Mitglieder Juliane Plambeck und Wolfgang Beer


kommen bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

02. 08.1980 Im Bahnhof Bologna explodiert eine Bombe und richtet dort ein
Blutbad an: 85 Menschen sind tot, 200 verletzt. Anfänglich
wird wieder in die Linke hinein ermittelt, letztlich aber
werden zwei Mitglieder der „Bewaffneten Revolutionären
Kerne“ (NAR) zu lebenslanger Haft verurteilt, zwei SISMI-
Offiziere fassen wegen Legen falscher Spuren mehrjährige
Haftstrafen aus. Die mutmaßlichen Auftraggeber P2-
Großmeister Licio Gelli und der CIA-Agent Francesco
Pazienza werden zu je 10 Jahren Haft verurteilt.

13.08.1980 Aktion der Roten Zora gegen Rechtsanwalt Wagner, Köln wegen
seiner Beteiligung an Spekulationsgeschäften

22.08.1980 Bei einem Anschlag auf ein Ausländerwohnheim sterben zwei


Vietnamesen.

25.08.1980 Hamburg: Olaf Ritzmann wurde am Rande einer


Wahlkundgebung von F.J. Strauß von der Polizei vor eine
S-Bahn - und damit in den Tod - getrieben.

31.08.1980 Startbahn: Zur bisher größten Demonstration gegen den Ausbau


kommen rund 10.000 Menschen
02.09.1980 Bei einem Attentat in Barcelona kommt ein Armeegeneral ums
Leben, die Grapo bekennt sich zu der Aktion.

12.09.1980 HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/MilitÃ


¤rputsch_in_der_Türkei_1980" \o "Militärputsch in der
Türkei 1980" Militärputsch in der Türkei: Das Militär putscht
unter General HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Kenan_Evren" \o "Kenan Evren" Kenan Evren zum dritten
Mal in der HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Türkei" \o "Türkei" Türkei. Der Putsch wird unterstützt von
der HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/NATO" \o
"NATO" NATO und den HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Staaten" \o "Vereinigte
Staaten" USA. Die HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/
wiki/NATO" \o "NATO" NATO stationiert anschließend
schnelle Eingreiftruppen in HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Kurdistan" \o "Kurdistan" Kurdistan, in
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Van_(Türkei)" \o
"Van (Türkei)" Van und HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Batman" \o "Batman" Batman.

17.09.1980 Somoza wird in Paraguay erschossen.

22.09.1980 Beginn des HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/


Erster_Golfkrieg" \o "Erster Golfkrieg" Ersten Golfkrieges
zwischen HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Iran" \o
"Iran" Iran und HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Irak" \o "Irak" Irak

26.09.1980 Eine von Nazis gelegte Bombe tötet auf dem Münchner
Oktoberfest 13 Menschen. Verbindungen zur
Wehrsportgruppe Hoffmann, einer paramilitärischen
faschistischen Gruppe, werden von der Polizei nicht
verfolgt.
Oktober 1980 im Oktober findet die organisatorische Einigung der
Guerillagruppen in El Salvador mit der Gründung der FMLN
(Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) ihren
Abschluss.

02.11.1980 Startbahn: Über 15.000 Menschen versammeln sich am Waldrand


in Walldorf. Nach kurzer Kundgebung gehen die meisten
zur Hütte und dem Zaun, hinter dem Polizei mit
Wasserwerfern stand. Die Polizei schießt mit Tränengas
aus wenigen Metern Entfernung wahllos in die
Menschenmenge

Dezember 1980 Der Christdemokrat Napoleon Duarte wird zum Chef der
Regierungsjunta in El Salvador ernannt. In der Folgezeit
nimmt die Repression zu. Durch Polizei, Militär und
Todesschwadronen werden unzählige Massaker an der
Bevölkerung begangen. Die Militärhilfe der USA steigt mit
dem Amtsantritt Reagans beständig an. US-Militärs
beginnen mit der Ausbildung und Schulung der
salvadorianischen Armee in großem Umfang

12.12.1980 Bis zu diesem Tag sind 25 Häuser in Berlin besetzt.


Nach dem Versuch der Polizei eine Hausbesetzung am
Kreuzberger Fränkelufer zu verhindern, kommt es zu einer
HYPERLINK "http://autox.nadir.org/archiv/haus/80_01.html"
Straßenschlacht bis in die frühen Morgenstunden in
Kreuzberg.

13.12.1980 Erste Scherbendemo am Kudamm durch die „neue


HausbesetzerInnenbewegung“. Zahlreiche Auslagen
werden geplündert. Zwei Tage später findet erneut eine
Demo am Kudamm mit etwa 2.500 Menschen statt, es
kommt zu vereinzelt zu Randale und Bullenkesseln. Der
HYPERLINK "http://autox.nadir.org/archiv/div/81_ea.html"
Ermittlungsausschuss wird gegründet. Bilanz des
Wochenendes: Über 200 verletzte
Demonstranten, 66 Verhaftungen davon 25 mit Haftbefehl.

20.12.1980 15-20.000 Menschen demonstrieren in Berlin für die sofortige


Freilassung aller inhaftierten HausbesetzerInnen und
fordern die Einstellung aller Ermittlungsverfahren.

31.12.1980 Sylvesterkrawalle in Göttingen.


1981
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/10._Januar" \o "10. Januar"
10.01.1981 In HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
El_Salvador" \o "El Salvador" El Salvador beginnt eine
Großoffensive HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Guerillero" \o "Guerillero" der FMLN, die Regierung
verhängt das HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Kriegsrecht" \o "Kriegsrecht" Kriegsrecht.

20.01.1981 Die Geiseln in der Teheraner Botschaft werden freigelassen.

31.01.1981 Bundesweite Demo in Frankfurt gegen die Militärjunta in El


Salvador, an der sich ca. 20.000 Menschen beteiligen.

02.02.1981 Während des achten kollektiven Hungerstreiks von über hundert


politischen Gefangenen, schließen sich erstmals auch
Gefangene aus dem antiimperialistischen Widerstand an.
Die den Hungerstreikenden von der Bundesregierung
gemachte Zusage, kein Gefangener bleibe in
Einzelisolation, wird später nicht eingehalten. Der
Hungerstreik endet am 16. April.

23.02.1981 In Spanien scheitert ein Militärputsch, nachdem sie für kurze Zeit
das Parlament besetzt hatten.

28.02.1981 In Brokdorf demonstrieren trotz Verbot rund 100.000 Menschen


gegen den Bau des AKW. Die meisten dringen nicht zum
Bauzaun vor. Auf den Feldern um den Bauplatz kommt es
zu SEK- und Hubschraubereinsätzen. Ende des Jahres
jedoch Baubeginn. Markus Mohr und Michael Duffke
werden verhaftet und beschuldigt einen SEK-ler bei seiner
Demonstrantenjagd in einem Graben mit Schaufel und
Knüppel bearbeitet zu haben. Sie werden im März 82 in
erster Instanz zu 5 bzw. 3 Jahren Haft verurteilt.

05.03.1981 In Nürnberg wird das KOMM nach einer Demonstration von Bullen
gestürmt und 164 Leute festgenommen, gegen 141 wird
Haftbefehl wegen Landfriedenbruchs erlassen.

24.03.1981 Drei besetzte Häuser am Fränkelufer, dem Ausgangspunkt für die


schweren Auseinandersetzungen im Dezember 1980,
werden geräumt. 850 Polizisten sind im Einsatz und
sperren das Gebiet weiträumig ab, SEK-ler werden auf
Dächern der Nachbarhäuser postiert. Als HYPERLINK
"http://autox.nadir.org/archiv/haus/81_radi_04.html"
Reaktion kommt es zu den schwersten
Auseinandersetzungen seit Jahresbeginn.

30.03.1981 Verteilung gefälschter Fahrkarten durch die RZ in Hagen,


Dortmund, Bochum, Recklinghausen, Gelsenkirchen,
Essen, Wuppertal, Bottrop, Oberhausen, Duisburg,
Mülheim, Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf,.

16.04.1981 Sigurd Debus, der seit dem 11.2.1981 an einem Hungerstreik der
politischen Gefangenen gegen Isolationshaft und für
Zusammenlegung teilnimmt, stirbt. Sigurd Debus ist seit
dem 19.3.1981 gegen seinen Willen und gegen seinen
Widerstand im Zentralkrankenhaus des
Untersuchungsgefängnisses Hamburg zwangsernährt
worden. Sein Verteidiger schreibt: „Alle Anzeichen deuten
darauf hin, dass die Zwangsernährung im ZKH des UG den
Tod von S.D. bewirkt hat.“
Am 15.3.1981, d.h. wenige Tage, bevor die
Zwangsernährung an Sigurd Debus vollzogen wird, haben
sich westdeutsche Ärzte in einem Offenen Brief gegen
Isolationshaft und Zwangsernährung gewandt und von den
dafür Verantwortlichen die Erfüllung der Forderungen der
hungerstreikenden Gefangenen und die Beendigung der
Zwangsernährung gefordert.

Mai 1981 Anschlag der RZ auf die Kantine der US- Streitkräfte,
Frankfurt

05.05.1981: Das IRA-Mitglied Bobby Sands und neun Mitstreiter sterben nach
einem Hungerstreik, mit dem sie für sich den Status
politischer Gefangener durchsetzen wollten. Zu der
Beerdigung in Belfast kommen 100.000 Menschen

11.05.1981 Der hessische Wirtschaftsminister und Schatzmeister der FDP,


Karry, wird in Frankfurt von einer RZ erschossen.

20.05.1981 Der Chef der Petrolchimico, Giuseppe Tagliercio, wird von der
venetischen Kolonne der Roten Brigaden entführt und
schließlich am 7. Juli getötet. Die Aktion wurde gleichzeitig
mit weiteren drei Entführungen gemacht. Es war die letzte
gemeinsame Aktion der BR vor der Spaltung.

30.06.1981 Im Düsseldorfer Majdanek-Prozess werden – nach skandalösem


Verlauf und zum Teil entwürdigender Behandlung von
ZeugInnen – milde Urteile gefällt.

07.-08.1981 Offensive der FMLN in El Salvador gegen die Anlagen der


nationalen Energieversorgung (Hochspannungsmasten,
Leitungen, Kraftwerke), die zeitweise zu ¾ lahmgelegt
werden

09.08.1981 Angriff des ANC auf den Militärstützpunkt Voortrekkerhoogte nahe


Pretoria.

12.08.1981 Die FMLN besetzt in EL Salvador über eine Woche lang die Stadt
Perquin und einige umliegende Orte in der Provinz
Morazan. Der Rückzug erfolgt erst, als die Luftangriffe der
salvadorianischen Armee überhand nehmen

31.08.1981 Das Kommando Sigurd Debus verübt einen Bombenanschlag auf


das europäische Hauptquartier der US-Luftwaffe in
Ramstein, bei dem zwanzig Personen verletzt werden.

13.09.1981 Anlässlich eines Besuches des US-Außenministers Haig findet


eine Demo von 60.000 Menschen statt. Nach Beendigung
der Demo versuchen rund 5.000, ausgehend vom
Winterfeldplatz, weiter zum Rathaus Schöneberg zu
demonstrieren, um den dortigen Empfang des US-
Außenministers Haig zu stören. Dabei kommt es zu heftigen
Auseinandersetzungen mit der Polizei, wobei diese
teilweise die Initiative verlor

15.09.1981 Das Kommando Gudrun Ensslin beschießt den Oberbefehlshaber


der US-Armee in Europa, den amerikanischen General
Kroesen, mit einer Panzerfaust. Der General und seine Frau
werden leicht verletzt.

22.09.1981 Unter Einsatz von 2.000 Polizisten werden wie im Sommer


angekündigt 8 Häuser geräumt. Schon in dessen Verlauf
kommt es zu schweren Straßenschlachten in Schöneberg.
Während Innensenator Lummer in einem geräumten Haus
eine Pressekonferenz abhält, treibt die Polizei einen
Demonstranten vor einen Bus. K. Rattay wird tödlich
verletzt. In HYPERLINK "http://autox.nadir.org/archiv/haus/
81_ratt.html" zahlreichen bundesdeutschen Städten kommt
es zu Solidaritätsdemonstrationen.

Oktober 1981 In der St.Pauli-Hafenstrasse und in der Bernhard-Nocht-


Strasse werden leerstehende Wohnungen „still“ besetzt.
Die stadteigenen, von der SAGA verwalteten Häuser sind
ziemlich verfallen. In den Monaten davor hatte es in
Hamburg zahlreiche Hausbesetzungen (vor allem in Altona
und Eppendorf) gegeben, die alle innerhalb von 24
Stunden durch Polizeieinsätze geräumt wurden (24-
Stunden-Konzept von Innensenator Pawelczyk, SPD).

Oktober 1981 Brandanschlag der RZ gegen zwei am Bau der Startbahn-


West beteiligten Firmen Züblin/ Bratengeier

22.10.1981 Hunderttausende versammeln sich im HYPERLINK "http://


de.wikipedia.org/wiki/Hofgarten_(Bonn)" \o "Hofgarten
(Bonn)" Bonner Hofgarten, um für Frieden und Abrüstung
und gegen den HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
NATO-Doppelbeschluss" \o "NATO-Doppelbeschluss"
NATO-Doppelbeschluss zu demonstrieren.

HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/23._Oktober" \o "23. Oktober"


23.10.1981 HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Libanon" \o "Libanon" Libanon. Bei einem HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_den_US-
Stützpunkt_in_Beirut_1983" \o "Anschlag auf den US-
Stützpunkt in Beirut 1983" Anschlag auf einen US-
Stützpunkt in der libanesischen Hauptstadt HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Beirut" \o "Beirut" Beirut werden
241 HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/US-Marines"
\o "US-Marines" US-Marines und 58 HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Frankreich" \o "Frankreich"
französische HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Fallschirmjäger" \o "Fallschirmjäger" Fallschirmjäger
getötet

02.11.1981 Räumung des Hüttendorfes: Gegen 9 Uhr - zur gleichen Zeit findet
in Wiesbaden eine seit langem anberaumte
Pressekonferenz der BI zum Volksbegehren statt –
überrennen die SEKs aus den verschiedenen
Bundesländern das schlafende Hüttendorf; die Rodung von
Baulos 1 beginnt. Hinter den eingenommenen Wällen
verschanzen sich nun die Bullen. Von hier aus starten die
SEKs den ganzen Tag über ihre Knüppelorgien gegen die
in den Wald strömenden Menschen.
Etwas weiter im Wald wird ein neues Hüttendorf errichtet.
In den folgenden Tagen erlebt die Region eine noch nie
dagewesene Mobilisierung, deren Zentren der Wald und
die Frankfurter City sind. Schulstreiks und
Bahnhofsblockaden in Frankfurt, Rüsselsheim, Groß-Gerau
und Darmstadt. Hinzu kommen Solidaritätsdemos und -
aktionen in der ganzen BRD.
02./03.11.81 In dieser Nacht lässt eine RZ eine
Funkfeuereinrichtung des Flughafens in Flammen aufgehen
(Schaden ca. 400.000 DM); in Frankfurt werden 156
Banken entglast und ein Bagger angesteckt; in
Darmstadt fliegt ein Molli aufs Kennedy-Haus.
15.11.1981 Auf dem Frankfurter Flughafengelände kommt es zu schweren
Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Gegnern
der geplanten Startbahn-West. Am Vortag hatten sich rund
100.000 Gegner der Startbahn in Wiesbaden versammelt.

04.12.1981 Stefan Wisniewski erhält in Düsseldorf wegen Mittäterschaft an der


Schleyer-Entführung eine lebenslange Haftstrafe. Am
9.3.1993 entscheidet das OLG Düsseldorf, dass er wegen
nachträglich erwiesene Schuldschwere das Gefängnis erst
nach 20 Jahren „vorzeitig“ verlassen kann

17.12.1981 In Verona wird der US-General Dozier, Oberbefehlshaber der


NATO-Landstreitkräfte in Südeuropa, entführt. Am 27.
Januar 1982 erfahren die Carabinieri durch Verrat von dem
Versteck, in dem Dozier festgehalten wird, und stürmen es
am nächsten Tag. Fünf Brigadisten werden dabei
mitgenommen und anschließend tagelang, ohne offiziell
verhaftet worden zu sein, gefoltert. Vier von ihnen machen
Aussagen, die eine Repressionswelle auslösen, im Laufe
derer etwa 1000 Personen verhaftet werden.
1982
15.01.1982 Der Hessische Staatsgerichtshof lehnt ein Volksbegehren gegen
den Bau der Startbahn-West am Frankfurter Flughafen ab.
Daraufhin kommt es am 30./31. Januar in Frankfurt zu
weiteren Demonstrationen.

27.01.1982 Stürmung des Militärflughafens Ilopango durch die FMLN in El


Salvador, wobei 28 Flugzeuge und Hubschrauber der
Armee zerstört werden

30.01.1982 140 Schwerverletzte nach einem Polizeieinsatz gegen Startbahn-


West DemonstrantInnen

Februar 1982 Aktion der RZ gegen Philip Holzmann, Neu Isenburg

März 1982 Anschlag der RZ auf die Neue Heimat in Berlin

07.03.1982 Brandanschlag der Roten Zora bei Schering.

27.03.1982 Erste Großdemonstration in Schwandorf mit 15.000


TeilnehmerInnen aus Anlass des Raumordnungsverfahrens
für eine WAA in Bayern

Mai 1982 Die RAF-Schrift „Guerilla, Widerstand und antiimperialistische


Front“ erscheint.

01.06.1982 Im Vorfeld des NATO-Gipfels in Berlin 1.6.1982 führen die RZ und


Rote Zora mehrere Sprengstoffanschläge auf das US-
Hauptquartier in Frankfurt, auf den AFN in Berlin, auf ITT in
Hannover, auf IBM in Düsseldorf, auf Control Data in
Düsseldorf, auf den US-Offiziersclub in Hanau und auf den
US-Offiziersclub in Gelnhausen durch.

10.06.1982 Fast 500.000 Menschen demonstrieren in Bonn gegen das dort


stattfindende Nato-Gipfeltreffen.

10.06.1982 Am Vorabend des NATO-Gipfels verüben die RZ einen Anschlag


auf den US-amerikanischen Rüstungskonzern MCDonell
Douglas in Köln

11.06.1982 Zur Reagan-Demonstration gegen die US-Politik in


Zentralamerika und gegen die Nato versammeln sich
gegen 10 Uhr 5.000 Menschen, überwiegend aus dem
autonomen und antiimperialistischen Spektrum, am
Nollendorfplatz. Sie werden mit Stacheldraht eingekesselt.
Kurz darauf geht ein Möbelgeschäft in Flammen auf und die
ersten Ausbruchsversuche werden gestartet. Gegen 13 Uhr
müssen sich die Sicherheitskräfte aufgrund des massiven
Widerstandes zurückziehen

16.06.1982 Sieglinde Hofmann erhält in Frankfurt wegen Beteiligung an der


Planung der Ponto-Entführung 15 Jahre

19.07.1982 Bombenanschläge von Revolutionären Zellen bei zwei Firmen,


die am Bau der Frankfurter Startbahn beteiligt sind.

Sept. 1982 Seit der Brokdorf-Demonstration von 1981 kommt es erstmals


wieder zu breiteren Aktionen gegen die Atomkraft. In
Gorleben, kommt es unter dem Motto „Tanz auf dem
Vulkan“ bei einer Kundgebung von 10.000 Menschen zu
Auseinandersetzungen mit der Polizei.

04.09.1982 Tanz auf dem Vulkan, Großkundgebung am Zwischenlager in


Gorleben mit 10.000 Teilnehmerinnen. Es kommt zu militanten
Auseinandersetzungen.

16.09.1982 Rechte libanesische Milizen dringen unter dem Schutz des


israelischen Militärs in die Flüchtlinge Sabra und Schatila
ein und ermorden Hunderte.

01.10.1982 Sprengstoffanschläge der RZ auf Interatom in Bensberg, die


Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Köln und einen
Strommast in Kalkar

02.10.1982 Rund 20.000 Menschen demonstrieren gegen den Bau des


„schnellen Brüter“. 300 Militante greifen zu Brandsätzen
und Pflastersteinen.

30.10.1982 Schlacht am Schacht. Bei der Demonstration gegen das


Atommüllager Schacht Konrad entwickeln sich
mehrstündige Kämpfe zwischen militanten AKW-
GegnerInnen und der Polizei.

10.11.1982 Rolf Heißler wird in Düsseldorf wegen Polizistenmord und RAF-


Mitgliedschaft zu zweimal lebenslänglich plus 15 Jahre
verurteilt.

11.11.1982 An einem Erddepot in der Nähe von Frankfurt werden Brigitte


Mohnhaupt und Adelheid Schulz verhaftet, fünf Tage später
wird bei Hamburg Christian Klar festgenommen. Insgesamt
werden acht Depots mit Waffen und Papieren entdeckt.
1983
06.02.83 Brandanschlag der RZ auf das Amtsgericht Groß- Gerau wegen
der seit einem Jahr laufenden Prozesse gegen die
Startbahnbewegung
13.02.1983 Brandanschlag der RZ auf den US-Konzern „Texas Instruments“

23.02.1983 Anschlag der Roten Zora auf Lindemann, Chefarzt am Elisabeth-


Krankenhaus in Hamburg, der sich mit
Sterilisationsversuchen an Frauen und als internationale
„Fachkraft in Sterilisationsfragen in der Dritten Welt“
hervorgetan hat.

27.02.1983 Anschlag der RZ auf die ITT- Tochter SEL, Düsseldorf

März 1983 Anschlag der RZ auf IBM in Reutlingen

März 1983 RZ-Aktionen gegen den Frauenhändler Kirschner in Köln und das
Philippinische Konsulat in Bonn

19.03.1983 Die Rote Zora fackelt in Münster das Auto des Frauenhändlers
Günter Menge ab.

April 1983 Bombenanschlag der RZ auf die Vorstandsetage der


Wohnungsbaukreditanstalt in Berlin

13.04.1983 Nach einer zunehmenden Verweigerungswelle gegen die


geplante Volkszählung schließt sich auch das
Bundesverfassungsgericht per einstweiliger Verfügung den
GegnerInnen an.

Mai 1983 Das Hauptquartier der Südafrikanischen Luftwaffe (SAAF) und des
Militärgeheimdienstes in Pretoria wird durch eine
Autobombe stark beschädigt

20.05.1983 Aktion der RZ gegen die alliierte Truppenparade, Berlin

Juni 1983 Aktion der RZ gegen die Konrad- Adenauer- Stiftung, Bonn

25.06.1983 Anlässlich des Besuches vom US-Vizepräsidenten Bush und des


Nato-Doppelbeschluss, ruft die „Friedensbewegung“ zu
einer Demonstration auf, der 25.000 Menschen folgen.
Autonome Gruppen mit stark anti-imperialistischer
Ausrichtung rufen zu eigenständigen Protesten auf. Dabei
werden rund 1.000 Demonstranten von SEK-Kommandos
aufgehalten und zerschlagen. Es kommt zu über 60 schwer
verletzten, 138 festgenommenen und 50 verurteilten
Demonstranten.

24.07.1983 Anschlag auf eine Militäreinrichtung in Sri Lanka, bei dem 13


Soldaten sterben. Nach dem Anschlag kommt es zu
landesweiten HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Pogrom" \o "Pogrom" Pogromen gegen die tamilische
Minderheit. In ihrem Verlauf werden, vor allem in den
Gebieten mit singhalesischer Bevölkerungsmehrheit,
zwischen 1.000 und 5.000 Tamilen ermordet und
mindestens 100.000 zur Flucht in andere Landesteile
gezwungen, wobei ein großer Teil des tamilischen
Eigentums in singhalesische Hände übergeht.

August 1983 RZ-Aktion gegen den Frauenhändler Günter Menger,


Münster

08.08.1983 Militärputsch in Guatemala.

21.08.1983 In Argentinien protestieren 50.000 Menschen gegen die Amnestie


für Angehörige der Militärjunta.

30.08.1983 Kemal Altun, in der Türkei politisch verfolgter Asylbewerber, den


die deutschen Behörden ausliefern wollten, begeht in
Hamburg Selbstmord.

01.09.1983 Antikriegstag. Blockade in Mutlangen und Bitburg.

14.09.1983 Anschlag der RZ gegen MAN in Ginsheim

01.10.1983 Autonome AntifaschistInnen greifen den Bundesparteitag der NPD


in Fallingbostel an.

13.10.1983 Im Rahmen der Aktionswoche der Friedensbewegung vom 13. -


22. Oktober kommt es zu einer massiven Beteiligung von
Autonomen an den Blockadeaktionen in Bremerhaven/
Nordham.

22.10.1983 1,3 Millionen Menschen demonstrieren gegen den NATO-


Doppelbeschluss.

22.10.1983 Nach mehreren Bombenanschlägen auf die Hauptquartiere der


USA und Frankreich in Beirut mit 300 Toten, ziehen sich die
USA aus dem Libanon zurück.

25.10.1983 HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Grenada" \o "Grenada"


Grenada Der linksorientierte, frei gewählte Premierminister
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Bishop"
\o "Maurice Bishop" Maurice Bishop (1944–1983) wird
unter ungeklärten Umständen ermordet. Die Vereinigten
Staaten besetzen die kleine Karibik-Insel und beenden die
ihnen nicht genehme Linksentwicklung des Landes.

27.10.1983 In Uruguay demonstrieren mehrere Hunderttausend gegen die


Militärjunta.

November 1983 Anschlag der RZ gegen das Justizvollzugsamt Hamm und


Anschlag gegen Siemens, Witten + Braunschweig

Dezember 1983 Anschläge der RZ gegen Nixdorf, Hannover und den


Verband der Vereine Creditreform, Neuss

16.12.1983 Erste Blockade eines Castortransports nach Gorleben mit ca. 70


AKW-GegnerInnen
1984
1984 Die CIA vermint die wichtigsten Häfen Nicaraguas.
01.01.1984 100. Sonntagsspaziergang an der Startbahn-West, dabei wird ein
halbfertiger Strommast umgezogen.

08.02.1984 Sprengstoffanschlag der RZ auf das türkische Generalkonsulat

März 1984 Anschlag der RZ gegen die Deutsche Gesellschaft für


wirtschaftliche Zusammenarbeit, Köln

April – Aug. 1984 Anschläge auf Strommasten in Brokdorf und vermehrt


Anschläge auf Firmen, die am AKW-Geschäft beteiligt sind

12.04.1984 Die umstrittene Startbahn-West des Frankfurter Flughafens wird in


Betrieb genommen. Am 14. April kommt es am Flughafen
und in der Frankfurter Innenstadt erneut zu heftigen
Kämpfen zwischen Demonstranten und der Polizei.

16.04.1984 Über eine Million Menschen demonstrieren in Brasilien gegen die


Militärdiktatur.

30.04.1984 Wendlandblockade, für 12 Stunden werden alle wichtigen


Zufahrtsstraßen nach Gorleben gesperrt.

Mai 1984 Brandanschlag der RZ auf das Fraunhofer-Institut in Duisburg,

01.05.1984 Über 200.000 demonstrieren in Uruguay gegen die Militärdiktatur.

14.06.1984 Sprengstoffanschlag der RZ auf die NATO- Pipeline, Lorch

22.06.1984 Manuela Happe wird in Deizisau verhaftet.

02.07.1984 In Frankfurt werden Ingrid Jakobsmeier, Christa Eckes, Stefan Frey


und Helmut Pohl verhaftet.

11.07.1984 Anschlag von Action Directe auf das Atlantische Institut

13.07.1984 Anschlag von Action Directe auf den Informationsdienst des


Verteidigungsministeriums

02.08.1984 Anschlag von Action Directe auf die Europäische


Raumfahrtbehörde ESA
23.08.1984 Anschlag von Action Directe auf die WEU

08.10.1984 Tag X, erster Atommülltransport, danach andauernde Proteste und


Barrikaden auf den Straßen. Unter den Fässern sind auch
falsch deklarierte und illegal verschobene Fässer (Trans-
Nuclear Skandal).
08.10.1984 Anschlag der CCC auf das Hauptquartier des US-Militärs
Honeywell
11.10.1984 Attentat auf Margaret Thatcher in Brighton. In ihrem Hotel
explodiert eine Bombe. Vier Menschen sterben, Thatcher bleibt unverletzt. Die
IRA bekennt sich zu dem Anschlag.
30.10.1984 Bei einem Generalstreik in Chile werden sieben Menschen
ermordet.

04.12.1984 Die RAF-Gefangenen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt


geben in ihrem Prozeß eine „Erklärung zu '77“ ab.

04.12.1984 Beginn des neunten Hungerstreik der politischen Gefangenen mit


rund 40 Gefangenen. Forderungen sind die Aufhebung der
Einzel- und Kleingruppenisolation und Zusammenlegung
aller kämpfenden Genossen, ferner Besuchs- und
Briefverkehr, Aufhebung der Zensur politischer
Kommunikation.

18.12.1984 Ein Sprengstoffanschlag des Kommandos Jan Raspe auf die


NATO-Schule in Oberammergau scheitert

31.12.1984 Zu Silvester 84/85 finden erstmals BRD-weite Widerstandstage in


der Hafenstr. statt, mit Silvester-Demo zum Knast
1985
15.01.1985 Gleichzeitig in Frankreich und in der BRD erscheint eine
gemeinsame Erklärung der französischen Action directe
und der RAF.

20.01.1985 Bei der vorzeitigen Explosion einer bombe, die er in Stuttgart an


die Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und
Raumfahrt legen wollte, stirbt Johannes Thimme.

24.01.1985 Das Kommando „Hau weg die Scheiße" sprengt einen Strommast
beim AKW Krümel

25.01.1985 Das Kommando Elisabeth von Dyck der Action Directe erschießt
den Waffenexportchef im französischen Außenministerium,
General Réné Audran.

01.02.1985 Der MTU-Vorstandsvorsitzende Ernst Zimmermann wird von dem


RAF-Kommando Patsy O“Hara in seinem Haus erschossen.

02.02.1985 Die RAF fordert in einem Brief die politischen Gefangenen auf,
ihren Hungerstreik zu beenden, drei Tage später wird
dieser eingestellt.

04.02.1985 Die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufbereitung von


Kernbrennstoffen (DWK) entscheidet sich für das
bayerische Wackersdorf als Standort für die erste
kommerzielle Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in der
BRD.
März 1985 Anschläge der RZ zum Bergarbeiterstreik in Großbritannien gegen
den Unternehmerverband Ruhrbergbau, Essen, die Peter
Döhle KG, Hamburg, die Industrie- Gewerkschaft Bergbau
und Energie, Bochum.
März 1985 Der Staatsanwalt G. Thefanopoulou wird in Athen von der
Organisation Kampf dem Staat erschossen.

01.03.1985 Die Militärdiktatur in Uruguay ist beendet.

13.03.1985 Adelheid Schulz und Rolf-Clemens Wagner werden in Düsseldorf


wegen Beteiligung an der Schleyer-Entführung und
Mitgliedschaft in der RAF zu zweimaliger lebenslanger Haft
verurteilt.

16.03.1985 Die erste Demo gegen die WAA mit 30.000 TeilnehmerInnen in
Wackersdorf.
28.03.1985 Die Begehung der Häuser durch Innen- und Baubehörde wird mit
einem Polizei-Großeinsatz erzwungen. Dabei wird das
Instandsetzungsgerüst an der Hafenstr. 120 demontiert und
geklaut, Türen und Treppen demoliert, 12 Stromzähler
mitgenommen und eine Wohnung geräumt.
Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschließt die
Räumung und den Abriss der Häuser.

April 1985 Bombenanschläge der RZ gegen die Deutsche Bank in


Düsseldorf, in Köln gegen den Gesamtverband der
Metallindustrie und Höchst

02.04.1985 Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt werden in Stammheim


wegen RAF-Aktionen 1977-81 zu je fünfmal lebenslänglich
und 15 Jahre verurteilt. Es sind die höchste Strafe, die
jemals gegen Mitglieder der RAF ausgesprochen wurden.

13.04.1985 Anschlag der Roten Zora gegen den Technologiepark Heidelberg

30.04.1985 Anschlag der Roten Zora gegen Siemens, Isernhagen zum


Weltwirtschaftsgipfel

30.05.1985 Aktion der RZ gegen die NATO- Pipeline, Mörfelden

02.06.1985 Bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes auf das


Verwaltungsgebäude der Hannoverschen Messe stirbt
Jürgen Peemöller.

14.06.1985 Schengener Abkommen europäischer Staaten. Dieses


Abkommen vereinheitlichte die weitestgehende
Abschaffung des Asylrechts und bildet die  juristische
Grundlage der Festung Europa.

20.06.1985 Das Kommando „Fernando Gallardo“ der FMLN erschießt in San


Salvador mehrere US-Militärberater und CIA-Agenten.
28.06.1985 Der Bundestag verschärft das Demonstrationsstrafrecht durch
Verbot der „Vermummung“ und des Tragens von
„Schutzwaffen“.

30.06.1985 Auftakt zu dreitägigen Behinderungsaktionen gegen


Munitionstransporte der US-Army in Nordenham,
Oldenburg und Bremen. Unter dem Motto „Beobachten –
Begrüßen – Blockieren beteiligen sich bis zu 1000
Menschen an den Aktionen
Juli 1985 Während des Sommercamp in Wackersdorf wird eine
Bauplatzbesetzung brutal geräumt

21. 07.1985 Die Regierung in Südafrika ruft den Ausnahmezustand aus. Ein
halbes Dutzend schwarzer Gewerkschaftsführer wird
verhaftet und tot aufgefunden

08.08.1985 Das RAF-Kommando George Jackson führt einen


Autobombenanschlag auf den US-Luftstützpunkt am
Frankfurter Flughafen durch, zwei Amerikaner (ein Soldat
und eine zivile Angestellte) kommen dabei ums Leben, 23
weitere Personen werden verletzt. Um sich einen Zugang
zu der Air-Base mittels ein ID-Card zu verschaffen, tötet die
RAF den zwanzigjährigen US-Soldaten Edward Pimental.

15.08.1985 Anschlag der Kämpfenden Einheit „Für den Aufbau der


antiimperialistischen Front in Westeuropa“ auf das Pomcus-
Depot der US-Army in Mönchengladbach

18.08.1985 RZ-Anschlag gegen das Max-Planck-Institut, Köln

September 1985 Angriff der RZ gegen Scientic Control Systems (SCS),


Hamburg und den Mathematischen Programmier- und
Beratungsdienst (MPB), Dortmund

28.09.1985 Bei einer Demonstration gegen eine NPD-Veranstaltung wird


Günther Sare von einem Wasserwerfer der Polizei überrollt
und getötet.
In Hamburg werden aus Protest gegen die Zerschlagung
der Antifa-Demo in Frankfurt und des Todes von Günter
Sare durch die Polizei, auf der Hafenstrasse Barrikaden
errichtet. Es folgt eine Scherben-Demo zum Spritzenplatz in
Altona und am darauffolgenden Sonnabend eine große
Bündnis-Demo durch die Innenstadt.

Oktober 1985 Anschlag der RZ gegen das Institut für Genetik, Köln

4.10.1985 Der Verfassungsschutz behauptet über die Medien, dass sich in


der Hafenstrasse „zwei der RAF nahestehende Frauen
eingenistet“ hätten. Medien und rechte Politiker entfalten
eine Kampagne „RAF in der Hafenstr., an der sich die TAZ
mit einem Exklusiv-Interview am 16.10.85 mit dem Leiter
des Hamburger Verfassungsschutzes Christian Lochte
beteiligt (Lochte: „Jetzt kommt überhaupt erstmals eine
Struktur von Gewalt“). Zwei Tage später wird morgens auf
die Hafenstr. 116 ein Brandanschlag verübt und auch vor
den Eingängen der anderen Häuser Feuer gelegt. Am
Abend des Montag, 21.10.85 beantworten Leute aus
autonomen und antiimperialistischen Gruppen die TAZ-
Denunziation mit einem Besuch der Redaktionsräume und
der Zerstörung einiger Geräte

12.10.1985 Mehrere zehntausend Atomkraftgegner demonstrieren in


München gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage
für Brennelemente im bayerischen Wackersdorf.

13.10.1985 Sprengstoffanschlag der RZ gegen die Zahnradfabrik,


Friedrichshafen und gegen Daimler, Schwäbisch- Gmünd

Dezember 1985 RZ-Anschlag gegen Brüggemann & Brandt, Hagen und


Mercedes Lueg, Bochum, die mit ihren
Tochterunternehmen unmittelbar an der militärischen
Ausrüstung der südafrikanischen Armee beteiligt sind

16.12.1985 4000 PolizistInnen und BGS’ler räumen und zerstören das


Hüttendorf in Wackersdorf. Bei der bis dahin größten
Festnahmeaktion werden rund neunhundert Menschen Ed-
behandelt
1986
Januar 1986 Kongress mit 1.000 Teilnehmerinnen unter dem Titel:
„Antiimperialistischer und Antikapitalistischer Widerstand“ in
Frankfurt

07.01.1986 Mehrere tausend Polizisten räumen das Hüttendorf, das Gegner


der WAA Wackersdorf im Taxöldner Forst errichtet haben.
700 AtomkraftgegnerInnen werden festgenommen.

12.01.1986 Sprengstoffanschlag der RZ auf die Daimler Benz- Vertretung in


Wuppertal

02.03.1986 Erna Sielka stirbt nach einem Knüppeleinsatz der Polizei in


Wackersdorf an einem Herzinfarkt.

30./31.03.1986 100.000 Menschen beteiligen sich am Osterwochenende in


Wackersdorf an Demonstrationen. Am Bauzaun kommt es
zu Kämpfen zwischen BGS, Polizei und DemonstrantInnen.
CN- und CS-Gas wird eingesetzt. Ein 38-jähriger
Asthmatiker stirbt.

31.03.1986 Alois Sonnleitner bricht nach einem CS-Gas-Angriff der Polizei in


Wackersdorf an einem Asthmaanfall tot zusammen.

14.04.1986 Als Vergeltung für libysche Terrorakte bombardieren die


Vereinigten Staaten Ziele in HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Tripolis_(Libyen)" \o "Tripolis (Libyen)"
Tripolis und HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Bengasi" \o "Bengasi" Bengasi.

26.04.1986 Im Block des AKWs Tschernobyl schmelzen die Brennstäbe. Der


Super-GAU ist da.

01.05.1986 Die radioaktive Wolke aus Tschernobyl erreicht die BRD. Die
Becquerel-Werte in der Luft und am Boden steigen von Tag
zu Tag. Keiner will mehr AKWs, die Atomlobby steht mit
dem Rücken an der Wand. In den folgenden Tagen finden
im ganzen Bundesgebiet Demonstrationen mit
hunderttausenden Menschen statt.

17.-19.5.1986 Mehr als 300 Menschen werden bei den bislang heftigsten
Auseinandersetzungen am Bauzaun der
Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf verletzt.

06.06.1986 „Revolutionäre Pyrotechniker“ fackeln etliche Maschinen von in


Wackersdorf engagierten Baufirmen ab. Der Sachschaden
geht in die Millionen. Seit der Reaktor-Katastrophe in
Tschernobyl haben Unbekannte im gesamten
Bundesgebiet Dutzende Anschläge auf Zulieferfirmen und
Infrastruktur der Atomindustrie verübt.

07.06.1986 Der Versuch einer Demonstration zum AKW-Brokdorf


durchzuführen scheitert. Ein Konvoi von mehreren tausend
Demonstranten wird in einem abgelegenen ort Kleve
gestoppt. SEK-Kommandos zerstören sämtliche Pkws des
vorderen Demozuges. Die geringe Anzahl von
DemonstrationsteilnehmerInnen, die zum Bauzaun des
AKW gelangen werden von einer Polizeiübermacht mit CS-
Gas und Großhubschraubern auseinandergetrieben.

08.06.1986 „Hamburger Kessel“. Auf dem Heiligengeistfeld formieren sich


tausend Menschen, um gegen die Vorfälle des Vortages zu
demonstrieren. Sie werden von Polizisten umzingelt und
bleiben 15 Stunden eingekesselt.

09.07.1986 Das RAF-Kommando Mara Cagol sprengt durch eine


ferngesteuerte Autobombe das Siemens-Vorstandsmitglied
Karl Heinz Beckurts und dessen Fahrer Eckart Groppler in
der Nähe von München in die Luft.

17.07.1986 Die Revolutionären Zellen bekennen sich zu einem Anschlag auf


das Revier der Hamburger AusländerInnenpolizei

August 1986 Aktion der RZ gegen die Ausländerpolizei Hamburg

02.08.1986 Verhaftung von Eva Haule in Rüsselsheim, ihre Gesprächspartner


aus dem antiimperialistischen Widerstand Christian Kluth
und Luitgard Hornstein werden ebenfalls verhaftet. Ohne
konkrete Tatbeweise werden die zwei später zu Haftstrafen
zwischen sechs und zehn Jahren verurteilt.

05.08.1986 Brandanschlag der Roten Zora auf das Humangenetische Institut


in Münster

August 1986 Zwei Bomben explodieren vor dem OVG Lüneburg und dem
Bundesverwaltungsamt Köln, begleitet von einem
BekennerInnenschreiben der RZ. Die Anschläge richten
sich gegen die Art der Behandlung von AsylbewerberInnen
durch diese Institutionen.

September 1986 Aktion der RZ gegen das Oberverwaltungsgericht


Lüneburg, das jeden Asylantrag ablehnte. Und zudem noch
die Auffassung vertrat, Folter ist kein Asylgrund, wenn
körperliche Misshandlung zum Arsenal des Strafvollzuges
eines Staates, wie zu dessen traditionellen Kulturgütern
gehörten. Anschlag gegen das Deutsche Rote Kreuz in
Berlin als Erfüllungsgehilfen der reaktionären Asylpolitik
Anschlag gegen das Ausländerzentralregister, Köln

September 1986 Anschlag der Roten Zora gegen die Gesellschaft für
biotechnologische Forschung, Braunschweig

08.09.1986 Der Anschlag auf das Kölner Amt für Verfassungsschutz


verursacht Sachschaden in Millionenhöhe.

07./08.09.1986 Attentatsversuch des Frente Patriótico Manuel Rodríguez


(FPMR) auf Pinochet, Ausnahmezustand wird bis 31.12.86
verhängt

Oktober 1986 Schüsse in die Knie des Leiters der Ausländerpolizei


Hollenberg in Berlin und Anschlag der RZ auf die Deutsche
Lufthansa, Köln

04.10.1986 50.000 Menschen demonstrieren in München gegen die WAA in


Wackersdorf

10.10.1986 In Bonn wird der Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Gerold


von Braunmühl, vor seiner Villa vom Kommando Ingrid
Schubert erschossen.

28.10.1986 Der Gerichtsvollzieher erscheint mit fünf Hundertschaften und


MEK. Sie belagern den ganzen Tag über den Hafenrand,
Nahkampftruppen stürmen die Häuser, brechen mit Saga-
Helfern in die Wohnungen ein und demolieren alles.
Sechs Wohnungen werden geräumt,
Wohnungseinrichtungen durchs Fenster auf die Straße
geschmissen, Türen zertrümmert, Stromleitungen
herausgerissen, Toiletten verwüstet, Musikgeräte
zerschlagen, Gläser und Betten mit CS-Gas besprüht usw.
Auf der Moorweide/Dammtorbahnhof versammeln sich am
gleichen Abend 2.000 Menschen zu einer spontanen
Solidaritäts-Demo, die durch ein massives Polizeiaufgebot
an der Ecke Davidstr./Bernhard-Nocht-Str. gestoppt und
nicht zu den Häusern gelassen wird.
Innensenator Pawelczyk erklärt die Hafenstrasse zum
Sperrgebiet.
Noch in der Nacht und in den folgenden Tagen gibt es
zahlreiche Protest- und Solidaritätsaktionen: Jusos dringen
in die Innenbehörde ein, spritzen mit Feuerlöschern und
fordern den Rücktritt von Innensenator Pawelczyk; in der
Villa des Saga-Anwalts Weiland werden Scheiben
eingeschlagen und Buttersäure versprüht; in das Rathaus
Altona und in ein Saga-Büro fliegen Brandsätze; in
mehreren Hamburger Stadtteilen gehen Schaufenster zu
Bruch; ähnliche Aktionen finden gleichzeitig in Amsterdam,
Kopenhagen, Frankfurt, Göttingen, Freiburg, Berlin und
anderen Städten statt.

30.10.1986 Unter Hinweis auf den Anschlag auf Braunmühl werden in der
Düsseldorfer Kiefernstraße 40 Wohnung durchsucht.

13.11.1986 Der Bundestag verabschiedet ein verschärftes


Asylverfahrensgesetz: u.a. Verlängerung des Arbeitsverbots
von Flüchtlingen auf 5 Jahre, Nichtanerkennung von
Nachfluchtgründen (z. B. politische Betätigung in der BRD).

17.11.1986 Der Renault-Chef George Besse wird von Action Directe in Paris
erschossen.

27.11.1986 Zum ersten Mal wird eine Bundeskonferenz der Anti-AKW-


Bewegung verboten. In der Verbotsverfügung der Stadt
Regensburg wird die Maßnahme u. a. damit begründet, „...
dass der Veranstalter oder sein Anhang Ansichten vertreten
oder Äußerungen dulden werden, die ein Verbrechen oder
ein vom Amts wegen zu verfolgendes Vergehen zum
Gegenstand haben.“ 12000 Polizisten setzen das Verbot
durch, lösen jede spontane Versammlung in Gaststätten
oder anderen Gebäuden umgehend auf.

20.12.1986 12.000 Menschen demonstrieren durch die Hamburger Innenstadt


unter der Parole: „Solidarität mit der Hafenstraße, Keine
Räumung, kein Abriss. Schluss mit dem Polizeiterror“.

23.12.1986 Helmut Pohl wird in Düsseldorf zu lebenslanger Freiheitsstrafe


verurteilt.
1987
Februar 1987 Aktion der RZ gegen die Sozialhilfestelle für Asylbewerber,
Berlin

12.06.1987 Um jeglichen Protest gegen den Besuch des US-Präsidenten zu


unterdrücken, lässt Innensenator Kewenig (CDU) den
Stadtteil Kreuzberg abriegeln.

21.06.1987 Rote Zora: Versuchter Brandanschlag auf die Hauptverwaltung


des Adler-Textilkonzerns in Haibach. Der Adler-Konzern
produziert in Südkorea, wo im April dieses Jahres ein Streik
von 1.600 Beschäftigten, in der Mehrzahl Frauen, von
Militärpolizei und Schlägertrupps brutal niedergeschlagen
wurde

19.07.1987 Die geräumten Wohnungen werden wiederbesetzt. Tausende


HamburgerInnen kommen zur Hafenstraße und
solidarisieren sich mit der Wiederbesetzung, es wird
gefeiert und spontan zum Knast und zur Schanzenstr. 41
demonstriert, die seit einigen Wochen besetzt ist.
Angesichts der breiten Unterstützung der Wiederbesetzung
kann es sich der Senat nicht leisten, sofort räumen zu
lassen. Hamburgs Senatoren reisen aus dem Urlaub zu
einer Krisensitzung an. Anschließend erklärt Bürgermeister
Dohnanyi (SPD) die Besetzung für „rechtswidrig und
strafbar“, fordert gleichzeitig Verhandlungen mit einem
„Beauftragten“ bzw. „autorisierten Vertretern“ der
BewohnerInnen.

15.08.1987 Rote Zora: verübt bundesweit auf acht Verkaufsmärkten der Firma
Adler Brandanschläge

September 1987 Aktion der RZ gegen das Bundesamt für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge in Dortmund

0 1 .0 9 .1 9 8 7 Kn i e sch ü sse a u f d e n Vo rsi tze n d e n R i ch te r d e s


Bundesverwaltungsgerichts Korbmacher, Berlin durch die
RZ.

11.09.1987 Brandanschlag der Amazonen auf Textil-Multi Adler am Ku-damm

02.10.1987 Der SPD/FDP-Senat beschließt auf einer Sondersitzung die


Vorlage eines Pachtvertrages für die Hafenstrasse. Gestellt
werden drei Ultimaten u.a. den Abbau der Befestigungen in
und vor den Häusern ab sofort, spätestens bis zum 31.
Oktober und die „Paraphierung“ des Vertrages durch den
Verein bis spätestens 17. November.
Gegen die mögliche friedliche Lösung inszenieren
Innensenator Pawelczyk, der Staatsschutz, das Hamburg-
Fernsehen und die Springer-Presse eine konzentrierte
Hetzkampagne „RAF in der Hafenstraße“ - „legaler Arm der
RAF“. Teile des Staatsapparates (voran Sprecher der
Polizeigewerkschaften) fordern die sofortige Räumung und
drohen öffentlich: „Die Grenzen der Loyalität sind erreicht“.

31.10.1987 Der Initiativkreis Hafenstrasse und 40 Gruppen/Organisationen


rufen zu einer Großdemonstration auf (es läuft das
Entfestigungsultimatum ab). Die Befestigungen bleiben
jedoch und werden verstärkt.

2.11.1987 Bei einer Demonstration (zum 6. Jahrestag der Räumung des


Hüttendorfes) werden zwei Polizisten an der Startbahn-
West durch Schüsse tödlich verletzt. Im Laufe der Nacht
finden im gesamten Rhein-Main-Gebiet über 20
Hausdurchsuchungen statt. Mindestens 48 Personen
werden dabei festgenommen. Andreas Eichler wird einen
Tag später verhaftet, 11 weitere Haftbefehle werden
erlassen. Drei Jahre später wird Andreas Eichler zu 15
Jahren Haft verurteilt.

11.11.1987 Der Senat erklärt die Vertragslösung für gescheitert.


Mehrere tausend Menschen versammeln sich um die
Häuser an der Hafenstraße. Das für alle offene Plenum im
Zelz berät fast ununterbrochen. Es wird intensiv über die
Einschätzung der Lage, über Verteidigungsmaßnahmen
und den Bau von Barrikaden im Gebiet der Häuser
diskutiert.
Ab Mitternacht 11./12. November werden in der
Hafenstraße, in der Bernhard-Nocht-Straße und in einigen
Stadtteilen Barrikaden errichtet und in Brand gesetzt.

16.11.1987 Bürgermeister Dohnanyi (SPD) gibt den BewohnerInnen erstmals


die verbindliche Zusage („Ich verpfände mein Amt“), den
Vertrag zu unterzeichnen, wenn bis Mittwoch, 14 Uhr, die
Barrikaden beseitigt sind, bis Donnerstag, 14 Uhr, „die volle
Zugänglichkeit der Häuser“ hergestellt ist und die „bis dahin
beseitigbaren Befestigungen“ entfernt sind.
BewohnerInnen und das offene Plenum gehen auf das
ultimative Angebot ein und rufen dazu auf, bis zur
Vertragsunterzeichnung die Häuser mit vielen Menschen
anstelle der Barrikaden zu schützen. Es beginnt der Abbau
der Barrikaden, es kommen tausende Menschen (auch
viele Schaulustige und „prominente“ Abbaufetischisten).
Endgültig rechtskräftig wird der Vertrag am 1.1.1988.

18.12.1987 RZ/Rote Zora: Bundesweite Durchsuchung von 33 Wohnungen,


Büros, Frauenprojekte und suche nach 23 Personen wegen
RZ und Rote Zora. Ingrid Strobl und Ulla Penselin werden
verhaftet. Dabei wurde u.a. umfangreiches Material zum
Thema Gentechnologie und Reproduktionsmedizin.
Penselin wird vorgeworfen einem Kreis von Frauen
anzugehören, die sich mit Bio- und Gentechnik
beschäftigen.

1988
27.02.1988 Anschlag der Roten Zora auf das biotechnische Institut an der TU
Berlin

20.09.1988 Kurz vor der IWF- und Weltbanktagung in Berlin beschießt das
Kommando Khaled Aker den Dienstwagen des
Staatssekretärs im Wirtschaftsministerium Hans Tietmeyer.

05.09.1988 Fast 100.000 irakische Kurden haben in den letzten Wochen die
Grenze zur Türkei überquert. Sie befinden sich auf der
Flucht vor den irakischen Truppen, die in einer
Großoffensive gegen die Peschmergas ganze Dörfer dem
Erdboden gleich gemacht haben. Tausende von kurdischen
Bauern sind den Giftgasbomben der irakischen Luftwaffe
zum Opfer gefallen.

08.09.1988 Generalbundesanwalt Rebmann lässt erneut über 30 Wohnungen


bundesweit und in Berlin durchsuchen, wegen 129a. Auch
hierbei werden zahlreiche Materialien zum IWF-Kongress
beschlagnahmt. Kurz darauf kommt es in Berlin noch
einmal zu mehreren Hausdurchsuchungen von IWF-
Gegnern

24.09.1988 Beginn der Aktionen gegen die HYPERLINK "http://


autox.nadir.org/archiv/iwf/index.html" IWF und
Weltbanktagung.
Se wird von heftigen Protesten und Demos begleitet, diese
wiederum von noch heftigeren Polizeieinsätzen.

05.12.1980 Beginn der Offensive der FMLN in El Salvador. „Todo el pueblo a


preparar la insurrección (das ganze Volk bereitet den
Aufstand vor)

16.12.1988 In den frühen Morgenstunden werden mehrere Wohnungen


durchsucht und sieben Personen vorübergehend verhaftet.
Gegen zwei (Wolfgang B. und Claudia O.) wird Haftbefehl
wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung
erlassen.
Beide sollen die „Amazonen“ unterstützt haben - eine
Gruppe, der mehrere Brandanschläge auf Filialen des
Kleidungskonzerns „Adler“, auf Sexshops und auf im
Sextourismus beteiligte Reisebüros zugerechnet werden.
Die Durchsuchungen des Staatsschutzes erfolgten nach
Hinweisen vom Berliner Verfassungsschutz, der seit etwa
fünf Jahren in der Kreuzberger Szene einen V-Mann hatte.
Eberhard Benzing - alias Eberhard Schuhmacher.
„Wolle“ und „Claudia“ werden am 25.04.89 aus der U-Haft
entlassen.

22.-23.12.1988 Angriff der FMLN unter anderem auf den


Luftwaffenstützpunkt Ilopango und auf das Gebäude des
Generalstabs der Armee in San Salvador
1989
01.02.1989 Es findet der zehnte kollektive Hungerstreik der Gefangenen aus
der RAF, dem Widerstand und anderen kämpfenden
Gefangenen um Zusammenlegung und allgemein bessere
Haftbedingungen statt. Vor allem geht es den
Hungerstreikenden aber auch um eine freie Kommunikation
untereinander und mit Gruppen und Einzelpersonen
außerhalb der Gefängnisse. Hungerstreikende am 14. Mai.

11.02.1989 Demo mit 10.000 Menschen in Essen für die Freilassung Ingrid
Strobls und die Zusammenlegung der politischen
Gefangenen im Hungerstreik. Aus Anlass des Prozesses
gegen Ingrid Strobl definiert die Bundesanwaltschaft die
anschlagsrelevanten Themen, und meint damit die
Bereiche Bevölkerungspolitik, Gen- und
Reproduktionstechnologie, Sextourismus & Frauenhandel.
Ingrid Strobl wird vorgeworfen sich mit
"anschlagsrelevanten Themen" wie Gentechnik und
feministischer Theorie auseinandergesetzt zu haben und
einen Wecker gekauft zu haben. Damalige Parole: Kauft
Wecker!

14.02.1989 In Düsseldorf beginnt der Prozeß gegen Ingrid Strobl. Der


ehemaligen Emma- und Taz-Mitarbeiterin wird die
Mitgliedschaft in RZ / Rote Zora, sowie
Sprengstoffanschläge vorgeworfen. Als Beweisstück dient
ein Wecker der Marke Sonochron. Unter dem Namen
„Clockwork 129a“ stellt eine Extra-Zeitung
Prozessöffentlichkeit her.

01.03.1989 Erstmals Aussaat von genetisch veränderten Petunien in der BRD.


Autonome Genschützer werden in den kommenden Jahren viele Genfelder
vorzeitig ernten...
12.4.1989 Anschlag auf AEG Münster. Am frühen Morgen des gleichen
Tages in Frankfurt: Brandanschlag auf die Wertpapierbörse.
Beide Anschläge stehen im Zusammenhang mit den
Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF und dem
Widerstand
13.04.1989 Der VEBA-Konzern läutet das Ende von Wackersdorf ein. Er
verhandelt mit der COGEMA über eine Beteiligung an der WAA in Frankreich.
24.04.1989 10.000 Menschen demonstrieren in Bonn anlässlich des
Hungerstreiks für die Zusammenlegung der politischen Gefangenen.

30.05.1989 Baustop in Wackersdorf, endgültiges „Aus" für die WAA


1.06.1989 Ingrid Strobl wird in Düsseldorf im ersten Urteil zu fünf Jahren Haft
verurteilt

20.08.1989 Erste Massenflucht aus Ungarn -  zirka 500 DDRler durchbrechen


die Grenze zu Österreich.

28.08.1989 Gründung der Initiativgruppe „SDP“ Anfang September 89


Gründung der Initiative „Vereinigte Linke“, zu der auch einzelne SED-Mitglieder
gehören. Wegen fehlender antipatriarchalischer Positionen bei der „VL“ bildet
sich die Frauengruppe „Lila Offensive

03.10.1989 In der Prager Botschaft befinden sich ca. 4.500 DDR-Flüchtlinge.


Die Botschaft wird geschlossen. Sie wird von Hunderten
gestürmt. Am Abend erhalten alle die
Ausreisegenehmigung und die DDR schließt die Grenze
zur CSSR.

November 1989 RZ-Aktion gegen die A+B- Stelle für Roma + Sinti in Köln
und auf die BAGS (Grundsatzfragen für Ausländerpolitik) in
Hamburg

04.11.1989 Etwa eine Million Ostberliner demonstrieren auf dem Alex für
Reformen. Gründung einer „Initiative für unabhängige Gewerkschaften“ in
Ostberlin. Rund 15.000 Menschen flüchten über die CSSR in die BRD.

09.11.1989 Die BRD-Regierung gibt bekannt, dass 1989 rund 225.000 DDR-
Übersiedler in die BRD gekommen seien. Am Abend erklärt
SED-Politbüromitglied Schabowski die Öffnung der DDR-
Grenze. In der Nacht ist die Grenze in beiden Richtungen
offen.

17.11.1989 Conni Wissmann wird bei einer Antifa-Aktion von Polizisten vor ein
fahrendes Auto gehetzt und stirbt dabei.

30.11.1989 Das Kommando Wolfgang Beer tötet mittels einer Autobombe


Alfred Herrhausen, den Chef der Deutschen Bank und
Aufsichtsratsvorsitzenden von Daimler Benz, Continental
und Texaco.
1990
06.01.1990 400 Roma besetzen den Kölner Dom. Beginn des Bettelmarsches
für ein Bleiberecht der Roma, an dem sich etwa 1.700
Kinder, Frauen und Männer beteiligen.

04.02.1990 „Kämpfende Einheiten“ verüben Sprengstoffanschlag auf die


Hauptveraltung der RWE, es folgen Anschläge der
„kämpfenden Einheiten“ auf die Deutsche Bank in
Eschborn, auf die Siemens-Schule für Kommunikations-
und Datentechnik in Bonn-Bad-Godesberg.

25.02.1990 Die Sandinisten verlieren die Wahl. Violetta Chamorro gewinnt mit
55,2 % der Stimmen die nationalen Wahlen, und die USA
gewinnt somit ihre Hegemonie über das Land zurück.

02.03.1990 Der Presse geht ein angeblicher Brief der RAF zu einem Anschlag
auf Landwirtschaftsminister Kiechle zu. Am nächsten Tag
wird eine Erklärung veröffentlicht, in der ein Abbruch des
Anschlages mit der Gefährdung Dritter begründet wird.

09.03.1990 10.000 demonstrieren an der Grossbaustelle des AKW Stendal für


einen sofortigen Baustopp.

31.03.1990 Größte Anti-Polltax-Demo in London

26.04.1990 Die RAF dementiert beide Schreiben und behauptet als Urheber
den Verfassungsschutz.

Juni 1990 Ehemalige Mitglieder der RAF werden in der DDR verhaftet
(Susanne Albrecht, Inge Viett, Werner Lotze, Ekkehard
Seckendorff-Gudent, Christine Dümlein, Monika Helbing,
Silke Maier-Witt, Henning Beer, Sigrid Sternebeck und Ralf-
Baptist Friedrich). Sie befanden sich seit Anfang der
achtziger Jahre in der DDR. Durch den Zusammenbruch
der DDR wurde ihre Identität bekannt und sie daraufhin an
die BRD ausgeliefert. Während Ekkehard Senckendorff-
Gudent und Christine Dümlein aufgrund von
Verjährungsfristen aus der Haft entlassen wurden, war Inge
Viett die einzige, die sich nicht auf die
„Kronzeugenregelung“ eingelassen hat (sie wurde zu 13
Jahren Haft verurteilt, wird aber vorzeitig entlassen).
Susanne Albrecht, Werner Lotze, Henning Beer und andere
ehemalige „DDR-BürgerInnen“ stellen sich in der Folgezeit
für neu aufgerollte Prozesse gegen politische Gefangene
zur Verfügung und erhalten dafür, angesichts des
Strafvorwurf (u.a. Ermordung von Ponto, Schleyer-
Entführung, Anschläge auf die US-Generäle Haig und
Kroesen), relativ geringe Verurteilungen. Susanne Albrecht
u.a. für die Beteiligung an der versuchten Entführung und
Ermordung von Ponto zwölf Jahre, Werner Lotze zwölf
Jahre, Henning Beer sechs Jahre.

27.07.1990 Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Hans Neusel,


entgeht einem RAF-Anschlag und wird nur leicht verletzt.
Neusel ist u.a. für „Terrorismusangelegenheiten“ zuständig.
Mit dem Kommandonamen „José Manuel Sevillano“ nimmt
die RAF bezug auf den parallel laufenden Hungerstreik
spanischer politischer Gefangener, in dessen Verlauf
Sevillano gestorben war.
02.08.1990   Besetzung Kuweits durch irakische Truppen. Am gleichen Tag
wird die Sicherheitsratsresolution (SR) 660 verabschiedet,
die den unverzüglichen und bedingungslosen Rückzug der
irakischen Truppen fordert.
14.11.1990 Die Mainzer Straße in Berlin wird geräumt. Über mehrere Tage
gibt es für rund 4000 Polizisten angesichts meterhoher
Barrikaden und Straßenkämpfen kein Durchkommen trotz
Tränengas, Blendschockgranaten, Wasserwerfern und
Räumpanzern. Am Morgen des 14. Novembers 1990
gelingt es der SPD dann tatsächlich, die zwölf Häuser in der
Mainzer Straße in Friedrichshain räumen zu lassen. Die rot-
grüne Koalition ist damit am Ende, der Häuserkampf
dagegen noch lange nicht

25.11.1990 Amadeu Antonio Kiowa wird in Eberswalde bei einem Angriff von
60 Rechtsextremisten vor einem Gasthof ins Koma
geprügelt. Er stirbt elf Tage später.

30.12.1990 Argentiniens Präsident Menem begnadigt alle Führer der


verbrecherischen Militärdiktatur. 40.000 ArgentinierInnen
demonstrieren am 30.12.90 dagegen.

31.12.1990 Alexander Selchow wird in Rosdorf von zwei 18-jährigen


Skinheads, die der FAP angehören, mit mehreren
Messerstichen erstochen.
1991
Januar 1991 Aktion der RZ gegen die Staatskanzlei und das Ministerium
für Arbeit und Soziales, Düsseldorf

12.01.1991 In ganz Deutschland demonstrieren insgesamt über 200.000


Menschen gegen einen drohenden Zweiten Golfkrieg.

17.01.1991 Der Krieg gegen den Irak beginnt mit schweren Bombardierungen
und Raketenangriffen

Februar 1991 Aktion der RZ gegen die Siegessäule in Berlin

13.02.1991 Gewehrschüsse auf die US-Botschaft in Bonn durch ein


Kommando der RAF
26.02.1991 Die irakischen Truppen beginnen offiziell mit dem Rückzug aus
Kuwait, steckten die kuwaitischen Ölfelder beim Verlassen
in Brand und öffneten die Sperriegel an kuwaitischen
Ölterminals, so dass sich riesige Mengen Öls in den
persischen Golf ergossen und eine Umweltkatastrophe
auslösten. Ein langer Konvoi der irakischen Truppen -
bestehend auch aus vielen irakischen und
palästinensischen Zivilisten - zog sich entlang der
Hauptverbindungsstraße Irak-Kuwait zurück. Dieser Konvoi
wurde von den Verbündeten stundenlang bombardiert und
die Straße als „ HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Highway_of_Death" \o "Highway of Death" Highway of
Death” bekannt. Die Bombardierung der auf dem Rückzug
befindlichen Truppen und der eingeschlossenen Zivilisten
wurde von zahlreichen unabhängigen Beobachtern und
HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrecht" \o
"Menschenrecht" Menschenrechtlern als HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverbrechen" \o
"Kriegsverbrechen" Kriegsverbrechen eingestuft, unter
anderem vom früheren US-Justizminister HYPERLINK
"http://de.wikipedia.org/wiki/Ramsey_Clark" \o "Ramsey
Clark" Ramsey Clark.

27.02.1991 Die irakische Regierung unterwirft sich der SR 660 und allen
anderen, den Golfkrieg betreffenden Resolutionen der
UNO. Insgesamt wurden bei 110.000 Luftangriffen 88.500
Tonnen Bomben abgeworfen. Am 22.3.1991 schätzte die
Defense Intelligence Agency die militärischen Opfer des
Irak auf 100.000. Die Bombardierung des Irak kostete
unmittelbar mehr als 150.000 Menschenleben. Die
Gesamtzahl der US-Verluste einschließlich der 37
Soldaten, die laut offiziellen Eingeständnis durch
„freundliches Feuer“ ums Leben kamen, lag laut Pentagon
bei 148 Toten.
31.03.1991 Jorge Gomondai wird in Dresden während einer
Auseinandersetzung mit Skinheads aus einer fahrenden
Straßenbahn gestoßen. Er stirbt an seinen schweren
Kopfverletzungen.

01.04.1991 Detlev Karsten Rohwedder, Vorstandsvorsitzender der


Treuhandanstalt, wird vom „Kommando Ulrich Wessel“ in
seinem Düsseldorfer Haus erschossen.

11.06.1991 Brandschlag der RZ auf den Berliner Reichstag, wenige Tage vor
der Entscheidung des Bundestages über den zukünftigen
Regierungssitz

Juli 1991 Brandanschlag der Revolutionären Zellen auf zwei Kaiser's


Supermärkte, weil Kaiser's auf dem Gelände des
ehemaligen KZ Ravensbrück einen Supermarkt errichten
will.

August 1991 RZ-Anschlag auf das Ausländeramt Böblingen

20.09.1991 Mehrere hundert rechte Deutsche ziehen vor ein Wohnheim für
mosambikanische und vietnamesische Arbeiterinnen in
Hoyerswerda. Sie versuchen, unterstützt von Teilen der
EinwohnerInnen das Wohnheim in Brand zu setzen. In den
folgenden Wochen kommt es im gesamten Bundesgebiet
zu Anschlägen gegen Asylbewerberunterkünfte.

29.09.1991 Antirassistische Demonstration mit etwa 4.000 Menschen


Polizeiabsperrung um den genehmigten Demotreffpunkt am
AsylbewerberInnen-Heim - die gemeinsam angereisten
DemonstrantInnen werden nicht durchgelassen.
Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und
linken DemonstrantInnen, die Polizei setzt Wasserwerfer
ein. Die Demo dreht um und versucht an anderer Stelle auf
die genehmigte Route zu kommen. Auch hier blockiert der
BGS den Weg. Unter anderem durch das Eingreifen der
Pfarrer Reinhard Brückner (Freiburg) und den Pfarrern
Lahn und Hoffmann (Hoyerswerda) kann die Demo
stattfinden.

Dezember 1991 Eine revolutionäre Zelle veröffentlicht den Text:


HYPERLINK "http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/
Zorn04.html" \t "_blank" „Gerd Albartus ist tot“. Albartus
(1977 wegen Brandstiftung und Mitgliedschaft in der RZ zu
einer Haftstrafe verurteilt) wunde demzufolge Ende 87 nach
einem „Prozess“ von einer palästinensischen
Widerstandsgruppe erschossen. In den folgenden Monaten
erscheinen Texte verschiedener revolutionärer Zellen, die
tiefgreifende Unterschiedlichkeiten offenlegen. An der
Debatte um Sinn und Perspektive von Militanz und
bewaffneten Kampf, dessen Geschichte und
Internationalismus beteiligen sich weitere linke Gruppen.
1992
10.1.1992 – IRA London: Bombenanschlag der IRA auf den Regierungssitz
des britischen Premier John Major. Sachschaden

03.03.1992 Der Schwarze Rodney King wird in Los Angeles von Pigs brutal
zusammengeschlagen. Das hat Folgen. Die brutale
Polizeiaktion wurde nämlich auf Video aufgenommen und
als sie im Fernsehen gezeigt wurde, gab es spontan Riots
gegen rassistische Cops und gegen das ganze Scheiß-
System.

03.04.1992 Nach einer Veranstaltung des rechtsradikalen Hoffmann-von-


Fallersleben-Bildungswerks gehen einige Nazi-
Funktionäre, darunter auch der Schriftführer der „Deutschen
Liga für Volk und Heimat“ Gerhard Kaindl zum Abendessen
in ein China-Restaurant in Berlin-Neukölln. Als ein
Blumenverkäufer das Restaurant betritt, wird er von den
Nazis bepöbelt. Etwas eine Stunde, nachdem die Nazis das
Restaurant verlassen haben, greifen mehrere Vermummte
diese an. Der Autor der „Jungen Freiheit“ Torsten Thaler
und Kaindl werden durch Messerstiche verletzt, Kaindl so
schwer, dass er noch in derselben Nacht stirbt. Die Polizei
bildet eine 20-köpfige Sonderkommission. Obwohl nach
Polizeiangabe alle vermummt waren, schreibt die Presse
sofort von einer „linksradikalen türkischen oder arabischen
Gruppe aus Kreuzberg“. Für die Aktion übernimmt keine
Gruppe öffentlich die Verantwortung. In der
antifaschistischen Linken wird der Tod Kaindls zum Teil
scharf kritisiert, weil durch ihn möglicherweise eine
Eskalationswelle ausgelöst werde, die nicht kontrollierbar
sei.

10.04.1992: Die RAF formuliert eine grundsätzliche Revision ihrer Politik und
verkündet die Beendigung ihrer Aktionen gegen einzelnen
Repräsentanten von Staat und Wirtschaft.

29.04.1992 Freispruch der Polizisten, die Rodney King zusammengeschlagen


hatten. Tagelange Riots in LA - South Central

04.07.1992 Unter dem Motto „500 Jahre Kolonialismus sind 500 Jahre zuviel –
gegen die HERRschende Weltordnung! Gemeinsam gegen
den Weltwirtschaftsgipfel 92 in München“ demonstrieren
über 20.000 Menschen gegen das Treffen der sieben
reichsten Industrienationen.

06.07.1992 Am Rande des 18. Weltwirtschaftsgipfels in München kommt es zu


einer Einkesselung von Demonstranten durch die Polizei.

22.08.1992 Rassistische Pogrome in Rostock-Lichtenhagen. Der deutsche


Mob tobt sich aus und die Polizei schaut zu. Nazis
schmeißen Molotow-Cocktails in das von Flüchtlinge
bewohnte Sonnenblumenhaus. Die Polizei lässt die
Feuerwehr nicht an die brennenden Häuser ran. Erst als
später Autonome den Flüchtlingen helfen wollen, greift die
Polizei ein - gegen die Autonomen!

21.11.1992 Silvio Meier gehört zu einer Gruppe von vier Linken, die in Berlin
in eine Auseinandersetzung mit fünf Neonazis gerät, als sie
einen von ihnen auffordern, den Aufnäher, ich bin stolz, ein
Deutscher zu sein, abzunehmen. Zwei der Begleiter Silvio
Meiers werden schwer verletzt, er selbst mit Stichen in die
Lunge getötet.

23.11.1992 In Mölln kommen drei Türkinnen bei einem Brandanschlag von


Nazis ums Leben, sieben Personen werden verletzt.
Daraufhin wird die „Nationalistische Front“ verboten, einen
Monat später die „Deutsche Alternative“, deren rund 350
Mitglieder vor allem in Brandenburg leben.
1993
23.01.1993 Ein Gericht in Diyarbakir verurteilt den Journalisten Stephan
Waldberg zu drei Jahren und 9 Monaten Haft wegen
„Unterstützung einer bewaffneten Bande“. Der Mitarbeiter
von „Radio Dreyeckland“, der im vergangenen Herbst in
Türkisch- und in Irakisch-Kurdistan recherchiert hat, wurde
am 23. Oktober am Grenzübergang zum Nordirak
festgenommen und zehn Tage lang unter Folter verhört
worden. Das einzige konkrete Beweisstück blieb ein
ungeöffneter Brief, den der Journalist in einem PKK-Lager
an sich genommen hatte, um ihn an eine
Solidaritätsveranstaltung in der Bundesrepublik
weiterzuleiten. Waldberg wurde am 24.12., nach 14
Monaten Haft, begnadigt.

03.03.1993 Bosnien, Kroatien und Serbien unterzeichnen ein


Waffenstillstandsabkommen. Über die Grenzziehungen
kann jedoch keine Einigung erzielt werden.
Nach Schätzungen der UN sind im Bürgerkriegsgebiet des
früheren Jugoslawiens etwa 3 Mio. Menschen auf der
Flucht. Die Hälfte der Flüchtlinge stammt aus Bosnien-
Herzegowina. Knapp 600.000 Menschen sind in andere
europäische Länder geflohen.
Bei Enthaltung Chinas billigt der Sicherheitsrat der UN auch
die militärische Durchsetzung des Flugverbots über
Bosnien-Herzegowina.

30.03.1993 Das „Kommando Katharina Hammerschmidt“ sprengt den kurz vor


der Einweihung befindlichen Hochsicherheitsknast
Weiterstadt. Der Schaden beläuft sich auf rund 100
Millionen DM.

28.05.1993 Rund 70.000 KurdInnen aus ganz Europa (das „Kurdistan-


Komitee“ spricht von 100.000 TeilnehmerInnen) folgen dem
Aufruf der PKK zu einem Friedensmarsch in Bonn. Sie
demonstrieren für die drei Hauptforderungen der
Organisation: Schluss mit dem Spezialkrieg in Türkisch-
Kurdistan, gesetzliche Anerkennung der kurdischen
Identität und Recht auf legale politische Betätigung aller
kurdischen Organisationen.

29.05.1993 Bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus
sterben in Solingen fünf Menschen im Alter zwischen vier
und 27 Jahren. Als Tatverdächtiger wird ein 16-jährigen
Schüler festgenommen, der ein Geständnis ablegt und drei
weitere Personen im Alter von 16 und 23 Jahren als Mittäter
belastet.

12.06.1993 Brandanschlag der Roten Zora auf LKWs der Firma Weigl/MEIGO
in Nürnberg und Meilitz/Gera aus, die maßgeblich von dem
Geschäft mit der Lebensmittel-Unterversorgung von
geflüchteten Frauen, 'Kindern und Männern profitieren.

24.06.1993 Türkische Konsulatsbesetzungen in Deutschland, Frankreich und


der Schweiz durch Kurden. Weitere militante Aktionen in
zahlreichen bundesdeutschen Städten. Ein PKK-Verbot
wird öffentlich gefordert

27.06.1993 Bei der versuchten Festnahme werden in Bad Kleinen Wolfgang


Grams erschossen und Birgit Hogefeld festgenommen. Auf
die Spur der beiden waren die Verfolgungsbehörden durch
den VS-Spitzel Klaus Steinmetz gekommen.

02.10.1993 Eine Gruppe Revolutionäre Zellen“ bekennt sich zu einen


Anschlag auf die Stromversorgung der BGS-Kaserne in
Frankfurt/Oder und zu dem Brandanschlag auf BGS-
Fahrzeuge am Flughafen Rothenburg: Nach Meinung der
Revolutionären Zellen ginge es den Herrschenden darum,
die Zuwanderung von Flüchtlingen an den EG-
Außengrenzen zu stoppen“, nachdem das
bundesrepublikanische Asylrecht zum 1. Juli 1993 außer
Kraft gesetzt“ worden sei. Der Bundesgrenzschutz sei
personell um 1500 Kräfte aufgestockt und technologisch
aufgerüstet worden, heißt es in dem Bekennerschreiben,
„auf der Jagd nach denjenigen, denen es immer noch nicht
gelingt, die Grenzen zu überwinden“.

22.11.1993 Vor dem Reihenhaus des Leiters des Kreuzberger


Stadtplanungsamtes in Zehlendorf zündet eine Rohrbombe.
Polizeipräsident Saberschinsky ordnet diesen Anschlag
„Klasse gegen Klasse“ zu. Demnach 13 Brandanschläge
von KGK

26.11.1993 Innenminister Kanther verbietet insgesamt 35 kurdische


Organisationen und Vereine, die Tarnorganisationen der
PKK sein sollen. Sonderkommandos der Polizei
durchsuchten anschließend rund 160 Büros kurdischer
Organisationen sowie Privatwohnungen und
beschlagnahmten Mitgliederkarteien, Büro- und
Informationsmaterial sowie Vereinsvermögen. Die meisten
Razzien fanden in Nordrhein- Westfalen statt, wo in Köln
auch die Zentrale der PKK-Unterstützungsorganisation
vermutet wird.
Es kommt zu zahlreichen Protestaktionen
1994
Januar 1994 Aufstand in Chiapas, dem ärmsten Staat von Mexico. Die
bewaffneten Bauern/Indios besetzten mehrere Ortschaften
im Staat Chiapas. Ihre Anführer berufen sich in Erinnerung
an die Revolution von 1910 bis 1917 auf den Volkshelden
Emiliano Zapata. Über eingenommene Radiosender und
Plakate verbreitete Ejército Zapatista de Liberación
Nacional (EZLN) eine „Kriegserklärung“ an die Regierung,
um die soziale Misere zu beenden. Die Zapatisten wenden
sich auch gegen den am Neujahrstag in Kraft getretenen
Vertrag über die Bildung einer Nordamerikanischen
Freihandelszone (Nafta) mit den USA und Kanada

09.02.1994 Die NATO droht den Serben Bosnien-Herzegowinas mit


Luftangriffen, wenn sie nicht bis zum 21. Februar ihre
schweren Geschütze im Umkreis von 20 km um die
Hauptstadt Sarajevo abziehen.

28.02.1994 Beim ersten Kampfeinsatz der NATO seit ihrer Gründung 1949
werden vier in die Flugverbotszone über Bosnien
eingedrungene serbische Militärmaschinen abgeschossen.

19.03.1994 Bei Protesten von Kurden in der Augsburger Innenstadt gegen die
Unterdrückung ihres Volkes in der Türkei und gegen das
Verbot der PKK in der BRD kommt es zu
Auseinandersetzungen mit der Polizei, die in den folgenden
Tagen eskalieren. Es kommt unter anderem zu blockierten
Autobahnen und Selbstverbrennungen

12.04.1994 Unter starken Sicherheitsvorkehrungen beginnt vor dem


Bayerischen Obersten Landesgericht der Prozess gegen
dreizehn Kurden, die im vergangenen Juni das türkische
Generalkonsulat in München besetzt. Mehr als 3.000
PolizistInnen und BGSler kontrollierten an 20 Punkten die
Einfallstraßen und Autobahnen sowie Flughafen und
Hauptbahnhof, wo Hunderte von Bahnreisenden überprüft
wurden. Auf den Straßen kam es zu kilometerlangen Staus,
weil Tausende Autofahrer kontrolliert wurden, einige
mussten ihre Reservekanister in die Tanks entleeren.

29.04.1994 Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) gewinnt bei den ersten


freien Wahlen in Südafrika mit 62,7 % der Stimmen 252 von
400 Mandaten. Nelson Mandela wird zum ersten
schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

12.05.1994 Rund 60 rechtsradikale Jugendliche machen in Magdeburg Jagd


auf eine Gruppe Schwarzafrikaner, sechs werden verletzt.
Kritik entzündet sich an dem Verhalten der Polizei, die zu
spät und zu zögerlich gegen die Neonazis einschreitet.
Augenzeugen werfen einzelnen Polizisten vor, den
Gewalttätern teilweise mit offener Sympathie begegnet zu
sein

21.06.1994 Im Vorfeld des erwarteten CASTOR-Transportes verübt die


"Gruppe Waschbär" einen Anschlag auf das BLG-lnfohaus in Gorleben. 20.000
DM Schaden.
01.07.1994 Ein SEK-Zielfahnder schießt dem 15 jährigen Kurden Ayhan Eser
in Hannover in den Rücken. Er wurde beim kleben von
Plakaten der Kurdischen Befreiungsfront ERNK erwischt.
In Hamburg demonstrierten 300 Menschen von der Roten
Flora aus gegen den Todesschuss. Auf dem Marsch zur Uni
warfen einige von ihnen mehrere Scheiben ein und
demolierten drei Polizeifahrzeuge. Überdies wurden
Plakate verklebt, die gleichen, bei der Ayhan Eser
erschossen wurde.
Unbekannte schleuderten mehrere Molotowcocktails auf
die Fassaden der Polizeireviere 45 und 46 in Harburg
sowie auf die Wache Kirchenallee. Es entstand
Sachschaden. In der City wurde durch den Brandanschlag
überdies ein Bulli beschädigt. In Hannover und Stuttgart
gab es weitere Trauerdemonstrationen.

23.07.1994 Eine Gruppe Skinheads überfällt und schändet in Thüringen die


KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.

31.08.1994 In Nordirland erklärt die katholische Untergrundorganisation IRA


einen uneingeschränkten Waffenstillstand in dem seit 1969
andauernden Konflikt mit Großbritannien.

05.09.1994 Heidi Schulz wird aufgrund von Kronzeugenaussagen wegen des


Anschlags auf General Kroesen erneut zu lebenslänglich
verurteilt.

01.12.1994 Im Fall Kaindl sitzen vier Türken und eine Kurdin in


Untersuchungshaft. Ins Visier der Staatsanwaltschaft gerät
auch die 1988 gegründete „Antifasist
Genclik“ (Antifaschistische Jugend)
1995
08.01.1995 Die Polizei räumt das Hüttendorf Anatopia. Anatopia ist aus
Protest gegen die Daimler-Teststrecke in Papenburg
entstanden.

20.03.1995 Rund 35.000 türkische Soldaten, die von der Luftwaffe unterstützt
werden, marschieren in den Nord-Irak ein, um Stellungen
der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) anzugreifen. Am 4. Mai
erklärt die türkische Armee ihre militärische Offensive
gegen die PKK für beendet

11.04.1995 Gescheiterter Anschlag auf den im Bau befindlichen


Abschiebeknast Berlin-Grünau

25.04.1995 Die gesamte Castor-Transportstrecke ist Ziel von Anschlägen und


Protesten. AtomkraftgegnerInnen leisten im Wendland
leisten erbitterten Widerstand. Nach 14 Stunden Bahnfahrt
trifft der Castor gegen 10.30 Uhr in Dannenberg ein, wird
verladen und setzt sich gegen 12 Uhr auf die 18 km lange
Strecke nach Gorleben in Bewegung. 6.500 Beamtinnen
von Polizei und BGS bahnen dem Transport unter Einsatz
von Schlagstöcken und Wasserwerfern den Weg. Es kommt
zu zahlreichen Verletzten. Um 17.12 Uhr schließen sich
hinter ihm die Tore des Zwischenlagers in Gorleben. Die
Kosten des Transports werden mit 55 Millionen DM
angesetzt.

13.06.1995 Bundesweit werden 60 Wohnungen wegen radikal,


Antiimperialistische Zellen und K.O.M.I.T.E.E. von der BRD-
Polizei durchsucht.
17.06.1995 Ohne Zwischenfälle verlief in Bonn eine Demonstration von
Kurden, an der etwa 70.000 Menschen teilgenommen
hatten. Sie setzten sich für eine politische Lösung in
Kurdistan ein.

11.07.1995 Bosnische Serben erobern die zur UN-Schutzzone erklärte


Moslem-Enklave Srebrenica und vertreiben fast 40.000
moslemische Zivilisten. Augenzeugen berichten von
massenhaften Hinrichtungen und Vergewaltigungen.
Frankreich, Großbritannien und die USA drohen daraufhin
mit Vergeltungsschlägen. Da sich die drei Staaten jedoch
nicht über die Form der Einsätze verständigen können,
bringen die bosnischen Serben am 25. Juli mit der Moslem-
Enklave Zepa auch die zweite UN-Schutzzone unter ihre
Kontrolle.

24.07.1995 Sprengstoffanschlag auf die Werft der Firma Lürssen in


Lemwerder bei Bremen als einer der Rüstungslieferanten
für das türkische Regime, das einen mörderischen Krieg
gegen die KurdInnen führt.

04.08.1995 Die kroatische Armee beginnt eine Großoffensive gegen das


mehrheitlich von Serben bewohnte, auf kroatischem
Territorium gelegene Gebiet Krajina. Die Offensive löst die
größte Flüchtlingswelle auf dem Balkan seit dem Zerfall
Jugoslawiens aus: 120.000 Krajina-Serben verlassen ihre
Heimat in Richtung Ostbosnien und Serbien. Als Vergeltung
vertreiben die bosnischen Serben am 14. August die noch
verbliebenen 45.000 Moslime und 15.000 Kroaten aus der
nordbosnischen Stadt Banja Luka.
21.08.1995 Anschläge auf den Verladekran und das Zwischenlager in
Gorleben verursachen Schäden von über 300.000 DM.
24.10.1995 Sechs Anschläge auf Bahnlinien im Kreis Uelzen. Menschen
kommen nicht zu Schaden. Ein Bekennerbrief zeigt den Zusammenhang zu
Castor-Transporten nach Gorleben.
14.12.1995 Der in Dayton ausgehandelte Vertrag für Bosnien-Herzegowina
wird in Paris unterzeichnet. Die ethnischen Säuberungen
der zurückliegenden Monate werden durch eine neue
Grenzziehung abgerundet. Eine internationale
Friedentruppe unter Nato-Oberbefehl wird in verschiedenen
Landesteilen stationiert.
1996
18.01.1996 Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingslager in Lübeck
kommen 8 Menschen ums Leben.

18. 03.1996 Dreihundert „Sans Papiers“ besetzen die Pariser Kirche St.
Ambroise und fordern, dass die französische Gesellschaft
und der französische Staat ihre Existenz nicht nur zur
Kenntnis nehmen, sondern ihnen als Menschen auch alle
Rechte zubilligen, die den Menschen in einer Demokratie
zukommen.

26.04.1996 Zehn Jahre nach der Tschernobyl Katastrophe nehmen mehr als
20.000 Menschen an Demonstrationen und anderen Aktionen in Ahaus, Biblis,
Krümmel, Magdeburg, München und anderen Orten teil.
08.05.1996 Ein Landkreis im Ausnahmezustand. Gegen 6.00 Uhr erreicht der
Castor aus La Hague Dannenberg. Für die Strecke vom
Verladekran zum Zwischenlager werden 6 Stunden
benötigt. 19.000 Polizei- und BGS-Beamtinnen bahnen
unter massivem Wasserwerfer- und Schlagstockeinsatz den
Weg gegen den Widerstand der etwa 10.000
Demonstrantinnen. Im Morgengrauen werden weit entfernt
von der Transportstrecke die Trecker der Bäuerlichen
Notgemeinschaft beschädigt und stillgelegt. Ca. 500
Demonstrantinnen werden an diesem Tag in polizeilichen
Gewahrsam genommen, mehr als 100 Personen verletzt.
Dieser Polizeieinsatz war einer der bisher größten in der
Geschichte der BRD. Ende Mai kündigt die GNS für Herbst
einen Sammeltransport mit drei Castorbehältern an.
Juni 1996 Die „Sans Papiers“ von St. Ambroise besetzen die Kirche von St.
Bernard.

17.06.1996 Bis zu 80.000 KurdInnen demonstrieren friedlich für eine


„politische Lösung" der Kurdistanfrage und gegen die
Türkeipolitik der Bundesregierung.

28.6.1996 Die IRA verübt einen Granatenanschlag auf die britische Quebec
Kaserne in Osnabrück. Sachschaden.

18.07.1996 Die LTTE überrennen die Militärbasis Mullaitivu in Nordosten Sri


Lankas und töten mehrere hundert Regierungssoldaten

August 1996 Die Polizei beendet mit einer gewaltsamen Räumung die
Besetzung der sans papiers. Äxte schwingende Polizisten,
zerschlagen die Kirchentür, Aus dem von der Regierung
erhofften Ende der Bewegung wird das Gegenteil. Jetzt
ziehen nicht mehr einige hundert „Sans Papiers“ und ihre
Unterstützer durch Paris, es werden Tausende und
Zehntausende.

November 1996 Birgit Hogefeld wird in Frankfurt zu lebenslänglich verurteilt.

17.12.1996 Ein Kommando der MRTA (Revolutionäre Bewegung Tupac


Amaru) besetzt die japanische Botschaft in Lima, um die
Freilassung der Gefangenen zu erreichen. Das Kommando
nimmt die anlässlich des Geburtstages des japanischen
Kaisers anwesenden ausländischen Diplomaten, führende
Geschäftsleute – vor allem aus Japan – sowie hochrangige
peruanische Militärs, Richter und Politiker gefangen.
1997
Februar 1997 In Paris demonstrieren 100.000 FranzösInnen und
MigrantInnen für eine andere Ausländerpolitik in der
Hauptstadt
24.02.1997 In München wird die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen
der Wehrmacht 1941 bis 1944“ eröffnet, die schon von
120.000 Menschen an 15 Orten in der BRD und Österreich
besucht wurde. Die Eröffnung wird vom Protest der CSU
sowie der rechtsextremen Szene begleitet. Am 1. März
findet ein Aufmarsch von rund 4.000 Gegnern und etwa
8.000 Befürwortern der Ausstellung in München statt.

25.02.1997 Aus Protest gegen den bevorstehenden Atommüll-Transport ins


niedersächsische Zwischenlager Gorleben legen
Atomkraftgegner mit sogenannten Hakenkrallen, die auf
Bahn-Oberleitungen geworfen worden sind, sechs
Zugstrecken lahm.
03.03.1997 Die Tage NiX3 beginnen. Um 5 Uhr startet der 510m lange, 1.900
Tonnen schwere, aus 17 Waggons bestehende und von je 2 Dieselloks
gezogene bzw. geschobene Zug in Wahlheim. Über Bebra, Göttingen,
Hildesheim und Hannover erreicht er begleitet von wütenden Protesten am
Nachmittag Lüneburg. Für die letzte Etappe nach Dannenberg werden mehrere
Stunden benötigt, da der Zug ständig und phantasievoll blockiert wird. Mit mehr
als achtstündiger Verspätung kommt er nach Mitternacht in Dannenberg an.
04.03.1997 Verladetag. Recht zügig werden die Castorbehälter auf die
Schwerlasttransporter verladen. Etwa 8.000 AtomkraftgegnerInnen besetzen
die Straße direkt vor dem Verladekran. Die ursprünglich geplante
Transportstrecke ist wegen Unterhöhlungen, Blockaden und anderen
Beschädigungen unpassierbar. An der Ausweich-Nordstrecke finden ständig
Auseinandersetzungen zwischen dem massiven Polizeiaufgebot und
Demonstrantinnen statt. Es kommt zu zahlreichen Verletzungen,
Ingewahrsamnahmen und Verhaftungen. Der Landkreis ist wieder einmal im
Ausnahmezustand,
05.03.1997 Nachts gegen 0 Uhr beginnt die Polizei mit der Räumung der
Sitzblockade. Dabei wird das Vorgehen der Polizeikräfte von der
fortschreitenden Zeit bestimmt. Zuerst erfolgt ein Wegtragen der
BlockiererInnen, die sich meist an anderer Stelle wieder einreihen, dann erfolgt
der Einsatz von Wasserwerfern mit sich steigerndem Wasserdruck bis zuletzt
von beiden Blockadeenden her immer brutaler "weggeräumt« wird. Etwa gegen
11.45 Uhr rollt der Transport dann los. Immer wieder gelingt es
Demonstrantinnen entlang der Transportstrecke trotz massivster und brutal
vorgehender Polizeikräfte auf die Straße zu gelangen und den Konvoi, wenn
auch meist nur kurz, zu stoppen. Kurz nach 15 Uhr ist das Zwischenlager
erreicht. Eine erste Bilanz geht von 400 Ingewahrsamnahmen bzw.
Festnahmen aus, mehr als 650 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet. Es sind
mindestens 400 Menschen durch die teilweise unvorstellbar brutalen
Polizeieinsätze verletzt worden, zusätzlich erlitten weitere 30 Personen
schwere Verletzungen. Dies war wieder einmal der bisher größte Polizeieinsatz
(etwa 30.000 Beamte) in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
wieder einmal ein Lehrstück in "Staatsbürgerkunde" und wieder einmal
offenbarte sich der Atom - Polizeistaat.
22.04.1997 Sondereinheiten stürmen die besetzte Botschaft in Lima und
ermorden alle Mitglieder des Tupac-Amaru Kommandos.
Das Kommando wollte eine Verbesserung der
unerträglichen Haftbedingungen für die politischen
Gefangenen in Peru erreichen.
12.06.1997 Die Berliner Staatsanwaltschaft durchsucht mit 500
Polizeibeamten mehrere Wohnungen und Projekte auf der
Suche nach Hersteller und Vertreiber der Zeitschrift „ Interim
„. Mehrere Menschen werden vorübergehend
festgenommen. Die Ermittlungsverfahren wegen „ Billigung
und Belohnung von Straftaten „ werden später eingestellt
1998
20.03.1998 Der größte Atommülltransport mit CASTOR-Behältern in der
Geschichte Deutschlands rollt unter Polizeischutz in
Richtung Ahaus.

20.04.1998 Die RAF gibt ihre Selbstauflösung bekannt

26.04.1998 In Medan (Indonesien) kommt es am dritten Tag hintereinander zu


schweren Auseinandersetzungen zwischen StudentInnen
und Sicherheitskräften. Die Polizisten und Soldaten
schießen mit Tränengas und Gummigeschossen, die
Studenten antworten mit Mollis. Am Donnerstag vor der
Technischen Universität, am Freitag die Katholische Uni St.
Thomas und am Samstag die staatliche Uni von Nord-
Sumatra. Nach den Auseinandersetzungen haben
Zivilbullen 5 StudentInnen auf dem Campus der Universität
von Nord Sumatra zusammengeschlagen und verschleppt.
Ähnliche Auseinandersetzungen gab es zwischen 1500
StudentInnen und Militär in Jambi, Sumatra.
In Jakarta wurden 40 StudentInnen verhaftet.

01.05.1998 Als 20 000 ArbeiterInnen und StudentInnen in Seoul nach einer


Kundgebung auf eine achtspurige Autobahn Richtung
Stadtzentrum strömten, setzte die Polizei
Tränengasgranaten und Gummiknüppel ein. Nach kurzem
Zögern regruppierten sich die Demonstranten wieder und
warfen Steine und Abfall auf die Bullen. Es gab viele
Verletzte. Es war die erste gewalttätige Demo seit der
Präsidentschaft Kim Dae-Jungs

04.05.1998 Indonesien: Ab morgen werden gemäß der Absprachen mit dem


IWF die Preise für Kerosin (brauchen viele Leute zum
Kochen) um 25 % und Benzin um 71 % erhöht; die
Fahrpreise für öffentlichen Verkehr steigen ebenfalls. Noch
in diesem Monat soll auch Elektrizität um 20 % verteuert
werden.
Die Auseinandersetzungen zwischen den Studenten und
den Sicherheitskräften haben am Wochenende 77 verletzte
Polizisten und mehr als 60 verletzte StudentInnen
gefordert..
Der oberste Militärchef hat den Kommandierenden
befehlen, in Zukunft gegen die Studenten, die außerhalb
des Campus' demonstrieren wollen, eine harte Haltung
einzunehmen
05.05.1998 In Medan (Indonesien) werden zwei Demonstranten durch scharfe
Kugeln verletzt. In Reaktion auf die Preiserhöhungen von
Kerosin, Benzin und Transport demonstriereen Tausende.
Geschäfte wurden geplündert, Autos verbrannt; die
Sicherheitskräfte setzten wieder Tränengas und
Gummigeschosse ein, bevor einige Polizisten mit Pistolen
schossen.
In Surabaya haben StudentInnen um Mitternacht
Tankstellen besetzt. Aus verschiedenen Städten wird
berichtet, dass sich immer mehr ArbeiterInnen und
Arbeitslose den Protesten der Studenten anschließen.
06.05.1998 Wegen der anhaltenden Studentendemos und
Lebensmittelunruhen erwägt das indonesische
Repräsentantenhaus die vom Internationalen
Währungsfond verordneten Subventionsstreichungen
rückgängig zu machen. In Yogyakarta schließen sich
Tausende von Einwohnern einer Studentendemo an. In
Jakarta schließen sich die StudentInnen einer
Demonstration von Minibusfahrern vor dem Parlament an.
14.05.1998 Mindestens 110 Menschen, die meisten wahrscheinlich Plünderer,
sind beim Brand eines Einkaufszentrums in Jakarta ums
Leben gekommen.
Das Wohnhaus von Indonesiens reichstem Bürger, Lim
Sioe Liong, wird während der Riots in Brand gesteckt.
Verschiedene Gebäude, die sich im Besitz der Soeharto-
Familie oder der Cronies befinden werden ebenfalls
angegriffen, z. B. zwei Filialen der Bank Central Asia,
Indonesiens größter Privatbank.

21.05.1998 Auch nach dem Rücktritt Soehartos um 10 Uhr Ortszeit heute


morgen bleibt die Lage im belagerten Jakarta gespannt.
Militärchef Wiranto kündigte an, dass ABRI alles tun würde,
um die Familie Soehartos und seine parlamentarischen
Verbündeten zu schützen Die Studenten auf dem
Parlamentsgelände führten zwar Freudentänze auf,
skandierten aber auch: „Hängt Soeharto“ und „Gebt seinen
Reichtum dem Volk zurück!“.
Der IWF, dessen Leute letzte Woche aus Jakarta geflohen
waren, hat sein Hilfspaket für Indonesien suspendiert. Laut
Stanley Fisher, erster Vize-Chef des IWF, muss wegen dem
neuerlichen Verfall der Rupiah neu verhandelt werden.
Drastische Änderungen seien notwendig. Nach seiner
Meinung werden die $43 Milliarden des alten Pakets nicht
mehr reichen.
03.06.1998 3000 demonstrieren in Jakarta vor dem Parlament und verlangen,
dass Soeharto wegen Korruption vor Gericht gestellt wird.
Außerdem tragen sie Transparente gegen Habibie.
200 Frauen demonstrieren mit der Forderung „Gebt den
Menschen das Recht zurück, zu essen“.
In Surabaya marschieren hunderte von Studenten zur
lokalen Station des Privatfernsehens und verlangen, dass
ihre Forderungen gesendet würden. Sie verlangen eine
Aufhebung der Gesetze gegen „Subversion“, Freilassung
der politischen Gefangenen, Preissenkungen,
Untersuchung der Korruption und allgemeine Wahlen.

28.06.1998 Anlässlich des Besuchs einer EU-Delegation in Dili gibt es


Demonstrationen und Auseinandersetzungen zwischen
Pro- und Anti-Unabhängigkeitsanhänger. Die
Proindonesischen Demonstranten versuchen das
Parlament zu besetzen, eine Menge von UnterstützerInnen
eines Referendums kommen hinzu; die Sicherheitskräfte
haben Mühe, die beiden Gruppen auseinander zu halten.
Das Büro des Gouverneurs und einige seiner Autos werden
im Laufe des Tages zerstört.
Der Tagesablauf der EU-Delegation muss geändert
werden, weil ihr Wagen von 6000 Anhängern der
Unabhängigkeit aufgehalten wird. Der Körper eines
Jugendlichen, der am Freitag (nach der Aussage von
Verwandten von Zivilbullen) erschossen worden war, wird
durch die Stadt getragen und an der Uni aufgebahrt.
24.07.1998 Erstes bundesweit organisiertes Grenzcamp in Rothenburg bei
Görlitz mit ca. 500 TeilnehmerInnen.

20.08.1998 Als Vergeltung auf die Terroranschläge auf die amerikanischen


Botschaften in HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/
Kenia" \o "Kenia" Kenia und HYPERLINK "http://
de.wikipedia.org/wiki/Tansania" \o "Tansania" Tansania
führen die Vereinigten Staaten einen Luftangriff auf eine
angebliche Giftgasfabrik durch, die sich im Nachhinein als
die HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Asch-Schifa-
Arzneimittelfabrik" \o "Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik" Asch-
Schifa-Arzneimittelfabrik herausstellte

09.09.1998 Unter dem Druck der Regierung in Damaskus verlässt der Chef
der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Syrien. Von
dort aus hatte er seit Jahren den Kampf gegen die Türkei
organisiert

12.09.1998 Bei der Ankunft aus Moskau wird der mit internationalem
Haftbefehl gesuchte Öcalan in Rom festgenommen. Er
beantragt politisches Asyl. Ankara verlangt vergeblich seine
Auslieferung.

Okt. 1998      Die NATO droht Luftschläge für den Fall an, dass die
jugoslawische Regierung die Repressalien gegen die
albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo nicht
eingestellt. Die OSZE entsendet 2000 Beobachter.
07.11.1998 Andrea Wolf ist in der Türkei erschossen worden. Das Kölner
Kurdistan-Informationszentrum warf gestern den türkischen
Sicherheitskräften vor, sie hätten Wolf lebend
gefangengenommen „und später hingerichtet“. Wolf wurde
von der BAW wegen des Verdachts der Unterstützung der
RAF gesucht.

12.12.1998 Zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten


und Polizei kam es bei einer Demonstration gegen die
Restrukturierung der Konzerne Samsung und Daewoo in
Seoul. Etwa 3000 ArbeiterInnen, unterstützt von
StudentInnen, durchbrachen kurzzeitig eine
Polizeiblockade und verprügelten einzelne Polizisten mit
deren Schlagstöcken. Auch in anderen Städten gab es
Demonstrationen der Beschäftigten von Daewoo und
Samsung.
1999
13.02.1999 Der algerische Flüchtling Farid Guendoul verblutet in der kleinen
ostdeutschen Stadt Guben an einer Verletzung, die er sich
bei dem Versuch zuzog, vor einem Hetzparolen grölenden
Mob deutscher Jugendlicher zu flüchten.

15.02.1999 Öcalan wird aus der griechischen Botschaft in Nairobi von einem
türkischen Sonderkommando in die Türkei entführt und
kommt auf der Gefängnisinsel Imrali in Isolationshaft.

16.02.1999    Beginn der Verhandlungen von Rambouillet, die am


17.3.99 ergebnislos enden, weil die jugoslawische
Regierung die Stationierung von NATO-Truppen im
eigenen Land kategorisch ablehnt.

17.02.1999 Im Verlauf europaweiter Kurdenproteste gegen die Festnahme


Öcalans werden in Berlin bei einer versuchten Besetzung
des israelischen Generalkonsulats drei Kurden erschossen.
Ein vierter stirbt später

09.03.1999 In Saarbrücken wird auf die Wehrmachtausstellung vom


Hamburger Institut für Sozialforschung ein
Sprengstoffanschlag verübt. Die Explosion hat weite Teile
der Ausstellung in Mitleidenschaft gezogen und
erheblichen Gebäudeschaden angerichtet.

24.03.1999 Nach dem Scheitern der Verhandlungen von Rambouillet beginnt


die NATO den Luftkrieg gegen Serbien, unter Beteiligung
der Bundeswehr. Fast 500.000 Kosovo-Albaner befinden
sich auf der Flucht.

13.05.1999 Dem bundesweiten Aufruf zur Verhinderung des grünen


Sonderparteitages in Bielefeld, auf dem es um die
Zustimmung zum bereits stattfindenen Krieg gegen
Jugoslawien geht, folgen 300 – 400 KriegsgegnerInnen.
Nachdem der Versuch scheiterte, den Parteitag zu stürmen,
erreicht eine Blockade der Zugänge eine mehrstündige
Verspätung. Drinnen trifft ein Farbbeutel Außenminister
Fischer am Kopf.

20.05.1999 Erschießung von Massimo D’Antona in Rom.


Arbeitsrechtsprofessor D’Antona arbeitete als Berater des
Arbeitsministers.

20.05.1999 Während der philippinische Senat über ein Militärabkommen mit


den USA debattiert, gibt es vor dem Gebäude schon den
zweiten Tag lang gewalttätige Auseinandersetzungen
zwischen Demonstranten und Sicherheitspersonal. Das
geplante „Visiting Forces Agreement (VFA)“ soll den Weg
für die militärische Zusammenarbeit mit den USA ebnen,
indem es den US-Truppen weitgehende Rechte zubilligt,
wenn sie bei Manövern auf den Philippinen stationiert sind.
Die Gegner der Zusammenarbeit mit dem US-Militär
versuchen sich mit Steinen, Holzknüppel und faulem
Gemüse bewaffnet den Weg ins Senatsgebäude zu
erkämpfen. Zahlreiche Demonstranten, Sicherheitskräfte
und Journalisten werden dabei verletzt. 19 Demonstranten
landen im Knast.

10.06.1999 Die NATO setzt die Luftangriffe gegen Serbien aus, nachdem
Präsident Milosevic die Kapitulationsforderungen der Nato
akzeptierte und mit dem Rückzug der jugoslawischen
Sicherheitskräfte aus dem Kosovo begonnen hat 10.000
getötete oder verletzte jugoslawische Soldaten (NATO-
Schätzung). 1.500 getötete und 5.000 verletzte
Zivilpersonen (Schätzungen der jug. Behörden). Mehr als
855.000 Menschen aus dem Kosovo seit Beginn der
Luftangriffe am 24.3.99 Vertriebene/Geflohene (nach
Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR). Zerstörte
Infrastruktur: 34 Straßen- und 11 Eisenbahnbrücken, 57 %
der Mineralölvorräte.

06.07.1999 Repression gegen AtomkraftgegnerInnen. Auf der Suche nach der


„Goldenen Hakenkralle" werden nach §129a 30
Wohnungen durchsucht.
07.-15.08.1999 Grenzcamp in Zittau. Mit Aktionen in der Zittauer Innenstadt,
vor der dortigen BGS-Kaserne, Besuchen im Rathaus und
in der Flüchtlingsunterkunft protestierten über 500
Menschen eine Woche lang gegen das erbarmungslose
Grenzregime am neuen eisernen Vorhang der Festung
Europa.
15.09.1999 Horst-Ludwig Meyer wird von der Polizei in Wien erschossen,
Andrea Klump festgenommen.

15.10.1999 Protestaktion gegen Abschiebung auf dem Flughafen Schönefeld


im Rahmen des internationalen Aktionstag gegen die
Festung Europa. Zum gleichzeitig stattfindenden EU-
Gipfeltreffen in Tampere (Finnland), wo eine weitere
Ve rsch ä rfu n g d e r Vi sa - u n d Asyl p o l i ti k d e r EU -
Mitgliedsstaaten organisiert wurde, fand unter anderem am
Berliner Flughafen Schönefeld eine Protestaktion
antirassistischer Initiativen statt. Auf dem Vordach des
Fl u g h a fe n g e b ä u d e s w u rd e e i n 1 5 Me te r l a n g e s
Transparent entrollt.
30.11.1999 Militante Demonstration anlässlich der WTO-Ministerkonferenz in
Seattle
19.12.1999 Um 6.00 Uhr stürmten schwer bewaffnete Spezialeinheiten von
Polizei und BGS die Privatwohnungen von Axel Haug und
Harald Glöde in Berlin. Anschließend wurden sie nach
Karlsruhe gebracht, wo ihnen am 20.12.1999 Haftbefehle
verkündet wurden. Im selben Zusammenhang erfolgte in
Frankfurt a.M. die Verhaftung von Sabine Eckle
Zeitgleich wurde die Umgebung des MehringHofes in
Berlin-Kreuzberg - der Arbeitsstelle von Axel und Harald -
von ca. 1.000 PolizeibeamtInnen umstellt und durchsucht.
Hohlräume wurden aufgestemmt, Türen aufgebrochen, bis
spät in den Abend hinein wurden alle Räume durchsucht -
gefunden wurde nichts.
Jedoch wurden bei der Durchsuchung Frank L. und Alicia
L., zwei Flüchtlinge festgenommen. Sie wurden in
Abschiebehaft genommen und sind mittlerweile nach
Weißrussland und Bolivien abgeschoben.
Die Verhaftungen und Durchsuchungen werden von der
BAW damit begründet, dass Tarek Mousli - der wenige
Wochen vorher von der Bundesanwaltschaft (BAW) wegen
Mitgliedschaft in den Revolutionären Zellen (RZ) verhaftet
worden war - Axel H., Harald G. und Sabine E. mit
Aussagen belastet habe.
2000
16.01.2000 Brandanschlag auf die Bundesgrenzschutzinspektion Grunewald/
Cordesstrasse in Berlin

16.01.2000 In Paris werden Sonja Suder und Christian Gauger


festgenommen. Der Haftbefehl stützt sich auf die Aussagen
des Kronzeugen Tarek Mousli, der sie der Mitgliedschaft in
der RZ bezichtigt.

05.02.2000 Bundesweite Demonstration für Mumia Abu Jamal in Berlin, an der


sich 8000 Menschen beteiligen. Seit über 17 Jahren sitzt
Mumia Abu-Jamal, afro-amerikanischer Journalist und
Black Panther Aktivist, in der Todeszelle in Pennsylvania,
USA. Ihm wird die Tötung eines Polizisten vorgeworfen,
was er selber bestreitet. Schon mehrfach ist seine
Hinrichtung aufgrund massiver internationaler Proteste
aufgeschoben worden. Der Neuaufrollung seines
Prozesses wurde jedoch nie stattgegeben. Mumia wurde
durch seine mutigen Reportagen von den Straßen
Philadelphia als „Voice of the Voiceless“ (Stimme der
Stimmlosen) bekannt. Der örtlichen Polizei war er als
Ankläger ihrer rassistischen Brutalität zutiefst verhasst. Die
Todesstrafe gegen Mumia ist nur die Spitze des Eisberges.
In den Todeszellen der US-Gefängnisse sitzen derzeit über
3.300 Gefangene.

31.05.2000 In Buenos Aires findet die größte Kundgebung seit 1996 statt.
Etwa 70.000 Menschen demonstrieren gegen den
Internationalen Währungsfonds und ein Krisenprogramm
der Regierung unter Präsident De La Rúa

29.07.-06.08.2000 3. Antirassistisches Grenzcamp in Forst in Brandenburg

26.-28.09.2000 IWF-Weltbank-Tagung in Prag. Etwa 20 000 Weltbanker,


Ökonomen u. Investoren treffen sich zwischen dem 26. u.
28. Sept. 2000 in Prag. Es ist das 55ste Treffen von
Weltbank und IWF, aber vor allem das erste seiner Art in
Ost- Europa. Vom 21.-28.9. gibt es ein Festival „Art of
resistance“ und Aktionstage. Eine Karawane „Geld oder
Leben“ startet am 10.9. von Hannover aus zum Kongress.
Am 26.9. findet ein globaler Aktionstag statt, an dem sich
Gruppen aus 32 Ländern beteiligen.
2001
26.03.2001 Stillstand in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.
Busfahrer, Angestellten der U-Bahn und das
Flughafenpersonal legen ihre Arbeit nieder. Tausende von
Menschen ziehen mit Trommeln und Transparenten vor den
Präsidentenpalast. Zwei der größten Gewerkschaften
haben zum Generalstreik aufgerufen, dem vierten in der
Amtszeit von de la Rúa.

24.-29.03.2001 Castor-Transport nach Gorleben

15.06.2001 Im Zusammenhang mit Protesten gegen den EU-Gipfel in


Göteborg schießt die Polizei scharf: Ein Genosse wird,
angeblich "in Notwehr", von Polizisten getroffen und
lebensgefährlich verletzt, zwei weitere durch
Polizeischüsse ebenfalls schwer verletzt

20.06.2001 In Argentinien haben die wochenlangen Proteste gegen die


Wirtschaftsmisere erste Todesopfer gefordert. Seit der
letzten Woche liefern sich DemonstrantInnen und Polizei
Straßenschlachten in der Stadt General Mosconi im Norden
des Landes. Zuvor hatte die Grenzpolizei versucht, die bis
dahin friedlichen Proteste von Arbeitslosen und
Bauarbeitern, die eine Erhöhung ihrer Tagessätze
forderten, gewaltsam zu beenden. Die Polizei setzt
Schusswaffen ein, zwei Demonstranten sterben.

20.07.2001 Das Gipfeltreffen der G-8 beginnt. Vor der Roten Zone setzt die
Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen
Demonstranten ein, die sich zu nahe an die Absperrungen
wagen. In der Innenstadt Genuas werden Auslagen von
Banken eingeschlagen, Müllcontainer angezündet. Bei
Zusammenstößen mit der Polizei gibt es zahlreiche
Verletzte, auch mehrere Journalisten werden von der
Exekutive geschlagen. Um 15 Uhr fallen die ersten
Schüsse: Ein Polizist fühlt sich bedroht und schießt in die
Luft. Um 17:30 wird Carlo Giuliani auf der Piazza Alimonda
von Carabinieri erschossen und überfahren, nachdem
Demonstranten das Fahrzeug der Sicherheitskräfte
angegriffen hatten. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen,
hunderte Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

27.07.-05.08.2001 Grenzcamp in Frankfurt/Main: Die inneren Grenzen im


Visier Nach drei Campjahren in Orten direkt an der Grenze
zu Polen und Tschechien wurde als Ort für diesen Sommer
das Rhein-Main-Gebiet und der Frankfurter Flughafen
gewählt. In der Bankenmetropole entledigt sich das neue
Deutschland unermüdlich seiner unerwünschten Gäste.
Rund 10 000 Menschen werden jährlich vom Frankfurter
Flughafen abgeschoben, meist still und leise, oftmals mit
aller zur Verfügung stehenden staatlichen Gewalt.
Fokussiert werden damit die „inneren Grenzen“ des
nationalen Grenzregimes. Der Schwerpunkt der anvisierten
Aktionen liegt auf dem Flughafenverfahren und dem
Internierungslager am Rhein-Main-Airport. Mit einer
überregionalen Abschlussdemonstration wird am Samstag,
dem 4. August 2001 den Forderungen nach der sofortigen
Auflösung des Internierungslagers und dem Stop aller
Abschiebungen Nachdruck verliehen. Eine
öffentlichkeitswirksame Blockade des Flughafens fand
bereits zu Beginn des Camps am So, den 29. Juli statt.

12.08.2001 Zigtausende protestieren in Argentinien. Im Zuge einer


„Finanzkrise“ will die argentinische Regierung Löhne und
Gehälter wesentlich kürzen. Gegen diese Pläne gibt es seit
Wochen große Proteste. Als Grund für die Krise werden
auch die Strukturanpassungsprogramme von IWF und
Weltbank gesehen

Eine Boeing wird zielgerichtet in den Nordturm des World Trade Center
gestürzt. Eine weitere, in Boston entführte Boeing stürzt ebenfalls äußerst
zielgerichtet, mit 65 Menschen an Bord, in den Südturm des WTC. Nach
offiziellen Angaben der New Yorker Stadtverwaltung starben unter den
Trümmern des World Trade Centers 2992 Menschen. In Washington und New
York wird der Notstand ausgerufen.

20.09.2001 Die Kriegsmaschinerie der USA positioniert sich im östlichen


Mittelmeer am Persischen Golf, offensichtliche Anzeichen
dafür, dass ein erster Vergeltungsschlag wegen den
Terroranschlägen in New York und Washington kurz bevor
steht. In US-Militärkreisen hat der „langjährige“ Kampf
gegen den Terrorismus bereits einen Namen: „Unbegrenzte
Freiheit“.

02.10.2001 Nato-Generalsekretär George Robertson beruft sich auf Artikel 5


des NATO-Vertrages, demnach sei nach dem Terrorakt in
den USA der Bündnisfall für die 19 Mitglieder der Nato
eingetreten.
07.10.2001 Afghanistan wird zum ersten Mal mit Cruise Missiles und
Marschflugkörpern, des US-amerikanischen und britischen
Militärs, angegriffen, dabei sind Kabul und Khandahar die
Hauptangriffsziele.

05.11.2001 Schwer bewaffnete Polizeieinheiten stürmen den Istanbuler


Stadtteil Kucukarmutlu. Dort beteiligen sich seit mehreren
Monaten Angehörige der Gefangenenorganisation Tayad
an einem unbefristeten Todesfasten beteiligt. Mit dieser
Aktion wollen sie die politischen Gefangenen unterstützen,
die seit dem 20. Oktober 2000 mit einem Todesfasten
gegen ihre Zwangseinweisung in die F-Typ-Zellen
genannten Isolationstrakte protestieren. 74 Gefangene
haben bisher in diesem Hungerstreik ihr Leben verloren.

13.11.2001    Kabul wird praktisch widerstandslos von der Taliban


geräumt und den Truppen der Nordallianz überlassen.
14.11.2001 10 000 Reisbauern demonstrierten gegen eine weitere Öffnung
des Landes für die Einfuhr von landwirtschaftlichen
Erzeugnissen. Sie beschuldigten die USA und die
Welthandelsorganisation WTO, Korea zu einer Erhöhung
der Importe und zur Subventionskürzung zu zwingen. Der
Protest wurde gewalttätig, als die Bauern versuchten, das
Hauptquartier der Oppositionspartei GNP zu stürmen. Es
gab Zusammenstöße mit der Polizei und einige Autos
wurden umgeschmissen. Die GNP war 1994 an der
Regierung und öffnete das Land für landwirtschaftliche
Importe.

21.12.2001 Der UN-Sicherheitsrates beschließt die Entsendung von Soldaten


nach Afghanistan. Im Rahmen der Operation „Enduring
Freedom“ sollen rund 5000 UN-Soldaten aus insgesamt 18
Nationen für Frieden in Afghanistan sorgen.
Die Führung dieser ISAF-Truppen (International Security
Assistance Force / Internationale Afghanistan-
Friedenstruppe) wird ab Februar 2003, Deutschland
gemeinsam mit den Niederlanden übernehmen. Dafür
muss das deutsche Kontingent an der ISAF von 1280 auf
2500 Bundeswehrsoldaten erhöht werden.

21.12.2001 In Argentinien ist für 30 Tage der Ausnahmezustand verhängt. Bei


Unruhen und Plünderungen von Supermärkten gibt es 16
Tote. De la Rúa gibt unter dem Druck der militanten
Proteste sein Amt auf und musste seinen Amtssitz im
Hubschrauber verlassen. Auch der Wirtschaftsminister
Domingo Cavallo erklärt seinen Rücktritt. Die
Gewerkschaften rufen zum Generalstreik gegen den
Belagerungszustand durch die Polizei auf.

23.12.2001 Mit der Einsetzung der Interimsregierung unter Hamid Karsai wird
der Afghanistankrieg formal als beendet erklärt. Allerdings
geht der Krieg gegen die Taliban und das Al-Qaida-
Netzwerk mit massiver Militärpräsenz der USA,
Großbritanniens und der ISAF-Truppen in Afghanistan
weiter.
Eine vorläufige Bilanz dieses Krieges in Zahlen: Bis zum
06. Dezember 2001, mindestens 3500 zivile Opfer durch
Bombenangriffe und schätzungsweise 15.000 getötete Al-
Qaida- oder Taliban-Kämpfer bzw. Menschen, die aus
Militärkreisen zu diesen Gruppierungen gezählt wurden.
Nach einem Bericht des US-Pentagon flogen
amerikanische Militärflugzeuge bis März 2002 insgesamt
21.500 Einsätze und warfen dabei rund 17.400 Bomben ab.
Das eigentliche Kriegsziel, die Zerstörung von Bin Ladens
Netzwerk wurde dabei nicht erreicht.
2002
Februar 2002 In Bologna wird Marco Biagi erschossen. Der
Arbeitsrechtler und Professor an der Universität Modena,
hatte an der von den Gewerkschaften abgelehnten
Änderung des Kündigungsschutz-Artikels 18 des
Arbeiterstatuts mitgewirkt und war Co-Autor des Weißbuchs
der Regierung zum Arbeitsmarkt vom Oktober 2001. Die
Roten Brigaden – kämpfende Kommunisten bekannten sich
zu dem Anschlag

12.-19.07.2002 Das fünfte antirassistische Grenzcamp fand diesmal in Jena


in Thüringen statt

24.08.2002 Anlässlich des 10. Jahrestages der Pogrome in Rostock-


Lichtenhagen rufen antifaschistische Gruppen zur
Demonstration auf.

26.10.2002 Am 26. Oktober finden weltweit Aktionen und Demos gegen den
geplanten Irak-Krieg statt

06.-10.11.2002 Europäisches Sozialforum in Florenz. Bis zu 60.000


Menschen beteiligen sich an Veranstaltungen und
Diskussionen über kapitalistische Globalisierung, Krieg,
neue soziale und demokratische Beziehungen. Nicht
wenige hatten nach den Mobilisierungen der vergangenen
Jahre und vor allem nach den Tagen von Genua im Juli
2001, die in den tödlichen Carabinieri-Schüssen auf Carlo
Giuliani gipfelten, ein Abflauen der Bewegung
vorhergesagt. In Florenz ist das Gegenteil der Fall: Sowohl
an den Foren als auch an der Abschlussdemo nehmen gut
dreimal soviel Menschen teil wie erwartet.
2003
15.02.2003 Millionen von Menschen demonstrieren in Europa und
weltweit,
um gegen den drohenden Irakkrieg zu protestieren.

31.07-10.08.2003 Antirassistisches Grenzcamp in Köln Mit einer massiven


Räumung durch die Polizei endet das diesjährige sechste
Grenzcamp. Mit zahlreichen Aktionen, Veranstaltungen und
Demonstrationen demonstrierten die etwa 800
CamperInnen gegen die restriktive deutsche
Flüchtlingspolitik, gegen Abschiebungen, rassistische
Polizeikontrollen und unzumutbare Zustände in Lagern wie
dem nahegelegenen Containerboot für Flüchtlinge.
Zentrale Aktionen sind u.a. eine Blockade des Düsseldorfer
Flughafens, von dem sich neuerdings auch das durch
Ferienflüge bekannte Unternehmen LTU am
Abschiebegeschäft beteiligt..
Am Samstag, den 9. August, als 40 TeilnehmerInnen einer
rechten Bürgerinitiative aus Poll gegen das Grenzcamp
demonstrieren wollen, rücken mehrere Hundertschaften der
Polizei mit Wasserwerfern und Räumpanzern an und
umstellten das Gelände. Nur wer sich einzeln fotografieren
lässt und seine Personalien angibt, darf die Rheinwiesen
verlassen. Erst um vier Uhr am Sonntagmorgen werden die
letzten der mehr als 400 Demonstranten, die nicht
aufgegeben hatten, aus dem Kessel geschleppt und
vorübergehend in Gewahrsam genommen. In zwanzig
Städten kommt es zu Spontandemonstrationen.

13.09.2003 Philippinen: Einige tausend Bauern aus Südluzon demonstrierten


gegen die Welthandelsorganisation WTO, anlässlich des
Ministertreffens der WTO in Cancun/Mexico. Die
Demonstranten wollten eigentlich zum Präsidentenpalast
ziehen, wurden aber von der Polizei daran gehindert. Es
gab u.a. folgende Transparente: „Bekämpft die
kapitalistische Globalisierung und Angriffskriege“, „Kämpft
für nationale Souveränität“, „Stoppt den Krieg und Stoppt
den Irrsinn von US-Bush“. Die Demo forderte ein Ende der
von der WTO betriebenen Handelsliberalisierung, weil
diese ihren Lebensunterhalt gefährdet. Mindestens 17
Fahrzeuge mit 360 Bauern aus der Region Bicol waren von
der Polizei auf ihrem Weg zur Demo abgefangen und die
Transporter durchsucht worden. Deshalb hielten die Bauern
ihre Demo an dem Ort ab, an dem sie festgehalten wurden.

25.10.2003 Etwa 2500 TeilnehmerInnen demonstrieren durch die


Magdeburger Innenstadt. Freiheit für Carsten, Daniel und
Marco! Weg mit dem Paragraphen 129a

15.11.2003 Im Rahmen des Europäischen Sozial Forum kamen 100000


Menschen zu der Abschlussdemonstration nach Paris

19.-21.11.2003 „Stoppt alle Abschiebungen! Stoppt staatliche Repression!


Menschenrecht ist kein Privileg!" Demonstration anlässlich
der Innenministerkonferenz in Jena
2004
Mehr als 500.000 Menschen beteiligen sich bundesweit am
Europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau.

02.10.2004 Zentrale Demonstration aller Initiativen gegen Hartz IV in Berlin mit


rund 50.000 TeilnehmerInnen. HYPERLINK "http://
www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/
021004hartzdemo.html" Eine Bilderseite

11.10.2004 Rund 80 AktivistInnen statten der Zentrale der Arbeiterwohlfahrt


(AWO) einen Besuch ab und verlangen, dass die AWO auf
die Vergabe von Ein-Euro-Jobs verzichtet. Die
BesetzerInnen tragen rote Pullis und weiße Masken und
werden „die Überflüssigen“ genannt. Der Vorsitzende der
AWO zeigt sich wenig gesprächsbereit und lässt räumen

07.-09.11.2004 Trauer und Wut über den Tod des 21-jährigen Sébastien
Briat begleiten die diesjährigen Proteste gegen den
Castorzug von La Hague nach Gorleben. Sébastien hatte
sich mit Freunden bei Avricourt (Frankreich) hinter einer
Kurve an der Bahnstrecke angekettet und wurde von dem
mit 80 Stundenkilometer fahrendem Castorzug überrollt. In
zahlreichen Städten versammeln sich spontan tausende
von AtomkraftgegnerInnen, in Hitzacker und Splietau finden
Trauerkundgebungen statt.
Zum ersten Mal seit Jahren sind sowohl die Nord- als auch
die Südstrecke von Dannenberg nach Gorleben vollständig
blockiert. Bei Langendorf verkeilen Bauern schon frühzeitig
rund 30 Trecker ineinander.
2005
03.01.2005 Am ersten Arbeitstag im neuen Jahr gab es in rund 80 Städten
Protestaktionen, Blockaden und Besetzungen von
Arbeitsagenturen.

07.01.2005 Oury Jalloh stirbt gefesselt an Händen und Füßen in einer


Dessauer Polizeizelle

06.06.2005 Am 6. Juni 2005 morgens um 4.30 Uhr beginnt die Räumung der
Yorckstr. 59 in Berlin und dauert über sieben
Stunden an. Im Laufe des Tages gibt es in mehreren
Städten Solidaritätsaktionen.

28. Juli 2005 Die IRA erklärt den bewaffneten Kampf für beendet

19.11.2005 Am 19. November 2005 startet zum wiederholten Mal ein


Transport mit 12 hochradioaktiven Castorbehältern
aus der französischen Wiederaufbearbeitungsanlage
La Hague ins Zwischenlager Gorleben. Auch in
diesem Jahr bringen tausende Menschen ihren
Protest mit vielfältigen Aktionen zum Ausdruck
2006
22.04.2006 Bundesweit demonstrieren Flüchtlingsorganisationen und
antirassistische Initiativen am 22.4. für Bleiberecht und
Bewegungsfreiheit. Der Aktionstag zielt auf die
Innenministerkonferenz am 4. und 5. Mai in Garmisch-
Partenkirchen, auf der über Bleiberechtsregelungen für
Flüchtlinge verhandelt wird. In Potsdam ziehen rund 400
Menschen vom Hauptbahnhof zur Glienicker Brücke. Eine
Mauer, die sie symbolisch für die Residenzpflicht
errichteten, hält nicht lange. HYPERLINK "http://
www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/
220406potsdam.html" Eine Bilderseite.

04.-13.08.2006 Rund 500 Menschen beteiligen sich am Anti-G8-Camp


2006 im Ort Steinhagen in Mecklenburg-Vorpommern. Das
10-tägige Camp, das am 4. August startete, dient dem
Austausch und der Vorbereitung der Proteste gegen den
G8-Gipfel im kommenden Jahr in Heiligendamm. Neben
zahlreichen Workshops, Diskussionen und Veranstaltungen
erkunden die CamperInnen die Gegend rund um
Heiligendamm, organisieren Kundgebungen und
Demonstrationen, z. B. eine antirassistische Demonstration
am 8. August in Rostock

23.09.2006 Anlässlich des 15. Jahrestages rassistischer Pogrome in


Hoyerswerda findet eine antirassistische Demonstration
statt. Im Jahr 1991 kam es im sächsischen Hoyerswerda zu
den ersten Pogromen der Nachkriegszeit

07.10.2006 Anlässlich des Jahrestages der Erstürmung der spanischen


Exklaven Ceuta und Melilla von hunderten von Flüchtlingen
gingen in einem internationalen Aktionstag tausende
Menschen gegen das europäische Migrationsregime auf
die Straße

Rund 220 000 Menschen demonstrierten bundesweit gegen Sozialabbau. In


Berlin versammelten sich rund 80000 Menschen vor dem Brandenburger Tor.
Der DGB hatte sich das Motto „Das geht besser! Aber nicht allein!" ausgesucht,
soziale Initiativen und Bündnisse setzten ein „Das geht nur ganz anders"
dagegen

10.11.2006 Am Abend des 10. November startet der zehnte Transport


mit.
zwölf Castor-Behältern aus dem französischen La Hague
Richtung Zwischenlager Gorleben. Auch dieses Mal - im
dreißigsten Widerstandsjahr im Wendland - verläuft der
Castortransport alles andere als routinemäßig.
2007
08.05.2007 Die Köpi, subkulturelles Hausprojekt in Berlin wird
zum zweiten Mal auf einer Versteigerung zum Verkauf
angeboten. Unter dem Motto „Ihr habt die ganze
Stadt verkauft – Köpi ist und bleibt Risikokapital“
demonstrieren rund 2000 Menschen in Berlin

09.05.2007 Mit Sprechchören „Wir sind alle 129a“ reagieren tausende


Menschen auf Spontandemonstrationen in
verschiedenen Städten gegen die massive
Durchsuchungsaktion des BKA am gleichen Tag. Die
federführende Bundesanwaltschaft hatte angesichts
des bevorstehenden G8-Gipfels schweres Geschütz
aufgefahren. 900 Bullen durchsuchen bundesweit 40
linke Projekte, Wohnungen und Arbeitsplätze.
Begründung: 18 namentlich Beschuldigte hätten eine
terroristische Vereinigung gegründet.

06.-08.06.2007 G8-Gipfel in Heiligendamm. Vom 6. bis zum 8. Juni treffen


sich die Staats- und Regierungschefs der acht
wirtschaftlich und militärisch führenden Staaten des
Nordens in Heiligendamm. Wie schon oft zuvor
sprachen die Mächtigen der Erde von Hunger- und
Armutsbekämpfung, posten mit großzügigen Gesten
und vagen Versprechungen und stehen unverändert
für eine neoliberale Politik, die weltweit zu mehr
Hunger, Ausgrenzung und wachsender Ungleichheit
führt. Mehr als 10.000 G8-GegnerInnen setzen sich
über alle gerichtlichen Verbote hinweg, „fließen“ mit
der „5-Finger-Taktik“ durch hochgerüstete
Polizeieinheiten hindurch, um zu den anvisierten
Blockadepunkten zu gelangen