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pflichtlektüre
112009 www.pflichtlektuere.com

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

Entspannt Euch!
Nicht nur Bologna ist schuld am Uni-Stress: Wir sind zu verkrampft.

Urin-Attacken und dumme Sprüche
Homosexuelle kämpfen um Anerkennung - auch heute noch, selbst an den Unis

Ein Gott aus der Nordstadt

Zwischen Dönerbuden und Trinkhallen - Lieder aus dem Problemviertel

S02 VOR-SPIEL

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WAs geht

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lühwein geht immer. Darum konnten es viele auch kaum erwarten, dass die Weihnachtsmärkte im Pott wieder öffnen.

Der Dortmunder Markt mit dem Superlativ-Baum lockt mit über 300 Buden in die Innenstadt – Deko, Krimskrams, Fressbuden jeder Art und natürlich Glühwein ohne Ende. Ein vorweihnachtlicher Ausflug mit Freunden dorthin, ist auch gleichzeitig Gelegenheit um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ein Tipp von uns: Auch am verkaufsoffenen Sonntag, den 6. Dezember, gibt es diese Chance. Doch eines ist sicher - du bist nicht allein. Wem der Weihnachtsmarkt in Dortmund nicht reicht, bekommt auch in

den umliegenden Städten Glühwein und Co. geboten: Essen rühmt sich mit der internationalen Vielfalt seiner rund 260 Stände und einer besonders schönen Licht-Dekoration. In Bochum steht eine zwölf Meter hohe Weihnachtspyramide auf dem Dr.-Ruer-Platz. Zudem fliegt der Weihnachtsmann zwei Mal täglich, jeweils um 18 und 19.30 Uhr, in seinem Rentierschlitten über den Platz hinweg - ein Hochseilspektakel der Artistenfamilie Falko Traber. Und auch andere kleinere Städte im Umkreis wie beispielsweise Hattingen mit seinen Fachwerkhäusern haben stimmungsvolle Märkte. pflichtlektüre wünscht einen guten Start in die Weihnachtszeit! ah,sal/Foto: pixelio/Didi01

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Neulich iN DeutschlAND
„Was sollte dieser Chip?" Wie es das Schicksal in meine Hand gelegt hatte, beschloss ich, gut auf ihn aufzupassen. Ich tat es die ganze Nacht. Später fiel mir ein, ich könnte ihn eines Tages meinen Enkeln zeigen als Erinnerung an mein erstes deutsches Bier. Doch als ich gehen wollte, platzte der Traum: „Wohin willst du mit dem Chip?“, fragte der Kellner: „Sie müssen ihn abgeben, um Ihren Euro zurück zu bekommen.“ Ich werde nicht viel dazu sagen, wie schwer mir der Abschied fiel. Aber dennoch, an diesem Abend begann ich ein deutscher Pfand-und-Bier-Liebhaber zu sein. foto: nm laura Basurto garcia kommt aus spanien und studiert während ihres Auslandssemesters Journalistik in Dortmund.

s war einmal ein ErasmusNeuling in Deutschland: Ich. Neugierig auf die deutsche Kultur, ging ich sofort aus, um mein erstes deutsches Bier zu trinken. In der Bar angekommen, war die erste sprachliche Herausforderung das Lesen der Preisliste. Ich konzentrierte mich und sah was ich erwartet hatte: Bier. Und es war mein Glückstag: Nur einen Euro kostete es. Mit ein wenig Pantomime bestellte ich und endlich hielt ich mein Getränk in den Händen, da hörte ich den Barkeeper sagen: „Zwei Euro, bitte." Was war das? Nun gut, dachte ich und zahlte. Doch zurück kriegte ich ein Geschenk, einen kleinen gelben Chip. Ich ging zu meinem Platz, schaute ihn an, roch an ihm und biss hinein. Doch nichts geschah.

WisseNs-Wert

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chweinegrippealarm: Viele lassen sich impfen und greifen vorher noch schnell zu Paracetamol. Mögliche Folgen des Pieks, wie Fieber und Entzündungen, sollen durch die Tablette gemildert oder ganz verhindert werden. Doch das könnte ein Fehler sein. Eine tschechische Studie belegt: Nimmt ein Patient vor einer Impfung Paracetamol, hat er danach seltener Fieber. Allerdings wird so auch die durch die Impfe ausgelöste Antikörperreaktion deutlich abschwächt. Zweck des Ganzen ist jedoch genau diese Reaktion, durch die der Grippeschutz entsteht. Auf Paracetamol sollte also vor der Impfung verzichtet werden, so die Forscher.

Professor Uwe Schauer von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum schließt aber aus, dass die Tablette den Impfschutz ganz ausschalten könnte. „Doch auch aus praktischen Gründen ist die vorherige Einnahme von Paracetamol unsinnig. Fieber tritt nach einer Impfung zwölf bis 24 Stunden später auf. Paracetamol wirkt aber nur für sechs Stunden. Es ist aber ratsam, es bei späteren Fieberschüben einzunehmen. Besonders bei Kindern, wenn das Fieber über 39°C liegt“, erklärt Schauer. Nimmt man das Paracetamol erst nach der Impfung, hat das auch laut Studie keine Auswirkung auf den Grippeschutz. fin/foto: pixelio/tommys

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START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK

diesmal
Lernst du noch oder lebst du schon?

S08
DORTMUND S04 S06 … Liedermacher Boris Gott macht harten Schlager in der Nordstadt. … Wenn der Server streikt: Eine Erklärung gibt die Mensa-Schlange.

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Zur Ausgabe

ie mache demnächst ein Karriere-Coaching, sagte mir meine Bekannte letztens. "So eine persönliche Beratung. Die erstellen dann ein Kompetenz-Profil von mir. Außerdem zeigen sie, wie ich mich über Networking und Selbstmarketing besser promote. Eine coole Sache. Kostet nur 450 Euro und bringt dich echt weiter." - "Geht's noch?", hätte ich sie gerne gefragt. Aber ich habe es mir verkniffen. Wie sind wir mittlerweile drauf? Wir gehen zu Karriere-Coachings, nur um fünf Zentimete Vorsprung vor unseren Mitmenschen zu haben, unseren Konkurrenten. Die entscheidenden fünf Zentimeter selbstverständlich. So ein Schmarrn. Aber was sollen eigentlich Unternehmen? Angepasste Streber, die nach sechs Semestern inklusive Auslandsaufenthalt mit dem Studium durch sind? Oder Individualisten mit krummen Lebensläufen, aber Erfahrung? Die pflichtlektüre hat Personaler gefragt. Die Antworten lest ihr auf Seite 11.

HERZ-STÜCK S11 … Charakterköpfe statt Creditpoint-Jäger: Was Personaler wollen.

RUHR-BLICK S12 … 25 Jahre und kein Ende: Schwule kämpfen um Anerkennung.

DIENST-BAR S14 … Freizeit ohne Uni: Atheisten, Monet und Buddy Holly.
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S04 DORTMUND: MITTEN IM LEBEN

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Gott ist für alle da
Gott lebt in Dortmund, genauer gesagt in der Nordstadt. Im als Problemstadtteil verschrienen Viertel zwischen Hafen und Borsigplatz hat sich der Liedermacher Boris Gott niedergelassen und fühlt sich dort so wohl, dass er sogar seine aktuelle CD danach benannt hat.

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wischen Dönerbuden und Trinkhallen kommen Boris Gott die Ideen zu Songs, wie sie nur die Nordstadt schreiben kann. „Und ein Junkie vertickt an der Ecke sein Gift / frisch gespritzt leuchten Blumen im Park / ein Penner krakeelt „Grad’ ist Gott explodiert!“ / wenn das stimmt, wird das kein guter Tag“ heißt es in dem Song „Irgendwo in Do“ und man glaubt zu wissen, über welche Ecke er da singt. Boris Gott ist Nordstadtbürger aus Überzeugung, er spricht vom „Nordstadt-Feeling“, welches ihn gepackt hat, gleich nachdem er im Jahr 2000 nach Dortmund gekommen war. Nach dem Pädagogik-Studium in Münster wollte er „ein urbaneres Flair, und Dortmund fand ich schon immer irgendwie gut.“ Und so landete er in einem WGZimmer im Brunnenstraßen-Viertel, „da wo die Junkies sind.“

Echtes Lebensgefühl

Was fasziniert den Liedermacher an einem Ort mit einer Arbeitslosenquote von 25 Prozent (ganz Dortmund hat eine Arbeitslosenquote von 13,7 Prozent), an dem angeblich Deutschlands erstes Drive-by-Shooting stattgefunden hat? Der Künstler beschreibt es so: „Die Nordstadt ist das urbane Zentrum von Dortmund. Der Migrantenanteil ist sehr hoch, aber in dieser Fremdheit ist man sich doch wieder gleich. Das Miteinander hier ist sehr liberal, das Lebensgefühl sehr frei. Die Nordstadt ist sehr bunt, direkt, offen, lebendig, sehr freundlich.“ Die Nordstadt sieht Boris übrigens auch als Metapher für seine Songs: Licht und Schatten, düster und hell, der eine Pol existiert nicht ohne den anderen. Ein universelles Thema, nicht nur in dem vom Strukturwandel gebeutelten Ruhrgebietsstadtteil. „Das raue Klima der Nordstadt schult meinen Blick für die schönen, hellen Seiten. Man muss nur genauer darauf achten.“

Früh übt sich

Seine musikalische Laufbahn begann Boris mit 14 Jahren, als Mutti ihm die erste Klampfe schenkte und er sich im Alleingang die ersten Griffe beibrachte. Prompt begann seine Karriere als Schülerbandmusiker. „In Bands spielen ist immer magisch“, findet er. Trotzdem macht er alleine weiter, als seine Band „Couchgott“ (ja, genau da kommt der Künstlername her) 2003 auseinanderbrach. Denn je größer die Spannungen innerhalb der Band damals wurden, desto kraftvoller und härter wurde auch die Musik. „Ich wollte einfach wieder schöne Musik machen, ich wollte mehr Sonne, mehr Liebe.“

Boris Gott spielt harten Schlager aus dem dunklen Herzen des Ruhrgebiets.

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DORTMUND: MITTEN IM LEBEN S05

Das hört sich klebrig-süßlich nach verkapptem Hippie an, spielt er mit seiner von Country- und Folk-angehauchten Popmusik doch auch den klassischen Hippie-Sound. Doch der erste Eindruck von der schönen, eingängigen Melodie kann täuschen. Bei genauerem Hinhören bemerkt man den Bruch durch die teilweise düsteren Texte. Von Nutten, Pennern und Junkies ist die Rede. Hier wird nichts beschönigt oder verherrlicht.

20 Städte an einem Tag

Im vergangenen März gelang es Boris übrigens, seine Nordstadt-E.P. mit einem neuen Rekord über die Grenzen Dortmunds hinaus bekannt zu machen: Innerhalb eines Tages spielte er in 20 verschiedenen Imbissbuden quer über das ganze Ruhrgebiet verteilt. Logistisch gesehen mit Sicherheit ein Geniestreich, der ihm nur im Ruhrgebiet gelingen konnte, wo sonst auf der Welt könnte man an einem Tag in 20 verschiedenen Städten spielen? So landete Boris Gott bei RTL und SAT 1, obwohl es ihm dabei natürlich nicht um die Aktion an sich ging: „Ich möchte nicht bekannt sein als der Typ mit den lustigen Rekorden. Meine Musik ist schon ernst gemeint.“ Wer Boris Gott einmal live sehen möchte, hat übrigens die Wahl: Er ist nicht nur solo mit seiner Gitarre unterwegs, sondern auch ab und zu mit der Boris Gott Band. Zu Gast ist der Liedermacher nicht nur auf den Bühnen der kleinen Szeneclubs. Auch auf politischen Veranstaltungen, Vernissagen oder Privatpartys spielt er seine Lieder. Und das begründet er mit einem einzigen Satz: „Gott ist für alle da.“
text Stephanie Jungwirth foto Boris Gott

Am 12. Dezember ist Boris Gott in den Dortmunder Westfalenhallen zu hören.

FÜNF FRAGEN AN GOTT
Dein ungewöhnlichster Norstadt-Moment? „Als ich nach kurzer Diaspora-Phase zurück in der Nordstadt war und am Abend meiner Rückkehr auf dem Weg zur Bude eine augenscheinlich psychisch kranke Frau sich vor meinen Augen in die Hose machte und sagte: „Guck nicht so, sonst hol ich die Polizei!“. Welcome back to reality.“ Was entgegnest du Leuten, die die Nordstadt als Problemstadtteil betiteln? „Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.“ (Zitat von Anais Nin) Was ist für dich ein Grund, für immer dort zu wohnen? „Nichts ist für die Ewigkeit, aber im Moment kann ich mir keine andere Stadt vorstellen.“ Was wäre für dich ein Grund, von dort weg zu ziehen? „Luftverschmutzung“ Wie wird die Nordstadt in 20 Jahren aussehen? „Aus goldenen Hähnen wird lieblicher Wein fliessen und alle Menschen werden Brüder sein.“.

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Gefährliche Reise
Ich warte auf das grüne Männchen der Fußgängerampel, über mir wirft ein Ahornbaum seine Blätter ab. Eins davon findet, begünstigt durch die herbstlichen Wind, den direkten Weg in mein rechtes Auge. Autsch! Das Auge tränt und brennt, ist den restlichen Tag nicht mehr zu gebrauchen. Erst der Gang zum Augenarzt bringt Erkenntnis: Hornhauteinschnitt und Augenentzündung. Gratis dazu gibt’s ein Matschauge á la Karl Dall. Und mit einem solchen ist das Gruselkostüm zum Auftakt der fünften Jahreszeit erst richtig perfekt! se

RUHRSTADT
Zu langsam, zu teuer
Nichts ahnend fahre ich meinen Vater nach Hause. Plötzlich hält uns die Polizei an. Ein Beamte tritt an die Fahrertür. „Verstehen sie mich?“. Mühsam widerstehe ich dem Reflex und antworte nicht mit „ich nix verstehen“. Er wundere sich über meinen Fahrstil. Nach ein paar Minuten und um zehn Euro ärmer können wir weiter. Auf den nächsten fahrerischen Fauxpas lauernd, verfolgt uns der Wagen noch eine Weile. Ich bin zu langsam gefahren. Dabei wollte ich nicht wie mein Vater enden. Der war zu schnell und musste den Lappen abgeben. Die Moral von der Geschicht: Zu langsam geht ja auch nicht! lipe

Ach, du lieber Vetter!

Die Rechtschreibreformen haben verwirrt. Wird Fluß nun mit „ß“ oder doch mit „ss“ geschrieben? Und wie war das nochmal mit dem „dass“ hinter dem Komma? Als Kind hat mir meine Mutter immer geraten, mich auf mein Gefühl zu verlassen. Diesen Tipp kennt wohl auch eine Bekannte von mir. Im sozialen Netzwerk legte sie neulich ein neues Fotoalbum an. Das Titelbild zeigt einen kleinen Fratz, macht Lust auf mehr. Also Album öffnen. Doch dann der Schock: Das Album ist mit „mein kleiner Cousang“ betitelt. Es schreibt sich eben nicht alles, wie es sich spricht! se

S06 DORTMUND: MITTEN IM LEBEN

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Ihr Server antwortet nicht...
„Fehler: Netzwerküberschreitung“ - warum passiert das eigentlich? Eine Erklärung für alle, die nicht Informatik studieren. Das Problem kennt jeder Mensa-Schlangesteher.
ier von fünf Online-Händlern rechnen für das Weihnachtsgeschäft trotz Wirtschaftskrise mit gutem Umsatz. Denn 2009 wird voraussichtlich für 21,8 Milliarden Euro im Internet eingekauft werden. Für soviel Geld wie nie zuvor. Manchmal scheitert das Online-Shopping jedoch: „Fehler, Netzwerküberschreitung“ steht dann auf dem Monitor. Was ist da passiert? Das Phänomen nennt sich Serverüberlastung und tritt auf, wenn Hunderttausende Nutzer gleichzeitig auf einen Server zugreifen wollen. Prima lässt sich das am Beispiel einer StudentenMensa erklären. Solange nicht viel los ist, funktioniert alles reibungslos. Die einzelnen Gäste suchen sich ihr Menü aus, bezahlen und setzen sich zum Essen. Genauso ist das beim Online-Kauf auch. Der eigene Browser - wie der Internet Explorer oder Mozilla Firefox - stellt eine Netzwerkverbindung zum Server einer Firma her. Übers Internet. Der Server, wie in der Grafik auch Applikationsserver genannt, ist nichts anderes als ein Computer, der die Anfragen der User entgegennimmt und bearbeitet. Dazu greift er auf eine Datenbank zurück, von der er sich die gewünschten Informationen holt. Arne von Irmer, Projektleiter der Lernplattform EWS, erklärt, dass schon das Aufrufen jeder Öffnungsseite eine Anfrage sei. „Das heißt: Eigentlich fließen da Daten hin und her. Und die werden dann wieder vom Browser interpretiert als Bilder oder Texte.“ Der Browser stehe also in einem ständigen Dialog mit dem Server. „Je mehr Dialog, je länger die Antworten sind, desto – sagen wir immer – teurer ist die Anfrage“, sagt von Irmer. Besonders „teuer“ ist zum Beispiel ein Login oder die Anforderung von aktuellen Preisen. Diese Anfragen erfordern viel Serverleistung, weil die Antworten jedesmal neu berechnet werden müssen.

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Drei User (Studenten) stellen Anfragen an den Server (Essensausgabe).

Startseiten hingegen, wie vom EWS beispielsweise, liegen schon vorbereitet im Speicher. Wie das Tablett, und damit zurück in die Mensa: Diesmal ist sie voll. Überall steht man in der Schlange: an der Essensausgabe, an der Kasse und sogar an der Geschirrückgabe. Die Mitarbeiter haben viel zu tun, wie manchmal auch ein Server. Laut von Irmer kann dieser immer nur mit einer gewissen Anzahl von Computern gleichzeitig im Dialog stehen. Ist diese Anzahl erfüllt, kann er keine weiteren User annehmen. Er lehnt sie ab, indem er eine Fehlermeldung ausgibt. „Das ist ein richtiger Klassiker“, sagt von Irmer, der diesen Moment nur allzu gut kennt. Das wäre so,

wie wenn man um halb eins vor geschlossenen Türen steht, weil die Mensa nur noch die Studenten bedienen kann, die schon drinnen sind. Die Mitarbeiter schließen die Mensa-Türen, um sich selbst vor weiterem Andrang zu schützen. Der Server zeigt die Fehlermeldung an, solange er damit beschäftigt ist, sich selbst zu befreien, also die bereits eingegangenen Anfragen abzuarbeiten. Ein Warnzeichen für eine bevorstehende Überlastung ist es, wenn eine Internetseite nur teilweise angezeigt wird. Also zum Beispiel nur Kästchen zu sehen sind, wo eigentlich Bilder sein sollten. Um ihre Serverleistung zu erhöhen, verbinden Firmen oft mehrere Server miteinander. Sie stellen damit eine sogenannte Serverfarm her. Eine eingehende Anfrage wird nach dem „Plumpsack“Prinzip, also zufällig, an einen der freien Computer weiter geleitet. Leere Kästchen und Fehlermeldungen haben auch die Studenten der TU am Anfang des Semesters zur Verzweiflung gebracht. Die Lernplattformen LSF und EWS waren nicht mehr aufrufbar, weil alle gleichzeitig ihre Stundenpläne zusammenstellen wollten. Man sollte zu Zeiten ins Netz gehen, zu denen nicht viele andere da sind, rät von Irmer. Oder einfach Geduld haben und an die Kassiererin der Mensa denken, die eine riesige Schlange vor der Nase hat und auch nicht mehr kann, als was zwei Hände tun.

Server bedient zwei User gleichzeitig und bezieht Informationen von einer Datenbank im Hintergrund (Vereinfachtes Schema). © Sami Skalli

foto/text Johanna Fritz

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DORTMUND: MITTEN IM LEBEN S07

Blasse Charaktere
Jean-Paul Sartres „Nekrassow“ genügt eigenen Ansprüchen nicht.

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as Theater Dortmund präsentiert JeanPaul Sartres "Nekrassow". Das vom Philosophen und Schriftsteller selbst als „sartirische Farce“ beschriebene Stück wird hier selten seinem Anspruch gerecht. Zu blass die Charaktere, zu unübersichtlich die Szenenwechsel, zu bedeutungsschwanger die Dialoge. Einzelne Zitate aus Star Wars oder Textpassagen aus Discoklassikern tragen nicht dazu bei den Zuschauer durch das Stück zu führen. Ein Zuschauer brachte es auf den Punkt: „Hätte ich das Stück nicht vor der Aufführung gelesen, ich hätte keine Ahnung, worum es geht“. Dabei wussten die Schauspieler in ihren Rollen durchaus zu gefallen. Vor allem Michael Kamp, der Nekrassow und Georges de Valera verkörpert, zeigt eine erschreckend authentische Wandlungsfähigkeit. Gekonnt spielt er auf der Klaviatur der Emotionen – von der ausweglosen Zerrissenheit beim Selbstmordversuch de Valeras am Anfang des Stücks, bis zum unheilbringenden Todesengel Nekrassow gegen Ende. Und darum geht's: Die Welt befindet sich im kalten Krieg. In Frankreich kämpft ein rechtspopulistisches Kampfblatt ums Überleben. Der Wettlauf um die beste Story ist unerbittlich und fordert in Redakteur Sibilot (Barbara Blümel) ein erstes Opfer, sollte sich dieser nicht mit einer grandiosen Geschichte profilieren können. Wie es der Zufall

TICKETS GEWINNEN!
Wenn Marianne Dissard singt, dann trifft Frankreich auf die USA. Die Sängerin und Songwriterin versucht sich in der Musik zwischen den Welten. Denn Dissard ist in Frankreich geboren, in den USA zu Hause und verbindet den Sound der so verschiedenen Länder in ihren Songs. Ihre französischen Chansons haben einen Touch Arizona im Klang. Folk und Country aus Amerika mischen sich mit der Wehmut und dem Herzergreifenden des französischen Gesangs. Am 27. November möchte Marianne Dissard das Dortmunder Publikum im Konzerthaus begeistern. Und wer danach noch mit Madame Dissards Songs weiterfeiern möchte, der kann das im Stravinski und im Chill‘R in Dortmund. Also ein umfassender Konzerthaus-Abend extra für die, die sonst denken, dass dort nur Klassik läuft. Wir verlosen drei mal zwei Karten für das Konzert mit Marianne Dissard. Also: packt eure Französisch-Kenntnisse aus – unsere Gewinnfrage lautet: Was heißt „lecture obligatoire“ auf deutsch? Schreibt die Lösung mit Name, Telefonnr. und EMail-Adresse an post@pflichtlektuere.com.

Der falsche sowjetische Innenminister Nekrassow (Michael Kamp)

will, macht Sibilot die Bekanntschaft des Hochstaplers Georges de Valera. Dieser verspricht dem resignierten Journalisten eine Titelstory. Er gibt sich als sowjetischer Innenminister Nekrassow aus. In seiner Rolle sät er Angst und Schrecken, indem er eine utopische Todesliste der Bolschewisten enthüllt. Darauf finden sich natürlich alle Größen der französischen Presse wieder. Immer tiefer verliert sich Georges de Valera in seiner Scharade, bis selbst für ihn die Grenzen zu verschwimmen beginnen.
text Jens Jüttner foto Schauspielhaus Dortmund

pflichtlektüre empfiehlt
Bildungsstreik Topaktuell
Ein heißer Herbstwind weht über unseren Campus. Viele von Euch haben mitgemacht beim Kampf gegen Studiengebühren und den zu hohen Leistungsdruck an den Universitäten. Auf der pflichtlektüre-Website findet ihr unsere komplette Berichterstattung: Von der Besetzung des Audimax in Duisburg, bis hin zum bundesweiten ProtestTag. Wir halten Euch weiterhin auf dem Laufenden und wollen Eure Meinung zu den Aktionen.

Es weihnachtet sehr...
Unser Adventskalender nicht nur für Weihnachtswissenschaftler: Hinter den 24 Türchen verbergen sich Antworten auf Fragen wie „Welche chemischen Prozesse stecken in unseren Plätzchen?“ und ein Blick in die Zukunft: Weiße Weihnacht 2009? Jeden Tag gibt es eine Gewinnspielfrage. Als Preise winken signierte Bücher und Kinogutscheine.

Das Gesicht hinter der Party
Die Mensaparty vor zwei Jahren ging in die Geschichte der Ruhr-Uni Bochum ein, und der ehemalige AStA-Chef musste seinen Kopf dafür hinhalten: Zum ersten Mal überhaupt spricht Fabian Ferber über die Hintergründe der Party, die mehr als 200.000 Euro Schulden verursachte, die Zeit davor und danach und das Urteil, dass er nun vom Amtsgericht Bochum erhielt.

Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com

S08 HERZ-STÜCK

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Sorge dich nicht, lebe!

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Wer nur mit Scheuklappen zwischen Hörsaal, Bib und Praktikumsplatz pendelt, verliert den Blick für das Wesentliche. Ein Plädoyer fürs Innehalten – und eine kleine Anleitung zum Glücklichsein.
ir haben Angst. Vorm Versagen, vor Arbeitslosigkeit, vor einer unsicheren Zukunft. Wir wünschen uns Sicherheit, und mancher ist bereit, dafür alles zu tun. Schlaf wird zweitrangig. Kommilitionen werden Konkurrenten – um die Gunst der Profs, das begehrte Praktikum oder den hoch dotierten Job. Viele begreifen das Leben als eine Art Rennstrecke. Wer bremst, verliert. Es geht darum, möglichst vorne mitzufahren und schnell ans Ziel zu kommen. Die entscheidende Frage aber lautet: Was ist eigentlich das Ziel? Zuweilen scheint es, als gehe es nur noch darum, sich möglichst gut zu verkaufen. Es ist nicht lange her, da war sich selbst zu verkaufen gleichbedeutend mit Selbstverrat. Doch heute ist jeder käuflich. Mancher biedert sich sogar an – Hauptsache, der Lohn ist ein kleines bisschen Sicherheit. Die Wissenschaft bestätigt dieses Bild: Die aktuelle Shell-Studie beschreibt uns als „pragmatische Generation“. Man studiert, um einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen. Demnach sind wir zunehmend verunsichert: Blickten 2002 noch 69 Prozent von uns optimistisch in ihre Zukunft, waren es vier Jahre später nur noch 56 Prozent. Seit 1998 ist es Studenten immer wichtiger geworden, später einen festen Job zu bekommen. Eine Studie der Uni Konstanz zeigt: Vor elf Jahren wählten nur 23 Prozent ihr Fach nach den späteren Karriereoptionen aus. 2007 waren es schon 36 Prozent. Laut Studienleiter Tino Bargel sind „die Studenten konservativer und egoistischer geworden“. Die Nahrung für die Zukunftsangst kommt nicht von uns selbst. Wir bieten nur den Nährboden für die Panik. Geschürt wird die Angst durch Meinungsmacher in Politik, Wirtschaft und Medien. Das klingt platt, trifft aber den Kern. Politiker aller Parteien sprechen von steigenden Herausforderungen in einer globalisierten Welt. Laut Bundesbildungsministerium verstärkt der demografischen Wandel diese noch. Deutschland müsse aufpassen, nicht von China und Brasilien überholt zu werden. Da ist es schon wieder, das Bild von der Rennstrecke: Wer zögert oder zweifelt, verliert den Anschluss. Den Unternehmen soll es recht sein. Sie leben von Konkurrenz. Je mehr Konkurrenz zwischen den Bewerbern, desto besser der Gewinner – so zumindest die Theorie. Die Wirklichkeit heißt zuweilen Burnout (siehe Infokasten). Die Medien schließlich verstärken die Panik mit haufenweise negativen Nachrichten. Jeder Quelle-Katalog, jeder Opel erinnert an die Wirtschaftskrise. Pausenlose Katastrophenmeldungen aus den Unternehmen erschüttern jedes Selbstbewusstsein und ersticken jeden Funken Zuversicht. Dabei ist die Lage längst nicht so düster, wie viele denken (siehe Text auf Seite 10). Doch wir Studenten ergeben uns der irrationalen Angst. Das Streben nach beruflichem Erfolg

BUCHTIPP
Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Aber „Dr. Ankowitschs Kleiner Seelenklempner“ ist ein besonderer: Zu allererst ist der Autor authentisch. Christian Ankowitsch hat 22 Semester studiert. Wenn er ein Buch darüber schreibt , wie man sich „durchs Leben improvisiert“, kann der Leser sicher sein: Der Mann weiß, wovon er schreibt. Auf 300 Seiten gibt Ankowitsch jede Menge Tipps. Einer davon: Wer Playmobil-Figuren aufstellt, sieht, wie realistisch die eigenen Pläne sind. Oder: Man muss lernen, die eigenen Fehler als Teil seiner selbst schätzen zu lernen. Dabei ist der Autor immer ehrlich. Nie werden werden unangenehme Wahrheiten verschwiegen: „Das Leben perfekt planen – eine schöne, aber unnütze Illusion.“ So lassen sich Karriere, Traumpartner, intelligente Kinder und Sex ohne Ende in den wenigsten Fällen einfach kombinieren. Genauso unwahrscheinlich ist es, im Studium genau zu wissen, wo der Weg enden wird. „Exklusivverträge mit dem Schicksal existieren nicht.“ Witzig beschreibt Ankowitsch die Fallstricke des Lebens. Also: Entspannt euch, werft einen Blick in das Buch – und auf unser Online-Portal plichtlektuere.com. Dort lest ihr ein Interview mit dem Autor. lipe Christian Ankowitsch: „Dr. Ankowitschs Kleiner Seelenklempner“, Rowohlt, 19,90 Euro.

Studium fundamentale: Entspannen, durchatmen – davon steht nichts auf der Literatur-Liste zum Bachelor-Seminar.

überlagert alles. Wir vernachlässigen Freunde, solange deren Väter keine Personaler sind. Wir verabschieden uns von Hobbys, wenn diese keinen beruflichen Nutzen bringen. Alles wird auf Sicherheit getrimmt. Was verloren geht, ist die Freiheit, die Studieren eigentlich mit sich bringen sollte. Zwei Fragen sollte jeder Student im Auge behalten: Was will ich wirklich? Worum geht es mir im Leben? Und nicht: Was will der Personalchef? Friedrich Schiller hat in seiner Antrittsvorlesung in Jena 1789 zwei Typen von Studenten unterschieden: den „philosophischen Kopf“, der mit idealistischem Enthusiasmus studiert – und den „Brotgelehrten“, der nur für „Amt, Geld und Ansehen“ zur Uni geht. Natürlich hat sich der Querdenker Schiller über die Brotgelehrten lustig gemacht. Heute versucht jeder, der fleißigste Brotgelehrte zu werden: eine Generation stromlinienförmiger Streber, in der es keinen Raum gibt für Ecken und Kanten. Dabei sollte das Studium gerade dazu dienen, eine

Stromlinienförmige Streber statt Ecken und Kanten

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verlangt, sollte man sie ihm gönnen. Sonst rackert man sich zwar ab, arbeitet und lernt aber ineffizient. So sehr wir uns verkrampfen – wir können unsere Zukunft nicht planen. Die Karriere ist keine Autobahn, auf der wir bloß die richtige Ausfahrt nehmen müssen. Auch wenn wir vermeintlich falsch abgebogen sind, muss das kein Drama sein: So wenig gute Uni-Leistungen eine erfolgreiche Karriere bedingen, so wenig verbauen schlechte Leistungen zwangsläufig den Weg. Der Tipp des Psychologen Alfred Gebert: „Durchbrechen Sie Vorschriften, sammeln Sie fachfremde Erfahrungen, machen Sie ruhig mal ein Semester Pause.“ Man muss sich nur die unzähligen Vorbilder ansehen, die Karriere gemacht haben, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie aus Strukturen ausgebrochen und ihren eigenen Weg gegangen sind. Star-Regisseur Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) spielte nach dem Abi drei Jahre lang Fußball unter anderem bei Westfalia Herne, studierte anschließend ein Semester Soziologie in Münster und ging danach sechs Jahre lang auf die Filmhochschule in München. Seinen Abschluss machte er mit 30. Auch Apple-Gründer Steve Jobs, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Microsoft-Gründer Bill Gates sind Studienabbrecher, die inzwischen Milliarden besitzen. Geplant hatte das keiner von ihnen. Nur eines ist sicher: Wer sein gesamtes Studentenleben in der Bibliothek oder im Praktikum verbringt, wird es am Ende bereuen. Wer in blinder Angst das heutige Glück gegen ein vages Sicherheitsversprechen für morgen tauscht, wird womöglich am Ende ohne alles dastehen. Ohne Sicherheit – aber vor allem: ohne Glück.

Mehr zum Thema

Das Glück geht manchmal krumme Wege: Die Dortmunderin Sabrina Kohlpoth hat ihr ChemieStudium geschmissen. Ihr Arbeitsplatz ist nun ein Schiffsdeck. Die ganze Geschichte lest ihr auf unserem Online-Portal www.pflichtlektuere.com
text Johannes Zuber, foto TiBiTu

eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Viele meinen zu wissen: Glück – das ist ein sicherer Job und eine erfolgreiche Karriere. Aber stimmt das? Marilyn Monroe hat gesagt: „Karriere ist etwas Herrliches, aber man kann sich in einer kalten Nacht nicht an ihr wärmen.“ Und schon der antike griechische Philosoph Epikur wusste: Glücklich ist, wer Augenblicke auskostet, Zukunftsängste vermeidet, Ehrgeiz zügelt. Dauerhaftes Glück bringen seiner Ansicht nach nur soziale Beziehungen. Aber Freundschaften zu pflegen, braucht Zeit – Zeit, die beim Hetzen vom Hörsaal zur Karrieremesse nicht bleibt. Klar, ein Bummelstudium mit anschließendem Vegetieren in Praktika oder Arbeitslosigkeit macht auch nicht glücklich. Jeder will eigenes Geld verdienen und einen Job, der Spaß macht. Verkrampftes Lebenslauf-Pimpen führt aber nicht ans Ziel. Der Münsteraner Psychologe Alfred Gebert rät, auch mal zu entspannen. „Selbst Gott hat am siebten Tag Pause gemacht. Das Gehirn strukturiert sich, wenn man Pause macht“, sagt Gebert. „Unser innerer Schweinehund meint es gut mit uns.“ Wenn der Körper nach Pausen

HINTERGRUND
Endstation Burnout
Ritalin zur Referatsvorbereitung, Angstzustände vor der Zwischenprüfung und Depressionen wegen der Diplomarbeit: Offenbar leiden immer mehr Studenten unter psychischen Problemen. Das Deutsche Studentenwerk berichtet, dass Studierende in den vergangenen Jahren vermehrt mit BurnoutSymptomen in die Beratungsstellen kommen. Von einer „Besorgnis erregenden Entwicklung“ spricht der Präsident des Deutschen Studentenwerks Professor Rolf Dobischat. Er lehrt am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Uni Duisburg-Essen: „Die Studierenden stehen unter immer stärkerem Erwartungs-, Leistungs- und vor allem Zeitdruck.“ Bei der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks im Jahr 2006 gaben neun Prozent der männlichen und zwölf Prozent der weiblichen

Studenten an, unter psychischen Störungen zu leiden. Vergleichswerte zu früheren Jahren gibt es allerdings nicht. Einen Besorgnis erregenden Befund zeigt auch eine Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2007. Demnach sind zehn Prozent der Medikamente, die Studenten verschrieben bekommen, Antidepressiva. Das ist doppelt so viel wie bei gleichaltrigen Berufstätigen. Der Erhebung zufolge leiden 16 Prozent der Studenten unter depressiven Verstimmungen. Elf Prozent der 3300 Befragten klagten über Albträume, neun Prozent über Ängste und Phobien. Die Studienautoren haben aber auch eine beruhigende Nachricht: Insgesamt geht es Studenten gesundheitlich offenbar besser als ihren arbeitenden Altersgenossen. Sie gehen seltener zum Arzt und bekommen weniger Medikamente verschrieben. Befragt nach ihrem allgemeinen Gesundheitszustand gaben satte 87 Prozent der Studenten an, es gehe ihnen gut bis ausgezeichnet. jj

S10 HERZ-STÜCK

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Kein Grund zur Panik
Aller Zukunftsangst zum Trotz: Unter Akademikern herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Besonders gefragt sind Naturwissenschaftler und Techniker. Auch für Geisteswissenschaftler gibt es Hoffnung.

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ie Lage auf dem Arbeitsmarkt ist für Akademiker weniger dramatisch, als viele fürchten. Fast alle Uni-Absolventen haben einen Job. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern lag 2008 bundesweit bei 3,3 Prozent, berichtet das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Zum Vergleich: Unter den Menschen ohne Berufsausbildung waren 13,8 Prozent ohne Job. Für Beunruhigung sorgte zuletzt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wonach die Zahl der Arbeitslosen mit Fachabi, Abi, Fachhochschul- oder Universitätsabschluss gegenüber August 2008 um 24 Prozent gestiegen sei. Kritiker bemängelten allerdings, dass die Zahlen dramatischer klängen als sie sind. Es handele sich um eine Steigerung auf niedrigem Niveau. Insgesamt gab es laut DGB im vergangenen August bundesweit 480.000 Arbeitslose mit Fachabi, Abi, Fachhochschul- oder Uniabschluss. Holger Schäfer vom IW erklärte, die steigende Zahl an Arbeitslosen mit Abitur, Fachhochschul- oder Uniabschluss liege daran, dass die Zahl der Abiturienten steige. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern liege seit über 20 Jahren bei drei bis fünf Prozent. Je nach Branche sind Uni-Absolventen aber unterschiedlich gefragt: Besonders gebraucht werden MINT-Akademiker (Mathematiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler, Techniker). Laut IW Köln gibt es in diesem Jahr 61.000 mehr offene Stellen als MINT-Akademiker auf Jobsuche. Vom Fachkräftemangel angesichts des demografischen Wandels profitieren aber auch andere Branchen:

Auch wer sich mal eine Pause gönnt, verpasst damit noch lange nicht den Zug ins Arbeitsleben.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg prognostiziert, dass bis 2020 Hochqualifizierte in allen Arbeitsfeldern fehlen werden. Das IAB erwartet, dass sich Firmen zunehmend für „Quereinsteiger aus eher untypischen Studienfächern“ öffnen müssen. Auch Geisteswissenschaftler können aufatmen. Nach Angaben des Hochschul-Informations-Systems (HIS) sind sie langfristig im Durchschnitt nicht häufiger arbeitslos als Absolventen anderer Fachrichtungen. Allerdings sind Geisteswissenschaftler kurzfristig schlechter dran. Ein Jahr nach dem Abschluss arbeiten sie vornehmlich in Werks- und Honorarverträgen, haben über-

durchschnittlich oft keine Festanstellung und verdienen weniger als ihre Altersgenossen in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Im Schnitt verdienen Akademiker hierzulande zehn Jahre nach ihrem Abschluss 60.000 Euro brutto. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Bei Wirtschaftsingenieuren landen im Schnitt mehr als 100.000 Euro auf dem Konto, während Sozialpädagogen lediglich 30.000 Euro verdienen.
text Stephanie Kwoll foto TiBiTu

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GASTKOMMENTAR VON PETER ZIMMERMANN
für das politische Engagement war mehr Raum und Zeit da. Politisches Engagement ist ein wichtiger Faktor, um das Gefühl zu verstärken, dass man Einfluss nehmen kann und nicht machtlos allen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen gegenübersteht. Heute ist die Situation anders, darauf müssen sich die Studierenden einstellen. Wichtig ist, dass sie früh lernen, sich selbst zu organisieren und sich die eigene Zeit gut einzuteilen. Das ist schon die halbe Miete. Ich plädiere zudem dafür, das Bachelor-System zu korrigieren. So müsste zum Beispiel klar berechnet werden, was es für den Stundenplan eines Studierenden bedeutet, wenn er 30 Creditpoints im Semester machen soll. In manchen Fällen wurden ja die alten Diplomstudiengänge, für die acht bis zehn Semester Zeit war, einfach in den sechssemestrigen BA gepresst. Klar, dass die Studierenden das nicht schaffen können. Wenn die Stundenberechnungen noch einmal überdacht würden, könnten die Studierenden entlastet werden. Oftmals ist der Stress der Studierenden aber auch selbst produziert beziehungsweise überzogen. Sie sollten sich nicht von der allgemeinen Studierhektik mitreißen lassen. Oder anders ausgedrückt: Wer schnell und gut ans Ziel kommen will, sollte langsam gehen! Das heißt natürlich nicht bewusst trödeln, sondern ab und zu innehalten. Dr. Peter Zimmermann leitet die Bachelor- und Masterstudiengänge der Fakultät Erziehungswissenschaft der TU Dortmund.

er Unialltag von Bachelor-Studenten ist heute vor allem von Stress geprägt, das spüre ich in meinen Vorlesungen und Sprechstunden. Die Studenten befinden sich vom ersten Vorlesungstag an in einer Prüfungssituation, weil jede Note auch für die Abschlussnote zählt. Entsprechend ist ihr Ziel in den Lehrveranstaltungen oft nur noch, eine gute Note zu erhalten. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff ist zweitrangig. Nur noch selten gibt es Studierende, die wirklich Spaß an wissenschaftlicher Reflexion und kritischer Auseinandersetzung haben. Das ist schade und problematisch, weil genau diese Entwicklung am Bildungsauftrag der Universität vorbeigeht. Besonders wichtig ist es den Studierenden heute, schnell fertig zu werden. Das war anders, als ich noch studierte. Damals wurde nicht so gehetzt. Außer bei der Zwischen- und der Abschlussprüfung gab es keine Noten, ein Wechsel des Studiums oder ein Pausieren war relativ einfach und die vorlesungsfreien Zeiten waren länger. Auch

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HERZ-STÜCK S11

Jens Jüttner, Stephanie Jungwirth und Marie Lanfermann haben mit Personalern gesprochen.

Ist ein glatter Lebenslauf alles ?

UMGEHÖRT
Dr. Frank Stefan Becker, Hochschulexperte bei Siemens Heidi Palm, Leiterin Nachwuchsgewinnung bei der Deutschen Bahn Dirk Pfenning, Abteilung Sourcing and Hiring bei Bayer

Wie wichtig sind Ihnen Bestnoten und ein schnelles Studium?
Gute Noten – das ist zum Beispiel eine Zwei – sind ein wichtiges Kriterium. Schließlich müssen wir aussortieren. Jemand, der sein Examen mit 3,5 gemacht hat, kommt eher nicht in Frage. Es ist gut, wenn jemand zielstrebig studiert hat. Aber mit 28 Jahren ist zum Beispiel kein Bewerber zu alt. Einen Typen, der sich nur auf sein Studium konzentriert hat, können wir nur in wenigen Bereichen gebrauchen – zum Beispiel im juristischen. Wir brauchen Leute, die einen Blick haben für das, was um sie herum vorgeht. Die Semesterzahl allein ist nicht wichtig, gute Noten natürlich schon. Aber der Lebenslauf kann auch Lücken haben. Grundsätzlich sind Auszeiten nicht schlecht. Ebenfalls Zeiten, in denen der Bewerber gearbeitet hat, um zum Beispiel das Studium zu finanzieren. Wichtig ist, dass der Bewerber gut erklären kann, warum er welche Schritte gegangen ist und was ihm das gebracht hat. Beides sind neben vielen anderen relevante Punkte bei der Einstellentscheidung. Ein „gerader“ Lebenslauf hat den Vorteil, dass er weniger erklärungsbedürftig ist. Sofern gute Gründe für „unübliche“ Stationen vorliegen, ist dies aber kein Nachteil. So kann zum Beispiel ein Studienfachwechsel bei guter inhaltlicher Begründung absolut sinnvoll sein. Neben den fachlichen Qualifikationen spielen auch „Soft Skills“ wie zum Beispiel Kommunikations- und Teamfähigkeit eine große Rolle.

Woran erkennen Sie einen Charakterkopf, der das Unternehmen weiterbringt?
Wir schauen: Was hat ein junger Mensch außer seinem Pflichtprogramm an der Uni gemacht? Hat er zum Beispiel einmal eine Gruppe geleitet? Ziel des Bewerbungsgespräches ist es, Persönlichkeitsmerkmale wie Eigeninitiative herauszuarbeiten. Wir fragen uns zum Beispiel: Könnte der Bewerber das Unternehmen einmal bei einer Podiumsdiskussion an einer Uni repräsentieren? Wenn dann da ein Typ säße, der nur ein Zahlenmensch ist und etwas von Gewinnsteigerung erzählt, ist das kontraproduktiv. Die Mischung machts: interessante Praktika, Auslandsaufenthalte und natürlich auch gute Noten. Ein Auslandsaufenthalt ist aber zum Beispiel keine Pflicht. Zunächst lernt der Personaler den Bewerber natürlich immer über die reinen Zahlen in seiner Bewerbung und dem Lebenslauf kennen. Aber im Accessment-Center und im persönlichen Gespräch zeigt sich dann zum Beispiel auch die soziale Kompetenz des einzelnen Bewerbers. Wichtig ist, dass der Bewerber klare Vorstellungen von seinem beruflichen Einstieg hat und Ambitionen zeigt, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. So schaut der jeweilige Personalvorgesetzte zum Beispiel nicht auf die Abschlussnote, ein schnelles Studium oder Auslandsaufenthalte allein. Ausschlaggebend ist vielmehr der persönliche Eindruck des Personalvorgesetzten, inwieweit sich diese Punkte auch im Verhalten und Wissen des Bewerbers widerspiegeln.

Was raten Sie einem Studenten, der bei einer Bewerbung seine Stärken jenseits der Uni zeigen will?
Ich rate ihm: Schauen Sie sich die Stellenausschreibung ganz genau an und arbeiten Sie im Bewerbungsschreiben heraus, was Sie in dem Unternehmen Besonderes beitragen können. Wenn Sie zum Beispiel Französisch sprechen und sich ensprechend bei L‘Oreal bewerben, einem französischen Unternehmen, dann merkt der Personaler: „Aha, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Er will nicht nur eine Position haben, sondern zu diesem Unternehmen dazugehören.“ Die Leistungen sollten in jedem Fall in den Lebenslauf aufgenommen werden, wenn es passt. Dinge die jemanden geprägt und bewegt haben, interessieren den Personaler. Was der Bewerber rechts und links des Studiums gemacht hat, kann entscheidend sein. Auf die im Lebenslauf genannten Punkte kann der Personaler dann im persönlichen Gespräch auch zurückkommen. Der Bewerber sollte das unbedingt tun, sofern die Qualifikationen für die Stelle relevant sind. Auch OnlineBewerbungen bieten Raum zu Informationen über Interessen jenseits der Ausbildung. Wenn zum Beispiel ein etwas älterer Absolvent mit einer 2,3 als Abschlussnote schon Führungsverantwortung im Betrieb der Eltern übernommen hat, kann er gegenüber einem jüngeren Bewerber mit besseren Note im Vorteil sein, wenn Führungsqualitäten für die Stelle gefordert sind.

S12 RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN

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Toleranz? - Fehlanzeige
Unsere Gesellschaft gibt sich gern toleranter als sie ist. In diesem Jahr feiert das Essener Referat für Schwule, Bisexuelle und Lesben 25-jähriges Jubiläum. Zu tun gibt es viel.

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ie Tür geht auf: Eine Gruppe junger Männer zwischen 16 und 19 Jahren betritt das Essener Café „Vielfalt“. Kurz darauf nimmt einer von ihnen einen Trinkbecher und kippt den Inhalt in die Gesichter zweier Cafébesucher. Dann stürmt die Gruppe davon. Im Becher war kein Kaffee oder Tee – Es war Urin. Getan haben die zwei Cafébesucher nichts. Die Tatsache, dass sie schwul sind, war für die Gruppe Grund genug. Das selbe Café, ein ähnlicher Fall: Ein Mann läuft hinaus, beginnt zwei lesbische Frauen anzupöbeln. Die Beiden haben Glück im Unglück: leichte Verletzungen und zerrissene Klamotten als Erinnerungen an diesen Abend. Übergriffe auf schwul-lesbische Einrichtungen wie das Café „Vielfalt“ sind nichts Neues. Doch gerade in der letzten Zeit häufen sie sich, hat Marc Claaßen beobachtet. Er arbeitet im Café und ist Sozialpädagoge. „Früher gab es derartige Fälle kaum“, erinnert er sich. Verschont bleibt auch das schwul-lesbische Jugendzentrum „Enterpride“ in Mülheim nicht. „Auch dort wurden Besucher beschimpft und verfolgt“, weiß Claaßen. Gelegentlich kleben dort sogar Aufkleber mit der Aufschrift „Nicht wirklich deutsch!“ an der Café-Tür – vermutlich von rechten Organisationen angebracht. Marc Claaßen vermutet als Grund für solche Übergriffe die zunehmende Perspektivlosigkeit vieler Menschen. „Die Finanzkrise, fehlende Arbeitsplätze und die daraus resultierende Langeweile erzeugt Frustration bei einigen Menschen“, meint er. „Man sucht nach einem Schuldigen. Randgruppen und Minderheiten sind da als Opfer prädestiniert.“

Der Christopher-Street-Day: Spaßveranstaltung ohne politischen Tiefgang?

Laut einer Umfrage stehe jeder Dritte Menschen mit einer sexuell anderen Neigung kritisch gegenüber, sagt Ute Klammer, Prorektorin für Diversity Management an der Uni Duisburg-Essen. Intoleranz gibt es auch in den obersten Etagen der Hochschule, weiß Eva Siegfried, die an der Uni Duisburg-Essen studiert: „Ein Professor fragte uns in der Vorlesung, was der Autor eines Buches mit seiner literarischen Figur ausdrücken wolle. Als niemand darauf kam, sagte er, dass es sich hier nur um einen Hinterlader handeln könne – zu deutsch: um einen Schwulen.“ Angesichts dieser Zahlen übt Axel Bach, Ehrenmitglied des „Essener schwul-lesbischen autonomen Referats“ (SchwuBiLe), Kritik am mangelnden Engagement. „Die Referate sind zu wenig politisch aktiv. Sie haben das Niveau von Selbsthilfegruppen erlangt. Genau diese Vorfälle und Zahlen müssten uns doch wachrütteln.“

Spaß nach Köln trieb: „Für mich hat der Christopher-Street-Day keine politischen Hintergründe, ich gehe nur wegen der Partystimmung hin.“ Aussagen wie diese findet Bach erschreckend. „Eine Mischung aus Spaß und politischem Engagement wäre der richtige Weg.“

Früher mehr Engagement

Intolerante Professoren

Doch es sind nicht nur die vermeintlich „Gescheiterten“, die auch heute noch ein Problem mit Homosexuellen haben. Auch angehende Akademiker zeigen sich intoleranter als vielleicht erwartet.

Mehr Party, weniger Politik

Axel Bach, Referent des „SchwuBiLe“, kritisiert den fehlenden politischen Fokus der Referate.

Bach kennt sich in der Essener Szene aus und kritisiert offen die neue Generation Homosexueller: Ihre Online-Foren würden sich zunehmend zu reinen Partyportalen entwickeln. Und vor allem der Christopher-Street-Day werde immer weniger als öffentliche Plattform genutzt um politische Probleme anzusprechen. In der Tat scheint es, als würde der Demonstrationstag für Lesben, Schwule und Bisexuelle heute weniger als politisches Sprachrohr genutzt. So war der 19-jährige Simon Ahrens aus Bremen beim diesjährigen Christopher-Street-Day nicht der Einzige, den der

Bach erinnert sich an die 80er Jahre, als Homosexuelle sich ihre „Grundrechte“ noch erkämpfen mussten. In den Gründungsjahren des schwullesbischen Referats galt es schon als provokant, als Schwuler überhaupt öffentlich aufzutreten. Demos waren damals noch an der Tagesordnung. Gefesselt, mit zugepflastertem Mund, in adretten Anzügen gekleidet und gewappnet mit der Plakat-Aufschrift „So wollt Ihr uns: als angepasste Schwule“ hat Ende der 80er Jahre eine kleine Schwulen-Gruppe den Mensa-Eingang der Uni Duisburg belagert. „Sich politisch zu engagieren, war selbstverständlich“, erinnert sich Bach. „Es sollte auch heute noch eine der Hauptaufgaben für alle Vereine und Referate Homosexueller sein, aufzuklären und politisch zu wirken.“
text Martina Vogt foto Dennis Pfeiffer-Goldmann, Caroline Biallas

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RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN S13

„Ich wollte es mir lange nicht eingestehen“
Von Dozenten belächelt, von Freunden verraten: Melanie L. spricht über ihr Outing.

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elanie hatte in ihrem Leben schon einige Coming Outs – vor ihrer Familie, vor Freunden, in der Ausbildungsstätte, in der Berufsschule und zuletzt in der Uni. Wie schwer es jedes Mal war, erneut in das verhaltene Gesicht des Gegenübers zu schauen, daran erinnert sie sich nur ungern. „Aber ich wollte mich outen, um Klarheit zu schaffen, ich will mich nicht verstecken.“ Die 22-Jährige studierte bis vor kurzem noch an der TU Dortmund Rehabilitationswissenschaften. Dass sie lesbisch ist, wusste sie bereits in der Pubertät. Damals versuchte sie das Thema zu verdrängen: „Ich wollte es mir einfach nicht eingestehen“, sagt sie. Später plante sie ihr Outing, verlor aber immer wieder den Mut. Die Gewissheit, homosexuell zu sein, meint Melanie, sei heute mit dem gleichen Ausmaß an Unsicherheit verbunden wie vor 30 Jahren. „Unsere Gesellschaft ist nicht so tolerant wie es scheint.“ Mehr als jeder zweite homosexuelle Jugendliche muss mit größeren Belastungen fertig werden als gleichaltrige heterosexuelle Jugendliche. Nur etwa ein Prozent aller lesbischen und schwulen Jugendlichen gibt an, noch nicht diskriminiert

worden zu sein. Auch wenn das eigene Outing gut verläuft, geht diesem meist eine Zeit der Unsicherheit voraus. „Viele verhielten sich nach dem Outing mir gegenüber anders. Sie gaben das Geheimnis weiter.“ Melanie kapselte sich ab. „Ich habe oft lange gewartet, bis ich jemandem richtig vertrauen konnte und mich dann wieder geoutet habe.“ Von ihren Freunden an der Uni wissen es nur zwei Personen. „Die beiden haben kein Problem damit.“ Anders sehe es in den Vorlesungen aus. „Es wurden Modelle von Gesundheit und Krankheit besprochen, Krankheitsbilder wurden erörtert.“ Beim Thema Aids sprach der Dozent über Homosexualität und all die überholten Ansichten aus den 70er Jahren. „Meine Kommilitonen witzelten bei dieser zynischen Betrachtungsweise des Themas.” An eine heutige grundlegende Gleichstellung glaubt Melanie nicht: „Wie soll jemand, der homosexuell ist, den Mut dazu bekommen sich zu outen, wenn das Thema selbst an Universitäten belächelt wird?“ Dennoch sei es vor allem für einen selbst wichtig, sich zu outen. „Es endlich gesagt zu haben, erleichtert sehr. Ich stehe zu dem was ich bin, auch wenn es immer wieder Kraft und Überwindung kostet, mich anderen gegenüber zu offenbaren.“

Melanie glaubt nicht an eine Gleichstellung.

Kontakte zu den Referaten unter: www.pflichtlektuere.com
text Martina Vogt foto Melanie L.
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Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ Verlag: Suhrkamp Preis: 19,80 Euro Ebert zum Buch:
viel besser: Er hangelt sich mit Halbwissen über Theologie und Philosophie durch eine oberflächliche, reißerische Argumentation. Gäbe es keine Religion, würden die Menschen auch nichts Böses tun, sagt Dawkins. Damit macht er einen Fehler: Er kritisiert nicht die Religion an sich, sondern die Menschen, die in ihrem Namen handeln. Dass er das nicht von seiner wissenschaftlichen Ausein andersetzung mit der Gotteshypothese trennen kann ist schade für alle Atheisten, die uch über den Tellerrand schauen können. lea

„... Als großer Atheist empfehle ich das Buch „Der Gotteswahn“. Ein ganz tolles Buch, sowohl für gläubige als auch ungläubige Menschen. Er stellt Statements in den Raum, mit denen man sich selbst als sehr gläubiger Mensch auseinander setzen sollte. Und es ist kein atheistischer Fundamentalismus, was ihm ja vorgeworfen wird.“

Meine Kritik: Richard Dawkins wettert gegen intolerante Christen, die ihm als armen Atheisten das Leben schwer machen. Leider ist er nicht

Adams (brillant: Hugh Dancy) Trauer über den Tod seines Vaters besteht nur darin, seinen Erzeuger von der Hausarbeitsliste der gemeinsamen Wohnung zu streichen. Was makaber anmutet, bekommt einen traurigen Nachgeschmack, wenn dem Zuschauer klar wird, dass er unter dem Asperger-Syndrom leidet, einer Form von Autismus. Alles in Adams Leben ist standardisiert – von den allabendlichen

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Köln (Zusatzkonzert) Mit seinem neuen Album „Ein geschenkter Tag“ ist der Sänger auf Tour.

lergenie. Man lernt den Künstler von einer ganz anderen Seite kennen. Oder wusstet ihr, das einige seiner Zeichnungen aussehen wie Comics? Monet hat nämlich schon ganz früh angefangen zu zeichnen - und da war von Seerosen noch nicht so viel zu sehen.

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Claude Monet noch bis 28.02.10 – Von-der-Heydt-Museum Wuppertal Wann hat man schonmal die Möglichkeit, 100 Werke des berühmten Impressionisten Claude Monet zu sehen? Jeder kennt die Bilder von seinem Seerosen-Teich. Wer mehr sehen wollte, musste schon nach Paris reisen. Bis Februar gibt‘s jetzt auch mitten im Pott einen umfassenden Blick auf das Ma-

Buddy Holly - Musical voraussichtlich bis Sommer 2010 – Colosseum-Theater in Essen Weihnachten steht vor der Tür. Habt ihr schon alle Geschenke? Sonst der Tipp für die Rock‘n‘Roll-Begeisterten in eurer Familie: Buddy Holly in Essen! Für alle, die ihn nicht kennen: Es geht um den Rocker mit der Hornbrille, der viel zu jung bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Das Musical erzählt seine Erfolgsgeschichte - und alle seine Klassiker von „Peggy Sue“ bis „Oh Boy“ laden zum Klatschen und Mitsingen ein. Die Tickets gibt‘s ab 39 Euro. Falls ihr selbst nostalgisch rocken wollt - unser Tipp: Am Donnerstag gibt es für Studenten 10 Prozent Rabatt auf den Eintritt. sk&ah / fotos pixelio A.R. & Hartmut910

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Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481 Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU Dortmund, 44221 Dortmund E-Mail: post@pflichtlektuere.com Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni) Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neuendank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl Titelbild: Tibitu und freundlicher Unterstützung von HENSEL Studiotechnik bei der Produktion An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Caroline Biallas, Susann Eberlein (se), Sandra Finster (fin), Tobias Fülbeck (tf), Johanna Fritz (jf), Lea Grote (lea), Agnes Heitmann (ah), Lisa Helberg, Florian Hückelheim (fh), Jens Jüttner (jj), Stephanie Jungwirth (juwi), Sarah Keller (sk), Michael Klingemann, Jonas Knoop (jk), Stephanie Kwoll, Mareille Landau, Marie Lanfermann, Jonas Mueller-Töwe (jmt), Malina Opitz (mao), Siola Panke (sp), Linus Petrusch (lipe), Dennis Pfeiffer-Goldmann, Miriam Sahli (miri), Sarah Salin (sal), Katrin Schmidt (ks), Fabian Schwane (fas), Kathrin Strehle (ks), Natascha Tschernoster (nt), Martina Vogt (mv), Barbara Wege (bw), Julian Weimer, Anja-Kristin Willner (awi), Johannes Zuber (joz) Verantwortlich für Anzeigen: Oliver Nothelfer, Anschrift wie Verlag, Kontakt: 0201/804-8944 Objektleiter: Wolfgang Ibel Verlag: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft , E.Brost & J. Funke GmbH u. Co.KG, Friedrichstr. 34-38, 45128 Essen Druck: Druckhaus WAZ GmbH & Co. Betriebs-KG, Anschrift wie Verlag. Kontakt: druckhaus@waz.de Erscheinungstermine: Wintersemester 2009: 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 19. Januar, 2. Februar.
Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227

Die kommenden Top Highlights:
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Heißersehnte turbulent-romantische Fortsetzung der Erfolgskomödie Keinohrhasen von und mit Til Schweiger und Nora Tschirner, die nun mit dem Beziehungsalltag zu kämpfen haben. Als women‘s night am 2.12.2009 um 20 Uhr in Ihrer UCI KINOWELT!

Melanie Gralke hat die Tickets für das Konzert der Popmusiker „Phoenix“ aus Frankreich gewonnen. Anlässlich des zehnten Geburtstags unseres Campusradios „eldo“, hat die Band am 19. November in der FZW-Halle am Dortmunder U gerockt.

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