In der alten Bundesrepublik galt der Band, der 1965 erstmals im Staatsverlag der DDR erschienen war, lange als "politische Pornografie", weiß Rezensent Götz Aly. Ohne Frage handelte es sich bei dem Band, der die deutsche Öffentlichkeit mit der NS-Vergangenheit von Ministern und Staatssekretären, von Generälen und Admiralen der Bundeswehr, Justizbeamten, Staatsanwälten und Richtern, und weiteren Berufsgruppen konfrontierte, um Propaganda, räumt Aly ein. Doch ein "gedankenloses Machwerk" ist es nicht, hält der Rezensent fest. Er hebt hervor, dass sich die "empirischen Grundlagen" des Braunbuchs als äußerst beständig erwiesen haben und die Irrtumsquote deutlich unter einem Prozent liegt, was das Buch seines Erachtens vor zahllosen historischen Nachschlagewerken auszeichnet. Der größte Einwand, der aus heutiger Sicht gegen das Braunbuch erhoben werden kann, ist für Aly, dass es zu wenige Namen nannte. So habe es ungewollt auch die Illusion geweckt, alle Nichtgenannten hätten mit dem Nationalsozialismus nichts oder nur wenig zu tun gehabt.
Original Title
Braunbuch - Kriegs-und Nazi Verbrecher in der Bundesrepublik und in West Berlin
In der alten Bundesrepublik galt der Band, der 1965 erstmals im Staatsverlag der DDR erschienen war, lange als "politische Pornografie", weiß Rezensent Götz Aly. Ohne Frage handelte es sich …