GEISTIGE ÜBUNGEN DIE ZU GOTT FÜHREN

Zur Hingabe unser selbst und zu den Übungen einer Gott ganz hingegebenen Seele.

1. Sich Entsagen Und Gott Hingeben, Nichts Vorbehalten. Es handelt sich da um zwei Tugenden, von denen die eine das Ziel der anderen ist: Sich entsagen und sich Gott hingeben. Seine Seele Gott hingeben und sich selbst verlassen heißt nichts anderes, als den eigenen Willen hingeben und aufgeben, um ihn Gott zu schenken. Wie gesagt, würden uns ja Entsagungen und Selbstaufgabe wenig nützen, geschähe es nicht, um mit der göttlichen Majestät völlig eins zu werden. Nur in dieser Absicht dürfen wir diesen Verzicht vornehmen, sonst wäre er umsonst getan, wie jener der alten Philosophen, die alles und sich selbst aufgegeben haben, nur um sich der Philosophie hinzugeben. So z. B. der berühmte Epiktet, der seinem Stand nach ein Sklave war; man wollte ihm um seiner großen Weisheit willen die Freiheit schenken, er aber wollte sie nicht, er leistete den höchsten Verzicht und blieb freiwillig Sklave und dies noch dazu in so großer Armut, daß man nach seinem Tod nur eine Lampe bei ihm fand, die als einziges Stück aus der Hinterlassenschaft eines so großen Mannes um teures Geld verkauft wurde. Wir aber wollen uns selbst und alles hingeben, nur um uns Gott zu überlassen und uns seiner Güte anheimzustellen.

Viele sagen zum Herrn: Ich überlasse mich Dir und behalte mir nichts vor; wenige aber tun das auch wirklich. Eine solche Hingabe wird nämlich nur dann wahrhaft durchgeführt, wenn wir ganz gleichmütig ohne Unterschied alles hinnehmen, was immer uns auch die göttliche Vorsehung schicken mag: Glück oder Leid, Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut, Achtung oder Verachtung, Ehre oder Schmach. Das ist aber nur vom höheren Teil der Seele zu verstehen; denn der niedere Teil der Seele und die natürliche Neigung werden sich zweifellos stets mehr von der Ehre als von der Verachtung, mehr vom Reichtum als von der Armut angezogen fühlen, obwohl jedermann weiß, daß Verachtung, Niedrigkeit und Armut Gott wohlgefälliger sind als Hochschätzung und Überfluß.

2. Gottes Ausgesprochener Wille Um diese Hingabe zu betätigen, müssen wir dem ausgesprochenen Willen Gottes und dem Willen seines Wohlgefallens folgen.Dem ersten unterwerfen wir uns, dem zweiten gegenüber sei unsere Haltung gleichmütige Gelassenheit. Gottes Willen ist ausgesprochen in seinen Räten und Eingebungen, in unseren Regeln und in den Anordnungen unserer Vorgesetzten. Der Wille seines göttlichen Wohlgefallens zeigt sich in Dingen und Geschehnissen, die wir richtig voraussehen können. So weiß ich zum Beispiel nicht, ob ich morgen sterbe oder nicht; werde ich aber sterbenskrank, dann ersehe ich daraus, daß es Gott so wohlgefällt; ich überlasse mich also seinem Wohlgefallen und sterbe gern. Ebensowenig weiß ich, ob in diesem Jahr die Ernte verhagelt wird oder nicht; sollte dies aber geschehen, so ist es Gottes Wohlgefallen.

Noch einige Beispiele, die uns vertrauter sind und unserem Stand mehr entsprechen. Es kann vorkommen, daß ich an meinen geistlichen Übungen gar keine Freude habe; sicher ist das der Wille Gottes, ich werde mich also zwischen Freude und Trostlosigkeit in völligem Gleichmut halten. Man gibt einer Schwester einen Habit, der ihr nicht so gut paßt wie der, den sie gewöhnlich trägt. Die Kleidermeisterin hat es mit ihr gut gemeint, es ist also der Wille Gottes, daß sie dieses Kleid trägt, und sie muß es mit Gleichmut annehmen. Man reicht dir im Refektorium eine Speise, die nicht so gut schmeckt; es ist dies sicher Gottes Zulassung; du mußt also gleichmütig davon essen, ich meine, dem Willen nach. – Das gleiche gilt von der Herzlichkeit und den Freundschaftsbezeigungen: erweist sie dir jemand nicht, so denke, daß Gott dies so zuläßt und daß die Betreffende etwas Besseres zu tun hat. Warum soll sie auch daran denken, mit dir besonders lieb zu sein? Ist sie aber freundlich mit dir, so sieh auch darin Gottes Wohlgefallen und danke ihm für diese kleine Freude, die er dir bereitet.

3. Dem Einen Wie Dem Anderen Nachkommen Es gibt Fälle, in denen wir dem ausgesprochenen Willen Gottes und zugleich auch dem göttlichen Wohlgefallen nachkommen müssen: Wenn ich jetzt z. B. einen heftigen Fieberanfall bekäme, müßte ich daraus entnehmen, daß Gott Wohlgefallen daran hätte, mich in Krankheit ebenso gelassen zu finden wie in Gesundheit. Zugleich aber ist es sein ausgesprochener Wille, daß ich einen Arzt rufe und alle erforderlichen

Heilmittel, die ich nur anwenden kann, auch anwende (ich meine nicht die teuersten, sondern die gewöhnlichen und gebräuchlichsten). Gott gibt uns ja seinen Willen kund durch die den Arzneimitteln innewohnende Heilkraft, auf die uns die Heilige Schrift an mehreren Stellen hinweist, und die Kirche legt uns die Pflicht auf, davon Gebrauch zu machen.

Tun wir das, dann warten wir in heiligem Gleichmut ab, ob die Krankheit das Heilmittel überwindet oder das Heilmittel die Krankheit. Wollte uns der Herr Gesundheit und Krankheit zur Wahl vorlegen und sagen: „Wählst du die Gesundheit, werde ich dir auch nicht ein Fünklein meiner Gnade entziehen, wählst du die Krankheit, werde ich dir keinen Funken hinzugeben, mehr Freude aber machst du mir, wenn du die Krankheit wählst“ – wollte er so sagen, so würde eine ganz in die Hand Gottes hingegebene Seele ohne Zaudern die Krankheit wählen, und zwar nur deshalb, weil etwas mehr vom göttlichen Wohlgefallen in ihr ist. Ja, müßte sie ihr ganzes Leben auf dem Krankenlager verbringen und könnte sie nichts anderes mehr tun als leiden, so würde sie um nichts in der Welt sich etwas anderes wünschen. Die Heiligen im Himmel sind so völlig eins geworden mit dem Willen Gottes, daß sie lieber den Himmel verlieren und in die Hölle hinabsteigen würden, wenn dies Gott auch nur ein wenig wohlgefälliger wäre.

4. Verhalten Bei Abneigungen. Diese Selbstentäußerung umfaßt auch die Hingabe an Gottes Wohlgefallen in jeder Versuchung, in jeder Trockenheit, bei jeder Abneigung, bei jedem Widerwillen, in all dem Widerwärtigen, das im geistlichen Leben vorkommen kann. Die Seele sieht nichts anderes mehr als dieses göttliche Wohlgefallen, wenn ihr dergleichen ohne eigene Schuld, ohne Sünde zustößt.

Wenn wir den Abneigungen nicht nachgeben, sind sie für uns ein Leiden, das wir tragen müssen wie jedes andere. Sobald sie in uns aufsteigen, müssen wir aber nach ihrer Quelle suchen, denn oft entspringen 2. Hingabe 45 sie unserer Unvollkommenheit. Das Übel ist leichter zu heilen, wenn man es kennt; hat man es also erkannt, dann gilt es, die Leidenschaft, die ihre Quelle ist, einzudämmen.

Empfinden wir gegen jemand eine Abneigung, so müssen wir vor allem darauf sehen, dieser Person gegenüber nicht weniger, sondern mehr Akte der Nächstenliebe zu setzen, ihr Gefälligkeiten zu erweisen, sie ins Gespräch zu ziehen, mit ihr freundlich zu sein, – also nicht nur keine Abneigung fühlen lassen, sondern ihr noch mehr entgegenkommen als sonst. So erweisen wir uns treu und gehorsam gegen Gott und seinen ausgesprochenen Willen. Was könnte dich auch hindern, dieser Schwester zu versichern, daß sie dir lieb ist wie dein eigenes Leben, daß du darunter leidest, gegen sie eine Abneigung zu fühlen? So etwas darf man aber nur einer Profeßschwester sagen; denn einer Novizin wäre ein solcher Gedanke vielleicht unerträglich. Bei einer Profeßschwester dagegen wäre es sehr bedauerlich, wenn sie ihrer Mitschwester bei dem Eingeständnis ihres Kummers und ihrer Abneigung nicht herzlich und verständnisvoll entgegenkäme, da jene doch so vertrauensvoll zu ihr kommt, keine Schuld an der Abneigung trägt und davon befreit sein möchte, wenn es Gott so gefiele. – Hat man diese Mittel angewandt, so möge man sich nicht mehr darüber ängstigen; man trage willig sein Leid, ohne Verlangen, davon befreit zu werden, und ergebe sich in Gottes heiligen Willen, der uns diese Prüfung zugedacht hat.

Es kommt auch zuweilen vor, daß man nicht gegen die Personen Abneigung empfindet, sondern gegen ihr Tun. Solche Abneigungen sind nicht die schlimmsten, immerhin sind sie eine Unvollkommenheit; denn wenn jemand etwas tut, was nicht recht ist, so muß man mit ihm Mitleid haben, nicht Abneigung gegen ihn. Wer z. B. viel auf Reinlichkeit hält, fühlt sich von einer unreinlichen Person abgestoßen, und wird ihr wegen ihrer Unsauberkeit schwerere Vorwürfe machen als wegen einer schweren Sünde. Ein solches Vorgehen ist gewiß nicht in Ordnung.Fühlt man sich gleichmäßig von allem abgestoßen, was Gott beleidigt, dann ist wohl der echte Eifer die Quelle dieser Abneigung; es wäre aber trotzdem gefährlich, die Abneigung gegen die Sache auf die Person zu übertragen. Das zerstört zwar die Liebe nicht, nimmt ihr jedoch die herzerquickende Anmut.

Ich will damit nicht sagen, daß wir bei einer starken Abneigung mit der gleichen Freudigkeit reden können wie bei einer herzlichen Freundschaft. In solchen Fällen vermag man wohl zu reden und alles zu tun wie sonst, aber es liegt nicht in unserer Macht, dabei eine ebenso

freundliche Miene zu zeigen, als hätten wir keine Schwierigkeiten. Ähnlich ergeht es ja auch schwermütigen Menschen. Sie können wohl singen, spazieren gehen, in der Erholungszeit mitreden, aber es fehlt ihnen dabei das Liebenswürdige und das freundliche Wesen heiterer Menschen. Es wäre auch gar nicht angebracht, dies von den einen wie von den anderen zu verlangen.

Wenn sich unsere Abneigungen nur darin äußern, daß man in Gesprächen mit dem Gegenstand der Abneigung nicht ganz so fröhlich ist oder ihm nicht so frei in die Augen schauen kann, so ist dies nicht so schwer zu nehmen. Man hat dann wohl Grund, sich darüber zu demütigen und sich für gering zu achten, aber man braucht es nicht zu beichten. Ebensowenig ist es Sünde, wenn ich gezwungen bin, den Gegenstand meiner Abneigung auf einen Fehler aufmerksam zu machen, und dabei etwas ungeduldig werde trotz meines Vorhabens, es mit Liebe zu tun; es wird wohl fast jedem so gehen. Ein schlichter Akt der Demut vor Gott genügt dann, um diesen Fehler wieder gutzumachen. Hält aber die Abneigung an und lassen wir uns vor ihr zu entsprechenden Handlungen und Worten hinreißen, dann ist dies bestimmt als schlecht zu bezeichnen: denn wenn das Herz den Weg zum Mund gefunden (Mt 12,34; 15,11 und 18-20), so ist dies ein Zeichen, daß der Wille schuldig ist, daß er die erste Regung nicht unterdrückt hat.

5. Innerliche Haltung Einer Gott Hingegebenen Seele. Jetzt möchtet ihr noch gerne wissen, womit sich die ganz in Gottes Hand hingegebene Seele innerlich beschäftigen soll? Sie tut nur das eine: sie weilt bei ihrem Herrn, sie kümmert sich um nichts mehr, weder um Leib noch Seele. Ihre Barke segelt unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung; warum dann sich sorgen, was aus ihr wird? Der Herr, dem sie sich ganz anheimgegeben, sorgt ja hinlänglich für sie. Damit will ich jedoch nicht sagen, daß wir uns nicht um die Dinge kümmern sollen, die uns obliegen. Hat z. B. eine Schwester den Garten zu besorgen, so darf sie nicht sagen: „Ich brauche mich nicht darum zu kümmern, der Herr wird es schon recht machen!“ Es geht auch nicht an, daß die Oberin oder die Novizenmeisterin unter dem Vorwand, sie hätten sich ganz Gott hingegeben und alles seiner Sorge anheimgestellt, es unterlassen, die Anweisungen zu lesen, die sie für die Durchführung ihrer Ämter benötigen.

6. Vertrauen Der Gott Hingegebenen Seele. Ihr habt mir soeben gesagt, es gehöre großes Vertrauen dazu, sich so ganz restlos der göttlichen Vorsehung zu überlassen. Das ist wohl wahr. Wenn wir aber auf alles verzichten, dann sorgt der Herr für alles und lenkt alles. Wenn wir uns hingegen etwas vorbehalten, weil wir es ihm nicht anvertrauen wollen, so läßt er es uns, wie wenn er sagen wollte: Wenn du dich für so klug hältst, dies ohne mich tun zu können, dann mach es nur allein, du siehst dann schon, wie weit du damit kommst. Die Gott geweihten Seelen im Ordensstande müssen restlos auf alles verzichten. Die hl. Magdalena, die sich dem Willen des Herrn ganz anheimgegeben hatte, saß zu seinen Füßen und lauschte seinen Worten (Lk 10,31). Hörte der Meister zu reden auf, so hörte sie auf zuzuhorchen, rührte sich aber nicht und blieb bei ihm. So hat auch die ganz Gott hingegebene Seele nichts anderes zu tun, als in Gottes Umarmung zu ruhen, wie ein Kind im Schoß der Mutter. Stellt sie es auf den Boden, damit es laufe, so läuft es, bis die Mutter es wieder auf den Arm nimmt. Und will die Mutter das Kind tragen, so läßt es auch dies geschehen. Es weiß nicht, wohin es geht, und denkt auch nicht daran, es läßt sich einfach tragen, wohin die Mutter will. Die Seele, die in allem Gottes Wohlgefallen liebt, macht es auch so, sie läßt sich tragen, schreitet aber zugleich auch voran, da sie mit großer Sorgfalt das ausführt, was Gottes ausgesprochener Wille von ihr verlangt.

7. Kann Der Wille Ganz Absterben? Ihr fragt jetzt, ob es denn möglich ist, daß unser Wille so ganz in Gott erstirbt, daß wir dann gar nicht mehr wissen, was wir wollen oder nicht wollen. Antwort: Wir mögen noch so sehr an Gott hingegeben sein, unsere Selbständigkeit und unser freier Wille verbleiben uns doch immer noch und immer wieder wird ein Wunsch, ein Begehren in uns aufsteigen, Aber dann ist das kein unbedingter Wille, kein fester Wunsch, denn sobald eine ganz dem Wohlgefallen Gottes hingegebene Seele Wünsche und Verlangen wahrnimmt, läßt sie dieselben im Willen Gottes ersterben.

8. Das Gebet Der Ruhe In Einer Vollkommenen Seele. „Ihr möchtet auch wissen, ob eine noch sehr unvollkommene Seele während der Betrachtung ihre Zeit nützlich verbringt, wenn sie ganz einfach auf die göttliche Gegenwart hinmerkt.

Antwort: Die Seele darf ruhig in diesem Zustand verbleiben, wenn Gott sie in denselben versetzt; denn es geschieht nicht selten, daß der Herr auch Seelen, die noch nicht ganz geläutert sind, diese Ruhe und Stille schenkt. Während sie aber noch der Reinigung bedürfen, müssen sie dafür außerhalb der Betrachtungszeiten die zu ihrer Besserung nötigen Erwägungen und Überlegungen machen. Denn wenn Gott sie auch noch so sehr gesammelt hält, so bleibt ihnen dennoch genug Freiheit, mit dem Verstand über verschiedene gleichgültige Dinge nachzudenken. Warum also sollten sie nicht die Übung der Tugenden überdenken und ihre Vorsätze fassen können? Es gibt sehr vollkommene Menschen, denen Gott niemals solche Wonne und Ruhezustände schenkt; sie tun alles nur mit dem höheren Teil ihrer Seele und mit Gewalt; nur mit der höchsten Spitze ihrer Vernunft lassen sie ihren Willen im Willen Gottes ersterben. Und dieses Sterben ist der Tod am Kreuz (Phil 2,8), der viel erhabener und hochherziger ist als jener andere Tod, den man mehr ein Entschlafen als ein Ersterben nennen kann. Die Seele, die das Schifflein der göttlichen Vorsehung bestiegen, läßt sich ruhig auf den Wellen dahintragen, gleich einem Menschen, der schlafend auf ruhiger See dahinfährt und trotzdem vorwärts kommt. Dieses friedliche Sterben ist ein Gnadengeschenk, das andere ist Verdienst.

9. Der Grund Unseres Vertrauen. Und nun möchtet ihr noch wissen, auf welchem Grund sich unser Vertrauen aufbauen soll. Es muß auf die unendliche Güte Gottes und auf die Verdienste des Leidens und Sterbens Unseres Herrn Jesus Christus gegründet sein, mit der Voraussetzung unsererseits, daß wir den festen, unabänderlichen Entschluß in uns tragen, Gott ganz anzugehören und uns in allem ohne jeden Vorbehalt seiner Vorsehung zu überlassen. Es wäre unvernünftig, Gott zu sagen: „Ich vertraue auf Dich, will Dir aber nicht ganz angehören.“ Beachtet aber wohl, ich sage nicht, man müsse diesen Vorsatz fühlen, aber haben muß man ihn und wissen, daß man ihn hat. Wir dürfen uns nicht darum kümmern, ob wir etwas fühlen oder nicht, da die meisten unserer Gefühle und Befriedigungen nur

Auswüchse unserer Eigenliebe sind. Wir dürfen auch nicht meinen, daß wir bei all dieser Hingabe und Gleichmütigkeit niemals einen Wunsch haben werden, der dem göttlichen Willen entgegen ist, oder daß unsere Natur niemals widerstreben wird. Dies wird immer wieder vorkommen, denn für gewöhnlich versteht der niedere Teil der Seele nichts von den Tugenden, die im höheren ihren Sitz haben. Man darf sich darum nicht kümmern und nicht hinschauen, was er will, sondern muß trotz allem den göttlichen Willen umfangen, um ganz eins mit ihm zu sein. Nur wenige Menschen gelangen zu diesen Höhen vollkommenen SichVerlassens; aber nach diesen Höhen verlangen, das müssen wir alle, ein jeder nach seinen schwachen Kräften und Fähigkeiten.

FRANZ V. SALES