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CHRISTUS IN UNS

!

ist der Hauptgrund, um den sich alles dreht, und auf den alles ankommt, wenn wir wieder in unsern ersten Ursprung eingehen, und hiermit wesentlich mit Gott vereinigt werden wollen. Christus in uns ist das große Geheimnis der Gottseligkeit, das Reich Gottes in uns, das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte.

Wie nun dieser inwendig verborgene, geistige, himmlische Christus einst in der Person Jesu von Nazareth Mensch geworden, und das große Erlösungswerk äußerlich ausgeführt hat; also will eben derselbe innere, unsichtbare, geistige und himmlische Christus noch in einem jeden von uns Mensch werden, eine Gestalt gewinnen, und dieses Erlösungswerk innerlich in jedem Einzelnen ausführen; uns auch der himmlischen, göttlichen Natur teilhaftig machen, wie einst den Erstgeborenen, der in allem uns gleich war, ausgenommen die Sünde, und deswegen in allen Dingen den Vorrang hat.

Lasst uns also von dem äußeren Christus im Fleisch einmal zu dem inneren Christus, dem Christus im Geist schreiten! Solange du, o Mensch! nur die äußere Person des Erstgeborenen betrachtest, und bei diesem Bild stehen bleibst, kannst du nicht zur wahren Erkenntnis Gottes und Jesu Christi gelangen, welches doch das ewige Leben ist. Du kannst nie gründlich heil, nie wahrhaftig erlöst und vollkommen werden. Dein Glaubensgebäude ruht nur auf Sand, und am Ende bist du betrogen. Statt also nur bei der äußeren Person Christi stehen zu bleiben, musst du dein Geistesauge auf den inneren, unsichtbaren, geistigen Christus und Sohn Gottes richten, der eben in jener sichtbaren Person Jesu verborgen war, und durch dieselbe sprach und wirkte. So wird einem das Geheimnis der Gottseligkeit auf einmal aufgeschlossen, und zur höchsten Verwunderung sonnenklar, so dass es kein Geheimnis mehr ist.

Damit es aber diesem himmlischen Christus gelingt, uns wieder vollkommen zu erlösen, und in unsere erste paradiesische und himmlische Heimat zurückzuführen, so müssen wir von allem Eigenwirken und Eigenwollen abstehen, uns Ihm zum Opfer hingeben, stillhalten, seiner Stimme in uns folgen, und wie ein Lamm leiden,

geduldig, ergeben und gelassen, mit gewisser Zuversicht und lebendiger Hoffnung, dass das Werk herrlich werde ausgeführt werden. Der göttliche Same zu einem neuen Menschen liegt in einem jedem. Das ist eben, was Paulus zu Timotheus sagen wollte: „Erwecke die Gabe, die in dir ist - ergreife das ewige Leben!"

Wenn Christus nach seinem Geist in uns kommt, und wir Ihn innerlich im Glauben annehmen, und uns an Ihm festhalten, so ist Er gleich hinter unserem alten Menschen her, der durch Lüste und Irrtum verdorben ist, um ihn durch allerlei Leiden von außen und innen zu kreuzigen, zu töten und ganz und gar abzutun, damit der sündliche Leib aufhöre, und wir hinfort der Sünde nicht dienen, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten.

Bei dieser geistlichen Kreuzigung, welche in der wahren Verleugnung der Welt und unser selbst besteht, haben wir also weiter nichts zu tun, als alles zu lassen, was Christus von uns fordert, weil hier Geben seliger ist als Nehmen. Auch sollen wir nach dem Vorbild des Erstgeborenen mit Lammesgeduld leiden, bis Christus das falsche Natur- und Sinnenleben völlig getötet, das Opfer vollendet, alle uns selbst angemaßte Rechte dem Vater wieder zurückgestellt, und Ihn hiermit gänzlich befriedigt hat, dass Christus in einem solchen Menschen rufen kann: „Es ist vollbracht!"

Durch diesen Leidens- und Sterbensprozess ist nun der Mensch mit Christo in seinem Tod getauft und begraben, dem Gesetz und der Sünde für immer und ewig abgestorben, gerechtfertigt, und von der Strafe frei, und los von allen Sünden. Auch das Fortsündigen hat nun bei ihm ein für allemal aufgehört. Er steht jetzt unter dem Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu. O seliger Stand, wo der alte Sünder geschlachtet und abgetan (Rom. 8,10), die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in einem solchen geistlich gestorbenen Menschen erfüllt, und er also mit Gott dem Vater ausgesöhnt und vereinigt ist. Nun befindet sich derselbe in einer völligen Todesstille und tiefen Grabesruhe.

Alle eigene Kraft und Wirksamkeit ist verschwunden, und er geht nun auch dem Auferstehungszustand Christi entgegen. Derselbe Geist,

welcher Jesum, den Erstgeborenen, vom Tode auferweckt hat, wird einen solchen Menschen auch auferwecken, ihn zum neuen, göttlichen und ewigen Leben hervorrufen, so dass er jetzt nicht mehr im alten Wesen des Buchstabens, sondern im neuen Wesen des Geistes lebt! Durch dieses geistige Sterben mit Christo wird der Mensch hier in der Zeit schon zu einer neuen Kreatur in Christo, wahrhaftig wiedergeboren, der göttlichen Natur teilhaftig, und also zu einem wirklichen Sohn Gottes umgeschaffen, dass er die Gebote Gottes wie der Erstgeborene (Joh. 12,37) vollkommen erfüllen und des Vaters Wille vollkommen tun kann. Es fällt ihm nicht schwer, sondern ist ihm ganz natürlich, eine himmlische Lust und Freude, ein sanftes Joch und eine leichte Last!

Ein solcher braucht nun kein gesetzliches Wesen mehr, hat auch nicht nötig, dass ihn jemand lehre, denn er hat die Salbung von dem, der da heilig ist, und weiß alles. Die Salbung lehrt ihn allerlei, er wandelt vor Gott wie Abraham, und wird vollkommen. Er wird selbst eine lebendige Kirche, eine Wohnung Gottes und ein Tempel des Heiligen Geistes. Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Gemüte, ja aus allen Kräften lieben, und den Nächsten wie sich selbst! seht, das ist nun sein ganzer Gottesdienst!

Alle seine bisherigen Besserungs- und Förderungsmittel zur Seligkeit sind jetzt für ihn ganz überflüssig, weil er den Zweck erreicht hat. Das Wort des Herrn wird an ihm erfiillt: „Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet von aller eurer Unreinigkeit, und von allen euren Götzen will ich euch reinigen; und will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben, und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, meine Rechte halten und darnach tun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein. Ich will mein Gesetz in euer Herz geben, und in euren Sinn schreiben, und ihr sollt mein Volk sein, so will ich euer Gott sein. Und keiner wird den andern, noch ein Bruder den andern, lehren und sagen: Erkenne den Herrn! sondern ihr sollt mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der Herr. Denn ich will eure Missetat vergeben, und eurer Sünden nicht mehr gedenken." (Jer. 31 u. Hesek. 36).

So lasse denn, o Seele! den geistigen Christus, den zweiten Adam, auch

in dich kommen, wie er in dem Menschen Jesu war, so wirst du auch ein

Sohn Gottes, dass du sagen kannst: „Ich und der Vater sind eins! meine Speise ist, dass ich den Willen des Vaters tue; dein Gesetz, o mein Gott! habe ich in meinem Herzen!" So kannst du in diesem Leben schon dazu gelangen, dass du nicht mehr sündigst, nicht mehr zu streiten und zu kämpfen hast mit Sünde, Welt, Fleisch und Blut; denn du bist durch Christus in dir vollkommen erlöst, und mit Ihm gleicher Natur teilhaftig, also mit Ihm ins himmlische Wesen versetzt worden. Du lebst nun in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes im Paradies, in Gott, deinem Ursprung, genießest den göttlichen Frieden, bist in sicheren Wohnungen, in stolzer Ruhe im Lande der Verheißung, in Kanaan, worin Milch und Honig fließt! Da ist kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz mehr, denn das Erste ist vergangen! Der Ankläger ist verworfen, die Klagen über Schwachheit, Sünden, Unwürdigkeit und Unvollkommenheit sind verstummt, weil da kein Einwohner sagen wird: „Ich bin schwach!" sondern: „Im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke." Wenn schon der Teufel diesen glückseligen Seelenzustand beneidet, und allerlei Lästern, Schelten und Stürme zu erregen sucht, so sind das nur unbedeutende Schrecknisse und letzte Zuckungen, die dir, o unaussprechlich selige Seele, weiter keinen Schaden zufügen können! Nur Dank und Ruhm, Lob und Preis wird da gehört, und ist dies also das eigentliche Himmelreich im Menschen, wie es nach und nach überall auf der ganzen Erde sein wird. Einen solchen starken, allmächtigen und vollkommenen Heiland haben wir an dem inneren Christus im Geist, wenn wir Ihm Platz machen, Ihm unser ganzes Inwendiges einräumen, und uns von Ihm ausarbeiten lassen.

O meine teuren Geliebten! die ihr von ganzem Herzen neugeboren, neue

Kreaturen in Christo werden, und Gott dienen möchtet in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, wie es vor Ihm wohlgefällig ist; wandelt nur den kurzen, einfachen und sicheren Weg, der euch im Wort des Herrn vorgeschrieben ist. Er spricht: Wenn ihr stille bleibet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein." (Jes. 30,I5).

Dieses Stillesein besteht in der völligen Überlassung unserer selbst, und was uns angeht, für Zeit und Ewigkeit - an Gott, dass wir nämlich nicht mehr ängstlich sorgen, nicht in eigener Kraft wirken, sondern mit unseren Sinnen, Gedanken, Wollen und Wirken uns zu Grund

versenken, und uns Ihm also hingeben zum Opfer und ewigen Eigentum, damit wir Ihm nicht mehr im Wege stehen und seine gnadenreiche Wirkung in uns verhindern! Dann erst, wenn wir uns Ihm

so gelassen, ruhig, friedsam und leidend aufopfern, kann und wird Er

ein Neues im Lande unseres Innern erschaffen. Er wird aus dem schrecklichen Chaos unserer selbst eine herrliche, neue und zweite Schöpfung hervorbringen. Erst dann kann der Vater seinen Sohn in uns zeugen, und uns also den Heiland innerlich senden, der uns nach und

nach von dem alten Menschen befreit, und uns den neuen Menschen anzieht, der nach Gottes Gleichnis geschaffen ist. –

O wer doch die ewige, unveränderliche Gemütsstille in Gott recht

verstünde, die tiefe Sabbatruhe, der würde in kurzer Zeit an Geist, Seele und Leib sich verändert fühlen! An diesem Sabbat heilt Christus, und

macht den ganzen Menschen gesund. An diesem Sabbat legt Er dem Blinden Kot auf die Augen, und öffnet sie! - Als jener Kämmerer aus Mohrenland sich durch Philippus wollte taufen lassen, hieß es: „Und er hieß den Wagen stille halten." So muss eben der Wagen unseres Eigenwirkens, Treibens, Sorgens, Wollens und Laufens stille halten, dann können wir erst mit Geist und Feuer getauft werden! Ach wie gut kann man es doch haben, wenn man sich in Demut Gott aufopfert, und sich Ihm wie ein hilfloses Kind überlässt! Aber sehr wenige dürfen diesen Schritt wagen; sie fürchten, ihre Seele möchte verloren gehen, sie wollen sie nicht überlassen, darum werden sie sie einst im traurigen Sinn des Wortes lassen müssen. „Wer sein Leben verliert um meinetwillen", heißt es, „der wird es erhalten, und wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren." Ach, wie sind die Menschen so äußerlich und fleischlich, und verbildet worden! Wie sehr sind sie in diesinnlichen Dinge zerstreut.

Ihr Herz und ihre Lust ist ganz in dieselben ergossen. Ihre Sinne sind auswärts statt einwärts gekehrt. Sie sind fast nie zu Hause bei ihnen selbst, und hören also dem ewigen Wort nicht zu, dass sie weise würden! Wer demselben hingegen beständig zuhört und gehorsam ist, hat andere Prediger nicht nötig, er ist immer in der Kirche, denn der Herr lehrt noch täglich im Tempel des Herzens, wie Er sich ehemals im Äußeren vernehmen ließ. O heidnisches Sorgen, Eigenwirken und Zappeln! du mordest Christum im Geist! Er kann ja so nicht aufkommen und eine Gestalt in dir gewinnen, wenn du Ihn so unterdrückst, obwohl du es gut meinst!

Ihr aber, die ihr euch gerne stille zum Opfer hingebt, und Gott wollt machen lassen - Ruhe mit euch und Friede in aller Fülle! Erschrecket nicht, wenn ihr schon in eurem Innern hört Krieg und Kriegsgeschrei; wenn teure Zeiten kommen, wo euch Trost und Glaubensgewissheit gebricht. Fürchtet euch nicht, wenn die Pestilenz eintritt, wo ihr alles Eigene in euch verwelken und absterben sehet; wenn ein Königreich wider das andere sich empört, d.h. wenn das Reich Gottes in euch das Reich des Satans zerstört, wo der neue Mensch mit dem alten Krieg führt, wo lauter Streit und Kampf mit Sünde, Welt, Fleisch und Blut, ja gar mit dem Fürsten der Finsternis ist. Fürchtet euch nicht, wenn sich ein Kriegsheer von schrecklichen Zweifeln, Unglauben, bösen Gedanken und grimmigen Leidenschaften vor eure Seele lagert, solange ihr den inneren Christus im Geist festhaltet, und euch Ihm stets überlasset.

Alles dieses kann euch nichts schaden, sondern muss euch zum ewigen Besten dienen! Wenn alles drunter und drüber geht, so brechet getrost hindurch durch alle Donnerwetter und Gewitterstürme von Missverständnissen, Verleumdungen, Lästerungen und Verfolgungen! Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und ihr könnet während der Zeit dieser Kreuzigung und Sterben mit Christo dennoch wie im Himmel sein, durch eine lebendige Hoffnung, dass diese Kämpfe und Leiden die unverwelkliche Krone der Ehren euch einbringen werden! Alles hat seine Zeit! Man muss nicht immer kämpfen, sich verleugnen und absterben. Christus im Geist macht diesem alten Menschen um so eher ein Ende, je treuer wir sind im Absterben. Der alte Sünder muss bald sterben, wenn man ihm alle Nahrung seines falschen Lebens entzieht, und nur nach ewig bleibenden Gütern strebt.

Frohlocket demnach, hüpfet auf vor Jubel, die ihr den inneren Christus im Geist kennet, und von Ihm erkannt seid, die ihr eine lebendige Überzeugung und Gewissheit habt, dass Er euch vollkommen erlösen wird! Schon während eures Leidens und Sterbens mit Christo könnt und dürft ihr euch im Geist unaussprechlich freuen, weil ihr durch eine lebendige Hoffnung wisset, dass auf dieses geistige Sterben ein neues, ewiges und unsterbliches Leben folgt, eine selige Auferstehung, der volle Tag der Ewigkeit. Auf die Tränensaat folgt eine ewige Freudenernte. Selig ist also der Mann, der die Anfechtung erduldet;

denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat allen denen, die Ihn lieben.

Auf denn, ihr geistlich Gekreuzigten und Sterbenden! Lasst euch nicht lass und mutlos machen durch kleine Leiden, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten, sie mögen heißen wie sie wollen. Sterbet fort und fort dem alten Adam ab, bis der neue Adam, der Herr vom Himmel, als der Letzte über dem Staub eurer geistigen Vernichtigung stehen und siegreich überwunden haben wird. Keine Spur darf mehr übrig bleiben vom alten Sinnenleben, sondern das göttliche Leben Christi, das Leben der Ewigkeit, soll an dessen Stelle sein, welches hier in dieser Zeit noch geschehen kann.

Fangt nur herzhaft an zu glauben, dass es dem Herrn möglich sei, euch dahin zu bringen. Tut Ihm doch diese Ehre an, so werdet ihr gleich seine verborgene Kraft in euch empfinden, allem Bösen zu widerstehen, und alles zu überwinden, was euch hindern könnte, nach dem vorgesteckten Ziel eurer himmlischen Berufung Gottes in Christo Jesu nachzujagen. Wenn ihr fallet, so stehet bisher im allgemeinen, sondern im Geist und in der Wahrheit. - O herrliche Zeit! o angenehmer Tag des Heils! o Licht der Wahrheit, wie hell leuchtest du in der Finsternis, die dich zwar nicht begreifen kann, aber von deinem allmächtigen Glanz verschlungen wird.

O ihr Wahrheit suchenden Seelen! lasst euch doch nicht länger mehr durch den großen Unglauben zurückhalten, als wäre es unmöglich, in diesem Leben schon gänzlich erlöst und in den paradiesischen Stand des Friedens und der wesentlichen Wiedervereinigung mit Gott zu gelangen.

Dafür ist Er ja im Fleisch erschienen, und hat uns die Möglichkeit erworben, dazu zu gelangen Es ist die ewige Wahrheit, aber sie scheint fremd, neu und unbekannt, dass es einem das Herz zerreißen möchte. Die Wahrheit muss wieder öffentlich gelehrt und befolgt werden, dass wir nämlich durch das Leiden, Sterben und Auferstehen mit Christo im Geist, schon in dem Leben zur himmlischen, göttlichen Natur hinauf geadelt, und also in den Stand gesetzt werden können, nicht mehr zu sündigen. Denn wer Sünde tut ist ja vom Teufel, sagt Johannes, und dazu ist der Sohn Gottes eben erschienen, dass Er die Werke des Teufels

zerstöre - erschienen, dass Er unsere Sünden hinwegnehme, und in Ihm ist keine Sünde - dass wir also dann kraft dieser göttlichen Natur auch Gottes Gebote vollkommen halten, und des Vaters Willen vollkommen tun können.

Es ist ja so natürlich, dass wenn der wahre Christus in uns erscheint, lebendig und offenbar wird, Er noch das gleiche Geschäft verrichtet, wie vor 1800 Jahren in der Person Jesu von Nazareth! O ewige Wahrheit! Warum wirst du so verkannt und bestritten! Warum sollen die armen Seelen glauben, dass sie bis zum Tode immer die gleichen armen, schwachen, elenden, sündigen und unvollkommenen Menschen bleiben müssten, da doch dies im Worte Gottes nirgends ausgedrückt wird, und also der Wahrheit ganz entgegen ist! Wohl aber heißt es: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Wandle vor mir und sei vollkommen, heißt es eigentlich im Grundtext.

Ach seid doch nicht mehr so ungläubig, so engherzig und in euch selbst eingesperrt, gebt doch Gott einmal die Ehre! Schleppt euch doch nicht mit dem alten Adam bis zum leiblichen Tod herum. Stützt euch nicht nur auf diejenigen Schriftstellen, die den Menschen zum Sünder machen, weil er noch nicht durch Christum erlöst ist, und wodurch ihr euch im Unglauben nur noch mehr versteift. Durch den leiblichen Tod werdet ihr ja um kein Jota seliger und vollkommener. Wie der Baum fällt, so bleibt erliegen; wie ihr sterbet, so findet ihr euch in demselben Augenblick in der Ewigkeit wieder. Ach raubt doch Christo nicht länger seine Ehre, vernichtet doch nicht seine Vollkommenheit. Er ist ja ein vollkommener Gott, und kann vollkommen selig machen. Christus im Geist macht ja allen Klagen über Sünden, Schwachheit, Unwürdigkeit und Unvollkommenheit ein Ende, laut den klaren Aussprüchen der Heiligen Schrift (Rom. 6,1; Joh, 3 usw.)

Ihr macht Ihm so keine Ehre, sondern tut Ihm Schmach an, und macht Ihn zum Lügner! Klagen, Schmerz und Jammern über die Sünden hat seine Zeit und muss auch sein, wer aber von ganzem Herzen der Sünde absagt, und von nun an Gott lieben und seinen Willen tun will, ein solcher hat gleich Vergebung aller seiner vormals begangenen Sünden. Es wird ihrer ewig nicht mehr gedacht werden, wie der Herr selbst bezeugt, nur dass ein solcher treu nach dem Wort des Lebens

fortwandelt. So muss er ja nicht die ganze Lebenszeit mühselig und beladen sein, nicht immer jammern, zagen und mit dem- Ich geplagt sein, und in Sünden leben, sondern er wird durch CHRISTUS IN UNS ins himmlische Wesen versetzt, in ewige Ruhe und unwandelbaren Frieden, nachdem 'der alte Sünder ist geschlachtet und gänzlich abgetan

worden, auch der volle Stolz, die Ichheit, die Selbstgefälligkeit und alles ungöttliche Wesen. Stattdessen herrscht der im Geist auferstandene neue Mensch, CHRISTUS, und dieser kann und will ja nicht sündigen, denn

Er

ist vollkommen und heilig wie Gott, sein Vater!

O

ihr ewig seligen Seelen! denen dieses große, gottselige Geheimnis

innerlich kundgeworden ist, und die ihr es an euch selbst erfahret - trinket unaufhörlich aus der unversiegbaren Quelle des lebendigen Wassers, von dem neuen Wein des Reiches Gottes, das wirklich in euch gekommen ist! Keine Macht der Hölle kann euch aus eures Vaters Hand herausreißen, nichts mehr euch scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserem Herrn! Ihr seid es, die mit Paulus das Siegeslied anstimmen können: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod! wo ist dein Stachel? Hölle! wo ist dein Sieg? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum!"

So kamt und soll sich billig der durch Christum in uns freigewordene und in Ihm auferstandene Christ freuen und sich abermals freuen, der jetzt den neuen, auf dem weißen Stein der Versöhnung, Unschuld und Reinheit gegrabenen Namen trägt, den niemand kennt, als der ihn empfängt? Nun erst geht es an ein Wachsen und Fortschreiten in Gott, von Klarheit zu Klarheit, von Vollkommenheit zu Vollkommenheit! So ziehe denn aus, o ewige Wahrheit! Siege, siege und triumphiere über das Reich der Lüge und der Finsternis, damit das Reich Gottes in allen Gemütern und endlich auf der ganzen Erde offenbar, und Gott durch Christum König werde überall!

Dir, o Wahrheit! zur Ehre und zum ewigen Heil der Seelen ist diese Schrift geschrieben worden. Begleite sie mit deiner Kraft und deinem Geist, und lasse alle Herzen der Leser wahrhaftig und ganz für dich gewonnen werden! Amen!

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Wer! sich! an! die!Nachfolge! Jesu! anschließt,! der!muss! unter! anderem! auch! einen! Judas! erfahren.!Dieser!Zug!darf!dem!Gemälde!nicht! fehlen.!"Auch!mein!Freund,!dem!ich!mich! vertraute,!der!mein! Brot!aß,!tritt!mich!unter!die!Füße"!(Ps.41).!Geschieht!es!auch!nicht! immer!in!böser!und!absichtlicher!Weise,!so!muss!man!doch!etwas!Ähnliches!erfahren,! denn!die!Leidensgeschichte!wird!noch! fortgesetzt,!und!wiederholt!sich!bei!allen,!die!in! ihre! Gemeinschaft! aufgenommen! werden.! Die! leidsame! Geduld! ist! das! unfehlbare! Kennzeichen! eines! Nachfolgers! Christi,! wie! auch! die! einzige! Waffe! zur! Überwindung! aller!Feinde!von!innen!und!außen.!Und!nur!auf!diese!Weise!und!auf!diesem!Wege!kann! man!den!gekreuzigten!Christum! kennen!und!verkündigen!lernen. !

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Verlust! genug! büßen.! Aus! Gott! geboren,! frei,! rein,! in! paradiesischer! Unschuld,! voll!
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Jesum,!den!Erstgeborenen!aller!Kreaturen,!sofern!wir! Ihm!in!der!Verleugnung!unserer!
selb st!und!aller!Dinge!nachfolgen,!wie!Er!denn!deshalb!auch!ein!Wiederbringer!genannt!
wird.!Unter!jener!Bedingung,! die!ja! so! natürlich! und! billig!ist,! finden!wir!alles!wieder,!
was! wir! durch! den! Sündenfall! verloren! haben.! Eben! darum! ist! uns! diese! Lebenszeit!
gegeben,!dass!wir!trachten!sollen,!zur!vorigen!Herrlichkeit!wieder!aufzusteigen,!und!der!
damit! verbundenen! Glückseligkeit! aufs! neue! teilhaftig! zu! werden.! Darin! besteht! ja!
unsere!Aufgabe!hienieden,!die!leider!von!den!wenigsten!völlig!gelöst!wird. !
!
Wegen! einer! besonderen! Gebetsgabe! und! des! damit! verbundenen! Genusses! für! den!
Geist!darfst!Du!es!nicht!so!ängstlich!nehmen,!noch!Dich!auf!alle!Weise!anstrengen.!Die!
stete!Richtung!Deines!Gemüts!auf!Gott!und!Dein!sehnsuchtsvoller!Aufblick!zu!Ihm,!dem!
Allgegenwärtigen,!ist! eben! das! rechte! Gebet! und! der! Kern! desselben.! Fahre!Du! nur!in!
dieser!guten!Richtung! fort,!wie!Tersteegen!auch!schreibt:!"Ich!bet'!daheim!und!auf!der!
Strass',!beim!Werk!und!sonst!ohn'!Unterlass!im!Geist!und!in!der!Wahrheit".!Unterdessen!
tust!Du!sehr!wohl ,!auch!freie!Augenblicke!zu!dieser!seligen!Übung!zu!benützen!und!den!
Umgang!mit!Gott!zu!suchen.!Man!kann!ja!nie!zuviel!Zeit!dazu!anwenden. !
!
!
!
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!
!

Bd.$2 $

$

34.$Alles$zielt$auf$die$Losmachung$und$Freiheit$des$Geistes$

! In!Deinem!letzten! Brief!meldest!Du! zwa r! nichts! von!meiner! Antwort! auf! den! vorigen,! dessen! Inhalt! so!
!
In!Deinem!letzten! Brief!meldest!Du! zwa r! nichts! von!meiner! Antwort! auf! den! vorigen,!
dessen! Inhalt! so! ängstlich! klagend! war;! dennoch! hoffe! ich,! dieselbe! werde! Dir!
entsprochen! haben.! Bereits! atmet! Dein! letzter! Brief! einen! freieren! und! befriedigteren!
Geist,! worüber! ich! mich! freue.! Auch! scheint! Dein! Besuch! in! L.! von! guten,! gesegneten!
Folgen!für!Dich!gewesen!zu!sein.!
!
Dass!aber!das!Gefühl!davon!nicht!mehr!von!gleicher!Kraft!und!Lebendigkeit!vorhanden!
ist,! und! sich! alles! wie! zu! verdunkeln! scheint,! soll! Dich! eben! nicht! erschrecken! noch!
entmutigen.! Die! Sache! an! sich! besteht! gleichwohl,! wenn! sie! schon! nicht! immer! gleich!
empfunden!wird.!Gleich!wie!die!Sonne!am!Firmament!immer!von!der!gleichen!Kraft!und!
Wärme!bleibt,!wenn!sie!auch!oft!und!viel!mit!Wolken!bedeckt!ist,!und!deshalb!nicht!im!
vollen!Glanz!scheinen!kann;!ebenso!auch!von!der!Gnadensonne!im! Inwendigen,!wo!sie!
nur! zu! oft! von! den! in! uns! aufsteigenden! Dünsten! irdischer! Sinne! und! Gedanken,!
unreiner!Lüste,!Zerstreuungen!und!zeitlicher!Sorgen!und!Kümmernisse! verdeckt!wird,!
und!wir!dann!meinen,!sie!sei!sog ar!untergegangen!und!es!sei!für!uns!alles!aus!und!dahin.!
Da! geht! es! an! ein! jammern,! Winseln! und! Wehklagen,! gleich! als! wären! wir! von! Gott!
verlassen,!was!aber!überall!nicht!ist.!Er!weicht!eigentlich!nie!von!uns!und!verlässt!uns!
nicht.! Sein! Verbergen! ist! nur! scheinbar! und! soll! nur! dazu! dienen,! die! Seele! dahin! zu!
vermögen,!dass!sie!aufs!neue!von!allen!sie!zerstreuenden!und!fesselnden!Dingen!dieses!
Lebens! und! auch! von! sich! selbst! ausgehe,! ihrem! Geliebten! nachlaufe! und! zu! Ihm!
eindringe.!Das!sind!heilsame!Übungen! und!sollen!für!sie!zu!lauter!Gewinn!werden,!auch!
sie!in!allem!schweigsam!und!vorsichtig!machen,!nicht!vor!jedem!Unerfahrenen!das!Herz!
auszuschütten! und! die! inneren! Erfahrungen! mitzuteilen,! sondern! nur! da,! wo! man! für!
diese!Ausgaben!wieder!Einnahmen!hat.!Dies!hast!Du!neulich!erfahren,!als!Du!jemandem!
Deine! Einsichten! und! Empfindungen! mitteiltest,! was! man! Dir! aber! als! Vermessenheit!
ausdeutete.!Es!ist!eben!eine!beständige!Schule,!worin!vieles!zu!lernen!ist,!und!worin!man!
auf! tausenderlei!Weise! geübt! wird.! Alles! aber! zielt,! wie!Du! sagst,! auf! die! Losmachung!
und!Freiheit!des!Geistes.!
!
Übrigens! bemerke! ich! zu! meinem! Vergnügen,! dass! Du! seit! einiger! Zeit! in! gutem! Sinn!
fortgeschritten!bist,!freilich!nur!unter!Angst!und!Zweifel,!Furcht!und!Hoffnung.!Es!kann!
eben!nicht!anders!gehen!auf!diesem!Weg,!und!ist!also!ein!stetes!Ringen!und!Arbeiten!zur!
neuen!Geburt!aus!Gott.!Die!Frucht!davon!wird!aber!so!edel!sein,!dass!wir!uns!einst!daran!
ewig!ergötzen!und!erfreuen!werden.!Dieses!edle!Bäumlein!wächst!ins!Reich!der!Himmel,!
ins! Pa radies! auf.! Jesus! lebe! in! Dir! und! sei! ferner! der! alleinige! Gegenstand! Deines!
Herzens,!Dein!Licht!und!Dein!Führer! !
!
!

35.$Der$ungebrochene$Eigenwille$gleicht$einem$Besessensein$von$Geistern.$

Wiederholte$Ermahnung$zur$treuen$Ausübung$der$gegebenen$Anweisungen$

Was! die! bewusste! Freundin! betrifft,! so! ist! es,! wie! ich! begreife,! nicht! sowohl! ein! besonderer! Geist,! der! sie! plagt,! als! vielmehr! ihr! eigener,! noch! unerkannter! Geist! mit! einem! ungebrochenen! Sinn! und! Willen,! eine! steife! Eigenheit,! die! ihr! zur! Zeit! noch! unbekannt!ist.!Das!ist!eben!der!Geist,!womit!wir!alle!mehr!oder!weniger!besessen!sind,! und! der! nur! durch! Christi! Geist! in! Gebet,! Selbstverleugnung! und! christlicher! Demut! kann! vertrieben! und! unschädlich! gemacht! werden.! Demnach! ist! niemand! von! außen! imstande,! dieses! Werk! zu! verrichten.! Die! Freundin! wird! nun! nichts! Besseres! tun! können,! als! sich! geradezu! an! den! großen! und! alleinigen! Erlöser! zu! wenden,! sich! Ihm! aufs! neue! in! die! Arme! zu! werfen! und! Ihn! um! Befreiung! von! ihrem! Leiden! zu! bitten,! wenn! es! zu! seine r! Ehre! und! ihrem! Heil! diene,! daneben! auch! die! Ihrigen! in! liebender! Geduld!zu!tragen!und!ihnen!soviel!als!möglich!gehorsam!zu!sein.!Auf!diesem!Weg!wird! ihr!ohne!Zweifel!geholfen!werden.!Ein!anderes!Mittel!kenne!ich!nicht!und!ist!auch!nicht! nötig,!weiter!in! mich! zu! dringen.!An!meinem! herzlichen!Anteil! darf! sie! nicht! zweifeln,! soviel!von!mir!abhängt!und!mir!gegeben!ist. !

Was!dann!Deinen!eigenen!Zustand!betrifft,!so!ist!meine!Antwort!darauf!schon!in!meinem! vorigen! Brief! deutlich! enthalten,! so! dass! ich! jetzt! nichts! anderes! oder! Besonderes! hinzuzufügen! hätte.! Du! darfst! nur! nachsehen! und! wirst! daselbst! die! köstliche! Lehre! finden! vom! Aufhören! des! Selbstwirkens,! der! Ergebung! an! Gott,! der! Einkehr! oder! Gemütssammlung,!der!Gelassenheit!usw.!Das!muss!man!in!treue!Ausübun g!bringen!und! nicht!immer!Neues!begehren!und!gleiches!wiederholen.!Gewiss,!wenn!man!diese!guten! Anweisungen! wirklich! befolgte,! man! würde! bald! den! gewünschten! Nutzen! und! Segen! davon! spüren! und! nicht! immer! soviel! schreiben! müssen.! Am! Ende! muss! doch! jedes! sel bst!gehen!lernen.!Die!meisten!machen!sich!selbst!viel!vergebliche!Unruhe,!indem!sie! immer!wollen,!was!sie!nicht!haben! können,!und!nicht!zufrieden!sind!mit!dem,!was!sie! gegenwärtig!haben,!da!es!doch!heißt:!"Lasset!euch!begnügen!mit!dem,!was!da!ist'!Denn! Er! hat!gesprochen:!Ich!will!dich!nicht!verlassen!noch!versäumen."!Übrigens!begreife!ich! gar! wohl! den! gerechten! Grund! Deiner! anderweitigen! Klage! über! Dein! Elend! und! Verderben! und! über! den! Mangel! am! Guten.! Diese! Einsicht! und! Empfindung! ist! eine! Wirkung! des! in! Dir! leuchtenden! Gnadenlichts,! wofür! Du! wohl! von! Herzen! zu! danken! hast.!

Da!ich!noch!nicht!in!Eure!Gegend!kommen!kann,!so!möchte!ich!Dir!und!Deiner!Freundin! raten,!zu!dem!lieben!W.!zu!gehen.!Er!ist!ein!brüderlicher!Freund!von!mir.!Hast!Du!etwa! Vorurteile!geg en!Ihn,!so!lasse!sie!fallen!und!berate!ihn!offenherzig. !

Unterdessen!empfehle!ich!Euch!beide!der!kräftigen!Wirkung!des!Geistes!Jesu. !

Mit!besonderem!Vergnügen!sehe!ich,!dass!mein!seitheriges!Stillschweigen!Dir!weit!mehr! genützt! und!Dich! gefördert! hat,! als! wenn!wir! uns! geschrieben! hätten.! Auch!inskünftig!

soll! es! also! gehalten! und! also! nicht! mehr! so! häufig! und! soviel! geschrieben! werden,! wodurch! das! Innere! nur! ausgekehrt! und! zerstreut! wird.! Man! muss! ja! am! Ende! allem! absterben.! Alles! hat! seine! Zeit.! Überdies! hast! Du! jetzt! einen! treuen! Seelenfreund! und! Führer,! der! unendlich! geschickter! ist! als! ich,! Dich! zu! leiten! auf! gutem! und! richtigem! Wege.!Du!darfst!Ihm!nur!ferner!ergeben!sein,!Ihm!folgen!und!Ihn!als!deinen!Herrn!in!Dir! und! über! Dich! walten! und! schalten! lassen ,! wie! Du! denn! auch! tust,! so! wird! Er! sein! angefangenes!Gnadenwerk!in!Dir!herrlich!ausführen,!weil!Er!allein!davon!der!Anfänger! ist!und!auch!der!Vollender!sein!will! D !alles!zu!seinem!Lob!und!Deinem!wesentlichen!Heil.! Ich! habe! eine! Ehrfurcht! vor! seinem! Werk! in! der! Seele,! und! darf! und! soll! mich! nicht! darein!mischen,!sonst!würde!ich!mehr!verderben!als!gut!machen.!Siehe,!lieber!Freund,! so! muss! man! die! Seelen,! nachdem! sie! äußerlich! genug! Handreichung! empfangen,! endlich! der! Führung! des! Erzhirten! übergeben! und! anvertrauen.! Er! will! es! so! haben,! damit! sie! den! gebrechlichen! Stützen! der! Kreaturen! absterben,! sich! Gott! allein! unterwerfen!und! Ihm!in!die!Arme! fallen.! Ich!mache!es!gerade!auch!also,!und!auf!diese! Weise!finden!wir!uns!in!Ihm!vereint.!Ach!wie!viel!unnütze!Mühe!f ällt!da!der!Seele!weg'! Da!geht!es,!wie!der!Prophet!sagt,!dass!zu!der!Zeit!ein!jedes!unter!seinem!Weinstock!und! Feigenbaum!sicher!wohnen,!weiden!und!ruhen!wird!ohne!alle!Furcht. !

!

!

36.$Wer$lange$genug$der$Ägypter$Brot$gegessen,$der$darf$(in$die$Wüste$getrieben)$

vom$Manna$des$Glaubens$essen$

!

Nach!Deinem!Brief.! vom! 29.!Mai! bist!Du!also! von!einer! 24D jährigen! Last! befreit,! unter! welcher!Du! so!lange!geseufzt,! obgleich! sie!Dir! ein!irdisches!Brot! eintrug,! das!Dir! aber! auch!ohne!dieselbe!kann!und!wird!zugete ilt!werden.!Denn!der!Herr!ist!an!kein!äußeres! Mittel! gebunden;! sein! Arm! ist! nicht! verkürzt,! dass! Er! nicht! helfen! könnte! und! gerne! helfen!will.!Ist!Er!doch!reich!genug!für!alle,!die!Ihn!anrufen,!ja!Ihn!mit!Ernst!und!in!der! Wahrheit!anrufen:!Und!wenn!es!auch !nicht!immer!nach!dem!Begehren!unseres!irdischen! Sinnes! geschieht,! so! wird! doch! das! Nötige! niemals! fehlen.! Die! Entziehung! einer! bisherigen!Stütze!soll!uns!nur!ermuntern,!unser!Vertrauen!auf!Gott!zu! verdoppeln.!Du! tust! wohl! daran,! auf! diese! niemals! fehlende! Stütze! Dich! zu! verlassen.! Er! hat! ja! Deine! Führung!übernommen!und!damit!sich!gleichsam!verpflichtet,!Dein!Vater!und!Versorger! zu! sein! in! leiblicher! und! geistlicher! Beziehung.! Diese! Überzeugung! soll! für! Dich! sehr! beruhigend! sein!und!alle! Furcht!und! Zweifel! aus!dem!Gemüt! verbannen.!Mein!eigenes! Beispiel!kann!Dich!belehren!und!ermutigen.!Schon!seit!36! Jahren!ist!mir!der!Verdienst! entzogen! und! bin!auch! von!Hause!aus! ohne!irgendein! Vermögen;! und! dennoch!werde! ich!erhalten,!ohne!jemandem!zur!Last!fallen!zu!müssen.!Ja!ich!muss!noch!auf!viele!Seiten! hin!in!Anspruch!genommen!werden. !

!

Hat!man!lange!der!Ägypter!Brot!gegessen,!so!wird!man!von!ihnen!weggeführt!und!in!die! Wüste!getrieben,!um! vom!Glauben!zu!leben!und!Manna!essen!zu!lernen.!Nachdem!Dir! die! peinliche! Furcht! genommen! worden! ist,! fängt! jetzt! (wie! es! scheint)! ein! anderer! Wurm!an!zu!nagen,!indem!es!Dir!bange!machen!will,!es!möchte!Gleichgültigkeit!für!Dein! Heil! sein.! Aber! die! Überzeugung,! dass! der! Herr! Deine! Führung! übernommen! habe,! vermag! auch! diesen! düsteren! Nebel! zu! verscheuchen.! Du! darfst! Dich! derselben! nur!

getrost! anvertrauen! und! Ihm! die! Sorge! für! alles! überlassen! nach! dem! heilsamen! und! schönen!Rat!Davids:!"Befiehl!dem!Herrn!deine!Wege!und!hoffe!auf!Ihn:!Er!wird!es!wohl! machen."! Wie! aber! hier! keine! Rose! ist! ohne! Dornen;! so! ist! es! mit! allen! Ständen! des! Gemüts,!ja!auch!mit!jeder!verbesserten,!glücklichen!Lage!überhaupt.!Das!Kreuz!begleitet! alles,!um!uns!in!Ordnung,!im!Gleichgewicht!zu!erhalten,!damit!wir!uns!nie!völlig!am!Ziele! glauben,! sondern! demselben! immer! n achstreben,! um! immer! noch! reiner! und! vollkommener!zu!werden.!Das!Kreuz!ist!ein!Ansporn!zum!Gebet!und!zu!allem!Guten;!es! ist!die!Würze!des!Lebens. !

!

Da! Du! endlich! die! früher! ausgesprochene!Wahrheit,! dass! wir! nichts! in! unserer! Macht! haben,!erfährst,! so!bleibt!Dir!nichts!anderes!zu! tun!übrig,!als!Dich!lediglich!an!Gott!zu! überlassen!und!von!Ihm!allein!Hilfe!zu!erwarten. !

!

!

90.$Die$Anfechtungen$gehören$notwendig$zu$unserer$geistigen$Erziehung$und$

Reinigung,$und$sind$oft$die$bitteren$Früchte$einer$früheren$Aussaat $

!

Geliebter!Freund!und!Bruder!!Auf!Deinen!Brief!will!ich!Dir!mit!Raphael!antworten:!"Weil! du!Gott!lieb!bist,!muss!es!also!sein;!ohne!Anfechtung!musst!du!nicht!bleiben,!damit!du! bewährt! werdest".! Siehe,! das! gehört! notwendig! zu! Deiner! Führung! und! ge istigen! Erziehung!und!darf!nicht! fehlen,!ist!demnach!nur!ein!gutes!Zeichen!und! von!günstiger! Vorbedeutung! für! das! Heil! Deiner! Seele.! Die! Heiligen! sagen! einstimmig:! "Keine! Anfechtung!oder!Leiden!haben,!sei!die!größte,!gefährlichste."!

!

Wie!recht!haben!sie!do ch!!Nein,!Freund!!Dir!widerfährt!nichts!Fremdes.!Tausende!von! Deinen! Mitbrüdern! teilen! dieses! Los! mit! Dir.! Freue! Dich! also! und! achte! Dich! nicht! einmal!würdig,!um!des!Namens!Christi!willen!die!Lästerungen!und!Schmähungen!seines! und! Deines! Feindes! zu! leiden!! Du! bist! dem! Widersacher! ausgerissen,! und! als! einen! solchen! Ausreißer! setzt! er! Dir! nach! und! sucht! Dich! auf! alle! Weise! zu! plagen! und! zu! ängstigen;! denn! er! sieht,! dass! er! es! verspielt! hat,! und! Du! zu! seinem! Sieger,! Deinem! rechtmäßigen!König,!übergegangen!bist . !

!

Wundert!es!Dich!nun,!dass!er!Dir!diesen!göttlichen!Fürsten!und!Herrn!auf!so!gemeine! Weise! zu! verdächtigen! oder! Ihn!gar!wegzuleugnen! sucht?!Siehe,!Du! bist! bei!all! diesen! Anwandlungen!unbeteiligt;!sie!gehen!Dich!überall!nichts!an!und!berühren!den!Willen!im! geringsten!nicht,!da!wo!es!Dir!ja!Schmerz!und!Betrübnis!verursacht.!Die!Sünde!liegt!im! Willen,! nach! diesem! wird! man! beurteilt.! Die! betreffenden! Anfechtungen! sind! also! beschwerlich,!aber!nicht!gefährlich. !

!

Dies! merke! Dir! wohl,! lege! keinen! Wert! darauf! und! zeige! damit,! dass! Du! des! Feindes! Gaukelspiel!nicht!achtest!!Er!mag!es!für!sich!treiben!oder!aufgeben.!Dann!lässt!sich!dies!

auch!noch!von!einer!andern,!nicht!weniger!tröstlichen!Seite!ansehen.!Der!verfallene!und! verdorbene! Zustand! des! Menschen! bringt! es! naturgemäß! mit! sich,! dass! wir! nun! alle,! jedes! nach! Bedürfnis,! Stand! und! Bestimmung,! das! Feuer! der! Prüfungen! mancherlei! Arten! passieren! müssen,! um! von! den! tief! eingewurzelten! Sünden! und! eingerosteten! Eigenheiten!gründlich!geheilt!und!wieder!in!die!Aufnahme!in! Gott!befähigt!zu!werden,! da!ja!in!Ihn!nichts!Unreines!und!Gemeines!eingehen!kann.!Denn!Er!ist!jene!heilige!Stadt,! deren!Gassen!von!lauterem!Gold!sind,!gleich!einem!durchscheinenden!Glas.!Nun!lässt!es! sich! denken,! welch! einer! Reinigkeit! diejenigen! bedürfen, ! die! daselbst! einheimische! Bürger!sein!wollen. !

!

Die!gegenwärtigen!Anfechtungen!und!Seelenleiden!haben!meistens!ihre!Veranlassung!in! früher! begangenen! Sünden,! Abweichungen! und! Untreuen! gegen! Gott,! gegen! den! Nächsten!und!gegen!uns!selbst.!Freilich!wissen!wir !uns!dessen!nicht!immer!zu!erinnern;! aber! das! allsehende! Auge! führt! eine! genaue! Rechnung! darüber,! und! vermöge! seiner! heiligen!Gerechtigkeit!gibt!Er!uns!nun!die!bittern!Früchte!von!unserer!früheren!Aussaat! zu!genießen,!was!ja!höchst!billig!ist.!Jener!Mitgekreuzigte!erkannte!diese!Wahrheit!und! bekannte!sie!zu!unser!aller!Belehrung!vor!der!ganzen!Welt:!"Wir!empfangen!billig,!was! unsere! Taten! wert! sind;! dieser! aber! hat! nichts! Ungeschicktes! gehandelt."! Wie! viel! Murrens,! Unzufriedenheit! und! Klagens! würde! bei! solc hem! Licht! unterbleiben,! und! hingegen! würden! wir! dem! Herrn! Gerechtigkeit! widerfahren! lassen,! und! zugleich! den! größten! Nutzen! aus! unserem! Leiden! schöpfen.! Auch! hätten! wir! das! Vergnügen,! zu! sehen,! wie! fein! Er! unser! Interesse! mit! dem! seinigen! zu! verbinden! und! gleichsam! zu! Einem!zu!verschmelzen!weiß. !

!

Nun!auf!diesen!heil'gen!Grund,!

Bau!ich!mein!Gemüte, !

Siehe,!wie!der!Höllenhund!

Zwar!dawider!wüte.!

Gleichwohl!muss!er!lassen!steh'n,!

Was!Gott!aufgerichtet; !

Aber!schändlich!muss!vergeh'n, !

Was!er!selber!dichtet' !

!

Ob! au ch!ich! solche!Anfechtungen! erfahren?! D ! frägst!Du,!mein! Teurer:! Ja! und! noch! viel! mehr.!Auch!noch!jetzt!fliegen!die!Pfeile!des!Tages.!Was!aber!fliegt,!das!hält!sich!nicht!auf,! kommt! schnell! und! vergeht!ebenso! schnell.!Und!warum?!weil! dies!am!Tage!geschieht,! eben!bei!dem!Licht!Christi,!welches!der!ewige!Tag!ist,!wo!das!Böse!nicht!bleiben!kann,! sondern! von! dem! Abglanz! desselben! in! den! finstern! Abgrund! geschleudert! wird,! aus! dem!es!sich!aufzutauchen!wagte.!Doch!fliegen!diese!Pfeile,!die!am!Tage!wandelnde!Seele! zu! versuchen,! zu! prüfen! und! zu! üben,! was! ihr! nur! zum! Besten! dienen! muss! und! sie! befestigt.!So!geht!es!nach!dem!Sprichwort:!"Der!Feind!betrügt!sich!nur!selber."!