You are on page 1of 2

Lektion V Deutschland ein Rechts- und Sozialstaat

1. Deutschland ein Rechtsstaat. Begriffserklärung „Rechtsstaat“
2. Deutschland ein Sozialstaat
3. Sozialsaat und seine Geschichte
4. Soziale Sicherung und die Arten sozialer Sicherungen
5. Sozialstaat in der Krise?

1. Deutschland ein Rechtsstaat. Begriffserklärung „Rechtsstaat“. Das Grundgesetzt bestimmt Deutschland
als Rechtsstaat. Ein Rechtsstaat ist ein Staat, der die Staatsgewalt an das Recht bindet. Ein Rechtsstaat ist das
Gegenteil vom Polizeistaat und umschließt die Forderung nach einer Verfassung. Der Begriff
des Rechtsstaats hat sich in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebildet. Die wichtigsten Elemente des
Rechtsstaates sind die Verfassung, die Grund- und Menschenrechten, der gerichtliche Schutz der Bürger,
Dezentralismus und der Föderalismus. Besondere Bedeutung besitzt der Artikel 1 des Grundgesetzes. Er
postuliert als höchstes Gut der Verfassungsordnung die Respektierung der Menschenwürde: „Die Würde des
Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Die
weiteren Grundrechte garantieren unter anderem die Freiheit des Handelns im Rahmen der Gesetze, die
Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz, die Presse- und Medienfreiheit, die Vereinigungsfreiheit sowie den
Schutz der Familie.

2. Deutschland ein Sozialstaat. Schließlich definiert das Grundgesetz Deutschland als ein Sozialstaat. Im
Grunde strebt ein Sozialstaat soziale Gerechtigkeit und die soziale Sicherheit seiner Bürger an. Der Sozialstaat
verlangt, dass die Politik Vorkehrungen trifft, um den Menschen auch bei Erwerbslosigkeit, Behinderung,
Krankheit und im Alter ein menschenwürdiges materielles Auskommen zu garantieren. Besonders deutlich
wird dies in höheren Steuern für besser verdienende Bürger und finanziellen Hilfen für Bürger, die ihren
Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können, weil sie unverschuldet in eine Notlage geraten sind. Zu den
Zielen des Sozialstaates gehören außerdem die Schaffung menschenwürdiger Lebensverhältnisse,
Chancengleichheit und die finanzielle Unterstützung bei der Kindererziehung (zum Beispiel Kindergeld).

3. Der Sozialstaat und seine Geschichte. Der Gedanke, einen Sozialstaat einzurichten, kam im 19.
Jahrhundert, im Zuge der Industriellen Revolution, auf. Der Staat verteilte das Vermögen der Reichen um,
sodass auch den armen Bürgern eine Grundsicherung garantiert werden konnte. Der Reichskanzler Otto von
Bismarck (1815-1898) war derjenige, der gesetzliche Sozialversicherungen eingeführt hat und die Reform gilt
heute als Geburtsstunde des deutschen Sozialstaates. Er schlug 1881 dem Reichstag vor, finanzielle
Absicherung der Arbeiter gegen Krankheit, Unfall, Invalidität, Alter und Mutterschaftshilfe zu beschließen.
Das Gesetz trat aber 1884 in Kraft. Hinzu kamen später der Schwerbehindertenschutz (1919), die
Arbeitslosenversicherung (1927), die Rentenreform (1953) und die Pflegeversicherung (1995).
Der Begriff Sozialstaat setzte sich jedoch erst in den 1950er Jahren durch. Zuvor bezeichnete man die
Bemühungen des Staates nach sozialem Ausgleich als Sozialreform, Sozialismus und Sozialpolitik.

Soziale Sicherung und die Arten sozialer Sicherungen. „Wohlstand für alle und soziale Gerechtigkeit“- war
das Ziel, das der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard vor Augen hatte, als er die Soziale
Marktwirtschaft in Deutschland etablierte. Diese sozial- wirtschaftliche Politik entwickelte sich zu einem
Erfolg, der in einem umfassenden Sozialsystem bestand. Dieses System aus Kranken-, Renten-, Unfall-, Pflege-
und Arbeitslosenversicherung schützt vor den finanziellen Folgen existenzieller Risiken. Fast alle Einwohner
Deutschlands sind in einer gesetzlichen (88%) oder privaten Krankenkasse (12%) versichert. Die
Krankenkassen übernehmen die Kosten für ärztliche Behandlungen, Medikamente, Krankenhausaufenthalt und
Vorsorge. Die Beiträge werden von den Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht. Die gesetzliche
Unfallversicherung ist eine Haftpflichtversicherung (die gesetzliche Pflicht, einen Schaden wieder
gutzumachen) der Unternehmer zugunsten der Arbeitnehmer, die so vor den Folgen eines Arbeitsunfalls oder
einer Berufskrankheit geschützt werden. Arbeitlose haben in Deutschland Anspruch auf Unterstützung. Wer
arbeitslos ist und in den letzten drei Jahren mindestens 12 Monate lang Beiträge in die gesetzliche
Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, dem steht Arbeitslosengeld zu (60-65% des letzten Nettolohns). Die
Dauer der Arbeitslosenversicherung beträgt 12, bei über 55- Jährigen 18 Monate. Danach kann eine
Grundversicherung für Arbeitssuchende („Arbeitslosengeld II“ oder Hartz IV genannt) beantragt werden. Der
monatliche Hartz IV Betrag besteht aus 382 Euro zuzüglich der Unterkunfts- und Heizkosten, für Kinder bis 14 Jahre
bekommen die Eltern vom Staat 225 Euro, für Jugendliche zwischen 15 - 18 Jahren -- 289 Euro. Auch
alleinlebende Hartz IV-Empfänger erhalten 374 Euro zusätzlich für Miet- und Heizkosten.
Ergänzt wird das soziale Netz durch die Sozialhilfe, wenn man seine Notsituation aus eigenen Kräften und
Mitteln nicht beheben und nicht einmal 3 Stunde täglich arbeiten kann (de facto nur alte und behinderte
Menschen).
4. Der Sozialstaat in der Krise . Seit den 1970er Jahren gerät der Sozialstaat immer mehr in die Kritik, weil
er in Zeiten zunehmender Globalisierung zu viel Bürokratie verursacht und dadurch Entscheidungsprozesse
verlangsamt. Außerdem wird es, im Zuge des demografischen Wandels, immer schwerer werden, den
Sozialstaat in seiner heutigen Form aufrecht zu erhalten. Die Bürger werden angefordert demnach, private
Altersvorsorge zu treffen.
Ein weiterer Kritikpunkt des Sozialstaates ist die steigende Arbeitslosigkeit, die zu weniger Beitragszahlungen
führt, die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und sich verändernde Familienstrukturen, die nichts mehr mit
der Normalitätsunterstellung zu tun haben, auf deren Grundlage das sozialstaatliche System Deutschlands
basiert.

Fragen zum Inhalt
1. Was bedeutet der Begriff „Rechtsstaat“?
2. Was oder welche Bedingungen setzt ein Rechtsstaat vor?
3. Erklären Sie den Begriff „Grundgesetz“.
4. Wie lautet der erste Artikel des deutschen und des moldauischen Grundgesetzes?
5. Was bedeutet ein Sozialstaat? Wie kam der Sozialstaat am Anfang in Deutschland zum Ausdruck?
6. Wer ist derjenige, der die soziale Reform in Deutschland eingeführt hat? Wie hat er vorgegangen?
7. Wie sieht heute Deutschland in der sozialen Hinsicht aus?
8. Welche sozialen Sicherungen bietet Deutschland seinen Bürgern an? Wie ist es in Moldau?
9. Warum glauben manche Experten, dass der deutsche Sozialsstaat in eine Krise gerät?
10. Wie ist ihre Meinung diesbezüglich? Befürworten Sie weitere stärkere staatliche Unterstützungen?