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MINISTERIUM FÜR LÄNDLICHEN RAUM UND VERBRAUCHERSCHUTZ

PRESSESTELLE
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PRESSEMITTEILUNG 21. November 2013
Nr. 240/2013



Waldzustandsbericht 2013 vorgestellt

Forstminister Alexander Bonde: „Positiver Trend zur Verbesserung
des Waldzustands hält an, aber kein Grund zur Entwarnung“

„Der Waldzustandsbericht 2013 zeigt erfreulicherweise, dass sich der Zustand des
Waldes gegenüber dem Vorjahr erneut leicht verbessert hat. Damit setzt sich der mit-
telfristige Trend zur Verbesserung des Zustands unserer Wälder nach dem extremen
Trockenjahr 2003 weiter fort. Das ist für uns in Baden-Württemberg eine gute Nach-
richt. Schließlich ist unser Land mit einem Waldanteil von knapp 40 Prozent der Lan-
desfläche ein Waldland im besten Sinne“, sagte Forstminister Alexander Bonde am
Donnerstag (21. November) bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2013 in
Stuttgart. Besonders die kühle und feuchte Frühjahrswitterung 2013 habe sich günstig
auf die Entwicklung der Waldbäume ausgewirkt. Zudem habe ein allgemein geringes
Vorkommen an Schadinsekten zu einer geringeren Belastung bei den Waldbäumen
geführt.

Weniger Waldfläche im Land geschädigt
„Der Anteil der Waldfläche in Baden-Württemberg, der als deutlich geschädigt einzu-
stufen ist, nahm im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt ab und liegt nun
bei 35 Prozent. Besonders erfreulich ist der Anstieg der nicht geschädigten Waldbe-
stände von 26 Prozent auf 33 Prozent. Auch der mittlere Nadel- und Blattverlust der
Bäume hat sich um 1,5 Prozentpunkte verringert auf 22,1 Prozent. Damit verlieren die
Bäume durchschnittlich ein Fünftel ihrer natürlichen Blattmasse. Dies stellt zugleich
den zweitbesten Wert der letzten zehn Jahre dar. Damit setzt sich die Tendenz zur
Verbesserung des Waldzustands weiter fort“, erläuterte Forstminister Bonde die aktu-
ellen Ergebnisse. Neben günstigen Witterungsverhältnissen sei der positive Trend auf
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die konsequente Luftreinhaltepolitik, die naturnahe Waldbewirtschaftung sowie die
Programme zur Bodenschutzkalkung zurückzuführen. Letztere würden immer wieder
an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst.

Zustand von Fichte, Tanne und Eiche verbessert - Buche verschlechtert sich
Bei der Betrachtung der einzelnen Baumarten zeige sich ein differenziertes Bild. „Der
Gesundheitszustand der Baumarten Tanne, Fichte und Eiche hat sich verbessert“, so
Bonde. Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei der Tanne. Nach deutlichen
Schäden Anfang der 1980er Jahre, die auf hohe Schadstoffeinträge zurückzuführen
gewesen seien, erweise sich die Baumart mittlerweile als äußerst stabil. Ihr Kronen-
zustand habe sich in den letzten 15 Jahren kaum verändert. „Unser Sorgenkind bleibt
auch dieses Jahr die Buche. Ihr Zustand hat sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals
verschlechtert“, sagte der Minister. Regionale Spätfrost- und Insektenschäden sowie
eine verstärkte Fruchtausbildung hätten ihr besonders zu schaffen gemacht.

Kein Grund zur Entwarnung: Verbesserung des Waldzustands ist Daueraufgabe
„Zwar belegt der diesjährige Waldzustandsbericht eine positive Entwicklung des
Gesundheitszustands unserer Wälder. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass
nach wie vor über ein Drittel der Waldfläche in Baden-Württemberg stark geschädigt
ist“, so Bonde. Der Zustand der Wälder sei damit deutlich schlechter als noch Mitte
der 1980er Jahre, als das Thema Waldsterben in der gesellschaftlichen Debatte breit
verankert war. „Auch im Hinblick auf zunehmende Extremwetterlagen ist es daher
umso wichtiger, ein Bewusstsein für die anhaltend hohen Waldschädigungen zu
schaffen. Die Stabilisierung und Verbesserung des Waldzustandes ist weiterhin eine
zentrale Aufgabe für Politik und Gesellschaft“, betonte Bonde.

Insbesondere der Klimawandel mit seinen unterschiedlichen Auswirkungen führe zu
einer dauerhaften Belastung für die Wälder. „Das veränderte Klima ist ein extremer
Stressfaktor für die Bäume. Der Aufbau klimastabiler Mischwälder ist daher eine un-
serer Hauptaufgaben in den nächsten Jahrzehnten“, betonte Bonde. Um die Auswir-
kungen von Emissionen und Klimawandel auf den Wald möglichst gering zu halten,
seien auch in Zukunft weitere Anstrengungen im Klima- und Umweltschutz nötig. Hier
habe die grün-rote Landesregierung mit dem Voranbringen der ökologischen Moder-
nisierung, der Unterstützung der Energiewende und dem Integrierten Energie- und
Klimaschutzkonzept bereits wichtige Schritte eingeleitet.
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Hintergrundinformationen:
Der Waldzustandsbericht ist ein umfassender Umwelt- und Ökosystembericht, der
den Zustand unserer Wälder, den auf großer Fläche naturnahsten Lebensräumen,
umfassend darstellt. Er wird im Auftrag der Landesregierung durch die Forstliche Ver-
suchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) jährlich erstellt. Er ist aus den Wald-
schadensberichten der 1980er Jahre hervorgegangen.

Als wesentlicher Teil des forstlichen Umweltmonitorings zeigt der Waldzustandsbe-
richt, wie Umweltfaktoren die Entwicklung unserer Wälder beeinflussen. Es handelt
sich dabei um eine breite Synopse, die die zeitlichen Trends in den Bereichen der
Säure- und Stickstoffbelastung, der Bodenentwicklung, der Nährstoffversorgung der
Bäume sowie des Nadel- und Blattverlusts als Indikatoren für die Waldgesundheit
darstellt. Der Waldzustandsbericht ermöglicht es, langjährige Entwicklungen aufzu-
zeigen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Ergänzend zur jährlichen Erhebung des Kronenzustandes wurden durch das Land
Intensivmessflächen eingerichtet, die umfangreiche Ergebnisse über einen langen
Zeitraum liefern. Dort werden Daten zu Baumzustand und -wachstum, Nährstoffkreis-
lauf, Stoffeintrag, Bodenzustand, Bodenvegetation sowie Meterologie, also die Dy-
namik der Umweltveränderungen, erhoben. Dadurch erhalten wir wertvolle Informati-
onen zu den komplexen Wirkungszusammenhänge im Ökosystem Wald. Dies ist eine
unverzichtbare Grundlage für eine sinnvolle und vorausschauende Umweltpolitik.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Untersuchung war die Auswertung dieser soge-
nannter Intensivmessflächen. Die Intensivmessflächen in Baden-Württemberg wurden
Mitte der 1990er Jahre aufgebaut. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurden zu-
nächst nur Messflächen in Fichtenreinbeständen angelegt. Im Jahr 2008 wurden an
den fünf bereits bestehenden Fichtenversuchsflächen zusätzlich je eine Buchenfläche
angelegt, um Aussagen über die Reaktion der Baumarten Fichte und Buche gegen-
über vergleichbaren Umwelteinflüssen treffen zu können. Die Auswertungen im
Waldschadensbericht 2013 zeigen einen deutlichen Rückgang der Sulfateinträge auf
allen Flächen seit Mitte der 1990er Jahre. Die Stickstoffeinträge pendeln nach wie vor
auf einem hohen Niveau. Bei den Einträgen von Phosphor, Kalium und Magnesium
sind jahreszeitliche Schwankungen zu beobachten, die meist auf natürliche Ursachen
wie Witterungsverläufe zurückzuführen sind.

Weitere Informationen zu den Themen Naturschutz und Waldbewirtschaftung sowie
den Waldzustandsbericht 2013 finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für
Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de so-
wie unter www.forstbw.de und www.fva.de.